5. Januar 2021

'The Promise that I couldn’t keep' von Morgan Stern

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Mein Name ist Emma und ich wurde entführt.

Nicht, weil ich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war.
Und schon gar nicht, weil irgendjemand eine stolze Summe Lösegeld für mich bezahlen würde.
In diesem Spiel geht es um etwas anderes.
Es geht um mich.
Einzig und alleine um mich.
Um Besessenheit. Und um Liebe.
Ich kenne meinen Entführer.


Als Emma auf einer Party Colin kennenlernt, sprühen auf Anhieb regelrecht Funken zwischen den beiden. Gefühle dieser Intensität sind für Emma zwar völlig neu, doch nur zu gerne lässt sie sich darauf ein und glaubt bald, in Colin die große Liebe gefunden zu haben. Ihr Traum zerplatzt, als sie feststellen muss, dass sie nicht die einzige Frau in seinem Leben ist.

Monate später steht Colin während eines Stadtbummels plötzlich mit klaren Vorstellungen und einer Waffe neben ihr. Schließlich hat Emma ihm ein Versprechen gegeben …

Anleser:
Wie oft hatte ich die letzte halbe Stunde über auf die Uhr geschaut? Es war unglaublich, wie sich schlappe dreißig Minuten in die Länge ziehen konnten, wenn man darauf wartete, endlich die Arbeit beenden und in den Feierabend starten zu können. Zugegeben, bei mir war das nicht unbedingt selten der Fall. Bei der Jobwahl hatte ich mir keine besonders große Mühe gegeben, mir ging es dabei auch gar nicht darum, meine wahre Berufung zu finden. Vielmehr strebte ich ein geregeltes Einkommen an, bestenfalls mit einer Tätigkeit, die mich nicht geschlagene acht Stunden täglich aufs Übelste nervte. Große Ziele im Leben – die Ambitionen hierzu hatte ich weitestgehend begraben. Oder gar nicht erst gesucht. Ich wollte nicht steinreich werden, musste keine Villa oder ein teures Auto mein Eigen nennen. Mir persönlich reichte es aus, einfach so über die Runden zu kommen.
Wahrscheinlich, oder auch gerade deshalb, hatte ich mich damals auf die Stelle als Verkäuferin in der kleinen Boutique beworben, in der ich auch heute noch arbeitete. Ich mochte meine Chefin genauso wie den Umgang mit unseren Kunden, wenngleich manche Schicht im Laden aufgrund mangelnder Besucher ziemlich langweilig werden konnte.
Sichtlich erleichtert schloss ich die Ladentür kurz nach 18.00 Uhr ab, löschte die Lichter im Innenraum und verließ meinen Arbeitsplatz schließlich. Müde blinzelte ich in die schon bald untergehende Sonne, während ich zu meinem Auto schlenderte. Im Gegensatz zu der Situation in der Früh hatte sich das Wetter im Laufe des Tages doch tatsächlich gebessert und einem kleinen Streifzug durch die Innenstadt würde nichts im Wege stehen.
Sicher stellte man sich zu Recht die Frage, wie jemand, der den ganzen Tag über Dinge verkaufte, selbst noch Interesse an Shopping haben konnte, doch für mich lagen zwischen Job und Privatleben eben einfach Welten. Ich genoss es, durch die großen Kaufhäuser zu flanieren, das ein oder andere genauer zu begutachten und mir dazwischen irgendwo einen Smoothie zu gönnen. Ich liebte Kosmetik, Parfum und all diesen überteuerten Kleinkram, fühlte mich in den entsprechenden Abteilungen mit ihren unzähligen Spiegeln und der bisweilen zu grellen Beleuchtung wie in einer anderen Welt und investierte beispielsweise nicht gerade selten in neue Nagellacke – hatte ich schon erwähnt, dass ich eigentlich so gut wie nie Nagellack trug?
Vielleicht waren gerade diese Shopping-Eskapaden die Art von Luxus, die ich mir einfach gönnen wollte, und ich genoss es jedes Mal aufs Neue.

Nachdem ich mein Auto im Parkhaus abgestellt hatte, machte ich mich auf den Weg zum nahe gelegenen Shoppingcenter. Um ein wenig frische Luft schnuppern zu können, hatte ich absichtlich einen Stellplatz außerhalb des Zentrums gewählt. Ich wohnte in einer Kleinstadt, die Entfernungen waren alle überschaubar und binnen weniger Minuten Fußmarsch konnte man die Mall quasi von allen Richtungen aus erreichen. Nach der ersten Straße, die ich überquert hatte, stand ich schon in der Fußgängerzone. Links und rechts reihten sich die Geschäfte aneinander, viele Menschen bummelten einfach so vor sich hin, während andere eher geschäftig meinen Weg kreuzten. Leichtfüßig mischte ich mich unter sie und ließ mich einfach treiben. Spätestens in einer Stunde würde es dunkel sein und die Lichter der Läden könnten alles in eine noch schönere Atmosphäre tauchen.
Wie üblich blieb ich auch an einem Buchladen stehen und überflog die Neuerscheinungen, die im Schaufenster ausgestellt waren. Warum übten Bücher eigentlich eine so große Faszination auf mich aus? Ging es anderen Menschen genauso? Ob es noch andere wie mich gab? Ich war diesbezüglich schon etwas eigen. Kaufte ich Bücher, dann in erster Linie ihrer selbst wegen. Für mich steckten nicht nur Geschichten in den vielen Seiten, sondern ganze Leben. Wenn ich ein Buch las, verlor ich mich nur zu gerne darin. Ich fühlte mit den Protagonisten, sah sämtliche Szenarien vor meinem geistigen Auge und nicht selten überkam mich ein Gefühl tiefer und ehrlicher Trauer, wenn ich ein Exemplar beendet hatte und wusste, dass es hier einfach nicht mehr weitergehen würde.

„Hey!“, eine mir noch immer viel zu bekannte Stimme drang zu mir durch. Ohne zu zögern, drehte ich mich sofort in die entsprechende Richtung. Es war, als würde mir ein Messer in den Bauch gerammt werden. Mein Ex-Freund? Hier?
„W…was machst du hier?“, ich schluckte gegen den Schock, der mir so unmittelbar in die Glieder gefahren war. Mit was auch immer ich gerechnet hatte, sicherlich nicht mit ihm. Nicht in meiner Stadt. Nicht jetzt.
„Hallo Emma.“ Er wirkte ernst, ganz und gar nicht so, als wäre unsere Begegnung Zufall.
Ich machte einen Schritt zur Seite, er hatte zu dicht neben mir gestanden, als er mich angesprochen hatte. Vielleicht rührte das ungute Gefühl in meiner Magengegend ja wirklich nur von der Überraschung darüber, ihn hier wiederzusehen?
Ich wusste zwar nicht, wie er so schnell hatte reagieren können, doch noch mitten in meiner Bewegung hatte er seine Hand auf meine Schulter gelegt und mich so davon abgehalten, eine gewisse Distanz zwischen uns aufbauen zu können.
„Shhh… hör mir zu, Emma!“ Während er sprach, spürte ich seinen Atem an meinem Hals. Ich wollte weg, mich von ihm befreien, ihn anschreien oder was auch immer, doch ich tat nichts dergleichen. Wie paralysiert blieb ich einfach stehen.
„Emma, ich möchte, dass du mit mir kommst“, seine Worte sorgten sofort für eine Gänsehaut.
Ich drehte meinen Kopf in seine Richtung.
„Was willst du?“, protestierte ich schließlich.
„Shhh…“, seine Stimme hatte etwas Bedrohliches. „Schau in das Fenster, nicht zu mir und hör mir genau zu.“
Mein Magen zog sich unangenehm zusammen. Was sollte das? Was wollte er hier und warum diese seltsame Nummer, die er gerade abzog?
„Um uns herum sind ziemlich viele Menschen“, flüsterte er mir direkt ins Ohr. „Und in meiner Jacke befindet sich eine Waffe.“
Plötzlich schlug mir mein Herz bis zum Hals. Eine Waffe? Was hatte er vor? Und warum war ich Teil davon?
„Wenn du jetzt mit mir kommst, wird niemandem etwas passieren. Andernfalls ballere ich hier einmal quer durch die Fußgängerzone. Deine Entscheidung …“
„Das … kannst du nicht ernst meinen.“ Ich ertappte mich dabei, wie ich leicht den Kopf schüttelte, während ich mehr zu mir selbst als zu ihm gesprochen hatte.
Unerwartet umgriff er meine Hand und führte sie in Höhe seiner Jackentasche.
„Ich schieße auch auf dich, allerdings wäre es um einiges überzeugender, wenn ich erst ein paar unschuldige Passanten, vielleicht sogar Kinder, treffe.“
Mir stockte der Atem, während ich mich vorsichtig umsah. Die Fußgängerzone war tatsächlich voller Menschen. Ein paar Jugendliche lehnten an einer Hauswand und unterhielten sich, eine Frau mit Kinderwagen lief an uns vorbei. Einen Augenblick lang dachte ich nach. Hatte ich eigentlich eine Alternative? Ich kannte ihn, besser als mir lieb war, und allein die Tatsache, dass er eine Waffe besaß, ließ mich befürchten, dass ihm im Zweifelsfall jedes Mittel recht war, um an sein Ziel zu kommen. Trotz alledem, wahllos Menschen zu töten? Das war doch nicht er! Das konnte einfach nicht sein. Was hier gerade geschah, war mit nichts vergleichbar. Zumindest mit nichts, das wir gemeinsam erlebt hatten.

„Wohin?“, fragte ich schließlich beinahe panisch. Was auch immer durch seinen Kopf ging, ich durfte nicht riskieren, dass jemand verletzt wurde. Außer mir selbst, stellte mein Verstand sofort fest.
„Weise Entscheidung“, kommentierte er, während er mich am Oberarm packte. „Und vergiss nicht, wenn sich uns jemand in den Weg stellt, werde ich schießen. Du erregst also besser keine Aufmerksamkeit.“

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