13. März 2019

'Fest verankert (Meereszeiten 2)' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Gezeiten und Gefühle

Insa zieht es mit aller Kraft ihres Herzens zurück in ihre Heimatstadt Cuxhaven. Sie vermisst ihren felligen Freund Kolumbus schmerzlich. Annies Baby wird in Kürze das Licht der Welt erblicken und auch Hotelier Arne weckt Gefühle in ihr.

Da wird sie von ihrer Chefin Linda mit einem zukunftsweisenden Vorschlag überrascht und sie kann ihr Glück kaum fassen. Aber bevor Insa ihr Happy End bekommt, sind noch einige unerwartete Hürden zu überwinden.

Sie erlebt ein unangenehmes Wiedersehen mit ihrem Ex Martin, Arne verhält sich plötzlich merkwürdig und dann titscht sie zu allem Überfluss auf einem Supermarkt-Parkplatz das Auto eines Krabbenfischers an.

Leseprobe:
Annie wartete im Hausflur auf Insa und Kolumbus. Sie wippte mit den Füßen.
»Moin, ihr zwei Süßen! Ich habe euch kommen sehen, da dachte ich mir, ich teile dir gleich die brandneuen, superfrischen, aufregenden, die Zukunft verändernden, bewegenden, mitten ins Herz treffenden Nachrichten mit!«
»Moin«, Insa grinste, »kippel nicht so rum, nachher bekommst du Übergewicht und landest auf der Nase.«
»Nein, ich würde abfedern, weißt du, wie ein Schaukelpferdchen. Modern gesagt, ich habe zurzeit einen Airbag.« Trotzdem hielt sie beschützend die Hände über ihren Bauch. »Ich bin es so leid und wäre froh, wenn der Lütte sich endlich entscheiden könnte, die Welt zu begrüßen.«
»Noch ist ja kein Geburtstermin.«
»Ich finde, er ist dick genug«, grinste Annie schief. »Er darf jetzt raus. Es ist echt total beschwerlich.«
»Glaub ich dir, aber komm erst einmal rein. Kaffee oder Tee?«
»Wenn du mich so fragst, gerne einen Tee. Bist du denn gar nicht neugierig, was ich sagen möchte?«
»Sobald ich die Jacke ausgezogen habe und unser Hundi sein Essen schmatzt.«
Insa öffnete die Wohnungstür, der große Hund stürzte hinein und schnurstracks zu seinem Futterplatz.
»Du ziehst dich in Ruhe aus, machst uns einen Tee und ich versorge Kolumbus«, schlug Annie vor.
»Wie bitte soll ich das in Ruhe tun, wenn du mir so weltbewegende, spannende und atemberaubende Neuigkeiten in Aussicht stellst, hm?«
Annie kicherte.
In Windeseile brachte Insa den dampfenden Tee an den Tisch.
Annie, die es sich auf der Couch bequem gemacht hatte, hievte sich auf. »Ich hatte gestern Waffeln gebacken. Da sind ein paar über. Ich hole sie.«
»Au ja!«
Zwei Minuten später stand sie mit leeren Händen wieder da. »Sorry, Björn muss sie alle mit zur Rettungswache genommen haben. Er ist ein richtiger Vielfraß.«
»Oh, schade.« Insas Gesicht verriet Enttäuschung. »Irgendwie habe ich die jetzt schon geschmeckt. Ich hätte noch Karamellplätzchen im Vorrat. Gekauft, aber besser als nix.«
Sie holte die Packung und platzierte sie auf dem Tisch. Annie griff zu. »Mmh, die schmecken. Soll ich denn für uns heute Nachmittag ein paar Waffeln backen?«
»Wenn du dir die Mühe machen willst.«
»Ist keine, macht Spaß. Mir fällt ein, ich habe sogar noch Sahne.« Sie leckte sich über die Lippen. »Sahnewaffeln mit heißen Himbeeren.«
»Annie!« Insa war sichtlich ungeduldig. »Ich finde Sahnewaffeln toll, aber nun versorge mich bitte mit deinen Neuigkeiten! Ich platze!«
Annie wollte gerade ansetzen, als es an der Tür klopfte. Insa sprang auf und öffnete.
Davor stand Linda. »Ich möchte mich verabschieden, ich will los. Bei Annie ist leider niemand da.«
Insa zog die Tür vollständig auf. »Komm rein. Annie ist bei mir. Magst du auch einen Tee?«
»Nee, besser nicht. Der hat bei mir eine durchschlagende Wirkung. Im Klartext, ich wäre keine halbe Stunde unterwegs, dann kann ich schon Toiletten ansteuern. Und das geht die gesamte Fahrt so weiter. Das muss ich nicht haben.«
Insa lachte auf. »Kenne ich.«
Linda lief auf Annie zu. »Bleib sitzen, Mami. Ich komme zu dir und drück dich.«
Die beiden Frauen umarmten sich und Linda nahm auf dem bequemen Sessel Platz. »Ehe ihr zwei fragt, wie ich denn ins Haus gekommen bin, ich ...«
Insa ließ sie nicht ausreden. »Frage ich gar nicht. Ich habe euch heute Nacht gehört.«
Der sonst coolen Linda schoss die Röte ins Gesicht.
»Also, Jens und ich, ich meine, dein Vater und ich, weißt du, es ...«
Insa schlug ihr wohlwollend auf die Schulter. »Lass gut sein. Wir sind alle erwachsen.«
In diesem Augenblick stand Insas Vater in der Tür. »Moin, Mädels.«
Kolumbus sprang auf, um ihn schwanzwedelnd zu begrüßen und griff natürlich Streicheleinheiten von Jens Jakobsen ab.
Insa betrachtete ihn. Gut sah er aus in Jeans und Rollkragenpullover. Die Autorität eines Kapitäns zur See lugte auf die eine oder andere Art auch immer im Privaten durch. Diesmal kam noch etwas anderes hinzu. Er strahlte Glück und Zufriedenheit aus. Man konnte es förmlich aufschnappen.
Insa lief zu ihm und küsste ihn auf die Wange. »Setz dich zu uns, Papa.« Sie holte ihm eine Tasse und im Gegensatz zu Linda trank er gerne einen Tee mit ihnen.
»Es gibt Neuigkeiten«, sagte er gewohnt kurz und knapp mit seiner sonoren, tiefen Stimme.
»Dito bei mihiiir!«, quietsche Annie sofort los.
Erstaunt sah er sie an. »Dann du zuerst.«
»Erst du.«
»Nein.«
»Doch. Ach bitte, Jens, ich brenne auf deine Neuigkeiten! Tu mir den Gefallen und rück sie raus.«
»Gut«, er sah in die Runde. »Linda und ich, wir haben uns in den letzten Tagen näher kennengelernt und festgestellt, dass wir gut harmonieren.« Jens legte seine Hand auf ihre.
Linda sah ihn bewundernd an und Insa war total perplex. Diesen weichen, liebevollen Blick von ihrer Chefin kannte sie ja gar nicht! Ihr Gesicht wirkte völlig verändert. Und erstaunt bemerkte Insa, dass sie zwar gut geschminkt war, jedoch entschieden anders als gewohnt. Deutlich dezenter – und es stand ihr ausgezeichnet. Es nahm nichts von ihrer Attraktivität.
Ihr Vater unterbrach ihre stumme Betrachtung. »Kurzum, wir wollen es zusammen probieren.«
Annie war die Erste, die gratulierte. »Mensch, das freut mich richtig für euch!« Sie rappelte sich mit ihrem dicken Bauch auf und umarmte die beiden.
Währenddessen überschlugen sich Insas Gedanken. Ihre Chefin war nun auch bald privat in ihrem Leben? Brauchte man das? Wie sollte sie ihr denn zukünftig im Büro begegnen? Sie hatte echt geglaubt, die zwei hätten sich nur eine gemeinsame Nacht gegönnt und gut! Das wäre schwierig genug an die Seite zu schieben. Aber die Vorstellung, Linda könnte eines Tages ihre Stiefmutter ... oh Gott! Andererseits hatte sie soeben bei dem Spaziergang mit Kolumbus entschieden, in absehbarer Zeit wieder in den Norden überzusiedeln. Somit würde sie sowieso nicht in Lindas Unternehmen bleiben.
Oh Mensch, die Dinge veränderten sich rasend schnell, es reichte kaum zum Luftschnappen!
Sie rang sich zu einem Lächeln und ein paar netten Worten durch.
»Wir lassen es langsam angehen«, warf ihr Vater ein. »Unsere beiden Berufe sind nicht gerade beziehungsfördernd.«
Linda sah ihn fast erschreckt an. »Ich für meinen Teil werde alles tun, damit wir nicht scheitern.«
Insa erkannte in diesem Moment, wie sehr Linda in ihren Vater verliebt war. Plötzlich drehte sich die Welt andersherum. Zuerst führte sie als Einzige eine Beziehung, Annie und Linda hatten Singlestatus. Nun war sie solo. Trotzdem gut, dass ihr Martin ins Geschichtsbuch gehörte.
»Dann habt ihr ja eine aufregende Zeit vor euch«, presste sie heraus. Gefiel ihr das jetzt oder nicht? Deshalb beschloss sie, den beiden einfach Glück zu wünschen. Sie hatte eh keinen Einfluss auf diese Romanze. Die Hauptsache war, ihrem Vater ging es gut. Das allein zählte für Insa.
»Letztendlich ist entscheidend, was wir aus unserer Unterschiedlichkeit und den zwei Welten machen, nicht wahr, Jens?« Abermals traf ihn ein verliebter Blick von Linda.
Er strich ohne Worte über ihre Wange und drehte sich anschließend zu Annie.
»Nun aber genug von uns. Annie, du hast gesagt, es gibt auch Neuigkeiten von dir. Schieß los!«

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Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.



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