15. Februar 2019

'Im Zwielicht der Angst' von Tiara Young

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sie vertraut ihm nicht, doch er nimmt ihr die Angst, bis ein schrecklicher Verdacht alles infrage stellt …

Als die ehrgeizige Anwältin Jolene Headland im Wellingtoner Stadtpark Zeuge wird, wie eine Mutter den Straßenmusiker Luke Gillmore beschuldigt, ihr kleines Mädchen entführen zu wollen, übernimmt sie spontan dessen Verteidigung. Noch ahnt Jolene nicht, dass sie damit in das unheilvollste Wespennest ihres Lebens sticht. Das bemerkt sie erst bei der Begegnung mit Lukes älterem Bruder Matt, einem aufmüpfigen, aber leider auch attraktiven Cop, der sie mit seinen frechen Avancen geradewegs in sein Bett befördert. Doch darf sie sich auf das gefährliche Spiel mit ihm einlassen? Und was hat es mit dem Drogenbaron auf sich, den er jagt?

Bevor Jolene die Hintergründe erkennt, ist sie mit einem dunklen Ereignis aus Matts Leben verwoben. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Die Dämonen der Vergangenheit haben längst zu viel Staub aufgewirbelt.

Leseprobe:
Ein ungutes Gefühl zerrte an ihren Nerven und die düstere Vorahnung, in Gefahr zu sein, flatterte über sie hinweg wie ein kreischender, schwarzer Rabe. Fast hätte sie laut aufgestöhnt.
Du bist echt schon paranoid, du dumme Nuss. Bestimmt ist es ein blöder Zufall. Man kann sich viel einbilden, wenn man müde ist.
Ihre brennenden Augen waren der beste Beweis dafür. Sie sollte schleunigst zurück in ihr Bett verschwinden. Doch das Misstrauen unter der Schädeldecke ließ sich nicht abstellen, egal, wie entschlossen sie dagegen anging.
Hastig trank sie die kalte Milch aus. Dabei fiel ihr Blick auf die schwere Eichenplatte des langen Küchentisches. Vorn schimmerte ein schmales Rechteck, silbern vom Mondlicht beschienen, das hintere Segment, mitsamt dem letzten Stuhl, versank hingegen im Schatten der Dunkelheit. Verstohlen linste Jolene an dem leise summenden Kühlschrank vorbei in genau diese finstere, uneinschaubare Ecke, der verwaiste Platz ihres Vaters. Sie wollte sich schon abwenden, da glomm wie zum Hohn ein dicker orangefarbener Punkt auf und erhellte zu ihrem Entsetzen in einer kurzen, schemenhaften Bewegung eine große Männerhand, die eine Zigarette hielt.
Jolene erschrak. Ein messerscharfer Stich fuhr durch sie hindurch, und für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, eiserne Klauen drückten ihren Brustkorb zusammen und pressten alle Luft aus ihrem Leib.
Grundgütiger, da sitzt jemand und raucht.
Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich instinktiv auf und obwohl ihr Herz einen panischen Satz machte, schaffte sie es, sich zusammenzureißen und sich mit keiner Regung anmerken zu lassen, wie außer sich sie war. Disziplin war eine ihrer Stärken. Sie hatte im Yoga-Kurs gut aufgepasst und hart an sich gearbeitet.
Hinter ihr drückte die glatte Küchenfront gegen ihren Rücken und Jolene überlegte fieberhaft, ob sie sich daran abstoßen und einfach losrennen sollte. Ihre Entfernung zur Tür betrug mindestens fünfzehn Schritte, die um den Tisch herum höchstens zehn. Wer immer da saß, könnte die Tür vor ihr erreichen, egal, wie viele Stühle er umstoßen musste. Das konnte sie auf keinen Fall riskieren.
Die Zigarettenglut leuchtete erneut auf, und in ihrer Angst sprang Jolenes beinahe das Herz aus der Brust vor Panik. Sein Verhalten wischte jeden Zweifel fort.
Das macht er mit Absicht. Er will, dass ich ihn sehe.
Sie spürte seine Blicke und wie ihr Puls wild raste. Plötzlich durchbrach ein Scharren unheilvoll die Stille.
Er war aufgestanden.
Ein weißer Turnschuh von beängstigendem Ausmaß schob sich hervor. Er signalisierte Jolene in aller Deutlichkeit, wie ungewöhnlich groß der Kerl sein musste, dem er gehörte, was die Bedrohung nicht kleiner machte, die auf sie zukam.
Sie biss sich auf die Lippen, um nicht aufzuschreien. Angst zu zeigen, war das Falscheste, was sie tun konnte.
Bloß nicht die Tür anvisieren. Dann weiß er, dass du türmen willst.
Gefangen in ihrer Furcht, senkte sie den Blick und fixierte die fahlen Streifen am Boden. Wenn sie entkommen wollte, musste sie Ruhe bewahren und mit List handeln. Ihr blieb nur ein einziger Versuch.
Ihr Verstand arbeitete fieberhaft.
Welche Möglichkeit habe ich, mich zu verteidigen?
Die Schublade mit den Bestecken befand sich am anderen Ende der Küchenzeile. Auch lag nichts weiter in ihrer Reichweite, womit sie sich hätte wehren können.
Verdammt - Mum mit ihrem verfluchten Ordnungsfimmel.
Das leere Milchglas stach ihr ins Auge. Sie könnte den Rand abschlagen. Das wäre eine Möglichkeit. Die Zigarettenpackung daneben gehörte unter Garantie ihm.
Notgedrungen grabschte Jolene nach beidem, jedes mit einer Hand und schielte unsicher zu dem Mann, ohne sich zu bewegen. Er hatte sich nicht gerührt, beobachtete sie scheinbar nur.
Jolene fühlte Wut in sich aufsteigen, eine grenzenlose Wut, die alles Angstvolle in ihr unterdrückte.
Was hat der Arsch vor? Worauf hat er es abgesehen?

Im Kindle-Shop: Im Zwielicht der Angst.
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