22. Juni 2017

'Schatten über Enduran' von Nadine Schackmann

Das Leben der Amazone Thalea ändert sich schlagartig als sie eines Tages durch einen Überfall auf ihr Dorf alles verliert, was ihr lieb und teuer ist. Mysteriöse Krieger zerstören auf brutalste Art ihr Heim und töten fast alle Schwestern des Blutkrallen-Clans. Nur Thaleas Geliebte Amira, eine Priesterin der Waldgöttin Niteran, die ein Kind unter ihrem Herzen trägt, wird verschont und stattdessen von den Kriegern verschleppt.

Thalea, die knapp mit dem Leben davonkommt, nimmt voller Rachsucht die Verfolgung auf, um Amira aus den Händen dieser Krieger zu befreien. Ihr Weg kreuzt sich bald mit dem der Magierin Sorana, deren grausames Schicksal eng mit dem ihren verbunden ist.

Bald schon müssen beide Frauen eine schwerwiegende Entscheidung treffen … denn die Zukunft der Welt hängt von ihnen ab.

Gleich lesen: Schatten über Enduran: Dunkle Seelen-Chroniken

Leseprobe:
Thalea rannte nun los und zog Celestine mit sich. Panisch stolperten sie über den unebenen Waldboden. Die unheilvolle Stille der Nacht wurde jäh durch ein weiteres Heulen unterbrochen. Etwas Großes rauschte haarscharf über ihre Köpfe hinweg und der heftige Windstoß riss sie fast von den Beinen. Celestine schrak mit einem schrillen Schrei zusammen.
„Was bei allen Göttern war das?“
Wieder war das rauschende Geräusch ganz nah zu hören und mit lautem Geschrei wurde Celestine von den Beinen gerissen und einige Meter davon geschleudert.
„Celestine!“ gellte Thalea erschrocken und wollte zu ihr eilen, als auch sie von irgendwas gepackt und in die Lüfte gerissen wurde. Sie wirbelte durch die Luft und krachte gegen einen Baum. Dann schlug sie auf dem Boden auf, wo ihr augenblicklich die Luft wegblieb. Nach Atem ringend blieb Thalea halb benommen liegen. Sie hatte sich mit größter Sicherheit ein paar Rippen gebrochen. Keuchend versuchte sie aufzustehen. Im fahlen roten Mondlicht sah sie von weitem, wie sich eine dunkle Kreatur über Celestine beugte, sie an den Beinen packte und sie mit sich in die Finsternis des Waldes zerrte. Die Bardin schrie wie am Spieß, während sie über den Waldboden geschleift wurde. Thalea sprang unter Schmerzen auf und stürzte ihnen hinterher. „Celestine!“ Sie lief so schnell sie konnte, aber zu ihrem Entsetzen musste sie feststellen, dass der Abstand zwischen ihnen immer größer wurde. Die Schmerzen raubten Thalea den Atem und jeder Schritt war größte Pein. Auf einmal hörte sie hinter sich Geräusche. Als sie sich umdrehte, bemerkte sie, dass auch sie verfolgt wurde. Eine dunkle Gestalt in wehenden Roben war hinter ihr her. Diese berührte mit den Füßen kaum den Boden, sondern schien knapp über dem Waldboden zu fliegen und war Thalea dicht auf den Fersen. Sie war um einiges schneller als die junge Kriegerin und streckte schon messerscharfe Krallen nach ihr aus. Humpelnd und außer Atem versuchte Thalea noch schneller zu rennen.
Der Traum! schoss es ihr durch den Kopf. Der Traum, der sie seit Nächten heimsuchte, schien Wirklichkeit zu werden. Die Kreatur war nun ganz nah und Thalea konnte regelrecht ihren Atem im Nacken spüren. Die Kriegerin stolperte vor lauter Panik. Bevor sie stürzen konnte, packte der Verfolger sie und riss sie herum, so dass sie heftig mit dem Rücken aufschlug. Der Aufprall presste die Luft aus Thaleas Lungen und sie rang benommen nach Atem. Die Kreatur beugte sich über sie und hielt sie mit ihren gefährlichen Krallen fest am Boden. Thalea konnte das Gesicht unter der Kapuze für einen Bruchteil einer Sekunde sehen und es kam ihr irgendwie bekannt vor… Doch schon wurde das Gesicht wieder in Schatten gehüllt.
„Jetzt bist du mein!“ flüsterte ihr Angreifer mit rauer Stimme in ihr Ohr.
Thalea spürte eine noch nie da gewesene Angst. Sie blickte gerade dem Tod ins Auge. Diesmal würde es kein Entrinnen geben. Sie dachte an Amira. Ich werde sie nicht mehr retten können… Geifer troff aus der grässlichen Fratze, die jetzt unter der Kapuze zum Vorschein kam. Sie hatte zwar menschliche Gesichtszüge, doch waren diese seltsam verzerrt und die Haut glänzte metallisch. Tiefe Schatten lagen um die rotglühenden Augen, die sie hungrig ansahen. Die Bestie bleckte nadelspitze Zähne und ein tiefes Knurren drang aus ihrer Kehle, das einem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Dann stieß sie ihre zu langen Krallen mutierten Fingernägel tief in Thaleas Leib. Der höllische Schmerz ließ Thalea aufschreien. Dann riss die Bestie Thaleas Kopf in den Nacken und stieß ihre Reißzähne tief in ihre Kehle. Die Kriegerin wandte sich schreiend unter der Last des Angreifers, versuchte sich mit aller Kraft zu befreien. Doch er war so viel stärker als sie. Thalea spürte, wie er an ihrer Kehle zerrte und die Schmerzen sie zu überwältigen drohten. Langsam schwanden ihre Kräfte. Die Wärme entwich ihrem Körper und Dunkelheit legte sich um sie, versuchte sie zu verschlingen.

Im Kindle-Shop: Schatten über Enduran: Dunkle Seelen-Chroniken

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21. Juni 2017

'Aus dem Koma' von Siegfried Langer

Alle Erinnerungen an mein bisheriges Leben sind ausgelöscht. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin und wie ich heiße.

Eine attraktive Frau, die sich als meine Freundin ausgibt, kümmert sich liebevoll um mich. Doch ich spüre, dass sie mir nicht die Wahrheit erzählt und dass unsere Liebe ein dunkles Geheimnis birgt.

Ein Psychologe, der mir helfen soll, Licht ins Dunkel zu bringen, schafft lediglich eine Vielzahl neuer Rätsel. Ein Kommissar drängt darauf, mich wegen eines Mordes zu vernehmen. Als Zeuge? Oder als Verdächtiger?

Doch nicht nur mein Gedächtnis spielt mir Streiche, sondern zudem auch meine Wahrnehmung. Ich kann niemandem vertrauen, am wenigsten mir selbst ...

Für wenige Tage zum Einführungspreis von 99 Cent.

Gleich lesen: Aus dem Koma: Thriller

Leseprobe:
Ich wusste nicht mehr, wie ich hieß.
Auch die Frau, die neben meinem Krankenbett saß und sagte, sie sei meine Freundin, erkannte ich nicht.
Doch mein Herz signalisierte mir klar und deutlich, dass ich sie liebte. Trotz allem. Immer noch.
Dass sie weinte und ich nicht in der Lage war, sie zu trösten, stimmte mich traurig. Tapfer streichelte sie meine rechte Hand, die auf der Bettdecke ruhte.
Im Handrücken der Linken steckte ein Infusionsschlauch, der mich mit Medikamenten versorgte.
Es kribbelte in meinem Magen.
War der liebevolle Blick der Fremden die Ursache dafür oder doch eher das einsetzende Hungergefühl? Denn bis gestern Morgen hatte ich noch über eine Sonde meine Nahrung erhalten, danach lediglich Suppe - so dünn und geschmacklos, dass sie ihren Namen nicht verdient hatte.
„Susanne“, flüsterte ich leise und strengte mich dabei so wenig an wie nur eben möglich. Kurz stahl sich ein Lächeln in ihr Gesicht. Vermutlich hoffte sie, dass ich mich endlich an sie erinnerte, doch wiederholte ich lediglich den Namen, mit dem sie sich vorgestellt hatte.
„Sebastian“, fuhr ich fort. Doch der Name, der der meine sein sollte, löste genauso wenig in mir aus wie der meiner mutmaßlichen Lebensgefährtin.
Susanne blickte mich hoffnungsvoll-fragend an, aber ich schüttelte lediglich den Kopf.
Sogleich stellte sich wieder dieses Pochen in meinem Schädel ein. Ich zog meine Rechte unter Susannes Hand hervor und tastete nach dem Verband an meiner Stirn.
„Du musst deinen Kopf ruhig halten, Schatz. Möglichst wenig bewegen, hat Dr. Lorenz gesagt.“
Dr. Lorenz, ein weiterer Fremder. Meine Erinnerung an ihn reichte nur wenig weiter zurück als die an Susanne.
„Es ist alles im Moment etwas viel für dich, Schatz.“
Ja, das war es.
Alles, was länger als ein paar Stunden zurücklag, war aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Ausgetilgt. Gelöscht. Einfach weg.
Dagegen konnte ich alles, was mich umgab, beim korrekten Namen nennen: Krankenhausbett, Fenster, Tablettenblister, Kanüle. Sämtliche persönlichen Angelegenheiten jedoch blieben in der Finsternis verschwunden.
„Was ist passiert?“, fragte ich.
Das Sprechen schmerzte sehr und klappte nur langsam und undeutlich. Aber Susanne schien mich zu verstehen.
„Eine Kopfverletzung.“
Ja, das spürte ich auch.
„Wie?“
Susanne antwortete nicht, sah mich nur ängstlich an. Sie schien den Zeitpunkt noch nicht für gekommen zu halten, mich mit der Wahrheit zu konfrontieren.
„Dr. Lorenz meint, dass du relativ gute Chancen hast, dass sich dein Erinnerungsvermögen weitgehend erholt.“
Relativ gute Chancen …
Weitgehend erholt ...
Zuversicht hörte sich anders für mich an.
Und ich spürte instinktiv, dass meine Kopfverletzung nicht daher rührte, dass ich beim Auswechseln einer Glühbirne von der Leiter gefallen war.
Mein Gefühl sagte mir mit aller Deutlichkeit, dass mehr dahintersteckte. Etwas viel, viel Schlimmeres.
Gerade als ich alle Kraft zusammengenommen hatte, um resoluter nachzufragen, öffnete sich die Tür.
Eine weitere Person, die ich erst seit Kurzem kannte, trat ein: Schwester Kathrin.
Während Susanne dunkelbraunes, glattes Haar hatte, trug Schwester Kathrin blondes und gelocktes. Der leichte Hüftschwung, mit dem sie eintrat, glich dem eines Models, das Werbung für den Ausbildungsberuf der Krankenschwester machte.
Einerseits lächelte sie freundlich und gütig, andererseits spürte ich, dass mit ihr eine frostige Atmosphäre im Krankenzimmer Einzug gehalten hatte.
Da lag etwas zwischen ihr und mir. Etwas Unausgesprochenes. Etwas, das vor meinem Aufwachen geschehen sein musste.
In der Hand hielt sie einen Teller, den sie nun Susanne entgegenstreckte.
„Möchten Sie es versuchen?“
Susanne nahm den Teller entgegen und Schwester Kathrin reichte ihr zudem eine kleine Gabel.
Auch das, was auf dem Teller lag, erkannte ich sofort und konnte es benennen. Jemand, vermutlich Kathrin selbst, hatte einen Apfel in mundgerechte Stücke geschnitten. Zu meinem Erstaunen wusste ich sogar die Apfelsorte: Golden Delicious.
„Ganz wird er ihn nicht schaffen. Aber es ist wichtig, dass er überhaupt etwas isst, damit die Verdauung wieder in Gang kommt.“
Kathrin hätte das einfach auch direkt zu mir sagen können.
Während Susanne eines der Stücke mit der Gabel aufspießte und zu meinem Mund führte, folgte Schwester Kathrin der Bewegung mit ihrem Blick.
Brav öffnete ich meinen Mund. Der süßliche Geschmack regte sofort meinen Speichelfluss an. Dass ich gesabbert hatte, wurde mir erst bewusst, als Susanne liebevoll mit einem Taschentuch meinen Mundwinkel abtupfte.
„Ist nicht schlimm, Schatz.“
Das Kauen kostete mich ähnlich viel Anstrengung wie zuvor das Sprechen.
Wie lange waren meine Kiefermuskeln nicht in Bewegung gewesen?
Bislang hatte ich mich dies nicht zu fragen getraut.
Tapfer biss ich auf dem Apfelstück herum.
Meine Geschmacksknospen schienen zu explodieren. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals etwas so intensiv geschmeckt zu haben. Aber in meinem gegenwärtigen Zustand hatte dies vermutlich wenig Aussagekraft.
Ich schluckte, doch es funktionierte nicht.
Noch einmal versuchte ich, den Apfelbrei hinab zu bekommen.
Nun klappte es.
Ich freute mich und Susanne entlockte der Erfolg ein begeistertes Lächeln.
Toll! Ich habe ein Apfelstück gegessen! Wollen wir gleich eine Pressemitteilung herausgeben?
„Sie müssen geduldig mit sich sein“, sagte Schwester Kathrin, als habe sie mir meinen Sarkasmus aus den Gesichtszügen abgelesen.
Zu nicken traute ich mich nicht, aus Angst vor einer neuerlichen Kopfschmerz-Attacke, also zwinkerte ich ihr bestätigend mit den Augen zu.
„Mehr?“, fragte Susanne und ich blinzelte erneut.
Ja, ich war ein Held: Ich konnte unmittelbar hintereinander zwei Apfelstücke verputzen!
Ich öffnete meine Lippen und Susanne schob mir das zweite Stück in den Mund.
Für einen Moment ließ ich es einfach auf meiner Zunge ruhen.
Die beiden Frauen beobachteten mich auch weiterhin. Jede Kleinigkeit wurde zu einem Großereignis. Ich aß und die zwei waren begeistert von mir.
Ich war mir ziemlich sicher, dass es in meinem bisherigen Leben deutlich schwieriger gewesen war, eine Frau so zufrieden zu stellen.
Nach dem dritten Stück konnte ich nicht mehr. Zum einen fühlte ich mich pappsatt, zum anderen tat mir bereits der Kiefermuskel weh.
Susanne schien dies zu erkennen. Während sie den Teller wegstellte und wieder meine Hand in die ihre nahm, verließ Kathrin das Zimmer.
„Es wird alles gut werden, Schatz.“
Na, diese Zuversicht hätte ich auch gerne!
„Ganz bestimmt. Bald wird wieder alles so wie früher sein.“
Ich wurde müde.
Ganz allmählich verschwamm Susannes gütiges Gesicht hinter einem Schleier. Ich wollte dagegen ankämpfen, aber es gelang mir nicht.
Sicherlich erhielt ich immer noch Schlafmittel.
Dann glitt ich hinüber in einen traumlosen …

Im Kindle-Shop: Aus dem Koma: Thriller

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'Crossroads' von Jürgen Albers

Juni 1940: Der Frühsommer erstrahlt über der britischen Kanalinsel Guernsey. Für den erfahrenen Londoner Inspektor Charles Norcott scheinen die beschaulichen Inseln im Ärmelkanal keine Herausforderung bereit zu halten. Doch das freundliche Sonnenlicht ist trügerisch und beleuchtet die Leiche einer jungen Frau. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, als sich bereits neues Unglück zusammenbraut. Die deutsche Wehrmacht hat Frankreich überrannt und besetzt nun auch die britischen Kanalinseln in einem Handstreich. Nach einem zweiten Mord überschlagen sich die Ereignisse.

Auf einer kleinen Insel, abgeschnitten und besetzt vom Feind, muss Norcott erkennen, dass er es mit mehr als einem Gegner zu tun hat. Scheinbare Grenzen verwischen sich und die Welt scheint voller Masken. Auch im hellen Sonnenschein bleibt die entscheidende Frage: Hinter welcher Maske steckt ein Freund, hinter welcher der Gegner?

Gleich lesen:
Für Kindle: Crossroads: Ein Inspektor Norcott-Roman
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Die Mittagsstunden in Norcotts Büro zogen sich quälend langsam dahin. Das Telefon schwieg und auch sonst kamen weder gute noch schlechte Nachrichten. Der Chief Inspector saß an seinen Schreibtisch und machte wieder einmal einen neuen Ansatz, um dem ungeliebten Papierberg auf seinem Schreibtisch zu Leibe zu rücken.
Es war gegen halb zwei, als ihm der Geduldsfaden riss. Er beschloss, den Eltern William Henleys einen Besuch abzustatten. Vielleicht würde er von ihnen etwas mehr über Nora und William Henley erfahren. Die verborgenen Zimmer, wie Mrs. O'Meare es genannt hatte, der beiden Henleys beschäftigen Norcott. Irgendjemand in dieser Familie musste doch zum Reden zu bringen sein. Er nahm seinen Hut vom Haken, öffnete schwungvoll die Bürotür und wäre fast mit Constable Haydon zusammengestoßen, der davor stand.
Wenn nicht schon sein triumphierendes Gesicht Bände gesprochen hätte, so behielt er die gute Nachricht nicht lange für sich: »Ich hab sie! Sie ist auf der verdammten Liste. Sie wollte weg und ihn verlassen.«
»Und er ist nicht auf der Liste?«
Haydon war Feuer und Flamme und noch ganz außer Atem. »Entschuldigung, Sir … ich … muss erst mal wieder Luft bekommen.« So atemlos er war, so sehr strahlte er die Zufriedenheit des Anglers aus, wenn nach zähem Warten der Fisch an der Angel hing. »Nein, Mr. Henley ist sicher nicht auf den Listen. Alle, die sich evakuieren lassen wollten, mussten ausdrücklich angeben, ob und welche Familienangehörigen sich ebenfalls evakuieren lassen wollten. Und sie hat angegeben, dass sie allein geht. Und ich habe auch alle anderen Listen doppelt kontrolliert. Aber …« Er musste wieder nach Luft schnappen und Norcott war sich nicht sicher, ob immer noch der Dauerlauf vom Hafen die Ursache war oder die Neuigkeiten. »Aber das ist sowieso nicht der Knaller! Die Leute mussten auch angeben, ob sie Verwandte oder Freunde haben, wo sie in England unterkommen können oder ob sie sonst wie versorgt sind. Und jetzt lesen Sie mal, Sir, was die kleine ...«, er schluckte das Wort herunter. »Ich wollte sagen, was Mrs. Henley geschrieben hat!« Er hielt Norcott den Registerbogen hin.
Norcott las den Eintrag. Dann ging er wortlos zu dem Stahlschrank in seinem Büro, schloss ihn auf und nahm seine Dienstwaffe samt Holster heraus. »Nehmen Sie Ihre auch mit, wir gehen jetzt Mr. Henley besuchen!«

Im Kindle-Shop: Crossroads: Ein Inspektor Norcott-Roman
Für Tolino: Buch bei Thalia

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20. Juni 2017

'Vom muskulär-faszialen Schmerz befreit!' von Gaby Barton

Schmerzen in Muskeln und Gelenken loswerden - für immer schmerzfrei und beweglich sein!

Dieser Wunsch treibt viele um, leiden doch viele Menschen an muskulären Schmerzen. Man muss sich nur die Werbung im Vorabendprogramm des Fernsehens vergegenwärtigen. Es gibt immer mehrere Werbefilme, die sich um muskuläre Schmerzbehandlung drehen. Keine anderen Produkte außer vielleicht die Marken der Automobilhersteller werden in solch einer Anzahl beworben. Ebenfalls findet man ähnlich viele großformatige Werbeanzeigen beispielsweise in den kostenfreien Fernsehzeitschriften usw.. Alleine daran kann man erkennen, wie riesig der Bedarf sowie letztlich das vorhandene Leiden ist.

Gaby Barton ging einen alternativen Weg - nämlich ihren Schmerzen und Bewegungseinschränkungen ganzheitlich auf den Grund. Sie suchte nach der Ursache, denn sie wollte auf keinen Fall dauerhaft von Symptombehandlung, also Schmerzmitteln oder Physiotherapeuten abhängig sein. Mithilfe noch nicht so bekannten Behandlungskonzepten und Sichtweisen erlangte sie vollständige Schmerzbefreiung und Bewegungsfreiheit. Solch beglückende Erfahrung möchte sie auch anderen verschaffen.

So schrieb sie basierend auf ihrem persönlichen Weg einen ausführlichen Erfahrungsbericht über neuartige Therapiekonzepte, die die Muskeln und Faszien (Bindegewebe) sowie unsere Alltagsgewohnheiten im Fokus haben.

Gleich lesen:
Für Tolino: Vom muskulär-faszialen Schmerz befreit! Erfahrungsbericht - Einstiegshilfe in alternative Behandlungswege
Bei Amazon: Taschenbuchausgabe
Kindle-Version mit Übungsteil: Vom muskulär-faszialen Schmerz befreit! Erfahrungsbericht plus Selbsthilfe Übungen für alternative Behandlungswege

Leseprobe:
Was Sie erwartet

In Teil I
finden Sie die persönliche Geschichte der Autorin rund um chronische Muskelschmerzen. Und wie diese aufgrund einer neuartigen Sichtweise und durch Selbstbehandlung wieder verschwunden sind.
Gaby Barton hate ein Jahr Leidensgeschichte mit sehr schmerzhaften Bewegungsblockaden hinter sich, als sie die Beschreibung des muskulär-faszialen (myofaszialen) Schmerzsyndroms entdeckte. Es handelt sich dabei um muskulär bedingte Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, die mit extremen Verhärtungen der Muskelfasern und Verklebungen der Muskelfaszien einhergehen. (Definition laut Physiotherapiepraxis Physiofit)
Mit fachgerechten Triggerpunktbehandlungen konnten Verhärtungen, Blockaden und Schmerzen aufgelöst werden. Diese in der Schulmedizin bisher wenig bekannte Behandlung und vor allem die Anregungen zur Selbstbehandlung halfen Barton dauerhaft.
Allerdings war sie gezwungen, weitreichende Veränderungen im Alltagsleben vorzunehmen. Es war ein langer Weg von einem Jahr, der ihr mental einiges abverlangte.
In der Rolle des Coaches kommentiert sie ihre im Buch veröffentlichten Auszüge aus ihrem Schmerztagebuch.
Denn Barton ist seit fast 20 Jahren im persönlichen Coaching tätig. Sie hat unter anderem Psychologie studiert und sich zeitlebens für Gesundheitsthemen interessiert.
Vor diesem Hintergrund las sie sich in diese neuen Sichtweisen rund um die Faszien und nachhaltige Schmerzbehandlung ein.

Teil II
des Buches stellt all die Informationen aus ihrer Lektüre als Patientin zur Verfügung. Damit bekommt der Leser Einblicke in einzelne zur Schulmedizin alternativen Behandlungsansätze. Bei allen spielen die Einbeziehung des Fasziengewebes, eine Selbstbehandlung oder aktive Mitwirkung von Patienten eine entscheidende Rolle für die andauernde Schmerzfreiheit. Weitere Beispiele von anderen Leidenden, die Barton kennengelernt hate, zeigen ein Spektrum von vielfältigen muskulären Schmerzsymptomen.

In Teil III
schließlich gibt die Autorin Anregung zu zahlreichen Fragestellungen, die sich auf dem Weg einer alternativen Behandlung und Selbstbehandlung stellen können.
Personen, die beratend oder therapeutisch tätig sind, liefert das Buch einen kompakten Einstieg in einige neue Betrachtungsweisen auf sehr verbreitete Beschwerden.
Der Zeitaufwand für die Suche nach seriösen Informationen kann dabei ganz erheblich abgekürzt werden. Denn im Anhang indet sich noch viel mehr Lesestoff durch Hinweise auf lesenswerte Webseiten sowie Empfehlungen für Bücher.

Alle Sachverhalte sind mit größter Sorgfalt zusammengestellt. Die Verwendung dieser geschieht auf eigene Verantwortung von Ihnen, lieber Leser und Leserin.
Das Buch ist im Laufe von 2016 bis April 17 entstanden.

[...]

Meine Erfahrung – Überblick
Im Frühjahr 2015 begann mein rechter Oberarm zu schmerzen. Bald entwickelte sich ein Dauerschmerz, der auch in die rechte Schulter zog, sowie in den oberen hinteren Rücken. Ab Spätsommer kamen dann Bewegungseinschränkungen dazu. Jacken an- und auszuziehen wurde sehr schmerzhaft, ich konnte kaum den Arm zum Kämmen heben. Spontane Greifbewegungen, wie den Wecker ausstellen, erzeugten einen Schmerzstoß, der mich aufschreien ließ. Erst im Lauf von 2016 ging es mir wieder besser.
Zuerst hate ich einige Triggerpunktbehandlungen bei einem spezialisierten Physiotherapeuten. Dieser führte Kurse durch, in denen ich lernte, mich selbst zu behandeln.
Für den langfristigen Erfolg war notwendig, dass ich es schaffte, Stress auslösende Situationen aus meinem Leben zurückzudrängen. Oder anders damit umzugehen. Um so die daraus resultierende zu hohe Spannung in Muskel und Bindegewebe abbauen und verhindern zu können.
Das bedeutete, mein Arbeitsleben neu zu gestalten, Prioritäten zu ändern und mit einen schwelenden Konlikt positiv aufzulösen.
In diesem Zusammenhang habe ich mich in vielerlei Hinsicht Rück besonnen. Mich befragt, was ist mir wirklich wichtig fürs weitere Leben - im voraussichtlich lezten Drittel.
Außerdem begann ich, Entspannungs- und Selbsthypnosetechniken sowie Übungen aus dem Faszien-Training und -Yoga in den Alltag zu integrieren. Als eine Antwort auf die belastende Schreibtischtätigkeit und herausfordernde Ziele. Um mein Wunderwerk Körper zu unterstützen, zukünftig gesund, beweglich und schmerzfrei zu bleiben.

Für Tolino: Vom muskulär-faszialen Schmerz befreit! Erfahrungsbericht - Einstiegshilfe in alternative Behandlungswege
Bei Amazon: Taschenbuchausgabe
Kindle-Version mit Übungsteil: Vom muskulär-faszialen Schmerz befreit! Erfahrungsbericht plus Selbsthilfe Übungen für alternative Behandlungswege

Mehr über und von Gaby Barton auf ihrer Website.



19. Juni 2017

'Wir wollten nur Dich' von Paula Henkels

Erbanlagen lassen sich nicht weglieben.
Das weiß ich heute. Das weiß meine ganze Familie heute. Doch ehe wir das begriffen haben, mussten so viel Schmerz, Entsetzen und Erschütterung ertragen werden.

Wie es begann, als wir endlich den sechs Monate alten Adoptivsohn in die Arme schließen konnten, ihm stets alle Liebe der Welt schenkten, und wie es 31 Jahre danach endete, können Sie hier nachlesen.

Gleich lesen: Wir wollten nur Dich: Traum und Albtraum Adoptivkind

Leseprobe:
Am 2. Dezember 1984 versetzte mich ein Anruf von Frau Meier in helle Aufregung. Wir sollten zu ihr kommen, wenn möglich schon am nächsten Tag. Es gebe einen sechs Monate alten Jungen namens Benjamin, der zeitnah untergebracht werden müsse. Er sei von seiner Mutter zwei Tage und Nächte unversorgt in der Wohnung zurückgelassen worden. Zum Glück habe die Großmutter das Jugendamt verständigt, nachdem sie vergeblich versucht hatte, in die Wohnung der Tochter zu gelangen, in der ihr Enkel aus Leibeskräften schrie. Die Mutter sowie der viel ältere Vater hätten ein Alkoholproblem.
Da die Mutter schon einmal ein Kind im Stich gelassen habe, stehe außer Frage, dass Benjamin wohl das gleiche Schicksal ereilen würde. Das erste Kind war der Mutter damals ebenfalls entzogen worden.
»Ich glaube, dass ich Ihnen mit dem Kind etwas Seltenes bieten kann. Und sollten Sie bei Benjamin das Gefühl haben, ›dieses oder keines!‹, haben Sie ein Pflegekind«, sagte der grauhaarige Dutt abschließend.
Mein Herz raste wie nach einem Marathonlauf. Benny, wie ich ihn in meinen Gedanken schon nannte, schien ein Kind zu sein, das wir auf Dauer behalten konnten. Ohne mit Horst zu sprechen, sagte ich unser Kommen einfach zu.
Es bedurfte meiner ganzen Überredungskunst, Horst zu überzeugen mitzukommen. Er wollte nicht noch vor unserem Urlaub ein Kind aufnehmen. Zähneknirschend ging er schließlich doch zum vereinbarten Termin mit. Noch im Paternoster des Jugendamtes versuchte er mir klarzumachen, dass der Zeitpunkt nicht ungünstiger sein könnte.
»Denk nur mal daran, wie viel Arbeit wir vor Weihnachten haben? Da bleibt keine Zeit, sich um einen Säugling zu kümmern. Von unserem Urlaub ganz zu schweigen, wie soll das gehen? Soll ich vielleicht einen Hänger anschaffen, wenn wir auch noch einen Kinderwagen mitnehmen müssen? Du musst verrückt sein, wenn du denkst, ich würde bei so einem Blödsinn mitspielen.«
»Sei nicht so grantig, noch haben wir das Kind ja nicht«, versuchte ich ihn zu beruhigen.
Als wir die Tür zu Frau Meiers Zimmer öffneten, leuchteten uns die größten blauen Augen an, die ich jemals gesehen habe. Das kleine Kerlchen hatte blonde Haare und strahlte uns, nein, falsch, strahlte Horst an und streckte ihm, ohne dass überhaupt ein Wort gewechselt worden war, seine Ärmchen entgegen. Es schien so, als ob er sagen wollte, auf euch habe ich gewartet. Sein Strahlen ließ mich sogar über sein verschmiertes Gesicht, die ärmliche Kleidung und den ramponierten Buggy hinwegsehen. Ich war hin und weg. Wie es Horst ging, konnte ich nicht einschätzen, da er ohne zu zögern auf den Kleinen zuging, um ihn aus dem Buggy zu befreien und ihn auf seinen Arm zu nehmen.
»Na, das scheint ja mal Liebe auf den ersten Blick zu sein«, schmunzelte Frau Meier.
Als ob der kleine Wicht diese Aussage bekräftigen wollte, legte er die Ärmchen um Horsts Hals und schmiegte sein schmuddeliges Gesichtchen an die Wange meines Mannes. Das war so ein herzergreifender Anblick, dass ich ohne zu fragen ein Foto machte. Dabei schossen mir vor lauter Rührung Tränen in die Augen und ich wusste, dieses Kind wollte ich. Klar war aber auch, wie schwer es sein würde, Horst begreiflich zu machen, dass wir trotz vieler Arbeit in der Weihnachtszeit und gebuchtem Urlaub Benny übernehmen konnten.
Die Dame mit dem grauen Dutt bemerkte natürlich, dass ich Feuer und Flamme war, Horst aber sehr zögerlich blieb, auch wenn er nicht verbergen konnte, wie angetan er von dem Knirps war. Wir bekamen den Rat, in jedem Fall unsere Entscheidung zu überschlafen. Sollte sie zu Benjamins Gunsten ausfallen, müssten wir zuvor seine Mutter kennenlernen, da ihr laut Gesetz ein Besuchsrecht zustand.
Frau Meier verschwieg uns auch nicht, dass bei Benjamin durch die Alkohol-krankheit der Eltern im Laufe seiner Entwicklung psychologische Behandlungen notwendig werden könnten. Im Alter von sechs Monaten lasse sich nie voraussagen, ob Kinder alkoholgeschädigter Eltern einen Schaden erlitten hätten, der sich später zeigen würde.
Diese Warnung war für mich damals kein Kriterium, um mich davon abzuhalten, das Würmchen aufzunehmen.
»Ich bin überzeugt«, sagte ich, »dass wir ein so junges Kind durch eine liebevolle Erziehung so formen können, dass Erbanlagen keine Rolle mehr spielen.«
Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Horst fassungslos war. Er verstand nicht, warum ich über seinen Kopf hinweg Meinungen rausposaunte, über die wir nie gesprochen hatten, doch ich ließ mich davon nicht beeindrucken und fuhr fort: »Den Begriff ›schwer zu händelndes Kind‹ hat unsere Tochter schon von Geburt an gepachtet. So etwas kann es kein zweites Mal geben. Benjamin wirkt vollkommen anders als unsere Tochter. Susi war von Anfang an schwierig. Die ersten vier Jahre ihres Lebens hat sie uns Nacht für Nacht auf Trab gehalten. Fröhlichkeit war für sie im Kleinkindalter ein Fremdwort. Und als Tommy auf die Welt kam, wurde alles noch schlimmer. Sie war von Eifersucht zerfressen, bildete sich ein, ich würde Tommy mehr liebhaben als sie. Dabei war dies nicht der Fall. Im Gegenteil, Tommy forderte von uns nie so viel Aufmerksamkeit wie Susi. Aber Kinder die einen ständig fordern, hören vielleicht manchmal eher Worte wie: ›jetzt ist aber mal Schluss‹, als Kinder, die nur pflegeleicht sind. Ich bin jedenfalls froh, dass wir mit der Zeit unserer Großen mit viel Liebe beibringen konnten, dass sie genauso geliebt wird wie ihr Bruder und die Zeiten der Feindlichkeit vorbei sind.« Ich warf erneut einen Blick auf den Jungen. »Dagegen wirkt Benjamin ruhig, lieb, fröhlich, zutraulich und anschmiegsam. Und das, wo wir ihm doch vollkommen fremd sind. An die Macht der Gene glaube ich nicht.«
»Frau Lange, da muss ich Ihnen widersprechen, mit liebevoller Erziehung allein können Sie vererbte Gene nicht aus dem Weg räumen«, dämpfte Frau Meier meine Zuversicht.
Heute weiß ich, dass ich besser mal an die Macht der Gene geglaubt hätte.

Im Kindle-Shop: Wir wollten nur Dich: Traum und Albtraum Adoptivkind

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'Luxus pur - oder?' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kim hat noch nie etwas gewonnen. Nun räumt die Friseurin bei einem Preisausschreiben den ersten Platz ab: Eine Reise für zwei Personen nach Mauritius in ein Luxus-Resort mit eigener Villa, privatem Pool und persönlichem Butler!

Die Sache hat nur einen Haken. Sie ist Single und ihre beste Freundin frisch verheiratet. Deshalb nimmt sie ihre Mama Eva als Lückenfüller mit. Diese Entscheidung ist goldrichtig. Die aufgeschlossene und unternehmungslustige Eva weiß sich gut an das Luxus-Leben anzupassen, während Kim in so manch ungeahntes Fettnäpfchen stolpert.

Die ungestörte Erholung im tropischen Paradies gerät allerdings empfindlich ins Wanken, als Kim Fotograf Noah und Hotelmanager Mathéo näher kennenlernt. Außerdem wird ihr bewusst, dass Luxus nicht zwingend mit materiellem Überfluss gleichzusetzen ist.

Gleich lesen: Luxus pur - oder?

Leseprobe:
Die Unterhaltung mit ihrer Chefin lief völlig anders als erwartet.
Kim war extra eine Viertelstunde eher im Salon präsent, noch bevor ihre beiden Kolleginnen erschienen. Das Gespräch führte sie besser ohne vier weitere, neugierige Öhrchen!
Mit rasendem Herzklopfen und zittriger Stimme berichtete Kim von dem gestrigen Telefonat. Sie wagte gar nicht, Frau Janser in die Augen zu sehen und war kurz vor einer Schnappatmung.
„Allerdings weiß ich noch kaum Näheres, eine Mitarbeiterin des Unternehmens wird mich heute Abend besuchen und mir alles erklären“, schloss Kim ihren nahezu atemlosen Bericht.
Sie schluckte, denn Frau Janser sagte – erst einmal nichts. Dann holte sie den Urlaubsplan aus der Schublade unter der Kasse. Sie fischte ihren Kuli vom Terminbuch, das aufgeschlagen neben dem Telefon lag, strich den Sommerurlaub von Kim im September und trug die vierzehn Tage sorgsam um.
„Voilà, Kim! So etwas kann man sich nicht entgehen lassen! Wer gewinnt schon einen Luxus-Urlaub auf Mauritius!“
Kim schluckte, während ihr Herz bis in den Hals trommelte, sah in das lächelnde Gesicht ihrer Chefin und umarmte sie spontan mit aller Herzlichkeit und Erleichterung, die sie empfand.
„Aber bitte, Frau Janser, behalten Sie es noch ...“
Weiter kam sie nicht, denn ihre Kolleginnen Daria und Marie traten soeben ins Geschäft und bekamen die Umarmung natürlich mit.
„Nanu?“, scherzte Marie direkt. „Hast du eine Gehaltserhöhung bekommen, von der wir nichts wissen dürfen? Du hast ja rote Flecken im Gesicht.“
Frau Janser übernahm die Antwort. „Kim hat ein Preisausschreiben gewonnen. Jedoch nicht irgendwas, nein, sondern eine Luxus-Reise nach Mauritius!“

Kims Gewinn war somit Tagesgespräch im Salon. Selbst diejenigen, die nur den Pony nachgeschnitten bekamen, versorgte ihre ukrainische Kollegin Daria mit dieser Sensation.
„Hat sie gewonnen Luxusreise! Wird sie fahren in Südsee!“ Eifrig wusch sie die Haare der Kundin.
Südsee? Kim glaubte, nicht richtig zu hören. „Daria, das ist nicht die Südsee, Mauritius liegt im Indischen Ozean“, berichtigte sie schnell.
„Aaach“, Daria winkte lächelnd ab, „ist fast Nachbarschaft!“
Auch die nächste Kundin von Daria kam in den Genuss der spektakulären Neuigkeiten.
„Sie haben schon gehört? Kim wird machen Luxus-Reise!“
„Nein! Tatsächlich?“ Die Augen der Dame mit den nassen Haaren wurden rund wie Murmeln und groß wie Diskusscheiben.
„Jaja“, Daria drehte ihr Strähnen ab und steckte sie hoch, „hat gewonnen Preisausschreiben. Großes Glück!“
„Wo geht es denn hin?“ Die Neugier der Kundin war natürlich geweckt. Und so berichtete Daria mit blumigen Worten, als würde sie die Reise selbst antreten.
Sie war eine ganz liebenswürdige Person, deshalb konnte ihr Kim nicht wirklich böse sein, obwohl sie lieber alles erst einmal für sich behalten hätte. Man weiß ja nie ... und genauere Informationen hatte sie schließlich noch gar nicht!

Aber auch ihre Chefin und Marie erzählten frank und frei. Man ergoss sich in ausschmückenden Vermutungen über Luxus. Von watteweichen Himmelbetten in Strandpavillons, riesigen Gourmet-Buffets, wohltuenden Massagen, tropischem Flair mit Bilderbuchstrand, malerischen Kokospalmen und bombastischen Cocktails war jeder mit seiner eigenen Luxus-Vorstellung dabei.
Den Vogel allerdings schoss Daria ab, als sie laut verkündete: „Oh, alles sehr spannend! Ist wie Film! Kim wird sich angeln Millionääärrr!“

Im Kindle-Shop: Luxus pur - oder?

Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.



17. Juni 2017

'Welt aus Sand: Die Chroniken von Pathaar I' von M.P. Anderfeld

In einer Welt, die von riesigen, insektenähnlichen Wesen beherrscht wird, wächst Mira in relativer Sicherheit auf.

Als Kronprinzessin von Bedivere, eines mächtigen Stadtstaats in der großen Ebene, lebt sie privilegiert, wenn auch in einem „goldenen Käfig". Ihr sorgenfreies Leben findet ein jähes Ende, als ihre einzige Freundin durch eine Intrige unter Verdacht gerät und ihr die Todesstrafe droht. Wenn Mira sie retten will, muss sie selbst aktiv werden.

Auf dem Spiel steht nicht nur das Schicksal der Prinzessin, sondern das der ganzen Menschheit.

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Leseprobe:
Die Hitze ließ die Luft über der Wüste wabern. Eine gewaltige Staubwolke hinter sich herziehend, bewegte sich ein riesiges Gebilde über die Ebene. Jupiter rollte, stakte, schritt, auf einem Gewirr aus Beinen, Rädern und Raupenketten, immer wieder fuhren aus dem Bauch des Ungetüms Rohre und Stützarme und wurden wieder eingezogen. Bewegten, stabilisierten, betasteten. Dampf trat zischend aus Gelenken, Scharniere quietschten und Ketten rasselten.
Hoch über all dem erhob sich die Stadt auf einer großen runden Plattform. Dicht gedrängt standen die Häuser, dazwischen enge Gassen und einige breitere Straßen. Vom Rand der Plattform hingen Kabel und Ketten herunter, darüber erhoben sich zahlreiche Kräne.
Von einem wurde gerade ein kleines Fahrzeug herabgelassen, das sich in Bewegung setzte, kaum dass es den Boden berührte.
Sie waren zu viert im Dampfroller – Frau Kornheim, er selbst und zwei andere, die Kato noch nicht kannte.
Ein junger Mann steuerte das Gefährt, während Frau Kornheim letzte Instruktionen gab: »Wir vermuten eine größere Bibliothek in Ruinen nicht weit entfernt und wir wissen nicht, wann wir wieder hierher kommen. Das könnte also eine Chance sein, die nicht so schnell wiederkommt. Ihr wisst, dass wir nicht viel Zeit haben. Impact ist in …« sie versuchte, auf ihre Armbanduhr zu schauen, aber der Staub nahm ihr die Sicht, »… na, jedenfalls bald. Aber das macht nichts. Wir gehen rein, holen was Interessantes und verschwinden wieder. In drei Stunden sind wir wieder zurück.«
»Zur Rollenverteilung: Lenko und ich gehen rein. Kato und Jenn, ihr sichert. Beim geringsten Zeichen irgendeiner Gefahr gebt ihr Signal und wir hauen ab. Ist das klar?«
Alle nickten. Lenko musste der arrogant wirkende junge Mann am Steuer sein und das grimmig dreinblickende Mädchen war dann wohl Jenn. Reizende Gesellschaft.
Nachdem sie etwa eine Stunde durch die Wüste gefahren waren, erreichten sie eine verlassene Stadt. Obwohl der Sand bereits einen großen Teil der Bauten erobert hatte – Kato sah eingestürzte Dächer, aus manchen der fensterlosen Öffnungen quoll gelber Sand und von nicht wenigen Häusern standen nur noch die Grundmauern – bot sie noch immer einen imposanten Anblick. Kato wäre gerne länger geblieben und hätte sich alles genauer angesehen.
»Ist was anderes als Ketten schmieren, was?«, sagte Frau Kornheim, ohne ihn anzusehen und grinste.
Die Bibliothek lag an einem weiten, leeren Platz, über den der Wind ungehindert hinwegfegte. Sie stellten ihr Fahrzeug direkt davor ab.
Das Eingangstor war verschlossen, sie brachen es mit einem kleinen Rammbock auf. Dann machten sie sich an die Arbeit. Kato wartete im Bereich des Eingangs, Jenn war auf der Straße, hielt den Kessel unter Feuer und hielt Ausschau nach Ynsekti.
Nachdem Frau Kornheim und Lenko verschwunden waren und sich seine Augen an das Zwielicht gewöhnt hatten, konnte auch Kato sich umsehen. Er befand sich in einem großen Raum, von dem eine breite Treppe nach oben führte. Still war es hier und überraschend kühl. Und so friedlich, dass es ihn nervös machte. Erst nach einer Weile wurde ihm klar, was ihm fehlte: Der Boden war völlig still. Er war in Jupiter aufgewachsen und daran gewöhnt, dass der Boden zumindest leicht schwankte, dass immer wieder schwache Vibrationen zu spüren waren. Hier aber war nichts. Er stampfte auf den Boden. Ein wenig Staub flog auf. Alles fühlte sich falsch an, tot und statisch.

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16. Juni 2017

'Lasst mich doch einfach leben …' von Cornelia Harz

Lisa Lindtal verliert alles: ihre Glaubwürdigkeit, die Liebe ihres Mannes und ihre Freiheit.

Die BlutGruppe2000, eine Organisation, die zahlungskräftigen Gästen eine Bühne für ihre perversen Fantasien bietet, hält sie gemeinsam mit anderen Opfern gefangen. Auf Lisa warten Schmerz und Tod. Wird sie es schaffen, sich aus dem Netz dieser Verbrecher zu befreien?

Ein spannender und emotionaler Psychothriller.

Gleich lesen: Lasst mich doch einfach leben … (Psychothriller)

Leseprobe:

„Frau Lindtal, ich brauche Ihre Hilfe!“
„Wie soll ausgerechnet ich Ihnen helfen?“
Sein Gesicht rückte näher an meines. „Haben Sie Zugang zu den Filmen der BlutGruppe2000?“
„Was haben denn diese Filme mit Ihrer Frau zu tun?“
„Ich weiß von einer Kollegin, dass alle Filme der BlutGruppe2000 reale Misshandlungen und Morde zeigen.“
Meine Cola blockierte meine Luftröhre. Ich musste husten. „Mein Mann hat sämtliche Filme zu Hause. Ich hab nicht viele davon gesehen. Mir sind die zu …“
„Zu grausam, das kann ich mir vorstellen.“
„Und Sie meinen, Sie finden auf den DVDs den Mord an Ihrer Frau?“
„Ich habe nur wenig Hoffnung, dass sie noch lebt.“
„Was hat denn Ihre Kollegin erzählt? Woher weiß sie das mit den Filmen?“
„Sie wissen doch bestimmt, dass Ihr Vorgänger ausgewandert sein soll.“
„Sie sprechen von Jonas Sklav, so heißt er doch, oder?“
„Genau. Aber von meiner Kollegin weiß ich, dass er nicht ausgewandert ist. Die BlutGruppe2000 hat ihn ermordet. Sein Tod soll auf der DVD Nummer 388 sein. Was, glauben Sie, sind das für Knochen unter der Glasplatte Ihres Schreibtischs?“
„Das ist nicht lustig! Das sind natürlich Kunststoffknochen!“
„Und die Initialen JS, die am rechten Tischbein eingeritzt sind?“
„Das ist die Firma, die diese Tische anfertigt! Also Herr Wüstenscheidt, ich bitte Sie wirklich –“
„Wir stellen diese Stücke selbst her. FaktSanum oder besser: die BlutGruppe2000.“
Ich sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
„Wenn ich wenigstens diese eine DVD hätte und einen der Knochen aus Ihrem Schreibtisch, könnte ich zur Polizei gehen.“
„Natürlich kann ich mal nachsehen. Wie sieht denn dieser Jonas Sklav überhaupt aus?“
Heiko Wüstenscheidt kramte in seiner Jacke und zog ein Stück Papier heraus. „Das ist ein Ausschnitt von unserer Betriebszeitung. Hier, der Dritte von rechts.“ Er schob mir den Zettel unter die Nase.
Ich sah einen grinsenden Mann, mein Alter etwa, mit zotteligen schwarzen Haaren. Er sah glücklich aus.
„Herr Wüstenscheidt, ich weiß grad ehrlich nicht, ob ich Angst haben oder herzhaft lachen soll.“
„Sie sollten auf sich aufpassen, Frau Lindtal! Und wir brauchen so schnell wie möglich Beweise, sonst …“
„Sonst? Sonst bin ich auch tot?“ Ich legte ein paar Münzen auf den Tisch und stand auf, ohne mich zu verabschieden.
Unterwegs versuchte ich mir pausenlos einzureden, dass ich meinen Meister im Spinnen gefunden hatte. BlutGruppe2000, alles Mörder, so ein Schwachsinn!
Zu Hause kniete ich mich sofort vor das Regal mit den DVDs. Jakob hatte sie perfekt geordnet. Da war sie: BlutGruppe2000 – Teil 388. Mein Herz pochte laut und stark und schnell. Ich fragte mich, wie lange meine Rippen diesem Hämmern noch standhalten würden. Meine Hände zitterten, mir glitt die DVD zu Boden. Wenn diese Geschichte stimmte, war mein Leben vorbei, ich war vorbei, für immer.
Es half nichts. Ich breitete das Bild von Jonas Sklav vor mir aus und startete den DVD-Player. Zuerst war es wieder dunkel. Dann der Schriftzug BlutGruppe2000 – Teil 388. Danach wieder diese Dunkelheit. Ich drückte auf Pause. Und auf Start. Und auf Pause. Und auf Start. Und da hing er: Jonas Sklav, gekreuzigt, blutend an Händen und Füßen, in irgendeiner Kirche. Er schrie! Er schrie wieder und wieder: Neeeiiiin, bittteeee! Doch sie schlugen immer mehr Nägel durch seinen halb nackten Körper. Ich sah seine Kräfte schwinden. Seine Stimme, sein Flehen wurden leiser. Bis er nach einiger Zeit komplett verstummte und sein Kopf leblos nach vorne kippte.

Im Kindle-Shop: Lasst mich doch einfach leben … (Psychothriller)



'Wolkenblüte - Sammelband' von Alisha April

Die Angel-Lovestory-Reihe in drei Teilen jetzt als Sammelband mit fast 700 Seiten Lesevergnügen.

Der Sammelband umfasst drei in sich abgeschlossene und voneinander unabhängig zu lesende Romance-Fantasy-Liebesgeschichten mit jeweils leckeren Rezepten am Schluss jedes Romans:
Wolkenblüte 1 – Ein Engel zum Verlieben
Wolkenblüte 2 – Ein Engel zum Dessert
Wolkenblüte 3 – Ein Weihnachtsengel zum Knutschen

Für kurze Zeit zum Einführungspreis von nur 2,99 Euro.

Gleich lesen: Wolkenblüte Sammelband: Band 1 - 3

Inhalt:
Band 1: Ein Engel zum Verlieben
mmer wieder träumt Hannah diesen Traum. Nur dass dieser stets ein gutes Ende nimmt. Ganz anders aber ist ihre Realität. Ein Vorfall, der Hannahs bisheriges, heiles Leben von einer Minute auf die andere verändert und abrupt zerstört. Für lange Zeit ist ihr Glaube an Liebe und Glück verloren. Bis Raphael in ihr Leben tritt. Ein wunderbarer, mitfühlender Mann und auf den ersten Blick ganz normal. Kein Christian Grey, kein Milliardär, sondern Angestellter einer Bank. Sie ist fasziniert von ihm, doch dann gesteht ihr Raphael sein Geheimnis. Kann ihre Liebe dennoch weiter bestehen ..?
Die Geschichte einer Liebe, die nicht sein darf, einer Liebe gegen alle Vernunft.
Ein himmlisch-romantischer Liebesroman mit einer großen Portion Fantasy und Happy End.

Band 2: Ein Engel zum Dessert
Annabelle, eine ehrgeizige und erfolgreiche junge Journalistin hat alles, was sie sich wünscht. Noch dazu vergöttert ihr wunderbarer Freund Ralph sie. Doch ihr Beruf erfordert vollen Einsatz und ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt: Er beichtet ihr einen One-Night-Stand mit ihrer Schwester. Als herauskommt, dass dieser nicht ohne Folgen geblieben ist, zerbricht Annabelles bisher heile Welt und sie verlässt überstürzt ihre Heimat, um sich in New York ein neues Leben aufzubauen. Doch was sie dort erwartet, stellt alles bisher da gewesene auf den Kopf …

Band 3. Ein Weihnachtsengel zum Knutschen
Elli - Fünfundzwanzig, attraktiv und Single, verdient ihren Lebensunterhalt in einer kleinen Kaffeerösterei. Ihr Leben verläuft überschaubar und unspektakulär. Dies ändert sich schlagartig, als sie bei Weihnachtseinkäufen dem Geschäftsfreund ihres Stiefonkels sprichwörtlich vor die Füße fällt. Sein Interesse an ihr währt leider nicht allzu lange. Er wendet sich ihrer Stiefcousine zu, die als Unternehmensnachfolgerin vorgesehen ist. Für Elli bricht eine Welt zusammen. Eine unerwartete Erbschaft führt sie jedoch mit dem gutaussehenden und geheimnisvollen Gabriel zusammen, der ihr Leben komplett auf den Kopf stellt…
Wird Gabriel aber das halten, was er zu sein verspricht?

Im Kindle-Shop: Wolkenblüte Sammelband: Band 1 - 3

Mehr über und von Alisha April auf ihrer Website.



7. Juni 2017

'Doppelspiel' von Eddy Zack

November 1982 – mit Juri Wladimirowitsch Andropow steht ein Mann an der Spitze der Sowjetunion, der an Gefühlskälte alles in den Schatten stellt, was nach Stalin kam. Die Staaten des Warschauer Paktes rüsten auf und aus dem Kalten Krieg droht ein heißer zu werden.

Windige Geschäftsleute haben frühzeitig erkannt, dass man nicht am Frieden, sondern am Kalten Krieg verdient. Einer von ihnen ist Arne Peters, der mit seinen Helfershelfern aus Ost und West die Sowjetunion und die DDR mit allem beliefert, was nach der Cocom-Liste verboten ist.

Die Stasi machte Arne Peters ein lukratives Angebot. Er soll etwas beschaffen, das sogar ihm als eiskaltem Profiteur des Kalten Krieges zu heiß ist – ein von den Truppen des Warschauer Paktes heiß begehrtes Feuerleitsystem der Bundeswehr. Als wäre das noch nicht Problem genug, kommt ihm eine attraktive Stasi-Agentin in die Quere.

Gleich lesen: Doppelspiel: das Geschäft mit der Krise

Leseprobe:
Es war ein heißer Sonntag im August. Gleißend blauer Himmel wölbte sich über Berlin. Vorwiegend Westdeutsche hatten am Bahnhof Zoo den Bus bestiegen, nur vereinzelt hörte man englische und französische Sprachfetzen. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen trugen viele Ausflügler Trachtenjacken aus dickem Wollstoff und Tirolerhüte mit bunten Federn und Gamsbart. Besucher aus Bayern, ihre Mundart war unverkennbar. Nach ihren Gesprächen zu urteilen waren es Ehepaare, Freunde, Menschen, die sich kannten, Nachbarn vielleicht. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe.
Zu Beginn der Fahrt erklang noch Gelächter, laute Unterhaltung. Der Ausflug hinter den Eisernen Vorhang war ein Abenteuer, eine Safari in ein exotisches Land. Dann tauchten am Straßenrand Warnschilder auf, auf denen von Schießbefehl und Demarkationslinie die Rede war und sie verstummten. Mit respektvollen, man könnte fast sagen furchtsamen Gesichtern betrachteten sie die mattgrünen Militärfahrzeuge und die lässig in den Sitzen lümmelnden amerikanischen Soldaten. Die GIs, junge Kerle noch, trugen ihre Stahlhelme markig in die Stirn gezogen oder balancierten sie auf den Läufen ihrer Gewehre, als wollten sie die Touristen beeindrucken.
In der ersten Reihe hinter dem Fahrer saß ein offenbar allein reisender Mann; um die fünfzig mochte er sein. Sein heller Regenmantel und der tief in die Stirn gezogene cremefarbene Panama passten nicht zum heißen Wetter. Dazu hatte er den Mantelkragen hochgeschlagen. Sein kurzer schwarzer Bart war stark von grauen Strähnen durchzogen. Kein Drei-Tage-Bart, eher ein Drei-Wochen-Bart, nicht der Mode entsprechend. Nach Aussehen und Kleidung war er nicht der typisch sonntägliche Ausflügler nach Ostberlin.
Neben dem Fahrer stand der Reiseleiter. In breitem Berlinerisch gab er ein paar heitere Sprüche zur Auflockerung der Stimmung zum besten. Er hatte nur mäßigen Erfolg. Sichtlich enttäuscht schaltete er das Mikrofon wieder stumm und unterhielt sich flüsternd mit dem Fahrer.
Dann wandte er sich erneut an die Reisenden.
»Liebe Gäste, in wenigen Minuten erreichen wir die Grenze und ich muss Sie bedauerlicherweise verlassen. Eine Kollegin aus der DDR wird Sie betreuen.«
Aufgesetzt fröhlich grinste er in die Runde. »Keine Sorge, heute am späten Nachmittag liefert man Sie wohlbehalten an der Grenze nach Westberlin wieder ab, dann sehen wir uns wieder.«
Er flüsterte mit dem Fahrer und ergänzte: »Ein Fahrer aus dem Osten wird Sie durch die Zone kutschieren.«
Checkpoint Charly kam in Sicht. Rechts und links von der schmalen Durchfahrt in den Ostteil der Stadt sah man glatte Betonmauern, auf der Mauerkrone dicke Rollen Stacheldraht. Vorne links war ein Wachturm. An einem Mast wehte in der drückenden Hitze müde die amerikanische Flagge. In der Mitte der Fahrbahn stand die hellgrau gestrichene Kontrollbaracke, an der Front hing ein Schild mit der Aufschrift:
ALLIED CHECKPOINT CHARLY.
Daneben waren die amerikanischen, französischen und britischen Farben abgebildet. Wenige Meter vom Übergang entfernt hing an hölzernen Pfosten ein Schild. Darauf stand in englischer, russischer und französischer Sprache: Sie verlassen den amerikanischen Sektor.
Die deutsche Übersetzung darunter war nicht einmal in halb so großen Buchstaben geschrieben. Unten rechts las man wie eine Unterschrift: US ARMY.
Berlin und die Mauer waren Zentrum des Kalten Krieges. Trotzdem spielte Deutschland eine Statistenrolle in der Weltpolitik und hier am Grenzübergang stach es besonders aufdringlich ins Auge. Gehässige Zungen nannten die Westberliner und die westdeutsche Bevölkerung Kanonenfutter, sollten sich jemals die 22 Divisionen der Roten Armee in Marsch setzen. Es war kein Geheimnis, dass die erste ernsthafte Verteidigungslinie der Rhein war. Berlin und den größten Teil Westdeutschlands sollte die NATO im Fall eines militärischen Konfliktes weitgehend kampflos den sowjetischen Panzerverbänden überlassen.
Quer über die Straße verlief eine weiße Markierung – die Demarkationslinie. Dicht an der Linie neben der Baracke standen amerikanische Soldaten und Westberliner Polizei. Links befand sich das Büro der Amerikaner und dort stand eine Kaffeemaschine, denn eben kam ein Mann mit einem Tablett und dampfenden Tassen heraus und ging zur Kontrollbaracke. Neben dem Büro bis dicht an die weiße Linie waren Sandsäcke gestapelt. Im Fall eines Schusswechsels mit den Grenzsoldaten der DDR sollten sie Deckung bieten.

Im Kindle-Shop: Doppelspiel: das Geschäft mit der Krise

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6. Juni 2017

'Arakkur: Die große Schlucht' von Pascal Wokan

Hinunter
In die Schlucht
In den Tod


Alle Blicke richten sich auf die umkämpfte und lebensfeindliche Schlucht, denn in ihrem Inneren wächst die Knolle, die das Leben der Reichen und Mächtigen verlängert und seit Jahrzenten blutige Kriege zwischen den Herzogtümern des Landes entfacht. Während der König um Macht und Einfluss fürchtet, tritt ein neuer Feind auf den Plan und droht das Reich zu stürzen. Doch das Land birgt ein Geheimnis und weckt ungeahnte Kräfte in Auserwählten. Elhan, der als Sklave in die Schlucht geworfen wurde, muss das Geheimnis ergründen und den Weg seines Schicksals gehen ...

Gleich lesen: Arakkur: Die große Schlucht

Leseprobe:
Elhans Blick richtete sich auf die Plattform, schwaches Sonnenlicht war dort erkennbar. Es sah so wunderschön aus, so fern und doch so nah. Am Rande bekam er mit, wie sich jemand vor ihn stellte.
»Wenn ihr ihn umbringt, dann müsst ihr verdammten Drecksäcke mich ebenfalls umbringen!«, grollte Sylon.
Warum war er so dumm sich zu opfern? Es war sinnlos …
Der dunkelhäutige Konar trat nun ebenfalls vor Elhan. »Er hat mir das Leben gerettet«, sagte er.
Was ist los mit ihnen? Sind sie alle Lebensmüde?
Mort fing an zu lachen. »Na, sieh sich einmal diese dummen Sklaven an. Ihr wollt also alle sterben?« Er klatschte in die Hände. Zwei weitere Soldaten zogen sirrend ihre Schwerter und kamen auf sie zu.
Elhan stemmte sich wieder hoch und sah in die Gesichter derjenigen, die ihm beistanden. Das Vertrauen erfüllte ihn mit unerwarteter Freude und auch mit Stolz. Er lächelte flüchtig und gebot ihnen zurückzutreten. Mit entschlossenem Gesicht kamen sie seiner Aufforderung nach, Konar verbeugte sich sogar leicht.
»Ich danke euch für euer Vertrauen«, sagte Elhan mit schwacher Stimme. »Aber es hat keinen Sinn. Er wird es nicht einsehen. Setzt nicht euer Leben für eine verlorene Sache aufs Spiel.«
Konar neigte wieder den Kopf, sah ihn aber mit einem merkwürdigen Blick an. Fast wirkte es so, als würde er auf etwas warten.
Kühler Wind wehte von der Plattform in den Gang. Elhan blickte dem Wind hinterher.
Vertrauen.
Ein Soldat hob sein Schwert in die Luft. Die silberne Schneide reflektierte das Licht.
Ein Teil des Ganzen.
Elhan schloss die Augen. Ein sanfter Hauch kitzelte ihn an der Schläfe.
Hoffnung.
Entschlossen atmete er ein.
Itras hat gesagt, ich soll an den Wind denken, wenn es, soweit ist. Was hat er damit gemeint?
Es war wie ein Tanz, der Wind war gleichzeitig hier und doch an einem anderen Ort.
Er hat mich davor gewarnt, mich vollständig dem Seelenband hinzugeben. Ich war noch nicht bereit dafür. Der Wind ist gleichzeitig hier und doch woanders. Er wirkt wie eine Präsenz, ein Bewusstsein. Genauso wie ich ist er ein Teil des Ganzen. Das bedeutet …
Elhan riss die Augen auf.
Götter!
Die Schneide fuhr nieder.
Schlagartig stieß er die Tür zum Fluss des Lebens auf. Die Umgebung explodierte, die Welt zerfaserte um ihn herum. Das Leben pulsierte und Elhan griff vollständig hinein. Er hielt nichts zurück, gab sich vollständig dem Fluss hin. Er knüpfte das Seelenband zum Wind und folgte dem Ruf. Sein Körper löste sich auf.
Er blinzelte … und trat hinter den Soldaten hervor. Die Welt nahm augenblicklich wieder ihre Form an, die Klinge fuhr durch die leere Luft und stieß in den Boden.
Erschrocken sprangen die Soldaten einen Schritt zurück. Die Menge hielt den Atem an. Stille.
Elhan drehte sich zu Mort um, der nun direkt vor ihm stand. Dem Aufseher stand der Mund offen, er sah ihn fassungslos an. »Wie …?«, stotterte er.
Sanft legte Elham ihm die rechte Hand an die Brust und spürte den Blick der Soldaten in seinem Rücken. Sie hielten noch immer unschlüssig ihre Schwerter in den Händen. Elhan sah Mort tief in die Augen. Er sah dessen Atemseele und griff hinein. Wut, Trauer und Enttäuschung brandete ihm entgegen. Er wappnete sich dagegen und ließ die Gefühle an ihm abgleiten. Immer tiefer drang er hervor, bis er schließlich das fand, wonach er suchte: ein kleiner Funken Hoffnung. Ein letzter Rest an Menschlichkeit und Glaube an das Gute. Elhan schützte den Funken, beeinflusste ihn und speiste ihn mit seiner eigenen Hoffnung. Der Funke wurde zu einer kleinen Flamme und brach schließlich als grelles Feuer hervor. Elhan zog sich zurück, ließ den Nebel fahren und wurde sich wieder seiner Umgebung bewusst.
Mort sah ihn ungläubig an. Mit einer ganz vorsichtigen Bewegung hob er die Hand, woraufhin die Soldaten ihre Schwerter in die Scheide zurücksteckten. Mit großen Augen fühlte er nach seiner Brust und atmete tief ein. »Was hast du getan?«, flüsterte er.
Elhan bemerkte, wie alle Blicke auf ihm ruhten. »Ich gab dir Hoffnung«, antwortete er ebenso leise. Seine Worte hallten in der Luft nach. »Ganz tief in dir Verborgen gab es etwas Gutes. Hoffnung.«
Dem Aufseher stand der Mund offen. Er rieb sich einmal über die Augen und fing dann ganz langsam an zu lächeln. »Hoffnung. Es ist so lange her.«
Elhan lächelte ebenfalls. »Halte daran fest, Mort. Obgleich er tief verborgen ist, es gibt immer einen kleinen Funken.«
Der Aufseher nickte und gab den Soldaten ein Zeichen. Unsicher kamen sie näher, hielten jedoch Abstand zu Elhan. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Sylon grinsend die Arme vor der Brust verschränkte. Konar hob die rechte Hand und spreizte die Fingerspitzen auseinander. Er schloss die Augen, seine Lippen bewegten sich stumm im Gebet. Die anderen Sklaven sahen ihn erstaunt an, folgten dann aber zögerlich seinem Beispiel, bis schließlich ein Meer aus schweigenden Männern im Stollen stand und die Hand zur Ehrerbietung erhoben hielt.
»Der Fahrstuhl!«, gab Mort die Anweisung.
»Aber Mort wir …«
»Sofort!«
Die Soldaten sahen Elhan nervös an, senkten dann jedoch den Blick und gingen auf die Plattform zum Fahrstuhl hinaus.
Elhan folgte ihnen vorsichtig und trat in das hölzerne Gerüst. Er lächelte und rief dem Aufseher ein letztes Mal etwas zu: »Du bist ein guter Mensch, Mort. Vergiss das nicht!«

Im Kindle-Shop: Arakkur: Die große Schlucht

Mehr über und von Pascal Wokan auf seiner Website.



5. Juni 2017

'Das Leben im Zeichen der Buschbohne' von Elisabeth Duncan

Marietta kommt aus gutem Haus, hat Probleme aller Art immer an sich abprallen lassen und ist in den Augen ihrer Mutter eine klassische Versagerin. Keine Ausbildung, jahrelanges Kellnern und ein abgebrochenes Studium der Sozialpädagogik – das spricht alles nicht gerade für sie. Doch gefiel ihr im Studium so einiges nicht, und sie hat da ihre ganz eigenen Theorien, warum Sozialpädagogen diese Welt nicht besser machen können.

Marietta flüchtet zu Lucius, dem Mann mit dem Bauernhof, Selbstversorger und Marihuana-Produzent. Seit sie ihn kennt und liebt, pflückt sie lieber Tomaten und Buschbohnen, legt Wintervorräte an und verdient ihr Geld mit Kartenlegen. Da sind auch noch Kevin und Justin, zwei Jungs aus schwierigen Verhältnissen, Analphabeten und damit in den Augen der Gesellschaft ebenso klassische Versager. Und am Ende ist da immer wieder die Buschbohne, die der Beweis dafür ist, dass man die Früchte einer Pflanze nicht sehen kann, wenn man von oben draufschaut. Man muss sich schon auf Augenhöhe begeben.

Ein humorvoller Roman gegen die Oberflächlichkeit im Leben.

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Leseprobe:
Ich war sprachlos. Meine Mutter goss sich noch einen Likör ein. „Auch einen?“, fragte sie. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich muss ja noch fahren.“
„Du wirst mich doch hier nicht alleine lassen mit diesem Elend?“
„Was ändert es, wenn ich hier bleibe, Mutter? Ich habe einen Hof zu bewirtschaften.“
„Das machen doch die zwei Jungs, dachte ich.“
„Ich habe auch einen Beratungstermin morgen vormittag und morgen nachmittag habe ich auch etwas vor. Außerdem kann ich die Jungs nicht mit der gesamten Arbeit alleine lassen.“
Meine Mutter schnaufte. Dann kippte sie ihren Likör runter.
„Jetzt stehe ich genauso da wie damals, als dein Vater starb. Es kann doch nicht wirklich wahr sein, oder? Es kann doch nicht sein, dass ich zwei Männer durch einen Herzinfarkt verliere und beide Männer mich im finanziellen Elend sitzen lassen?“
„Naja“, sagte ich. „Finanzielles Elend ist was anderes. Wenn du alles verkaufst, was Heinz gehörte, hast du trotzdem immer noch ein bisschen Geld übrig, und es wird bestimmt reichen, dir eine Wohnung zu suchen, sie einzurichten und ein paar Monate zu überbrücken.“
„Ja, und dann?“
„Und dann was?“
„Wie ist es mit der Witwenrente? Heinz hat nicht viel in die staatliche Rente eingezahlt. Meine Witwenrente beträgt 350 Euro.“
„Okay. Dann wirst du dir einen Job suchen müssen.“
„Das ist nicht dein Ernst!“, blökte sie. „Ich soll arbeiten gehen? Nach über dreißig Jahren Dasein als Hausfrau und Mutter? Als was soll ich denn arbeiten? Und auch wichtig, was glaubst du denn, was ich verdienen würde? Wahrscheinlich einen Betrag, für den man morgens nicht mal aus dem Bett aufstehen will.“
„Ja, Mutter, das ist aber das,was man normales Leben nennt. Alle müssen arbeiten. Dir blieb das bisher erspart, jetzt eben nicht mehr. Irgendwas wird sich schon finden.“
„Und soll ich demnächst im sozialen Wohnungsbau leben oder was? In einem Hochhaus am Ende, wo den ganzen Tag im Treppenhaus herumgeblökt wird von kleinen Kindern und die Leute alle Hartz IV kriegen?“
Ich räusperte mich.
„Mutter, ich will dir nicht zu nahe treten, aber schimpf lieber nicht über Menschen, die Hartz IV bekommen. Sie arbeiten nicht, gut, aber damit tun sie nichts anderes als du. Du hast auch nicht gearbeitet. Und wenn ich höre, dass du 350 Euro Witwenrente bekommst, gehe ich mal stark davon aus, dass du eine Aufstockung beantragen musst. Du wirst dann also auch Hartz IV beziehen.“
Meine Mutter wurde bleich.
„Ich hänge mich auf“, sagte sie.
„Nein“, sagte ich, und schüttelte den Kopf. „Das machst du nicht. Dafür hast du dich selbst viel zu lieb. Aber Tatsache ist, du musst jetzt ran. Du musst alles verkaufen was du zu Geld machen kannst. Vielleicht sogar Schmuck und Pelzmäntel. Wie auch immer, trenn dich von dem ganzen Kram. Du brauchst jetzt jeden Cent.“
„Ich kann mich doch nicht von meinem Schmuck und all meinen schönen Sachen trennen?“
„Doch, kannst du. Was ist mit deinem Auto?“
Sie heulte los. „Das ist doch ein Leasing-Wagen! Er wird nächste Woche abgeholt, ich kann die Raten doch nicht bezahlen.“
So war das an diesem Tag. Am Tag der Katastrophe Nummer zwei. Ich schaffte es gegen zehn Uhr abends, mich von ihr loszueisen und nach Hause zu fahren. Die Jungs lagen beide schon im Bett und ich beschloss, am nächsten Tag mit ihnen Pizza essen zu gehen. In den letzten Wochen war ich nur noch unterwegs, ließ sie mit so vielen Dingen alleine – das konnte so nicht weitergehen. Ich fühlte mich total erschöpft, aber ich wusste auch, dass das nicht von meinem Kartenlegen, der Arbeit auf dem Hof oder meiner Sorge um die alte Frau Wiegand kam. Nein, ich fühlte mich erschöpft, weil meine Mutter nicht wusste, wie es weitergehen sollte und weil ich mich für sie verantwortlich fühlte.

Im Kindle-Shop: Das Leben im Zeichen der Buschbohne

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3. Juni 2017

'Weisses Gold: Im Sog der Gier' von Ute Bareiss

Der Schwarzmarkt für Elfenbein boomt!

Meeresbiologe Alex Martin stößt bei seiner Arbeit für die Naturschutzbehörde in Thailand auf Schmuggler. Dadurch gerät er ins Fadenkreuz einer mächtigen Organisation. Mit seinem Freund, dem thailändischen Ermittler Jaidee, begibt sich Alex auf die Spur des weißen Goldes. Sie führt von den afrikanischen Savannen durch das Rotlicht-Milieu Phukets bis in die obersten chinesischen Geschäftsetagen.

Immer tiefer dringen Alex und Jaidee in den Sumpf des organisierten Verbrechens vor. Dabei machen sie eine grausame Entdeckung ...

Gleich lesen:
Für Kindle: Weisses Gold: Im Sog der Gier (Alex-Martin-Thriller 2)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Der Handkantenschlag in Richtung seiner Kehle kam ohne Vorwarnung. Nur ein kurzes Zucken der linken Augenbraue seines Gegners, bevor die Hand auf ihn zuschoss. In letzter Sekunde konnte Alex sich ducken, da zielte schon ein Sidekick auf seine Nieren. Mit einem Schritt brachte er sich in Sicherheit und versuchte seinerseits, einen Tritt in Richtung des Knies seines Gegners anzubringen, der dem mühelos auswich. Alex blendete die Schreie und Kampfgeräusche um sich herum aus und konzentrierte sich nur auf sein Gegenüber.
Der um einen knappen Kopf kleinere Thai war ihm in den Kampftechniken haushoch überlegen. Obwohl er kräftig gebaut war, waren seine Bewegungen von einer geschmeidigen Eleganz. Unwillkürlich musste Alex beim Spiel seiner Muskeln an einen Panther denken. Er tänzelte auf der Stelle und auch der Sprungkick kam ohne Vorwarnung. Reflexartig wich Alex aus. Der Fuß streifte ihn nur, doch kaum war er wieder aufgekommen, da raste schon eine Faust auf Alex zu. Er blockte mit seiner Elle und ging seinerseits in die Offensive mit einem angetäuschten Schlag, dem er einen Drehkick folgen ließ.
In kurzer Reihfolge prasselten Schlag um Schlag, Kicks und Tritte aufeinander, begleitet von lautem Keuchen.
Abermals konnte Alex nur haarscharf einem Sprungkick ausweichen. Ein Stechen jagte durch seinen Rücken. Der Schweiß rann ihm trotz des Stirnbands in die Augen, er blinzelte. Sein Gegner nutzte die kurze Zeit der Unaufmerksamkeit sofort aus und brachte Alex mit einem Fußfeger zu Fall. Geistesgegenwärtig konnte er ihn im Sturz am Arm packen und mit sich ziehen. Sofort warf sich Alex auf ihn und drückte ihm den Unterarm an die Kehle.
„Gibst du dich geschlagen?“ Keuchend rang er nach Luft.
Jaidee lachte auf und schob Alex von sich herunter. „Im Ernstfall hättest du gegen mich keine Chance, mein Freund. Doch dein Stil hat sich bedeutend gebessert, man merkt dir an, dass wir öfter trainieren. So langsam muss ich aufpassen.“
Ebenfalls lachend erhob sich Alex. Wieder jagte ein Stechen durch seinen Rücken und er verzog das Gesicht.
„Was ist, habe ich dir wehgetan?“ In Jaidees Miene kämpfte Spott gegen Sorge.
„Das würde dir so gefallen! Nein, ich habe mir heute Mittag beim Ausladen der Tauchflaschen wohl einen Muskel gezerrt.“
„So siehst du aus! Ein Siebzigjähriger hält sich besser. Die Mitte dreißig nimmt dir bei der Haltung keiner ab“, stichelte Jaidee mit gutmütigem Lächeln. „Unsere Nachbarin versteht sich hervorragend auf Thai-Massage – sie bekommt deinen Rücken bestimmt wieder hin. Warum gehst du nicht zu ihr, während Malee uns was zu essen zubereitet? Sie würde sich freuen, dich mal wiederzusehen!“
Alex klopfte sich den Staub von der Trainingshose. „Manchmal hast du richtig gute Ideen.“ Eine Massage und die exzellente Küche von Jaidees Frau waren verlockende Aussichten.
„Gut, dann melde ich dich an.“
Sie verneigten sich mit gegeneinander gelegten Handflächen voreinander.

Die warme Luft auf Phukets Straßen ließ ihn wie gegen eine Wand laufen, als sie aus der Trainingshalle hinaus ins Freie traten. Obwohl Alex kalt geduscht hatte, und die Sonne bereits untergegangen war, trieb es ihm sofort den Schweiß auf die Stirn. Auf den Helm verzichtete er, mit einem Polizisten als Begleiter würde ihm keiner einen Strafzettel aufbrummen. Er band nur die nackenlangen blonden Haare zusammen und ließ sich den abgasgeschwängerten Fahrtwind kühlend um den Kopf wehen, als er Jaidees Roller durch den dichten Verkehr von Chalong in Richtung Südwesten folgte. Obwohl es Abend war, hatte der Verkehr noch nicht nachgelassen, eine dichte Smogwolke hing über der Stadt. In Schlangenlinien kämpften sie sich mit den anderen Zweirädern zwischen den zahllosen Autos hindurch. Glücklicherweise wurde der Verkehr außerhalb der Stadt lichter und Alex konnte endlich Gas geben. Er überholte eine vierköpfige Familie, die sich auf einen kleinen Roller drängte, und zog auch an Jaidee vorbei. Das tiefe Brummen seiner Triumph Thunderbird übertrug sich entspannend auf seinen Körper. Er gab mehr Gas, genoss die Geschwindigkeit. Erst als das Licht von Jaidees 125er Roller fast nicht mehr im Rückspiegel zu sehen war, wurde er langsamer und ließ diesen überholen.
Alex folgte ihm nach Rawai, wo Jaidee mit seiner Frau Malee und den beiden Kindern etwas abgelegen vom Touristentrubel der umliegenden Hotels wohnte. Er parkte direkt vor dem Nachbarhaus.

Das hölzerne Schild „Thai Massage“, das direkt an der Tür hing, war ihm bislang nie aufgefallen, so unauffällig fügte es sich in die Holzfassade ein. Werbung schien die drahtige Frau mit den kurzen Haaren, die sich als Niki vorstellte, nicht nötig zu haben.
Alex musste gut fünf Minuten warten, bis er drankam. Der Geruch nach Duftölen und die leisen Klänge der Chang Dao- Musik entspannten ihn, beinahe wäre er in dem bequemen Sessel eingeschlafen. Dass ein einheimischer Kunde hinter dem Vorhang hervorkam, war ein gutes Zeichen, es war keine auf Touristen ausgerichtete Massage. Dementsprechend kräftig war sie auch.
Geschmeidig wie eine Katze kletterte Niki, trotz ihrer sicher schon sechzig Jahre, auf ihm herum, bearbeitete ihn zuerst mit Ellbogen und Knien, bevor sie sich auf ihn stellte und seine Muskelstränge mit den Fußsohlen bearbeitete – immer hart an der Schmerzgrenze. Seinen gezerrten Muskel bearbeitete sie gezielt mit Tigerbalsam und knetete die Verhärtung mit den Händen heraus.
„Was hast du hier gemacht?“ Sie drückte auf die harte Stelle an seinem Schulterblatt.
„Das war eine Schussverletzung, hier hat eine Kugel gesteckt. Darunter ist Narbengewebe, keine Muskelverhärtung.“ Der Tätowierer, der das Drachentattoo, das sich über seinen gesamten Rücken bis auf die Oberarme zog, an den vernarbten Stellen nachgestochen hatte, hatte wirklich gute Arbeit geleistet. Es war nicht mehr viel davon zu sehen.
„Eine Schussverletzung?“, echote sie. Auch wenn er ihr Gesicht nicht sehen konnte, da er auf dem Bauch lag, konnte er ihre Neugierde deutlich heraushören.
„Ja, ich war zur falschen Zeit am falschen Ort“, erwiderte er lapidar.
Sie schien zu spüren, dass er nicht darüber reden wollte, und ging dazu über, ihn ausgiebig zu dehnen.
Nach und nach entspannte er. Teilweise musste er die Zähne zusammenbeißen und sich zwingen, locker zu bleiben. Doch beim Aufstehen hinterher merkte er eine deutliche Verbesserung – er fühlte sich wie neugeboren.
„Es war wundervoll, khop khun khrap“, bedankte er sich. Er gab ihr noch ein reichliches Trinkgeld und versprach, baldmöglichst wiederzukommen.

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Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Ute Bareiss auf ihrer Website.



'Mederia 2: Kampf um Tetra' von Sabine Schulter

Das beschwerliche Abenteuer durch das Himmelsgebirge liegt hinter Lana und ihren Gefährten. Der Weg hat ihnen viel abverlangt, doch ihr Ziel, die Menschenstadt Tetra, liegt nun direkt vor ihnen. Dort wollen sie die dunklen Mächte davon abhalten, in den Norden einzudringen und alles Leben zu zerstören.

Daher werden Lanas Fähigkeiten in den kommenden Schlachten gebraucht, um den verteidigenden Völkern einen Lichtblick in der beinahe ausweglosen Situation zu geben. Sie soll zur Botin der Götter werden.

Aber ist sie dafür schon bereit?

Band 2 der Mederia-Reihe.

Gleich lesen: Mederia 2: Kampf um Tetra

Leseprobe:
Als sie schließlich zu Gray trat, fühlte sie sich erfrischt und bereit für das, was ihr Freund ihr zeigen wollte. Dieser öffnete ihr galant die Fensterflügel und gab ihr mit einer Geste den Vortritt. Zaghaft trat Lana an den tiefen Abgrund, der nur durch ein zartes, hüfthohes Gitter gesichert war.
„Bei allen Göttern, ist das hoch“, flüsterte Lana bang, als sie hinab auf die weit unter ihr liegende Stadt schaute, während Sinsa die Form eines kleinen Vogels annahm und vorausflog.
„Und das ist genau das, was du brauchst, um dich richtig frei zu fühlen“, meinte Gray. „Wenn weit unter dir nichts ist, kannst du dich im Notfall immer noch fangen, wenn du einen Fehler machst. Aber das wirst du nicht. Du hast in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht. Du hast alles gelernt, was du brauchst, um den Tanz mit dem Wind zu meistern. Nur deine Angst hält dich noch auf.“
„Und leider ist die schwer zu besiegen.“ Schaudernd wandte sie sich ihm zu.
Grays dunkle Augen musterten sie eingehend. Dann trat er einen Schritt näher. „Vertraust du mir, Lana?“
Er sagte es ernst und ohne seinen Blick von ihr zu nehmen und sie brauchte keine Sekunde zu überlegen. „Natürlich.“
Ein feines Lächeln zeigte sich um Grays Mund. „Dann komm, und denk nicht nach.“
Er reichte ihr eine Hand und sie legte ihre nach einem tiefen Atemzug hinein. Sogleich stieg Gray auf die schmale Brüstung und zog Lana mit sich. Obwohl sie ahnte, was er vorhatte, schrie sie trotzdem überrascht auf, als er sich in die bodenlose Tiefe fallen ließ.
Sie hatte ihre Schwingen doch noch gar nicht materialisiert!
Gray öffnete indes die seinen und hielt den unkontrollierten Sturz auf, packte ihre Hand fester und warf sie, durch ihren eigenen Schwung getragen, weit in die warme Sommernacht hinaus. Erneut schrie sie, fand aber trotz der beängstigenden Situation den Punkt in sich, mit dem sie ihre Schwingen hervorrufen konnte. In einem goldenen Funkenregen erschienen sie und wie von selbst suchte sie die richtige Stellung, um ihren Sturz aufzufangen.
„Mach das ja nie wieder!“, schrie sie Gray an, der mit einem Lachen zu ihr aufholte.
„Wieso? Du hast das doch sehr gut hinbekommen. Ich hatte keine Sekunde Angst um dich. Sieh wie viele Meter noch zwischen dir und der Stadt liegen.“
Sie blickte hinab und tatsächlich: Die ersten Häuser befanden sich noch gut einhundert Meter unter ihr. Sie verstand plötzlich, dass die Höhe kein Feind für sie darstellte, sondern das genaue Gegenteil davon war.
„Komm, ich will dir etwas zeigen“, sagte Gray und flog mit schweren Flügelschlägen hinauf in die Schwärze des Himmels.
Da sie sich nicht abhängen lassen wollte, folgte sie ihm, benutzte dabei das Wissen und Können, das er ihr in den letzten Wochen beigebracht hatte. Und es klappte gut. Die Nacht stellte sich als willkommener Verbündeter heraus. Mit ihr sah Lana nicht, wie viel Nichts sich unter ihr befand. Ihre Furcht verflog in dem beständigen Wind, der ihr durch das Haar, die Kleidung und an ihren Schwingen entlang strich.
Gray hielt für einen Moment in seinen Schlägen inne, zog die Schwingen an und brachte sich somit auf ihre Höhe zurück. „Kannst du noch weiter?“
„Ja“, stieß sie hervor, denn trotz ihrer Worte nahm ihr die Höhe den Atem.
„Es ist nicht mehr weit“, versicherte er ihr.
Immer weiter führte Gray sie hinauf, flog Sinsa hinterher, der sie beide wie ein kleiner Stern leitete. Bis plötzlich kühle Feuchtigkeit sie umschloss und ihr Blickfeld auf wenige Meter schrumpfte, was Lana nur daran erkannte, dass die Lichter unter ihr verschwanden.
„Gray!“, rief sie erschrocken.
„Keine Angst, es sind nur Wolken. Du musst noch ein paar Meter hinauf.“
Ihm vertrauend schlug sie weiter mit den Flügeln. Die Feuchtigkeit fühlte sich unangenehm auf der Haut an und lief bereits in dicken Tropfen über die Membranen ihrer Schwingen. Trotzdem folgte sie Gray.
Ihre Kraft erlahmte langsam, bis sie plötzlich durch die Wolkendecke brach.
Lana stockte der Atem, als sie auf all die Wolkentürme um sich herum sah, die von dem sanften Schimmer der beiden Monde hoch über ihnen erstrahlt wurden. Es wirkte wie ein Gebirge aus bauschigen Gebilden, die herrlich weich und ihr durch die Dunkelheit einladend vorkamen. Am liebsten hätte sie sich direkt hineingeworfen, wenn sie nicht gewusst hätte, dass sie sie nicht tragen würden.
„Wunderschön, oder?“, fragte Gray, der kräftig mit seinen Schwingen schlagen musste, um sich auf einer Stelle zu halten. Die Wolken wallten dadurch auf und ließen ihn zusammen mit dem wagen Licht beinahe mystisch aussehen.
„Ja, es ist traumhaft“, gab Lana verzaubert zu, ehe sie sich weiter umsah.
Sinsa schien vollkommen in seinem Element. Wie ein Fisch im Wasser sprang er durch die Wolken, tauchte immer wieder in sie ein und daraus hervor. Wie ein kleiner, verspielter Stern.
„Hast du Lust auf eine weitere neue Erfahrung?“, fragte Gray und riss sie damit aus ihrer Betrachtung. Seine Augen leuchteten bei den Worten auf, wodurch Lana begeistert nickte. Wenn es genauso schön wie diese Aussicht war, freute sie sich bereits darauf.
Vorsichtig kam Gray näher, immer darauf bedacht, ihren Schwingen nicht in den Weg zu kommen. Er passte sich dabei exakt ihren Flügelschlägen an. Sie selbst hätte dieses Meisterstück wohl nicht bewerkstelligen können, aber Gray schaffte es mit Leichtigkeit und kam so nah, dass Lana seine ihr entgegengestreckten Hände umfassen konnte.
„Nicht erschrecken“, sagte er noch, als er seine Schwingen um sich schlang und seitlich in die Tiefe kippte.
Bereits zum dritten Mal in dieser Nacht schrie Lana laut auf, konnte dem Zug von Grays Schwung aber nichts entgegensetzen und wurde mit ihm in die Tiefe gezogen. Unglaublich schnell stürzten sie durch die Wolken und nun kamen die Lichter Tetras wieder näher.
„Schließ die Schwingen und genieß das Gefühl des freien Falls, Lana“, rief Gray über das Rauschen des Windes hinweg.
„Das kann ich nicht!“, schrie sie entsetzt.
„Natürlich kannst du. Schließ die Augen und lass deine Angst los. Vertrau mir“, redete Gray beruhigend auf sie ein.
Mit weit aufgerissenen Augen suchte sie seinen Blick, sah darin die bekannte Wärme und die typische Ruhe. Gray wusste, was er tat und daher schloss sie tatsächlich ihre Schwingen, jedoch nicht die Augen. Sie hielt Grays Blick, ließ seine Ruhe auf sich übergehen und warf alle Angst von sich.
Nun hatte sie genügend Platz in ihrem Inneren, um das grandiose Gefühl der scheinbaren Schwerelosigkeit zu spüren, und zu genießen, wie der Wind und die Welt an ihr vorbeizogen und sie völlig losgelöst von allem war.
Gray sah ihr die Veränderung wohl an, denn er lächelte erfreut und ließ ihre Finger los. Zusammen fielen sie noch ein Stück, ehe er seine Schwingen um eine Winzigkeit öffnete. Lana ahmte ihn nach und ihr Fall wurde etwas gebremst. Sie bekam die Gewalt über ihren Flug zurück, konnte den Wind in die Richtung lenken, die ihr beliebte, und strebte in einer ineinander gedrehten Spirale weiter dem Boden entgegen, immer im Gleichklang mit Grays Bewegungen.
Nie hätte sie erwartet, dass sie dies so sehr genießen würde. Sie schloss die Augen und breitete die Arme aus. So also fühlte sich grenzenlose Freiheit an. Aber leider kamen sie viel zu schnell dem Erdboden nahe.
„Du musst deinen Fall jetzt auffangen“, rief Gray, öffnete seine Schwingen ganz und schlug einmal damit.
Lana tat es ihm gleich, fing sich und folgte dann Gray, der auf die große Grünfläche rund um den Fluss mitten zwischen Tetras Häusern zustrebte. Sie war so sehr in den Flug vertieft gewesen, dass sie gar nicht gemerkt hatte, dass sie ihr überhaupt nahegekommen waren. Lachend landete sie auf dem weichen Gras am Ufer des Flusses.
„Das war großartig!“, rief sie aus und wirbelte zu Gray herum, der hinter ihr aufsetzte. Sinsa flatterte glücklich über den gemeinsamen Flug um sie herum. „Weißt du eigentlich, wie gut du es hast, dass du dieses Erlebnis bereits als kleines Kind genießen konntest?“
Gray lächelte wissend, faltete seine Schwingen zusammen und kam zu ihr. „Also gefällt es dir?“
„Absolut! Wie frei es sich anfühlt, durch die Luft zu gleiten, zu wissen, dass man jede Richtung einschlagen kann, die man will, den Boden tief unter sich zu sehen und das schöne Gefühl, wie der Wind an einem entlang streicht, zu spüren. Es ist traumhaft schön!“
Grays Lächeln darauf war warm und Lana sah die Freude über ihre Worte in seinen dunklen Augen, fühlte sie sogar durch ihre Verbindung.
„Es tut gut, das von dir zu hören“, verriet er ihr.

Im Kindle-Shop: Mederia 2: Kampf um Tetra

Mehr über und von Sabine Schulter auf ihrer Website.



2. Juni 2017

'Der Maulwurf aus Moskau' von Eddy Zack

Martin arbeitet in der streng geheimen Entwicklungsabteilung der Air-Sliver in Wien, die in das lukrative Drohnen und Lenkwaffengeschäft einsteigen will. Sein richtiger Name ist Vladimir, er ist Russe und er arbeitet für den russischen Geheimdienst.

Doch wer sind tatsächlich seine Auftraggeber? Immer tiefer gerät Martin alias Vladimir in einen gefährlichen Sog aus Spionage und Gegenspionage, und bald weiß er selbst nicht mehr, für wen er arbeitet.
Gleich lesen: Der Maulwurf aus Moskau: oder ... Der Doppelagent

Leseprobe:
Der Gefangene P37 saß zusammengekauert auf einem Holzschemel. Er war unbekleidet. Es war nicht wichtig. Nichts war wichtig, nicht einmal der Tod.
Ein kleiner Raum, etwa zwei Mal zwei Meter. Kahle, schmutzig-graue Betonwände, sehr hoch, vier Meter. Es stank nach Abwasser und Fäkalien. Durch ein vergittertes Loch weit oben drang diffuses Licht. Der hölzerne Schemel war mit breiten, eisernen Winkeln am Boden befestigt.
Totenstille.
Wie lange saß er dort? Minuten, Stunden, Tage? Es gab keine Zeit mehr. Er zitterte am ganzen Körper, seine Finger waren von Kälte blau verfärbt. Er klemmte die Hände unter die Achseln, um sie zu wärmen. Er musste pinkeln. Der Urin lief warm an seinen Beinen hinunter, tropfte auf den Zementboden.
Nicht grübeln, den Kopf abschalten wie ein zu lautes Radio. An etwas Schönes denken, an Moskau, den winterlichen Gorki-Park, fröhliche Menschen. Zwischen den Büschen und Bäumen türmen sich hoch aufgeschüttete Berge aus Schnee. Auf den zugefrorenen Teichen drehen mit dicken Pelzmützen und Handschuhen vermummte Schlittschuhläufer kunstvolle Pirouetten.
Seine Gedanken verselbstständigten sich und er ist im sommerlichen Alexandergarten, nicht weit vom Kreml. Auf den Bänken sitzen alte Leute, reden, scherzen miteinander.
Neben ihm geht eine Frau. Er erkennt sie am Parfüm, es ist Tatjana. Die Moskowiterinnen benutzen es großzügig, schweben auf Duftwolken. Er sieht die schmusenden Paare auf dem Rasen und legt einen Arm um Tatjana. Glücksgefühl erfasst ihn, er lächelt, will sie an sich ziehen, ihr ins Haar greifen.
Eine Stimme riss ihn zurück in die Wirklichkeit; eine tote Stimme, geschlechtslos.
»P37, wie oft haben Sie Ihre Kontaktperson getroffen?«
»Einmal in der Woche … das habe ich doch schon so oft gesagt«, flüsterte er.
Keine Antwort. Diese wie alle Fragen hatte er unzählige Male beantwortet. Wie oft sie ihn verhört haben, wusste er nicht, auch nicht, wie lange er jetzt im Untersuchungsgefängnis saß. Hätte man ihm gesagt, es wäre einen Monat – er hätte es geglaubt. Auch ein Jahr. Erst verliert man seine Würde, dann die Zeit.
»War es ein Mann oder eine Frau?«
Immer wieder dieselben Fragen.
»Meistens eine Frau.«
»Deutsche, Amerikaner? Sprachen die Personen mit Akzent?«
»Deutsche … glaube ich.«
»Aus Dresden?«
»Ich weiß nicht. Sächsischer Akzent.«
Es kamen keine weiteren Fragen und er versuchte, zu seinen Tagträumen im sommerlichen Park zurückzukehren, zu Tatjana. Es gelang ihm nicht. Er faltete seine Hände und legte die Zeigefinger aneinander, wollte an Moskau denken. Die Zeigefinger waren für Moskau, die Mittelfinger für Sankt Petersburg, Ringfinger für die Reise mit Tatjana auf die Krim ans Schwarze Meer. Damals, während seines ersten Lebens, vor dem Gefängnis. Seine Finger waren so etwas wie Erinnerungsstützen, Krücken, mit denen er sich von einem Universum in ein anderes versetzte.
Die Daumen waren für seine Mutter. Wenn er sie fest aneinanderdrückte, dachte er an sie. Wenn er dabei die Augen schloss, erinnerte er sich so deutlich an seine Mutter, als stände sie neben ihm. Er glaubte, ihre Hand zu spüren, wie sie ihm über den Kopf streicht, und er ist noch ein kleiner Junge. Er sieht sie vor sich mit ihren dicken Filzstiefeln, die sie im Winter auch in der Wohnung trägt. Die Heizung funktioniert nicht gut, der Fußboden ist sehr kalt.
Er sieht ihren bunten, knöchellangen Rock, das Kopftuch in die Stirn gezogen mit einem dicken Knoten unter dem Kinn, eine wattierte Jacke um die Schultern. Sie klopft an die Tür der Nachbarin. In den Wald wollen sie fahren, Pilze sammeln. Lange Strecken müssen sie in Trambahn und Bus sitzen, zigmal umsteigen. Oder sie fahren auf einen weit entfernten Schwarzmarkt außerhalb Moskaus, von dem man sich erzählt, es hätte gestern dort Hühner, Tomaten, Kartoffeln oder sonst etwas Gutes gegeben.
Seiner Mutter und der Nachbarin hatte er eine kleine Ecke im Gemeinschaftskeller abgezweigt, wo sie Holzfässer mit Sauerkraut aufbewahrten, die hölzernen Deckel mit einem Stein beschwert. Im Keller standen viele solcher Fässer und die blubbernden Gase des Gärprozesses drangen über die Kellertreppe in den Flur, zogen bis unter das Dach. Drückte er die Daumen gegeneinander, roch er Sauerkraut.

Im Kindle-Shop: Der Maulwurf aus Moskau: oder ... Der Doppelagent

Mehr über und von Eddy Zack auf seiner Website.

'Nugruum: Im Bann dreier Welten' von Selena M.

Mehr als 130 Jahre ist es her, seit das Volk der Enedeth mit einer Flotte vor Keshenja landete, um das Land einzunehmen. Doch nach der 'Schlacht, die keine war', schenkte man den Enedeth eine Provinz im Süden des Landes, auf dem sie sich ansiedeln dürften. Narosh, der seit seiner frühen Kindheit in ChanDe aufwuchs, erweckte das Interesse und Mitgefühl von MeddjnShijien, die ihn als jungen Mann aus dem Gefängnis befreite. Mit ihr und zahlreichen Fürsprechern erreichte Narosh schließlich Rang und Namen und führt seitdem das Freiwilligenheer in Keshenja gemeinsam mit der Raumwanderin Vivien.

Als Malesh, Vorsitz des Hohen Rates, Narosh zu sich bittet, ahnt dieser noch nicht, welche Rolle ihm in wenigen Tagen in der Magier-Akademie zufallen wird. Düstere Vorahnungen begleiten ihn auf dem Weg zu Meddjn, Magierin der Obersten Stufe, ausgesprochen von ihrer Tochter, der er Begleitschutz bieten soll. Als Meister Theráen vom Gelehrtenrat mit zwei Artefakten für eine genauere Untersuchung zu den Magiern kommt, wendet sich das Schicksal zum Schlechten. Ein Fluch, der Meddjn und Travnéel befällt, zwingt Narosh zu raschem Handeln. Ratlos ob dieser ausweglosen Situation entschließt man sich zu dem Wagnis einer Reise, die nicht nur für Narosh eine Erfahrung der ganz besonderen Art wird.

Aus den Chroniken von Aneth - Band 4.

Gleich lesen: Nugruum: Im Bann dreier Welten (Aus den Chroniken von Aneth 4)

Leseprobe:
Wir beeilten uns. Weshalb Vivien so plötzlich dorthin wollte, konnte ich allenfalls erahnen. Wieder gemahnte ich mich daran, dass sie als Menschenfrau oftmals überstürzt handelte. Immerhin schienen Noál und Malesh die Situation recht gut unter Kontrolle zu haben, sonst stünde der Berg nicht mehr vor uns. Allzu weit entfernt war es ebenfalls nicht. Etwa knapp eine Meile in nordöstliche Richtung hin zum Grenzgebirge, deren Ausläufer im Landesinneren leicht abflachten. Hier jedoch ragte das Felsgestein in die Höhe mit lediglich den Steilklippen im Süden als natürliche Grenze, welche die schäumende Brandung des LakražNal in Schach hielten.
Das Anwesen schien wie eine einzige großflächige, grüne Oase, außerhalb blieb der Boden staubtrocken. Ein paar vereinzelte Pinien, strohige Grasbüschel, rauer Sand, der unter den Stiefeln knirschte. Schon von weitem konnten wir Nyrián und den jüngeren Gelehrten erkennen, die je links und rechts postiert am Eingang zur Höhle warteten. Allzu besorgt sahen sie nicht aus.
Diesen eigentümlichen Gleichmut teilten sich die Enedeth mit den Keshenjanea. Das Helle Volk nannte es Leben, wir Schicksal, und gleichgültig, wie wir es nannten, wir nahmen hin, was wir nicht ändern konnten. Konnten wir etwas ändern, kämpften wir, und seit etwa hundertfünfzig Jahren sogar Seite an Seite.
Vivien interessierte Gleichmut herzlich wenig. Der Höhleneingang war doppelt so hoch wie sie, und breit genug, um zu dritt bequem nebeneinander gehen zu können. Ohne die beiden zu beachten, rauschte sie an ihnen vorbei, ohne auch nur daran zu denken, sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Den teilnahmslosen Gesichtern nach zu urteilen, gab es auch nicht viel Neues.
Wie ein anhänglicher Schatten folgte ich ihr. Im Gegensatz zu den Keshenjanea störte das Wilde Volk sich nicht weiter an den dunklen, finsteren Gängen einer Höhle, dem staubigen Geruch, dem Moder und unwegsamen Geröll. Ohnehin lag es meines Wissens nur an ihrer penetranten Eitelkeit, weswegen sie Höhlen mieden. Allzu viel Dreck und Schmutz schien ihnen geradezu körperliche Schmerzen zu bereiten. Nachdem ich Malesh Bericht gelesen hatte, glich es in meinen Augen geradezu an ein Wunder, wie er es mehr als einen Tag lang unter einem Berg ausgehalten hatte, ohne den Verstand zu verlieren.
Von Vivien wusste ich, dass ihr etwas Staub, Dreck und Geröll ebenfalls nichts ausmachte, solange sie von ekligen Tieren verschont blieb. Die Hast, mit der sie nun durch den Gang eilte, lag allerdings vor allem in ihrer Furcht um Noál begründet. Helle Schlieren zogen sich an den Wänden entlang, schimmerten im typisch bläulichen Schein der Che~Lenja, und erleichterten das Vorankommen.
Dieses Gebirge war alt. Selbst ich konnte dies an den Schichten der Sedimente erkennen, mit denen die Höhlenwände geziert waren. Der LakražNal hatte ebenfalls zur Korrosion des Felsgesteins durch Jahrtausende hindurch beigetragen. Allein die Meister der Gesteine und Reijiesh wussten, wie stabil diese Höhle war, denn sie waren es auch gewesen, die sie mit Meddjns Hilfe erschaffen hatten.
Nach einigen Windungen hielt Vivien derart abrupt an, dass ich fast in sie hineingelaufen wäre. Über ihre Schulter hinweg sah ich eine dunkle Gestalt, die auf einem Schemel hockte, tief vornübergebeugt und mit dem sanft glimmenden Schwert Fár~Nashjienáll lose in der Armbeuge. Die Spitze zeigte nach unten, der Griff hingegen stand beunruhigend nahe in Schulterhöhe.
„Da bist du ja, Vivien“, hörte ich die Stimme des Mehedan, der daraufhin laut sein Buch zuklappte, ohne sich umzudrehen. Vivien eilte zu ihm und kniete vor ihm nieder. Zärtlich küsste sie ihn, legte das Buch zu Boden und strich ihm über den blonden Haarschopf.
„Schneller ging es nicht. Sogar zwei Phiolen habe ich getrunken, damit ich dir beistehen kann. Mit tut jeder Knochen weh.“
„Warum hast du dich nicht erst etwas hingelegt? Du siehst grauenhaft aus. Konntet ihr denn unterwegs nicht baden?“
„Ah … haben wir. Aber das nützt eben auch nicht viel, wenn man gleich darauf wieder aufs Pferd springt und wie der Teufel reitet.“
„Herr Narosh“, sah Noál zu mir auf und winkte mich zu sich. “Ihr habt doch hoffentlich gut auf sie geachtet? Sie ist unsicher, wenn sie so schnell reitet.“
„Ich blieb neben ihr, um im Notfall eingreifen zu können. Ihr Leben ist bei mir in guten Händen.“
„Natürlich“, grinste Noál so unvermittelt, dass mir die Röte ins Gesicht stieg. Ich dankte den Göttern, dass es hier zu dunkel war, um es zu bemerken. Verstohlen lugte ich zu Vivien, die verdrossen die Lippen verzog, sich räusperte und schließlich aufstand.
Wir befanden uns im Eingang eines großen Gewölbes. Vier Zellen gab es, zwei zu jeder Seite, die mit breiten, robusten Metallstäben gesichert waren. Die Stäbe waren tief ins Gestein getrieben worden, um es den Magiern nicht allzu leicht zu machen, zu entkommen. Meddjn hätte es jederzeit gekonnt, da war ich mir sicher. Travnéel, der in einer Zelle ihr schräg gegenüber war, konnte sich nicht befreien. Die Fähigkeit der Meister der Gesteine beherrschte er kaum, die der Reijiesh hatte er bisher nicht erlernt. Somit ging die größere Gefahr von Meddjn aus, doch die saß müde auf der Bettkante in ihrer Zelle und hob kaum den Blick.
Es war Travnéel, der kaum acht Schritt von Noáls Schemel entfernt nun zu den Gitterstäben ging, die Hände wie so oft hinter dem Rücken verschränkt, und zu mir sah:
„Du! Dass Ihr Euch überhaupt noch hierher traut? Meine Freundschaft bot ich Euch an, und Ihr habt mich hintergangen.“
„Aus der Not heraus“, würgte ich hervor und stellte mich neben Noál, der vorsichtshalber den Griff seines magischen Schwertes in die Hand nahm. Seine offene, freundliche Miene war einer wachsamen Kälte gewichen, mit der er den Magier beobachtete. Ich straffte meine Schulter und bot Travnéel soweit die Stirn, wie ich es wagte, ohne in tausend Eissplitter zu zerspringen.
„Euch stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, mich zu töten, mir bleibt nur die List.“
„Euch wollte ich doch überhaupt nicht!“ donnerte der Magier ungehalten los.
Die Kälte, die mit einem Mal zu mir herüberschwappte, ließ mich allerdings befürchten, dass er es sich gerade anders überlegte. Frost und Eis griff nach uns. Der Boden in der Zelle gefror, Eiskristalle wanden sich die Gitterstäbe entlang. Intuitiv wich ich einen Schritt nach hinten aus, als mich Vivien auch schon grob beiseite schob und energisch auf die Zelle zutrat. Angst schien sie keine zu haben. Sie umklammerte die von Frost überzogenen Stäbe und schaute Travnéel, der keine zwei Schritt vor ihr stand, wutentbrannt in die kalten Augen.
„Wenn du schon nichts Nettes zu unserer Begrüßung zu sagen hast, dann sage am besten gar nichts. Wegen dir und Meddjn bin ich acht Tage lang quer durch Keshenja geritten. Ich bin müde, ich bin hungrig, und mir tut jeder Knochen weh. Und einen halben Mond lang hat Narosh mehr auf dem Rücken eines Pferdes verbracht als auf dem Boden. Etwas Dankbarkeit wäre also angebracht. Und alles wegen deiner blöden Neugierde und deinem Ehrgeiz. - Und wohin hat dich das gebracht, Trav? In eine Zelle, und aus der hole ich dich und Meddjn wieder heraus. Keine Ahnung, wie, aber ich schaffe das. Dir und Meddjn zuliebe. Also halte einfach deinen dummen Mund und reiß dich zusammen. Das ist das Mindeste, was man von dir erwarten kann.“
Der Magier starrte Vivien fassungslos an, gleich darauf wankte er einen Schritt nach hinten und ließ sich zu Boden sinken. Mit beiden Händen begrub er seinen Kopf, während sich die unmittelbare Umgebung wieder auf normale Temperatur erwärmte.

Im Kindle-Shop: Nugruum: Im Bann dreier Welten (Aus den Chroniken von Aneth 4)

Mehr über und von Selena M. auf ihrer Website.