31. August 2020

'A. S. Tory und der letzte Sommer am Meer' von S. Sagenroth

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Ein Sommer am Meer
und das Gefühl von Freiheit.
Eine Fahndung und eine Flucht.


Ganz Europa leidet unter der Hitzewelle. Der siebzehnjährige Sid und seine Freundin Chiara erhalten überraschend eine E-Mail. Absender: Mr. Tory. Die beiden freuen sich über die Einladung nach England.

Doch schon bald geraten sie mitten in die Suche nach zwei vermissten Mädchen und einem illegalen Flüchtling. Der Strandurlaub wird zu einem aufregenden und turbulenten Roadtrip von East-Sussex bis nach Cornwall.

Eine anfangs unbeschwerte Reise, in die sich nach und nach Verdacht und Zweifel mischen. Und immer wieder stellt sich die Frage nach den Grenzen persönlicher Freiheit.

Anleser:
Das Meer erfasste sie – eiskalt, schnell, erbarmungslos – riss sie fort, zog sie hinunter. Sie suchte Halt, spürte den Sand, stieß sich ab, um an Land zu schwimmen. Eine weitere Welle, die nach ihr griff, mit Gewalt über ihr zusammenschlug. Sie setzte an zu schreien. Doch ihr Rufen wurde vom Tosen des Wassers erstickt, verschluckt von der nächsten Woge, die sie mit Wucht traf und noch tiefer hinabzerrte. Grüne und weiße Strudel, grausam und faszinierend zugleich. Tausende Wasserblasen, die wild herumwirbelten. Mit aller Kraft versuchte sie sich dem reißenden Nass zu entziehen und sich vom brennenden Salzwasser aus ihren Lungen zu befreien. Sekunden der Hoffnung, die aufblitzten, doch mit der nächsten Welle weggespült wurden. Es gab noch so viel – ich muss – das darf nicht sein – keine Luft mehr – den ungläubigen Blick nach oben gerichtet – ich kann – nicht mehr – atmen – alles – dunkel – schwarz. Vorbei.

Blick ins Buch (Leseprobe)

'DER TOD SPIELT FALSCH: Gordon Rabes dritter Fall' von H.C. Scherf

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Zeigt sich der Schatten des Todes, verändert er die Prioritäten im Leben

Als die blutleeren Körper junger Frauen gefunden werden, ahnt keiner aus dem Team um Gordon Rabe, welch schreckliches Geheimnis sich dahinter verbirgt.

Doch das allein bildet nicht die tödliche Gefahr, die auf alle lauert. Ein Rachefeldzug gilt einem alten Fall, der längst vergessen schien. Wieder einmal ist der Tod in seiner gesamten Grausamkeit allgegenwärtig und nicht greifbar.

Eine Story, die brutal beweist, wie wichtig menschlicher Zusammenhalt für unser Leben sein kann.

Anleser:
Nur das monotone Quietschen einer angerosteten Kette über ihm, die vom stetigen Wind in Bewegung gehalten wurde, zerrte an seinen Nerven. Das Sonnenlicht drang nur an wenigen Stellen durch die fast blinden Scheiben, die der Verwitterung bisher standhalten konnten. Dichte Spinnweben dämpften zusätzlich selbst das bisschen Licht und verlieh dieser einstigen Werkhalle etwas Gespenstiges. Vor vielen Jahren war dieses ehemalige Zementwerk aufgegeben worden, folgte damit den zahlreichen Betrieben, die als Letzte die Industrialisierung der Ruhrgebietsregion symbolisierten. Das Gebäude zählte in dieser Region zu den sogenannten Lost Places.
Nur dem eingeschossenen Adrenalin verdankte Hauptkommissar Gordon Rabe, dass ihm die unsäglichen Schmerzen nicht sofort die Sinne raubten. Immer wieder versuchte er, sich von den eng anliegenden Fesseln, die um seine Handgelenke geschlungen waren, zu befreien. Sein Blick irrte zum gefühlt tausendsten Mal rauf zu seinen Fußgelenken, in die diese verdammten Kettenglieder tief einschnitten. Schon lange war ihm jegliches Gefühl daraus entwichen. Selbst ihn bewegte der Wind leicht, während er kopfüber in diesen dunklen Schacht sah, der in einem riesigen Haufen Müll tief unter ihm mündete. Die Schritte seines Peinigers waren schon längst verklungen, nachdem er ihm einen letzten verächtlichen Blick zugeworfen hatte. Nichts auf dieser Welt würde Gordon noch retten können, da niemand wusste, wo man ihn zu suchen hatte. Dieses Schwein hatte sie alle in die Irre geführt, sodass sämtliche Spuren in die falsche Richtung führten. Der Drecksack sollte recht behalten mit der Bemerkung, dass an dieser Stelle Gordons Leben ein unrühmliches Ende finden würde. Das Grausame daran bestand in der Tatsache, dass es lange dauern konnte, bis ihn der Tod endlich befreite. Gordons einzige Hoffnung lag darin, dass ihm der steigende Druck auf das Gehirn vorher die Besinnung rauben würde und er das endgültige Aus nicht mehr mitbekam.
Aus weiter Ferne vernahm er schwache Geräusche von Autos, die über die Landstraße rauschten, deren Insassen keine Ahnung davon hatten, welch tragische Entwicklung sein Leben gerade nahm. Sie beschäftigten sich eher mit der Frage, ob die Marinade das Grillfleisch schon zart genug gemacht hatte. Viele von ihnen würden heute Abend mit ihrer Familie und Freunden das Leben bei einem kühlen Bier und Leckereien genießen. Seine Lippen formten Worte, die ihm seine Gedanken vorgaben.
Es tut mir leid, Jonas. Ich wollte dir ein guter Vater sein. Hör auf deine Mutter, die dich wirklich liebhat. Sie hatte recht mit ihrer Angst, dass genau das eines Tages passieren würde. Ich weiß, dass sie es nicht immer zeigen konnte. Doch glaube ihr, denn sie hat die Enttäuschung über deine Beeinträchtigung jetzt überwunden. Ich weiß, dass ich dir vieles versprochen hatte, was wir gemeinsam hätten tun können. Doch es sollte nicht sein, mein Sohn. Ich habe dich sehr lieb. Pass auf dich und deine Mutter auf. Du wirst mich nicht mehr sehen können, ich dich aber sicherlich von einem anderen Ort.
Das Fiepen einer Ratte, die neugierig vom Rand einer Zwischenetage zu ihm herübersah, holte Gordon für einen Moment zurück in die erschreckende Realität. Das Gefühl war mittlerweile aus den unteren Extremitäten gewichen. Nun sorgte aber das in den Kopf einschießende Blut dafür, dass schwarze Flecken vor seinen Augen tanzten und sich mit bunten Ringen mischten. Verzweifelt straffte er die Bauchmuskulatur und bog den Oberkörper in Richtung der Oberschenkel, was ihm für einen Moment Erleichterung verschaffte und die drohende Ohnmacht verzögerte. Der aufziehende Schmerz in den Muskeln ließ ihn schnell wieder zurückfallen. Er spürte es mit erschreckender Deutlichkeit: Sein Körper gab auf, konnte diesen verzweifelten Kampf nicht länger weiterführen. Der Kampfgeist verließ ihn. Zunehmend wechselte Gordon in den Zustand der Apathie, der endgültigen Aufgabe.
Ohne jegliche Reaktion nahm er die Schritte wahr, die sich von irgendwoher näherten. Das Echo verteilte sich in der großen Halle und schuf ein Wirrwarr an Geräuschen. Sein letzter Gedanke war, bevor sich ein Nebel über sie legte, dass dieses Schwein zurückkommen würde, um sein Werk zu vollenden.

Blick ins Buch (Leseprobe)

28. August 2020

'Im Namen der Rose' von Sabine Buxbaum

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Kathrine hat nichts mehr zu verlieren. Ihr Mann und Sohn wurden getötet und König Heinrich VII trägt die Schuld daran. Sie schwört Rache und möchte den König bekämpfen, doch ihre Pläne kann sie allein nicht umsetzen.

Sie lernt den Earl of Lincoln kennen, der glaubt, der rechtmäßige Anwärter auf den Thron zu sein. Er sieht in Kathrine eine Verbündete und verspricht Unterstützung. Er bleibt vorerst der Einzige, der Kathrines Vorhaben billigt. Von allen anderen Seiten versucht man sie zu bremsen. Sie lässt sich nicht aufhalten und macht weiter. Dann taucht plötzlich ein Fremder auf, der Kathrine Hilfe anbietet. Sie weiß nicht, ob er ein Freund oder Feind ist, aber sie braucht Verbündete und kann ihn nicht einfach abweisen. Außerdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen.

Als Kathrine ihrem Ziel näher kommt, gibt der Fremde seine wahre Identität preis ...

Anleser:
1485 – Bosworth Field
Die Wolken am Himmel verdichteten sich zunehmend. Bald würde der Regen einsetzen und das Schlachtfeld in Schlamm verwandeln. Edgar Laughlin versuchte verzweifelt, die feindlichen Linien zu durchbrechen.
Das Getrampel der Pferde hatte so viel Staub aufgewirbelt, dass er den Sichtkontakt zu seinem König Richard III verlor.
Sein Blick wurde noch mehr getrübt, als ein feindlicher Schwertschlag seine Stirn traf und Blutströme seine übermüdeten Augen verklebten.
Edgar gab die Mühe nicht auf, seinen König zu finden, und schlug sich mit seinem Schwert durch die Menge, obgleich es ihm kaum noch möglich war, Freund und Feind zu unterscheiden.
Dann plötzlich, im selben Moment, als ein Schwert sich zwischen seine Schulterblätter bohrte, sah er ihn, den König.
Nackt und ohne einen Hauch von Leben wurde er auf einem schwarzen Pferd liegend davongetragen.
So wie des Königs Leben ein Ende nahm, verblasste auch zunehmend das glänzende Licht in Edgars Augen. Er versuchte, den Namen seiner Frau zu rufen, doch aus seinem Mund quoll nur Blut. Nach und nach erlosch sein Leben.
Der Himmel hatte sich nun endgültig verdunkelt und es begann zu regnen. Zum Schlamm mischte sich eine rote Blutlache. Überall lagen Tote oder Verwundete, die vor Schmerzen brüllten. Der Kampf war zu Ende, die Verlierer standen fest.
Die weiße Rose der Yorks begann zu welken und eine neue Blume entwuchs dem Boden. Heinrich Tudor hatte es geschafft. Er war der neue König von England. Sein Feind war besiegt.

Im Angesicht des Todes
Es ertönte ein Klopfen an einer knorrigen, alten Holztür, die in Eisen eingefasst war. Zunehmend wurde es lauter. Kathrine fuhr zusammen, als sie den Lärm hörte. Sie war eingeschlafen und das Kaminfeuer loderte nur noch flau vor sich hin.
Noch einmal ertönte das laute Hämmern. Kathrine sträubte sich aufzustehen.
Es waren zwei Monate vergangen, seit man ihr zur selben Tageszeit die Nachricht über den Tod ihres Mannes überbrachte.
Kathrine war jung, doch nach dem Tod ihres Mannes fühlte sie sich um Jahre gealtert. Ihr Körper fühlte sich schwer und träge an und jeder Schritt war mühsam. Sie dachte an ihren Vater, der vor vierzehn Jahren im Kampf fiel. Ihre Mutter starb ein paar Jahre später an einer Erkrankung, die von den Ärzten nicht behandelt werden konnte. Sie wollte Kathrine am Sterbebett noch etwas Wichtiges sagen, doch sie schaffte es nicht mehr und nahm ihr Geheimnis mit in den Tod.
Kathrine blickte zum Bett, das sie vor dem Ofen aufgestellt hatte. Langsam erhob sie sich und ging darauf zu. Ihr Sohn David schlief friedlich vor sich hin. Er war erst zwei Jahre alt und schon hatte er seinen Vater verloren. Er suchte und fragte nach ihm. Kathrine erzählte ihm nichts von seinem Tod. Er war zu jung, um es zu verstehen.
David gab Kathrine Kraft, sich auf den Füßen zu halten. Als sie von Edgars Tod erfuhr, erschien ihr das Leben im ersten Moment sinnlos. Wäre ihr Sohn nicht gewesen, hätte sie womöglich aus Verzweiflung ihrem Leben ein Ende gesetzt.
Kathrine war gerade dabei, Davids Decke zu richten, als sie mitbekam, dass ihre Haustür gewaltsam aufgebrochen wurde.
Sie wollte David aus dem Bett reißen, aber als sie die Garde des Königs erblickte, erstarrte sie vor Furcht und konnte sich nicht rühren.
Einer der Männer kam auf sie zu und zog sein Schwert. Doch es war nicht ihr Herz, das er durchbohrte, sondern es war Davids Herz.
Kathrine schrie auf und flehte: „Hört auf! Bitte, hört auf!“
Sie riss David aus dem Bett, der blutüberströmt und leblos in ihren Armen lag. Kathrine war fassungslos. Sie ging in die Knie, denn sie hatte keine Kraft mehr, sich aufrecht zu halten.
„Warum?“, schrie sie tränenüberströmt. „Warum habt Ihr meinen Sohn getötet? Er ist doch noch ein Kind.“
Langsam richtete sie sich auf und blickte dem Feind in die Augen. Einen Moment lang kam es ihr so vor, als ob sie darin Mitleid erkennen konnte.
„Wir handeln auf Befehl des Königs“, antwortete ein Gardist knapp.
Kathrine sah ihn mit einem verständnislosen Ausdruck an. „Was hat der König mit meinem Sohn zu tun? Dieser Dieb! Genügt es ihm nicht, dass er sich dieses Land gewaltsam genommen hat?“
„Ihr solltet Vorsicht walten lassen bei der Wahl Eurer Worte, Weib!“, mahnte der Gardist. „König Heinrich hat das Recht, den Thron Englands für sich zu beanspruchen.“
„Ihr habt meine Frage nicht beantwortet!“, schrie Kathrine erbost. „Was hat mein Sohn damit zu tun?“
„Euer Ehemann war ein Cousin von König Richard. Der König möchte keine Verwandten dieses Mannes mehr am Leben lassen. Sie sind seine Feinde. Das schließt Euren Sohn mit ein.“
Nun mischte sich ein anderer Gardist ein: „Was erzählt Ihr diesem Weib diese Geschichte? Tötet sie und lasst uns endlich hier verschwinden!“
„Es gibt keinen Befehl, die Frau zu töten. Wir haben hier schon genug Blutvergießen angerichtet. Lasst uns gehen!“
Die Männer zogen ab und ließen Kathrine verstört mit ihrem toten Sohn zurück.

Blick ins Buch (Leseprobe)

27. August 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 1: Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite
Anno Domini 1225. Weite Gebiete Europas liegen in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln ...

Anleser:
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.

Blick ins Buch (Leseprobe)

'Linus der Drache aus dem Keller' von Norbert Golluch

Kindle (unlimited)
Website Norbert Golluch
Können Drachen Freunde sein? Lisa ist nicht besonders mutig – aber ein echter Drache im Keller hätte sicherlich auch das tapferste Kind und den mutigsten Erwachsenen tüchtig erschreckt. Zum Glück ist der Drache Linus ein ganz Lieber. Und er hat noch ein Problem: Linus Lindwurm kann nicht fliegen. Wie es dazu kommt, dass Lisa in der Schule drachenstarke Unterstützung bekommt und Linus sein Problem löst, erzählt diese Vorlesegeschichte allen Schulanfängern.

Wer noch mehr von Linus lesen mag - es gibt ein zweites eBook bei Amazon: „Linus – ein Drache geht zur Schule“.

Der Kellerdrache Linus geistert schon eine ganze Weile durch die Welt der Bücher, war zuerst im Carlsen-Verlag in einem gebundenen Buch und später in einem Taschenbuch zu Hause und zog dann in die Welt der eBooks um. Leider hat Linus dort seine Probleme, weil er kein großer und unheimlich lauter Drache ist und dazu auch noch im Keller wohnt. Deshalb macht er sich hier auf einer Internet-Seite bemerkbar, damit seine Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, denn viele Kinder kennen ihn noch gar nicht – und das ist schade…

Anleser:
„Lisa, holst du bitte ein Glas Marmelade aus dem Keller!“, rief Mutter aus der Küche.
„Ooch, muss das sein?“, protestierte Lisa. Sie hatte es sich gerade oben in ihrem Zimmer gemütlich gemacht. „Im Keller ist es doof!“ Lisa ging nicht gern in den Keller. Es war unheimlich da unten, und sie war nicht die Mutigste. Aber das wollte sie natürlich nicht zugeben.
„Ich kann jetzt hier nicht weg!“, entgegnete Mutter und klapperte mit Töpfen und Geschirr. „Los, nun geh schon!“ Widerwillig legte Lisa die Pferdezeitschrift beiseite und schlurfte die Treppe hinunter. Im Flur öffnete sie langsam die Tür zum Keller und stieg mit vorsichtigen Schritten die Kellertreppe hinab. Eine Stufe, noch eine Stufe, dann die dritte. Im Licht der alten, flackernden Neonröhre sah da unten alles sehr gruselig aus.
Jetzt rief Lisas Vater auch noch von oben: „Pass auf! Gestern kam Achdabistduja mit so einem Buckel aus dem Keller geschossen! Da unten lauern bestimmt einige tausend Ungeheuer!“

Achdabistduja war der Kater der Familie, der eines Tages einfach zugewandert war. Lange Zeit hatte er keinen Namen. Irgendwann, als der Kater ohne Namen eigentlich schon ein Familienmitglied war, hatte Lisas Mama „Achdabistduja!“ gesagt, als ihr das Tier überraschend über den Weg lief. Somit hatte der Kater seinen Namen weg. Inzwischen hörte er ganz gut darauf.

Was mochte Achdabistduja im Keller erschreckt haben, fragte sich Lisa. Dahinten, war das die Waschmaschine? Oder ein Monster mit aufgerissenem Maul? Hing da Mamas Regenmantel? Oder war es einer dieser Zombies aus dem Kinderkanal? Papas Gartenhandschuhe? Oder die Klauen eines Drachens?
Endlich war Lisa unten angekommen und schlich langsam durch den Gang zum Vorratskeller.
„Keine Panik. Ich hole nur schnell ein Glas Marmelade!“, beruhigte sie sich.
Plink! Die alte Neonröhre ging nun ganz aus. Ausgerechnet jetzt! Stockdunkle Nacht umgab Lisa. Sie wollte schreien, aber sie konnte nicht. Und da: Zwei Augen leuchteten in der Finsternis, und plötzlich schrie jemand: „Uauauah!“

Blick ins Buch (Leseprobe)

26. August 2020

'Eine Handvoll Träume' von Maria Resco

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Eine berührende Geschichte über Sehnsuchtsorte und andere Herzensangelegenheiten

Jans Leben ist so, wie er es sich immer gewünscht hat, eine gute Position im Familienbetrieb und die Frau, die er liebt, an seiner Seite. Als Sandra ihm jedoch nach drei gemeinsamen Jahren eröffnet, dass sie dem Vater ihrer kleinen Tochter eine zweite Chance gibt, bricht seine heile Welt in sich zusammen. Um Abstand zu gewinnen, fliegt er nach Italien.

In Florenz lernt er die quirlige Pia kennen, die ihn betört und fasziniert. Trotz seiner Bedenken lässt er sich auf ein gemeinsames Abenteuer ein und verbringt zwei unvergessliche Wochen mit ihr. Zurück zu Hause wird ihm schnell klar, dass in seinem geordneten Leben für Pia kein Platz ist. Plötzlich aber steht sie vor der Tür. Und dann ist da noch Sandra, die ihre Entscheidung bereut und ihn bittet, zu ihr zurückzukommen.

Anleser:
Jan hatte keine Ahnung, wie er in diesen Schlamassel geraten konnte.
Vor ihm stand ein Fiat-Ducato in Rentnerbeige mit braunen Querstreifen, Baujahr dreiundachtzig, neunzig PS, neben ihm Pia, die Frau, die er seit nicht mal vierundzwanzig Stunden kannte und mit der er dennoch die letzte Nacht verbracht hatte. Verflixt, wie konnte ihm das passieren? Und wie hatte sie es fertiggebracht, ihn zu einer Toskana-Rundreise zu bewegen? Mit diesem urzeitlichen Gefährt! Er war nach Italien gekommen, um Abstand zu gewinnen, um einen klaren Kopf zu bekommen, um allein zu sein. Und jetzt das! Zwei Wochen mit einer quasi Unbekannten auf engstem Raum.
»Du fährst!« Mit ihrem bezaubernden Lächeln hielt Pia ihm den Wagenschlüssel hin.
Jan kapitulierte und öffnete seine Hand. Keck ließ sie den Schlüssel hineinfallen. Er hätte auf Patrick hören sollen, Patrick hatte ihn gewarnt. Jetzt war es für einen Rückzieher zu spät, jetzt würde er alle vor den Kopf stoßen. Warum hatte er sich gestern Abend nicht vom Acker gemacht, so wie er es geplant hatte? Es war doch glasklar abzusehen gewesen, worauf das Ganze hinauslaufen würde. Allerdings, so glasklar auch wieder nicht, denn nicht nur der Wein, auch die gute Stimmung am Tisch, die nette italienische Familie, die Idylle auf dem toskanischen Landgut, und vor allem Pias im wahrsten Sinn des Wortes überwältigende Art … all das hatte ihm ordentlich die Sinne vernebelt.
Da stand er jetzt mit seinem Talent, nicht Nein sagen zu können, vor diesem Fiat Ducato in Rentnerbeige, der für die kommenden zwei Wochen sein Zuhause sein sollte. So konnte es gehen, wenn man nicht auf seinen besten Freund hörte.
Ein dumpfer Schlag traf ihn auf den Rücken.
»Na, was sagst du? Ist das ’ne flotte Kiste?«
Alessandro. Auf schnoddrige Weise liebenswürdig. Diese Beschreibung war Jan gestern Abend für ihn in den Sinn gekommen. Er hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, die Menschen, die ihm begegneten, in einem knappen Satz zu charakterisieren. Er wusste selbst nicht, warum er das tat. Es war ein Tick von ihm, ein Spiel, bei dem er testete, ob er mit seiner spontanen Einschätzung richtig lag. Ein Ergebnis bekam er natürlich nur bei näherem Kennenlernen. Doch auffallend oft, oder fast immer, lag er richtig. Und das war das Schöne an dem Spiel.
Bevor er antworten konnte, schaltete Pia sich ein. »Das ist ’ne super flotte Kiste!«, jauchzte sie begeistert.
Jan suchte nach einem Grund, das Angebot auszuschlagen. »Aber das kann ich doch nicht annehmen, ich meine, ihr kennt mich doch gar nicht, und außerdem …«
Alessandro ging mit dem Luftdruckmesser am linken Vorderreifen in die Knie und schraubte die Ventilkappe ab. »Pias Freunde sind auch unsere Freunde.«
Aber ich bin nicht Pias Freund, hätte Jan am liebsten gesagt. »Und du bist sicher, dass niemand den Wagen vermissen wird?«
Alessandro erhob sich und ging zum Hinterreifen. »Ach was! Mein Bruder will die Karre sowieso verkaufen, er hat nur noch keinen Dummen gefunden.«
Pia schob die Seitentür des Wagens auf und warf ihren Rucksack hinein. Bevor sie einsteigen konnte, drängelten sich Lorenzo und Giulia, Alessandros Kinder, an ihr vorbei, stürmten den Fiat Ducato und hüpften kreischend auf den Sitzbänken herum.
»Wow! Jan, das musst du dir angucken!«, rief Pia.
Misstrauisch lugte Jan durch die Tür und stieg dann hinauf. Wie zu erwarten war, entsprach die Einrichtung dem rustikalen äußeren Design des Wagens. Immerhin gab es eine separate Dusche, einen gut ausgestatteten Kochbereich, sogar einen Fernseher und nach Alessandros Aussage unglaubliche fünf Schlafplätze, wo immer sich die versteckten.

Blick ins Buch (Leseprobe)

21. August 2020

'Im Bann des Schotten' von Emilia Doyle

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite bei Amazon | Autorenseite im Blog
Nach dem Tod der Mutter ist Fiona mittellos. Ihre einzige Verwandte, die sie aufnehmen könnte, wäre eine Tante in den schottischen Highlands, die sie nicht kennt. Fionas Erzeuger, der Earl of Shefford, will das Problem um die illegitime Tochter rasch erledigt haben. Er bittet seinen Freund Captain Shaw um Unterstützung. Unter seinem Kommando erreicht Fiona Fort William, eine britische Garnison in den Highlands, von wo aus sie mit einer Patrouille zu jenem Clan gelangen soll. Doch dieser Plan wird von einer Gruppe schottischer Rebellen durchkreuzt.

Die Lage ist angespannt und Fiona sitzt im Fort fest. Sie lässt sie sich auf ein gefährliches Unterfangen ein und gerät immer tiefer in den Konflikt zwischen den britischen Soldaten und den Highlandern. Fiona ist bemüht, ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, doch ausgerechnet jetzt schlägt ihr Herz romantische Kapriolen.

Anleser:
Die Gruppe setzte sich erneut in Bewegung. Ihre Hände waren noch immer zusammengebunden, Furcht übermannte sie. »Ich kann mich nicht festhalten, ich werde vom Pferd stürzen«, fuhr sie ihn an.
»Das werdet Ihr nicht, vertraut mir!«
»Euch vertrauen? Ihr habt mich gefangengenommen und seid dabei, mich zu verschleppen!«
Er lachte. »Wir sind nicht die Barbaren, für die Eure Landsleute uns gern halten, also entspannt Euch.«
Fiona schnaubte. »Dann sagt mir, was Ihr mit mir vorhabt?«
»Alles zu seiner Zeit!«, gab er gedehnt zurück. Nach einer Weile fügte er hinzu: »Wenn Ihr weiterhin so steif dasitzt, werden Euch bald alle Muskeln schmerzen. Warum lehnt Ihr Euch nicht gegen mich, dann hättet Ihr es in der Tat bequemer.«
Sie enthielt sich einer Antwort. Die körperliche Nähe zu diesem Fremden war ihr ausgesprochen unangenehm. Nie zuvor war sie einem Mann so nahegekommen. Sie spürte seine muskulösen Hände an ihrer Mitte vorbei nach den Zügeln greifen. Würde Fiona sich nicht so angestrengt bemühen, eine aufrechte Haltung einzunehmen, könnten sie womöglich noch ihre Brust streifen. Sie glaubte, seinen Atem an der Wange zu fühlen und sein Knie am Bein. Wie dicht sie seinem Schoß war, darüber wollte sie lieber nicht nachdenken. Obwohl sich der Jutesack rau und kratzig auf der Haut anfühlte, war sie erleichtert ihn zu haben, damit sie ihre peinliche Verlegenheit vor ihm verbergen konnte.
Er beugte sich vor. »Eure Dickköpfigkeit ist nicht zu Eurem Vorteil«, raunte er ihr ins Ohr.
Fiona erschauderte, als sein Brustkorb ihre Schulter berührte und sie sein Gesicht unmittelbar neben dem ihren wusste. Zu ihrer Erleichterung beließ er es bei dieser einen Annäherung. Kurz darauf trabte das Pferd einen steilen Abhang hinunter. Fiona spannte den ganzen Körper an, um die Sitzposition zu halten. Als der Mann daraufhin seinen rechten Arm um sie schlang und sie an sich zog, wehrte sie sich nicht. Alles war besser als hinunterzufallen und unter die Hufe des Tieres zu geraten. Sie wagte kaum zu atmen.
Endlich schienen sie an ihrem Ziel angekommen zu sein. Er ließ sie los und stieg aus dem Sattel. Um sich herum vernahm sie lebhaftes Treiben.
»Kommt!« Seine Hände umfassten ihre Taille, um ihr vom Pferd zu helfen.
Zögerlich ließ sie es zu und glitt in seine Arme. Die Angst kehrte zurück, was jetzt mit ihr passieren würde. Er behielt sie im Arm und führte sie fort.
»Zieht den Kopf ein.«
Fiona tat, wie ihr geheißen und er drückte ihren Kopf zusätzlich schützend nach unten. Sie mussten sich in einer Höhle befinden, vermutete sie. Es war schlagartig kühl und dunkel geworden.
»Seid vorsichtig! Der Boden ist rutschig und uneben.« Er löste endlich die Handfesseln und befreite sie von dem Jutesack, bevor er sie tiefer hineinführte. Dort war es heller als am Eingang, weil Licht durch zwei seitliche Felsspalten einfiel.
Das musste der Unterschlupf dieser Männer sein. Neugierig sah sie sich um, obwohl es außer Felsen nichts zu sehen gab.

Blick ins Buch (Leseprobe)

20. August 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 3: Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Olivièr Declear bei Amazon | Autorenseite
Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

'Flammende Himmel' ist der dritte Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Anleser:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

Blick ins Buch (Leseprobe)

19. August 2020

'Rendezvous mit einem Phantom' von Christian Wagnon

Kindle (unlimited)
Christian Wagnon bei Facebook
Eigentlich hat Max nur übers Wochenende nach Paris fahren wollen. Ein Luxuswochenende, mit allem Drum und Dran. Und Amelie eine Freude damit machen. Aber irgendwas geht gründlich schief. So gründlich schief, dass er ins Fadenkreuz von Leuten gerät, von denen er bisher nur in Thrillern gelesen hatte. Und diese kennen, genau wie er es gelesen hat, keine Gnade.

Sein Leben gerät völlig aus den Fugen, und daran kann auch sein Freund Morten nichts ändern, der einzige, den er um Beistand bittet. Auch wenn er ahnt, dass Morten Hansen bei der Sache seine eigene Agenda verfolgt, genau wie die geheimnisvolle junge Frau, deren zartes Parfüm, das er aus der Suite ins Paris kennt, aus den Briefchen aufsteigt, die er von ihr bekommt. Wer ist Florence? Auf welcher Seite steht sie? Auf welcher Seite steht Morten Hansen?

Anleser:
»Das wird bestimmt ein wunderbares Wochenende«, sagte die Frau im Reisebüro. Er hätte die Sache im Internet buchen können, aber das Reisebüro lag direkt neben seiner Arbeitsstelle, und es hatte etwas Nostalgisches gehabt, der Angestellten dabei zu zusehen, wie sie Kataloge durchblätterte und Zahlenkolonnen auf dem Monitor verglich, und mit ihr über die Zeit zu plaudern, die er mit Amelie in Paris verbringen wollte. »Ein Luxuswochenende« hatte er gesagt. »Etwas ganz Besonderes. Achten Sie erstmal nicht auf den Preis.«
Sie hatte ihn gemustert, seinen Anzug, seinen Aktenkoffer, die Krawatte. Die Schuhe konnte sie nicht sehen, aber wahrscheinlich hätte sie diese auch gemustert. Ihm war klar, dass sie im Kopf überschlug, was er mit Luxus meinen könnte, ob es um fünftausend ging oder mehr oder ob er mit Luxus lediglich meinte, dass die Minibar im Zimmer auch tatsächlich mehr als einmal gefüllt wurde und ein Obstkorb bei der Ankunft bereitstand.
»Eine Suite«, sagte er. »Irgendwas mit tollem Ausblick.«
Diese Aussage hatte ein leichtes Lächeln auf ihr Gesicht gezaubert.
»Planen Sie ein Geschenk? Jahrestag oder so etwas?«
»Eine Überraschung«, sagte er.
»Das Mercure«, sagte sie. »Hier haben wir diese Suite. Zwei Bäder, einen begehbaren Schrank, Wohnzimmer mit Schlafcouch, Schlafzimmer mit Doppelbett, Balkon, Fensterfront bis zum Boden. Roomservice rund um die Uhr. Sie können auch einen Chauffeur buchen. Frisches Obst … Im Haus befinden sich zwei Restaurants, im letzten Stock ist ein Schwimmbad mit Wellnessbereich. Im Souterrain befindet sich ein Fitnessstudio. Das Hotel hat einen Shuttle-Service zum Flughafen.«
»Wir fahren mit der Bahn«, sagte er. »Das ist bequemer.«
»Das stimmt«, sagte sie. »Sollen wir die Tickets für die Bahn gleich dazu buchen? Erste-Klasse, nehme ich an?«
»Ja«, sagte er. »Das sieht gut aus. Und dann noch ein bisschen Planung für drumherum.«
Sie lächelte noch mehr. »Ja, natürlich«, sagte sie. Es klang, als erwarte sie nicht, dass sie mehr als fünf Minuten die Suite verlassen würden, egal, was sie für diesem Kunden nun plante.
»Musical? Oder etwas Klassisches?«
»Ja, Musical«, sagte er. »Das Phantom der Oper?« Er kannte Musicals nur vom Namen her, es war nicht die Art Musik, die er bevorzugte. Irgendwie assoziierte er den Titel mit Paris.
»Ja, gern«, sagte sie. »Das passt. Auch irgendwas mit Kabarett? Etwas Intimeres?«
»Ja, warum nicht? Und natürlich ein besonderes Essen.«
»Ich glaube, das Hotel bietet sogar so etwas an«, sagte sie. »Das kann man dazu buchen. Wie wäre es mit einem Dinner auf der Seine? Das Hotel vermittelt auch private Führungen im Louvre und anderen Museen.«
Er nickte. »Das klingt sehr gut«, sagte er wieder.
»Wann möchten Sie fahren?«
»Morgen.«
»Oh«, sagte sie und schaute auf den Monitor. »Ich hoffe, da ist noch was frei. Ja, Sie haben Glück. Diese Suite ist noch nicht belegt. Ich schaue mal nach den Tickets. Ich glaube, das ist eine sehr gute Wahl, die Sie da getroffen haben.« Sie schaute auf seine Hände. »Ihre Begleiterin wird begeistert sein«, sagte sie. »Und es ist gar nicht mal so teuer, wie man vielleicht denkt. Hier, sehen Sie!« Sie schob ihm ein ausgedrucktes Blatt Papier zu. »Aber das war auch nicht die Frage, nicht wahr?«
»Nein, das war nicht die Frage.«

Blick ins Buch (Leseprobe)

18. August 2020

'Regenfabel' von Lenny Löwenstern

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Kornelius Kinnbackenhagen ist Schirmverkäufer in Freiburg. Er liebt Regen über alles, ist ein bisschen altmodisch und oft höchst dramatisch. Eigentlich möchte er nur in Ruhe sein geordnetes Leben führen. Bis er sich mit einer aggressiven jungen Nachbarin anlegt. Fortan ist sein Leben nicht mehr dasselbe.

Eine Geschichte mit dem Regen und über den Regen. Über das Miteinander in einem Mietshaus und das schwierige Auskommen als Verkäufer. Und über den Umgang mit zeitgeistig engagierten Studierenden. Poetisch, witzig und mitunter ziemlich bissig.

Anleser:
Beim Hinabsteigen machte er eine Entdeckung. Unter dem Treppenabsatz befand sich ein größerer Hohlraum. Jemand, mutmaßlich Lina Leyendecker, hatte dort Sperrmüll untergestellt. […] Zufällig kam gerade die Kieserich herauf.
»Haben Sie das schon gesehen, Frau Kieserich?«
Die Kieserich wallte auf ihn zu, als wollte sie ihn küssen. Sie trug ein Ensemble aus mehreren dünnen Kittelschürzen, das sie aus Stoffresten komponiert hatte. Keine Farbe passte zur anderen. Das seltsame Kleidungsstück war ihr augenscheinlich ein paar Nummern zu groß. »Oder haben Sie das hier hingestellt. Oder ihr Ihr Mann vielleicht?«
»Den Trödel?«
»Eben den.« Kornelius stocherte mit dem Schirm zwischen den Keilrahmen umher, als könne er dort einen unentdeckten Van Gogh finden. […] »Natürlich nicht. Und wir wissen beide, wer das war.«

Blick ins Buch (Leseprobe)

14. August 2020

'Petermanns Chaos' von Eva Joachimsen

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Blog Eva Joachimsen
Das Leben des pedantischen Buchhalters Wilhelm Petermann gerät aus den Fugen, als seine chaotische jüngere Schwester mit ihren drei kleinen Kindern, Hund und Katze in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung auftaucht.

Lydia, das verwöhnte Nesthäkchen der Familie, ist vor Eheproblemen weggelaufen und bürdet Wilhelm ihren Nachwuchs auf, während sie sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe macht. Natürlich leiden auch die Nachbarn unter dem Lärm und der Unruhe im Haus und reagieren verärgert.

Leseprobe:
Geschockt ließ sich Wilhelm auf einen Küchenstuhl sinken. Typisch Lydia. Wie sollte er als Junggeselle seine Neffen beschäftigen? Er hatte weder Ahnung von Kindern, noch Spielzeug im Haus. Sonst sah er sie zu Weihnachten und den Geburtstagen. Da waren sie fast die ganze Zeit mit ihren Geschenken beschäftigt und halbwegs friedlich. Darüber war er immer recht froh, denn die übrige Zeit nervten sie mit Sonderwünschen oder Wutanfällen, wenn die Wünsche nicht sofort erfüllt wurden.
„Onkel, spielst du Fußball mit mir? Liest du vor?“ Und wenn der Onkel nicht auf der Stelle reagierte, schrien sie sich die Kehlen wund. Es kam auch vor, dass er Nico vorlas, während Sascha tobte, weil Wilhelm mit ihm eine Burg aus Holzbausteinen bauen sollte. Bei den Mahlzeiten konnten sich die Erwachsenen kaum unterhalten, da Lydia die Kinder ermunterte zu erzählen, ohne Rücksicht auf die übrigen Gäste bei Tisch. Und jetzt war er diesen Ungeheuern alleine ausgesetzt.
Sein Blick fiel auf den Staubsauger. Die Scherben! Er sprang hoch, holte die Splitter aus dem Badezimmer, wo er sie aus der Hand gelegt hatte, warf sie in den Mülleimer und saugte den Teppich gründlich. Hannibal verzog sich jaulend in die Küche. Cleo sprang vom Sofa über die Anrichte auf den Schrank und beobachtete ihn. Wilhelm hatte das Gefühl, gleich würde der Kater von oben angreifen, ihm wieder in den Nacken springen. Nachdem er den Ohrensessel und das Sofa gründlich von den Katzenhaaren befreit hatte, fiel sein Blick auf Sascha, der an den glänzenden Knöpfen der Stereoanlage drehte.
„Nein, Sascha, lass die Musikanlage in Ruhe“, sagte er so scharf, dass der Junge erschrocken aufhörte und unter den Tisch flüchtete.
„Onkel Wilhelm, ich habe Hunger“, jammerte Nico.
„Du hast doch gerade etwas gegessen.“ Wilhelm musterte den Neffen wie ein lästiges Insekt.
„Ich habe trotzdem Hunger“, schluchzte Nico.
„Na, komm, dann suchen wir etwas Essbares.“ Wilhelm nahm ihn an die Hand und marschierte in die Küche.
„Magst du ein Käsebrot?“
„Iiii, Käse.“ Nico schüttelte sich und weinte lauter.
„Magst du Schinken?“
Nico schüttelte den Kopf. „Ich will Leberwurst.“
„Die habe ich nicht. Aber wie wäre es mit Marmelade?“
Plötzlich versiegten die Tränen und Nico strahlte. „Ja, Marmeladenbrot.“
Schnell strich Wilhelm eine Scheibe und Nico langte zu. Er verschlang sie in kürzester Zeit und verlangte eine weitere. Sein Onkel staunte, wie eine kleine, zarte Gestalt solche Mengen verdrücken konnte.
Jetzt schrie Sascha. Wilhelm ließ Nico in der Küche und kniete sich vor den Couchtisch.
„Sascha, komm bitte raus“, lockte er.
Aber Sascha brüllte nur: „Mama, Mama.“
„Komm zu uns in die Küche.“ Der Junge brüllte weiter.
„Mama ist gleich wieder da. Nachher bauen wir euch ein schönes Bett. Soll ich vor dem Schlafen etwas vorlesen?“ Das Weinen wurde lauter.
Wilhelm versuchte es mit einem Kinderlied.
Sascha ließ sich einfach nicht beruhigen.
„Möchtest du ein Marmeladenbrot?“, probierte Wilhelm. Sascha weinte weiter. Jetzt fing auch noch Anna-Lena im Schlafzimmer an zu schreien.
Wilhelm holte sie aus dem Wagen und nahm sie auf den Arm. Aber ihr Brüllen verstärkte sich. Hannibal jagte aufgeregt bellend durch die Wohnung. Schließlich sprang er, weiter laut kläffend, an Wilhelm hoch. „Sch, sch, still“, wies Wilhelm den Hund zurecht. Vergeblich. Natürlich wusste er genau, dass Lydia den Hund nicht erzog. Hannibal hatte bisher nie pariert. Er schaukelte das Baby und lief im Schlafzimmer hin und her. Sein Gesicht verfärbte sich rot. Feine Schweißperlen bildeten sich auf Stirn und Nase. Wie konnte Lydia ihn bloß mit ihren Bälgern allein lassen? Er verstand jetzt, warum Eltern ihre Kinder zu den Großeltern oder Tagesmüttern abschoben. Dieses Geschrei hielt niemand aus.
Als etwas an seiner Hose zerrte, schaute er hinunter. Nico versuchte, seine Aufmerksamkeit zu wecken.
„Du Onkel, an der Wohnungstür ist jemand“, sagte er.
„Hast du einfach aufgemacht?“, fragte Wilhelm entsetzt.
Nico nickte. „Es hat ganz lange geklingelt, und du bist nicht hingegangen. Jetzt ist Hannibal weggelaufen“, erklärte Nico lapidar.
„Nicht auch noch“, stöhnte Wilhelm. Insgeheim hoffte er, dass der blöde Köter auf der Straße überfahren wurde, und er ein Problem weniger hatte.
„Herr Petermann, entschuldigen Sie, dass ich so einfach eindringe, aber vielleicht kann ich Ihnen helfen?“ Frau Beierlein, eine alte Dame mit grauen, dauergewellten Haaren und Kittelschürze, lugte vorsichtig durch die Schlafzimmertür. Bisher hatte Wilhelm die ruhige Frau Beierlein aus dem Erdgeschoss kaum beachtet. Trafen sie aufeinander, dann begrüßten sie sich und wechselte ein paar Worte über das Wetter. Zu mehr reichte Wilhelms Interesse an den Nachbarn nicht.
„Meine Schwester ist schnell einkaufen, aber jetzt schreien alle gleichzeitig. Und ich kann sie nicht beruhigen.“
„Na, geben Sie mir mal das Baby und versuchen Sie, den Hund einzufangen. Vielleicht schaffen wir es ja zu zweit.“ Frau Beierlein kommandierte freundlich, aber bestimmend. Sie nahm Wilhelm das Kind ab, ohne auf eine Antwort zu warten.
Anna-Lena hörte sofort auf zu schreien. Erleichtert, wenigstens diese Verantwortung abgeben zu können, flüchtete Wilhelm aus der Wohnung.

Blick ins Buch (Leseprobe)

13. August 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 2: Adelsintrigen' von Olivièr Declear

Kindle unlimited | Taschenbuch
Olivièr Declear bei Amazon | Autorenseite
Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Anleser:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

Blick ins Buch (Leseprobe)

12. August 2020

'Marias Sehnsucht: Die Reise einer Jüdin' von Uschi Meinhold

Kindle | Weitere Shops
Website
Marias Sehnsucht? Welche Maria ist gemeint? Der Leser begegnet einer wohlhabenden und gebildeten Jüdin, die als junge Frau ihren Heimatort Magdala in Galiläa nach dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters verlässt, um zu reisen. Die Sehnsucht nach Veränderung führt Maria zu Verwandten nach Zypern, anschließend in die Hauptstadt des alles beherrschenden Römischen Reiches, Rom, und auf die Insel Capri.

Sie ist sehr eng befreundet mit Claudia, der Tochter des Princeps Tiberius. Aus dem anfangs unbeschwerten Romaufenthalt Marias wird durch die Nähe zur Tochter des Herrschers, inzwischen Ehefrau des Pilatus, ein Eintauchen in menschliches Leid. Aber auch glückliche Momente erlebt die Reisende durch die Zuneigung zum Römer Lupus. Sie begegnet Personen, die die Geschichte der Zeit bestimmen: Princeps Tiberius, Pilatus, Herodes.

Eingebunden in die politische Geschichte sind private Schicksale. Maria kehrt nach Magdala in Galiläa zurück. Wie auf der Reise erlebt sie in ihrer Heimat neben Glück auch Leid, begegnet diesen Erfahrungen gestärkt, weiß, wie sie leben will und mit wem: mit ihrer gehörlosen Tochter Lea und dem Römer Lupus. Er ist ihr nach Magdala nachgereist.

Die Autorin erzählt die Geschichte der vielbeschriebenen Maria Magdalena auf andere Weise, als sie bisher verbreitet worden ist. Was der Autorin in ihrem Roman 'Bruna-Brunhilde' (Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter) gelungen ist - die Leser durch lebendig und spannend erzählte Geschichte zu unterhalten und zu berühren -, kann auch in diesem Roman erwartet werden.

Über Frauen in der Geschichte sprechen - jetzt den Newsletter abonnieren - und einen Kurz-Krimi aus römischer Zeit als Geschenk erhalten.

Leseprobe bei Amazon (Blick ins Buch)

11. August 2020

'Schlanker Body 40+ Abnehmen und Haut straffen ohne OP' von Lisa Faustbrandt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sie sind 40+, übergewichtig und Ihre Haut sah auch schon straffer aus? Dann geht es Ihnen wie vielen Frauen in diesem Alter auch. Dieses Buch könnte vielleicht die Lösung Ihrer Probleme werden. Dies ist kein klassischer Ratgeber. Es gibt keine Abhandlung über Hitzewallungen, Kalorien-Berechnungen oder komplizierte Rezepte.

Die Autorin kommt schnell auf den Punkt. Konkret und praxisnah gibt sie Antworten auf Fragen wie z.B. diese hier:
- Kann man die Elastizität der Haut mit 40+ noch signifikant erhöhen und wenn ja, wie geht das?
- Wie wird das Gesicht wieder glatter und zwar ohne Spezialcreme, Botox oder Skalpell?
- Was kann man selbst tun, damit die Beine wieder traumhaft schön werden?
- Gibt es einen konkreten Tipp, damit der Bauch wieder sichtbar flacher wird?
- Wie schnell kann man mit 40+ sichtbare Resultate erzielen?
- Wie kann man das Bindegewebe wirklich stärken?
- Können die Innenseiten der Oberschenkel wieder an Form gewinnen und wenn ja wie?
- Worauf muss man achten, um bis zum Erfolg am Ball zu bleiben?
- Was muss man mit 40+ anders machen, um erfolgreich abzunehmen und das Gewicht dann auch zu halten?
- Warum ist die Anzahl der Mahlzeiten beim Abnehmen nicht wichtig?
- Welche 12 Ernährungstipps helfen dabei, abzunehmen und gleichzeitig die Haut zu straffen?
- Wie können Heißhungerattacken minimiert werden?
- Was ist der Unterschied zwischen dem „Ständig-Esser“ und dem „Selten-Esser“?
- Ist es möglich, die Fettverbrennung in nur 2 Schritten so richtig auf Trab zu bringen?

Es geht in konkreten Schritten um die Lösung der beiden sichtbaren Probleme: Übergewicht und schlaffe Haut. Das hier vorgestellte Konzept ist nicht allgemein gehalten. Konkrete Schritte begleiten Sie auf dem Weg zum schlankeren und strafferen ICH. Anhand der Informationen wird das Konzept an die jeweils ganz persönliche Ausgangslage angepasst und genau dieser Aspekt macht es erfolgreich. Bekanntes und Neues werden hier zu einem funktionierenden Ganzen kombiniert.

Starten Sie Ihre ganz persönliche Body-Reise zu einem schlankeren und strafferen ICH. Sie werden sich wieder so richtig wohlfühlen in Ihrem Körper.

Leseprobe:
Erinnern Sie sich noch an früher, unbeschwerte Sommer, ärmellose Blusen? Tolles Gefühl, nicht wahr? Tja, so ab 40+ oder vielleicht erst 50+ ist das Gefühl nicht mehr ganz so toll.

Weich, schwingend und irgendwie aus der Form geraten - Winkearme. Und wer Gewicht reduzieren konnte …. hat das „weiche und mitschwingende“ Problem noch deutlicher vor Augen.

Wenn man mit 40+ sein Gewicht reduzieren möchte und gleichzeitig die Haut straffen muss, sollte man das „Body-Projekt“ als Ganzes und nicht in einzelne Problemzonen aufgeteilt ansehen.

Die Sache mit dem „Abnehmen ab 40+“ wird nämlich sonst für viele zum Desaster. Frustrierend.

Oft nimmt man ab. Was dann folgt, sind neue Probleme. Entweder schlaffe Haut, die bei jeder Bewegung mitschwingt, oder der berühmte „Jo-Jo-Effekt“ als Folge einer falschen Diät.

Fakt ist: Sie müssen nicht hungern, um Gewicht zu verlieren. Im Gegenteil!

Regelmäßige Mahlzeiten sind das A und O einer erfolgreichen Ernährungsumstellung. Ziele werden so viel schneller erreicht.

Sie halten Ihren Hunger unter Kontrolle und nehmen einfacher ab. Sie werden Pfunde verlieren und dabei die Haut deutlich straffen.

Also Leinen los! Lassen Sie uns gemeinsam das Abenteuer „Abnehmen mit 40+“ beginnen.

Lassen Sie uns den Wechsel zu einem schlankeren und strafferen Body starten.

Abnehmen mit 40+ ist wie eine Abenteuerreise! Sie müssen Ihre Ziele festlegen, Ihre Route planen und dann abheben!

Wir wissen alle, wie es ist, wenn wir eine Reise planen.

Wir machen eine Bestandsaufnahme, planen die Reiseroute, nehmen einen Kompass mit, um von der Route nicht abzuweichen und lassen uns gespannt auf das Abenteuer ein.

Vor allem aber freuen wir uns riesig!! Also, wo ist das Lächeln auf Ihren Lippen?

Ok, legen wir mit der Bestandsaufnahme los. Das ist die beste Methode, um Ihr Problem sofort zu erkennen.

Eine moderne Frau?

Sie ist toll! Attraktiv. Mitten im Leben und 40+. Engagiert sich meist im Beruf. Managt das Familienleben.

Sie achtet auf Ihr Äußeres. Freie Zeit ist Luxus für sie. Wenn es ums Aussehen geht, so möchte sie vor allem sich selbst gefallen. Sich einfach wohlfühlen.


'RONDO: Sechs Kugeln für den Bastard' von Stefan Barth

Kindle (unlimited)
Website | Autorenseite
Texas, 1880.
Man weiß nicht viel über den Mann namens Rondo.
Nur, dass die Luft in seiner Nähe bleihaltig ist und Bestatter Arbeit kriegen.
Eigentlich sollte das Städtchen Brinkwater im Panhandle nur ein Zwischenstopp sein. Stattdessen mischt Rondo sich in Dinge ein, die ihn nichts angehen, und wirbelt eine Menge Staub auf. Wenn der sich wieder senkt, wird er viele Leichen bedecken.

Fragt sich nur, wessen ...

Anleser:
Der dunkle Raum ist vom Pulverdampf vernebelt.
Rondos Ohren klingeln. Tottenham liegt zwei Armlängen entfernt flach auf dem Boden. Ihre Blicke treffen sich.
Rondo richtet sich grunzend auf, eine Hand auf seine blutende Seite gepresst – als er Duval durch die Pulverschwaden auf sich zutaumeln sieht.
Das Donnern des Walker Colts ist ohrenbetäubend.
Rondo spürt das Geschoss an seinem Kopf vorbeirasen, während er selbst abdrückt. Ein Loch erscheint in Duvals Stirn, sein Hut fliegt nach oben und sein Hinterkopf explodiert in einem Regen aus Blut, Gehirnmasse und Knochenstücken.
Rondo schwenkt den Colt nach links, aber der Mexikaner ist nicht zu sehen. Er bewegt sich vorsichtig um den Tresen herum.
Die angsterfüllten Augen des Mexikaners starren ihn an. Er hält Rondo mit ausgestreckten Armen die offenen Handflächen entgegen. „Nicht schießen, Señor ... Bitte nicht ...“
„Steh auf.“
Der Mexikaner gehorcht.
Rondo deutet mit dem Colt auf einen der schiefen Stühle. „Setz dich hin, wo ich dich sehen kann.“
Der Mexikaner beeilt sich, der Aufforderung nachzukommen.
Tottenham ist inzwischen ebenfalls wieder auf den Beinen. Er bückt sich nach seiner Pfeife und dem Derbyhut. Er sieht blass aus.
„Sind Sie okay?“, fragt Rondo.
Tottenham nickt. Lehnt sich gegen den Tresen und setzt mit zitternden Fingern den Hut auf. Klopft die Pfeife auf dem Tresen aus und schiebt sie zurück in die Jackentasche.
Den Colt mit der letzten Kugel schussbereit in der Hand, überprüft Rondo die Körper der am Boden liegenden Männer. Nur der junge Cowboy ist noch am Leben. Er starrt Rondo aus weitaufgerissenen Augen an, während das Blut aus seiner durchschossenen Kehle läuft und sich in einer Lache unter ihm ausbreitet. Dann legt sich ein Schleier über seine Pupillen und der Blutfluss versiegt.
Rondo lädt den Colt mit Patronen aus seinem Gürtel nach und schiebt ihn zurück ins Holster. Seine linke Seite brennt wie Feuer. Das von mindestens einem Dutzend Schrotkugeln zerrupfte Denimhemd hat sich mit Blut vollgesaugt.
„Sie haben mir das Leben gerettet. Die wollten mich umbringen.“
Rondo sieht zu Tottenham. „Warum?“
Der Brite setzt zu einer Antwort an, dann hält er inne. Irgendetwas an seinem Blick wirkt, als würde er Rondo in diesem Moment zum ersten Mal wirklich sehen. Dann geht ein Ruck durch seinen Körper. „Das erzähle ich Ihnen bei dem Drink, den ich Ihnen ausgeben wollte.“ Er streckt seinen rechten Arm aus. „Danke Mister ...“
„Rondo.“
Tottenham runzelt die Stirn. „Den Namen habe ich schon einmal gehört ...“
Das haben viele, weiß Rondo. Und das ist nicht immer von Vorteil. Er will Tottenhams Hand schütteln, doch der zieht sie wieder zurück. Es ist etwas in seinem Blick, das Rondo nicht gefällt. Sein Instinkt sendet ein Alarmsignal.
Zu spät.
Tottenhams Arm schnellt wieder nach vorn und einen halben Meter vor Rondos Gesicht springt etwas aus dem Ärmel der Tweedjacke in seine Handfläche.
Ein Deringer. Remington 95.
Das Modell, mit dem Präsident Lincoln von John Wilkes Booth erschossen wurde.
Rondo blickt in die Mündung.
Und Tottenham drückt ab.

Blick ins Buch (Leseprobe)

10. August 2020

'Allegras Fluch' von Kerstin McNichol

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Kerstin McNichol | Traum³ Verlag
Allegra lässt nichts unversucht, um ihren Vater vor einer Torheit zu bewahren. Die verzweifelte Tochter schreckt noch nicht einmal vor Hexerei zurück, damit die Verlobte aus ihrer Leben verschwindet. Allerdings läuft der Zauber schief und beide verschlägt es in eine andere Zeit.

Um eine Chance auf Rückkehr zu haben, müssen die beiden zusammenarbeiten und sich Verbündete suchen. Doch was tun, wenn auch die Helfer untereinander zerstritten sind?

Anleser:
„Wir sind verlobt“, quietschte Jasmin vergnügt während sie Allegra die Hand entgegenstreckte.
Den Ringfinger zierte ein zartes Band mit einem funkelnden Stein in der Mitte. Offensichtlich hatte sich ihr Vater nicht lumpen lassen. Allegra wusste nicht, was sie mehr verärgerte. Die Tatsache, dass er so viel Geld für eine Torheit ausgab, oder dass diese Hochstaplerin nun ihre Stiefmutter-in-Spee war.
„Gratuliere“, gab sie möglichst neutral von sich und blickte dabei Jasmin in die Augen. Jasmin sollte erkennen, dass sie ihr Spiel durchschaute. Die erhoffte Gegenreaktion blieb aus. Allegra hatte darauf gezählt, dass Jasmin die Beherrschung verlieren würde und sie anschrie. So hätte ihr Vater ihren wahren Charakter erkennen müssen. Doch stattdessen schmiegte sich Jasmin eng an Alexander und blickte ihn nicht nur verliebt an, sondern streichelte mit der linken Hand über seinen Brustkorb, sodass der Ring im Licht wie eine Trophäe glitzerte.
Selbstverständlich erwiderte er die Geste und zog seine junge Gefährtin noch enger an sich heran. Die jugendliche Verliebtheit, welche die beiden zur Schau stellten ärgerte Allegra maßlos. Es war ihr nicht nur unangenehm, dass ihr Vater von Jasmin nicht genug zu bekommen schien, sondern sie fand auch, dass er sich permanent wie ein dummer Schuljunge benahm und nicht wie der neunundvierzigjährige erfolgreiche Geschäftsmann, der er war. Angewidert wendete sie den Blick ab, wenn sich die beiden küssten. Allegra konnte und wollte sich einfach nicht daran gewöhnen, dass ihr Vater diese Frau liebte. Zum einen war er mehr als doppelt so alt wie sie, und zum anderen war Jasmin mit ihren vierundzwanzig Jahren lediglich neun Jahre älter als sie selbst.
Seit Anbeginn dieser unheilvollen Beziehung hatte für Allegra festgestanden, dass Jasmin ihren Vater lediglich ausnutzte. Außer dem Studium eines unbedeutenden Faches an der Uni, hatte sie nichts weiter vorzuweisen. Jasmin war pleite und das, was sie als Liebe darstellte, war nichts weiter als ein uralter Trick mit dem sich Weiber wie sie das Vermögen von verblendeten Männern in der Midlife Crisis aneigneten. Dieser Ring untermauerte Allegras Vorbehalte, zumal vor kurzem noch die Rede davon war, dass Jasmin das Studium aufgeben und sich von Alexander ein kleines Ladenlokal in der Stadt finanzieren lassen wollte.
Für Allegra war die Sache glasklar. Hier ging es nicht um Liebe, sondern lediglich darum, für die eigene Zukunft auszusorgen. Und dies schien Jasmin während des romantischen Wochenendes in den Bergen endgültig gelungen zu sein. Der Verlobungsring war der untrügliche Beweis dafür, dass Jasmin den Aufstieg von der Freundin zur Verlobten geschafft und sich dadurch den Platz in der Familienhierarchie gesichert hatte.
Dennoch war dies kein Grund, dass Allegra ihre Anstrengungen Jasmin loszuwerden einstellen würde. Im Gegenteil, sie würde ihre Bemühungen verdoppeln; Jasmin durfte nicht ihre Stiefmutter werden. Da Alexander altmodisch war würde er Jasmin so schnell wie möglich heiraten wollen. Allegra war der Meinung, die Verliebtheit ihres Vaters wäre nur der törichte Versuch, an seiner Jugend festzuhalten und sich so über die Scheidung hinwegzutrösten.
Jasmins albernes Gekicher riss sie aus den Gedanken und Allegra blickte zu den beiden herüber. Es machte sie wütend zu sehen, wie ihr Vater sanft den Hals seiner Verlobten küsste und sie sich dabei noch enger an ihn drückte.
Allegra platzte der Kragen.
„Verdammt noch mal, spart euch diese Liebelei für ein Publikum auf, das euch den Nonsens abnimmt“, keifte sie.
„Was erlaubst du dir?“, rief der Vater ebenso verwundert wie empört.
In seinem Blick lag eine Mischung aus Unglauben und Zorn.
Unwillkürlich senkte Allegra unter dem strengen Blick den Kopf. Seine heftige Reaktion hatte sie erschreckt. Sie hatte ihn auch nicht so anblaffen wollen und schaute ihn schüchtern an, um sich zu entschuldigen. Doch als Jasmin den Arm um seine Taille legte und sie vorwurfsvoll ansah, konnte sich Allegra nicht mehr beherrschen.
„Wie konntest du eine derartige Torheit begehen? Wieso begreifst du nicht, dass sie sich nur ins gemachte Nest setzen will?“, schleuderte sie ihm wütend entgegen.
„Ich warne dich, treib es nicht zu weit“, forderte er und hob mahnend den Zeigefinger, während er einen Schritt auf seine Tochter zuging.
„Papa, bist du echt so naiv zu glauben, dass diese Beziehung funktionieren würde? Für sie bist du nur ein alter Idiot, den sie ausnehmen kann“, rief Allegra und sah ihn mit fiebrigen Augen an.
„Allegra, das reicht! Du entschuldigst dich sofort bei Jasmin“, verlangte er streng.
Allegras Herz klopfte vor Aufregung als sie in die entschlossenen Augen ihres Vaters blickte, doch anstatt einzulenken kniff sie die Lippen zusammen und starrte ihn mit leicht nach vorn gesenktem Kopf angriffslustig an. Er hatte einen Nerv getroffen.
„Diese Verlobung ist lächerlich. Du steckst doch nur in der Midlife-Crises.“
„Das reicht, Allegra“, fuhr er ihr über den Mund. „Du gehst augenblicklich auf dein Zimmer, bevor ich mich vergesse.“
„Gewalt ist alles, was dir dazu einfällt? Die hat dich bereits auf ihr Niveau heruntergezogen?“ Allegras Mienenspiel sprach Bände.
„Verschwinde auf dein Zimmer“, kam es gepresst von Alexander.
Allegra glaubte zu sehen, wie sehr er unter dieser Auseinandersetzung litt und wertete dies als einen Schlachtsieg.

Blick ins Buch (Leseprobe)

'Lichttrinker: Nachtkönig' von Veronika Weinseis

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Veronika Weinseis
Düster. Verschlingend. Spannend.

Vom Dienst suspendiert, von der Ehefrau rausgeworfen. Anders Claytons Leben befindet sich in einer Abwärtsspirale. Doch als sich das Monster aus den Albträumen seiner Tochter als real entpuppt, muss er die Kontrolle zurückerlangen. Anders kann Madison nur retten, indem er einen gefährlichen Handel mit der Finsternis persönlich eingeht: Er reist in die von Licht dominierte Welt Ranulith, um Königin Elrojana ihren wertvollsten Besitz zu stehlen.

In Ranulith steht eine Revolution kurz vor dem Ausbruch, da die unsterbliche Elrojana ein Schreckensregime führt. Dabei sät sie Krieg an allen Landesgrenzen.

Anders wird zunehmend tiefer in die Geheimnisse und Konflikte Ranuliths gezogen, denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Madison, sondern um den Fortbestand beider Welten.

Anleser:
Sophia schmeckte Blut, trotzdem kaute sie weiter auf der Unterlippe. Am anderen Ende der Leitung hörte sie gedämpfte Stimmen. Sie fuhr mit dem Daumen über die beiden Eheringe an ihrer linken Hand und starrte aus dem Küchenfenster. Statt die Reifenschaukel am Baum und die liegen gebliebenen Spielsachen vom Vortag zu sehen, starrte sie in die Leere. Sie spürte die Wärme der Herbstsonne nur wie ein fernes Echo auf der Haut. Das alles konnte nicht wahr sein. Sie durfte nicht auch noch Liam verlieren.
Der Polizist am Telefon meldete sich zurück und riss sie aus ihren Gedanken.
»Haben Sie ihn endlich gefunden?« Sophia presste die Worte heraus. Sie schloss die Hand zur Faust und hoffte.
»Frau McMillan, bitte bleiben Sie ruhig. Wir unternehmen alles in unserer Macht Stehende, um Ihren Sohn schnell zu finden. Aber ohne Anhaltspunkte … Wir tun, was wir können. Haben Sie Geduld.«
Dann ist alles nicht genug, dachte Sophia und lehnte die Stirn an das Fensterglas. Gestern noch hatte Liam im Garten Heuschrecken gesammelt und sie ihr geschenkt. Widerliche kleine Krabbelviecher. Sophia hatte sie am Abend angeekelt mitsamt dem Glas in den Müll geworfen. Nun wünschte sie sich, dass Liam mit einem ganzen Schuhkarton voller Insekten vor ihr stünde, solange er bloß bei ihr wäre. Liam war irgendwo da draußen. Allein oder – schlimmer noch – mit einem Fremden, der ihm nichts Gutes wollte. Sophia stand hier in ihrer Küche und tat nichts. Wartete. Hoffte. Fürchtete.

Blick ins Buch (Leseprobe)

7. August 2020

'Sonne, Strand und Federwolken' von Eva Joachimsen

Kindle | Tolino
Blog Eva Joachimsen
Was gibt es Schöneres, als ein paar freie Tage an der See zu verbringen? Am Strand zu liegen und von der großen Liebe zu träumen. Bis man sie gefunden hat, lässt sich die Wartezeit herrlich mit Urlaubslektüre verkürzen.

Die Kurzgeschichtensammlung ist nicht nur für die Ferien geeignet. Vier der dreizehn Geschichten stammen aus dem Buch „Strandkorburlaub“.

Anleser:
Regen und Sturm statt Sonnenschein
Voller Vorfreude sprang Sophie aus dem Zug. Acht Tage Urlaub, Sonne und Strand. Herrlich. Auch wenn es für den Süden nicht gereicht hatte. Denn als Auszubildende hatte sie nicht sehr viel verdient und ihr Geld war für das Auto, mit dem sie zur Arbeit fuhr, draufgegangen. Aber eine Bude in der Stadt hätte erheblich mehr gekostet. Ihre Mutter konnte sie nicht unterstützen, sie hatte als Alleinerziehende nie richtig in einem Job Fuß fassen können, sondern sich immer nur mit Aushilfs- und Minijobs durchgeschlagen. Demnächst würde es besser werden. Vor Glück hüpfte Sophie singend am Zug entlang zum Bahnhofsausgang. In zwei Wochen fing sie ihre neue Stelle an. Ihr Chef hatte sie einem Bekannten empfohlen, der ihr tatsächlich einen Zweijahresvertrag gegeben hatte.
Sie würde dort genug Gehalt bekommen, sodass sie ihrer Mutter helfen konnte. Und sicher war zusätzlich eine kleine Wohnung oder wenigstens ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft drin. Fröhlich summend und tanzend lief sie die Hauptstraße Richtung Strand. Vor dem Fischrestaurant musste sie nach rechts abbiegen und weiter geradeaus laufen, bis sie die Neubausiedlung erreichte. Dann war die zweite Straße schon der Möwenweg.
Sie schaute sich die süßen alten Häuser der Bäderarchitektur an und achtete nicht auf den Weg. Mit Schmackes prallte sie gegen eine breite Männerbrust.
„Können Sie nicht aufpassen?“, knurrte der Mann. Sein XXL-Eis verteilte sich auf Sophies brünetten Haaren, ihrem Parka und seinem Polohemd. Natürlich ein Markenhemd, wie sie sofort erkannte.
„Oh, das tut mir leid, ich habe Sie nicht gesehen.“
Aus furchteinflößender Höhe funkelte er sie grimmig an. „Ich bin so winzig, dass man mich übersieht.“
Sophie schoss das Blut in den Kopf. „Entschuldigung. Ich kaufe Ihnen auch ein neues Eis“, stammelte sie.
„Das ist ja wohl das Mindeste“, brummte er.
„Wo haben Sie es her?“
Er zeigte auf die Eisdiele auf der anderen Straßenseite. Bevor Sophie losgehen konnte, hielt er sie fest und reinigte mit mehreren Papiertaschentüchern ihre Haare. Anschließend reichte er ihr die Packung und deutete auf ihre Brust. Sophie errötete noch stärker und wischte sich das Eis von der Bluse.
Sie musste stolze fünf Euro für eine Eistüte bezahlen. Ihr selbst war inzwischen der Appetit vergangen.
„Wollen Sie kein Eis essen?“, fragte er, schon etwas weniger grimmig.
„Nein, danke, ich mag es nicht“, log sie. „Kann ich Ihr Hemd waschen?“, bot sie an.
Entsetzt schüttelte er den Kopf. „Wer weiß, wie ich es zurückbekomme.“
Sophie entschuldigte sich erneut und flüchtete mit der Bemerkung, dass sie eine Verabredung hätte.
Ihre Hochstimmung war verschwunden. Hätte der Kerl nicht ein kleines Bisschen freundlicher reagieren können?
Sie bemühte sich, trotzdem den Tag zu genießen. Bewusst atmete sie ein und versuchte, die Seeluft wahrzunehmen. Doch das gelang ihr nicht. War der Strand noch zu weit entfernt? Die Strecke wurde immer länger und der Möwenweg tauchte nicht auf. Nach einer Ewigkeit hatte sie das Ende der Neubausiedlung erreicht. Es war gleichzeitig der Ortsausgang, dahinter lagen Felder. Erschöpft setzte Sophie die schwere Reisetasche ab.

Blick ins Buch (Leseprobe)

'Lauf - wenn du kannst: Das Leben der Amy' von A. Jackson

Kindle (unlimited)
Endlich der Hölle eines bulgarischen Kinderheimes entkommen! Endlich auf dem Weg in den Westen, auf dem Weg ins Paradies, in die Freiheit, raus aus der Kälte, dem Schmutz und der Lieblosigkeit. Amy, das Kind, ist dem Mann, der sie dort rausgeholt hat, einfach nur dankbar, freut sich auf ein freies Leben in einer Familie.

Sie wächst zu einem hübschen Mädchen heran, kann es nicht fassen, dass ihr Wohltäter, ein Musiker, so reich ist, dass er sich ein schlossähnliches Anwesen leisten kann. Sie lebt im Luxus, Bedienstete umschwirren sie und er überschüttet sie mit Geschenken und hübschen Kleidern. Aber sie hat eine schreckliche Ahnung, irgendetwas stimmt mit ihrem Wohltäter nicht. Und warum darf sie das Grundstück nicht verlassen? Welche Rolle spielt die undurchschaubare Schwester ihres Gönners? Welche Ziele verfolgt sie?

Angst erfasst sie, bestimmt ihr Leben, der Wunsch nach Freiheit wird übermächtig, er ist der einzige Gedanke, der sie aufrecht hält. Sie versucht zu fliehen – und zahlt einen hohen Preis.

Anleser:
Bulgarien 1978.
Alles begann, als ein Auto vor einem Kinderheim in Bulgarien anhielt. Eine junge Dame stieg aus. Sie klingelte an einem sehr alten Tor und eine Nonne öffnete die Tür.
„Ich will nicht darüber reden, nehmt sie einfach und passt gut auf sie auf!“, sagte die Dame hektisch, stieg wieder in ihren Wagen und verschwand.
Die Nonne legte das Baby in ein Bettchen, da entdeckte sie ein Bändchen am Handgelenk mit dem Namen Amy. „Zumindest wissen wir jetzt, wie du heißt", sagte sie und widmete sich wieder ihrer Arbeit.
Das Kinderheim war dunkel und dreckig. Es lebten circa fünfhundert Kinder in drei Zimmern dort, zusammengepresst wie Sardinen. Die Zimmer hatten keine Tapeten an den Wänden oder Teppiche auf den Böden, nur sehr alte, dreckige Betten. Es war sehr sparsam eingerichtet und das gesamte Haus war alt und modrig. In manchen Räumen sah man sogar den Schimmel an den Decken.
Wie um alles in der Welt konnte man hier Kinder aufwachsen lassen?
Keine der fünf Schwestern, die hier arbeiteten, kümmerten sich um die Kinder. Nie nahm man sie in den Arm oder beschäftigte sich mit ihnen. Sie wurden gebadet, gewickelt, gefüttert und wieder ins Bett gelegt. Das Weinen mancher Kinder war schon in den Gängen zu hören und doch bekamen sie weder Zuwendung noch Aufmerksamkeit. Es war ein Ort des Grauens, der emotionalen Kälte und der Einsamkeit.

Blick ins Buch (Leseprobe)