15. August 2019

'Urlaub für Quereinsteiger' von Maria Resco

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Katrin ist stinksauer, als sie dahinterkommt, dass Pauls versprochene Reise durch Italien eine Finte ist. Entschieden macht sie sich allein auf den Weg. In Verona trifft sie auf einen jungen Musiker, der Geld für ein Ticket nach Rom sammelt. Sie zeigt sich spendabel, merkt aber schnell, dass es ein Fehler war.

Der Weltenbummler heftet sich an ihre Fersen und nutzt ihr weiches Herz aus. Alle Versuche, ihn loszuwerden, scheitern, ihr bleibt nur die Flucht. Als sie schließlich im Flieger nach Catania sitzt, atmet sie auf. Sie hat die Klette abgehängt. Glaubt sie.

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Leseprobe:
Katrin hatte ganz konkrete Vorstellungen von ihrem eigenen Café gehabt: Die Möblierung eine bunte Vielfalt aus unterschiedlichsten Sitzgelegenheiten, bunt lackierte Stühle, gemütliche Sessel, ein uriges Sofa, Bistrotische, Regale für Kleinkunst, ein altes Piano und an den Wänden jede Menge Platz für Bilderausstellungen. Sie wollte der Kunst, auch ihrer eigenen, einen Raum geben, wollte Kabarett- und Liederabende veranstalten, Autorenlesungen organisieren, Fotos, Skulpturen und gemalte Bilder ausstellen – außer die von Gaby Hollmann – wollte in die Bohème-Welt eintauchen. Ihr Café Kleinkunst sollte ein angesagter Treffpunkt für die Künstler der Stadt werden – außer für Gaby Hollmann – und nebenbei der Sicherung ihres eigenen Einkommens dienen. Vor allem aber sollte es die berufliche Erfüllung werden, nach der sie so lange gesucht hatte.
Die Voraussetzungen dafür waren perfekt gewesen. Ihre beiden Töchter waren groß und sie konnte sich endlich ihrer Selbstverwirklichung widmen. Die perfekte Location für das Café hatte sich schnell finden lassen und Dank des Geldsegens aus dem Coup, den sie letztes Jahr in Italien mit ihrem guten alten Freund Hermann Müller gelandet hatte, war auch die Finanzierung nicht das Problem gewesen.
»Kaki, kannst du bitte das Fläschchen für Marie-Claire warm machen?«
Eine der jungen Mütter kam mit ihrem verheulten Töchterchen auf dem Arm an den Tresen und reichte Katrin das Milchfläschchen.
»Bitte, Yvonne, nenn mich nicht Kaki. Schlimm genug, wenn die Kinder das tun.«
»Wieso? Wir finden das alle süß. Wir sollten deinen Laden in Café Kaki umbenennen. Hm, was meinst du, Marie-Claire?« Angetan von ihrer originellen Idee strich sie dem Kind über den Kopf. Marie-Claire hörte prompt zu weinen auf und lachte wie ein Honigkuchenpferd.
Katrin fand das nicht lustig. Irgendwas lief hier falsch. Sie musste dringend lernen, sich durchzusetzen. Kaki!! Also wirklich! Sie nahm Yvonne das Fläschchen ab und stellte es in den Flaschenwärmer, den sie einer Sammelaktion einiger Mütter zu verdanken hatte. Ein eigennütziges Geschenk, wie so viele andere auch. Jetzt, zwei Monate nach der Eröffnung ihres Cafés, befand Katrin sich inmitten von stillenden Müttern, kreischenden Babys, Spielzeug-Tretminen, und das einzige, was mit Kunst zu tun hatte, war das Kunststück, abends halbwegs unbeschadet hier rauszukommen. Ach ja, und die Bilder an der Wand, braungelbgestreifte Leinwände in allen Größen und Varianten. Eine großzügige Spende zur Einweihung. Von Gaby Hollmann!!!
Sie gab Yvonne das aufgewärmte Fläschchen und warf einen Blick auf die Uhr. Halb elf. Heide müsste jeden Moment hier eintrudeln. Und da kam sie auch schon. Mit ihren bunten flatternden Kleidern und den langen roten Locken konnte sie glatt als Teil des Inventars durchgehen. Ihrer Freundin aus Studienzeiten hatte Katrin es zu verdanken, dass das Café so großen Anklang fand. Kaum hatte die spätgebärende Supermami ihren Sprössling in einer Blitzaktion auf die Welt befördert, langweilte sie sich auch schon in ihrem entlegenen Landhaus und machte das Café zu ihrem zweiten Zuhause. Um nicht allein dazusitzen, hatte sie eine Anzeige in einem alternativen Blatt geschaltet, alles zusammengetrommelt, was Windeln trug, und weil es so praktisch war, ihren Arbeitsort ganz nebenbei ins Café verlagert. Ihre psychologischen Beratungen und Kommunikationskurse hielt sie seitdem bei Cappuccino und Käsetorte ab, während sie ihren Nachwuchs vertrauensvoll der allgemeinen Obhut überließ. Immerhin, sie war eine der wenigen, die sie nicht Kaki nannten.
»Hi, Katrin. Alles okay?«
»Oh Mann, ich bin echt urlaubsreif!«
»Machst du mir bitte einen Cappuccino?« Heide ging weiter in den offenen Nebenraum, der in einer Wochenendaktion von den Eltern zu einem Spielparadies umfunktioniert worden war. Statt Kleinkunst lagerten Puzzles, Spielzeug und Märchenbücher in den Regalen, und neuerdings auch handgestrickte, genähte und aufgetragene Kinderwäsche, Kommissionsware, die auf neue Besitzer wartete.
Während Katrin den Kaffeeautomaten betätigte, fiel ihr Blick auf die Krabbelecke, wo Heide ihren Nachwuchs ablegte. Der kleine Gustav! Sie war damals echt schockiert gewesen, wie man ein so süßes Bündel Gustav nennen konnte. Mittlerweile aber fand sie, dass der Name perfekt zu dem Wonneproppen passte. Mit seinen sechs Monaten war er seinem Daddy wie aus dem runden Gesicht geschnitten. Wie ein nimmersattes Walross lag er in der Spielecke am Boden zwischen wild tollenden Kids, wurde von den größeren gestreichelt, gehätschelt, mit angeknabberten Keksen gemästet und strahlte stets über alle vier Backen. Gustav war eine Art Gemeinschaftseigentum. Alle liebten ihn und irgendwer war immer da, der sich seiner annahm.
Heide setzte sich an den Tisch neben der Bar, Katrin servierte ihr den Cappuccino und gesellte sich seufzend dazu. »Drei Wochen noch. Dann geht's ab in den Urlaub!« Vor einem guten Jahr hatten sie und Paul sich mit zwei weiteren Pärchen zusammengetan und ein Haus am Gardasee gekauft. Neben Heide und deren Mann Siggi waren noch Gaby und Hanfred Hollmann mit im Boot gewesen. Als sich jedoch die Gelegenheit ergeben hatte, das Nachbarhaus zu kaufen, hatten sich die Hollmanns von dem Gemeinschaftsprojekt verabschiedet. Das war, wie Katrin fand, nicht die schlechteste Idee gewesen, denn mit einer kompromisslosen Möchtegernkünstlerin wie Gaby konnte man nicht unter demselben Dach wohnen.
»Ich find's schade, dass wir nicht zusammen hinfahren«, sagte Heide. »Wir könnten uns eine schöne Zeit machen. Die Männer spannen wir zum Babysitten ein und wir gehen eine Runde segeln.«
»Die Hollmanns sind jetzt da unten und wenn Gaby in der Nähe ist, gibt es keine schöne Zeit, das weißt du doch«, beschwerte sich Katrin.
»Ach, komm, du übertreibst. Außerdem wohnen sie jetzt nebenan. Da gibt es doch gar keine Berührungspunkte mehr.«
Okay, nach den unüberwindbaren Differenzen, die es im letzten Jahr bei der Renovierung gegeben hatte, war es natürlich ein Glück, dass Gaby und Hanfred nicht mehr Miteigentümer waren. Aber musste es ausgerechnet das Nachbarhaus sein? Hätte nicht irgendein anderes Haus zufällig zum Verkauf stehen können, am gegenüberliegenden Seeufer zum Beispiel, oder am Lago Maggiore, oder besser noch, auf einem anderen Kontinent? Aber nein! Ihre Nachbarn zu Hause waren auch ihre Nachbarn am Gardasee. Das Wenigste, was Katrin tun konnte, war, nicht zur selben Zeit hinzureisen. Niemand konnte ihr das verdenken. »Es ist alles perfekt durchdacht. Paul und ich fahren, wenn die Hollmanns zurückkommen. Basta!«

Im Kindle-Shop: Urlaub für Quereinsteiger (Nachbarn 4).
Mehr über und von Maria Resco auf ihrer Website.



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