27. Mai 2019

'Humboldt und der weiße Tod' von Jana Thiem

Kindle | Tolino
Endlich Feiertag! Kriminalhauptkommissar Humboldt freut sich darauf, am Tag der Deutschen Einheit in der Sächsischen Schweiz klettern zu gehen. Weit kommt er allerdings nicht, denn eine Tote am Elbufer in der Nähe des Blauen Wunders macht seine Pläne zunichte. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denkt er. Doch auch daraus wird nichts, da wenig später zwei Frauen als vermisst gemeldet werden.

Je tiefer Humboldt in den Fall einsteigt, umso klarer wird ihm, dass sich der Mörder seine Opfer ganz gezielt ausgesucht hat. Und dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Notgedrungen geht er einem Tipp der lästigen Boulevard-Journalistin Christin Weißenburg nach, die ihm durch ihre eigenwillige Recherche wieder einmal einen Schritt voraus zu sein scheint. Doch dann verschwindet die nächste junge Frau und das Motiv des Entführers wird für Humboldt immer rätselhafter.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Donnerstag, 3. Oktober, frühmorgens
Was hätte es doch für ein schöner Feiertag werden können. Wäre da nicht diese Frau. Tot. Von der Elbe an Land gespült. Seufzend schaute Kriminalhauptkommissar Humboldt von der Leiche auf. Irgendetwas irritierte ihn. Er trat einen Schritt zurück, heraus aus dem Morast am Elbufer. Sein Blick glitt über das Elbwasser flussaufwärts. Wo kam diese Frau her? Oberflächlich gab es keinen Hinweis. War sie hier in den Büschen direkt neben dem Anleger der DLRG nur hängen geblieben und weiter oben in die Elbe gestürzt? Und warum glaubte er, dass sie nicht gestoßen wurde? Humboldt sah zum gegenüberliegenden Ufer und dann weiter die Elbe entlang. Am Blauen Wunder blieb er hängen. Im Wirrwarr der Streben der Loschwitzer Brücke verhedderten sich seine Gedanken.
»Die lag nicht lange im Wasser.« Die Stimme von Gerichtsmediziner Dr. Lorenz Richter holte ihn in die Wirklichkeit zurück. »Nach bisherigen Erkenntnissen ist sie aber auch nicht hier gestorben.«
Humboldt schaute Richter an. Die dunkle, eckige Brille passte hervorragend zu seinem kantigen Charakter, dachte er und stimmte sich innerlich auf Richters regelmäßiges Frage-Antwort-Spiel ein.
»Gestorben?«, hakte Humboldt nach. »Also gibt es doch eine natürliche Todesursache?«
»Nicht so voreilig. Dazu muss ich die junge Dame natürlich etwas gründlicher unter die Lupe nehmen.« Richter zog Humboldt dichter an die Leiche heran. »Jetzt schau sie dir doch einmal ganz genau an. Fällt dir nichts auf?«
Humboldt hasste dieses Rätselraten, und Richter genoss es jedes Mal aufs Neue. Humboldt ging in die Hocke, um sich die Tote noch näher zu betrachten. Immer wieder wunderte er sich, dass ihm der typische Würgereiz, mit dem manche seiner Kollegen zu kämpfen hatten, erspart blieb. »Hm, sie war wohl mal eine sehr hübsche Frau. Und nun ist sie ... ertrunken?«
Richter räusperte sich kurz, was Humboldt aufsehen ließ. »Jedenfalls konntest du auf den ersten Blick keine äußeren Gewalteinflüsse feststellen. Also kann sie doch einfach ins Wasser ...«, Humboldt stockte. Erneut verwirrte ihn der Anblick der jungen Frau. Wasserleiche? Hätte er sie heute Morgen am Straßenrand oder im Großen Garten gefunden, er wäre niemals auf Tod durch Ertrinken gekommen. Ganz im Gegenteil. Ihre Wangen waren eingefallen, und die Schlüsselbeine traten durch den dünnen Stoff ihrer Bluse stark hervor. Der Verwesungsprozess war zwar schon fortgeschritten, aber die typischen Merkmale einer Wasserleiche fehlten. Sie sah weder aufgedunsen aus noch hatte sich eine Waschhaut gebildet. Also das war es. »Tja, ich würde sagen, sie sieht eher aus, als wäre sie verhungert. Kann es denn sein, dass sie hier nur abgelegt wurde?«
Richter zuckte nachdenklich die Schultern. Da Humboldt die Rätselprüfung bestanden hatte, wandte sich Richter wieder leise murmelnd der Leiche zu. Wer es jetzt wagte, ihn anzusprechen, stand selbst kurz davor, auf seinem Seziertisch zu landen.
Beim Einsatzwagen, der ein Stück weiter auf dem Radweg stand, entdeckte Humboldt seine Kollegen Marc Vierhaus und Lara König. Er hätte sie gar nicht sehen müssen, so unüberhörbar rasselten sie wieder einmal verbal aneinander. Seitdem bekannt war, dass die nächste Leistungsbeurteilung anstand, lagen die beiden in ständigem Wettstreit um die Beförderung zum Polizeikommissar.
Humboldt hielt kurz inne und überlegte, ob er sich zuerst den Fundort näher anschauen sollte. Zu spät.
Mit langen Schritten legte Lara König den kurzen Weg bis zum Flussufer über die immer noch saftig grüne, abschüssige Wiese zurück. »Dieser ach so schlaue Möchtegernkommissar hat den Zeugen Schubert gehen lassen.«
»Ich habe doch sämtliche Daten und seine Aussage zu Protokoll genommen. Und ich weiß, wo er hin wollte«, verteidigte sich Marc Vierhaus schon von Weitem.
»Und wenn er gelogen hat?« Lara König schoss die Worte in seine Richtung ab. Mit einem spöttischen Lächeln drehte sie sich wieder Humboldt zu.
Seufzend dachte dieser an die Klettertour, die er heute eigentlich mit seinem Freund Toni in der Sächsischen Schweiz hatte machen wollen. Es sollte ein schöner Abschluss einer kurzen Klettersaison werden. Humboldt mochte die Winterkletterei nicht. Den Ehrgeiz, der erste Gipfelstürmer an Neujahr zu sein, besaß er nicht. Bevor er sich Silvester auf einen eisigen Felsen hockte und darauf wartete, sich mit steif gefrorenen Fingern in das Gipfelbuch einzutragen, genoss er lieber mit Freunden einen guten Rotwein. Gestern hatten sie noch beratschlagt, auf welchen Felsen sie heute gehen würden. Toni wollte endlich einen Weg mit der Schwierigkeit VIII vorsteigen. Aber Humboldt hatte eher Lust auf einen schönen Weg. Der Schusterweg am Falkenstein war zwar ein Weg mit mehreren Seillängen und daher eine ganz schöne Schinderei, aber man wurde mit einem Wahnsinnsblick belohnt. Außerdem brachte es Glück, wenn man an die Nase eines gewissen Herrn Schuster, dessen Gesicht als Relief in den Felsen gehauen worden war, fasste und ihn freundlich grüßte. Wehmütig blickte Humboldt kurz in den blauen Himmel. »Okay. Wer ist Zeuge Schubert? Und wo ist er jetzt?«
Marc Vierhaus legte die letzten Meter vom Einsatzwagen kommend im Laufschritt zurück. »Henning Schubert hat die Leiche gefunden und die Polizei gerufen. Er war gerade bei seiner allmorgendlichen Joggingrunde. Da jetzt aber die Laktatmessung ansteht, habe ich ihn gehen lassen. Er ist im Sportinstitut von Dr. Wiesinger.«
»Sportinstitut? Das ist doch auf der anderen Seite der Elbe, oder?« Humboldt überlegte und drehte sich Richtung Blaues Wunder.
»Ja, genau. Henning Schubert, also der Zeuge, bereitet sich gerade auf seinen ersten Marathon vor. Wenn Sie über das Blaue Wunder fahren, müsste es gleich an der ersten Kreuzung links in den Körnerweg gehen.« Er zeigte zur Brücke.
»Müsste? Ich denke, du weißt, wo sich der Zeuge aufhält?«, mischte sich Lara König wieder ein.
Marc Vierhaus ignorierte sie.
»Er bereitet sich im Sportinstitut auf einen Marathon vor? Ich dachte immer, das wäre eine Klinik, und da würden nur die hingehen, die die Strapazen eines Marathons schon hinter sich und jetzt mit den Folgen zu kämpfen haben.« Humboldt schüttelte skeptisch den Kopf. Er sah noch einmal zum Elbufer. Die Sonne stand mittlerweile schon ziemlich hoch am Himmel. Das bunte Herbstlaub der vereinzelt stehenden Bäume zeichnete sich kontrastreich vom blauen Himmel ab. Richter war noch immer mit dem Leichnam beschäftigt. Die Kollegen vom Erkennungsdienst gingen ebenfalls ihren Pflichten nach. Hier konnte er im Moment nicht viel ausrichten.
»Vierhaus, Sie bleiben hier, bis die Spurensicherung fertig ist. Schauen Sie sich in der Zwischenzeit bei der DLRG und dem Kanuverein um.« Humboldt zeigte zu einem langen Gebäude, das an den Radweg angrenzte. »Vielleicht hat dort jemand etwas gesehen oder gehört. Das Übliche eben. Lara und ich fahren rüber zum Institut von diesem ...?« Humboldt versuchte, sich an den Namen des Klinikchefs zu erinnern.
»Dr. Stefan Wiesinger«, half ihm Marc Vierhaus auf die Sprünge.
»Richtig, Wiesinger. Alles klar? Wir treffen uns später im Kommissariat.« Damit nickte Humboldt Lara König zu. Auf dem Weg zu seinem Auto drehte er sich noch einmal um.
»Und Marc! Das nächste Mal bleibt der Zeuge vor Ort. Und wenn er eine Audienz beim Landeschef persönlich hätte. Ist das klar?«
Marc Vierhaus grummelte ein paar unverständliche Worte, nickte aber zähneknirschend in Humboldts Richtung. Das Grinsen auf Lara Königs Gesicht blieb ihm nicht verborgen.

Im Kindle-Shop: Humboldt und der weiße Tod (Kriminalhauptkommissar Humboldt 1).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Jana Thiem auf ihrer Website.



24. Mai 2019

'Amy - Das phantastische Geheimnis meiner Schwester' von Marit Bernson

Kindle (unlimited)
Leon liebt seine kleine Schwester Amy von ganzem Herzen. Aber irgendetwas an ihr ist merkwürdig. Sie spricht mit Tieren und hat einen geheimnisvollen Einfluss auf ihre Eltern.

Gemeinsam mit seinen Freunden Thea und Finn versucht er, dem Geheimnis um Amy auf die Spur zu kommen. Doch ihre Nachforschungen bringen Amy in Gefahr. Denn es hat einen Grund, dass sie bei Leons Eltern lebt.

Weitere Bücher von Marit Bernson auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Wir saßen in Theas Zimmer. Sie hatte einen Stapel Bücher auf ihrem Bett liegen. Aber die Bücherregale, mit denen ihr Zimmer überfüllt war, waren randvoll. Die Bücher waren also wahrscheinlich neu. So sahen sie auch aus. Als ich sie mir anschaute, fiel mir auf, dass sie alle dasselbe Thema hatten: Sagen- und Märchengestalten, mystische Wesen, Aliens.
„Was liest du denn da?“, fragte ich.
Thea saß an ihrem Laptop, den sie auf all die Bücher und Zettel auf ihrem Schreibtisch gestellt hatte, und bereitete alles dafür vor, Finns Video darauf anzusehen.
„Was?“, fragte sie. „Wieso?“ Sie sah zu den Büchern. „Ach so. Ich will nur wissen, ob es zumindest in der mystischen Welt eine Erklärung für das gibt, was gestern passiert ist.“
„Und wieso Bücher?“, fragte Finn. Er zeigte auf Theas Laptop. „Du hast doch den da?“
„Bücher sind einfach Bücher“, erwiderte Thea. „Ich kann was markieren, Lesezeichen anbringen oder Notizzettel.“
Finn verdrehte die Augen. „Und?“, fragte er.
„Ich hab bisher nichts gefunden. Allerdings habe ich auch noch nicht alles gelesen.“
Finn nahm das oberste Buch vom Bettstapel. Es hieß: „Sie sind unter uns“. Er las den Kurzinhalt. „Hey, hier geht es ja um Außerirdische.“ Er drehte sich zu Thea. „Glaubst du, Amy ist eine Außerirdische?“
Thea zuckte mit den Schultern. „Zumindest schließe ich es nicht aus.“
„Aliens planen eine Invasion, indem sie uns kleine, niedliche Mädchen schicken?“ Finn lachte und wippte seine Brille auf der Nase.
„Ach! Was weiß ich denn?!“ Thea sah Finn mit ihrem Wutgesicht an. „Es gibt zumindest in der Literatur Geschichten über Außerirdische, die ihre Kinder zu uns schicken, damit sie bei uns leben. Allerdings bemerkt man davon nichts.“
„Was?“, rief ich. „Was für Geschichten?“
„Ausgedachte Geschichten vermutlich.“ Thea seufzte. „Ich will einfach nur nichts ausschließen.“ Sie sah wieder zu Finn. „Wenigstens tue ich irgendwas.“
„Meine Mutter hat mir nicht erlaubt, noch was am Video zu machen. Sonst hätte ich es getan.“ Finn sah mich an. „Wirklich. Aber sie war echt sauer, weil ich fast zu spät zum Abendessen gekommen bin. Das hasst sie.“
Ich nickte. „Wer weiß, ob wir darauf überhaupt was Neues sehen.“ Ich sah Thea an. „Meinst du, wir entdecken noch etwas, was uns weiterbringt?“
„Wer weiß?“ Thea setzte ihr genervtes Gesicht auf. „Vielleicht steht ja auf einmal in Großbuchstaben ‚Vogelhypnotiseurin‘ über ihrem Kopf, und man kann es nur auf dem Video sehen.“
Ich lachte. „Oder ‚Elternhypnotiseurin‘.“
Thea und Finn lachten jetzt auch.
„Irgendwie wäre es doch voll cool, wenn sie eine Außerirdische wäre“, sagte Finn. „Dann könnten ihre echten Eltern uns in ihrem Raumschiff mitnehmen.“
Ich musste zugeben, dass das wirklich cool klang.
Finn nahm das nächste Buch. „Urbane Mythen“ hieß es. „Was heißt denn urban?“
Ich hob die Schultern. Das Wort hatte ich noch nie gehört.
„Städtisch“, erwiderte Thea. „In dem Buch geht es um Wesen, die mitten unter uns leben.“
„So wie Vampire?“ Finn grinste. „Vielleicht ist sie ein Vampir. Die können doch auch andere beeinflussen.“
Thea schnaubte. „Ja, liest man immer wieder, dass Vampire Vögel dazu bringen, mit ihnen zu musizieren.“
„Dann eben ein Gestaltwandler oder so was“, sagte Finn. „Hauptsache irgendein Monster!“
Thea riss ihm das Buch aus der Hand, packte die anderen Bücher zusammen und stopfte sie in ihren Schrank. „Genug jetzt“, sagte sie. „Ich lese allein. Wenn ich etwas herausbekommen habe, gebe ich euch Bescheid.“
Finn nutzte die Gelegenheit, sich Theas Notizblock zu schnappen, der auf dem Schreibtisch lag.
„Was soll das bedeuten?“ Er hielt das Buch hoch, auf dem in schwarzen Druckbuchstaben „Projekt A.M.Y.“ stand.
Thea stöhnte. „Irgendwie musste ich es ja nennen. Ich hab noch mehr Notizbücher.“
„A M Y?“ Finn grinste. „Die Abkürzung für Alien, Monster, Yeti?“
Thea verzog den Mund zu einem schmalen Strich. „Gib es her!“, sagte sie langsam, als ob Finn schwer von Begriff wäre, und Finn gehorchte.
Er warf mir ein Grinsen zu, während Thea wieder an ihrem Laptop herumfummelte und endlich das Video startete.
Zu dritt sahen wir zu, wie Amy ihren Gesang anstimmte.
„Das sind ein paar Hundert Vögel“, sagte Thea. „Und seht mal! Da auf dem Dach sitzen auch welche.“
Auf einmal stoppte sie das Video. „Was war denn das?“
„Hä?“, machte Finn.
„Was?“, fragte ich.
Thea fuhr das Video ein Stück zurück, startete es wieder und zeigte auf etwas. Sie vergrößerte den Ausschnitt und ließ die Stelle noch einmal ablaufen.
Man konnte die Kirschlorbeerhecke auf der gegenüberliegenden Seite zu den anderen Nachbarn hin in Großaufnahme sehen. Und da waren eindeutig drei kleine Igel zu erkennen.
Ich starrte auf das Bild. „Wippen die etwa mit ihren Köpfen?“
„Sieht so aus“, sagte Thea und schüttelte wieder den Kopf.
„Das ist ja wie bei Schneewittchen“, rief ich und verzog das Gesicht.
„Ha“, sagte Finn. „Ich weiß, was du meinst. Meine kleine Schwester guckt so was auch. Am Ende ist Amy eine schmalzige Disneyprinzessin.“
Thea lachte. „Das findet ihr dann nicht so cool?“
Finn und ich schüttelten beide den Kopf. „Vögel herbeirufen und sie machen lassen, was man will, das ist cool“, sagte ich, und Finn nickte. „Aber Disneyprinzessinnen sind nun wirklich Mädchenkram.“
Thea sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.
„Kleinmädchenkram“, ergänzte ich schnell.
„Schlimm genug, dass wir wissen, was Disneyprinzessinnen sind“, sagte Finn. „Ein Junge sollte so etwas nicht wissen.“
Thea schüttelte den Kopf und schaute wieder auf das Video.
Wir entdeckten noch zwei Hasen, die aussahen, als würden sie dirigieren, und fünf Mäuse, die eindeutig tanzten.
„Oh, Mann“, murrte Finn. „Wo hast du mich hier bloß reingezogen?“
„Nun hab dich nicht so!“, sagte Thea. „Ist doch nicht schlimm.“
„Ach ja?“, rief Finn. „Und was glaubst du, wer in dieser Geschichte der Scheißprinz sein wird. Da komme ja leider nur ich in Frage.“
„Hey!“, rief ich. „Das ist meine Schwester.“
Thea lachte. „Ich denke, wenn Amy einen Prinzen brauchen würde, dann wäre es erst in ein paar Jahren. Und außerdem müsste es ein echter sein.“ Sie sah Finn von oben bis unten an.
Finn blickte mich finster durch seine braune Hornbrille an. „Wie meint sie das?“
„Nun hört doch auf, euch zu streiten“, rief ich. „Was machen wir jetzt?“
Thea stand auf. „Leon, du bringst mir alles, was du über Amy findest – Babybilder, Fotoalben, Dokumente. Vielleicht entdecken wir da was.“

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23. Mai 2019

'Den Brautstrauß kriegst DU nicht (Happy Days 1)' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
HAPPY DAYS
»Ich möchte doch einfach nur heiraten.« Fenja wird vor ihrer Hochzeit mit Valentin mächtig gebeutelt. Statt Freude und Zustimmung macht Fenja die Erfahrung, dass die Probleme von völlig unerwarteter Seite heranrauschen.

Ihre Mutter und auch die angehende Schwiegermutter wollen heftig bei der Organisation des Hochzeitsfestes mitmischen. Wie erleichternd, dass ihre Brautjungfern Yasmin, Paula und Melly immer wieder für glückliche Stunden sorgen. Sie helfen bei der Suche nach ihrem Traum-Brautkleid, sprühen vor guten Ideen und organisieren eine prächtige Bridal Shower. Allerdings sind die drei Mädels noch Single und jede von ihnen möchte natürlich den heiß begehrten Brautstrauß schnappen.

Weitere Bücher von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
»Ihr dürft mir gratulieren«, Fenja strahlte ihre beiden langjährigen Freundinnen begeistert an und hob ihr Glas Prosecco. »Valentin und ...«
Aber ehe sie den Grund nennen konnte, platzte Paula bereits vor Neugier mitten in ihr Statement.
»Ui, was ist passiert? Hast du eine Gehaltserhöhung bekommen oder ein neues Auto gekauft oder im Lotto gewonnen?«
»Mensch, Paula! Du gibst ihr ja gar keine Gelegenheit, etwas zu sagen!« Yasmin bedachte sie mit einem bösen Blick.
Fenja räusperte sich. »Valentin und ich ... also, wir werden heiraten.«
Für den Bruchteil einer Sekunde war es still am Tisch, dann schnatterten die Freundinnen zeitgleich los.
»Hey«, rief Fenja lachend, »lasst uns darauf anstoßen!«
Die Gläser erklangen hell, als wollten auch sie die Braut in spe beglückwünschen.
Kaum war der erste Schluck getrunken, musste Paula alles lückenlos wissen. »Berichte, wie hat er dir den Heiratsantrag gemacht?«
»So lange seid ihr doch noch gar nicht zusammen!« Der Einwand kam von der stets zur Vorsicht neigenden Yasmin. Ihre schönen dunklen Augen waren kugelrund geworden.
Fenja sah sich gleich zur Rechtfertigung veranlasst. »Ich kenne ihn schon fünf Jahre, elf Monate sind wir jetzt ein Paar und seit vier Monaten haben wir unsere gemeinsame Wohnung.«
Paula zuckte mit den Schultern. »Als wenn das von Bedeutung wäre! Valentin ist schließlich eine blendende Partie! Da würde keine Nein sagen.«
Fenjas Lächeln erlosch. Hatte sie das richtig verstanden? »Warum sagst du das? Das hört sich an, als klebten an jedem seiner Finger zehn Freundinnen und ich hätte im Lostopf gehangen wie beim Bachelor. Und er hat mich genommen, nachdem er alle anderen ausgetestet hat oder einige davon freiwillig aufgegeben haben.« Sie strich sich energisch eine blonde Haarsträhne hinters Ohr.
»Quatsch! Ich meinte nur, er sei ein Schnäppchen«, eierte Paula rum.
»Wie bist du denn drauf? Er hat sich mir nicht wie Sauerbier angeboten und ich mich ihm auch nicht!« Fenja stellte entrüstet das Glas auf den Tisch. Ein bisschen zu heftig, sodass etwas Prosecco überschwappte. »Oh ...«
»So hab ich das doch gar nicht gemeint!« Paula blickte ein wenig ratlos. »Ich, also ...«
Yasmin beendete die unglückseligen Äußerungen ihrer Freundin. »Paula wollte sagen, er ist total nett und sieht obendrein noch toll aus. Und jetzt schieß los, wir sind super neugierig! Du bist die Erste von uns, die es geschafft hat.«

Tatsächlich war Fenja die Allererste der langjährigen Freundinnen, die einen Antrag bekommen hatte – und das ausgerechnet von einem Mann mit bestens gefülltem Konto. Valentin von Sellbach gehörte einer bekannten Unternehmerfamilie an, die mit einer Hotelkette ein Vermögen erwirtschaftet hatte.
Er selbst hatte nach dem Studium in verschiedenen Hotels gearbeitet, um dort fremde Geschäftsluft zu schnuppern und Erfahrungen zu sammeln. Nun führte er mit seiner Mutter gemeinsam die Geschäfte, denn sein Vater hatte sich nach zwei Herzinfarkten vom operativen Geschäft zurückgezogen.
Tatsache jedoch war, dass Mama intern das Regiment mit einem Zwölf-Stunden-Tag fest in den Händen hielt. Das tat sie nicht nur im Beruflichen, auch im Privaten war Carlotta von Sellbach Dreh- und Angelpunkt der Hotelier-Familie. Das hatte Fenja gleich bei der Verkündigung ihrer Verlobung erfahren.
»Mein Kind, sei herzlich willkommen in unserer Familie.« Sie hatte die Braut ihres Sohnes in die Arme genommen, jedoch so, dass ihre kostbare Seidenbluse sowie ihre Frisur nicht gequetscht wurden, ihr Küsschen rechts und links auf die Wangen gehaucht und hinzugesetzt: »Es erwarten dich in Zukunft vielfältige Aufgaben. Wir schauen, welche Funktionen einer Juniorchefin, die fünf Sprachen fließend spricht, würdig sind.«
»Aber ich bin sehr zufrieden mit meinem Job als Empfangsmitarbeiterin.«
»Fenja, es ist kein Job! Ein Job ist, wenn du irgendwo Kisten ausräumst. Front Office Agent heißt, du bist die erste Person, mit denen Gäste Kontakt aufnehmen und somit das Aushängeschild unseres Hotels. Der allererste Eindruck ist der entscheidende und durch nichts zu ersetzen. Das machst du bereits hervorragend. Es ist trotzdem notwendig, die Dinge ein wenig zu modifizieren.«
Damit war für ihre Schwiegermutter in spe die Angelegenheit erst einmal erledigt.

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'Abgehackt: Team Gran Canaria' von Drea Summer

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ein brutaler Serienmörder sucht die Urlaubsinsel Gran Canaria heim. Binnen kürzester Zeit werden die Leichen eines Obdachlosen und einer Fitnesstrainerin aufgefunden. Beide sind auf furchtbare Art und Weise verstümmelt worden. Die Ermittler der Polizei stehen vor einem Rätsel. Gibt es eine Verbindung zwischen den Opfern? Wo wird der Täter als Nächstes zuschlagen?

Unterdessen werden Sven und Jenny, seit Kurzem als Privatdetektive tätig, von einem nahen Verwandten eines der Opfer beauftragt, ebenfalls nach dem Mörder zu suchen. Doch je tiefer sie graben, umso mehr bringen sich die beiden selbst in tödliche Gefahr.

Leseprobe:
1
»Heute werde ich dich holen«, flüsterte ich. Endlich kehrte Finsternis ins Haus ein. Die notwendige Ruhe, die ich für meinen Besuch brauchte. Ich kauerte schon seit Sonnenuntergang hinter der großen Staude. Das Haus hatte ich keine Sekunde aus den Augen gelassen. Ich hatte alle notwendigen Utensilien mittags in den Rucksack gepackt, den ich nun auf meinen Schultern trug.
Ich musste es heute tun. Heute war die Nacht der Nächte, die Nacht der Abrechnung. Du hast es nicht anders verdient. Du wirst das bekommen, was dir zusteht.
Leise schlich ich hinter dem Gebüsch hervor. Wie auf Samtpfoten näherte ich mich dem Haus. Ich drehte mich in alle Richtungen, da ich keine Überraschungsgäste gebrauchen konnte.
Das Versteck des Notfallschlüssels war schnell gefunden. Erst vor Kurzem hatte ich im Fernsehen eine Reportage gesehen, dass dieser in den meisten Fällen im Umkreis von drei Metern von der Haustür versteckt war. Wie einfallslos das doch war – unter dem Blumentrog, der eine Armlänge neben dem Eingang hing. Wieso lässt man den Schlüssel nicht gleich von außen stecken?, fragte ich mich noch, als ich aufsperrte. Ich hielt den Atem an und hoffte, dass kein Knirschen oder Knarren mein Eintreten verraten würde. Lautlos öffnete sich die Tür. Erleichtert atmete ich aus und setzte einen Fuß ins Innere. Der Geruch von Orange und Zimt kroch in meine Nase.
»Nichts sehen«, murmelte ich. Genau diese Worte werde ich dir ins Ohr flüstern. Sie werden sich tief in deine Synapsen einbrennen. Ganz leise und langsam werde ich es immer und immer wiederholen, bis du deinen letzten Atemzug gemacht hast. Und ich werde jede Sekunde genießen. Du wirst mich ansehen, als wäre ich ein Geist. Kein Flehen wird dich vor dem beschützen, was ich mit dir vorhabe. Du wirst genauso leiden, wie ich gelitten habe. Du bist schuld daran. Nur du. Du hast dich dazu entschieden.
Mein Herzschlag verlangsamte sich, als ich die Treppe hinaufschlich. All die Nervosität war schlagartig wie weggeblasen. Meine Gedanken kreisten nur noch um uns beide. Und darum, was gleich passieren würde. Schritt für Schritt näherte ich mich dem Schlafzimmer. Leise Atemgeräusche drangen in den Flur. Noch schläfst du tief und fest in deinem warmen, wohligen Bett. Träumst von dem unbeschwerten Leben, das du führst. Ich legte meine Hand auf den Türknauf.
Doch bevor ich die Tür öffnen konnte, überkam mich wieder der Zorn, der tief in mir loderte. Ich war enttäuscht. Diesen Moment der Ausführung hatte ich mir spannender vorgestellt. Als ich den Plan vor wenigen Wochen ausgeklügelt hatte, hatte mein ganzer Körper zu zittern angefangen, und das Flügelschlagen in meinem Bauch war deutlich zu spüren gewesen. Diese Last war endlich von mir abgefallen, und die Vorfreude hatte mich jauchzen lassen. Aber jetzt, kurz vor der Umsetzung, nichts, rein gar nichts. Ich hoffte darauf, dass wenigstens ein Anflug von Nervosität einsetzte, sobald ich die Tür öffnen würde.

2
Sven öffnete seine verschlafenen Augen. Seine rechte Seite fühlte sich an, als würde sie nicht zu seinem Körper gehören. Wahrscheinlich hatte er einfach zu lange darauf gelegen. Ein eigenartiges Klicken ganz in seiner Nähe hatte sein Hirn dazu gezwungen, die Tiefschlafphase zu beenden und nach dem Rechten zu sehen. Das fahle Mondlicht, das ins Schlafzimmer schien, zeichnete die Konturen des Eindringlings an die Wand. Sven traute seinen Augen kaum und hielt es im ersten Moment für einen Traum, doch der Schatten beugte sich vornüber. Da ertönte neben Sven schon ein schriller Schrei von Jenny. Ruckartig versuchte er, sich aufzusetzen und auf den Einbrecher loszustürmen, doch sein Körper lag da wie in Stein gemeißelt.
»Sven, hilf mir!«, schrie Jenny noch, bevor ihre Stimme brach. Er spürte ihre Hand, die sich auf seinem Rücken festkrallte, aber langsam die Kraft verlor, bis sie losließ. Kälte strömte auf seinen Körper ein, da die Bettdecke zur Seite geschlagen wurde.
Er wollte etwas auf ihre Worte erwidern, allerdings bekam er keinen Ton heraus. Was war bloß mit seinem Körper los? Wieso konnte er sich nicht bewegen und nichts sagen? Waren ihm Drogen verabreicht worden?
Aus dem einen Schatten an der Wand wurden zwei. Dieses Arschloch zerrt Jenny aus dem Bett. Der Geruch von Chloroform stieg ihm in die Nase und kroch hinauf in sein Gehirn. Das Schwein hatte Jenny betäubt.
Verschwinde, lass sie in Ruhe, befahl sein Hirn hinauszuschreien, doch es kamen keinerlei Worte über seine Lippen. Nichts an Svens Körper bewegte sich, außer seinen Augen, die an der Wand mitverfolgen konnten, was sich hinter seinem Rücken für grausame Taten abspielten. Er hörte ein dumpfes Geräusch. Etwas war zu Boden gefallen. Der Unbekannte hatte Jenny aus dem Bett geworfen und zog sie an den Oberarmen über den Boden. Gleich würde Sven die beiden sehen. Er richtete seinen Blick auf die Schlafzimmertür. Sein Geist war bereit. Dann würde er angreifen wie ein wilder Tiger, der Hunger hatte.
Er sah die dunkle Gestalt, die vornübergebeugt seine Freundin hinter sich herschleifte. Der Mond schien heller als zuvor, und er konnte direkt in das Gesicht des Einbrechers blicken. Die Haut war komplett weiß, und auf der Nase prangte ein roter Ball. Der Mund war in stechendem Rot zu einem Lachen aufgemalt. Ein Clown, durchfuhr es ihn. Gerade ein Clown wollte sie entführen. Sie hasste Clowns. Als Kind, so hatte sie ihm erzählt, hatte sie schreckliche Angst vor diesen schaurigen Gestalten gehabt. Nun sah Sven auch das Bündel, das sich regungslos von dem Täter aus dem Zimmer zerren ließ. Jennys Kopf war nach vorne geneigt und wippte von rechts nach links.
Was Sven dann erblickte, holte ihn endlich aus seiner Schockstarre, und ihm entfuhr ein gellender Schrei, der jedes Glas zum Zerbersten bringen würde. Das Adrenalin schoss durch seine Adern, und endlich schaffte er es, sich im Bett aufzurichten. Da spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Sofort aktivierten sich die Verteidigungsmechanismen in seinem Körper. Der Kampf um Jenny konnte beginnen. Niemals würde er sie aufgeben und diesem Kerl überlassen.

3
Cecilia Sanchez Pérez wunderte sich heute Morgen über das abrupte Aufbrechen ihres Mannes. Normalerweise nahmen die beiden ihr Frühstück immer gemeinsam ein. Pünktlich um halb acht standen die dampfenden Kaffeetassen auf dem Tisch. Er war eben ein echter Deutscher, der auf Recht und Ordnung bestand. Alles musste immer genau nach Plan laufen und seinen geordneten Gang nehmen. Schon seit dem ersten Kennenlernen, vor mehr als zwanzig Jahren, wusste Cecilia, dass sie es mit Horst nicht leicht haben würde. Er war eben ein spießiger Langweiler, ganz das Gegenteil zu ihrer spanischen Mentalität. Doch heute hatte er sich seltsam benommen. Sie seufzte, als sie allein am Küchentisch saß und ihren Kaffee trank. Sie schaute durch die Glasfront nach draußen und hatte einen wundervollen Blick über das gesamte San Agustín, das sich unter ihrem Haus in seiner vollen Schönheit präsentierte. Gerade eben war die Sonne aufgegangen, und das Licht spiegelte sich orangefarben im Meer wider. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es kurz vor acht war. Sie hatte noch massig Zeit, bis der erste Klient des Tages ihre Praxis betreten würde.
Da hörte sie bereits den Schlüssel im Schloss und war froh, als Maria Momente später zu ihr in die Küche trat. Seit mehr als fünf Jahren kam sie jeden Tag pünktlich zur Arbeit, kochte, putzte und pflegte Cecilias Vater, der nach einem Schlaganfall mehr oder minder in seinem Bett dahinvegetierte und darauf wartete, dass Gott ihn endlich zu sich holte.
Was würde sie bloß ohne Maria machen? Dieses freundliche Wesen mit dem Aussehen einer echten spanischen Mutter und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Cecilia wollte sich auf keinen Fall um ihren Vater kümmern, vermutlich hätte sie ihm ins Gesicht gespuckt. Doch angesichts der Tatsache, dass ihr Mann Horst nichts von dieser Geschichte in ihrer Jugend wusste, hatte sie den Vorschlag von ihm nicht ablehnen können, nach dem Tod ihrer Mutter vor knapp sechs Jahren wieder nach Gran Canaria zu ziehen. Zu groß war ihre Furcht vor dem, was passierte, wenn Horst die Wahrheit erfahren würde.
So waren sie mit Sack und Pack hierhergezogen. »Familie geht über alles. Blut ist dicker als Wasser«, hatte Horst damals gesagt, als er die Entscheidung, auf der Insel zu wohnen und ihren Vater zu sich zu holen, wie selbstverständlich getroffen hatte.
Maria war bereits durch die Balkontür verschwunden und stieg die Außentreppe hinunter in den Keller, den Horst für ihren Vater hatte umbauen lassen. Zwar hatte er nicht verstanden, warum er nicht bei ihnen oben im Haus wohnen konnte – Platz wäre doch genug gewesen –, ließ sich aber dann doch zu einem Umbau der Kellerwohnung überreden.
Durch einen Luftzug schwang die Balkontür wieder auf, und Meeresluft strömte in das Innere des Hauses. Cecilia strich ihre kinnlangen schwarzen Haare aus dem Gesicht. Wie gebannt starrte sie durch die Glasfront und war in Gedanken versunken. Zurück in ihrer Studienzeit, in der sie weit weg von dieser Insel war: in Leipzig auf dem Sofa ihrer Psychiaterin. Sie war die Einzige, die die Wahrheit kannte. Die ganze grausame Geschichte, wie es sich zugetragen hatte. Die Worte der Psychiaterin hallten heute noch in Cecilias Kopf. »Erst der Tod des Peinigers wird dir auch deinen Schmerz nehmen. Und du wirst endlich loslassen können.« Warum will ich bloß an diese Worte glauben, wenn sie doch nicht wahr sind?
In diesem Moment klingelte ihr Telefon und riss sie aus ihren Erinnerungen. Eine Benachrichtigung von Facebook wurde angezeigt. Um sich von ihren düsteren Gedanken abzulenken, tippte sie auf das Display und öffnete die App. Die Seite ›Info Gran Canaria‹ erschien sogleich auf ihrem Bildschirm, und sie las den Artikel:
›Heute in den frühen Morgenstunden wurde von Spaziergängern eine weibliche Leiche am Strand von Playa del Inglés gefunden. Wie auch bei dem Leichenfund vor drei Tagen wurden der Frau die Füße und Hände sowie der Kopf abgetrennt. Inspektor Carlos Muñoz Díaz war heute zu einer kurzen Stellungnahme bereit. Wie er uns berichtete, handelt es sich bei dieser Frau vermutlich um Victoria Garcia Ruíz. Die rechtsmedizinische Identifizierung wird in den kommenden Stunden für Klarheit sorgen. Victoria Garcia Ruíz wurde vor drei Tagen aus ihrem Haus entführt. Wir haben bereits darüber berichtet. Inspektor Muñoz Díaz geht mittlerweile von einem Serienverbrecher aus, der auf der Kanareninsel sein Unwesen treibt. Die neuesten Ermittlungen zu dem toten Mann, der vor drei Tagen an den Strand von Maspalomas gespült wurde und dort für Aufsehen gesorgt hatte, haben ergeben, dass es sich hierbei um den siebenundsechzigjährigen Obdachlosen Helge Larsen, einen gebürtigen Norweger, handelt. Über die Hintergründe der Taten wollte der Inspektor noch nichts Näheres bekannt geben. Allerdings bittet er die Bevölkerung um Mithilfe. Sollte Ihnen in Ihrer Nachbarschaft etwas Merkwürdiges auffallen oder aufgefallen sein, verständigen Sie bitte sofort die Polizei unter dem Notruf 112.‹
Jetzt war Cecilia klar, warum ihr Mann heute früh so schnell das Haus verlassen hatte. Dieser Artikel war von Horst verfasst worden. Schließlich war er einer der beiden Redakteure dieser Informationsseite. Ein Serienkiller auf Gran Canaria, der anscheinend nur eine kurze Abkühlphase hatte. Was für ein Albtraum!
Der Name der Frau ließ ihr die Haare zu Berge stehen. Konnte es sich wirklich um …? Aber das war doch nicht möglich. Wer hätte sie denn ermorden sollen? Und dann noch auf so eine bestialische Art und Weise? Cecilia starrte noch immer auf den Bildschirm ihres Handys, der in der Zwischenzeit schwarz geworden war. Sie musste heute ihre Praxis früher verlassen, um Horst über weitere Einzelheiten auszufragen. Dieser Fall interessierte sie persönlich sowie auch als Psychologin brennend. Schon einige Male war sie bereits in Deutschland wegen ihrer fundierten Kenntnisse für die Erstellung von Täterprofilen hinzugezogen worden. Somit könnte sie vielleicht auch hier helfen.

Im Kindle-Shop: Abgehackt: Team Gran Canaria.
Mehr über und von Drea Summer auf ihrer Facebook-Seite.



22. Mai 2019

'Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters 2' von Olivièr Declear

Kindle unlimited | Taschenbuch
Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Adelsintrigen ist der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Leseprobe:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

Im Kindle-Shop: Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters.
Mehr über und von Olivièr Declear auf seiner Amazon-Autorenseite.



'Mordsherz: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited)
Band 3 der Reihe ‚Anders und Stern ermitteln‘

Wie ein Orkan fegt die Nachricht durch St. Peter-Ording: Buchhändlerin Magdalene Paulsen sitzt auf der Aussichtsdüne Maleens Knoll – tot, in der Hand ein zerbrochenes Lebkuchenherz.

Kürzlich erst hatte die Endfünfzigerin im Lotto gewonnen. Nun suchte sie auch privat das späte große Glück. Hat Magdalene zu viel gewollt? Ist es ein Zufall, dass sie auf der sagenumwobenen Düne starb? Der Aussichtspunkt ist nach einer Namensvetterin benannt, die dort einst vergeblich auf ihren Liebsten wartete.

Tammo Anders und Fenna Stern sind sicher: Der Mord hat mit Geld oder Liebe zu tun. Die Suche im engsten Umfeld der Toten erweist sich als schwierig. Doch dann stellen die Ermittler dem Täter eine Falle.

Weitere Bücher von Ulrike Busch auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Bis zum Sonnenuntergang dauerte es nicht mehr lange. Der Wind legte sich und diese seltsame Stille trat ein, die sich an Sommerabenden über Strand und Meer ausbreitete, als bedeckte jemand die Seelandschaft mit einer unsichtbaren Hülle, um sie zu schützen.
Hanne nahm Abschied von dem friedlichen Anblick. In gleichmäßigen Schritten marschierte sie zur Seebrücke und dann über dieses hölzerne Konstrukt, das sich scheinbar endlos lang dahinzog, zurück in den Ort.
Ihr Fahrrad wartete an einem der Ständer vor dem Blumenladen auf sie. Sie löste das Schloss, schwang sich in den Sattel und fuhr los.
Es ließ ihr keine Ruhe. Auf der Fahrt zu ihrer Wohnung machte sie einen Umweg zum Haus von Magdalene. Brennende Neugier war es, die sie dorthin trieb.
Lene hatte ein Haus gemietet, das einer Frau gehörte, die aus Sankt Peter-Ording stammte, aber seit Jahren in Düsseldorf lebte. Es lag jenseits der Landstraße, die den Ort der Länge nach in zwei Bereiche teilte – einen, der zur Seeseite hin lag, und einen, der zum Landesinneren hin ausgerichtet war und der an weite Felder und Wiesen grenzte. Das Haus war von einem üppigen Garten umgeben. Magdalene hatte die Natur geliebt.
Auch Falk und seine Frau wohnten in dieser Gegend. Ob Magdalene sich deshalb ein Haus auf dieser Seite des Dorfes gesucht hatte? Hatte der Wunsch, ihm nahe zu sein, über die Jahrzehnte hinweg nie nachgelassen?
Hanne brachte das Rad zum Stehen.
Vor der Gartenpforte des Hauses lagen Blumengebinde verstreut. Brennende Kerzen standen dazwischen. Grablichter mit eingebrannten Motiven – fliegenden Tauben, die einen Palmzweig im Schnabel trugen. Zeichen der Anteilnahme von Menschen, die um Magdalene trauerten.
Ein Gedanke gab Hanne einen Stich ins Herz. Wie wäre das, wenn sie selbst gestorben wäre? Würden die Bewohner von Sankt Peter-Ording auch für sie Blumen hinterlassen und Kerzen anzünden?
Unschlüssig stand Hanne da, die Hände auf dem Lenker, einen Fuß auf den Boden gestemmt, den anderen auf dem Pedal. So verharrte sie eine Weile.
Plötzlich spürte sie einen Krampf in der Wade. Sie stieg vom Rad und dehnte das Bein. Als der Muskel sich entspannte, hob sie sich wieder auf den Sattel und fuhr zum Blumenladen zurück.
Sie stellte einen Strauß aus Lilien, blauem Limonium und weißen Nelken zusammen. Dazu wählte sie Blätter der Schildblume und etwas Lederfarn. Zum Schluss entschied sie sich noch für eine blaue Distel. Sie legte die Pflanzen auf dem Tresen ab, schaltete das Radio ein, damit es nicht so unheimlich still im Ladenlokal war, und begann, den Strauß zu binden.
Das fertige Gebinde hielt sie mit ausgestrecktem Arm in die Luft und betrachtete es.
Ihr Blick wanderte weiter zum Fenster.
Ob Magdalene sehen konnte, was sie für sie tat?
Die Sonne war untergegangen, und die Dunkelheit brach ein. Es wurde Zeit, sich auf den Weg zu machen. Sie notierte, welche Pflanzen sie entnommen hatte. Das Geld für den Strauß würde sie morgen in die Kasse legen. Sie schloss den Laden wieder ab, deponierte das Blumengebinde im Fahrradkorb auf dem Gepäckträger und machte sich erneut auf zu Magdalenes Haus.
Die Straße lag gespenstisch ruhig da.
Hanne summte vor sich hin und lachte über sich selbst. Es war ihr, als versuchte sie, Geister zu verscheuchen, die schemenhaft sichtbar um sie herum tanzten. Dunst stieg über den Feldern auf, wie sie bei fortschreitender Dunkelheit erkennen konnte. Und wer wusste schon, welche Seelen sich dahinter verbargen?
Sie würde sich nicht lange aufhalten. Mit eingezogenem Kopf hielt sie vor Magdalenes Haus an und lehnte das Rad gegen den Gartenzaun. Sie hob den Strauß aus dem Fahrradkorb. Vorsichtig wickelte sie ihn aus dem Papier und legte ihn ab.
Er war unter all den Gebinden, die dort lagen das schönste. Sie schob die anderen Sträuße etwas beiseite, legte ihre Blumen in die Mitte und ordnete einige Kerzen so an, dass sie die Blüten erleuchteten.
Ein bewegender Anblick.
Sie faltete die Hände. Was würde sie zu Magdalene sagen, wenn sie wüsste, dass die verstorbene Freundin sie hören konnte?
Hanne schrak zusammen.
Ein schwacher Lichtschein fiel durch ein Fenster im oberen Stockwerk und streifte den Gehweg. Wie der Schein eines Leuchtturms war er aufgetaucht und nach wenigen Sekunden wieder verschwunden.
Sie drückte die Hand auf die Brust.
Da, wieder ein Licht, wieder nur für zwei Sekunden. Galt das ihr? Sie blickte sich um. Das Feld gegenüber dem Haus lag völlig im Dunkeln. Etwas raschelte in den Sträuchern, die die Grenze zur Straße markierten.
In Panik griff Hanne nach dem Fahrradlenker. Sie schob das Rad auf die Straße und blickte noch einmal in das obere Stockwerk von Magdalenes Haus.
Plötzlich erhellte der Lichtstrahl für einen Moment ein Gesicht hinter dem Fenster. Das war doch ... Satan!
Sie rettete sich auf den Sattel und trat in die Pedale, als ginge es um ihr Leben.

Im Kindle-Shop: Mordsherz: Nordseekrimi (Anders und Stern ermitteln 3).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



21. Mai 2019

'Die Geldstrategin oder Wie Sie binnen 80 Wochen mehr Geld verdienen' von Lisa Faustbrandt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Was spannend wie ein Roman beginnt, entwickelt sich im Laufe des Buches zu einem Paket konkreter Konzepte direkt aus der Praxis. Sie können diese fertigen Schritt-für-Schritt-Anleitungen sofort anwenden oder mit deren Hilfe Ihre eigenen Pläne Realität werden lassen.

Unabhängig davon, an welchem Wendepunkt Sie sich gerade befinden, können Sie Ihre m Leben eine neue finanzielle Richtung geben. Im Buch geht es nicht um 135 *Ideen* oder 37 *Tipps* wie Sie mehr Geld verdienen. Nein. Es geht ganz klar um sieben authentische, komplett fertige Konzepte direkt aus der Praxis (offline und/oder online).

Sie werden Details erfahren, wie zum Beispiel:
Wie Sie offline 1500 Euro bis 2500 Euro monatlich verdienen können.
Wie Sie 150 Euro bis 300 Euro pro Auftrag erhalten. Monatlich wiederkehrend.
Welche Tätigkeiten Ihnen absolute Ortsunabhängigkeit ermöglichen.
Welche Schritte Sie gehen müssen, um sich ein passives Einkommen aufzubauen.
Sie lernen Instrumente kennen, welche Ihnen jede Tätigkeit erleichtern.
Was Sie tun können, um 300 Euro bis 9000 Euro monatlich zu verdienen.
Warum Ihr Hobby Ihnen dabei helfen kann, Geld zu verdienen.
Welche Tätigkeiten auch für Mütter mit kleinen Kindern besonders geeignet sind.
Und viele andere Details.

Jedes Konzept ist ausführlich beschrieben. So lernen Sie jeden einzelnen Schritt kennen, mit dem Sie beginnen müssen. Sie erfahren, worauf Sie achten sollten und wo Sie Unterstützung bekommen. Der Ratgeber zeigt Ihnen, wie Ihre Tätigkeit im Einzelnen aussehen wird. Sie werden schnell erkennen, wann Sie sich gegen oder für ein bestimmtes Konzept entscheiden sollten, weil die Vor- und Nachteile übersichtlich dargestellt sind.

Das Besondere an dem Ratgeber?
Eine authentische Geschichte begleitet Sie während der gesamten Lektüre. Diese Abschnitte zeigen Ihnen, dass zwischen Theorie und Praxis oft große Unterschiede liegen können und dass es sich auch lohnt, ungewöhnliche Umwege einzuschlagen, um eigene Ziele zu erreichen. Sie werden hier Inspirationen bezüglich Organisation, Startpunkt und Ideenfindung sammeln und sehen, dass es viele Wege gibt, seinem Leben eine neue finanzielle Richtung zu geben.

Für wen ist das Buch geeignet?
Für alle Personen, welche gerade an einem Wendepunkt stehen und ihre finanzielle Situation &ändern möchten oder müssen. Vor allem Frauen werden sich hier angesprochen fühlen, denn in der authentischen Geschichte spielen sie die Hauptrolle. Aber natürlich können auch Männer alle Konzepte eins zu eins umsetzen.

Der Ratgeber ist auch dann genau richtig für Sie, wenn Sie Ihr eigenes Projekt planen, welches nur noch gestartet werden muss und Sie noch den letzten Funken Inspiration benötigen. Gerade die authentische Geschichte zeigt einen ungewöhnlichen und doch gangbaren Weg, an seiner Idee festzuhalten und bis zum eigentlichen Ziel durchzuhalten.

Leseprobe:
„Ich lasse mich nie wieder von jemandem herumkommandieren und schon gar nicht von einem zweiten Siebertstein entlassen“, ergänzte sie.
„Aber die Krise!“ Diana konnte es nicht fassen, dass ihre Freundin ein solches Risiko gerade jetzt eingehen wollte. „Magdalena, nimm eine feste Anstellung. Du bist doch gut. Du findest einen neuen Job. Das ist sicherer. Warte auf bessere Zeiten und mache dich dann selbständig“, Diana versuchte ihre Freundin zur Vernunft zu bringen.
„Es gibt sie nicht … die besseren Zeiten“, Magdalena machte eine kurze Pause. „Weißt du noch im vierten Semester? Wir waren in der Mensa. Diana, wir hatten tausend Pläne. Wir wollten die Welt verändern. Ein freies Leben leben. Wir wollten es anders machen und nicht morgens mit dem Wecker aufstehen, zur Arbeit rennen und abends wieder todmüde ins Bett fallen. Wir wollten frei sein und uns die Welt ansehen und“, Magdalena sah sich schon durch die Welt jetten. 5-Sterne-Hotels, kilometerlange Strände am Toten Meer, Schnee bedeckte Zedernbäume in Sibirien, mit dem Rucksack im Orientexpress.
„Magdalena, wir waren 20!“, rief Diana sie auf den Boden der Realität zurück.
„Richtig! Und heute, 20 Jahre später, gehe ich den Weg der anderen. Ich habe meine Träume begraben“, Magdalenas Entscheidung stand fest, das war klar. So leicht ließ sie sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Eine schlaflose Nacht lag hinter ihr. Niemand sollte je die Möglichkeit haben, sie, Magdalena Fabig, wie BUNT ohne R, zu entlassen und so über ihr Leben zu entscheiden.
„Lasst Träume wahr werden! Auf dein neues Leben, Kleines!“ Klara erhob ihr Glas Rose und entspannte die etwas hitzige Diskussion der beiden. Sie war 57 und stand vor ein paar Jahren selbst vor dem Nichts. Ihr Chef meldete die Insolvenz an. Damals mit 50+ war sie zu jung für die Rente und zu alt für den Arbeitsmarkt. Niemand wollte ein altes Eisen wie sie im Büro haben. Lange, junge Beine waren mehr wert als eine lange Erfahrungslatte. Klara musste damals den Sprung ins kalte Wasser wagen. Sie begann ganz neu in einer ihr fremden Branche. Und sie schaffte es. Als erfolgreiche Geschäftsfrau ging sie durchs Leben. Ein Einmannunternehmen, das Großes schaffte.

Im Kindle-Shop: Die Geldstrategin oder Wie Sie binnen 80 Wochen mehr Geld verdienen.



'Die Nacht ist unser: Schatten der Vergangenheit' von Maria Spotlight

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Habt ihr auch schon von ihnen gehört? Den schaurigen Geschichten über die lautlosen Killer in der Nacht, welche sich auf unhörbaren Schritten ihren Opfern nähern, um von deren Blut zu kosten. Oder die Bestien, welche bei Vollmond zu riesigen Wölfen werden und in ihrer Gier ganze Schafherden reißen.

Das Wissen über sie reicht auf eine Münze und so gut wie niemand weiß, woher sie stammten und weshalb sie die Zeiten bis heute überdauern konnten. Um eine Geschichte zu verstehen, muss man ihren Ursprung kennen. So beginnt die Geschichte um die Entstehung der drei Klans; die Vampire, die Werwölfe und die Hexen, welche Hand in Hand ihr gemeinsames Reich schaffen. Und dann wird sie geboren. In einer stürmischen Nacht erblickt Larissa das Licht der Welt, das einzige Mischwesen aus Vampir und Werwolf, ausgestattet mit den Kräften einer Hexe. Zwischen dem alltäglichen Wahnsinn muss Larissa nicht nur ihre wahre Gestalt verborgen halten, sondern auch kämpfen, denn dunkle Wolken sind über den Klans heraufgezogen. Mehr und mehr wird ihr bewusst, dass der Klan der Hexen, und somit ihr Anführer Klaus, ein falsches Spiel spielen. Kann Larissa, gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden, die Verschwörung rechtzeitig stoppen oder ist die Bedrohung schon zu sehr vorangeschritten?

Tauchen Sie ein in eine düstere Welt, voll Fantasie, Spannung und Abenteuer, der Suche nach der großen Liebe, aber auch Machtspielen, Verrat, herben Rückschlägen und bitteren Enttäuschungen.

Leseprobe:
Von den Anfängen
Habt ihr auch schon von ihnen gehört? Den schaurigen Geschichten über die lautlosen Killer in der Nacht, welche sich auf unhörbaren Schritten ihren Opfern nähern, um von deren Blut zu kosten. Oder die Bestien, welche bei Vollmond zu riesigen Wölfen werden und in ihrer Gier ganze Schafherden reißen. Das Wissen über sie reicht auf eine Münze und so gut wie niemand weiß, woher sie stammten und weshalb sie die Zeiten bis heute überdauern konnten. Um eine Geschichte zu verstehen, muss man ihren Ursprung kennen. Achthundert vor Christus wandelten zwei riesige Tiergestalten durch die Wälder des Abnoba mons. Der eine trug die Gestalt eines monströsen, furchterregenden Wolfes, der andere hatte das Aussehen einer gigantischen, unheilvollen Fledermaus. Zunächst noch an ihr animalisches Aussehen gebunden, waren sie dazu fähig, menschliche Gestalt anzunehmen. Die Urväter der Vampire und Werwölfe waren geboren. Als Menschen getarnt, konnten sie nun unauffällig unter ihnen gehen. Das machte sie noch gefährlicher, denn die Sterblichen hatten keine Ahnung von ihnen. Doch diese Sicherheit währte nicht allzu lange. Aufgrund ihrer zerstörerischen Art zu jagen, kamen die Menschen den Kreaturen auf die Spur. Eine Hetzjagd begann auf sie, man wollte diese Wesen tot sehen. In einem dunklen Waldstück hatte man den Bestien eine Falle gestellt, in welche die Kreaturen ahnungslos hinein getappt waren. Die tapfersten Männer waren ausgeritten, um diese Scheusale zu vernichten. Und als Yorick, der Hüne, gerade zum Schwerthieb ausholte, um den Wolf zu enthaupten, warf sich die Fledermaus dazwischen. Der Hüne schnitt ihr dabei die Flügel ab, die mit einem donnernden Geräusch zur Erde fielen. Der Wolf aber nutzte die Gelegenheit, tötete Yorick und die anderen sechs Männer. Schwer verletzt flüchteten sie sich in eine nahe gelegene Höhle. Die Fledermaus war dem Tode nahe, der Wolf fürchtete um das Leben seines Freundes. Da trat eine Kapuzengestalt in die Höhle; es war eine Frau. Schön anzusehen, mit langem brünettem Haar und jadegrünen Augen.
„Töte mich nicht“, bat die Frau, „ich bin in guten Absichten gekommen. Dein Freund, er ist schwer verwundet. Ich kann ihm helfen, wenn du willst.“
Der Wolf betrachtete die Frau zunächst misstrauisch, doch welche Wahl blieb ihm? Sie war nun mal da, alleine würde er es nicht schaffen.
„Was verlangst du dafür?“
„Darüber sprechen wir, wenn es soweit ist. Willigst du nun ein?“
Er gab ihr sein Einverständnis.
Sie nahm Kräuter aus ihrer Tasche und reichte sie dem Wolf; er hatte so etwas noch nie gesehen.
„Sei so gut und zerkau diese Blätter hier.“
Noch etwas zaghaft tat er schließlich, wie ihm geheißen wurde.
„Das machst du gut. Nimm sie aus deinem Mund und verteile sie auf den Wunden deines Freundes.“
Die Frau breitete ihre Hände über den Verletzungen der Fledermaus aus und begann in einer seltsamen Sprache zu sprechen. Die Kräuter auf den offenen Stellen fingen an zu dampfen. Dampf verwandelte sich in Rauch, der zur Decke der Höhle emporstieg. Wo bis gerade eben noch zwei klaffende, blutige Wunden waren, konnte man nicht mal mehr ein Fleck sehen. Die Verwundungen hatten sich geschlossen, nicht einmal eine Narbe blieb zurück. Die Fledermaus erholte sich rasch, fiel dann in einen sanften Schlaf.
„Wie hast du das gemacht?“, fragte der Wolf.
„Ich bin eine Hexe und Hexen verstehen sich auf solchen Dingen.“
„Wie ist dein Name?“
„Ich heiße Emily und ich bin einen weiten Weg gegangen, um euch zu sehen. Ihr seid einzigartig, geschaffen von Mutter Natur selbst und es obliegt mir, euch vor weiteren Gefahren zu beschützen. Du und dein Freund seid unvorsichtig, ihr kennt die Menschen nicht wie ich sie kenne. Mit meiner Hilfe könntet ihr es besser haben.“
„Dann bleib bei uns, Emily. Wir werden dich beschützen. Als Dank, dass du meinen Freund vor dem Tode bewahrt hast.“
„Dieses Angebot nehme ich gerne an. Doch gestatte mir eine weitere Bitte auszuschlagen, für die Errettung deines Freundes. Erlaube mir, wenn die Zeit gekommen ist, eure Nachfahren, die ihr noch Zeugen werdet, mit der Gabe der Unsterblichkeit zu segnen.“
„Ich will dir diesen Wunsch gewähren, auch im Namen der Fledermaus. Wann wird diese Zeit kommen?“
„Noch lange nicht, mein Freund. Nach dem, was geschehen ist, könnt ihr vorerst nicht mehr unter die Menschen treten.“
Dreihundert Jahre hielten sie sich im Verborgenen. Die Zeitalter wechselten wie Tag und Nacht, aber es schien für die drei nur ein kurzer Augenblick in ihrem Leben zu sein. Die Fledermaus verlor ihre Flugfähigkeit, doch blieb sie auch am Boden eine Koryphäe im Töten. Durch das Wissen der Hexe wurden die Kreaturen nun wachsamer und gingen lautlos unter den Menschen. Ihre Fähigkeiten verbesserten sich enorm, die Beschaffung von Nahrung war ein Leichtes geworden. Niemals fand man einen Leichnam, dafür sorgte die Hexe. Als sie spürte, die Zeit war gekommen, da nahmen sich der Wolf und die Fledermaus zwei Frauen und erfüllten deren Leiber mit ihrer Frucht. Dies geschah im Jahr eins vor Christus. Mit dem Jahr Null brachten die Frauen zur selben Zeit zwei kräftige Knaben zur Welt, welche die Hexe, dank ihrer unermesslichen Macht, unsterblich machte. Auf ihren Befehl hin, töteten der Wolf und die Fledermaus die Frauen und mit den ersten Sonnenstrahlen des Morgens erstarrten die Urväter zu Stein und zerfielen im Wind zu Staub. Ihre Zeit war vorüber, denn anders als ihre Nachfahren besaßen sie keine Unsterblichkeit. Die Kinder nahm Emily mit sich. Tief verborgen im Marcynischen Wald zog die Hexe die Knaben groß. Sie gab ihnen Namen, der Werwolf hieß Kunolf, was der Sippenwolf bedeutet, und der Vampir sollte Farold heißen, der weithin Herrschende. In der Obhut der Hexe wuchsen sie schnell heran und wurden zu den ersten unsterblichen Kindern der Nacht.

Im Kindle-Shop: Die Nacht ist unser: Schatten der Vergangenheit.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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20. Mai 2019

'Der Hinterlistigen Zähmung' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Kate ist erfolgreich und unbarmherzig in ihrem Job, was besonders ihrem Kollegen Luke missfällt. Damit Kate ihm bei Verhandlungen für einen neuen Auftrag nicht im Wege steht, überredet er seinen Jugendfreund, den wohlhabenden Peter, sie abzulenken.

Doch Kate ist schnell von ihrem neuen "Kunden" genervt. Zumal dieser gutaussehende Mister Arroganz sich eindeutig an sie heranmacht. Peter muss sich mächtig anstrengen, um sie zu beeindrucken, denn er hat seine ganz eigenen Gründe, sich auf diese Täuschung einzulassen.

Weitere Bücher von Marit Bernson auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Gespannt schaute Kate sich um. Sand, der sich mit Wiesen abwechselte, kleine Wäldchen und immer wieder Wasser.
Ansonsten sah sie nur Vögel. Sie erkannte Pelikane und Kraniche. Doch die meisten Vogelarten waren ihr völlig unbekannt.
Peter hielt neben einem Wäldchen, das an einen Fluss grenzte.
»So viele Vögel!« Kate seufzte. »Wo sind denn die großen Tiere?«
»Krokodile?«, fragte Peter.
»Die Elefanten oder Nashörner.«
Peter lachte. »Ich dachte, das mit den Löwen vorhin war ein Scherz. Aber Sie haben ja tatsächlich keine Ahnung, welche Tiere hier leben.«
Kate verzog das Gesicht. »Also gibt es hier wirklich keine Elefanten?«
Peter schüttelte den Kopf. »Dieser Nationalpark ist bekannt für sein Vogelvorkommen. Die Zugvögel aus Europa überwintern hier. Im Januar und Februar ist hier alles voller Vögel.«
»Ich wusste nicht, dass es zur Allgemeinbildung gehört zu wissen, in welchen Nationalparks Afrikas man welche Tiere findet«, erwiderte Kate. »Entschuldigung, dass ich bei Safari an Löwen, Nashörner, Elefanten und Giraffen gedacht habe.«
»Giraffen? Die gibt es nur …«
»Das ist ja wirklich blöd«, unterbrach Kate ihn. »Ich sagte schon, dass ich auf einer reiten will. Das macht man doch sonst in Nationalparks.«
»Das sind Kamele in Ägypten.« Peter grinste wieder. »Die sehen nur am Kopf so ähnlich aus wie Giraffen.« Er hatte die Augen aufgerissen und die Lippen vorgestülpt, sodass er wirklich dämlich dabei aussah, wie er das Gesicht eines Kamels nachahmte.
Kate musste sich ein Lachen verkneifen. Doch er sollte ruhig denken, dass sie genervt war. Sie hatte nichts dagegen, Vögel anzusehen, aber Mister Beeindruckend musste eindeutig mal merken, dass sich nicht jede Frau an ihn heranschmiss, wenn er den Weltenbummler raushängen ließ. Bei Kate hätte er dafür mindestens fünf Elefanten gebraucht.
Sie seufzte und sprang aus dem Wagen.
»Wo wollen Sie hin?«, fragte Peter.
»Ich muss mal.«
»Aber gehen Sie nicht so weit weg!«
»Warum? Damit die Vögel mich nicht auffressen?« Sie wartete die Antwort nicht ab, sondern verschwand hinter einer Baumreihe.
Sie ging etliche Meter in das kleine Waldstück und sah sich aufmerksam um. Nur für den Fall, dass Peter geschwindelt hatte und doch ein Löwe auftauchte. Aber dann hätte er sie nicht allein gehen lassen, oder?
Kate stellte sich gerade vor, wie sie mit heruntergelassener Hose aufschrie, weil ein Löwe ihr direkt ins Gesicht blickte und Peter herbeieilte, um sie zu retten. Bloß nicht!
In diesem Moment zischte etwas an ihren Füßen.
Kate blickte hinunter – sie stand inmitten von Schlangen. Dutzende. Nicht groß, aber erschreckend viele.

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Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



16. Mai 2019

'Silent Guy: Lautlos in mein Herz' von Lisa Torberg

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Tom ist unwahrscheinlich attraktiv – aber er stottert. Seine Mutter erträgt ihn deshalb nicht und wirft ihn bei der erstbesten Gelegenheit raus. Er leidet schweigend. Das ändert sich auch nicht, als er die Laufstege der Welt erobert. Mit den Gagen finanziert er sich sein Studium – und mit Ende zwanzig macht er endlich das, was er liebt. Fernab vom Rampenlicht designt er für AJ-Fashion seine eigene Kollektion, ohne in Erscheinung zu treten. Aber dann stirbt sein Geschäftspartner ...

Was tun, wenn man nach und nach fast alle Menschen verliert, die man liebt? Charly weiß es: sich in der Arbeit vergraben. Jeder berufliche Erfolg befriedigt ohnehin mehr, als ein Mann es jemals tun könnte. Und Gefühle werden grundsätzlich überbewertet. Dass dem doch nicht so ist, merkt sie, als ihr Onkel stirbt. Sie verlässt Kalifornien und fliegt nach London, um AJ-Fashion zu übernehmen. Dort trifft sie auf Tom ...

Weitere Bücher von Lisa Torberg auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
»Ich verstehe von Mode so wenig wie ihr von Immobilien.« Mit einem Seufzen lehne ich mich auf dem Sofa zurück und rücke den Laptop auf meinen Knien zurecht.
»Schlechter Vergleich, du Supermaklerin.« Tine, die auf dem rechten Bild des geteilten Bildschirms zu sehen ist, streicht sich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht. »Weingüter wie dieses hier sind auch Immobilien.« Ihre unbestimmte Handbewegung macht mir wieder einmal klar, wie weit wir voneinander entfernt leben. Zurzeit absolviert sie ein Praktikum in der Toskana. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, dass sie bald wieder in den Staaten sein würde – und jetzt ...
»Jede Frau versteht etwas von Mode«, unterbricht Chris von der Ranch in Montana meine Gedanken. Sie beugt sich vor und einen Moment lang nimmt ihr rechtes zwinkerndes Mandelauge die gesamte linke Bildschirmhälfte ein. »Sogar ich, obwohl ich hier in der Pampa weiß Gott keine High Heels oder elegante Abendkleider brauche.«
Mit verschränkten Armen starre ich auf meine beiden Freundinnen. »Ihr wollt mich nicht verstehen!«
»Doch, das tun wir!« Die Antwort kommt synchron.
»Du willst uns klarmachen, dass du es vorziehst, weiterhin sechzig Wochenstunden für diesen Idioten zu arbeiten.« Tines Locken wippen auf und nieder, da sie ihre Worte mit einem heftigen Nicken unterstreicht. »Es ist ja auch wirklich toll, dass man sieben Tage pro Woche irgendwelchen affektierten Geldsäcken Luxusimmobilien zeigen darf und nur ein Viertel der Kommission erhält, weil der Rest auf dem Konto dieses Donald-Trump-Verschnitts landet.«
Ich muss schmunzeln. Sie weiß, wovon sie spricht. Im Gegensatz zu mir kennt sie die Welt der Reichen und Superreichen seit ihrer Geburt. Und Harold Higgins, der gerissenste Immobilienhai von Los Angeles, für den ich arbeite, sieht tatsächlich aus wie der Klon des Präsidenten.
»Immerhin zahlt er mir ab Januar ein Fixum«, wende ich ein, »und wenn ich jeden Monat auch nur eine Villa verkaufe, verdiene ich richtig gut.«
»Was zuletzt vor einem halben Jahr passiert ist, weil er den Abschluss auf dem Golfplatz tätigte, nachdem du die Verhandlungen geführt hast«, erwidert sie lakonisch.
»Falsch. Letzte Woche habe ich endlich das sündteure Anwesen in Hollywood an einen Berater des arabischen Kronprinzen verkauft. Zwölf Millionen.« Als ich die Summe ausspreche, läuft mir ein prickelnder Schauer über den Rücken. Immerhin macht meine Kommission einhundertachtzigtausend Dollar aus.
»Könnt ihr mir bitte sagen, warum ihr über Dinge sprecht, die nicht mehr aktuell sind?«, fragt Chris mit irritierter Stimme und fixiert mich. »Wolltest du nicht unsere Hilfe, um zu entscheiden, was du anziehen sollst, wenn ...«
»Wann?«, falle ich ihr ins Wort.
»An dem Tag, an dem du dich in London den Mitarbeitern von AJ-Fashion präsentierst. Deinen Mitarbeitern! Obwohl du deinen Onkel seit Jahren nicht mehr gesehen hast, hat er dir sein Lebenswerk hinterlassen. Ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz, gegen den selbst der Wert einer Vierzig-Zimmer-Villa verblasst. Du kannst dort nicht einfach in Jeans und Turnschuhen auftauchen, lässig mit der Hand winken wie Angelina Jolie nach einem ihrer Charity-Trips in Afrika und darauf hoffen, dass sie dich ernst nehmen. Diese Typen sind Engländer!«
Tine nickt zustimmend. »Chris hat recht. Briten sind von Natur aus vorsichtig, abweisend und davon überzeugt, dass wir Amerikaner einer Subkultur angehören. Ab dem Moment, in dem du zum ersten Mal die Schwelle der Firmenzentrale von AJ-Fashion übertrittst, musst du ihnen beweisen, dass sie sich irren. Und deshalb wirst du ausschließlich englische Designerklamotten tragen.« Nachdenklich tippt sie mit dem ausgestreckten Zeigefinger an ihre Lippen. In ihren Augen blitzt es auf und sie zwinkert mir zu. »Am besten beginnen wir mit Jimmy Choos für die Füße. Schwarz, klassisch, elegant und der Jahreszeit angepasst ...«



Mit geschlossenen Lidern liege ich auf dem zum Bett umgebauten Sitz der First Class und denke an den Videochat mit Tine und Chris. Der Plan, den wir ausgearbeitet haben, ist perfekt.
Die schwarzen High Heels sind in meinem Handgepäck, ebenso die Dessous, die Strümpfe und das angeblich knitterfreie Kleid mit der passenden Jacke, die ich in aller Ruhe im Hotel anziehen wollte. Wohlgemerkt nachdem ich nach der Ankunft in Heathrow mit dem Taxi dorthin fuhr und eincheckte. Laut meinem Zeitplan bleibt mir eine gute Stunde, um die Erinnerung an den Transatlantikflug unter der Dusche abzuspülen. Danach werde ich frisch wie eine Rose, makellos gekleidet und perfekt geschminkt das Erbe meines Onkels antreten. Das war der Plan. Dass mir die British Airways einen Strich durch die Rechnung machen würde, stand nicht im Programm. Trotz der überstürzten Entscheidung, von heute auf morgen nach Europa zu ziehen, sah es kurz nach dem Start in L. A. nicht so aus, als ob irgendwas schiefgehen könnte. Im Gegenteil. Bis dahin hat alles reibungslos geklappt ...



Am Montag rief mich ein Anwalt aus London an und teilte mir den drei Tage zurückliegenden Tod von Onkel Jim und seine Anordnungen mit. Anders konnte man seine Forderung, nicht an seinem Begräbnis teilzunehmen und die AJ-Fashion innerhalb weniger Tage zu übernehmen, nicht nennen. Ich war auch nicht erstaunt, da wir alles schon vor langer Zeit besprochen hatten – damals, als er sich auf die Insel im Indischen Ozean zurückzog, um in Ruhe und Abgeschiedenheit um Tante Anne zu trauern. Nur hatte ich nicht damit gerechnet, dass dieser Moment, der mein Leben von Grund auf ändern sollte, nicht erst in zwanzig oder dreißig Jahren eintraf.
Deshalb fielen Tine und Chris Dienstag auch aus allen Wolken. Normalerweise schafften wir es nur mit Mühe, jeden zweiten Sonntag zu videochatten. Der Zeitunterschied zwischen Europa und Amerika erschwerte unseren Kontakt, und nun hatte ich sie mit den Worten »Wir müssen uns sofort hören« kontaktiert. Sie konnten nicht glauben, dass ich ihnen nie erzählt hatte, dass ich irgendwann die AJ-Fashion erben würde. Im Jahr vor dem Tod meiner Tante Anne war ich zum letzten Mal in London gewesen und mein Kontakt mit Onkel Jim beschränkte sich seither auf kurze Telefonate zu Weihnachten und zum Geburtstag. Außerdem erhielt ich von ihm alle drei Monate die Quartalsberichte der AJ-Fashion. Im Grunde genommen hörte ich von meinem Onkel Jim Harrington öfter als meinem Vater.
Die einzigen Menschen, die mir wirklich nahestehen, sind Tine und Chris. Seit wir vor zehn Jahren zufällig in der letzten Klasse der Highschool in Washington aufeinandertrafen, sind wir unzertrennlich; sofern man das sein kann, wenn man über den halben Erdball verteilt lebt. Das Schicksal hat Tine und mich mit siebzehn in die Hauptstadt verschlagen, beide aus dem gleichen Grund. Unsere Mütter waren beide innerhalb weniger Wochen gestorben. Tine hielt es nicht mehr daheim aus, und ich hatte kein Zuhause mehr. Chris war bereits mit vierzehn dort gelandet, weil ihre Eltern ihren Horizont erweitern wollten. Sie sollte städtisches Flair atmen und das Benehmen derjenigen lernen, die nicht in einem Sattel geboren und zwischen Rinderherden aufgewachsen waren. Dass die Snobs auf der exklusiven Schule die mandeläugige Tochter eines Rinderzüchters aus Montana wie den letzten Dreck unter ihren Schuhen behandelten – zumindest bis Tine auftauchte und ihre Freundin wurde –, ahnten ihr Vater und ihre Mutter nicht. Genau genommen wissen sie bis heute nichts von alldem, was Chris bis zu dem Moment ertragen musste, in dem wir zufällig in derselben Klasse landeten. Wir drei Außenseiterinnen hatten zueinandergefunden, und es gibt nichts, was wir nicht voneinander wissen.
Und doch hatte ich ihnen nie erzählt, dass ich eines Tages die AJ-Fashion erben sollte. Warum auch? Onkel Jim war acht Jahre jünger als mein Vater, der irgendwo in Afghanistan Truppen befehligt und auf den Fotos, auf deren Rückseite er mir alljährlich seine Weihnachtsgrüße mitteilt, immer noch kohlschwarze Haare hat. Ganz zu schweigen von dem muskulösen, sehnigen Körper, den auch der Tarnanzug nicht verbirgt. Seit Monaten habe ich nichts mehr von ihm gehört und weiß nur, dass er am Leben ist, weil ich keine gegenteilige Nachricht erhalten habe. Dafür ist die aus London eingetroffen, die mir den Tod meines einzigen anderen Verwandten mitgeteilt und die Verantwortung für Hunderte von Menschen in die Hände gelegt hat.
»Ich bin nicht so weit, diese zu übernehmen. Wahrscheinlich wäre ich auch in zwanzig Jahren nicht dazu bereit«, erklärte ich meinen Freundinnen, die auf einem Bildschirm nebeneinander zu sehen waren. Sie widersprachen mir. Ihre Zuversicht, dass ich sehr wohl dazu in der Lage war, fühlte sich an, als ob sie mit mir in einem Raum und nicht Tausende Kilometer weit weg wären. Tine und Chris sagten mir, wie ich vorgehen sollte. Noch in derselben Nacht schrieb ich dem Anwalt, der meinen Flug nach London buchte.

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Für Tolino: Buch bei Thalia

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'Das Gemälde der Tänzerin' von Christine Jaeggi

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Ein altes Hotel in der Schweiz, der mysteriöse Tod eines Zimmermädchens und ein verschollenes Gemälde

Helena hat alles verloren: Ihre Zukunft als talentierte Ballerina, ihre große Liebe und die Unabhängigkeit. Inzwischen ist sie arbeitslos und lebt am Existenzminimum. Als sie endlich einen Job als Zimmermädchen erhält, scheint sich das Schicksal zu wenden. Nur soll sie ausgerechnet in dem Schweizer Hotel arbeiten, dessen Besitzer vor vielen Jahren ihr Leben zerstört hat. Doch Helena hat keine Wahl, sie braucht den Job.

Eines Tages erfährt sie im Hotel von dem tragischen Schicksal eines 1942 ermordeten Zimmermädchens. Der Mord scheint mit einem verschollenen Gemälde zusammenzuhängen. Helena beschließt, dem Rätsel auf den Grund zu gehen und das Gemälde zu suchen, doch auch der attraktive Krimiautor Noah ist ihm bereits auf der Spur. Als Noah Helena um einen Gefallen bittet, droht ein jahrelang gehütetes Geheimnis ans Licht zu kommen.

Leseprobe:
Strasbourg, 1865
Beinahe schwerelos wie ein Schmetterling tanzte sie über das Feld und ignorierte die herunterprasselnden Regentropfen. Ihr langes Haar und das weiße Kleid waren längst durchnässt, aber es kümmerte sie nicht. Mit ihren elegant in der Luft schwingenden Gliedern fing sie die Tropfen auf, als wären es Perlen, die vom Himmel fielen.
Amos Löwenfeld verfolgte ihre Bewegungen gebannt und versuchte sich jede Einzelheit einzuprägen. Später würde er seine Tänzerin im Regen malen. Es sollte ein Gemälde für die Ewigkeit werden, welches an diesen glücklichen Tag erinnern und Kraft und Hoffnung in dunklen Zeiten spenden würde. Sie hatten in den vergangenen Monaten viel zusammen durchgestanden und alles verloren, dafür aber die Liebe gewonnen. Doch Amos spürte, dass das Elend noch nicht vorbei war. Rache, aber auch Krieg hingen wie die düsteren Regenwolken über ihnen und warteten nur darauf, sie mit aller Stärke zu vernichten.
Amos versuchte seine Sorgen zu vergessen und sich gänzlich auf seine große Liebe, sein Modell für das neue Gemälde zu konzentrieren. Rosaline, die Tänzerin im Regen.

Luzern, Mittwoch, 20. Juni 2018
Helena unterdrückte den Impuls laut loszulachen, obwohl ihr eigentlich zum Heulen zumute war. Welche Ironie des Schicksals! Da hatte sie endlich Aussicht auf einen Job, und dann das!
»Die Stelle ist wirklich im Hotel Kronenberg?«, fragte sie, um sich zu vergewissern, dass sie Frau Lutz – ihre Personalberaterin hier im RAV, dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum – richtig verstanden hatte.
Diese strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die ihr der brummende Ventilator alle zehn Sekunden erneut in die Stirn wehte. »Genau.«
»Unglaublich«, murmelte Helena, was Frau Lutz stirnrunzelnd quittierte.
»Frau Saxer«, begann sie mit warnendem Unterton. »Andere Möglichkeiten haben Sie nicht. Ich weiß, Sie möchten wieder als Verkäuferin arbeiten, doch diese Stellen sind momentan rar. Seit die Modekette Jewel so viele Filialen schließen und Mitarbeiter entlassen musste, ist …« Ruckartig wandte sie sich zum Ventilator. »Dieses Gerät treibt mich noch in den Wahnsinn!« Sie stellte ihn so ein, dass er sich nicht mehr drehte und stattdessen nur in eine Richtung – Helenas Richtung – blies. Vorsichtig rückte Helena ihren Stuhl etwas nach rechts, um dem Wind zu entgehen und hörte Frau Lutz aufmerksam zu.
»Jedenfalls ist die Situation seither höchst prekär. Dazu kommt, dass sich gewisse Geschäfte sogar Verkaufsroboter anschaffen, wodurch unqualifizierte Leute wie Sie ihre Stelle verlieren.«
Helena schluckte. Selbst für sie klang es nach wie vor absurd, entsprach aber leider der Wahrheit. Ihre ehemalige Chefin war eine Trendsetterin und wollte auch technologisch einen Schritt weiter sein als andere Kleidergeschäfte. Deshalb hatte sie sich einen Verkaufsroboter angeschafft – ein blödes Ding aus weißem Kunststoff.
Helena konzentrierte sich wieder auf Frau Lutz, die ihr gerade einen Vortrag hielt.
»Unser Ziel ist Ihre rasche Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Deshalb unterstützen wir Sie ja auch in jeder Form. Aber im Gegenzug verlangen wir, dass Sie Ihren Pflichten nachkommen. Dazu gehört auch, nicht wählerisch zu sein und sich für jede zumutbare Stelle zu bewerben! Auch als Zimmermädchen!«
Helena nickte schnell. »Ja, ich weiß. Ich habe wirklich kein Problem damit, Zimmer zu putzen. Nur nicht im Hotel Kronenberg.«
Frau Lutz rückte ihre Brille zurecht. »Was haben Sie gegen das Kronenberg? Es ist ein Fünf-Sterne-Nobelhotel.«
Helena starrte auf eine Reihe schief stehender Ordner auf dem Schreibtisch, die jederzeit umfallen konnten. Die Inhaber des Kronenbergs haben vor vielen Jahren mein Leben zerstört, hätte sie am liebsten gesagt, murmelte stattdessen aber ein bedeutungsloses »eigentlich nichts«, was Frau Lutz aufseufzen ließ.
»Frau Saxer, Sie sind jetzt schon fast drei Monate auf Arbeitssuche. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, sind es bereits fünf, wenn wir die zwei Monate dazuzählen, die Sie noch bei Graziella angestellt waren. Außer einer nicht abgeschlossenen Tanzausbildung können Sie nichts vorweisen. Aber ohne Ausbildung und Qualifikationen sind Sie schwer vermittelbar auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb müssen Sie sich für diesen Job bewerben, sonst kürzen wir Ihnen das Taggeld. Abgesehen davon ist noch nicht klar, ob Sie die Stelle überhaupt erhalten.« Sie schob Helena das Stelleninserat zu. »Falls ja, könnten Sie sofort beginnen. Ein Glücksfall!«
»Ja, ein Glücksfall«, sagte Helena wenig motiviert und faltete das Inserat zusammen. »Ich werde mich bewerben.« Sie würde dadurch zwar ihr Versprechen nicht einhalten, das sie den Kronenbergs vor langer Zeit gegeben hatte, aber darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Im Moment ging es nur darum, wieder Geld zu verdienen.

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15. Mai 2019

'Dedericus: Schicksalspfad des Tempelritters 1' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Anno Domini 1225. Weite Gebiete Europas liegen in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln.

Sein treues Pferd Harraz begleitet ihn durch seine Abenteuer und ist exemplarisch für die Kriegspferde der Tempelritter.

'Dedericus' ist der erste Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters«.

Leseprobe:
Die Wanderung
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.
Ramus legte den Körper seines Weibes sanft in das Laub des Waldes und beugte sich mit tränenden Augen über die kaum noch Atmende. Erst jetzt sah Dedericus die schweren Verbrennungen an ihrem zarten Körper. Schluchzend warf auch er sich neben sie, küsste ihr vom Ruß verschmiertes Haar. Verzweiflung und Sorge umklammerten sein Herz. Klagend entrang seinem Mund: „Mutter!“
Die Tränen rannen ihm in Bächen über das Gesicht und die Welt, wie sie für ihn existierte, verschwand in einer Woge der unerträglichen Trauer.
Seine Mutter strich ihm zärtlich, mit der letzten Kraft ihres sterbenden Körpers, über seine Wange. Ihr Blick hatte trotz des Schmerzes noch so viel Liebe und Sorge für ihn.
Leise, fast unhörbar, bat sie darum, er solle nach Jerusalem ziehen um die Seele seiner Schwester vor dem ewigen Fegefeuer zu erretten.
„Mutter, …“, flüsterte er mit erstickter Stimme, „… du begleitest mich auf diesem Weg. Bitte verlasse uns nicht“.
Sein Blick wanderte zu dem rußgeschwärzten Gesicht seines Vaters, in dem sich ebenfalls Tränen ihren Weg bahnten.
Sanft faltete Ramus die Hände seiner geliebten Frau über ihrem toten Körper.
Laut schluchzend warf sich Dedericus auf die Schulter seiner Mutter, küsste ihre Wangen und wiederholte immer aufs Neue die Worte: „Mutter, bitte, lass uns nicht allein.“
Aber es kam kein Leben zurück in ihren Körper.
Eine Weile knieten Vater und Sohn an der Seite des toten Körpers der Gräfin. Unfähig in die Realität dieses grausamen Tages zurückzufinden, waren sie von überwältigendem Schmerz gelähmt.
Nach geraumer Zeit wagte einer der Knechte, ein grobschlächtiger, aber gutmütiger Mann, den die Jahre der harten Arbeit gebeugt hatten, ein vorsichtiges und leises: „Herr“, an Ramus de Loen zu richten: „Herr, was sollen wir tun? Die Isenberger Mannen suchen sicherlich nach uns.“
Der Blick des Grafen löste sich nicht vom Gesicht seiner Frau, als er mit gebrochener Stimme den Befehl gab, eine Trage zu richten.
Die Männer folgten seinem Befehl. Dann betteten die beiden De Loens den Körper der Toten sanft auf die Bahre.
Mit nunmehr festerer Stimme befahl Ramus den Männern, ihm mit der Bahre zu folgen.

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