6. Februar 2014

'Die Priesterin der Kelten (Eifel-Saga 1)' von Sabine Altenburg

Eine Geschichte von Liebe, Krieg und Hoffnung, die zwei Jahrtausende überbrückt. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart und zur Zeit des Gallischen Krieges in der Eifel.

Die junge Malerin Hannah zieht sich aus Köln auf einen alten, einsam gelegenen Hof im Herzen der Eifel zurück, um eine gescheiterte Beziehung zu verarbeiten und sich ganz dem Malen zu widmen. Als sie meditiert, um ihre Kreativität anzuregen, taucht sie plötzlich in eine zweitausend Jahre zurückliegende, vergessene Welt ein. Sie schlüpft in die Rolle der keltischen Priesterin Amena und erlebt mit, wie deren Stamm von den römischen Legionen unter ihrem Feldherrn Gaius Iulius Caesar angegriffen wird und sich verzweifelt zur Wehr setzt.

Zunächst sträubt sich Hannah gegen die seltsamen Erfahrungen, die sie während der Meditation macht. Bald jedoch läßt sie sich von den dramatischen Ereignissen in ihren Bann ziehen und wird Zeugin, wie Amena und ihr Geliebter, der junge König Ambiorix, allen Widerständen zum Trotz entschlossen versuchen, den Untergang ihres Stammes abzuwenden. Doch Caesar ist der mächtigste Feldherr seiner Zeit, und auch der machthungrige Druide Lovernios arbeitet gegen Ambiorix und trachtet ihm sogar nach dem Leben ...
Der historische Hintergrund des Romans beruht auf Tatsachen.

Die Eifel-Saga umfasst bislang zwei historische Romane, die in der Eifel angesiedelt sind. Sie sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden. Der zweite Band der Eifel-Saga ist unter dem Titel "Die Heilerin der Kelten" erhältlich.

Gleich lesen: Die Priesterin der Kelten. Historischer Roman (Eifel-Saga 1)

Leseprobe:
Amena fröstelte und hüllte sich fester in den warmen dunkelblauen Umhang, den sie über ihrem schlichten Kleid aus ungefärbter Wolle trug. Die magischen Symbole aus dünnem Goldblech, die auf das Tuch des Ritualmantels aufgenäht waren und seine Trägerin als Priesterin ihres Stammes auszeichneten, klirrten bei jedem ihrer Schritte leise gegeneinander. Sie fühlte die Feuchtigkeit des Morgennebels auf Gesicht und Haaren und streifte die Kapuze über den Kopf. Je tiefer sie in den Wald vordrang, der die Stadt umgab, desto kälter wurde es, und Amenas Atem bildete flüchtige weiße Wölkchen in der frischen Luft des erwachenden Tages.
Der Weg, der sich in der unmittelbaren Umgebung der Siedlung durch Wiesen und Viehweiden schlängelte, setzte sich inmitten der Stämme zunächst als ebener Pfad fort, ehe er in seinem letzten Teil steil anstieg. Amena war rasch hinangeschritten. Nach einer Weile blieb sie stehen, um Atem zu schöpfen, und blickte zurück.
Unter ihr, im ersten fahlen Licht des anbrechenden Morgens, lag Atuatuca, das größte Dunom der Eburonen. Zwischen den strohgedeckten Dächern der Häuser drangen vereinzelte, dünne Rauchfahnen hervor, aber die Wege und Plätze waren noch menschenleer. Nur ein paar kleine, sich bewegende Punkte konnte Amena ausmachen: Hunde, die in den Abfallgruben nach Nahrung stöberten.
Ach, so friedlich, dachte sie. Doch wie lange noch?
Bislang ahnte keiner der Menschen, die dort zu ihren Füßen in ruhigem Schlummer lagen, etwas von der tödlichen Bedrohung, die sich gleich einem Gebirge aus erdrückenden, dunklen Wolken über der Stadt und ihren Bewohnern auftürmte. Amena stellte sich ihre Stammesgenossen vor, Männer, Frauen und Kinder, Greise und Säuglinge, unter wollenen Decken aneinandergeschmiegt, lebendig und warm vom Schlaf, ihre Eburonen. Ihr Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen beim Gedanken an die furchtbare Gefahr, in der sie alle schwebten.
Lang vor Sonnenaufgang war sie aus einem tiefen, tranceähnlichen Schlaf erwacht. Sie hatte geträumt, beunruhigende, verstörende Bilder. Und schließlich erhob sie sich, hüllte sich in ihren Umhang und verließ das Haus. Ihrer Dienerin Resa, die nahe der Tür schlief und aufgewacht war, bedeutete sie wortlos, liegen zu bleiben. Sie wünschte allein zu sein, und sie durfte mit niemandem sprechen, damit keine störenden Worte die Erinnerung trübten. Manche Träume enthielten Visionen, Botschaften der Götter, und obwohl dieser nur wenige Augenblicke gewährt hatte, schien er ihr von besonderer Bedeutung. Sie wollte die Göttin befragen, um vollkommen sicherzugehen. Und wenn sich ihre Befürchtungen als zutreffend erwiesen, musste noch am selben Tag der Rat der Krieger einberufen werden.
Sie riss den Blick los, wandte Atuatuca den Rücken und eilte weiter bergauf, immer tiefer in den Wald hinein. Ihr Gang war energisch und würdevoll zugleich, wie es sich für eine Priesterin der Großen Göttin geziemte. Ihre Schritte federten auf dem weichen Waldboden, und das erste Laub des frühen Herbstes dämpfte die Geräusche, sodass sie sich lautlos vorwärtsbewegte. Hier oben, im letzten Abschnitt des Weges, standen die Bäume dicht beieinander, ein beinah undurchdringliches Bollwerk aus mächtigen alten Stämmen gleich den steinernen Säulen, mit denen die Römer ihre Tempel zu versehen pflegten - abweisend, feindselig, ein natürlicher Schutz des heiligen Ortes, der sich in ihrem Innersten verbarg. Als sich Amena zwischen ihnen hindurchschlän¬gelte, griffen dürre, niedrig hängende Zweige nach ihrem Umhang wie knochige Finger menschlicher Wächter, und sie musste mehrere Male anhalten, um den Stoff vorsichtig aus ihren Klauen zu befreien.
Dann hatte sie das Nemetom erreicht. Es war ein Heiliger Hain, eine kleine, mit Gras bewachsene Lichtung, unerwartet in diesem unwegsamen Teil des Waldes, jedoch von der Natur erschaffen und von keiner Menschenhand verändert, in deren Mitte zu Füßen einer uralten Eibe eine Quelle entsprang. Dieser Ort bildete das zentrale Heiligtum der Eburonen. Wie an jeder Quelle wurde in erster Linie die Höchste Göttin verehrt, die Erdmutter, Spenderin des Lebens und der Fruchtbarkeit, die Beschützerin des Landes, denn Wasser, das aus der Erde sprudelte, entströmte Ihrem Schoß. Doch auch die unzähligen anderen bedeutenden und weniger bedeutenden keltischen Gottheiten wurden hier angebetet. Denn, wie Amena wusste, waren letztlich alle Unsterblichen eins, und jeder einzelne Gott, jede Göttin stellte nur eine Facette der einen Großen Göttin dar, die über das Schicksal alles Lebendigen waltete.
Am Rande der Lichtung blieb Amena stehen. Ganz in der Nähe erklang das heisere Krächzen eines Eichelhähers, und ein zweiter, entfernterer, griff die Warnung auf und trug sie weiter. Ein leichter Wind streichelte die Wipfel der Bäume, das Laub raschelte leise, und ein Schauer Tropfen regnete auf Amena nieder. Sie legte den Kopf in den Nacken und blinzelte. Die Blätter verfärbten sich bereits in den warmen Tönen des Herbstes, golden, rostrot, kupferbraun, und bei jedem Windhauch lösten sich einige und segelten lautlos zu Boden.

"Die Priesterin der Kelten (Eifel-Saga 1)" im Kindle-Shop

Mehr über und von Sabine Altenburg auf ihrer Website zum Buch.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen