12. Juli 2019

'Lost Life' von Sebastian Dobitsch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Bei einem Kampfeinsatz wird der Scharfschütze Viktor lebensbedrohlich verletzt und erwacht ein Jahr später als Gefangener in einem Versuchslabor. Nach seiner Flucht quälen ihn Gefühlskälte, Alpträume und wirre Erinnerungen.

Viktor findet heraus, dass alle Hinweise auf seine Existenz ausgelöscht wurden und auch die Menschen, die er kannte, verschwunden sind. Vom Geheimdienst gejagt, macht er sich auf die Suche nach seiner Verlobten und stößt auf ein schreckliches Geheimnis.

Leseprobe:
Ganz langsam erwachte Viktor aus seiner Besinnungslosigkeit. Um ihn herum herrschte Stille. Er lag auf dem Rücken, die zitternden Augenlider fest zusammengepresst. Der Schleier, der seine Sinne vernebelt hatte, lichtete sich langsam und an seine Stelle trat ein pulsierendes Stechen in seinem Kopf. Noch nie in seinem Leben hatte ihn ein Schmerz so erleichtert. Er war nicht tot. Sein dröhnender Schädel bewies es ihm eindrucksvoll.
Eine Mischung aus Freude, Müdigkeit und vor allem Verwirrung ergriff ihn. Was war passiert? Er lebte noch, also war er offensichtlich von seinen Leuten gefunden worden. Galt das auch für Oleg? Hatte auch er überlebt? Trotz der lähmenden Erschöpfung schlug Viktor seine Augen auf. Im ersten Moment konnte er außer verschwommenen Lichtpunkten nichts erkennen. Auch nachdem er sich mehrere Male die Augen gerieben hatte, besserte es sich kaum. Mit einem gedehnten Seufzer wälzte er sich auf der überraschend harten Liegefläche und vertraute stattdessen auf seine anderen Sinne. Er hörte ein kontinuierliches Geräusch, wie von einem Tropf. Außerdem roch er den scharfen Geruch von medizinischem Alkohol. Er befand sich also in einem Krankenhaus.
Viktor streckte seine Hand nach dem Patientenruf aus, um eine Schwester kommen zu lassen, als seine Finger den Rand der Liege streiften. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er nicht in einem Bett lag, sondern auf einer Edelstahlbahre. Was hatte das zu bedeuten? Immer noch blind tastete er sich weiter. Auf dem Beistelltisch standen keine Blumen, kein Wasser und keine Lampe. Seine anfängliche Erleichterung schlug in Unbehagen um. Vielleicht hatte er sich getäuscht. Womöglich war er hier weniger Patient als ein Kriegsgefangener?
Wie elektrisiert schoss Viktors Oberkörper in die Höhe. Was bis eben nur ein Verdacht gewesen war, mutierte in einen realen Alptraum. Viktor kämpfte gegen den Schwindel an und versuchte seine Beine von der Bahre zu schwingen, doch etwas hielt seine Füße fest. Völlig entgeistert rieb er sich wieder über die vernebelten Augen. Erst jetzt kehrte die Sehkraft zurück. Sein Blick fiel auf seine Füße, die in zwei an der Bahre festgeschweißten Fesseln steckten. Er war tatsächlich gefangen.
Mit beiden Händen packte er die Fesseln und zerrte an ihnen. Unerwartet öffneten sich die Metallschellen. Perplex starrte Viktor an seinen befreiten Beinen hinab. Dort, an seinem rechten großen Zeh, hing ein Zettel. Mit bebenden Fingern beugte er sich nach vorne und ergriff das Stück Papier. Nr. 199 stand dort säuberlich geschrieben. Augenblicklich stellten sich Viktors Nackenhaare auf.
»Ich wurde nummeriert? Wo zur Hölle bin ich hier?«
Das aufwallende Adrenalin ließ seine Kräfte zurückkehren und er schwang seinen Körper von der Metallbahre. Der Katheter an seiner Vene riss ab und der Schlauch des Infusionsbeutels baumelte tropfend in der Luft. Kaum hatten seine Füße auf dem Fliesenboden aufgesetzt, da bemerkte er, dass er keine Schmerzen spürte. Seine Beine, die in einer weißen Hose steckten, fühlten sich kräftig und gesund an. Mit dem Daumen zog er das Hosenbein in die Höhe. Dort sah er keine Verletzungen, nur verheilte Narben. Er musste längere Zeit an diesem Ort verbracht haben als vermutet. Viktor schauderte und sah sich die Umgebung genauer an. Der Raum war eingerichtet wie eine Mischung aus Pathologie und Labor. Neben zahlreichen medizinischen Gerätschaften entdeckte er auch eine Reihe mit Formaldehyd gefüllter Glaszylinder. In der gelblichen Flüssigkeit schwammen die verschiedensten Organe. Der Anblick versetzte Viktor einen solchen Schreck, dass er mit dem Rücken gegen die Wand prallte. Wo war er hier gelandet? Instinktiv suchten seine Augen nach einem Ausweg. Er war gefangen, wie eine Ratte in der Falle. Der einzige Weg aus diesem Horrorkabinett schien durch eine Tür gegenüber der metallenen Bahre zu führen. Auf Zehenspitzen schlich sich Viktor heran und spähte durch ein niedriges Sichtfenster in den dahinterliegenden Gang. Zu beiden Seiten konnte er nichts außer nackten Wänden und gespenstischer Leere erkennen. Gerade als er den Blick abwenden wollte, bog ein Mann in einem weißen Kittel scharf um die Ecke.
Viktor erschrak und duckte sich unter das Fenster. Durch den Spalt unter der Tür konnte er den Schatten des Mannes sehen.

Im Kindle-Shop: Lost Life.
Mehr über und von Sebastian Dobitsch auf seiner Website.



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