20. September 2019

'Humboldt und der weiße Tod' von Jana Thiem

Kindle | Tolino
Website Jana Thiem
Endlich Feiertag! Kriminalhauptkommissar Humboldt freut sich darauf, am Tag der Deutschen Einheit in der Sächsischen Schweiz klettern zu gehen. Weit kommt er allerdings nicht, denn eine Tote am Elbufer in der Nähe des Blauen Wunders macht seine Pläne zunichte. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denkt er. Doch auch daraus wird nichts, da wenig später zwei Frauen als vermisst gemeldet werden.

Je tiefer Humboldt in den Fall einsteigt, umso klarer wird ihm, dass sich der Mörder seine Opfer ganz gezielt ausgesucht hat. Und dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Notgedrungen geht er einem Tipp der lästigen Boulevard-Journalistin Christin Weißenburg nach, die ihm durch ihre eigenwillige Recherche wieder einmal einen Schritt voraus zu sein scheint. Doch dann verschwindet die nächste junge Frau und das Motiv des Entführers wird für Humboldt immer rätselhafter.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Donnerstag, 3. Oktober, frühmorgens
Was hätte es doch für ein schöner Feiertag werden können. Wäre da nicht diese Frau. Tot. Von der Elbe an Land gespült. Seufzend schaute Kriminalhauptkommissar Humboldt von der Leiche auf. Irgendetwas irritierte ihn. Er trat einen Schritt zurück, heraus aus dem Morast am Elbufer. Sein Blick glitt über das Elbwasser flussaufwärts. Wo kam diese Frau her? Oberflächlich gab es keinen Hinweis. War sie hier in den Büschen direkt neben dem Anleger der DLRG nur hängen geblieben und weiter oben in die Elbe gestürzt? Und warum glaubte er, dass sie nicht gestoßen wurde? Humboldt sah zum gegenüberliegenden Ufer und dann weiter die Elbe entlang. Am Blauen Wunder blieb er hängen. Im Wirrwarr der Streben der Loschwitzer Brücke verhedderten sich seine Gedanken.
»Die lag nicht lange im Wasser.« Die Stimme von Gerichtsmediziner Dr. Lorenz Richter holte ihn in die Wirklichkeit zurück. »Nach bisherigen Erkenntnissen ist sie aber auch nicht hier gestorben.«
Humboldt schaute Richter an. Die dunkle, eckige Brille passte hervorragend zu seinem kantigen Charakter, dachte er und stimmte sich innerlich auf Richters regelmäßiges Frage-Antwort-Spiel ein.
»Gestorben?«, hakte Humboldt nach. »Also gibt es doch eine natürliche Todesursache?«
»Nicht so voreilig. Dazu muss ich die junge Dame natürlich etwas gründlicher unter die Lupe nehmen.« Richter zog Humboldt dichter an die Leiche heran. »Jetzt schau sie dir doch einmal ganz genau an. Fällt dir nichts auf?«
Humboldt hasste dieses Rätselraten, und Richter genoss es jedes Mal aufs Neue. Humboldt ging in die Hocke, um sich die Tote noch näher zu betrachten. Immer wieder wunderte er sich, dass ihm der typische Würgereiz, mit dem manche seiner Kollegen zu kämpfen hatten, erspart blieb. »Hm, sie war wohl mal eine sehr hübsche Frau. Und nun ist sie ... ertrunken?«
Richter räusperte sich kurz, was Humboldt aufsehen ließ. »Jedenfalls konntest du auf den ersten Blick keine äußeren Gewalteinflüsse feststellen. Also kann sie doch einfach ins Wasser ...«, Humboldt stockte. Erneut verwirrte ihn der Anblick der jungen Frau. Wasserleiche? Hätte er sie heute Morgen am Straßenrand oder im Großen Garten gefunden, er wäre niemals auf Tod durch Ertrinken gekommen. Ganz im Gegenteil. Ihre Wangen waren eingefallen, und die Schlüsselbeine traten durch den dünnen Stoff ihrer Bluse stark hervor. Der Verwesungsprozess war zwar schon fortgeschritten, aber die typischen Merkmale einer Wasserleiche fehlten. Sie sah weder aufgedunsen aus noch hatte sich eine Waschhaut gebildet. Also das war es. »Tja, ich würde sagen, sie sieht eher aus, als wäre sie verhungert. Kann es denn sein, dass sie hier nur abgelegt wurde?«
Richter zuckte nachdenklich die Schultern. Da Humboldt die Rätselprüfung bestanden hatte, wandte sich Richter wieder leise murmelnd der Leiche zu. Wer es jetzt wagte, ihn anzusprechen, stand selbst kurz davor, auf seinem Seziertisch zu landen.
Beim Einsatzwagen, der ein Stück weiter auf dem Radweg stand, entdeckte Humboldt seine Kollegen Marc Vierhaus und Lara König. Er hätte sie gar nicht sehen müssen, so unüberhörbar rasselten sie wieder einmal verbal aneinander. Seitdem bekannt war, dass die nächste Leistungsbeurteilung anstand, lagen die beiden in ständigem Wettstreit um die Beförderung zum Polizeikommissar.
Humboldt hielt kurz inne und überlegte, ob er sich zuerst den Fundort näher anschauen sollte. Zu spät.
Mit langen Schritten legte Lara König den kurzen Weg bis zum Flussufer über die immer noch saftig grüne, abschüssige Wiese zurück. »Dieser ach so schlaue Möchtegernkommissar hat den Zeugen Schubert gehen lassen.«
»Ich habe doch sämtliche Daten und seine Aussage zu Protokoll genommen. Und ich weiß, wo er hin wollte«, verteidigte sich Marc Vierhaus schon von Weitem.
»Und wenn er gelogen hat?« Lara König schoss die Worte in seine Richtung ab. Mit einem spöttischen Lächeln drehte sie sich wieder Humboldt zu.
Seufzend dachte dieser an die Klettertour, die er heute eigentlich mit seinem Freund Toni in der Sächsischen Schweiz hatte machen wollen. Es sollte ein schöner Abschluss einer kurzen Klettersaison werden. Humboldt mochte die Winterkletterei nicht. Den Ehrgeiz, der erste Gipfelstürmer an Neujahr zu sein, besaß er nicht. Bevor er sich Silvester auf einen eisigen Felsen hockte und darauf wartete, sich mit steif gefrorenen Fingern in das Gipfelbuch einzutragen, genoss er lieber mit Freunden einen guten Rotwein. Gestern hatten sie noch beratschlagt, auf welchen Felsen sie heute gehen würden. Toni wollte endlich einen Weg mit der Schwierigkeit VIII vorsteigen. Aber Humboldt hatte eher Lust auf einen schönen Weg. Der Schusterweg am Falkenstein war zwar ein Weg mit mehreren Seillängen und daher eine ganz schöne Schinderei, aber man wurde mit einem Wahnsinnsblick belohnt. Außerdem brachte es Glück, wenn man an die Nase eines gewissen Herrn Schuster, dessen Gesicht als Relief in den Felsen gehauen worden war, fasste und ihn freundlich grüßte. Wehmütig blickte Humboldt kurz in den blauen Himmel. »Okay. Wer ist Zeuge Schubert? Und wo ist er jetzt?«
Marc Vierhaus legte die letzten Meter vom Einsatzwagen kommend im Laufschritt zurück. »Henning Schubert hat die Leiche gefunden und die Polizei gerufen. Er war gerade bei seiner allmorgendlichen Joggingrunde. Da jetzt aber die Laktatmessung ansteht, habe ich ihn gehen lassen. Er ist im Sportinstitut von Dr. Wiesinger.«
»Sportinstitut? Das ist doch auf der anderen Seite der Elbe, oder?« Humboldt überlegte und drehte sich Richtung Blaues Wunder.
»Ja, genau. Henning Schubert, also der Zeuge, bereitet sich gerade auf seinen ersten Marathon vor. Wenn Sie über das Blaue Wunder fahren, müsste es gleich an der ersten Kreuzung links in den Körnerweg gehen.« Er zeigte zur Brücke.
»Müsste? Ich denke, du weißt, wo sich der Zeuge aufhält?«, mischte sich Lara König wieder ein.
Marc Vierhaus ignorierte sie.
»Er bereitet sich im Sportinstitut auf einen Marathon vor? Ich dachte immer, das wäre eine Klinik, und da würden nur die hingehen, die die Strapazen eines Marathons schon hinter sich und jetzt mit den Folgen zu kämpfen haben.« Humboldt schüttelte skeptisch den Kopf. Er sah noch einmal zum Elbufer. Die Sonne stand mittlerweile schon ziemlich hoch am Himmel. Das bunte Herbstlaub der vereinzelt stehenden Bäume zeichnete sich kontrastreich vom blauen Himmel ab. Richter war noch immer mit dem Leichnam beschäftigt. Die Kollegen vom Erkennungsdienst gingen ebenfalls ihren Pflichten nach. Hier konnte er im Moment nicht viel ausrichten.
»Vierhaus, Sie bleiben hier, bis die Spurensicherung fertig ist. Schauen Sie sich in der Zwischenzeit bei der DLRG und dem Kanuverein um.« Humboldt zeigte zu einem langen Gebäude, das an den Radweg angrenzte. »Vielleicht hat dort jemand etwas gesehen oder gehört. Das Übliche eben. Lara und ich fahren rüber zum Institut von diesem ...?« Humboldt versuchte, sich an den Namen des Klinikchefs zu erinnern.
»Dr. Stefan Wiesinger«, half ihm Marc Vierhaus auf die Sprünge.
»Richtig, Wiesinger. Alles klar? Wir treffen uns später im Kommissariat.« Damit nickte Humboldt Lara König zu. Auf dem Weg zu seinem Auto drehte er sich noch einmal um.
»Und Marc! Das nächste Mal bleibt der Zeuge vor Ort. Und wenn er eine Audienz beim Landeschef persönlich hätte. Ist das klar?«
Marc Vierhaus grummelte ein paar unverständliche Worte, nickte aber zähneknirschend in Humboldts Richtung. Das Grinsen auf Lara Königs Gesicht blieb ihm nicht verborgen.

19. September 2019

'Africa: Road-Trip-Liebes-Roman' von Kadee Mazoni

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Kadee Mazoni
Cate und die viel jüngere Afrodeutsche Melissa begeben sich auf einen Roadtrip nach Afrika. Sie wollen einem vorhersehbaren Leben entkommen und suchen nach Erkenntnis für ein segensreiches Dasein. Ihr Ziel: Melissa’s 127-jähriger Onkel in Afrika.

Die Frauen verkaufen all ihr Hab und Gut und fahren mit einem alten Benz-Bus davon. An eine Rückkehr ist nicht gedacht. Aus der anfänglichen Utopie wird Realität – sie erreichen Afrika. Auf ihrer Reise lernen sie bemerkenswerte und ungewöhnliche Menschen kennen, begegnen Dramen und Schicksalen und sind verstrickt in Abenteuer.

Werden sie den Onkel finden? Welche Lebenserkenntnis wird er ihnen verraten können?

Kadee Mazoni erzählt in diesem Roadtrip die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Durch ihre Liebe und ihre sexuellen Obsessionen überschreiten sie nicht nur ihre eigenen körperlichen und geistigen Grenzen, sondern auch die räumlichen. Ihre Liebe wird dabei Liebe zur Welt und Afrika zum Ausgangspunkt einer neuen Freiheit.

Für kurze Zeit zum E-Book-Aktionspreis von nur 99 Cent erhältlich.

Leseprobe:
Was glaubst du, wie alt mein Onkel ist?“, fragte Melissa mich, wir lagen zusammen im Bett.
„Ich weiß nicht, wenn es dein Onkel ist, kann er nicht so alt sein ...“
„Ach du. Er ist doch nicht mein Onkel im eigentlichen Sinne. Er ist der Onkel vom Onkel vom Onkel ...“
„Also ist er schon älter?“
„Ja, natürlich ist er älter, wenn er der Onkel von mehreren Onkeln ist. Was glaubst du, wie alt ist er?“
„Dazu müsste ich wissen, wie alt die anderen Onkel sind“.
„Meine Güte, Cate, du benimmst dich wie eine Mathematik-Studentin. Woher soll ich wissen, wie alt die alle sind, ich kenne sie nicht und sie interessieren mich auch nicht.“
„Und wieso soll ich erraten können, wie alt dein Onkel ist, wenn ich keine Anhaltspunkte habe?“
„Du verdirbst mir die ganze Geschichte mit deiner blöden Genauigkeit. Musst du alles penibel unter die Lupe nehmen? Ich hab ihn Onkel genannt, weil ich seinen Namen nicht kenne. Cate, schätze einfach, wie alt er ist?“
„Okay, fünfundsechzig“, erdachte ich mir eine Zahl.
„Fünfundsechzig?! Wie kommst du darauf?“
„Ich hab’s mir ausgedacht.“
„Warum sollte ich dir eine Geschichte eines Fünfundsechzigjährigen erzählen, das wäre total banal und langweilig.“
„Verdammt Melissa, sag mir endlich, wie alt er war.“
„Wieso war? Er lebt noch.“
„Melissa! Wie alt ist er?“
„Hundertsiebenundzwanzig!“, strahlte sie mich triumphierend an.
„Ja, wow! Und was ist mit diesem alten Mann, der in Afrika wohnt und nicht dein Onkel ist?“
„Hab ich vergessen!“
„Was?“
„Du hast mich aus dem Konzept gebracht“, sie sprang aus dem Bett, ging zum Fenster, öffnete die Gardine und schaute hinaus. Ihre Hände hatte sie hinterm Kopf verschränkt, dachte nach und wendete mir ihre nackte Rückansicht zu.
„Hundertsiebenundzwanzig ist wirklich ein irres Alter“, versuchte ich, auf sie einzugehen, um sie auf das, was sie sagen wollte, zurückzulenken. Mit gedankenversunken Ausdruck im Gesicht kam sie zurück und setze sich neben mich aufs Bett.
„Weißt du, dass niemand sonst weiß, wie alt er ist. Niemand hat je seine Jahre gezählt.“
Ich unterließ es, zu fragen, woher sie sein Alter wusste, wollte sie nicht erneut aus dem Konzept bringen.
„Mein Onkel – nennen wir ihn der Einfachheit halber ‚meinen‘ Onkel – ist einfach nur da, so wie das Wasser des Meeres, wie die Steine in der Wüste, wie die Klippen der Berge, wie der Mond und die Sonne, wie der Mund im Gesicht …“
„Melissa, ist gut, ich hab es verstanden“, unterbrach ich ihre Ausführungen.
„Das hast du nicht, weil es viel, viel komplizierter ist“, fauchte sie mich an.
„In jedem Lebewesen gibt es nämlich verschiedene Leben, und es bedeutet Qual und Leiden, herauszufinden, welches davon das richtige ist. Wir können Betrüger sein oder Engel, wir können bedeutungslos im Dunkeln dahinvegetieren oder in glühender Freude zum Licht gelangen … wir können Genies werden oder …“
„Bitte, Melissa, worauf willst du hinaus?“
„Wir können uns zum Trottel machen oder …“
Sie zog mir die Bettdecke weg und setzte sich auf mich drauf, kitzelte mich, sodass ich unter ihr kichernd herumzappelte.
„Mein Onkel ist ein Genie!“, sie beugte sich zu mir herunter.
„Er hat das Licht gesehen und ist zum Kometen seines eigenen Himmels geworden.“
Sie beugte ihren Oberkörper nach oben, nickte zur Bestätigung ihrer Aussage bejahend mit dem Kopf und schaute mich von oben herab an. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie es aussähe, ein Komet seines eigenen Himmels zu sein. Es fiel mir schwer, ich unterließ es jedoch, sie danach zu fragen.
„Hundertsiebenundzwanzig Jahre!“, stieß sie hervor. „Das erscheint eine lange Zeit, ist aber nur eine Dauer.“
„Eine Dauer?“, fragte ich.
„Ja“, meinte sie.
„Ein Zwanzigjähriger empfindet sein Leben genauso von Dauer wie vielleicht mein Onkel.“
Ich entgegnete, dass dies Unsinn sei und das Leben eines Hundertjährigen viel länger als beispielsweise ihres sei. Bis dahin war mir nicht klar, wohin diese ganze Onkelgeschichte führen sollte, und ich wollte eigentlich das Thema wechseln. Doch sie beharrte darauf, es weiter auszuführen, und versuchte heftigst, meinen Einwand zu widerlegen. Sicherlich seien hundert Jahre mehr als zwanzig und ein Erwachsener länger auf der Welt als ein Kind. Das sei aber nur eine äußerliche Betrachtung, die kein Mensch für sich empfinde. Dauer bedeute, sagte sie aufbrausend und bewegte dabei ihren nackten Hintern auf meinen Bauch, dass man einfach existiere, unabhängig von Zeit da sei.
„Ich verstehe kein Wort. Was willst du mir damit erzählen?“
Ich schubste sie von mir herunter, sie wurde mir auf meinem Bauch zu schwer.
„Verstehst du nicht? Wenn man jung stirbt, lebt man genauso ein ganzes Leben, als wenn man alt stirbt. Das Leben dauert immer lebenslänglich.“
Entgeistert schaute ich sie an. Hatte sie ihren Verstand verloren? Wollte sie mich veralbern?
„Was guckst du mich so komisch an“, abgestützt auf ihrem Ellenbogen, griente sie mich frech an.
„Das ist der Grund, warum mein Opa aus Afrika so alt geworden ist: Er dachte nicht über das Alter nach. Warum auch?“
„Warum auch“, gab ich entgeistert zurück.
„Oh, ist das alles zu hoch dich?“, belustigte sie sich über mich und tätschelte meine Wangen.
„Melissa, sag mir, was willst du mir mit all den kuriosen Theorien sagen?“, wurde ich aufbrausend und zog ihre Hände weg.
„Verstehst du nicht? Wir haben aus der Dauer, die unser Leben durchfließt, eine Funktion gemacht. Wir hören das Ticken der Uhr und blicken mit Schrecken auf das Ende – ein Ende, das es nicht gibt. Wir zerteilen mit Zahlen das Leben und verinnerlichen es in uns …“
„Ja und?“, fuhr ich dazwischen.
„Wir sagen uns, wir seien jung oder alt, doch all das, reden wir uns nur ein. Es sind Illusionen.“
„Ach, die Oma, die sich am Stock über die Straße quält, bildet sich nur ein, Oma zu sein?“, lachte ich über ihre wirren Theorien.
Wütend sprang sie auf mich rauf, umklammerte meinen Hals und schüttelte meinen Kopf.
„Du willst mich nicht verstehen“, rief sie, „du treibst mich mit deiner nervtötenden Logik zum Wahnsinn.“
Sie ließ ab von mir.
„Natürlich ist die Oma eine Oma, wenn sie sich als solche fühlt. Der Glaube versetzt Berge. Wenn du ständig an das Älterwerden denkst, fühlst du dich alt. Wenn du glaubst, dass du schwach bist, bist du schwach. Die Gedanken sind Kräfte, die auch auf den Körper einwirken …“
Sie hielt zur scheinbaren Verdeutlichung meinen Kopf in ihren Händen und schaute mir für Sekunden dabei tief in die Augen.
„Das stimmt doch, Kleines. Es gibt zerstörerische und aufbauende Gedanken, oder?“
Sie küsste mich, als wollte ihre Zunge in mir mich überzeugen. Ich nickte bejahend und lächelnd und stimmte ihr zu, dass Gedanken destruktiv sein könnten, wollte aber wissen, was das alles mit ihrem afrikanischen Onkel zu tun habe.
„Er ist ein Genie! Kaum jemand weiß das.“
„Und woher weißt du das?“, fragte ich.
„Mein Opa hat es mir erzählt.“
„Onkel, Opa, Tante, Vater … du machst mich irre mit deiner ausufernden Verwandtschaft“, erwiderte ich. Sie lachte erhob sich von mir und zog sich Hemd und Hose über. Sie wolle Kaffee kochen und zerrte mich am Arm aus dem Bett. Nackt folgte ich ihr.
„Mein Onkel aus Afrika ist ein Suchender“, sagte sie und setzte die Kaffeemaschine in Gang.
„Er wurde zwar älter, behielt aber immerfort den Jungen in sich, blieb ein spielendes Kind. Er ist ein Sehender.“
„Ist er so was wie ein Mann, der nicht sterben kann?“, fragte ich.
„Ja so ähnlich“, antwortete sie mir.
„Ein Highlander?“
„Cate, ich bitte dich! Es ist kein Hollywoodfilm. Sei nicht albern. Hör mit der blöden Fragerei auf, du verwirrst mich.“
Sie legte eine Kunstpause ein und setzte ihre Erzählung fort:
„Nach vielen, vielen Jahrzehnten hatte mein Onkel beschlossen, er müsse sein Dorf verlassen. Es bedrückte ihn, zusehen zu müssen, dass sich in seinem Dorf nichts änderte. Seine Freunde und Liebschaften wurden ernst und erwachsen und machten das Gleiche wie ihre Eltern, pflegten ebenso die Rituale und Religionen wie ihre Vorfahren zuvor. In ihm jedoch blieb das Gefühl eines Kindes wach. Für Kinder ist die Welt unendlich. Sag, Cate, glaubst du an die Ewigkeit?“
„Kann man an so was glauben?“, fragte ich zurück.
„Giorgio …“, hob sie an.
„Nein, nicht wieder Giorgio“, unterbrach ich sie. Es behagte mir nicht, wie oft sie diesen Typ erwähnte.
„Haha! Giorgio ...“, überging sie meinen Einwand, „... sagte mir, dass im Grunde genommen alles im Universum unendlich sei. Nur wir Menschen mit unserem unterentwickelten Verstand teilen die Dinge in Anfang und Ende ein, damit wir in der Lage sind, was zu erkennen.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Sieh es mal so: Unser Leben ist nämlich unendlich, weil wir den Tod nicht erleben können. Das wäre auch absurd. Wir leben so lange, bis wir nicht mehr leben – aber dass wir nicht mehr leben, können wir nicht erleben. Kapiert?“
„Mein Gott, Melissa. Bist du besoffen?“
„Giorgio sagt …“, ich zuckte innerlich zusammen, „… wenn der Kosmos sich nicht unendlich ausdehne, würden wir nachts einen lichterlohen Sternenhimmel und keine Dunkelheit sehen.“
„Bitte, Melissa, erzähl weiter von deinem Onkel. Was haben Giorgios Weisheiten mit dem Onkel zu tun?“
„Na, kapierst du es nicht?“, ereiferte sie sich, „Mein Onkel fühlt sich genauso unendlich. Deswegen wurde er so alt. Ihm blieben die Probleme, die ihn als Kind beschäftigten, bedeutsamer als die von Erwachsenen. Dadurch behielt er einen wachen Verstand.
In all der Dauer, in der er lebte und immer noch lebt, hörte er nicht auf zu lernen. Er durchschaute Zusammenhänge, machte sich bewusst, welche Bedeutung Leben beinhaltete. Aus den Religionen und Bräuchen seines Volkes entnahm er sich einzig, was er anregend und für sich nützlich empfand – ohne Ideologie, bestand seine gesamte Geisteshaltung darin, dem Leben das Beste abzugewinnen.“
Der Kaffee war fertig, sie überreichte mir eine Tasse.
„Aus seinem Wissen mixte er sich seinen eigenen Lebens-Cocktail zusammen. Ein wahrer Chemiker seines eigenen Seins. Da er kaum an Bücher herankam, speiste er seine Erkenntnisse lediglich durchs Nachdenken und Beobachten.
Er wurde schlauer, er wurde agiler, lebendiger und über das, was er sich erdachte und erfuhr, erregter. Die afrikanische Sonne half ihm, die Zirbeldrüse seines Gehirns geschmeidig zu halten …“
„Melissa, du übertreibst!“
„Eines Tages wurde ihm seine Umgebung zu fade“, unbeirrt erzählte sie weiter.
„… und er ging fort. Er wollte fortan ausschließlich in seinen Überlegungen, Illusionen und Träumen leben – das Geschnatter anderer Leute behinderte ihn in seinem Denken. Die Welt, die er sich im Geiste erschuf, war farbenprächtig und inspirierender als die in der Realität. Somit beschloss er, in den Wald zu gehen und wie ein Eremit zu leben. Er hörte auf zu sprechen.“
„Was? Er sprach nicht mehr?“, fragte ich nach.
„Er sprach nur ab und an, meist schwieg er. Wenn jemand kam und ihn traf, schaute er ihn nur schweigend an. Sein Schweigen aber war lärmend, laut in seinem Inneren. Da er sich mittlerweile auf seine Gedanken konzentrieren konnte, nahmen seine Fantasien reale Gestalten an. Es brodelte in ihm. In seinen Gedanken riss er Fundamente ab, baute neue, entwickelte neue Gesellschaften, mit Regeln, die es zuvor nicht gab. Sein Geist entglitt der vorherrschenden Wirklichkeit, driftete ab in ferne, unbekannte Sphären. Die Bewohner seines Dorfes empfanden ihn als sonderbar und redeten sich ein, er sei aufgrund seines Alters senil geworden. Dabei überragten sein Bewusstsein und seine Empfindungen sie alle. Hätte er alles aufgeschrieben, man hätte ihn als Genie behandelt. Aber das wollte er nicht, sein gesamtes Wissen war einzig für ihn wesentlich und für …“
Melissa unterbrach ihre Erzählung abrupt.
„Bedeutsam für wen noch?“, hakte ich ein. Wir standen uns direkt gegenüber, ihre Augen waren weit aufgerissen.
„Cate, es ist was passiert!“
Erschrocken gleichermaßen von ihrem Gesichtsausdruck als auch von ihren Worten, starrte ich sie an.
„Du wolltest sagen; bedeutsam für d i c h“, folgerte ich aus ihrer Schilderung. Stumm nickte sie mit dem Kopf.
„Was ist passiert, Melissa?“
„Eine Idee“, sagte sie wie weggetreten.
„Was meinst du damit?“
„Ich hab soeben eine Idee geboren. Mir ist, als halte ich den Fötus in meinen Händen. Es ist wie von selbst gekommen. Mein Onkel! Er wartet!“
Sie hatte mich verwirrt, mir war nicht klar, auf was sie hinauswollte. Plötzlich strahlte sie mich an, und ihre Gesichtszüge glätten sich.
„Cate, das ist die Lösung! Er sitzt in einer Hütte und wartet auf uns.“
„Auf uns?“
„Ja, auf uns beide. Er ist es, der uns die Geheimnisse verraten wird.“
„Welche Geheimnisse?“, fragte ich verständnislos.
„Na, die des Lebens.“
Schallend lachte ich auf, konnte nicht fassen, was sie mir erzählte.
„Das ist lächerlich. Woher nimmst du diesen Glauben?“
„Ich spüre es“, gab sie mir knapp zurück.
„Wenn er wirklich so alt ist, kann er schon längst gestorben sein“, wandte ich ein.
Melissa war mit einem Male still und schaute mit leerem Blick durch den Raum.
„Melissa, was ist los mit dir?“
„Mein Onkel“, sagte sie „ist was Besonderes, in diesem Mann liegt der Schlüssel zu allen Antworten. Er wird uns Türen öffnen, uns Weite erschaffen, mit vielen neuen Möglichkeiten. Ich sehe ihn direkt vor mir; ein agiler, dünner Mann mit schwarzen Augen und faltigem Gesicht, in jeder seiner Falte liegt ein Rätsel verborgen. Er ist Afrikaner! Wenn nicht er, wer sonst könnte sagen, was es bedeutet …“
Sie hielt inne.
„Was was bedeutet?“, fragte ich.
„Was es heißt, Mensch zu sein!“, schoss es aus ihr heraus.
Spannungsvolle Stille.
„Wir müssen nach Afrika!“
Sie schaute mich mit funkelnden Augen an, und ich spürte, etwas Bedeutsames geschah in diesem Moment. Ihr Satz traf mich wie ein Schlag.
“Melissa, das ist verrückt“, rief ich aufgewühlt, „die ganzen Informationen über diesen Mann, der kaum spricht, sind sehr dürftig. Es ist eine vage Geschichte, die sich womöglich dein Opa ausgedacht hatte.“
„Ich finde es gar nicht dürftig, ich finde es sogar sehr viel. Es bleibt natürlich einiges offen …“
„Es bleibt was offen? Es ist nichts vorhanden, an dem man sich orientieren kann“, entsetzte ich mich.
„Das wäre herauszufinden. Das macht es umso spannender.“
„Was du erzählt hast, kling wie ein Märchen … Das kann nicht dein Ernst sein!“
„Du immer mit deinem Ernst. Das muss eine Marotte von dir sein. Es gibt diesen Mann, und ich weiß, dass er noch lebt und ...“, sie machte schon wieder eine fast unerträgliche Pause.
„Und?“, wollte ich nervös wissen.
„Und dass er auf uns wartet.“
„Melissa, das ist irre!“
Ich wusste, ja befürchtete; sie meinte es ernst, ihre Haltung, ihr Tonfall sagte es mir. Ich hätte mich noch so sehr anstrengen können, ihren Flip auszureden; es würde mir nicht gelingen. Schließlich sprach sie es wie eine Urteilsverkündung aus:
„Wir fahren nach Afrika!“
Ihr ganzes Gesicht strahlte vor Freude, als wäre sie gleichfalls mit der Bekundung ihrer Absicht auf dem Weg dorthin, als hätten sich damit alle Probleme, die wir hatten, aufgelöst.
„Wir beide – du und ich werden diese Reise antreten. Totales Spiel!“
Sie drückte mich fest an sich.

18. September 2019

'Froschkönige: Ein Köln-Krimi' von Ingo Lackerbauer

Kindle | epubli | Taschenbuch
Website Ingo Lackerbauer
Die kleine Hinterhoffirma »Froschkönige - Agentur für Lebenshilfe« in Köln-Ehrenfeld bietet unter der Ladentheke eine Dienstleistung der »besonderen« Art an. Auf Kundenwunsch, nur gegen Empfehlung und sehr viel Honorar bringen Margaux, Paul und Hannes Menschen in Misskredit - und zwar auf breitester Front. Angefangen bei der Nachbarschaft, dem Bäcker, Arbeitgeber, Metzger und Supermarkt über den Tennis-und Golfclub bis hin zu den sozialen Medien.

»Begeisterte« Auftraggeber sind dabei hauptsächlich betrogene und rachsüchtige Ehefrauen, die den untreuen Ex-Gatten nach der Scheidung gesellschaftlich ruinieren möchten. Doch beim aktuellen Auftrag läuft schon kurze Zeit später alles aus dem Ruder. Die Auftraggeberin nebst Gatten werden umgebracht. Von jetzt auf gleich sehen sich die drei als zentrale Figuren in einem außergewöhnlich brisanten Kriminalfall. Weitere Mordopfer pflastern plötzlich den Weg der Froschkönige und die Spuren führen bis in höchste politische Kreise.

Leseprobe:
»Hallöchen«, trällerte Palmira mit schriller Stimme. Ihre Erscheinung glich einer Detonation. Die Gespräche in der Bäckerei verstummten auf einen Schlag und Fassungslosigkeit machte die Runde bei der vornehmen Kundschaft des Edel-Brötchenverkäufers im noblen Stadtteil Köln-Marienburg. Die Naturgewalt baute sich breit auf, ließ ein unüberhörbares Stöhnen vom Stapel und wedelte sich mit einem überdimensionierten und knallbunten Fächer die Schweißperlen von der Stirn.
Palmira hatte den schönsten Zwirn übergeworfen, den ihr gewaltiger Fundus bot. Den 120-Kilo-Körper zierte ein wallendes, teils transluzentes Kleid in zartem Hellblau. Sie sah aus wie ein gefallener Engel, der aufgrund des zu hohen Körpergewichtes die Tragfähigkeit seiner Wolke überschritten hatte und Richtung Erde gestürzt war. Die platinblonde Perücke krönte ein kleiner Fascinator mit Netz und Feder, und zwar in Knallrot. Die Krönung des Ganzen war jedoch Dürer – der Mops, den sie auf dem Arm trug und der dröge vor sich hin sabberte und die typischen röchelnden Atemgeräusche ausstieß. Und warum Dürer? Palmira fand, dass ihr Hund ein wenig Ähnlichkeit mit Dürers berühmtem Aquarell eines Feldhasen hatte – speziell, was die Augen betraf. Die Übereinstimmung zwischen dem Feldhasen und Palmiras Mops war allerdings nur dem Frauchen vergönnt zu sehen. Dürer – also dem Hund – war das egal.
Palmira ließ erst einmal die Blicke im Geschäft schweifen. Nicht, dass sie das Angebot des Bäckers interessiert hätte, sie musste aber das Spannungsniveau des Auftritts erhöhen bzw. zumindest halten. Sie schlenderte ziellos locker umher, nickte mit dem Kopf und sprach das ein oder andere mit Dürer. Der Blick blieb an einer Ecke des Ladens hängen. Eine Glasvitrine beherbergte hässliche Gebilde aus Salzgebäck, die wohl die architektonischen Highlights Marienburgs darstellen sollten. Gruselige Kunst aus dem Kindergarten!
»Oh ha, welches Salzteigmonster hat sich denn hier ausgetobt?« Palmira schüttelte angewidert das augenfällige Haupt. Es war ihre Show und sie hatte einhundert Prozent Aufmerksamkeit. Der Plan ging auf. Keiner der Kunden wagte, auch nur ein Wort zu sagen. Also ergriff sie die Initiative und wandte sich an die Runde der Anwesenden.
»Was für ’ne scheiß Hitze. Da läuft einem doch glatt die Suppe in jede Falte unterhalb des Körperäquators.« Eine grelle, schrille und unüberhörbare Transen-Lachsalve folgte. Gleichzeitig stieß Palmira die ihr am nächsten stehende Person mit der Schulter an.
»Stimmt’s, Rumpelstilzchen!?«
Palmiras Opfer war ein hagerer, älterer, gepflegter Herr mit Nickelbrille sowie einem affigen roten Barett als auffälligstes Merkmal auf dem Haupt. Kurzerhand griff sich die Gute, im Überschwang der Gefühle, den verdatterten Opa und versenkte dessen vergleichsweise kleinen Kopf inklusive Kopfbedeckung in ihrem gewaltigen Plastik-Dekolleté. Der mindestens zwei Nummern winzigere Greis bekam Schnappatmung, rang nach Luft und konnte sich schließlich nur mit äußerster Mühe befreien. Die Augen des Rentners wirbelten hilfesuchend und panisch hin und her. Sinnlos! Rettung war nirgendwo in Sicht. Die restliche weibliche Kundschaft mittleren Alters betrachtete dezent und fremdschämend die Szenerie. In den Augen der vermögenden Gattinnen machte sich jedoch auch ein Funken Faszination bemerkbar. So etwas hatten die Damen der feineren Gesellschaft hier noch nicht gesehen.
Palmira richtete ihre Aufmerksamkeit in Richtung Verkäuferin und holte zum finalen Vernichtungsschlag aus.
»Sagen Sie, wissen Sie, was mit Herrn Dr. Blastonk los ist? Keiner öffnet die Tür. Ich wollte nur mal nach dem Rechten schauen, da Fritz gestern nicht zu unserem monatlichen Schamanen-Workshop erschienen ist. Das ist für den Lieben eher untypisch, zumal er einen lang vorbereiteten Vortrag zum Thema Natursteine als Rettung der Seele zu halten beabsichtigte. Wir machen uns wirklich Sorgen. Nicht wahr, mein Kleiner.« Dabei küsste sie ihren Mops auf die zu kurz geratene Nase, was bei Kundschaft und Verkaufspersonal gleichermaßen für einen Ekelanfall sorgte.
Keiner der Anwesenden fühlte sich bemüßigt zu antworten. Es entstand eine peinliche Pause, während Palmira auffordernd in die Runde blickte.
»Nicht die Spur einer Ahnung, was im Hause Blastonk los ist?«
Die Verkäuferin fand als Erste die Contenance wieder. »Schamanen-Workshop?«
»Ja meine Beste. Wir treffen uns, wie erwähnt, einmal im Monat des nächtens im Kölner Grüngürtel, entkleiden uns und lauschen den Gedanken und Erfahrungen der Mutter Erde.«
»Entkleiden?«, fragte die verunsicherte Kauffrau irritiert nach. Die Ärmste dachte wohl, dass sie die Gesprächsführung übernehmen musste. Eine fatale Entscheidung, sie würde den Kürzeren ziehen.
»Natürlich Liebelein, was denkst du denn? Nur so können wir das gesamte Spektrum der Schwingungen aufnehmen und dem Geist einverleiben. Und wenn es zu extremer Körperlichkeit zwischen den Mitgliedern des esoterischen Zirkels kommt, dann ist die Erdgöttin Gaia manchmal gutgesinnt und beglückt uns mit ihren übersinnlich-transzendenten Botschaften«, referierte Palmira, die sich in Höchstform redete.
Rumpelstilzchen wurde hellhörig. Mittlerweile hatte sich der Rentner mit der roten Baskenmütze aus Palmiras Fängen befreit, blieb jedoch interessiert stehen und hörte aufmerksam zu.
»Ähm Gnädigste, was meinen Sie mit Körperlichkeit?«, fragte er flüsternd.
Palmira lächelte ihn verführerisch an und befingerte mit ihrer behaarten Bauarbeiterpranke zärtlich das Kinn des begierigen Pensionärs.
»Na, na, na, wer wird denn hier gleich wuschig werden. In der Tat haben es Fritz und ich beim letzten Treffen ein wenig zu heftig getrieben. Er fiel über mich her, wie der Mistral das französische Hinterland im Herbst heimsucht.«
Rumpelstilzchen hatte Feuer gefangen. Er hing fasziniert an Palmiras Lippen.
»Und jeder kann bei Ihnen Mitglied werden?«, fragte er schüchtern.
»Natürlich, Knuffelchen.«
Die Brötchenverkäuferin mischte sich wieder ein. »Herr Weyrich, Sie werden doch wohl nicht …« Herr Weyrich räusperte sich und verließ fluchtartig den Laden. Dabei vergaß er die Tür zu öffnen und lief prompt gegen die Glasscheibe des Geschäftes. Es wummerte mächtig, Rumpelstilzchen prallte zurück und landete erneut in Palmiras Armen, was ihm nun weniger unangenehm schien als beim ersten Mal.

17. September 2019

'Synne - Entfesseltes Herz' von Cat Taylor

Kindle (unlimited)
Website Cat Taylor
Sie gilt als schönste Frau der Normandie …

Kein Wunder, dass Synne de Fécamp mitunter ein wenig zu hochmütig und ein wenig zu selbstbewusst ist. Voller Ambitionen reist die schöne Grafentochter an den Hof des Herzogs der Normandie, mit einem klaren Ziel vor Augen: Herzog William soll ihrer Schönheit verfallen und sie zu seiner Herzogin machen.

Als Synne endlich Williams Bekanntschaft macht, verläuft es jedoch ganz und gar nicht so, wie sie es sich ausgemalt hat. Und zu allem Überfluss begegnet ihr immer wieder der ebenso attraktive wie mysteriöse Alan, der eine fast magische Anziehung auf sie ausübt … und Sehnsüchte in Synne weckt, die sie niemals zulassen wollte …

Stur versucht Synne weiterhin, die Gunst des Herzogs zu gewinnen. Doch wird es am Ende ihr eigenes Herz sein, dass ihr einen Strich durch die Rechnung macht?

Leseprobe:
Kapitel 1
Rouen, die Hauptstadt der Normandie – Im Jahre 1047 n.Chr.

Der Markt von Rouen bot alles, was das Herz einer jungen Frau höher schlagen ließ.
Buntgestreifte Markisen und leuchtende Banner verwandelten den Platz vor der Kathedrale in ein Meer aus Farben. Üppig waren die Auslagen, kostbare Waren von nah und fern, Seide, Duftöle, schillernde Schmucksteine. Synne de Fécamp schlenderte zwischen den Ständen umher, ließ hier und da ihre Finger über Tuchballen wandern, streichelte über weiches Leder und noch weichere Pelze, musterte Bernsteinfibeln und silberne Armreife.
Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte sie beim Anblick all der hübschen Preziosen vor Entzücken gejubelt und sicherlich wäre bis zum Abend kein Denier mehr im Geldsäckchen an ihrem Gürtel gewesen. Synne liebte es, sich mit schönen Dingen zu umgeben. Sich nach der neuesten Mode zu kleiden, sich kostbaren Schmuck ins Haar zu flechten und ihre Haut mit fremdländischen Ölen und Salben zu pflegen. Heute jedoch stand ihr nicht der Sinn nach Feilschen und stundenlangem Grübeln, ob es grüne Seide sein sollte oder blaue oder doch lieber fliederfarbenes Leinen, aus dem sie sich das nächste ihrer zahllosen Kleider würde schneidern lassen.
Ich habe nicht die beschwerliche Reise nach Rouen auf mich genommen, um meine Zeit an Marktständen zu vertrödeln, dachte sie. Ich bin hier, um Herzog William zu treffen – damit er endlich um meine Hand anhält!
Ungeduldig warf sie einen Blick über die Schulter, hin zu ihren Brüdern Fiz und Adrien. Seit einer gefühlten Ewigkeit trieben sich die beiden am Stand eines Waffenschmieds herum. Begutachteten sein Angebot an Dolchen, prüften scheinbar jede einzelne Klinge auf ihre Schärfe und konnten nicht genug davon bekommen sich mit der Verkäuferin – die Tochter des Schmieds oder gar seine Ehefrau – über Stahl und seine Beschaffenheit und die Vorzüge verschiedener Wetztechniken auszutauschen. Die junge Frau strahlte über das ganze rotwangige Gesicht und war unverkennbar von dem großgewachsenen Fiz angetan. Synne wusste um die Wirkung, die ihr Bruder auf Frauen hatte, der Nichtsnutz brauchte nur sein verwünschtes Grinsen aufzusetzen, und sämtliche Maiden, ob jung oder alt, brachen in Kichern und Seufzen aus.
Einfältige Dinger, urteilte Synne hochmütig. Eine Frau, die es zu etwas bringen will, fällt nicht auf den erstbesten Kerl herein, nur weil er einigermaßen stattlich ist und ihr Komplimente macht. Eine Frau – besonders eine, die mit solcher Schönheit gesegnet ist wie ich – muss wissen, wie sie ihre Vorzüge geschickt einsetzt. Nur so kann sie eine Stellung in dieser Welt erringen.
An einem Stand mit Lederwaren hing eine polierte Scheibe, in der sie ihr Spiegelbild auffing. Sofort nutzte sie die Gelegenheit, betrachtete sich ausgiebig, und ein zufriedenes Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel. Die Strahlen der Herbstsonne fielen schräg über die reetgedeckten Dächer der Stadt und ließen ihr silberblondes Haar strahlen. Ihre türkisfarbenen Augen leuchteten wie Edelsteine. Ja, Synne wusste, dass sie betörend aussah. Den halben Morgen hatte sie damit verbracht das Haar zu waschen, zu kämmen und in weiche Locken zu legen. Die Lippen hatte sie über Nacht mit Honig betupft, sodass sie sich zart wie Blütenblätter anfühlten, und immer wieder biss sie verstohlen darauf, damit sie rot und prall blieben. Mehr als ein Marktbesucher hatte sich bereits bewundernd nach ihr umgedreht, die Händler musterten sie, als sei sie selbst eine kostbare Auslage, während die Frauen der Stadt ihr neidische Blicke zuwarfen. Stolz ignorierte Synne sie – sog die Schmeicheleien gleichzeitig jedoch auf wie eine Rose den Sonnenschein. Wie eine Perle das Salzwasser.
Zuhause auf der windumtosten Burg von Étretat wurde ihr Vater niemals müde zu behaupten, Synne sei nicht nur die Schönste seiner Töchter, sondern ganz gewiss auch die schönste Frau der Normandie. Die Küchenmägde und die Muschelweiber des Ortes erzählten noch eine andere Geschichte. Die Jarlstochter Saga, Synnes viel zu früh verstorbene Mutter, war den abergläubischen Weibern zufolge eine Zauberin gewesen. Sie habe nicht nur einen Liebeszauber über Graf Robert geworfen, damit er sie aus dem wilden Norden mit in seine normannische Heimat brachte. Als sie mit Synne schwanger war, sollte sie einen weiteren Zauber gewirkt haben, indem sie Nacht für Nacht am Meeresstrand spazieren ging, dort das Silberlicht des Mondes einfing, es mit Hilfe von Runenmagie in ihre ungeborene Tochter strömen ließ und Synne so ihre unvergleichliche Schönheit bescherte.
Synne selbst hielt nichts von derlei abergläubischem Gewäsch. Um Himmels willen, ihre Mutter war ganz gewiss keine Zauberin gewesen! Eine Märchenerzählerin vielleicht, die die Köpfe ihrer Töchter mit Träumen von der wahren Liebe anzufüllen versucht hatte. Noch heute glaubte Synne bisweilen, Sagas Stimme in ihren Gedanken flüstern zu hören: Folge stets deinem Herzen, Synne. Dein Herz wird stets die Wahrheit kennen.
Doch Synne, stur und stolz, schlug die ungebetenen Ratschläge in den Wind. Oh nein, sie war keine solche Träumerin wie ihre Mutter. Synne wusste, was wirklich zählte im Leben – und wie sie es erreichen konnte.
Ich werde Herzog Williams Braut sein. Ich werde neben ihm auf dem Thron sitzen als Fürstin der Normandie. Nicht mehr lange und ich werde ihn kennenlernen. Und sobald William mich zu Gesicht bekommen hat, wird er meiner Schönheit nicht widerstehen können … Wenn er doch nur endlich nach Rouen zurückkehrt!
Gedankenverloren musterte Synne die Ware, die unter der Spiegelscheibe aufgereiht lag. Es waren hübsche Pelze dabei, Polarfuchs und Schneehase aus dem hohen Norden. Daneben Beutel, Gürtel und Täschchen aus feinstem Leder, manche davon in schillernden Farben. Ein Paar Handschuhe erregte ihre Aufmerksamkeit, und interessiert stupste Synne sie mit dem Zeigefinger an.
»Ihr beweist exquisiten Geschmack, Madame«, erklärte der Mann hinter der Auslage. »Dieses Paar Handschuhe ist gewiss eines der edelsten Stücke auf diesem Markt.«
Synne beachtete den Mann nicht, sondern versank völlig in der Betrachtung der Handschuhe. Sie waren ausgezeichnet verarbeitet, im Inneren mit Lammwolle gefüttert, außen weiches Hirschleder. Der Schnitt war so zierlich, dass sie sich gewiss wie eine zweite Haut an ihre sorgsam manikürten Finger anschmiegen würden. Vor allem anderen war es jedoch die Farbe, die Synne lockte.
Denn die Handschuhe waren rot. Rot wie die Sünde.
Sicherlich sind sie auch sündhaft teuer, sinnierte sie und überschlug im Geiste, wie viele silberne Deniers ihr Vater ihr mitgegeben hatte, um sich für ihren Besuch am Hof des Herzogs standesgemäß auszustatten. Es waren nicht wenige, immerhin war ihr Vater, der Graf de Fécamp, ein wohlhabender Mann.
Diese Handschuhe wären ein hübsches Geschenk von einem Verehrer. Bestimmt wird mir der Herzog bald so etwas schenken …
»Das Rot schmeichelt Eurer hellen Haut, Madame«, fuhr der Händler derweil fort. »Ein Rot so verlockend wie Eure Lippen. Eine Schönheit wie Ihr wird dadurch noch anziehender. Noch … begehrenswerter.«
Synne sah scharf auf. Was nahm sich der Kerl heraus? Ein einfacher Straßenhändler durfte es nicht wagen, in solch schamloser Weise zu einer Edelfrau zu sprechen, mochte er auch noch so feine Waren verkaufen.
Überrascht stellte sie da fest, dass der Händler recht ansehnlich war. Lässig stand er da, ein Lächeln auf den Zügen. Überaus ansehnlichen Zügen! Eine dunkle Haarsträhne war ihm in die Stirn gefallen. Und ein Glitzern lag in seinen Augen, das ein seltsames Prickeln in Synnes Magen auslöste.
Sie schluckte die garstige Antwort hinunter, die ihr auf den gepriesenen Lippen lag, und erklärte stattdessen kühl: »Ich weiß recht genau um meine Vorzüge und brauche weder dich noch deine Handschuhe, um mir meines Werts bewusst zu sein.«
Er war wirklich ein äußerst attraktiver Mann, großgewachsen, schlank und noch dazu gut gekleidet, besser als es von einem Händler zu erwarten wäre. Da er mit solch edlen Lederwaren handelte, mochte er zu einem kleinen Vermögen gekommen sein. Jedenfalls besaß er genug Selbstvertrauen, um sich nicht abschrecken zu lassen. »Eine schöne Frau wie Ihr sollte stets reich beschenkt werden. Mit hübschen Dingen, die ihrer Schönheit schmeicheln. Und vor allem mit Komplimenten, die ihre Schönheit preisen.«
Synne ließ sich nicht anmerken, dass ihr seine Antwort gefiel. »Wenn du glaubst, deine frechen Komplimente könnten mich dazu verleiten, etwas zu kaufen, dann irrst du gewaltig. Im Übrigen erscheinen mir diese Handschuhe auf den zweiten Blick doch recht gewöhnlich.«
»Oh, Ihr irrt Euch, Madame.« Mit unverhohlenem Interesse musterte er Synnes Gesicht. »Diese Handschuhe sind einer Königin würdig.«
»Und woher willst du wissen, dass ich keine Königin bin?«, entfuhr es ihr schnippisch. Eigentlich hätte sie sich umdrehen und hoch erhobenen Hauptes davonschreiten sollen. Komplimente von halbwegs gutaussehenden Fremden anzunehmen, das war nichts, zu dem sich eine Frau wie Synne de Fécamp herabließ. Aber etwas an seinem unverschämten Lächeln gefiel ihr und ließ sie – merkwürdigerweise – verharren …
Das Lächeln wurde noch unverschämter. »Ich habe nicht behauptet, dass Ihr keine Königin seid, Madame.«
Und als sich der Händler vorlehnte und seine Augen begehrlich an ihr auf- und abwanderten, wurde das Prickeln in Synnes Magen immer stärker. Es war ein angenehmes Gefühl, dieses Prickeln, so als ob sie ein Glas schäumenden Cidres in einem Zug geleert hätte.
(…)

16. September 2019

'Der lange Schatten der Lüge' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website D.W. Crusius | Autorenseite im Blog
Harry Stiller, gerade aus dem Gefängnis entlassen, steht vor dem Abgrund. Völlig mittellos nimmt er einen Job als Putzmann in einer Kneipe an. Aber seine Vergangenheit lässt ihn nicht los.

Ein Beamter des BKA taucht in der Kneipe auf. Vor Jahren hat er in der Libyen-Affäre ermittelt und war daran beteiligt, Harry hinter Gitter zu bringen. Jetzt hat sich das Blatt gewendet, der Mann vom BKA braucht Harrys Hilfe. Harry hatte in Libyen engen Kontakt zu einem Russen, der im Auftrag des Mossad über Jahre Informationen gesammelt hat, die geeignet sind, die deutsche Regierung zu stürzen. Ein gefährliches Spiel um Lüge und Wahrheit beginnt.

Leseprobe:
Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man aus dem Gefängnis entlassen wird. Freiheit kann einem gewaltig aufs Gemüt schlagen. An dem Tag regnete es, das kam noch dazu. Der Beamte, der mich zum Tor brachte, senkte seine Stimme. »Ein gut gemeinter Rat. Geh vorsichtig über die Straße, du hast das verlernt. Sag ich dir aus Erfahrung. Wär Mist, wenn du an der nächsten Kreuzung von einem LKW erwischt wirst.«
Er richtete sich auf und sprach jetzt so streng wie möglich, wie sich das für einen Vollstrecker des Gesetzes gehört: »Will dich hier nicht mehr sehen.«
Gib ihm einen weisen Abschiedsgruß mit auf den Weg.
So steht es vermutlich im Vollzugsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen.
Krachend schlug hinter mir die eiserne Pforte zu. Der kalte Regen lief mir übers Gesicht in den Kragen der Parka. Ich fischte eine zerdrückte Packung Zigaretten aus der Manteltasche, im Gefängnis auf Vorrat gedreht, steckte eine zwischen die Lippen, zog das Feuerzeug aus der Tasche und schnippte mehrmals. Das Scheißding wollte nicht. Ich schüttelte, schnippte erneut – nichts. Nass geworden. Ich friemelte die Zigarette zurück in die Packung. Der typische Raucher war ich nicht, hatte es mir im Knast so nebenbei angewöhnt. Ich ging die Straße runter, eine Querstraße nach links. Rechts waren Gleise von der Straßenbahn. Hier sollte es eine Kneipe geben, erzählte man sich im Gefängnis, erste Anlaufstelle, wenn man rauskam. Ein Stück weiter sah ich ein Blechschild an einem Galgen im Wind hin und her schaukeln. Ich ging hin, blieb drunter stehen. Zum Hannes stand auf dem Schild. Misstönend klappernd pendelte das Schild im Wind hin und her. Ich stieg die zwei Stufen hoch und drückte gegen die Tür. Knarrend schwang sie auf. Wie eine massive Wand schlug mir muffiger Bier- und Zigarettendunst, Schweiß und verbrannte Zwiebeln entgegen. Es war dunkel. Entweder sie hatten noch nicht geöffnet oder es war schon geschlossen oder sie hatten vergessen, das Licht anzumachen. Oder die Stromrechnung nicht bezahlt.
»Hallo … keiner da?«
Hinter dem Tresen röchelte es, als läge jemand im Sterben. Misstönend quietschte es, wie eine Zellentür im Knast. Ein Kopf, der was von einem grauen, Jahrzehnte benutzten Wischmopp hatte, schob sich über die Kante des Tresens, und ein altes Männchen kam hochgekrochen. Er hatte wohl hinter dem Tresen gepennt. Auf dem Kopf mitten im Haargewurschtel hatte er einen kahlen Fleck. Ich dachte, da kommt noch mehr, aber es blieb bei dem Wischmopp, dem kahlen Fleck und dem faltigen Hals.
»Augenblick«, sagte er und griff zur Wand, drehte einen Schalter. Ein paar trübe Funzeln flackerten müde von der Decke.
»Ist offen?«
»Wonach sieht es denn aus!«
Gute Laune hatte der Wischmopp nicht. Die tiefe Stimme hätte zu einem Zwei-Meter-Mann gepasst, nicht zu diesem mickerigen Zwerg von geschätzt eins-vierzig. Die Kante des Tresens reichte ihm gerade bis ans Kinn. Missmutig sah ich mich um. Das Regal hinter dem Tresen war bis auf eine halb volle Flasche leer. Das Etikett war zum Teil abgekratzt, als wollte man verheimlichen, was drin war.
»Was ist das?«
»Korn«, sagte der Wischmopp mit dröhnender Stimme wie ein Mississippi-Raddampfer, holte die Flasche aus dem Regal und winkte damit in meine Richtung. Hätte er Abflussreiniger gesagt, wäre ich nicht überrascht gewesen.
»Hast du Geld?«, fragte er misstrauisch.
»Warum fragst du?«
»Weil du wie ein frisch entlassener Knacki aussiehst, und die machen alle auf Mitleid, wollen für lau saufen.«
»Habt ihr oft Knackis hier?«
»Zu oft.«
Ich legte einen Fünfer von meinem Entlassungsgeld auf die Theke.
»Gib mir ein Glas und mach es wieder voll, wenn es leer ist. So lange der Schein reicht.«
»Wie lange warst du drin, hundert Jahre? Muss ich nicht oft voll kippen.«
Er bückte sich hinter den Tresen, kam mit einem Glas wieder hoch und hielt es gegen die schummerige Deckenbeleuchtung. Er stellte es weg und holte ein anderes raus, doppelt so groß. Das stellte er auf den Tresen und füllte es aus der Flasche.
»Krieg’ste zwei von«, sagte er.
Ich nahm das Glas und kippte es in einem langen Zug weg. Der erste Schnaps nach über vier Jahren. Brannte höllisch. Das Männchen mit dem Wischmopp stand abwartend mit der Flasche in der Hand und füllte das Glas wieder. Mit der anderen Hand nahm er den Schein vom Tresen.
Jetzt hatte ich noch hundertzweiundzwanzig und ein paar Zerquetschte. Ich nahm das Glas und kippte es weg. Der zweite Schnaps brannte nicht mehr, und ich spürte eine angenehme Wärme in mir aufsteigen. Ich war nicht der typische Korn-Trinker, aber im Regal hinter dem Tresen stand nur diese Flasche.
»Willst’te was essen?«, fragte der Wischmopp.
»Hast du Cordon bleu oder Hirschbraten in Rotweinsoße?«
Er blickte mich mit dem nachsichtigen Grinsen an, das er sonst für geistig Minderbemittelte reserviert hatte.
»Frikadellen. Dauert was, muss ich warm machen.«
Ich wollte erst fragen, wie alt die Frikos seien, wie lange sie rumstanden und vor allem wo. Stattdessen sagte ich: »Zwei Frikos mit Senf und Pommes.«
»Pommes hab ich nicht, die Fritteuse ist kaputt. Kannst ein Brötchen haben oder Schwarzbrot.«
»Brötchen.«
»Noch zwei für fünf und die Frikos gratis?«
Er wedelte mit der Flasche vor meinem Gesicht herum, wie mit einem Wurstzipfel vor einer Hundeschnauze. Die Frikos hatten sicher das Verfalldatum überschritten und mussten weg. Ich tippte an mein Glas, und er füllte es. Dann ging er nach hinten und ich sah, dass er nicht klein, sondern verwachsen war. Ein Gnom mit verkrüppelten Beinen. Rund gebogen, als hätte er die Hose auf einem Fass getrocknet. Aus der Küche drang ein Höllenlärm, Blechgeschirr krachte auf den Steinboden.
»Scheiße«, grölte er mit seiner Zwei-Metermann-Stimme. Sein Ächzen drang zu mir herüber, als er sich bückte und das Zeug vom Boden aufsammelte.
Ich sah mich um. Eine miese Bude – ein Palast verglichen mit der Zelle, in der ich bis mittags gesessen hatte.

'DMSO für Einsteiger' von Felix Bogner

Kindle | Taschenbuch
Das verborgene Heilmittel, das Schmerzen lindert, Entzündungen heilt, Bakterien, Viren und Allergien bekämpft

Gerade in der Medizin gibt es immer wieder spektakuläre Heilmethoden, die mächtigen Interessengruppen nicht in den Kram passen und deswegen nicht der breiten Masse zugänglich gemacht werden.

Kennst Du das auch?
- Du hast eine chronische Krankheit und kein Arzt kann Dir helfen?
- Du ärgerst Dich seit Jahren mit Akne um und nichts hat geholfen?
- Du hast Rückenschmerzen und alle Mittelchen aus der Apotheke zeigen keine Wirkung?
- Du hast Muskelverspannungen und keine Salbe bewirkt eine Linderung?


Es gibt kaum eine andere Substanz, die so vielseitig anwendbar ist und ein so weites Wirkungsspektrum gegen alle möglichen Krankheiten aufweist, wie DMSO. DMSO ist in vielerlei Hinsicht verblüffend. Wir haben es hier mit einem regelrechten Multitalent zu tun.

DMSO wirkt:
- entzündungshemmend
- schmerzstillend
- gefäßerweiternd
- Juckreiz lindernd
- abschwellend
- muskelentspannend
- gegen Bakterien
- gegen Viren
- gegen Pilzbefall
- entwässernd


DMSO hat außerdem die Fähigkeit, durch die Haut in den Körper und in den Blutkreislauf einzudringen. Einmal im Blut, gelangt es in Sekundenschnelle in jede Zelle des menschlichen Körpers.

DMSO ist dabei eine ausgezeichnete Trägersubstanz. Alle möglichen anderen Arzneimittel lösen sich hervorragend in DMSO und werden von diesem quasi Huckepack genommen und gelangen auf diese Weise in kürzester Zeit in die Blutbahn.

Leseprobe:
Es gibt kaum eine andere Substanz, die so vielseitig anwendbar ist und ein so weites Wirkungsspektrum gegen alle möglichen Krankheiten aufweist, wie diese simple Verbindung. DMSO steht für Dimethylsulfoxid. Schon seit den frühen sechziger Jahren ist Ärzten bekannt, dass dieser Stoff gegen zahlreiche Erkrankungen wirkt.
DMSO ein fantastisches Potential. DMSO könnte Millionen von Menschen helfen. Es wirkt bei Arthritis, Schmerzen, Krampfadern, wirkt abschwellend, entzündungshemmend und antibakteriell. Es kann sogar manche Viren deaktivieren und es kann die Wirkung anderer Medikamente verstärken. DMSO ist spottbillig und fällt bei der Herstellung von Papier in großen Mengen an. Da es schon so lange bekannt ist, kann es natürlich nicht mehr patentiert werden. Und da es nicht patentiert werden kann, kann die Pharmaindustrie auch nicht viel damit verdienen.
Zum Glück sind aber die wichtigsten Forschungsergebnisse zu DMSO öffentlich zugänglich. Auch DMSO selbst ist frei im Handel erhältlich. Allerdings nicht in Apotheke, oder Drogerie, sondern im Chemikalienhandel.
Mit diesem Buch soll das Wissen über die Wirkung und die Anwendung von DMSO weiter verbreitet und dieses Wissen wieder allgemein zugänglich gemacht werden. In diesem Buch lernst Du, was DMSO kann, wo Du es beziehen, wie Du es richtig aufbewahren und, was am wichtigsten ist, Du lernst, wie es richtig angewendet wird.
Dieses Buch richtet sich an Neueinsteiger, die von DMSO gehört haben und die ersten Erfahrungen mit dieser spannenden Substanz sammeln möchten. Ich hoffe, dass dieses Buch dabei helfen kann, dieses vielseitige, preiswerte und hochwirksame Heilmittel wieder einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Es wäre schön, wenn DMSO endlich die Bedeutung erhalten würde, die es verdient. Es würde uns allen zu Gute kommen.

Die Heilkräfte von DMSO werden entdeckt
Erst 94 Jahre nach seiner Entdeckung hat man endlich entdeckt, dass DMSO auch medizinisch eingesetzt werden kann. 1960 fand der amerikanische Chirurg Dr. Stanley Jacob heraus, das DMSO eine ganze Reihe von weiteren, hochinteressanten Eigenschaften hat und weit mehr ist, als nur ein Frostschutzmittel für tiefgekühlte Körperzellen.
Dr. Jacob suchte nach einem guten Konservierungsmittel für Organe, die transplantiert werden sollten und zwischenzeitlich aufbewahrt werden mussten. Dabei experimentierte Dr. Jacob auch mit DMSO. Dabei kam es zu einem kleinen Zwischenfall: er goss sich aus Versehen etwas DMSO auf seine Hand. Dabei verspürte er einen seltsamen Effekt. Wenige Sekunden nach dem Hautkontakt bemerkte Jacobs einen merkwürdigen Geschmack auf der Zunge. Zunächst schmeckte es ähnlich wie Austern, dann wurde der Geschmack scharf und knoblauchartig.
Dr. Jacob schloss darauf, dass es für diesen Effekt nur eine sinnvolle Erklärung geben konnte. Offenbar war das DMSO in kürzester durch die Haut in den Körper eingedrungen und in die Blutbahn gelangt. Dort hat es sich dann in wenigen Sekunden im ganzen Körper verteilt, so dass Dr. Jacobs plötzlich den typischen Geschmack von DMSO verspürt hatte.
Auch ein anderer Wissenschaftler machte seine Erfahrungen mit DMSO. Der Chemiker Dr. Robert Herschler experimentierte ebenfalls mit DMSO. Er arbeitete als Chef der Forschungsabteilung einer amerikanischen Papierfabrik, der Crown Zellerbach Corporation. Dort untersuchte er die Löslichkeit von Pflanzenschutzmitteln in DMSO. Ihm geschah dasselbe Missgeschick wie Dr. Jacobs und er goss sich aus Versehen etwas DMSO über die Hand. Er hatte allerdings das Pech, dass es sich nicht um reines DMSO handelte, sondern dass in dem DMSO ein hochgiftiges Pflanzenschutzmittel gelöst war. Die Wirkung war ähnlich wie bei Dr. Jacobs: Das DMSO durchdrang sofort die Haut und gelangte in die Blutbahn. Mitsamt dem darin gelösten, giftigen Pflanzenschutzmittel. Das Gift wurde von dem DMSO quasi „Mitgenommen“ und ebenfalls in die Blutbahn transportiert. Dr. Herschler litt sofort unter Atemnot und Bewusstseinstrübungen. Er hatte aber das Glück, dass die Dosis des Giftes nicht allzu hoch war und trug bei dem unfreiwilligen Experiment keinen bleibenden Schaden davon.
Herschler stieß auf die Forschungen von Jacobs. Die beiden Wissenschaftler nahmen miteinander Kontakt auf und begannen, zusammen an der weiteren Erforschung von DMSO zu arbeiten. Dabei gewannen die beiden Forscher eine Fülle von neuen, hochinteressanten Erkenntnissen. Zunächst einmal machten sie Experimente mit Pflanzen und Tieren und fanden dabei heraus, dass DMSO nicht nur mühelos in pflanzliche und tierische Gewebe eindringen kann, sondern dass es dabei auch alle möglichen anderen Stoffe, die in DMSO gelöst sind, quasi „mitnehmen“ kann.
Es folgten Versuche an Menschen. Dabei stellte sich heraus, dass DMSO noch eine ganze Menge weitere Effekte hatte. DMSO wirkte gegen Kopfschmerzen, Verstauchungen, Nebenhöhlenentzündungen und rheumatischen Beschwerden. Wenn die betroffenen Körperstellen mit DMSO-Lösungen eingerieben wurden, besserten sich die Beschwerden innerhalb kürzester Zeit.
DMSO hatte anscheinend sonst keine Nebenwirkungen. Lediglich der seltsame Geschmack, sowie vorübergehend gelegentlich auftretende Hautausschläge wurden bisher als einzige Nebenwirkungen bei der Anwendung von DMSO beobachtet. Dr. Herschler und Dr. Jacob forschten weiter intensiv nach Anwendungsbereichen für das DMSO.
Sie bemerkten, dass Sie erst einen Bruchteil des ganzen Wirkungsspektrums erforscht hatten. Es konnte Bakterienwachstum hemmen, Schmerzen lindern, verhärtetes Narbengewebe weich machen, für eine verbesserte Durchblutung sorgen. Schließlich hat DMSO auch noch die bemerkenswerte Eigenschaft, andere Medikamente in ihrer Wirkung zu verstärken. Die beiden Forscher hatten offenbar eine hochinteressante Entdeckung gemacht.
Hatten die beiden Forscher so etwas wie eine neue Allzweckwaffe der Medizin entdeckt?

13. September 2019

'Marlene Torvett und das Märchen vom Glück' von Jana Jürss

Kindle (unlimited)
Website von Jana Jürß
MÖRDERISCHE IDYLLE! Marlene Torvett hatte ihr neues Zuhause bewusst gewählt: Inmitten der idyllischen Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte in der beschaulichen Kleinstadt Neustrelitz. Doch als eine Leiche im Zierker See treibend gefunden wird, kann sie gar nicht anders, als dies persönlich zu nehmen.

Sie mischt sich in die Ermittlungen ein. Mit Witz und Charme wickelt sie nicht nur den mürrischen Hauptkommissar Babuske um den Finger, sondern entdeckt ein Netz aus Intrigen, Gier und Macht auf, das tief unter der Oberfläche verborgen liegt. Als dann ein zweiter Mord geschieht und eine junge Frau verschwindet begreift Marlene Torvett, wie gefährlich ihre Gegner in Wirklichkeit sind und dass selbst sie nicht mehr sicher ist.

Leseprobe:
Niemand hatte sie gesehen, da war sie sich sicher. Viele Male war sie diesen Weg gegangen, immer, wenn sie nachts aus dem Fenster der elterlichen Wohnung gestiegen war, um ein paar Stunden bei ihrem Freund verbringen zu können. Die Abkürzung am See ersparte ihr wertvolle Zeit. Durch die Straßen würde sie wenigstens doppelt so lange brauchen. Bislang war sie nie jemandem begegnet, morgens um fünf schlief die Stadt und der See wurde von allen in Ruhe gelassen. Keine Jogger, kein Walker, keine Hunde. Sie liebte diese absolut friedliche viertel Stunde, die sie für den Heimweg brauchte. Der Unfrieden würde sie früh genug wieder umschließen. Die Eltern, die an ihr zerrten, die nicht einsehen wollten, dass sie erwachsen geworden war, dass sie ihr eigenes Leben zu leben wünschte, dass sie einen Mann liebte, der ihrer Meinung nach nicht gut genug war.
Sie schüttelte die störenden Gedanken ab, dachte an die fast eben noch gespürten Zärtlichkeiten, sprang umher wie ein junger Hund, und begann leise vor sich hin zu singen. Sie strauchelte über etwas, konnte aber gerade noch das Hinfallen verhindern, indem sie sich an einen Baumstamm rechts des Weges stützte. Zuerst ging sie weiter, aber nach wenigen Metern blieb sie stehen. War das, was sie stolpern ließ, nichts Hartes und nichts Kleines gewesen, was sie neugierig machte. Sie drehte sich bereits um, als ein Flüstern sich ihr näherte. Sie glaubte an ein Liebespaar und versteckte sich hinter den Büschen nahe des Ufers. Ein Lichtkegel hätte sie fast aufgespürt, was sie durch schnelles Ducken verhindern konnte. Ein weiterer Lichtkegel traf auf den Gegenstand, welcher sie zum Umdrehen bewegt hatte. Ganz deutlich erkannte sie, was da lag. Ein Mensch. Zwei weitere Menschen näherten sich diesem, setzten sich in Hocke vor ihm und schwiegen.
Einer packte etwas aus einem großen Rucksack, eine Leine, die sie an den Körper banden. Eine weibliche Stimme sagte ›Los jetzt, es wird bald hell‹ und sie zogen gemeinsam den Körper, der sich offenbar nur schwer bewegen ließ, mit großer Mühe zum kleinen Steg, welcher sich etwa zehn Meter weiter vorne befand. Die Lampen, so sah sie jetzt, mussten an ihren Köpfen befestigt sein, denn die Lichtkegel begleiteten diese beiden bei ihrer mit Stöhnen verbundenen Tätigkeit. Sie verhielt sich mucksmäuschenstill, traute sich nicht, den eingeschlafenen rechten Fuß zu bewegen und wünschte nichts mehr, als ein aufkommendes Niesen weiter unterdrücken zu können. Ihr war klar, dass vor ihren Augen ein Verbrechen geschah. Wie in einem Film. Und dass sie, wenn die da vorne sie sähen, ernsthaft in Gefahr sein würde. Dieser leblose Körper, mit dem die beiden sich abmühten, machte ihr Angst. Warum hatte der ihr ein Bein gestellt? Längst wäre sie zu Hause in ihrem Bett. Bei ihren Eltern.
Auf dem Steg machten sie das Seil los, eine männliche Stimme sagte laut ›Der und seine Märchen‹ und stieß den Körper in den noch träumenden See. Sie knipsten die Lichter aus und verschwanden, ohne sich noch einmal umzudrehen, in Richtung Sonnenaufgang.
Sie stand erst nach einer langen Weile auf, versuchte die kribbelnden Schmerzen im Bein zu ignorieren und schlich zum Steg. Der Ärmel eines karierten Hemdes hatte sich im Holz verfangen. Sie blickte in das ihr halb zugewandte Gesicht eines Mannes. Mehr konnte sie nicht erkennen. Ohne zu wissen weshalb, riss sie am dem Ärmel und gab dem Körper einen Stoß, damit er über den See treiben konnte. Sie dachte, es wäre vielleicht schöner für einen Toten über einen See zu schwimmen, der wärmenden Sonne entgegen, als an einem alten, kaputten Steg im Schatten der dicht am Ufer stehenden Sträucher gefesselt zu bleiben.

12. September 2019

'Muskelaufbau' von Michael Richner

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Wie du durch gesunde Ernährung und Krafttraining garantiert mehr Muskeln aufbaust und deinen Traumkörper erlangst

Sehnst du dich auch danach, mehr Muskeln aufzubauen und gleichzeitig unnötiges Fett zu verbrennen? Willst du den Traumkörper erlangen, welchen du stolz in der Öffentlichkeit zeigen kannst und dabei bewundert wirst?

Durch diesen Ratgeber wirst du garantiert mehr Muskeln aufbauen, als du dir vorstellen kannst.

Dieses Buch stellt dir Grundwissen zu den Themen Muskelaufbau, Fettverbrennung und gesunde Ernährung zur Verfügung. Du erhälst bewährte Trainingsprogramme, mit denen du all deine Ziele erreichen wirst.

Das wichtigste zuletzt – dieses Buch kann dir nur mehr Muskelaufbau garantieren, wenn du die darin enthaltenen Ratschläge und Informationen konsequent umsetzt. Ohne Durchhaltevermögen, Schweiss und harter Arbeit wirst du nie deine Ziele erreichen und deinen Traumkörper erlangen.

Leseprobe:
1. Einleitung
Mehr Kraft bedeutet mehr Muskeln. Je schwerer du trainierst, desto stärker wird dein Körper und desto größer werden deine Muskeln. Deine Muskeln nehmen an Größe zu, damit sie schwerere Gewichte heben können. Aus diesem Grund ist Stärke der Schlüssel zum Erfolg!
Die meisten Menschen versuchen, Muskeln aufzubauen, indem sie Isolationsübungen mit hohen Wiederholungszahlen machen, bis sie aufgepumpt sind und sich ihre Muskeln größer anfühlen. Dies funktioniert jedoch selten, da die Belastung für die Muskeln zu gering ist, um das Muskelwachstum auszulösen. Nur Sportler, die bereits stark sind oder Anabolika nehmen, können Muskeln aufbauen, indem sie Isolationsübungen mit niedrigem Gewicht und hohen Wiederholungszahlen machen.
Doch nicht nur das Training, sondern auch die Ruhezeiten und die richtige Ernährung spielen eine Rolle für deinen Erfolg.

1.1 Wie man Muskeln aufbaut
Der größte Fehler, den viele Anfänger beim Muskelaufbau machen, ist zu versuchen, wie ein Bodybuilder zu trainieren. Viele Bodybuilder nehmen Anabolika, sprechen aber nicht darüber. Und sie haben selten den größten Teil ihrer Muskelmasse mit den Übungen aufgebaut, bei denen du sie abends im Fitnessstudio siehst. Deshalb funktionieren Bodybuilding-Übungen für die meisten Menschen nicht. Trotzdem ist es nicht so schwer wie viele denken, wenn du dich an ein paar einfache Grundsätze hältst:

Stärker werden
Die besten Bodybuilder, die es je gab, waren stark. Sie wussten, dass mehr Stärke auch mehr Muskeln heißt. Erhöhe kontinuierlich dein Arbeitsgewicht bei den Kniebeugen, beim Bankdrücken und beim Kreuzheben. Deine gesamte Muskelmasse wird zunehmen, weil Stärke Stärke der Schlüssel zu größeren Muskeln ist.

Mehr Arbeitsgewicht statt mehr Wiederholungen
Hör auf, deine Muskeln mit niedrigen Gewichten und hohen Wiederholungszahlen aufzupumpen. Konzentriere dich stattdessen auf höhere Gewichte bei niedriger Wiederholungszahl. Versuch immer, mehr als beim letzten Mal zu heben. So wirst du stärker, was deine gesamte Muskelmasse erhöht. Wenn du heute nicht mehr als im letzten Monat oder Jahr an Gewicht drückst, baust du auch keine Muskeln auf.

Mehrere Muskeln gleichzeitig trainieren
Mach Übungen, die mehrere Muskeln gleichzeitig trainieren. Dadurch kannst du schwerere Gewichte heben, wodurch mehr Muskelwachstum ausgelöst wird. Der Großteil deines Trainings sollte aus schweren Kniebeugen, Bankdrücken, Kreuzheben, Überkopfdrücken und Langhantelcurls bestehen.

Mit Hanteln anstatt an den Geräten trainieren
Du kannst mit Hanteln zwar weniger Gewichte heben als an einem Gerät, trainierst jedoch zugleich stabilisierende Muskeln, die beim Training an Geräten vernachlässigt werden. Hanteln beanspruchen mehr Muskeln und lösen mehr Wachstum aus. Verwende freie Gewichte, die nicht an Maschinen befestigt sind.

Regelmäßig trainieren
Je öfter du einen Muskel trainierst, desto mehr veranlasst du ihn zu wachsen. Je mehr du trainierst, desto schneller verbessert sich deine Technik und desto schwerer kannst du trainieren. Beginne mit drei Trainingstagen pro Woche.

Erholungszeiten
Deine Muskeln müssen sich vom Training erholen, um stärker und größer zu werden. Sie können sich nicht erholen, wenn sie jeden Tag hart arbeiten müssen. Auch dein Verstand braucht eine Pause. Hilf deinen Muskeln, sich zu erholen, indem du viel isst, trinkst und schläfst.

Mehr essen
Dein Körper verwendet Nahrung, um das Training zu beschleunigen und deine Muskeln aufzubauen. Deine Muskeln können sich bei Nahrungsmangel nicht erholen und nicht wachsen. Die meisten Männer benötigen mindestens 3000 kcal/Tag, um Muskeln aufzubauen. Dünne Männer mit hohem Stoffwechsel brauchen noch mehr, um an Gewicht zuzunehmen.

Proteinzufuhr erhöhen
Dein Körper verwendet Protein, um neue Muskeln aufzubauen und beschädigtes Muskelgewebe nach dem Training wiederherzustellen. Du benötigst rund 2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht, um die Muskelerholung sicherzustellen und Muskeln aufzubauen. Für einen 80 kg schweren Mann sind das etwa 160 g Protein pro Tag.

Realistisch bleiben
Du kannst keine steroidähnlichen Ergebnisse erzielen, ohne Steroide zu verwenden. Weil es Zeit braucht, Muskeln aufzubauen, kannst du nicht in drei Monaten zum Fitnessmodel werden. Bodybuilder in Zeitschriften setzen unrealistische Erwartungen. Hör auf zu versuchen, wie sie auszusehen. Konzentriere dich darauf, dich selbst zu verbessern – das wird dir Frust ersparen.

Konsequent sein
Die meisten Männer nehmen pro Woche 0,25 kg Muskelmasse zu, wenn sie ein effektives Trainingsprogramm absolvieren und sich gut ernähren. Schneller kannst du keine Muskeln aufbauen. Es dauert ein Jahr, bis Du 12 kg Muskelmasse zugenommen hast. Konsequenz ist eines der obersten Gebote!

1.2 Rate der Muskelzunahme
Die meisten Männer können 0,25 kg Muskelmasse pro Woche zulegen, wenn sie mit dem Training beginnen. Das sind ungefähr 1 kg Muskeln pro Monat oder 12 kg in einem Jahr. Dies setzt voraus, dass du ein effektives Trainingsprogramm durchführst, gut isst und konsequent bleibst. Nach dem ersten Jahr verlangsamen sich die Muskelzuwächse.
Deine Muskeln speichern Glykogen, um das Training voranzutreiben. Glykogen bindet an Wasser, was zu Wassereinlagerungen und einem kräftigeren Aussehen führt. Dieses Wasser erhöht deine Körpermasse, ist aber kein reines Muskelgewebe.
Manche Männer können mehr als 1 kg pro Monat an Muskeln zulegen. Jugendliche gewinnen schneller Muskeln, weil sie mehr Testosteron haben. Menschen, die zuvor trainiert haben, bauen dank dem sogenannten Muskelgedächtnis schneller Muskeln auf.
Auf der anderen Seite bauen ältere Menschen langsamer Muskeln auf, weil sie weniger Testosteron haben.
Der niedrige Testosteronspiegel ist auch der Grund, aus dem Frauen normalerweise nur halb so schnell Muskeln aufbauen wie Männer – ca. 6 kg Muskeln pro Jahr.
Je mehr Kraft und Muskeln du hast, desto schwerer ist es, mehr Muskeln aufzubauen. Dies ist das «Paretoprinzip» – es erfordert mehr Arbeit, um mehr zu erzielen, und die Rendite ist geringer. Glücklicherweise sind die erzielten Ergebnisse leichter zu halten und kommen nach einer Pause schneller zurück.
Leider kannst du nicht viel mehr als 1 kg pro Monat an Muskeln zunehmen, da es beim Menschen eine genetische Grenze gibt. Die einzige Möglichkeit, schneller Muskeln aufzubauen, besteht darin, nicht langsamer zu werden. Es dauert etwa ein Jahr, um 12 kg Muskeln aufzubauen und eine große Veränderung am Körper und deren Masse vorzunehmen. Sei also konsequent und bleib konzentriert, damit du nicht zwei Jahre brauchst, um dorthin zu gelangen.

5. September 2019

'In the Claws of the Daimon' von Archayel Menelmacar

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Als Cat sich in die schottischen Highlands begibt um Inspirationen für ihr neues Buch zu sammeln, ahnt sie noch nicht wo ihre Reise hinführen wird.

Ein Fehltritt reißt sie in einen Mahlstrom von Ereignissen und in eine Welt die sich ihr von der unwirtlichsten Seite zeigt. Dort hat eine dunkle Kreatur bereits ihre Witterung aufgenommen und eine gefährliche Jagd beginnt, deren Ausgang ungewiss scheint.

Leseprobe:
Böses Erwachen

Beherzt ist nicht, wer keine Angst kennt, beherzt ist, wer die Angst kennt und sie überwindet.
Khalil Gibran


Da geschah das Unvermeidliche, sie hatte nur noch Zeit, zu realisieren, dass der Stein unter ihrer Sohle nachgab und wegbrach. Cat schnappte nach Luft und merkte, wie sie nach hinten kippte. Panisch versuchte sie noch, nach den Rahmen zu greifen, doch das Gewicht ihres Rucksacks ließ sie unaufhaltsam nach hinten kippen. Sie verpasste den rettenden Moment.
Cat fiel die Außenmauer hinab und fand keine Zeit, einen Schrei auszustoßen. Der Aufprall war hart und schaltete ihr mit voller Wucht das Bewusstsein aus.

*

Hämmernder Kopfschmerz.
Stimmen, ganz nah.
Feuchtes Gras an ihrer Wange und der metallene Geschmack von Blut in ihrem Mund, das war das Erste, was Cat wieder bewusst wahrnahm, als sie zu sich kam. Sie überlegte angestrengt und stöhnte gequält auf, als sie versuchte, sich zu bewegen.
Der Sturz, dachte sie sich, als sie versuchte, ihre Gliedmaßen zu bewegen und zu überprüfen, ob sie sich schwere Verletzungen zugezogen hatte. Nur ihr Kopf tat ordentlich weh und sie musste sich beim Aufprall auf die Zunge gebissen haben.
Cat griff sich an den Hinterkopf und spürte etwas Feuchtes, Klebriges an den Fingerspitzen, sie hatte sich an einem Stein aufgeschlagen, aber es war nur eine kleine Verletzung, wie sie erleichtert feststellte. Anscheinend hatte sie unglaubliches Glück gehabt, denn außer blauen Flecken und leichten Prellungen schien sie wohlauf, ihr Körper gehorchte ihr vollständig, fühlte sich aber etwas wund an und tat überall weh.
Die Männerstimmen, wie sie jetzt realisierte, kamen rasch näher und sie konnte harte Sohlen durch nasses Gras laufen hören. Cat erkannte nicht viel, als sie die Augen öffnete, denn die Nacht war hereingebrochen.
Sie stöhnte abermals auf.
Oh mein Gott, wie lange lag sie hier schon. Glen war sicher außer sich vor Sorge und nun hatte sie durch ihre Dummheit auch noch Suchmannschaften auf den Plan gerufen.
Das hast du ja toll hinbekommen, Cathrin Krieger, tadelte sie sich in Gedanken selbst.
»Hier drüben, hier liegt jemand!«
Die Männer waren heran und Cat versuchte, sich in die Höhe zu arbeiten.
»Rührt euch nicht!«, herrschte sie der Mann, der als Erster bei ihr war, in strengen Ton an.
Cat wunderte sich über den Sanitäter, der seinen Job anscheinend etwas zu ernst nahm, sie winkte mit einer fahrigen Bewegung ab und versicherte mit heiserer Stimme: »Ich bin in Ordnung, keine Sorge.«
Sie versuchte, sich in eine sitzende Position zu stemmen, als plötzlich kaltes Metall ihre Kehle berührte.
»Ich sagte, bewegt euch nicht!«
Cat erstarrte, sie hatte Mühe, die Situation zu verarbeiten. Was war hier los?
Sie starrte auf eine kalte Stahlklinge, die im Licht, das aus den Fenstern hinter ihr schien, reflektierte. Ihre Augen weiteten sich entsetzt.
Ein Schwert!
Cat überlegte, der Hysterie nahe.
Licht in den Burgfenstern!?
Sie riskierte, ihren Blick nach oben zu richten. Über ihr ragten hohe Burgmauern in den von Millionen Sternen erleuchteten Nachthimmel, eine Mauer, die unbeschädigt schien, und in nahezu allen Fenstern flackerte gelbes Licht.
Cat schluckte hart, ihr wurde schwindelig, sie zog eine weitere Bewusstlosigkeit ernsthaft in Betracht. Doch ihre Idee wurde brutal durchkreuzt von dem zweiten Mann, der jetzt heran war und sie nach kurzem Zögern auf die Beine riss.
Sein Griff um ihren rechten Oberarm war so fest, dass Cat sich einen Schmerzenslaut nicht verkneifen konnte. Der andere nahm ihr grob den Rucksack von den Schultern.
»Hey! Was soll das denn!«, erboste sie sich ob der groben Behandlung. Der Mann riss sie zu sich und brüllte sie an.
»Schweigt, ihr habt hier nichts zu melden! Wir bringen euch zum Lord, er wird entschieden, was mit einem Störenfried wie euch geschieht!«
Cat presste die Lippen aufeinander und war froh, als der Druck um ihren Oberarm ein wenig nachließ, der Mann zerrte sie mit sich.
Sie war viel zu verstört, um sich noch weiter zu beschweren, denn sie umrundeten die Burg und vor ihnen kam ein seitlich mit Fackeln beleuchtetes Tor in Sicht. Die schweren Flügeltüren waren offen und gaben schon aus einigen Metern Entfernung den Blick auf einen kleinen Innenhof frei. Rechts von ihnen kamen Männer im Laufschritt auf sie zu, Metall schepperte und zum ersten Mal wurde sie sich der Aufmachung ihrer charmanten Gastgeber bewusst.
Die Männer, die auf sie zueilten, waren in silberne Rüstungsteile gehüllt, trugen Schwerter an der Seite und hatten Helme auf, die einen eisernen Nasenschutz besaßen. Alle hatten ihre Waffen gezogen und schienen in Alarmbereitschaft. Cat versuchte erst gar nicht, das alles hier zu verstehen, es konnte sich ohnehin nur um einen bösen Alptraum handeln, etwas Anderes stand außer Frage.

4. September 2019

'Dunkle Schöpfung - Düstere Visionen' von Caine Thusarion

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In einer zerstörten Welt am Abgrund kämpft Valerie Wagner täglich mit der Organisation FreedomForce gegen eine terroristische Gruppierung, welche die Sicherheit und Zukunft des ganzen Planeten gefährdet!

Doch sie kämpft nicht nur für ihre Überzeugungen, sondern auch gegen ihre eigenen, inneren Ängste, die sie ständig heimsuchen.

In dieser dystopischen Zukunft sucht Valerie verzweifelt ihren Platz und erwehrt sich aller Widrigkeiten, doch ein schicksalhaftes Ereignis lässt sie an allem zweifeln, was sie bisher für richtig hielt ...

Sie kann Recht nicht mehr von Unrecht und Gut nicht mehr von Böse unterscheiden, denn niemandem ist mehr zu trauen! Aber eine unerwartete Begegnung lässt sie bisher verborgene Geheimnisse ans Tageslicht bringen und schließlich erscheint ein mysteriöser Monolith, auf dem sich uralte Schriftzeichen befinden. All dies wirft Fragen auf, die Valerie zutiefst erschüttern ...

Leseprobe:
Eine neue Tür
Valerie versuchte sich aufzusetzen, aber erneut durchfuhr sie ein stechender Schmerz, der sich von der Magengegend aus in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Es brannte höllisch!
Sie biss die Zähne zusammen und ließ sich mit einem zischenden Laut zurück auf die Liege fallen. Verdammte Scheiße!, fluchte Valerie und hielt ihre Handfläche an den brummenden Schädel. Sie fühlte sich wie bei einer schweren Grippe, während man ihr gleichzeitg die Gedärme herausreißen würde!
Es war kaum zum aushalten und sie lag mehrere Minuten einfach nur da. Dann, als langsam ihre Lebensgeister wieder zurückkehrten hatte sie das bohrende Verlangen, zu erfahren, wo sie überhaupt war! Und wie war sie hierher gekommen? Vorsichtig, um nicht zu kollabieren, setzte Valerie sich auf der schmutzigen Sitzgelegenheit auf. Ihr Blick fuhr durch den Raum und ließ sie sogleich vor Schreck erstarren. Auf einem Tisch neben ihr lagen mehrere Behandlungsinstrumente, sowie rostige Messer und blutige Scheren. Auf einem Regal an der Wand lagen weitere Gerätschaften, die so abartig aussahen, dass Valerie gar nicht wissen wollte, wozu diese dienten. Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken. Was hatte man mit ihr nur gemacht?, kroch eine Befürchtung in ihr herauf, die sie gar nicht erst erforschen wollte.
Valeries Blick blieb schließlich an den spröden Schränken hängen, die sich ihr gegenüber befanden. Lauter Behälter, Fläschchen und Gläser mit seltsamen Flüssigkeiten hatten hier ihren Platz gefunden, doch sie sahen derart merkwürdig aus, dass diese Valeries Unruhe nur noch befeuerten.
Was da wohl drin war?, rätselte sie. Vielleicht kann man damit jemanden aus dem Reich der Toten zurückholen, witzelte Valerie zaghaft, doch es war nur ein Versuch, sich von dem Grauen in dem Raum abzulenken, den die schmierigen Wände voller Schmutzflecken und Blutspritzer in ihr zurückließen. Alles erinnerte sie an eine Folterkammer. In was für einem Schlachthaus war sie hier nur gelandet?
Da schoss ihr ein schrecklicher Gedanke in den Sinn: Wo war eigentlich der Wahnsinnige mit dem ekeligen Kittel? Er war nirgendwo zu sehen. Hatte sie sich das vielleicht alles nur eingebildet?
Valerie schüttelte diesen Gedanken beiseite, stützte ihre Ellbogen auf den Knien ab und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Langsam kamen ihr die Erinnerung an den heutigen Morgen wieder zurück.
Wir befanden uns auf dem Rückweg, von diesem verrückten Einsatz, der absolut schief gelaufen war, grübelte Valerie. Dann stürzten wir plötzlich ab! Aber was passierte danach? Sie hatte ab diesem Moment, dem Zeitpunkt des Absturzes, keinerlei Erinnerung mehr! In ihrem Kopf war völlige Leere! Und dieser Verrückte Freak ... Wieso hatte man mich hier her gebracht? Und wo sind meine Teammitglieder?
Valerie versuchte sich zu erinnern, doch es gelang ihr beim besten Willen nicht. »Ich hab keinen blassen Schimmer. So ein Mist!« Zornentbrannt trat sie gegen einen Eimer, der vor der Liege stand. »Ich glaube, sie ist aufgewacht«, vernahm Valerie plötzlich eine weitere, fremde Stimme. Das bin ich schon lange, knurrte Valerie kaum hörbar. Sogleich betrat der Mann, der sich ihr als Karl vorgestellt hatte, wieder den Raum. »Na, da ist ja unser Patient«, begrüßte er Valerie.
»So scheint es«, entgegnete diese schroff, »aber ich will endlich erfahren, was mit mir und meinem Team passiert ist! Nach dem Absturz mit unserem Transporter!«
»Das weiß ich selber nicht«, entgegnete ihr Karl, neben dem plötzlich ein weiterer Mann im Türrahmen stand. »Ich habe nur eine dumpfe Detonatuion gehört. Als ich rausrannte, sah ich sofort eure Absturzstelle, denn eine ganze Häuserzeile war wie weggefegt. Alles stand in Schutt und Asche. Euer brennender Transporter war nur noch ein Trümmerhaufen, keine Ahnung, wie dich da jemand finden konnte, aber plötzlich näherte sich ein Mann meiner Praxis und bat mich um Hilfe. Er hatte dich ganz alleine hier her geschleppt. Hatte dich ganz schön erwischt, diese Dachstrebe von eurem Transporter, aber es wurden keine Organe erwischt. Also habe ich dich notdürftig zusammen geflickt. War eine ziemlich blutige Angelegenheit. Du hast auch erst eine knappe Stunde geschlafen. Leg dich zuhause nochmal hin, du brauchst jetzt Ruhe.«
»Danke.« Das war das einzige was Valerie dazu sagen konnte. Wieso erwähnte er keinen ihrer Teammitglieder? Das war wie eine kalte Dusche gewesen und sie musste alles erst einmal sacken lassen.
»Kein Problem«, erwiderte Karl gelassen.
»Nein, ehrlich.« Valerie wollte nicht als undankbar gelten und fühlte sich missverstanden. »Ich … ich werde für alles aufkommen. Ich zahle die Rechnung, sobald ich kann.« Sie wollte Karl auf keinen Fall etwas schuldig sein und nach der Gesundheitsreform von Kaiser Proditus war ärztliche Hilfe etwas, das privat bezahlt werden musste. Doch sie würde dafür aufkommen, egal wie.
Karl nickte nur. »Werd du erstmal gesund.«
»Aber … ich verstehe nicht…«, ließ die Sache Valerie keine Ruhe. »Ich sah Feuer. Überall. Was ist mit meinem Team passiert?«
»Ich möchte ehrlich zu dir sein«, antwortete Karl vorsichtig, »auch wenn es dich verletzten könnte. Meine Nachbarn haben mir berichtet, dass sie ein paar Menschen aus dem Wrack haben flüchten sehen. Erst danach fand man dich, neben einer Leiche, vermutlich dem Piloten. Sonst hatte man niemanden gefunden.«
Jetzt mischte sich der andere Mann in das Gespräch ein. »Du wurdest wohl einfach zurückgelassen. Wahrscheinlich bist du denen nichts mehr wert.«
Diese Aussage war so ziemlich das falscheste, was man ihr entgegnen konnte. Valerie spürte Zorn in sich kochen. »Was erzählen sie denn für einen Schwachsinn? So etwas würde nie passieren! Und wer sind sie überhaupt?«, zeterte sie.
»Mein Name ist Jean Dupont. Und das sieht für mich sehr danach aus, dass du zurückgelassen wurdest.«
Valerie fing leich an zu zittern, ließ es sich aber nicht anmerken. Doch die Aussagen verpassten ihr eine Mischung aus Wut und Angst. Wut über die Aussagen von diesem Jean Dupon und Angst darüber, dass etwas davon wahr sein könnte.
»Das … das stimmt nicht!«, entgegnete Valerie deshalb zögerlich, versuchte aber die Stirn zornig in Falten zu ziehen und ihre Unsicherheit zu überspielen.
»Wie du meinst«, wiegte Jean den Kopf. »Dann kann ich mich nur Karl anschließen. Werde erst einmal gesund, dann zahlst du irgendwann die Rechnung und alles ist wieder in Ordnung. Vermutlich ...«

3. September 2019

'Der Weg nach Hause' von R.E. McDermott

Kindle (unlimited)
Verzweifelter Kampf ums Überleben in einer dem Wahnsinn verfallenen Welt

Eine massive Sonneneruption - ausgelöst durch einen elektromagnetischen Impuls - hat beinahe weltweit die Stromversorgung zerstört und stellt nur den Beginn von Kapitän Jordan Hughes’ außergewöhnlichen Problemen dar. Gestrandet, fernab von zu Hause, mit einer wertlosen Ladung Treibstoff und einer nervösen Besatzung an Bord, überdenkt Hughes seine Alternativen, während die gewaltsamen Übergriffe an Land zunehmen und die Welt um den sicheren Zufluchtsort seines Tankschiffes Pecos Trader herum zusammenbricht.

‚Abwarten und Tee trinken‘ steht außer Frage. Hughes muss sein Tankschiff und die Mannschaft nach Hause bringen, aber … FEMA verfolgt andere Ziele.

Im Widerstand gegen eine zunehmend korrupte und eigennützige Regierungsbürokratie läuft Hughes mit einer hastig zusammengestellten und buntgemischten kleinen Gruppe von Seeleuten, Preppern und regimekritischem Militärpersonal zu einer gefährlichen Reise aus, um sie in ihrer Heimat sicher mit ihren Familien zu vereinen – nur um festzustellen, dass ihre eigentlichen Anstrengungen tatsächlich erst danach beginnen.

Aktionsangebot: Ab 3. September für fünf Tage kostenlos zu haben.

Leseprobe:
"Hallo zusammen. Ich bin Maria Velasquez. Einige von Ihnen kennen mich vielleicht durch meine Arbeit mit lokalen und nationalen Nachrichtenteams. Heute bin ich jedoch im Auftrag der FEMA hier. Sie wissen sicher, dass ein Großteil der Medieninfrastruktur durch die jüngste Katastrophe stark beeinträchtigt wurde. Als FEMA diverse Vertreter der Medien ansprach und uns die Möglichkeit bot, unseren Zuschauern zu dienen – vielleicht sollte ich eher sagen, unseren ehemaligen Zuschauern - akzeptierten die meisten von uns freudig die Gelegenheit, unseren Teil zu leisten.
Und hier nun der Lagebericht. Vor acht Tagen verursachte ein massiver Sonnensturm eine Reihe sogenannter ‚koronaler Massenauswürfe‘ auf der Erde. Ohne mich zu sehr im Technischen zu verlieren … Diese Auswürfe verursachten Blackouts, nicht nur in den Vereinigten Staaten und Kanada, sondern weltweit. Was natürlich zu Chaos und Verwirrung führte. Die gute Nachricht ist, dass die Behörden - zumindest in den USA - die Lage unter Kontrolle haben. Nahrungsmittel und Wasser erreichen die Menschen, die sie brauchen. Es besteht daher kein Grund, sich Gedanken um Ihre Lieben zu machen."
Washington sah zu Luke hinüber, der dessen erstaunten Blick erwiderte und mit den Schultern zuckte.
"Die schlechte Nachricht ist …", fuhr Velasquez fort, "… dass die Stromversorgung weiter unterbrochen ist. Mit der vollen Unterstützung der Bundesregierung arbeiten sämtliche Versorgungsunternehmen an diesem Problem. Sie sind zuversichtlich, dass der Strom an einigen Orten innerhalb einer Woche wieder zur Verfügung stehen wird. Für den Großteil der Bevölkerung könnte es allerdings zwei bis drei Wochen dauern." Das Publikum stieß einen Seufzer aus. Offenbar lag das Kommunikationszentrum nahe genug, so dass Velasquez sie hören konnte. Sie reagierte mit einem verständnisvollen Lächeln und erlaubte dem Stöhnen, abzuebben.
"Nun zu Ihrer Situation", setzte sie erneut an. "Wieder eine Mischung aus guter und schlechter Nachricht, fürchte ich. Die schlechte Nachricht ist, dass der Flugverkehr unterbrochen ist, und dass Benzin und andere Treibstoffe gegenwärtig äußerst knapp sind. Und auch hier arbeitet die Bundesregierung fieberhaft daran, dies zu korrigieren. Ihnen nützt das kurzfristig allerdings wenig. Die gute Nachricht ist, dass wir Charterflüge buchen werden, um Sie an Ihren Bestimmungsort zu bringen. Die schlechte Nachricht ist, dass es einige Tage dauern wird. Die gute Nachricht daran ist, dass Sie Ihren Urlaub auf Regierungskosten um einige Tage verlängern werden. Für die Dauer der Wartezeit bringen wir Sie in einigen von Miamis besten Hotels unter. Die schlechte Nachricht ist, dass sie dieser Tage nicht ganz so umwerfend sind, da die meisten mit Notfallgeneratoren arbeiten."
Die Gruppe ließ ein Grummeln hören, stellenweise erklang aber auch verhaltenes Lachen. Die vorgetragene Information machte Sinn und Velasquez’ ernste und dennoch irgendwie aufgeräumte Präsentation ließ das Ganze insgesamt erträglicher erscheinen. Obwohl Luke die Wahrhaftigkeit einiger ihrer Behauptungen anzweifelte, unterstellte er dennoch, dass sie zumindest teilweise zutrafen. Außerdem war es weit besser, wenn die Menge freiwillig vom Schiff ging, als die mögliche Alternative in Betracht ziehen zu müssen.
"Eine weitere gute Nachricht!", fuhr Velasquez in ihrem Monolog fort. "Ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln und Getränken ist sichergestellt. Das weniger Gute daran ist, dass Sie sie in Form der FEMA-Notfallrationen erhalten werden. Andererseits könnte man selbst das als eine Art gute Nachricht begrüßen. Die Veteranen unter Ihnen werden Ihre sicher grenzenlose Neugier befriedigen können, ob die neuen Einmannpackungen tatsächlich den alten Rationen überlegen sind, an die Sie sich aus Ihrer eigenen Dienstzeit erinnern." Sie legte eine Kunstpause ein. "Die schlechte Nachricht ist, dass die heutigen Soldaten diese Verpflegung ebenfalls als ungenießbar verspotten."
Dieses Mal kam das Lachen spontan und war weitverbreitet, vermischt mit einem nicht unfreundlichen Stöhnen. Luke musste zugeben, dass Velasquez ein Pro darin war, eine Menge für sich zu gewinnen. Die Anspannung der Gruppe hatte seit Beginn der Übertragung um einiges nachgelassen. Velasquez wartete, bis sich das Gelächter gelegt hatte und sprach weiter.
"Und so geht es nun weiter, meine Damen und Herren. Draußen warten Busse auf Sie, die Sie zu Ihren Hotels bringen werden. Um Ihr Gepäck müssen Sie sich keine Sorgen machen. Die Mannschaft wird es umladen und ihnen ins Hotel liefern. Unsere Mannschaftsmitglieder stehen bereit, denjenigen von Ihnen, die Hilfe beim Ausschiffen benötigen, beizu…"
"Warum können wir nicht einfach hierbleiben, bis die Flüge arrangiert sind? Das Essen ist weitaus besser und wir haben Strom", rief eine Stimme aus der Menge. Eine andere Person stimmte zu, unmittelbar gefolgt von einem Chorus lautstarker Billigung, der die weiteren Worte Velasquez' auf dem Bildschirm untergehen ließ. Sie redete noch einen Moment weiter und hielt dann inne. Sie sah ein wenig verwirrt aus, so als ob sie die Stimme vernehmen, die Frage aber nicht identifizieren konnte. Sie wandte sich von der Kamera ab und es war klar, dass ihr jemand im Hintergrund etwas erläuterte. Danach wandte sie sich wieder der Kamera zu und machte eine beruhigende Handbewegung. Schließlich legte sich der Lärm.
"Einige von Ihnen wundern sich zu Recht, warum Sie nicht an Bord bleiben können", begann sie erneut. "Eine vernünftige Frage. Ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich dies nicht als Erstes angesprochen habe. Nach den Informationen, die mir Ihr Kapitän zukommen ließ, hat das Schiff weniger als einen Tag Verpflegung für alle an Bord. Egal wo Sie untergebracht sind, müssen wir damit auf Notfallrationen zurückgreifen. Hinsichtlich Ihres Verbleibens an Bord – die Treibstoffreserven des Schiffes sind ebenfalls so gut wie aufgebraucht. Und es wird eine lange Weile dauern, bevor Nachschub eintreffen wird. Ohne Strom wird Ihr Aufenthalt auf dem Schiff noch unangenehmer als der in den Hotels an Land sein. Deshalb ist es besser, jetzt zu gehen, solange uns die Ressourcen zur Verfügung stehen, Ihren Transport zu bewerkstelligen." Sie schwieg. "An dieser Stelle muss ich betonen, meine Damen und Herren, dass viele Menschen Hilfe benötigen. Nicht nur die auf Kreuzfahrtschiffen wie dem Ihren, sondern andere in den Gemeinden um Sie herum. Wir sind hier und heute vor Ort, um Ihnen unsere Hilfe anzubieten. Falls Sie unser Angebot jedoch ablehnen, werden Sie hinsichtlich der Rückkehr an Ihren Heimatort vollkommen auf sich selbst gestellt sein."
Luke bezweifelte diese letzten Angaben. Die Regierung ‚charterte‘ kein Schiff, um es leer und ohne Treibstoff am Dock liegen zu lassen. Dennoch konnte er ein Gefühl der Erleichterung nicht unterdrücken, als er in der Menge hier und da zustimmendes Nicken ausmachte. Seine Entrüstung über diese offensichtliche Manipulation wurde von der steigenden Hoffnung übertrumpft, nicht an der Zwangsevakuierung einer Gruppe von Rentnern teilnehmen zu müssen. Velasquez gab der Menge Zeit, ihre Aussage zu verinnerlichen und fuhr dann fort.
"Wie bereits erwähnt, stehen Mannschaftsmitglieder bereit, denjenigen unter ihnen, die Hilfe beim Ausschiffen benötigen, Unterstützung zu gewähren. Da uns leider nur eine Gangway zur Verfügung steht, bitten wir die an den Rollstuhl gebundenen Passagiere auf der rechten Seite der Gangway von Bord zu gehen, damit die übrigen Passagiere zu Ihrer Linken passieren können. Ich danke Ihnen für Ihre Kooperation, meine Damen und Herren, und wünsche Ihnen allen eine sichere Rückkehr an Ihren Heimatort."
Velasquez' Gesicht verschwand von den Bildschirmen. Luke sah, wie die Schiffsoffiziere philippinische Mannschaftsmitglieder in die Menge kommandierten, um Passagieren in Rollstühlen zu helfen. Wie aus dem Nichts erschienen weitere Crewmitglieder mit faltbaren Rollstühlen und ermunterten Passagiere an Stöcken oder Rollatoren, eine Fahrt im Rollstuhl zu den Bussen hinüber zu akzeptieren. Einige schienen Widerstand bieten zu wollen, letztendlich akzeptierten dann doch alle die angebotene Hilfe.
Luke, der sich seiner Rolle nicht ganz sicher war, postierte sich mit Long auf einer Seite der Gangway und nickte Washington und Grogan zu, die andere Seite zu übernehmen. Währenddessen kam die Menge auf sie zu. Nicht unbedingt in gerader Linie, dennoch in geordneten Bahnen. Höflich warteten die Menschen am Anfang der Schlange mit dem Betreten der Gangway, bis die von den Filipinos geschobenen Rollstühle auf der Gangway waren und sich in langsamer Folge in Bewegung setzten. Danach gingen die schnelleren Fußgänger links an ihnen vorbei.
Mit zunehmendem Betrieb auf der Gangway rollten zwei Rollstühle Seite an Seite vor - offensichtlich ein älteres Ehepaar. Die Frau klammerte sich an der Hand Ihres Mannes fest. Als der Matrose versuchte, den Rollstuhl der Frau nach vorn zu schieben, um eine einzige Linie zu bilden, zeigte seine Schutzbefohlene Anzeichen sichtbarer Erregung und weigerte sich, die Hand ihres Mannes loszulassen. Der philippinische Seemann gab nach. Es wurde deutlich, dass das Paar beabsichtigte, die Gangway nebeneinander hinunterzufahren.
"Verdammt!", fluchte Grogan, während er den kleinen Filipino zur Seite drückte und den Rollstuhl der Frau hart nach vorne schob. Diese unerwartete Bewegung zwang sie dazu, die Hand ihres Mannes loszulassen, während Grogan ihren Stuhl nach rechts lenkte.
"Frank! Frank!", schrie die alte Frau in höchster Angst auf.
Grogan hatte den Ehemann hinter sich außer Acht gelassen. Der griff sich den Stock, den er aufrecht zwischen seinen Knien hielt und schob ihn - mit dem gebogenen Ende nach oben - zwischen Grogans Beine, um dann mit aller Kraft an ihm zu ziehen. Das Ende des Stocks verhakte sich in Grogans Schritt und zwang ihn, auf der Stelle stehenzubleiben, bevor der alte Mann schließlich seinen Halt an dem Stock verlor.

Im Kindle-Shop: Der Weg nach Hause: Buch 1 der Trilogie ,Apokalypse USA'.
Mehr über und von R.E. McDermott auf der Website seiner Übersetzerin.