18. November 2020

'Wintertee ausverkauft' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Von wegen beschauliche Adventszeit!

Judith erhält das Angebot, die Leitung der umsatzstärksten Filiale des Konzerns in Hamburg zu übernehmen. Voraussetzung: Sofort!

Frisch in der Hansestadt angekommen, wartet schon das erste Problem auf sie, bevor sie überhaupt eine Nacht in ihrer neuen Wohnung verbracht hat. Aber Hausbewohner Marwin rettet sie und die beiden freunden sich an.

Im Geschäft läuft es auch nicht rund. Die Mitarbeiter untereinander sind sich nicht grün und es kommt zum Showdown. Unerwartet steht ihr gerade die Kollegin zur Seite, von der sie es am wenigsten erwartet hätte. Aber auch privat dreht sich das Karussell. Da ist der sympathische Marwin, sein anhänglicher Freund Frank, der elegante Immobilienmakler Bejo von Deckert und der attraktive Chauffeur des Konzernchefs.

Es sieht so aus, als verbringt sie das Weihnachtsfest allein. Tatsächlich?

Anleser:
Judith schlug das Herz bis in den Hals. Warum nur hatte der Konzernchef der Drogeriemarktkette sie in die Hauptverwaltung nach Hamburg beordert? Was war bloß schiefgelaufen? Hatte sie sich tatsächlich einen groben Schnitzer erlaubt, dessen sie sich nicht bewusst war?
Schon seit drei Tagen geisterten alle ungewöhnlichen Geschehnisse, die sich in den letzten Wochen im Geschäft zugetragen hatten, in ihrem Kopf herum und ließen sie nicht einschlafen. Aber da war doch nichts ... nichts, was groß anders gewesen wäre, verglichen mit den vergangenen vier Jahren. War sie etwa nur zu unsensibel, um das zu bemerken? Hatte sich eine ihrer Mitarbeiterinnen oder eine enttäuschte Kundin beschwert? Und wenn, warum nicht offen bei ihr?
Durch die nüchtern gestalteten Bürofenster mit den typischen Lamellenvorhängen zeigte sich der novembergraue Himmel von seiner trüben Seite. Dunkle Wolken bauschten sich auf, angetrieben von einem heftig pustenden, kalten Herbstwind.
Die Winterzeit schickte ihre Vorboten in den düsteren November und man schätzte wieder heiße Schokolade, Tee und Kaffee, kehrte man abends aus dem Geschäft nach Hause oder am Wochenende von einem Spaziergang zurück. Sie hätte jetzt gut einen warmen Schluck Kakao zur Beruhigung gebrauchen können, durch die kühle Sahnehaube genossen. Judith hatte nahezu den Duft in der Nase und den schokoladigen Geschmack auf der Zunge, als sie erste leise Stimmen auf dem Flur vernahm. Sie spitzte die Ohren.
Kam Herr Dr. Schiller nun hier in den Besucherraum? Ihr Herzschlag verdoppelte sich. Hoffentlich kippe ich nicht um, dachte sie, die nicht greifbare Angst herunterschluckend.
Die Tür öffnete sich und der Geschäftsführer trat ein.
Er ist schon eine beeindruckende Erscheinung, empfand Judith mit Respekt. Herr Dr. Schiller war ein großer, kräftiger Mann mittleren Alters und die Tatkraft leuchtete aus seinen wachsamen Augen. Sein sichtbar teurer Anzug und das blütenweiße Hemd in Kombination mit der Seidenkrawatte und passendem Einstecktuch untermauerte diesen Eindruck.
Er war bekannt als fairer Chef, allerdings war es auch besser für jeden der gut vierzigtausend Mitarbeiter, sein Bestes zu geben und seinen Anweisungen Folge zu leisten.
Mit drei schnellen Schritten war er bei Judith.
»Moin, Frau Jacobi, gehen wir in mein Büro.«
Judith wollte ein respektvolles »Moin« herausbringen, leider ähnelte es dann doch mehr einem kläglichen Piepsen.
»Na, wer wird denn da so aufgeregt sein?« Ein amüsierter Blick traf sie.
Oh Gott, jetzt hat er das auch noch gemerkt! Sie registrierte mit Schrecken, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss.
Er hielt ihr die Tür auf, ließ sie als Erste auf den Flur treten, um dann die Führung zu übernehmen.
Die Etage der Konzernspitze präsentierte sich eindrucksvoll. Hochwertige Drucke und Leinwandbilder schmückten den Gang bis zum Büro von Herrn Dr. Schiller. Im Vorzimmer saß seine Sekretärin, die Judith aufmunternd zuzwinkerte. Den angebotenen Kaffee lehnte sie ab.
Herr Dr. Schiller öffnete seine Bürotür, Judith trat ein und er schloss die Tür hinter ihnen. »Nehmen Sie Platz, Frau Jacobi.« Er deutete auf zwei schwarze Lederstühle vor seinem großen Schreibtisch, der mit allerlei Papierstapeln belegt war.
Judith sank fast ehrfürchtig in einen der mächtigen Stühle. Mit einem schnellen Blick hatte sie die exklusive Einrichtung gescannt, auch die Bilder an der Wand zeugten von teurem Geschmack. Es wirkte allerdings nicht kalt und unpersönlich, sondern durchaus einladend.
Noch bevor der Geschäftsführer sie ansprechen konnte, schellte sein Telefon. Mit einem knappen »Ja« meldete er sich, um dann ein »Jetzt nicht« anzufügen, aufzulegen – und Judith durchdringend anzusehen.
»Frau Jacobi, ich freue mich, Sie persönlich kennenzulernen. Sie leiten eine unserer Drogeriefilialen nun schon vier Jahre erfolgreich.«
Judith fiel automatisch ein Stein vom Herzen. Sein Tonfall war ruhig und sympathisch, da schien nichts allzu Negatives mehr zu kommen. Nur was wollte der Boss dann von ihr?
Das bekam sie sofort zu hören.
Herr Dr. Schiller faltete seine Hände und setzte die Ellenbogen auf den Schreibtisch auf. »Trotzdem werden wir die Filialleitung einer anderen Person übertragen.«
Judith musste aschfahl geworden sein, denn er beruhigte sie auf der Stelle. »Das hat natürlich einen triftigen Grund. In unserer umsatzstärksten Drogeriefiliale hier in Hamburg fällt Frau Küster aus. Sie war der gute Geist und die Seele des Geschäftes, die erfahrenste unserer Filialleiterinnen. Ihr Mann ist urplötzlich schwer erkrankt, sie wird uns verlassen und das bedauerlicherweise, allerdings durchaus verständlich, von heute auf morgen.«
»Das tut mir sehr leid«, stammelte Judith.
»Ihr Erbe ist nicht leicht auszufüllen, aber Ihr Ruf, Frau Jacobi, schallt Ihnen sozusagen voraus und da haben wir an Sie gedacht.«
»Äh ... ja ...«, Judith überlegte krampfhaft, wie sie antworten sollte, denn neue Aufregungen in ihrem Leben brauchte sie keinesfalls – und toughe Herausforderungen erst einmal auch nicht. Ihr fiel jedoch nichts Gescheites ein, ihr Kopf fühlte sich seltsam leer an.
»Ich verstehe«, fuhr Herr Dr. Schiller fort, »dass Sie sich ein bisschen überfallen fühlen, aber ich möchte Ihnen Folgendes vorschlagen ...«
Judith hörte den Ausführungen des Konzernchefs zu und es kam ihr zunehmend vor wie ein irrealer Traum. Fand sie das nun gut oder nicht? Und wieso wusste sie das jetzt nicht?

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