14. Juni 2018

'Brandzeichen' von H.C. Scherf

Kindle (unlimited)
»In mir hat der Satan ein Zuhause gefunden. Tust du nicht das, was ich von dir verlange, wirst du genau ihn von seiner fantasievollsten Seite kennenlernen.«

Die Drohungen treiben dem korrupten Polizisten kalte Schauer über den Rücken.

Während Doktor Karin Hollmann und Oberkommissar Spelzer einen Satanisten verfolgen, der im Ruhrgebiet seine Opfer sucht und findet, versucht der Serienmörder Pehling, an seinem Zufluchtsort neue Gegner abzuwehren.

Aber nur, wenn sich die so unterschiedlichen Weggefährten zusammenschließen, haben sie eine verschwindend geringe Chance. Sie müssen verhindern, dass ein Satansjünger seine Visionen vom Reich des Antichristen verwirklichen kann. Der Weg dahin fordert einen blutigen Tribut, denn der Gegner scheint nicht von dieser Welt.

Obwohl die Handlungsabläufe in sich abgeschlossen sind, empfiehlt es sich, die Bücher der Spelzer/Hollmann-Reihe in der Reihenfolge zu lesen:
KALENDERMORD - Band 1
DER SERBE - Band 2
MORDTIEFE - Band 3
BRANDZEICHEN - Band 4

Leseprobe:
Die Hitze im Raum war ins Unerträgliche gestiegen. Die glühende Kohle in der gusseisernen Schale zog Majas Blick magisch an. Ihr nackter Körper war schweißbedeckt und glänzte unter dem flackernden Licht vieler Kerzen, die der Unbekannte im Raum verteilt hatte. Immer wieder drehte er die lange Klinge des Messers in der Glut, prüfte gleichzeitig, ob das Brenneisen ebenfalls rot glühend wurde. Ihre fehlende Zunge und der breite Lederriemen über den Lippen verhinderten, dass Maja ihre unmenschliche Angst herausschreien konnte. Die unverständlichen Töne blieben zurück in ihrem Mund, in dem sich das Blut staute. Längst hatte es bei ihr für Übelkeit gesorgt, weil sie es hinunterschlucken musste. Absolut unbeeindruckt von ihrer Panik, wartete der Maskenmann neben dem Feuer, genoss die Furcht seines Opfers. Obwohl die Hitze eigentlich alles versengen müsste, glänzte sein drahtiger Leib im Schein des Feuers, jeder Muskel zeichnete sich ab. Unter anderen Umständen hätte man den durchtrainierten Körper dieser Bestie als erotisch bezeichnen können. Um seine Sixpacks würden ihn die meisten Männer beneiden.
Immer wieder irrte ihr Blick durch den Kellerraum, von dem sie nicht einmal sagen konnte, wo er sich befand. Als sie nach dem Schlag auf den Hinterkopf aufwachte, lag sie schon auf diesem langen Tisch, der den unnachahmlichen Geruch des Todes ausströmte. Aus den Tiefen des Gewölbes vernahm sie Klänge, die tief in ihr Bewusstsein eindrangen und keiner ihr bekannten Tonfolge ähnelten. Sie waren lediglich beängstigend, verwirrten die Sinne. Sie kamen aus einer Welt, die Maja einfach nur lähmende Angst einflößte.
Es war gerade einmal wenige Stunden her. Maja sah nur die funkelnden Augen hinter den Schlitzen der schwarzen Ledermaske, als sich eine kräftige Hand um ihren Hals legte und zudrückte. Als sie schon glaubte, die Besinnung zu verlieren, griff der Mann nach ihrer Zunge und zog sie weit aus dem Hals heraus. Der Schnitt war kurz und schmerzhaft. Eine gnädige Ohnmacht befreite sie kurz danach von ihrem Leiden. Jetzt wartete sie mit zitternden Gliedern auf das, was der Kerl mit der Maske ihr als Nächstes antun würde.
Lieber Gott, hilf mir. Bitte lass das nicht zu. Hole mich heraus aus dieser Hölle, aus diesem bösen Traum.
Als hätte er ihre Gedanken lesen oder hören können, stockte der Unbekannte, starrte zu ihr rüber.
»Er hört dich wohl, Menschenkind, aber er wird dir nicht helfen. Das tut er nie. Er lässt dich nur hoffen. Ihr Verdammten sollt von seinen leeren Worten zehren, von dem Glauben, den er euch abverlangt. Ich werde allen beweisen, dass es nur eine Macht in diesem Universum gibt, die Macht des Bösen. Niemand wird dir helfen, denn ich bin zu stark. Meine Kraft ist unübertroffen. Du sollst als Erste in dieser verdorbenen Stadt mein Zeichen tragen, auf dass du der Welt zeigen kannst, wie ich über euch kommen werde. Du bist eine von denen, die mir in die Verdammnis folgen werden. Ganze Heerscharen werden sich dir anschließen.«
Bisher hatte diese Bestie geschwiegen, hatte Maja schweigend gequält. Er redete sich in eine Ekstase hinein, die Augen blitzten sie an. Jetzt, wo sie zum ersten Mal diese zischelnde Stimme hörte, die sich in ein wildes Keifen steigerte, versuchte sie, sich in wilder Panik loszureißen. Unkontrolliert zerrte sie an den Armreifen, die sie mit kurzen Ketten an dem massiven Tisch festhielten. Sie dachte schon, dass ihre Sehnen reißen könnten, als dieses Tier das Brenneisen aus der Glut zog und sich langsam auf sie zubewegte. Majas Körper versteifte sich, ihre Augen drohten, aus den Höhlen zu quellen. In einer für sie unverständlichen, fremden Sprache, murmelte er Sätze vor sich hin, die ihre Angst nur noch verstärkten.
Mama ... wo bist du? Bitte hilf mir doch! Lass mich bitte aufwachen, ich ertrage das nicht länger. Es soll aufhören.
Es schien eine gefühlte Ewigkeit zu dauern, bis sich das Brenneisen schließlich zischend in Majas Bauchdecke fraß. Ihr Schrei erstickter blieb nur ein hilfloser Versuch, die Angst zu kanalisieren. Es blieb bei einem unverständlichen Gestammel. Das Gebrabbel des Mannes war im gleichen Augenblick zu einem wilden Brüllen angeschwollen. Gleichzeitig mit dem bestialischen Geruch ihres verbrannten Fleisches nahm sie die vielen bunten Kreise wahr, die jetzt vor ihren Augen tanzten, sich zu einer Art Regenbogen formierten und wieder, sich verwirbelnd, in einem dunklen Loch verschwanden. Ihr Geist hatte aufgegeben, sich gegen den unvorstellbaren Schmerz zu wehren. Die Besitzerin vor weiteren Qualen schützend, hatte er sich in Bruchteilen von Sekunden in den Wahnsinn verabschiedet. Aus diesem Grund bekam sie schon nicht mehr real mit, wie der Maskierte das Messer aus der Glut zog und sein Werk an ihr vollendete. Das diabolische Lächeln auf dem Gesicht des Maskierten blieb ihr erspart.

Im Kindle-Shop: Brandzeichen (Spelzer/Hollmann 4).
Mehr über und von H.C. Scherf auf seiner Facebook-Seite.



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