25. Juni 2019

'Gefährlicher Hunger: Unerwartet verliebt' von Anna Kleve

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ist Liebe stärker als ghulischer Hunger?

Seit einem blutigen Zwischenfall wissen die Menschen von der Existenz der Ghule und Dschinns. Und sie wissen, wovon Ghule sich vorzugsweise ernähren. Um Vertrauen und Frieden zwischen den Arten zu schaffen, wird entschieden, einige Ghule und Dschinns an menschliche Schulen zu schicken. Unter ihnen befinden sich die Brüder Zayn und Kaan. Zayn trifft an seiner Schule Matt, dessen ungewöhnlicher Geruch ihn reizt und zugleich verwirrt.

Als Matt zudem von einer gefährlichen Ghulfraktion verfolgt wird, beschließt Zayn, ihn zu beschützen. Zwischen ihnen entwickeln sich immer stärkere Gefühle, die nicht nur von äußeren Feinden bedroht werden. Zayns raubtierhafte Gier könnte zu einer noch viel größeren Gefahr für Matt werden.

Leseprobe:
Zayn – Eine magische Familie

Erschrocken landete ich an der Decke meines Zimmers, als ohrenbetäubender Lärm aus Kaans Zimmer zu mir herüberklang wie eine gewaltige Schallwelle.
Ärgerlich riss ich meine Klauen aus dem dicken Holz und ließ mich hinab aufs Bett fallen.
Grimmig sprang ich auf und warf einen erneuten Blick zur Decke. Die Riefen und Löcher im Holz konnte man kaum zählen. Meinem Geisterbruder sei Dank oder auch nicht.
„Kaan!“, schrie ich wütend, sobald ich auf den leeren Stuhl sah.
„Ja?“, fragte er unschuldig und wie immer aus dem Nichts heraus aufgetaucht.
„Wo sind meine Sachen?“, wollte ich wissen und funkelte ihn an.
„Weg.“
Er zuckte mit den Schultern und grinste, als könne nichts in der Welt an seiner Ruhe rütteln.
Okay, im Grund meines Herzens liebte ich diesen Kerl mit seinen magischen Kräften und frechen Tricks, aber in solchen Momenten riss sein Verhalten an meinen Nerven.
„Hol sie zurück“, verlangte ich knurrend.
„Nein.“
„Ich reiß dich in Stücke“, drohte ich ihm grollend.
„Kannst du nicht“, behauptete er mit einer Selbstsicherheit, die meinen Wutpegel hochschnellen ließ.
Ohne Vorwarnung sprang ich vor und knallte ihn so heftig gegen die Wand, dass eine tiefe Delle darin zurückblieb.
„Kann ich doch. Ich muss nur schnell genug sein“, fauchte ich mit glühenden Augen.
„Schön.“ Kaan schnipste mit den Fingern und es gab ein „Puff“. „Aber Mama wird das gar nicht gefallen.“
Schnaubend ließ ich ihn los.
„Kleide du dich ruhig in Regenbogenfarben, wenn du magst, aber lass mich in Ruhe“, murrte ich und war schon am Schreibtisch. „Ob ich Schwarz trage oder nicht, ist meine Sache. Mit Siebzehn bin ich wirklich alt genug, das selbst zu entscheiden.“
„Diskutiere du das aus“, merkte Kaan an und löste sich einfach in Luft auf.
Ich ballte die Hände mehrmals zu Fäusten, um die Steifheit der Klauen zu vertreiben.
Dann wechselte ich, so schnell ich konnte, die Kleidung, bevor noch ein Mitglied dieser verrückten Familie einfach in meinem Zimmer auftauchen würde.

„Heute die Tür?“, fragte Mama grinsend, als ich ins Esszimmer trat.
„Ich muss üben“, erklärte ich schulterzuckend.
Kaan tauchte lachend aus dem Nichts auf.
„Das fällt dir früh ein“, stellte er belustigt fest.
„Ich springe lieber durchs Fenster“, kommentierte ich gelassen.
„Üben täte dir auch mal ganz gut, Kaan“, sagte Mama ernst. „So aufzutauchen erschreckt die Menschen nur.“
Mein Bruder gab ein missmutiges Grummeln von sich.
„Geisterhaft“, fiel mir spöttisch ein.
„Zieh die Klauen ein“, erwiderte Kaan finster.
Ich grinste.
„Willst du dir nicht etwas anderes anziehen, Zayn?“, fragte Mama einfach in den Raum hinein.
Meine Laune sackte sofort wieder ab.
Nun grinste mein Bruder.
Am liebsten hätte ich nach ihm geschlagen, verkniff es mir aber.
„Meine Entscheidung“, war alles, was ich zur Antwort gab.
„Willst du die Vorurteile unbedingt bestärken?“, bohrte Mama weiter. „Deine schwarzen Haare und Augen sind doch schon dunkel genug.“
„Ich ändere meinen Kleidungsstil und meine Vorlieben doch nicht, nur weil die Menschen bestimmte Vorstellungen haben“, konterte ich fest entschlossen.
Diese Diskussionen musste ich echt nicht haben. Da kam mir der leichte Dampf aus der Küche gerade recht.
Mit einem Satz war ich durch die Tür, am Ceranfeld und zog den Topf von der Herdplatte.
„Reicht nicht“, rief Kaan, der neben mir auftauchte.
„Für mich reicht körperwarm“, erwiderte ich kühl und füllte mir einen Becher mit der Milch.
Dann schob ich den Topf zurück auf die Platte und kehrte zu meinem Platz zurück.
„Und jetzt darf ich am Herd stehen?“, fragte mein Bruder.
Ich nahm erst einmal einen Schluck von meiner Milch, ehe ich etwas dazu sagte: „Wenn du die Milch unbedingt heiß haben willst, ist das nicht mein Problem.“
„Egoist.“
„Du hast zwei gesunde Hände.“
„Klar.“
Kaan gab ein Schnauben von sich.
Statt mich weiter mit ihm zu befassen, griff ich nach meiner Schale auf dem Tisch. Mein Essen würde ohnehin keiner in dieser Familie anrühren.
Grinsend griff ich mit den Fingern hinein und nahm mir ein Stück Fleisch heraus.
„Zayn, benutze die Gabel“, ermahnte mich Mama.
„Ja“, murrte ich.
Das Theater vom letzten Mal wollte ich mir echt nicht noch einmal antun. Einmal einer fliegenden Schüssel mit Fleisch hinterherzujagen hatte mir wirklich gereicht.
Ein wenig genervt griff ich nach einer Gabel und begann die Fleischstücke zu verzehren. Frisch und blutig, wie ich es mochte.
Schließlich erhob ich mich, als Kaan gerade aus der Küche zurückkehrte. Schnell lief ich in die Küche, um eine Dose zu holen, in der ich das restliche Fleisch mitnehmen würde.
Im Vorbeihuschen an meinem Bruder verzog ich das Gesicht. Kakao. Es schüttelte mich. Damit konnte ich so gar nichts anfangen.
„Kann ja nicht jeder auf blutig stehen“, raunte er mir ins Ohr.
Ich musste unbedingt meine Gesichtszüge unter Kontrolle kriegen, wenn man mir meinen Widerwillen so leicht ansah.

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Mehr über und von Anna Kleve auf ihrer Website.



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