11. Januar 2021

'Nomads: Die Invasoren' von Allan J. Stark

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Website Allan J. Stark
Die Invasoren
Am 21. Februar des Jahres 4589 erfolgt der Kontakt mit den Außerirdischen. Doch statt Frieden und Freiheit zu bringen, führen die rivalisierenden Keymon und Akkato ihren eigenen Krieg auf dem Schlachtfeld Erde. Doch die Akkato wissen die Ausdauer und Zähigkeit der Menschen zu schätzen und für sich zu nutzen. So beginnt auch die Geschichte von Dominic Porter, der mit etwas Glück auf einem der Schiffe der Akkato anheuern kann.

NOMADS
So werden die Menschen von den vielen Rassen der Milchstrasse genannt. Als Überlebende und Flüchtlinge, versuchen sie sich zwischen den Kulturen der Galaxis, die von ihren Bewohnern ASGAROON genannt wird, zu behaupten. Etliche von ihnen haben es geschafft, sich in der feudalen Gesellschaft ASGAROONS einen Namen zu machen. Andere fristen ein Dasein als heimatlose Wanderer. Doch ungeachtet ihres Status, begegnet man den neuen Bewohnern ASGAROONS mit Mistrauen und Verachtung...

Ausgabe 1 der NOMADS-Reihe, einem Science-Fiction-Abenteuer in zehn Bänden.

Anleser:
September 4603
Dominic Porter saß vor einem ovalen, gepanzerten Fenster an Bord des Akkatoschiffes Skitra und blickte auf seine Heimat hinunter. Er würde in einem Monat sechsundzwanzig Jahre alt sein und gehörte zu einer Generation von jungen Menschen, die für ihr Alter schon zu viel erlebt und durchgemacht hatte. Immerhin war er nicht vor seiner Zeit in die Jahre gekommen, wie manche seiner Altersgenossen und hatte sich eine gewisse jugendliche Sorglosigkeit bewahrt. Manche hätten es vielleicht als Leichtfertigkeit angesehen, aber Dominic gehörte durchaus nicht zu der Sorte von Menschen, die ohne Mitgefühl und ohne Verantwortung durch das Leben gingen. Er versuchte lediglich, am Leben zu bleiben und dafür war ein weitgehend unversehrter Geist unverzichtbar.
Sein schmales Gesicht, mit den hellen grünblauen Augen, hatte keine Sorgenfalten und das kastanienbraune Haar zeigte noch keinerlei graue Stellen, wie bei vielen anderen, bei denen die Angst bereits weiße Strähnen hinterlassen hatte. Er sah die Lichter der Städte Fargo, Willmar, Mineapolis und der Dörfer, welche die verödeten Landstriche sprenkelten, die zwischen ihnen lagen. Nach und nach schrumpften sie zu winzigen, glimmenden Punkten zusammen, je höher das Schiff stieg, bis sie kaum noch zu erkennen waren. Selbst die riesigen, kantigen Säulen der Stützpunkte, die die Akkato errichtet hatten, wurden winziger und winziger. Dominic konnte von hier oben etwa zehn dieser Türme ausmachen, die sich in einer Reihe bis zum Horizont erstreckten und lange Schatten über das Land warfen, während die Morgenröte heraufzog.
Mächtige Schiffe der Akkato hatten an den Gebäuden festgemacht. Zahllose winzige Zubringerboote umschwirrten sie mit leuchtenden Triebwerken, wie Schwärme von Glühwürmchen, die um die Stämme riesiger Bäume kreisten. Im Schimmer der Morgendämmerung begannen sich die Umrisse der großen Seen abzuzeichnen, die wie Bruchstücke polierter Spiegel glänzten. In ihren Formen waren sie jedoch nicht mehr als jene Seen zu erkennen, wie Dominic sie im Schulunterricht kennengelernt hatte. Während des Krieges waren ihre Konturen erheblich verändert worden. Überall hatten Geschosse mit ihrer immensen Zerstörungskraft kreisrunde Krater in den Boden gestanzt und die natürlichen Strukturen der Landschaft so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass nichts mehr an ihre ursprüngliche Gestalt erinnerte. Viele Krater waren inzwischen mit Wasser gefüllt und überzogen den Erdboden in einem sonderbar anmutenden Muster, als wären Tropfen aus Quecksilber zu Boden gefallen. Im Glanz des neuen Tages sahen sie wie das Werk eines Künstlers aus, der sein Können an ganzen Planeten erprobt und dabei in Kauf genommen hatte, Zivilisationen und Völker zu vernichten.
Über die Verluste an Menschenleben, die seit dem ersten Kontakt zu den Akkato und den Keymon zu beklagen waren, gab es nur Spekulationen. Und weder die eine, noch die andere Partei, schien Interesse daran zu haben, herauszufinden, welchen Schaden sie bisher angerichtet hatte. Die Erdbewohner und ihr Leid waren zwar für den Krieg, den sie schon seit Jahrtausenden gegeneinander führten, von geringer Bedeutung. Doch immerhin hatte es sich herausgestellt, dass die Akkato den Menschen etwas weniger Missachtung entgegenbrachten, als die insektoiden Keymon.
Während in den Gebieten, die von den Käfern beherrscht wurden, jede Infrastruktur zusammengebrochen war, konnte man in den Territorien, in denen die Akkato das Sagen hatten, noch relativ gut zurechtkommen. Viele, die diese Gebiete bewohnten, glaubten an die Rückkehr zu einem normalen Leben, sobald die Eindringlinge abgezogen waren. Aber Dominic zweifelte daran, dass die Akkato oder Keymon jemals wieder von diesem Planeten verschwinden würden. Und selbst wenn, dann könnte das Leben auf der Erde nie wieder dasselbe sein.
Dominic war nicht der Erste, der das erkannt und sich den Akkato im Kampf angeschlossen hatte, um sein Glück in den Weiten des Weltraums zu suchen. Allerdings führten die Akkato ihren Krieg an vielen Fronten, und die Wahrscheinlichkeit vorher zu sterben, war beinahe gewiss.
Die Skitra, was übersetzt »Schwert« bedeutete und die unter dem Kommando von Ulan Mestray stand, war für ihn vielmehr das geeignete Mittel, ihn zu den Sternen zu bringen. Und Mestray war ein ruhmreicher Akkatokrieger, der den Keymon mächtig eingeheizt und sie beinahe von der Erde vertrieben hatte. Beinahe – denn ein paar Wochen zuvor war bei den Käfern der Nachschub eingetroffen, weswegen sie ihre verbliebenen Stellungen hatten halten können. Warum man Ulan Mestray gerade in diesem Moment von der Erde abzog, konnte sich Dominic nicht erklären. Aber es war unnötig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Die Akkatos würden ihn nicht in ihre unergründlichen Absichten einweihen und auf der Erde gab es nichts mehr, das ihn dort halten konnte. Nachdem eines der riesigen Keymon Schiffe über seiner Heimat abgestürzt war und nichts weiter als eine verkohlte Einöde hinterlassen hatte, in der seine Familie verbrannte, wollte er allem den Rücken kehren, was ihn an sein verlorenes Zuhause erinnerte.
Schließlich schwenkte die Skitra auf einen Kurs ein, der sie aus dem Sonnensystem tragen sollte, und die Erde verschwand aus seinem Blickfeld.
Dominic sprang von der Sitzbank vor dem Fenster und betrachtete den Raum, in dem er sich befand. Er war nicht besonders groß, schon gar nicht für Akkatoverhältnisse, da die ausgewachsenen Akkato die Menschen gewöhnlich um eine Armlänge überragten. Er strahlte die ruhige Feierlichkeit einer Kirche aus. In mehreren Öffnungen der Wände flackerte Licht, als ob Kerzen darin brannten. Ein herber Duft von Kräutern und aromatischen Harzen hing in der Luft. Es musste sich um einen Meditationsraum oder eine Art Kapelle handeln. Dominics Nase wurde von sonderbaren, süßen Düften erfüllt, die seinen Sinnen schmeichelten und für göttlichen Trost empfänglich machen sollten. Aber es waren auch die Formen, die ihn in seinen Bann zogen und die angenehm auf seine Augen wirkten. Formen, die so ganz anders waren als alles, was Menschen konstruieren konnten. Sämtliche Strukturen flossen ineinander, als befände man sich im Inneren einer Pflanze. Es gab keine Kanten, keine Ecken oder rechte Winkel. Alles erschien fließend und organisch. Und das war auch kein Wunder, dachte sich Dominic, denn jedes Schiff der Akkato war aus Holz gefertigt und bildete allein dadurch einen deutlichen Gegensatz zu den Fahrzeugen der Menschen oder Keymon.
Die Schiffe und Bauwerke der Keymon schimmerten silber- und kupferfarben, hatten hier und da kantige Formen und waren von Ornamenten überzogen, von denen Dominic nicht sagen konnte, ob sie einfach nur zur Zierde dienten oder eine Funktion erfüllten. Die Schiffe der Akkato hingegen sahen wie fliegende Baumstämme aus und erweckten den Anschein, als wären sie von einer groben Axt einigermaßen stromlinienförmig zugehauen worden. Erst bei näherer Betrachtung konnte man die feine Konstruktionsweise erkennen.
Zuvor hatte Dominic noch nie eines von innen betrachten können und seine Faszination wuchs von Minute zu Minute.
Die Skitra strahlte eine kraftvolle Würde aus. Alles war größer, als auf den wenigen Schiffen, die die hünenhaften Akkato den Menschen zur Verfügung gestellt hatten und die aufwendig an menschliche Größenverhältnisse angepasst worden waren. Hier hatte man sich diese Mühe jedoch nicht gemacht. Konsolen, Quartiere und Gefechtsstände hatten Akkatokonstrukteure ausschließlich für ihre Artgenossen konstruiert. Die Schalter, Knöpfe und Regler waren groß und für die kleinen Menschenhände ungeeignet.
Dominic verließ den Meditationsraum, schlenderte durch die Korridore und erreichte schließlich die Kantine des Schiffes. Hier waren ein paar Tische und Stühle aufgestellt worden, die aus den Beständen der Menschenflotte stammten. Alle Menschenwesen an Bord der Skitra hatten sich hier versammelt und nahmen ihr Essen ein. Einige mit offensichtlichem Appetit und andere, die lustlos in ihren Tellern und Schüsseln herumstocherten. Es mussten etwa fünfzig, sechzig Menschen sein, schätzte Dominic. Männer und Frauen, im Alter zwischen Anfang zwanzig, bis Ende vierzig. Sie waren einander noch nicht vorgestellt worden. Dominic kannte weder ihre Namen noch ihre Ränge. Das Shuttle hatte sie vom Sammelpunkt bei Dallas abgeholt, sie im Hangar der Skitra abgesetzt und war kurz darauf wieder abgeflogen.
Der Akkatooffizier, der sie empfangen hatte, sah davon ab, die komplizierten Namen der Menschen herunterzuleiern, um zu überprüfen, ob alle angeforderten menschlichen Soldaten an Bord waren. Er hatte lediglich in sein Datenpad geblickt und die Gesichter der Neuankömmlinge mit den Informationen abgeglichen, die er darauf ablesen konnte. Anschließend hatte die mürrische Kreatur die Menschen in diese Kantine gebracht und war abgezogen, ohne ihnen weitere Anweisungen zu erteilen. Jetzt harrten sie darauf, dass man ihnen ihre Quartiere zuwies. Man ließ sie warten und Dominic nutzte die Gelegenheit, sich seine künftigen Kampfgefährten näher anzusehen.
Es war kein Gesicht darunter, dass Dominic kannte, aber Einige von ihnen, schienen schon Zeit miteinander verbracht zu haben. An der Art und Weise, wie sie miteinander umgingen, schloss Dominic, dass sie gemeinsam in etlichen Gefechten gewesen waren. Sie plauderten unbekümmert und schienen sich über vergangene Einsätze und Erlebnisse zu unterhalten. Manchmal lachten sie, oder kommentierten irgendeine Begebenheit mit spaßigen Bemerkungen, kehrten aber schnell zum gewohnten Ernst zurück. Andere hingegen saßen einsam und alleine vor ihrem Essen und musterten schweigend ihre Umgebung – distanziert, nachdenklich, misstrauisch. Ein paar wirkten so, als seien sie Verluste gewöhnt und daher nicht darauf aus, neue Freundschaften zu schließen. Viele der jungen Rekruten blicken angespannt und unsicher drein, weil ihnen die ganze Situation neu und ungewohnt war. Alle schienen sich jedoch klar darüber zu sein, dass sie sich an einem äußerst gefährlichen Ort befanden und jeden Augenblick die Hölle über sie hereinbrechen konnte.
Dominic erinnerte sich noch genau an den ersten Tag auf dem Zerstörer, dem er zugeteilt worden war – die Zora, unter dem Kommando von Daniel Perk. Auch er war sich damals einsam und verloren vorgekommen. Unsicher, angesichts der Abenteuer und Gefahren, die ihn noch erwarten würden. Er konnte die Jungen und Mädchen sehr gut verstehen. Dominic hatte sich mit achtzehn dazu entschlossen, sich der Heimatflotte anzuschließen, und war jetzt seit acht Jahren dabei. »Ich dachte, ich komme mal zu Euch«, sagte er etwas unbeholfen, als er sich zu den Rekruten setzte.

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