10. September 2020

'Explosive Vibes: Julian & Marie' von Monica Bellini

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Prinzen gibt es nur im Märchen und Traumfrauen verwandeln sich immer in Hexen. Oder doch nicht?

Mit vierzehn wurde Marie wegen ihres Übergewichts gemobbt. Der einzige Lichtblick in ihrem Dasein war ihr arabischer Märchenprinz, der ein paar Klassen über ihr war. Als sie endlich ihren Babyspeck loswird, hat er die Schule längst beendet. Viele Jahre später findet sie ihren Traumjob – und ausgerechnet er ist einer ihrer neuen Chefs.

Julian pfeift auf sein Bad-Boy-Aussehen, das er seinen saudi-arabischen Genen verdankt, und auf seinen beruflichen Erfolg, denn privat hat er einfach kein Glück. Mit den Frauen erlebt er nur Märchen, die verkehrt herum ablaufen: Innerhalb kürzester Zeit werden aus den vermeintlichen Prinzessinnen hässliche Kröten.

Am Tiefpunkt angelangt, stellt sein Partner eine neue Architektin ein. Ihre blitzblauen Augen ziehen ihn an. Ihre Wahnsinnsfigur erregt ihn. Ihr launenhaftes Verhalten bringt ihn zur Weißglut. Aber das ist erst die Ruhe vor dem Sturm …

Abgeschlossener Liebesroman mit heißen Szenen und Happy End. „Explosive Vibes: Julian & Marie“ ist der fünfte Roman der „LoveVibes“-Reihe. Alle Bücher können ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Anleser:
MARIE
»Eigentlich wären Sie die perfekte Wahl für den Posten, Frau Winter.«
Von den beiden Grübchen neben den Mundwinkeln meines Gegenübers, die sich vertiefen, sobald er lächelt, ist nichts mehr zu sehen. Doch nicht das ist es, was meinen Magen zusammenballt und mir das Gefühl gibt, dass all die darin enthaltene Säure durch meine Kehle nach oben dringt. Nein, es ist dieses Wort, mit dem er den letzten Satz eingeleitet hat.
Das unausgesprochene »Aber« liegt in der Luft.
Und das »Uneigentlich«, mit dem ich meine Gegenfrage einleiten will, auf meiner Zunge.
Verdammt, verdammt, verdammt!
Jahrelang habe ich darauf gewartet, endlich zeigen zu können, was ich kann. Bis heute war ich chancenlos, habe es in Bewerbungsgesprächen für einen verantwortungsvollen Posten nie über die erste Hürde hinweggeschafft. Stets bin ich von irgendeinem in den Rollenbildern der Gesellschaft festgefahrenen Geschäftsführer oder Personalchef bereits beim ersten Vorstellungsgespräch – sofern es überhaupt dazu kam – abgekanzelt worden. Für sie war ich jung, blond und dumm. Wobei von diesen klischeehaften Attributen mittlerweile nur noch das zweite stimmt und das letzte schlichtweg eine haltlose Behauptung ist. Als ob die Haarfarbe irgendetwas über den Zustand des Gehirns einer Person aussagen würde. Wäre dem so, in welche Schublade gehören dann Männer mit Glatze?
Keine Ahnung, woher dieser Gedanke jetzt kommt.
Mein Gegenüber ist alles andere als haarlos. Seine dunkelblonden Haare strahlen im durch das Fenster einfallenden Sonnenlicht mit seinen kornblumenblauen Augen um die Wette. Aber das Lächeln, das die ersten zwanzig Minuten unseres Gesprächs begleitet hat, fehlt jetzt. So wie ihm offenbar nach dem letzten Satz der gesamte Wortschatz abhandengekommen ist. Mir nicht.
»Und uneigentlich?«, schleudere ich ihm entgegen.
Du solltest das Hirn einschalten, bevor du sprichst, Marie, sagt mein Bruder immer. Den Spruch hat er mitsamt der Beschützerrolle von unserem Vater übernommen. Als ob ich es mit zweiunddreißig nötig hätte, von irgendjemandem beschützt zu werden! Aber Peter geht in dieser Rolle auf. Seitdem unsere Eltern beide in Pension und nahezu ständig auf Reisen sind, noch mehr als früher – und das, obwohl ich schon seit Jahren allein und in Wien lebe.
Das dunkle Lachen, mit dem mein Gegenüber meine trockene und unüberhörbar schnippische Frage kommentiert, holt mich aus den Untiefen meiner unsinnigen Überlegungen zurück in das Besprechungszimmer, das mit seiner eleganten modernen Einrichtung all das widerspiegelt, was der Mann an der anderen Tischseite vertritt. Guten Geschmack, exzellente Ausführung der Projekte und die führende Marktposition seines Unternehmens nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich. Nicht zu vergessen, dass er dem alten Adel unseres Landes angehört, jedoch keiner der verarmten Sprösslinge irgendwelcher Snobs mit wohltönenden Namen ist, die ihre Herkunft vor sich hertragen wie eine Krone und sich bewegen, als ob sie einen goldbestickten Mantel aus rotem Samt mit Hermelinbesatz trügen. Im Gegenteil. Er ist bodenständig, spricht ohne diesen hochgestochenen näselnden Unterton und hat von dem Moment an, an dem wir uns mit Handschlag begrüßt haben, keine Mauer zwischen uns hochgezogen. Max Kaunitz ist nicht nur extrem sympathisch, höllisch attraktiv und offenbar humorvoll, vor allem ist er jung. Nicht viel älter als ich vermute ich, denn sein Geburtsjahr ist in seiner Biografie auf der Firmenwebsite nicht angegeben.
»Auch uneigentlich, Frau Winter«, antwortet er jetzt mit unüberhörbar heiterem Unterton.
Meine Augenlider verselbstständigen sich und flattern. Mehrmals. Was hat er gesagt? Ich vergrabe die Fingernägel in meinen Oberschenkeln und bin froh, dass der Stoff der Hose meines eleganten Tailleurs verhindert, dass ich mich blutig kratzen kann.
»Wie meinen Sie das, Herr Kaunitz?«
Er lächelt, und ich starre fasziniert auf die beiden Grübchen, die sich neben seinen Mundwinkeln vertiefen.
»Ich hätte Sie gern in meinem Team, Frau Winter, aber nicht als Projektleiterin, sondern in der Direktion. Sie werden uns in allen Projekten unterstützen. Wann können Sie anfangen?«
Mein Puls beschleunigt, das Blut rast im Galopp durch meinen Körper. Ich spüre, wie es in meinen Kopf schießt und meine Wangen zu glühen beginnen.
»Sie meinen ...?«
»Genau das, was ich gesagt habe.« Er zwinkert mir zu. »Über die Vertragsdetails sprechen wir dann später gemeinsam mit Hans Brunner, dem Personaldirektor der Kaunitz GmbH, und meine Frau freut sich schon darauf, Sie kennenzulernen. Allerdings ist sie heute nicht im Haus. Sie wird Sie morgen durch die Abteilungen führen und überall vorstellen.«
Max Kaunitz spricht und lächelt mir zu, aber ich begreife nur, dass ich den Job habe, und ein Wort bleibt hängen. Ich wiederhole es fragend. »Morgen?«
»Ist Ihnen das zu früh, Frau Winter? Ich hoffe nicht. Sie haben doch in Ihren Bewerbungsunterlagen geschrieben, dass ...«
»Nein, es ist nicht zu früh!«, rufe ich aus. »Im Gegenteil!«
Mein Gegenüber atmet erleichtert aus. »Das ist gut. Sehr gut. Wir haben zwar sofort nach dem Lockdown wegen des Coronavirus wieder voll unsere Arbeit aufgenommen, aber mit den neuen Projekten können wir erst jetzt so richtig durchstarten. Gemeinsam mit Ihnen, Frau Winter. Details zu den Projekten erfahren Sie dann morgen, doch zuallererst müssen Sie jetzt meinen Schwager kennenlernen, mit dem Sie eng zusammenarbeiten werden.«
Mir fehlen die Worte. Ich bin fassungslos. Es ist ... Unglaublich! Wie ein Urschrei erklingt das Echo in meinem Kopf und bringt mich an den Rand eines Tinnitus. Es klingelt und quietscht so laut, dass ich zwar sehe, wie Max Kaunitz mit einer Handbewegung das Intercom in der Mitte des Tisches aktiviert und seine Lippen bewegt, jedoch nicht höre, was er sagt, bevor er wieder zu mir schaut. Ich sehe, wie sich sein Mund bewegt, und endlich wird die Kakophonie in meinem Kopf leiser.
»... sind wahrlich außerordentlich, Frau Winter.«
»Wie bitte?«, frage ich mit einem Hauch von Stimme.
»Ihre Projekte.« Er deutet auf meine Bewerbungsmappe.
»Die, an denen ich mitgearbeitet habe«, stelle ich eilig klar.
Max Kaunitz wirft mir einen nachdenklichen Blick zu. »Genau so habe ich Sie eingeschätzt.«
Mit einem Stirnrunzeln versuche ich zu begreifen, wo der Haken in seiner Aussage liegt.

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