31. Mai 2019

'Undercover auf Sylt' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Eine Reise ist wie eine unbekannte Frucht, man weiß nie, wie sie einem schmeckt.« Janette John

Könntest DU in die Zukunft schauen,
würdest DU es tun?


»Sylt? Ist das nicht ein bisschen zu schickimicki?«, sagt Nadine Andres zu ihrem Kollegen, der sie im Namen seiner Mutter dorthin einladen will. Endlich Ruhe, ausspannen und nichts tun, denkt sie. Ausgerechnet dann, wo sie keinen Urlaub mehr hat, diesen aber dringend bräuchte. Hätte sie geahnt, dass sie drei Tage später neben einem Toten erwacht, sie hätte das Rad der Zeit zurückgedreht. Zu allem Übel bleiben die Erinnerungen aus, die helfen würden, sich aus der misslichen Lage zu befreien. Nur bruchstückhaft kehren sie zurück und offenbaren eine Welt, die Nadine bislang nicht kannte. Erst als ihr Vorgesetzter, Daniel Selzer, auf der Insel erscheint und undercover ermittelt, kann das Gespinst aus Geld, Macht und Kunsthandel entflochten werden. Wird er ihre Unschuld beweisen können, oder sieht er sich einer Mörderin gegenüberstehen?

Undercover auf Sylt – wenn der Urlaub zum Albtraum wird.
Der 10. Fall der Kripo Bodensee.


Leseprobe:

1. Sylt, auch das noch

»Ach, bevor ich es vergesse. Ich soll Ihnen liebe Grüße von meiner Mutter ausrichten und fragen, ob Sie nicht Lust hätten, mit ihr ein paar Tage an die Nordsee zu fahren. Ein ehemaliger Studienfreund besitzt ein Haus auf Sylt. Sie lädt Sie dorthin ein und würde Ihnen eine der Ferienwohnungen kostenlos zur Verfügung stellen. Mutter meinte, Sie bräuchten eine Auszeit.«
»Sylt? Ist das nicht ein bisschen zu schickimicki? Umsonst? Sagen Sie Charlotte bitte lieben Dank, dass sie an mich gedacht hat. Aber ich kann das nicht annehmen. Außerdem habe ich nicht mehr genug Urlaubstage.«

Noch immer klangen der jungen Frau die harmlosen Worte im Ohr, die sie bewogen hatten, nach Sylt zu reisen. »Nimm dir die Woche Auszeit«, hatte Daniel gesagt und wollte die fehlenden Tage mit Überstunden verrechnen. Wieso sollte sie das Angebot auch ablehnen? Immerhin hatte man ihr eine Villa im Nobelort Kampen in Aussicht gestellt, die das Jahr über leer stand und von der man nur Gebrauch machte, wenn sich die Prominenz dort traf.

***

»Hätte ich nur auf Daniel gehört und wäre wie Charlotte mit dem Zug gefahren. Stattdessen sitze ich seit mehr als zehn Stunden hinter dem Steuer und kämpfe mich durch ganz Deutschland. Nichts als Pampa, Kühe und Flachland. Und dabei kenne ich den Norden zur Genüge«, sprach Nadine leise vor sich hin, während sie im Radio nach einem anderen Sender suchte. Um nicht einzuschlafen, brauchte es eine bessere Musik, die sie schließlich summte: »An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit …« Gott sei Dank hat Daniel den Autozug vorab gebucht, sodass ich nicht lange warten muss, dachte sie, während sie das Fahrzeug langsam auf das Verladeterminal in Niebüll zusteuerte. Den blauen Zug soll ich nehmen, hat er gemeint und dass das Ticket flexibel sei, mit dem man einen Tag lang fahren könne. Wann ist eigentlich Abfahrt? Mhm, laut Infotafel in einer halben Stunde. Besser ich stelle den Motor aus und begebe mich an die frische Luft.
Nadine stieg aus dem Auto, schlug die Tür zu und machte Dehnübungen. Mann, bin ich eingerostet. Kein Wunder bei der langen Autofahrt. Sie lief um den Wagen herum und schaute auf die näher kommenden Pkws. Hinten anstellen, wir warten alle, dachte sie und ging ein paar Schritte in Richtung Zaun, der das Gelände zum Schienenverkehr hin sicherte. Zu ihrer Rechten blickte sie auf eine Treppe, die hinüber zur anderen Seite führte, während links eine umzäunte Fläche von etwa zehn Quadratmetern und dem Hinweis Hundetoilette – kein Spielplatz ihr ein Schmunzeln entlockte. Hundetoilette? Ungläubig schüttelte sie den Kopf und entdeckte eine ältere Dame, welche ihren Dackel dorthin entließ.
Noch zehn Minuten, grübelte Nadine und vernahm auch schon die Ansage aus dem Lautsprecher, dass man in Kürze den Autozug befahren dürfe. Endlich. Sie sah zum schwarzen Porsche direkt hinter sich, der wohl zur Dame mit dem Hund gehörte. Laut Nummernschild kam sie aus dem Lörracher Raum, was Nadine zum Anlass nahm, mit ihr ein paar Worte zu wechseln. »Na, Sie wohnen auch nicht gerade um die Ecke«, meinte sie mit einem einnehmenden Lächeln.
Die Frau sah auf ihren Hund und dann zu ihr. »Ja, das ist wahr. Früher bin ich die Strecke in einem Rutsch gefahren. Heute lege ich lieber einen Zwischenstopp ein. Dennoch fahre ich jedes Jahr nach Sylt. Die Insel ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Und Sie, was führt Sie hierher?« Die Dame bückte sich und nahm ihren Vierbeiner auf den Arm, um ihn ins Auto zu verladen. »So Waldemar, jetzt gehts weiter.«
Waldemar? Der Name ist Programm.» Ich mache ein paar Tage Urlaub. Mal alles hinter mir lassen und den Wind genießen«, gab Nadine zur Antwort und blickte zu den anderen Fahrzeugen vor ihr, die sich langsam in Bewegung setzten. »Oh, ich glaube, es geht los. Na dann, wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit«, rief sie und vernahm ähnliche Worte aus dem Mund der Frau, die allerdings im Türschließen untergingen. Kurz darauf startete sie den Motor und lenkte den Wagen im Schritttempo auf die Laderampe zu.
Ein freundlicher Mann winkte ihr zu und forderte sie auf, sich dem vorausfahrenden Auto bis auf wenige Zentimeter zu nähern. Das reicht! Oder soll ich den beiden alten Hühnern im Crossfire auf das Heck fahren? Mich würde mal interessieren, wie das Brummifahrer machen. Die Auffahrt ist viel zu schmal. Hoffentlich ist der Albtraum bald vorbei.

Nach weiteren zehn Minuten setzte sich der Autozug in Bewegung.
Das ist also der berühmte Hindenburgdamm, der die Insel mit dem Festland verbindet. Nadine genoss die halbstündige Zugfahrt und blickte durch die Fensterscheibe auf das Wattenmeer, das der Himmel am Horizont begrenzte. Mit dezent gleichmäßigem Ruckeln fuhr der Zug an den Ortsteilen Morsum, Keitum und Tinnum vorbei und erreichte schließlich Westerland als Endstation. Die Absperrung wurde geöffnet und der Tross von Pkws setzte sich langsam in Bewegung.
Am Ziel angekommen, sehnte sich die Blondine zunächst einer Dusche entgegen. Oder gehe ich besser an den Strand? Fahr los!, forderte ihre innere Stimme. Jaja, ich muss sowieso erst ins Ferienhaus, den beiden alten Damen Hallo sagen. Wie sieht das sonst aus? Immerhin habe ich Charlotte mein Hiersein zu verdanken. Wieso hält man da vorne an? Ich will endlich von diesem Zug runter.
Nadine drückte auf die Hupe, was sogleich von der Fahrerin vor ihr mit einem Stinkefinger aus dem Fenster geahndet wurde. »Na, das sind mir ja feine Leute, einen teuren Wagen fahren und dann so was«, schimpfte sie und hätte sich am liebsten genauso verhalten. Stattdessen übte sie sich in Geduld. Nachdem sie das Fahrzeug wieder gestartet hatte, fuhr sie dem anderen Auto eine Weile unfreiwillig hinterher, bis sich die Wege an der nächsten Kreuzung trennten. Wie es schien, führte es die Herrschaften nach Westerland, wohingegen Nadine rechts ab in Richtung Kampen bog. Na dann, auf Nimmerwiedersehen.

Im Kindle-Shop: Undercover auf Sylt (Kripo Bodensee 10).
Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



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