11. Dezember 2018

'Homo Saarlandicus. Was es heißt, ein Saarländer zu sein' von Peter Waldbauer

Taschenbuch
Der Homo Saarlandicus lebt in dem kleinsten Flächenbundesland Deutschlands. Und mit der zweitkleinsten Einwohnerzahl im Bundeslandvergleich ist er eine fast schon seltene Spezies. Grund genug, ihm auf die Spur zu kommen und die 2.570 km² Lebensraum unter die Lupe zu nehmen.

In essayistischer Weise liefert Peter Waldbauer ein unterhaltsames Bekenntnis zum Saarland: Augenzwinkernd porträtiert er sowohl den gemeinen Saarländer und dessen Eigenheiten als auch Städte, Sprache, Gastronomie und den ganz normalen Alltag dort.

Eine Pflichtlektüre für Saarländer und alle, die es ins Saarland zieht.

Leseprobe:
Ein Saarländer fährt ein paar Tage nach Paris. Er sitzt im Café, promeniert auf den Champs-Elysées, er stöbert bei den Bouquinisten. Ständig glaubt er, vertrauten Gesichtern zu begegnen, obwohl er diese Menschen zum ersten Mal in seinem Leben sieht. Es ist erstaunlich, wie viele Franzosen ihn an seine saarländischen Verwandten und Bekannten zu Hause erinnern. Diese frappierende Ähnlichkeit im Aussehen, in der Statur, in der Mimik und Motorik. Der Saarländer erkennt sofort, welche Passanten echte Franzosen sind. Er trennt sie von den Pariser Kosmopoliten, von den Touristen erst recht. Er trennt sie mit der Schere im Kopf, ohne auf Kleidung und Sprache zu achten. Er kann sich gut vorstellen, dass ihn der (fremde und zugleich bekannte) Franzose gleich ansprechen wird, ihn als Bekannten oder Cousin erkennt und freudig begrüßt. Doch der Franzose schaut nur stumm, registriert ihn ohne Reaktion.
Der Saarländer leidet nicht an einer Wahnvorstellung. Es ist tatsächlich so. Er und seine Leute zu Hause stammen vom Franzosen ab. Daher die Ähnlichkeit, daher das Wiedererkennen. Seine Kollegen wohnen nur auf der anderen Seite der Grenze, sonst sind sie gleich. Ihre Physiognomie verrät sie, ihre Lebhaftigkeit fällt auf. Ihr Witz trifft sich mit dem französischen. Die Bewältigung alltägliche Situationen lösen beide mit Humor. Nun weiß der Saarländer, woher die Wangenküsschen seiner Heimat stammen, das Ritual der dreifachen Begrüßung. Die Saarländer haben es sich abgeschaut. Oder verhält es sich umgekehrt? Stammt der Franzose vom Saarländer ab? Jedenfalls vermischen sich in der Region Saar-Lor-Lux die Zugehörigkeiten. Einige Namen von Saarländern zeugen davon: Duchene, Lafontaine oder Commercon. Vor allem im Raum Saarlouis gibt es viele französische Familiennamen. Nicht selten auch Ehen zwischen Deutschen und Franzosen. Völlig unbeeindruckt von früheren Grenzziehungen, die für die Saarländer ohnehin eine geringe Bedeutung hatten.

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Mehr über und von Peter Waldbauer auf seiner Amazon-Autorenseite.



'ElfenZauberei' von Heidi Dahlsen

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Der 15-jährige Frederic lebt mit seiner Mutter in einer Villa und bekommt jeden Wunsch erfüllt. Materiell hat er keine Sorgen, jedoch hätte gern eine Familie, in der er sich geborgen fühlen könnte. Nachdem er sich nach einem heftigen Streit wünscht, dass seine Mutter verschwinden würde, geht dieser Wunsch umgehend in Erfüllung. Durch einen von ihm mit verschuldeten Unfall liegt diese im Koma.

Frederic wird in einem Kinderheim einquartiert. Sein Verhalten den Erziehern gegenüber ist unverschämt, die Kinder behandelt er herablassend. Mit der Zeit bekommt er einen Einblick in die Lebensgeschichten und beginnt nachzudenken. Langsam wird er umgänglicher und erkennt, welche seine wahren Freunde sind und was zählt, um glücklich leben zu können. Er verbringt im Heim sein erstes schönes Weihnachtsfest.

Diese Geschichte habe ich geschrieben, weil in der heutigen Zeit die Wünsche vieler Kinder unermesslich sind, sie sind unzufrieden, unfreundlich, mobben ihre Klassenkameraden, sogar ihre Freunde. Beim Lesen dieses Buches werden sie zum Nachdenken angeregt.

Leseprobe:
Schnellen Schrittes, immer gleich zwei Stufen auf einmal nehmend, eilt Frederic die große Freitreppe der Villa nach oben. Er ist absichtlich spät dran, denn einerseits wollte er den Nachmittag lieber mit seinen Freunden verbringen und andererseits hat er absolut keine Lust auf die ihm bevorstehende Party in Gesellschaft der versnobten Menschen, die seiner Mutter so wichtig sind.
„Das wird ja Zeit, dass du endlich nach Hause kommst“, wird er ziemlich unfreundlich von ihr empfangen. „Zieh dich um! Die Gäste werden gleich eintreffen.“
„Das ist mir doch egal“, murmelt er vor sich hin.
„Ich hoffe, dass du dich wenigstens heute etwas zusammenreißt und standesgemäß benimmst. Die von Rabensteins bringen ihre Kinder mit. Um die hast du dich zu kümmern, verstanden?!“
„Ich bin doch kein Kindermädchen“, antwortet Frederic entrüstet. „Brigitte kann die doch beschäftigen.“
„Nein, sie ist Haushälterin und muss die Gäste bewirten. Frederic, enttäusche mich nicht, sonst wirst du es bitter bereuen.“
„Ja, ja, ja … bla, bla, bla“, gibt er von sich und verdreht seine Augen.

Er eilt in sein Zimmer und zieht sich um. Die Aussicht, den Nachmittag und vielleicht noch Abend mit den Kleinen der Familie von Rabenstein zu verbringen, nervt ihn gewaltig.
Wenn er sich an die bisherigen „Pflicht“-Veranstaltungen erinnert, dann sieht er zwei ständig schreiende Kinder vor sich, die immerzu Chaos verursachen.
Er schüttelt die Erinnerungen ab und lächelt verträumt, als er das Gesicht von Cecilia vor sich sieht. Sie hat ausgerechnet heute zum ersten Mal eine seiner Einladungen angenommen und ist am Treffpunkt der Clique erschienen. Sie ist in seiner Klassenstufe das attraktivste Mädchen, das einen sehr persönlichen, perfekten Style zur Schau trägt. Mit ihr kann man sich überall sehen lassen und steht automatisch mit im Mittelpunkt. Am liebsten hätte er sie bereits heute seiner Mutter vorgestellt. Er ist sich sicher, dass sie hocherfreut gewesen wäre, denn beide verbindet die Liebe zum Luxus und zur höheren Gesellschaft. Leider hatte er sich nicht getraut, Cecilia zu fragen und ärgert sich jetzt wegen seiner Feigheit. Außerdem hatte es nur zu einem kurzen `Hallo´ gereicht, weil sie in dem Moment ankam, als er los musste.
Seine Mutter hatte darauf bestanden, dass er anlässlich ihres 40. Geburtstages pünktlich neben ihr im Foyer der Villa die geladenen Gäste empfängt.
So ein Mist“, denkt er wütend.
"Frederic!!!“, hört er sie laut rufen.
„Ich komme ja schon“, antwortet er genervt.
Mit einem bezaubernden Lächeln steht seine Mutter in der Eingangstür der imposanten Villa und begrüßt ihre Gäste.
„Frau von Rabenstein, herzlich willkommen. Frederic wird sich sehr gern um ihre reizenden Kinder kümmern. Nicht wahr, Frederic?“ Sie schaut ihren Sohn aufmunternd an.
„Ja, sehr gern“, antwortet er und reicht auch den Kleinen die Hand.
„Anastasia und Alexander, benehmt euch“, werden sie von ihrer Mutter ermahnt.
„Jahaaa“, antworten beide im Chor und stürmen die Treppe nach oben, um sogleich in Frederics Zimmer auf dem riesigen Bett herumzuspringen.
„Zieht wenigstens eure Schuhe aus“, sagt Brigitte im Vorbeigehen, die in der oberen Etage noch schnell etwas erledigt hat.
Frederic schlägt nach dem Eintreten die Tür laut zu, sodass beide erstaunt aufschauen und kurz innehalten.
„Wir haben viel schönere Zimmer als du“, sagt Anastasia und streckt Frederic die Zunge heraus.
„Schön für euch“, sagt Frederic.
Als Alexander besonders hoch springt, löst sich einer seiner Schuhe, der in hohem Bogen in Richtung Fernseher fliegt, diesen jedoch knapp verfehlt.
Frederic atmet hörbar ein und schaut ihn warnend an.
„Wollt ihr einen Film sehen?“, fragt er, weil er sich dadurch etwas Ruhe erhofft.
„Nein!!!“, schleudern ihm beide gleichzeitig entgegen.
Das Rumgehopse ist ihnen auf Dauer zu langweilig, sodass sie aus dem Zimmer rennen und das Haus erkunden. Frederic schaut von der Empore aus in die Eingangshalle und sieht Brigitte, die die beiden fest im Griff hat, um sie an der üppig gedeckten Tafel neben ihrer Mutter auf die Stühle zu schieben.
Er sendet ihr einen dankbaren Blick zu, den sie lächelnd erwidert.
Nach dem Essen hält die Kinder nichts mehr am Tisch. Bevor Frederic seine Serviette ordentlich zusammengefaltet hat und ihnen nacheilen kann, ist lautes Geschrei aus dem Kellergeschoss zu vernehmen.
Brigitte hastet nach unten und sieht Anastasia wild rudernd und um Atem ringend mitten im Pool. Alexander steht am Rand und lacht lauthals.
Frederic springt hinein, bekommt sie zu fassen und übergibt sie am Beckenrand Brigitte.
„Oh je, das kann ja heute noch heiter werden“, sagt sie und seufzt.
Anastasia schreit verängstigt und schlägt um sich.
„Alexander hat mich rein gestoßen. Er wollte mich ermorden.“
„Nö, ich wollte doch nur ein bisschen Spaß.“
„Das ist kein Spaß“, sagt Brigitte ernst zu ihm. Sie hüllt die Kleine in ein großes Badetuch und setzt sie auf eine Liege. „Warte hier. Ich hole dir trockene Sachen.“
Alexander ist unterdessen in Frederics Zimmer geeilt und haut auf die Tasten des Flügels. Frederic tut jeder Schlag in der Seele weh, obwohl er das Klavierspiel hasst. Na ja, eigentlich nicht … nur, dass seine Mutter ihn ständig zum Üben zwingt und dem Lehrer vorschreibt, welche Stücke er mit ihm einstudieren muss, das mag er nicht. Nur heimlich kann er spielen was er gern möchte.
Alexander öffnet alle Schränke, kramt darin herum. Mit lautem Getöse fallen Hunderte CDs sowie unzählige PC-Spiele aufs Parkett.
„Wow. Ich will das hier“, ruft er aus und wedelt mit einem Spiel Frederic vor der Nase rum.
„Das ist erst ab 18“, sagt dieser, „da bekomme ich mächtigen Ärger, wenn ich dich damit spielen lasse. Das wirst du doch nicht wollen, oder?“ Er sucht selbst und findet ein altersgerechtes Spiel. „Hier, das darfst du spielen.“
Alexander lacht höhnisch: „Das ist doch für Babys. Das kannst du selber spielen. Ich will ein anderes!!!“
Frederic schaut nach einer Alternative und legt ein Action-Spiel ein, in der Hoffnung, dass der Kleine dann ein Weilchen Ruhe gibt, damit er endlich aus den nassen Klamotten kommt und sich umziehen kann.
Alexander setzt sich an den PC und versinkt in den Weiten des Weltalls.
Frederic nimmt sich eine Jeans und ein T-Shirt aus dem Schrank und rubbelt sich nebenbei die Haare trocken. Er grinst.
Als Kinderbändiger muss man sich leger kleiden“, denkt er, „auch wenn Mutter das gar nicht in den Kram passen wird. Dann soll sie doch einen Babysitter einstellen.
„Cool, die Alien werden sich wundern“, ruft Alexander aufgeregt aus. „Die knalle ich alle ab.“
Wenigstens er ist vorerst beschäftigt“, denkt Frederic und überlegt, was er der verwöhnten Anastasia Interessantes zum Spielen geben könnte, denn über Mädchenspielkram verfügt er nicht.

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Für Tolino: Buch bei Thalia
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10. Dezember 2018

'Tilly und Mordusa' von Rosemarie Benke-Bursian

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Hexen, Tricks und Zaubereien - wer legt hier wohl wen herein ...

„Hexe, Hexe, Hexentanz, backe, backe Firlefanz, koche, koche Muckefuck und dann in die Suppe spuck."
Mit raffinierten Zutaten und einem noch raffinierterem Plan versucht Mordusa sich für eine Niederlage zu rächen, die Tilly ihr verpasst hat. Mordusa will Tilly als Scheinhexe entlarven, damit diese ein für alle Mal aus Hexenmondtal verjagt wird. Denn die schlaue Tilly ist ihr nicht geheuer. Sie könnte womöglich eines Tages sogar Mordusas Geheimnis lüften.

Um Tilly zuvor zu kommen, muss Mordusa einfach noch schlauer sein. Und das ist sie. Denn der Plan, den Mordusa entwickelt hat, kann gar nicht schief gehen. Oder?

Witzig, turbulent und spannend mit einigen überraschenden Wendungen wird die Geschichte zweier pfiffiger Hexen erzählt, die sich gegenseitig ausspielen wollen, bis sie zum Schluss beide einer ganz anderen Überraschung gegenüber stehen.

Leseprobe:
Tilly hext - oder auch nicht
Gerade als Tilly den Topf von der noch heißen Ofenplatte schubste, steckte Mordusa den Kopf durch die Tür.
„Ahh, ich sehe du kochst. Wie interessant", sagte sie und ehe Tilly sich´s versah, stand Mordusa schon hinter ihr und spähte in den Topf.
„Sieh mal an", schnarrte sie, „das ist dir wohl misslungen?"
„Wieso misslungen?", fragte Tilly verwundert und blickte Mordusa fest in die Augen.
„Na der Eintopf da, der ist ja total verkohlt."
Mordusa rieb sich frohlockend die Hände. Jetzt hatte sie Tilly erwischt. Diesmal war ihr eindeutig eine Zauberei missraten. Und eine Hexe, die dreimal innerhalb eines Mond-Umlaufs beim Hexen versagte, musste Hexenmondtal verlassen, ihr Dasein fort-an bei den Halb- und Scheinhexen fristen.
„Was heißt denn hier Eintopf?" Tilly schüttelte den Kopf. „Das ist Asche. Beste Asche für meine Blumen."
„Asche? Asche für deine Blumen?", geiferte Mordusa. „Willst du mich für dumm verkaufen? Das ist verbrannter Eintopf. Ein misslungener Zauberspruch. Eine verkorkste Hexerei und sonst nichts. Und dabei hast du dich erst letzte Woche verzaubert, als du Piponella diesen blauen Saft hingestellt hast, obwohl sie sich einen Zitronenprickel gewünscht hatte."
„Das war Zitronenprickel, meine Liebe. Zitronen-prickel aus blauer Zitrone." Tilly ließ sich von den Anschuldigungen offensichtlich nicht beeindrucken, was Mordusa erst recht wütend machte.

Tilly war die einzige Hexe in ganz Hexenmondtal, die Mordusa nicht mit dem Respekt behandelte, der einer Edelhexe gebührte. Schon Mordusas Mutter und sogar ihre Großmutter waren Edelhexen gewesen, Hexen mit besonderen magischen Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten wurden für gewöhnlich weitervererbt, weshalb auch Mordusa als Edelhexe galt.
Allerdings hatte es bei ihr mit dem Weitervererben aus irgendeinem Grunde nicht geklappt. Doch das wusste niemand, denn Mordusa hatte immer alle in dem Glauben gelassen, sie sei eine Edelhexe. Das brachte ihr in der Hexen- und Magiergemeinschaft einen hohen Rang und viele Privilegien ein. So wohnte sie in einer großen Villa in einer besonders ruhigen und gepflegten Gegend von Hexenmondtal, in dem nur Edelhexen wohnten. Sie konnte in aus-gesuchten Geschäften besonders seltene Zauber-Gegenstände und Zubehör erwerben und sie hatte eine Stimme in der Magierversammlung, dass heißt sie wurde an wichtigen Entscheidungen, die ganz Hexenmondtal betrafen, mit beteiligt. Entsprechend stolz trug sie das Edelhexen-Zeichen, das allen Respekt einflößte: den Edelhexenstein.
Nur Tilly, diese verdammt vorlaute und freche Tilly, behandelte Mordusa wie ihresgleichen, fast so, als glaube sie nicht an ihren Edelhexen-Rang. Ausgerechnet diese nichtsnutzige Scheinhexe könnte ihr womöglich eines Tages zum Verhängnis werden. Dem wollte sie gerne zuvorkommen, indem sie Tilly deren Unfähigkeit nachwies, so dass diese aus Hexenmondtal verjagt werden musste. Diese Chance schien jetzt zum Greifen nahe.

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Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Rosemarie Benke-Bursian auf ihrer Website.



'Der Bär, die Ente und ein Bison: Wo geht es nach Kanada' von Barbara Zimmermann

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Der Bär lebt an einem Teich in einem Wald und liebt die Gesellschaft der lustigen Ente. Es kommt ein Bison vorbei, welcher den Weg nach Kanada sucht. Denn dort sind diese zotteligen Tiere zu Hause. Mit Hilfe von dem Bären und der Ente begibt sich der Bison auf die Reise. In einer Stadt, die niemals schläft, begegnet er lustigen Tieren und macht eine unerwartete Entdeckung.

Wird der Bison den Weg nach Kanada finden?

Eine Tiergeschichte für Kinder ab 4 Jahren.

Leseprobe:
Am nächsten Morgen kam das Bison wieder des Wegs. „Wisst ihr, wo es nach Kanada geht?“, fragte er.
„Woher soll ich das wissen, ich war noch nie dort“, schnatterte die Ente.
„Ich weiß es auch nicht“, brummte der Bär.
Das Bison trottete weiter und der Bär machte sich Gedanken.
„Ich glaube der Bison läuft im Kreis. Er kommt alle zwei Tage vorbei“, sagte der Bär zur Ente.
„Da hast du Recht. Wie können wir ihm denn helfen“, fragte die Ente.
„Kanada liegt im Norden. Wir müssen ihm einen Wegweiser aufstellen, damit er auf den rechten Weg kommt“, brummt der Bär.
„Gute Idee“, schnatterte die Ente.
Gesagt, getan. Aus einem alten Brett, auf dem sie mit Kohle Kanada schrieben, bastelten sie einen Wegweiser. Das Schild stellten sie in Richtung Norden auf und rammten es in die Erde. Auf ihre Idee und auf das Schild waren die Ente und der Bär sehr stolz. Die alte Frau kam vorbei, schaute sich das Schild an, schüttelte mit dem Kopf und ging weiter.

Im Kindle-Shop: Der Bär, die Ente und ein Bison: Wo geht es nach Kanada.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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9. Dezember 2018

'Die Todesküsserin' von Sandy Mercier

Kindle (unlimited)
„Wie du mir, so ich dir …“

Ein Mann wird tot aufgefunden. Er wurde brutal gefoltert, und auf seiner Stirn prangt der rote Lippenstiftabdruck eines Kusses.

Kommissarin Tanja Müller soll sich dem Fall der "Todesküsserin" annehmen, der sie schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. Denn ins Visier der Medien gerät ausgerechnet ihre beste Freundin, und weitere Morde folgen.

Hat die psychisch kranke Emma tatsächlich etwas mit den grausamen Taten zu tun? Plötzlich steht Tanja vor einer tödlichen Entscheidung.

Leseprobe:
Prolog
„Weißt du noch, Daddy, damals?“, flüsterte sie ihm sanft ins Ohr. „Als du Mommy vergewaltigt hast?“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte er sie an. Er versuchte wiederholt zu schreien, doch der Knebel in seinem Mund verhinderte es. Er saß auf einem alten Holzstuhl, unfähig, sich zu bewegen. Sie musste ihm etwas verabreicht haben, das ihn daran hinderte. Sein Kopf tat weh und er hatte das Gefühl, sich jeden Moment übergeben zu müssen. Was, verdammt noch mal, ist hier los?
„Du weißt, was als Nächstes kommt, Daddy.“ Sie grinste ihn an.
Angstschweiß rann über seine Stirn, lief in seine Augen, sie brannten.
Sie griff nach seinem Hals, würgte ihn fest. „Macht dich das immer noch an?“, fragte sie zart.
Er stöhnte heftig.
Sie drückte stärker zu.
Er bekam kaum noch Luft. Sein Kehlkopf schmerzte.
Zärtlich küsste sie ihn auf die Stirn.
Er fühlte ein Kribbeln in seinem Körper. Langsam begann er wieder etwas zu fühlen, spürte die harten Fesseln um seine Knöchel, Oberschenkel, seinen Bauch, die Arme. Die Seile schnitten in seine Haut ein.
Sie zückte ein Messer.
„Ich werde auch ganz sanft beginnen. Du brauchst keine Angst zu haben, Daddy.“
Sein Herz pochte panisch, als drohte es jeden Moment zu zerspringen.
Langsam schob sie ihr schwarzes Kleid hoch und zeigte in halterlosen Strümpfen steckende Beine.
„Das macht dich doch an, wenn ich mich richtig erinnere.“
Sie zog das Kleid aus, sodass sie gleich darauf in schwarzer Reizwäsche vor ihm stand.
Er verstand die Welt nicht mehr. Will die mich jetzt anmachen?
Sie setzte sich auf seinen Schoß, rieb ihre Brüste an ihm, wuschelte durch seine lockigen Haare und seufzte.
„Ist es so richtig? Gefalle ich dir?“
Was will die?!
Sie öffnete ihren BH und warf ihn zur Seite.
Seine Hände kribbelten, in seiner Shorts regte sich etwas. Sein Blick stets auf ihr Messer gerichtet, dass ihm nun gefährlich nah kam.
Unvermittelt riss sie sein Hemd auf. Es war immer wieder erstaunlich, wie leicht die Knöpfe in alle Richtungen sprangen. Darunter trug er ein weißes Unterhemd, es war klitschnass. Leicht ließ sie das Messer über seinen Oberkörper gleiten, bevor sie ihre linke Hand, noch immer auf ihm sitzend, wieder fest um seinen Hals legte. Das Messer in der anderen Hand kam dabei seinem Schwanz gefährlich nah.
Wann hat sie mir eigentlich die Hose ausgezogen? Er versuchte sich zu bewegen und keuchte.
„Du willst doch nicht etwa von mir weg?! Ich denke, du stehst darauf?! Oder habe ich etwas falsch gemacht?“ Sie sprang auf. „Ach ja, es macht dich mehr an, wenn ich es nicht will, stimmts?!“ Wütend schlug sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht.
„Also … versuchen wir es noch mal …“, raunte sie und zog ihr Höschen aus. Sie schloss die Augen. Atmete tief ein. Stille. Dann strömten Tränen über ihre Wangen.
„Nein, bitte nicht. Hör auf! Ich will das nicht. Nein!“, schrie sie laut.
Das Nein hallte in seinen Ohren. Wieso tut sie das?
„Nein, bitte nicht! Tu mir das nicht an!“, schrillte es durch den düsteren Raum. Nur ein paar Kerzen erleuchteten die Ecke, in der sie sich befanden.
„Ist es so besser?“, fragte sie und schlug ihm wieder ins Gesicht. „Weißt du noch, wie du es damals gemacht hast, Daddy?“

Montag, 5. Februar 2018
Nackt und verschwitzt lagen sie eng umschlugen auf dem Hotelbett und küssten sich leidenschaftlich. Tanja wusste, dass er jeden Moment gehen musste. Sie bemerkte, wie ihre Verzweiflung und ihre Sehnsucht nach ihm schon jetzt größer wurden. Er streichelte ihren Rücken und sie wuschelte durch sein goldenes, lockiges Haar.
„Ich liebe dich“, hauchte sie, was er mit einem hitzigen Kuss beantwortete. Tanja blickte ihm in die blauen Augen und es kribbelte in ihrem ganzen Körper. Sie hatte dieses Kribbeln noch nie zuvor erlebt – bis sie ihn kennenlernte.
„Du bist so wunderwunderschön“, flüsterte er ihr ins Ohr und knabberte daran.
Es piepte – sein Handy. Sie wusste, nun musste er sie verlassen. Doch sie wollte ihn nicht schon wieder gehen lassen. Sie setzte sich auf ihn und bewegte die Hüften.
„Tanjaaaa“, sagte er gequält. „Du weißt, dass ich losmuss. Mach es uns doch nicht immer so schwer.“
Tränen stiegen in ihre Augen. Sie stand auf und ging ins Bad, bevor er es sehen konnte. Er mochte es nicht, wenn sie weinte. Sie hasste es, zu weinen. Tanja legte ihren Schutzpanzer an, wurde wieder kühl und sprang unter die Dusche. Kurz darauf kam er zu ihr unter das heiße Wasser. „Jetzt sei nicht so. Du weißt, dass ich das nicht mag. Ich komm doch wieder.“
Als wäre das mein Problem, dachte sie traurig. Doch sie versuchte, sich zusammenzureißen.
„Tut mir leid. Es ist eben schwer für mich,“ gab sie zurück.
„Für mich ist es auch nicht leicht … Hm? Und jetzt schenk mir ein Lächeln. Das steht dir viel besser.“ Zwanzig Minuten später verließen sie das Hotel. Sie fuhr aufs Revier, er zu seiner Ehefrau.

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8. Dezember 2018

'Karmageister' von Simone Gütte

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Mitteldeutschland, anno 1525. Die 13-jährige Kaufmannstochter Brunhilda verliert durch den Landsknecht Dederich von Lohe ihre Mutter. Der abergläubische Raubritter fürchtet sich vor Hexen, Flüchen und Weissagungen. Als ihm die Hebamme Berthe in die Hände fällt und diese ihr Leben mit einer Prophezeiung retten will, überlegt Brunhilda, wie sie die Worte nutzen könnte, um ihn mit seinen eigenen Ängsten zu vernichten.

Siebzehn Jahre später: Der Schöpfer schickt ihr die Karmageister zu Hilfe. Sie haben sich damals in Brunhildas Schicksal eingemischt und einiges wiedergutzumachen. Nun erhalten sie ihre zweite Chance, um der jungen Frau zu helfen. Fragt sich nur, ob sie jetzt dafür bereit sind.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 2,99 Euro.

Leseprobe:
Die Prophezeiung
≈ 1 ≈
Berthe schürte das Feuer unter dem Kupferkessel.
»Nimm Frauenmantelkraut, füge es dem Sud hinzu, dann rührst du alles um, bis sich eine zähflüssige Masse bildet«, erklärte sie ihrer Tochter Gesine, als die Tür zur Holzhütte aufgerissen wurde und eine Magd hineinstürmte.
Erschrocken drehten sich die beiden um.
»Beeil dich, Wehmutter! Die Wehen unserer Herrin kommen bereits jede Stunde!« Die Magd war vom Laufen völlig außer Atem und japste nach Luft.
»Beruhige dich«, sagte Berthe. »Wir werden es rechtzeitig schaffen.«
»Es ist etwas geschehen. Er ist wieder da«, berichtete die Magd.
»Wen meinst du?«, fragte Berthe.
Die Magd nahm Berthe ein Stück beiseite. Mit einem Blick auf das Mädchen flüsterte sie: »Drei Eichenblätter über einer blauen Welle, das ist sein Wappen.«
Berthe überlegte eine Weile. Dann lachte sie auf. »Du meinst das Wappen des Verschmähten.«
»Nenne ihn nicht so. Wir müssen uns vorsehen!«
»Ängstige meine Tochter nicht«, sagte Berthe, als sie sah, wie Gesine die Ohren spitzte.
Aufmerksam sah das Mädchen seine Mutter an.
»Lass das Feuer nicht ausgehen, Gesine. Wenn alles fertig ist, kannst du den Kessel vom Haken nehmen, um den Sud abkühlen zu lassen. Hab keine Angst, ich bin bald zurück.«
Das Mädchen nickte und sah seiner Mutter zu, die sich eilig ihr blaues Leinentuch um die Schultern legte. Sie steckte die blonden Locken zurück, die widerspenstig unter ihrer Haube hervorlugten.
Als die Tür hinter Berthe zufiel, stellte Gesine sich auf die Zehenspitzen und warf eine Handvoll getrocknete Blätter Frauenmantelkraut in den Kessel. Gespannt verfolgte sie, wie sich diese mit dem ausgelassenen Schweineschmalz vermengten und hoch schäumten. Mit beiden Händen griff sie sich einen Holzlöffel und rührte das sämige Gemisch um.
Dies ergab eine besonders große Menge an Salbe. Sie wurde den schwangeren Frauen auf den Bauch gestrichen, damit sie weniger Schmerzen hatten, wusste sie.
Ein feiner würziger Duft stieg aus dem Kessel empor. Er breitete sich in der Holzhütte aus, die aus einem einzelnen Raum mit einer Feuerstelle bestand. Direkt daneben stand ein Tisch mit zwei Stühlen und zwei Schemeln. Unter dem einzigen Fenster der Hütte befanden sich eine große Truhe und eine Bank. Nur ein Vorhang unterteilte das Zimmer in eine Arbeitsstube mit Schlafecke.
Gesine hatte sich daran gewöhnt, dass ihre Mutter die schwangeren Frauen auf der Ebnisburg oder im südlich gelegenen Löhnsfelde besuchte. Seit ihr Vater vor wenigen Monaten unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen war, lebten sie allein mitten im Larawald. Zwischen den hohen Bäumen, die mit ihren Blätterdächern das Häuschen abschirmten, fanden sie alles, was sie zum Leben und Herstellen ihrer Salben und Tinkturen brauchten.
Gesine begann ein Lied zu singen, als sie an ihren Vater dachte.

»Mein Vater war ein Köhlersmann,
schichtete Holz für Kohle an.
Wachte Tag um Tag, Nacht um Nacht,
hat den Menschen Wärme und Freude gebracht.
Ruht nun tief im Larawald,
umgeben von Buchen, Eichen, sehr alt.
Verbirgt den Blick auf unser Haus
durch Äste und Zweige voller Laub.
Dass er uns behütet, ist unser Glück,
so bleiben wir beschützt zurück.«

Der Reim zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht, während sie die Masse umrührte.

≈ 2 ≈
Marie lief den dunklen Gang hinauf. Er führte direkt aus dem kuppelförmigen Rondell zum Ausgang des Mauselochs. Einzelne Wurzelenden hingen von der Decke herab und kitzelten sie an der Nase.
Am Ende des Ganges hielt sie inne und streckte den Kopf hinaus. Hier öffnete sich ein zweiter größerer Hohlraum, bevor man die Kuhle verlassen konnte. Marie befand sich in der Eingangshalle.
Getreideähren stapelten sich an den Wänden der Kuhle. Stück für Stück pflückte Jo, der Pförtner, die Körner von den Halmen und sortierte sie auf einzelne Haufen. Er unterbrach seine Arbeit, als er Maries Atem im Rücken spürte.
Mit schwarzen runden Kulleraugen schaute er sie an und faltete die Pfoten. »Was ist denn vorgefallen, Marie Laruu?«, fragte er.
»Na, was wohl?«, gab Marie patzig zur Antwort. »Hiero mal wieder. Wir hatten schon weit bessere Loherren als ihn.«
Jo schüttelte den Kopf. Er betrachtete die braune Waldmaus vor sich. In seinen Augen war sie wunderhübsch. Sie war etwas kleiner als er selbst, hatte ein haselnussbraunes Fell und einen weißen Unterbauch, blitzende schwarze Knopfaugen und einen zarten Flaum weicher Kopfhärchen, die vor dem Hintergrund des Mauselochs fast durchsichtig schimmerten.
Er seufzte. Wie konnte eine so hübsche Maus nur so streitlustig sein?
Marie sah zum Ausgang und schnaufte. »Ich bin eine Waldmaus«, sagte sie, und Jo bereitete sich auf einen Vortrag vor, als er den ärgerlichen Unterton vernahm. »Die Laruu-Mäuse haben sich dem Loherrn Hiero untergeordnet, aber das heißt nicht, dass wir uns alles von ihm gefallen lassen müssen!«
Sie drehte ihren Kopf zu Jo und sah ihn herausfordernd an.

Im Kindle-Shop: Karmageister.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Simone Gütte auf ihrer Website.



7. Dezember 2018

'Romantasy' von Isabella Mey

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ihr glaubt, Romantasy sei ein Mix aus Romantic und Fantasy?
Weit gefehlt!


Romantasy ist ein Königreich, in dem Fabelwesen zum Alltag gehören, Frauen zu geschickten Kämpfern ausgebildet werden und Romy als Tochter des Jagdfürsten den Prinzen Jaron heiraten soll. Laut der Prophezeiung kann nur durch diese Hochzeit großes Unheil abgewendet werden.

Das klingt wie ein Märchen?

Vielleicht hätte es eines werden können, wenn das Nebeltor die zukünftige Prinzessin direkt vor den Traualtar befördert hätte, statt ins Klassenzimmer einer Frankfurter Gesamtschule. Aber es kommt noch schlimmer, denn auch Romys Gefühlswelt wird heftig durcheinanderwirbelt. Wie die Sache ausgeht? Lest es selbst …

Ein abgeschlossenes Einzelbuch für Jugendliche, jung gebliebene Erwachsene und alle, die sich gerne in fantastische Welten hineinträumen.

Leseprobe:
Arena
1212 Majan 2
Romantasy, Anwesen des Jagdfürsten


»Oh, sind die süß!«, quiekt Mirabelle begeistert. Dabei deutet sie auf zwei muskelbepackte Krieger, die in der Arena gerade vergeblich versuchen, ein Fegodon zu bändigen.
Ich werfe meiner Freundin einen verständnislosen Blick zu, kann absolut nicht erkennen, was an denen süß sein soll. Der nackte Oberkörper der Kämpfer gibt einen guten Blick auf die leicht gebräunte Haut frei. Von der Hüfte abwärts stecken die Jäger, wie die Krieger des Jagdfürsten auch genannt werden, in halblangen Hosen, die mit Kurzmessern bestückt sind.
»Süß? Meinst du das im Ernst? Was genau findest du an zwei Kriegern süß?«
Mirabelle kichert belustigt in ihre vorgehaltene Hand, was ich mit aufkeimender Sorge beobachte, denn wir dürfen uns nicht verraten. Ich mag die fröhliche Art meiner besten Freundin sehr, doch gerade kommt sie mir denkbar ungelegen. Schließlich habe ich Arenaverbot und es könnte furchtbaren Ärger geben, wenn uns die beiden Krieger in unserem Baumversteck entdecken würden. Aufgrund der dunklen Bedrohung bin ich insbesondere so kurz vor meiner Hochzeit dazu verdammt, viel zu oft und viel zu lange in meinem Zimmer dahinzuvegetieren, was sich beinahe schon wie Folter anfühlt. Ich brauche Raum, Bewegung und Abenteuer wie die Luft zum Atmen.
»Mensch Romy, ich-ich meine doch nicht die Krieger …«
Nach Mirabelles verzerrter Mimik zu urteilen, ist sie kurz davor, laut loszuprusten. Mir dagegen wird mulmig zumute. Am liebsten würde ich ihr vorsorglich den Mund zuhalten. Stattdessen lege ich eine bedrohliche Miene auf und presse zischend den Finger auf die Lippen, was meine Freundin mit einem schuldbewussten Nicken beantwortet. Sie atmet das aufkeimende Gelächter hechelnd fort, dann deutet sie in Richtung des heruntergelassenen Gitters des Raubtierzugangs und wispert durch die zusammengepressten Zähne:
»Schau mal dort! Siehst du die jungen Fegodons?«
»Ach so, die meinst du«, flüstere ich und muss nun doch grinsen wegen des Missverständnisses.
Aus der Entfernung sind sie zwar nur recht undeutlich zu erkennen, aber da ich schon oft Jungtiere gesehen habe, weiß ich, dass es kaum etwas Putzigeres gibt, als Fegodon-Nachwuchs.
»Schau doch mal, das ist sooo goldig, wie sie mit ihren Patschefüßen umhertapsen. Ach, und die schwarzen Kugelaugen …«, quiekt Mirabelle verzückt. »Und erst die Stummelflügelchen! Wie sie damit gerade mal kleine Flughüpfer fertigbringen …«
»Schschsch, nicht so laut!«, muss ich sie schon wieder ermahnen. »Bestimmt wollen sie zu ihrer Mami.«
Aber auch ich finde die Kleinen goldig. Als ich noch ein junges Mädchen war, habe ich mal ein Fegodonbaby geklaut und mit auf mein Zimmer genommen, weil ich es so süß fand, dass ich es den ganzen Tag lang knuddeln und kraulen wollte. Mittlerweile habe ich aber schon so viele von ihnen aufwachsen sehen, dass die Begeisterung ein wenig nachgelassen hat.
»Meinst du, wir können uns nachher hinschleichen? Ich würde so gerne mal sehen, wie sie mit dem Rüsselchen eine Kerzenflamme einsaugen.«<
»Ja, vielleicht können wir es nachher versuchen. Aber erst, wenn die Jäger weg sind«, antworte ich.
»Ich kann gar nicht verstehen, wieso manche meinen, Fegodons würden den Drachen ähnlichsehen«, sagt Mirabelle nach einer Weile.
»Ach, die Leute schauen einfach nicht richtig hin. Bloß weil sie einen langen geschuppten Schwanz mit Stachelkugel am Ende und drachenähnliche Flügel haben, übersehen sie, dass Fegodons ja nicht mal Reptilien sind und auch keine Eier legen.«
In Wahrheit ist der Körper, bis auf den Schwanz und die vier Krallenfüße, von einem stoppeligen, silbrig glänzenden Fell bedeckt, das die Farellastrahlen bricht und je nach Einfallswinkel in allen Regenbogenfarben schillert. Außerdem gebären sie ihre Jungen lebend. Der auffälligste Unterschied besteht aber darin, dass Fegodons kein Feuer spucken, sondern es mit ihrem Trichterrüssel absaugen. Für die Fütterung werden deshalb jeden Morgen und Abend kleine Lagerfeuer angezündet.
Ich liebe diese Tiere. Auf ihrem Rücken kann man durch die Lüfte rauschen und sich unendlich frei fühlen und hat man erst einmal ihr Vertrauen gewonnen, werden sie zu treuen Freunden. Riana war mein erstes und letztes Fegodon. Sie ist gestorben, als ich neun Jahre alt war. Nach ihr wollte ich kein eigenes mehr haben, denn ich hatte sie so sehr ins Herz geschlossen, dass ich nach ihrem Tod noch wochenlang unter Heulanfällen litt. Seither nehme ich mir einfach irgendein Flugtier aus dem Stall, wenn ich eines benötige. Die meisten auf dem Anwesen gehören meinem Vater und ich mag sie alle. Eine tiefe Liebe wie zu Riana lasse ich aber erst gar nicht wieder aufkommen.
Wie man sich denken kann, sind Fegodons äußerst nützliche Tiere, nicht nur für den Transport, sondern auch zur Brandbekämpfung. Aus diesem Grund, aber auch für den Schutz vor gefährlichen Fabelwesen, muss in jedem Dorf mit mehr als zehn Häusern mindestens ein Fegodon samt Jäger Stellung beziehen. Die Bezeichnung Jäger ist eigentlich irreführend, weil es bei ihrer Aufgabe vor allem um den Schutz der Bevölkerung geht, dabei werden aber manchmal auch Tiere erlegt, die dann meist auf den Tellern der Leute landen, die mit Hunger zu kämpfen haben. Die Fegodons sind nicht nur für die Brandbekämpfung wichtig, sie unterstützen die Jäger im Kampf, dienen aber vor allem dem Flugtransport. Zu kämpfen gibt es auf dem Planeten Fabolon jedenfalls immer genug.
Man sollte meinen, Drachen und Fegodons müssten sich wunderbar ergänzen, von Seiten der Fegodons gäbe es da wahrscheinlich keinerlei Vorbehalte, doch Drachen können es überhaupt nicht ausstehen, wenn ihr zerstörerisches Feuer einfach weggefuttert wird. Während in Romantasy sehr viele Fegodons domestiziert wurden, leben die Drachen mehrheitlich auf Fabenia.
Ich erinnere mich daran, dass das Fegodonweibchen, welches die Krieger in der Arena nun zu bändigen versuchen, sehr früh trächtig wurde. Da Weibchen nicht vor dem ersten Wurf zugeritten werden dürfen, weil sich das sonst schlecht auf ihre Fruchtbarkeit auswirken würde, können die Tiere erst relativ spät an einen Sattel gewöhnt werden. Und dementsprechend widerspenstig wehrt sich das Weibchen nun gegen die ungewohnte Last auf dem Rücken.

Im Kindle-Shop: Romantasy.
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'Mordsverrat: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited)
Aufruhr in St. Peter-Ording: In den Bewertungsportalen des dubiosen Geschäftsmanns Lukas Harzog werden die Hoteliers des beliebten nordfriesischen Urlaubsortes gezielt mit Schmäh-Kommentaren überzogen. Für deren Entfernung müssen sie teuer bezahlen.

Eines Morgens wird Harzogs Freundin, die Hotelbesitzerin Jessica Leverenz, tot in ihrer Wohnung gefunden. Selbstmord oder ein Versehen, vermutet Clarissa, die Schwester der Toten. Jessica war tablettensüchtig, und ihre Beziehung mit Harzog drohte zu scheitern.

Die Obduktion ergibt jedoch: Jessica wurde ermordet. Hat sich einer der zu Unrecht diffamierten Hoteliers an ihr für Harzogs Machenschaften gerächt? Tammo Anders und Fenna Stern ermitteln im Umfeld von Bewertungswahn, Fake-Accounts und Rufmord via Internet.

Band 2 der Reihe ‚Anders und Stern ermitteln‘ (Band 1: ‚Mordsrevanche‘).

Leseprobe:
Unter der weißen Kapuze des Schutzoveralls erkannte Fenna das Gesicht von Eike Hoböken, dem Leiter der Kriminaltechniker. Sie winkte ihm unauffällig zu.
Auf Ella gestützt, wandte Clarissa sich wieder der Gruppe aus Kripobeamten und Hotelmitarbeitern zu. Ihr Gesicht drückte Schmerz und Leid aus. »Wonach suchen Sie eigentlich am Fenster?«
»Wir machen unseren Job«, antwortete Hoböken. »Nichts weiter. Aber den machen wir gründlich.«
»Durch dieses Fenster kann aber doch niemand eingestiegen sein. Oder hat es etwa offen gestanden?« Clarissa wandte sich an ihre Assistentin. »Ella, war das Fenster offen?«
Ella schüttelte zaghaft den Kopf.
Fenna entging nicht, dass Clarissas Assistentin für den Bruchteil einer Sekunde zu Carina hinüberschielte, die die gespenstisch anmutende Szenerie vom Türrahmen des Schlafzimmers aus beobachtete.
Welche stumme Botschaft hatten die beiden Frauen in diesem Moment untereinander ausgetauscht?
Die Kommissarin wurde misstrauisch. »Stimmt das? Frau Kluck und Frau – wie war Ihr Name bitte?«
»Carina da Silva«, hauchte das Zimmermädchen.
»Danke. Frau Kluck, Frau da Silva, Sie waren doch beide vor Frau Leverenz hier. War das Fenster geschlossen, als Sie den Raum betreten haben?«
Ella sah erst zu dem Fenster hinüber, dann zu Clarissa und schließlich zu der Kommissarin. »Ja.«
Ihre Stimme klang brüchig. Sie bekräftigte ihre Antwort mit einem Nicken, als wollte sie die Zweifel ausräumen, die Fennas Frage ausgedrückt hatte.
»Frau da Silva, was sagen Sie dazu?«, fragte Fenna.
Carina zuckte mit den Schultern. »Weiß nicht. So weit bin ich nicht ins Schlafzimmer reingegangen.« Sie drehte sich um und zeigte auf eine Stelle im Wohnzimmer. »Ich bin da vorne stehen geblieben. Von da aus konnte ich das Fenster nicht sehen.«
Die Stelle, auf die sie gezeigt hatte, war ungefähr die, an der Fenna vorhin verharrt hatte, während Tammo im Türrahmen stand. Von dort aus konnte man tatsächlich nicht so weit in den Raum hineinblicken, dass man das Fenster sah. Trotzdem blieben Fenna Zweifel.
Die Spannung, die im Raum lag, ließ die Luft knistern. Die Augen von Fenna, Tammo, Gerhild und den Kriminaltechnikern, aber auch die von Clarissa richteten sich auf die beiden jüngeren Frauen, vor allem auf Ella.
Clarissa ging einen Schritt auf Fenna zu. »Sie hören doch, was meine Assistentin sagt.«
»Ich bitte Sie, Frau Leverenz«, sagte Tammo. »Bei einer so wichtigen Frage müssen wir nachhaken. Dafür sollten Sie Verständnis haben.«
Die Hotelchefin strafte ihn mit einem beleidigten Augenaufschlag. Dann sprach sie weiter zu Fenna. »Ei¬gentlich ist es auch logisch, dass es so war. Ich selbst habe Jessica gestern Abend ausdrücklich gebeten, in dieser Nacht nicht bei offenem Fenster zu schlafen.« Sie seufzte und griff sich ans Kinn. »Wobei ich natürlich nicht ausschließen konnte«, fuhr sie leise fort, »dass sie es trotzdem öffnen würde. Sie war so ein Gewohnheitstier. Und bei all den Medikamenten hätte sie meine Bitte vergessen können. Aber wenn Ella sagt, das Fenster war geschlossen, dann war es so«
»Hat Ihre Schwester denn normalerweise bei offenem Fenster geschlafen?«, fragte Fenna.
»Ja, natürlich. Wir lieben die frische Nordseeluft über alles. Gerade bei Nacht riecht sie so würzig.«
»War das nicht leichtsinnig für eine Frau, die im Erdgeschoss wohnt?«, fragte Tammo. »Dann auch noch auf einem so einsam gelegenen Grundstück? Es gibt keinen Rollladen, nicht mal eine Jalousie oder Vorhänge. Von außen hat zwar niemand Einblick auf diese Seite des Hauses. Aber wer will, kann ganz gemütlich einsteigen, ohne dabei beobachtet zu werden.«
Clarissa nahm eine Verteidigungshaltung an. »Jessica wollte den freien Blick in den Himmel, auch nachts. Wenn sie wach wurde, wollte sie die Sterne sehen. Wollen Sie ihr das jetzt zum Vorwurf machen?«
»Nein«, sagte die Kommissarin. »Das wollen wir ganz bestimmt nicht. Aber sagen Sie, warum sollte Ihre Schwester ausgerechnet in der vergangenen Nacht das Fenster schließen? Ich nehme an, dafür gab es einen konkreten Anlass.«
Aus Gründen, die Fenna nicht verstand, bedachte Clarissa Lukas Harzog mit einem scharfen Blick.
Harzog fing ihn auf und ließ ihn an sich abprallen.
»Ja, es gab einen Anlass«, erwiderte Clarissa. »Wir haben im Dunkeln Leute auf dem Grundstück gesehen.« Sie ging zu der Tür, die ins Wohnzimmer führte, schob Carina zur Seite und streckte den Arm aus. »Dahinten, zwischen den Kiefern hindurch, sind sie weggelaufen.«
Fenna drückte sich an Carina vorbei, stellte sich an der Terrassentür auf die Zehenspitzen und verschaffte sich einen Überblick über das Gelände. »Was für Leute waren das? Haben Sie sich konkret bedroht gefühlt?«
Ella baute sich neben Fenna auf. »Wie würden Sie sich denn fühlen, wenn Sie zwei dunkle Gestalten sehen würden, die am späten Abend über Ihr Grundstück huschen? Hätten Sie in dem Fall nicht auch das Gefühl, es wäre besser, die Fenster geschlossen zu halten?«
Fenna Stern wäre nicht Kriminalhauptkommissarin geworden, wenn eine vorlaute, besserwisserische Frau wie diese Ella Kluck sie von ihrer Linie der Befragung hätte abbringen können. »Ich habe nach einer konkreten Bedrohung gefragt«, sagte sie in ruhigem, festem Ton. »Lag die vor?«
»N-nein.« Clarissa zuckte mit den Schultern. »Es war nur so ein Gefühl.«
»Was haben Sie gemacht, als Sie die Leute entdeckt haben?«, fragte Tammo, der ebenfalls wieder ins Wohnzimmer gegangen war.
»Zwei meiner Angestellten, beides junge, durchtrainierte Männer, sind rausgegangen und haben nachgesehen. Mit dem Schein ihrer Taschenlampen haben sie die Eindringlinge vertrieben.«
»Haben Sie danach noch einmal jemanden auf dem Grundstück bemerkt?«
»Nein. Wir waren müde. Ich bin nach oben in meine Wohnung und Jessica ...« Clarissas Stimme brach.
Fenna kehrte noch einmal ins Schlafzimmer zurück. Das Bett, in dem das Opfer lag, war ein französisches Bett, einen Meter vierzig oder einen Meter fünfzig breit.
»Ihre Schwester lebte allein in dieser Wohnung?«, rief sie Clarissa zu, während sie Lukas Harzog aus dem Augenwinkel beobachtete.
Harzogs Miene blieb kühl und ausdruckslos. Unmöglich, zu erraten, was in ihm vorging.

Im Kindle-Shop: Mordsverrat: Nordseekrimi (Anders und Stern ermitteln 2).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



6. Dezember 2018

'Der Maulwurf aus Moskau' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Martin arbeitet in der streng geheimen Entwicklungsabteilung der Air-Sliver in Wien, die in das lukrative Drohnen und Lenkwaffengeschäft einsteigen will. Sein richtiger Name ist Vladimir, er ist Russe und er arbeitet für den russischen Geheimdienst.

Doch wer sind tatsächlich seine Auftraggeber? Immer tiefer gerät Martin alias Vladimir in einen gefährlichen Sog aus Spionage und Gegenspionage, und bald weiß er selbst nicht mehr, für wen er arbeitet.

Lesermeinung: Ein hochkomplexer Agentenroman, der regelrecht nach Verfilmung schreit. In Zeichen von Wikileaks und NSA eine hochpolitische, absolut zeitgemäße Geschichte, die vermutlich nur noch von der Wirklichkeit überholt werden kann.

Leseprobe:
Der Gefangene P37 sitzt zusammengekauert auf einem Holzschemel. Er ist unbekleidet. Es ist nicht wichtig. Nichts ist wichtig, nicht einmal der Tod.
Ein kleiner Raum, etwa zwei Mal zwei Meter. Kahle, schmutzig-graue Betonwände, sehr hoch, vier Meter. Es stinkt nach Abwasser und Fäkalien. Durch ein vergittertes Loch weit oben dringt diffuses Licht. Der hölzerne Schemel ist mit breiten, eisernen Winkeln am Boden befestigt.
Totenstille.
Wie lange sitzt er dort? Minuten, Stunden, Tage? Es gibt keine Zeit mehr. Er zittert am ganzen Körper, seine Finger sind von Kälte blau verfärbt. Er klemmt die Hände unter die Achseln, um sie zu wärmen. Er muss pinkeln. Der Urin läuft warm an seinen Beinen hinunter, tropft auf den Zementboden.
Nicht grübeln, den Kopf abschalten wie ein zu lautes Radio. An etwas Schönes denken, an Moskau, den winterlichen Gorki-Park, fröhliche Menschen. Zwischen den Büschen und Bäumen türmen sich hoch aufgeschüttete Berge aus Schnee. Auf den zugefrorenen Teichen drehen mit dicken Pelzmützen und Handschuhen vermummte Schlittschuhläufer kunstvolle Pirouetten.
Seine Gedanken verselbstständigen sich und er ist im sommerlichen Alexandergarten, nicht weit vom Kreml. Auf den Bänken sitzen alte Leute, reden, scherzen miteinander.
Neben ihm geht eine Frau. Er erkennt sie am Parfüm, Tatjana. Die Moskowiterinnen benutzen es großzügig, schweben auf Duftwolken. Er sieht die schmusenden Paare auf dem Rasen und legt einen Arm um Tatjana. Glücksgefühl erfasst ihn, er lächelt, will sie an sich ziehen, ihr ins Haar greifen.
Eine Stimme reißt ihn zurück in die Wirklichkeit; eine tote Stimme, geschlechtslos.
»P37, wie oft haben Sie Ihre Kontaktperson getroffen?«
»Einmal in der Woche ... das habe ich doch schon so oft gesagt«, flüstert er.
Keine Antwort. Diese wie alle Fragen hat er unzählige Male beantwortet. Wie oft sie ihn verhört haben, weiß er nicht, auch nicht, wie lange er jetzt im Untersuchungsgefängnis sitzt. Hätte man ihm gesagt, es wäre ein Monat - er hätte es geglaubt. Auch ein Jahr. Erst verliert man seine Würde, dann die Zeit.
»War es ein Mann oder eine Frau?«
Immer wieder dieselben Fragen.
»Meistens eine Frau.«
»Deutsche, Amerikaner? Sprachen die Personen mit Akzent?«
»Deutsche ... glaube ich.«
»Aus Dresden?«
»Ich weiß nicht. Sächsischer Akzent.«
Es kommen keine weiteren Fragen und er versucht, zu seinen Tagträumen im sommerlichen Park zurückzukehren, zu Tatjana. Es gelingt ihm nicht. Er faltet seine Hände und legt die Zeigefinger aneinander, will an Moskau denken. Die Zeigefinger sind für Moskau, die Mittelfinger für Sankt Petersburg, Ringfinger für die Reise mit Tatjana auf die Krim ans Schwarze Meer. Damals, während seines ersten Lebens, vor dem Gefängnis. Seine Finger sind so etwas wie Erinnerungsstützen, Krücken, mit denen er sich von einem Universum in ein anderes versetzt.
Die Daumen sind für seine Mutter. Wenn er sie fest aneinanderdrückt, denkt er an sie. Wenn er dabei die Augen schließt, erinnert er sich so deutlich an sie, als stände sie neben ihm. Er glaubt, ihre Hand zu spüren, wie sie ihm über den Kopf streicht, und er ist ein kleiner Junge. Er sieht sie vor sich mit ihren dicken Filzstiefeln, die sie im Winter auch in der Wohnung trägt. Die Heizung funktioniert nicht gut, der Fußboden ist sehr kalt.
Er sieht ihren bunten, knöchellangen Rock, das Kopftuch in die Stirn gezogen mit einem dicken Knoten unter dem Kinn, eine wattierte Jacke um die Schultern. Sie klopft an die Tür der Nachbarin. In den Wald wollen sie fahren, Pilze sammeln. Lange Strecken müssen sie in Trambahn und Bus sitzen, zigmal umsteigen. Oder sie fahren auf einen weit entfernten Schwarzmarkt außerhalb Moskaus, von dem man sich erzählt, es hätte gestern dort Hühner, Tomaten, Kartoffeln oder sonst etwas Gutes gegeben.
Seiner Mutter und der Nachbarin hat er eine schmale Ecke im Gemeinschaftskeller abgezweigt, wo sie Holzfässer mit Sauerkraut aufbewahren, die hölzernen Deckel mit einem Stein beschwert. Im Keller stehen viele solcher Fässer und die blubbernden Gase des Gärprozesses dringen über die Kellertreppe in den Flur, ziehen bis unter das Dach. Drückt er die Daumen gegeneinander, riecht er Sauerkraut.

Im Kindle-Shop: Der Maulwurf aus Moskau
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'Im dunklen Nebel' von Jürgen Ehlers

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Liebe und Verrat in den besetzten Niederlanden 1942-43

Die Flucht des Fallschirmagenten Gerhard Prange mit seiner jüdischen Freundin und der sechsjährigen Sara ist gescheitert. Prange muss weiter für die Deutschen arbeiten. Richard Christmann von der Spionageabwehr sorgt dafür, dass alle drei unentbehrlich scheinen. Er verwickelt sie in ein gefährliches Spiel. Allen ist klar: Darauf steht die Todesstrafe.

»Nur wenn man erwischt wird«, sagt Richard. Aber genau das ist sein Plan.

Als eBook für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
„Das ist eine reine Routinesache“, sagte Schreieder. Er räkelte sich in seinem Sessel. „Ihre Festnahme dient nur zu Ihrem eigenen Schutz.“
Das war jedenfalls gelogen. Sofieke reagierte nicht. Sie sah dem SS-Mann direkt ins Gesicht und verzog keine Miene.
„Anton und Sie haben großartige Arbeit geleistet. Dabei ist mir natürlich bewusst, dass Sie sozusagen unfreiwillig mitgewirkt haben. Ich hoffe, Anton hat sich Ihnen gegenüber jedenfalls anständig benommen.“
Anton ist eine widerliche Ratte, dachte Sofieke. Genau wie du.
„Er schießt manchmal etwas über das Ziel hinaus“, gab Schreieder zu. „Aber die Ergebnisse seiner Arbeit sind hervorragend. Und wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie zugeben müssen, dass unser großangelegtes Täuschungsmanöver dazu beigetragen hat, dass die Niederlande sicherer geworden sind.“
Sicherer? Wahrscheinlich hielt dieser eitle Fatzke es für am sichersten, wenn alle im Gefängnis saßen. Außer der SS natürlich. Aber sie behielt diese Gedanken für sich. Es machte keinen Sinn, sich mit diesem Mann anzulegen. Nicht jetzt, wo er glaubte, alle Trümpfe in der Hand zu halten. Aber die Gelegenheit würde kommen. Der Funker Wolters hatte die Informationen weitergeleitet an Pieter Six, den neuen Vorsitzenden des Ordedienst. Und der war für die Herstellung und Verteilung von Flugblättern verantwortlich.
Schreieder redete und redete. Sofieke hörte nicht mehr zu. Sie konzentrierte sich auf die Fliege, die den Kopf des kleinen Mannes umkreiste, und die schließlich auf seiner Glatze landete. Schreieder wischte sie mit einer Handbewegung weg.
„Kann ich jetzt gehen?“, unterbrach Sofieke seinen Redefluss.
Schreieder hielt inne und sah sie überrascht an. Er war es nicht gewohnt, dass jemand ihn in dieser Weise behandelte. „Ja, Sie können jetzt gehen“, sagte er.
Sofieke verließ Schreieders Büro mit hoch erhobenem Haupt. Aber als sie hinaustrat auf die Straße, war das Gefühl des Triumphes verflogen, und an Stelle ihrer Wut trat jetzt die Angst. Sie hatte sich mit den deutschen Besatzern angelegt. Mit der SS, mit der Gestapo und ihren Handlangern. Sie wünschte, dass wenigstens Gerhard da wäre, um sie in den Arm zu nehmen und ihr zu versichern, dass alles gut wäre. Aber Gerhard war noch immer in Frankreich.

Im Kindle-Shop: Im dunklen Nebel: Liebe und Verrat in den besetzten Niederlanden 1942-43.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Jürgen Ehlers auf seiner Website.



5. Dezember 2018

'Die Aedon-Vohrn Trilogie' von Helmut Aigner

Kindle | Tolino
Die Aedon-Vohrn-Saga, endlich komplett als Gesamtausgabe.

Aus Verbündeten werden Verräter - Freunde zu gnadenlosen Feinden, in einer Welt, in der das Wirken von Magie ein unsagbares Verbrechen darstellt.

Trugbild der Schatten
Ein einfacher Auftrag gerät für eine Söldnerin aus Courant zu einem Desaster. Ein fanatischer Ritterorden macht Jagd auf eine Gemeinschaft von Verstoßenen. Und die letzte Elfenzivilisation Aedon-Vohrns steht kurz vor ihrem endgültigen Zerfall. Sie alle sind verbunden durch den Konflikt alter Mächte. Einer Fehde der Gefallenen.

Der Fluch des Paladins
Alistair, ehemaliges Mitglied der silbernen Garde wurde zum Tode verurteilt. Das einzige, das ihm Aufschub gewährt, ist die Gelegenheit seine Geschichte zu erzählen. Quinios, der Großkönig, schickte ihn auf eine Mission, die scheiterte. Der Gardist berichtet von Gefahren, einer Söldnerin mit magischen Kräften, bedrängt von einem Wesen, das stets seine menschliche Hülle wechselt – Viondars.

Im Bann des Zwielichts
Die letzte Etappe auf der Reise wartet auf Etaila und ihre verbliebenen Begleiter. Ein Wettlauf um das Erreichen der Thronwelt beginnt. Viondars oder Etaila, einer der beiden wird den Platz einer Gottheit einnehmen. Das Volk der Kharam-Kun bereitet sich auf die entscheidende Schlacht mit den Droggs vor. Auf dem Festland erahnen die Elfen des Orseons den Beginn einer Zeitenwende, der arkanen Renaissance.

Leseprobe:
Selbst als der Verfluchte sich auf den Boden warf, im Dreck und Sand vor der Schenke hin und her rollte, vermochte er nicht die Flammen um sich herum komplett zu löschen.
Der Schmerz im Nacken und Hinterkopf stach unerbittlich durch das Fleisch seiner Kopfhaut. Tränen rannen ihm über das Gesicht und aus der Taverne heraus konnte er aufgeregte Rufe vernehmen.
Sie wollten ihn schnappen, ihn gefangen nehmen.
Es stand nicht gut um ihn. Das Feuer hatte sein Haarschopf versenkt, sich bis zur Stirn gefressen und erlosch nun plötzlich, als hätte man ein Kübel Wasser auf ihn ausgeleert. Der Funke magischer Energie war aufgebraucht.
Eilig zog er sich hoch und rannte davon. Die neu errichtete Kathedrale zu seiner linken verfolgte ihn mit ihren scharfkantigen Schatten. Arbeiter türmten die letzten Blöcke unter Einsatz eines Gerüsts und mithilfe eines Krans zum nördlichen Spitzdach auf. Doch die nervösen Augen des Verwünschten richteten sich stur auf den Boden.
Die Öffentlichkeit erkannte sofort, was mit ihm los war, sie sahen die Verbrennungen auf seinem Schädel, rochen den Rauch des verbrannten Haarschopfs. Ein Magusketzer, eine Gefahr für alle Menschen Mondaves war unter ihnen. Er hätte die Spuren der Zauberei kaum verbergen können.
Die Bewohner jedes Ortes erkannten die Anzeichen eines fehlgeleiteten Gebrauchs von Magie, Verbrennungen, Verstümmelungen, Fälle von Wahnsinn, seltsames Verhalten um die Schuld zu verbergen, die auf einen Ketzer lastete. Nur wenige konnte ihre verheerenden Kräfte steuern, sie nützen, er hatte bis vor kurzen zu dieser Minderheit gezählt.
Er brachte weitere unliebsame Verfolger auf sich an.
Mutige versuchten ihn zu stoppen und zu Fall zu bringen, doch der Verfluchte war verzweifelt schnell, er sprang hastig über aufgetürmte Holzstapel und brachte einige Fässer zum Stürzen und verschwand in einer Nebengasse. Stickige Luft und haufenweise Müll erwarteten ihn dort.
Das Armenviertel, der Gesuchte blieb dort verborgen vor den Blicken seiner Verfolger. Er wurde langsamer und suchte sich einen schattigen Weg durch den Abfall. Hier wohnten in den verschlungenen nischenreichen Gassen, die Alten und die Armen, in ihren kleinen Quartieren. Sie kamen in den unsicheren Zeiten, in dem die Silberne Garde die Führung übernommen hatte, kaum noch aus ihren Absteigen heraus.
Er musste kurz verschnaufen, sich in einer dunklen Nische verbergen.
Bei allen Heiligen, was war mit ihm passiert?

Im Kindle-Shop: Die Aedon-Vohrn Trilogie: Das komplette Fantasy-Epos.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Helmut Aigner auf Facebook.



4. Dezember 2018

'Stoffwechsel beschleunigen: Die besten Methoden für schnelles und dauerhaftes Abnehmen' von Isabella Vogel und Tim Kross

Kindle (unlimited)
Ganz ohne Diät abnehmen? In kurzer Zeit deinen Traumkörper erreichen ohne zu hungern? Und das alles ohne Jojo-Effekt, bei dem du nach wenigen Monaten die verlorenen Kilos wieder doppelt auf den Rippen hast? Du denkst bestimmt, das ist unmöglich. Aber das ist es definitiv nicht!

Wenn auch du zu der Sorte Mensch gehören willst, der alles essen kann ohne ein einziges Gramm zuzunehmen, ist dieses eBook das richtige für dich! Mit dieser Erfolgsformel purzeln auch bei dir die Kilos von ganz allein. Die schnellsten und effektivsten Methoden haben wir in einem eBook für DICH zusammengefasst!

Dieses Buch zeigt dir ...
- wie der Stoffwechsel funktioniert
- wie du ihn beschleunigst
- welche Lebensmittel du zu dir nehmen solltest
- Gefahren und Risiken bei einem schlechten Stoffwechsel
- und vieles mehr!

Worauf wartest du also noch? Lade dir jetzt das eBook herunter, damit du deinen Stoffwechsel ankurbelst und deiner Wunschfigur ein Stück näherkommst.

Leseprobe:
Beim Essen wird der Stoffwechsel für ein paar Stunden in Schwung gebracht. Bei bestimmten Nahrungsmitteln, die auch Makronährstoffe genannt werden, wird der Stoffwechsel mehr als „normal“ angeregt. Zu den Makronährstoffen gehören Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate.
Der Stoffwechsel wird bei Einnahme von Fetten um 0 bis 3% beschleunigt, bei Kohlenhydraten sind es 5 bis 10% und bei Eiweiße sind es sogar 15 bis 30% Beschleunigung. Anhand der aufgeführten Prozente ist leicht erkennbar, dass Eiweiße massiv den Stoffwechsel beschleunigen können. Dazu kommt, dass Eiweiße ein schnelles Sättigungsgefühl herbeiführen. Aus diesen Gründen ist es empfehlenswert, sein Frühstück eiweißhaltig zu gestalten. Dieses kann man sehr vielseitig gestalten. Das gekochte Ei, ein Spiegelei, Hühnchen, Fleisch, Nüsse, Samen oder Thunfisch kann das Frühstück stark bereichern und den Tag glücklich beginnen lassen.
Wenn Mahlzeiten ausgelassen werden, ist das ebenfalls stoffwechselanregend und fördert zudem noch die Fettverbrennung. Das Weglassen von Mahlzeiten regt wissenschaftlich nachgewiesen den Stoffwechsel nicht nur an, sondern beschleunigt diesen unmittelbar. Erst nach vier Tagen nichts essen, wechselt der Körper in den Hungermodus. Demzufolge ist es gesundheitlich unbedenklich eine Zeit des Fastens einzulegen. Wichtig jedoch ist, dass Trinken nicht zu vernachlässigen.
Empfehlenswert ist es, einmal in der Woche einen sogenannten Cheatday einzulegen. Das ist ein Tag in der Woche an dem man alles das Essen sollte, wonach einem der Sinn steht. So einen Tag in der Woche einzulegen hat mehrere Vorteile, die wir uns einmal genauer anschauen wollen. Doch bei aller Euphorie darf nicht vergessen werden, sich an bestimmte Regeln zu halten. Es sollte nicht mehr als das Doppelte gegenüber den anderen Tagen gegessen werden. Der Tag sollte ein festgelegter Tag sein, der sich Woche für Woche wiederholt. Zu viele Süßigkeiten machen nämlich den Stoffwechsel träge. Wenn es dir sehr schwerfällt, ohne die Leckereien auszukommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass du an einer Zuckersucht leidest. Aber kommen wir zu den Vorteilen, die dieser eingelegte Tag mit sich bringt. Bei schlanken Menschen wird der Stoffwechsel rasant beschleunigt. Durch das Hormon Leptin, welches an solchen Tagen stärker produziert wird, bekommt das Gehirn den Impuls, dass mehr Bauchfett verbrannt werden soll. Das wiederum hat zur Folge, dass das Abnehmen beschleunigt wird. Durch das Hormon Ghrelin, welches für das Hungergefühl zuständig ist, wird für drei Tage weniger und ist nicht mehr so aktiv. Der größte Vorteil dieses Tages ist, dass man mal nach Herzenslust essen kann, was unter anderem auch andere Sinne befriedigen und beruhigen kann.
Scharfes Essen fördert nicht nur den Stoffwechsel, sondern setzt auch die Fettverbrennung in Gang. Bei der roten Pfefferschote ist es der Wirkstoff Capsaicin der Auslöser für das Anregen des Stoffwechsels und der Fettverbrennung. Doch es sind keine Wunder zu erwarten. Der Verzehr von Pfefferschoten erhöht die Kalorienverbrennung um ca. zehn Kalorien pro Tag. Die Gefahr einer Pfefferschote liegt insbesondere darin, dass sie den Verdauungstrakt mit der Schärfe irritieren kann. Deswegen ist von dem übermäßigen Verzehr von Pfefferschoten abzuraten. Alternativ kannst du auch dein Essen mit etwas scharfem Senf würzen.
Meeresfrüchte haben mehrere Vorteile und fördern die Gesundheit auf verschiedene Art und Weisen. Zum einen sind Seegras und Fisch (in erster Linie Weißfisch) die beste Jodquelle, die man dem Körper bieten kann. Das Jod sorgt für die Funktionen der Schilddrüse und produziert Schilddrüsenhormone, die unter anderem großen Einfluss auf den Stoffwechsel haben. Durch regelmäßiges Essen von Seegras, kann ein dauerhaft erhöhter Stoffwechsel die Folge sein. Deswegen ist es empfehlenswert, Seegras zu sich zu nehmen, wenn man sich ein Sushiessen gönnt.
Bei einer gesunden Ernährung mit dem Ziel der Beschleunigung des Stoffwechsels ist es wichtig ausreichend Eisen, Zink und Selen zu sich zu nehmen. Doch oft fragen wir uns, wie wir zu den Mineralien kommen. Nicht jeder weiß, welche Mineralien in welchen Nahrungsmitteln vorhanden sind. Abgesehen von den zahlreichen Ernährungsexperten, können wir hier ein paar Anhaltspunkte geben.
Um Eisen in ausreichenden Maße zu sich zu nehmen, ist es erforderlich genügend Fleisch, Geflügel und viel Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. Das erleichtert dem Körper Eisen aufzunehmen. Bei Zink kommt zum Fleisch und Geflügel auch noch Eier, Garnelen, Austern, Muscheln, Nüsse und Samen hinzu. Für das Selen sind Zusatzprodukte notwendig, wie zum Beispiel Knoblauch, Zwiebeln, Broccoli, Nüsse und Samen. Wenn das bei der Ernährung berücksichtigt wird, sollte es kein Problem sein, den Stoffwechsel zu beschleunigen und damit ebenfalls erfolgreich abnehmen zu können.
Jeder isst gerne mal etwas Schokolade, die nachweislich auch glücklich macht. Unsere Empfehlung dahingehend ist, dass man sich an Zartbitterschokolade orientiert. Der Kakaoanteil beschleunigt nicht nur den Stoffwechsel, sondern regt auch die Fettverbrennung an. Somit hat Zartbitterschokolade mehrere wesentliche Vorteile gegenüber der Vollmilchschokolade.

Im Kindle-Shop: Stoffwechsel beschleunigen: Die besten Methoden für schnelles und dauerhaftes Abnehmen .



'Kampfansage: Mein Kampf gegen Depressionen, Panikattacken und Gefühlsloopings' von Heidi Dahlsen

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Fühlen Sie sich auch manchmal irgendwie KOMISCH?
Wie fühlt sich eigentlich NORMAL an?
Nachdem mir bewusst geworden war, dass ich manisch depressiv bin, nahm ich den Kampf gegen die Depressionen, Panikattacken und Gefühlsloopings auf.

Sie erfahren, welche Lösungswege ich gefunden habe, um heute ein lebenswertes Leben führen zu können.

Dieses Buch ist für all diejenigen, die sich nicht davor scheuen, sich mit den Tabu-Themen der psychischen Krankheiten auseinanderzusetzen.

Leseprobe:
Solange ich zurückdenken kann, habe ich mich immer irgendwie „komisch“ gefühlt. Na ja, wer weiß schon, wie sich „normal“ anfühlt?
Erst nachdem ich (im Alter von 40 Jahren) eine Psychologin um Rat fragte, erfuhr ich, dass mein ständiges „Sich-irgendwie-nicht-normal-fühlen“ eine Folge des ständigen Alleinseins in meiner Kindheit ist.
Bei meiner Psychologin redete ich wie ein Wasserfall, denn aus meinem Kopf wollten so viele Erinnerungen heraus und während der Therapie hatte ich die Möglichkeit, endlich alles auszusprechen und rauszulassen.
Meine Mutter gab mir die Warnung mit auf den Weg: „Wenn du schon zum Psychologen gehst, dann erzähle dort nicht so viel, das alles geht keinen was an.“
Das ignorierte ich, weil ich gesundheitlich, körperlich und psychisch total am Boden war. Irgendwie musste ich mir ja Hilfe holen.
Eine Bekannte war entsetzt, als sie erfuhr, dass ich nicht mehr schweigen werde und nannte mich: „Nestbeschmutzer!!!“
Tja, sicher bin ich das … aber … ich fragte mich: „Hatten meine Eltern das Recht, mich als hilfloses Kind ständig spüren zu lassen, dass ich ein Störfaktor in ihrem Leben war, sodass ich vor lauter Alpträumen Angst davor hatte ins Bett zu gehen, dass ich Wahrnehmungsstörungen bekam, die es mir lange Zeit unmöglich machten, das Haus zu verlassen und dass ich seelische Höllenqualen durchleben musste?“
Warum sollte ich Stillschweigen bewahren und es zulassen, dass die Erinnerungen meine Seele auffressen?!
Was meine Eltern getan haben ist NUR moralisch verwerflich, rechtlich zur Verantwortung gezogen werden sie diesbezüglich nicht.
Ich hoffe, auch mit dieser Buchveröffentlichung etwas bewirken zu können, denn ich möchte darüber aufklären, was schon allein eine lieblose Kindheit anrichten kann. Ich möchte Eltern ihre große Verantwortung gegenüber ihren Kindern vor Augen führen und somit vielleicht bei einigen ein Umdenken erreichen.
Meine Mutter sagte öfter: „Sympathien kann man nicht in der Apotheke kaufen, die muss man sich hart erarbeiten.“
Theoretisch hatte sie es voll drauf, aber für die Umsetzung fehlten ihr Gefühle und Mutterliebe.
Der Partyknaller zu jeder Familienfeier war der Ausspruch meines Vaters: „Unsere Tochter ist nur entstanden, weil wir Langeweile hatten. Hoffentlich ist die bald erwachsen, zieht aus und wir können endlich unsere Zweisamkeit genießen und haben unsere Ruhe.“
Diese kaltherzige Einstellung bekam ich von Anfang an mit voller Wucht zu spüren.
Nachdem ich mich vor ein paar Jahren endlich traute meinen Eltern meine Meinung zu sagen, (ich könnte auch sagen, die Therapie zeigte die ersten Erfolge), brachen sie ohne große Diskussion umgehend den Kontakt zu mir ab. Eigentlich hatte ich nur geäußert, dass ich mir ihr oftmals entwürdigendes Verhalten nicht mehr länger gefallen lasse, denn ich dürfte wenigstens etwas Respekt von ihnen erwarten. (Unterdessen war ich 46 Jahre alt.)
Meine Mutter lachte mich lauthals aus und erwiderte: „Na, wenn du sonst keine anderen Probleme hast! So etwas haben wir nicht nötig“, und sie rauschten ab.
Bei der Aufarbeitung meiner Kindheit stieß ich auf ein Buch, bei dem mir bereits der Titel vermittelte, dass ich diesbezüglich nicht allein an ungelösten Problemen zu knabbern habe. („Warum Sie Ihre Eltern nicht erschießen sollten; 17 gute Gründe“ von Jacques Paradis)
Der Autor hat mir deutlich gemacht, dass meine Eltern ja eigentlich auch nicht daran schuld sind, dass sie so sind, wie sie sind, denn sie waren auch mal Kinder und ihren Eltern hilflos ausgesetzt. Aber gerade da müssten sie doch wissen, dass ein Kind ein liebevolles Zuhause braucht und es bei ihrem eigenen besser machen, oder? …
… Die Kaltherzigkeit und Ablehnung sorgten dafür, dass meine Gedanken verrücktspielten und meine Seele krank wurde.
Auch dass ich weder angeborenes noch anerzogenes Selbstvertrauen besaß, hatte Wahrnehmungsstörungen zur Folge. Angst-, Panikattacken und Depressionen, täglich mehrmalige Gefühlswechsel ohne ersichtlichen Grund von tief-traurig bis übermütig kamen schon bald dazu.
Im Alltag versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen, jedoch war das auf Dauer kaum möglich, außerdem kostete das viel Kraft. Ohne körperlich etwas zu tun, empfand ich es eher so, Schwerstarbeit geleistet zu haben. Sport soll gesund sein … tja, aber wie soll man sich bewegen, wenn man schon in der Ruhephase das Gefühl hat, einen zentnerschweren Sack mit sich rumzuschleppen?!
Während meiner ersten Therapie, die ich 2002 begann, lernte ich als erstes durchzuatmen und erfuhr, wie wichtig die richtige Atmung ist. Meine ständig wiederkehrende Bronchitis erklärte sich damit, dass ich immer nur flach und nie richtig durchgeatmet hatte. Ich war schon bald so erschöpft von der Aufarbeitung meiner Erlebnisse und dem Sortieren meiner Gedanken, dass ich sieben Monate die meiste Zeit des Tages auf der Couch verbrachte.
Irgendwann war mir das selbst zu viel und ich dachte: „Ich muss doch nun mal fertig sein mit faul rumliegen.“ Ich kam einfach nicht auf die Beine und zwang mich, wenigstens das Nötigste im Haushalt zu machen. Vormittags lag ich „faul“ rum, sammelte Kräfte, ließ meine Gedanken kreisen, überlegte mir, was ich unbedingt machen musste, damit das reale Leben nicht verlotterte. Und am späten Nachmittag holte ich Schwung, rang mich durch und machte der Reihe nach das Nötigste ...

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Für Tolino: Buch bei Thalia
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30. November 2018

'Winterwunderküsse' von Lotti Tomke

Kindle (unlimited)
»Niemals!«
Das war Peppers erste Reaktion, als der Notar die Bedingungen des Testaments verlas.
Christian Morris war ein arroganter, selbstverliebter, geldgeiler Wichtigtuer. Der Banker aus New York City verkörperte alles, was sie verachtete – bis auf seine sanften Schokoladenaugen vielleicht. Und das sexy Grinsen, das sich ab und zu in sein markantes Gesicht stahl.
Trotzdem.
Niemals, unter gar keinen Umständen, würde sie vier Wochen lang mit ihm in ihrem geliebten Laden Candles & Candy zusammenarbeiten, damit sie beide das Erbe seines Vaters antreten konnten. Lieber verzichtete sie darauf. Wenn da nur nicht dieser kleine Schuldenberg wäre. Und das Versprechen, das sie Christians Vater kurz vor seinem Tod gegeben hatte …

Leseprobe:
»Sie sehen aus wie ein tollwütiger Waschbär«, sagte ich abschätzig.
»Und Sie sehen aus wie ein jämmerlicher Lügner.« Pepper packte meinen Arm und schleifte mich mit erstaunlicher Kraft ins Hinterzimmer. »Buchhaltung, soso.« Sie deutete auf meinen Laptop und drückte die Leertaste, um den Schlafmodus zu beenden. »Mir sieht das vielmehr nach Börsengeschäften aus.«
»Na und? Sind Sie die Trading-Polizei, oder was?« Ich schob den Laptop von ihr weg und klappte ihn zu.
Meine Geschäfte gingen niemanden etwas an. Gut, ich ging nicht davon aus, dass Pepper irgendetwas verstand, von dem, was sie da sah – ich meine, sie war eine Bonbonverkäuferin – aber trotzdem.
»Nein, ich bin nicht die Börsenpolizei. Aber ich bin auch nicht so doof, für wie Sie mich halten«, schnauzte sie mich an. »Deswegen setzen Sie sich jetzt hin und hören mir zu – oder Sie können sich Ihr Erbe abschminken.« Pepper verschränkte die Arme vor der Brust und wies mit dem Kinn auf einen Stuhl.
Amüsiert setzte ich mich. Wie gesagt, die Frau war Bonbonverkäuferin. Glaubte sie ernsthaft, eine Moralpredigt aus ihrem Mund würde mich beeindrucken?
»Okay, Christian Morris«, Pepper wanderte vor mir auf und ab wie eine strenge Gouvernante, es fehlten nur noch das schwarze Kostüm und der Rohrstock, »gleich als Erstes: Ich habe Sie durchschaut.«
Huh, jetzt bekam ich es aber mit der Angst zu tun.
»Sie können sich Ihr überhebliches Grinsen sparen«, wies mich Pepper zurecht. »Vielmehr sollten Sie versuchen, sich mit mir gutzustellen, sonst trete ich nämlich ganz schnell von meinem Erbanspruch zurück.«
Okay, vielleicht war die ganze Sache doch nicht so lustig. Ich setzte mich gerade hin und räusperte mich. »Pepper, hören Sie …« »Nein, ich höre jetzt nicht. Ich bin nämlich noch nicht fertig. Deshalb hören Sie gefälligst mir zu.« Pepper starrte mich entschlossen an. »Ein Anruf bei Mr. Ecclestone hat Ihr überraschend freundliches Verhalten gestern Nachmittag erklärt – ohne mich kein Erbe. Sollte ich von meinen Ansprüchen zurücktreten, gehen auch Sie leer aus. Und das passt Ihnen natürlich gar nicht. Daher Ihr plötzlicher Sinneswandel.«
»Okay, ertappt.« Ich hob kapitulierend die Hände. »Das heißt aber nicht, dass mein Friedensangebot nicht ernst gemeint war.«
»Sparen Sie sich Ihre Scheinheiligkeit. In Wahrheit scheren Sie sich nämlich nicht im Geringsten um die Befindlichkeiten anderer Leute. Ihnen ist es doch scheißegal, wie ich mich fühle.«
»Woher wollen Sie das wissen?«, fragte ich blasiert.
»Woher? Weil Sie sich wie ein egoistischer Vollidiot aufführen«, schnauzte mich Pepper an.
Ihre blauen Augen waren mittlerweile eine Nuance dunkler und ihre Wangen leicht gerötet. Eigentlich sollte ich mich ärgern, weil Sie mich so zusammenstauchte, aber ich konnte meinen Blick gar nicht mehr von ihr losreißen. Sie sah schön aus. Leidenschaftlich. Kämpferisch. Eine Frau, die sich nicht so leicht unterkriegen ließ.

Im Kindle-Shop: Winterwunderküsse.
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29. November 2018

'Embargo: Krieg im Schatten' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
1997 - Charles Dixon ist Chef einer geheimen Einheit innerhalb der CIA, von deren Existenz nicht mal der CIA-Direktor weiß. Nach dem Muster eines Anschlages der CIA 1982 auf die sowjetischen Gasfelder in Sibirien, entwickelt Dixon einen Plan, die libyschen Ölquellen mit manipulierter Elektronik zu vernichten. Wenn die Wirtschaft zusammengebrochen ist, werden die Libyer Gaddafi stürzen. So die Überlegung.

Kurt Hoffmann vom BND soll den in Untersuchungshaft in Köln einsitzenden Harald Jasper mit besten Verbindungen zur libyschen Obrigkeit anwerben und nach Tripolis schicken. Dafür verspricht man Jasper die Freiheit. Für Jasper ein verlockendes Angebot, denn ihm drohen 15 Jahre Gefängnis wegen Bruchs des gegen Libyen verhängten UN-Embargos.

Leseprobe:
Langley 2002, Hauptquartier der CIA
Charles Dixon betrachtete fasziniert die Satellitenaufnahmen. Wenn es stimmte, was er hinter den Aufnahmen vermutete, dann hatte er die Lösung für sein Problem gefunden. Die Aufnahmen zeigten eine gewaltige Explosion und er verstand, weshalb nicht eingeweihte Kreise innerhalb der CIA und in Washington anfangs vermuteten, die Sowjets hätten in Sibirien eine neuartige Waffe getestet. Im Sommer 1982 blähte sich der Kalte Krieg wie zu einer bevorstehenden Apokalypse auf. Eine neuartige Waffe, das war glaubwürdig. Nur die ambossförmige Form fehlte, und es wäre die perfekte Explosion einer 3kt TNT Atombombe gewesen, fotografiert von einem Satelliten aus dem Weltraum. Auf den Bildern sah man die parallel angeordneten Pipelines direkt vor der Explosion, auf weiteren Bildern, wie sie von der Wucht einer Explosion zerrissen und empor geschleudert wurden. Es folgten Aufnahmen der Trümmerfelder Stunden später. Wie umgeknickte halb abgebrannte Streichhölzer ragten die deformierten Gasleitungen in die Luft. Die Zerstörungen erstreckten sich über mehrere Quadratkilometer. Die Satellitenaufnahmen der folgenden Monate zeigten, dass die Fördereinrichtungen über lange Zeit nicht in Betrieb genommen werden konnten. Nicht einmal Reparaturtrupps waren auszumachen. Es schien, als hätten die Sowjets die Gasfelder in Sibirien aufgegeben. Charlie Dixon blätterte in den Unterlagen und fand die Kostenaufstellung der damaligen Operation. Die Beträge waren lächerlich gering, und er vermutete hinter den Zahlen anfangs die Spesenabrechnungen der Agenten.
Die westlichen Medien berichteten vom Einschlag eines Objektes aus dem Weltraum. Von Aliens aus einer fernen Galaxie war die Rede und ein Vorfall vom Beginn des Jahrhunderts wurde zitiert. Man musste den Journalisten zugutehalten, dass sie es nicht besser wissen konnten. Der Vergleich drängte sich auf, die Augenzeugenberichte von 1908 ähnelten auf frappierende Weise der Explosion 1982. Damals hatte die Explosion allerdings erwiesenermaßen eine natürliche Ursache – einen Asteroiden-Einschlag in der Gegend von Tunguska. Man sprach auch vom Tunguska-Asteroiden. Die Experten konnten sich lediglich nicht einigen, ob ein oder mehrere Himmelskörper in Sibirien eingeschlagen waren. Es könnte ein Komet gewesen sein, hieß es, von einem Feuerschweif berichtete man. Hinzu kam, dass Wissenschaftler bei Tiefbohrungen keine Fragmente des Himmelskörpers gefunden hatte. Es konnte sich nur um eine Explosion wenige Meter über dem Erdboden gehandelt haben und die enorme Hitze hatte das Material zerstrahlt – was auf einen Kometen hindeutete. Stoff für Verschwörungstheoretiker. Augenzeugen berichteten von bis zu vierzehn Explosionen. Fest stand nur Zeitpunkt und Ort. Der unheimliche Himmelskörper aus dem Weltraum schlug am 30. Juni 1908 gegen 7:15 Uhr im sibirischen Gouvernement Jenisseisk ein, der heutigen Region Krasnojarsk in der Nähe des Flusses Podkamennaja Tunguska. Das war das Siedlungsgebiet der Ewenken, eine Volksgruppe aus dem nördlichen Sibirien. Bei dem Einschlag und der folgenden Druckwelle wurden Bäume im Umkreis von etwa 30 Kilometer entwurzelt oder umgeknickt, Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara zerbarsten. Fachleute schätzten, dass auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern 60 Millionen Bäume umgeknickt wurden. Den hellen Feuerschein hatte man in über 500 Kilometern Entfernung wahrgenommen, Reisende der Transsibirischen Eisenbahn hatten die Druckwelle gespürt.
Charlie Dixon nahm ein Blatt Papier und schrieb ein paar Zahlen auf, eine grobe Kostenaufstellung. Manpower, Material, Verbindungsleute zu Partnerdiensten, NN – Nützliche Nebenabgaben, besser gesagt Schmiergelder.
Er addierte die Beträge. Unmöglich. Dafür würde er niemals eine Genehmigung bekommen. Nicht, weil der Betrag zu hoch war, im Gegenteil. Das kaufte ihm die obere Etage niemals als ernst zunehmende CIA-Geheimoperation ab, das waren die Kosten für den Wochenendausflug einer Pfadfindergruppe. Zumindest, wenn man die Kosten der üblichen CIA-Operationen zum Vergleich heranzog. Er malte sorgfältig hinter jede Position eine Null, addierte erneut, wusste es vorher. Faktor zehn – immer noch viel zu wenig. Er malte hinter jede Position eine weitere Null.
Sollte es wirklich so einfach sein? Unruhe erfasste ihn. Mit so einer Operation legten sie die Öl und Gasförderung eines ganzen Landes innerhalb von Minuten lahm, und das so gründlich, dass über Monate, vielleicht Jahre, nicht mehr gefördert werden konnte.
Mit leisem Schmunzeln dachte er an den Mann, der 1982 im Weißen Haus die Operation im fernen Sibirien abgesegnet hatte. Als er ins Amt kam, sprach man herablassend von einem zweitklassigen Schauspieler und einem liebenswerten Hohlkopf, der sich auf den Präsidentenstuhl verirrt hätte. Als er aus dem Amt schied, waren sich alle einig, selbst seine schärfsten Kritiker, dass der Mann zehnmal schneller dachte, als seine engsten Berater. Auf ihn ist die Methode zurückzuführen, der man den Code-Namen gab – Reagan-Methode.
Drei A4-Seiten. Er las es wieder und wieder, aber es war so, damit war alles gesagt. Wenn er dafür das OK von oben bekam, dann war das der krönende Abschluss seiner Laufbahn. Eher Rutschpartie, nicht Laufbahn. Das würde ihn auf die Ahnentafel der CIA befördern.

Im Kindle-Shop: Embargo: Krieg im Schatten.
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28. November 2018

'Schicksalspfad des Tempelritters: Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Dedericus, der erste Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Anno Domini 1225. Weite Gebiete Europas liegen in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln.

Sein treues Pferd Harraz begleitet ihn durch seine Abenteuer und ist exemplarisch für die Kriegspferde, der Tempelritter.

Leseprobe:
Die Wanderung
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.
Ramus legte den Körper seines Weibes sanft in das Laub des Waldes und beugte sich mit tränenden Augen über die kaum noch Atmende. Erst jetzt sah Dedericus die schweren Verbrennungen an ihrem zarten Körper. Schluchzend warf auch er sich neben sie, küsste ihr vom Ruß verschmiertes Haar. Verzweiflung und Sorge umklammerten sein Herz. Klagend entrang seinem Mund: „Mutter!“
Die Tränen rannen ihm in Bächen über das Gesicht und die Welt, wie sie für ihn existierte, verschwand in einer Woge der unerträglichen Trauer.
Seine Mutter strich ihm zärtlich, mit der letzten Kraft ihres sterbenden Körpers, über seine Wange. Ihr Blick hatte trotz des Schmerzes noch so viel Liebe und Sorge für ihn.
Leise, fast unhörbar, bat sie darum, er solle nach Jerusalem ziehen um die Seele seiner Schwester vor dem ewigen Fegefeuer zu erretten.
„Mutter, …“, flüsterte er mit erstickter Stimme, „… du begleitest mich auf diesem Weg. Bitte verlasse uns nicht“.
Sein Blick wanderte zu dem rußgeschwärzten Gesicht seines Vaters, in dem sich ebenfalls Tränen ihren Weg bahnten.
Sanft faltete Ramus die Hände seiner geliebten Frau über ihrem toten Körper.
Laut schluchzend warf sich Dedericus auf die Schulter seiner Mutter, küsste ihre Wangen und wiederholte immer aufs Neue die Worte: „Mutter, bitte, lass uns nicht allein.“
Aber es kam kein Leben zurück in ihren Körper.
Eine Weile knieten Vater und Sohn an der Seite des toten Körpers der Gräfin. Unfähig in die Realität dieses grausamen Tages zurückzufinden, waren sie von überwältigendem Schmerz gelähmt.
Nach geraumer Zeit wagte einer der Knechte, ein grobschlächtiger, aber gutmütiger Mann, den die Jahre der harten Arbeit gebeugt hatten, ein vorsichtiges und leises: „Herr“, an Ramus de Loen zu richten: „Herr, was sollen wir tun? Die Isenberger Mannen suchen sicherlich nach uns.“
Der Blick des Grafen löste sich nicht vom Gesicht seiner Frau, als er mit gebrochener Stimme den Befehl gab, eine Trage zu richten.
Die Männer folgten seinem Befehl. Dann betteten die beiden De Loens den Körper der Toten sanft auf die Bahre.
Mit nunmehr festerer Stimme befahl Ramus den Männern, ihm mit der Bahre zu folgen.

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