30. März 2021

'Der Verlorene Sektor: Die Beschützer' von Nicole Sälzle

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Der Alte Ruhm hat es geschafft: Xeltor ist zurück. Noch flüstern die Bewohner der Galaxie seinen Namen. Sie können nicht glauben, dass eine Bedrohung ihre Schatten voraus wirft, die sie lange Zeit nur aus Legenden kannten und als Märchen abtaten. Bis er mit voller Wucht zuschlägt.

Zahlenmäßig deutlich unterlegen konzentrieren sich die Protectors auf ihre größte Stärke: Aus dem Verborgenen fügen sie Xeltor und dem Alten Ruhm Schaden zu, um seine Bestrebungen, die Dimensionen auf Kosten von Abermilliarden Leben zu einen, aufzuhalten.

Doch der Feind schläft nicht und je schwerer die Entscheidungen sind, die die Protectors treffen müssen, desto stärker werden die Konflikte innerhalb des Teams. Als Kay begreift, dass sie alle nur Teil eines größeren Plans sind, ist es fast zu spät …

Band 2 der Reihe "Der Verlorene Sektor".

Anleser:
Mit gekonnten Handgriffen überprüfte er die Waffen, ehe er sie in die dafür vorgesehenen Holster steckte. Zwei GeX und sein Schwert, ebenso zwei große Kampfmesser und ein wesentlich handlicheres Taschenmesser stellten seine ständigen Gefährten dar. Diverse andere kleine Helfer versteckten sich in seiner Ausrüstung, jederzeit gut zu erreichen und doch für Fremde unscheinbar bis unsichtbar.
Er prahlte nicht mit den Waffen, aber, wenn nötig, verhalfen sie ihm dazu, sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Insbesondere in diesem Teil der Galaxis.
Ehe er das Schiff verließ, kehrte er ins Cockpit zurück, fuhr das System runter und schritt eilig die Rampe hinab. Dabei hatte er es nicht eilig. Im Prinzip verfügte er über alle Zeit der Welt. Ungebunden. Seines Auftrages beraubt. Seines Berufes beraubt. Seines Lebens beraubt. Seiner Familie beraubt.
Dieser erbarmungslos pochende Schmerz in seiner Brust glich einem wilden Tier, das ihm ein Stück Fleisch bei lebendigem Leib herausriss. Gedanken suchten ihn heim, in denen seine Familie inmitten eines Blutbads Opfer eines tot geglaubten Feindes wurde. Eines Feindes aus den eigenen Reihen. Er versuchte, diese Gedanken wieder und wieder von sich zu schütteln. Jetzt konnte er sich nicht erlauben, dass sie Besitz von ihm ergriffen. Nicht jetzt. Mehrmals tief durchatmend ließ er die Saviour hinter sich, ein prächtiges Schiff der Desanach-300-Klasse, dessen Ausstiegs- und Laderampe unterhalb des Cockpits und zwischen den beiden mächtigen Triebwerken platziert und somit nach vorn ausgerichtet war. Ein Schiff, das seinem Namen alle Ehre machte.
Schon mehrfach hatte ihm diese Schönheit das Leben gerettet, obwohl sie vor Jahren auf dem Schrottplatz darauf gewartet hatte, in ihre Einzelteile zerlegt zu werden. Was für eine Schande. Nach einigen einfachen Reparaturen war sie voll und ganz flugtauglich gewesen und vielleicht würde sie ihrem Namen ja erneut gerecht werden.
Wenn sie dort draußen waren, dann fand er sie. Dann rettete er sie, selbst wenn er sie Xeltors Fängen selbst entreißen musste.
Braigh zog zwei Discs aus der Gürteltasche und warf sie dem Mann im Dock zu. Die gängige Währung in dieser Galaxis sollte auch auf B’hanak akzeptiert werden. Davon ging er jetzt einfach mal aus.
»Wenn das Schiff bei meiner Rückkehr noch heil ist, gibt’s das Fünffache.«
Obwohl er selbst nicht viel bei sich trug, wollte er den Mann für seine Arbeit reichlich belohnen. Er konnte es sich nicht leisten, sich die einzige Hoffnung auf ein neues Leben unter dem Hintern wegklauen zu lassen. Dabei, so ertappte er sich schon wieder beim Grübeln, hatte er sein altes Leben noch nicht hinter sich gelassen. Das wollte er auch gar nicht. Einen solchen Tag konnte man nicht vergessen, eine solche Schandtat.
Läge es in seiner Macht, Xeltor zu besiegen, würde er sich ihm stellen. Derzeit lag dieses Ziel außerhalb seiner Reichweite. Er käme weit, aber nicht weit genug. Nicht allein. Niemand nahm es allein mit einer Armee auf. Der Dockmitarbeiter nickte eifrig, steckte die Discs tief in die Tasche, damit sie ihm bloß keiner nahm und richtete sich auf, als ob er sich damit einen besseren Blick auf die Ereignisse rund um die Saviour verschaffen wollte.
Selbstbewusst verließ Braigh den Raumhafen. Er gab sich als Söldner aus. Nicht, weil er scharf darauf war, sich einen gewissen Ruf zu erarbeiten. Nein. Erfahrungsgemäß kamen Söldner in diesen Regionen stets an die gewünschten Informationen. Seine durch jahrelanges Training erarbeitete Statur trug zu seinem Auftreten als Söldner bei, ebenso die Bewaffnung, die er sich zu Nutze machen wollte, ohne ein Blutvergießen zu seinem Ziel zu erklären.
Zielsicher schlenderte er auf die Bar zu, die ihm sein Kontakt genannt hatte.
Nur keine Eile. Nur keine Eile. Du stehst nicht unter Zeitdruck, redete er sich in Gedanken ein. Dabei fühlte er sich an seinen ersten Ausbildungstag erinnert.
Bis die jahrelange Routine wieder einsprang. Er prägte sich das Aussehen der Bar bis ins letzte Detail ein: die dumpfblaue Wandfarbe, das runde Dach, den silberfarbenen Eingang und die schwarzen Fensterläden. Die Bars hier besaßen keine Namen. Auf B’hanak war es stattdessen Brauch, Gebäude ausführlich zu beschreiben. Wer brauchte schon Straßennamen, Hausnummern oder gar einen Namen für eine Bar? Total überflüssig. Vor allem bei dieser stylischen Gestaltung.
Ein Blick zum Türsteher genügte und der Kerl wollte nichts von ihm wissen. Er verharrte dennoch kurz im Türrahmen bis sich seine Augen an die dunkle Umgebung gewöhnten. Dann ließ er den Blick aufmerksam schweifen. Die unterschiedlichsten und unmöglichsten Gestalten tummelten sich hier. Über einem Feierabendbier oder einer kühlen, alkoholfreien Erfrischung, weil es gleich zum nächsten Job weiterging. In manchen Ecken saßen sie und schliefen am Tisch. Zu viel Alkohol oder zu viele Arbeitsstunden mochten der Grund sein. Vielleicht auch beides. Andere unterhielten sich angeregt mit einem Geschäftspartner – und, ja, sogar das eine oder andere Date fand in diesem unglaublich romantischen Umfeld statt. Die Augenbrauen hochgezogen lenkte Braigh seine Aufmerksamkeit weg von dem flirtenden Pärchen und hin zur Bar.
Von seiner Kontaktperson fehlte jede Spur. Bislang.

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