31. Juli 2015

"Mission Phoenix 6 - Die Macht der Matriarchin" von Mara Laue

Die PHOENIX ist bei der Suche nach dem nagdanischen Präsidenten Drinos apat Sersuk auf ein gronthisches Flottenkontingent gestoßen. Kann sie der Übermacht entkommen? Und was steckt wirklich hinter den gronthischen Angriffen auf Nagdorel? Obendrein kocht nicht nur die gronthische Widerstandsbewegung ihr eigenes Süppchen. Auch die Gronthagu Herrscherin und Matriarchin ihres Volkes hat Pläne, die das Schicksal der Gronthagu Liga und der ISA entscheidend beeinflussen könnten.

„Die Macht der Matriarchin“ ist der sechste Roman der erfolgreichen Science-Fiction-Serie „Mission Phoenix“.

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Leseprobe:
Sie starrten einander in die Augen. Dunkelviolette Sauroidenaugen auf der einen Seite, silberblaue humanoide Augen auf der anderen. Jedes dazugehörige Gesicht war durch die Zoomfunktion der Bildschirme so groß, dass es die gesamte Wand ausfüllte. Captain Melori lächelte, ohne dabei jedoch die Zähne zu zeigen, denn das hätte die gronthische Kommandantin als aggressive Geste werten können.
Sechzehn Gronth-Schiffe gegen ein ISA-Schiff, das von der Größe her gegenüber einigen Schiffen der Gegner wie ein Spielball wirkte. Der Ausgang des Kampfes, sollte die Gronth-Kommandantin sich entscheiden, ihn zu beginnen, stand aus der Sicht der Grontheh garantiert schon fest. Dass sie in dem Fall eine höchst unangenehme Überraschung erleben würden, konnten sie nicht ahnen. Meloris PHOENIX hatte ein paar Extras auf Lager, die sogar einem IsteP-Trägerschiff hätten gefährlich werden können.
Aber würde die Gronthi den Angriff riskieren? Immerhin hatte sie ihr Flottenkontingent vor der Ortung durch die in einiger Entfernung vorbeiziehenden anderen gronthischen Einheiten im Ortungsschutz eines Mondes versteckt. Das musste einen verdammt guten Grund haben, denn die Grontheh waren alles andere als Feiglinge. Deshalb war so ziemlich ausgeschlossen, dass diese Gruppe sich versteckt hielt, um nicht an dem Angriff auf die Nagdanische Planetenunion teilnehmen zu müssen, zu dem die anderen gronthischen Schiffe unterwegs waren. Nach Meloris Einschätzung konnte dieses Versteckspiel nur eines bedeuten.
„Nun, Kommandantin Ashshannak, was werden wir in Anbetracht der Situation jetzt aufbauen?“, fragt sie die Gronthi.
Sie verzichtete auf eine Übersetzung durch den Translator, sondern sprach Ussagu, die Verkehrssprache der Gronthagu Liga. Dabei hatte sie das Ussagu-Wort sassaku – „aufbauen“ – in einer Weise betonte, die der Gronthi eine bestimmte Information geben musste, falls Meloris Vermutung zutraf.
Ashshannak stieß ein langgezogenes Zischen aus. Melori war leider nicht allzu gut mit gronthischen Lautäußerungen vertraut, um diese interpretieren zu können.
„Was gedenken Sie aufzubauen, Kommandantin Melori? Ein Herrschaftssystem oder eine Stadt vielleicht?“
„Anshnaki“, antwortete Melori, wieder in Ussagu: Beziehungen.
Ashshannak zischte erneut. „Das ist eine gute Form von Aufbau.“ Sie machte eine Geste, die ihrer Crew galt. „Waffen deaktivieren.“
Melori atmete innerlich auf. „Waffen deaktivieren“, befahl sie Shakti Janssen, der Taktikoffizierin. „Schilde ebenfalls.“
„Ma’am?“ Janssen warf ihr einen Blick zu, als wäre Melori nicht ganz zurechnungsfähig.
„Befehl ausführen, Commander.“
Janssen deaktivierte die Waffen und den Schutzschild. Melori war sich des damit verbundenen Risikos durchaus bewusst, aber sie vertraute auf die siebenfach cribomitverstärkte Hüllenpanzerung. Die hielt zwar keinem Dauerbeschuss stand, erst recht nicht, wenn er von sechzehn Schiffen gleichzeitig kam oder auch nur von den zwei größten Kampfschiffen des gronthischen Kontingents. Aber sobald die Grontheh ihre Waffen aktivierten, blieb der PHOENIX genug Zeit, um die Schilde erneut hochzufahren.
Ein Gronther, den Melori für den Ortungsoffizier hielt, hatte bereits seit einiger Zeit zunehmend hektisch an seinem Pult schräg hinter Ashshannak hantiert. Er wandte den Kopf und starrte sie an. Seine Zunge schnellte vor und zurück.
„Was?“, zischte die Kommandantin ihm zu.
„Shasharrash“, antwortete er und schien unfähig, noch etwas anderes zu sagen.
Melori warf einen Blick zu Lieutenant Sutaro Han am Kommunikationspult. Da sie vorzutäuschen versucht hatten, dass sie zum Volk der Sulkatreh gehörten, die Terraneh und anderen humanoiden ISA-Völkern äußerlich sehr ähnlich sahen, hatten sie die Translatoren deaktiviert. Schließlich sprachen alle Sulkatreh Ussagu. Die gesamte Besatzung hatte die Grundzüge dieser Sprache gelernt und beherrschte sie gut genug, um in alltäglichen Dingen gut damit zurechtzukommen. Aber dieses Wort war Melori unbekannt.
Han, ein Genie in Sachen Sprachen, kannte es. „Auserwählte“, sagte er leise. Da nun keine Tarnung mehr nötig war, schaltete er die Translatoren wieder ein.
„Auserwählte“, wiederholte der gronthische Ortungsoffizier nachdrücklich an Ashshannak gewandt. „Und zwar alle. Kommandantin, die gesamte Besatzung dieses Schiffes wurde von Gronth – Ehre sei ihr! – auserwählt.“
Ashshannak blickte Melori mit demselben Gesichtsausdruck an wie ihre anderen Crewmitglieder auch. Die senkrechten goldenen Pupillenschlitze ihrer Augen weiteten sich. „Sie haben die Pylonen von Gronth gefunden.“ Eine Feststellung, keine Frage. „Und Gronth – Ehre sei ihr! – hat sich Ihnen gezeigt?“
„Ja.“
„Wie lange?“
Das spielte sicherlich auf die Zeit an, die die PHOENIX verloren hatte, während die Besatzung das den Grontheh heilige kosmische Phänomen betrachtet hatte, die „Pylonen von Gronth“. Obwohl die Zeit gefühlt kurz gedauert hatte, nicht mehr als ein paar Minuten, waren in Wahrheit Stunden vergangen.

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30. Juli 2015

"Milanna: Im Zauber der Lagune" von Laura Gambrinus

Eine junge Frau, die als alte Jungfer gilt ...
Ein reicher Patrizier, der dringend heiraten muss ...
Ein charmanter Freund des Hauses, dessen Herz vielen Frauen gehört ...
Und all das vor der faszinierenden Kulisse Venedigs um 1650 - das sind die Zutaten des neuen Romans von Laura Gambrinus.

Intime Geheimnisse und pikante Enthüllungen, eine romantische Eroberung und vieles mehr fächern sich hier zu einer schillernden Geschichte auf.

Gleich lesen: Milanna: Im Zauber der Lagune





Leseprobe:
Jemand badete in ihrem Weiher!
Entrüstung über dieses Eindringen in ihre Privatsphäre wallte heiß in ihr auf. Dies war ein privates Jagdrevier, und abgesehen davon, dass es gerade nicht die Zeit dafür war, hatten weder sie noch Davide irgendjemanden dazu eingeladen.
Behutsam lenkte sie das Pferd ans Ufer heran. Die Gestalt war untergetaucht und kam erst Augenblicke später prustend wieder an die Oberfläche, ehe sie erneut abtauchte. Es war unverkennbar ein Mann, der sich dort im Wasser vergnügte. Ein Bündel Kleidungsstücke lag unweit von ihrem Beobachtungsposten am Ufer. Als die Gestalt für den nächsten Atemzug auftauchte, holte sie ebenfalls tief Luft.
„He, du da im Wasser!“, rief sie, so laut sie konnte. Der Eindringling hielt inne. Er blieb stehen und fuhr sich ein paar Mal mit der Hand über das Gesicht. Ein kurzer Bart bedeckte das kantige Kinn und gab seinen Wangen einen finsteren Schatten. Ein Lächeln breitete sich auf seinem gebräunten Gesicht aus, dann strich er mit einer fließenden Bewegung die Haare aus der Stirn und kam gemächlich auf sie zu.
„Na, wen haben wir denn da?“, fragte er mit einer Stimme, die Milanna Gänsehaut verursachte.
Sie hatte die Sonne im Rücken, und nun, da er weiter aus dem Wasser kam, erkannte sie immer mehr Details an ihm. Zuerst hatte sie nur muskulöse Schultern und Arme erkennen können. Dann tauchte ein breiter Brustkorb auf. Ihr Blick folgte dem kleinen Vlies dunkler Haare, das von der Brustmitte aus in einem schmalen Streifen hinunter lief zu seiner Taille. Einige weitere Schritte ließen ihn den Wellen bis zum Bauchnabel entsteigen und zeigten seine schmalen Hüften, dann …
„Halt – bleib sofort stehen, wo du bist!“, schrie sie panisch. „Keinen Schritt weiter!“
Er gehorchte. Als er sich räusperte, wurde Milanna erst bewusst, dass sie ihn heftig atmend mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Sein Körper hatte die Perfektion dieser antiken Statuen, die gerade in der Serenissima so unglaublich begehrt waren! Unwillkürlich fragte sie sich, wie er, anstatt aus Marmor in ihrem Garten, wohl lebendig in ihrem Bett aussehen mochte. Sie keuchte leise auf und fühlte, wie sich ihre Wangen mit glühendem Rot übergossen.
„Was willst du hier?“, fuhr sie ihn heftig an.
Er stand so lässig da, als ginge ihn all das gar nichts an. Das Wasser reichte ihm gerade so bis zur Körpermitte. Wenn er auch nur einen einzigen weiteren Schritt auf sie zu machen würde, dann …
Sie blieb wie angewurzelt stehen und starrte ihn weiter an, während sie auf eine Antwort wartete.
„Also?“, bohrte sie angespannt nach. „Was suchst du?“
„Ich?“, fragte er gedehnt zurück. Seine Stimme war melodisch und tief.
„Natürlich du! Bist du hier, um zu wildern? Fische zu stehlen? Wie kommst du überhaupt auf diese Insel? Weißt du denn nicht, dass das hier ein privates Refugium ist? Nun rede schon und erkläre dich!“
„Gemach, Signorina, gemach!“ Seine Stimme klang unverkennbar belustigt, was Milannas Ärger nur noch mehr anheizte. „Holt Ihr denn manchmal auch Luft zwischen Euren Sätzen?“
„Nun, das ist ja wohl der Gipfel der Unverfrorenheit!“, giftete sie und richtete sich im Sattel zu ihrer vollen Größe auf. „Du dringst hier in fremdes Eigentum ein, und wenn man dich zur Rede stellt, dann wirst du auch noch frech! Du kannst froh sein, wenn ich nicht umgehend meine Diener auf dich hetze und dich einsperren lasse!“
Er reckte den Hals und sah betont neugierig an ihr vorbei.
„Welche Diener, Signorina? Ich sehe keine!“
„Erstens heißt es Signora!“, fauchte sie wütend. „Und zweitens wäre es mir ein Leichtes, in Kürze eine ganze Truppe von Dienern zusammenzurufen und dich festsetzen zu lassen! Mach also lieber, dass du auf dem schnellsten Weg verschwindest und lass dich nie wieder blicken, hast du verstanden? Wilderer werden bei uns nicht geschont!“
Statt einer Antwort lachte er ihr dreist ins Gesicht und machte eine Bewegung, allerdings ohne sich ihr weiter zu nähern.
„Bleib, wo du bist!“, schrie sie. „Bleib du ja im Wasser!“
„Signorina – aber nein, verzeiht! – Signora!“ Er betonte das Wort über Gebühr, bewegte sich aber tatsächlich nicht mehr. „Wenn Ihr weiterhin so schreit, bekomme ich es wahrhaftig noch mit der Angst zu tun! Habt also Erbarmen mit einem armen Wicht wie mir und lasst mich ungeschoren davonkommen! Seht, ich wollte ja ohnehin schon aufbrechen, als mich dieser wunderbare Weiher hier so sehr bezauberte, dass ich mich in seinem Anblick verlor und die Zeit vergaß.“
„Dann sieh zu, dass du dich davonmachst!“, forderte sie mit etwas ruhigerer Stimme. „Und eins sollst du wissen – wenn irgendetwas Verdächtiges passiert, dann lasse ich mit Hunden nach dir suchen, und das wird dann kaum vergnüglich werden, das verspreche ich dir!“
Mit einem letzten, giftigen Seitenblick wandte sie ihr Pferd um und zwang sich, es nur im Schritt gehen zu lassen. Es drängte sie, der Stute die Fersen in die Flanken zu treiben, um diese beschämende Szene so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Ob sie wohl später wirklich ein paar Leute losschicken sollte, um nach dem Rechten zu sehen?

Im Kindle-Shop: Milanna: Im Zauber der Lagune

Mehr über und von Laura Gambrinus auf ihrer Website.

29. Juli 2015

"Der Pakt mit dem Wolf" von Regine Sommer

Johanna will frei sein. Dies ist ein schwer zu erreichendes Ziel als junge Frau im Mittelalter. Sie geht daher einen gefährlichen Weg und lebt in ständiger Angst vor Entdeckung. Unfreiwillig wird sie dabei von unheimlichen Kräften in ein Spiel um Macht und Liebe gezogen. Wem kann sie vertrauen? Erik, dem charismatischen Krieger aus dem Norden, oder dem Herzog, der unheimliche Fähigkeiten zu haben scheint und ihr Geheimnis aufzudecken droht?

Johanna entdeckt eine geheimnisvolle Welt, den Nebelwald. Dort leben Kreaturen, die einer längst vergangen Zeit entstammen und ihre Macht zurückgewinnen wollen. Dafür brauchen sie Johanna und sie setzen alles daran, sie auf ihre Seite zu ziehen. Es scheint kein Entrinnen für Johanna zu geben. Welchen Weg wird sie wählen, um sich ihre Freiheit zu bewahren?

Dieser historische Fantasy-Roman spielt im Norddeutschland des Mittelalters und greift Sagen der Wikinger auf.

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Leseprobe:
»Prügel, Prügel.«, riefen die Kinder im Chor und lachten. Johann krümmte sich zu einer Kugel zusammen, um sich vor den Schlägen des größeren Jungen zu schützen. Unbarmherzig wurde er in den Schlamm des Burghofes gedrückt. Er war zu klein und zu schmächtig, um sich gegen Otto, den Sohn des Schmieds, zu wehren, obwohl dieser jünger war als er.
»Jetzt schlag ich dich grün und blau, du Feigling.«, drohte Otto und die anderen Kinder feuerten ihn weiter an.
Es war nicht das erste Mal, dass Otto ihn verprügelte. Johann war schon häufig mit einem zugeschwollenen Auge und blauen Flecken in die Schreibstube zurückgekehrt. Doch diesmal war es besonders schlimm.
Johann wimmerte und Tränen der Demütigung und des Schmerzes liefen ihm die schmutzigen Wangen hinab.
»Er heult wie ein Mädchen.«, rief eines der älteren Kinder schadenfroh und die anderen grölten vor Lachen. Sogar Anna, die kleine Küchenmagd, mit der Johann so gerne ein paar Worte wechselte, lachte mit.
Zwei der anderen Jungen mischten sich ein und begannen, auf Johann mit den Füßen einzutreten. Langsam fühlte er, wie er das Bewusstsein verlor. Ob sie ihn diesmal umbringen würden? Wen würde es stören? Den Grafen Lothar? Bestimmt nicht. Meister Rainald? Der würde sich nur ärgern, dass er die Arbeit nun allein erledigen musste.
Gerade als ein besonders harter Tritt seinen Kopf traf, bemerkte Johann, dass das Grölen der Kinder plötzlich aufhörte.
Otto wurde von ihm heruntergezerrt und wie ein lästiges Insekt zur Seite geworfen. Er landete im Dreck des Burghofes.
Johann hörte wie die anderen Kinder vor Angst aufkeuchten und mit schnellen Schritten davonstoben.
Hustend versuchte Johann sich aufzurichten. Seine Nase blutete und er wischte sie mit dem Ärmel seiner Kutte ab.
Blinzelnd schaute er zu seinem Retter auf. Der Dreck, der in seine Augen gedrungen war, und die Tränen nahmen ihm die Sicht. Er bemerkte nur eine große Silhouette, die sich vom grauen Himmel dieses kalten Frühlingstages abhob.
»Du solltest lernen, wie man ein Messer benutzt.«, meinte eine ihm unbekannte Stimme mit einem seltsamen Akzent und ihm wurde eine große Hand hingehalten.
Johann blinzelte wieder und langsam schärfte sich sein Blick. Über ihm stand ein großer, junger Mann mit ungewöhnlich langem, weißblondem Haar, das ihm bis auf die Schultern fiel. Die Kleidung des Fremden war staubig, als hätte er eine Reise hinter sich. Und plötzlich erinnerte sich Johann. Dies war ein Nordmann. Der Sohn eines Adeligen, der als Pfand für einen Pakt zwischen seinem Vater und dem Grafen Lothar auf der Burg leben sollte. Johann hatte gehört, dass er in diesen Tagen ankommen sollte.
»Willst du nun aufstehen oder weiter im Dreck hocken?«, fragte der junge Mann mit spöttischer aber nicht unfreundlicher Stimme. Johann ergriff die Hand, die ihm noch immer hingehalten wurde und mit dem Ruck eines kräftigen Arms wurde er auf die Füße gezogen. Stöhnend richtete er sich auf. Jeder einzelne Knochen tat ihm weh.
»Danke für Eure Hilfe, mein Herr.«, murmelte er schüchtern und wischte sich mit dem Ärmel seiner Kutte verstohlen Schlamm und Tränenspuren vom Gesicht.
»Es ist feige, jemanden zu schlagen, der kleiner ist und am Boden liegt.«, meinte der Fremde. »Zumindest außerhalb einer Schlacht.«, fügte er noch hinzu und musterte Johann neugierig. »Bist du ein Mönch?«
»Nein, ich bin der Lehrling von Meister Rainald. Er ist der Schreiber und Kopist von Graf Lothar.«, murmelte Johann während er sich seine schmerzende Seite rieb. Alles tat ihm weh, doch aus irgendeinem Grund wollte er vor diesem blonden Riesen keine Schwäche zeigen. »Ein Schreiber. Also deshalb weißt du nicht, wie du dich wehren kannst. Du hast so kleine, zarte Hände, fast wie ein Mädchen.« Er lachte. »Daher nützt es dir nichts, dich im Faustkampf zu üben. Du musst mit einem Messer kämpfen und zwar auf die unfaire Art. Flink und schnell wie ein Wiesel. Nur so kannst du überleben.«
Johann starrte sein Gegenüber an. Der Riese hatte gut reden. Wie sollte er lernen, mit einem Messer umzugehen? Dafür war er zu schwach und zu tollpatschig. Er wollte dem Nordmann sagen, was er über seinen Vorschlag dachte, doch er hielt inne und gab sich einen kurzen Moment der Vorstellung hin, wie er mit einem Messer den fiesen Otto piekte. Ach, wäre das schön.
»Du dienst hier auf der Burg?«, fragte der Nordmann und riss Johann aus seinen Gedanken.
»Ja, in der Schreibstube.« Verlegen schaute er auf den Boden vor sich, während sich ein drückender Schmerz in seinem Kopf bemerkbar machte. Johann schüttelte leicht den Kopf. Jetzt nicht, dachte er. Ich kann jetzt keine Kopfschmerzen gebrauchen. Mit aller Macht drängte er den Schmerz zurück. Er wollte vor dem Fremden keine weitere Schwäche zeigen.
Der junge Nordmann musterte Johann mit gerunzelter Stirn. Einen kurzen Moment blitzten seine Augen überrascht auf, doch es ging so schnell, dass Johann glaubte, es sich nur eingebildet zu haben.
»Ich lebe jetzt auch hier.«, fuhr der Fremde mit bitterer Stimme fort. »Mein Vater hat es so gewollt.«

Im Kindle-Shop: Der Pakt mit dem Wolf

Mehr über und von Regine Sommer auf ihrer Website.

28. Juli 2015

"Racherausch" von Michael Linnemann

Er ist ein Meister der Magie. Seine Tricks sind ebenso faszinierend wie tödlich. Kaum jemand kann seiner Rache entkommen. Nora und Tommy sehen sich einem unsichtbaren Gegner gegenüber. Wie sollen sie einen Mörder stoppen, der offenbar durch Wände gehen kann?

Erst als eines der Opfer wie durch ein Wunder überlebt, schöpfen die Göttinger Hauptkommissare wieder Hoffnung. Doch ob das Wunder wirklich ein Segen oder doch eher ein Fluch ist, soll sich erst noch herausstellen …

Racherausch - Der zwölfte Fall für Nora und Tommy.

Gleich lesen: Racherausch - Der neue Fall für Nora und Tommy



Leseprobe:
Der Mörder breitete die Folien aus. Dann legte er die Steinplatte bereit und griff zum Spaten. Bevor er ihn in die Erde rammte, sah er sich zur Vorsicht noch einmal um. Niemand durfte ihn bei seiner Vorbereitung sehen. Sonst wäre alles schon vorbei, ehe es überhaupt richtig angefangen hätte.
Da er keine Menschenseele sehen konnte, nickte der Mörder zufrieden. Er konnte seinen Plan ungestört in die Tat umsetzen. Für ihn gab es kein schöneres Gefühl auf Erden. Nach so langer Zeit der Planung und Ungeduld fühlte er sich in diesem Moment endlich befreit. Obwohl nun der schwierigste Teil seiner Mission vor ihm lag, fielen ihm mehrere Steine vom Herzen. Das mochte paradox wirken, doch es passte zum arroganten Charakter des Mörders. Er plante seine Schritte immer so genau, dass er schon zu Beginn der Umsetzung siegessicher war. Sobald sein Plan erst einmal stand, ließ er sich durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Er beging keine Fehler, hatte keine Angst vor der Polizei. Er dachte nicht einmal an die Möglichkeit, eines Tages im Gefängnis zu landen. Aus seiner Sicht war das völlig abwegig.
Ein genialer Plan kann gar nicht schiefgehen.
Im trüben Mondschein ließ er den Spaten hinabsausen. Mit voller Wucht bohrte er ihn in die Erde, hob ihn dann an und beförderte die erste Fuhre auf eine der ausgebreiteten Folien. Dabei gab er sich Mühe, nicht allzu viel Lärm zu machen. Immerhin war es möglich, dass ein Nachbar unter Schlaflosigkeit litt oder dass ein verirrter Spaziergänger plötzlich in der Nähe auftauchte. Daher blickte sich der Mörder noch einmal um. Er nahm jeden Fleck genau in Augenschein. Die Büsche. Die Bäume. Die Beete. Erst als er sich vollkommen sicher war, noch immer unbeobachtet zu sein, stieß er den Spaten wieder in die Erde. Er grub immer schneller, begann schon nach kurzer Zeit zu schwitzen. Doch das konnte ihn nicht mehr aufhalten. Er grub sich in einen Rausch. Auch das passte perfekt zu ihm. Hundertprozentige Hingabe. Ganz oder gar nicht.
Nach zwanzig Minuten hielt er inne, wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrachtete sein bisheriges Werk. Etwas enttäuscht setzte er sich auf den Rasen und schüttelte den Kopf. Er hatte sich das Graben einfacher vorgestellt. Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Seine Arme taten ihm bereits weh, doch das Loch war noch nicht einmal einen halben Meter tief. Wenn das so weiterging, würde es mehrere Nächte dauern, um den ersten Schritt seines Plans zu vollenden. Zwar hatte er zeitlich genug Spielraum einkalkuliert, aber seine Kraft würde durch das Graben merklich schwinden.
Komm schon, Junge. Was sein muss, muss sein.
Seufzend raffte er sich wieder auf und faltete die Folien samt Erde zusammen. Dann warf er sie nacheinander über seine Schulter und schlurfte davon. Natürlich hatte er sich schon einen geeigneten Ort ausgeguckt, wo er die Erde sicher abladen konnte. Er würde keine verräterischen Spuren hinterlassen.
Allzu leicht will ich es den Bullen schließlich nicht machen.
Wenig später stand er wieder vor seinem geschaufelten Loch und breitete erneut die Folien aus. Die Steinplatte lag noch an ihrem Platz. Der Spaten wartete auf seinen nächsten Einsatz. Vor ein paar Tagen hatte der Mörder ihn benutzt, um ein Grab zu schaufeln. Diesmal hatte er jedoch eine wichtigere Aufgabe für ihn vorgesehen. Diesmal würde er etwas Größeres graben.
Und etwas Nützlicheres.

Im Kindle-Shop: Racherausch - Der neue Fall für Nora und Tommy

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27. Juli 2015

"Kruento - Der Anführer" von Melissa David

Mord gehört zu Sams Alltag, denn die junge Frau ist Detective bei der New Yorker Polizei. Und so wickelt sie auch ihren neuesten Mordfall routiniert ab - bis sie herausfindet, dass ihr Ex Leyton die Finger im Spiel hat. Während sie ihren Ex beschattet, trifft sie in einem Nachtclub auf den charismatischen Darius. Zu ihm fühlt sie sich auf mysteriöse Weise hingezogen, obwohl sie noch etwas für Leyton empfindet. Als ihre beste Freundin verschwindet, muss Sam alle Hebel in Bewegung setzen, um sie zu finden.

Abermals läuft ihr Darius über den Weg, doch nicht nur er hütet ein düsteres Geheimnis. Auch Leyton scheint ihr gegenüber nicht ganz ehrlich zu sein.

Gleich lesen: Kruento - Der Anführer



Leseprobe:
„Entschuldigung“, hörte sie eine tiefe männliche Stimme, die ihr ein Schaudern über den Körper jagte. Abrupt drehte sie sich um und starrte eine breite, männliche Brust an. Als sie daran hochblickte, sah sie in saphirblaue Augen. Die Welt schien für einen Moment stillzustehen, und Sam hatte das Gefühl, in diesem unglaublich leuchtenden Blau zu versinken. Sie musste sich förmlich zwingen, woanders hinzusehen. Unwillig gestand Sam sich ein, dass sie beim Anblick dieses Mannes weiche Knie bekam. Das war ihr ja noch nie passiert!
„Ich wollte dich nicht anrempeln“, entschuldigte er sich nochmals mit seiner samtweichen Stimme. Der Mann war so groß, dass sie ihren Kopf in den Nacken legen musste, um zu ihm aufzublicken. Die kinnlangen Haare umspielten das ebenmäßige, männliche Gesicht. Er hatte eine gerade Nase und schmale Lippen, die gerade zu einem unwiderstehlichen Lächeln geformt waren. Sam zitterte leicht, als sie mit aller Gewalt ihren Blick von dem Gesicht des Fremden löste und den Rest betrachtete. Er trug ein einfaches, schwarzes T-Shirt, das sich über seine breite Brust und die muskulösen Oberarme spannte. So wie er aussah, konnte er mit jedem Bodybuilder in Boston konkurrieren. Die festen Oberschenkel steckten in einer abgetragenen Jeans. Nur die teure Uhr und die dunkelbraunen Schuhe passten nicht so recht zu diesem legeren Outfit.
„Nichts passiert!“, murmelte sie irritiert und hoffte, dass sie ein Lächeln zustande brachte.
„Darf ich dich als Wiedergutmachung auf einen Drink einladen?“
„Gern“, hörte sie sich antworten, ehe sie darüber nachdenken konnte. Sie erschrak über sich selbst und spürte, wie ihr die Situation Stück für Stück entglitt.
„Ich bin Darius.“
Sam erschauderte leicht, als seine Finger sie berührten und er sie sanft Richtung Bar dirigierte. Jeder Gedanke, die leise warnende Stimme in ihrem Kopf, alles war wie weggeblasen.
„Sam. Ich bin Sam“, stammelte sie leise. Oh Gott, das war doch nicht sie. Mit ihren siebenundzwanzig Jahren hatte sie gedacht, endlich einigermaßen erwachsen zu sein und nicht beim Anblick eines gut aussehenden Mannes gleich in die Verhaltensweisen eines pubertierenden Teenagers zurückzufallen.
„Sam. Ein sehr schöner Name", raunte Darius in ihr Ohr. Beim Klang ihres Namens stellten sich ihre Nackenhaare auf. Er sprach ihn seltsam fremd aus, was ihr gut gefiel.
Sie waren an der Bar angekommen, und Darius bestellte für sie einen Cocktail. Es dauerte nicht lange, bis der Barkeeper fertig war. Sam war dankbar, sich am Glas festhalten zu können, und folgte Darius, der sie zu einer freien Sitzgruppe führte.

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24. Juli 2015

"Feuerhelix" von Ela Feyh

Lucy führt ein entspanntes und manchmal langweiliges Leben als Hexe in einem Forschungsinstitut, bis sie ihrem alten Schulfreund Aaron über den Weg läuft. Dieser versucht mit allen Mitteln seine entführte Schwester zu finden und zwingt Lucy zu halsbrecherischen Einsätzen. Dabei gelangt sie aber nicht nur immer tiefer in Bereiche der Zauberei, welche sie sich geschworen hatte zu meiden, sondern muss sich auch noch gegen Aaron behaupten.

Denn er verschweigt Lucy ein wichtiges Detail, das zum Lösen des Falls unentbehrlich ist: seine wahre Identität.

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Leseprobe:
Vollkommen fertig sackte ich auf dem grauen, schon in die Jahre gekommenen Sofa zusammen, das ich soeben mit Alina – eine meiner neuen Mitbewohnerinnen – ins Wohnzimmer geschleppt hatte. Während ich komplett erschöpft auf dem Sofa lag, tanzte sie schon wieder leichtfüßig zurück in den Flur, als ob sie nur eine Einkaufstüte oder etwas in der Art getragen hätte, um die restlichen Sachen aus dem Laster zu holen. Die unerschöpfliche Ausdauer und Kraft der Frau beneidete ich wirklich – besonders jetzt. Egal wie schwer die Arbeit war, Alina kam nie aus der Puste. Kein Wunder bei ihrem Elfenblut!
»Den kleinen Sessel möchte ich in der Küche haben. Dann muss ich meine Lektüre nicht immer durchs Haus tragen«, rief ich ihr hinterher.
»Kein Problem«, flötete sie fröhlich. »Farblich passt er ohnehin nicht in die gute Stube.« Stimmt, blau passt überhaupt nicht in die türkisgraue Welt hier, dachte ich stirnrunzelnd und massierte meinen schmerzenden Nacken.
»Oh, ihr seid ja fast fertig! Der Fernseher kommt dann gegenüber an die Wand«, bestimmte Eva, meine andere Mitbewohnerin, die aus dem Nichts im Türrahmen erschienen war und das Zimmer musterte. Wo war sie die vergangenen Stunden gewesen? Mitgeholfen hatte sie zumindest kaum, was ich niederträchtig fand. Alina und ich waren ja nicht ihr Hauspersonal!
»Einen anderen Platz gibt’s auch nicht mehr«, merkte ich genervt an, wandte den Blick von der schlanken, hellblond gelockten Frau ab und ebenfalls dem Raum zu. Das eher kleine Wohnzimmer war überfüllt von den Möbeln dreier Personen: Auf meinem Sofa, welches die gesamte Wand rechts neben der Fensterfront in Anspruch nahm und vor dem ein alter Tisch sowie zwei türkisfarbene Sessel standen, saß ich gerade; links von meinem Ungetüm quoll Alinas uraltes Bücherregal bereits vor Büchern und anderen Krimskrams über. Die Elfe stellte gerade den Flachbildschirm auf eine von Eva beigesteuerte Kommode neben der Tür, sodass nur noch die Fensterfront frei von Gegenständen war. Aber dies würde sich auch schnell ändern, wenn ich mein Gemüse davorstellte. Auf Evas Gesichtsausdruck freute ich mich jetzt schon. Grünzeug verabscheute die Frau zutiefst, weswegen sie dennoch mit mir zusammenzog, war ein für mich ungelöstes Rätsel.
»Räumst du mal die Küche auf? Sonst kann ich die restlichen Kartons nicht reinstellen«, rief Alina, deren zierlicher Körper kurz im Türrahmen erschien und sofort wieder verschwand.
»Bin schon dabei!« Dass sie mir nicht einmal eine Pause gönnte! Mir waren im Gegensatz zu ihr keine Superkräfte zu eigen. Seufzend stemmte ich mich vom Sofa hoch und ging in die gleich neben dem Wohnzimmer liegende Küche, an deren Türschwelle ich beinahe über eine Kiste stolperte. Wo kamen die vielen Kartons auf einmal her? Geradeso konnte ich den mit Tüten und Pappkisten beladenen Küchentisch in der Mitte des Kochtempels erkennen – eines der wenigen Mitbringsel meinerseits. Auch die übereck verlaufende Marmorarbeitsplatte an der rechten Wand stand voll mit Kräutertöpfen, Kochutensilien und Verpackungen. Hatte ich das alles so chaotisch abgeladen? Ich sollte wirklich dringend etwas gegen meine Unordentlichkeit unternehmen. Ich war leider schon immer schludrig gewesen, nur bei der Arbeit hielt ich meinen Platz penibel sauber – was blieb mir auch anderes übrig? Eine falsche Zutat, und das ganze Haus könnte in die Luft fliegen!
Nach und nach belud ich die Regale an der linken Wand sowie die Schränke über und unter der Arbeitsplatte, aber die Kisten schienen nicht leerer zu werden.
»Machst du mal was zu essen? Ich hab ’nen Bärenhunger«, fragte Alina, die im Türrahmen erschienen war, zögerlich. Hatte sie Angst, ich könnte Nein sagen? Mir war von Anfang an klar gewesen, dass ich hier den Kochlöffel zu schwingen hatte, was ich auch gerne tat.
»Klar. Was darf’s denn sein?« Ich steckte den Kopf in den Vorratsschrank und anschließend in die Kühl-Gefrierkombination.
»Ich kann dir Nudeln mit Nudeln und Nudeln anbieten.«
»Dann nehm ich die Nudeln, aber davon viel«, lachte sie und musterte die vielen Kisten, wobei sie sich mit der linken Hand durch die kurzen, schwarzen Haare fuhr.
»Wir sollten dringend einkaufen gehen«, bemerkte ich und kramte in einem besonders tiefen Karton nach einem großen Topf.
»Das mach ich morgen früh, bevor wieder alles leer gekauft ist«, antwortete Alina grinsend und verschwand in Richtung ihres Zimmers.

Im Kindle-Shop: Feuerhelix

Mehr über und von Ela Feyh auf ihrer Facebook-Seite.

23. Juli 2015

"Das Schweizer Herz: Die Reise nach Süden" von Enzio Abaeterno

Die im Entstehen begriffene Schweiz erfuhr im September 1515 sehr drastisch, welche Gefahren es mit sich bringen kann, in internationale Allianzen eingebunden zu sein, die sich von heute auf morgen ändern können. Am Beispiel einer Familie in Wassen/Uri erfährt der Leser von den Lebensumständen in dieser Zeit. Den Gotthard benützende Reisende bringen neues Wissen aus entfernten Gegenden bis in das kleine Bergdorf.

Einer der Söhne dieser Familie kommt als Reisläufer bis ins Tessin, nach Mailand, Venedig und Rom. In der Garnison Bellinzona sowie auf Kriegszügen erhält er Einsicht in die politischen Verhältnisse Norditaliens zu einer Zeit, wo selbst Leute wie Machiavelli damit rechneten, aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft könnte eine europäische Großmacht vom Burgund übers Elsass bis zum Bodensee und vom Rhein bis ans Mittelmeer werden.

Gleich lesen: Das Schweizer Herz: Die Reise nach Süden

Leseprobe:
Der Lärm weckte ihn. Das dumpfe, näherkommende Grollen hörte sich für Alois an wie der Rigodon einer auf der Trommel geschlagenen Tagwacht: "Rum-rum-tata-rata-rum-rum-rum", ad libitum wiederholt. Der gleichzeitig aufkommende Wind rüttelte heftig an den Fensterläden. Er blies feinsten Schneestaub ins Innere und heulte durch die Ritzen des Granitdachs. Alois glaubte sogar, die Melodie zu hören, die er auf dem Schweitzerpfeiff zu spielen gelernt hatte.
Mindestens dreimal wiederholte er in Gedanken das Motiv. Darauf folgte unheimliche Ruhe. Die Entschigtal-Lawine war zum Stillstand gekommen. Sie versperrte beide Wege zum Dorfkern von Wassen: jenen, der vom Egghüüssli, dem Wohnhaus der Familie Truttmann, in zahlreichen Kehren hinunterführte, aber insbesondere auch die Gotthardstraße und damit die Talverbindung von der Werkstatt her entlang der Reuß. Sie blieb fortan unpassierbar.
Von unterhalb des Hauses bis in die Gegend der Arbeitsstätte zog sich eine Waldschneise. Es gab auch einen Saumpfad, der sie – seiner vielen Schlaufen wegen – wie die Schlange auf der Abbildung eines Äskulapstabs durchkreuzte. Im Sommer und im Herbst, wenn genügend Laub lag, rutschten die Männer in alten Zwillich-Sennenhosen den Durchhau hinunter. Im Winter und Frühling fuhren sie auf einplätzigen Hornschlitten, die sie abends wieder hinaufschleppen mussten. Darum zogen sie es oft vor, Schneeschaufeln als Untersatz zu verwenden. So wie Alois gezählt hatte, stak diesmal die Lawine immerhin nicht im Steilhang fest. In Jahren, wo solches geschah, warnte man davor, die Talstraße zu begehen, weil jederzeit Schnee, Eis, Holz oder Geröll nachzurutschen drohten.
Das Egghüüssli lag südwestlich über dem Tal, außerhalb des Dorfes, auf einer Wiese am Fuß eines Schutzwaldes. Es schmiegte sich an einen aus einer Halde aufstrebenden Felsen. Der ein Stück weit auf diesem errichtete Dachstock überragte und deckte – außer den umbauten Monolithen – das restliche Gebäude, samt den darunter befindlichen übrigen Hausteilen. Platzverwöhnte Stadtmenschen würden an den niedrigen, aufs Nötigste beschränkten Unterkünften das Beengende bemängelt haben. Aber kleine Räume ließen sich im Winter leichter heizen. Die Sonnenstunden verbrachte die Familie ohnehin die meiste Zeit im Freien.
Wer das Haus von dessen Fuß aus betrachtete, hatte zu ebener Erde vor sich den Ziegenstall. Darüber, nur links im Hang von draußen her erreichbar, gab die Außentür in einen winzigen Vorraum, die Stube und das elterliche Schlafgemach. Auf gleichem Boden, zum Felsen hin, lagen die Küche und der Abort. Eine Innentreppe führte zum Dachstock mit der Kammer der drei Brüder. So hoch im Steilhang genügte es, den Fenstersims zu übersteigen, um direkt auf den Weg zum Meiggelenstock zu gelangen, der bergseits am Egghüüssli vorbeiführte. Die Werkstatt im Talgrund, unweit der Reuß von Alois’ Ahnen gebaut, stand auf einem Landstrich den – wie oben am Berg das Wohnhaus –, Felswände und Bannwald vor Lawinen schützten. Dem Standort unmittelbar an der Gotthardstraße verdankte sie einen Großteil des Zulaufs an Auftraggebern. Diese schätzten Vater Truttmann und seine Söhne wegen ihres vielseitigen Könnens als Holz verarbeitende Handwerker. Ein Steinwurf davon nach Norden entfernt aber lag das Gebiet, wo vom Entschigtal her die Lawine alljährlich niederging. Es reichte bis ans Ufer der Reuß. Der Lawinenkegel aus Schnee, Eis, Felsbrocken, Geröll, Baumstrünken und Fallholz, wo sich vereinzelt auch Tierkadaver, ja tote Menschen fanden, versperrte fortan für Wochen den Weg nach Wassen. Wer dennoch ins Dorf oder talaufwärts Richtung Wattingen und Göschenen gehen wollte, konnte dies nur mühevoll, unter Aufwand zusätzlicher Kräfte und nicht ohne Gefahr.
Erst im Spätfrühling schmolz die Sonne das Hindernis genügend ab, um den Männern der Gegend für ein ungefährdetes Aufräumen Zutritt zu gewähren. Schnee, Eis, Holz und Schutt galt es wegzuführen, einzelne Felsbrocken anzustoßen, damit sie noch gänzlich ins Flussbett hinunterrumpelten. Dann war die Gotthardstraße Richtung Göschenen für Mensch und Tier wieder begehbar. Die im ausapernden Gelände weggeräumten Gesteinsbrocken, das Geschiebe und Fallholz füllten dutzendweise Schlitten oder Fuhrwerke, zweispännige von Ochsen gezogene. Erst auf gesäuberten Wiesen wuchs bis im Juli genügend Gras, um damit Vieh zu sömmern und damit Wildheuen sich lohnte. Nach dem Getöse der niedergehenden Lawine: Totenstille.
Nur die Trommel, das hölzerne, mit zwei Kalbsfellen und einem Hanfseil bespannte Schlaginstrument auf der Truhe am Kopfende von Alois’ Lager, antwortete auf die Wärme- und Feuchtigkeitsunterschiede durch Flüstern: Sie knackte leise und es folgte ein schwaches Singen der Zarge, des Resonanzkörpers.
Ein leichter Luftzug hatte die steile Treppe hinaufgeblasen und der kurze Schimmer einer Kerzenlaterne an der Wand des schmalen Treppenhauses seltsam verzerrte Schatten vertrauter Dinge geworfen. Vater Leonhard Truttmann war ins Freie getreten, um nachzusehen, ob das Haus irgendwelche Schäden aufwies. Das schien nicht der Fall, denn er ging danach seinen üblichen Beschäftigungen nach. Jetzt, im Winter, folgten sich die von den Menschen im Freien verursachten Geräusche selten unmittelbar zusammenhängend: Zwischen dem Zuschlagen der Haus- und dem Knarren der geöffneten Stalltür – gefolgt von kurzem Ziegengemecker – schluckte der Schneeteppich die Schrittgeräusche gänzlich. Erst das aus der Entfernung hörbare Schippen mit der Schaufel vermochte Alois wieder auszumachen. Dann der satte Klang der eiskalten, aber trockenen Holzscheite, die Leonhard unter dem geschützten Vordach zu einer handlichen Bürde schichtete, um sie ins Haus zu tragen. Alois bekreuzigte sich, dankte Gott, der das Egghüüssli einmal mehr beschützt hatte, und Maria Schnee, weil ihre Legende zu den Lieblingsgeschichten seiner Jugend gehörte.
Vater Truttmann klopfte die Holzschuhe aus, ehe er hineinkam und die Scheite zum Herd brachte. Dort schickte er sich an, die Glut mit dürrem Reisig, trockenen Spänen und Föhrenzapfen wieder zu entfachen. Dies heizte den Sitzkachelofen in der guten Stube gleich mit, der ebenfalls von der Küche her befeuert wurde. Das Knistern der auflodernden Flammen und der Geruch des brennenden Holzes verstärkten das Gefühl der sich jetzt verbreitenden wohligen Wärme noch.

Im Kindle-Shop: Das Schweizer Herz: Die Reise nach Süden

Mehr über und von Enzio Abaeterno auf der Website unter Edizioni Heinrich Bergmann.

20. Juli 2015

"Die Inseln" von Peter Caprano

Haben Sie nicht auch schon einmal davon geträumt, wie es wäre, wenn ein großer Unbekannter dafür sorgen würde, daß alle Ihre Wünsche wahr werden? Besonders in Momenten, wo Ihr Leben halb oder ganz aus den Fugen geraten ist?

Genau das passiert dem Protagonisten dieser Erzählung. Erst das mit dem Leben und den Fugen, dann das mit den Wünschen.

Irgendwo da draußen im Nebel liegen die Inseln. Die Inseln, auf denen die Wünsche wahr werden. Ein Paradies? Vielleicht ...

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Leseprobe:
Unten am Strand stand Martin und sah zur Höhle hinauf, zu Dragons Lair. Im Höhleneingang erschien ein riesiger Drachen, schritt zum Rande des Plateaus und streckte seine gewaltigen Flügel. Erschreckend war er in der Präsenz seiner Kraft und Macht, aber gleichzeitig von einer berauschenden Ästhetik. Seine Schuppen schillerten in allen Farben, Muster bildend, die er von alten keltischen Abbildungen kannte. Mit elegantem Schwung hob der Drache ab vom Plateau. Ihn in der Luft zu sehen war ein Erlebnis ohne gleichen. Wenn der Begriff ‚Herrscher der Lüfte‘ auf etwas zutraf, dann auf dieses Wesen. Mit wenigen Flügelschlägen hatte er sich in die Höhe geschraubt, als wolle er sich einen Überblick verschaffen. Klein wie ein Spielzeug kreiste er da oben, ohne dabei etwas von seiner machtvollen Ausstrahlung zu verlieren. Jetzt kippte er über einen Flügel ab und schoss wie ein Pfeil nach unten, direkt auf Martin zu.
Merkwürdigerweise spürte der dabei keine Spur von Angst. Mit einem kurzen Ausbreiten der Flügel stoppte der Drache ab und landete sanft am Strand, direkt vor Martin. Der gewaltige Kopf beugte sich herab und die goldenen Augen fixierten ihn. Diese Augen schauten direkt in Martins Seele, direkt in sein Herz.
Minutenlang standen sie sich so gegenüber und dann geschah etwas Merkwürdiges. Der Hals des Drachens streckte sich und für den Bruchteil einer Sekunde legte er seinen Kopf an Martins Wange. Dann, als sei er selbst erschrocken darüber, zuckte der Drache zurück, schwang sich in die Lüfte und verschwand im Nebel vor dem Kap.

Martin schoss aus dem Schlaf hoch, saß senkrecht im Bett, fasste mit der Hand an seine Wange, spürte immer noch die zarte Berührung des Drachens. Hatte er das wirklich geträumt?

Im Kindle-Shop: Die Inseln

Mehr über und von Peter Caprano auf seiner Website.

"Das Leben und Sterben der Antonia Larcius" von Ulla Schmid

Als Stefanos und Aglaia, griechische Mediziner im alten Rom, zu einer Todkranken gerufen werden, ahnen Sie nicht, in welche gefährlichen Verstrickungen sie alsbald geraten sollten. Ist Antonia Larcius ein weiteres Opfer der in Rom grassierenden Seuche oder steckt mehr dahinter? Stefanos und Aglaia sind davon überzeugt, dass die Senatorengattin ermordet wurde und machen sich daran, den Mörder zu finden.

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Leseprobe:
Doch zunächst einmal sollte alles ganz anders kommen. Es hatte den Anschein von Harmlosigkeit, als Stefanos, seine Arztkollegen und Aglaia zu Kranken mit Magenverstimmungen gerufen wurden. Die Kranken klagten über Übelkeit, Magenkrämpfe, Brechen und Durchfall. Dann waren mehrere Menschen, die nicht sehr widerstandsfähig und robust waren oder auch nur zu lange gewartet hatten, bis sie den Arzt geholt hatten, der Krankheit erlegen. Aus den Einzelfällen wurde bald eine Epidemie, da die Krankheit ansteckend war. Mangelnde Hygiene war der Grund für den Ausbruch der Krankheit. In den ärmeren Vierteln Roms warfen die Bewohner ihren Abfall einfach aus dem Fenster und ziemlich oft gelangte der Inhalt des Nachttopfes in den Tiber, aus dem wiederum das Trinkwasser gewonnen wurde.
Die Epidemie machte auch bei den reichen Bürgern Roms nicht halt und Stefanos und Aglaia wurden zu Antonia und Julius Larcius gerufen. Antonia lebte noch, aber sie konnten sie nicht mehr retten. Dieser sterbende Mensch glich in nichts mehr der schönen Senatorengattin. Sie waren von Julius, der sehr besorgt war, zu ihr gerufen worden. Antonia hatte die normal-üblichen Symptome der Magen-Darmverstimmung, die in Rom schon mehrere Menschen das Leben gekostet hatte. Sie krümmte sich und kotzte sich die Seele aus dem Leib mit gleichzeitigem blutigem Durchfall, was bei Stefanos und Aglaia auch zu Brechreiz führte. In dem Sterbezimmer stank es bestialisch. Dabei waren sie doch solche Dinge gewohnt. Sie bemerkten nicht gleich, dass bei Antonia etwas anders war als bei den anderen Patienten, zu denen sie gerufen worden waren. Das rührte auch daher, dass sie müde, leer und ausgebrannt waren. Antonia röchelte nur noch und aus ihrem Gemurmel konnte niemand schlau werden. Die Kranken, zu denen sie gerufen worden waren, hatten zwar Durchfall, aber keinen blutigen.

Im Kindle-Shop: Das Leben und Sterben der Antonia Larcius

Mehr über und von Ulla Schmid auf ihrer Website.

17. Juli 2015

"Unvollkommen Glücklich" von Katja Kramer

Vier Paare, drei Liebesgeschichten, eine Familie.

Nach dem Mauerfall begegnet die sanfte Luise dem wohlhabenden, aber verbittert wirkenden Tom und versucht mit Geduld und Leidenschaft, sein Vertrauen zu gewinnen. Doch beide verschweigen Geschehnisse ihrer Vergangenheit voreinander, und als Luise auf das Geheimnis seiner Familie stößt, hat das auch Folgen für ihr eigenes Leben.

Die offene Marit verliebt sich in Toms selbstbewussten Sohn Paul, der zwar gern mit ihr zusammen ist, sich aber keine Freundin im Rollstuhl vorstellen kann. Er sieht sie eher als perfekte Frau für seinen besten Freund: Den zurückhaltenden Michael, querschnittgelähmt und wie Marit trotzdem fest im Leben stehend.

Jette, das fröhliche Nesthäkchen der Familie, verliebt sich in Michael, als sie ihn während ihrer Studienzeit wiedertrifft. Doch kann diese Liebe überhaupt Bestand haben?

Drei Generationen einer Familie, die sich alle auf ihre Weise mit den körperlichen Einschränkungen eines der jeweiligen Partner auseinandersetzen und ihr Glück suchen.

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Leseprobe:
Luise hielt ihm die Haustür auf, neben der sein BMW parkte. Sie atmete die kühle Luft ein, die ihr einen klaren Kopf bescherte, bevor sie ihm die Tasche reichte.
Er räusperte sich. »Verraten Sie mir, wie Sie den Abend verbringen werden?«
Sie überlegte, ob sie ihn anlügen, ihm von einer tollen Party oder einem Mann erzählen sollte, der bereits an einem gedeckten Tisch auf sie wartete. »Ich glaube, ich lege mich ins Bett und lese noch ein paar Seiten in einem guten Buch.«
»Klingt ein bisschen einsam, finden Sie nicht?«
»Sie arbeiten sicher noch.« Luise zeigte auf seine Tasche, die wie üblich von einer teuren Marke war.
Tom öffnete die Beifahrertür, um sie auf den Sitz zu stellen. »Kennen Sie das Gefühl der Einsamkeit?« Er wandte seinen Blick wieder zu ihr.
Sein Gesicht lag im Schatten der Laterne auf dem Hof, und sie bemühte sich vergeblich, in seinem Gesicht zu deuten, ob er dieses Gefühl kannte. »Nein«, erwiderte sie schließlich.
»Sie sind eine schlechte Lügnerin, Luise. Und danke, dass Sie mir die Tasche getragen haben.«
Sie erschrak über den ernsten Ton in seiner Stimme.
Luise stand noch immer auf demselben Fleck, obwohl der schwarze BMW den Hof längst verlassen hatte. Ja, sie war eine miserable Lügnerin, schon seit ihrer Kindheit. Unvermittelt tauchte sie in eine Erinnerung ein und sah sich selbst als junges Mädchen, wie sie im Schlafzimmer ihrer Großeltern mit Herzklopfen das knarrende Schubfach der Holzkommode aufzog und sich zwei Schokoladenriegel nahm, zwei von der Sorte, die es nur in diesem Geschäft in Berlin gab, dessen angenehm süßlicher Seifengeruch ihr noch heute in der Nase hing. Einen schenkte sie Ferdinand, dem Sohn des Pförtners im Werk ihres Großvaters, weil er sie auf dem Weg zur Schule immer auf dem Gepäckträger seines Fahrrads sitzen ließ. Ihre Oma schenkte ihr die Schokolade gern nach einer guten Zensur oder wenn Luise wieder der alten Zielinski vorgelesen hatte. Die grimmig dreinschauende Frau war die Deutschlehrerin ihrer Mutter gewesen, doch seitdem die Demenz ihr Gehirn erobert hatte, saß sie nur noch auf der Bank vor ihrem Haus, um den lieben langen Tag die Bushaltestelle gegenüber anzustarren. Luise bedauerte sie, weil das furchtbar langweilig sein musste, schließlich fuhr der Bus nur einmal in der Stunde. So hatte sie damit begonnen, ihr zwischen zwei Bussen aus ihren Kinder- und Jugendbüchern vorzulesen. Jedes Mal, wenn sie das tat, strich sich die alte Frau mit den Händen über ihre geblümte Kittelschürze und ihre Mundwinkel hoben sich, ein Gesichtsausdruck, der wie eingefroren noch weitere zwei Busse anhielt. Fuhr ein Fahrradfahrer mit einer scheppernden Milchkanne oder eine Dorfbewohnerin mit einem vollen Einkaufsnetz an ihnen vorbei, nickten sie Luise anerkennend zu oder legten ihr einen Bonbon auf den Schulranzen.
Jedenfalls hatte ihre Mutter sie wegen der Schokoriegel zur Rede gestellt, und wenn Luise nicht gestottert und ihr die Röte nicht ins Gesicht geschossen wäre, hätte ihre Großmutter ganz sicher geglaubt, sich verzählt zu haben. So hatte sie als Kind beschlossen, nur noch im Notfall zu lügen und nie wieder zu stehlen, denn der Eindruck der knusprigen Waffelstücke in der zartschmelzenden Schokolade war viel schneller verblasst als die einen Tag andauernde Enttäuschung ihrer Großmutter. Nur sich selbst belog sie erfolgreich, zumindest was einen Menschen betraf, aber an den wollte sie jetzt unter keinen Umständen denken.

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14. Juli 2015

"Mein Ideengarten: Wie Sie als Autor das kreative Chaos für sich arbeiten lassen" von Christine Spindler

Ideen lauern immer und überall, doch sie sind so flüchtig wie Pusteblumen in einem Sommersturm. Zudem weiß man nie, ob eine Idee, die im Moment unbrauchbar erscheint und die man einfach weiterwehen lässt, später nicht doch als Grundlage für ein solides kreatives Gewächs herausstellen könnte. Aber soll man wirklich alles aufheben? Und wie denn nur, ohne jegliche Übersicht zu verlieren?

Der Ideengarten ist eine bewährte Methode, die Autoren hilft, alle Einfälle auf unkomplizierte Art so zu archivieren, dass sie im Verborgenen heranreifen und bei Bedarf jederzeit geerntet werden können.

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Leseprobe:
Der Stoff, aus dem Geschichten sind

Ideen landen nicht nur aus heiterem Himmel bei uns, sondern entstehen oft als Nebenprodukte, wenn wir an etwas arbeiten. Diese Ideen sind dann besonders schwer festzuhalten, weil wir sie automatisch aussortieren – sie passen ja nicht zu dem Projekt, das gerade unsere volle Aufmerksamkeit beansprucht.
Die meisten Romane entstehen nicht linear und schon gar nicht in einem schönen, gleichmäßigen Schreibfluss. Sie wachsen organisch, zusammengestoppelt aus vielen kleinen Denkansätzen und winzigen Inspirationsfetzen, die allmählich zu einer Einheit verschmelzen.
Manchmal sind die Personen zuerst da, manchmal ist die Handlung der Einstieg, oft von allem ein bisschen. Eine Idee führt zur anderen, die neue Idee verändert den Ursprungsgedanken, manche Ansätze führen in die Irre … es ist sehr spannend, aber zuweilen auch extrem verwirrend.
Und so entstehen auch Ideen, die nicht passen und die darum als wertlos empfunden werden. Im Gehirn eines kreativ arbeitenden Menschen herrscht oft ein Wildwuchs, der jeden Gärtner verzweifeln lassen würde.
Auch diese Wildwuchs-Ideen sollten unbedingt schnell und ohne viel Aufhebens archiviert werden, ohne dass dabei der Arbeitsfluss am aktuellen Projekt verloren geht. Hier zeigt der Ideengarten, was für eine wertvolle Hilfe er in jeder Schaffensphase ist.

Im Kindle-Shop: Mein Ideengarten: Wie Sie als Autor das kreative Chaos für sich arbeiten lassen

Mehr über und von Christine Spindler auf ihrer Website.

13. Juli 2015

"Gottessöhne" von Tyra Reeves

Kate Wilson, eine junge Frau von 26 Jahren, will in der Großstadt New York ihren Traum von der Karriere als Malerin verwirklichen. Doch wie so oft im Leben, ist der Weg zum Ziel voller Steine und sie wird gezwungen einen langweiligen Bürojob anzunehmen. Das Leben erscheint ihr hohl und sinnlos, bis eines Tages ein bemerkenswert gut aussehender Mann in ihr Leben tritt. Von nun an ist nichts mehr wie bisher. Kate wird in einen uralten Kampf zwischen den Mächten der Dunkelheit und des Lichts, der seinen Ursprung in den antiken Zeiten der Bibel hat, hinein gezogen.

Ihre Willensstärke und ihre junge Liebe zu dem schönen Fremden werden auf eine harte Probe gestellt.

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Leseprobe:
Sie wusste nicht, wo sie sich befand, und zu allem Überdruss konnte sie sich nicht bewegen. Riemen, die sie an eine harte Unterlage fesselten, schnürten sich in ihre Oberarme und Schienbeine. Ihre Hände strichen über eine kalte und glatte Oberfläche. Es fühlte sich wie Stein an. Ja, Stein, wie kühler, polierter Marmor. Anscheinend lag sie auf einer marmornen Platte.
Sie öffnete die Augen und sah nichts außer: Grau. Undurchdringlicher Nebel hüllte sie ein. Sie drehte den Kopf nach rechts und links, doch der graue Dunst gab ihren Blick nur für einen Meter frei. Dann hob sie ihren Kopf, und sah an sich herunter. Es war genauso, wie sie vermutet hatte. Sie war mit ledernen Riemen an Armen und Beinen auf einer dunklen Marmorplatte gefesselt. Gefesselt wie ein Opfertier, das auf das todbringende Ritualmesser wartet.
Etwas eisig Kaltes kroch ihr linkes Schienbein hinauf. Was war das? Eine Schlange? Sie begann an ihren Fesseln zu zerren, ihr Oberkörper wollte sich aufbäumen, doch die Lederriemen gaben keinen Millimeter nach. Das kalte Unbekannte schob sich weiter hinauf, hinauf bis zu ihrem ungeschützten Schoß. Voller Ekel und Panik schrie sie auf, als das eisige Etwas in sie eindrang und von ihrem Unterleib Besitz nahm.
Ein Blitz schoss vom Himmel auf die Erde hinab, gefolgt von tiefem Donnergrollen. Alles um sie herum erzitterte. Mit lautem Knirschen und Dröhnen zerbrach die steinerne Platte unter ihr und sie war frei.
Der Nebel löste sich auf. Um sie herum standen dicht an dicht Laubbäume, deren Blätter sich im Wind hin und her wiegten, als wollten diese sie tiefer in den Wald hinein locken. Unter ihren Füßen spürte sie Gras und der Waldboden gab bei jedem ihrer Schritte federnd nach.
Ein Lichtstrahl, der sich seinen Weg durch das dichte Grün der Bäume bahnte, erregte ihre Aufmerksamkeit. Dort, ein paar Meter vor ihr, auf einem auf dem Boden liegenden Baumstamm, wurde hell das Sonnenlicht reflektiert. Irgendetwas lag da.
Neugierig näherte sie sich dem Baum und erblickte darauf ein Schwert. Um die dunkle Lederscheide war eine silberne Kette, in Form einer Schlange, geschlungen. Die roten Steinaugen des Reptils schienen sie verschwörerisch anzufunkeln und neben dem Schlangenkopf lag ein metallenes Amulett: ein Hexagramm in dessen Mitte ein Ziegenkopf, mit gedrehten Hörnern und spitzem Maul, prangte. Ihr Blick wanderte hinauf, zu dem Griff des Schwertes. Dort ruhte ein fein gearbeitetes Schmuckstück in Form eines Engels, dessen gezücktes Schwert direkt auf den Kopf der Schlange zielte.
Um sie herum herrschte Totenstille. Der Wind hatte sich gelegt. Die Äste und Blätter der Bäume waren wie zu Eis erstarrt.
Aus weiter Ferne ertönte ein undefinierbares Grollen. Es hörte sich an, als würden Steine über den belaubten Waldboden gerollt, die sich immer näher auf sie zu bewegten. Das Geräusch wurde lauter und lauter.
»Guten Morgen, Sie hören die Sieben-Uhr-Nachrichten. Wir möchten, dass sie heute gut in den Tag kommen. Und denken Sie immer an mein Motto: Vergib Deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen…«

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Mehr über und von Tyra Reeves auf ihrer Website zum Buch.