30. November 2018

'Winterwunderküsse' von Lotti Tomke

Kindle (unlimited)
»Niemals!«
Das war Peppers erste Reaktion, als der Notar die Bedingungen des Testaments verlas.
Christian Morris war ein arroganter, selbstverliebter, geldgeiler Wichtigtuer. Der Banker aus New York City verkörperte alles, was sie verachtete – bis auf seine sanften Schokoladenaugen vielleicht. Und das sexy Grinsen, das sich ab und zu in sein markantes Gesicht stahl.
Trotzdem.
Niemals, unter gar keinen Umständen, würde sie vier Wochen lang mit ihm in ihrem geliebten Laden Candles & Candy zusammenarbeiten, damit sie beide das Erbe seines Vaters antreten konnten. Lieber verzichtete sie darauf. Wenn da nur nicht dieser kleine Schuldenberg wäre. Und das Versprechen, das sie Christians Vater kurz vor seinem Tod gegeben hatte …

Leseprobe:
»Sie sehen aus wie ein tollwütiger Waschbär«, sagte ich abschätzig.
»Und Sie sehen aus wie ein jämmerlicher Lügner.« Pepper packte meinen Arm und schleifte mich mit erstaunlicher Kraft ins Hinterzimmer. »Buchhaltung, soso.« Sie deutete auf meinen Laptop und drückte die Leertaste, um den Schlafmodus zu beenden. »Mir sieht das vielmehr nach Börsengeschäften aus.«
»Na und? Sind Sie die Trading-Polizei, oder was?« Ich schob den Laptop von ihr weg und klappte ihn zu.
Meine Geschäfte gingen niemanden etwas an. Gut, ich ging nicht davon aus, dass Pepper irgendetwas verstand, von dem, was sie da sah – ich meine, sie war eine Bonbonverkäuferin – aber trotzdem.
»Nein, ich bin nicht die Börsenpolizei. Aber ich bin auch nicht so doof, für wie Sie mich halten«, schnauzte sie mich an. »Deswegen setzen Sie sich jetzt hin und hören mir zu – oder Sie können sich Ihr Erbe abschminken.« Pepper verschränkte die Arme vor der Brust und wies mit dem Kinn auf einen Stuhl.
Amüsiert setzte ich mich. Wie gesagt, die Frau war Bonbonverkäuferin. Glaubte sie ernsthaft, eine Moralpredigt aus ihrem Mund würde mich beeindrucken?
»Okay, Christian Morris«, Pepper wanderte vor mir auf und ab wie eine strenge Gouvernante, es fehlten nur noch das schwarze Kostüm und der Rohrstock, »gleich als Erstes: Ich habe Sie durchschaut.«
Huh, jetzt bekam ich es aber mit der Angst zu tun.
»Sie können sich Ihr überhebliches Grinsen sparen«, wies mich Pepper zurecht. »Vielmehr sollten Sie versuchen, sich mit mir gutzustellen, sonst trete ich nämlich ganz schnell von meinem Erbanspruch zurück.«
Okay, vielleicht war die ganze Sache doch nicht so lustig. Ich setzte mich gerade hin und räusperte mich. »Pepper, hören Sie …« »Nein, ich höre jetzt nicht. Ich bin nämlich noch nicht fertig. Deshalb hören Sie gefälligst mir zu.« Pepper starrte mich entschlossen an. »Ein Anruf bei Mr. Ecclestone hat Ihr überraschend freundliches Verhalten gestern Nachmittag erklärt – ohne mich kein Erbe. Sollte ich von meinen Ansprüchen zurücktreten, gehen auch Sie leer aus. Und das passt Ihnen natürlich gar nicht. Daher Ihr plötzlicher Sinneswandel.«
»Okay, ertappt.« Ich hob kapitulierend die Hände. »Das heißt aber nicht, dass mein Friedensangebot nicht ernst gemeint war.«
»Sparen Sie sich Ihre Scheinheiligkeit. In Wahrheit scheren Sie sich nämlich nicht im Geringsten um die Befindlichkeiten anderer Leute. Ihnen ist es doch scheißegal, wie ich mich fühle.«
»Woher wollen Sie das wissen?«, fragte ich blasiert.
»Woher? Weil Sie sich wie ein egoistischer Vollidiot aufführen«, schnauzte mich Pepper an.
Ihre blauen Augen waren mittlerweile eine Nuance dunkler und ihre Wangen leicht gerötet. Eigentlich sollte ich mich ärgern, weil Sie mich so zusammenstauchte, aber ich konnte meinen Blick gar nicht mehr von ihr losreißen. Sie sah schön aus. Leidenschaftlich. Kämpferisch. Eine Frau, die sich nicht so leicht unterkriegen ließ.

Im Kindle-Shop: Winterwunderküsse.
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29. November 2018

'Embargo: Krieg im Schatten' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
1997 - Charles Dixon ist Chef einer geheimen Einheit innerhalb der CIA, von deren Existenz nicht mal der CIA-Direktor weiß. Nach dem Muster eines Anschlages der CIA 1982 auf die sowjetischen Gasfelder in Sibirien, entwickelt Dixon einen Plan, die libyschen Ölquellen mit manipulierter Elektronik zu vernichten. Wenn die Wirtschaft zusammengebrochen ist, werden die Libyer Gaddafi stürzen. So die Überlegung.

Kurt Hoffmann vom BND soll den in Untersuchungshaft in Köln einsitzenden Harald Jasper mit besten Verbindungen zur libyschen Obrigkeit anwerben und nach Tripolis schicken. Dafür verspricht man Jasper die Freiheit. Für Jasper ein verlockendes Angebot, denn ihm drohen 15 Jahre Gefängnis wegen Bruchs des gegen Libyen verhängten UN-Embargos.

Leseprobe:
Langley 2002, Hauptquartier der CIA
Charles Dixon betrachtete fasziniert die Satellitenaufnahmen. Wenn es stimmte, was er hinter den Aufnahmen vermutete, dann hatte er die Lösung für sein Problem gefunden. Die Aufnahmen zeigten eine gewaltige Explosion und er verstand, weshalb nicht eingeweihte Kreise innerhalb der CIA und in Washington anfangs vermuteten, die Sowjets hätten in Sibirien eine neuartige Waffe getestet. Im Sommer 1982 blähte sich der Kalte Krieg wie zu einer bevorstehenden Apokalypse auf. Eine neuartige Waffe, das war glaubwürdig. Nur die ambossförmige Form fehlte, und es wäre die perfekte Explosion einer 3kt TNT Atombombe gewesen, fotografiert von einem Satelliten aus dem Weltraum. Auf den Bildern sah man die parallel angeordneten Pipelines direkt vor der Explosion, auf weiteren Bildern, wie sie von der Wucht einer Explosion zerrissen und empor geschleudert wurden. Es folgten Aufnahmen der Trümmerfelder Stunden später. Wie umgeknickte halb abgebrannte Streichhölzer ragten die deformierten Gasleitungen in die Luft. Die Zerstörungen erstreckten sich über mehrere Quadratkilometer. Die Satellitenaufnahmen der folgenden Monate zeigten, dass die Fördereinrichtungen über lange Zeit nicht in Betrieb genommen werden konnten. Nicht einmal Reparaturtrupps waren auszumachen. Es schien, als hätten die Sowjets die Gasfelder in Sibirien aufgegeben. Charlie Dixon blätterte in den Unterlagen und fand die Kostenaufstellung der damaligen Operation. Die Beträge waren lächerlich gering, und er vermutete hinter den Zahlen anfangs die Spesenabrechnungen der Agenten.
Die westlichen Medien berichteten vom Einschlag eines Objektes aus dem Weltraum. Von Aliens aus einer fernen Galaxie war die Rede und ein Vorfall vom Beginn des Jahrhunderts wurde zitiert. Man musste den Journalisten zugutehalten, dass sie es nicht besser wissen konnten. Der Vergleich drängte sich auf, die Augenzeugenberichte von 1908 ähnelten auf frappierende Weise der Explosion 1982. Damals hatte die Explosion allerdings erwiesenermaßen eine natürliche Ursache – einen Asteroiden-Einschlag in der Gegend von Tunguska. Man sprach auch vom Tunguska-Asteroiden. Die Experten konnten sich lediglich nicht einigen, ob ein oder mehrere Himmelskörper in Sibirien eingeschlagen waren. Es könnte ein Komet gewesen sein, hieß es, von einem Feuerschweif berichtete man. Hinzu kam, dass Wissenschaftler bei Tiefbohrungen keine Fragmente des Himmelskörpers gefunden hatte. Es konnte sich nur um eine Explosion wenige Meter über dem Erdboden gehandelt haben und die enorme Hitze hatte das Material zerstrahlt – was auf einen Kometen hindeutete. Stoff für Verschwörungstheoretiker. Augenzeugen berichteten von bis zu vierzehn Explosionen. Fest stand nur Zeitpunkt und Ort. Der unheimliche Himmelskörper aus dem Weltraum schlug am 30. Juni 1908 gegen 7:15 Uhr im sibirischen Gouvernement Jenisseisk ein, der heutigen Region Krasnojarsk in der Nähe des Flusses Podkamennaja Tunguska. Das war das Siedlungsgebiet der Ewenken, eine Volksgruppe aus dem nördlichen Sibirien. Bei dem Einschlag und der folgenden Druckwelle wurden Bäume im Umkreis von etwa 30 Kilometer entwurzelt oder umgeknickt, Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara zerbarsten. Fachleute schätzten, dass auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern 60 Millionen Bäume umgeknickt wurden. Den hellen Feuerschein hatte man in über 500 Kilometern Entfernung wahrgenommen, Reisende der Transsibirischen Eisenbahn hatten die Druckwelle gespürt.
Charlie Dixon nahm ein Blatt Papier und schrieb ein paar Zahlen auf, eine grobe Kostenaufstellung. Manpower, Material, Verbindungsleute zu Partnerdiensten, NN – Nützliche Nebenabgaben, besser gesagt Schmiergelder.
Er addierte die Beträge. Unmöglich. Dafür würde er niemals eine Genehmigung bekommen. Nicht, weil der Betrag zu hoch war, im Gegenteil. Das kaufte ihm die obere Etage niemals als ernst zunehmende CIA-Geheimoperation ab, das waren die Kosten für den Wochenendausflug einer Pfadfindergruppe. Zumindest, wenn man die Kosten der üblichen CIA-Operationen zum Vergleich heranzog. Er malte sorgfältig hinter jede Position eine Null, addierte erneut, wusste es vorher. Faktor zehn – immer noch viel zu wenig. Er malte hinter jede Position eine weitere Null.
Sollte es wirklich so einfach sein? Unruhe erfasste ihn. Mit so einer Operation legten sie die Öl und Gasförderung eines ganzen Landes innerhalb von Minuten lahm, und das so gründlich, dass über Monate, vielleicht Jahre, nicht mehr gefördert werden konnte.
Mit leisem Schmunzeln dachte er an den Mann, der 1982 im Weißen Haus die Operation im fernen Sibirien abgesegnet hatte. Als er ins Amt kam, sprach man herablassend von einem zweitklassigen Schauspieler und einem liebenswerten Hohlkopf, der sich auf den Präsidentenstuhl verirrt hätte. Als er aus dem Amt schied, waren sich alle einig, selbst seine schärfsten Kritiker, dass der Mann zehnmal schneller dachte, als seine engsten Berater. Auf ihn ist die Methode zurückzuführen, der man den Code-Namen gab – Reagan-Methode.
Drei A4-Seiten. Er las es wieder und wieder, aber es war so, damit war alles gesagt. Wenn er dafür das OK von oben bekam, dann war das der krönende Abschluss seiner Laufbahn. Eher Rutschpartie, nicht Laufbahn. Das würde ihn auf die Ahnentafel der CIA befördern.

Im Kindle-Shop: Embargo: Krieg im Schatten.
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28. November 2018

'Schicksalspfad des Tempelritters: Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle Edition | Taschenbuch
Dedericus, der erste Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Anno Domini 1225. Weite Gebiete Europas liegen in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln.

Sein treues Pferd Harraz begleitet ihn durch seine Abenteuer und ist exemplarisch für die Kriegspferde der Tempelritter.

Leseprobe:
Die Wanderung
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.
Ramus legte den Körper seines Weibes sanft in das Laub des Waldes und beugte sich mit tränenden Augen über die kaum noch Atmende. Erst jetzt sah Dedericus die schweren Verbrennungen an ihrem zarten Körper. Schluchzend warf auch er sich neben sie, küsste ihr vom Ruß verschmiertes Haar. Verzweiflung und Sorge umklammerten sein Herz. Klagend entrang seinem Mund: „Mutter!“
Die Tränen rannen ihm in Bächen über das Gesicht und die Welt, wie sie für ihn existierte, verschwand in einer Woge der unerträglichen Trauer.
Seine Mutter strich ihm zärtlich, mit der letzten Kraft ihres sterbenden Körpers, über seine Wange. Ihr Blick hatte trotz des Schmerzes noch so viel Liebe und Sorge für ihn.
Leise, fast unhörbar, bat sie darum, er solle nach Jerusalem ziehen um die Seele seiner Schwester vor dem ewigen Fegefeuer zu erretten.
„Mutter, …“, flüsterte er mit erstickter Stimme, „… du begleitest mich auf diesem Weg. Bitte verlasse uns nicht“.
Sein Blick wanderte zu dem rußgeschwärzten Gesicht seines Vaters, in dem sich ebenfalls Tränen ihren Weg bahnten.
Sanft faltete Ramus die Hände seiner geliebten Frau über ihrem toten Körper.
Laut schluchzend warf sich Dedericus auf die Schulter seiner Mutter, küsste ihre Wangen und wiederholte immer aufs Neue die Worte: „Mutter, bitte, lass uns nicht allein.“
Aber es kam kein Leben zurück in ihren Körper.
Eine Weile knieten Vater und Sohn an der Seite des toten Körpers der Gräfin. Unfähig in die Realität dieses grausamen Tages zurückzufinden, waren sie von überwältigendem Schmerz gelähmt.
Nach geraumer Zeit wagte einer der Knechte, ein grobschlächtiger, aber gutmütiger Mann, den die Jahre der harten Arbeit gebeugt hatten, ein vorsichtiges und leises: „Herr“, an Ramus de Loen zu richten: „Herr, was sollen wir tun? Die Isenberger Mannen suchen sicherlich nach uns.“
Der Blick des Grafen löste sich nicht vom Gesicht seiner Frau, als er mit gebrochener Stimme den Befehl gab, eine Trage zu richten.
Die Männer folgten seinem Befehl. Dann betteten die beiden De Loens den Körper der Toten sanft auf die Bahre.
Mit nunmehr festerer Stimme befahl Ramus den Männern, ihm mit der Bahre zu folgen.

Im Kindle-Shop: Schicksalspfad des Tempelritters: Dedericus.
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27. November 2018

'Der Bestattungsratgeber: kompetent - sachlich - fair' von Peter Waldbauer

Taschenbuch
Viele Menschen fühlen sich hilflos und überfordert, wenn sie die Bestattung eines Angehörigen in die Hand nehmen müssen, denn manche Bestattungsunternehmen nutzen diese Hilflosigkeit und Trauer der Angehörigen aus.

Der Ratgeber will in Bestattungsfragen sensibilisieren und zeigt konkret, wie sich Angehörige vor unseriösen Bestattern schützen und Betrugs- und Kostenfallen umgehen können.

Das Buch zeigt konsequent prozessorientiert dem gesamten Ablauf eines Sterbefalles. Beginnend mit der ärztlichen Todesbescheinigung, über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bestattungsarten, die Auswahl des richtigen Bestatters, die Überführung, die Versorgung, die Trauerfeier, die zahlreichen Fremdleistungen, bis hin zu Grabmal, Grabpflege und Haushaltsauflösung. Ein besonderes Gewicht liegt auf den finanziellen Aspekten eines Sterbefalls: dem oft verweigerten Kostenvoranschlag, den Fallen und Ungereimtheiten bei der Rechnung, der gerne angepriesenen Sterbegeldversicherung und den horrenden Gebührenordnungen der Gemeinden.

Das Buch enthält außerdem einen umfangreichen Serviceteil sowie ein ausführliches und kommentiertes Adress- und Webseitenverzeichnis.

Leseprobe:
Aus dem Vorwort
Die Branche ist anfällig für dubiose Geschäftemacher, denn der Umgang mit dem Tod ist in Deutschland erschreckend lasch reguliert. Die Berufsbezeichnung »Bestatter« ist nicht geschützt; die Bürokratie tobt sich lieber in der Friedhofsgebührenordnung aus, eine Zulassungsvoraussetzung oder gar eine amtliche Prüfung zum Bestatterberuf gibt es nicht. So blüht die Tätigkeit der Bestatter vielerorts im Verborgenen und das nutzen einige, wenn auch nicht alle Bestatter aus. Daran sind die Angehörigen nicht ganz unschuldig. In einer Gesellschaft, in der sich traditionelle Familienbindungen auflösen, in der die Großfamilie ausstirbt, die Mobilität zunimmt und die Familienmitglieder entfernt von einander wohnen, muss der Tod eines Angehörigen zwangsläufig »outgesourct« werden. Er wird an Fachleute übergeben, die den Sterbefall anstelle der Angehörigen abwickeln. Diesem Fachmann, dem Bestatter, kommt somit die Rolle einer Autorität zu. Die Bezeichnung »Bestattungsinstitut « suggeriert einen offiziellen, einen behördlichen Charakter. Der Beiname »Pietät« (lat. Frömmigkeit) suggeriert sogar mehr: Mit ihm verbinden sich Werte wie Pflichtgefühl, Moral, Ethik, Würde und Anstand. Doch sind Qualität und Redlichkeit eines Bestattungsinstituts für den Kunden nicht immer zu erkennen. Qualitätszeichen, von diversen Verbänden verliehen, bieten zwar eine erste Orientierung, verwirren aber durch ihre Anzahl (rund ein Dutzend) und überfordern die Angehörigen, den Wert dieser Gütezeichen und -siegel einzuschätzen.
Hinzu kommt der psychologische Druck: trotz Trauer und Erschöpfung müssen weitreichende Entscheidungen getroffen, müssen viele Aufgaben erledigt werden. Die Zeit dafür ist begrenzt. Eine vermeintliche Verpflichtung gegenüber dem Verstorbenen führt dann dazu, dass die geschäftliche Seite einer Bestattung nicht kühl erwägt, sondern hastig absolviert wird. Oft wird ohne Preisvergleich beauftragt.
Eine Umfrage der Stiftung Warentest im Jahr 2008 unter 1.000 Lesern über ihre Erfahrung mit Bestattungsfirmen brachte das Ergebnis: »Wenn man sich vorher mit der Materie beschäftigt hätte, würde man vieles anders machen.«
Die Konsequenz für Sie: Informieren Sie sich frühzeitig, was bei einem Sterbefall zu tun ist und worauf Sie achten müssen. Wenn es soweit ist, können Sie dann in Ruhe zwischen Alternativen wählen und müssen nicht unter Zeitdruck das erstbeste (und zu teure) Angebot annehmen.

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'Der Tod lernt mit: Ein Dorfkrimi' von Alexander Huberth

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das ist schlimmer als eine Wurzelbehandlung: Mit Mitte dreißig muss Leo ins Schwulz zurückkehren. Ins Schwarzwald-Schulzentrum also, den Ort, den er einst nach dem Abitur fluchtartig verlassen hatte. Aber weil Julius, der Sprössling von Leos Kumpel Alex, gemobbt wird, bleibt Leo nichts anderes übrig, als sich seiner schulischen Vergangenheit zu stellen – er und Samson, der furchteinflößende Irische Wolfshund, sollen das tun, was sie am besten können: mobbenden Kindern Furcht einflößen.

Während sich das sechsbeinige Detektivduo um die fiesen Kids kümmert, pflastern Leichen, Lehrer und ein später Wintereinbruch den Weg der beiden. Außerdem werden Leo und Samson in eine Entführung verwickelt. Sie ahnen nicht, wie schnell sich ihnen das Unheil nähert – und es ist gefährlicher als eine 6 in Mathe.

Leseprobe:
Robbie fuhr so schnell und risikoreich, wie es die Dunkelheit zuließ. Kurz bevor er die Stadtgrenze und damit den letzten Anstieg erreichte, kurvte er durch ein abschüssiges Waldstück. Wäre er nicht erst siebzehn gewesen, sondern ein paar Jahre älter, hätte er sich vielleicht Gedanken gemacht, was eigentlich passieren würde, sollte ein Wildschwein, ein Reh oder auch nur ein Fuchs seinen Weg kreuzen. Möglicherweise hätte er dann die Geschwindigkeit gedrosselt. So aber hatte er nur eines im Sinn: Mia.
Noch vier Kurven. Robbie beugte sich über den Lenker wie ein Zeitfahrer bei der Tour de France. Links raschelte etwas im Gebüsch, etwas Großes. Doch Robbie hörte nur den Fahrtwind. Er registrierte nicht, dass ein Hirsch majestätisch auf die Straße trat – Sekundenbruchteile, nachdem Robbie die Stelle in einem Höllentempo passiert hatte.
Noch zwei Kurven, die nächste war besonders eng. Robbie bremste, richtete sich auf, lenkte in Richtung des rechten Fahrbahnrands und schwenkte scharf nach links. Einen herrlichen Moment lang fühlte er sich schwerelos. Er fühlte sich ...
Was war das? Im schmalen Scheinwerferkegel von Robbies Rad tauchte ein Auto auf. Er raste genau darauf zu.
»Scheißeeeeee«, schrie Robbie. Er zerrte an den Bremsen, versuchte gleichzeitig, den Lenker nach links zu ziehen, um irgendwie auszuweichen. Verdammt, das wurde knapp. Richtig knapp. Scheißknaaaaapppp!!!
Robbie brüllte. Erst vor Angst, dann vor Erleichterung. Er würde es schaffen. Eine Sache von Zentimetern, aber es würde reichen, es würde reichen, es würde ...
In diesem Moment öffnete sich die Fahrertür.
Das Rad krachte mit voller Wucht dagegen, der Knall ließ Vögel dutzendfach erschreckt auffliegen.
Robbie segelte durch die Luft. War der Baumstammstapel, dem er sich mit Lichtgeschwindigkeit näherte, eben schon hier gewesen? Das Ding wurde immer größer und bedrohlicher, während Robbie wie ein abgestürzter Skispringer in der Luft taumelte.
Dann war es vorbei. Robbie schlug hart auf der rissigen Waldstraße auf. Rollte sich zusammen, während er über den rauen Asphalt schlitterte. Dass er sich am ganzen Körper die Haut aufriss, spürte er kaum. Den Baumstapel sah er nicht mehr. Schon gar nicht, als er mit dem Kopf dagegen prallte und liegen blieb.
Einen Moment lang herrschte Stille, der Wald schien den Atem anzuhalten.
Bis Robbie aufstöhnte.
Erst wunderte er sich, dass er keine Schmerzen verspürte. Dann kamen sie mit Gewalt. Die zerrissene Haut, die Steinchen, die sich in sein Fleisch gefressen hatten. Der gebrochene Arm, dessen zerborstener Knochen sich durch Robbies Jacke gebohrt hatte und der aussah wie ein zu kurz geratener Spazierstock. Oh Gott!
Robbie schrie. Er schrie und hörte nicht mehr auf.
Schritte näherten sich.
Eine Stimme sagte: »Unfassbar, der Fahrradhelm hat dir das Leben gerettet.«
Robbie kannte die Stimme. Sie würde ihm helfen, würde einen Krankenwagen rufen, ihn nicht allein lassen. Vor Erleichterung hätte er beinahe geweint, doch die Schmerzen verdrängten jedes aufkeimende Glücksgefühl sofort.
»Was soll ich nur mit dir anstellen? Robbie, Robbie, Robbie, du machst es mir echt nicht leicht«, sagte die Stimme, die so teilnahmslos klang, als hätte der Wind ein Blatt über die Straße geweht. Und nicht die Fliehkraft den Körper eines Jungen zerschmettert.
Eine Hand, mit Handschuhen geschützt, kam in Robbies Blickfeld. Durch all die Schmerzen kroch Panik Robbies Rücken hinauf, eroberte seine Nervenenden, setzte sich in seinem Bewusstsein fest. Nackte Panik.
Die Hand verschwand. Robbie hätte nicht sagen können, wie viel Zeit seit dem Sturz vergangen war. Drei Sekunden? Dreißig? Dreihundert? Vielleicht Dreitausend? Was wäre das in Minuten? Oder in Stunden?
Die Hand tauchte wieder auf. Ein großer Stein lag in ihr, spitz zulaufend, wie das unbeholfen bearbeitete Werkzeug eines Neandertalers. Schweigend machte sich die Gestalt an ihr Werk. Legte den Stein in die andere Hand. Hob Robbies Kopf an. Platzierte den Stein an der Stelle, wo eben noch der Kopf gelegen war.
Robbie spürte, wie die Kraft in jener Hand, die seinen Schädel hielt, zusammenfloss, wie sich die Energie sammelte, wie sie sich auf den tödlichen Schlag vorbereitete. Dann wurde sein Kopf nach unten gewuchtet. Die ungeschützte Schläfe knallte auf die Spitze des Steins.
Robbie bekam nicht mehr mit, wie das Auto davonfuhr. Er bekam nicht mit, wie sich nach endlos langer Zeit ein weiteres Auto näherte, der Fahrer das auf der Straße liegende Fahrrad überrollte, dabei Spuren verwischte, die Scheinwerfer auf die reglose Gestalt am Straßenrand richtete und unter Schock stehend Hilfe herbeirief.
Und er bekam nicht mit, dass sein Handy ihn mit einem Signalton über eine eingegangene Nachricht informierte.
»Hey«, schrieb Mia, »wann bist du endlich daheim? Rufst du mich an? Würde gerne deine Stimme hören.« Dazu ein Kuss-Smiley.
Nichts davon bekam Robbie mit. Er war tot.

Im Kindle-Shop: Der Tod lernt mit: Ein Dorfkrimi (Ein Fall für Leo und Samson 4).
Mehr über und von Alexander Huberth auf seiner Website.



26. November 2018

'Mombel der Mutmacher: Der verflixte Kasten' von Beate Geng

Kindle Edition | Taschenbuch
Paule hasst den Sportunterricht. Nie schafft er es, über die blöden braunen Kästen zu springen. Jedes Mal blamiert er sich vor der ganzen Klasse. Alle lachen - immer! Das macht unseren Paule natürlich traurig. Eines Tages passiert etwas Unglaubliches. Ihm erscheint, schwuppdiwupp, ein kleines Gespenst. Das ist Mombel und der spricht in Reimen!

Zuerst ist Paule nicht begeistert. Aber dann bemerkt er etwas. Mombel taucht immer dann auf, wenn Paule sich nicht traut oder Angst hat. Das kleine Gespenst lacht nicht, sondern redet Paule gut zu. Und siehe da …

Ein Mutmachbuch zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren. Zum selbständigen Lesen für Kinder ab 8 Jahren. Und: Für Jugendliche und Erwachsene, die im Sportunterricht mit den Kästen nicht klarkamen!
Leseprobe:
Der verflixte Kasten

Der kleine Paule wohnte mit seinen Eltern und seinem großen Bruder in einem kleinen Dorf namens Trötenheim. Das ist in der Nähe von Dingenshausen.
Er besuchte die zweite Klasse der Grundschule Büffeltal.
Eigentlich war Paule ein sehr aufgewecktes, frohes Kind und er ging gerne zur Schule – wäre da nur nicht der blöde Sportunterricht gewesen. Paule hasste Sport. Und deshalb war er natürlich auch nicht besonders gut. Da lief immer alles schief.
Und das war noch nicht alles! Nee, da gab es noch seine gemeinen Klassenkameraden. Die machten sich immer lustig über Paule und zogen ihn ständig auf.
Martin sagte zum Beispiel: „Paule, Paule stolpere nicht, sonst hast du wieder Schrammen im Gesicht.“ Schon brach die ganze Klasse in Gelächter aus.
Deshalb wünschte sich Paule nichts sehnlicher, als es ihnen allen einmal so richtig zu zeigen. Martin und den anderen sollte die Spucke im Hals steckenbleiben.

An einem Montag aß Paule mit seiner Familie zu Abend. Eigentlich hätte er superglücklich sein müssen, denn seine Mama hatte extra Pfannkuchen für ihn gebacken. Die liebte er normalerweise über alles. Aber Paule saß mit einem mürrischen Gesicht am Tisch und stocherte im Essen herum.
„Was ist denn los mit dir, mein Schatz?“, fragte seine Mama.
„Nix“, brummelte Paule.
Aber seine Mama ließ nicht locker.
„Na gut“, stöhnte Paule, „morgen ist mal wieder dieser voll bescheuerte Sportunterricht. Wir sollen über diese dämlichen, blöden braunen Kisten – oder wie die Dinger heißen – springen. Aber meistens knalle ich gegen die Teile und haue mir die Haxen auf.“



Seine Mama schaute ihn mitfühlend an und sagte: „Diese dämlichen Dinger sind Kästen. Wenn du immer sagst, dass du es nicht kannst, wird es auch nie klappen. Man kann alles schaffen, wenn man nur will.“
Da brüllte sein großer Bruder Micha: „Morgen können wir den kleinen Dummkopf dann vom Holzkasten kratzen. Haha.“
Da stiegen Paule die Tränen in die Augen. Erstens aus Traurigkeit, weil Micha ihn auslachte, und zweitens vor Wut. Die Tränen bemerkte Micha natürlich und rief ganz fröhlich: „Pauli ist `ne Heulsuse, Pauli ist ein Mädchen!“
Die Mama ermahnte Micha, er solle aufhören, nun auch noch zu stänkern. Dann ging sie in die Küche.
Micha rannte, dumm grinsend, in den Garten und spielte mit Charly, dem Familienhund.
Nun saß Paule alleine und traurig am Tisch. Auf einmal spürte er einen leichten Luftzug neben sich und in der Luft, nanu, da schwirrte etwas.
Mit offenem Mund, ganz starr vor Schreck saß Paule auf seinem Stuhl. Er traute seinen Augen kaum. Neben seinem Kopf schwebte so ein kleines Gespenst.

Im Kindle-Shop: Mombel der Mutmacher: Der verflixte Kasten.
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'Mord auf Kongress' von Christine Zilinski

Kindle | Tolino | Taschenbuch
„Professor Rehagen stützte sich mit beiden Händen am Rednerpult ab und atmete schwer. Er öffnete wieder den Mund, um weiterzusprechen. Doch es kamen keine Worte heraus. Stattdessen sah Rehagen mit starrem Blick ins Publikum, dann auf seine Hände. Rehagen stieß mit gepresster Stimme hervor: „Ich... es tut mir leid. Mir geht es irgendwie...“, er brach abrupt ab und glitt lautlos zu Boden.“

Charlotte soll beim Kongress eigentlich über einen Vortrag von Professor Rehagen berichten. Doch kaum am Sprecherpult, bricht der Redner zusammen und stirbt – und Charlotte wittert Mord. Diesmal bittet sie Kommissar Jankovich selbst um Hilfe, und er kommt ihrem Hilferuf nach. Als Charlotte sowohl Drohnachrichten als auch Avancen erhält, lenkt das den Kommissar allerdings von der Arbeit ab …

Charlotte Bienert ermittelt wieder - in ihrem dritten Fall.

Leseprobe:
Der hochgewachsene Mann, der nun selbstbewusst zum Mikrofon am Stehpult zusteuerte, war derselbe Mann, der in der Medienannahme beinahe mit ihr zusammengeprallt wäre. ‚So sieht man sich wieder‘, dachte Charlotte. ‚Das ist also Professor Günther Rehagen.‘ Der autoritäre Mittfünfziger fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, mit der anderen tippte er auf einem Laptop herum, der oben auf dem Rednerpult stand. Prompt erschien ein Bild auf der Leinwand hinter Rehagen. Darauf standen sein Name, sein Institut und die Namen der von ihm geleiteten Arbeitsgruppenmitglieder. Das Gemurmel im Saal verstummte umgehend und der Professor räusperte sich. Dann begann er mit demonstrativem Lächeln seinen Vortrag. Mit lauter, sonorer Stimme tönte er ins Mikrofon: „Guten Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich freue mich, dass ich heute mit dem Highlight-Vortrag zu Ihnen sprechen darf. Das ist mir eine große Freude und Ehre, und ich verspreche Ihnen nicht zu viel, wenn ich Ihnen sage: Das wird spannend.“ Er machte eine Kunstpause und einige der Zuschauer lachten höflich. Charlotte richtete ihre Kamera auf die Leinwand hinter Rehagen, um seine erste Folie abzufotografieren. Als sie die Kamera wieder herunternahm und auf den Professor blickte, blinzelte sie irritiert. ‚Irgendwas stimmt da nicht‘, dachte sie und glaubte, einen Wandel in Rehagens Gesicht zu bemerken. Eben noch hatte er souverän gewirkt und den Vortrag mit routinierter Leichtigkeit begonnen. Doch auf einmal wirkte er angespannt. Rehagen runzelte die Stirn und griff sich an die Krawatte. Er bewegte den Knoten ein wenig von links nach rechts. Doch dann betätigte Rehagen erneut eine Taste an seinem Laptop und die nächste Folie erschien auf der Leinwand: Ein skelettierter Fischkopf mit weit aufgerissenem Maul war zu sehen. Charlotte drückte wieder den Auslöser ihrer Kamera. Währenddessen sprach Rehagen: „Das ist eine computertomografische Aufnahme des Säbelzahn-Schleimfisches. Dieser Fisch wird die Zukunft der Schmerztherapie revolutionieren. Das gebe ich Ihnen schriftlich.“ Wieder machte er eine Pause, aber diesmal lachte niemand mehr. Mittlerweile war weit über Charlottes Sitzreihe hinaus zu erkennen, dass Rehagen merklich angespannt war. Er griff wieder nach seiner Krawatte und lockerte jetzt den Knoten. Dann stützte er sich mit beiden Händen am Rednerpult ab. Charlottes ungutes Gefühl verstärkte sich. ‚Oh Gott, gleich passiert was‘, schoss es ihr durch den Kopf. Rehagen schien schwerer zu atmen, öffnete jedoch immer wieder den Mund, um weiterzusprechen. Doch es kamen keine Worte mehr heraus. Stattdessen sah Rehagen mit starrem, beinahe verwundertem Blick ins Publikum und dann auf seine Hände. Ein Instinkt veranlasste Charlotte, erneut auf den Auslöser ihrer Kamera zu drücken. Diesmal jedoch fotografierte sie nicht mehr die Leinwand. Sie machte ein Bild vom Professor, der immer noch verständnislos auf seine Hände starrte. Rehagen stieß mit gepresster Stimme hervor: „Ich... ich... es tut mir leid, ich glaube, ich muss hier kurz abbrechen. Mir geht es irgendwie...“, er brach abrupt ab. Ohne einen Laut von sich zu geben, glitt er unkontrolliert zu Boden.

Im Kindle-Shop: Mord auf Kongress: Charlotte Bienert ermittelt wieder (Charlotte Bienert Reihe 3) .
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Christine Zilinski auf ihrer Website.



23. November 2018

'15 Tage' von Rosemarie Benke-Bursian

Kindle Edition | Amazon | Thalia
Dieser Krimi entstand unter Mitwirkung der Coautoren Jonas Höbenreich und Veronika Otto.

Der fast sechzehnjährige Leo Förster aus Tutzing ist verschwunden. Aus heiterem Himmel. Einfach weg.

Was ist geschehen? Ist er weggelaufen? Ist ihm etwas zugestoßen? Sagt sein Freund David die Wahrheit oder verschweigt er etwas? Und wer ist diese geheimnisvolle Person, mit der Leo sich angeblich vor seinem Verschwinden getroffen hat? Gibt es sie überhaupt?

Immer wieder stecken die Polizistin Abby und der Hauptkommissar Georg hoffnungslos fest. Je mehr sie über Leo erfahren, umso rätselhafter erscheint sein Verschwinden. Da meldet sich ein weiterer Zeuge …

Zwei Wochen spannungsgeladener Suche halten die Ermittler in Atem, bis schließlich an Tag 15 auch das letzte aller Rätsel gelöst ist.

Leseprobe:
Frau Förster stürmte so aufgewühlt in das Starnberger Polizeirevier, dass sie das Schiebefenster im Vorraum vollkommen übersah. Erst die Tür zum eigentlichen Eingangsbereich stoppte ihren Lauf. Die zwei Beamten hinter dem Tresen blickten sie fragend an. Der jüngere der beiden kam zum Schalter und schob das kleine Fenster auf. »Wie können wir Ihnen helfen?«
»Mein Sohn ist weg! Sie müssen ihn bitte sofort suchen!«
Der Beamte betätigte den Türöffner und ließ Frau Förster in das Vorzimmer eintreten. »Was meinen Sie denn mit weg?«, fragte er.
»Weg halt. Verschwunden! Nicht im Bett.«
»Beruhigen Sie sich erst mal, gute Frau. Und dann erzählen Sie der Reihe nach, was passiert ist«, mischte sich nun der ältere Polizist ein.
»Leo wollte sich gestern Abend mit seinem Freund David treffen und ist nicht mehr nach Hause gekommen. Sein Bett war unberührt.«
»Wie alt ist denn Leo?« Der jüngere Beamte hatte einen Telefonhörer in die Hand genommen.
»Fünfzehn. Wie David.« Sie machte eine kurze Pause. »Nächsten Monat wird er sechzehn.«
Der Polizist legte den Hörer aus der Hand. »Fünfzehn? Kann es nicht sein, dass er einfach bei David übernachtet hat?«
»Da habe ich natürlich zuerst angerufen. Da ist er nicht. David hat keine Ahnung. Leo ist gar nicht zum Treffen gekommen.«
Der Beamte schien einen kurzen Moment zu überlegen: »Haben Sie schon im Krankenhaus angerufen? Vielleicht hatte er einen Unfall?«
»Ja, beim Tutzinger Krankenhaus. Aber da ist er nicht.«
»Dann starte ich mal kurz einen Rundruf in die umliegenden Kliniken, um sicherzustellen, dass er nicht dort irgendwo eingeliefert wurde. Wie ist ihr Familienname?«
»Förster. Aber ich kann mir nicht denken, dass Leo aus Tutzing raus ist. Nicht freiwillig.«
»Verstehe«, sagte der Beamte und hackte heftig auf die Computertastatur ein, »trotzdem kann er in einem anderen Krankenhaus liegen. Hier im Landkreis sind die Betten ja schnell gefüllt, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert. Dann bringt ein Rettungswagen ihren Jungen notfalls sogar nach Murnau oder München.« Der Beamte schaute Frau Förster freundlich an. »Die Jungs fahren so lang, bis sie eine Klinik gefunden haben.«
»Natürlich.« Leos Mutter schaute mit flackerndem Blick zum Computer, dessen Bildschirm für sie nicht einsehbar war. Unschlüssig senkte sie den Kopf. »Und wie lange dauert das? Bis Sie Bescheid wissen, meine ich?«, fragte sie schließlich.
»Da können wir jetzt drauf warten. Bei einer polizeilichen Anfrage reagieren die sofort.«
Frau Förster fixierte ihre Fingernägel, an denen sie herumzupfte.
Der Polizist schaute auf den Bildschirm. Offensichtlich trafen schon die ersten Antworten ein. »Nein, in einem der abgefragten Krankenhäuser liegt er nicht«, sagte er schließlich und griff abermals zum Hörer: »Ich rufe Ihnen jetzt mal meine Kollegin Smith. Bei der können Sie eine Vermisstenanzeige aufgeben.«
Die herbeigerufene Kollegin stellte sich als Abbygail Smith vor und reichte Leos Mutter die Hand.
»Förster«, sagte diese und folgte der Polizistin in einen kleinen kahlen Raum mit einem Tisch und zwei Stühlen.
»Setzten’S sich«, sagte Frau Smith und legte eine schwarze Mappe und einen Laptop auf den Tisch. »Möchten’S ein Glasl Wasser oder einen Kaffee?«
Frau Förster schüttelte den Kopf. »Nein, nein. Suchen Sie lieber meinen Sohn.«
»Jetzt nehm ich erst mal eine Vermisstenanzeige auf und dafür bräucht ich von Ihnen ein paar Angaben.«
Während die Polizistin alle Daten zu Leo und seinem Verschwinden aufnahm und fragte, ob er noch bei anderen Freunden sein könnte, ob es Ärger in der Schule oder zu Hause gab, oder ob er schon öfter über Nacht fortgeblieben war, wurde Leos Mutter zusehends ungeduldiger. »Nein, nein. Er ist noch nie einfach fortgeblieben. Ihm ist bestimmt was passiert!« »Wann ham’S ihn denn zuletzt gsehn oder gsprochn?«
»Warten Sie mal. Das war …« Frau Förster legte eine Hand aufden Mund. »Das war so gegen vier Uhr, glaube ich. Oder war es doch schon fünf? Ich hatte noch ein bisschen Kuchen übrig, aber den wollte er nicht. Wollte sich mit seinem Freund David treffen.« Frau Förster schlug sich erneut die Hand vor den Mund. »Ist fort, ohne noch mal was zu essen. Bitte fangen Sie doch mit der Suche an!«, flehte sie und ihre Augen wurden wässrig.
»Bleibn’S ruhig. Fast alle verschwundenen Kinder und Jugendlichen tauchen innerhalb von vierazwanzg Stunden wieder auf.«
»Aber … aber so lange können Sie doch nicht warten!« Frau Förster schnappte nach Luft, erhob sich ein Stück vom Stuhl, um sich zu Frau Smith hinüberzubeugen, ihre Stimme überschlug sich.
»Natürlich warten wir net so lang, auch wenn viele Leut glauben, die Polizei würd erst nach vierazwanzg Stunden anfangen zum suchen. Des ist natürlich ein Schmarrn. Unsre Suche richtet sich nach der möglichen Gfahr und den Hinweisen. Bei kleinen Kindern suchen wir immer. Sofort«, sagte Frau Smith, mit Betonung der beiden Wörter immer und sofort. »Bei Erwachsenen suchen wir dagegen oft gar net. Die haben nämlich die Freiheit, einfach zu verschwinden.«
»Leo ist aber nicht erwachsen!« Frau Förster hatte sich wieder gesetzt, kramte in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch und tupfte sich die Augenwinkel.
»Na, aber der ist fast sechzehn. Bei Jugendlichen müssen wir abwägen. Die überschreiten gern Grenzen. Ist ja auch net verkehrt, die müssen sich ausprobiern.«
»Leo würde niemals freiwillig von zu Hause wegbleiben! Niemals!« Frau Förster legte beide Hände vor sich auf den Tisch und lehnte sich erneut weit zu der Polizistin hinüber.
»Ihr Junge wird bstimmt bald wieder zurückkommen«, versuchte diese zu beschwichtigen. »Natürlich darf der sich net einfach aufhalten, wo er möcht. Ich nehm Ihre Sorge schon ernst. Er hat doch sicher ein Handy dab…«
»Da geht immer nur die Mailbox ran. Und das ist auch ganz ungewöhnlich.«
»Na ja, möglicherweise ist ja nur der Akku leer, das hat ja nix zum sagen. Wir werden jetzt auf jeden Fall eine Handyortung und eine Fahndung veranlassen. Dafür bräucht ich aber auch noch ein Foto. Ham’S zufällig eins dabei? Möglichst aktuell?«
Frau Förster stutzte. Dann griff sie in ihre noch geöffnete Handtasche. »Ich habe ein paar Bilder von unserem letzten Ausflug aufs Hörnle in meiner Tasche. Das war zwar im Herbst, Leo hat sich aber seitdem kaum verändert.«
»Zeign’S mal. Wir bräuchten natürlich eins, worauf man den Leo gut erkennt.«
Frau Förster reichte Abbygail Smith die Fotos über den Tisch.
»Ach, des ist gut. Können wir des nutzen?«
»Ja, ja! Nehmen Sie nur. Alles, was Sie brauchen. Hauptsache Sie finden Leo.«
»Ich werd mich jetzt mit meinen Kollegen besprechen.« Frau Smith legte das Foto in die schwarze Mappe und verließ den Raum. »Warten’S einen Moment, ich hol schnell das Protokoll aus dem Drucker.«
Während Frau Förster wartete, nahm sie die restlichen Fotos in die Hand. Von einem strahlte ihr Leo fröhlich entgegen. Rasch verstaute sie das Bild, Leos Lachen war mehr als sie in dieser Situation ertragen konnte. Beinahe dankbar registrierte sie, dass die Polizistin zurückkam.
»Gehen’S am besten erst mal nach Haus«, sagte diese aufmunternd lächelnd, als Frau Förster zu ihr aufsah. »Vielleicht ist der Leo ja schon wieder daheim.«

Im Kindle-Shop: 15 Tage - Krimi.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Rosemarie Benke-Bursian auf ihrer Website.



'Ritter vom BKA #1' von Max Müller

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Mit Hirn, Charme und Methode

Was, um Himmels willen, machen ein Ermittler in den besten Jahren, eine durchgeknallte tätowierte Polizistin mit frecher Berliner Schnauze und ein blutjunger Computer-Nerd in der tiefsten Provinz an der Nordsee? Wo schlägt das ungleiche Team seine Kommandozentrale auf? Und was genau verbindet die drei mit der Hauptstadt – ganz abgesehen von ihrer neuen Kollegin mit dem klingenden Namen Monika Rätsel.

Gestatten: „Ritter vom BKA“ – das ist der erste Krimi um Chefermittler Max Ritter, der nach einer Zwangspause mit neuem Team, viel Energie, jeder Menge Charme und der einen oder anderen ‚unkonventionellen’ Methode alten, bislang ungelösten Kriminalfällen nachgeht. Ihr erster Fall: der mysteriöse Mord am Bürgermeister von Wesselburen an der Nordsee.

Hauke Janssen war ein allseits beliebter Zeitgenosse, ein liebender Ehemann, sympathischer Kollege und Chef, engagierter Grünen-Politiker und Naturschützer. Doch je tiefer die Ermittler in seine Vergangenheit eintauchen, desto mehr Menschen begegnen ihnen, die gute Gründe gehabt hätten, Janssen lieber tot als lebendig zu sehen. Waren es tatsächlich Einbrecher, die ihn auf dem Gewissen haben? Wer, zur Hölle, ist der unsympathische Dreßen in Wirklichkeit? Und welche Rolle spielt Janssens Parteifreund Peter Mommsen?

Leseprobe:
# Donnerstag, 6. März 2014
Als Ritter aufwachte, war es acht Uhr. Er konnte hören, wie der Regen wieder mal heftig auf das Hausdach prasselte. Und er konnte den Kaffeeduft aus der Küche riechen und stand deshalb ruckartig auf. In der Küche hatte Wagner bereits den Tisch eingedeckt und freute sich offensichtlich, als er Ritter sah. »Morgen, Chef. Gut geschlafen?«
»Oh ja. Herrlich. Irgendwie ist es hier an der Nordsee doch ein wenig wie Urlaub. Das ist das erste Mal, dass ich mich bei Ermittlungen nicht gestresst fühle.« Wagner sah aus dem Fenster und sagte dann: »Ja, fast wie im Urlaub, wenn es nicht ständig regnen würde. Etwas mehr Sonne wäre auch schön, aber wir haben hier ja was zu tun. Wie lief es denn eigentlich bei der Haller gestern?« Ritter musste kurz an die Fahrt nach Brunsbüttel vergangenen Abend denken und antwortete dann: »Ach, eigentlich nichts Neues. Außer, dass die Haller ganz schlecht auf die Ehefrau ihres Bruders zu sprechen war. Für sie war die Nina Janssen diejenige, die hinter diesem Mord steckt, um an das Geld ranzukommen. Sie nannte sie sogar Schlampe und falsche Schlange.«
Wagner stand auf und begann bereits wieder, das Frühstück abzuräumen. Dann legte er Ritter ein Foto auf den Küchentisch und schenkte Kaffee nach. »Ich habe bei Schneider nur dieses Foto hier gestern gefunden, sonst nichts Bedeutendes. Es stank wie Hölle in seiner Bude, völlig verwahrlost alles. Der war wohl wirklich total abgestürzt.«
Ritter schaute sich das Foto an. Man konnte Jens Schneider mit dem unbekannten Mann sehen, den sie bereits auf den Facebook-Fotos bei Nina Janssen gesehen hatten. Das war eine kleine Überraschung. Auf dem Foto sah man im Hintergrund außerdem die Kirche in Wesselburen. Er erkannte sie sofort an dem seltenen Zwiebelturm.
Wir müssen unbedingt rausfinden, wer dieser Mann da auf dem Foto ist, dachte sich Ritter und schaute ihn sich noch mal etwas genauer an. Der Unbekannte hatte dicke, schwarze Haare, trug diese streng nach hinten gekämmt. Mit Gel oder so etwas Ähnlichem. Die Haare leuchteten fast auf dem Bild. Er hatte eine hellbraune Hautfarbe, war demnach anscheinend ein Südländer. Und er hatte einen schwarzen Anzug an, war ziemlich groß und sah verdammt gut aus. Sicherlich ein Frauenheld für einige der Einheimischen hier.
»Na, Chef! Da ist er wieder. Unser großer Unbekannter«, sagte Wagner. »Ja, allerdings. Gut gemacht, Wagner! Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wer dieser Öl-Prinz da ist.« Wagner lachte und fragte: »Öl-Prinz?«
»Na, wegen der öligen Haare«, sagte Ritter, stand auf und verschwand kurz in seinem Zimmer. Er suchte in seinem Reisekoffer nach einem Fotoabzug, den er mitgenommen hatte. Als er das Foto gefunden hatte, gingen die beiden auf die Terrasse, um die morgendliche Zigarette zu rauchen.
Ritter gab Wagner Instruktionen für den Tagesverlauf: »Ich möchte, dass Sie zu Kommissar Thys nach Heide fahren und ihm das Foto zeigen, dass Sie bei Schneider gefunden haben. Vielleicht kennt er ja unseren unbekannten Öl-Prinzen. Er soll es seinen Kollegen aber erst morgen zeigen und heute noch für sich behalten. Sagen Sie ihm, das sei sehr wichtig. Wir hätten einen Plan und der sei gefährdet, wenn er das Öl-Prinz-Foto heute schon den anderen zeigt« Dann gab ihm Ritter das andere Foto aus seinem Koffer. Darauf war ein Mann mit braunen, kurzen Haaren zu sehen. »Und dieses Foto hier geben Sie dann der Frau mit der bunten Igel-Frisur am Empfang. Sagen Sie ihr, dass wir diesen Mann dringend suchen. Er sei unser neuer Hauptverdächtiger. Und dann fragen Sie das Igelchen, ob sie den Mann kennt. Sie wird vermutlich ›Nein‹ sagen. Dann sagen Sie ihr, dass Sie das Foto behalten kann, und mal rumfragen soll, wer ihn kennt.«
Sie gingen wieder zurück ins Wohnzimmer. »Und wer ist jetzt dieser Mann auf dem Foto da?«, fragte Wagner. »Das ist mein verstorbener Großonkel aus Bremen. Er hat keine Familie oder lebenden Verwandten mehr. Er war ein richtiger Idiot. Ich mochte ihn nicht besonders. Er war der Bruder meiner verstorbenen Großmutter mütterlicherseits. Und da er bereits vor Jahren gestorben ist, kann man ihn sowieso nicht finden«, antwortete Ritter grinsend und fuhr fort: »Wenn mich nicht alles täuscht, wird sich der Igel vom Empfang dann früher oder später mit dem Journalisten der Dithmarscher Landeszeitung treffen und ihm dieses Foto übergeben. Sie müssen sie beschatten und am besten bei einer Übergabe fotografieren.«
Wagner war einen Moment lang sprachlos. Schließlich meinte er: »Mann, Mann, Sie haben ja krasse Tricks drauf. Bin mal gespannt, ob Ihr Instinkt richtig ist.«
Er klappte seinen Laptop auf und googelte den Journalisten. Harry Pahl war sein Name. »Sehen Sie, Wagner, der Journalist hier sieht ganz gut aus. Wenn der nun der jungen, aber dicken Frau am Empfang ein paar Komplimente gemacht hat, macht die doch alles für den. Oder glauben Sie etwa, dass sie viele Komplimente oder gar Angebote von Männern erhält? Sie ist bestimmt sehr einsam und hätte gerne so einen Traumprinzenneben sich. Sie ist vermutlich total verliebt in den Typen und kann nicht mehr klar denken. Wir schlagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir finden das Leck bei der Polizei und die Landeszeitung veröffentlicht ein Bild von meinem toten Onkel mit einer fetten Überschrift«, sagte Ritter.
Und Wagner ergänzte: »Und der Journalist bekommt bestimmt Ärger, weil er schlecht recherchiert hat. Damit ist er der totale Vollpfosten hier in Dithmarschen. Und die Igel-Frau bekommt ebenfalls Ärger und verliert auch noch ihre neue Pseudoliebe. Oh je, das wird sie sicher hart treffen.«
»Ja, das wird es. Sie tut mir ein bisschen leid, aber sie arbeitet nun mal bei der Polizei, und da geht so etwas überhaupt nicht. Morgen früh präsentieren wir dann unserem Kommissar Thys das Ergebnis. Und anschließend können Sie mit unserem James-Bond-Auto nach Berlin zurückfahren und ein schönes Wochenende mit ihrer Freundin verbringen. Ich nehme den kleinen Wagen.«
Wagner schaute ihn freudestrahlend an: »Echt? Vielen Dank. Sie kommt morgen mit dem Zug aus Freiburg. Da wird Daniela sich bestimmt total freuen. Ich sag ihr gleich mal Bescheid.« Wagner tippte kurz eine Nachricht auf seinem Handy, dann fragte er Ritter: »Was machen Sie denn hier oben am Wochenende so ganz alleine? Hier herrscht ja völlig tote Hose.«
»Mir wird schon was einfallen, Wagner. Ich werde endlich mal nach Sankt Peter-Ording fahren. Und dieses Eidersperrwerk möchte ich mir mal anschauen.«

Im Kindle-Shop: Ritter vom BKA #1.
Mehr über und von Max Müller beim pinguletta Verlag.



22. November 2018

'Brief ohne Absender' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Besser Falten vom Leben, als Falten von Sorgen.« Janette John

Wenn DU eine Zeitreise machen würdest,
und DICH im Alter wiederfändest,
wie würde es DIR dann ergehen?


Als die Rentnerin Charlotte Kaufmann eines Tages einen Brief ihrer Freundin Ava Goldberg in den Händen hält, ist sie zunächst hocherfreut. Doch zwei Dinge stören sie daran. Zum einen enthält er keinen Absender und zum anderen ist Ava seit acht Jahren tot. Und noch etwas erscheint merkwürdig. Wenig später findet man zwei Seniorinnen tot auf, auf deren Haut Worte aus Avas Brief geschrieben stehen. Nur was hat das eine mit dem anderen zu tun? Kennt Charlotte den Mörder und wenn ja, woher?

Ein Brief ohne Absender – ist wie ein Ticket ohne Rückflug.

Der 9. Fall der Kripo Bodensee.

Leseprobe:
Etwa fünf Minuten später stand man im Büro der Heimleitung, wies sich aus und begann mit den Fragen.
»Frau Una, Sie wollen mir doch nicht weismachen, dass Sie von der Toten im Keller nichts wissen.« Nadine wurde lauter. »Hören Sie auf zu lügen!«
Sandra Una, die blondgesträhnte Chefin, blickte Nadine Andres mit in ihrem Schoß gefalteten Händen an. Dabei vernahm sie das Ticken der Wanduhr. Fieberhaft überlegte sie, was sie sagen sollte. Nur nicht das Falsche. »Doch schon«, gab sie kleinlaut zu.
Nadine schöpfte Hoffnung. Sie beugte sich, die Hände auf den Schreibtisch abstützend, zur Heimleiterin vor. »Ja und?«
»Hach, na ja. Wissen Sie, wir wollten den Tod von Frau Falk nicht im Hause publik machen. Zu viele Todesfälle schaden unserem Ansehen. Das spricht sich rum. Am Ende wirft es ein schlechtes Licht auf uns.«
Nadine traute ihren Ohren kaum, während Hufnagel ebendiese spitzte. Die männlich klingende Stimme von Frau Una überraschte ihn. »Das ist nicht Ihr Ernst. Mann, Sie sollten am besten wissen, dass jeder Todesfall zu melden ist. Glauben Sie mir, das hat ein Nachspiel. Wie lange wollten Sie das hinauszögern?« Die Kriminalistin stockte kurz. »Oder sollte es gänzlich unter den Tisch gekehrt werden?«
»Wie bitte? Nein!«, entgegnete die Heimleiterin energisch.
»Gut, lassen wir das. Meine Kollegen werden sich der Toten annehmen. Gibt es einen Totenschein?«
»Nein, wir wollten bis morgen damit warten. Der Hausarzt kann vorher nicht kommen.«
´ »Verstehe ich nicht«, begann jetzt auch Hufnagel zu sprechen. »Sie hätten doch einen anderen konsultieren können. Einen Totenschein, vorausgesetzt das Ableben erfolgte auf natürlichem Weg, kann jeder zugelassene Arzt ausstellen«, sprach er von sich überzeugt, indes die Heimleiterin zusehends nervöser wirkte.
»Ich hoffe nur, dass die Frau nicht ermordet wurde. Dann haben Sie ein weitaus größeres Problem als ohnehin schon.« Nadine runzelte die Stirn.
´ »Das weiß ich. Ich konnte doch nicht ahnen, dass …«
»Ahnen was? Dass Sie sich damit strafbar machen?«, formulierte Nadine böse.
Sandra Una nickte knapp.
Nadine beließ es dabei, wählte stattdessen Selzers Nummer und bat ihm um ein schnelles Kommen.

Im Kindle-Shop: Brief ohne Absender (Kripo Bodensee 9).
Mehr über und von Janette John auf ihrer Website.



21. November 2018

'Schicksalspfad des Tempelritters: Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle unlimited
Flammende Himmel, der dritte Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Leseprobe:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.
Eine Hand ergriff Gernòds Rock und hinderte seinen Lauf. Er blickte in das Gesicht einer Sarazennin, die ihn in gebrochenem Fränkisch anflehte, ihr Kind zu retten, das mit zertrümmertem Schädel in ihrem Arm lag. Er löste ihren Griff und eilte den Kameraden hinterher. Hier konnte er nichts mehr bewirken, aber vielleicht gab es noch Überlebende in den verwinkelten Gassen, die ihrer Hilfe harrten.
Lauter Kampfeslärm drang aus einer der Seitengassen. Bruder Durmonte zeigte seinen Leuten den Weg. Schweren Atems folgten sie der Weisung. Mit erhobenen Schilden und Waffen stürmten sie auf eine Gruppe genuesischer Söldner zu, welche raubschatzend durch die Gasse zog. Gernòd drängte einen der Angreifer mit seinem Schild von einer Frau, der dieser gerade das Gewand herabreißen wollte. »Was macht ihr hier?«, schleuderte er dem Genuesen mit blitzenden Augen seine Frage entgegen. »Scher dich um deinen Kram, Templer. Das Volk hat uns lange genug betrogen. Nun zahlen sie ihre Zeche«, erwiderte der Genuese mit wildem Zorn in den mordlustigen Augen. Sein Schwert erhob sich zum Schlag. Gernòd ließ seine Axt in die Höhe fahren, während er die Schneide nach hinten führte. Mit all dem Grauen der gesehenen Bilder traf sein Hieb den Schädel des Söldners. Der stämmige Mann starrte ihm ungläubig in die Augen, während er in sich zusammensank.
Die Frau zerrte an Gernòds Waffenrock und redete wild gestikulierend auf ihn ein. Er solle ihr in das Haus folgen. Dort bedürfe ihr Mann seiner Hilfe. Er sandte den Kameraden einen unsicheren Blick zu, ob sie eher der Hilfe bedurften, bevor er ihr zögernd in das Gebäude folgte.
Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dämmerung zu gewöhnen. Er sah sich in dem verwüsteten Raum um. An einer der Wände erblickte er einen Mann. Er stand dort mit eingeknickten Beinen, das Gewand blutüberströmt, und ausdruckslos starrenden Augen, die zu Boden gerichtet waren. Gernòd schritt etwas näher an ihn heran, bevor der Templer erkannte, was geschehen war. Aus dem Hals des Händlers ragte der prächtig verzierte Griff eines Dolches -das Messer eines Sarazenen. Seine suchenden Augen glitten an dem Mann hinunter und blieben an der leeren Messerscheide haften. Gernòd trat an den Mann heran und zog den Dolch mit einem kräftigen Ruck aus Mauerwerk und Hals des Unglücklichen. Sanft ließ er den toten Körper zu Boden gleiten, eine breite Blutspur auf der Wand hinterlassend. Unsicher wandte er sich der Frau zu. Ein herzzerreißender Schrei der Verzweiflung entrang sich ihrer Kehle, als sie die Wahrheit in den Augen des Tempelritters las. Weinend warf sie sich vor ihm zu Boden und erfasste erneut den Saum seines Waffenrocks. Mit tränenüberflutetem Antlitz flehte sie ihn an, ihrem Mann zu helfen, als hoffte sie, es wäre ihm möglich, ein Wunder zu bewirken. Mit traurigem Gesicht schüttelte Gernòd sein Haupt und löste ihren Griff. Seine Beine schienen schwer wie Blei, als sie ihren Weg zur Tür suchten. Längst hatte er sich an das Grauen der Schlacht gewöhnt. Aber dort traten sich Bewaffnete entgegen. Dieses Blutbad an Wehrlosen erfasste sein Herz mit glühender Hand und ließ das Feuer des Zorns in der Brust des Ritters toben. Der Genueser vor der Tür hatte sich halb aufgerichtet und hielt seinen blutenden Kopf mit beiden Händen. Im Vorübergehen drosch ihm Gernòd den Rücken der Axt ins Gesicht. Der Söldner schleuderte von der Wucht des Schlages getrieben nach hinten und stürzte mit erhobenen Armen zu Boden. Wenn er denn noch lebte, sollte ihm diese Lektion genügen, um ihm die Lust auf sinnloses Morden auszutreiben, dachte Gernòd grimmig. Die Grausamkeit dieser Söldner ließ jede Barmherzigkeit in seinem Herzen schwinden.
Vor ihm auf dem Pflaster der Gasse erblickte er Francois, ein Ritter des kaiserlichen Heeres. Die beiden verband schon viele Jahre eine herzliche Männerfreundschaft. Francois trug keine Rüstung. Offensichtlich hielt er sich bereits vor dem Tumult in dem Viertel auf. Mehrere Söldner bedrängten ihn. Im Laufschritt eilte ihm Gernòd zu Hilfe. Mit einem Schrei drängte er sich mit erhobenem Schild zwischen die Männer. Ohne zu zögern, schlug er mit der Rückseite seiner Axt auf die Köpfe, Arme und Schultern der Angreifer ein. Blutüberströmt sanken mehrere von ihnen zu Boden. Die letzten beiden Verbliebenden suchten ihr Heil in der Flucht. »Gut, dass Ihr da seid«, stieß Francois mit fliehendem Atem hervor. Obwohl er kein ängstlicher Mann war, sah man ihm den Schrecken an. Zerfetzt hing seine Kleidung an ihm herab und an dem rechten Oberarm klaffte eine tiefe Wunde. »Was ist hier eigentlich los?«, wollte Gernòd wissen. »Weiß auch nicht genau. Ich habe heute Morgen Yasemin und ihren Vater besucht. Da torkelten schon einige betrunkene Lombarden und Toskaner durch das Viertel. Sie pöbelten die Händler und Frauen an. Als einer der Kaufleute seine Tochter schützen wollte, begann der Tumult.«
Eine bildhübsche Frau, mit edlen Gesichtszügen und sinnlichen Lippen, erschien an der Seite eines alten Mannes im Türrahmen. Sie sandte dem Alten einen flehenden, glutäugigen Blick.
Als dieser schmunzelnd nickte, eilte sie zu Francois und untersuchte dessen Wunde sorgenvoll. Gernòd zog sein Schwert aus der Scheide und reichte es dem Freund. Francois wollte abwehren: »Wenn das der Orden erfährt, darfst du einen Monat Buße tun.« Gernòd betrachtete Yasemin: »Möchtest du mir lieber mit ihr an der Seite in den Kampf folgen oder sie zurücklassen?« Francois Faust schloss sich um den Griff des Schwertes. »Danke, mein Freund.« Die beiden Männer nickten sich zu und Gernòd setzte seinen Weg fort.

Im Kindle-Shop: Flammende Himmel: Schicksalspfad des Tempelritters.
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'Alter Falter: Eine Liebeskomödie' von Barbara Zimmermann

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ein Roman für die Freiheit!
Eine Liebeskomödie.

Als die fünf Rentner Mathias, Emil, Henry, Robert und Wolf einen Einberufungsbefehl für einen Bundeswehreinsatz in den Pyrenäen erhalten, sind nicht nur sie vollkommen aus dem Häuschen, auch für ihre Partnerinnen und Emils Möchtegernfreundin Mia beginnt ein neuer Lebensabschnitt und der ist nicht der schlechteste. Nach dem fragwürdigen Einsatz in einem entlegenen Bergdorf an der spanischen Grenze beschließen Emil, Robert und Henry in das glamouröse Nizza zu ziehen – und hier trifft Robert auf die freizügige Französin Jacqueline, die ihn nicht nur in sinnlicher Hinsicht an den Rand des Wahnsinns treibt.

Allen, auch den hier unerwähnt gebliebenen Helden gemeinsam ist, dass sie keinen Gedanken mehr an ein Leben in Belanglosigkeiten und Leerlauf verschwenden und jeden Augenblick intensiven Daseins mit sich und genießen – in diesem Sinne: ein echter Roman für das Feiern des Lebens in jeder Altersklasse.

Am Ende wird alles gut
und wenn es nicht gut ist, ist es auch nicht das Ende. (Oscar Wilde)


Leseprobe:
Emil traut seinen Augen nicht. Er hält die Einberufung zu einem Einsatz in den Pyrenäen in den Händen, beiliegend eine Liste, auf der steht, was er an persönlichen Sachen mitnehmen darf, und den Abholtermin der Bundeswehrsachen. Emil plant immer alles sehr organisiert, angefangen vom Kompass bis zum Blasenpflaster wird es ihm an nichts fehlen.
Da er Witwer ist, lässt er niemanden zurück. Sex kennt er nur noch aus dem Fernsehen. Seine Frau Puschel, rothaarig und auch im Alter noch begehrenswert für ihn, verließ abrupt diese Welt: schneller Herztod.
Mitten im Supermarkt verdrehte sie die Augen, ging in die Knie und segnete in seinem Beisein das Zeitliche. Er ließ sie in ihrem Sarg engelhaft ausstatten und arrangierte eine Beerdigung, die ihm einiges an Geld kostete.
In tiefer Trauer um Puschel redet er oft mit ihrem Foto, als könnte sie ihn hören, und bewahrt einen Schal auf, der immer noch Puschels Geruch an sich trägt. Er kann sich eine andere Frau an seiner Seite nicht vorstellen. Nachbarin Mia, die sich andauernd selbst auf einen Kaffee bei ihm einlädt, bekommt keine Chance. Puschel ist nicht zu ersetzen. Emil ist nicht nach einer neuen Partnerin. Dem Einsatz in den Pyrenäen sieht er gelassen entgegen und freut sich über den Tapetenwechsel.
Emil hat streichholzkurzes graues Haar und ist außer seinem Bauchansatz äußerst attraktiv für sein Alter. Seine Augen sind auffällig blau und er legt Wert auf gute Kleidung. Seine Nachbarin Mia findet ihn sensationell.
Mia geht als seine Putzfrau bei ihm ein und aus. Sie ist zuverlässig, fleißig und außerdem diskret. Ein wenig mollig ist sie, so ohne Taille, und hat mit Mode wenig im Sinn. Ihr kurzes Haar sieht immer leicht gewuschelt aus, sie trägt eine unmodische Brille und riecht meist nach Lavendel, was bei Emil jedes Mal ein Halsjucken auslöst.
Es klingelt und Mia steht mit einem Teller voller Pfannkuchen vor der Tür. Emil zögert, sie eintreten zu lassen, empfindet es aber als unhöflich, sie an der Tür abzuwimmeln, und sagt eine wenig unterkühlt: »Komm rein, Mia.«
Mia marschiert in die Küche, stellt ihren mitgebrachten Teller ab und meint, sie sei auf dem Friedhof gewesen und habe auf Puschels Grab die Blumen gegossen. Obwohl Emil findet, dass es nicht Mias Aufgabe ist, sich um Puschels Grab zu kümmern, da er es selbst jeden zweiten Tag pflegt, sagt er nichts. Stattdessen fragt er, ganz der perfekte Gastgeber: »Möchtest du Cappuccino, Latte Macchiato oder einen Café Crema?«
Dabei zeigt er mit Stolz auf seinen, erst am Vortag erstandenen, ultramodernen Kaffeeautomat und die entsprechenden Kartons mit den Kapseln.
»Gerne einen Café Crema«, antwortet Mia und klettert ein wenig ungelenk auf einen Hocker an der Essbar. Emil ist hochmodern und teuer eingerichtet. Da er und seine verstorbene Frau keine Kinder hatten, waren sie in der Lage, sich einen gewissen gediegenen Wohlstand zu erschaffen. Mia schlürft an ihrem etwas zu heißen Café.
Emil sagt: »Ich habe eine witzige Partnerseite im Internet gefunden, so nach dem Motto: Ich schnapp mir einen. Es sind dort Männer im Angebot, sortiert nach Höhe ihrer Rente. Die mit dem gehobenen Einkommen haben natürlich dementsprechend mehr Klicks als die schlechter gestellten Rentner. Es gibt nur ein Angebot mit einer Rente unter eintausend Euro – Hubert. Hubert hat keinen Klick.«
Mia rutscht beleidigt und ein wenig umständlich von ihrem Hocker und verabschiedet sich, ohne wie sonst ihre Kaffeetasse in die Spülmaschine zu stellen.
Emil findet die Partnerseite wirklich amüsant. Im Übrigen gibt es die Internetseite auch mit Rentnerinnen, die auf Partnersuche sind. Nicht nur sortiert nach Rentenhöhe, auch nach Haarfarbe und Größe. Emil klickt alle Rothaarigen an. Letztendlich ist er aber noch nicht dazu bereit und unterlässt es, einen Kontakt herzustellen.
Mia findet es unter aller Kanone, dass Emil ihr unterstellt, auf Partnersuche zu sein. Überhaupt lebten sie und ihr inzwischen verstorbener Egon seit zwanzig Jahren zusammen in dem Mietshaus und Puschel, die eigentlich Rita hieß, verhielt sich immer ein wenig von oben herab Mia gegenüber. Wäre Emil ihr nicht so sympathisch, hätte sie ihren Putz Job bei ihm schon lange geschmissen.
Im Flur trifft sie auf Lisbeth Müller, die Tratsch Tante des Mietshauses. Sie ist ein Mensch, der sich am Leid anderer ergötzt und ihnen Sachen andichtet, die einfach so nicht stimmen. Mia war zu Ohren gekommen, dass Lisbeth im Haus erzählte, sie habe schon seit Langem ein Verhältnis mit Emil und benutze den Putz Job nur als Tarnung, um in seiner Nähe zu sein. Nach Puschels Tod sei sie von nun auf gleich jeden Tag bei ihm gewesen. Pfui, Teufel!
Sie scheut sich auch nicht, ihr Ohr an eine Tür zu legen, hinter der es lauter zugeht. Aus den Bruchstücken, die sie versteht, spinnt sie neue Lügengeschichten. Jedem, dem sie im Hausflur begegnet, berichtet sie zwanghaft das nach ihrer Meinung Neuste aus dem Haus. Jeder, der ihr begegnet, sieht zu, dass er schnell weiterkommt, und will gar nichts hören. Mia ist ein gutmütiger Mensch, aber auch ihr ist das Gerede einfach mal zu viel. Sie geht schnell an Lisbeth Müller mit den Worten, sie habe eine Suppe auf dem Herd, vorbei. Denn sie findet, Notlügen sind erlaubt.
Zurück in ihrer Wohnung, pflanzt sie sich in Egons abgewetzten Ohrensessel, nicht jedoch ohne sich vorher eine Schokolade aus ihrer Naschschublade geholt zu haben, und beißt von dieser ab wie von einem Laib Brot. Denn so kann sie am besten nachdenken. Sie greift zur Fernbedienung und zappt sich durchs Mittagsprogramm. Im Mittagsmagazin verkündete der Sprecher, Rentner seien als Soldatenersatz an der Grenze in den Pyrenäen vorgesehen. Die Einwanderung habe überhandgenommen und die Politiker seien fest dazu entschlossen, dies durch Grenzeinsätze einzudämmen.
Die Europäische Union besteht nur noch aus fünf Ländern. Die bedeutendsten sind vor langer Zeit bereits ausgetreten und haben jedes für sich die jeweils alte nationale Währung wieder eingeführt. Sie hatten es satt, den finanziellen Rettungsschirm über die armen Länder zu halten und dabei selbst vor die Hunde zu gehen.
Eigentlich interessiert Mia sich nicht für Politik. Sie findet, es werde viel versprochen und wenig gehalten. Wieder zappt sie weiter und landet diesmal bei ihrer Lieblings-Soap Rosen haben Dornen.
Sie findet überhaupt nicht, dass sie Emil jemals zu nahe getreten ist. Wieder muss sie an die verstorbene Rita denken. Eines Vormittags entkalkte sie jede einzelne Kachel samt umliegenden Fugen. Doch was war der Dank? Statt eines lobenden Wortes an sie meinte Emils Verblichene, die Fenster im Wohnzimmer seien auch mal wieder an der Reihe.
Mia knüllt ihr Schokoladenpapier zu einer Kugel, schaltet den Fernseher aus und schmeißt ihren uralten Computer an. Dieser stottert sich mit lautem Summen langsam ins Internet. Dort angekommen, sucht sie die von Emil genannte Partnerseite und klickt auf Rentner zweitausend Euro.
Es tut sich ein Bildchen nach dem anderen auf. Tatsächlich mailt sie zwei Herren und sendet ihnen nur wenige belanglose Zeilen. Fünf Minuten später erhält sie von Arthur eine Antwort, die eigentlich eine Frage ist: Wieviel wiegst du?
Mia reicht es. Wütend löscht sie die Mail, schnappt sich ihr altes Hollandrad und fährt so schnell sie kann an der Alster entlang.

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20. November 2018

'Weihnachtshäschen verzweifelt gesucht' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Himmelpastellhellblaues Winterglück

»Oh nee«, kiekste Mona begeistert, »das ist ja Zucker!« Mit glänzenden Augen stand sie vor einem himmelblauen Porzellan-Häschen.
»Was ist das denn? Ein Hase? Zur Weihnachtszeit? Na, der hat definitiv Glück gehabt! Wenn er aus Schokolade wäre, hätte man ihn längst eingeschmolzen.« Bea kicherte los.
»Das ist deutlich ein Weihnachtshäschen, schließlich trägt es einen Schneekristall zwischen den Pfötchen. Es scheint total glücklich zu sein, diesen Kristall ergattert zu haben. Schau mal, wie lieb das kleine Kerlchen lächelt. Ich nehme es mit. Das muss ich haben!«
»Lass uns doch zuerst den Laden ganz durchforsten«, schlug Bea vor.
Genau das stellt sich als Fehler heraus, denn als die Mädels zurückkommen, ist das Häschen weg.

Nun beginnt Monas fieberhafte Suche nach dieser außergewöhnlichen Winterdeko. Sie ahnt noch nicht, dass der süße himmelblaue Hase ihren adventlichen Alltag komplett durcheinanderwürfeln wird und der Schlüssel für ihre Zukunft ist.

Leseprobe:
Das Geschenklädchen in der Altstadt war gut besucht. Am ersten Adventswochenende suchten viele Leute nach passenden Weihnachtsgeschenken. Diesen Gedanken hatten auch Mona und Bea gehabt. Der heutige Samstag war der einzige Tag im Advent, den die beiden Verkäuferinnen komplett freihatten – und zudem gemeinsam. Das wollten sie unbedingt ausnutzen.
»Toll! Wir gehen zusammen einkaufen, Mona. Du berätst mich und ich dich. Dann kann ich mich viel besser entscheiden«, hatte sich Bea gefreut, als ihr Chef den Einsatzplan bekanntmachte. Wie immer hatte er versucht, die Wünsche seiner Verkaufsmannschaft so gut wie möglich unter einen Hut zu bringen.
»Zufriedene Mitarbeiter bedeuten höheren Umsatz«, hatte er fröhlich gemeint und Bea und Mona zugezwinkert.
Genau das schätzten die Kollegen. Er verlangte hundertprozentigen Einsatz und konnte in dieser Hinsicht erbarmungslos sein, aber er war andererseits recht großzügig, wenn es ans Belohnen für gute Arbeit ging.
Nun hofften sie alle, dass keiner aus Grippegründen ausfiel, denn gerade im Lebensmittelmarkt boomte das Geschäft naturgemäß in den Adventswochen.
Vor zwei Jahren hatte die große bundesweite Grippewelle fast die Hälfte der Belegschaft fest in ihren Klauen gehabt. Bea hatte es erwischt, Mona hatte sich tapfer geschlagen und war mit fünf weiteren Kollegen samt Chef am Heiligabend nach Geschäftsschluss nahezu auf dem Zahnfleisch aus dem Supermarkt gekrochen.

»Du, guck mal, Bea.« Mona stand vor einem künstlichen Weihnachtsbaum, der prächtig dekoriert war. »Hier gibt es kleine Deko-Zuckerstangen.
»Sind die hübsch! Und wie die glänzen! Davon würde ich mir gerne welche mitnehmen.«
Mona wusste, dass Bea auf bunten Schmuck für den Christbaum stand. Im letzten Jahr hatte sie ihr fünf Glasvögelchen zum Klipsen geschenkt, die sie später an ihrem Baum bewundern durfte. »Also, dann merken wir uns: Hase und Zuckerstangen.«
»Und Schlittschuhe!«
»Schlittschuhe?«
»Hier links, diese kleinen Anhänger. Sehen die nicht nett aus?« Bea nahm sie in die Hand. »Ach, sie sind aus Holz. Das merkt man durch die schönen Farben gar nicht.«
»Die gefallen mir auch. Man kann damit prima Geschenke verzieren. Mit zwei Euro sind sie gar nicht mal teuer. Ich nehme mir davon ebenfalls welche mit.«
Bea schlenderte zum Geschirrbereich. »Hier muss ich echt aufpassen. Ich habe schon drei Weihnachtstassen zu Hause.«
»Man kann eben immer nur aus einer trinken.« Mona griente ihre Freundin an.
»Stimmt. Aber sie sind halt so ansprechend.«
»Weißt du, was ich schön finde? Weihnachtsgeschirr. Hier gibt es unterschiedliche Designs.« Mona hob einen Teller an. »Diese bunten Weihnachtsmotive mit dicken gemütlichen Nikoläusen, lieb grinsenden, rotnasigen Rentieren und märchenhaften Winterlandschaften sind einfach total stimmungsvoll.«
»Da könnte ich auch in Versuchung geraten«, stimmte ihr Bea zu. »Aber dann denke ich wieder, man hat es das ganze Jahr rumstehen. Und wir haben eh kaum Platz in der kleinen Wohnung. Wenn ich damit ankomme, fange ich mir einen Rüffel von Toby ein. Selbst meine drei Weihnachtstassen schiebe ich immer im Schrank rum, weil ich im Frühjahr einfach nicht mehr daraus trinken möchte. Außerdem reichen sechs Gedecke bei uns gar nicht. Kommt meine Familie, sind wir schon acht. Ich müsste also gleich zwei Service kaufen.«
Mona warf noch erwägend einen Blick auf den Teller und seufzte. Dann stellte sie ihn, wenn auch ungern, wieder zurück.
Sie fanden ausgefallene Weihnachtskarten und schönes Geschenkpapier. Mona interessierte sich für die Geschenkboxen.
»Die finde ich große Klasse. Man packt das Präsent rein, Deckel zu, Schleife drum. Kein lästiges Tesakleben mehr. Und schau mal, diese schönen Motive. Die Dunkelblauen hier, mit den hellblauen Sternchen und dem Glitzer gefallen mir.«
»Dieses Jahr stehst du wohl auf Blau, wie?«
Mona sah Bea fragend an.
»Na, wegen des Hasen, der ist auch blau.«
»Blau ist doch toll. In Kombination mit Silber oder Gold sieht es total edel aus.«
»Ich glaube, ich nehme meiner Schwester zum Nikolaus so einen Magneten für den Kühlschrank mit. Die steht auf so was.« Bea wechselte zu dem Ständer hin. »Was meinst du, ist das Rentier schöner oder der lachende Weihnachtsmann? Oder lieber der Schriftzug HOHOHO?«
»Das Rentier. Es hat so freundliche große Kulleraugen.«
Im hinteren Bereich des Geschäftes gab es Geschenke der praktischen Art, dicke Schals, warme Mützen und Handschuhe.
Mona entdeckte noch etwas. »Weihnachts-Kuschelsocken! Mensch, sind die flauschig! Da gönne ich mir selbst ein Paar. Wenn ich abends auf der Couch liege, ein Buch lese, einen heißen Kakao trinke und es mir richtig gemütlich mache, passen die wundervoll.« Sie griff zu einem rosafarbenen Sockenpaar, welches seitlich eine Weihnachtskugel appliziert hatte.
»Nimm doch die hier«, Bea hielt ihr Hellblaue hin, »die haben sogar Strass-Steinchen drauf.«
Mona war begeistert. »Die sehen ja stylish aus! Das wäre auch was für meine Schwester.«
»Tausch einfach. Deine Schwester bekommt die rosa Socken und du nimmst die blauen. Sie passen nämlich zu dem himmelpastellhellblauen Hasi.« Bea schüttelte den Kopf. »Ein Weihnachtshase – auf so eine abwegige Idee muss man erst einmal kommen! Und dann in Blau. Wenn er wenigstens in Gold oder Silber wäre! Ich glaube, jetzt hole ich einen Korb, sonst wissen wir gleich nicht mehr, was wir alles kaufen wollten.«
»Gute Idee!«
Während Bea sich den Weg nach vorne bahnte, lief Mona zur Kerzenecke. Hier fand sie echte Bienenwachskerzen.
Bea kam mit zwei Körben zurück und Mona nahm ihren entgegen. »Ich nehme meiner Mutter eine dieser Bienenwachskerzen mit. Die duften so schön, wenn sie brennen.«
»Dann gebe ich hiermit das Startkommando zum Einpacken.«
»Weißt du, was ich total klasse finde?«, freute sich Mona und gab die Antwort direkt hinterher. »Dass man hier so gut wie alle Geschenke bekommt, ohne sich noch in die ganz großen Läden der Innenstadt mitsamt seinem adventshektischen Trubel zu werfen.«
»Wo du gerade sagst werfen. Gleich werfen wir uns auf den Weihnachtsmarkt und befuttern unsere Einkäufe, nicht? Ich denke da an eine heiße Folienkartoffel und ein inspirierendes Glas Eierpunsch oder Glühwein.«
»Aber unbedingt.«
Die Mädels verstauten die vorher schon mit den Augen gekauften Weihnachtsutensilien in ihre Körbe.
»Dann haben wir alles.« Mona überflog ihre Einkäufe auf Vollständigkeit. »Jetzt nur noch nach vorne zu meinem Häschen.«
Zwischendurch blieben die beiden nochmals bei der Auswahl von Streudeko stehen.
»Ich nehme mir die goldenen Sterne mit.« Bea legte zwei Tütchen in ihren Korb. »Die werde ich zwischen die Tischdekoration streuen. Das sieht sicherlich feierlich aus.«
Mona ging voraus. Irritiert sah sie auf den kleinen Tisch. Ihre Augen weiteten sich voller Entsetzen.
»Oh nein! Mein Weihnachtshäschen ist weg!«

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'Love Servant- Im Staat der Frauen' von Zenobia Volcatio

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Sinnlich, prickelnd, mit einem Hauch von Dystopie.
Eine Romanze zwischen schüchternem Diener und seiner Herrin in einem Land der Frauen.


Seit dem Jahr 2021 regieren die Frauen Nordamerika. In diesem matriarchalischen Staat wächst der zurückhaltende Valentin behütet bei seiner Mutter auf. Bis zu jenem Tag, an dem er ihr entrissen wird. Von nun an ist es sein Schicksal, ein Diener der Frauenwelt zu werden.

Neben ihren kastrierten Hausdienern leisten sich die reichen Damen sogenannte Hosts für ihre speziellen Bedürfnisse. So ergeht es auch dem hübschen Valentin. Vorbereitet auf den Liebesdienst in einem Host-Center, beginnt für ihn eine ungewisse Zukunft bei der attraktiven Maklerin Alexandra.

Leseprobe:
Alexandra Taylor hegte bereits seit längerem den Wunsch, sich neben ihren beiden Hausdienern einen Liebesdiener ins Haus zu holen, um ihre Abende zu versüßen. Leider war ihre erste Wahl ein Reinfall gewesen und Sandro bei einer passenden Gelegenheit geflohen. Ansonsten hatte er Alex ignoriert und war ihr aus dem Weg gegangen. Er gehörte zu den Männern, die in den Wäldern weit im Norden des Landes lebten. Dorthin entsandte die Regierung immer wieder Suchtrupps, die diese Geflüchteten einfangen sollten. Es gab dort auch Frauen, die das jetzige System kritisierten und lieber in einer gleichberechtigten Gemeinschaft leben wollten, so wie vor den Geschlechterreformen. Diese ehemaligen Diener konnten sich daher nur schwer abermals an das System anpassen. Alex hatte es versucht, gab ihm Zeit sich einzugewöhnen, aber sicher hatte er schon von Anfang an geplant zu fliehen. Deswegen hatte sie einen zweiten Beratungstermin bekommen, bei dem sie sich einen Ersatz für ihren Verlust aussuchen durfte. Dieser Tag war nun gekommen.
Die junge Frau kämpfte sich an diesem Vormittag durch den Großstadtverkehr, zu dem weißen Gebäudekomplex des Host-Centers. Hier lebten die Liebesdiener bis zu ihrem Einsatz und hier befand sich auch die Vermittlungsagentur, in der Alex ihren Termin hatte. Obwohl sie schon einmal hier gewesen war, verließ sie nervös ihr rotes Coupé und schritt auf das große Eingangstor mit dem Kontrollhäuschen zu. Neben dem Tor stand eine Patrouille, die sogleich nach ihrem Anliegen fragte. Alex beantwortete deren Frage, worauf die Frau in dunkelblauer Uniform entgegnete: „Ach, Sie haben einen Termin in unserer Agentur. Ich führe Sie hin.“
Kurz darauf befand sie sich zum zweiten Mal im Büro der Vermittlung, wo die Frauen keine Uniform, sondern schicke Bürokleidung trugen. Eine der Damen empfing Alex freundlich und bot ihr einen Platz an ihrem Schreibtisch an. Die Mitarbeiterin setzte sich wieder hinter ihren Computer.
„Sie sind also hier, um sich einen Host auszuwählen.“
Alex nickte. „Ja, das ist mein zweiter Termin. Ich kann mir einen Ersatz für meinen ersten Diener aussuchen. Er ist nach kurzer Zeit geflohen.“
Die Dame bedauerte: „Oh, das tut mir leid. Das darf natürlich nicht passieren. Haben Sie bereits eine Vorstellung, wie er diesmal aussehen soll?“
„Tja, das wird schwer. Ich habe keinen bestimmten Typ, den ich besonders mag. Es kommt mir hauptsächlich auf seinen Charakter an. Mein Erster lehnte mich komplett ab. Er kam aus den Wäldern und wollte sich nicht mehr unterordnen. Daher möchte ich einen zuvorkommenden Diener mit guten Manieren.“
Ihr Gegenüber lächelte. „Da haben wir wenigstens schon einmal ein bisschen was. Wie groß sollte er sein?“
„Hm, nicht unbedingt kleiner als ich. Also ab 1,75 m.“
Dieses Merkmal tippte die Angestellte sofort in ihren Computer ein. Dann stand sie auf, zog einen dicken Ordner aus dem Regal hinter ihr und legte ihn vor Alex auf den Schreibtisch mit der Empfehlung, sich einmal einige eher weiblich aussehende Männer anzuschauen. Zwar waren androgyne Typen normalerweise nicht so Alex’ Geschmack, aber sie war diesmal für alles offen und wollte den Katalog einfach mal durchblättern.
Nachdem die Mitarbeiterin ihr einen Kaffee serviert hatte, ließ sie Alex wie letztes Mal in dem Aufenthaltsraum mit der großen Fensterfront zurück. Die junge Frau setzte sich in einen der dunklen Loungesessel und legte den Katalog auf dem gläsernen Beistelltisch neben sich ab. Im Raum saßen noch zwei andere Frauen an je einem der Glastische, die ebenfalls Mappen mit Fotos vor sich liegen hatten. Alex schlug den Ordner neugierig auf, strich sich ihre langen braunen Haare zurück und begann ihn langsam durchzublättern.
Die ersten Männer sprachen sie nicht sonderlich an. Sie sahen zwar gut aus, mit fein geschnittenen Gesichtern, aber waren nicht ihr Fall. Ob sie unter diesem Typ Mann einen finden würde, der ihr gefiel? Bisher waren alle sehr schlank und wenig männlich.
Inzwischen hatte sie drei Viertel des Kataloges durchgesehen und ihre Hoffnung, darin ihren Hausgenossen zu entdecken, aufgegeben. Doch dann schlug sie eine Seite auf, von der ihr ein weißblonder Junge mit leuchtend blauen Augen entgegenblickte. Bereits beim ersten Blick auf das Portrait war Alex fasziniert. Die hellen langen Haare in Kombination mit diesen Iriden, die einen Stich Türkis enthielten, stachen regelrecht heraus. Dazu die makellose Alabasterhaut im Gesicht und die vollen rosa schimmernden Lippen, die sich zu einem kaum angedeuteten Schmunzeln verzogen. Dieser Junge erweckte den Eindruck, kein Wässerchen trüben zu können. Sie betrachtete dieses Antlitz aufmerksam und fragte sich, ob dieser Kerl in Wirklichkeit auch so aussah oder ob das Foto bearbeitet war. Sogleich blätterte sie weiter und fand dahinter seine Aktaufnahmen.
Sein Körper schien komplett haarlos zu sein, nur an den Unterarmen entdeckte sie Behaarung. In der Regel rasierten sich die Männer an der Brust, den Achseln, an den Beinen und in der Schamregion. Doch bei ihm war wohl kaum eine Rasur nötig. Die hellblonden Haare fielen ihm weich über die Schultern bis zur Brust hinab. Das sah man bei Liebesdienern nicht oft, dass sie so lange Haare besaßen, aber zu diesem Jungen passte es sehr gut. Alex las seine Daten. 1,79 m groß und tatsächlich bereits 20. Auf sie wirkte er aber wie 16 oder 17. War das ein zu großer Altersunterschied zu ihr? Immerhin acht Jahre. Doch diese Bedenken verwarf sie schnell wieder, denn viele schafften sich einen 18-jährigen Host an. Im Gesamten hatte er eine zierliche Gestalt. Relativ schmale Schultern, sehnige Arme, eine leicht strukturierte Brust, schlanke Beine und einen kleinen, knackigen Hintern. Erst zuletzt betrachtete sie sein Geschlecht, das ganz durchschnittlich war.

Im Kindle-Shop: Love Servant- Im Staat der Frauen: Liebesroman.
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