11. Februar 2019

'El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten' von Brigitte Lamberts

Kindle | Tolino | Taschenbuch
„Das war es!“, sagt Sven, als die doppelläufige Pistole auf ihn gerichtet ist. Wieder einmal musste er seine Nase in Sachen stecken, die ihn nichts angehen. Er wollte nur einem guten Freund helfen. Er konnte ja nicht ahnen, in das dunkelste Kapitel der jüngsten mallorquinischen Geschichte hinein zu geraten: in eine Familienfehde um Ansehen, Geld und Macht, die ihre Wurzeln im spanischen Bürgerkrieg hatte.

Für Mallorca-Liebhaber, diesmal ein Krimi mit historischer Dimension. Lesen Sie den Kriminalroman als Reiseführer mit Gastrotipps oder als packende Urlaubslektüre.

„Unterhaltend und spannend, eine Kombination aus Historie, Kulinarik und mallorquinischem Lokalkolorit.“

Leseprobe:
Cas Català. Gemeinde Calvià. Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, die Carretera Andratx ist in sanftes Licht getaucht. Sven Ruge gleitet in den tiefen Schalensitz seines alten Porsches, startet den Motor und fährt los, Richtung Peguera. Sein Ziel ist das kleine, aber exklusive Strandrestaurant seines Freundes Manuel Muñoz in der Cala Illetes im Südwesten der Insel. Die überschaubare, halbrunde Bucht zählt zu einer der schönsten Mallorcas: klares türkises Wasser und ein wunderschöner weißer Sandstrand. Er ist neugierig, was sich Manuel für den heutigen Abend ausgedacht hat. Seine Speisekarte ist zwar übersichtlich, aber abwechslungsreich. Morgens kauft Manuel auf dem Markt in Santa Catalina frische Zutaten ein und lässt sich davon inspirieren. Man weiß also nie, was er mittags und abends seinen Gästen anbietet.
Für Sven waren die letzten Wochen ein Wechselbad der Gefühle gewesen. Immer wieder hatte er sich gefragt, ob er es wirklich riskieren sollte, sein bisheriges Leben aufzugeben und auf Mallorca einen Neuanfang zu wagen. Er hat Freunde gefunden, auf die er sich verlassen kann. Das hat ihm die Suche nach einem alten Fläschchen Patxaran gezeigt. Es hatte sich einst im Besitz von Blanka von Navarra befunden und dem Inhalt wurde eine heilsame Wirkung nachgesagt. Das Auffinden des Fläschchens vor seinen Kontrahenten hatte er fast mit dem Leben bezahlt. Lange wusste er nicht, dass ein steinreicher Oligarch und ein vermögender Schweizer Sammler ihre Leute auf den alten Likör angesetzt hatten. Doch er hatte Glück und kam mit einer Schussverletzung am Bein davon.

Der heutige Tag hat seinen Entschluss, auf Mallorca zu bleiben, gefestigt. Denn Sven hat mit seinen Vermietern, dem alten Ehepaar Sergio und Consuelo Sánchez, gesprochen. Sie sind sich einig geworden: Sie kommen ihm für die kleine Wohnung mit dem Blick auf die Bucht von Palma und den Marivent-Palast im Preis entgegen. Die beiden liebenswürdigen Senioren haben einen langfristigen Mieter und Sven spart ein paar Euro. Das ist wichtig für ihn, denn die Entscheidung, sich auf Mallorca niederzulassen, ist nicht einfach. Als Journalist und Gastrokritiker war er in Düsseldorf gut etabliert, aber hier auf Mallorca ist er noch ein unbeschriebenes Blatt, auch wenn er einen kulinarischen Reiseführer über die Insel geschrieben hat, der sich in Deutschland gut verkauft. Jetzt muss er sich auf Mallorca einen Namen machen. Und vor allem muss er Aufträge akquirieren. Sein Erspartes reicht für drei Monate, wenn er gut haushaltet, das wäre dann Dezember. Bis dahin muss er es geschafft haben. Eine Möglichkeit wäre eine freie Mitarbeit bei der Mallorca-Zeitung und beim Mallorca-Magazin. Auch die spanischen Medien könnte er bedienen, da sein Spanisch ganz passabel ist. Immerhin hat er schon einige vielversprechende Telefonate geführt. Das wird schon, denkt er, ich brauche nur etwas Geduld. Doch Geduld ist nicht gerade seine Stärke. Das Angebot, in der Villa von Alejandro de Calderón zu wohnen, hat er abgelehnt. Das hätte die Freundschaft zum Marquis wahrscheinlich verändert, denn das Gefühl, abhängig zu sein, ist für Sven unerträglich. Schon als Schüler und später als Student hat er sich immer etwas dazuverdient, um seine Eltern nicht mehr als unbedingt nötig finanziell zu belasten. Nun ist er glücklich, weil er die Entscheidung endgültig getroffen hat. Es war immer schon sein Traum, auf Mallorca zu leben.

Am Kreisverkehr biegt Sven Richtung ses Illetes ab. Die Laternen werfen spärliche Lichtpunkte auf die Straße. Die Umgebung versinkt in Dunkelheit, ab und an sieht er auf den Felsen eine erleuchtete Villa. Zwischen den Häusern am Straßenrand kann er das Meer nur erahnen. Es ist fast schwarz. Lediglich der Mond entlockt ihm an manchen Stellen einen silbernen Glanz. Sven kurbelt das Seitenfenster herunter und lehnt sich etwas hinaus. Die warme Nachtluft umspielt sein Gesicht. Unter den intensiven, harzigen Duft der Pinien mischt sich das süßliche Aroma der hohen Oleandersträucher, die hier überall wachsen.

Die Straße führt steil nach unten, erste mehrgeschossige Wohnhäuser und Hotels tauchen auf. Sven muss sich konzentrieren, um bei der schummrigen Beleuchtung die Abzweigung auf den kleinen Parkplatz nicht zu verpassen. Dieser ist voll besetzt, doch Sven weiß: Zwischen der kleinen Mauer und den Mülltonnen ist für seinen Porsche Platz. Er steigt aus und geht die schmale Steintreppe hinab. Über die auf den Sand gelegten Holzbohlen erreicht er sein Ziel. Auf einem großen Schild steht in roten Lettern: Manuel’s. Restaurant und Strandbar.
Von der Terrasse aus blickt er ins Innere. Wie jeden Abend ist das Restaurant gut besucht. Es ist nach 22 Uhr, Zeit für die Mallorquiner, ihr Nachtessen einzunehmen. Das Ambiente ist stilvoll, ein interessanter Mix aus alten mallorquinischen Möbeln und modernen, abstrakten Bildern an den Wänden, auf jedem Tisch stehen brennende Kerzen und tauchen den Raum in ein gemütliches Licht. Weiße Tischdecken unterstreichen die gediegene Atmosphäre. Noch bevor er die Tür aufzieht, umfängt ihn der Duft von Knoblauch, Rosmarin, Thymian und Oregano. Ein Hauch von Grillaroma liegt in der Luft. Manuel schaut gerade aus der Küche und winkt ihm zu. Der Mallorquiner verkörpert genau das, was sich Sven von einem guten Gastronomen wünscht. Er ist mit Herzblut dabei und ein exzellenter Koch. Aber er ist auch ein Mensch, der seinen Gästen das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein, der Freundlichkeit und Begeisterung ausstrahlt. Und er behandelt seine wenigen Angestellten wie Familienmitglieder.
»Ich komme gleich«, ruft Manuel und ist schon wieder in der Küche verschwunden. Sven schaut sich um. Sein Blick fällt auf eine alte Dame, die in letzter Zeit häufiger bei Manuel zu Gast ist. Meist kommt sie allein, doch gelingt es ihr immer, schnell Anschluss zu finden. Auch Sven hat sich schon mit ihr unterhalten und erfahren, dass sie erst seit einigen Monaten auf Mallorca lebt, in einer Seniorenresidenz in der Nähe von Santanyí. Er nickt ihr zu und setzt sich dann an den letzten freien Tisch am geöffneten Fenster. Das Einzige, was er in der Dunkelheit auf dem Meer erkennen kann, ist ein hell erleuchteter, mehrstöckiger Luxusliner, der langsam Richtung Hafen fährt.

Im Kindle-Shop: El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten (Krimi 55).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Brigitte Lamberts auf ihrer Website.



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