8. Oktober 2019

'Weihnachtsfrauen küssen besser' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Marit Bernson | Autorenseite im Blog
Julia hat einen Job als Weihnachtsfrau in einem Kaufhaus ergattert - obwohl sie sich als Elfe beworben hatte. Doch in ihrem Zustand, krank und übernächtigt, schien sie dem Personalchef nicht "geeignet". Auf dem Weg nach Hause wird sie auch noch beinahe von einem Auto angefahren und der Fahrer bekommt ihren ganzen Frust ab.

Der stellt sich später als der attraktive Besitzer des Kaufhauses heraus, erkennt Julia aber nicht in ihrem Fatsuit und mit der graugelockten Perücke. Jetzt muss Julia dafür sorgen, dass es so bleibt, damit sie den Job behält.

Doch Mister Kaufhaus scheint auch in ihrer unvorteilhaften Aufmachung Gefallen an Julia zu finden.

Leseprobe:
»Lass uns einander besser kennenlernen«, schlug er vor. »Gleich jetzt.«
Julia schnaubte. »Erzählen wir uns jetzt unsere Lebensgeschichten?«
»Nein.« Henning schüttelte sich. »Doch nicht gleich so etwas Kompliziertes. Ich habe eine bessere Idee. Wenn ich etwas einordnen möchte, Dinge, dann überlege ich mir drei Sachen, die ich an diesem Ding mag, und drei, die ich nicht mag.«
Julia zog die Augenbrauen hoch.
»Die Dinge, die jemand dann nennt, sagen viel über den Menschen aus«, erklärte er weiter. »Manchmal alles, was man wissen muss.«
Julia atmete übertrieben laut aus. »Und ich dachte schon, ich soll drei Dinge sagen, die ich an dir mag. Oder an mir.«
Henning schüttelte mit ernstem Gesicht den Kopf. »Dafür kennen wir uns nicht genug. Das wäre schon etwas für Fortgeschrittene. Wir beginnen mit etwas Leichtem. Filme. Deine drei Lieblingsfilme.«
»Filme? Das soll ein leichtes Thema sein?« Julia schüttelte heftig den Kopf. »Ich kenne kaum ein Thema, bei dem man mehr streiten kann. Was, wenn ich A Star is born sage? Dann sind wir automatisch bei der Debatte darüber, welche Verfilmung die einzig wahre ist. Judy, Barbara oder Lady Gaga?«
»Und was ist mit Janet?« Ein Flackern ging durch Hennings Augen.
Julia beugte sich zurück und verschränkte die Arme.
»Ich verstehe«, sagte er. »Das war eine Fangfrage. Und die Antwort ist ganz klar.«
Julia musste lächeln. Sie wusste, was er sagen würde.
»Sie sind alle vier großartig«, sagte sie zeitgleich mit ihm.
Dann grinsten sie sich an.
Julia aß weiter und nickte dann. »Okay. Ich verstehe, was du meinst. Das Thema verbindet …«
»… oder trennt sofort. Dann muss man keine Zeit verschwenden.«
»Leicht ist das Thema trotzdem nicht.«
»Aber effektiv. Und leicht deshalb, weil es einem leichter fällt, von jemandem abzulassen, bei dem man sofort feststellt, dass er einen miesen Filmgeschmack hat.« Er beugte sich vor und schaute Julia direkt in die Augen.
Sie konnte ihren Blick nicht von seinem lösen. Was passierte hier gerade? Bei seinen Worten von jemandem ablassen war ein merkwürdiges Klopfen durch ihre Körpermitte gefahren und breitete sich immer weiter aus, wandelte sich zu einem Kribbeln in den Armen und Beinen. Meinte er es so, wie sie es verstand? Nicht möglich!
»Vier«, stammelte sie.
Sofort veränderte sich sein Blick, als habe dieses eine Wort ihn von irgendwo weit her zurückgeholt.
»Wie bitte?«, fragte er.
Julia räusperte sich und sprach erst weiter, als sie sich halbwegs sicher war, mehr als ein Stammeln oder Stottern hervorzubringen. Dass er sie so aus der Fassung bringen konnte.
»Du wolltest drei Lieblingsfilme wissen. Ich habe dir vier genannt. Alle vier sind großartig – jetzt haben wir Streit.« Julia war fast stolz, dass ihr das so souverän über die Lippen gekommen war. Hätte sie selbst nicht gedacht.
Henning kniff die Augen zusammen und nickte. »Du hast völlig Recht. Das Thema verkompliziert sich. Es sei denn, man unterteilt noch mal …«
»Musikfilme und Filme über Schauspieler? Sehr clever.«
»Dann würde ich sagen, dass wir die erste Hürde des Kennenlernens überwunden haben.«

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