23. April 2021

'Wenn Kavaliere reisen' von Sabine Illetschko

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website zum Buch
Henrik und Onkel Adam sollen verreisen. Eher unfreiwillig begleitet der ewige Student den honorigen Professor. Der braucht Hilfe im Umgang mit seiner Fahrangst und Henrik selbst kann die Reise nutzen, um endlich seinen moralischen Mittelpunkt zu finden, wie es sein Vater ausdrückt. Trotz der unorthodoxen Wahl ihrer unterschiedlichen Fortbewegungsmittel gelangen die beiden an eine Art Ziel. Jeder für sich überwindet tiefsitzende Ängste und findet Antworten auf Fragen, die man sich früher oder später stellen muss.

Die Tour der beiden führt sie über Mittelitalien bis an die Peloponnes - zu einem Zeitpunkt, an dem Europa im Umbruch ist, ganz so wie zu Vorzeiten der französischen Revolution, als Gelehrte mit ihren Schutzbefohlenen Kavaliersreisen unternahmen. Ganz nebenbei wird diese moderne Grand Tour durch Einblicke in volkswirtschaftliche Fragen untermalt, denen sich der Onkel unaufgeregt und mit Hilfe von kleinen Erklärskizzen immer wieder widmet.

Gratis-Aktion: Das E-Book ist von Freitag bis Sonntag kostenlos zu haben.

Buchtrailer:
Anleser:
Als wir nach weiteren zwei Flaschen Chianti die kleine Gasse, die direkt auf die Piazza führte, betraten, fühlte ich, wie mein Magen mit dem Brocken Fleisch kämpfte, mit dem ich ihn gestopft hatte. Die Straße war berstend voll mit Italienern und anderen Lärmquellen. Eine Menschenwand am Ende der Gasse versperrte den Zugang zum berühmten Hauptplatz der Stadt. Der Professore schaute den Onkel und mich an und sagte etwas, das ich in dem Stimmengewirr nicht hören konnte. Er hob seine Arme über den Kopf und beugte sich ein wenig nach vorne. Seine Hände berührten sich, als wollte er zu einem Kopfsprung in einen imaginären Pool ansetzen. Er drehte sich in die der Piazza abgeneigten Richtung und wippte mit seinen Handgelenken auf und ab. Der Komplexitätsgrad dieses außergewöhnlichen Bewegungsablaufs, der all die in seinem Körper verborgenen Kräfte zu brauchen schien, ließ mich kurz daran zweifeln, ob es sich hier tatsächlich um eine simple Richtungsanweisung handeln sollte. Onkel Adam grunzte neben mir und ich konnte die Töne, die ich von ihm hörte, nicht sofort richtig deuten. Er drehte sich weg vom Professore und hielt sich eine Hand vor seinen Mund. Die andere legte er mir auf die Schulter. Er neigte sich zu mir und ich sah, dass er sich vor Lachen krümmte.
„Lustig, oder?“, sagte der vom Wein beschwingte Onkel.
Ein weiteres Mal überraschte er mich vollends.

Wir folgten dem honorigen Ausdruckstänzer, der sich jetzt erbarmungslos durch die Massen, die in Richtung Campo drängten, quetschte. Er behielt dabei ohne Unterbrechung seine schlaksigen Arme in der Höhe, ganz wie es sich für einen ordentlichen Fremdenführer gehört, dem Schirm oder Fähnchen fehlen. Wir bogen in eine noch engere Gasse und bahnten uns den Weg bis an ihr Ende. Dann drängten wir uns weiter in Richtung des Hauptplatzes. Was war das nur mit diesem Volk? Offenbar gab es Italiener nur unter freiem Himmel und nur in Massen. Dabei bewegten sie sich unaufhörlich. Niemand stand still – und niemand war still. Es wurde gelacht, mit den Händen gefuchtelt, sich umarmt, sich geküsst, sich fotografiert, debattiert, telefoniert. Welche Leidenschaft, welche Freude! Gerade als ich das italienische Lebensgefühl ganz in mir aufnehmen wollte, spürte ich, dass ich bereits voll war. Kein Platz mehr in mir. Mir war schlecht, und zwar richtig.

Blick ins Buch (Leseprobe)

22. April 2021

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 3: Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Buchreihe | Autorenseite
Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Unzufriedene Söldner verwüsten die Stadt. Brände bedrohen das Marktviertel. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Lesermeinung: "Ein sehr gelungenes Buch. Der Autor lässt einen an der Gefühlswelt der Menschen jener Zeit, ihrer Lebensweise, Gebräuche, Urteile und Vorurteile teilhaben."

Anleser:
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

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21. April 2021

'Frühlingsflirt: Waterkant-Liebesroman' von Nati Gilbert

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Nati Gilbert
Endlich treffen sich Silke und ihre drei Freundinnen nach langer Zeit wieder zu einem gemeinsamen Wochenende. Gesprächsstoff gibt es bei den Frauen genug. An erster Stelle wird über Ehemänner, Freunde, Ex-Freunde und neue Liebschaften gesprochen und natürlich gelästert. Aber auch über gutes Essen in der ‚Herzmuschel‘.

Rosemarie, eine ältere Verwandte, zieht zu ihr nach Bremerhaven in eine Senioren-WG. Und es gibt außerdem einen Einbruch, der Silke und Rosemarie Rätsel aufgibt.

Silke sehnt sich nach einem Mann an ihrer Seite und träumt von Hochzeit, Kindern und einem Walzer auf dem Wiener Opernball. Werden sich ihre Wünsche erfüllen?

Band 3 der Jahreszeiten-Reihe. Die Bücher der Jahreszeiten-Reihe sind in sich abgeschlossen. Sie können unabhängig voneinander gelesen werden. Es empfiehlt sich aber die chronologische Reihenfolge.

Anleser:
Der Wecker rappelte nun schon zum zweiten Mal. Silke Fröhlich schreckte aus ihrem Schlaf hoch. Oh, nein! Halb sieben am Montagmorgen! Uähg…! Sie gähnte lautstark, streckte ihre Arme in die Luft und wuschelte sich dann durch ihre langen, kastanienroten Haare. Grundsätzlich stand sie gerne auf, aber heute Morgen war sie einfach zu müde. Bis um halb drei in der Früh hatte sie gelesen. Sie konnte den spannenden Kriminalroman einfach nicht beiseitelegen. Der Mörder hätte auch heute noch im Buch gestanden. Aber nein! Sie musste mal wieder bis zur letzten Seite durchlesen, egal wie spät es wurde. Besser gesagt wie früh. Aber es nutzte ja nun nichts.
Aufstehen!
Sie schlüpfte in ihre weichen Schäfchenpuschen und ging zuerst in die Küche, um die Kaffeemaschine anzustellen. Anschließend ab ins Bad. Nach der Dusche würde sie sicher munter sein.
Eine gute halbe Stunde später saß sie in schwarzer Jeans und schwarzen Bluse am Frühstückstisch. Silke hatte wie jeden Tag nur ein leichtes Make-up aufgetragen. Ihre Haare trug sie heute offen. Im Geschäft würde sie wie immer ihren selbstgefertigten, exquisiten Schmuck anlegen. Mit der Zeit hatte sie herausgefunden, dass ihre Ketten am besten auf einem schwarzen Oberteil zur Geltung kamen. Sie war Goldschmiedin von Beruf und das mit Leib und Seele. Mit ihrem Kreativladen ‚Fröhliches Schmuckdesign und mehr‘ hatte sie sich vor zwei Jahren selbstständig gemacht. Silke war jetzt froh, auf ihre Freundinnen gehört zu haben, die sie darin bestärkt hatten, das Geschäft zu eröffnen. Und es lief gut. Sehr gut sogar. Mittlerweile verkaufte sie auch wesentlich mehr Schmuck als zu Anfang. Außerdem töpferte sie, häkelte, nähte und strickte tolle Mützen und Taschen, und sie restaurierte alte, antike Bilderrahmen. Sie war stolz darauf, dass sie schon viele Stammkunden hatte.
Kurz nach acht Uhr war sie am Geschäft angekommen. Sie freute sich auf einen heißen Tee, denn auch in der ersten Januarwoche war es noch ebenso lausig kalt, wie in den letzten Wochen. Sie wollte gerade die Tür aufschließen, da bemerkte sie das demolierte Schloss. Silke griff sofort zu ihrem Handy und wählte die Nummer der Polizei. Vielleicht waren die Täter noch im Laden. Sie hatte Angst, das Geschäft zu betreten. Aufgeregt lief sie vor ihrem Geschäft hin und her.
Keine zehn Minuten später trafen Beamte der Polizei ein. Na endlich!
„Moin, Sie haben uns angerufen?“, fragte der Polizist.
„Ja. Mein Name ist Silke Fröhlich und mir gehört das Geschäft. Schauen Sie, die Tür ist aufgebrochen. Ich war noch nicht drin. Vielleicht ist der Täter noch da. Ich habe echt Schiss.“
„Dann wollen wir mal, Hannes.“ Die beiden Polizisten, voran der ältere der beiden, betraten Silkes Geschäft. Nach einer Weile riefen sie nach Silke.
„Sie können jetzt reinkommen. Es ist niemand mehr da. Aber bitte nichts anfassen. Die Spurensicherung kommt gleich noch. Wir haben die schon informiert. Haben Sie bitte noch Ihren Ausweis für uns, damit wir Ihre Daten aufnehmen können?“
„Ja, klar. Dann also erst mal meine Daten. Ist ja so. Deutschland, deine Bürokratie.“ Silke verdrehte ihre Augen.
„Wie meinen?“
„Nee, ist schon gut. Ich habe nichts gesagt.“ Silke reichte ihren Ausweis an den jüngeren Beamten. Der grinste sie nur an, sagte aber nichts weiter.

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19. April 2021

'Eisige Fehde (Der weiße Kristall 1)' von Florian Clever

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Florian Clever
Der Söldner Molovin ist eine lebende Waffe. Zum Winteranfang gerät er in der nördlichen Provinz an übernatürliche Kräfte: Ein kriegerischer Herzog will den ›Weißen Kristall‹ an sich reißen, den mächtigsten magischen Stein aller Zeiten. Molovin muss sich entscheiden – Befehle befolgen oder mit allen Regeln brechen und sich gegen seinen herzoglichen Auftraggeber stellen. Das Schicksal des ganzen Nordens steht auf dem Spiel.

Für kurze Zeit zum E-Book-Aktionspreis von nur 0,99 Euro (statt 3,99 Euro).

Anleser:
Der Südländer
Die Schlacht tobte schon den ganzen Abend. Längst war die Sonne hinter den Berggipfeln verschwunden, der Schnee ergraut, die Gesichter dunkel. Im flackernden Schein von Feuern und Fackeln glänzte roter Matsch, darin Erschlagene als verkrümmte Klumpen. Das Feld zeigte erste Lücken, auf beiden Seiten. Krieger und Kriegerinnen wankten vorbei, umsichschlagend, manchmal gezielt, meist wahllos. Die Reihen der Truppen hatten sich aufgelöst und vereinzelte Knäuel der Gewalt gebildet. Es ging nicht mehr um Taktik, nur noch darum, wer den größeren todesverachtenden Willen aufbrachte. Die kältere Entschlossenheit.
Die Männer trugen Bärte und, wie die Frauen, langes Haar, das nun verklebt war von Schweiß und Blut. Eine der beiden Parteien zeichnete sich durch Tätowierungen aus. Die Motive unterschieden sich, verdeutlichten jenen, die sie deuten konnten, die Clanzugehörigkeit. Mittlerweile aber waren alle gleich geworden, die Gesichter verzerrt und rotbraun verkrustet, die Kleidung durchtränkt. Es kam vor, dass Kameraden aus Versehen ihre Kameraden erschlugen. Die Schreie hatten nachgelassen, jeder Atemzug war kostbar geworden. Nur die angestachelten Kriegsbüffel aus Borak, dem nördlichen Herzogtum, brüllten in Weißglut, dass es weit über die Heide trug. Die wolligen, gehörnten Häupter gesenkt, brachten die Büffel Schrecken unter die Fußtruppen der Siraker. Keine Speerspitze war so hart, dass sie die Schädelplatte eines herandonnernden Büffelbullen durchdringen konnte. Das Scheppern von Metall auf Metall hallte weit über die verschneite Ebene, wenn Schwerter auf Schwerter trafen, Äxte auf eisenbeschlagene Schilde oder auf stahlverstärkte, mit Hörnern geschmückte Helme. Navenva, die zürnende Göttin des Krieges, konnte zufrieden sein. Sirak und Borak, die beiden großen Lehen der nördlichen Provinz, hielten ihr zu Ehren eine tödliche Messe ab.
»Koshk!«, rief der sirakische Hauptmann. »Fäar! Gilian! Und du! Wie heißt du?«
»Utgar«, antwortete der Vierte.
»Kommt mit mir!«
Die versprengten Männer scharten sich um ihren Anführer. Sie waren hinter die feindlichen Linien geraten, hatten mit viel Glück überstanden, was eigentlich Selbstmord gleichkam: Sie hatten die Büffelphalanx der Boraker überwunden, waren dem stampfenden Tod von der Schippe gesprungen. Jetzt begannen sie ihr geschenktes zweites Leben exakt auf die Weise, wie sie das erste hinter sich gelassen hatten: mit einem Bein im Grab, mit dem anderen auf dem Sprung.
»Wir greifen ihre Kommandostellung an«, befahl der Hauptmann. »Der Hügel ist nah!«
Keiner seiner vier Gefolgsleute erhob Einspruch. Als sie losgestürmt waren, um die Reihen der Büffelreiter zu durchbrechen, war ihr Trupp fünfzig Mann stark gewesen. Jetzt waren sie zu fünft. Niemand von ihnen hatte noch Erwartungen an den nächsten Tag. Jeder der fünf wäre schon dankbar für schnellen Frieden durch einen sauberen Hieb oder einen wohlgezielten Stich mit Boraker Eisen. Keiner litt gerne lange vor dem Ende, auch nicht die hartgesottensten Waffenknechte.
»Eine gute Nacht, um draufzugehen«, sagte Koshk, der zwei Kurzschwerter gekreuzt auf dem Rücken trug. Wenn der Herzog von Sirak ihn nicht zum Kämpfen einzog, war er Fischer an der Salzküste. Für einen Fischer focht Koshk wie ein Dämon. Wie geschickt musste er erst mit seinen Netzen sein?
»Maul halten!«, knurrte der Hauptmann. »Wenn sie uns zu früh bemerken, war alles umsonst!« Er begann, einen Bogen nach Nordosten zu schlagen.
Links von ihnen zeichneten sich die Standarten der Boraker auf einer Anhöhe ab. Die stark geschrumpfte Zahl ihres Stoßtrupps brachte nun auch einen Vorteil: Borak sah sie nicht kommen. Ihre Fackeln waren von den Büffeln in den Boden gestampft worden, die Nacht schluckte sie. Schweigend umrundeten die Fünf den Hügel mit den Feldzeichen der verhassten Nordmänner darauf. Irgendwann hatten sie sich dabei so weit vom Hauptgeschehen entfernt, dass die Kampfgeräusche hinter ihnen zurückblieben und sie den Schnee unter ihren Sohlen wieder knirschen hörten.
Als der Hügel komplett zwischen den Fünfen und dem Schlachtfeld lag, bedeutete der Hauptmann ihnen, hintereinander zu gehen. Die Standartenträger auf der Kuppe kehrten ihnen jetzt den Rücken zu. Der Himmel hatte sich vollständig verfinstert, Wolken waren aufgezogen. Neumond. Perfekt. Sie würden aus der Schwärze kommen, aus dem Hinterhalt, pirschenden Wölfen gleich.
Wie viele Speere mochten auf dem Hügel ringsum den Boraker Feldherrn sein? Zehn? Zwanzig? Utgar wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Mit der Nacht kam die Kälte. Trotzdem schwitzte er wie in der Mittagshitze eines sonnigen Julitages. Die Anspannung und die Strapazen des Gefechts überwogen den frostigen Atem des jungen Winters. Koshk trug einen frischen Verband unter dem Helm. Gilian hielt sich die verletzte, unversorgte Seite. Eigentlich war er Jäger und Fallensteller, im Süden, in den Auen des Flusses Tjärn. Jetzt jagte Gilian Menschen. Der Hauptmann humpelte. Was er machte, wenn einmal nicht gekämpft wurde, wusste keiner von ihnen genau. Die generationenalte Fehde zwischen Borak und Sirak ließ einem Soldaten des Herzogs nicht viel Zeit für Müßiggang, und der Hauptmann war ganz und gar des Herzogs Knecht. Er hatte nicht erst eigens für diesen Feldzug eingezogen werden müssen, wie die anderen.
Utgar ging als Letzter. Vor ihm bebten Fäars Schultern. Der blonde Hüne schluchzte tonlos. Das passte nicht zu ihm: Fäar hatte fendrische Wurzeln, er konnte daumendicke Eisenstangen mit bloßen Händen verbiegen.
Ein eisiger Westwind trug ihre Witterung und die wenigen Geräusche, die sie machten, in die richtige Richtung fort, weg von dem Hügel. Die Hunde des feindlichen Feldherrn würden nicht anschlagen – nicht, ehe der Tanz begann. Boraker Graupelze würden es sein, hüfthoch, jeder von ihnen stark wie ein Berserker und mindestens ebenso wild. Eine kleinere Rasse nahmen die Nordmänner nicht mit in den Krieg. Es hieß, dass die Graupelze selbst in myrworischem Stahl Zahnabdrücke hinterließen, wenn sie zubissen.
Die meisten Sorgen aber machte Utgar und den anderen der Magier. Die ›Boraker Fackel‹.
Vor allem seinetwegen waren sie im Begriff, diese Schlacht zu verlieren, obwohl sie anfangs fast doppelt so zahlreich wie die Nordmänner gewesen waren. Wer es durch die Büffelphalanx geschafft hatte und dahinter in den Fokus des Magiers geraten war, hatte sich in eine Feuersäule verwandelt. Ein Siraker weniger, während die Zauberflammen und die Todesschreie den Büffeln die Panik in den Leib gejagt und sie endgültig rasend gemacht hatten. Es hieß, er wäre ein Ordensmagier. Ein Geheimnishüter. Borak scheute keine Kosten, um den Feind im Süden in die Knie zu zwingen.
Der Schlachtenlärm auf der anderen Seite entfernte sich weiter. Die meisten Siraker schienen sich zurückzuziehen. Ein loser, ungeordneter Rückzug würde es sein, getrieben wie die dunklen Wolken von der steifen Brise. Es lag Neuschnee in der Luft, vielleicht sogar ein Blizzard.
Fäar weinte, weil sein Bruder vorhin eine dieser Feuersäulen gewesen war. Jetzt war der Bruder nur noch Asche im Schnee. Sie alle würden bald nur noch Asche im Schnee sein, wenn nicht vorher Boraker Äxte sie niederschlugen oder die Graupelze sie zerfleischten. Es sei denn, sie würden den Zauberer vorher kriegen. Er war ein Ordensmagier, Utgar wusste das mit Bestimmtheit. Ein Eingeschworener – kein Tabaksaft rotzender Druide aus den Bergen. Der Magier dort oben auf der Kuppe brauchte für seine Kampfzauber kein Ziegenblut, kein Brimborium. Er hob nur die Hand und Menschen brannten. Die Schatzkammer des Herzogs von Borak musste leer sein, wenn der Fürst der Nordmänner einen Geheimnishüter gekauft hatte, der seinen Arsch für ihn riskierte. Es brachte keine Ehre, eine Schlacht auf diese Weise zu gewinnen. Und es war kein ehrenhafter Tod, so zu sterben.
Sie schlichen aufwärts, Schatten in der Finsternis. Zu den Standarten über der Wölbung des Hügels gesellten sich die Köpfe des Boraker Kommandos, die Schultern, zuletzt Rümpfe und Beine. Der Feldherr saß zu Pferd, umgeben von seinen Wachleuten.
Koshk und Gilian streiften ihre Bögen ab und legten Pfeile ein. Der Hauptmann nickte ihnen zu und es ging los.
Einer der Wachtposten brach mit Gilians Pfeil im Hals zusammen. Die zweite Wache fällte der Hauptmann mit seinem Wurfbeil. Koshk ließ die Sehne schnellen und erwischte den Feldherrn. Der Gaul bäumte sich auf.
Fäar hatte die längsten Beine, er erreichte die Stellung vor Utgar. Die Arme des Hünen schienen jetzt doppelt so lang und fest miteinander verwachsen: Fäars Breitschwert, das er beidhändig schwang. Utgar hieb einen Boraker nieder und erkannte, dass es eine Frau gewesen war. Die Leibwache des Feldherrn bestand aus Schildmaiden. Leichter wurde es deshalb nicht, im Gegenteil: Fäar schaffte noch zwei Gegner, ehe das Überraschungsmoment verstrich, sie ihn in die Zange nahmen und mit zwei Speeren gleichzeitig durchbohrten. Der Hüne packte beide Schäfte und riss die Frauen mit sich zu Boden, kämpfend noch im Tod.
Auf dem tänzelnden Pferd hing der Feldherr gekrümmt im Sattel und tastete nach dem Pfeil zwischen seinen Schulterblättern. Plötzlich war doch wieder Atem für Schreie da.
Utgars Augen suchten den Hügel ab. Wo war der Magier? Er würde ohne Rüstung, Helm und Waffe sein ...
Mit einem Tritt schickte er eine Schildmaid in den Schnee und hackte gleich darauf nach einem geifernden Graupelz. Er brauchte zwei weitere Schwerthiebe, ehe die Kriegerin und der riesige Hund liegen blieben. Koshk hatte seinen Bogen fallen gelassen und zog gleich drei Schildmaiden auf einmal auf sich. Seine Streiche waren so schnell, dass er vier statt zwei Kurzschwerter zu schwingen schien. Gilian war der beste Schütze und streckte seine Ziele aus der Dunkelheit nieder.
Bis der Jäger in Flammen aufging.
Utgars Blick folgte der Linie zwischen seinem lodernden Kameraden und der Hügelkuppe zurück zu dem Brandstifter. Der Magier löschte die Flamme um seine Rechte mit einem schnappenden Luftgriff. Für einen Wimpernschlag hatte das Zauberfeuer das Gesicht unter der Kapuze erhellt. Das Gesicht mit den einfarbigen Augen eines Eingeschworenen. Die Augen eines Monsters in Menschengestalt, wenn man glaubte, was sie in Sirak furchtsam wie hasserfüllt über diesen Mann erzählten.
Auch der Hauptmann hatte den Magier nun entdeckt. Er riss sein Wurfbeil aus der toten Schildmaid und schleuderte die Waffe mit links, da sein gepanzerter Schwertarm die Axt einer Angreiferin abwehren musste. Das Beil verfehlte den Magier um zwei Schritt. Trotzdem wich der Robenträger geduckt zurück.
Feigling!

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14. April 2021

'Die Träume des Unheils' von Alexander Drews

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Können Träume die Realität verändern?

Der Aufenthalt bei seinem Freund Rick im spanischen Niemandsland sollte für Zach eine entspannte Auszeit werden. Doch eine skurrile Villa und die Begegnung mit einer Psychopathin ziehen ihn bald in einen eigenen Albtraum, in dem sich Realität und Wirklichkeit kaum mehr voneinander unterscheiden lassen. Bald liegt es an ihm, eine weltweite Katastrophe zu verhindern.

Anleser:
»Okay!«
Nur ein Wort, aber genau jenes kostete fast 600 Menschen das Leben. Dabei war es dieses »Okay!«, auf das Flugkapitän Van Zanten so lange gewartet hatte.
Sie hätten schon längst wieder auf dem Rückflug sein sollen. Aber irgendwelche Spinner mit einer Bombendrohung und die übervorsichtige Guardia Civil, die daraufhin den gesamten Airport Gran Canarias gesperrt hatte, waren offensichtlich anderer Meinung. Und nun saßen sie hier auf einem Provinzflughafen Teneriffas fest. Wenigstens hatte Van Zanten die Zeit zum Volltanken nutzen können. Mit dieser Tankfüllung würden sie locker bis Gran Canaria und danach zurück nach Amsterdam kommen, ohne noch einmal Sprit nachschütten zu müssen. Das reduzierte die Verspätung immerhin um eine halbe Stunde.
Van Zanten blickte auf seine Armbanduhr und sah dem Sekundenzeiger bei seinem Lauf zu. Es würde trotzdem knapp werden. Zeit dominierte seinen Beruf. Wenn sie nicht bald abhoben, würden sie zu spät auf Gran Canaria landen. Dann würden er und seine Crew die Zehn-Stunden-Regel brechen müssen, wollten sie heute Abend noch nach Hause kommen – und die KLM verstand da relativ wenig Spaß.
Und weshalb?
Weil heute einer dieser Tage war, an dem alles zum anderen kam.
Erst die Bombendrohung. Zeitverzögerung.
Dann die Sperrung inklusive Umleitung. Riesen Zeitverzögerung. Dann die junge Frau, die unbedingt hier aussteigen wollte, obwohl sie beim Start der Maschine gar nicht hatte wissen können, dass sie heute auf Teneriffa landen würden. Eigentlich keine Zeitverzögerung, da sie ohnehin warten mussten, aber trotzdem nervig.
Dazu die Enge des Flughafens, den sich nun sechs Großflugzeuge teilen mussten, obwohl er dem Anschein nach nur für Sportflugzeuge, bestenfalls noch für die Mini-DCs ausgelegt war, aber nicht für eine Boeing. Der einsetzende Nebel, der den Flughafen langsam aber sicher in eine Waschküche verwandelte. Und um das Maß vollzumachen: Die Piloten der Pan-Am-Maschine, die kurz nach ihm gelandet war. Sie waren ihm und seiner Maschine schon beim Tanken auf die Pelle gerückt, als ob sie sich an ihm vorbeiquetschen wollten. Als wenn man hier mit einer Passagiermaschine überholten könnte wie auf einer dreispurigen Autobahn.

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13. April 2021

'Ein Auftrag kommt selten allein' von Maria Resco

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Nina Thaler platzt fast vor Stolz, als sie mit ihrem Büroservice den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Jetzt fehlen nur noch ein paar lukrative Aufträge. Freundin Britta, reich verheiratet und stets gelangweilt, sagt ihre volle Unterstützung zu, Nina aber sieht das mit gemischten Gefühlen. Einerseits verfügt Britta über jede Menge vielversprechender Kontakte, andererseits mischt sie gerne mit, und meistens leider mehr als nötig.

Als die erste Anfrage ausgerechnet von der neureichen Familie kommt, mit der Britta im Clinch liegt, steckt Nina in der Zwickmühle. Sie kann es sich unmöglich leisten, den Auftrag auszuschlagen, Loyalität hin oder her. Kurzerhand sagt sie zu, Britta muss ja nichts davon erfahren. Doch diese kleine Schwindelei bringt sie mehr und mehr in die Bredouille. Wie hätte sie auch ahnen können, dass Britta ihr einen Auftrag nach dem anderen zuschustert, weil sie glaubt, Nina habe nichts zu tun? Da ist Kreativität gefragt.

Anleser:
»Nina, du sollst zum Chef.«
Überrascht blicke ich von meinem aufgeräumten Schreibtisch auf, als Camilla, meine liebenswerte, aber vollkommen unorganisierte Kollegin mir diese Nachricht übermittelt. Das Herz schlägt mir bis zum Hals, als mir die Tragweite dieser Mitteilung bewusst wird. Der Chef will mich sprechen! Der Chef! Ostermann! Persönlich! Ich schnappe nach Luft, während ich schon vor mir sehe, wie er von seinem schwarzen Ledersessel aufspringt, als ich sein Büro betrete, und mich ehrfürchtig an den Besprechungstisch geleitet. Ich habe es verdient, ich habe mein Bestes gegeben! Ich habe das Chaos, das ich vor zweieinhalb Monaten übernommen habe, komplett umstrukturiert und in ein perfekt durchorganisiertes, idiotensicheres System verwandelt. Jetzt ist es so weit, die Mühe zahlt sich aus. In wenigen Minuten halte ich meinen unbefristeten Arbeitsvertrag inklusive Gehaltserhöhung, dreizehntes Monatsgehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Händen. Diesmal ganz gewiss, ich habe ein megasupergutes Gefühl.
Ich stehe auf, schiebe meinen Rock zurecht, prüfe meinen Bob im Taschenspiegel und ziehe die Lippen nach.
»Wünsch mir Glück«, sage ich zu Camilla, dann werfe ich den Kopf in den Nacken, marschiere siegessicher den langen Flur entlang und klopfe an Ostermanns Bürotür.
»Ja, bitte!«
Ich straffe die Schultern nochmal, öffne die Tür und trete ein. »Sie wollen mich sprechen?«
»Frau Thaler, setzen Sie sich doch.« Er springt nicht auf, weist nur lax auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und macht sich nicht einmal die Mühe aufzublicken. Mit dem Montblanc-Füller in der Hand blättert er in der Korrespondenzmappe, die Camilla ihm gerade gebracht hat, und setzt hier und da seinen Friedrich-Wilhelm drunter.
Während er mich warten lässt, fast schon ignoriert, gleitet mein Blick suchend über seinen Schreibtisch. Ja, da liegt sie, meine Personalakte fett beschriftet mit Nina Thaler. Es geht tatsächlich um meine Zukunft. Erleichtert atme ich auf. Er blättert in der Korrespondenzmappe weiter, ich drücke die Knie aneinander. Das mache ich immer automatisch, wenn ich unter Anspannung stehe. Und gerade jetzt in diesem Moment ist meine Anspannung unermesslich groß. Am liebsten würde ich ihn unterbrechen und herausposaunen: »Ich bin mit allem einverstanden! Wo soll ich unterschreiben?«, doch alles, was meinem Mund entweicht, ist ein dezentes Räuspern.
Na endlich, er schraubt die Kappe auf den Füller, schließt die Mappe und blickt mich über seine Lesebrille hinweg an.
»Frau Thaler. Ich denke, Sie wissen, warum ich Sie hergebeten habe?«

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9. April 2021

'Die Geschenke meiner dunklen Seele' von Simone Gütte

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Simone Gütte
Jede Seele hat ihre Hausaufgaben zu machen.

Sonnenseeles letztes Erdenleben endete tragisch: Sie verlor ihr Selbstvertrauen. Um es zurückzugewinnen, beseelt sie – nun frei von belastenden Erinnerungen – erneut ihren Menschen Clara Susann Wunderlich. Nach der Trennung ihrer Eltern lebt Clara bei ihrer Mutter. Sie unterstützt und tröstet sie, stellt dabei jedoch ihre eigenen Wünsche zurück.

Sonnenseele versucht, Claras Sehnsüchte anzufachen, aber ihre Impulse verpuffen. Das hat Folgen. Ihre dunkle Schwester greift ein. »Selbstvertrauen lernt Clara in Beziehungen«, meint diese. Als der Zwanzigjährigen dann gleich zwei Männer begegnen, spielen nicht nur ihre Gefühle verrückt …

Claras sanfte Rebellion – erzählt aus Sicht ihrer sonnigen Seele.

Anleser:
In der Geborgenheit des Universums
Eins

Larry kippte ein Glas Wein auf ex und torkelte zur Garage. »Claire Sue, wo steckst du? Wir dürfen das Firmenjubiläum nicht verpassen. Das kann ich mir nicht leisten.«
Ärgerlich sah ihm Claire hinterher. »Firmenjubiläum? Das soll wohl ein Witz sein. Dir ist klar, dass die Whiskey schmuggeln, oder? Die strecken das Zeug und liefern es an illegale Kneipen. Dafür wollen sie dich. Wenn du beim Schmuggeln erwischt wirst, wanderst du ins Gefängnis!«
»Misch dich nicht in meine Angelegenheiten ein!«, gab Larry barsch zurück und bereute es sogleich. In etwas milderem Tonfall fuhr er fort: »Versteh mich bitte, wir brauchen das Geld. Ich tue das für uns. Vertrau mir.« Flehentlich blickte er seine Frau an.
Er hatte Angst, das wusste Claire Sue. Sein Boss war ein hohes Tier im Whiskeygeschäft, und Larry wollte seinen Job um jeden Preis behalten. Das Haus, ihr Lebensunterhalt, sie selbst – alles war von seinem Geld abhängig.
Schon immer hatte sie zu ihm aufgeschaut. Sie bewunderte seine Entschlusskraft, seine Unabhängigkeit, seine Energie, die Dinge anzupacken. Larry war ihre große Liebe. Seit seiner Anstellung in Fosters Zementfabrik kamen ihm diese Eigenschaften zunehmend abhanden. Claire hatte dies mit Unbehagen beobachtet, wagte jedoch keinen Widerspruch.
»Ich stehe dir bei Larry, aber sag das ab. Wir schaffen das. Ich bitte meine Eltern um Geld.«
»Harriet und John?«, fragte Larry und blickte an ihr vorbei. »Bei unserer Hochzeit musste ich versprechen, für dich zu sorgen, erinnerst du dich? Und John um etwas bitten? Das kannst du vergessen. Von Anfang an hat er behauptet, ich wäre nicht der Richtige für dich. Ich ließe dir keine Freiheit und so einen Blödsinn. Nein, wir müssen das allein regeln. Ich muss das allein regeln.«
Er wandte sich um und stieg in den alten Ford V8. Claire folgte ihm widerwillig.
So langsam komme ich mir wie ein Anhängsel vor, dachte sie missmutig. Meine Meinung zählt nicht.
Sie sah kurz zurück. Seit sie sich das Haus am Stadtrand geleistet hatten, waren sie hoch verschuldet. Dennoch, es war falsch, ja, es war verboten, Whiskey zu schmuggeln. Foster würde nie ein Risiko eingehen, war sie sich sicher. Larry mit seinem Schuldenberg würde er leicht überreden können.
Die Weltwirtschaftskrise macht die Menschen zu Kriminellen, wusste Claire.
Seufzend nahm sie auf dem Beifahrersitz Platz. Ohne ein weiteres Wort startete Larry den Wagen und fuhr zur Lagerhalle, die Foster eigens für das »Firmenjubiläum« gemietet hatte.
Foster und seine Frau Jude begrüßten das Ehepaar überschwänglich. Obwohl Larry noch nicht zugesagt hatte, war sich Foster seiner Sache sicher. Er klopfte ihm auf die Schulter. »Erfreulich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Folgen Sie mir. Claire Sue, Sie können am Tisch meiner Frau Platz nehmen.«
Claire spürte Judes Blicke, die über ihre Frisur und ihr schlichtes Kleid glitten bis hinab zu ihren abgewetzten Sandaletten. Claire wusste, sie war weder modisch noch dem Anlass entsprechend gekleidet. Jude entließ sie mit einem knappen Kopfnicken und begrüßte weitere Gäste.
Kurze Zeit später lehnte Claire an einem Eisenträger der Lagerhalle, hielt ein Rotweinglas in der Hand und beobachtete die Männer. Sie standen abseits der übrigen Gäste. Larry war vom Wein zum Whiskey übergegangen und unterhielt sich hitzig mit seinem Boss.
»Etwas Wein?«, fragte ein Kellner und präsentierte ihr die Flasche.
»Nein, danke. Ich habe noch«, entgegnete sie. Sie bemühte sich, Larry und Foster nicht aus den Augen zu verlieren, denn das Gedränge in der Halle nahm zu.
»Kein schöner Umgang, nicht wahr, Mrs. Claire?«
Erstaunt sah sie den Kellner an. »Woher kennen Sie meinen Namen?«
Der Kellner lächelte nur und hob die Schultern. Dann wandte er sich anderen Gästen zu, schlenderte langsam durch die Halle und sah gelegentlich zu ihr herüber.
Obwohl sie sich geschmeichelt fühlte, erfasste sie ein unterschwelliges Unbehagen. Das »Firmenjubiläum« nahm an Lautstärke zu. Die Gäste grölten umso lauter, je betrunkener sie wurden.
Sie blickte zu Larry und Foster, die an einem Tisch Platz genommen hatten und sich eifrig besprachen. Naiv, als würde sie nichts im Schilde führen, gesellte sie sich dazu.
Die beiden blickten auf, das Gespräch erstarb.
»Geht’s gut?«, plauderte sie und nahm einen kräftigen Schluck Rotwein.
»Madam, wäre es für Sie nicht angenehmer, sich mit den anderen Damen der Gesellschaft zu unterhalten?«, fragte Foster.
Claire schüttelte den Kopf. »Ich kenne hier niemanden.«
»Larry, seien Sie so freundlich, geleiten Sie Ihre Frau zum Tisch meiner Jude. Sie kümmert sich um alles Weitere.«
»Ich mag Jude nicht«, wandte Claire ein, ermutigt vom Rotwein. Sie sah die wütenden Blicke der Männer und drehte ihnen den Rücken zu.
»Halten Sie sie an der Leine, wenn Sie wollen, dass unser Geschäft zustande kommt«, hörte sie Fosters ärgerliche Stimme.
Larry packte Claire am Arm und zog sie hinter sich her. »Du machst alles kaputt«, zischte er. »Ich stehe kurz vor dem Abschluss. Hol dir noch ein Glas, wenn du dich nicht zu Jude setzen magst. Aber verschwinde.« Er ließ ihren Arm los und ging zurück.
»Ich würde alles tun, damit Sie auffliegen, Foster!«, rief Claire.
Alle halbwegs nüchternen Blicke richteten sich auf sie.
»Dann war Ihr Mann die längste Zeit hier angestellt gewesen«, brüllte dieser zurück.
Wütend schlug Larry mit der Faust auf den Tisch.
»Raus!«, schrie er Claire an. »Geh zum Wagen!« Seine Stimme klang rau und alkoholgeschwängert.
Claire starrte ihn wütend an.
»Unglaublich Larry, das lassen Sie sich gefallen? Was sind Sie für eine Memme?« Foster lachte und wollte gar nicht mehr aufhören.
Er verstummte abrupt und machte eine auffordernde Kopfbewegung. Einen kurzen Moment später spürte Claire einen Schlag auf dem Kopf und fiel zu Boden.
Als sie zu sich kam, saß sie auf dem Beifahrersitz des Ford V8. Ihr Kopf schmerzte. Neben ihr bewegte sich jemand. Sie blickte zur Fahrerseite und erkannte den Kellner, der ihr den Rotwein angeboten hatte.
Entschuldigend hob er die Schultern. »Ich hatte Sie gewarnt, Mrs. Claire. Kein guter Umgang hier.«
Claire starrte ihn an und fuhr sich über den Hinterkopf. Sie spürte Feuchtigkeit zwischen den Fingern. Der Schlag hatte eine schmerzende, blutende Platzwunde verursacht. Wer ihr den Schlag verpasst hatte, wusste sie nicht.
»Mein Name ist Howard Wyland, Mrs. Claire«, stellte sich der Kellner vor. »Wenn Sie möchten, fahre ich Sie nach Hause. Larry hat sich für seinen Weg entschieden. Aber Sie können immer noch umkehren.«
Irritiert von seinen Worten und der vertraulichen Ansprache, suchte Claire nach einer Antwort.
In diesem Moment gab es einen Knall und die Frontscheibe des Wagens zersplitterte. Claire duckte sich instinktiv. Howard sank lautlos neben ihr zusammen.
Claire wollte schreien, aber sie brachte keinen Laut heraus. Zitternd und stumm starrte sie ihn an, bis jemand sie aus dem Auto zerrte. Es war Larry, der sie aus trüben Augen anblickte.
»Du machst alles kaputt. Die ganze Welt verlacht mich wegen dir. Dabei habe ich dir immer jeden Wunsch erfüllt!« Eigenartigerweise sprach er glasklar und ohne zu lallen, dann machte er kehrt und wankte davon.
Wie habe ich dich einst geliebt, Larry. Mir gegenüber spielst du den Boss, aber anderen ordnest du dich unter!
Sie betrachtete Howard, der aussah, als schliefe er nur, wäre da nicht das rote Rinnsal, das ihm über die Stirn lief. Sie fing an zu schluchzen.
Wie kann ich umkehren? Ich kenne meinen Weg nicht, machte sich ein Gedanke in ihrem Kopf breit.

Stoßweise nehme ich meinen Atem wahr, als ich die Augen aufschlage. Ich stütze mich hinterrücks an einer dehnbaren Außenhülle ab und komme wackelig auf die Beine. Meine dunklen Haare hängen wirr im Gesicht und nehmen mir die Sicht. Fahrig wische ich sie beiseite.
Das war ein Traum, denke ich dankbar, nur ein Traum.
Weder Larry noch Foster oder Howard sind in meiner Nähe. Es gibt kein Firmenjubiläum und keine zerschossene Windschutzscheibe. Ich lebe nicht mehr im Chicago der 1920er Jahre. Ich lege eine Hand auf meinen Brustkorb, um mich zu beruhigen.
Mein letztes Erdenleben war eine Katastrophe. Als Seele hatte ich die simple Aufgabe, mithilfe meines lichthellen Kleides meine Claire Sue auf ihrem Lebensweg zu leiten. Stattdessen bin ich vorzeitig ergraut: Ich konnte ihr Herz nicht mehr erreichen, mein Kleid war erloschen. Claire Sue verlor ihr Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihre Seelenführung. Sie musste sich allein durchschlagen, als sich Gatte Larry aus dem Staub gemacht hatte. Über Howard Wylands Tod kam sie nie hinweg. Ohne Selbstvertrauen durchs Leben zu gehen, ist wie auf einem Bein zu hopsen und zu hoffen, irgendwie im Tritt zu bleiben. Es funktioniert nicht.
Wie schön ist da die Weite des Universums. Gemeinsam mit anderen Seelen kreise ich durchs All. Wir sehen aus wie ein Teppich flirrender Staubteilchen. Aber halt, hier stimmt etwas nicht.
Ich stecke in einer Blase! Und Blasen bilden sich nur, wenn eine Trennung von den anderen Seelen bevorsteht. Außerdem sind Träume kein gutes Vorzeichen. Erinnert sich eine Seele an ihr Vorleben, steht ihr eine Neubeseelung bevor. Ich zucke zusammen, als mir dieser Zusammenhang bewusst wird. Nervös schaue ich mich um. Wie geht es anderen Seelen im All? Vereinzelt schweben bereits ein paar der dehnbaren, durchsichtigen Seelenfahrzeuge umher, aber es gibt keine Hektik, keine Aufbruchsstimmung.
Ich beschließe, es mir in meiner Blase bequem zu machen, denn ich kann, muss aber nicht zur Erde zurückkehren. Das entscheide ich. Bereits in vielen Erdenleben habe ich an den unterschiedlichsten Orten als Mensch Erfahrungen gesammelt. Das reicht vorerst. Ich habe keine Lust auf eine Neubeseelung.
In der Geborgenheit des Universums fühle ich mich wohl. Ich lehne mich in meiner Blase zurück und verfolge den Lauf der Gestirne, die durch das tintenblaue All ziehen, beobachte die mannigfachen Sonneneruptionen, die aufblitzenden Lichter und flirrenden Farben meiner Heimat.
Um mich von meinem Albtraum abzulenken, betrachte ich das Sternbild Orion, das nur wenige Lichtmomente von mir entfernt liegt. Schon von Weitem blinken mir die strahlenden Riesensterne des schönsten Sternbilds im Universum entgegen: Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, Rigel im kühl eisblauen Gewand und Betelgeuse, die linke Schulter des Jägers Orion. Dem Roten Überriesen steht bald eine Supernova bevor. Mit seinem grandiosen Schauspiel aus pulsierendem Feuer und gleißenden Lichtexplosionen unterhält er die gesamte Milchstraße.
Allerdings kann ich meine Blase nicht in diese Richtung steuern. Als ich mich umdrehe, erkenne ich auch, warum. Ein Wesen mit einer dunklen Wallemähne bis zu den Hüften hängt frei im Raum und hat seine Griffel in meine Blase geschlagen. Es hält mein Fahrzeug fest.
»Hüte dich vor Dunkelseelen! Es ist ihre Zeit«, flüstert es.
Es zieht eine Hand heraus und zeigt zu meinen Füßen. Unterhalb meiner Behausung rauschen Myriaden von Sternschnuppen vorbei. Und nicht nur das. Mein Kleid beginnt milchig-weiß zu flackern ebenso wie das Gewand des geisterhaften Wesens. Kein Zweifel, es ist – genau wie ich – eine Seele, der eine Erdenrückkehr bevorsteht.
Worauf sie mich hinweisen will, ist klar. Albträume, die vergangene Fehler zeigen, Sternschnuppen, die Glück auf Erden ankündigen und mein aufflammendes Kleid als Wegweiser durchs Hier und Jetzt eines Menschen – das alles sind Vorboten, die auf eine Neubeseelung hindeuten.
»Ich habe mich entschieden, nicht zur Erde zurückzukehren«, sage ich.
Die Seele lächelt. Kleine, rund anmutende weiße Zähne blitzen in ihrem Gesicht auf.
»Wir müssen aufpassen, dass keine mit uns fliegt«, warnt sie mich, ohne meinen Worten Beachtung zu schenken. Sie schaut über die Schulter zurück. »Dunkelseelen verstecken sich inmitten der unzähligen Lichtquellen, hüllen sich in Nebel und Staubwolken. Eine Blase ist für sie überhaupt kein Problem, daher reise ich ohne dieses Gefährt. Sie piken sich mit ihren Fingern durch – und schwupp – hat man eine am Kleid. Schmerzseelen werden sie genannt, weil sie frühere Fehler und Schmerzen aufpoppen lassen. Sie ernähren sich von Ängsten und verletzten Gefühlen.«
Reflexartig schaue ich auf mein Kleid. Ein Glück, es hat sich keine verfangen. Als ich den Kopf hebe, ist die Seele verschwunden. Meine Blase schwebt frei im Raum.

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7. April 2021

'Planeten der Nacht: Im Sturm der Schatten' von Natalie Peracha

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Natalie Peracha
„Da ist ein Ende zu jeder Heldengeschichte, wenn da ein Ende ist, dann ist da auch ein Neuanfang. Mit jedem Neuanfang entsteht eine Legende und mit jeder Legende eine neue Geschichte, die erzählt werden möchte.“

Layla und Mexx führen ein ganz normales Leben. Ihre Tagesabläufe bestehen daraus, sich früh morgens für die Schule aus dem Bett zu quälen und abends völlig fertig wieder nach Hause zu kommen, mit zu vielen Hausaufgaben im Gepäck und zu wenig Zeit.

Doch als Layla und Mexx eines Tages vor dem Schulfenster als scheinbar Einzige, eine schreckliche Schattengestalt sehen, ändert sich ihr Leben schlagartig. Wer und was sind diese komischen Gestalten, die die beiden zu verfolgen scheinen und was wollen sie von ihnen?

Plötzlich finden die beiden sich in einem Abenteuer wieder, das die Vorstellung der Menschheit auf den Kopf stellt. In einem Kampf zwischen Gut und Böse treffen die beiden auf die außergewöhnlichsten Kreaturen und kommen an die Grenze ihrer Leistungen. Doch steckt auch in ihnen beiden mehr?

Anleser:
In einer Zeit, bevor die Menschen auf der Erde herrschten, kreisten in dem Sonnensystem, das wir heute so gut kannten nicht nur acht Planeten, sondern zehn.
Die Erde war nicht der einzige Planet der Lebewesen beherbergte, denn es gab noch zwei andere, die in einer Verbindung mit der Erde standen.
Ihre Namen waren Faraley und Dragonier.
Beide Planeten waren bereits weit entwickelt und besaßen menschenähnliche Lebensformen.
Auf Dragonier lebten die Anemanier. Menschenähnliche Lebewesen, die sich in ihre Seelentiere verwandeln konnten und eine Macht besaßen, die sie nutzten, um sich und ihre Artgenossen zu beschützen.
Auf Faraley gab es die Tresalteses. Auch sie waren menschenähnliche Lebewesen, die mit ihren Seelentieren in einer Verbindung standen. Man nannte ihre Seelentiere Faeless. Sie waren ihre Beschützer und begleiteten sie meist in der Form von Drachen durch ihr ganzes Leben.
Alle drei Planeten waren verbunden durch die Masiers; Portale, die sie zu dem anderen Planeten transportierten zu dem sie wollten.
Sie standen in einer dreier Konstellation zueinander. Die Erde drehte sich um sich selbst und um die Sonne. Um die Erde herum drehte sich ihr Mond und regelte die Gezeiten. Doch von der Erde aus konnte man zu jeder Zeit Umrisse zweier gigantischer Planeten erkennen, die noch viel größer waren als die Erde selber.
Sie wanderten mit der Erde Jahr für Jahr um die Sonne.
Faraley drehte sich in entgegengesetzter Richtung der Erde auch um sich selbst, Dragonier stand still. Doch Dragonier hatte die Eigenschaft durch eine fluoreszenzähnliche Flüssigkeit selbst zu leuchten, und so erhellte in der Nacht nicht nur der Mond, angestrahlt von der Sonne und die Sterne die Erde, sondern auch Dragonier, der Planet, der durch sein Lichtspiel ein Muster in die Dunkelheit zeichnete, welches jeden der es sah in seinen Bann zu reißen schien.
Alle Jahre, wenn das Muster Dragoniers am hellsten leuchtete und die Sonne am höchsten stand, trafen sich die Einwohner Dragoniers und Faraleys auf der Erde, tauschte Neuigkeiten und Wissen aus und feierten ihr jährliches Fest.
Doch die Schönheit und der Frieden der drei Planeten sollte nicht lange halten, denn in Mitten der drei Planeten braute sich eine Macht zusammen, die alles drohte in Dunkelheit zu werfen.
Die Tresalteses und die Anemanier spürten diese Dunkelheit und taten ihr bestes sie zu vernichten, doch ihre Macht war zu groß.
Die Erde wurde angegriffen und ihre Lebewesen die zu der Zeit auf ihr wohnten vernichtet. Milliarden von Jahren später wurde dieser Angriff als Meteor identifiziert, der die große Zeit der Dinosaurier ausgelöscht hatte. Doch die Tresalteses und Anemanier wussten, was es wirklich war und sie bekamen Angst.
Sie trafen sich auf Faraley. Wohlwissend, dass sie sich wohl das letzte mal sehen würden, vereinbarten sie die Planeten voneinander zu trennen und somit die Dunkelheit in ihrer Mitte zu zerstören. Durch die Kräfte der Einwohner beider Planeten konnten sie einen neuen Platz im Universum finden und ihr Leben fortsetzen.
Die Erde erholte sich wieder und neue Lebensformen entwickelten sich aus dem Ruin, bis dann die Menschen kamen, unwissend das die Erde nicht allein in dieser Welt stand.
Es schien alles in Ordnung zu sein und so lebten die Planeten weiter, ohne zu wissen, dass bei der Trennung der Planeten die Dunkelheit in drei Teile gerissen wurde und jeweils einer dieser Teile auf den drei Planeten verborgen lag.
Die Menschen auf der Erde nannten sie Nemesis, die Göttin der Zerstörung. Die Anemanier sprachen von dem allumschlingenden Schatten und die Tresalteses von der Finsternis.
Diese Teile der Dunkelheit waren dafür zuständig die Planeten wieder in ihre ursprüngliche Konstellation zu bringen und so kam es immer wieder zu der Öffnung von Portalen und Übergriffen von Dragonier und Faraley auf der Erde.
Es entstanden Mythen und Geschichten, Sagen und Märchen von Drachen und Einhörnern, von Hexen und Vampiren, von Göttern und Teufeln und sie alle hatten ihren Ursprung in der Konstellation der drei Planeten.

Eine von diesen Geschichten sollte die Welt für immer verändern, denn weit, weit weg von der Erde auf Dragonier wurde es langsam dunkel, die Sonne verblasste am Horizont und die Wärme versank mit ihr. Die Dunkelheit betrat den Himmel und die Sterne fingen bereits an mit dem Mond die Nacht zu beleuchten. Ein kühler Lufthauch strich sanft durch die Bäume und weiße Blüten rieselten wie Schnee auf das Gras. Die am Tag tropischen bunten Blumen verdunkelten sich und schaukelten im leichten Wind. Wie auch die Blumen, wiegten sich die großen Bäume, die von langen Lianen umschlungen ihr prächtiges Blätterdach zum Himmel streckten mit. Mit der Nacht, kam auch der Schatten.

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1. April 2021

'Wenn Apfelbäume tanzen könnten' von Lisa Torberg

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Ein Roman über unglaubliche Zufälle, den langen Atem der Liebe und die Buntheit des Lebens.

Seitdem Bertl Kofler begriffen hat, dass seine Freundin aus Kinderzeiten nicht seine große Liebe ist, lebt er für seinen Bauernhof. Sein einziger Mitbewohner ist Zeus, sein Schäferhundmischling. Doch immer wieder holt ihn die Erinnerung an die Lehrerin aus dem Pustertal ein, die vor zwei Jahren kurz in Mela unterrichtete. Aber nicht nur er denkt oft an die junge Frau – auch jemand auf dem nahen Apfelhof tut es …

Sabine Holzer leitet seit dem Unfalltod ihrer Eltern das Familienunternehmen im Pustertal. Nicht einmal sich selbst gesteht sie ein, wie sehr ihr das Unterrichten fehlt – und das beschauliche Mela mit seinen Apfelwiesen. Ihr Leben ist geprägt von Pflichtbewusstsein und ihrer Liebe für ihren Großvater Johann. Dennoch spukt ein gewisser Bertl Kofler ständig in ihrem Kopf herum.

Nach der Aufführung des Films „Apfelblüten im Regen“, der auf dem Apfelhof in Mela gedreht wurde, erzählt Johann Holzer seiner Enkelin Unfassbares aus seiner Vergangenheit. Als ihre ehemalige Vermieterin sie kurz darauf nach Mela einlädt, trifft Sabine eine Entscheidung, die nicht nur ihr Leben komplett auf den Kopf stellt.

Dieser in sich abgeschlossene Roman spielt vor der atemberaubenden Kulisse Südtirols. In "Wenn Apfelbäume tanzen könnten" gibt es ein Wiedersehen mit Charakteren und Schauplätzen aus "Wenn Apfelbäume sprechen könnten". Beide Romane können jedoch ohne Vorwissen unabhängig voneinander gelesen werden.

Anleser:
Toblach, Pustertal »Entspann dich, Nonno!« Sabine Holzer legte eine Hand auf den Rücken ihres Großvaters und schubste ihn vorwärts.
Er reagierte eigenartig. Zum einen antwortete er nicht, zum anderen ließ er sich von ihr in den Gustav-Mahler-Saal schieben wie eine Fetzenpuppe. Überhaupt. Seitdem er das Plakat entdeckt hatte, das vor drei Wochen überall in Toblach aufgehängt worden war, benahm er sich komisch. Zuerst hatte er von ihr wissen wollen, was denn Public Viewing bedeutete. Die latent vorhandene Lehrerin in ihr hatte innerlich den Kopf geschüttelt, aber nicht der Frage wegen, sondern weil sie nicht begriff, weshalb man hier bei ihnen einen englischen Ausdruck verwendete, den eh kaum einer verstand. Im Hochpustertal waren sie zwar nicht am Ende der Welt – aber so gut wie, und von den dreitausenddreihundert und ein paar Zerquetschten Einwohnern im Dorf waren viele schon froh, wenn sie auch die andere Landessprache ein bisserl reden konnten. Ihr Großvater sprach beide perfekt, immerhin hatte er ja eine Frau mit italienischer Muttersprache geheiratet – vor mehr als sechzig Jahren. Doch Englisch hatte er nie gelernt. Wozu denn auch? Holzer-Holz exportierte zwar seit Jahrzehnten über die Grenze hinweg, aber die nach Österreich war ja nur fünfzehn Kilometer weit weg und dort sprach man genauso deutsch wie auf dieser Seite. Sabine hatte ihm also erklärt, dass man im Kulturzentrum den Film Apfelblüten im Regen gratis anschauen konnte. »Da gehst mit mir hin, Sabinchen«, hatte er gesagt – und den Rest ihr überlassen.
Sie hatte auf der Gemeinde die Karten besorgt, obwohl sie alles dafür gegeben hätte, heute nicht hier zu sein. Doch wie hätte sie das dem Großvater erklären sollen? Er war zweiundneunzig und derart gut beisammen, dass er fast immer ablehnte, wenn ihm jemand helfen oder etwas mit ihm unternehmen wollte. Sogar den Führerschein hatte ihm der Amtsarzt erst vor ein paar Wochen wieder erneuert – wie alle zwei Jahre, seitdem er achtzig war –, und so fuhr er weiterhin mit seinem Mercedes-Benz Baujahr 1987, den er seit der Zulassung vor vierunddreißig Jahren nur SL nannte. Zwar nicht allzu weit, aber seine wenigen noch lebenden Freunde und ein paar Kunden in den umliegenden Gemeinden besuchte er regelmäßig – so wie früher. Alte Gewohnheiten legt man eben nicht so leicht ab, würde die Nonna jetzt sicher sagen und seinem geliebten Auto hinterherschauen, bis die Rücklichter an der Kurve zum letzten Mal aufleuchteten, bevor er verschwand. Stunden später würde sie wieder am Küchenfenster stehen und auf die Rückkehr ihres Mannes warten, wie sie es ihr ganzes gemeinsames Leben lang bis zu ihrem Tod gemacht hatte.
Johann Holzer war ein unabhängiger Freigeist, einer, der sich von niemandem jemals hatte irgendwas sagen lassen, und das hatte sich bis heute nicht geändert. Wenn der Nonno sie also schon einmal von sich aus um etwas bat, dann konnte Sabine es ihm nicht ausschlagen.
Nur hatte sie seit Tagen wegen des heutigen Abends ein mulmiges Gefühl im Bauch, das jetzt zunahm. Während man ihnen von allen Seiten zunickte oder einen Gruß zurief, behielt sie die Hand auf Großvaters Rücken und vergrub ihre Finger in dem Stoff seiner Jacke. Nicht um seinetwillen, sondern weil der Kontakt ihr Sicherheit gab.
»Na, das ist aber eine Freude, dass du dich einmal bei einer Kulturveranstaltung blicken lasst, Johann Holzer.« Der Bürgermeister kam mit zum Gruß ausgestreckten Arm auf den Großvater zu.
»Geh, jetzt tua net so überrascht, Bürgermeister. Hast ja gwusst, dass die Sabine die Karten für uns vom Gemeindeamt abgeholt hat.«
»Die andere hätt ja auch für ihren Freund sein können«, erwiderte Luis Walder mit einem Lacher und zwinkerte ihr zu. Dabei wirkte er paradoxerweise selbstsicher und zugleich unsicher, vor allem aber erreichte das aufgesetzte Lächeln seine Augen nicht.
Sabine mochte ihn nicht. Nicht mehr. Früher, als sie Kinder waren, war das anders. Der zwei Jahre ältere Bub hatte sie nie von oben herab behandelt und sogar mit ihr gespielt, obwohl sie ein Mädel war. Später hatte der Luis dann alles darangesetzt, wichtig zu werden. Im Schützenverein, beim Dartspielen in der Gastwirtschaft und in der Politik. Kein Wunder, dass er im letzten Jahr mit nur zweiunddreißig zum Bürgermeister gewählt worden war – auch von ihr.
Aber mit dieser plumpen Frage bewies er, dass er längst nicht so abgebrüht war, wie er zu sein vorgab. Wieder einmal, denn dass er immer alle ausfragte, ob sie denn einen Freund hätte, hatte sie früher prompt am Wochenende erfahren, sobald sie in Toblach war. Und jetzt erfuhr sie es schon nach wenigen Stunden. Das war lästig, aber nicht so sehr wie die Tatsache, dass sie dem Luis fast täglich über den Weg lief. Als ob er es drauf anlegen würde, sich immer dort herumzutreiben, wo sie gerade war. Vor der Post, in der Bank oder wenn sie sich rasch einen Kaffee in der Patisserie holte, er war immer in der Nähe. Dass der Ort klein war und das Rathaus eben auch im Ortszentrum lag, hatte aber nichts damit zu tun. Als Bürgermeister sollte er doch arbeiten – und zwar in seinem Büro – und nicht draußen herumlaufen. Sabine versuchte, den kalten Schauer zu ignorieren, der die Härchen in ihrem Nacken und die auf ihren Armen aufstellte, und zwang sich zu einem verkrampften Lächeln.
»Den hätte ich auch mitgebracht, wenn er hier wäre«, antwortete sie ihm jetzt mit einem Achselzucken auf die dumme Andeutung, die ja eigentlich eine Frage war. Er wollte wissen, ob sie einen Freund hatte? Klar hatte sie – für ihn!
Den Luis schockiert zu sehen, tat ihr gut. Ein so ein Depp! Scheinbar hatte er in all den Jahren, in denen er sie immer wieder um ein – wie er es nannte – Date gebeten hatte, immer noch nicht kapiert, dass er sie einfach nur in Ruhe lassen sollte. Seitdem sie wieder in Toblach lebte, hatte er sie zwar nicht mehr direkt gefragt, nicht zuletzt, weil die Pandemie begonnen hatte, die ihrer aller Leben beeinträchtigt hatte. Doch nachdem schrecklichen letzten Jahr hatte er das lästige Stalken wieder aufgenommen.

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