10. Januar 2019

'Gleiche Wellenlänge (Meereszeiten)' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Gezeiten und Gefühle

»Komm besser sofort. Ich gehe heute noch von Bord«, hatte ihr Vater, Kreuzfahrtkapitän Jens Jakobsen, am Telefon gesagt. In Sorge um ihren erkrankten Großvater und mit schlechtem Gewissen, den Weg fast zwei Jahre lang nicht mehr zurück in ihre Heimatstadt gefunden zu haben, reist Insa überstürzt nach Cuxhaven.

Völlig unerwartet findet sie veränderte Verhältnisse vor. Die Wohnung, die Insa bisher im alten Kapitänshaus ihres Großvaters nutzte, ist an eine schwangere, junge Frau vermietet. Zudem gibt es überraschend einen großen Hund im Haus.

Sie freundet sich mit der werdenden Mama Annie an und lernt den attraktiven Notfallsanitäter Björn sowie den sympathischen Hotelbesitzer Arne kennen. Beide Männer treffen voll Insas Beuteschema, wäre da nicht ihr Freund Martin, der im Rheinland auf sie wartet.

Doch zuerst verschenkt Insa ihr Herz an einen anderen liebenswerten Kerl – Kolumbus, die gelungene Mischung aus Labrador und Golden Retriever.

Leseprobe:
Insas Telefon klingelte. Och nö, die Chefin! Nur ungern riss sie sich von ihrem gerade begonnenen Konzept los.
Sie hatte den Auftrag erhalten, das abendliche Sommerfest eines großen Düsseldorfer Unternehmens in einem parkähnlichen Garten zu planen.
So schwelgte sie gedanklich in sonniger Wohlfühlatmosphäre. Luftige weiße Baumwollvorhänge bauschen sich im leichten Sommerwind, während in den Bäumen platzierte, hübsche Lampionketten warme Farbakzente in den dunkler werdenden Abendhimmel schicken. Flackernde Windlichter und Vasen mit bunt gemischten Blumensträußen schmücken die weiß eingedeckten Tische, man hört fröhliches Lachen der sommerlich-leicht gekleideten Gesellschaft. Alles wird durch leise Musik untermalt.
Insa rieb sich kurz über die Augen, hob nach dem dritten Klingeln ab und schaute dabei durch das Fenster ihres Büros, an dem die Regentropfen in kleinen Schlangenlinien hinunterliefen. Der Himmel im Düsseldorfer MedienHafen präsentierte sich mit einer undurchdringlich grauen Wolkendecke, wie so oft im Februar.
»Linda hier«, hörte Insa. »Kommst du rüber in mein Büro? Und bring bitte Anke mit.«
»Alles klar.«
Schnell stand Insa auf, schnappte ihr Handy und steckte es in ihre Jeans, um dann ins Nachbarbüro zu eilen.
»Hey, Anke, die Chefin ruft.«
»Jetzt? Ach Mensch, ich bin ... aber hilft ja nichts.« Auch sie griff ihr Handy und beide machten sich gemeinsam auf den Weg zum Ende des Flures.
Dort lag das große Eckbüro der Geschäftsleitung, das den Blick auf die beeindruckenden Gehry-Bauten mit den schiefen Türmen und scheinbar kippenden Wänden freigab. Insa mochte dieses Büro, zumal man von hier aus ebenfalls aufs Wasser schauen konnte. Der alte Rheinhafen hatte sich, allerdings schon lange vor ihrer beruflichen Zeit in Düsseldorf, in ein modernes Viertel verwandelt, wo sich angesagte Gastronomie tummelte und schicke Boote dümpelten.
Die Nähe des Wassers tat ihr immer gut – kein Wunder, sie war ein norddeutsches Küstenkind, aufgewachsen in Cuxhaven.

Die Tür des Büros stand offen, deshalb traten sie mit einem einfachen »Hallo« ein.
Linda saß hinter ihrem Schreibtisch und deutete mit dem Zeigefinger auf das komfortable Leder-Ecksofa. »Nehmt bitte Platz. Bin sofort bei euch. Kaffee?«
Insa und Anke nickten.
Linda griff zum Hörer, bat ihre Assistentin um Kaffee und Gebäck, raffte einige Unterlagen zusammen, schnappte ihr Tablet und gesellte sich zu ihnen.
Insa betrachtete sie fasziniert. Ihre Chefin war das typische Bild einer Düsseldorfer Karrierefrau. Designer-Outfits, High Heels, perfektes Make-up und stets eine Hochsteckfrisur. Noch nie hatte man sie mit offenen Haaren gesehen. Ihr Alter von sechsundvierzig sah man ihr keineswegs an. Vielleicht lag es aber mit daran, dass sie sich in ihrer knapp bemessenen Freizeit einen Personal Trainer gönnte, der sie top in Form hielt. Eine Nageldesignerin sorgte regelmäßig für die Schönheit ihrer Fingernägel und auch ihre Wimpern wurden stets neu verlängert und aufgefüllt. Aber sie hatte noch etwas, das nicht ihr schönes Äußeres betraf: Charisma. Linda konnte Menschen durch ihr sympathisches Wesen wie der Blitz für sich einnehmen.
»Es geht um die Messebekleidung«, erläuterte die Chefin. »Wir sollten sie gemeinsam aussuchen. Ich brauche jetzt euer Feedback und eure aktuellen Größen. Ich will den Auftrag diese Woche rausschicken. Deshalb bitte demnächst nicht mehr so viel futtern, damit alles passt«, feixte sie.
»Ach herrje!«, stöhnte Anke. »Bei mir ist der Adventsspeck noch dran! Das macht eine Größe, wenn es nicht kneifen soll. Aber bis zur Messe ist ja nicht mehr lange, ich weiß nicht, ob ich das hinbekomme.«
»Dann nimm die Nummer größer, falls du es nicht schaffst, die Kilos runterzuhungern.«
»Natürlich schaffe ich das!«, empörte sich Anke, die ständig mit den elenden Jojo-Effekten von verschiedenen Diäten kämpfte, die sie stets hoffnungsvoll ausprobierte. »Ich will neben euch nicht aussehen wie eine Kegelrobbe.«
»Kegelrobben haben schöne Augen und einen lieben Gesichtsausdruck.« Insa kicherte.
»Na toll! Für einen hinreißenden Messeauftritt und das Abfischen von Erfolg verheißenden Aufträgen wird das nicht reichen.«
»Kegelrobben können übrigens prächtig fischen«, neckte Insa.
Assistentin Gaby jonglierte ein volles Tablett herein. »Ich habe euch Schokokekse mitgebracht. Eine brandneue Sorte, vorgestern beim Einkauf entdeckt. Unheimlich lecker!«
»Genau das Passende für Anke«, kommentierte Linda trocken.
»Nimm sie am besten gleich wieder mit«, tönte Anke, schielte aber dennoch mit einen interessierten Blick auf den Teller. »Oh mmh ...«, ihre Augen wurden prompt größer, »da sind ja richtige Schokotropfen drauf.«
»Sag ich doch, echt gut.« Gaby verließ das Büro und ließ Anke mit einer Mischung aus hungrigem und verzweifeltem Gesichtsausdruck zurück.
Insa nahm einen Keks und biss hinein. Absichtlich theatralisch stöhnte sie auf. »Göttlich!«
Da konnte sich Anke nicht mehr beherrschen, mopste blitzschnell den größten der Schokokekse, schloss für einen genussvollen Moment die Augen, als sie ihn anknabberte und begann sofort, sich zu rechtfertigen. »Nur einen. Als Test. Um mitreden zu können oder um zu wissen, was ich nicht kaufe. Nur deshalb.«

Im Kindle-Shop: Gleiche Wellenlänge (Meereszeiten 1).
Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.



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