13. Dezember 2020

'Der Seenebelmord: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

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Ein neuer Fall für die Kripo Wattenmeer

Spätsommer auf Amrum. Die Künstlerin Finja Herder aus dem alten Fischerdorf Nebel nimmt mit anderen Frauen ein Bad im Meer. Seenebel zieht auf, und plötzlich ist Finja verschwunden. Bald kursiert das Gerücht, ein Spuk aus den Albträumen ihrer Kindheit habe sich bewahrheitet. Auch ein Unglück oder Freitod wird vermutet. Doch es mehren sich die Anzeichen für ein Verbrechen.

Trotz intensiver Suche bleibt Finja verschollen. Haben Kuno Knudsen und Arne Zander es mit einem Mord ohne Leiche zu tun? In Verdacht gerät ein Schützling von Okko Knudsen, dem Bruder des Kommissars. Auch eine frühere Mitschülerin von Finja kommt als Täterin in Betracht.

Als die Ermittlungen in eine Richtung deuten, wird Amrum von einem mysteriösen Todesfall erschüttert.

Anleser:
Keuchend ließ Dennis sich auf einer Bank bei der Vogelkoje nieder. Sein Herz wummerte. Die Kiefern am Waldrand tanzten vor seinen Augen. Sie tanzten einen langsamen Walzer. Er hielt sich die Hände vors Gesicht, damit das aufhörte.
Doch es hörte nicht auf, solange er die Frau vor sich liegen sah. Er musste sie aus seinem Gedächtnis vertreiben, sonst würde er nie mehr zur Ruhe kommen.
Er hatte seine Uhr verloren. Der Verschluss des Uhrbands musste sich gelöst haben, als er auf der Flucht durch die Dünen ausgerutscht und hingefallen war.
Sie würden sie finden. Die Uhr und die Frau. Und dann?
Er sah wieder auf. Noch immer pumperte sein Herz, und noch immer japste seine Lunge nach Luft.
Wie lange war er durch die Dünen geirrt? Er hatte keine Ahnung. Er guckte in den verhangenen Himmel. Es war noch nicht dunkel, es war noch nicht Nacht.
Der Magen knurrte. Er legte seinen Rucksack ab. Er hatte noch etwas Proviant. Ein Sandwich und eine Flasche Cola. Er packte die Stulle aus. Seinen Bärenhunger konnte er damit nicht stillen. Er konnte auch nicht die Nacht im Freien verbringen. Es würde zu kalt sein. Er hatte nichts zum Überziehen dabei. Er musste zurück.
Am besten wäre, er käme noch heute Abend von der Insel weg. Doch eine Fähre würde bestimmt nicht mehr ablegen. Sie würde ihm auch nichts nützen. Sein Ticket für die Rückfahrt lag in der Jugendherberge im Spind, und er hatte nicht genug Geld für ein neues dabei.
Seine Faust donnerte auf das morsche Holz der Bank.
Er müsste herausfinden, ob sie die Frau schon gefunden hatten. Bei Dunkelheit würden sie nicht weitersuchen, und morgen könnte er die erste Fähre nehmen.
Heute Nacht würde er sich ins Zimmer schleichen, wenn seine Kumpel aus der Seminargruppe schliefen. Klammheimlich würde er sein Ticket aus dem Schrank nehmen, und morgen würde er abhauen, bevor die anderen aufwachten. Wenn sie merkten, dass er nicht mehr da war, wäre er über alle Berge. Na ja, zumindest auf dem Festland, auf der anderen Seite des Watts.
Er würde Dad anrufen, damit er ihn in Dagebüll abholt. Er würde ihm sagen, dass die Exkursionen zu kindisch waren. Einer wie er ging nicht Hand in Hand mit anderen Jungs über den Strand. Was für ein Kinderkram! Er war erwachsen, er war ein Mann.
Wieder sah er die Frau vor sich liegen. Sie rührte sich nicht. Sie atmete nicht. Keine Frage, sie war tot. Und seine Spuren im Sand ... Warum hatte er nicht daran gedacht, sie zu verwischen? Kopflos war er weggerannt.
Aber wer sagte denn, dass die Polizei an den Spuren erkennen könnte, dass er es gewesen war, der sie hinterlassen hatte? Tausende Männer trugen Schuhe wie er.
Er stand auf und drehte sich einmal um die eigene Achse. Wo musste er langgehen, um nicht wieder in dem Dünental zu landen, in dem sie lag? Er durfte nicht nach Norden gehen. Die Sonne ging im Westen unter. Aber verflucht, die Sonne hatte sich hinter dem Nebel versteckt. Wo war welche Himmelsrichtung?
Er wusste nicht einmal mehr, aus welcher Richtung er zur Vogelkoje gelangt war. Aber der Wald, der war die Rettung. Der zog sich von Norden nach Süden längs über die Insel, das wusste er. Er musste nur den schmalen Pfad am Waldrand entlanggehen, die Bäume zur Linken, die Dünen zur Rechten. Dann käme er ans Ziel.
Wenn ihm nur niemand über den Weg lief, und wenn bloß keiner so bald die Frau in den Dünen fand!
Mit einem Mal wurde es düster. Die Nacht brach an. Bis zur Jugendherberge im Süden der Insel war es noch ein gutes Stück zu laufen. Vielleicht acht Kilometer oder zehn oder mehr. Er hatte keine Taschenlampe dabei.
Verzweifelt machte er halt. Schon wieder blieb ihm die Luft weg vor Angst. Er beugte sich vor, stützte die Hände auf die Knie und atmete durch.
Es gab nur eine Lösung. Auf der anderen Seite des Waldes lag die Hauptstraße. Da fuhr der Bus entlang, der den Norden der Insel mit dem Süden verband. Er musste quer durch den Wald und bis zur nächsten Haltestelle laufen. Wenn er Glück hatte, fuhr heute Abend noch ein Bus. Wenn nicht, würde er trampen müssen. Das wäre allerdings viel zu gefährlich.
Er richtete sich wieder auf, nahm den nächsten Weg, der vom Dünenpfad abzweigte, und marschierte durch den Wald. Irgendwo knisterten Zweige. Ein wildes Tier?

Blick ins Buch (Leseprobe)

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