31. Mai 2019

'Undercover auf Sylt' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Eine Reise ist wie eine unbekannte Frucht, man weiß nie, wie sie einem schmeckt.« Janette John

Könntest DU in die Zukunft schauen,
würdest DU es tun?


»Sylt? Ist das nicht ein bisschen zu schickimicki?«, sagt Nadine Andres zu ihrem Kollegen, der sie im Namen seiner Mutter dorthin einladen will. Endlich Ruhe, ausspannen und nichts tun, denkt sie. Ausgerechnet dann, wo sie keinen Urlaub mehr hat, diesen aber dringend bräuchte. Hätte sie geahnt, dass sie drei Tage später neben einem Toten erwacht, sie hätte das Rad der Zeit zurückgedreht. Zu allem Übel bleiben die Erinnerungen aus, die helfen würden, sich aus der misslichen Lage zu befreien. Nur bruchstückhaft kehren sie zurück und offenbaren eine Welt, die Nadine bislang nicht kannte. Erst als ihr Vorgesetzter, Daniel Selzer, auf der Insel erscheint und undercover ermittelt, kann das Gespinst aus Geld, Macht und Kunsthandel entflochten werden. Wird er ihre Unschuld beweisen können, oder sieht er sich einer Mörderin gegenüberstehen?

Undercover auf Sylt – wenn der Urlaub zum Albtraum wird.
Der 10. Fall der Kripo Bodensee.


Leseprobe:

1. Sylt, auch das noch

»Ach, bevor ich es vergesse. Ich soll Ihnen liebe Grüße von meiner Mutter ausrichten und fragen, ob Sie nicht Lust hätten, mit ihr ein paar Tage an die Nordsee zu fahren. Ein ehemaliger Studienfreund besitzt ein Haus auf Sylt. Sie lädt Sie dorthin ein und würde Ihnen eine der Ferienwohnungen kostenlos zur Verfügung stellen. Mutter meinte, Sie bräuchten eine Auszeit.«
»Sylt? Ist das nicht ein bisschen zu schickimicki? Umsonst? Sagen Sie Charlotte bitte lieben Dank, dass sie an mich gedacht hat. Aber ich kann das nicht annehmen. Außerdem habe ich nicht mehr genug Urlaubstage.«

Noch immer klangen der jungen Frau die harmlosen Worte im Ohr, die sie bewogen hatten, nach Sylt zu reisen. »Nimm dir die Woche Auszeit«, hatte Daniel gesagt und wollte die fehlenden Tage mit Überstunden verrechnen. Wieso sollte sie das Angebot auch ablehnen? Immerhin hatte man ihr eine Villa im Nobelort Kampen in Aussicht gestellt, die das Jahr über leer stand und von der man nur Gebrauch machte, wenn sich die Prominenz dort traf.

***

»Hätte ich nur auf Daniel gehört und wäre wie Charlotte mit dem Zug gefahren. Stattdessen sitze ich seit mehr als zehn Stunden hinter dem Steuer und kämpfe mich durch ganz Deutschland. Nichts als Pampa, Kühe und Flachland. Und dabei kenne ich den Norden zur Genüge«, sprach Nadine leise vor sich hin, während sie im Radio nach einem anderen Sender suchte. Um nicht einzuschlafen, brauchte es eine bessere Musik, die sie schließlich summte: »An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit …« Gott sei Dank hat Daniel den Autozug vorab gebucht, sodass ich nicht lange warten muss, dachte sie, während sie das Fahrzeug langsam auf das Verladeterminal in Niebüll zusteuerte. Den blauen Zug soll ich nehmen, hat er gemeint und dass das Ticket flexibel sei, mit dem man einen Tag lang fahren könne. Wann ist eigentlich Abfahrt? Mhm, laut Infotafel in einer halben Stunde. Besser ich stelle den Motor aus und begebe mich an die frische Luft.
Nadine stieg aus dem Auto, schlug die Tür zu und machte Dehnübungen. Mann, bin ich eingerostet. Kein Wunder bei der langen Autofahrt. Sie lief um den Wagen herum und schaute auf die näher kommenden Pkws. Hinten anstellen, wir warten alle, dachte sie und ging ein paar Schritte in Richtung Zaun, der das Gelände zum Schienenverkehr hin sicherte. Zu ihrer Rechten blickte sie auf eine Treppe, die hinüber zur anderen Seite führte, während links eine umzäunte Fläche von etwa zehn Quadratmetern und dem Hinweis Hundetoilette – kein Spielplatz ihr ein Schmunzeln entlockte. Hundetoilette? Ungläubig schüttelte sie den Kopf und entdeckte eine ältere Dame, welche ihren Dackel dorthin entließ.
Noch zehn Minuten, grübelte Nadine und vernahm auch schon die Ansage aus dem Lautsprecher, dass man in Kürze den Autozug befahren dürfe. Endlich. Sie sah zum schwarzen Porsche direkt hinter sich, der wohl zur Dame mit dem Hund gehörte. Laut Nummernschild kam sie aus dem Lörracher Raum, was Nadine zum Anlass nahm, mit ihr ein paar Worte zu wechseln. »Na, Sie wohnen auch nicht gerade um die Ecke«, meinte sie mit einem einnehmenden Lächeln.
Die Frau sah auf ihren Hund und dann zu ihr. »Ja, das ist wahr. Früher bin ich die Strecke in einem Rutsch gefahren. Heute lege ich lieber einen Zwischenstopp ein. Dennoch fahre ich jedes Jahr nach Sylt. Die Insel ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Und Sie, was führt Sie hierher?« Die Dame bückte sich und nahm ihren Vierbeiner auf den Arm, um ihn ins Auto zu verladen. »So Waldemar, jetzt gehts weiter.«
Waldemar? Der Name ist Programm.» Ich mache ein paar Tage Urlaub. Mal alles hinter mir lassen und den Wind genießen«, gab Nadine zur Antwort und blickte zu den anderen Fahrzeugen vor ihr, die sich langsam in Bewegung setzten. »Oh, ich glaube, es geht los. Na dann, wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit«, rief sie und vernahm ähnliche Worte aus dem Mund der Frau, die allerdings im Türschließen untergingen. Kurz darauf startete sie den Motor und lenkte den Wagen im Schritttempo auf die Laderampe zu.
Ein freundlicher Mann winkte ihr zu und forderte sie auf, sich dem vorausfahrenden Auto bis auf wenige Zentimeter zu nähern. Das reicht! Oder soll ich den beiden alten Hühnern im Crossfire auf das Heck fahren? Mich würde mal interessieren, wie das Brummifahrer machen. Die Auffahrt ist viel zu schmal. Hoffentlich ist der Albtraum bald vorbei.

Nach weiteren zehn Minuten setzte sich der Autozug in Bewegung.
Das ist also der berühmte Hindenburgdamm, der die Insel mit dem Festland verbindet. Nadine genoss die halbstündige Zugfahrt und blickte durch die Fensterscheibe auf das Wattenmeer, das der Himmel am Horizont begrenzte. Mit dezent gleichmäßigem Ruckeln fuhr der Zug an den Ortsteilen Morsum, Keitum und Tinnum vorbei und erreichte schließlich Westerland als Endstation. Die Absperrung wurde geöffnet und der Tross von Pkws setzte sich langsam in Bewegung.
Am Ziel angekommen, sehnte sich die Blondine zunächst einer Dusche entgegen. Oder gehe ich besser an den Strand? Fahr los!, forderte ihre innere Stimme. Jaja, ich muss sowieso erst ins Ferienhaus, den beiden alten Damen Hallo sagen. Wie sieht das sonst aus? Immerhin habe ich Charlotte mein Hiersein zu verdanken. Wieso hält man da vorne an? Ich will endlich von diesem Zug runter.
Nadine drückte auf die Hupe, was sogleich von der Fahrerin vor ihr mit einem Stinkefinger aus dem Fenster geahndet wurde. »Na, das sind mir ja feine Leute, einen teuren Wagen fahren und dann so was«, schimpfte sie und hätte sich am liebsten genauso verhalten. Stattdessen übte sie sich in Geduld. Nachdem sie das Fahrzeug wieder gestartet hatte, fuhr sie dem anderen Auto eine Weile unfreiwillig hinterher, bis sich die Wege an der nächsten Kreuzung trennten. Wie es schien, führte es die Herrschaften nach Westerland, wohingegen Nadine rechts ab in Richtung Kampen bog. Na dann, auf Nimmerwiedersehen.

Im Kindle-Shop: Undercover auf Sylt (Kripo Bodensee 10).
Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



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28. Mai 2019

'CELLULITE ENDLICH WEG - Die Mirjam Christie Methode. In 6½ Schritten zum Ziel' von Lisa Faustbrandt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
„Die ersten Dellen an ihren Oberschenkeln entdeckte sie mit 14. Nach dem Sportunterricht kniff sie die Haut zusammen und … Peng! Da war sie! Unförmig, groß und sichtbar – die Orangenhaut. Die Dellen verglich sie mit denen ihrer Freundinnen. Alle waren mehr oder weniger betroffen, bis auf Sina. Aber Sina war einfach nur Haut und Knochen, unterentwickelt und kindlich. Von da an führte sie einen unermüdlichen Kampf gegen die Delle“.

So oder so ähnlich beginnen die Geschichten vieler Frauen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese zu viele Pfunde haben, Sportskanone oder Sportmuffel, vollschlank, jung oder schon älteres Semester sind. Die Delle kann jeden treffen.

Vor Ihnen liegt ein 6 ½ Schritte Plan nach Mirjam Christie. Sie erfahren hier, wie Sie der Delle den Kampf ansagen können. Dieser Ratgeber gibt Ihnen viele einfach umsetzbare Tipps und einen genauen 6½ Schritte Plan für schlankere und straffere Beine.

Anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis lernen Sie die Gesichter der Cellulite kennen. In weiteren Kapiteln erfahren Sie 5 Schönheits-Booster für Ihre Beine. Sie werden erfahren, wie Sie Einlagerungen von Wasser und Schlacken verhindern (oder lösen) und Ihrem Stoffwechsel einen Schub geben können.

Ein anderes Kapitel zeigt Ihnen, wie Ihre Beine nach einem schlanken Vorbild geformt werden und wie dies mit der Fettverbrennung zusammenhängt.

Ein wichtiger Teil widmet sich besonders korpulenten Beinen. Dabei werden vor allem Lösungen bei schlaffer Haut ums Kniegelenk und faltigen Innenseiten der Oberschenkel gezeigt.

Im Kapitel 7 zum Beispiel wird Ihr persönlicher 6 ½ Schritte Plan in Details dargestellt. Sie erfahren hier wie Sie das Konzept umsetzen und anpassen können. Ein weiteres Kapitel zeigt an einem praktischen Beispiel, wie die 6 ½ Schritte bei einer konkreten Ausgangslage angewandt werden. Schließlich zeigt Ihnen eine Kurzfassung der Mirjam Christie Methode einen roten Faden, damit Sie noch einfacher beginnen können.

Der Ratgeber ist konkret. Es geht nicht um die Beschreibung dessen, was Cellulite ist oder die Besprechung des Hautaufbaus. Es wird nur kurz umrissen, was die Ursachen der Cellulite sein könnten und dann geht es mit konkreten Maßnahmen los, um die Cellulite loszuwerden.

Leseprobe:
Wer den Dellen Paroli bieten möchte, sollte konsequent und ganzheitlich vorgehen. Wenige Schritte sind ausreichend, um Resultate zu sehen. Im Grunde genommen brauchen Sie dafür nur 6½ Schritte zu gehen.
Die hier vorgestellte „Mirjam Christie Methode“ ist sanft und sie wurde über die Zeit optimiert. Sie können die einfachen Schritte in aller Ruhe anwenden und den unschönen Dellen Paroli bieten. Auf diese Weise entscheiden Sie sich für ein Leben in einem Körper, in dem Sie sich rundum wohlfühlen.
Für schlanke Beine müssen Sie kein Leben in Askese führen. Die 6½ Schritte dieser Methode reichen aus, um schnell Resultate sehen zu können, wenn Sie konsequent bleiben. Bereits nach ca. 14 Tagen könnten Sie eine erste deutliche Veränderung erkennen und fühlen. Der Blick in den Spiegel wird ein Lächeln auf Ihre Lippen zaubern.
Sie können diese Methode in Ihren eigenen vier Wänden umsetzen und dabei nicht nur Geld, sondern auch Zeit sparen. Vor allem aber werden Sie sich so richtig freuen können, wenn Sie die Resultate sehen.
Kleiner Tipp: Wenn Sie die gedruckte Version haben, halten Sie das Buch griffbereit. Sie lachen jetzt vielleicht, aber Sie werden sehen, dass Sie öfter ins Buch schauen werden, als Sie sich das jetzt vielleicht vorstellen können.
Was ist das Geheimnis hinter der Mirjam Christie Methode?
Nun, es ist schnell gelüftet. Es ist der absolute Fokus auf die Hüfte-Beine-Gesäß-Region (und nein, es geht nicht um Bauch-Beine-Po-Übungen). Die Mirjam Christie Methode bedeutet volle Konzentration. Jeder Schritt ist genau auf diese Region zugeschnitten.
Wie bei so vielen Projekten im Leben (ob beruflich oder privat) muss man fokussiert bleiben. Diese Methode bleibt konsequent. Sie werden den Dellen an den Kragen gehen, von innen und von außen.
Natürlich werden die Maßnahmen auch anderen Körperregionen zugutekommen, aber der Fokus auf die spezielle Region bleibt. Konsequent. Und genau dieser Punkt macht die Methode so erfolgreich. Es ist eine ganzheitliche Transformation des Körpers.
Was erwartet Sie in diesem Buch?
Das Buch liefert Ihnen Antworten, Tipps und eine komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung. Sie müssen die jeweiligen Schritte nur noch richtig und konsequent umsetzen. Und es ist kein so großer Einschnitt in Ihr gewohntes Leben. Versprochen.

Im Kindle-Shop: CELLULITE ENDLICH WEG Die Mirjam Christie Methode. In 6½ Schritten zum Ziel.

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'Im Bann der Traumzeit: Australien-Roman' von Christiane Lind

Kindle | Hörbuch | Taschenbuch
Website | Autorenseite
»Solange die Vergangenheit wie ein Stein auf deinem Weg liegt, wirst du nie gehen können, ohne zu stolpern.«

Hamburg 1876: Als der Mann, den Auguste liebt, ihre Schwester heiratet, flüchtet sie nach Queensland. In Australien beginnt sie ein neues Leben als Forscherin. Während einer Expedition wird die mutige Frau Zeugin eines unfassbaren Verbrechens, das sie zu verhindert versucht. Ihr couragiertes Einschreiten kostet Auguste beinahe das Leben, doch Aborigines retten sie. Kann sie den Menschen dieser fremden Kultur wirklich vertrauen?

Mehr als hundert Jahre später begibt sich die junge Deutsche Franziska auf die Suche nach Augustes Geschichte. Als sie auf Spuren eines dunklen Geheimnisses stößt, begibt sie sich auf eine Traumreise mit Aborigines, die ihr Leben für immer verändern wird.

Im Bann der Traumzeit - eine emotionale Familiengeschichte vor der traumhaften Kulisse Australiens.

Leseprobe:
Deutschland 1876
»Die seltsamsten Tiere gibt es auf diesem Kontinent. Ein kleiner grauer Bär schläft den ganzen Tag in Eukalyptusbäumen.« Georg Ohlendorf nickte bedeutungsvoll. »Die Mütter tragen ihre Jungen erst im Beutel, dann auf dem Rücken. Das sieht gar possierlich aus.«
Vor Aufregung zog Auguste die Unterlippe zwischen ihre Zähne und beugte sich nach vorne. Das brachte ihr einen strafenden Blick der Mutter ein. Eine hanseatische Dame benimmt sich nicht so, sagte der unausgesprochene Vorwurf überdeutlich. Contenance, Kind!
Brav senkte Auguste den Kopf und setzte sich auf, bis ihr Rücken die unbequeme Lehne des Stuhls berührte. Wie alles im Speisezimmer war er von ihrer Mutter nach Schönheit und nicht nach Bequemlichkeit auserwählt worden. Repräsentativ sollte der Raum wirken, um den Erfolg der Kaufmannsfamilie Ohlendorf nach außen zu zeigen.
Um ihre Anspannung zu lösen, schnitt Auguste sich ein kleines Stück Fleisch ab, so winzig, dass es ihrer Mutter gewiss gefiel, und schob es sich in den Mund. Allerdings schmeckte sie kaum etwas von dem Braten, den die Köchin mit Mühe und Kunstfertigkeit zubereitet hatte. Zu wichtig erschien ihr jedes Wort, das ihr Onkel Georg von sich gab.
»Es ist ein wahrhaft wundersames Erlebnis, all diese außergewöhnlichen Tiere und Pflanzen zu sehen.« Obwohl Georg zum Dozieren neigte und sein Tonfall monoton klang wie der eines Predigers, fand Auguste seine Geschichten so spannend, dass sie sich erneut vorbeugte, damit ihr nichts entging. »Ich habe ein Känguru gesehen, groß wie ein ausgewachsener Mann.«
Vor wenigen Tagen war ihr Onkel aus Australien zurückgekehrt. Von einer Forschungsreise, wie er es nannte; von einer Zeitverschwendung, wie Augustes Vater meinte. Dennoch hatte es sich Julius Ohlendorf nicht nehmen lassen, ein opulentes Abendessen für seinen Bruder auszurichten. Allerdings nur im Kreise der Familie, denn vor den anderen Kaufleuten war es Augustes Vater peinlich, einen abenteuerlustigen jüngeren Bruder zu haben, der durch die Welt reiste, ohne Waren und Handelsgüter mitzubringen.
Auch Wilhelmine Ohlendorf, Augustes Mutter, fürchtete, dass Georg sich schädlich auf die Heiratsaussichten ihrer beiden Töchter auswirken könnte. Aber es gehörte sich nun einmal, als Familie ein geschlossenes Bild nach außen abzugeben. Daher hatte auch sie zugestimmt, den Australienreisenden einzuladen, allerdings nur zu einem kleinen Dinner, wie sie es nannte.
Als einzige in der Familie hatte Auguste dem Treffen mit ihrem Onkel entgegengefiebert und unendlich viele Fragen gesammelt, die sie ihm stellen wollte. Australien, der fremdartige Kontinent am anderen Ende der Welt, faszinierte sie, seitdem sie Ludwig Leichhardts Reisebericht »Tagebuch einer Landreise in Australien von Moreton-Bay nach Port Essington während der Jahre 1844 und 1845« gelesen hatte. Als Onkel Georg vor zwei Jahren mit Forschungsreisen dorthin begonnen hatte, hätte sie ihn am liebsten begleitet. Aber für eine Frau war das kaum möglich, vor allem, wenn sie ehrbar heiraten wollte.
»Zwei von den Biestern konnten wir erschießen und nach Hamburg mitbringen«, erzählte Onkel Georg weiter.
»Lohnt sich der Aufwand, mein lieber Bruder?« In der sonoren Stimme ihres Vaters hörte Auguste deutlich die Spitze. Für den hanseatischen Kaufmann waren die Expeditionen seines jüngeren Bruders ein Spleen. »Diese lange Reiserei für ein paar tote Tiere.«
Ohnehin von kräftiger Statur hatte ihr Vater in den letzten Jahren noch zugelegt, während seine Haare sich zurückgezogen hatten. Kaum zu glauben, dass der sehnige Onkel Georg und er Brüder waren. Das Einzige, was sie gemeinsam hatten, waren die eisblauen Augen unter dunklen Brauen. Während ihr Vater langsam und in gesetzten Worten sprach, redete Onkel Georg unglaublich schnell, was er mit ausgreifenden Gesten unterstrich.
Augustes Onkel schien von einer inneren Unruhe getrieben zu sein, er blieb immer in Bewegung. Selbst jetzt am Esstisch wackelte er mit einem Bein oder trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. Beides brachte ihm einen strafenden Blick von Wilhelmine ein, den Georg jedoch nicht bemerkte oder nicht bemerken wollte. Nun schaute er seinen Bruder an, dessen Lippen sich verächtlich kräuselten.
»Du kannst meine Arbeit nicht mit deiner Zahlenhuberei vergleichen.« Onkel Georgs Messer kratzte auf dem Teller, als er den Braten schnitt. »Jemand wie du kann nicht verstehen, was es bedeutet, ungeahnte Entdeckungen zu machen.«
Wie oft hatte Auguste sich diesen Streit anhören müssen. Ihr Vater und ihr Onkel deuchten wie Feuer und Wasser. Sie hielten es nie lange miteinander aus. Nur dank ihrer hanseatischen Höflichkeit gelang es ihnen, die Gegensätze unter der Tünche guten Benehmens und kleiner Spitzen zu verbergen. Dennoch spürte die sensible Auguste die Spannung, die sich zwischen ihnen aufbaute wie eine Sturmflut vor dem Hamburger Hafen. Jedes Mal fürchtete sie, dass es zum endgültigen Bruch unter den Brüdern käme und sie ihren Onkel nie wiedersehen würde.
»Onkel Georg, stimmt es, dass in Hamburg ein Museum für Völkerkunde entstehen soll?«, fragte sie daher, um die beiden Streithähne auf einen anderen Weg zu führen.
Ihre Mutter sandte Auguste ein dankbares Lächeln. Sophie, ihre jüngere Schwester, verdrehte nur die Augen.
»Ferdinand Pullwermann hat mir zugesagt, meine nächste Expedition zu unterstützen.« Georg begleitete seine Worte mit einem triumphierenden Blick zu seinem Bruder, denn Pullwermann war einer der mächtigsten Hamburger Kaufleute. »Wir sollen Pflanzen und Tiere für sein Museum sammeln.«
»Das ist nur eine Marotte von Pullwermann.« Julius machte eine abwehrende Geste mit der Hand, bevor er sich ein weiteres Bratenstück auf den Teller legte. »Sein Kontorhaus steht voll mit dem Kram.«
»Alles dort ist verstaubt und alt«, warf Sophie mit ihrer zarten Stimme ein. »Das mag sich niemand ansehen.«
Ihr Vater lächelte seine jüngere Tochter an. Obwohl Auguste wusste, dass ihre Eltern ihre hübsche Schwester bevorzugten, wurde ihr jedes Mal das Herz schwer, wenn die wunderbare Sophie ein anerkennendes Nicken erhielt. In allem, was eine Frau auszeichnete, hatte Sophie ihre ältere Schwester übertroffen. Sie tanzte graziler, zeichnete voller Anmut und parlierte über Mode, Hamburg und das sommerliche Leben auf ihrem Gut vor den Mauern der Stadt. Auguste hingegen wirkte ungelenk beim Tanz, scheiterte bereits an dem einfachsten Landschaftsbild und redete über Bücher, Reisen in die Ferne und den Wunsch zu studieren. Kein Wunder, dass sich bisher noch kein Mann für sie interessierte, während die Junggesellen der besten Hamburger Familien es kaum erwarten konnten, Sophie ihre Aufwartung zu machen. Aber das scherte Auguste nicht, da sie keinen dieser Schnösel heiraten wollte. Ihr Herz gehörte einem anderen.

Im Kindle-Shop: Im Bann der Traumzeit: Australien-Roman.
Mehr über und von Christiane Lind auf ihrer Website.

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24. Mai 2019

'Amy - Das phantastische Geheimnis meiner Schwester' von Marit Bernson

Kindle (unlimited)
Leon liebt seine kleine Schwester Amy von ganzem Herzen. Aber irgendetwas an ihr ist merkwürdig. Sie spricht mit Tieren und hat einen geheimnisvollen Einfluss auf ihre Eltern.

Gemeinsam mit seinen Freunden Thea und Finn versucht er, dem Geheimnis um Amy auf die Spur zu kommen. Doch ihre Nachforschungen bringen Amy in Gefahr. Denn es hat einen Grund, dass sie bei Leons Eltern lebt.

Weitere Bücher von Marit Bernson auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Wir saßen in Theas Zimmer. Sie hatte einen Stapel Bücher auf ihrem Bett liegen. Aber die Bücherregale, mit denen ihr Zimmer überfüllt war, waren randvoll. Die Bücher waren also wahrscheinlich neu. So sahen sie auch aus. Als ich sie mir anschaute, fiel mir auf, dass sie alle dasselbe Thema hatten: Sagen- und Märchengestalten, mystische Wesen, Aliens.
„Was liest du denn da?“, fragte ich.
Thea saß an ihrem Laptop, den sie auf all die Bücher und Zettel auf ihrem Schreibtisch gestellt hatte, und bereitete alles dafür vor, Finns Video darauf anzusehen.
„Was?“, fragte sie. „Wieso?“ Sie sah zu den Büchern. „Ach so. Ich will nur wissen, ob es zumindest in der mystischen Welt eine Erklärung für das gibt, was gestern passiert ist.“
„Und wieso Bücher?“, fragte Finn. Er zeigte auf Theas Laptop. „Du hast doch den da?“
„Bücher sind einfach Bücher“, erwiderte Thea. „Ich kann was markieren, Lesezeichen anbringen oder Notizzettel.“
Finn verdrehte die Augen. „Und?“, fragte er.
„Ich hab bisher nichts gefunden. Allerdings habe ich auch noch nicht alles gelesen.“
Finn nahm das oberste Buch vom Bettstapel. Es hieß: „Sie sind unter uns“. Er las den Kurzinhalt. „Hey, hier geht es ja um Außerirdische.“ Er drehte sich zu Thea. „Glaubst du, Amy ist eine Außerirdische?“
Thea zuckte mit den Schultern. „Zumindest schließe ich es nicht aus.“
„Aliens planen eine Invasion, indem sie uns kleine, niedliche Mädchen schicken?“ Finn lachte und wippte seine Brille auf der Nase.
„Ach! Was weiß ich denn?!“ Thea sah Finn mit ihrem Wutgesicht an. „Es gibt zumindest in der Literatur Geschichten über Außerirdische, die ihre Kinder zu uns schicken, damit sie bei uns leben. Allerdings bemerkt man davon nichts.“
„Was?“, rief ich. „Was für Geschichten?“
„Ausgedachte Geschichten vermutlich.“ Thea seufzte. „Ich will einfach nur nichts ausschließen.“ Sie sah wieder zu Finn. „Wenigstens tue ich irgendwas.“
„Meine Mutter hat mir nicht erlaubt, noch was am Video zu machen. Sonst hätte ich es getan.“ Finn sah mich an. „Wirklich. Aber sie war echt sauer, weil ich fast zu spät zum Abendessen gekommen bin. Das hasst sie.“
Ich nickte. „Wer weiß, ob wir darauf überhaupt was Neues sehen.“ Ich sah Thea an. „Meinst du, wir entdecken noch etwas, was uns weiterbringt?“
„Wer weiß?“ Thea setzte ihr genervtes Gesicht auf. „Vielleicht steht ja auf einmal in Großbuchstaben ‚Vogelhypnotiseurin‘ über ihrem Kopf, und man kann es nur auf dem Video sehen.“
Ich lachte. „Oder ‚Elternhypnotiseurin‘.“
Thea und Finn lachten jetzt auch.
„Irgendwie wäre es doch voll cool, wenn sie eine Außerirdische wäre“, sagte Finn. „Dann könnten ihre echten Eltern uns in ihrem Raumschiff mitnehmen.“
Ich musste zugeben, dass das wirklich cool klang.
Finn nahm das nächste Buch. „Urbane Mythen“ hieß es. „Was heißt denn urban?“
Ich hob die Schultern. Das Wort hatte ich noch nie gehört.
„Städtisch“, erwiderte Thea. „In dem Buch geht es um Wesen, die mitten unter uns leben.“
„So wie Vampire?“ Finn grinste. „Vielleicht ist sie ein Vampir. Die können doch auch andere beeinflussen.“
Thea schnaubte. „Ja, liest man immer wieder, dass Vampire Vögel dazu bringen, mit ihnen zu musizieren.“
„Dann eben ein Gestaltwandler oder so was“, sagte Finn. „Hauptsache irgendein Monster!“
Thea riss ihm das Buch aus der Hand, packte die anderen Bücher zusammen und stopfte sie in ihren Schrank. „Genug jetzt“, sagte sie. „Ich lese allein. Wenn ich etwas herausbekommen habe, gebe ich euch Bescheid.“
Finn nutzte die Gelegenheit, sich Theas Notizblock zu schnappen, der auf dem Schreibtisch lag.
„Was soll das bedeuten?“ Er hielt das Buch hoch, auf dem in schwarzen Druckbuchstaben „Projekt A.M.Y.“ stand.
Thea stöhnte. „Irgendwie musste ich es ja nennen. Ich hab noch mehr Notizbücher.“
„A M Y?“ Finn grinste. „Die Abkürzung für Alien, Monster, Yeti?“
Thea verzog den Mund zu einem schmalen Strich. „Gib es her!“, sagte sie langsam, als ob Finn schwer von Begriff wäre, und Finn gehorchte.
Er warf mir ein Grinsen zu, während Thea wieder an ihrem Laptop herumfummelte und endlich das Video startete.
Zu dritt sahen wir zu, wie Amy ihren Gesang anstimmte.
„Das sind ein paar Hundert Vögel“, sagte Thea. „Und seht mal! Da auf dem Dach sitzen auch welche.“
Auf einmal stoppte sie das Video. „Was war denn das?“
„Hä?“, machte Finn.
„Was?“, fragte ich.
Thea fuhr das Video ein Stück zurück, startete es wieder und zeigte auf etwas. Sie vergrößerte den Ausschnitt und ließ die Stelle noch einmal ablaufen.
Man konnte die Kirschlorbeerhecke auf der gegenüberliegenden Seite zu den anderen Nachbarn hin in Großaufnahme sehen. Und da waren eindeutig drei kleine Igel zu erkennen.
Ich starrte auf das Bild. „Wippen die etwa mit ihren Köpfen?“
„Sieht so aus“, sagte Thea und schüttelte wieder den Kopf.
„Das ist ja wie bei Schneewittchen“, rief ich und verzog das Gesicht.
„Ha“, sagte Finn. „Ich weiß, was du meinst. Meine kleine Schwester guckt so was auch. Am Ende ist Amy eine schmalzige Disneyprinzessin.“
Thea lachte. „Das findet ihr dann nicht so cool?“
Finn und ich schüttelten beide den Kopf. „Vögel herbeirufen und sie machen lassen, was man will, das ist cool“, sagte ich, und Finn nickte. „Aber Disneyprinzessinnen sind nun wirklich Mädchenkram.“
Thea sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.
„Kleinmädchenkram“, ergänzte ich schnell.
„Schlimm genug, dass wir wissen, was Disneyprinzessinnen sind“, sagte Finn. „Ein Junge sollte so etwas nicht wissen.“
Thea schüttelte den Kopf und schaute wieder auf das Video.
Wir entdeckten noch zwei Hasen, die aussahen, als würden sie dirigieren, und fünf Mäuse, die eindeutig tanzten.
„Oh, Mann“, murrte Finn. „Wo hast du mich hier bloß reingezogen?“
„Nun hab dich nicht so!“, sagte Thea. „Ist doch nicht schlimm.“
„Ach ja?“, rief Finn. „Und was glaubst du, wer in dieser Geschichte der Scheißprinz sein wird. Da komme ja leider nur ich in Frage.“
„Hey!“, rief ich. „Das ist meine Schwester.“
Thea lachte. „Ich denke, wenn Amy einen Prinzen brauchen würde, dann wäre es erst in ein paar Jahren. Und außerdem müsste es ein echter sein.“ Sie sah Finn von oben bis unten an.
Finn blickte mich finster durch seine braune Hornbrille an. „Wie meint sie das?“
„Nun hört doch auf, euch zu streiten“, rief ich. „Was machen wir jetzt?“
Thea stand auf. „Leon, du bringst mir alles, was du über Amy findest – Babybilder, Fotoalben, Dokumente. Vielleicht entdecken wir da was.“

Im Kindle-Shop: Amy - Das phantastische Geheimnis meiner Schwester.
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23. Mai 2019

'Den Brautstrauß kriegst DU nicht (Happy Days 1)' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
HAPPY DAYS
»Ich möchte doch einfach nur heiraten.« Fenja wird vor ihrer Hochzeit mit Valentin mächtig gebeutelt. Statt Freude und Zustimmung macht Fenja die Erfahrung, dass die Probleme von völlig unerwarteter Seite heranrauschen.

Ihre Mutter und auch die angehende Schwiegermutter wollen heftig bei der Organisation des Hochzeitsfestes mitmischen. Wie erleichternd, dass ihre Brautjungfern Yasmin, Paula und Melly immer wieder für glückliche Stunden sorgen. Sie helfen bei der Suche nach ihrem Traum-Brautkleid, sprühen vor guten Ideen und organisieren eine prächtige Bridal Shower. Allerdings sind die drei Mädels noch Single und jede von ihnen möchte natürlich den heiß begehrten Brautstrauß schnappen.

Weitere Bücher von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
»Ihr dürft mir gratulieren«, Fenja strahlte ihre beiden langjährigen Freundinnen begeistert an und hob ihr Glas Prosecco. »Valentin und ...«
Aber ehe sie den Grund nennen konnte, platzte Paula bereits vor Neugier mitten in ihr Statement.
»Ui, was ist passiert? Hast du eine Gehaltserhöhung bekommen oder ein neues Auto gekauft oder im Lotto gewonnen?«
»Mensch, Paula! Du gibst ihr ja gar keine Gelegenheit, etwas zu sagen!« Yasmin bedachte sie mit einem bösen Blick.
Fenja räusperte sich. »Valentin und ich ... also, wir werden heiraten.«
Für den Bruchteil einer Sekunde war es still am Tisch, dann schnatterten die Freundinnen zeitgleich los.
»Hey«, rief Fenja lachend, »lasst uns darauf anstoßen!«
Die Gläser erklangen hell, als wollten auch sie die Braut in spe beglückwünschen.
Kaum war der erste Schluck getrunken, musste Paula alles lückenlos wissen. »Berichte, wie hat er dir den Heiratsantrag gemacht?«
»So lange seid ihr doch noch gar nicht zusammen!« Der Einwand kam von der stets zur Vorsicht neigenden Yasmin. Ihre schönen dunklen Augen waren kugelrund geworden.
Fenja sah sich gleich zur Rechtfertigung veranlasst. »Ich kenne ihn schon fünf Jahre, elf Monate sind wir jetzt ein Paar und seit vier Monaten haben wir unsere gemeinsame Wohnung.«
Paula zuckte mit den Schultern. »Als wenn das von Bedeutung wäre! Valentin ist schließlich eine blendende Partie! Da würde keine Nein sagen.«
Fenjas Lächeln erlosch. Hatte sie das richtig verstanden? »Warum sagst du das? Das hört sich an, als klebten an jedem seiner Finger zehn Freundinnen und ich hätte im Lostopf gehangen wie beim Bachelor. Und er hat mich genommen, nachdem er alle anderen ausgetestet hat oder einige davon freiwillig aufgegeben haben.« Sie strich sich energisch eine blonde Haarsträhne hinters Ohr.
»Quatsch! Ich meinte nur, er sei ein Schnäppchen«, eierte Paula rum.
»Wie bist du denn drauf? Er hat sich mir nicht wie Sauerbier angeboten und ich mich ihm auch nicht!« Fenja stellte entrüstet das Glas auf den Tisch. Ein bisschen zu heftig, sodass etwas Prosecco überschwappte. »Oh ...«
»So hab ich das doch gar nicht gemeint!« Paula blickte ein wenig ratlos. »Ich, also ...«
Yasmin beendete die unglückseligen Äußerungen ihrer Freundin. »Paula wollte sagen, er ist total nett und sieht obendrein noch toll aus. Und jetzt schieß los, wir sind super neugierig! Du bist die Erste von uns, die es geschafft hat.«

Tatsächlich war Fenja die Allererste der langjährigen Freundinnen, die einen Antrag bekommen hatte – und das ausgerechnet von einem Mann mit bestens gefülltem Konto. Valentin von Sellbach gehörte einer bekannten Unternehmerfamilie an, die mit einer Hotelkette ein Vermögen erwirtschaftet hatte.
Er selbst hatte nach dem Studium in verschiedenen Hotels gearbeitet, um dort fremde Geschäftsluft zu schnuppern und Erfahrungen zu sammeln. Nun führte er mit seiner Mutter gemeinsam die Geschäfte, denn sein Vater hatte sich nach zwei Herzinfarkten vom operativen Geschäft zurückgezogen.
Tatsache jedoch war, dass Mama intern das Regiment mit einem Zwölf-Stunden-Tag fest in den Händen hielt. Das tat sie nicht nur im Beruflichen, auch im Privaten war Carlotta von Sellbach Dreh- und Angelpunkt der Hotelier-Familie. Das hatte Fenja gleich bei der Verkündigung ihrer Verlobung erfahren.
»Mein Kind, sei herzlich willkommen in unserer Familie.« Sie hatte die Braut ihres Sohnes in die Arme genommen, jedoch so, dass ihre kostbare Seidenbluse sowie ihre Frisur nicht gequetscht wurden, ihr Küsschen rechts und links auf die Wangen gehaucht und hinzugesetzt: »Es erwarten dich in Zukunft vielfältige Aufgaben. Wir schauen, welche Funktionen einer Juniorchefin, die fünf Sprachen fließend spricht, würdig sind.«
»Aber ich bin sehr zufrieden mit meinem Job als Empfangsmitarbeiterin.«
»Fenja, es ist kein Job! Ein Job ist, wenn du irgendwo Kisten ausräumst. Front Office Agent heißt, du bist die erste Person, mit denen Gäste Kontakt aufnehmen und somit das Aushängeschild unseres Hotels. Der allererste Eindruck ist der entscheidende und durch nichts zu ersetzen. Das machst du bereits hervorragend. Es ist trotzdem notwendig, die Dinge ein wenig zu modifizieren.«
Damit war für ihre Schwiegermutter in spe die Angelegenheit erst einmal erledigt.

Im Kindle-Shop: Den Brautstrauß kriegst DU nicht (Happy Days 1).
Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.

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'Abgehackt: Team Gran Canaria' von Drea Summer

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ein brutaler Serienmörder sucht die Urlaubsinsel Gran Canaria heim. Binnen kürzester Zeit werden die Leichen eines Obdachlosen und einer Fitnesstrainerin aufgefunden. Beide sind auf furchtbare Art und Weise verstümmelt worden. Die Ermittler der Polizei stehen vor einem Rätsel. Gibt es eine Verbindung zwischen den Opfern? Wo wird der Täter als Nächstes zuschlagen?

Unterdessen werden Sven und Jenny, seit Kurzem als Privatdetektive tätig, von einem nahen Verwandten eines der Opfer beauftragt, ebenfalls nach dem Mörder zu suchen. Doch je tiefer sie graben, umso mehr bringen sich die beiden selbst in tödliche Gefahr.

Leseprobe:
1
»Heute werde ich dich holen«, flüsterte ich. Endlich kehrte Finsternis ins Haus ein. Die notwendige Ruhe, die ich für meinen Besuch brauchte. Ich kauerte schon seit Sonnenuntergang hinter der großen Staude. Das Haus hatte ich keine Sekunde aus den Augen gelassen. Ich hatte alle notwendigen Utensilien mittags in den Rucksack gepackt, den ich nun auf meinen Schultern trug.
Ich musste es heute tun. Heute war die Nacht der Nächte, die Nacht der Abrechnung. Du hast es nicht anders verdient. Du wirst das bekommen, was dir zusteht.
Leise schlich ich hinter dem Gebüsch hervor. Wie auf Samtpfoten näherte ich mich dem Haus. Ich drehte mich in alle Richtungen, da ich keine Überraschungsgäste gebrauchen konnte.
Das Versteck des Notfallschlüssels war schnell gefunden. Erst vor Kurzem hatte ich im Fernsehen eine Reportage gesehen, dass dieser in den meisten Fällen im Umkreis von drei Metern von der Haustür versteckt war. Wie einfallslos das doch war – unter dem Blumentrog, der eine Armlänge neben dem Eingang hing. Wieso lässt man den Schlüssel nicht gleich von außen stecken?, fragte ich mich noch, als ich aufsperrte. Ich hielt den Atem an und hoffte, dass kein Knirschen oder Knarren mein Eintreten verraten würde. Lautlos öffnete sich die Tür. Erleichtert atmete ich aus und setzte einen Fuß ins Innere. Der Geruch von Orange und Zimt kroch in meine Nase.
»Nichts sehen«, murmelte ich. Genau diese Worte werde ich dir ins Ohr flüstern. Sie werden sich tief in deine Synapsen einbrennen. Ganz leise und langsam werde ich es immer und immer wiederholen, bis du deinen letzten Atemzug gemacht hast. Und ich werde jede Sekunde genießen. Du wirst mich ansehen, als wäre ich ein Geist. Kein Flehen wird dich vor dem beschützen, was ich mit dir vorhabe. Du wirst genauso leiden, wie ich gelitten habe. Du bist schuld daran. Nur du. Du hast dich dazu entschieden.
Mein Herzschlag verlangsamte sich, als ich die Treppe hinaufschlich. All die Nervosität war schlagartig wie weggeblasen. Meine Gedanken kreisten nur noch um uns beide. Und darum, was gleich passieren würde. Schritt für Schritt näherte ich mich dem Schlafzimmer. Leise Atemgeräusche drangen in den Flur. Noch schläfst du tief und fest in deinem warmen, wohligen Bett. Träumst von dem unbeschwerten Leben, das du führst. Ich legte meine Hand auf den Türknauf.
Doch bevor ich die Tür öffnen konnte, überkam mich wieder der Zorn, der tief in mir loderte. Ich war enttäuscht. Diesen Moment der Ausführung hatte ich mir spannender vorgestellt. Als ich den Plan vor wenigen Wochen ausgeklügelt hatte, hatte mein ganzer Körper zu zittern angefangen, und das Flügelschlagen in meinem Bauch war deutlich zu spüren gewesen. Diese Last war endlich von mir abgefallen, und die Vorfreude hatte mich jauchzen lassen. Aber jetzt, kurz vor der Umsetzung, nichts, rein gar nichts. Ich hoffte darauf, dass wenigstens ein Anflug von Nervosität einsetzte, sobald ich die Tür öffnen würde.

2
Sven öffnete seine verschlafenen Augen. Seine rechte Seite fühlte sich an, als würde sie nicht zu seinem Körper gehören. Wahrscheinlich hatte er einfach zu lange darauf gelegen. Ein eigenartiges Klicken ganz in seiner Nähe hatte sein Hirn dazu gezwungen, die Tiefschlafphase zu beenden und nach dem Rechten zu sehen. Das fahle Mondlicht, das ins Schlafzimmer schien, zeichnete die Konturen des Eindringlings an die Wand. Sven traute seinen Augen kaum und hielt es im ersten Moment für einen Traum, doch der Schatten beugte sich vornüber. Da ertönte neben Sven schon ein schriller Schrei von Jenny. Ruckartig versuchte er, sich aufzusetzen und auf den Einbrecher loszustürmen, doch sein Körper lag da wie in Stein gemeißelt.
»Sven, hilf mir!«, schrie Jenny noch, bevor ihre Stimme brach. Er spürte ihre Hand, die sich auf seinem Rücken festkrallte, aber langsam die Kraft verlor, bis sie losließ. Kälte strömte auf seinen Körper ein, da die Bettdecke zur Seite geschlagen wurde.
Er wollte etwas auf ihre Worte erwidern, allerdings bekam er keinen Ton heraus. Was war bloß mit seinem Körper los? Wieso konnte er sich nicht bewegen und nichts sagen? Waren ihm Drogen verabreicht worden?
Aus dem einen Schatten an der Wand wurden zwei. Dieses Arschloch zerrt Jenny aus dem Bett. Der Geruch von Chloroform stieg ihm in die Nase und kroch hinauf in sein Gehirn. Das Schwein hatte Jenny betäubt.
Verschwinde, lass sie in Ruhe, befahl sein Hirn hinauszuschreien, doch es kamen keinerlei Worte über seine Lippen. Nichts an Svens Körper bewegte sich, außer seinen Augen, die an der Wand mitverfolgen konnten, was sich hinter seinem Rücken für grausame Taten abspielten. Er hörte ein dumpfes Geräusch. Etwas war zu Boden gefallen. Der Unbekannte hatte Jenny aus dem Bett geworfen und zog sie an den Oberarmen über den Boden. Gleich würde Sven die beiden sehen. Er richtete seinen Blick auf die Schlafzimmertür. Sein Geist war bereit. Dann würde er angreifen wie ein wilder Tiger, der Hunger hatte.
Er sah die dunkle Gestalt, die vornübergebeugt seine Freundin hinter sich herschleifte. Der Mond schien heller als zuvor, und er konnte direkt in das Gesicht des Einbrechers blicken. Die Haut war komplett weiß, und auf der Nase prangte ein roter Ball. Der Mund war in stechendem Rot zu einem Lachen aufgemalt. Ein Clown, durchfuhr es ihn. Gerade ein Clown wollte sie entführen. Sie hasste Clowns. Als Kind, so hatte sie ihm erzählt, hatte sie schreckliche Angst vor diesen schaurigen Gestalten gehabt. Nun sah Sven auch das Bündel, das sich regungslos von dem Täter aus dem Zimmer zerren ließ. Jennys Kopf war nach vorne geneigt und wippte von rechts nach links.
Was Sven dann erblickte, holte ihn endlich aus seiner Schockstarre, und ihm entfuhr ein gellender Schrei, der jedes Glas zum Zerbersten bringen würde. Das Adrenalin schoss durch seine Adern, und endlich schaffte er es, sich im Bett aufzurichten. Da spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Sofort aktivierten sich die Verteidigungsmechanismen in seinem Körper. Der Kampf um Jenny konnte beginnen. Niemals würde er sie aufgeben und diesem Kerl überlassen.

3
Cecilia Sanchez Pérez wunderte sich heute Morgen über das abrupte Aufbrechen ihres Mannes. Normalerweise nahmen die beiden ihr Frühstück immer gemeinsam ein. Pünktlich um halb acht standen die dampfenden Kaffeetassen auf dem Tisch. Er war eben ein echter Deutscher, der auf Recht und Ordnung bestand. Alles musste immer genau nach Plan laufen und seinen geordneten Gang nehmen. Schon seit dem ersten Kennenlernen, vor mehr als zwanzig Jahren, wusste Cecilia, dass sie es mit Horst nicht leicht haben würde. Er war eben ein spießiger Langweiler, ganz das Gegenteil zu ihrer spanischen Mentalität. Doch heute hatte er sich seltsam benommen. Sie seufzte, als sie allein am Küchentisch saß und ihren Kaffee trank. Sie schaute durch die Glasfront nach draußen und hatte einen wundervollen Blick über das gesamte San Agustín, das sich unter ihrem Haus in seiner vollen Schönheit präsentierte. Gerade eben war die Sonne aufgegangen, und das Licht spiegelte sich orangefarben im Meer wider. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es kurz vor acht war. Sie hatte noch massig Zeit, bis der erste Klient des Tages ihre Praxis betreten würde.
Da hörte sie bereits den Schlüssel im Schloss und war froh, als Maria Momente später zu ihr in die Küche trat. Seit mehr als fünf Jahren kam sie jeden Tag pünktlich zur Arbeit, kochte, putzte und pflegte Cecilias Vater, der nach einem Schlaganfall mehr oder minder in seinem Bett dahinvegetierte und darauf wartete, dass Gott ihn endlich zu sich holte.
Was würde sie bloß ohne Maria machen? Dieses freundliche Wesen mit dem Aussehen einer echten spanischen Mutter und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Cecilia wollte sich auf keinen Fall um ihren Vater kümmern, vermutlich hätte sie ihm ins Gesicht gespuckt. Doch angesichts der Tatsache, dass ihr Mann Horst nichts von dieser Geschichte in ihrer Jugend wusste, hatte sie den Vorschlag von ihm nicht ablehnen können, nach dem Tod ihrer Mutter vor knapp sechs Jahren wieder nach Gran Canaria zu ziehen. Zu groß war ihre Furcht vor dem, was passierte, wenn Horst die Wahrheit erfahren würde.
So waren sie mit Sack und Pack hierhergezogen. »Familie geht über alles. Blut ist dicker als Wasser«, hatte Horst damals gesagt, als er die Entscheidung, auf der Insel zu wohnen und ihren Vater zu sich zu holen, wie selbstverständlich getroffen hatte.
Maria war bereits durch die Balkontür verschwunden und stieg die Außentreppe hinunter in den Keller, den Horst für ihren Vater hatte umbauen lassen. Zwar hatte er nicht verstanden, warum er nicht bei ihnen oben im Haus wohnen konnte – Platz wäre doch genug gewesen –, ließ sich aber dann doch zu einem Umbau der Kellerwohnung überreden.
Durch einen Luftzug schwang die Balkontür wieder auf, und Meeresluft strömte in das Innere des Hauses. Cecilia strich ihre kinnlangen schwarzen Haare aus dem Gesicht. Wie gebannt starrte sie durch die Glasfront und war in Gedanken versunken. Zurück in ihrer Studienzeit, in der sie weit weg von dieser Insel war: in Leipzig auf dem Sofa ihrer Psychiaterin. Sie war die Einzige, die die Wahrheit kannte. Die ganze grausame Geschichte, wie es sich zugetragen hatte. Die Worte der Psychiaterin hallten heute noch in Cecilias Kopf. »Erst der Tod des Peinigers wird dir auch deinen Schmerz nehmen. Und du wirst endlich loslassen können.« Warum will ich bloß an diese Worte glauben, wenn sie doch nicht wahr sind?
In diesem Moment klingelte ihr Telefon und riss sie aus ihren Erinnerungen. Eine Benachrichtigung von Facebook wurde angezeigt. Um sich von ihren düsteren Gedanken abzulenken, tippte sie auf das Display und öffnete die App. Die Seite ›Info Gran Canaria‹ erschien sogleich auf ihrem Bildschirm, und sie las den Artikel:
›Heute in den frühen Morgenstunden wurde von Spaziergängern eine weibliche Leiche am Strand von Playa del Inglés gefunden. Wie auch bei dem Leichenfund vor drei Tagen wurden der Frau die Füße und Hände sowie der Kopf abgetrennt. Inspektor Carlos Muñoz Díaz war heute zu einer kurzen Stellungnahme bereit. Wie er uns berichtete, handelt es sich bei dieser Frau vermutlich um Victoria Garcia Ruíz. Die rechtsmedizinische Identifizierung wird in den kommenden Stunden für Klarheit sorgen. Victoria Garcia Ruíz wurde vor drei Tagen aus ihrem Haus entführt. Wir haben bereits darüber berichtet. Inspektor Muñoz Díaz geht mittlerweile von einem Serienverbrecher aus, der auf der Kanareninsel sein Unwesen treibt. Die neuesten Ermittlungen zu dem toten Mann, der vor drei Tagen an den Strand von Maspalomas gespült wurde und dort für Aufsehen gesorgt hatte, haben ergeben, dass es sich hierbei um den siebenundsechzigjährigen Obdachlosen Helge Larsen, einen gebürtigen Norweger, handelt. Über die Hintergründe der Taten wollte der Inspektor noch nichts Näheres bekannt geben. Allerdings bittet er die Bevölkerung um Mithilfe. Sollte Ihnen in Ihrer Nachbarschaft etwas Merkwürdiges auffallen oder aufgefallen sein, verständigen Sie bitte sofort die Polizei unter dem Notruf 112.‹
Jetzt war Cecilia klar, warum ihr Mann heute früh so schnell das Haus verlassen hatte. Dieser Artikel war von Horst verfasst worden. Schließlich war er einer der beiden Redakteure dieser Informationsseite. Ein Serienkiller auf Gran Canaria, der anscheinend nur eine kurze Abkühlphase hatte. Was für ein Albtraum!
Der Name der Frau ließ ihr die Haare zu Berge stehen. Konnte es sich wirklich um …? Aber das war doch nicht möglich. Wer hätte sie denn ermorden sollen? Und dann noch auf so eine bestialische Art und Weise? Cecilia starrte noch immer auf den Bildschirm ihres Handys, der in der Zwischenzeit schwarz geworden war. Sie musste heute ihre Praxis früher verlassen, um Horst über weitere Einzelheiten auszufragen. Dieser Fall interessierte sie persönlich sowie auch als Psychologin brennend. Schon einige Male war sie bereits in Deutschland wegen ihrer fundierten Kenntnisse für die Erstellung von Täterprofilen hinzugezogen worden. Somit könnte sie vielleicht auch hier helfen.

Im Kindle-Shop: Abgehackt: Team Gran Canaria.
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22. Mai 2019

'Mordsherz: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited)
Band 3 der Reihe ‚Anders und Stern ermitteln‘

Wie ein Orkan fegt die Nachricht durch St. Peter-Ording: Buchhändlerin Magdalene Paulsen sitzt auf der Aussichtsdüne Maleens Knoll – tot, in der Hand ein zerbrochenes Lebkuchenherz.

Kürzlich erst hatte die Endfünfzigerin im Lotto gewonnen. Nun suchte sie auch privat das späte große Glück. Hat Magdalene zu viel gewollt? Ist es ein Zufall, dass sie auf der sagenumwobenen Düne starb? Der Aussichtspunkt ist nach einer Namensvetterin benannt, die dort einst vergeblich auf ihren Liebsten wartete.

Tammo Anders und Fenna Stern sind sicher: Der Mord hat mit Geld oder Liebe zu tun. Die Suche im engsten Umfeld der Toten erweist sich als schwierig. Doch dann stellen die Ermittler dem Täter eine Falle.

Weitere Bücher von Ulrike Busch auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Bis zum Sonnenuntergang dauerte es nicht mehr lange. Der Wind legte sich und diese seltsame Stille trat ein, die sich an Sommerabenden über Strand und Meer ausbreitete, als bedeckte jemand die Seelandschaft mit einer unsichtbaren Hülle, um sie zu schützen.
Hanne nahm Abschied von dem friedlichen Anblick. In gleichmäßigen Schritten marschierte sie zur Seebrücke und dann über dieses hölzerne Konstrukt, das sich scheinbar endlos lang dahinzog, zurück in den Ort.
Ihr Fahrrad wartete an einem der Ständer vor dem Blumenladen auf sie. Sie löste das Schloss, schwang sich in den Sattel und fuhr los.
Es ließ ihr keine Ruhe. Auf der Fahrt zu ihrer Wohnung machte sie einen Umweg zum Haus von Magdalene. Brennende Neugier war es, die sie dorthin trieb.
Lene hatte ein Haus gemietet, das einer Frau gehörte, die aus Sankt Peter-Ording stammte, aber seit Jahren in Düsseldorf lebte. Es lag jenseits der Landstraße, die den Ort der Länge nach in zwei Bereiche teilte – einen, der zur Seeseite hin lag, und einen, der zum Landesinneren hin ausgerichtet war und der an weite Felder und Wiesen grenzte. Das Haus war von einem üppigen Garten umgeben. Magdalene hatte die Natur geliebt.
Auch Falk und seine Frau wohnten in dieser Gegend. Ob Magdalene sich deshalb ein Haus auf dieser Seite des Dorfes gesucht hatte? Hatte der Wunsch, ihm nahe zu sein, über die Jahrzehnte hinweg nie nachgelassen?
Hanne brachte das Rad zum Stehen.
Vor der Gartenpforte des Hauses lagen Blumengebinde verstreut. Brennende Kerzen standen dazwischen. Grablichter mit eingebrannten Motiven – fliegenden Tauben, die einen Palmzweig im Schnabel trugen. Zeichen der Anteilnahme von Menschen, die um Magdalene trauerten.
Ein Gedanke gab Hanne einen Stich ins Herz. Wie wäre das, wenn sie selbst gestorben wäre? Würden die Bewohner von Sankt Peter-Ording auch für sie Blumen hinterlassen und Kerzen anzünden?
Unschlüssig stand Hanne da, die Hände auf dem Lenker, einen Fuß auf den Boden gestemmt, den anderen auf dem Pedal. So verharrte sie eine Weile.
Plötzlich spürte sie einen Krampf in der Wade. Sie stieg vom Rad und dehnte das Bein. Als der Muskel sich entspannte, hob sie sich wieder auf den Sattel und fuhr zum Blumenladen zurück.
Sie stellte einen Strauß aus Lilien, blauem Limonium und weißen Nelken zusammen. Dazu wählte sie Blätter der Schildblume und etwas Lederfarn. Zum Schluss entschied sie sich noch für eine blaue Distel. Sie legte die Pflanzen auf dem Tresen ab, schaltete das Radio ein, damit es nicht so unheimlich still im Ladenlokal war, und begann, den Strauß zu binden.
Das fertige Gebinde hielt sie mit ausgestrecktem Arm in die Luft und betrachtete es.
Ihr Blick wanderte weiter zum Fenster.
Ob Magdalene sehen konnte, was sie für sie tat?
Die Sonne war untergegangen, und die Dunkelheit brach ein. Es wurde Zeit, sich auf den Weg zu machen. Sie notierte, welche Pflanzen sie entnommen hatte. Das Geld für den Strauß würde sie morgen in die Kasse legen. Sie schloss den Laden wieder ab, deponierte das Blumengebinde im Fahrradkorb auf dem Gepäckträger und machte sich erneut auf zu Magdalenes Haus.
Die Straße lag gespenstisch ruhig da.
Hanne summte vor sich hin und lachte über sich selbst. Es war ihr, als versuchte sie, Geister zu verscheuchen, die schemenhaft sichtbar um sie herum tanzten. Dunst stieg über den Feldern auf, wie sie bei fortschreitender Dunkelheit erkennen konnte. Und wer wusste schon, welche Seelen sich dahinter verbargen?
Sie würde sich nicht lange aufhalten. Mit eingezogenem Kopf hielt sie vor Magdalenes Haus an und lehnte das Rad gegen den Gartenzaun. Sie hob den Strauß aus dem Fahrradkorb. Vorsichtig wickelte sie ihn aus dem Papier und legte ihn ab.
Er war unter all den Gebinden, die dort lagen das schönste. Sie schob die anderen Sträuße etwas beiseite, legte ihre Blumen in die Mitte und ordnete einige Kerzen so an, dass sie die Blüten erleuchteten.
Ein bewegender Anblick.
Sie faltete die Hände. Was würde sie zu Magdalene sagen, wenn sie wüsste, dass die verstorbene Freundin sie hören konnte?
Hanne schrak zusammen.
Ein schwacher Lichtschein fiel durch ein Fenster im oberen Stockwerk und streifte den Gehweg. Wie der Schein eines Leuchtturms war er aufgetaucht und nach wenigen Sekunden wieder verschwunden.
Sie drückte die Hand auf die Brust.
Da, wieder ein Licht, wieder nur für zwei Sekunden. Galt das ihr? Sie blickte sich um. Das Feld gegenüber dem Haus lag völlig im Dunkeln. Etwas raschelte in den Sträuchern, die die Grenze zur Straße markierten.
In Panik griff Hanne nach dem Fahrradlenker. Sie schob das Rad auf die Straße und blickte noch einmal in das obere Stockwerk von Magdalenes Haus.
Plötzlich erhellte der Lichtstrahl für einen Moment ein Gesicht hinter dem Fenster. Das war doch ... Satan!
Sie rettete sich auf den Sattel und trat in die Pedale, als ginge es um ihr Leben.

Im Kindle-Shop: Mordsherz: Nordseekrimi (Anders und Stern ermitteln 3).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.

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21. Mai 2019

'Die Nacht ist unser: Schatten der Vergangenheit' von Maria Spotlight

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Habt ihr auch schon von ihnen gehört? Den schaurigen Geschichten über die lautlosen Killer in der Nacht, welche sich auf unhörbaren Schritten ihren Opfern nähern, um von deren Blut zu kosten. Oder die Bestien, welche bei Vollmond zu riesigen Wölfen werden und in ihrer Gier ganze Schafherden reißen.

Das Wissen über sie reicht auf eine Münze und so gut wie niemand weiß, woher sie stammten und weshalb sie die Zeiten bis heute überdauern konnten. Um eine Geschichte zu verstehen, muss man ihren Ursprung kennen. So beginnt die Geschichte um die Entstehung der drei Klans; die Vampire, die Werwölfe und die Hexen, welche Hand in Hand ihr gemeinsames Reich schaffen. Und dann wird sie geboren. In einer stürmischen Nacht erblickt Larissa das Licht der Welt, das einzige Mischwesen aus Vampir und Werwolf, ausgestattet mit den Kräften einer Hexe. Zwischen dem alltäglichen Wahnsinn muss Larissa nicht nur ihre wahre Gestalt verborgen halten, sondern auch kämpfen, denn dunkle Wolken sind über den Klans heraufgezogen. Mehr und mehr wird ihr bewusst, dass der Klan der Hexen, und somit ihr Anführer Klaus, ein falsches Spiel spielen. Kann Larissa, gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden, die Verschwörung rechtzeitig stoppen oder ist die Bedrohung schon zu sehr vorangeschritten?

Tauchen Sie ein in eine düstere Welt, voll Fantasie, Spannung und Abenteuer, der Suche nach der großen Liebe, aber auch Machtspielen, Verrat, herben Rückschlägen und bitteren Enttäuschungen.

Leseprobe:
Von den Anfängen
Habt ihr auch schon von ihnen gehört? Den schaurigen Geschichten über die lautlosen Killer in der Nacht, welche sich auf unhörbaren Schritten ihren Opfern nähern, um von deren Blut zu kosten. Oder die Bestien, welche bei Vollmond zu riesigen Wölfen werden und in ihrer Gier ganze Schafherden reißen. Das Wissen über sie reicht auf eine Münze und so gut wie niemand weiß, woher sie stammten und weshalb sie die Zeiten bis heute überdauern konnten. Um eine Geschichte zu verstehen, muss man ihren Ursprung kennen. Achthundert vor Christus wandelten zwei riesige Tiergestalten durch die Wälder des Abnoba mons. Der eine trug die Gestalt eines monströsen, furchterregenden Wolfes, der andere hatte das Aussehen einer gigantischen, unheilvollen Fledermaus. Zunächst noch an ihr animalisches Aussehen gebunden, waren sie dazu fähig, menschliche Gestalt anzunehmen. Die Urväter der Vampire und Werwölfe waren geboren. Als Menschen getarnt, konnten sie nun unauffällig unter ihnen gehen. Das machte sie noch gefährlicher, denn die Sterblichen hatten keine Ahnung von ihnen. Doch diese Sicherheit währte nicht allzu lange. Aufgrund ihrer zerstörerischen Art zu jagen, kamen die Menschen den Kreaturen auf die Spur. Eine Hetzjagd begann auf sie, man wollte diese Wesen tot sehen. In einem dunklen Waldstück hatte man den Bestien eine Falle gestellt, in welche die Kreaturen ahnungslos hinein getappt waren. Die tapfersten Männer waren ausgeritten, um diese Scheusale zu vernichten. Und als Yorick, der Hüne, gerade zum Schwerthieb ausholte, um den Wolf zu enthaupten, warf sich die Fledermaus dazwischen. Der Hüne schnitt ihr dabei die Flügel ab, die mit einem donnernden Geräusch zur Erde fielen. Der Wolf aber nutzte die Gelegenheit, tötete Yorick und die anderen sechs Männer. Schwer verletzt flüchteten sie sich in eine nahe gelegene Höhle. Die Fledermaus war dem Tode nahe, der Wolf fürchtete um das Leben seines Freundes. Da trat eine Kapuzengestalt in die Höhle; es war eine Frau. Schön anzusehen, mit langem brünettem Haar und jadegrünen Augen.
„Töte mich nicht“, bat die Frau, „ich bin in guten Absichten gekommen. Dein Freund, er ist schwer verwundet. Ich kann ihm helfen, wenn du willst.“
Der Wolf betrachtete die Frau zunächst misstrauisch, doch welche Wahl blieb ihm? Sie war nun mal da, alleine würde er es nicht schaffen.
„Was verlangst du dafür?“
„Darüber sprechen wir, wenn es soweit ist. Willigst du nun ein?“
Er gab ihr sein Einverständnis.
Sie nahm Kräuter aus ihrer Tasche und reichte sie dem Wolf; er hatte so etwas noch nie gesehen.
„Sei so gut und zerkau diese Blätter hier.“
Noch etwas zaghaft tat er schließlich, wie ihm geheißen wurde.
„Das machst du gut. Nimm sie aus deinem Mund und verteile sie auf den Wunden deines Freundes.“
Die Frau breitete ihre Hände über den Verletzungen der Fledermaus aus und begann in einer seltsamen Sprache zu sprechen. Die Kräuter auf den offenen Stellen fingen an zu dampfen. Dampf verwandelte sich in Rauch, der zur Decke der Höhle emporstieg. Wo bis gerade eben noch zwei klaffende, blutige Wunden waren, konnte man nicht mal mehr ein Fleck sehen. Die Verwundungen hatten sich geschlossen, nicht einmal eine Narbe blieb zurück. Die Fledermaus erholte sich rasch, fiel dann in einen sanften Schlaf.
„Wie hast du das gemacht?“, fragte der Wolf.
„Ich bin eine Hexe und Hexen verstehen sich auf solchen Dingen.“
„Wie ist dein Name?“
„Ich heiße Emily und ich bin einen weiten Weg gegangen, um euch zu sehen. Ihr seid einzigartig, geschaffen von Mutter Natur selbst und es obliegt mir, euch vor weiteren Gefahren zu beschützen. Du und dein Freund seid unvorsichtig, ihr kennt die Menschen nicht wie ich sie kenne. Mit meiner Hilfe könntet ihr es besser haben.“
„Dann bleib bei uns, Emily. Wir werden dich beschützen. Als Dank, dass du meinen Freund vor dem Tode bewahrt hast.“
„Dieses Angebot nehme ich gerne an. Doch gestatte mir eine weitere Bitte auszuschlagen, für die Errettung deines Freundes. Erlaube mir, wenn die Zeit gekommen ist, eure Nachfahren, die ihr noch Zeugen werdet, mit der Gabe der Unsterblichkeit zu segnen.“
„Ich will dir diesen Wunsch gewähren, auch im Namen der Fledermaus. Wann wird diese Zeit kommen?“
„Noch lange nicht, mein Freund. Nach dem, was geschehen ist, könnt ihr vorerst nicht mehr unter die Menschen treten.“
Dreihundert Jahre hielten sie sich im Verborgenen. Die Zeitalter wechselten wie Tag und Nacht, aber es schien für die drei nur ein kurzer Augenblick in ihrem Leben zu sein. Die Fledermaus verlor ihre Flugfähigkeit, doch blieb sie auch am Boden eine Koryphäe im Töten. Durch das Wissen der Hexe wurden die Kreaturen nun wachsamer und gingen lautlos unter den Menschen. Ihre Fähigkeiten verbesserten sich enorm, die Beschaffung von Nahrung war ein Leichtes geworden. Niemals fand man einen Leichnam, dafür sorgte die Hexe. Als sie spürte, die Zeit war gekommen, da nahmen sich der Wolf und die Fledermaus zwei Frauen und erfüllten deren Leiber mit ihrer Frucht. Dies geschah im Jahr eins vor Christus. Mit dem Jahr Null brachten die Frauen zur selben Zeit zwei kräftige Knaben zur Welt, welche die Hexe, dank ihrer unermesslichen Macht, unsterblich machte. Auf ihren Befehl hin, töteten der Wolf und die Fledermaus die Frauen und mit den ersten Sonnenstrahlen des Morgens erstarrten die Urväter zu Stein und zerfielen im Wind zu Staub. Ihre Zeit war vorüber, denn anders als ihre Nachfahren besaßen sie keine Unsterblichkeit. Die Kinder nahm Emily mit sich. Tief verborgen im Marcynischen Wald zog die Hexe die Knaben groß. Sie gab ihnen Namen, der Werwolf hieß Kunolf, was der Sippenwolf bedeutet, und der Vampir sollte Farold heißen, der weithin Herrschende. In der Obhut der Hexe wuchsen sie schnell heran und wurden zu den ersten unsterblichen Kindern der Nacht.

Im Kindle-Shop: Die Nacht ist unser: Schatten der Vergangenheit.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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20. Mai 2019

'Der Hinterlistigen Zähmung' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Kate ist erfolgreich und unbarmherzig in ihrem Job, was besonders ihrem Kollegen Luke missfällt. Damit Kate ihm bei Verhandlungen für einen neuen Auftrag nicht im Wege steht, überredet er seinen Jugendfreund, den wohlhabenden Peter, sie abzulenken.

Doch Kate ist schnell von ihrem neuen "Kunden" genervt. Zumal dieser gutaussehende Mister Arroganz sich eindeutig an sie heranmacht. Peter muss sich mächtig anstrengen, um sie zu beeindrucken, denn er hat seine ganz eigenen Gründe, sich auf diese Täuschung einzulassen.

Weitere Bücher von Marit Bernson auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Gespannt schaute Kate sich um. Sand, der sich mit Wiesen abwechselte, kleine Wäldchen und immer wieder Wasser.
Ansonsten sah sie nur Vögel. Sie erkannte Pelikane und Kraniche. Doch die meisten Vogelarten waren ihr völlig unbekannt.
Peter hielt neben einem Wäldchen, das an einen Fluss grenzte.
»So viele Vögel!« Kate seufzte. »Wo sind denn die großen Tiere?«
»Krokodile?«, fragte Peter.
»Die Elefanten oder Nashörner.«
Peter lachte. »Ich dachte, das mit den Löwen vorhin war ein Scherz. Aber Sie haben ja tatsächlich keine Ahnung, welche Tiere hier leben.«
Kate verzog das Gesicht. »Also gibt es hier wirklich keine Elefanten?«
Peter schüttelte den Kopf. »Dieser Nationalpark ist bekannt für sein Vogelvorkommen. Die Zugvögel aus Europa überwintern hier. Im Januar und Februar ist hier alles voller Vögel.«
»Ich wusste nicht, dass es zur Allgemeinbildung gehört zu wissen, in welchen Nationalparks Afrikas man welche Tiere findet«, erwiderte Kate. »Entschuldigung, dass ich bei Safari an Löwen, Nashörner, Elefanten und Giraffen gedacht habe.«
»Giraffen? Die gibt es nur …«
»Das ist ja wirklich blöd«, unterbrach Kate ihn. »Ich sagte schon, dass ich auf einer reiten will. Das macht man doch sonst in Nationalparks.«
»Das sind Kamele in Ägypten.« Peter grinste wieder. »Die sehen nur am Kopf so ähnlich aus wie Giraffen.« Er hatte die Augen aufgerissen und die Lippen vorgestülpt, sodass er wirklich dämlich dabei aussah, wie er das Gesicht eines Kamels nachahmte.
Kate musste sich ein Lachen verkneifen. Doch er sollte ruhig denken, dass sie genervt war. Sie hatte nichts dagegen, Vögel anzusehen, aber Mister Beeindruckend musste eindeutig mal merken, dass sich nicht jede Frau an ihn heranschmiss, wenn er den Weltenbummler raushängen ließ. Bei Kate hätte er dafür mindestens fünf Elefanten gebraucht.
Sie seufzte und sprang aus dem Wagen.
»Wo wollen Sie hin?«, fragte Peter.
»Ich muss mal.«
»Aber gehen Sie nicht so weit weg!«
»Warum? Damit die Vögel mich nicht auffressen?« Sie wartete die Antwort nicht ab, sondern verschwand hinter einer Baumreihe.
Sie ging etliche Meter in das kleine Waldstück und sah sich aufmerksam um. Nur für den Fall, dass Peter geschwindelt hatte und doch ein Löwe auftauchte. Aber dann hätte er sie nicht allein gehen lassen, oder?
Kate stellte sich gerade vor, wie sie mit heruntergelassener Hose aufschrie, weil ein Löwe ihr direkt ins Gesicht blickte und Peter herbeieilte, um sie zu retten. Bloß nicht!
In diesem Moment zischte etwas an ihren Füßen.
Kate blickte hinunter – sie stand inmitten von Schlangen. Dutzende. Nicht groß, aber erschreckend viele.

Im Kindle-Shop: Der Hinterlistigen Zähmung: Liebesroman.
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



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16. Mai 2019

'Das Gemälde der Tänzerin' von Christine Jaeggi

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Ein altes Hotel in der Schweiz, der mysteriöse Tod eines Zimmermädchens und ein verschollenes Gemälde

Helena hat alles verloren: Ihre Zukunft als talentierte Ballerina, ihre große Liebe und die Unabhängigkeit. Inzwischen ist sie arbeitslos und lebt am Existenzminimum. Als sie endlich einen Job als Zimmermädchen erhält, scheint sich das Schicksal zu wenden. Nur soll sie ausgerechnet in dem Schweizer Hotel arbeiten, dessen Besitzer vor vielen Jahren ihr Leben zerstört hat. Doch Helena hat keine Wahl, sie braucht den Job.

Eines Tages erfährt sie im Hotel von dem tragischen Schicksal eines 1942 ermordeten Zimmermädchens. Der Mord scheint mit einem verschollenen Gemälde zusammenzuhängen. Helena beschließt, dem Rätsel auf den Grund zu gehen und das Gemälde zu suchen, doch auch der attraktive Krimiautor Noah ist ihm bereits auf der Spur. Als Noah Helena um einen Gefallen bittet, droht ein jahrelang gehütetes Geheimnis ans Licht zu kommen.

Leseprobe:
Strasbourg, 1865
Beinahe schwerelos wie ein Schmetterling tanzte sie über das Feld und ignorierte die herunterprasselnden Regentropfen. Ihr langes Haar und das weiße Kleid waren längst durchnässt, aber es kümmerte sie nicht. Mit ihren elegant in der Luft schwingenden Gliedern fing sie die Tropfen auf, als wären es Perlen, die vom Himmel fielen.
Amos Löwenfeld verfolgte ihre Bewegungen gebannt und versuchte sich jede Einzelheit einzuprägen. Später würde er seine Tänzerin im Regen malen. Es sollte ein Gemälde für die Ewigkeit werden, welches an diesen glücklichen Tag erinnern und Kraft und Hoffnung in dunklen Zeiten spenden würde. Sie hatten in den vergangenen Monaten viel zusammen durchgestanden und alles verloren, dafür aber die Liebe gewonnen. Doch Amos spürte, dass das Elend noch nicht vorbei war. Rache, aber auch Krieg hingen wie die düsteren Regenwolken über ihnen und warteten nur darauf, sie mit aller Stärke zu vernichten.
Amos versuchte seine Sorgen zu vergessen und sich gänzlich auf seine große Liebe, sein Modell für das neue Gemälde zu konzentrieren. Rosaline, die Tänzerin im Regen.

Luzern, Mittwoch, 20. Juni 2018
Helena unterdrückte den Impuls laut loszulachen, obwohl ihr eigentlich zum Heulen zumute war. Welche Ironie des Schicksals! Da hatte sie endlich Aussicht auf einen Job, und dann das!
»Die Stelle ist wirklich im Hotel Kronenberg?«, fragte sie, um sich zu vergewissern, dass sie Frau Lutz – ihre Personalberaterin hier im RAV, dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum – richtig verstanden hatte.
Diese strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die ihr der brummende Ventilator alle zehn Sekunden erneut in die Stirn wehte. »Genau.«
»Unglaublich«, murmelte Helena, was Frau Lutz stirnrunzelnd quittierte.
»Frau Saxer«, begann sie mit warnendem Unterton. »Andere Möglichkeiten haben Sie nicht. Ich weiß, Sie möchten wieder als Verkäuferin arbeiten, doch diese Stellen sind momentan rar. Seit die Modekette Jewel so viele Filialen schließen und Mitarbeiter entlassen musste, ist …« Ruckartig wandte sie sich zum Ventilator. »Dieses Gerät treibt mich noch in den Wahnsinn!« Sie stellte ihn so ein, dass er sich nicht mehr drehte und stattdessen nur in eine Richtung – Helenas Richtung – blies. Vorsichtig rückte Helena ihren Stuhl etwas nach rechts, um dem Wind zu entgehen und hörte Frau Lutz aufmerksam zu.
»Jedenfalls ist die Situation seither höchst prekär. Dazu kommt, dass sich gewisse Geschäfte sogar Verkaufsroboter anschaffen, wodurch unqualifizierte Leute wie Sie ihre Stelle verlieren.«
Helena schluckte. Selbst für sie klang es nach wie vor absurd, entsprach aber leider der Wahrheit. Ihre ehemalige Chefin war eine Trendsetterin und wollte auch technologisch einen Schritt weiter sein als andere Kleidergeschäfte. Deshalb hatte sie sich einen Verkaufsroboter angeschafft – ein blödes Ding aus weißem Kunststoff.
Helena konzentrierte sich wieder auf Frau Lutz, die ihr gerade einen Vortrag hielt.
»Unser Ziel ist Ihre rasche Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Deshalb unterstützen wir Sie ja auch in jeder Form. Aber im Gegenzug verlangen wir, dass Sie Ihren Pflichten nachkommen. Dazu gehört auch, nicht wählerisch zu sein und sich für jede zumutbare Stelle zu bewerben! Auch als Zimmermädchen!«
Helena nickte schnell. »Ja, ich weiß. Ich habe wirklich kein Problem damit, Zimmer zu putzen. Nur nicht im Hotel Kronenberg.«
Frau Lutz rückte ihre Brille zurecht. »Was haben Sie gegen das Kronenberg? Es ist ein Fünf-Sterne-Nobelhotel.«
Helena starrte auf eine Reihe schief stehender Ordner auf dem Schreibtisch, die jederzeit umfallen konnten. Die Inhaber des Kronenbergs haben vor vielen Jahren mein Leben zerstört, hätte sie am liebsten gesagt, murmelte stattdessen aber ein bedeutungsloses »eigentlich nichts«, was Frau Lutz aufseufzen ließ.
»Frau Saxer, Sie sind jetzt schon fast drei Monate auf Arbeitssuche. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, sind es bereits fünf, wenn wir die zwei Monate dazuzählen, die Sie noch bei Graziella angestellt waren. Außer einer nicht abgeschlossenen Tanzausbildung können Sie nichts vorweisen. Aber ohne Ausbildung und Qualifikationen sind Sie schwer vermittelbar auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb müssen Sie sich für diesen Job bewerben, sonst kürzen wir Ihnen das Taggeld. Abgesehen davon ist noch nicht klar, ob Sie die Stelle überhaupt erhalten.« Sie schob Helena das Stelleninserat zu. »Falls ja, könnten Sie sofort beginnen. Ein Glücksfall!«
»Ja, ein Glücksfall«, sagte Helena wenig motiviert und faltete das Inserat zusammen. »Ich werde mich bewerben.« Sie würde dadurch zwar ihr Versprechen nicht einhalten, das sie den Kronenbergs vor langer Zeit gegeben hatte, aber darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Im Moment ging es nur darum, wieder Geld zu verdienen.

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Mehr über und von Christine Jaeggi auf ihrer Website.

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14. Mai 2019

'Barackenkinder' von Marion Schinhofen

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Wir Nachkriegs-Baracken- und Heimkinder
Warum nur habt Ihr weggeschaut und geschwiegen?


Obwohl sie in einer Barackensiedlung aufwächst, deren Bewohner als „asoziales Pack“ beschimpft und ausgegrenzt werden, ist Reginas Leben unbeschwert. Freiheit, Spiele und Spaß bestimmen ihre unbeschwerte Kindheit - bis zu ihrem achten Geburtstag. Mit ihrer Aufnahme in ein Kinderheim beginnt ein jahrelanges Martyrium. Zehn Jahre voller Misshandlungen und Vergewaltigungen, die mit einer Zwangsheirat enden, beginnen. Trotzdem schafft Regina es, der Gewaltspirale lebendig zu entkommen. Und sie rächt sich an ihren Peinigern, wird ein angesehener VIP.

Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit und beschreibt den Weg einer mutigen und willensstarken Frau, die es aus den Baracken in die Welt der „besseren Gesellschaft“ geschafft hat. Obwohl Regina, wie sie in diesem Roman genannt wird, etliche Jahre brauchte, um sich von ihren Traumata zu befreien, ist sie heute ein positiv eingestellter Mensch, der mit dem Bericht, der diesem Buch zugrunde liegt, eines erreichen will: Die Wahrheit über die damaligen Zustände in Kinderheimen soll endlich ans Licht kommen.

Es ist ein Roman der es in sich hat, aber viele Wege der Gewaltbefreiung aufzeigt.

Leseprobe:
Vorgeschichte
»Hallo ... Ja, am Apparat ... Oh, wie bitte ...? Natürlich ... Gerne können wir uns treffen ... Wann und wo? ... «

Kaum zu glauben, das war der Startschuss zu diesem Buch! Wieder einmal merkte ich, wie klein die Welt doch geworden ist. Ich weiß, das ist ein abgelutschter Satz, aber er passt einfach.
Natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut, als mein Buch im Februar 2018 über die verhängnisvolle Geschichte von »Betty und Paul «, die sich nach fast dreißig Jahren – an einem für sie früher unvorstellbaren Ort – wiedersehen, und am Ende in ein glückliches Leben zurückfinden, veröffentlicht wurde.
Nur, was ich aufgrund der großen Zeitspanne in dem Roman nicht für möglich gehalten habe und obwohl ich andere Namen benutzte, meldete sich eine Dame bei mir, die sich in der Ortsbe-schreibung und den Kindheitserinnerungen wiedergefunden hat. Ohne sich jedoch daran zu erinnern, wer Betty oder Paul sein könnten. Viele Kinder waren damals ihre Spielgefährten. Ich würde ihr die richtigen Namen und den jetzigen Wohnort auch niemals sagen. Menschen, deren wahre Erlebnisse ich aufschreiben und veröffentlichen darf, erhalten Decknamen. Sie zu schützen, ist oberstes Gebot. Kein anderer wird je erfahren, wer diese Personen in Wirklichkeit sind, wenn sie nicht selber an die Öffentlichkeit gehen wollen.
Anfang April 2018 rief mich also eines Abends besagte Dame an – ich nenne sie hier Regina – und bat um ein Treffen. Diese angenehme Stimme kam mir irgendwie bekannt vor und als sie ihren Namen nannte, war ich doch ziemlich erstaunt. Denn ich kannte sie aus dem Fernsehen und aus der Regenbogenpresse. Ob in Wartezimmern oder beim Friseur, ich greife zum Zeitvertreib nach diesen Boulevardzeitschriften, um mich über die neuesten Klatschmärchen zu amüsieren. Ab und zu sind auch Fotos und Artikel über Regina darin.
Zwei Tage später trafen wir uns in einem etwas versteckt gelegenen, sehr gemütlichen Café. Zuerst erkannte ich sie gar nicht mit ihrer großer Sonnenbrille, Perücke und Hut. Aber welche elegante Dame hat in einem Café eine Sonnenbrille auf? Als ich an ihren Tisch trat, nahm sie die Brille ab und lächelte mich ziemlich nervös an. In einer stillen Ecke sitzend, lernten wir uns bei Kaffee, Kuchen und harmlosem Geplauder näher kennen. Im Laufe unserer Unterhaltung wurde sie lockerer und vom Smalltalk gingen wir zu ernsteren Themen über. Kurz bevor das Café schließen wollte, vereinbarten wir ein weiteres Gespräch, worauf noch viele folgen sollten.
Vor unseren Treffen rief mich Regina jedes Mal an, um mit mir Zeitpunkt und Ort abzustimmen. Entweder trafen wir uns in meinem Wohnbüro oder an den unterschiedlichsten, abgelegensten Stellen, wo sie ungestört alleine mit mir reden konnte, ohne die Gefahr, von jemandem gehört oder gesehen und erkannt zu werden. Als sie fähig war, gefasster mit ihrer Geschichte fortzufahren, machten wir bei schönem Wetter Waldspaziergänge oder hielten uns sonst wo draußen unter Menschen auf. Wobei sie sich vorsichtshalber immer etwas verkleidete, um unerkannt zu bleiben. Besonders wenn sie ungeschminkt kam, sah sie anders aus als im Fernsehen. Dabei ist sie eine Naturschönheit und hätte diesen »TV-Kleister« im Gesicht überhaupt nicht gebraucht. Die Fältchen um die Augen herum stehen ihr gut. Mein Eindruck: alterslos, charmant und sehr beweglich, nicht nur im Kopf. Etwas in ihrem Blick war geheimnisvoll. Sie verbarg geschickt tragische Ereignisse.
Das Nicht-Auffallen-Wollen hat die ganze Zeit prima geklappt, obwohl wir manchmal über ihren Aufzug beide herzhaft lachen mussten. Wer nicht erkannt werden will, der schafft das tatsächlich. Trotz heutiger aufdringlicher Paparazzi und Selfie-Beses¬sen¬heit blieben wir in der Öffentlichkeit unbeachtet.
Ich merkte von Mal zu Mal mehr, dass Regina entspannter wurde und froh war, dass ich weder Kommentare noch Bewer-tungen von mir gab. Eine Bandaufnahme machte ich nicht, son-dern stenographierte nur einiges mit. Ein Zeitlimit gab es nicht. Waren es am Anfang zwei oder drei Stunden tagsüber, wo ihre Schilderungen zögernd, stockend und knapp und ihre Pausen sehr lange waren, verlängerten sich unsere Treffen oft bis in die Nacht hinein. Nach und nach fasste sie mehr Vertrauen und er-zählte mir immer befreiender ihre unbegreifliche Leidensge-schichte. Es war für sie ein hartes Stück Arbeit. Je stärker sie sich auf ihre Vergangenheit einließ und ihre tief vergrabenen schrecklichen Erlebnisse an die Oberfläche holte, umso emotionaler wurden ihre Ausbrüche. Anfangs kämpfte Regina dagegen an, doch schon bald gab sie nach und ließ es geschehen. Sie wollte nicht länger die Warnhinweise ihres Körpers ignorieren, der ihr mit Schmerzen deutlich zu verstehen gab, dass es höchste Zeit wurde, den noch vorhandenen seelischen Ballast endgültig aus ihrem Leben zu werfen. Beim Erzählen merkte sie ja selber, wie sich ihre innere Ritterrüstung langsam aufzulösen begann. Es tat ihr gut und erleichterte sie, mit einem neutralen Menschen frei reden zu können, der mit ihr weinte und vor allen Dingen ihr zuhörte und ihr glaubte. Ihre Freundinnen wissen vieles, aber nicht alles aus Reginas Leben.
Menschen möchten unliebsame Erlebnisse gerne schnell ver-gessen. Sie bedienen sich des Verdrängungsmechanismus, ohne zu bedenken, dass, wenn es an der Verarbeitung hapert, dies für ihre körperliche, seelische und geistige Gesundheit nicht zuträglich ist.
In meinem Handgepäck befanden sich unter anderem ein CD-Player, CDs und Kerzen. Das gehört zu einer Art Ritual, das ich bei Bedarf einsetze, und dessen positive Wirkung mir bekannt ist. Auch bei Reginas Ausbrüchen zündete ich Kerzen an und ließ im Hintergrund leise meditative Musik laufen, bis sie sich beruhigt hatte und bereit war, weiter zu erzählen. Diese Art der Entspannung war ihr nicht unbekannt und wirkte nach wenigen Momenten.
Im Nachhinein denke ich mir, dass es bei ihrer Entkrampfung ähnlich gewesen sein muss wie bei einem Zahnarzt, der einem ohne jede Betäubung einen chronisch kranken Zahn zieht, der unendlich lange gequält hat. Regina tobte sich besonders im Wald aus, indem sie laut schrie und weinte, ohne gefährlich zu werden. Keiner hinderte sie daran oder hielt sie für verrückt. Niemand band sie fest. Es gab keine Spritzen oder Beruhigungs-pillen oder andere Bremsmittel, nur Wassertrinken und eine Umarmung von mir. Befanden wir uns in einem Innenraum, sorgten sanfte Musik und das warme Licht der Kerzen für eine Wohlfühlatmosphäre.
Wahrscheinlich stehen einem Therapeuten jetzt die Haare zu Berge, wenn er das liest. Aber sie war nicht gewalttätig, sondern wurde selber von ihren emotionalen Reaktionen nach so langer Zeit völlig überrascht. Darauf war sie nicht vorbereitet gewesen, dass eine endgültige Vergangenheitsbewältigung sie derart mitnehmen würde. Sie hatte gedacht, wenn sie sich einmal alles von der Seele redete, verschwänden die Reste von Selbstanschuldigung, Angst, Wut und verkrustetem Erziehungsmuster. Dass der Weg bis zu diesem Ziel schmerzhaft sein könnte, weil Unverarbeitetes unwillkürlich hochkam, hatte sie nicht bedacht. Ich ließ sie toben und schreien, bis es vorbei war.
An einem heißen Tag – wir saßen bei mir auf dem Balkon – zog sie ihre Jacke aus und ich sah ihren mit dicken Narben übersäten Rücken. Regina meinte dazu nur spöttisch: »Viele lassen sich heutzutage tätowieren, malen ihren Körper an, weil es in ist. Vielleicht sollte ich es ihnen gleichtun und meinen Rücken einfärben oder mit einem großen Tattoo verschönern lassen, dann könnte ich endlich in einem öffentlichen Bad schwimmen gehen.«
Mich hat das Erzählte mitunter an meine Grenzen gebracht. Da kamen auch bei mir unliebsame Erinnerungen aus früheren Jahren hoch, wo wir Kinder noch mit dem Stock in der Schule und zuhause bestraft worden waren. Wie wir Erwachsenen mit Vergnügen Streiche gespielt hatten, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlten, was nicht selten der Fall gewesen war. Oder wir belauschten sie heimlich bei ihren Unterhaltungen, wenn sie bei schönem Wetter draußen saßen. Sobald jedoch der Nachrichtenaustausch um »so was« ging, wurde geflüstert oder verschämt geschwiegen, was uns Kinder noch neugieriger machte. Schnell wechselten sie das Thema, doch wir begriffen, dass es sich um etwas Böses handeln musste. Frauen und Männer verhielten sich dann so komisch.
In unseren gemeinsamen Stunden befanden sich Regina und ich oft in einer Art Berg- und Talfahrt der schaurigsten Empfin-dungen.
Sie weiß, dass ich keine Therapeutin bin. Ganz am Anfang ha-be ich sie deshalb in einer Pause gefragt: »Hast du schon einmal eine Therapie gemacht?«
»Eine?« Das klang sarkastisch. »Insgesamt drei Mal habe ich es über etliche Wochen versucht. Seit mindestens achtzehn Jahren nicht mehr, da ich bis vor ungefähr vier Jahren in der Öffentlichkeit stand und Bedenken hatte. Ich wollte mich weder ausliefern, noch Gefahr laufen, erpresst zu werden. Therapeutische Schweigepflicht hin oder her. Man kann heutzutage kaum noch Menschen vertrauen. Zu oft habe ich miterleben müssen, wie Menschen, die anderen vertrauten, hintergangen, verraten und angelogen wurden. Es war mir zu gefährlich, jemandem meine Geschichte restlos anzuvertrauen. Was wäre gewesen, wenn er mein Bekanntsein ausgenutzt und sein Wissen für viel Geld ausgeplaudert hätte? Der Umgang der Menschen mit anderen ist gnadenlos geworden, von den Medien ganz zu schweigen. Es gibt Leute, die tun alles, um in die Zeitung oder ins Fernsehen zu kommen. Denen ist es vollkommen egal, ob sie lügen oder Mitmenschen kompromittieren oder selber primitiv oder schamlos auf andere wirken. Hauptsache, sie ernten öffentliche Aufmerksamkeit. Diese narzisstischen Zeitgenossen tummeln sich in allen Gesellschaftsschichten.
Das, was ich damals aus Rache getan habe, bereue ich nicht. Eine Menge Wut habe ich damit abbauen können. Es brachte mir keine Heilung, aber Genugtuung. Und was ich davor an Grausamkeiten erleben musste, lässt sich nicht leicht erzählen. Nie und nimmer wollte ich das als Actionkurzweilunterhaltung ausgeschlachtet wissen. Auf jeden Fall wäre das ein gefundenes Fressen für die Boulevardpressekraken gewesen. Die Auflagen wären enorm gestiegen. Wenn die dieses Buch in die Finger be-kommen würden und herausfänden, wer ich bin, ginge eine gnadenlose Hetzjagd los, um mehr abscheuliche Details, die hier nicht stehen, herauszubekommen.
Daher fehlten mir bisher das Vertrauen, das endgültige Loslassenwollen und der Mut, andere, insbesondere Männer, in mein tiefstes Innerstes schauen zu lassen. Therapeuten haben mir nicht helfen können, da meine Bereitschaft nicht vorhanden war, mich ihnen zu öffnen. Die Bewältigung einer schlimmen Kinder- und Jugendzeit gehört wohl mit zu den schwierigsten Herausforderungen im Leben.«

Im Kindle-Shop: Barackenkinder.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Marion Schinhofen beim Franzius-Verlag.



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13. Mai 2019

'Tiranorg: Schwertmagie' von Judith M. Brivulet

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Nachdem Esmanté und Loglard mit ihren Verbündeten die grausamen Arsuri erfolgreich von der Silbernen Burg, dem Herrschersitz der Graselfen, vertrieben haben, kehrt zunächst Ruhe ein in Tiranorg. Doch es ist eine trügerische Ruhe.

Die Scheibe der Ewigkeit, das mächtigste Artefakt des Landes, bleibt verschollen. Unheilvolle Dinge geschehen. Irrwische und Krähengeister zeigen sich. Statuen der Schlangengöttin Creydillad schießen überall aus dem Boden. Die Meerelfen stehen vor einer schicksalhaften Entscheidung. Schließlich bieten die scheuen Dryaden an, Noreia, die Tochter von Esmanté und Loglard, in ihrer besonderen Magie zu unterweisen, denn das Gleichgewicht der Kräfte ist bedroht. Nur gut, dass Esmanté und Loglard treue Kameraden zur Seite stehen. Zumal eines immer deutlicher wird: Der Krieg um die Herrschaft über Tiranorg hat begonnen. Der Schlüssel zur Macht ist die Scheibe der Ewigkeit.

Band II der High-Fantasy-Saga "Tiranorg".

Leseprobe:
Kyla, stellvertretende Hochmagierin der Morinji, überprüfte ihren Zauber zum hundertsten Mal. Sie durfte nichts dem Zufall überlassen. Es war zu wichtig, dass sie unentdeckt die Hafenstadt Hathabor verließ. In Gedanken verfluchte sie Dagda, den Gott des Wetters, der sie sage und schreibe drei Monate lang in Hathabor festgehalten hatte. Mitsamt der wichtigsten Fracht, die sie jemals transportiert hatte.
Dabei durfte sie sich glücklich schätzen, dass sie im Schneesturm die rettenden Tore von Hathabor erreicht hatte. In der Taverne, in der sie Unterschlupf gefunden hatte, erzählte man sich schauerliche Geschichten von einer Händlergruppe, die in den letzten Ausläufern der Trollspitzen erfroren war. Der Winter hatte schrecklich gewütet, das Nordmeer getobt, als wollte es sich ganz Tiranorg holen. Also hatte sie sich als Schankmagd verdingt, um über die Runden zu kommen.
Jetzt trat sie auf das Stadttor zu. Wie jeden Tag wurde es sorgfältig bewacht. Die Soldaten musterten sie misstrauisch, weil sie Hathabor am frühen Nachmittag verlassen wollte.
»Wisst Ihr nicht, dass im Umkreis vieler Meilen um unsere Stadt rein gar nichts ist?«, schnauzte einer der beiden, ein besonders kräftiger Elf, dessen derbe Hosen in ebenso robusten Fellstiefeln steckten. Ein grober Überwurf mit Pelzbesatz wurde von einem breiten Gürtel zusammengehalten. »Es heißt nicht umsonst Graue Ödnis.«
»Natürlich weiß ich das.« Kyla lächelte den Mann an. »Ich will mein Glück am Strand versuchen. Ein paar Muscheln, von der Flut an Land gespült, etwas Seetang. Meine Kinder und ich haben Hunger.«
»Von mir aus«, murrte der andere, der nicht minder warm gekleidet war. »Seid nur rechtzeitig zurück. Wenn die Tore geschlossen sind, öffnen wir für niemanden mehr, auch nicht für hübsche Elfenfrauen.« Zusammengekniffene eisgraue Augen wanderten über ihren Körper. »Könntest dir das Essen auch auf andere Art verdienen«, setzte er noch nach.
Doch da war sie schon durch das halb geöffnete Tor geschlüpft. Unter dem rauen Gelächter der Männer rannte sie davon. Diese widerlichen Typen! Zu viele von ihnen hatte sie im Laufe des Winters in der Taverne kennengelernt. Sie schickte ein schnelles Gebet an die Große Mutter zum Dank dafür, dass sie nie ernsthaft angegriffen worden war. Da sie nicht kämpfen konnte, hätte sie auf ihre Magie zurückgreifen müssen und dabei ihre Tarnung nicht aufrechterhalten können. Wie hätte sie erklären sollen, dass sie gar keine hüftlangen goldblonden Haare besaß wie alle Frauen in Hathabor?
Und erst ihr Gepäck! Sie hielt an, um wieder zu Atem zu kommen. Eins ums andere Mal strich ihre Hand über den Gürtel, der doch so viel mehr war. Über eine Stunde wanderte sie am Strand entlang, sah sich immer wieder um, versicherte sich, dass ihr niemand folgte.
Nein, sie war allein, denn in einem hatte die Wache recht: Es gab hier nichts, außer kalten, harten Sand und das Donnern der Wellen, die sich an den Felsen brachen, mit tausend gierigen Fingern nach ihnen griffen.
Schließlich blieb sie stehen, atmete tief die salzgesättigte, kühle Luft ein. Ein letzter Blick, um sicherzustellen, dass niemand sie beobachtete. Dann verwandelte sie sich. Die goldene Haarpracht verschwand, zurück blieben raspelkurze Haare. Statt eisblauer Augen schwammen nun pechschwarze Pupillen in der gold‑rot getupften Iris. Für Kyla färbte sich das aufgewühlte Meer rosa. Sie musste sich keine Sorgen machen. Außer dem Krächzen der Möwen und dem Rauschen des Windes war nichts zu hören.
Also machte sie sich erneut auf den Weg, leichter nun, da sie die fremde Gestalt aufgegeben hatte. Der Strand wurde felsiger und schmaler.
Kyla kramte in ihrem Bündel, holte eine dünne Decke heraus, breitete sie aus und rezitierte ein paar Worte. Seufzend setzte sie sich im Windschatten eines Findlings darauf. Angenehme Wärme schlug ihr entgegen. Sie verzehrte die wenige Nahrung, die ihr geblieben war: Trockenfisch, dazu ein paar Schlucke verwässerten Wein. Dann starrte sie auf das Meer hinaus. Noch war es zu früh. Ihre Gedanken wanderten zurück zu den Ereignissen im letzten Frühling.
Immer wieder sah sie sich selbst in der Bibliothek der Silbernen Burg neben Lord Loglard sitzen. Gemeinsam hatten sie die Bücher über die Scheibe der Ewigkeit studiert. Als sie begriffen hatte, wie wertvoll die Bände waren, hatte sie eine Entscheidung getroffen. Ehrlos, gewiss, aber angesichts der Umstände doch gerechtfertigt oder etwa nicht? Diese Frage hatte sie sich nicht nur mit jeder Meile gestellt, die sie zwischen sich und die Burg gebracht hatte, während sie, so schnell wie möglich, nach Norden wanderte. Nein, auch den ganzen harten Winter war sie mit dieser Frage eingeschlafen und aufgewacht. Fast alles hätte sie für ein Gespräch mit ihrem Mentor Uisdèan gegeben. Jetzt endlich hatte sich das Wetter soweit gebessert, dass sie die letzte Etappe ihrer Reise wagte.
Kalter Wind zerrte an ihrem Umhang. Ein scharfer Schnabel pickte nach den Gräten des Fisches und riss Kyla aus ihren Gedanken. Mit durchdringendem Geschrei flogen zwei Möwen hoch, balgten sich in der Luft um die leicht verdiente Beute. Erschrocken sah sie sich um. Dann stand sie auf, schlüpfte aus ihren Sachen, stopfte sie in den ölgetränkten Sack. Nur den Gürtel behielt sie um, versicherte sich, dass er gut saß über dem durchscheinenden Untergewand. Niemand weit und breit. Sandwüste, wohin das Auge blickte. Nur ab und zu trotzte ein stacheliges Grasbüschel dem scharfen Wind. Glutrot färbte die untergehende Sonne die rasch dahinziehenden Wolken.
Tief atmete Kyla ein und aus. Was nun folgte, war nicht angenehm. Doch der Gedanke an ihre Heimatstadt gab ihr Kraft. Schon morgen Früh würde sie endlich mit Uisdèan bei einer würzigen Tasse Tee sitzen. Zu besprechen gab es jede Menge.

Im Kindle-Shop: Tiranorg: Schwertmagie.
Mehr über und von Judith M. Brivolet auf ihrer Website.



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