5. Juli 2019

'USA 2084' von Pjotr X

Kindle | Tolino | Taschenbuch
USA 2084: Die Zukunft Amerikas sieht rosig aus. Eine frivole Wohlstandwelt voll sexueller Exzesse, in der es sich angenehm leben lässt. Wäre da nicht das Relikt der weltweiten Hungerkrise aus den 2040ern: Die Schlachtquote. Ein Prozent jedes Jahrgangs wird im Alter von neunzehn geschlachtet und als Delikatesse zum Verzehr freigegeben.

Die lebenslustige Jessica isst gern Menschenfleisch. Mit ihrer Klasse besichtigt sie einen der vier amerikanischen Human-Schlachthöfe in San Francisco und erhält eine Ahnung davon, was die »Auserwählten« erwartet. Für sie und ihre Mitschüler ist das normal. Keiner der Teenager glaubt daran, zu dem einen Prozent zu gehören. Die Realität ist grausam aber längst nicht das Schlimmste. Die wahren Geheimnisse der Schlachthöfe offenbaren sich Jessica erst, als sie selbst auserwählt wird ...

Leseprobe:
2083 CHICKEN
Die Stimmung war gut, wie bei einem normalen Schulausflug. Im Grunde war es das auch. Heute würde nichts Dramatisches passieren. Die Schüler in dem Bus des Jahrgangs 2065 der Highschool aus Sacramento waren bestens gelaunt. Auf dem Programm stand die Besichtigung des Human-Schlachthofes San Francisco mit der obligatorischen Tauglichkeitsuntersuchung und am Nachmittag Freizeit in der City. Keiner der Teenager rechnete damit, zu dem einen Prozent seines Jahrganges zu gehören, das die Ehre hatte, Schlachtteens zu werden. Aber es war aufregend, einen dieser mystischen Menschenschlachthöfe von innen zu sehen und lebend wieder herauszukommen - ein Privileg, das nur wenigen zuteil wurde.
Seit den 2050ern wurden in den USA jedes Jahr fünfzigtausend amerikanische Teenager geschlachtet und zum Verzehr freigegeben. Das Gesetz entstand aus Solidarität zu den Drittweltländern. Dort hatte sich der Verzehr von Menschen als hervorragende Lösung der Hungerkrise erwiesen, die aufgrund der globalen Erwärmung entstanden war. In Nordamerika hatte es nie Hunger gegeben, lediglich diverse Versorgungsengpässe, aber Menschenfleisch erfreute sich als Delikatesse rasch großer Beliebtheit. Als Mitverursacher des CO2-Problems und Großimporteur humanoider Nahrungsmittel sah man sich gezwungen, 2049 das Gesetz zur Weltnahrungssolidarität zu erlassen. Seitdem wurde jeweils ein Prozent von dem Jahrgang der Neunzehnjährigen zum Schlachten ausgelost, der sogenannte Chickenjahrgang. Man entschied sich für ein relativ junges Alter, bevor die Auserwählten eigene Familien gründen konnten, damit Lebensplanungen nicht unter dem gewissen Ein-Prozent-Risiko standen. Außerdem lag es im Interesse der Wirtschaft, dass keine ausgebildeten Mitarbeiter aus Unternehmen gezogen wurden. Und das Fleisch junger Menschen schmeckte am besten.
Der Bus bog auf den Gästeparkplatz der Schlachtfabrik. Neugierig hüpften die Chicken heraus und betrachteten eine der unheilvollsten Einrichtungen ihres Landes. Von außen sah alles eher langweilig aus, wie eine normale Fabrik. Es war auch nicht direkt zu erkennen, dass es sich um eine Einrichtung des Militärs handelte. Die Organisation des Schlachtprogramms lag aus naheliegenden Gründen unter der Aufsicht der Regierung. Natürlich gab es auffallend gut gesicherte Zäune und uniformiertes Wachpersonal, aber das war in anderen Fabriken genauso. Dagegen wirkte das Eingangsgebäude, zu dem sie vom Parkplatz über eine Brücke über die Anfahrtsstraße gelangten, sehr nobel und luxuriös, überhaupt nicht militärisch, geschweige denn erschreckend.
Im Foyer lauschten die Schüler mehr schlecht als recht einem Vortrag, in dem es um die Wichtigkeit des Solidaritätsgesetzes und die große Ehre der Auserwählten ging. Der Kommandant der Anlage, Colonel Nicholson, ein hochdekorierter Veteran des Marine Corps, sprach persönlich. Für die Schüler war es das reinste Blabla, das alles hatten sie tausend Mal gehört. Sie waren scharf darauf, die vermeintlichen Gruselkammern zu sehen, die sie aus der täglichen Fernsehsendung Schlachtkid der Woche kannten.
Dieses Vergnügen hatten zuerst die Mädchen. Nach dem Vortrag wurde nach Geschlechtern aufgeteilt, die Jungen mussten zum Medizincheck, während die Mädchen durch die Anlage geführt wurden.
Jessica, die alle Jes nannten, hatte viel Zeit bis zu ihrer kritischen Phase. Es war März 2083, und ihr neunzehnter Geburtstag war nächstes Jahr im April 2084, wonach sie im folgenden Mai mit Post von der Schlachtbehörde rechnen musste. Wie alle ihre Freundinnen war sie ein unbeschwerter Teenager und vertrödelte selten Zeit mit Gedanken an die Zukunft. Auserwählt wurden die anderen, das war weit weg.
Sie war ein freundliches Mädchen mit neugierigen grauen Augen und bereits ausgeprägten Brüsten. Ihr dunkles Haar und die sanft gebräunte Haut strahlten Latina-Flair aus. Sie liebte die Jungs und die Jungs liebten sie.

Im Kindle-Shop: USA 2084.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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