29. April 2022

'Die Kunst des Vergessens' von Stefan Lüders

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Angenommen, wir müssten uns aktiv darum kümmern, Dinge zu vergessen. So wie wir Videos vom Smartphone löschen müssen, um wieder genug Speicherplatz zu haben. Wie würden wir auswählen, was vergessen wird und was bleibt? Würden wir es selbst steuern oder wäre es eine kollektive Entscheidung? Ein Ausflug in eine Welt, die sich nur in einem kleinen Detail von unserer unterscheidet und aus der wir doch etwas über unsere eigene Wirklichkeit erfahren.

Utopie oder Dystopie? Entscheiden Sie selbst. Dieses Buch begleitet ein kleines Mädchen dabei, wie es die Welt verändert.

Leserstimmen:
"Echt genial. So etwas habe ich noch nie gelesen!"
"Diese Geschichte hat mich zutiefst berührt."
"Lilly im Wunderland."


Anleser:
"Ich hoffe, unsere Kleine hat morgen einen guten Start. Hoffentlich gibt es keine Probleme an ihrem ersten Schultag. Ich kenne wirklich kein anderes Kind, das ständig Dinge vergisst", sagte Lillis Mutter mit besorgter Miene, während die Siebenjährige schon tief und fest schlief. Ihre Eltern saßen bei Kerzenschein zusammen am Küchentisch, auf dem eine Vase mit blauen Blümchen stand.

Was Lillys Mutter sagte, war keine Floskel: tatsächlich vergaß niemand in ihrem Tal etwas unabsichtlich. Ganz im Gegenteil. Ausnahmslos jeder der knapp 30.000 Bewohner musste sich darum kümmern, Dinge zu vergessen. Schon deshalb, um nicht von den vielen Einzelheiten der eigenen Erinnerungen überflutet überflutet zu werden. Es ging dabei nicht um traumatische Erfahrungen, sondern um die einfachen Dinge des Alltags. Jedes Gespräch, jedes Bild, jedes Geräusch blieb mit allen Details im Gedächtnis haften. Und zwar für immer wenn sie nichts dagegen unternahmen.

Lillys Vater entgegnete zuversichtlich: "Mach dir keine Sorgen. Lilly ist eben ein besonderes Kind. Sie hat das Talent, von Natur aus vergessen zu können."

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28. April 2022

'Sonnenvogel' von Anna Kleve

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Website Anna Kleve
In die Welt der Toten gebracht, um keine Bestie zu werden, muss Balan Jahre dort verbringen.

Nach langer Zeit kehrt er mit dem Drachen Ceara in die Welt der Lebenden zurück, wo er Prinz Amoury – einen Kindheitsfreund – in Gefahr findet und rettet. Selbst nicht erkannt, erfährt Balan von Amoury, dass dieser seine Schwester sucht, die wiederum auf der Suche nach dem mächtigen Sonnenvogel ist, um die magische Dürre zu besiegen, die ihr Land im Griff hat. Leider scheinen ihre Gefühle füreinander und gefährliche Gesetzlose noch die kleinsten Probleme zu verursachen.

Wie werden sich die Ereignisse auf ihre Zukunft und die ihres verfluchten Landes auswirken?


Anleser:
Mit großen Augen starrte ich zum Schloss hinauf. Die dunklen Marmormauern glühten und schienen von lavanen Fäden durchzogen, ohne das Gestein anzugreifen. Rotgoldene Funken tanzten über die gewaltigen Mauern. Bei mir zu Hause hatten manche behauptet, dass sie das Funkeln der gefangenen Seelen verstorbener Drachen wären und der Gedanke jagte mir einen eisigen Schauer über den Rücken. Manch einer war verrückt genug gewesen, diese Seelen befreien zu wollen und dabei ums Leben gekommen.
Mir hatte man bereits die Wahrheit gesagt. Diese tanzenden Funken stammten von der Magie, die im und um das Schloss gewirkt wurde. Unter gewöhnlichen Bedingungen hätte ich mir dieses Schloss mit Begeisterung angesehen, aber an diesem Tag wirkte es nur finster und bedrohlich, weil es alles verkörperte, was gerade auf mich lauerte. Immerhin stand ich kurz davor, alles Bekannte hinter mir zu lassen, mein Zuhause zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Für etliche Jahre. Meine Stimmung war düster und ich fragte mich, was mich erwarten würde. Dieser Gedanke bescherte mir ein beängstigendes Magendrücken, stärker als Heimweh. Doch all das wurde durch die Müdigkeit gedämpft, die der lange Weg verursacht hatte und ich begrüßte es, dadurch nicht so viel zu fühlen wie sonst. Auch das unangenehme Gefühl der viel zu warmen und kratzigen Wollstrümpfe. Mutter stand mit mir vor der hohen Außenmauer.
Sie hatte mir erst kurz zuvor erklärt, dass unzählige Stufen dahinter zur Pforte des Schlosses emporführten. Darüber hätte ich mich nie gefreut. Nur an diesem Tag. Es gab mir einen Aufschub, eine Galgenfrist. Und während wir auf die Wachhabenden warteten, betrachtete ich weiter das Äußere des Schlosses. Ein Gebäude, das nach Osten ausgerichtet war. Ein großer Teil der Fenster ging auf die Drachenfelder hinaus. Die Rückseite lehnte sich in die Felswand im Westen hinein. Die größten Türme ragten hoch auf, verdeckten zur Hälfte die Klauenspuren des Urdrachen in den Felsen. Das Schloss erstreckte sich soweit über die Felsen der Wand, dass ich nicht sicher sein konnte, wie viele Stockwerke es waren. Beängstigend riesig auf jeden Fall. Und überall waren kleinere Türme, unglaublich viele Landeplattformen für die Drachen, ungezählte Wehrgänge – das alles in die unterschiedlichsten Richtungen führend und ragend. Die Bleiglasfenster funkelten im sonderbaren Licht dieser fremden Welt.

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26. April 2022

'Das Lied der Weisen (Nymania-Chroniken 2)' von Sarah Doors

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Willkommen in Nymania! Ihr könnt die Chroniken auch gleich mit dem zweiten Buch beginnen. Gleich am Anfang findet ihr eine genaue Zusammenfassung zum bisherigen Geschehen.

Amy versteht nicht, warum ihr Geliebter Joris die verbotene Treppe ins Lebensmeer hinabgestiegen ist, denn zur Strafe muss er ewig im Riff der Verbannten leben. Die uralte Regel ist grausam, gestattet aber Ausnahmen. Am Hof der Boten erhofft sich Amy Hilfe. Doch das Regelbuch ist verschwunden und als Auserwählte Nymanias erhalten Amy und ihre Geschwister Ria, Kast und Neo eine neue Aufgabe. Ihr letzter Sieg über die dämonischen Ungeheuer hatte ungeahnte Folgen. Die magische Schreibfeder der Nymen führt plötzlich eine blutige Tinte und verbreitet Unheil und Angst. Höchste Eile ist geboten, doch Amy hält an ihrem Plan fest, Joris zu befreien. Wird sie ihre Entscheidung bereuen?

Für kurze Zeit zum Einführungspreis von nur 0,99 Euro erhältlich.

Anleser:
»Unglaublich! Was ist denn in Ria gefahren?«, dachte Amy, als ihre Schwester, mit Schlingpflanzen behangen, auf dem Rücken der Drachenschildkröte Roxa aus dem Wasser auftauchte.
»Und noch einmal!«, feuerte Ria die unermüdliche Roxa an und schon verschwanden die beiden erneut in dem grün schimmernden, kleinen See vom Hof der Boten.
Amy schüttelte den Kopf, eine rotblonde Haarsträhne fiel ihr über das blasse Gesicht. Glaubt Ria wirklich, dass es ihr gelingen wird, mit Roxa bis auf den Grund des Lebensmeeres zu schwimmen? Einen Tauchgang in diese Tiefe übersteht sie niemals! Egal, wie oft sie übt. Rias Starrsinn verschlimmert die Unruhe auf dem Hof nur.
Alle waren in Sorge, da einer der vier Boten fehlte. Der weiße Rabe Korf blieb unerklärlicherweise seit drei Mondsonnentagen verschwunden. Er war für seine Zuverlässigkeit bekannt und sollte zeitgleich mit den Geschwistern, ihrem Drachenpferd Osuka und der Botin Roxa auf dem Hof eintreffen. Korf wurde sehnsüchtig erwartet, um die Glaskugel in der Bibliothek mit neuen Bildern zu füllen. Jetzt, wo die weisen Urnymen die fünf magischen Instrumente wieder bedienen durften, wollten alle in der Kugel sehen, wie es in Nymania zuging. Erste Zweifel am Erfolg ihrer Mission bohrten sich wie spitze Schwerter immer tiefer in die Gedanken der vier Geschwister.

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25. April 2022

'Die Klänge der Freiheit' von Tara Haigh

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Website Tara Haigh
Eine starke junge Frau und ihr mutiger Weg durch die Wirren der letzten Kriegsjahre.

Nürnberg, 1943: Die junge Inge spielt leidenschaftlich gern Geige und träumt von der weiten Welt. Gegen den Willen des Vaters lässt sie sich zur Rotkreuzschwester ausbilden und wird gleich bei ihrem ersten Einsatz an die Ostfront geschickt. Die Arbeit im Lazarett konfrontiert sie mit der grausamen Realität des Krieges, während die Rote Armee immer näher rückt.

Als der deutsche Offizier Preuss ihr anbietet, ihn nach Italien zur Abtei Montecassino zu begleiten, ergreift sie die rettende Chance. Aber kann sie Preuss wirklich trauen? Er ist kultiviert, ein feinsinniger Kunstkenner, aber auch Nationalsozialist. Noch ahnt Inge nicht, dass sich in Italien ihr Schicksal offenbaren wird und sie schwere Entscheidungen treffen muss: zwischen Liebe und Verrat, Zukunft und Vergangenheit …

Aus der Feder von Bestsellerautorin Tara Haigh.

Hintergrund:
Die Propaganda des dritten Reichs stellt DRK-Schwestern als Heldinnen dar - junge Frauen voller Anmut, Pflichtbewusstsein und Opferbereitschaft, auf die große Aufgaben warten. Sie fühlen sich angesprochen, wittern die Chance sich zu emanzipieren, etwas in der Fremde zu erleben und nicht mehr nur Mutter und treue Gefährtin eines Mannes zu sein. Von den Schrecken des Krieges wissen sie nichts. 1937 wird das Deutsche Rote Kreuz der Wehrmacht unterstellt. Die Schwestern werden eingezogen wie Soldaten, eingeschworen auf die Rassenideologie und ein klares Feindbild. Fast die Hälfte von ihnen landet in der Hölle der Ostfront. 1943 gilt sie als verloren.

Im gleichen Jahr kommt der Krieg in Italien an. Die italienischen Waffenbrüder der Deutschen wenden sich von Hitler ab und wechseln die Seiten. Rom ist in der Hand der Faschisten, geführt von Mussolini, der zur Marionette Hitlers geworden ist. Schutzwälle werden von den Deutschen an der engsten Stelle des italienischen Stiefels errichtet. Einer davon ist die Gustav-Linie. Dort befindet sich das Kloster Montecassino, das unermessliche Schätze der Menschheit in sich birgt. Die Abtei ist das Vorbild aller abendländischen Mönchskloster. Es ist dem Untergang geweiht, doch ausgerechnet ein deutscher Wehrmachtsoffizier lässt diese Schätze nach Rom und somit in Sicherheit bringen. Er gilt nach wie vor als Held in Italien.

Zwei hochspannende Themen der Weltgeschichte. Meine Romanheldin erlebt sie beide hautnah - die Schrecken des Kriegs, aber auch eine große Liebe, für die sie zu kämpfen bereit ist, um die Klänge der Freiheit zu hören…

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23. April 2022

'Das Reich der Sieren' von Katrin Lachmann

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Katrin Lachmann auf Twitter
Das Schuljahr geht zu Ende und Agathe befürchtet, dass ihr wieder unendlich langweilige Ferien bevorstehen.

Das Blatt wendet sich für Agathe, als sie auf Ral trifft. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich bedeutend und geliebt. Allerdings umgibt Rals Familie ein großes Geheimnis und mittendrin findet sich Agathe wieder. Zusammen mit Ral versucht sie das Geheimnis zu lüften und geht damit ein großes Wagnis ein. Wird ihre Suche von Erfolg gekrönt sein? Mit welchen Widrigkeiten müssen sie kämpfen?

Begleite die beiden auf ihrem Abenteuer.

Anleser:
„Kann ich dir wirklich nicht helfen?“, fragte Agathe noch einmal eindringlich entgegen ihrer eigenen Schüchternheit.
„Wenn du Salbe von der Pflandele dabei hast, dann vielleicht.“ Sein Gesicht verzog sich schmerzhaft.
„Wozu brauchst du die?“, fragte Agathe, ohne zu wissen, um was für eine Salbe es sich handelt.
„Ich hab mir den Fuß verstaucht. So kann ich nicht weiter gehen. Jedenfalls nicht sehr lange.“
Mit einer kreisenden Handbewegung massierte er seinen Knöchel. Bei den Schuhen und dem unebenen Waldboden wunderte es Agathe nicht, dass er umgeknickt war.
„Salben sind nicht deine Stärke, oder?“, fragte er mit einem leichten Unterton.
„Die Fadelesalbe kenn ich nicht, aber wenn du willst, dann bringe ich dich zum Arzt.“
Der Junge verdrehte die Augen und stöhnte laut auf. „Das heißt nicht Fadelesalbe, sondern PFLANDELESALBE. Pflanze des Lebens, um genau zu sein.“
„Auch die kenne ich nicht. … Du willst nicht, dass ich dir helfe, oder?“ Wie konnte sie nur glauben, dass ein Junge, der auch noch so verdammt gut aussah, in seiner Not ihre Hilfe annehmen würde?
„Es ist wirklich besser, wenn du gehst“, quetschte er zwischen seinen Zähnen hervor.
Verlegen fingerte sie an dem Pilzkorb, nur um ihn nicht anschauen zu müssen.
„Verstehe!“, sagte sie kurz.
In der Ferne hörte Agathe, wie ihr Namen gerufen wurde.
„Das ist meine Familie. Sie suchen mich. Ich muss ihnen antworten, sonst gibt es Ärger.“
Der Junge griff nach seinen Schuhen, drehte sich abrupt um und humpelte in Richtung Schlucht.
„Warte, da geht’s zur Schlucht“, rief Agathe.
„Ich weiß! Vergiss das alles hier einfach!“
„Wieso? Wer bist du?“
Der Junge blieb stehen und drehte sich um. Ihre Blicke verschmolzen für einen winzigen Moment. Über seine Lippen huschte ein Lächeln.
„Ich bin Ral. Mehr musst du nicht wissen. Geh zu deiner Familie und verschweige einfach, dass du mich gesehen hast, ja?“, sagte er sanfter.
Mit einem Auge zwinkerte er. Agathe merkte, wie ihre Wangen heiß wurden.
„Sehen wir uns wieder?“, fragte sie hastig und im selben Moment sah sie, wie er sich eine kleine Fliege aus dem Auge wischte. Er hatte ihr gar nicht zugezwinkert. Es war bloß eine blöde Fliege.

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22. April 2022

'Verliebt in der Toskana: Das Aroma eines Sommers' von Mia Sole

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Wenn die Seele nach Freiheit ruft und das Herz eine Heimat sucht, ist es Zeit für eine Veränderung.

Auf einer Weinmesse in Verona lernt das ehemalige Topmodel Joanna den Winzer Leonardo kennen. Anstatt sich auf ihren neuen Job zu konzentrieren, zieht es sie immer wieder auf dessen Weingut in der malerischen Toskana. Dabei wäre es doch wirklich besser, sie würde sich Leonardo aus dem Kopf schlagen. Schließlich ist er bereits mit Emma liiert, die alles dafür tut, um den Erfolg seines Weines voranzutreiben.

Wie es der Zufall will, ist Tommaso, Joannas aktueller Liebhaber, Leonardo alles andere als wohlgesinnt. Und welche Interessen verfolgt Scheich Omar, der auf einmal in Joannas Leben gehörig mitmischt?

Anleser:
Hast du dir schon einmal gewünscht, einem Mann zu begegnen, der dich nicht nur wegen deines Aussehens akzeptiert und liebt? Ich ertappe mich ständig dabei, wie ich davon träume, dass mich ein solcher Mann auf seinem Motorrad entführt, raus aus der Großstadt, hinein in die ländliche Idylle. Gemeinsam reiten wir über Wiesen und Felder und fühlen uns frei. Ich kann mir sicher sein, dass er mich liebt – nicht wegen meiner wallenden Mähne oder meines Körpers. Er liebt mich, weil wir denselben Humor haben, weil ihn meine Nähe glücklich macht und er mein Lachen liebt. Er liebt mich, wenn mein Haar zerzaust ist, genauso wie am Morgen direkt nach dem Aufstehen, wenn meine Augenlider noch zusammenkleben. Er liebt mich in Schlabberhose und ungeschminkt. Was muss das für ein Gefühl sein, um meiner selbst willen geliebt zu werden!

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19. April 2022

'Tod eines Haderlumpen' von Ruth M. Fuchs

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Die staade Zeit … hat’s in sich

Quirin Kammermeier, Hauptkommissar aus Straubing, freut sich auf sein erstes gemeinsames Weihnachten mit seinem Freund Kurt im schwäbischen Tuttlingen. Da schreckt ihn ein Anruf seines Kollegen Rolf auf: Sabine, Quirins langjährige Kollegin und gute Freundin, steht unter Mordverdacht. Und es sieht gar nicht gut für sie aus.

Sofort lässt Quirin alles stehen und liegen, um ihr zu Hilfe zu eilen. Aber das ist gar nicht so einfach, denn offiziell darf er nicht ermitteln. So muss er auf recht unkonventionelle Methoden zurückgreifen, um vielleicht doch noch herauszufinden, wer der wahre Mörder ist. Und das bedeutet, dass er auch bereit sein muss, ein großes Risiko eingehen.

Quirins Mordsfälle 3 - ein Niederbayernkrimi.

Anleser:
Fünf Stunden später saß Quirin bei Rolf im Wohnzimmer. Er war von Tuttlingen nach Straubing ohne Stopp durchgefahren und hatte sich noch nicht einmal damit aufgehalten, bei sich daheim vorbeizuschauen.
„Also, dann erzähl mal“, forderte er Rolf auf.
Rolfs Frau Resi hatte den beiden Männern Kaffee und einen selbstgebackenen Gugelhupf hingestellt und war dann diskret aus dem Zimmer gegangen. Rolf und Quirin waren allein.
„Sagt dir der Name Wolfgang Tressler ebbs?“ Rolf nahm einen Bissen Gugelhupf.
„Hm. Gehört hab ich von ihm. Hat seine Finger angeblich in so einigen zwielichtigen Geschäften.“
„Genau der. Ein echter Haderlump, dem man ois zutrauen kann. Erpressung, Einbruch, Drogen … such dir ebbs aus, der Tressler ist bestimmt dabei. Leider hamm wir eahm immer nur kloane Sach‘n nachweis‘n können. Aber dann haben wir Hinweise ‘kriagt, dass er was mit der Entführung von an‘m kloana Buam zu tun g‘habt hat.“
„Das habe ich mitbekommen. Sabine und du bekamen die Sache zugeteilt, weil der Schröder mir den Urlaub nicht verderben wollte. Deswegen weiß ich jetzt auch nichts Genaueres.“
„Genau, der Leon Fischer ist von seinen Eltern vermisst g‘meldt worden. Was du aber ned weißt, weil du da schon weg warst: Nach a paar Tag‘ hamm‘s den armen Wurm aus der Donau ‘zog‘n. Is erwürgt word‘n – und vorher missbraucht. Sabine war ganz fertig desweg‘n. Jetzt, wo sie selber a Kind kriegt, geht ihr des halt b‘sonders nah. Na ja, mir war‘s aa recht schlecht, als ich den Kloana g‘sehn hab.“ Rolf schluckte.
„An sowas gewöhnt man sich nie“, versicherte Quirin, der eine gewisse Erleichterung spürte, dass ihm derlei bisher erspart geblieben war.
„B‘sondere Spuren hamm wir nicht g‘habt. Das Wasser hat alles abg‘wasch‘n. Sperma wurde aa koans g‘fund‘n. Sabine und ich hab‘n schwarz g‘sehn, dass mir den Mistkerl derwisch‘n. Und dann hab‘n wir anonym Fotos zug‘schickt kriegt, auf dem der Tressler und eben der Bub … also … der Tressler hat den Buben ...“ Rolf brach ab. Auch nach Jahren bei der Polizei fiel es ihm schwer, so ein Verbrechen beim Namen zu nennen.
„Dann habt ihr den Tressler einkassiert?“
„Ja, aber wir mussten ihn wieder laufenlass‘n, weil sein Anwalt durchg‘setzt hat, dass die Buidl nicht als Beweismittel zug‘lassn werden. Frag mich nicht, wie er das g‘schafft hat …“ Rolf stand auf. „Entschuldige, aber ich brauch jetzt einen Schnaps. Für dich auch a Stamperl?“
Quirin bejahte. Er hatte ein ganz flaues Gefühl im Magen. Rolf ging zum Wohnzimmerschrank und kam mit einer Flasche Obstler und zwei Schnapsgläsern zurück, die er großzügig füllte.
„Prost.“ Er stürzte den Schnaps in einem Zug hinunter.
„Prost.“ Quirin nahm einen Schluck und stellte das Glas vor sich ab. „Wie ging es weiter? Hausdurchsuchung?“
„Freilich. Aber es war nix zum Finden. Und dann ist d‘ Sabine ausg‘rastet. Hat den Tressler o‘g‘schrien, dass sie ihn schon noch kriegen wird, und wenn nicht so, dann eben anders. Aber bevor i dazwisch‘n hätt gehn können, hat sie sich schon wieder beruhigt g‘habt ...“
„Der Tressler hat also noch gelebt, als ihr gegangen seid?“
„Logisch. Putzmunter wie a Fisch im Wasser und rotzfrech. Und bleed g‘grinst hat er aa. Sie ist halt kurz mal durchdreht, d‘Sabine. ‘S war ja aa zum Haarausrauf‘n ...“ Rolf hob die Schultern. „Na, jedenfalls, zwei Tag später kriegt sie eine Mail von der Freundin vom Tressler. Die hätt‘ Beweise, stand da, und die Sabine soll sie an der Wundermühle treff‘n.“
„Sag mir jetzt nicht, dass Sabine so dumm war, alleine hinzugehen!“
„Doch.“
„Oh Mann! Und dann?“
„Sie kommt hin und da liegt die Leiche vom Tressler. Und weit und breit keine Freundin oder sonstwer, der in Frage kommt!“
„Eine Falle.“
„Genau. Die Lydia Feldmann – das is die Freundin – behauptet steif und fest, dass sie koa Mail ned g‘schickt hat, und außerdem hat sie ein Alibi für die Zeit, wo‘s passiert sein muss.“
„Aber der Tressler hat doch bestimmt jede Menge Feinde.“
„Das kannst laut sag‘n. Aber Sabine ist halt ausg‘rast‘ bei der Hausdurchsuchung. Und dann hat sie die Leiche g‘funden und eben koa Alibi ...“
„Schöner Schlamassel.“
Rolf schenkte sich noch einmal nach und hielt dann fragend die Flasche über Quirins Glas. Doch Quirin schüttelte den Kopf.
„Wann war das?“, wollte er wissen.
„Vor ned ganz zwei Wochen.“
„Und da rufst du mich jetzt erst an?“
„Na ja, es hat nicht so schlimm für Sabine ausg’schaut. Keiner hat sie wirklich verdächtigt.“ Rolf blickte etwas betreten drein. „Außerdem hat mir die Sabine verboten, dir Bescheid zum sagen. Aber jetzt muss was passiert sein, was die Sabine arg in die Zwickmühl bringt.“
„Und was?“
„Woaß i ned. Sie müss’n ebbs g’funden haben, das d‘ Sabine belastet. Jedenfalls ist sie jetzt die Hauptverdächtige. Außerdem nimmt sie sich das alles furchtbar zu Herz’n“, fuhr Rolf fort. „Macht sich zum einen Vorwürf und wartet zum ander’n drauf, dass sie einer schief anschaut. Zum Glück hat die Presse noch nix von dem Verdacht mit’kriegt. Aber des is bloß a Frage der Zeit.“
Quirin gab ihm recht. Irgendwann sickerte der Verdacht durch, und dann begann für Sabine ein Spießrutenlaufen. Ob wirklich was dran war, war egal. Dass Tressler womöglich ein pädophiler Mörder war, war dabei ganz unerheblich. Argwohn war immer parteiisch.
„Wer ermittelt denn in dem Fall?“, wollte er wissen.
„Ich ned. Bin ja mit ihr befreundet und damit befangen. Sie hab‘n extra einen aus Regensburg kommen lassen. So ein aalglatter Besserwisser. Fritz Ellwenger heißt der. Die Christel assistiert ihm. Des geht, weil sie die Sabine praktisch nicht privat kennt.“
„Und was sagt Christel dazu?“
„Die druckst rum. Wenn du mich fragst, weiß sie ned so recht, wie sie damit umgeh‘n soll. Am liabsten hätt‘ sie abg‘lehnt. Aber der Schröder hat ihr zug‘redt. Der ist ja auch recht in der Zwickmühl‘. Er weiß, dass es die Sabine ned g‘wesen ist, aber er ist der Chef, und Vorschrift ist Vorschrift.“
„Blöde Sache, klar.“ Quirin drehte sein nun leeres Schnapsglas zwischen den Fingern.
„Mir können doch ned rumsitz‘n und zuschau‘n.“ Rolf schaute seinen Freund und Kollegen an, als erwarte er eine zündende Idee von ihm.
„Natürlich können wir das nicht.“ Quirin stellte das Glas entschieden auf den Tisch. „Ich werde mich mal mit Sabine unterhalten. Und wir müssen mit Christel reden. Dann sehen wir weiter.“
„Denkst du, die Christel macht da mit?“, fragte Rolf skeptisch. „Mir wollte sie jedenfalls nichts sagen. Und wenn sie dem Ellwenger was steckt ...“
„Wird sie nicht. Da bin ich ganz sicher. Außerdem ist sie uns was schuldig.“
„Hm. Na ja, stimmt schon. Vielleicht hätt ich sie dran erinnern sollen … ich war ja schließlich auch dabei.“
Quirin grinste. Er hatte vor ein paar Monaten mit Christel zusammengearbeitet. Damals hatten Rolf und er ihr so nebenbei auch aus einer ziemlich unangenehmen Situation geholfen und nie etwas darüber verlauten lassen. Aber auch ohne diesen Hintergrund war Quirin sicher, dass sie behilflich sein würde. Er hatte sie als ein wenig übereifrig kennengelernt, aber auch als zuverlässig und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie würde helfen – vielleicht mit einem flauen Gefühl im Magen, aber trotzdem.
„Kannst du mit Christel was ausmachen – ohne dass der … wie heißt er gleich wieder?“
„Ellwenger.“
„Ohne dass der Ellwenger was davon mitbekommt? Sag ihr, ich möchte sie sehen. Wir müssen uns so treffen, dass es nicht auffällt. Offiziell bin ich ja noch in Tuttlingen, und vielleicht sollte das für’s Erste so bleiben.“
„Versuchen kann ich‘s ja mal.“
„Gut. Ruf mich an, wenn es geklappt hat. Ich werde mich derweil mit Sabine unterhalten. Die ist vermutlich freigestellt?“
„Logo.“
„Gut.“ Quirin nahm einen Schluck Kaffee und probierte den Kuchen. Zu seinem eigenen Erstaunen stellte er fest, dass er Hunger hatte. Und der Gugelhupf war ausgezeichnet.

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14. April 2022

'Ostseeliebe: Die Trilogie in einem Band' von Frida Luise Sommerkorn

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Website Frida Luise Sommerkorn
Drei Freundinnen, drei Geschichten, drei Mal Ostseeliebe - die erfolgreiche Ostseeliebe jetzt in einem Band

Während Stine in „Kaffeeduft und Meeresluft“ kurz vor ihrer Hochzeit mit Arthur auf Ben, ihre große Liebe, trifft und sich entscheiden muss, erbt Anne in „Sanddornpunsch und Herzenswunsch“ ein Haus auf dem Darß von einem wildfremden Mann, der ihre Vergangenheit plötzlich geheimnisvoll erscheinen lässt. In „Himbeerschaum und Dünentraum“ kämpft Caro mit der Angst um Johannes, ihrem zukünftigen Mann, und dem Chaos um eine verhängnisvolle Nacht. Doch trotz aller Turbulenzen ist eines sicher: Mädelsabende können Wunder bewirken.

Anleser:
Schon seit Stunden schwebten dicke Flocken vom eisgrauen Himmel. Wenn das so weiter ging, konnte sie ihr Café für heute schließen. Kein Mensch verirrte sich bei dem Wetter an den Rand des Ortes, um in ihren Büchern zu stöbern oder sich ein heißes Getränk aus ihrer reichlich bestückten Karte auszusuchen. Vielleicht konnte sie die Törtchen ihren beiden Freundinnen Anne und Caro vorbeibringen. Anne liebte die Kombination von Apfel und Zimt. Und bei Caro konnte sie zu jeder Zeit mit Nougattörtchen reinschneien.
Immer wieder wanderten ihre Gedanken durch den Flockenwirbel zum gestrigen Abend hin. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Ja, der Schneefall passte hervorragend dazu. Weiß, soweit das Auge sah.
Es war nicht so, dass sie völlig überrascht war. Vielleicht ein bisschen über den Zeitpunkt. Warum hatte er mit der Frage aller Fragen nicht bis zum Heiligen Abend gewartet? Aber so war Arthur nun mal. Der Weihnachtsabend gehörte seiner Familie. Das hatte Tradition. In den fünf Jahren, seitdem sie nun schon ein Paar waren, hatten sie noch kein einziges Weihnachtsfest zusammen gefeiert. Und wenn sie ehrlich war, kam ihr diese Tradition gerade recht. Arthurs Familie wohnte in einem der schönsten und größten Häuser in Ahrenshoop. Viele der wichtigen Posten in ihrem Heimatort bekleidete ein Familienmitglied der Barmstedes. Sie stammten ursprünglich von einem alten Rittergeschlecht ab, aber das war Jahrhunderte her. Trotzdem fühlte sich Stine in den heiligen Hallen der Barmstedes jedes Mal wie in einem Schloss. Die Säulen vor dem Hauseingang ließen schon erahnen, was sie im Haus erwarten konnte. Eine prunkvolle Halle, wo andere einen Flur hatten. Ein Hausmädchen, ein Koch und ein Gärtner waren das Mindeste, was Familie Barmstede sich leisten wollte. Schließlich musste man sich ja auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Arbeit, Macht und die Erziehung der Kinder. Damit diese in die Fußstapfen der Eltern treten konnten. Stine lächelte. So weltgewandt Arthur als Geschäftsmann auftreten konnte, so unbeholfen war er ihr am gestrigen Abend vorgekommen. Oder war es seine Unsicherheit? Schließlich war seine Familie noch nie glücklich über ihre Beziehung gewesen. Arthurs Mutter hatte immer etwas Besseres für ihn im Auge gehabt. Aber Arthur hatte all die Jahre zu ihr gestanden, wenn auch manchmal trotzig. Das mulmige Gefühl, was sie dann jedes Mal beschlichen hatte, wenn er bockig wie ein kleines Kind auf seine Familie schimpfte, hatte sie bisher erfolgreich beiseite schieben können. Sie war sich nicht sicher, ob die Beziehung zu ihr nicht nur Arthurs Rebellion gegen seine konventionelle Familie war. Seit gestern jedoch fühlte sich alles anders an.
Arthur hatte sie im Café abgeholt. Natürlich mit seinem neuen Mercedes SUV. Es war nicht so, dass sie in diesem Riesenschlitten nicht gut saß, aber diese protzigen Kisten waren ihr suspekt. Sie liebte es praktisch. Für sie war ein Auto ein Transportmittel, kein Prestigeobjekt.
Stine wandte sich vom Fenster ab und schlenderte langsam durch ihr kleines Café. Das war nicht der einzige Unterschied. In vielen Dinge waren sie einfach sehr verschieden. Wie oft waren sie in den letzten Jahren aneinandergeraten. Oft hatte sie nachgegeben, fühlte sich ihm unterlegen.

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13. April 2022

'Mordsabend: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

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Kimmo Hofinga, Hotelbesitzer in Greetsiel, lädt seine treuesten Mitarbeiter zu einem Arbeitsurlaub nach St. Peter-Ording ein. In einer Luxusherberge im Herzen des Nordseebades will der Ostfriese sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Hotelier begehen.

Zu vorgerückter Stunde überrascht Frido, der Onkel von Kommissar Anders, den Bekannten aus der alten Heimat mit einem Besuch. Beide schwelgen in Erinnerungen. Doch dann trübt ein Mord die Wiedersehensfreude.

Das mutmaßliche Tatmotiv ist klassisch. Zu klassisch, wie Tammo Anders und Fenna Stern befinden. Die Suche nach dem wahren Motiv veranlasst die Ermittler zu einem kurzen Abstecher an ihren früheren Wohnort Greetsiel.

Band 6 der Reihe "Anders und Stern ermitteln".

Anleser:
Im hinteren Bereich des Restaurants setzten Onno Katt, Egge Leptien und Femke Muus sich an einen Tisch, der außerhalb des Blickwinkels der Neugierigen lag. Zwei Stunden lag das Bekanntwerden des mysteriösen Todesfalles in dem schicken Hotel zurück. Noch immer versammelten sich viele Menschen vor dem Hoteleingang. Manche zogen nach einer Weile weiter, frustriert darüber, dass keine verlässliche Nachricht nach außen drang. Doch ständig rückten weitere Sensationshungrige nach.
»Wissen die da draußen alle von dem Mord?«, fragte Femke Muus. »Wollen die unbedingt die Leiche sehen?«
Onno Katt winkte ab. »Du weißt doch, wie das ist. Man muss gar nicht wissen, was passiert ist, um stehen zu bleiben. Es reicht, dass es so aussieht, als würde man was verpassen, wenn man einfach weiterginge. Deshalb stellt man sich vorsichtshalber dazu und wartet ab. Es könnte ja Uwe Seeler aus dem Hotel kommen oder Roberto Blanco.«
»Oder Sophia Loren«, setzte Femke die Aufzählung fort. Sie erinnerte sich daran, wie sie als junge Frau bei einem Italienurlaub vor einem Hoteleingang in Rom gewartet hatte, ganz so, wie die Leute da draußen es jetzt taten. Eine Frau, die neben ihr stand, ebenfalls eine Deutsche, erzählte ihr aufgeregt, dass Mario Adorf sich vor zwei Stunden in das Hotelrestaurant begeben hatte und dass er bestimmt bald rauskommen würde.
Sie hatte die Frau gefragt, warum sie nicht selbst in das Restaurant ginge, um ihn zu sehen und um ein Autogramm zu bitten. Daraufhin guckte die Frau sie erstaunt an und fragte, ob sie sich mal die Preise auf der Speisekarte angesehen hätte. Nein, das hatte Femke nicht getan. Sie holte es umgehend nach und verstand. Kurz darauf trat Mario Adorf wirklich auf die Straße. Und dann sah er bloß aus wie sein eigenes Double.
»Wo ist Diana eigentlich?«, fragte Femke. Sie erwartete nicht, dass ihre Kollegen antworteten. Jeder ahnte, mit wem die leitende Hausdame sich gerade die Zeit vertrieb. Aber die Frage musste mal gestellt werden.
»Stichel nicht rum«, ermahnte Egge sie.
»Ich stichel doch gar nicht.«
Egge rief seinen Kollegen, den Oberkellner, herbei und orderte Kaffee für sich und die anderen zwei aus Kimmos Team.
Seit sie sich im Foyer getroffen hatten und von der Nachricht von Amalies Tod überrascht worden waren, guckte Onno alle drei Minuten auf die Uhr.
»Nervös?«, foppte Egge ihn. »Willst du dem Zugriff der Kripo entfliehen?«
Femke beäugte Onno aus ihren mausgrauen Augen, die ihr selbst oft zu klein erschienen. Manchmal hatte sie das Gefühl, die schmalen Lider verstellten ihr den Blick auf das große Ganze, denn sie musste oft mehrmals hinsehen, um die Realität zu erfassen.
Aber heute entging ihr nicht, wie rappelig der sonst so ruhige, gelassene Portier war. Sie dachte an die Fragen, die die Kripo ihnen allen stellen würde. Einer von ihnen musste ja wohl der Täter sein. Hieß es nicht, dass der Mörder meist aus dem Umkreis des Opfers kam?
»Was glaubt ihr, wer war es?«, fragte sie. Es war ein Test. Sie wollte bloß wissen, wie die Kollegen reagierten. Wenn keiner der zwei verdächtig erschien, dann musste Diana herhalten. Sie, Femke, würde die Kripo schon auf die Spur bringen, wenn man sie danach fragen würde.
»Wer es war?«, wiederholte Onno ihre Frage. Er lehnte sich zurück und sah mit stierem Blick auf die sonnenbeschienene Terrasse, die menschenleer war, weil das Frühstücksbüfett für die Hotelgäste vorzeitig beendet worden war und niemand von außen die öffentlichen Räume und Plätze des Hauses betreten durfte.
Femke stellte sich vor, was in seinem Kopf vorging. Als Hotelportier mit jahrzehntelanger Erfahrung kannte Onno Gott und die Welt. Er war stärker vernetzt als jeder Greetsieler Krabbenkutter, und wenn Gerüchte geboren wurden, erfuhr er davon, lange bevor sie den Weg hinaus in die Welt antraten.
Wenn es einen Menschen auf Erden gab, der sich vorstellen konnte, wer Amalie Hofinga auf dem Gewissen hatte und aus welchem Grund die arme Frau hatte sterben müssen, dann war es Onno Katt.
Langsam wandte Onno ihr seinen großen, runden Kopf wieder zu. Der Wind wehte durch das schräggestellte Oberlicht herein und ließ die silbergrauen Locken tanzen, die Onnos Halbglatze umwucherten.
»Wer es war, der Amalie umgebracht hat?«, fragte der Portier, und sein Blick nahm einen finsteren Ausdruck an. »Immer der, der fragt, würde ich sagen.«

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11. April 2022

'Naglfar: Das Schiff der toten Götter' von Mikael Lundt

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Auf der arktischen Inselgruppe Svalbard machen Minenarbeiter eine unheilvolle Entdeckung. In einer Höhle stoßen sie auf mysteriöse Felszeichnungen und ein uraltes Schiff. Als einer der Männer es berührt, läuft er wie im Wahn Amok und tötet mehrere Arbeiter.

Ein internationales Forscherteam soll nun ergründen, was es mit dem Artefakt auf sich hat. Doch die Zwischenfälle nehmen kein Ende. Die Archäologin Anika Wahlgren wird hinzugezogen, um das Rätsel zu lüften. Bald wird klar, in dem Schiff steckt weit mehr als gedacht. Und seine geheimnisvollen Kräfte wecken Begehrlichkeiten. Längst sind die Forscher nicht mehr die Einzigen, die seinem Geheimnis hinterherjagen und dabei sogar über Leichen gehen.

Ein packendes Abenteuer im ewigen Eis, das die nordische Mythologie in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

Anleser:
Bergbaukomplex Svea II, Spitzbergen, Norwegen,
1.400 Kilometer nördlich des Polarkreises
19. August


Der Rauch der letzten Explosion hatte sich verzogen. Nur ein fauler Geruch hing noch in der Luft – wie eine Mischung aus Ammoniak und verbranntem Papier. Wassili Petrov trat in den Stollen und knipste seine Stirnlampe an. Er winkte seinem Kollegen Leif Gulbrandsen, ihm nachzukommen. Dann schaltete er die an seinem Overall befestigte Bodycam ein und startete die Aufzeichnung. Er hörte, wie Gulbrandsen hinter ihm das Handfunkgerät vom Gürtel nahm und Meldung machte.
„Wir gehen rein“, sagte er knapp und ließ die Sprechtaste mit einem Knacken wieder los.
Der Stollen vor ihnen schien stabil und weitgehend frei von grobem Geröll. Petrov war immer noch erstaunt über die Präzision der Sprengung. Der neue Emulsionssprengstoff Fluktan C hatte den Grad der Perfektion noch einmal deutlich gesteigert. Er verursachte 40 Prozent weniger Rauch und Staub, konnte auf ein Zehntelgramm genau dosiert werden und er ließ sich im Mischungsverhältnis individuell auf das zu sprengende Gestein abstimmen. Petrov wusste, die Geologie Svalbards war äußerst vielfältig, es gab Granit, Gneis, Schiefer, Sandstein und Lava in den merkwürdigsten Kombinationen. Da war es eine bedeutende Erleichterung, wenn man flexibel sprengen konnte. Und es funktionierte, sie kamen schneller voran denn je. Der Bergbau hier am nördlichsten Zipfel Norwegens, auf der arktischen Inselgruppe Svalbard, war ohnehin schon aufwändig genug. Da musste das Material einwandfrei sein, sonst wurde es schnell mühsam. Und nach Gold zu schürfen war etwas anderes, als nach Kohle zu graben, wie man es früher hier intensiv getan hatte.
Petrov schritt bis ans Ende des zuletzt gegrabenen Stollens und begutachtete das Loch, das nun im Fels klaffte. „Das ist ja merkwürdig“, brummte er und steckte den Kopf hinein. Es war nicht viel zu erkennen, aber offenbar lag eine große Höhle jenseits des Loches. Das war nicht das, was sie erwartet hatten. Aber das hieß nicht, dass es weniger interessant war.
Gulbrandsen trat mit einer leistungsstarken Handlampe an seine Seite. Die gegenüberliegende Höhlenwand wurde sichtbar. „Das ist aber keine Mine“, stellte er fest.
„Nein, schau mal da drüben!“ Petrov deutete auf Ritzungen im Fels, die sich über einen großen Teil der Wand erstreckten. „Das sieht aus wie Höhlenmalerei oder so etwas.“
Gulbrandsen griff wieder zum Funkgerät. „Hier ist ne Höhle“, sagte er knapp.
Petrov schüttelte den Kopf. Der Kerl war sogar für einen Nordnorweger erstaunlich wortkarg.
Aus dem Funkgerät drangen Rauschen und Knistern. Dann ein abgehackter Funkspruch. „Wiederholen. Höhle?“
„Hier ist ne Höhle“, sagte Gulbrandsen stoisch und ließ die Sprechtaste wieder los.
Petrov warf ihm einen skeptischen Blick zu.
Gulbrandsen drückte noch einmal die Sprechtaste. „Da sind Zeichnungen. Wir schauen sie uns an.“
Petrov nickte. „Geht doch. Jetzt komm, wir gehen mal rein und suchen die Höhle ab.“ Er trat durch das Loch und Gulbrandsen folgte ihm mit dem Scheinwerfer.
Die Höhle war unzweifelhaft natürlichen Ursprungs. Es gab keine Spuren von Grabwerkzeugen, Bohrern oder Sprengungen. Petrov kannte sich mit Geologie aus, er war kein einfacher Bergmann, er hatte eine Ausbildung als Erkundungsspezialist. Dieses Gestein war ursprünglich, unberührt. Bis auf die Felsbilder an der Wand. Sie waren eindeutig in den Fels geritzt. In den Vertiefungen war ein Rest rötlicher Farbe zu erkennen. Die Bilder mussten uralt sein, womöglich tausende Jahre. Petrov hatte schon ähnliche Bilder gesehen, man fand sie in Schweden und Norwegen an vielen Orten, meist im Süden. Doch diese Bilder hier schienen noch im Urzustand zu sein. Waren er und der dröge Kollege Gulbrandsen die ersten Menschen, die sie seit Jahrtausenden zu Gesicht bekamen?
„Was ist denn jetzt?“, maulte Gulbrandsen und wedelte mit dem Scheinwerfer in der Hand. „Machen wir Mittag?“
Petrov wandte sich von den Ritzungen ab, die offenbar Szenen altnordischer Mythologie zeigten, und sah seinen Kollegen gnädig an. „Ja, gleich. Ich will noch da rüber.“ Er zeigte auf einen Stollen links der Wand mit den Ritzungen. „Da geht ein Gang ab, den will ich mir ansehen. Gib mir mal die Funke.“
Gulbrandsen stieß ein unwilliges Grunzen aus, übergab das Handfunkgerät und und trottete hinter Petrov her.
„Hier Petrov, wir haben eine Höhle mit alten Felszeichnungen entdeckt und erkunden jetzt einen weiteren natürlichen Stollen, der von der Höhle wegführt. Ich melde mich gleich mit Einzelheiten.“ Er ließ die Taste los und wartete auf eine Bestätigung. Doch es drang nur Zischen und Rauschen aus dem Lautsprecher des Geräts. „Vermutlich ist etwas im Gestein, das die Signale stört. Wir sollten später Funkverstärker aufbauen.“
„Jo“, sagte Gulbrandsen und nahm das Funkgerät wieder an sich.
„Okay, dann schauen wir mal, was dort hinten ist. Schließlich sind wir immer noch der Erkundungstrupp. Willst du mit der Lampe vorgehen?“
Gulbrandsen zuckte mit den Schultern und ging stumm an Petrov vorbei.
Der Stollen war etwas zu niedrig, um darin aufrecht gehen zu können, aber hoch genug, um nicht kriechen zu müssen. Ein kalter Hauch kam ihnen entgegen, es war deutlich kühler als in der großen Höhle. Der Stollen führte leicht bergan und es gab praktisch keine größeren Abzweigungen, nur einige Ausbuchtungen links und rechts des Gangs. Daher erübrigte es sich, Markierungen auf dem Weg zu setzten.
Nach etwa 50 Metern fiel der Weg wieder leicht bergab und sie bemerkten zunehmend Eis, das Wände und Boden bedeckte.

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8. April 2022

'Dein letztes Stündlein' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
»Wer stehen bleibt, wird sich nicht verändern. Und wer sich nicht verändert, bleibt stehen.« Janette John

Es gibt immer einen Weg zur Umkehr.
Entscheide DICH!


Er ist ein Einzelgänger und lebt gut damit. Wozu braucht er eine Frau, die ihm Scherereien bereitet und ständig am Meckern ist? Besser ist es alleine, wäre da nicht die Gier nach Nähe, fremder Haut und Zärtlichkeit. Doch aus Zuneigung wird Hass und aus Lust wird Qual, welche er jenen zuteilwerden lässt, die bei ihm ein neues Zuhause suchen. Die Kripo Bodensee sieht sich einem menschlichen Abgrund gegenüberstehen, der ihr bislang nur aus Horrorfilmen bekannt war.

Dein letztes Stündlein – Wer suchet, der stirbt!
Der 16. Fall der Kripo Bodensee.

Anleser:
"Was glauben Sie wohl, wie schwierig es ist, in Konstanz eine bezahlbare Wohnung zu finden?
Wie bitte?
Was? Nein!
Ich sagte Ihnen doch, dass ich eine Wohnungsanzeige aufgegeben habe, woraufhin dieser Mann anrief. Ich inseriere schon seit Wochen. Ohne Erfolg, bis … Entschuldigen Sie bitte, dürfte ich ein Glas Wasser haben?
Danke!
Ich suche eine Wohnung im Grünen, möglichst in Uninähe.
Wie bitte? Das können Sie mir nicht vorwerfen. Viele inserieren mit persönlichem Foto. Die Wohnungseigentümer möchten doch wissen, mit wem sie es zu tun bekommen.
Was dann geschah? Nun, nach dem Anruf fuhr ich zu einer Bushaltestelle. Ja, Sie haben recht, ich war arglos. Aber wir kamen am Telefon sofort ins Gespräch. Als ich hörte, dass er selbst Lehrer ist, war das Eis gebrochen. Dazu vernahm ich im Hintergrund Kindergeschrei, woraufhin er mir von seinen Enkeln vorschwärmte. Hätten Sie da an ein Monster gedacht? Ich nicht. Ich habe schlaflose Nächte seither. Angstschübe. Und ständig dieses Zittern.
Wo soll ich beginnen? Nach dem Anruf fuhr ich zu der Haltestelle. Ein Pkw hielt und ich stieg in den Wagen.
Wie er aussah, wollen Sie wissen?
Er war vermutlich nicht besonders groß. Ein Großvatertyp würde ich sagen. Halbrunde Glatze, Jeans, Hemd, darüber einen Pulli. Das war einer, den keiner wirklich wahrnimmt. Weder ein Frauenschwarm noch einer, den man zweimal anschaut.
Moment, lassen Sie mich einen Schluck trinken, meine Kehle ist trocken.
Das Haus lag etwas abseits, was mir gut gefiel, zudem in der Nähe meiner Arbeitsstätte. Das Anwesen war etwas schmuddelig, doch es besaß einen Garten. Ich fühlte mich sofort heimisch.
Jetzt drängeln Sie nicht so. Ich muss nachdenken. Das meiste hab ich verdrängt. Im Haus sah ich Familienfotos. Als ich ihn nach seiner Gattin fragte, sagte er, dass sie mit den Enkeln in die Stadt gefahren sei, damit er mir in Ruhe alles zeigen könne.
Eigentlich wollte das Ehepaar nicht mehr vermieten. Zu viele schlechte Erfahrungen mit Mietern, meinte er. Aber bei mir machten sie wohl eine Ausnahme. Die Wohnung lag unter dem Dach. Hübsch, mit Schrägen, neuem Bad, kleiner Küche und zwei Zimmern. Ein Traum. Ich sagte sofort zu, woraufhin wir in sein Wohnzimmer gingen, um den Mietvertrag zu unterschreiben.
Bedenken? Nein, die hatte ich nicht. 500 Euro warm für 60 Quadratmeter waren einfach nicht zu toppen. Ich unterschrieb, was wir mit einem Handschlag besiegelten. Kurz vor dem Verlassen seines Hauses wollte er mir noch den Garten zeigen. Er wies mir eine Tür.
Ich öffnete sie. Es war dunkel, also suchte ich nach dem Lichtschalter und fühlte plötzlich eine Pranke auf meiner Schulter, die mich packte. Ich fiel hin und rutschte in die Tiefe. Es waren Sekunden, in den ich nicht wusste, ob ich das nur träumte. Als ich stoppte, sah ich die Hand vor Augen nicht. Ich hörte ihn lachen. Danach vernahm ich ein Türeschlagen und es wurde still.
Können wir eine Pause machen? Ja, ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht. Danke!
Eine Weile lange dachte ich, sterben zu müssen.
Nach dem Sturz bin ich eingeschlafen. Wieso? Darüber habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen. Ich nehme an, er hat mir irgendetwas in den Kaffee getan, den er mir angeboten hatte. Auf alle Fälle muss ich ein paar Stunden geschlafen haben. Als ich erwachte, sah ich mich in einem Keller liegen, noch dazu auf einem breiten Bett mit Gitterstäben an den Enden. Ich spürte in mich, dachte an sexuellen Missbrauch. Aber nichts dergleichen scheint passiert zu sein. Zumindest fühlte ich mich körperlich unbeschadet. Trotz allem wusste ich, dass das nicht der Normalität entsprach. Ich suchte nach einem Ausweg. Nur ohne Handy?
Ob jemand davon Kenntnis hatte, wollen Sie wissen?
Nein, ich sprach mit niemandem über die Wohnungsbesichtigung.
Und dann?
Dann begann er, mit mir über ein Mikrofon zu kommunizieren. Er machte sich über meine Dummheit lustig und darüber, wie ich glauben konnte, eine derart günstige Wohnung in Konstanz zu finden. Er verlangte, dass ich mich auf das Bett lege, Arme und Beine spreize, was ich ablehnte, woraufhin er mir Essen und Trinken verweigerte. Ich hielt das nicht lange aus, irgendwann kam ich seinem Wunsch nach. Was blieb mir anderes übrig?
Im Anschluss ging der Horror erst richtig los.
Über meinem Kopf befanden sich Handschellen, die ich um meine Gelenke legen sollte. Erst danach bekäme ich etwas zu essen, hat er gesagt. Anfangs haderte ich noch.
Ja ich weiß, er hätte lügen können. Hatte ich eine Wahl? Nein!
Ich schloss die Handfesseln. Daraufhin hörte ich, wie sich eine Tür öffnete, die seitlich von mir lag. Plötzlich stand er vor mir.
Er sah zu mir, erst auf die Hände, wohl um zu prüfen, ob sie angeschnallt waren, anschließend auf meine Brüste und weiter hinab. Was später kam, lässt mich immer noch erstarren. Er spreizte mir die Beine und legte meine Fußgelenke in Ketten. Danach gab er mir zu trinken, fütterte mich, was er seinerseits mit einem Streicheln auf die Wange lobte. Dazu lächelte er immerzu.
Langsam, drängeln Sie nicht so!
Er setzte sich auf die Bettkante und umfasste meine Brüste, knetete sie, ließ los und begann von Neuem, während ich die Augen schloss und den Kopf beiseite drehte. Ich hörte ihn schnaufen. Es erregte ihn und es war grauenvoll."

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'Herbstgewittern' von Angelika Godau & Luise Klein

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Angelika Godau
Es gibt eine Altersgrenze, bis zu der man sich verlieben kann! Zumindest glaubt das Sarah Hellwig, die frustrierte Tochter von Oma Inge. Darum ist sie auch rechtschaffen empört, als ihre 77-jährige Mutter sich einbildet, in den 12 Jahre jüngeren Jonathan verliebt zu sein. Als die dann tatsächlich aus dem Altersheim auszieht, um mit diesem Kerl zusammenzuwohnen, ist Sarah überzeugt, dass die nicht mehr weiß, was sie tut.

Zu allem Überfluss findet sie gerade jezt heraus, dass ihre Mutter ein unglaubliches Geheimnis hütet. Das bringt das Fass zum Überlaufen. Was in 'Herbstfrühling' stürmisch begann, wird in "Herbstgewittern“ zum Orkan.

Turbulent, witzig, emotional und tiefgründig - ein Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben und die Kraft einer Familie.

Anleser:
Heilige Mutter Maria, Oma chill doch mal und stell nicht so viele Fragen. Geil, es gibt Eier, hoffentlich sind die nicht glibberig und gekochten Schinken, mag ich. Habt ihr zufällig Nutella, das wäre mega, kriege ich Zuhause nämlich nicht. Mama ist wieder auf dem Biotripp. Kann ich das Sesambrötchen haben, bitte? Was wolltest du wissen? Ach so, nein, heute ist eigentlich keine Schule, also, genauer gesagt, ach, frag besser nicht, ist kompliziert und nein, Mama weiß nicht, dass wir hier sind, schont ihre Nerven. Habt ihr zufällig auch Kakao?

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5. April 2022

'Tod eines Bankers: Kellers 1. Fall' von Hermann Markau

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Hermann Markau
Zufällig treffen sich Kriminalhauptmeister Lars Keller und die Speditionsangestellte Bettina Jäger im Zug von Niebüll nach Westerland. Als sie sich am Fundort einer Leiche erneut treffen, geht keiner von den beiden mehr von Zufall aus.

Es beginnt eine gemeinsame Ermittlungsarbeit zwischen dem zwar unerfahrenen aber cleveren Polizisten und der hilfsbereiten, aber leicht chaotischen Sylterin, in deren Folge am Ende der gesuchte Mörder dingfest gemacht wird.

Band 1 der Lars-Keller-Reihe.

Anleser:
Er nahm das Gespräch an. »Keller.«
»Feddersen, Polizeidirektion Flensburg. Sprech´ ich mit Kriminalhauptmeister Keller?«
»Ja.« Ihm schwante nichts Gutes.
»Tut mir leid, Keller. Wir brauchen Sie.«
»Stopp! Stopp! Das geht nicht. Ich hab Wochenende.«
»Klar. Aber wir haben einen Toten. Sie müssen.«
»Ich versteh nicht. Wo liegt das Problem?«
»Der Tote ist auf Sylt. Sie wissen: Die Dienststelle ist stark unterbesetzt. Die ziehen doch gerade um wegen der baufälligen Räume. Und dazu liegt noch die Hälfte der Belegschaft flach. Also … wir brauchen Sie.«
Erst einmal Schweigen auf beiden Seiten.
»Sind Sie noch dran, Keller?«
Keller war noch dran: »Da sind doch acht Kollegen, soviel ich weiß. Oder?«, warf er ein.
»Wie gesagt, lieber Keller ... «
»Ja. Aber ich hab noch nie ... «
»Weiß ich doch, weiß ich doch. Das ist´n Selbstmord. Wirklich nichts Schlimmes. Aber da sind einige Ungereimtheiten. Sie sollen nur kurz rüber und sehen, was da los ist. Und bevor wir hier aus Flensburg … sie wissen schon.«
Aha!, dachte er. Die finden auch für alles einen Doofen.
Nach längerem Zögern dann aber: »Okay. Ich fahr gleich los. Irgendwelche Infos?«
»Gut. Das wär´ also geklärt. Infos? Ja: Zwei von der Schutzpolizei haben die Lage im Griff. Den Toten finden Sie in der Franziskuskirche. Sie wissen, wo die ist?«
»Weiß ich.«
»Also! Gutes Gelingen!«
Keller legte das Handy aus der Hand und fluchte laut.
»Ist was?«, kam die Frage aus dem Badezimmer.

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4. April 2022

'Dunkle Schatten über Meadowfield' von Emilia Doyle

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Vor vier Jahren verließ Aiden die heimatliche Plantage seines reizbaren und despotischen Vaters wegen, nun kehrt er seinetwegen nach Meadowfield zurück. Jacob Pellham ist gesundheitlich schwer angeschlagen und Aiden muss die Geschäfte für ihn weiterführen.

Je tiefer er in diese Aufgabe eintaucht, desto mehr fallen ihm Missstände und Ungereimtheiten auf. Allen voran ist ihm der Aufseher Cutler ein Dorn im Auge. Mit ihm hat er noch eine Rechnung offen. Alte Wunden brechen auf, denn der Mann ist nicht sein einziger Gegner.

Mutters Heiratswünsche für Aiden machen sein Leben auch nicht leichter und als er zufällig ein streng gehütetes Geheimnis seines Erzeugers entdeckt, fällt er aus allen Wolken.

Anleser:
Aiden tat einen tiefen Atemzug, schloss die Augen und hielt sein Gesicht den wärmenden Strahlen der Sonne entgegen. Er saß auf einer kleinen Bank, die an zwei Ketten hing und sich auf der rückwärtigen Veranda hinter dem Küchentrakt befand. Sie wurde nur vom Haus- und Küchenpersonal benutzt, Aiden ausgenommen. Hier hatte er sich schon früher gern aufgehalten, wenn er allein und ungestört sein wollte. In Erinnerungen versunken schaukelte er sacht vor und zurück. An der Aufhängung, am Dach des Überstandes, verursachte die Bewegung ein stetes und gleichmäßiges Quietschen, das ihn langsam einlullte.
»Was machst du hier?«, fragte eine Kinderstimme.
Gereizt über die Störung öffnete er die Augen. Das Erste, was er sah, waren nackte, schmutzige Füßchen. Langsam glitt sein Blick aufwärts, erfasste den Saum eines Kleides und stoppte schließlich beim Gesicht. Vor ihm stand ein kleines Sklavenmädchen von etwa neun, zehn Jahren, das ihn aus unschuldigen braunen Augen anschaute.
»Was soll ich schon machen?«, entgegnete er flapsig. »Ich sitze hier!«
Die Kleine lachte unbekümmert, wobei sie ihren Oberkörper in scheuer Manier hin und her wiegte, während sie die Hände auf dem Rücken hielt. Angst schien sie aber nicht vor ihm zu haben, im Gegenteil, sie musterte ihn neugierig.
Ihre Hautfarbe war außergewöhnlich hell, ihr Erzeuger musste ein Weißer gewesen sein.
Auf fast jeder Plantage des Südens fand man Sklaven, deren Haut heller war als die der anderen. Ihre Mütter waren nicht selten Opfer von Vergewaltigungen geworden; durch Aufseher, Plantagenbesitzer und andere weiße Herrschaften. Ein paar von ihnen dienten ihren Besitzern auch freiwillig als Gespielin, wenn die eigene Gemahlin unpässlich war.
»Wie heißt du?«, fragte Aiden.
»Maliya, und du?«
»Weißt du denn nicht, wer ich bin?«, hakte er überrascht nach.
Heftig schüttelte Maliya den Kopf.
Der unbändige Zorn, den er eben noch in sich gespürt hatte, war wie durch Geisterhand verflogen. Er ließ sich zu einem Schmunzeln hinreißen. Da stand dieses kleine Mädchen vor ihm, sah ihm furchtlos entgegen und hatte keine Ahnung, wer er war.
»Ich heiße Aiden.«
»Warum hast du so traurig ausgesehen?«, fragte sie ungeniert weiter und setzte sich auf den Rand der Terrasseneinfassung.
»Weißt du, es gibt manchmal Situationen, da läuft im Leben nicht alles so, wie man es gern hätte«, erklärte er freundlich.
Verständnislos schaute Maliya zu ihm auf. »Aber du bist weiß. Meine Mutter sagt, Weiße können alles im Leben erreichen, weil sie frei sind. Für sie gibt es keine Grenzen.«
Ja, er war ein Weißer und er war frei, dennoch war das Leben mit einem Vater wie seinem alles andere als ein Honigschlecken.
»Um Himmelswillen, Maliya.« Eine junge Frau stürzte um die Hausecke herbei und das blanke Entsetzen stand in ihrem Gesicht. »Ich bitte vielmals um Verzeihung Master Aiden, wenn meine Tochter Sie belästigt hat. Sie ist noch ein Kind, bitte habt Erbarmen.« Stürmisch riss sie das Mädchen an sich und drückte es ganz fest. »Es wird nie wieder vorkommen.«
»Sie hat mich keineswegs belästigt«, beteuerte er, aber seine Worte verhallten, als hätte er sie nie ausgesprochen. Denn sie verbeugte sich mehrmals ängstlich und stammelte eine Entschuldigung nach der anderen, bevor sie davoneilte.
»Master Aiden, Master Aiden.« Jemand rüttelte ihn an der Schulter.
Verstört öffnete er die Augen. Als er aufsah, blickte er in das Gesicht von Hermela, der Köchin auf Meadowfield, die ihn als Säugling und Kleinkind betreut hatte.

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2. April 2022

'Lynnwood Falls - Sommer der Liebe' von Helen Paris

Kindle | Tolino | Taschenbuch
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Wo die Liebe auf dich wartet ...

Hope ist erfolgreiche Tierärztin in New York und führt ein schönes Leben mit ihrem Freund Colin. Bis ein familiärer Notfall sie dazu zwingt, in ihre Heimatstadt zurückzukehren: Lynnwood Falls. Hope will vorübergehend in der Tierarztpraxis ihrer Eltern aushelfen, in der auch Ryan arbeitet - ihre erste große Liebe. Doch die Beziehung ist vor Jahren im Streit auseinandergebrochen. Viele Dinge stehen zwischen ihnen, weshalb sie immer wieder aneinandergeraten. Hope will so schnell wie möglich wieder zurück nach New York. Gleichzeitig fühlt sie sich in der beschaulichen Kleinstadt seit langem erstmals wieder geborgen. Und dann bringt ausgerechnet Ryan ihre Vorsätze zum Schmelzen ...

Der erste Band der romantischen Reihe rund um die kleine Stadt Lynnwood Falls in Maine, in der verlorene Herzen ein Zuhause finden.
eBooks von beHEARTBEAT (Bastei-Lübbe).


Anleser:
Hopes Blick fiel auf den dritten leeren Stuhl, über dem eine Lederjacke hing, die ihr vage bekannt vorkam. Plötzlich erinnerte ihr trockener Mund sie daran, dass sie heute noch kaum etwas getrunken hatte. War das …?
In dem Moment klopfte es an der Tür, und sie öffnete sich.
Da stand er. Höchstpersönlich. Ryan.
Für diese Jahreszeit war er ungewöhnlich braun gebrannt; vermutlich verbrachte er viel Zeit im Freien. Der Dreitagebart, den er früher nicht getragen hatte, stand ihm ausgezeichnet und machte ihn männlicher, als sie ihn in Erinnerung hatte.
Mit einem Blick nahm sie seine schlanke Gestalt in sich auf. Die verwaschene Jeans saß eng auf seinen Hüften, die Füße steckten in Boots, und das khakifarbene T-Shirt spannte über seinen Schultern, die auch breiter als früher zu sein schienen. Seine Größe wirkte fast einschüchternd, doch sicherlich lag es nicht daran, dass er gewachsen war. Colin war nur ein Stück größer als sie, während Ryan sie um beinahe einen Kopf überragte.
Ihr Pulsschlag hämmerte ihr so laut in den Ohren, dass sie meinte, jeder im Raum müsse ihn hören. Er übertönte auch das Piepen der medizinischen Gerätschaften ihres Vaters.
Ihre Glieder schienen sich in Beton verwandelt zu haben, und sie starrte Ryan einfach nur an, unfähig, sich zu bewegen oder etwas zu sagen.
Auch er war wie in der Bewegung eingefroren und musterte sie stumm. Den Blick aus seinen braunen Augen konnte sie nicht deuten. Lag etwa Wehmut in seinem verhaltenen Lächeln?
Ihre Trennung war nach vier Jahren Fernbeziehung, in denen sie sich nur in den Semesterferien gesehen hatten, aus der Distanz erfolgt. Es war das erste Mal, dass Hope ihm seitdem gegenüberstand. Die vergangenen sechs Jahre hatten seinem guten Aussehen nicht geschadet, im Gegenteil. Das Männliche stand ihm hervorragend. Hätte er nicht einfach dick und glatzköpfig werden können?
„Hallo, Hope“, sagte er schließlich heiser, ohne Anstalten zu machen, ihr die Hand zu reichen. „Wie geht es dir?“
Sie räusperte sich. „Hi. Es war ein Schock, das mit Pops.“
Er nickte bekümmert. Falten gruben sich in seine Wangen. Es schien auch ihn mitgenommen zu haben.
„Und, was ist passiert, Ryan?“, mischte sich ihre Mutter ein. „Wer hat angerufen?“
Er schüttelte sich, als müsste er sich in die Gegenwart zurückbringen. „Mrs Bloombergs Hund ist unglücklich in ein Loch getreten und hat sich vermutlich das Bein gebrochen. Ich sollte gleich los.“
„Kommst du allein klar?“
„Das schaffe ich schon.“ Er legte kurz die Hand auf den Arm ihres Vaters, murmelte etwas und schnappte sich die Lederjacke vom Stuhl. Kurz meinte Hope, seinen Duft nach Kiefern und Sandelholz wahrzunehmen, doch vielleicht hatte sie es sich auch nur eingebildet.
Das Leder der Jacke knirschte, als ihre Mutter ihn umarmte. „Richte Mrs Bloomberg liebe Grüße aus und alles Gute. Danke, dass du für uns da bist.“
Sanft tätschelte er ihren Rücken. „Da gibt es nichts zu danken, das ist selbstverständlich. Ich wäre gern geblieben und hätte die Ergebnisse gehört. Ich schaue, ob ich draußen noch einen Arzt erwische. Sag mir bitte gleich Bescheid, wenn ihr etwas Neues von Glenn wisst.“ Er umarmte auch Francy und nickte Hope zu. „Dann mach’s gut! Ich wünsche dir alles Gute!“ Mit der Andeutung eines Lächelns war er zur Tür hinaus.
Hope ließ sich auf den frei gewordenen Stuhl sinken, meinte, noch Ryans Körperwärme darauf zu spüren, und ergriff die Hand ihres Vaters, ohne die Kanüle zu berühren. Seine Finger waren kalt. Sie redete sich ein, dass das seltsame Gefühl in ihrem Bauch allein daher rührte, dass sie sich um ihren Vater sorgte.

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1. April 2022

'Die Magnolienfrauen' von Christine Jaeggi

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Eine alte Villa im Tessin, eine junge Erbin und ein dramatisches Familiengeheimnis

Die 32-jährige Felicia hat eine schwere Zeit hinter sich. Nach einem Überfall auf das Juweliergeschäft, in dem sie arbeitet, leidet sie unter Angstzuständen und ist nicht mehr in der Lage, ihren Beruf als Schmuckdesignerin auszuüben. Als ihre Großmutter überraschend verstirbt, erbt sie deren Anteil an einer Villa im Tessin. Kurzentschlossen reist sie nach Brissago, in die sogenannte Magnolienvilla, um ihr Erbe zu regeln. Dort wird sie eher frostig willkommen geheißen. Doch im Magnoliengarten – der jetzt im Frühling blüht – findet Fee Ruhe und Zeit zum Nachdenken. Überraschend stößt sie auf einen ungeöffneten Brief von ihrer Urgroßmutter. Dank der Hilfe ihres freundlichen neuen Nachbarn Nando erfährt Fee, dass ihrer Familie in der Vergangenheit großes Unrecht widerfahren ist. Nando und Fee kommen sich näher, während sie gemeinsam versuchen, das Geheimnis der Familie zu lüften ...

Anleser:
Behutsam schritt Undine auf das Geländer zu, ihr seidener Morgenmantel flatterte im Wind. Die Steinplatten waren noch feucht von der Kühle der Nacht, der Morgensonne fehlte es jetzt im Frühling an Kraft, um sie aufzuwärmen. Undine spürte, wie die Kälte durch die dünnen Sohlen ihrer Satinpantoffeln drang. Ihre Beine drohten einzuknicken und verrieten ihre Schwäche, aber sie durfte nicht aufgeben. Sie wollte die Magnolien sehen. Mehrere Wochen war sie nicht in der Lage gewesen, das Bett zu verlassen, hatte sich erschöpft und schwermütig gefühlt, als wäre sie permanent in eine kalte und dicke Decke eingewickelt gewesen. Alles war ihr sinnlos und dunkel erschienen.
Doch dann war sie wie aus einem traumlosen Schlaf erwacht und spürte zum ersten Mal seit Langem einen winzigen Keim Hoffnung in sich. Ob diese Veränderung bereits Carminas Kräutertinktur zuzuschreiben war, die sie seit zwei Wochen regelmäßig einnahm?
Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen. Den anfänglichen Schwindel hatte sie überwunden, aber ihre Beine zitterten noch immer wie Götterspeise.

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