16. November 2018

'15 Tage' von Rosemarie Benke-Bursian

Kindle Edition | Amazon | Thalia
Dieser Krimi entstand unter Mitwirkung der Coautoren Jonas Höbenreich und Veronika Otto.

Der fast sechzehnjährige Leo Förster aus Tutzing ist verschwunden. Aus heiterem Himmel. Einfach weg.

Was ist geschehen? Ist er weggelaufen? Ist ihm etwas zugestoßen? Sagt sein Freund David die Wahrheit oder verschweigt er etwas? Und wer ist diese geheimnisvolle Person, mit der Leo sich angeblich vor seinem Verschwinden getroffen hat? Gibt es sie überhaupt?

Immer wieder stecken die Polizistin Abby und der Hauptkommissar Georg hoffnungslos fest. Je mehr sie über Leo erfahren, umso rätselhafter erscheint sein Verschwinden. Da meldet sich ein weiterer Zeuge …

Zwei Wochen spannungsgeladener Suche halten die Ermittler in Atem, bis schließlich an Tag 15 auch das letzte aller Rätsel gelöst ist.

Leseprobe:
Frau Förster stürmte so aufgewühlt in das Starnberger Polizeirevier, dass sie das Schiebefenster im Vorraum vollkommen übersah. Erst die Tür zum eigentlichen Eingangsbereich stoppte ihren Lauf. Die zwei Beamten hinter dem Tresen blickten sie fragend an. Der jüngere der beiden kam zum Schalter und schob das kleine Fenster auf. »Wie können wir Ihnen helfen?«
»Mein Sohn ist weg! Sie müssen ihn bitte sofort suchen!«
Der Beamte betätigte den Türöffner und ließ Frau Förster in das Vorzimmer eintreten. »Was meinen Sie denn mit weg?«, fragte er.
»Weg halt. Verschwunden! Nicht im Bett.«
»Beruhigen Sie sich erst mal, gute Frau. Und dann erzählen Sie der Reihe nach, was passiert ist«, mischte sich nun der ältere Polizist ein.
»Leo wollte sich gestern Abend mit seinem Freund David treffen und ist nicht mehr nach Hause gekommen. Sein Bett war unberührt.«
»Wie alt ist denn Leo?« Der jüngere Beamte hatte einen Telefonhörer in die Hand genommen.
»Fünfzehn. Wie David.« Sie machte eine kurze Pause. »Nächsten Monat wird er sechzehn.«
Der Polizist legte den Hörer aus der Hand. »Fünfzehn? Kann es nicht sein, dass er einfach bei David übernachtet hat?«
»Da habe ich natürlich zuerst angerufen. Da ist er nicht. David hat keine Ahnung. Leo ist gar nicht zum Treffen gekommen.«
Der Beamte schien einen kurzen Moment zu überlegen: »Haben Sie schon im Krankenhaus angerufen? Vielleicht hatte er einen Unfall?«
»Ja, beim Tutzinger Krankenhaus. Aber da ist er nicht.«
»Dann starte ich mal kurz einen Rundruf in die umliegenden Kliniken, um sicherzustellen, dass er nicht dort irgendwo eingeliefert wurde. Wie ist ihr Familienname?«
»Förster. Aber ich kann mir nicht denken, dass Leo aus Tutzing raus ist. Nicht freiwillig.«
»Verstehe«, sagte der Beamte und hackte heftig auf die Computertastatur ein, »trotzdem kann er in einem anderen Krankenhaus liegen. Hier im Landkreis sind die Betten ja schnell gefüllt, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert. Dann bringt ein Rettungswagen ihren Jungen notfalls sogar nach Murnau oder München.« Der Beamte schaute Frau Förster freundlich an. »Die Jungs fahren so lang, bis sie eine Klinik gefunden haben.«
»Natürlich.« Leos Mutter schaute mit flackerndem Blick zum Computer, dessen Bildschirm für sie nicht einsehbar war. Unschlüssig senkte sie den Kopf. »Und wie lange dauert das? Bis Sie Bescheid wissen, meine ich?«, fragte sie schließlich.
»Da können wir jetzt drauf warten. Bei einer polizeilichen Anfrage reagieren die sofort.«
Frau Förster fixierte ihre Fingernägel, an denen sie herumzupfte.
Der Polizist schaute auf den Bildschirm. Offensichtlich trafen schon die ersten Antworten ein. »Nein, in einem der abgefragten Krankenhäuser liegt er nicht«, sagte er schließlich und griff abermals zum Hörer: »Ich rufe Ihnen jetzt mal meine Kollegin Smith. Bei der können Sie eine Vermisstenanzeige aufgeben.«
Die herbeigerufene Kollegin stellte sich als Abbygail Smith vor und reichte Leos Mutter die Hand.
»Förster«, sagte diese und folgte der Polizistin in einen kleinen kahlen Raum mit einem Tisch und zwei Stühlen.
»Setzten’S sich«, sagte Frau Smith und legte eine schwarze Mappe und einen Laptop auf den Tisch. »Möchten’S ein Glasl Wasser oder einen Kaffee?«
Frau Förster schüttelte den Kopf. »Nein, nein. Suchen Sie lieber meinen Sohn.«
»Jetzt nehm ich erst mal eine Vermisstenanzeige auf und dafür bräucht ich von Ihnen ein paar Angaben.«
Während die Polizistin alle Daten zu Leo und seinem Verschwinden aufnahm und fragte, ob er noch bei anderen Freunden sein könnte, ob es Ärger in der Schule oder zu Hause gab, oder ob er schon öfter über Nacht fortgeblieben war, wurde Leos Mutter zusehends ungeduldiger. »Nein, nein. Er ist noch nie einfach fortgeblieben. Ihm ist bestimmt was passiert!« »Wann ham’S ihn denn zuletzt gsehn oder gsprochn?«
»Warten Sie mal. Das war …« Frau Förster legte eine Hand aufden Mund. »Das war so gegen vier Uhr, glaube ich. Oder war es doch schon fünf? Ich hatte noch ein bisschen Kuchen übrig, aber den wollte er nicht. Wollte sich mit seinem Freund David treffen.« Frau Förster schlug sich erneut die Hand vor den Mund. »Ist fort, ohne noch mal was zu essen. Bitte fangen Sie doch mit der Suche an!«, flehte sie und ihre Augen wurden wässrig.
»Bleibn’S ruhig. Fast alle verschwundenen Kinder und Jugendlichen tauchen innerhalb von vierazwanzg Stunden wieder auf.«
»Aber … aber so lange können Sie doch nicht warten!« Frau Förster schnappte nach Luft, erhob sich ein Stück vom Stuhl, um sich zu Frau Smith hinüberzubeugen, ihre Stimme überschlug sich.
»Natürlich warten wir net so lang, auch wenn viele Leut glauben, die Polizei würd erst nach vierazwanzg Stunden anfangen zum suchen. Des ist natürlich ein Schmarrn. Unsre Suche richtet sich nach der möglichen Gfahr und den Hinweisen. Bei kleinen Kindern suchen wir immer. Sofort«, sagte Frau Smith, mit Betonung der beiden Wörter immer und sofort. »Bei Erwachsenen suchen wir dagegen oft gar net. Die haben nämlich die Freiheit, einfach zu verschwinden.«
»Leo ist aber nicht erwachsen!« Frau Förster hatte sich wieder gesetzt, kramte in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch und tupfte sich die Augenwinkel.
»Na, aber der ist fast sechzehn. Bei Jugendlichen müssen wir abwägen. Die überschreiten gern Grenzen. Ist ja auch net verkehrt, die müssen sich ausprobiern.«
»Leo würde niemals freiwillig von zu Hause wegbleiben! Niemals!« Frau Förster legte beide Hände vor sich auf den Tisch und lehnte sich erneut weit zu der Polizistin hinüber.
»Ihr Junge wird bstimmt bald wieder zurückkommen«, versuchte diese zu beschwichtigen. »Natürlich darf der sich net einfach aufhalten, wo er möcht. Ich nehm Ihre Sorge schon ernst. Er hat doch sicher ein Handy dab…«
»Da geht immer nur die Mailbox ran. Und das ist auch ganz ungewöhnlich.«
»Na ja, möglicherweise ist ja nur der Akku leer, das hat ja nix zum sagen. Wir werden jetzt auf jeden Fall eine Handyortung und eine Fahndung veranlassen. Dafür bräucht ich aber auch noch ein Foto. Ham’S zufällig eins dabei? Möglichst aktuell?«
Frau Förster stutzte. Dann griff sie in ihre noch geöffnete Handtasche. »Ich habe ein paar Bilder von unserem letzten Ausflug aufs Hörnle in meiner Tasche. Das war zwar im Herbst, Leo hat sich aber seitdem kaum verändert.«
»Zeign’S mal. Wir bräuchten natürlich eins, worauf man den Leo gut erkennt.«
Frau Förster reichte Abbygail Smith die Fotos über den Tisch.
»Ach, des ist gut. Können wir des nutzen?«
»Ja, ja! Nehmen Sie nur. Alles, was Sie brauchen. Hauptsache Sie finden Leo.«
»Ich werd mich jetzt mit meinen Kollegen besprechen.« Frau Smith legte das Foto in die schwarze Mappe und verließ den Raum. »Warten’S einen Moment, ich hol schnell das Protokoll aus dem Drucker.«
Während Frau Förster wartete, nahm sie die restlichen Fotos in die Hand. Von einem strahlte ihr Leo fröhlich entgegen. Rasch verstaute sie das Bild, Leos Lachen war mehr als sie in dieser Situation ertragen konnte. Beinahe dankbar registrierte sie, dass die Polizistin zurückkam.
»Gehen’S am besten erst mal nach Haus«, sagte diese aufmunternd lächelnd, als Frau Förster zu ihr aufsah. »Vielleicht ist der Leo ja schon wieder daheim.«

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Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Rosemarie Benke-Bursian auf ihrer Website.



15. November 2018

'Der Maulwurf aus Moskau' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Martin arbeitet in der streng geheimen Entwicklungsabteilung der Air-Sliver in Wien, die in das lukrative Drohnen und Lenkwaffengeschäft einsteigen will. Sein richtiger Name ist Vladimir, er ist Russe und er arbeitet für den russischen Geheimdienst.

Doch wer sind tatsächlich seine Auftraggeber? Immer tiefer gerät Martin alias Vladimir in einen gefährlichen Sog aus Spionage und Gegenspionage, und bald weiß er selbst nicht mehr, für wen er arbeitet.

Lesermeinung: Ein hochkomplexer Agentenroman, der regelrecht nach Verfllmung schreit. In Zeichen von Wikileaks und NSA eine hochpolitische, absolut zeitgemäße Geschichte, die vermutlich nur noch von der Wirklichkeit überholt werden kann.

Leseprobe:
Der Gefangene P37 sitzt zusammengekauert auf einem Holzschemel. Er ist unbekleidet. Es ist nicht wichtig. Nichts ist wichtig, nicht einmal der Tod.
Ein kleiner Raum, etwa zwei Mal zwei Meter. Kahle, schmutzig-graue Betonwände, sehr hoch, vier Meter. Es stinkt nach Abwasser und Fäkalien. Durch ein vergittertes Loch weit oben dringt diffuses Licht. Der hölzerne Schemel ist mit breiten, eisernen Winkeln am Boden befestigt.
Totenstille.
Wie lange sitzt er dort? Minuten, Stunden, Tage? Es gibt keine Zeit mehr. Er zittert am ganzen Körper, seine Finger sind von Kälte blau verfärbt. Er klemmt die Hände unter die Achseln, um sie zu wärmen. Er muss pinkeln. Der Urin läuft warm an seinen Beinen hinunter, tropft auf den Zementboden.
Nicht grübeln, den Kopf abschalten wie ein zu lautes Radio. An etwas Schönes denken, an Moskau, den winterlichen Gorki-Park, fröhliche Menschen. Zwischen den Büschen und Bäumen türmen sich hoch aufgeschüttete Berge aus Schnee. Auf den zugefrorenen Teichen drehen mit dicken Pelzmützen und Handschuhen vermummte Schlittschuhläufer kunstvolle Pirouetten.
Seine Gedanken verselbstständigen sich und er ist im sommerlichen Alexandergarten, nicht weit vom Kreml. Auf den Bänken sitzen alte Leute, reden, scherzen miteinander.
Neben ihm geht eine Frau. Er erkennt sie am Parfüm, Tatjana. Die Moskowiterinnen benutzen es großzügig, schweben auf Duftwolken. Er sieht die schmusenden Paare auf dem Rasen und legt einen Arm um Tatjana. Glücksgefühl erfasst ihn, er lächelt, will sie an sich ziehen, ihr ins Haar greifen.
Eine Stimme reißt ihn zurück in die Wirklichkeit; eine tote Stimme, geschlechtslos.
»P37, wie oft haben Sie Ihre Kontaktperson getroffen?«
»Einmal in der Woche ... das habe ich doch schon so oft gesagt«, flüstert er.
Keine Antwort. Diese wie alle Fragen hat er unzählige Male beantwortet. Wie oft sie ihn verhört haben, weiß er nicht, auch nicht, wie lange er jetzt im Untersuchungsgefängnis sitzt. Hätte man ihm gesagt, es wäre ein Monat - er hätte es geglaubt. Auch ein Jahr. Erst verliert man seine Würde, dann die Zeit.
»War es ein Mann oder eine Frau?«
Immer wieder dieselben Fragen.
»Meistens eine Frau.«
»Deutsche, Amerikaner? Sprachen die Personen mit Akzent?«
»Deutsche ... glaube ich.«
»Aus Dresden?«
»Ich weiß nicht. Sächsischer Akzent.«
Es kommen keine weiteren Fragen und er versucht, zu seinen Tagträumen im sommerlichen Park zurückzukehren, zu Tatjana. Es gelingt ihm nicht. Er faltet seine Hände und legt die Zeigefinger aneinander, will an Moskau denken. Die Zeigefinger sind für Moskau, die Mittelfinger für Sankt Petersburg, Ringfinger für die Reise mit Tatjana auf die Krim ans Schwarze Meer. Damals, während seines ersten Lebens, vor dem Gefängnis. Seine Finger sind so etwas wie Erinnerungsstützen, Krücken, mit denen er sich von einem Universum in ein anderes versetzt.
Die Daumen sind für seine Mutter. Wenn er sie fest aneinanderdrückt, denkt er an sie. Wenn er dabei die Augen schließt, erinnert er sich so deutlich an sie, als stände sie neben ihm. Er glaubt, ihre Hand zu spüren, wie sie ihm über den Kopf streicht, und er ist ein kleiner Junge. Er sieht sie vor sich mit ihren dicken Filzstiefeln, die sie im Winter auch in der Wohnung trägt. Die Heizung funktioniert nicht gut, der Fußboden ist sehr kalt.
Er sieht ihren bunten, knöchellangen Rock, das Kopftuch in die Stirn gezogen mit einem dicken Knoten unter dem Kinn, eine wattierte Jacke um die Schultern. Sie klopft an die Tür der Nachbarin. In den Wald wollen sie fahren, Pilze sammeln. Lange Strecken müssen sie in Trambahn und Bus sitzen, zigmal umsteigen. Oder sie fahren auf einen weit entfernten Schwarzmarkt außerhalb Moskaus, von dem man sich erzählt, es hätte gestern dort Hühner, Tomaten, Kartoffeln oder sonst etwas Gutes gegeben.
Seiner Mutter und der Nachbarin hat er eine schmale Ecke im Gemeinschaftskeller abgezweigt, wo sie Holzfässer mit Sauerkraut aufbewahren, die hölzernen Deckel mit einem Stein beschwert. Im Keller stehen viele solcher Fässer und die blubbernden Gase des Gärprozesses dringen über die Kellertreppe in den Flur, ziehen bis unter das Dach. Drückt er die Daumen gegeneinander, riecht er Sauerkraut.

Im Kindle-Shop: Der Maulwurf aus Moskau
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'Rosa und Cheyenne: Eine Liebeskomödie' von Barbara Zimmermann

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Das Abi vor der Tür, Bauchkribbeln für einen Franzosen, wo sich noch klären muss, ob Blindgänger oder Jackpot, eine fantastisch quirlige und humorvolle Mutter und schließlich am Ende: DIE FRAGEN DES LEBENS.

Bei Cheyenne ist schon der Name Programm, und zusammen mit Rosa beschreiten die beiden Heldinnen des Romans einen turbulenten, jedoch liebevollen Lebensweg. Mit leichtem, witzigem und warmherzigem Ton wird über Wutausbrüche, Alltagskatastrophen und Geheimnisse berichtet. Weitere Mitwirkende: Peer (duftet nach Puma), Jacques (Frankreich, Frankreich), eine Bordeauxdogge, Baum Nr 11 auf dem Waldfriedhof und last but not least Frau Jägermeister.

Coole Eltern, starke Mädels, krasse Lebenslinien am Ende von Schule und Teenie-Zeit, alles das bietet das Buch in leichtem und witzigem Ton erzählt.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Du bist es vielleicht
Rosa und Cheyenne schlenderten durch Münchens Innenstadt. Rosa trug ihre Haare in der Farbe Rosa, passend zu ihrem Namen, wie sie fand. Ihre Schuhe hielt sie in der Hand. Mit ihrem kurzen Faltenrock, ihren mit schwarzem Kajal umrandeten Augen, ihren schlanken, langen Beinen und einem T-Shirt mit dem Aufdruck: DU BIST ES NICHT, erregte sie Aufmerksamkeit.
Cheyenne trug ihre hochtoupierten Haare in Azurblau, mit einem Sidecut, den sie mit einer auf dem Flohmarkt gekauften Hundeschermaschine regelmäßig selber schnitt. Sie trug eine blaue Hose, mit roten Hosenträgern und einem gebatikten T-Shirt darunter, dazu Plateauschuhe. An diesem Tag war sie ausnahmsweise mal ungeschminkt, ihre blauen Augen spiegelten ihre Haarfarbe wider. Aus der Auslage von Öztürks Obstladen nahm Rosa sich im Vorbeigehen einen Apfel und biss herzhaft hinein. Rosa nahm sich gerne Dinge, die ihr eigentlich nicht gehörten. Sie kaufte selbst oft bei Herrn Öztürk ein, ernährte sich gesundheitsbewusst, bis auf den Cola Korn, den sie abends im Punkkeller gerne mal trank. Herr Özturk gab ihr bei jedem Einkauf einen Apfel auf die Hand, so als Ermahnung: Ich weiß, du nimmst dir jedes Mal einen Apfel, wenn du bei mir vorbeigehst.
Rosa und Cheyenne befanden sich auf dem Weg zu einem Date. Per Internetchat hatte Rosa sich mit Attila, zweiunddreißig, intelligent, sportlich, gut aussehend, verabredet, um sich kostenlos zum Essen einladen zu lassen, bei Viva Italia einem angesagten Italiener Münchens. Kurz vor dem Lokal nahm Rosa eine blonde, langhaarige Lockenperücke aus ihrer Tasche und stülpte sich diese über den Kopf. Schließlich hatte sie sich mit einem Foto und eben dieser Perücke im Chat präsentiert.
Im Viva angekommen, erkannte sie Attila auf Anhieb, obwohl er so sportlich wie beschrieben nicht aussah, sondern eher untersetzt und kleiner als Rosa. Außerdem musste es sich bei seinem Alter um einen Zahlendreher handeln, er war höchstens dreiundzwanzig, fand sie. Rosa gab ihm mit ihrem schönsten Lächeln die Hand und hauchte ihm rechts und links ein Küsschen auf die Wange, wobei ihr sein billiges Rasierwasser in die Nase kroch und sie es als unangenehm empfand.
»Hey Attila, du hast doch hoffentlich nichts dagegen, dass meine Freundin Cheyenne mit uns zusammen isst oder stört dich das?«, fragte Rosa forsch.
Attila konnte seinen Unmut kaum verbergen. Er hatte sich von der Investition in ein Essen mit Rosa eine schnelle Nummer erhofft. Attila war verärgert, da sie mit ihrer Freundin in Azurblau erschienen war und selbst unverkennbar eine Perücke trug, wobei Attila auf blonde lange Haare stand, aber bitte natürlich.
Attilas Laune besserte sich, da es ihn wie ein Gedankenblitz durchfuhr, dass die Mädels vielleicht auf einen flotten Dreier standen. Warum sonst sollte sie ihre Freundin mitbringen?
Rosa und Cheyenne ließen beim Essen nichts aus, angefangen von einem Antipasti Teller als Vorspeise über Spaghetti con Scampi und zum Nachtisch Tiramisu samt Espresso. Er fürchtete, nicht genügend Bargeld bei sich zu haben, und auch seine EC-Karte würde nichts mehr hergeben. Rosa fragte ihn permanent aus.
Wo er wohne? Mit dem Stadtteil fiel er gleich durch. Was seine Eltern machen würden? Vater unbekannt und er wohnt noch bei seiner Mutter samt seiner vier Geschwister.
Attila rutschte mittlerweile nervös auf seinem Stuhl hin und her. Die beiden waren keine Kuschelprinzessinnen, sondern Hardcoreweiber. Er überlegte, wie er darumkommen könnte, das Essen zu bezahlen. In dem Moment schnippte Cheyenne mit ihren Fingern und bat den Ober die Rechnung für den Herrn zu bringen. Wutschnaubend legte Attila den Betrag auf den Tisch, wobei ihm jetzt ganze zwanzig Euro blieben für den Rest des Monats.

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14. November 2018

'Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters' von Olivièr Declear

Kindle Unlimited | Taschenbuch
Adelsintrigen, der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Tauchen Sie nach dem Band 1 der Reihe „Schicksalspfad des Tempelritters“ in Olivièr Declears zweiten authentischen Historienroman ein. Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Leseprobe:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

Im Kindle-Shop: Schicksalspfad des Tempelritters: Dedericus.
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'Der ganz normale Weihnachtswahnsinn' von Annette Paul

Kindle Edition
Ob durch Stress, Streit oder Einsamkeit, Weihnachten ist selten so, wie man es sich erhofft. Die Seligkeit der Kindheit wird bei Erwachsenen fast nie erreicht. Oder täuscht nur die Erinnerung? Aber vielleicht hilft es, wenn wir unsere überspannten Ansprüche reduzieren. Nicht erwarten, dass ausgerechnet zum Christfest alles besser ist als im restlichen Jahr.

32 Geschichten erzählen von den weihnachtlichen Freuden und Nöten. Zum Glück gibt es ab und zu Freunde und Nachbarn, die einem zur Seite stehen.

Leseprobe:
Ein Lächeln
Rike war genervt. Gleich am Morgen war alles schiefgelaufen. Der Wecker hatte nicht geklingelt, dabei war sie sich sicher, ihn gestellt zu haben. Hektisch hatte sie ihre Sachen übergestreift, zum Schminken war genauso wenig Zeit wie zum Frühstücken gewesen. Beim Bäcker reichte die Schlange bis auf die Straße, sodass sie sofort weiterhetzte. Dann fiel auch noch die S-Bahn aus. Betriebsstörung. Wie lange es dauern würde, wusste niemand. Ihre Chefin würde toben. Hoffentlich entließ sie Rike nicht vor Wut. Sie hatte ihrer Mitarbeiterin neulich eine Standpauke gehalten, weil sie Mitte November zwei Wochen mit einer Nierenbeckenentzündung krankgeschrieben war. Ausgerechnet im Weihnachtsverkauf. Die Firma stand kurz vor der Pleite. Rike hatte mit dem Arzt verhandelt, doch der ließ nicht mit sich reden. Und eine dauerhafte Schädigung ihrer Nieren wollte sie nicht riskieren, daher hielt sie sich strikt an die ärztlichen Anweisungen. Selbst danach hätte sie sich schonen müssen, aber das ging wirklich nicht. Wer sollte denn sonst die Waren packen und aufräumen?
Als die Bahn nach einer Ewigkeit wieder fuhr, der versprochene Schienenersatzverkehr war noch immer nicht eingetroffen, war der Zug überfüllt und nahm nicht alle Wartenden mit. Mit drei Stunden Verspätung erreichte Rike endlich den Hauptbahnhof, dort besorgte sie sich vorsichtshalber gleich eine Bescheinigung beim Servicecenter, obwohl sie dadurch weitere zwanzig Minuten verlor. Schließlich benötigten sehr viele den Zettel. Dabei hätten die Arbeitgeber sich leicht im Internet über die Zugausfälle informieren können.
Natürlich tobte die Chefin. Peinlich, mehrere Kunden standen im Geschäft und schauten irritiert zu den beiden Frauen. Eine Mutter mit zwei Kindern verließ fluchtartig den Laden. Ein junger Mann warf sich ritterlich in die Schlacht und erklärte der Chefin, dass am Morgen wirklich auf sämtlichen Bahnstrecken der Wahnsinn getobt hatte. Selbst die Einfallstraßen in die Stadt waren total verstopft gewesen.
Leider bewirkte sein Heldenmut das Gegenteil. Statt besänftigt zu sein, rastete Frau Hansen nun völlig aus. Rike konnte ihre Tränen nicht länger zurückhalten. Sie fühlte sich sowieso schon schlapp. Ihr Arzt würde ihr ohne Weiteres die Krankschreibung verlängern. Anstatt dankbar zu sein, dass Rikes Pflichtbewusstsein sie trotz nicht vollständig ausgeheilter Krankheit zur Arbeit trieb, machte diese Hexe ihr das Leben zur Hölle. Am liebsten hätte Rike sofort alles hingeworfen und wäre gegangen. Aber sie brauchte den Job doch. Sie war single und musste ihre Miete, die im Januar erneut anstieg, allein bezahlen. Zu allem Unglück war ihre Mutti nach einem schweren Autounfall vor kurzem ins Pflegeheim gekommen und Rike musste die Wohnung auflösen. Natürlich kam immer alles zusammen. Letzte Woche hatte sie sich dazu mit ihrer besten Freundin zerstritten. Sie war so unvorsichtig gewesen und hatte Nora vor ihrem neuen Freund gewarnt. Dabei ließ sie nur ganz vorsichtig einige Andeutungen durchscheinen. Ihr zu sagen, dass der schmierige Typ gleich aufdringlich geworden war, als Nora auf Toilette ging, traute sie sich gar nicht. Und Nike, die Dritte im Bund, äußerte sogar den Verdacht, dass der Kerl ihr Schmuck und Geld geklaut hätte.
Langsam wuchs ihr alles über den Kopf, dabei war doch schon in drei Tagen Heiligabend. Die schönste Zeit im Jahr. Zeit der Einkehr, der Besinnung, des Friedens.
Als ihr edler Ritter merkte, dass es schlimmer wurde und ihre Kollegin Ilona ihn zur Seite zog und ihm etwas zuflüsterte, nickte er und zog sich zurück.
Frau Hansen zeigte den ganzen Tag ihr verkniffenes Gesicht. Seit ihr Mann sich wegen einer Jüngeren von ihr getrennt hatte, traten solche Phasen öfter auf. Dann versuchten die Mitarbeiter, ihr so gut es ging, aus dem Weg zu gehen.
Irgendwie überstand Rike den Tag. Niedergeschlagen schlurfte sie heim. Sie beachtete die Weihnachtsstände und die Weihnachtsdekorationen, die sie sonst so liebte, überhaupt nicht. Sie würde auch nicht im Pflegeheim vorbeischauen. Die Kraft dazu hatte sie nicht mehr. Sie besorgte sich eine Tüte Schmalzgebäck, dabei hatte sie sich vorgenommen, weniger zu naschen. Aber damit musste sie an einem besseren Tag beginnen.
Langsam stieg sie die Stufen zum Gleis hinunter. Zum Glück fuhren die Züge wieder. Die Menschenmassen hatten sich längst verlaufen. Eine ältere Dame kam ihr, auf einen Stock gestützt, entgegen. Ihre Blicke fanden sich. Sie lächelte Rike aufmunternd an. Ihr Lächeln war so strahlend, dass Rike warm ums Herz wurde. Sie fühlte sich sogleich wohler und lächelte zurück.
Merkwürdig. Eine einzelne wildfremde Frau konnte einen miesen Tag aufhellen. Nein, die Dame war nicht der einzige Lichtblick gewesen. Der fremde Mann, der sich so vehement für sie eingesetzt hatte, war ebenfalls erfreulich gewesen, auch wenn er leider das Gegenteil von dem, was er wollte, bewirkt hatte.
Noch bevor Rike in die S-Bahn stieg, hatte sie den Entschluss gefasst, sich demnächst woanders zu bewerben.

Im Kindle-Shop: Der ganz normale Weihnachtswahnsinn.
Mehr über und von Annette Paul auf ihrer Website.



13. November 2018

'Wenn die Kraniche wieder ziehen' von Annette Hennig

Kindle (unlimited)
Eine große Liebe
Krieg und Umsturz
Träume, die nicht vergehen,
und Hoffnung, die niemals stirbt


Sankt Petersburg 1914: Fürstin Feodora dringt darauf, ihre erst siebzehnjährige Tochter zu verheiraten. Die junge Anastasija widersetzt sich dem Wunsch ihrer Mutter nicht, sorgt aber dafür, dass sie den Mann ihrer Jungmädchenträume ehelichen kann. Als sie übers Jahr am Arm des Großfürsten Iwan aus der Kirche tritt, ist das Glück auf ihrer Seite. Doch das Glück ist launisch. Schon bald verbündet es sich mit dem Leid dieser Tage.

An ihrem 98. Geburtstag blickt Anastasija auf ihr Leben zurück. Nicht nur einmal stand sie vor einem tiefen Abgrund, nicht nur einmal glaubte sie ins Verderben zu stürzen. Doch selbst bei den Gedanken an Not und Tod lächelt die alte Dame: Denn ihre Liebe, die beinahe ein Jahrhundert überdauert, bewahrt sie noch immer in ihrem Herzen.

Ein Blick in die Runde derer, die sich zu ihrem Ehrentag versammelt haben: Und Anastasija wähnt sich eine glückliche Frau.

Leseprobe:
Prolog
Sankt Petersburg, 1995
Das prächtige weiße Palais lag ruhig in der Stille des frühen Morgens. Seine Bewohner pflegten zu dieser Stunde in sanften Träumen zu schwelgen. Eine Weile würde es noch dauern, bis die Sonne den Horizont küsste. Zuvor würden nicht einmal Köchin und Hausmädchen erwachen.
Nikolai stand am Fenster und blickte in die Dunkelheit. Er war bereits angekleidet und wartete auf den Beginn des neuen Tages. Die Laternen leuchteten noch. Sie tauchten den Park in ein sanftes Licht. Die glimmenden Kugeln im Teich ließen den Mann schmunzeln. Vor seine Augen traten die Bilder des letzten Sommers. Er lachte leise, als er daran dachte, wie die Frösche die leuchtenden Bälle, die sich sanft auf der Wasseroberfläche bewegten, ehrfurchtsvoll umkreist hatten. Später, als sie bemerkten, dass keine Gefahr von den Kugeln ausging, ergriffen sie von ihnen Besitz und veranstalteten fortan in jeder Nacht auf ihnen ihr Konzert.
Als er ein leises Stöhnen hörte, löste er sich von dem Anblick, den er jeden Morgen genoss und doch nicht genug von ihm bekommen konnte. Wie gut fühlte sich das alles an!
Widerwillig trat er vom Fenster zurück und schlich in den angrenzenden Raum. Das Doppelbett dort war von beeindruckender Größe. Er vermochte die zierliche Gestalt darin kaum auszumachen, die sich jetzt von einer Seite auf die andere drehte. Überdies verstellten ihm die Kissenberge den Blick auf sie. Eine Weile blieb er nachdenklich im Türrahmen stehen und lauschte ihrem leisen Schnarchen.
Sie waren beide alt geworden.
Er erinnerte sich an die glücklichsten Tage seines Lebens. Damals war er jung und stark gewesen und er hatte geglaubt, dass nichts und niemand ihm etwas anhaben konnte. Er war losgezogen, um Mütterchen Russland zu retten. Und was war dabei herausgekommen?
Ohne es zu bemerken hatte er bei diesen Gedanken den Atem angehalten. Jetzt stieß er ihn geräuschvoll aus und schüttelte den Kopf. Es war vorbei, er musste endlich aufhören darüber nachzugrübeln, was geworden wäre, wenn …
Sollte er stattdessen nicht froh sein, dass sich alles zum Guten gefügt hatte und er heute hier stand?
Er konnte sich glücklich wähnen, hatte wiedergefunden, woran er längst nicht mehr geglaubt hatte.
Auf leisen Sohlen bewegte er sich ein paar Schritte in den Raum hinein. Vorsichtig setzte er sich auf die Kante des Bettes. Er traute sich kaum zu atmen, wollte sie nicht wecken. Nach der ganzen Aufregung hatte sie Schlaf bitternötig.
Im Halbdunkel des Raumes waren ihre Züge nur zu erahnen. Doch er brauchte kein Licht. Nikolai schloss die Augen und schwelgte in alten Bildern: ihr kirschroter Mund, ihr helles Lachen, die blonden Locken, die ihr junges Gesicht einrahmten. Feengleich. Nie zuvor hatte er eine so zarte, weiche Haut liebkost.
Genaugenommen hatte er damals noch gar keine Haut berührt. Gerade mal ein paar schüchterne Küsse hatte er getauscht, bevor er sie kennengelernt hatte.
Seine Gedanken flogen zu dem jungen Mädchen, dem diese Küsse gegolten hatten. Swetlana lebte nicht mehr. Er war in ihrer letzten Stunde bei ihr gewesen, hatte ihre Hand gehalten. Friedlich konnte sie die Welt verlassen, in der sie so viel Pech gehabt hatte. Er glaubte, er war an ihrem Kummer maßgeblich beteiligt gewesen.
Sie war seine erste Schwärmerei gewesen, zu einer Zeit, als er die Liebe noch nicht kannte. Er zuckte mit den Schultern und war im selben Augenblick froh, dass ihn niemand dabei erwischt hatte. Er schämte sich für die allzu lieblose Geste. Es war vorbei, sie hatten das Leben gemeistert, mehr schlecht als recht, doch eine Weile gemeinsam. Auch wenn niemals ein Paar aus ihnen geworden war.
Während er die Augen wieder öffnete und in die Gegenwart zurückkam, drehte sich die Frau noch einmal auf die andere Seite und stöhnte abermals leise. Wovon sie wohl träumte?
Sein Blick erhaschte den Siegelring, der auf ihrem Nachttisch lag. Er griff danach, schob ihn ein Stück auf seinen kleinen Finger. Weiter brachte er ihn nicht. Die Hände seiner Ahnen schienen weit zierlicher gewesen zu sein als seine Pranken.
Versonnen blickte er den weinroten Stein an, von dem er heute wusste, dass sich unter ihm ein Siegel befand. Gut versteckt und wohlgehütet. Endlich war der Ring wieder heimgekehrt. Er gehörte zu ihm und nun auch zu ihr. Zu seiner Familie. So, wie es immer gewesen war. Bald würde er ihn weitergeben, so, wie es seit hunderten von Jahren Brauch war.
Als er jetzt die ersten Geräusche vernahm, die das Erwachen des kleinen Palais andeuteten, und er das rote Licht der Sonne sah, schickte Nikolai ein inständiges Gebet an einen Gott, von dem er wusste, dass es ihn nicht gab.
Und während der hochgewachsene Mann mit dem schütter gewordenen grauem, einst rabenschwarzem Haar und den Augen, in denen noch immer das kämpferische Funkeln von damals stand, für seine Familie um Glück und Frieden bat, erwachte sie neben ihm.
Sie streckte sich nicht. Sie wollte ihn durch diese Bewegung nicht aus seinen Gedanken reißen. Wollte ihn eine Weile still betrachten, beobachten, genüsslich mustern. Eine lange Zeit war ihr das nicht vergönnt gewesen. Sie hatten viel nachzuholen. Ob ihnen dafür noch genug Zeit bliebe?
»Ein neuer Tag«, flüsterte sie nach einer Weile und strich ihm zärtlich über den Arm.
Er sah, wie sie ihn aus tränenfeuchten Augen verliebt anblickte.
»Ein guter Tag.« Er schluckte schwer, nahm ihre Hand in die seine und drückte sie fest.

Kapitel 1
Sankt Petersburg, August 1914
Juchzend stürmte Anastasija die Treppe hinunter. Sie raffte ihren weitschwingenden knöchellangen Rock hoch, dessen schwerer Brokatstoff sie daran hinderte, noch schneller zu laufen. Bevor sie das Ende der geschwungenen Treppe erreichte, verharrte sie einige Sekunden auf dem letzten Podest und mühte sich, den Absatz ihres Schuhs aus dem Rocksaum zu befreien.
»Puh!«, rief sie außer Atem. Um ein Haar wäre sie zu Fall gekommen. »Diese verfluchten unpraktischen Röcke!« Sie zerrte und zog am derben Brokat und wühlte sich durch drei Lagen hauchzarten Chiffons ihrer Unterkleider. Das Geräusch reißenden Stoffs ließ sie innehalten. »Verdammt!« Sie beugte sich hinab und begutachtete den Schaden.
»Anastasija! Was ist da los? Was treibst du wieder für Unsinn?«
Erschrocken hob das junge Mädchen den Kopf und blickte hinauf zur Balustrade im ersten Stock.
»Mamotschka.« In der Hoffnung, ihre Mutter stünde noch nicht lange genug dort oben, um ihren wilden Lauf die Treppe herunter nicht verfolgt zu haben, lächelte sie ihr tapfer zu. »Der dumme Schuh hat sich im Saum meines Rockes verfangen. Gott sei Dank habe ich es noch rechtzeitig bemerkt und konnte einen bösen Sturz verhindern.«
»Erzähl mir keinen Unsinn!«, herrschte ihre Mutter sie an. »Gerannt wie ein Berserker bist du wieder! Geht man anständig die Stufen hinab, so wie es einer jungen Dame deines Standes zukommt, dann bleibt einem ein solches Malheur erspart.«
Schuldbewusst blickte Anastasija zu Boden und kaute auf ihrer Unterlippe. Am Ende der Treppe stand ihr jüngerer Bruder Sascha und grinste unverhohlen.
»Warte, Bürschchen«, formte Anastasija die Worte, ohne dass sie ihr über die Lippen kamen. Doch Sascha verstand sie und streckte ihr die Zunge heraus.
»Warte nur!«, zischte Anastasija nun, die noch nie ihr ungestümes Temperament hatte zu zügeln vermocht.
»Sascha! Was soll das? Schaust du dir die Ungezogenheiten deiner großen Schwester ab? Geh sofort auf dein Zimmer!« Feodora Fjodorowna Repnina verzog ihr schönes Gesicht, in dem selten eine Regung ihren Gemütszustand verriet. Nur bei ihren Kindern verlor selbst sie die Contenance. Sie, die untadelige Fürstin, der man nachsagte, kühl und beherrscht bis in ihre schönen Fingerspitzen zu sein.
Anastasija kicherte. Gleich biss sie sich wieder auf die Lippe, doch zu spät.
»Ich erwarte dich sofort in meinen Salon!« Hocherhobenen Hauptes wandte Feodora sich von der Brüstung ab und schritt den langen Flur entlang auf ihre Räumlichkeiten zu.
Sascha sprang die Treppe hinauf. Neben Anastasija blieb er stehen und zog sie an ihrem langen dicken Zopf. »Jetzt kannst du was erleben«, sagte er und feixte. »Anastasija, wie siehst du nur aus? Hattest du keine Zeit, dir dein Haar ordentlich richten zu lassen.« Er äffte den Tonfall ihrer Mutter nach. Anastasija hieb ihm ihren Ellenbogen in die Seite. Laut schrie Sascha auf und zog seine Schwester noch einmal kräftig an den Haaren.
Feodora, die das Geschrei der beiden selbst hinter ihrer geschlossenen Zimmertür vernahm, schüttelte resigniert den Kopf. Was hatte sie bei der Erziehung dieser beiden ungestümen Kinder bloß falsch gemacht?
Vladimir, ihr Ältester, und Jurij, ihr Zweiter, waren brave Söhne. Nie hatte sie mit ihnen solch einen Ärger gehabt.
»Seid ihr denn vollkommen verrückt geworden!«, hörte sie nun die donnernde Stimme ihres Mannes.
»Auch das noch.« Musste Pawel gerade in diesem Augenblick das Haus betreten. Feodora seufzte. Sollte sie hinausgehen und für Ordnung sorgen? Pawel war seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen. Wie an jedem Tag hatte er sich kein ausgiebiges Frühstück gegönnt, sondern war bei Tagesanbruch ausgeritten, um auf den Gütern der Repnins nach dem Rechten zu sehen. Und nun musste er sich mit diesen verwöhnten Kindern herumärgern. Feodora stöhnte.
Am Abend würde er ihr gewiss wieder vorwerfen, sie hielte die Zügel nicht fest genug in der Hand. Noch einen Augenblick zögerte sie, dann erhob sie sich. Bevor sie auf den Gang hinaustrat, blieb sie hinter der Tür stehen und lauschte. Stille. Sie lächelte. Pawel sollte sich nur ja nicht über ihre Gutmütigkeit beschweren. Er selbst brachte es nicht fertig, ein Machtwort zu sprechen, ging es um sein geliebtes Töchterchen.
Vorsichtig, um kein Geräusch zu verursachen, öffnete sie die Tür.

Im Kindle-Shop: Wenn die Kraniche wieder ziehen (Sankt-Petersburg-Trilogie 1).
Mehr über und von Annette Hennig auf ihrer Website.



12. November 2018

'Briefe vom Christkind' von Marit Bernson

Kindle (unlimited)
Marie hat den Traumjob. Sie arbeitet in einem Weihnachtspostamt und beantwortet Briefe, die Kinder an das Christkind schreiben.

Doch der Brief des kleinen Emil berührt sie besonders. Er wünscht sich zu Weihnachten nichts sehnlicher, als dass sein Vater wieder glücklich wird, nachdem Emils Mutter vor einiger Zeit gestorben ist. Das beiliegende Foto zeigt auch noch einen äußerst attraktiven Mann.

Vielleicht sollte Marie sich der Sache persönlich annehmen?

Leseprobe:
Je mehr Zeit verging, desto mehr zweifelte Marie an ihrem Vorhaben. Das war eine Schnapsidee gewesen. Nur, weil sie Halluzinationen in Form von Glöckchengeläut hatte, musste sie jetzt unbedingt nachsehen, welcher Vater kein Weihnachten mehr feiern wollte.
Weißt du, Emil, die fremde Frau hat Glöckchen bimmeln hören und gedacht, da kommt sie doch mal persönlich vorbei, um dir zu sagen, dass es gar kein Christkind gibt, sondern irgendeine Verrückte auf deinen Brief geantwortet hat. Sie wollte nämlich persönlich den Geist der Weihnacht über deinen Vater bringen, weil der so gut aussieht.
Das hier war doch bescheuert. Marie startete den Wagen und fuhr los.
Ihr Magen meldete sich. Um zehn hatte sie ein Laugenbrötchen gegessen. Danach war sie zu aufgeregt gewesen, um etwas zu essen.
Sie fuhr in diesem Moment am örtlichen Weihnachtsmarkt vorbei.
Waren das die imaginären Glöckchen oder bimmelte hier wirklich etwas?
Zufällig wartete auch noch ein freier Parkplatz nur wenige Schritte vom Eingang des Weihnachtsmarktes entfernt auf sie.
Marie parkte den Wagen und stieg aus. Sie malte sich schon aus, was sie essen würde. Mal sehen, was dieser Weihnachtsmarkt zu bieten hatte.
Natürlich war kurz die Hoffnung aufgeflammt, hier auf Emil und seinen Vater zu treffen. Aber das war sehr unwahrscheinlich, wo doch dieser Oliver alles, was mit Weihnachten zu tun hatte, ablehnte. Es sei denn, Emil hatte den Geist der Weihnacht schon über seinen Vater gebracht.
Genau! Als ob!
Sie trat auf eine kleine Eisplatte und geriet plötzlich ins Rutschen. Gerade so konnte sie sich abfangen. Sie musste besser aufpassen, wo sie hintrat.
Als sie ihren Blick vom Boden hob, blickte sie in zwei grüne Augen.

Im Kindle-Shop: Briefe vom Christkind: Liebesroman.
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



'Ich schenke dir den Schmerz' von Ralf Gebhardt

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Das Böse ist zurück und zwingt mit Entführungen, Folter und Tod den halleschen Kriminalhauptkommissar Richard Störmer auf eine gnadenlose Jagd durch das Mansfelder Land.

Ohne zu wissen, dass sich der Psychopath mit einer Bestie verbündet hat, muss Störmer gleichzeitig ein Rätsel um die unbekannte Macht einer noch aktiven DDR-Seilschaft der Staatssicherheit lösen. Als der Kommissar selbst zur Zielscheibe wird, läuft die Zeit davon …

Für kurze Zeit zum reduzierten Einführungspreis von nur 2,49 Euro.

Leseprobe:
ZWEI
Der Nebel lag wie zäher Wattedampf auf den nassen Gräbern. Es war Samstag, kurz nach acht Uhr morgens. Eine Zeit, zu der man lieber unterwegs war, um frische Brötchen vom Bäcker zu holen.
Staatsanwalt Bernhard Nagel und Kriminalhauptkommissar Richard Störmer bummelten schweigend über den halleschen Südfriedhof. Sie betrachteten die Steine der Erinnerung, hatten ihre Hände hinter dem Rücken verschränkt und ihre Mantelkragen hochgeschlagen. Im Schutz der Bäume versuchten sie, dem Nieselregen auszuweichen. Die Sonne nutzte die Wolken als Versteck. Es mochten kaum acht Grad sein, die sich aber deutlich kälter anfühlten. Trotz Frühling roch es nach Herbst und Moder.
Störmer räusperte sich. „Wir haben ein Problem. Wahrscheinlich.“
„So was vermutete ich schon. Du hast bestimmt einen trefflichen Grund, mich am frühen Morgen hierher zu bitten.“
„Ich bin auf dem Weg zur Polizeidirektion. Und ja, einen Grund habe ich.“
Sie waren an einem Doppelgrab angekommen. Störmer kniete sich hin, wischte verwelkte Blätter von der Marmorplatte und ordnete das schmückende Tannengrün neben dem schlichten Holzkreuz. Er wandte sich Staatsanwalt Nagel zu.
„Hier ruhen zwei deiner ehemaligen Mitschülerinnen, Bernhard. Ich befürchte, sie erhalten bald Gesellschaft.“
„Du meinst … “
„Ja. Hör zu, ich bin gestern Abend in der Dienststelle kurz vor Feierabend noch die Vermisstenlisten durchgegangen, reine Routine. Normalerweise schaue ich, ob mir der eine oder andere Name etwas sagt. Wäre unser letzter Fall länger her, hätte ich sicher nichts bemerkt.“
Jetzt hatte er die volle Aufmerksamkeit von Nagel. „Wegen dem entkommenen Entführer und Serientäter Michels? Habt ihr eine neue Spur?“
„Wie man es nimmt. Also, du kennst doch das Einkaufszentrum in Halle-Peißen. Dort ist neben dem Eingang zum Elektronikmarkt eine öffentliche Toilette.“
„Wo man erst den endlosen Gang hinuntergeht?“
„Genau, da sind in den letzten Tagen vier Frauen, die sich zum Schlussverkauf getroffen haben, spurlos verschwunden.“ Er zog eine Kopie der Liste mit den Namen der Vermissten aus seiner Innentasche und hielt sie Nagel hin. Der zog tief mehrmals zischend Luft ein.
„Verdammt. Was wissen wir schon?“
„Also, zu den Toiletten geht es links in einen kleineren Seitengang. Es gibt Zeugen, die haben hier einen Angestellten mit blauem Kittel und Basecap gesehen. Unser Problem ist, dass dort ausschließlich weibliches Personal mit der Toilettenreinigung beauftragt ist.“
„Okay, und was hat das mit dem Verschwinden der vier Frauen zu tun?“
„Im Papierkorb haben wir ein weggeworfenes Sperr-Schild gefunden. Es war am Computer selbst gebastelt. An den Ecken hing das Klebeband noch dran.“ Er reichte ihm Fotos.
„Du meinst, der Täter hat eine Art selbstgemachtes Plakat angebracht und die Frauen damit einfach vom stillen Örtchen umgeleitet? Mit einem so billigen Trick? Getreu dem Motto: Tür geschlossen, bitte die nächste? Da lässt sich doch keiner darauf ein. Ich fasse es nicht.“
„So muss es gewesen sein. Wie damals in Mansfeld, da hat er auch einfach VIP-SHUTTLE-SERVICE auf ein Schild geschrieben und von innen an die Frontscheibe seines Transporters geklebt. Die Menschen glauben, was sie sehen, und steigen ein. Dazu kommt, dass die Außentür des Einkaufscenters neben den Sanitäranlagen sonst verschlossen ist. Diesmal stand sie offen. Wir vermuten, dass er dahinter rückwärts mit seinem VW-Bus parkte. Die Frauen mussten auf die Toilette, sind den gefälschten Hinweisen gefolgt. Nachdem sie die falsche Tür geöffnet haben, muss er sie in seinen Bus gezogen oder gestoßen haben. Tür zu und los. Sie hatten keine Chance zu begreifen, was da passiert. Dank der selbsterstellten Hinweisschilder war es die perfekte Entführungsfalle.“
„Verdammt!“ Nagel stampfte. Er öffnete seinen Mantel. Ihm war heiß.
„Wenn das bekannt wird, traut sich doch nie wieder jemand dort auf die Toilette, dann gibt es Angst und Panik unter den Leuten! Das darf nicht passieren. Keine Frau wird je wieder einfach so in Ruhe aufs Klo gehen können! Nicht dort und nicht woanders. Umgeleitet, wo gibt’s denn so was.“
Das schwache Morgenblau des Himmels war jetzt komplett verschwunden und hatte eine tiefgraue, schlierige Schattierung bekommen.
„Genau deshalb fand ich, solltest du es wissen.“
Staatsanwalt Nagel nickte ihm dankbar zu. „Wir müssen etwas unternehmen. Ich werde mit der Oberstaatsanwältin reden, damit sie uns den Fall überträgt. Niemand kennt Michels so wie du, deshalb will ich dich bei den Ermittlungen dabei haben.“
Störmer war bereits einige Schritte weitergegangen. Er hatte vermutet, dass es so laufen würde.
„Verschon mich damit. Für mich ist es noch zu früh. Außerdem wissen wir nicht, ob es überhaupt Michels war.“
„Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß. Also gut, lass die Toilette sperren, schieb bauliche Gründe vor.“ Nagel sah auf die Uhr, bevor er weitersprach. „Ich muss los, bin spät dran, es geht nach Berlin zu einer Weiterbildung. Bitte stell eine Akte zusammen, schreib einen Bericht und mail ihn mir. Du erreichst mich auf dem Handy.“
Sie gaben sich zum Abschied die Hand. „Ich muss jetzt wirklich los, noch die neue Referendarin abholen. Ich mache euch bei Gelegenheit miteinander bekannt. Wir sehen uns am Dienstag, okay?“

Samstag zu einem Seminar? Das entsprach nicht den Abläufen einer Staatsanwaltschaft. Ein schöner Versuch, ein Alibi für das Wochenende zu finden. Nagel und die Frauen. Das würde sich wohl nie ändern.
Störmer schob die Hände tief in die Manteltaschen und lief los. Seine verletzte Schulter war immer noch wetterfühlig. Er verzog das Gesicht, als er daran dachte, wie Michels sie im Kampf mit einem Holzbalken bearbeitet hatte.
War das jetzt eigentlich sein neuer Fall?
Die Wunden tief in ihm drin waren zu groß und er noch nicht bereit, überhaupt einen Fall zu übernehmen. Das musste er nur noch Nagel beibringen.

Im Kindle-Shop: Ich schenke dir den Schmerz (Krimi 52).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Ralf Gebhardt auf seiner Website.



9. November 2018

'Schattentöchter. Geister-Roman' von Sabine Altenburg

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
„Ein zarter und zärtlicher Geisterroman.“

Ich war eine ganz gewöhnliche Frau.
Ich führte ein ganz gewöhnliches Leben.
Bis zu jenem Tag …

Die junge Schriftstellerin Tamarah Herzsprung zieht mit ihrer Katze Snow in eine alte Villa am Fuße des Siebengebirges nahe Bonn. Schnell muss sie feststellen, dass etwas an diesem Haus nicht geheuer ist - doch damit nicht genug: In der Halloween-Nacht erleidet sie einen schweren Autounfall und durchlebt eine Nahtoderfahrung, die sie mit einer besonderen Gabe ausstattet. Denn niemand, der die Schwelle zum Jenseits überschreitet und ins Leben zurückkehrt, ist danach noch derselbe …

Als sie wenig später dem attraktiven Gabriel Leonhardt begegnet und sich in ihn verliebt, erfährt ihr Leben eine weitere schicksalhafte Wendung, denn die Schatten seiner Vergangenheit verfolgen ihn und nur Marah kann ihn erlösen …

In „Schattentöchter“ zeigt sich das Übersinnliche nicht als Horror, sondern zart und subtil. Der Roman bildet den Auftakt zu „Marahs Geister“, einer Serie von Mystery-Romanen, die in Bonn und dem Siebengebirge angesiedelt sind und im Wechsel mit den Bänden der Eifel-Saga erscheinen werden. Die Haupthandlung von „Schattentöchter“ ist in sich abgeschlossen; in den Nebenhandlungen bleiben Fragen offen, die in den folgenden Bänden in den Mittelpunkt treten werden.

Leseprobe:
Hätte mich vor jenem Abend im Oktober jemand gefragt, wie ich mir meinen Tod vorstelle, ich wäre ihm die Antwort schuldig geblieben. Nichts in meinem bisherigen Leben hatte mich auf das vorbereitet, was mir in dieser Halloween-Nacht widerfahren sollte.
Und so war ich vollkommen ahnungslos, als Arne und ich uns von meiner Schwester und ihrem Mann verabschiedeten und vor das Haus traten. Über den Wiesen und Pferdekoppeln war Nebel aufgezogen, kroch in die Gärten und umwob die Außenleuchte und die geschnitzte Kürbislaterne neben der Tür mit einem weichen Lichtkreis.
Arne setzte einen Schritt auf mich zu und umarmte mich zum Abschied. »Fahr vorsichtig, Marah.«
Ich erwiderte seine Umarmung. »Du auch. Ich bringe dir den Wagen übermorgen am Nachmittag vorbei. Und vielen Dank noch mal.«
Ich stieg in den Kombi, den er mir geliehen hatte, und orientierte mich kurz auf dem ungewohnten Armaturenbrett, ehe ich den Gurt anlegte und behutsam Gas gab. Arne faltete seine hochgewachsene Gestalt in meinen alten Peugeot und folgte mir den mit Schlaglöchern übersäten Feldweg entlang bis zur Landstraße. An dessen Ende bog ich nach rechts in Richtung des Rheintals ab. Arne betätigte die Lichthupe zu einem letzten Gruß, ehe er sich nach links einfädelte. Wenige Augenblicke später verschwanden seine Rücklichter aus meinem Außenspiegel.
Als ich die Wiesen und Weiden hinter mir ließ und in den Wald eintauchte, wurde der Nebel dichter, sodass ich nicht wagte, schneller als vierzig Stundenkilometer zu fahren. Die Scheinwerfer des Kombis tasteten über kahle Stämme, in deren Kronen das letzte schmutzig braune Herbstlaub hing. Das gedämpfte Licht des Vollmonds sickerte bis auf den feuchten Asphalt hinab und überzog ihn mit stumpfem Silber. Da die L144 zum Rhein hin stetig an Höhe verliert, schaltete ich nach einigen Hundert Metern in den zweiten Gang zurück.
Der Abend bei Britta und Bernhard klang noch in mir nach. Er hatte mich von meinen Sorgen abgelenkt, und als aus dem Autoradio der leichtfüßige Rhythmus von Van Morrisons »Moondance« erklang, ertappte ich mich dabei, leise mitzusummen.
Bald schon näherte ich mich der ersten von mehreren dicht aufeinanderfolgenden, engen Kurven des Schmelztals, durch das sich die Landstraße ins Rheintal hinabwindet. »Moondance« war verklungen, und aus den Lautsprechern drangen getragene Gitarrenakkorde, untermalt von Blockflöten. Ein Schauer überlief mich, als ich den unverwechselbaren Beginn von Led Zeppelins »Stairway to Heaven« erkannte, das in der Tat viel besser zu Halloween passte als Van Morrisons heiterer Song.
Zu beiden Seiten der Fahrbahn ragten nun die Silhouetten hoher Fichten auf und verschmolzen zu einem dunklen Vorhang, der das fahle Licht des Mondes abschnitt, sodass es sich anfühlte, als führe ich in einen Tunnel hinein. Ich umfasste das Lenkrad fester, trat leicht auf die Bremse - und spürte kaum Widerstand.
Irritiert nahm ich den Fuß vom Pedal, setzte ihn augenblicklich nochmals darauf. Jetzt ließ sich der Fußhebel sogar noch weiter abwärtsbewegen, ohne dass der Wagen verlangsamte. Gleichzeitig leuchtete auf dem Armaturenbrett eine orangefarbene Kontrolllampe auf.
Eine Welle der Übelkeit schwappte durch meinen Magen, während der Kombi rasch Fahrt aufnahm. Ein drittes Mal hob ich den Fuß von der Bremse, trat hektisch wieder darauf. Ein dumpfes »Plong« verriet mir, dass der Pedalarm das Bodenblech berührt hatte.
Magensäure kroch meine Kehle hinauf, doch ich ignorierte sie und konzentrierte mich auf die Linkskurve, die viel zu schnell näherkam. Mein linkes Bein zitterte, als ich die Kupplung betätigte und in den ersten Gang zurückschaltete, um die Wirkung der Motorbremse auszunutzen. Das Getriebe protestierte mit einem hässlichen Knirschen, und ich wurde in den Gurt geworfen.
Jetzt hatte ich die Kurve erreicht, umklammerte das Lenkrad mit schweißfeuchten Händen und schoss hinein. Die schwarzen Schemen der Fichten zuckten vorbei, und in die zarten Töne der Blockflöten mischte sich das Quietschen der Reifen, als ich mich verzweifelt bemühte, den Kombi auf der Fahrbahn zu halten. Schon war ich durch die Kurve hindurch, doch sie mündete sofort in eine weitere. Ich riss das Lenkrad herum, hektisch, ruckartig. Der Wagen brach aus und schleuderte auf die Gegenfahrbahn. Ich kämpfte dagegen an, wurde auf meinem Sitz hin- und hergeworfen wie ein Crashtest-Dummy, während der Kombi schlingerte, sich fing und mir endlich gestattete, ihn in die rechte Spur zurückzulenken.
Jetzt folgte ein kurzes Stück schnurgerader Straße, aber ich wusste, dass an seinem Ende eine Haarnadelkurve lauerte, die steilste des gesamten Schmelztals.
Fiebrig versuchte ich, mir den Verlauf der Strecke ins Gedächtnis zu rufen, die ich erst wenige Male gefahren war. Gab es vor der Kurve irgendeine Möglichkeit, den Wagen zu verlangsamen?
Nein, erkannte ich, als mein Blick über die Fahrbahnränder irrte. Zu meiner Rechten klaffte ein Abgrund, notdürftig gesichert durch eine verbeulte Leitplanke. Links ragte ebenso schroff ein mit Fichten bewachsener Hang auf.
In diesem Moment blitzte eine undeutliche Erinnerung auf. Befand sich unmittelbar vor der Haarnadelkurve nicht ein Holzabfuhrweg? Wenn es mir gelingen würde, den Kombi dort hineinzulenken, könnte ich ihn auslaufen lassen und behutsam mit der Handbremse zum Stehen -
Die Scheinwerfer eines anderen Fahrzeugs brachen in meine Gedanken ein. Der stetig dichter werdende Nebel verwässerte sie zu bleichen Lichtkegeln, die hinter den kahlen Stämmen aufglühten, für einen Sekundenbruchteil verloschen und erneut erglühten, ein Unheil verkündendes Flackern. Der Wagen näherte sich mir aus dem Tal, und überraschend nüchtern schätzte ich ab, dass wir uns genau in der steilsten Kurve der Strecke begegnen würden - wenn es mir nicht gelänge, den Kombi zuvor in den Waldweg zu lenken.
Während ich immer schneller dahinraste, tauchte seine Einmündung im Licht der Scheinwerfer auf, und im selben Augenblick, in dem Led Zeppelin-Sänger Robert Plant verkündete, es bleibe noch Zeit, den Weg zu ändern, auf dem man reiste, erfasste ich, dass das auf mich nicht zutraf: Ein rot-weißer Schlagbaum versperrte meinen Fluchtweg und zerstörte meine letzte, trügerische Hoffnung.
Mit großer Klarheit erkannte ich, dass dies das Ende war und ich tatsächlich hier und jetzt, zu den Klängen von »Stairway to Heaven«, sterben würde. Welch würdiges Requiem. Der Tod schien einen makaberen Sinn für Ironie zu besitzen.
Als Schriftstellerin hatte ich mich oft gefragt, wie sich dieser Moment wohl anfühlte, welche Gefühle die Figuren meiner Romane in den allerletzten Augenblicken ihres Lebens durchlitten. Glomm bis zum letzten, matten Herzschlag ein schwacher Funken Hoffnung in ihnen? Ließ sie mit dem Mut der Verzweiflung kämpfen, bis ihr Lebenslicht flackerte und für immer verlosch? Oder schickten sie sich in ihr Los und gaben sich auf? Gibt man sich überhaupt jemals auf?
Nun konnte ich diese Fragen aus eigener Erfahrung beantworten, und die Erkenntnis fiel seltsam nüchtern aus. Mein erster Gedanke galt meiner Katze Snow, die in Dr. Richarz’ Praxis um ihr Leben kämpfte: Würde sie den Kampf gewinnen? Und was würde aus ihr, wenn ich nicht mehr da wäre? Mein zweiter war Bedauern darüber, das Manuskript, an dem ich gerade arbeitete, nicht vollenden zu können.
Schon schoss der Kombi in die Kurve, die auf einmal in grelles Licht getaucht war, da die Scheinwerfer des entgegenkommenden Fahrzeugs sie ebenfalls erhellten. In dem Moment, als mein Wagen ausbrach und auf die Gegenfahrbahn schleuderte, löste ich die verkrampfte Rechte vom Lenkrad und tastete nach der Handbremse. Doch meine Hand fuhr ins Leere, denn ich saß in einem fremden Fahrzeug und der Hebel befand sich nicht am gewohnten Ort.
Dann ein gewaltiger Aufprall, untermalt von ohrenbetäubendem Donnerhall.
Schwärze.

Im Kindle-Shop: Schattentöchter. Geister-Roman (Marahs Geister: Mystery-Romane 1).
Mehr über und von Sabine Altenburg auf ihrer Website.



8. November 2018

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



'Kurswechsel: Anker der Freundschaft' von Theda Gold

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Leben, Liebe, Lust und eine Leiche: Die außerordentlich schöne, jedoch unkoordinierte Merit Hanson lebt im Augenblick. Sie leidet unter chronischem Geldmangel. Ein kurzfristiges Job-Angebot als Office Girl an Bord der „Wind of Dreams“ verspricht schnelle Abhilfe und ein Leben voll Glitzer und Glamour, zumindest für zehn Tage.

Doch als Schöne unter Schönen verliert sie ihren Sonderstatus und muss sich auf ungewohnte Weise behaupten. Merit nimmt erstmals bewusst ihr Leben in die Hand und schlittert dabei von einer Katastrophe in die nächste.

Leseprobe:
Merit saß am Fenster. Das tat sie oft. Sie glaubte fest daran, dass das helle Licht des Himmels auf ihrer Netzhaut Depressionen vertrieb. Sie schaute in die Wolken und ersann sich ein neues Leben. Zurzeit steckte sie fest. Sie lebte mit dem falschen Mann zusammen. Dafür gab es keinen besonderen Grund. Es war einfach der Falsche, der bei ihr geblieben war. Sie hatte viele Männer gehabt, ausgelassen gefeiert und geliebt. Etwas zu wahllos, wie sie im Nachhinein dachte. Was leicht und fröhlich anfing, war schnell zu einer Manie geworden. Dabei hatte sie sich immer eine feste Beziehung gewünscht, die klassische große Liebe. Und bei jedem ersten Kuss hatte sie ehrlich gehofft, den Richtigen getroffen zu haben.
In ihrem Job kam Merit auch nicht weiter. Sie arbeitete in einer Kreativagentur, ohne jemals eine eigene Idee in Wort oder Pinselstrich gefasst zu haben. Sie übernahm die Bürotätigkeiten, war das Mädchen für alles. Die Menschen hatten Merit gerne um sich. Als einzigartige, schöne junge Frau und Freigeist klebten Suchende förmlich an ihr. Suchten zunächst ihre Gegenwart und hofften dann auf ihre Gesellschaft. Das freute besonders ihren Chef. Karl. Oder Charly, wie er sich nannte. Für einen Kleinstädter war er wirklich ziemlich cool. Offen, warmherzig und kreativ. Er hatte seine Grafikdesign-Butze als Ein-Mann-Agentur betrieben bis Merit vor der Tür stand und behauptete, heute begänne ihr Praktikum. Sie wusste von Bekannten, dass Charly Praktika am Telefon zusagte und dann häufig vergaß. So wimmelte es in Charlys Company phasenweise von Praktikanten, zumeist in den Semesterferien. Sie kamen und gingen, wann sie wollten, unterhielten sich gut und freuten sich über ein positives Abschlusszeugnis. Merit war die Einzige, die bleiben durfte. Charly hatte ihre Vorzüge schnell erkannt. Zunächst hatte sie das sehr erleichtert, denn ihren alten Job hatte Merit in einer Kurzschlusshandlung gekündigt. Doch mit der Zeit wurde ihr klar, dass das Geld, das sie bei Charly verdiente, auf Dauer nicht ausreichen würde.
So ließ sie sich auf Martin ein, den sie eigentlich schon als One-Night-Stand abgetan hatte. Durch die geteilte Miete kam sie halbwegs über die Runden, doch Merit hasste diese Abhängigkeit. Martin blickte zu ihr auf. Er war verliebt. Das störte sie. Zuweilen benahm er sich richtiggehend hündisch und sie verlor jegliche Achtung vor ihm. Doch er klammerte sich dadurch nur noch fester an Merit. Sie träumte von einem kompletten Neuanfang. Neuer Ort. Neuer Job. Neues Leben.
Die Wolken zogen an ihrem Zimmerfenster vorbei und trugen auch ihre Träume fort. Heute Nacht würde es stürmisch werden. Reinigender Regen, dachte sie sich. Merit fröstelte und schloss das Fenster. Martin würde bald nach Hause kommen. Schnell suchte sie frische Klamotten zusammen, schnappte sich den aktuellen Montalbano-Krimi und huschte ins Badezimmer. Ein ausgiebiges Bad würde ihr gut tun. Sie schloss die Badezimmertür ab und legte sich in das wohltemperierte Schaumwasser. Es duftete nach Orangen und Vanille. Gerade war sie in der Ruhe versunken, da hörte sie schon das Rumpeln im Treppenhaus. Der Fahrstuhl hielt auf ihrer Etage. Martin. Das Schloss der Wohnungstür klackte und sie vernahm seine verhasste Stimme. „Liebling, wo steckst Du? Ich bin jetzt zuhause!“ Sie rutschte ein wenig vor und ließ ihren Kopf hinterrücks ins Wasser gleiten. Jetzt hörte sie nur noch das Knistern des Badeschaums. Merit genoss die Wärme, die sie umgab. Der Alltag schien in weite Ferne gerückt. Doch schon bollerte es an der Badezimmertür. „Liebling bist Du da? Warum schließt Du ab?“ Martin ruckelte an der Tür. „Ich bade. Lass mich in Ruhe“, rief Merit. Martin ließ von der Tür ab und ging ins Wohnzimmer. Sie wusste, dass er nun schmollte. Aber das war ihr egal. Sie wollte ihn loswerden. Weg aus ihrer Wohnung, weg aus ihrem Leben. Doch dafür brauchte sie Geld. Dringend. Ein neuer Job? Charly war ein netter Chef und sie würde ihn nur ungern im Stich lassen. Ein neuer Mann? Einer, der erträglich war und der vielleicht sogar die ganze Miete zahlte? Bei diesen Gedanken kam sie sich vor wie ein Flittchen. Genau genommen war sie das auch. In diesem Moment. In dieser Lebensphase. Das, dachte sie, muss sich schleunigst ändern.
Merit traf eine Entscheidung. Sie trocknete ihr Haar und betrachtete sich dabei im Spiegel. Ebenmäßige Züge verliehen ihrem Gesicht etwas Zeitloses. Das lange hellblonde Haar war leicht gelockt. Es machte die Männer wahnsinnig, wenn sie es offen trug. Ihre grünen Augen hatten etwas Unstetes. Es war nie ganz klar, ob es in ihrem Blick lag oder ob die vereinzelten braunen Sprenkel ihres linken Auges diesen Eindruck erweckten. Doch eines war sicher – diese Besonderheit machte sie interessant. Der Blick anderer Menschen blieb oft unfreiwillig daran hängen. Sobald sie bemerkten, dass Merit dann ebenso direkt und unverwandt zurück schaute, wandten sie sich verlegen ab. Einige nutzten diese Gelegenheit allerdings auch zur Kontaktaufnahme. Sie spielte dieses Spielchen gern. Für Merit gehörte es zu den kleinen Flirts, die den Umgang mit ihren Mitmenschen prägten. Generell liebte sie es, mit Aufmerksamkeit und Bewunderung überhäuft zu werden. Sie hielt sich daran fest. Ihre Schönheit war ihre Sicherheit. So auch jetzt. Sie ließ ihr Haar ein letztes Mal durch die Föhnluft aufwirbeln, atmete tief durch und ging festen Schrittes ins Wohnzimmer. „Du musst gehen“, sagte sie. „Jetzt.“
Martin kauerte auf dem Sofa. Sein blasses Gesicht wirkte fast durchsichtig. Mit schwacher Stimme jammerte er sein Unverständnis vor sich hin. Es ist wirklich an der Zeit, dass er geht, dachte sie. Auch um seiner selbst willen. Das sah sie jetzt immer klarer vor sich. Er war ein Gefangener ihres Wesens geworden und musste sich befreien. Nun ja, befreien wollen. Denn soweit war er offensichtlich noch nicht. Hätte Martin nicht einen blauen Pullover getragen, wäre er zwischen den sandfarbenen Kissen auf Merits weißem Sofa kaum noch auszumachen gewesen. Sie fing an, seine Sachen zu packen. Wirklich viel war es nicht. Er war vor acht Monaten eingezogen und hatte seither mehr oder weniger von ihrer Luft und seiner Liebe gelebt. Ein paar Klamotten, die wichtigsten Unterlagen und Schuhe. Mehr war es nicht. Sie holte noch einige seiner letzten Einkäufe aus der Küche und packte alles zusammen in einen sperrigen schwarzen Koffer. „Den schenke ich dir“, sagte sie. „Brauchst ihn nicht zurück zu bringen.“ Er selbst hätte vermutlich auch noch in den Koffer gepasst. So klein, dünn und unscheinbar wie er jetzt da saß. Im bunten Glitzerlicht einer Diskokugel war ihr nicht aufgefallen, dass er so zierlich und zerbrechlich war. Oder hatte sie ihn erst dazu gemacht? Needy, würde Charly sagen. Es war eines seiner Lieblingsworte. Für ihn waren die meisten Menschen needy, und er konnte es nicht fassen, wie leicht sie aufgrund ihrer Bedürftigkeit zu manipulieren waren. Martin war ein Paradebeispiel. Er hatte sich in Merits Gegenwart förmlich aufgelöst.
Merits Blick blieb an Martins Wandkalender hängen. Wie oft hatte sie sich über dieses Ding geärgert. Sie ging hin und nahm den Kalender ab. Dabei fiel ihr Blick auf das heutige Datum. 26. August. Mist, dachte sie. Schon nächste Woche war die nächste Miete fällig. Sie hielt inne. Überlegte. Wenn sie die Miete für September allein zahlen musste, hätte sie kein Geld für Lebensmittel übrig. Aber nein. Es half alles nichts. Das Kapitel Martin war abgeschlossen. Ihre Erleichterung darüber war zu groß, als dass sie jetzt noch einen Rückzieher machen konnte.

Im Kindle-Shop: Kurswechsel: Anker der Freundschaft: Leben, Liebe, Lust und eine Leiche (Merits Kurswechsel 1).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Theda Gold auf ihrer Website.



7. November 2018

Sabine Altenburg

Sabine Altenburg ist Schriftstellerin aus Leidenschaft. Sie wohnt im mystischen Mittelrheingebiet - der Landschaft, in der ihre Romane spielen - und hat Anglistik und Romanistik mit den Schwerpunkten Sprach- und Literaturwissenschaften studiert. Dabei hat sie sich auch mit den alten Sprachformen, vor allem dem Altenglischen, beschäftigt. Augenblicklich entzündete sich ihre Fantasie, und sie begann sich zu fragen: Wer waren die Menschen, die diese alten Geschichten bevölkern? Wie sahen sie aus? Wie lebten sie?

Schon bald fand Sabine Altenburg sich bis über beide Ohren in Büchern über Vor- und Frühgeschichte wieder, wobei ihr besonderes Interesse der Epoche der Kelten gilt. Diesen eine Stimme zu geben und gleichzeitig Geschichte lebendig werden zu lassen, ist ihr ein wichtiges Anliegen.

Bisher erschienen drei Bände ihrer Eifel-Saga. Nachdem bereits in „Priesterin der Kelten“ und „Königin der Kelten“ übersinnliche Elemente eine Rolle spielen, entstand die Idee zu einem Roman, in dem das Thema Mystery im Vordergrund steht. Der Roman "Schattentöchter" bildet den Auftakt zu einer Serie, die im Wechsel mit den Bänden der Eifel-Saga erscheinen wird.

Weblink: die-priesterin-der-kelten.jimdo.com


Bücher im Buch-Sonar:





'Skihase wider Willen' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Jettes attraktiver Chef Victor plant für seine Mitarbeiter eine Teambuilding-Maßnahme, die aus einer gemeinsamen Ski-Woche in den Bergen besteht. Doch Jette stand in ihrem ganzen Leben noch nie auf Skiern - und hat mal das Gegenteil behauptet. Um sich nicht zu blamieren und die anstehende Beförderung zu vermasseln, reist sie einige Tage früher in die Berge, um einen Skikurs zu absolvieren.

Aber Jette muss feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Sie ist gezwungen, den arroganten Skilehrer Till um Privatstunden zu bitten. Der lässt sich auch teuer dafür bezahlen. Doch als Victor auftaucht und privates Interesse an Jette zeigt, ist Till gar nicht mehr so arrogant.

Leseprobe:
Sie gingen eine Treppe hinunter in den Keller, wo Till eine Tür öffnete, auf der „Fitnessraum“ stand.
„Hier sollten wir allein sein“, erklärte er. „Die anderen Hotelgäste sind alle auf der Piste.“ Er lächelte breit. „Weil die das können.“
„Lässt du das jetzt mal?!“, fauchte Jette. „Es war auch nicht gerade mein Traum, einem arroganten Fatzke einen Haufen Geld dafür zu bezahlen, dass er mir eine doofe Sportart beibringt, an der ich null Interesse habe.“
Till fasste sich an die Brust. „Aua! Das tat weh.“ Er zog ein Schmollgesicht und zwinkerte dabei.
Jette schnaubte. Aber sie war zu weit gegangen. „Ja, du bist kein Fatzke“, sagte sie. „Nur arrogant.“
„Ach, das hat mich doch gar nicht verletzt. Ich finde traurig, dass du Skifahren doof findest. Das kann ich gar nicht verstehen.“
Blödmann! Jette konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
„Also, was machen wir?“ Sie schaute sich um. Ein Rudergerät, je zwei Fahrräder und Laufbänder, drei Geräte mit Gewichten, bei denen Jette sich nicht sicher war, wie man sie benutzte, doch nichts sah so aus, als wäre es speziell fürs Skifahren konzipiert.
„Wir brauchen keine Geräte“, verkündete Till in feierlichem Tonfall. „Unser Trainingsgerät ist unser Körper. Das ist das Tolle am Skifahren. Wir machen etwas Skigymnastik, damit ich sehe, ob du es wenigstens theoretisch können müsstest.“ Till stellte sich Jette gegenüber, streckte seinen Hintern raus, die Arme vor und ging in die Hocke, bis seine Beine im rechten Winkel waren. Obwohl er eine lange Hose und ein Langarmshirt trug, waren seine Muskeln sehr gut zu erkennen. Jette bemühte sich, nicht weiter auf sie zu achten.
„Kniebeugen“, kommentierte Till.
„Was sind das denn für komische Kniebeugen?“
„So macht man sie richtig.“ Till richtete sich auf. „Jetzt du!“
Jette ging etwas in die Knie und streckte die Arme vor.
„Rücken gerade!“, forderte Till. „Und runter in die Knie, bis die Oberschenkel waagerecht zum Boden stehen!“
Jettes Oberschenkel schmerzten, aber Till krittelte immer noch an ihrer Haltung herum, sodass sie es nicht wagte, aufzustehen.
„Gesäß nach hinten, nicht die Knie über die Fußspitzen, Knie und Füße in die gleiche Richtung!“
Jette stöhnte und richtete sich auf. „Reicht das?“
Till sah sie entgeistert an. „Das ganze dreißig Mal“, erwiderte er.
Jette holte tief Luft, gehorchte aber.
Doch nach fünfzehn Kniebeugen zitterten ihre Beinmuskeln so sehr, dass auch Till es sehen konnte.
„Hör lieber auf!“, sagte er. „Sonst hast du später keine Kraft mehr.“
Jette ließ sich aus der Hocke auf den Boden plumpsen und atmete tief durch.
Till kratzte sich am Kopf und sah zum ersten Mal nicht so aus, als würde er die Lösung sämtlicher Probleme der Menschheit kennen.
„Eigentlich kommen da noch mehr Übungen“, sagte er. „Aber wenn wir das durchziehen, kannst du heute wohl nicht mehr auf Skier.“
„Zeig mal!“, sagte Jette und blieb sitzen.

Im Kindle-Shop: Skihase wider Willen: Liebesroman.
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.