18. November 2020

'Deborahs Garten' von Kaja Linnegart

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Kaja Linnegart
Das Verderben entreisst ihm alles.
Deborah. Den Garten. Sein ganzes Leben ...


Eine Tote. Das Abbild einer griechischen Gottheit und ein gelbes Band.
Ein Mord erschüttert den Rhein-Sieg-Kreis.

Als die Ermittler Isolde Bachmann und Roman Pfaff zum Maibaum-See gerufen werden, stehen sie vor dem Rätsel einer vermeintlichen Botschaft. Während der fieberhaften Suche nach Antworten und dem Täter, wird Isolde das Gefühl nicht los, in die Sache verstrickt zu sein. Und der Mörder ist noch nicht fertig. Ein zweites Opfer macht aus dem Fall den Rachefeldzug eines Psychopathen, der die Kriminalhauptkommissarin in einen persönlichen Konflikt stürzt.

Als sie plötzlich verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit ...

Anleser:
Der Alte war schon von Weitem zu hören, wenn er das Schlüsselloch wieder nicht traf. Schab, schab ...
Sein Geduldsfaden wurde immer kürzer, auch wenn das kaum mehr möglich schien. Andreas musste nicht lange warten, bis das gewohnte Poltern einsetzte, mit dem sein Vater um Einlass von innen verlangte. Er brauchte nicht aufzustehen, seine Mutter würde ohnehin schneller sein.
Einmal war sie aus der Waschküche gerannt und über einen Eimer Putzwasser gestolpert. Alles, damit sich der Alte nicht noch mehr aufregte.
Die Hoffnung, dass er hereinwankte und sich schimpfend in sein Bett fallen lassen würde, erfüllte sich damals nicht. Andreas’ Vater war über das ausgeschüttete Wasser derart in Raserei geraten, dass er seine Frau an den langen stumpfen Haaren packte und gegen die Wand schlug.
Das Geräusch konnten sie nie mehr vergessen, er und seine beiden Geschwister. Ein Knacken, welches den dumpfen Aufprall übertönte. Es war viel schlimmer gewesen als das dick aus dem braunen Gestrüpp auf Mutters Kopf hervorquellende Blut.
Sie schrie schon lange nicht mehr. Andreas machte das wütend, obgleich er wusste, warum sie still blieb.
Einmal hatte ein vorübergehender Passant wegen des Lärms die Polizei gerufen.
Die beiden Männer sagten, der Vater sollte das nicht wieder tun, die Mutter antwortete, der Vater sei das nicht gewesen mit dem Veilchen, und als die Bullen fort waren, schlug der Alte ihr noch ein zweites blaues Auge.
Natürlich waren Andreas und sein Bruder schon dazwischen gegangen, wenn ihr Vater nach seiner Frau langte. Das war zu Beginn, bevor es immer schlimmer wurde und irgendwann zur Tagesordnung gehörte.

Inzwischen lag sein Bruder seit einiger Zeit in einer Art Dämmerschlaf in der Klinik. Andreas wusste nicht, weshalb.
Zu Hause wurde nicht darüber gesprochen und es war besser, nicht danach zu fragen. Seine kleine Schwester fing an, wieder ins Bett zu machen, das erforderte viel mehr Aufmerksamkeit von seiner Mutter und ihm. Niemand musste es erwähnen, aber alle wussten, wenn der Alte das herausbekam, würde vielleicht jemand mit dem Leben bezahlen.
Seine Kinder machten nicht ins Bett! Überhaupt taten seine Kinder nichts, das nach Schwäche roch. Er mochte ein Trinker und Schläger sein, aber nach außen ließ er nichts auf seine Familie kommen. Familie ...
Andreas zählte zwar erst zehn Lenze, aber er glaubte nicht, dass der Alte sie alle als solche sah.
Dreck bedeuteten sie für ihn, eine Last und eine Schande!
Dabei war er nur nicht Manns genug, sich einzugestehen, welch Wicht er darstellte! Tagein, tagaus saß er morgens auf seinem Holzstuhl in der Küche und klagte über seinen eigenen Vater. Die Zeche, die Kohle ... Er fand fortwährend Gründe. Keine Kumpels mehr, die Lichter für immer aus ...
An manchen Tagen, wenn sein Vater weniger trank, was allerdings kaum noch vorkam, wirkten sie fast wie eine normale Familie. Dann kämmte seine Mutter sich die Haare und versuchte, freundlich zu sein. Eigentlich sah sie ganz hübsch aus.
Zumindest glaubte man das. So ausgezehrt und trostlos, wie sie immer wirkte, konnte man das nicht so genau erkennen. Manchmal gab sein Alter ihr einen Klaps auf den Po und neckte sie, nannte sie ‚meine Schöne‘ oder ‚scheues Reh‘. Andreas war das fast noch unangenehmer als die Raserei und die Schläge.
Die Anwandlungen der kurzweiligen Harmonie gaben nichts Verlässliches her. Er dachte dabei an eine leckere Mahlzeit, die man ihm kurz hinschob, damit er daran riechen konnte. Selbst wenn er sich trauen würde, von dem Essen zu probieren, so bliebe es ihm doch nur im Halse stecken.

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