24. Mai 2019

'Amy - Das phantastische Geheimnis meiner Schwester' von Marit Bernson

Kindle (unlimited)
Leon liebt seine kleine Schwester Amy von ganzem Herzen. Aber irgendetwas an ihr ist merkwürdig. Sie spricht mit Tieren und hat einen geheimnisvollen Einfluss auf ihre Eltern.

Gemeinsam mit seinen Freunden Thea und Finn versucht er, dem Geheimnis um Amy auf die Spur zu kommen. Doch ihre Nachforschungen bringen Amy in Gefahr. Denn es hat einen Grund, dass sie bei Leons Eltern lebt.

Weitere Bücher von Marit Bernson auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Wir saßen in Theas Zimmer. Sie hatte einen Stapel Bücher auf ihrem Bett liegen. Aber die Bücherregale, mit denen ihr Zimmer überfüllt war, waren randvoll. Die Bücher waren also wahrscheinlich neu. So sahen sie auch aus. Als ich sie mir anschaute, fiel mir auf, dass sie alle dasselbe Thema hatten: Sagen- und Märchengestalten, mystische Wesen, Aliens.
„Was liest du denn da?“, fragte ich.
Thea saß an ihrem Laptop, den sie auf all die Bücher und Zettel auf ihrem Schreibtisch gestellt hatte, und bereitete alles dafür vor, Finns Video darauf anzusehen.
„Was?“, fragte sie. „Wieso?“ Sie sah zu den Büchern. „Ach so. Ich will nur wissen, ob es zumindest in der mystischen Welt eine Erklärung für das gibt, was gestern passiert ist.“
„Und wieso Bücher?“, fragte Finn. Er zeigte auf Theas Laptop. „Du hast doch den da?“
„Bücher sind einfach Bücher“, erwiderte Thea. „Ich kann was markieren, Lesezeichen anbringen oder Notizzettel.“
Finn verdrehte die Augen. „Und?“, fragte er.
„Ich hab bisher nichts gefunden. Allerdings habe ich auch noch nicht alles gelesen.“
Finn nahm das oberste Buch vom Bettstapel. Es hieß: „Sie sind unter uns“. Er las den Kurzinhalt. „Hey, hier geht es ja um Außerirdische.“ Er drehte sich zu Thea. „Glaubst du, Amy ist eine Außerirdische?“
Thea zuckte mit den Schultern. „Zumindest schließe ich es nicht aus.“
„Aliens planen eine Invasion, indem sie uns kleine, niedliche Mädchen schicken?“ Finn lachte und wippte seine Brille auf der Nase.
„Ach! Was weiß ich denn?!“ Thea sah Finn mit ihrem Wutgesicht an. „Es gibt zumindest in der Literatur Geschichten über Außerirdische, die ihre Kinder zu uns schicken, damit sie bei uns leben. Allerdings bemerkt man davon nichts.“
„Was?“, rief ich. „Was für Geschichten?“
„Ausgedachte Geschichten vermutlich.“ Thea seufzte. „Ich will einfach nur nichts ausschließen.“ Sie sah wieder zu Finn. „Wenigstens tue ich irgendwas.“
„Meine Mutter hat mir nicht erlaubt, noch was am Video zu machen. Sonst hätte ich es getan.“ Finn sah mich an. „Wirklich. Aber sie war echt sauer, weil ich fast zu spät zum Abendessen gekommen bin. Das hasst sie.“
Ich nickte. „Wer weiß, ob wir darauf überhaupt was Neues sehen.“ Ich sah Thea an. „Meinst du, wir entdecken noch etwas, was uns weiterbringt?“
„Wer weiß?“ Thea setzte ihr genervtes Gesicht auf. „Vielleicht steht ja auf einmal in Großbuchstaben ‚Vogelhypnotiseurin‘ über ihrem Kopf, und man kann es nur auf dem Video sehen.“
Ich lachte. „Oder ‚Elternhypnotiseurin‘.“
Thea und Finn lachten jetzt auch.
„Irgendwie wäre es doch voll cool, wenn sie eine Außerirdische wäre“, sagte Finn. „Dann könnten ihre echten Eltern uns in ihrem Raumschiff mitnehmen.“
Ich musste zugeben, dass das wirklich cool klang.
Finn nahm das nächste Buch. „Urbane Mythen“ hieß es. „Was heißt denn urban?“
Ich hob die Schultern. Das Wort hatte ich noch nie gehört.
„Städtisch“, erwiderte Thea. „In dem Buch geht es um Wesen, die mitten unter uns leben.“
„So wie Vampire?“ Finn grinste. „Vielleicht ist sie ein Vampir. Die können doch auch andere beeinflussen.“
Thea schnaubte. „Ja, liest man immer wieder, dass Vampire Vögel dazu bringen, mit ihnen zu musizieren.“
„Dann eben ein Gestaltwandler oder so was“, sagte Finn. „Hauptsache irgendein Monster!“
Thea riss ihm das Buch aus der Hand, packte die anderen Bücher zusammen und stopfte sie in ihren Schrank. „Genug jetzt“, sagte sie. „Ich lese allein. Wenn ich etwas herausbekommen habe, gebe ich euch Bescheid.“
Finn nutzte die Gelegenheit, sich Theas Notizblock zu schnappen, der auf dem Schreibtisch lag.
„Was soll das bedeuten?“ Er hielt das Buch hoch, auf dem in schwarzen Druckbuchstaben „Projekt A.M.Y.“ stand.
Thea stöhnte. „Irgendwie musste ich es ja nennen. Ich hab noch mehr Notizbücher.“
„A M Y?“ Finn grinste. „Die Abkürzung für Alien, Monster, Yeti?“
Thea verzog den Mund zu einem schmalen Strich. „Gib es her!“, sagte sie langsam, als ob Finn schwer von Begriff wäre, und Finn gehorchte.
Er warf mir ein Grinsen zu, während Thea wieder an ihrem Laptop herumfummelte und endlich das Video startete.
Zu dritt sahen wir zu, wie Amy ihren Gesang anstimmte.
„Das sind ein paar Hundert Vögel“, sagte Thea. „Und seht mal! Da auf dem Dach sitzen auch welche.“
Auf einmal stoppte sie das Video. „Was war denn das?“
„Hä?“, machte Finn.
„Was?“, fragte ich.
Thea fuhr das Video ein Stück zurück, startete es wieder und zeigte auf etwas. Sie vergrößerte den Ausschnitt und ließ die Stelle noch einmal ablaufen.
Man konnte die Kirschlorbeerhecke auf der gegenüberliegenden Seite zu den anderen Nachbarn hin in Großaufnahme sehen. Und da waren eindeutig drei kleine Igel zu erkennen.
Ich starrte auf das Bild. „Wippen die etwa mit ihren Köpfen?“
„Sieht so aus“, sagte Thea und schüttelte wieder den Kopf.
„Das ist ja wie bei Schneewittchen“, rief ich und verzog das Gesicht.
„Ha“, sagte Finn. „Ich weiß, was du meinst. Meine kleine Schwester guckt so was auch. Am Ende ist Amy eine schmalzige Disneyprinzessin.“
Thea lachte. „Das findet ihr dann nicht so cool?“
Finn und ich schüttelten beide den Kopf. „Vögel herbeirufen und sie machen lassen, was man will, das ist cool“, sagte ich, und Finn nickte. „Aber Disneyprinzessinnen sind nun wirklich Mädchenkram.“
Thea sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.
„Kleinmädchenkram“, ergänzte ich schnell.
„Schlimm genug, dass wir wissen, was Disneyprinzessinnen sind“, sagte Finn. „Ein Junge sollte so etwas nicht wissen.“
Thea schüttelte den Kopf und schaute wieder auf das Video.
Wir entdeckten noch zwei Hasen, die aussahen, als würden sie dirigieren, und fünf Mäuse, die eindeutig tanzten.
„Oh, Mann“, murrte Finn. „Wo hast du mich hier bloß reingezogen?“
„Nun hab dich nicht so!“, sagte Thea. „Ist doch nicht schlimm.“
„Ach ja?“, rief Finn. „Und was glaubst du, wer in dieser Geschichte der Scheißprinz sein wird. Da komme ja leider nur ich in Frage.“
„Hey!“, rief ich. „Das ist meine Schwester.“
Thea lachte. „Ich denke, wenn Amy einen Prinzen brauchen würde, dann wäre es erst in ein paar Jahren. Und außerdem müsste es ein echter sein.“ Sie sah Finn von oben bis unten an.
Finn blickte mich finster durch seine braune Hornbrille an. „Wie meint sie das?“
„Nun hört doch auf, euch zu streiten“, rief ich. „Was machen wir jetzt?“
Thea stand auf. „Leon, du bringst mir alles, was du über Amy findest – Babybilder, Fotoalben, Dokumente. Vielleicht entdecken wir da was.“

Im Kindle-Shop: Amy - Das phantastische Geheimnis meiner Schwester.
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



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