8. Januar 2019

'Zwillingsbande - Unschuldig gefangen' von Michael Kalters

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
«Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt.»

Er liebte es, mit diesen Worten geweckt zu werden. Waren es doch genau die Gefühle, die er gegenüber seiner neuen Therapeutin empfand!

Katharina auf Mallorca, Judith in Deutschland – die Zwillinge sind auf Gedeih und Verderben miteinander verbunden. Ihre gegenseitige Abhängigkeit sperrt jeden Fremden aus ihren Leben aus. Dabei sind die Frauen äußerst attraktiv! Das fällt Alex sofort auf, als er auf der Insel Ruhe und Erholung sucht. Sein Hotel liegt ausgerechnet neben Katharinas Eisladen! Schnell entwickeln beide tiefe Gefühle zueinander.

Da geschieht das Unfassbare: Ihre über alles geliebte Schwester Judith – eine renommierte Psychologin – verschwindet spurlos! Und mit ihr unersetzliche Forschungsergebnisse!
Liebe und Zweifel, Freundschaft und Verbrechen prallen aufeinander.

Leseprobe:
Ein Kakao im Café Pablo
Es ist wohl immer und überall das Gleiche. Chloroform und Desinfektionsmittel sind das Erste, was Besucher in einer Klinik begrüßen. Dann erst erscheinen die fleißigen und überanstrengten Schwestern und Pfleger. Besonders, wenn sich deren Schicht dem Ende neigt, spürt man ständig das Bedürfnis, sich bei ihnen wegen jeder Frage und jedem Anliegen entschuldigen zu müssen.
Alex schritt durch den Eingang des Krankenhauses in Santanyi. An der Aufnahme arbeitete immer noch die freundliche Frau von heute Mittag, nur dass ihre Augen mittlerweile müde waren und sie nicht mehr ganz so aufmerksam schien. Doch Alex musste lernen, dass der äußere Eindruck oft täuscht. Er brachte gerade ein »Buena tarde!« hervor, da begrüßte ihn die Schwester auf Deutsch.
»Guten Abend, Herr Stützer! Sie wollen zu Frau Weidhaus?« Das überraschte Kopfnicken ihres Gegenübers nahm sie gelassen hin. »Sie können sich Zeit lassen, sie schläft im Moment.«
Die Enttäuschung in Alex’ Augen sprachen anscheinend Bände, denn die sympathische Schwester sah ihn mitleidig an. Sie rief dem davonschlurfenden Besucher hinterher: »Ach, Herr Stützer, kommen Sie nochmal kurz?«
Überrascht drehte er sich um und sah die Frau fragend an.
Sie tat absichtlich geheimnisvoll. Denn sie war stolz auf sich. Sie hatte etwas getan, was vom normalen und vorgeschriebenen Tagesablauf abwich. Sie hatte eine Vorschrift übertreten! Alles wegen dieses Mannes, der da so verloren vor ihr stand. Und das bei Schichtende! Aber sie würde es dem sympathischen Fremden vorerst nicht verraten!
Alex hatte inzwischen ihr Namensschild inspiziert. Paula stand da in schwarzen Druckbuchstaben auf der schief angehefteten Plakette. Er musste sich den Namen der Krankenschwester merken! Sie war bereits heute Nachmittag sehr nett zu ihm gewesen. Sie war nicht groß, er schätzte sie auf Einsfünfundsechzig. Die weiße Schürze hing ihr über die Brust nach unten, sodass von ihrer wirklichen Figur nicht viel zu sehen war. Sie schien ein wenig mollig zu sein, der Kittel konnte jedoch täuschen. Auf jeden Fall aber war sie eine agile junge Frau. Schulterlange, dicke schwarze Haare umrahmten ein hübsches, freundliches Gesicht. Das Erstaunlichste waren ihre ockerfarbenen Augen. Nie zuvor hatte Alex diese Augenfarbe bei einer Frau gesehen. Ihr Blick hypnotisierte!
Mit Mühe fand er in die Wirklichkeit zurück. »Sie schläft jetzt? Wann kann ich dann zu ihr? Ich möchte sie nicht wecken, sie benötigt viel Schlaf.« Unentschlossen hob er seine Schultern.
»Augenblick, Herr Stützer. Bitte sie warten einen Moment hier.« Damit verschwand die Spanierin in einem kleinen Nebenraum. Alex’ Geduld wurde nicht auf die Probe gestellt. Nach nur knapp einer Minute erschien Schwester Paula wieder, diesmal ohne Schwesterntracht. Jeans und T-Shirt zeigten an, dass sie nun Feierabend hatte.
Wow!
Welche Figur!
Was hatte der herabhängende Kittel an Schönheit verborgen!
Mit einem unwiderstehlichen Lächeln schwebte sie heran. »Herr Stützer, am besten, mit mir Sie kommen einen Moment!« Scheinbar war sie aufgeregt.
Alex war entsetzt. Er hatte sich innerlich auf intensive Gespräche mit seiner Freundin vorbereitet. Es galt, schwere Entscheidungen zu treffen. Er hatte Kraft in sich getankt, um Katharina aufzurichten. Da gab es nichts anderes in dieser Welt! Was hatte die Krankenschwester vor?
Der Mann ist viel zu nervös! Der ist ja gespannt wie eine Feder! Paula war nicht nur sensibel, sie wusste auch zu handeln. »Sie begleiten mich erstmal ins Café Pablo und wir trinken etwas zusammen.« Die Worte kamen langsamer als gewollt aus ihrem Mund, denn sie bemühte sich um eine korrekte deutsche Grammatik. »Ich brauche das zum Feierabend. Laden Sie mich ein?«
Völlig überrumpelt stapfte Alex hinter Paula her. Weg von Katharina. Hinein in etwas Ungeplantes. Während die Eingangstür automatisch den Weg in die Nacht freigab, griff er hektisch in die Hemdentasche und drückte zwei Diazepam aus dem Blister. Ohne Wasser war es schwierig, sie einzunehmen. Der Mund wurde bitter, ein Teil der Tabletten blieb im Hals stecken. Endlich, nach ungefähr hundert Metern, hatte er sich wieder in der Gewalt und das Räuspern legte sich. Paula war keineswegs ein Moppelchen, wie ihm der Schwesternkittel hatte glauben machen wollen! Als er hinter ihr herlief und sie genauer musterte, entdeckte er vielmehr eine junge Frau mit ausgeprägter Figur. Sie war bestimmt kein Model, ihre Beine waren kräftig, ihre Hüften rund, sie hatte Oberweite – eine Perle! Einfach nur – wow!
Das Café Pablo war berstend voll, Paula stieg schnurstracks hinunter in den Keller, vorbei an den aufgestapelten alten Weinfässern. Sie schritt in der festen Gewissheit, dass Alex ihr folgte, durch eine schmale Tür und kam wieder ins Freie. Hier wartete ein Art Biergarten auf die Stammgäste. Sie setzte sich an einen freien Tisch und bedeutete ihrem Begleiter, sich ebenfalls zu setzen. »Wie ein Kind! Er ist ja völlig durcheinander!« , brabbelte sie in Spanisch vor sich hin.
Alex war erleichtert, dass hier im Garten relativ wenig Menschen saßen. Vor allem war er an der frischen, klaren Luft, nicht eingesperrt im Gewölbe inmitten anderer Gäste, die nur Panik in ihm hervorriefen. Wie muss es da nur Katharinas Schwester gehen? Sicherlich ist sie irgendwo in einem engen Raum gefangen!, schweiften seine Gedanken ab. Doch er konnte sich ihnen nicht lange hingeben. Hier saß eine Frau am Tisch, die vor Lebendigkeit sprühte.
»Herr Stützer, ich trinke abends immer eine Kanne Chocolate, ich glaube, Sie sagen ein anderes Wort dazu?« Erwartungsvoll schaute sie ihr Gegenüber an.
»Sie meinen Kakao?«
»Kakao!« Paula strahlte, als hätte sie im Lotto gewonnen.
Alex hingegen sorgte sich schon wieder über etwas. »Ich kenne nur Ihren Vornamen. Wie soll ich sie anreden?«
Völlig unbekümmert meinte die junge Spanierin: »Machen Sie nicht kompliziert alles. Bin ich Paula.«
»Dann sagen Sie bitte Alex, okay?«
»Gut, Alex. Was trinkst du?«
Per Du? Oh nein! So war das doch nicht gemeint! Seine Stirn glänzte vor Schweiß.
»Ich trinke das Gleiche wie …« Ein Zögern, es fiel ihm nicht leicht, die fremde Frau zu duzen. »… wie du, Paula!« So, jetzt war es festgemacht, es gab kein Zurück, er war Alex, sie war Paula! Einen Moment lang wurde ihm schwindelig.
So saßen sich an diesem Abend also zwei Fremde im Café Pablo gegenüber, die sich beim Vornamen nannten und nichts voneinander wussten. Das sollte sich jedoch, nicht zuletzt dank Paulas Fingerspitzengefühl, rasch ändern.

Im Kindle-Shop: Zwillingsbande - Unschuldig gefangen.
Mehr über und von Michael Kalters auf seiner Website.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen