19. Juli 2018

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



'Tod in Alepochori' von Claudia Konrad

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Eigentlich will der aus dem Ländle stammende, kürzlich pensionierte Sonderermittler Wellendorf-Renz einen gemütlichen Urlaub in Griechenland verbringen und endlich seine Zeit als Kommissar hinter sich lassen, da geht es auch schon wieder los: Denn kaum in Alepochori angekommen, spürt die feine Nase seines Hundes „Trollinger“ einen toten Taucher in einem verbrannten Waldstück auf.

„Welles“ guter Ruf als Polizist eilt ihm voraus und die griechischen Behörden bitten ihn um Unterstützung bei der Aufklärung des Falles. Fortan begleitet er die griechischen Kollegen und begibt sich mit ihnen auf die Suche nach dem Mörder. Die griechischen Ermittler tappsen rum und Welle in die Arme einer charmanten Griechin. Was anfangs wie ein merkwürdiger Badeunfall aussieht, tut sich auf als Fall von Korruption und Intrige – bis in die höchsten Kreise von Staat und Kirche. Die finden sich nicht etwa in Athen. Nein, Welle macht Wellen im Vatikan.

Das Buch bietet eine wunderbare Mischung aus Leichtigkeit, Spannung und griechischen Impressionen. Wellendorf-Renz ist eine ausgereifte Figur, ein wenig schrullig-eigenbrödlerisch, man liest mit Spannung und Vergnügen.

Leseprobe:
Prolog
Geisterwald. Knarrende Baumstämme, vom warmen Wind umspielt. Ein Heer bizarrer Pinien, verbrannt bis in die Wipfel. Rußgeschwärzte Hänge, Verwesungsgeruch.
Welle sah die Feuersbrunst vor sich. Hörte das gellende Todesblöken der Schafe, deren Stall von Flammen umzüngelt war. Hubschrauberlärm mischte sich unter das Feuer-Gefauche. Gierig sogen die Flammen erste Wasserbretter auf, die tonnen-schwer auf den Wald prasselten – und doch nur wie Tropfen auf dem heißen Stein wirkten. Klägliche Versuche, das Inferno unter Kontrolle zu bekom-men. Ein weiterer Lösch-Hubschrauber näherte sich. Der Kampf gegen die Naturgewalt hatte begonnen.
Nichts für Zartbesaitete, wenn das Kopfkino des Pforzheimers ansprang. Trollingers aufdringliches Gebell durchbrach seine Vorstellungen und holte ihn in das Jetzt zurück. Der Unterton im Bellen gefiel dem pensionierten Hauptkommissar gar nicht. Er versuchte, seinen Vierbeiner auszumachen. »Trollinger!«, schrie er. »Bei Fuß!«
Der Rüde erschien kurz, knurrte seinen Herrn an, um gleich wieder im Schwarz zu verschwinden.
»Sack Zement, was ist jetzt wieder?« Grantig stiefelte er hinterher. Nach ein paar Metern hatte er ihn eingeholt.
»Beruhig dich, was ist denn los mit dir?«
Welle schaute sich um, sah aber nichts.
»Hör doch mit der blöden Kläfferei auf. Aus jetzt!«
Mit gefletschten Zähnen rannte Trollinger hin und her, verharrte dann und schaute gen Himmel. Der Pensionär folgte dem Blick seines Hundes.
»Deifel nomol … Ha noi, so ebbes gebts jo gar ned. I glab, i spinn. En Daucher. Da hangt en Daucher im Bom!«

Kapitel Eins
»Wann war i sletschmol so besoffe?« Trollinger musste das wissen. Der saß neben ihm … nein, der lag …
»Trollinger!« Es wuffte matt. Unter der Bank. Bank? Bushäuschen. Ahhhh, Bushäuschen. Er saß auf der Bank, es nieselte, daher Bushäuschen. Warum nieselte es immer an seinem Geburtstag, wo es doch in Pforzheim nie nieselte. Er musste grinsen. Nie nieseln, komisch.
»Trollinger, findest du nie nieseln auch komisch?« Trollinger wuffte. Alles gut.
»Also, Trollinger, wann war ich das letzte Mal so betrunken?«
Warum saß er hier? Wo war Erika?
»Trollinger, wie alt bin ich jetzt, und wo ist Frauchen?«
Und was, Himmel-Schdugert-Sackzement!, hatten die ihm da geschenkt? Die von seinem Club. Die Alten Hasen. Fünfundsechzig, das war es. Fünfundsechzig Kerzen hatte er ausblasen müssen. Heidenei! Und dann der Wein, zehn Schoppen? Ramazzotti, vier? Grappa? Auch egal.
»Wieso sprang mir jetzt Griechenland ins Hirn? Wir waren doch im ›Al Bacio‹, eindeutig Italien.«
Er griff in die Tasche des Trenchcoats, streifte über Reste von Tiramisu auf seinem Jackett, Trollinger musste ablecken. Ein Umschlag, DIN-A4-Blatt, ein Bild von einem Schiff, noch ein Bild, Markusplatz, Venedig.
»Trollinger, soll ich das mal vorlesen, willst du es hören, oder sollen wir warten, bis Frauchen ...«
Jetzt spürte er Tränen. Ist ja nicht mehr, die Erika. Scheiß LKW! Seit mehr als acht Jahren nicht mehr. Fünfundfünfzig Jahre waren sie ... Zum die Wänd hochgrabble!
»Ich les es dir vor, Trollinger. Also … Lieber Welle, damit du mal wieder richtig Welle machen kannst … Trollinger, das ist doch ein mieser Scherz, oder? Also, damit du Welle machen kannst, schenken wir dir ein Fährticket von Venedig nach Griechenland auf der Anke Lines … Wer ist denn jetzt Anke? Trollinger, wollen die, dass ich mit der Anke … ach so, die Reederei heißt so … Kabine mit Sondergenehmigung für Trollinger in allen Bordbereichen. Wahlweise Igoumenitsa, Korfu oder Patras.«
Jetzt kam die Erinnerung zurück.
»Wer hat sich das denn ausgedacht?«
»Ist doch egal«, hatte Holger Kuhlmann gesagt. »Du wolltest dir alte Steine anschauen und da eignen sich die der alten Griechen am besten. Genieße deinen Urlaub, schließlich hast du dich seit Erikas Tod nicht mehr aus Pforzheim herausbewegt. Außer vielleicht mal bis zum Titisee und in die Schweiz zu deinem Kumpel. Wir freuen uns jedenfalls auf deinen Urlaubsbericht.«
»Aber ich habe gar keinen runden Geburtstag! Das kann ich nicht annehmen«, hatte er gesagt.
»Ha so ebbes!« Hans Häberles Bassstimme dröhnte im tiefsten Badisch. »Mir hen des älle gwellt, und jetzt hälsd dei Gosch. Proschd!«
»Ja, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Nochmals vielen, vielen Dank!«

Er stand auf. Es hatte aufgehört zu nieseln. Welle hielt sich an der Strebe des Bushäuschens fest, schob Manschette und Trenchcoat-Ärmel zurück, griff mit der anderen Hand in die immer noch beschmierte Jacketttasche und setzte sich erneut die Lesebrille auf.
»Herrschaft, Trollinger, halber drei gleich. Schaffen wir den Berg noch?« Wieder so ein kurzer Moment, in dem Welle es bereute, hoch über Pforzheim zu wohnen.
Der Staffordshire blickte nach oben, als wollte er sagen: Stell dich nicht so an, Alter, du auf zwei, ich auf vier Beinen. Ich will in den Korb, und wenn du bitte noch einen Klecks Tiramisu ...
»Ja, braver Hund, hörst mir immer zu. Dir armen Teufel bleibt auch nichts anderes übrig.« Welle bückte sich, streichelte ihn und lächelte.
Er torkelte sich auf den Heimweg ein.
Ein weiteres Stück Erinnerung kam zurück, gerade mal neun Stunden war das her.
Er war mit Trollinger die Bahnhofstraße hinuntergelaufen, vorbei am Polizeirevier. Holger Kuhlmann und Igmar Keller waren herausgekommen.
»Da ist ja unser Geburtstagskind.« Das war Kuhlmann.
»Kind? ›Alter Sack‹ wolltest du wohl sagen. Wo geht’s hin?«
»Na, deinen Geburtstag feiern, wohin denn sonst?«
»Damit hast du nicht gerechnet, gell?« Keller war den ganzen Abend über bester Laune gewesen. »Kommt, wir müssen uns beeilen, die anderen werden sicher schon warten. Schau nicht so belämmert, du wirst heute noch einige Überraschungen erleben.«
Wirt Andreas hatte gerade ein Tablett mit Sektgläsern hinter der Theke hervorbalanciert, als die drei eintraten. Und jetzt war der Film wieder da, Echtzeit, live und in Farbe mit Ton. Als sei es gestern ... nein, war ja eben erst alles, vor der Sache mit der Anke … nein, mit dem Schiff. Hatte er das richtig verstanden, eine eigene Kabine für Trollinger?

Im Kindle-Shop: Tod in Alepochori.
Mehr über und von Claudia Konrad beim pinguletta Verlag.



18. Juli 2018

'Die Welt verstehen und wahrnehmen' von Danka Todorova

Taschenbuch
Das Buch ist eine Gesamtausgabe von „111 Tipps“ und „Harmonie und Balance“.

Hiermit lade ich dich ein, deine eigene Reise zu unternehmen, um zu dir selbst, zu den anderen und der Welt zu verstehen, dein Leben in die Hand zu nehmen, den Alltag bewusst zu gestalten und wahrzunehmen. Nur so kannst du innere Harmonie und Balance in voller Zufriedenheit und Freiheit finden und genießen.

Leseprobe:
Tipp 9
Ich beobachte Menschen bei der Arbeit.
Ich beobachte in meiner Arbeit auch andere Menschen. Wie sie mit den Problemen umgehen, wie sie mit verschiedenen Situationen umgehen und versuche die Kernaussage des Menschen zu entdecken. Was bewegt einen Menschen? Welche Glaubenssätze oder Muster kommen zum Erscheinen. Es ist nicht immer leicht, eigener Konzentration und eigenem Gespür zu folgen, da die Störfaktoren da sind.

Tipp 10
Ich übe ständig Konzentration.
Sie ist auch da, ich schule in allen möglichen Situationen meine Konzentration: Bild betrachten, Mensch betrachten, Natur betrachten, Vögel betrachten. Einfach da sein und den Bewegungen folgen. In sich hinein hören, ob man etwas entdecken kann ... Bilder, Erinnerungen, Symbole.

Tipp 11
Ich setze Prioritäten.
Jeden Tag brauchen wir verschiedene Aktivitäten, die wir zu erledigen haben. Ich überlege am Morgen, bevor der Tag beginnt, in der Stille, was ich am Tag zu erledigen habe. Ärgere mich nicht, wenn ich nur die Hälfte geschafft habe. Es ist bewiesen, dass wir nur 50% der geplanten Aktivitäten erledigen können. Deswegen setze ich eine oder zwei Sachen, die mir wichtig am Tag sind, je nach meinem Ziel.

Tipp 12
Ich mache Planung.
Wenn ich eine reale Vorstellung habe, was ich am Tag erledigen muss, dann entsteht auch kein Stress. Ich lasse mir die Zeit und erledige das Nötigste am Tag. Wenn ich sehe, es läuft nicht, wie ich es geplant habe, lasse ich es. Es gibt Rhythmus in der Natur und in unserem Leben, um die Dinge fließen zu lassen.

Tipp 13
Ich nutze die Pausen um Wasser zu trinken.
Wenn ich müde bin, mache ich Pause, trinke zuerst ein Glas stilles Wasser, um zu erfahren, ob ich Durst oder Hunger habe. Unser Körper besteht aus 70% Wasser und unsere Zellen brauchen es, um sich regenerieren zu können.

Im Amazon-Shop: Die Welt verstehen und wahrnehmen.
Mehr über und von Danka Todorova auf ihrer Website.



17. Juli 2018

'Hör mir auf mit Glück' von Helena Baum

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Portland/Oregon
Dr. David Tenner, 58, renommierter Psychotherapeut, ist auf allen Ebenen über dem Zenit. Beruflich, privat, energetisch. Die Luft ist raus. Sein Frau Kathy sieht er nur noch selten im gemeinsamen Leben. Wenn sie zu Hause ist, senden ihm ihre weißen Kopfhörer die unmissverständliche Botschaft: Lass mich in Ruhe!

Emily und Cooper dagegen sind jung, voller Lebenslust und strotzen vor Energie. Der Zenit ist noch nicht mal in Sicht. Alles ist möglich. Alles ist lösbar. Zwischen Surfen, VW Bus, Job und ihrer Liebe findet das Leben statt. Emilys ungewollte Schwangerschaft stellt alles auf den Kopf. Sie will das Kind auf keinen Fall, Cooper will es unbedingt. Sie stecken fest. Drehen sich im Kreis und kommen keinen Millimeter weiter.

Cooper besteht auf einer gemeinsamen Beratung. Sie landen in der Praxis von Dr. David Tenner, der ihnen einen unkonventionellen Vorschlag unterbreitet. Danach ist nichts mehr, wie es war. Weder bei den Tenners, noch bei Cooper und Emily.

Leseprobe:
David lüftete den Praxisraum in seinem Haus. Es müffelte. Zu viele Alltagsdramen, Ängste und Frustrationen stanken hier zum Himmel. Um seinen Lungenflügeln eine Prise Frischluft zu gönnen, floh er in den Garten, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Batman, sein schwarzer Mischlingshund, folgte ihm freudig. Manchmal rief David ihn Batty und hoffte, dass der Rüde ihm das Weibliche im Namen nicht übel nahm.
Er verbrachte den ganzen Vormittag mit Einzelsitzungen in seiner Praxis und empfing ein paar Klienten, die ihn inzwischen mehr langweilten, als er zugab.
Zuerst kam Mrs. Dullington, neunundfünfzig Jahre alt. Sie litt seit Ewigkeiten an wiederkehrenden depressiven Schüben und sah auch in den Phasen dazwischen todtraurig aus. Danach war die zweiundsechzigjährige Mrs. Bramidge dran. Sie versuchte seit Jahren, ihre totgelaufene Ehe zu retten, und schleppte dann und wann ihren völlig desinteressierten Ehemann mit in die Therapie. Wie zwei graue Nilpferde, die nicht mehr im selben Sumpf spielen wollten, saßen sie in den für ihr Volumen zu engen Sesseln und schmollten sich an. Keiner wollte zuerst den stinkenden Sumpf verlassen. Zuletzt kam Ken Brandon, ein dünner Mittvierziger, der zwar jünger war als der Durchschnitt von Davids Klienten, jedoch aussah wie Anfang sechzig. Er saß stets nur mit einer halben Arschbacke auf der Vorderkante des bequemen Sessels, als müsse er jederzeit fliehen. Die ausgefransten Lippen, abgekauten Fingernägel und nervös hin und her huschenden Augen sprachen Bände über das Drama seiner Hypernervosität. David machte drei Kreuze, als er endlich dieTür hinter ihm schließen konnte. Kens Angespanntheit war in der letzten Stunde auf David übergegangen und er spürte, wie er die Hände zu Fäusten ballte, was er sonst nie tat. Er schüttelte sich, ging schnurstracks zum Fenster und riss es erneut auf.
»Zu viele Dramen«, murmelte er, »zu viele Dramen.«
Im Garten rannte Batman direkt zum Zaun, wedelte hektisch mit seinem Schwanz und bellte den Nachbarsjungen herbei. Der Kleine rannte flugs Richtung Batman, stellte sich auf die andere Seite des Zaunes und bellte in seiner Kindersprache zurück. Hörte der eine auf, fing der andere an. Sofort lugte auch das kleine Mädchen um die Ecke und wollte ebenfalls bellen. Sam, der Vater der beiden Knirpse, hatte alle Hände voll zu tun, sie in Richtung Auto zu bugsieren.
»Batty, komm! Fuß! Komm hierher!« Der Hund hörte kein bisschen. Erst beim fünften Rufen, als David seine Stimme bedrohlich senkte, trottete er provokant langsam heran und setzte sich neben sein Herrchen.
»Hi, Sam. Wie geht‛s?« Er winkte dem freundlichen Nachbarn zu. »Ich bring den Hund mal lieber rein, sonst kommt ihr nicht weg.«
»Danke, David. Sie lieben Batman und würden wahrscheinlich ewig hier stehen und sich gegenseitig anbellen. Bis später.«
»Bis später.«
Die junge Familie wohnte erst ein paar Monate im Nachbar- haus und David freute sich, dass das Haus nicht mehr leer stand.
»Komm, Mittagspause, Batty.« Batman ließ sich ohne das übliche Gerangel an die Leine nehmen. Bevor sie loszogen, warf David einen Blick in den Nachbargarten. Jetzt saß Klara, die Mutter der beiden Kleinen, mit einem Kaffee am Tisch und hielt ihr jugendliches Gesicht in die Sonne. Ihre Augen waren geschlossen und die langen Haare noch nass vom Duschen. Sicher lag eine Nachtschicht im Krankenhaus hinter ihr. Er wollte sie nicht stören und ging leise vorüber.
Ganz gemütlich spazierte er zur Division Street und legte, wie jeden Mittag, einen Stopp bei den Foodtrucks ein. Er liebte den Platz voller junger Leute, die in ihren bunten Wagen Essen verkauften. Jeder Wagen war ein kleines individuelles Meisterwerk. Bemalt, besprüht oder mit selbst gebastelten Vordächern und kleinen Sitzgelegenheiten versehen.
An manchen Tagen hatte David das Gefühl, das sein Leben aus diesen zwei Welten bestand. Parallelwelten. Die eine sein stilles Haus, die dumpfen, passiven, manchmal schon halbtoten Klienten, die kaum Schritte in die Veränderung wagten, jeden Vorschlag Davids negierten und sich von ihren Ängsten leiten ließen. Dazu seine mehr abwesende als anwesende Frau Kathy. Die andere der Food Market an der Division Street, nur fünfzehn Gehminuten von seinem Haus entfernt: Ein Ort voller Musik und Geräusche, dem Duft von frisch zubereiteten Mahlzeiten, gesunden Drinks in allen Farben und Menschen, die lebendig waren. Sie lachten, redeten, gestikulierten, stritten oder saßen einfach so in der Sonne. Ein dynamischer Platz.
Schon von Weitem lächelte ihn die junge Frau mit den langen braunen Haaren an. Sie hatte sich heute ein knallgelbes Tuch in ihre wilden Locken gebunden, sodass ihr Gesicht frei lag. Dadurch wirkte sie noch frischer als sonst. Noch jünger. Ihre braunen Augen strahlten ihn an. »Hi, Mister David. Hi, Bat- man. Mittagspause?«
»Ja, wohlverdiente Mittagspause.« Um sein Hungergefühl zu untermalen, rieb sich David den Bauch. Batman zog an der Lei- ne. Er wusste genau, dass es für ihn hier ein Leckerchen gab. David gab sich endlich einen Ruck und fragte: »Darf ich nach deinem Namen fragen? Du kennst meinen und die Vornamen fast all deiner Kunden und ich würde dich auch gern irgendwie ansprechen. Immerhin komme ich seit Monaten täglich an deinen Stand.«
»Klar, Mister David. Ich heiße Emily. Meine Freunde sagen auch Emmi zu mir. Einen Bangkok-Crêpe, wie immer?« Ohne ihre Arbeit zu unterbrechen, unterhielt sie sich mit ihm.
Geschäftstüchtig, notierte David in Gedanken. Kundenbindung mittels Ansprache per Vornamen. Sie wird es mal zu was bringen.
»Wie bitte?«, fragte Emily.
Oh, hatte er die Gedanken ausgesprochen? »Einen Bangkok, süßsauer, wie immer«, schob er schnell hinterher.
»Also, wie immer«, wiederholte sie. »Alles klar.«
Er setzte sich auf die kleine Holzbank gegenüber von Emilys Wagen und wartete, bis er aufgerufen wurde. So schief, wie die Bank zusammengezimmert war, hoffte er, dass sie sein nicht allzu großes Übergewicht mit Fassung tragen würde. Batman hatte sich bereits gemütlich zu seinen Füßen niedergelassen und den Kopf mit den zu großen Ohren auf die Pfoten gelegt.
»Mister David, Ihr Bangkok, bitte. Guten Appetit.« »Sag ruhig David zu mir, ohne Mister.« »Ich mag dich gerne Mister David nennen. Das passt zu dir.« »Wie du magst, gerne auch Mister David.« Etwas umständlich stand er auf, verfing sich in der Leine, sodass Batman sichtlich glaubte, es gehe los, und seinem Herrchen vor die Füße sprang. Mit einem galanten Hopser hüpfte David unfreiwillig komisch zum Wagen. Emily amüsierte sich und war mit ihrer Aufmerksamkeit schon bei der nächsten Kundin.
Zurück in seiner Praxis lüftete er zum wiederholten Male an diesem Tag und ärgerte sich, dass er den Gestank nicht vertreiben konnte. Manchmal dachte er, er selbst würde zu riechen anfangen. Kurz entschlossen nahm er eine Dusche und sparte nicht mit Duschgel, Shampoo, Rasierwasser und Deodorant. Als er aus der Dusche kam, stand ihm plötzlich Kathy gegenüber. Keck wanderten ihre Augen über seinen Körper.
»Hi Schatz, das ist ja mal eine nackte Überraschung. Lange nicht gesehen.«
Ihre Zweideutigkeit brachte ihn kurz aus dem Konzept. Wen meinte sie mit ›lange nicht gesehen‹? Ihn oder seinen kleinen Freund unterhalb des Bauches? Er musste sogar kurz überlegen, ob sie es zweideutig meinte oder ob sein Wunsch der Vater des Gedankens war.
Kathy küsste ihn flüchtig und schlug mit der flachen Hand auf seinen Hintern. »Guck an. Er federt noch zurück«, sagte seine Frau frech und kam ihm so nahe, als würde sie ihn küssen wollen. Ihr Atem roch nach Zigarette, was er verabscheute. »Das wollte ich schon lange mal wieder machen!« Kathy lachte und der Moment der greifbar möglichen Nähe war vorbei.
Überrascht und etwas beschämt hielt David sein großes Badehandtuch vor den Bauch. Das sehr große Badehandtuch, das sie ihm letztes Weihnachten geschenkt hatte. Er wunderte sich, dass sie so gut gelaunt war. Kathy war oft neutral, falls es das gab. Weder gut noch schlecht gelaunt. Neutral gelaunt. Ein ewig vor sich hin plätscherndes Klavierstück, was die Höhen und Tiefen konsequent negierte.
»Kathy ... äh, du bist ja schon zurück? Ich hatte erst morgen mit dir gerechnet.« Er rubbelte sich vor ihren Augen trocken, ließ das übergroße Badehandtuch fallen und drehte sich von ihr weg zum Waschbecken, um die Zähne zu putzen. Nackt. Wennschon, denn schon. Sein Hintern war in Ordnung, sein Rücken sowieso.
»Ja, Schatz. Ich bin zurück.«
Er sah sie im Spiegel, seine schöne Frau mit der Ausstrahlung eines Eiswürfels. Kühl, schön, glatt. Er schaffte es schon länger nicht mehr, sie zum Schmelzen zu bringen. Sie lehnte gelassen, mit verschränkten Armen an der Tür und machte keine Anstalten wegzugehen. Irgendetwas war anders. Er kam nicht drauf.
»David, verheimlichst du mir etwas? Duschen, Zähne putzen und Nacktheit mitten am Tag. Welche Klientin hat dich verführt. Die Sechzigjährige oder die Siebzigjährige?«
»Mach dich nur lustig. Manch Sechzigjährige hat noch Feuer im Hintern! Und vergiss nicht, in zwei Jahren bin ich auch sechzig und du in fünf Jahren! Wer im Glashaus sitzt ... du weißt ja. Keine Steine schmeißen.« Er grinste.
»Schon gut, schon gut. Es riecht übrigens lecker im ganzen Haus. Oder warte ... du, du bist das. Du riechst lecker. So männlich-herb. Frisch. Hast du ein neues Duschgel?« Sie folgte ihrem Mann ins Schlafzimmer. Ihre Präsenz irritierte ihn, dennoch erfreute ihn Kathys Lob.
»Schatz, ich dufte immer so. Du bist nur viel zu oft weg, um es riechen zu können. Dich zieht es offensichtlich mehr zu deiner Schwester aufs Land oder sonst wohin. Aber hier ist unser Leben. Hier bin ich.« Nackt, wie er war, wendete er sich mit geöffneten Armen zu ihr um. Erinnerte sich, dass er diese Geste noch nie gemocht hatte, und nahm die Arme wieder runter.
Kathy verdrehte die Augen und verschwand schnurstracks in ihrem Zimmer. Er hätte es besser wissen müssen. Der Vorwurf, Gesprächskiller Nummer eins, er hatte ihn aus Versehen punktgenau eingesetzt. David ärgerte sich.

Im Kindle-Shop: Hör mir auf mit Glück.
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16. Juli 2018

'Teuflisch gut: Herz aus Blut' von Stephanie Wittern

Kindle Edition | Taschenbuch
Wenn sich alles, was du glaubst zu wissen, in Luft auflöst und du erfährst, dass du die Böse in der Geschichte bist – was würdest du tun um deinem Schicksal zu entgehen?

Luzi van Halen steht vor dieser Entscheidung, denn der Dämon Loki stellt ihr Leben auf den Kopf. Plötzlich muss sie gegen dunkle Mächte kämpfen, die ihr nicht nur nach dem Leben trachten. Zusätzlich spielt ihr Herz verrückt, als sie zwischen zwei Jungs steht. Da ist ihre verhasste Familie noch das kleinste Übel.

Wird sie das Herz aus Blut finden um sich und ihre Lieben zu retten?

Leseprobe:
Es war eine stürmische Nacht im Spätsommer des Jahres 2000. Den ganzen Abend hatte es schon gewittert und es war so dunkel, dass sich Sabine und Peter van Halen eng zusammen kuschelten. Sie waren erst seit einigen Monaten wieder ein Paar und ihre beiden Mädchen schliefen im ersten Stock des Einfamilienhauses, dass sie sich vor kurzen in einem vornehmen Stadtteil der Stadt gekauft hatten. Sabine war Ärztin und arbeitete als Chirurgin, während Peter als Anwalt seine eigene Kanzlei hatte. Im Fernsehen lief ein Bericht über eine Demonstration.
»Wenn die nicht aufpassen, dann werden diese Demonstrationen noch in Gewalt enden«, sagte Peter.
Sabine stand auf und ging zum Fenster. »Vielleicht haben die damit Erfolg und es wird endlich etwas geändert«, sagte sie und blickte in den Regen hinaus.
»Ja, vielleicht nicht bis dreiundsechzig arbeiten, sondern bis siebzig.« Er lachte immer noch, als plötzlich der Strom ausfiel. »Verdammt, was ist denn das jetzt?«, fragte er und stand auf.
»In der ganzen Nachbarschaft ist der Strom ausgefallen«, sagte Sabine. Sie fuhr sich mit der Hand durch ihre sanften braunen Locken. Sie hasste die Dunkelheit und wenn man hinaus sah, dann war es fast so dunkel wie im tiefsten Winter, dabei war es erst neun.
Peter trat neben sie und nahm sie in den Arm. Auch er wusste, dass sie die Dunkelheit hasste.
»Hol bitte ein paar Kerzen und ich werde in den Keller gehen um den Stromkasten zu überprüfen, vielleicht kann ich was machen.«
Sabine sah ihn ungläubig an. »Ein Blitz wird sicherlich irgendwo eingeschlagen sein, da kannst du nichts machen. Bitte lass mich jetzt nicht allein.« Sie wusste auch nicht, warum sie auf einmal ein komisches Gefühl hatte, aber irgendetwas würde passieren, das wusste sie genau.
»Nun stell dich nicht so an, sonst bekomme ich auch noch Angst«, sagte Peter scherzhaft. »Ich bin gleich wieder da.« Er gab ihr einen Kuss auf den Scheitel und nahm die Taschenlampe aus dem Apothekerschrank im Flur. Sein Haus war groß, mit großem Eingangsbereich, und Fußbodenheizung. Im oberen Bereich waren drei Schlafzimmer, von denen zwei den Kindern gehörten und das Elternschlafzimmer, mit separatem Bad und Balkon. Im Erdgeschoss gab es zwei Arbeitszimmer, ein großes Wohnzimmer, indem Sabine immer noch am Fenster stand und eine großzügige Küche mit Essbereich. Natürlich hatte er dafür gesorgt, dass es auch einen Kamin gab, denn er liebte es im Winter vor dem Feuer sitzen zu können. »Hol bitte die Kerzen Liebling«, rief er noch seiner Frau zu, bevor er die Tür zum Keller unter der Treppe öffnete. Er schaltete, die Taschenlampe eine Maglite an, denn man konnte die Hand vor Augen nicht sehen. Langsam tastete er sich vorwärts. Er kannte das Haus noch nicht gut genug um den Sicherungskasten gleich zu finden. Irgendwie wirkte der Keller heute besonders gruselig, natürlich war er noch nicht aufgeräumt und so standen überall Kisten herum mit irgendwelchem Krims-Krams, aber das war nicht der Grund, warum sich die Haare auf seinen Armen aufstellten. Bloß schnell den Kasten finden, ihn überprüfen und dann so schnell wie möglich wieder nach oben in die Arme seiner Frau.
»Verdammt, jetzt stell dich nicht so an«, rügte er sich selbst. Er holte tief durch die Nase Luft. Was war das nur für ein seltsamer Geruch?, fragte er sich. Irgendwie schwefelig. Da traf sein Licht den Kasten. Na endlich, leider waren alle Sicherungen in Ordnung und er kannte sich wirklich nicht gut genug mit Elektrik aus um irgendetwas unternehmen zu können. Also mussten es wieder die Stromkonzerne richten.
Das Licht seiner Taschenlampe fing an zu flackern. »Oh nein, bitte nicht ausgehen? Warum habe ich bloß die Batterien nicht überprüft?«, fragte er sich. Er schlug zwei Mal gegen die Lampe und schon war sie komplett dunkel, sie flackerte nicht mal mehr. Er erkannte, dass er den Weg ohne Hilfe zurückfinden musste, aber es war so finster, dass er schon beim ersten Schritt gegen eine Kiste stieß. Ein Blitz flackerte und er konnte wenigstens zwei Schritte gehen, ohne irgendetwas umzustoßen und womöglich die Kinder zu wecken. Der schwefelige Geruch wurde stärker und es lief ihm eiskalt den Rücken herunter, wann kommt endlich der nächste Blitz?, fragte er sich, als er sich wegen des Donners erschreckte. Ein hysterisches Kichern entfuhr ihm. Er war doch der Mann und nun machte er sich fast in die Hose nur, weil er im Dunkeln im Keller war. Seine Frau war doch diejenige, die Angst vor der Dunkelheit hatte. Wahrscheinlich hatte sie ihn mit ihrer Hysterie einfach nur angesteckt, dass er nun wirklich hier im Keller stand und das Gefühl hatte, er wäre nicht allein. Gerade als der nächste Blitz den Raum erhellte, sah er diesen schwarzen Rauch auf sich zukommen, sein Schrei wurde im Keim erstickt, als das Wesen in seinen Mund eindrang und etwas anderes die Kontrolle übernahm. Es war, als würde er einschlafen, so fühlten sich die Bewegungen an, wie Zuckungen nachts im Bett. Sein Verstand war da, irgendwie. Später würde er sich an diese Nacht nicht mehr erinnern, aber er würde wissen, dass etwas mit ihm passiert war, aber mit niemanden drüber sprechen.

Balthasar reckte und streckte sich. Der Körper war angenehm zu tragen und mal wieder eine richtige Abwechslung zu dem ständig gleichen Höllentreiben.
»Lilith bist du da mein Schatz.«, fragte er.
Wie aus dem Nichts tauchte der schwarze Rauch neben ihm auf und schlängelte sich um sein Gesicht. Er lächelte. Gekonnt und ohne ein Geräusch zu machen, ging er den Weg, den der Trottel, dessen Körper er sich geliehen hatte, nur mit Hilfe einer Taschenlampe bewältigen konnte, zurück zur Kellertür. Der Strom war immer noch nicht wieder eingeschaltet und er wusste, dass es so bleiben würde, bis er und Lilith das getan hatten, weswegen sie hier waren. Der Rauch folgte ihm, während er dem menschlichen Geruch ins Wohnzimmer nach ging. Die Frau, in die Lilith sich einnisten würde, hatte gerade ein paar Kerzen aufgestellt.
»Da bist du ja endlich. Irgendwie riecht es hier so nach Schwefel und ich dachte schon, das kommt vom Keller«, sagte sie.
Balthasar sah ihre Angst. »Ja, da hast du recht Süße, das war ich und natürlich meine Frau Lilith.« Er machte eine einladende Handbewegung und trat zur Seite. Er fand, dass der Blick der Frau unbedingt dokumentiert werden musste, denn sie sah ihn an, als wäre er ein Geist, was natürlich nicht stimmte. Erst als Lilith als Rauchsäule den Raum betrat, wurde der ungläubige Blick ersetzt durch einen panischen und zu Tode geängstigten Ausdruck. Wie jeder Mensch, der den schwarzen Rauch sah, riss auch die Frau den Mund auf, um zu schreien. Das machte es Lilith leicht in ihren Körper einzudringen und so verschlang auch sie den Schrei, bevor, die beiden Menschen, die Balthasar noch in dem Haus roch überhaupt mitbekamen, was hier vor sich ging. Liliths reckte und streckte sich genauso wie er zuvor, auch sie war lange nicht mehr in einem menschlichen Körper gewesen.
»Oh Darling, das fühlt sich richtig gut an. Zu schade, dass wir die Körper nicht behalten dürfen«, sagte sie und strich sich über den Arm.
»Du weißt, was der Boss gesagt hat, nur so lange das Ritual dauert und er kennt keinen Spaß, was das angeht.« Auch Balthasar fand den Körper gut, ist er doch seit Jahrhunderten nur eine Rauchsäule gewesen. Es tat gut mal wieder zu Atmen und zu sprechen, sich in einem Körper zu bewegen, aber er würde die Befehle seines Chefs befolgen, denn der konnte sehr unangenehm werden, wenn man dies nicht tat.
»Baby, dann lass uns das tun, wofür wir hier sind.« Lilith kam langsam und katzenhaft auf ihn zu. Ihre Hände fühlten sich gut an, als sie ihn an sich zogen. Zu lange hatte er das nicht mehr gespürt. Er hatte sie schon immer begehrt, nicht die Hüllen, die sie hatte, sondern einfach das, was sie ausmachte. Okay, der Körper war auch nicht schlecht, aber es war Lilith, die er berühren durfte. Ob sein Boss von seinen Gefühlen wusste?
»Du bekommst ja eine Sorgenfalte auf der Stirn, mein Lieber«, sagte sie sanft und strich mit dem Zeigefinger die Falte glatt.
»Es ist nur so lange her, dass ich das getan habe«, log Balthasar.
»Dann werde ich dir zeigen, was du versäumt hast.«
Und sie zog ihn an sich um ihn zu küssen ...

Im Kindle-Shop: Teuflisch gut: Herz aus Blut.
Mehr über und von Stephanie Wittern auf ihrer Website.



13. Juli 2018

'Die Mütter-WG' von Marit Bernson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sabrina wird ohne Vorwarnung von ihrem Mann Erik sitzen gelassen. Um das Haus für sich und ihre zwei Kinder zu halten, beschließt sie, eine WG zu gründen, die nur aus alleinerziehenden Müttern besteht, Arbeitsteilung inklusive. Die junge Katja betreut die Kinder, Lisa kümmert sich um den Haushalt, Sabrina und die Schreinerin Inge verdienen das Geld. Oberste Regel: Männer dürfen nicht über Nacht bleiben!

Doch Sabrina lernt den Architekten Stefan kennen, und bald schon geraten die Grundsätze der Mütter-WG ins Wanken.

Leseprobe:
„Fragen?“, sagte ich schließlich.
Inge schüttelte den Kopf. „Wo soll ich unterschreiben?“
Ich hielt ihr mein Exemplar hin. „Hast du keine Fragen?“
„Ich denke, das Wichtigste geht daraus hervor“, erwiderte sie. „Das ist das, was wir wollten. Und wenn jemand querschießt, wird ihn so ein Vertrag sowieso nicht davon abhalten. Ich glaube, wir sind uns einig.“
Lisa und Katja nickten, während Inge unterschrieb. Dann nahm Lisa Stift und Vertrag und unterzeichnete, danach Katja, und schließlich war ich dran.
„Bin gespannt, ob wir das alles so hinkriegen“, sagte ich lächelnd in die Runde. „Jetzt trinken wir erst mal darauf.“ Aus der Küche holte ich eine vorgekühlte Sektflasche und vier Gläser.
Lisa öffnete die Flasche – ich wäre ohnehin viel zu nervös gewesen – goss ein, und wir stießen an.
„Auf die Mütter-WG!“, sagte ich.
„Auf die Mütter-WG!“, erwiderten die anderen.

Im Kindle-Shop: Die Mütter-WG: Liebesroman.
Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



12. Juli 2018

'Embargo: Krieg im Schatten' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
1997 - Charles Dixon ist Chef einer geheimen Einheit innerhalb der CIA, von deren Existenz nicht mal der CIA-Direktor weiß. Nach dem Muster eines Anschlages der CIA 1982 auf die sowjetischen Gasfelder in Sibirien, entwickelt Dixon einen Plan, die libyschen Ölquellen mit manipulierter Elektronik zu vernichten. Wenn die Wirtschaft zusammengebrochen ist, werden die Libyer Gaddafi stürzen. So die Überlegung.

Kurt Hoffmann vom BND soll den in Untersuchungshaft in Köln einsitzenden Harald Jasper mit besten Verbindungen zur libyschen Obrigkeit anwerben und nach Tripolis schicken. Dafür verspricht man Jasper die Freiheit. Für Jasper ein verlockendes Angebot, denn ihm drohen 15 Jahre Gefängnis wegen Bruchs des gegen Libyen verhängten UN-Embargos.

Leseprobe:
Langley 2002, Hauptquartier der CIA
Charles Dixon betrachtete fasziniert die Satellitenaufnahmen. Wenn es stimmte, was er hinter den Aufnahmen vermutete, dann hatte er die Lösung für sein Problem gefunden. Die Aufnahmen zeigten eine gewaltige Explosion und er verstand, weshalb nicht eingeweihte Kreise innerhalb der CIA und in Washington anfangs vermuteten, die Sowjets hätten in Sibirien eine neuartige Waffe getestet. Im Sommer 1982 blähte sich der Kalte Krieg wie zu einer bevorstehenden Apokalypse auf. Eine neuartige Waffe, das war glaubwürdig. Nur die ambossförmige Form fehlte, und es wäre die perfekte Explosion einer 3kt TNT Atombombe gewesen, fotografiert von einem Satelliten aus dem Weltraum. Auf den Bildern sah man die parallel angeordneten Pipelines direkt vor der Explosion, auf weiteren Bildern, wie sie von der Wucht einer Explosion zerrissen und empor geschleudert wurden. Es folgten Aufnahmen der Trümmerfelder Stunden später. Wie umgeknickte halb abgebrannte Streichhölzer ragten die deformierten Gasleitungen in die Luft. Die Zerstörungen erstreckten sich über mehrere Quadratkilometer. Die Satellitenaufnahmen der folgenden Monate zeigten, dass die Fördereinrichtungen über lange Zeit nicht in Betrieb genommen werden konnten. Nicht einmal Reparaturtrupps waren auszumachen. Es schien, als hätten die Sowjets die Gasfelder in Sibirien aufgegeben. Charlie Dixon blätterte in den Unterlagen und fand die Kostenaufstellung der damaligen Operation. Die Beträge waren lächerlich gering, und er vermutete hinter den Zahlen anfangs die Spesenabrechnungen der Agenten.
Die westlichen Medien berichteten vom Einschlag eines Objektes aus dem Weltraum. Von Aliens aus einer fernen Galaxie war die Rede und ein Vorfall vom Beginn des Jahrhunderts wurde zitiert. Man musste den Journalisten zugutehalten, dass sie es nicht besser wissen konnten. Der Vergleich drängte sich auf, die Augenzeugenberichte von 1908 ähnelten auf frappierende Weise der Explosion 1982. Damals hatte die Explosion allerdings erwiesenermaßen eine natürliche Ursache – einen Asteroiden-Einschlag in der Gegend von Tunguska. Man sprach auch vom Tunguska-Asteroiden. Die Experten konnten sich lediglich nicht einigen, ob ein oder mehrere Himmelskörper in Sibirien eingeschlagen waren. Es könnte ein Komet gewesen sein, hieß es, von einem Feuerschweif berichtete man. Hinzu kam, dass Wissenschaftler bei Tiefbohrungen keine Fragmente des Himmelskörpers gefunden hatte. Es konnte sich nur um eine Explosion wenige Meter über dem Erdboden gehandelt haben und die enorme Hitze hatte das Material zerstrahlt – was auf einen Kometen hindeutete. Stoff für Verschwörungstheoretiker. Augenzeugen berichteten von bis zu vierzehn Explosionen. Fest stand nur Zeitpunkt und Ort. Der unheimliche Himmelskörper aus dem Weltraum schlug am 30. Juni 1908 gegen 7:15 Uhr im sibirischen Gouvernement Jenisseisk ein, der heutigen Region Krasnojarsk in der Nähe des Flusses Podkamennaja Tunguska. Das war das Siedlungsgebiet der Ewenken, eine Volksgruppe aus dem nördlichen Sibirien. Bei dem Einschlag und der folgenden Druckwelle wurden Bäume im Umkreis von etwa 30 Kilometer entwurzelt oder umgeknickt, Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara zerbarsten. Fachleute schätzten, dass auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern 60 Millionen Bäume umgeknickt wurden. Den hellen Feuerschein hatte man in über 500 Kilometern Entfernung wahrgenommen, Reisende der Transsibirischen Eisenbahn hatten die Druckwelle gespürt.
Charlie Dixon nahm ein Blatt Papier und schrieb ein paar Zahlen auf, eine grobe Kostenaufstellung. Manpower, Material, Verbindungsleute zu Partnerdiensten, NN – Nützliche Nebenabgaben, besser gesagt Schmiergelder.
Er addierte die Beträge. Unmöglich. Dafür würde er niemals eine Genehmigung bekommen. Nicht, weil der Betrag zu hoch war, im Gegenteil. Das kaufte ihm die obere Etage niemals als ernst zunehmende CIA-Geheimoperation ab, das waren die Kosten für den Wochenendausflug einer Pfadfindergruppe. Zumindest, wenn man die Kosten der üblichen CIA-Operationen zum Vergleich heranzog. Er malte sorgfältig hinter jede Position eine Null, addierte erneut, wusste es vorher. Faktor zehn – immer noch viel zu wenig. Er malte hinter jede Position eine weitere Null.
Sollte es wirklich so einfach sein? Unruhe erfasste ihn. Mit so einer Operation legten sie die Öl und Gasförderung eines ganzen Landes innerhalb von Minuten lahm, und das so gründlich, dass über Monate, vielleicht Jahre, nicht mehr gefördert werden konnte.
Mit leisem Schmunzeln dachte er an den Mann, der 1982 im Weißen Haus die Operation im fernen Sibirien abgesegnet hatte. Als er ins Amt kam, sprach man herablassend von einem zweitklassigen Schauspieler und einem liebenswerten Hohlkopf, der sich auf den Präsidentenstuhl verirrt hätte. Als er aus dem Amt schied, waren sich alle einig, selbst seine schärfsten Kritiker, dass der Mann zehnmal schneller dachte, als seine engsten Berater. Auf ihn ist die Methode zurückzuführen, der man den Code-Namen gab – Reagan-Methode.
Drei A4-Seiten. Er las es wieder und wieder, aber es war so, damit war alles gesagt. Wenn er dafür das OK von oben bekam, dann war das der krönende Abschluss seiner Laufbahn. Eher Rutschpartie, nicht Laufbahn. Das würde ihn auf die Ahnentafel der CIA befördern.

Im Kindle-Shop: Embargo: Krieg im Schatten.
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



'60 - ERZÄHLUNG EINES MISTKERLS' von Paul Pan

Kindle Edition | Taschenbuch
Zieh die Schuhe aus und mach einen verrückten Spaziergang durch männliche Eitelkeit und Gemeinheit sowie weibliche Verletztheit und Raffinesse.

Der Mistkerl namens Ben erzählt wie es damals war mit Magda und den anderen; wie er Nietzsche, de Sade, Sokrates, Tolstoi u.a. mit deren eigenen Beziehungsdramen traf. Schicksalhaft trifft ihn, den eitlen Macho und König der Gockel, ausgerechnet an seinem Geburtstag die Höchststrafe. Ganz nebenbei lüftet er auch das letzte Geheimnis der deutschen Wiedervereinigung.

Ein etwas anderes Leseerlebnis, das zum Stirnrunzeln und vielleicht zum Nachdenken einlädt. Für alle, die wie Ben im Kampf von Mann und Frau gegen die Wand gelaufen sind und für die das eine gilt: Ändere dein Leben. Sonst steht die Wand wieder da.

Leseprobe:
Die ganze Chose begann mit dem Duft, der sich jeden Mittwoch durch die Straße zog. Ich liebte ihn. Und ich stand am Schaufenster des kleinen Geschäftes, in dem Kaffee geröstet wurde. Immer mittwochs, Woche um Woche, Jahr um Jahr streunte ich hier herum und sog tief ein. Arabica! Pur! Hochland! Ganz ohne Robusta. Flachland! Ich stand also in der Nähe des Eingangs und blickte auf die Straße. Und dann kam sie daher, ganz plötzlich, aus dem Nichts - eine auf die Erde gefallene Sternschnuppe. Dunkelblond und mit Gesichtszügen, wie ich sie nur von Skulpturen aus dem alten Rom kannte. In der Hand hielt sie ein zerfleddertes Buch. Ich bückte mich und erkannte einen Gedichtband von Rilke. Warum Rilke? Was hat sie mit dem Romantiker gemein? Immer verschlossen sich seine Gedichte vor mir. Die Seiten schienen mir mit Zuckerwasser und bitterem Honig bedruckt zu sein. Rilke war mir suspekt – ein Frauenversteher.
Sie stand vor mir. Seide floss über ihre Rundungen wie Öl, und der Spätsommer ließ mit einem Windhauch zwei Knospen blühen. Sie sah durch mich hindurch in das Fenster. Mir gefiel das Kleid. Ich glaube, man sagte „süßer Fummel“ dazu, wenn ich mich recht erinnerte. Nun ihr Kleid hatte den hübschen Ausblick, pardon, ich meinte einen hübschen Ausschnitt, der viel zeigte und alles verbarg, kurzum die Fantasie verwirrte. Sie trug keinen BH, so wie damals die Mädels in der Hippiezeit. Daher die ausgeprägten Knospen im kühlen Spätsommerwind. Ein D-Cup auf ihrer Haut hätte sich ebenso erfreut wie meine wärmenden Hände. Auch ihre Beine bewunderte ich; vielleicht eine Kreation von Michelangelo oder einem anderen begnadeten Bildhauer mit Namen Gott oder Rodin. Wie ist eigentlich der Vorname von Rodin? Richtig: Auguste. Und von Gott? Wie spreche ich ihn an, wenn ich mit ihm das fünfte Bier inklusive einigen Klaren trinke? Möglicherweise heißt er Carl oder Carlos. Vielleicht verschweigt er auch seinen Vornamen. Wohl aus gutem Grund. Weil er Chaos von den Engeln gerufen wird.
Pardon, ich schweife ab. Zurück zu ihr: Zierliche Fesseln reckten sich aus ..., na wie hießen die verdammten Dinger noch? Hochhöcker oder Hochstöcker? Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein: Highheels. Die machten die Waden noch strammer. Sie war ein Kunstwerk, ein Gesamtkunstwerk, dem erotischen Traum des Schöpfers entsprungen. So schön, dass ich liebend gerne ein Holzstäbchen genommen hätte, um Gebiss und Zähne zu untersuchen. Gleich dem Schuldoktor damals in der ersten Klasse. Ich hätte das Stäbchen auf die Zunge gedrückt und ihr ein „aaaahh“ entlockt, das mit feinen Vibrationen aus der Kehle dringen würde. „Aaaahh.“ Ein J hätte ich ihr dazu geschenkt und es als Einladung verstanden.
Lang waren ihre Beine. Lang, lang ist es her, dass dieser Anblick meinen Augen geschenkt wurde. Würden meine Fingerspitzen von den Füßen empor gleiten, so bräuchten sie sicher einen ganzen Tagtraum, um von Pore zu Pore bis zum Po zu gelangen. Meine Augen würden wandern durch Tal und Höhe - einen ganzen Vormittag von der Ferse bis zur Kniekehle. So bräuchte ich Stunde um Stunde, um zu den „Kugeln des Paradieses“ zu gelangen. Der Himmelsvater höchstselbst holte sie von der Bowlingbahn und verzauberte sie zu himmlischen Rundungen. Himmlisch? Passte dies Adjektiv für einen Po?
Ich murmelte: „Himmlisch!“
Sie hob die Augenbrauen.
Meine Hände steckten in den Jackentaschen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Sie sollten ruhig bleiben. Es zuckte mir in den Fingern. Ich sah in ihre Augen, leuchtend und gütig waren sie. Sie besaßen das geheimnisvolle Funkeln der Jugend und einer noch geheimeren durchliebtenliebten Nacht. Noch immer waren ihre Wangen gerötet. Ganz leicht nur, hingehaucht von einem zarten Kuss, so sanft, wie es nicht einmal das raffinierteste Make-up erschaffen könnte. Dieses Wunderwerk blieb nur einer liebenden Frau vorbehalten. Verdammt, wie jung mochte sie sein? Fünfundzwanzig, einunddreißig?
Wie schade, sie liebte mich nie. Sie sah mich ja nicht einmal. Sie sah einfach durch mich hindurch. Doch in ihren Augen glänzte die Liebe. Ich trat auf sie zu. Und ich ahnte eine Allwissenheit. Weit, weit hinter der Liebe versteckt schimmerte sie. Doch wohin ging ihr Blick? Sie sah nicht einmal in das Schaufenster. Sie sah auch nicht durch das Fenster in den Laden. Sie träumte sich viel weiter. Durch jede Wand hindurch. Wohin? Zu ihm?
Ihn hingegen sah ich nicht. Neben ihr stand er, die Hand um ihre Hüfte gelegt, mit leichtem Druck den Körper an sich ziehend, besitzergreifend.
„Mein“, war ihm auf die Stirn tätowiert. Auf ihrer Stirn stand jedoch nicht das Wort „sein“. Es stand etwas anderes dort. Ich konnte es nicht lesen.
„Achtzehn Riesen hab ich gestern gemacht“, raunte er ihr ins Ohr. Sein Rücken streckte sich. Oh, Du stolzer Hahn, dachte ich. Auch ich war Gockel, krähte und scharrte mit den Krallen, bis die Hühner gurrten und bereitlagen. Ich war der König im Hühnerstall, der Herr der ungelegten Eier, der Wichtigste von wichtig. „Herr Wichtig“ wurde ich getauft, kikeriki.
„Achtzehn, wie schön für Dich“, sagte sie gelangweilt.
Er grinste, dies Grinsen, dies gewisse. Mein ganzes Leben staunte ich darüber, hasste es vielleicht, bewunderte es manches Mal. Dieses besitzende Grienen. Immer war es eingetunkt in einer Tasse Öl aus dem Reich Hohn und gewürzt mit einer Prise Chayenne-Pfeffer aus fernem Lande Übermut. Dazu: „mein“, herausgeschrien ohne Stimme. Ich ahnte nicht, dass meine Freunde und Geschäftspartner eben dieses, mein freundliches und gewinnendes Lächeln, mir zusprachen: „Arroganter Scheißkerl, wenn der schon seine Mundwinkel verzieht und einen dabei überheblich mustert“, hieß es hinter meinem Rücken. War der Kerl also ein Spiegel meiner Vergangenheit? Oder: Sollte ich ihn für die Angeberei bestrafen, an den Marterpfahl der Eitelkeiten fesseln, am besten gleich erschießen? Er hatte es sich redlich verdient. Vielleicht erlöse ich ihn von meiner Qual und seiner Freude am Besitz. Ich griff mit der rechten Hand in die Jackentasche, fühlte das kalte Metall; ich könnte ihn erledigen, sie befreien. Befreien?
Die kalten Münzen wanderten durch Daumen und Zeigefinger. Und dann hielt ich ihn in den Fingern: Eins-sechs! Noch heute höre ich den Zahnarzt zu seiner Assistentin sagen: “Eins-sechs ... Extraktion ... gleich ... bereiten sie alles vor.” Noch heute fühle ich die Gänsehaut. Das war gestern.
Der Mann war vergessen, nun sah ich durch ihn.

Im Kindle-Shop: 60 - ERZÄHLUNG EINES MISTKERLS.<



11. Juli 2018

'Erzieherin im Anerkennungsjahr: Eine Erzieherin redet Klartext' von Sofie Leonard

Kindle Edition | Taschenbuch
Das Buch unterstützt angehende Erzieherinnen und Erzieher bei ihrer täglichen Arbeit und gibt ihnen eine Orientierung aus der persönlichen Erfahrung einer Praktikantin.

Der Aufbau des Buches besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil finden die Leser den Erfahrungsbericht der Autorin nach Ereignissen im Laufe des Jahres. Es wird deutlich, wie die Rolle des Erziehers eingenommen wird und welche Hürden zu überwinden sind. Den selbstkritischen Blick der Autorin spüren die Leser sowohl bei der Schilderung des Alltags, als auch über das System der Auszubildenden.

Im zweiten Teil des Buches finden die Leser nützliche Tipps, wie man dieses Praktikumsjahr leicht überstehen kann. Diese Tipps entstanden aus der Lebenserfahrung der Autorin, welche die Leser selbst ausprobieren und erweitern können.

„Ich wollte so ein Buch lesen, bevor ich mein Anerkennungsjahr gemacht habe.“ Stefanie /Erzieherin
„Es ist ein nützlicher Ratgeber, den mehr Auszubildende lesen können.“ Ute Müller /Dozentin

Weitere Titel sind erschienen: "Externe Prüfung für Erzieherinnen - Kind mit Taube von Pablo Picasso: Betrachtung des Bildes 'Kind mit Taube' von Pablo Picasso“, "Paulo Freire und sein pädagogischer Handlungsansatz“, "Paulo Freire“

Leseprobe:
Alles, was ich hier geschrieben habe, beruht auf Tatsachen und ist in literarische Form gebracht. Die Erinnerung, dass ich Bücher gesucht habe, die mir helfen könnten, mein Anerkennungsjahr leichter zu gestalten, ist noch wach.
Solche Bücher habe ich nicht gefunden. Vielleicht gibt es welche. Vielleicht denkt jeder, es ist nur ein Jahr, es geht schnell vorbei, warum sollte ich so etwas schreiben. Das ist auch richtig, wenn man das Anerkennungsjahrs nur von dieser Seite betrachtet - die Zeit vergeht sehr schnell.
Als ich die andere Seite gesehen habe, wurde mir klar, ein solches Buch würde nicht nur mir helfen meine Erfahrung zu verarbeiten, sondern es würde auch den Lesern, die ein solches Jahr vor sich haben, eine Orientierungshilfe bieten.
Weil wir ohne Orientierung und Kompass im großen Meer des Lebens statt nach Spanien auf dem Schiff nach Brasilien segeln werden.
Einen neutralen Blick zu bewahren, realistisch zu bleiben und Menschen und Situationen sachlich zu betrachten, war mein Ziel, als ich das Buch geschrieben habe.
Ab und zu finden Leser kritische Bemerkungen zu mir und meinen Handlungen, was ihnen helfen könnte, ihren eigenen Kompass richtig einzustellen.
Unsere Arbeitswelt ist kein Zuckerschlecken. Dazu gehört die Aus- und Weiterbildung.
Praktikumsjahr - was ist das?
Für die angehenden Erzieher/innen wird es noch Anerkennungsjahr genannt.
In verschiedenen Aus- und Weiterbildungsformen in den Sozialberufen läuft das Praktikum parallel zu der Theorie in der Fachschule. Manche PIAs oder normale Schüler arbeiten zwei Tage pro Woche und jede Ferien in der Einrichtung. Manche machen wochenweise ihre Praktikumserfahrung in der Einrichtung.
Manche, wie ich, haben ein ganzes Jahr, um sich in der Praxis zu behaupten. Es ist unterschiedlich in Deutschland, je nach Bundesland.
In einem Bundesland gibt es z.B. fünf Fachschulen für Sozialpädagogik, die berechtigt sind, diese staatliche Weiterbildung durchzuführen.
Das Fach nennt sich BFQ (Berufliche Fachqualifikation) und ist berufsbegleitend. Es ist als Weiterbildungsform für Kinderpfleger, Mütter im Mutterschutz oder Berufseinsteiger konzipiert.
Die Schüler besuchen während zwei Jahren zweimal in der Woche die Fachschule. Nach erfolgreicher praktischer Prüfung und Prüfungen in Theorie werden die Schüler zum Anerkennungsjahr zugelassen.
Sie haben ein Zeugnis in der Tasche, mit dem sie schon in den Einrichtungen arbeiten können und haben die Bezeichnung „staatlich geprüfte/r Erzieher/in“.
Diejenigen, die ihre staatliche Anerkennung anstreben, müssen ein Anerkennungsjahr in irgendeiner Einrichtung nachweisen.
Die Fachschulen sind berechtigt zu entscheiden, wer, wo und wie lange sein Anerkennungsjahr absolvieren kann.
Nach Erwerb der Bezeichnung „staatlich geprüfte Erzieherin“ musste ich selbst eine Stelle finden, wo ich mein Anerkennungsjahr absolvieren durfte.
Die Suche und die Bewerbungen haben bei mir gute sechs Monate gedauert, bis ich eine Stelle hatte. Für Menschen wie ich, die über 50 sind, läuft die Zeit langsamer und die Planung muss einige Monate voraus berücksichtigt werden.
Im Juni 2016 hatte ich immer noch keine Stelle. Viele Einrichtungen waren interessiert, ich habe zwei Tagen hospitiert, aber eine Stelle hatte ich nicht.

Im Kindle-Shop: Erzieherin im Anerkennungsjahr: Eine Erzieherin redet Klartext.



10. Juli 2018

'Psychoterrorist' von Bella Muray

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sehnsucht nach Liebe.
Ist es nicht das, was uns alle bewegt?

Immerhin treibt diese Sehnsucht Lena dazu, eine Kontaktanzeige ins Internet zu setzen. Schon nach dem ersten Date mit Julio glaubt sie, den perfekten Mann fürs Leben gefunden zu haben. Doch hinter seiner glänzenden Fassade verbergen sich Abgründe, die sie in ihrer Verliebtheit nicht einmal erahnt.

Ohne dass sich Lena dessen bewusst ist, entwickelt sich die Beziehung immer mehr zur Seelenfolter. Wird sie je wieder heil aus dem Geflecht subtiler Manipulationen herauskommen?

»… was ich in diesem Roman erzähle, ist nicht meine Geschichte und doch gründet sie auf eigenen Erfahrungen. Es sind Gefühle, die ich selbst erlebt habe, Gefühle der Selbstzweifel, Beklemmung, Hilflosigkeit und Angst. Denn das Fatale an der subtilen Gewalt ist die Hinterhältigkeit, mit der sie sich schleichend langsam immer weiter entfaltet, bis sie einem gänzlich die Luft zum Atmen raubt. Lange habe ich dieses Projekt hinausgezögert, doch nun ist es an der Zeit, Licht auf die Schatten zu werfen.
Als Romantasy-Autorin möchte ich vorneweg schicken, dass das reale Leben manchmal fantastischere, groteskere und unwirklichere Geschichten hervorbringt als jede Fantasie. Dieser Roman taucht ein in Abgründe der menschlichen Psyche, die Sie kaum für möglich halten und doch steckt mehr Realität darin, als Sie glauben werden.
Ihre Bella Muray«


Leseprobe:
Ein unheimliches Geschenk
Innere Leere lässt sich nur scheinbar durch einen Partner füllen.

Weiße Engel des Todes, dachte Lena beim Blick aus dem Fenster.
Sie stand in ihrem Zimmer im zweiten Stock des Studentenwohnheims. Draußen hatten die Bäume bereits ihre Blüten entfaltet, doch vom Himmel schwebten dicke Schneeflocken und legten sich auf die noch jungen Triebe, hüllten das hervorsprießende Leben in einen zarten Mantel aus Eiskristallen.
Sobald das Plasma gefriert, platzen die Zellwände und das Gewebe stirbt ab – für Lena als Biologiestudentin eine naheliegende Betrachtungsweise, die jedoch keineswegs so nüchtern war, wie es den Anschein haben mochte. Es war, als ob die Szene vor dem Fenster ein verborgenes Gefühl spiegelte. Vom Anblick dieser fragilen Schönheit gefangen, beobachtete sie, wie sich allmählich ein weißer Flaum um die zarten Blätter und Blüten legte. Eiskalt. Dabei sehnte sie sich doch so sehr nach der Wärme einer Liebesbeziehung. Da war so eine undefinierbare Leere in ihr, obwohl rein äußerlich alles perfekt zu sein schien.
Ein leises Pling riss Lena aus der Starre. Ihre Aufmerksamkeit wanderte zu den leuchtenden Ziffern auf dem Bildschirm. Eine neue Nachricht blinkte im E-Mail-Postfach. Es waren viele Rückmeldungen auf ihre Kontaktanzeige hingekommen – von unbekannten Männern, deren wahres Wesen sich übers Netz lediglich erahnen ließ. Natürlich war ihr klar, dass sie vorsichtig sein musste – allzu oft hörte man Schauergeschichten über Frauen, die nach einem Date mit einem Verehrer nicht wiederkehrten, von Perverslingen, die Opfer für abstruse Sexpraktiken suchten oder über Männer, die lediglich auf ein schnelles Abenteuer aus waren. Sicherlich bot das Internet nicht die optimalen Voraussetzungen, um einen Partner fürs Leben zu finden, doch rein zufällig war ihr die große Liebe bisher leider nicht über den Weg gelaufen. Mit dem knappen Budget einer Studentin konnte sie das Geld für ein seröses Datingportal nicht aufbringen. Aber wie so viele junge Frauen träumte auch Lena von der großen, einzigartigen Liebe, um ihrem Leben einen Sinn zu geben, um die einsame Leere in ihrem Inneren auszufüllen. Dafür ging sie auch schon mal riskante Wege. Sicher gab es im Wohnheim einige Studenten, denen sie gefallen würde, denn Lena war eine attraktive junge Frau; doch hier hatte sich bislang niemand gefunden, der ihre Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit hätte stillen können, niemand, mit dem sie sowohl ihr Bett als auch ihr Leben teilen wollte.
Ein Date hatte Lena bereits wahrgenommen: Der Kandidat schien vielversprechend, fast schon ein Seelenverwandter zu sein – ihre Gespräche im Chat, sein Foto und seine Art – Lena hatte sich verliebt. Aber als sie den jungen Mann dann persönlich getroffen hatte, waren die Schmetterlinge ziemlich schnell wieder fortgeflogen. Es gehört eben mehr zu einem Menschen als seine Gedanken und seine Fähigkeit, schöne Worte zu formulieren. Weder seine Ausstrahlung noch die Art, wie er sich gab, ließen die Funken zwischen ihnen sprühen. Er sah anders aus als auf dem Bild, das er ihr geschickt, und erst recht auf dem, das sie sich in ihrem Kopf zusammengezimmert hatte. Das Foto zeigte zwar eindeutig ihn, allerdings hatte der Fotograf ihn sehr vorteilhaft in Szene gesetzt.
Aber wer konnte ihm das verübeln? Im Grunde versuchte jeder, sich von seiner besten Seite zu präsentieren, oder nicht?
Die neue E-Mail stammte von einem Unbekannten und trug den Titel »Eine besondere Überraschung für einen besonderen Menschen.«
Klingt fast wie ein Werbeslogan. Wer schreibt denn so was?, wunderte sich Lena.
Als sie die Nachricht öffnete, fand sie nichts als das Foto eines kunstvoll dekorierten Pakets. Ihre Neugier war geweckt, dass hatte dieser Mann zumindest schon einmal geschafft.
»Hallo Unbekannter, was finde ich, wenn ich das Paket öffne?«
Die Antwort ließ auf sich warten. Als am Abend noch immer keine Nachricht von Mister Unbekannt eingegangen war, glaubte Lena tatsächlich schon an einen Werbegag, was aber unwahrscheinlich war, denn diese E-Mail-Adresse nutzte sie ausschließlich für die Kontakte der Anzeige.
Aber vielleicht hat sich jemand einen blöden Scherz erlaubt, überlegte sie.
Plötzlich klopfte es an der Tür und als Lena öffnete, strahlte ihr Tom, einer der zwölf Mitbewohner vom Stockwerk D3, mit breitem Grinsen entgegen.
»Das hat ein Bote unten für dich abgegeben«, erklärte er, wobei seine Augen vor Neugier glühten.
In den Händen hielt er ein Paket, das exakt so aussah, wie das auf dem Foto des Unbekannten und darauf prangte obendrein ein Schild mit ihrem Namen: »Lena Sommer«.
Sie zuckte erschrocken zusammen. Sprachlos starrte sie das Päckchen an. Innerlich wirbelte ein ganzer Cocktail an Gefühlen.
Die Idee ist ja extrem originell, aber andererseits verdammt gruselig. Woher kennt dieser Typ meine Adresse?
Lenas Herz raste und kleine Schweißperlen sammelten sich auf ihrer Stirn.
»Was ist los, Lena? Ein bisschen mehr Freude hätte ich schon erwartet«, wunderte sich Tom über ihre Reaktion.
Ihren Mitbewohner hatte sie vor lauter Schreck beinahe vergessen.
»Äh, d-danke, Tom«, stammelte sie und griff hastig nach dem Geschenk.
Doch er zog das Paket rasch zurück und hielt es unerreichbar hoch über seinen Kopf. Das war zu viel.
»Lass das, Tom!«
In ihrer Stimme lag ein Hauch von Hysterie, sodass er das Paket wieder sinken ließ. Seine belustigte Miene wandelte sich in eine besorgte.
»Stimmt etwas nicht mit dem Paket? Was ist los?«
Sie wich seinem Blick aus, entriss ihm hastig das Geschenk und drückte eilig die Tür zu. Im letzten Moment griff Tom nach der Klinke und hielt dagegen.
»Lena, wenn du Hilfe brauchst, gib mir Bescheid, okay?«, rief er durch den Spalt.
»Ja, ja, danke!«, antwortete sie hastig, während sie die Tür ins Schloss schob.
Als sie endlich allein war, stellte sie das Geschenk auf ihren Schreibtisch und setzte sich auf den Bürostuhl, um es eingehend zu betrachten, als handele es sich um ein Tier von einem fremden Planeten.
Ob ich es wirklich öffnen soll? Was, wenn da ein Irrer eine Bombe drin versteckt hat oder Gift oder irgendetwas Perverses?
Das Handy klingelte und Lena zuckte vor Schreck zusammen. Genervt kontrollierte sie das Display: Mama. Ihre Mutter war mit der besonderen Begabung gesegnet, in den unpassendsten Momenten anzurufen. Vielleicht lag es daran, dass sie nach der Scheidung allein in einem großen Haus lebte – mehrere hundert Kilometer entfernt von Frankfurt – und in der Stille ihrer vier Wände einen siebten Sinn das falsche Timing entwickelt hatte. Doch Brigitte würde sich jetzt gedulden müssen; vor lauter Aufregung wäre Lena kaum in der Lage, ein vernünftiges Telefongespräch mit ihrer Mutter zu führen. Sie schaltete das Handy stumm und widmete sich wieder dem Paket.

Im Kindle-Shop: Psychoterrorist.



9. Juli 2018

'Tod auf Texel: Der 1. Fall für Jan de Vries' von Axel Berger

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Am Strand der niederländischen Ferieninsel Texel wird eine Leiche aufgefunden. Der Mann wurde brutal erschlagen. Doch von wem? Vom Täter fehlt zunächst jede Spur, Hoofdinspecteur Jan de Vries und der Wijkagent Theo van Duivenbode tappen im Dunkeln. Fest steht, hinter dieser Tat steckt mehr als zunächst vermutet. Eine alte Schuld muss beglichen werden, Vergeltung geübt werden?! Die Lage scheint hoffnungslos. Als sie gar nicht mehr weiterwissen, erhalten die Ermittler plötzlich Hilfe aus der Vergangenheit. Doch, nachdem sie de Hondenzoon schließlich doch schnappen, tuen sich schnell Zweifel auf, die Fragen nach wahrer Gerechtigkeit, Vergebung und Sühne stellen sich – und, ob sie nicht vielleicht doch den Falschen verhaftet haben.

Den Leser erwartet ein spannender Inselkrimi mit viel Nordseeflair und Lokalkolorit. Tod auf Texel ist der erste Teil einer neuen Reihe um den Insel-Polizisten und Spezialermittler Jan de Vries. Wer Nordsee- & Ostfrieslandkrimis liebt, wird auch diesen Krimi mögen.

TIPP aus dem Buchuniversum von Axel Berger und Marlies König: Wer mehr über die Wurzeln von Jan de Vries erfahren will, dem sei der Kurzkrimi Tod auf Ameland empfohlen. Mehr über Anke Frerichs, seine deutsche Kollegin erfährt, wer mit 'Der Fallensteller' in die Reihe um die drei norddeutschen Ermittler Werner Vollmers, Anke Frerichs und Enno Melchert einsteigt. Wer Annie de Vries, die Schwester des Ermittlers näher kennenlernen möchte, dem sei das Buch 'Annie, so schreibt das Leben!' von Marlies König empfohlen.

Leseprobe:
PROLOG

Ein gellender Schrei wurde vom Tosen des Meeres und dem noch immer heftig wehenden Wind, den Nachwehen eines Gewitters, verschluckt und in die Unendlichkeit verbannt. Stumme, davoneilende Schritte im Sand. Lautloses Flüchten.

Gerd Janssen starb einsam.

Die Sonne schickte sich an, über dem Horizont aufzusteigen, dem Meer zu entfliehen, den Strand von Texel in Licht und Wärme zu tauchen. Doch dort, wo Leben sein sollte, begrüßte nun der Tod den neuen Tag mit seiner hässlichen Fratze. Blut quoll zwischen seinen Lippen hervor und tropfte träge in den Sand, weigerte sich einzusickern, blieb trotzig an der Oberfläche, wie zum letzten Beweis seiner flüchtigen Existenz. Tödliche Spuren im Sand.

Rot verschleierte seinen Blick. Der Geruch von salziger Luft vermischte sich mit dem Geschmack von Eisen in seinem Mund. So würde es nun also zu Ende gehen. Seine Gedanken wanderten für einen kurzen Moment zurück in seine Kindheit, er sah seine Mutter vor sich, winkte seinem Vater zum Abschied zu. Stationen seines Lebens: Abitur, der erste Kuss, der erste Job, Hochzeit, die Geburt seines Sohnes, ein silbergrauer Opel Kadett, Rom, Schüsse, der Tod, das Erlöschen von Leben in sterbenden Augen, Blut … was würde von ihm bleiben? Hatte er sein Leben so gelebt, wie er es sich als junger Mann vorgestellt hatte? Er konnte es nicht sagen. Zu viel hatte er noch vorgehabt, zu viel zu sagen gehabt, Bedauern und Entschuldigungen würden unausgesprochen bleiben. Schulden ungetilgt bleiben. Seine Frau. Sein Sohn. Sie würden ihn nicht vermissen …

Er starb. Sein letzter Blick, bevor das Licht in seinen Augen für immer erlosch, erfasste eine Möwe, die versuchte, irgendwas, das aussah wie eine Brotbox für Kinder, aus einem der schwarzen Mülleimer zu zerren. Ihr wütendes Gezeter, das Rauschen der See, die letzten Geräusche, die er vernehmen, sein schwindender Verstand registrieren und mitnehmen sollte, in die alles verzehrende Ewigkeit.

Gerd Janssen war kalt, unendlich kalt, aber Schmerzen hatte er keine. Gott sei Dank. Er zwinkerte – langsam, fast wie in Zeitlupe. Eine bleierne Schwere legte sich auf seine Augenlider und drückte sie unerbittlich zusammen. Er kämpfte nicht mehr; hatte den Kampf verloren. Er hatte …

Dunkelheit!

Gerd Janssen starb einsam …

… am Strand von Texel - mit einem klaffenden Loch im Kopf.

Im Kindle-Shop: Tod auf Texel: Der 1. Fall für Jan de Vries (Nord und Totschlag 6).
Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



5. Juli 2018

'Glücksfaserrisse' von Gabriele Popma

Kindle Edtion | Tolino | Taschenbuch
Nach langen Umwegen haben Corinna und Sandie ihr Glück gefunden. Doch plötzlich wird es bedroht. Sandie, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, wird das Ziel perfider Anschläge, doch er kann seinen Feind nicht lokalisieren. Immer öfter vertraut er sich in dieser Situation einer neuen Kollegin an, während Corinna einen attraktiven Mann kennenlernt, der eindeutiges Interesse an ihr signalisiert.

Unterdessen verliebt sich ihr Sohn Gerry mitten im Abiturstress in eine Mitschülerin. Die Beziehung erweist sich jedoch als ungeahnt problematisch. Große Sorgen macht er sich zudem um einen Freund, der seit einem einschneidenden Erlebnis keinen Sinn mehr im Leben sieht. Als Gerry die komplette Tragweite seiner Geschichte erfasst, ahnt er, dass Hilfe für ihn zu einem Wettlauf gegen die Zeit wird.

Und dann taucht auch noch Corinnas Ex-Ehemann wieder auf ...

Leseprobe:
„Jetzt komm schon in die Hufe, Junge. Das Layout muss heute noch raus. Wenn du dich nicht beeilst, schaffen wir es nie rechtzeitig zur Feier.“
Sandie sah von seinem Computer auf, um seinem Kollegen Dieter einen kurzen Blick zuzuwerfen. Er war noch müde von dem langen Abend zuvor und hätte den Empfang nach der Arbeit am liebsten geschwänzt. Doch Frau Hahn hatte alle Mitarbeiter persönlich eingeladen und er fand keinen plausiblen Grund, um jetzt noch abzusagen.
„Ich hätte nichts dagegen, wenn ich hier noch so lange beschäftigt wäre, dass ich das ganze Getue verpasse“, grunzte er unwillig.
„So ein Unsinn“, widersprach Dieter. „Ich habe vorhin gesehen, welche Köstlichkeiten dafür angekarrt wurden. Das gibt ein Festessen, sage ich dir.“ Er leckte sich genüsslich über die Lippen.
Sandie grinste. Dieter hatte sich besonders fein gemacht. Er trug eine graue Hose und ein schickes Sakko. Am Morgen war er sogar mit Krawatte erschienen, die er jedoch abgelegt hatte, als Sandie bei seinem Anblick laut herausgeprustet war. Er selbst hatte widerwillig Corinnas Drängen nachgegeben, wenigstens ein weißes Hemd anzuziehen. Die Leinenhose, die sie ihm herausgelegt hatte, hatte er allerdings verschmäht und sich stattdessen für eine schwarze Jeans entschieden. Es waren nun mal seine Lieblingshosen und bei der Arbeit am praktischsten. Er musste schon höllisch auf das weiße Hemd aufpassen. Feixend dachte er an Corinnas Gesichtsausdruck, als sie entdeckt hatte, dass er ein rotes T-Shirt darunter angezogen hatte. Er konnte von Glück sagen, dass sie ihm seine Klamotten nicht um die Ohren geschlagen hatte. Aber sie hatte keine Ruhe gegeben, bis er wenigstens das T-Shirt gegen ein weißes eingetauscht hatte.
Er schob sich von der Tischkante zurück. „Wir haben ja noch fast zwei Stunden Zeit“, beschwichtigte er seinen Kollegen. „Das reicht locker für das Layout. Ich hole mir erst mal einen Kaffee, sonst schlafe ich hier noch ein.“
Sandie machte sich auf den Weg zur Kantine, in der ständig frischer Kaffee für die Mitarbeiter bereitstand. Wie immer umfasste er die Ecksäule vor dem Eingang in den großen Raum mit der Hand und drehte sich mit Schwung um sie herum. Allerdings kam ihm dieses Mal jemand entgegen. Sandie sah nur einen vagen Schatten, war jedoch geistesgegenwärtig genug, seinen Rollstuhl mit einem schnellen Griff in die Greifräder zu stoppen. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass eine schlanke, ihm unbekannte Frau fast auf seinem Schoß landete. Sie bewahrte in letzter Sekunde ihr Gleichgewicht, doch den Becher Kaffee, den sie in der Hand gehalten hatte, leerte sie dabei über seiner Brust aus. Er zuckte zurück, als der heiße Kaffee ihn traf und sah dann fassungslos auf sein so gehegtes, ehemals weißes Hemd.
„Können Sie nicht aufpassen?“, fuhr er die Frau an, die ihm gegenüberstand, obwohl er genau wusste, dass es seine Schuld gewesen war.
„Entschuldigung“, murmelte sie. Sie hatte eine Hand vor den Mund geschlagen, als wolle sie ihr Entsetzen verbergen, doch die Laute, die Sandie hörte, klangen eher wie ein Kichern. Plötzlich hielt sie es nicht mehr aus, und sie platzte laut heraus.
„Sehr witzig“, knurrte Sandie und drehte sich um.
„Warten Sie, rennen Sie nicht davon.“ Die Frau, die nach Sandies Meinung etwa in seinem Alter sein musste, lief um ihn herum und stellte sich ihm in den Weg. „Es tut mir leid, dass ich lachen musste“, entschuldigte sie sich. „Aber Ihr Gesichtsausdruck war einfach zu komisch.“ Sie wurde ernst. „Sie gehören doch hoffentlich nicht zu der Sorte Mensch, die schnell beleidigt ist, oder?“
Gegen seinen Willen musste Sandie lachen und sein Ärger verflog. Das freundliche, offene Gesicht der Frau war ihm sympathisch. Außerdem gab es nicht viele Leute, die sich trauten, im Zusammenhang mit ihm das Wort rennen zu benutzen. Das allein imponierte ihm schon. „Nicht wirklich“, gab er zu.
„Hervorragend.“ Eine schmale Hand streckte sich ihm entgegen. „Ulla Hanke. Ich fange morgen hier offiziell als Sekretärin an.“
„Hanke?“, hakte Sandie nach, als er die gepflegte Hand schüttelte.
„Ja.“ Sie lächelte. „Um die Frage vorwegzunehmen, die man mir inzwischen etwa zwanzig Mal gestellt hat, ja, ich bin mit Ihrem Chef verwandt. Er ist mein Schwager.“
Also doch Vetternwirtschaft, dachte Sandie, doch er konnte sein anzügliches Grinsen gerade noch zu einem freundlichen Lächeln umwandeln.
„Aha“, sagte er nur, als ihm einfiel, dass er sich ebenfalls vorstellen sollte. „Mein Name ist Alexander Wegener.“
„Ich freue mich, Sie kennenzulernen.“ Frau Hanke erwiderte das Lächeln. „Was haben Sie denn jetzt vor?“
„Wie meinen Sie das?“
„Na, in dem Hemd können Sie doch nicht zu Frau Hahns Abschiedsfeier gehen.“
„Ein guter Grund, dem Fest fernzubleiben.“
„Kommt nicht in Frage.“ Frau Hanke schüttelte energisch den Kopf. „Kommen Sie mit. Für mich ist ein kleines vorläufiges Büro eingerichtet worden. Ich wasche ihnen die Flecken schnell heraus, dann lassen wir das Hemd auf der Heizung trocknen und wenn ich mich nicht irre, hat Frau Hahn in ihrem unerschöpflichen Bestand sogar ein Bügeleisen.“
„Wundert mich nicht“, murmelte Sandie.
„Eine Chefsekretärin muss auf alles vorbereitet sein. Kommen Sie.“
Er folgte der Frau in einen Raum in der Nähe des Vorstandszimmers.
„Also, runter mit dem Hemd.“
Sandie gehorchte. Während er sein Hemd aufknöpfte, betrachtete er verstohlen die neue Chefsekretärin. Sie war sehr attraktiv. Das kurze dunkelbraune Haar trug sie in einer eleganten Dauerwelle, was ihr ein würdiges Aussehen verlieh, das allerdings durch ihre joviale und freundliche Art wieder zunichte gemacht wurde. Sie war mittelgroß, schlank und modisch gekleidet. An der rechten Hand trug sie einen Ehering und einen Vorsteckring mit zwei kleinen Saphiren, sowie ein zartes Goldkettchen.
„Sie sind also Alexander der Große.“
„Wer bin ich?“ Sandie hielt in der Bewegung inne und sah die neue Kollegin erstaunt an. Wer um alles in der Welt hatte ihr gegenüber diesen uralten Spitznamen ausgegraben?
„Wissen Sie denn nicht, wie man Sie nennt? Ihr Ruf ist Ihnen schon voraus geeilt.“ Frau Hanke streckte die Hand nach dem Hemd aus und Sandie reichte es ihr gehorsam.
„Doch“, gab er zu. „Allerdings ist das schon eine Ewigkeit her.“ Er hoffte, dass die neue Sekretärin den Namen tatsächlich seiner Größe von 1,90 Metern zuordnete, die man ihm sogar im Rollstuhl ansah und ihr die wahren Hintergründe dieser Bezeichnung verborgen geblieben waren.
Sie sah ihn prüfend an. „Ihr T-Shirt hat ebenfalls etwas abbekommen. Soll ich das auch mitnehmen?“
„Nein, danke. Die Flecken sieht man ja unter dem Hemd nicht.“ Es wäre ihm einfach zu peinlich gewesen, mit nacktem Oberkörper vor dieser attraktiven und resoluten Frau zu sitzen.
„Okay.“ Sie nickte, während sie ein Papiertaschentuch aus ihrer Rocktasche zog. „Hier sind auch noch ein paar Spritzer. Darf ich?“ Mit einer Selbstverständlichkeit, die Sandie erstaunte, wischte sie seinen Rollstuhl ab. „So, jetzt dürften alle Spuren unseres ersten Treffens beseitigt sein.“ Sie lächelte. „Ab morgen habe ich eine Kaffeemaschine zur Verfügung. Darf ich Sie mal zu einer Tasse einladen? Als Ausgleich für den, mit dem ich Sie getauft habe.“
„Es war ja eigentlich meine Schuld“, gab Sandie zu. „Aber ich komme gern. Allerdings muss ich jetzt noch etwas arbeiten. Sonst bin ich zur Feier nicht fertig.“
„Das wäre schade.“
„Ja, das wäre es wirklich.“ Sandie stellte fest, dass er sich plötzlich auf die Betriebsfeier freute. Vielleicht ergab sich dabei die Möglichkeit, diese Bekanntschaft zu vertiefen. Als Frau Hanke ihm die Hand reichte, elektrisierte ihn die Berührung. Tief verwirrt drückte er fester zu, als er beabsichtigt hatte und fühlte deutlich, wie zwischen ihnen ein Funke der Sympathie übersprang.

Im Kindle-Shop: Glücksfaserrisse
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Gabriele Popma auf ihrer Website.



'Die Saat des weißen Drachen: Fantasy-Epos' von Uwe Eckardt

Kindle Edition | Taschenbuch
Hast du dich schon mal gefragt, woher die Märchen und Legenden über Drachen, Trolle und all die anderen sagenhaften Geschöpfe eigentlich kommen? Was wäre, wenn sie nicht nur der Fantasie der Geschichtenerzähler vergangener Zeiten entsprungen sind? Was, wenn uns nur ein dünner Schleier von einer magischen Welt voller wundersamer Wesen trennt?

Hättest du den Mut, ihn zu zerreißen?

Um sein Leben zu retten, bleibt Finn keine Wahl. Er muss den Sprung durch den Schleier wagen und stolpert sogleich in ein turbulentes Abenteuer, von dessen Ausgang nicht weniger als die Zukunft einer ganzen Welt abhängt. Und als ob das nicht schon genug wäre, muss er sich auch noch mit den magischen Kräften auseinandersetzen, die überraschend in seinem Inneren erwachen. Ganz zu schweigen von dem weißen Drachen, der für seine Hilfe eine sonderbare Gegenleistung erwartet ...

Leseprobe:
Sie schmiegte sich an seine Schulter, als sie durch das bis auf eine Wache verwaiste Hafentor spazierten. Am Wasser angekommen, beobachteten beide schweigend die im Mondlicht schaukelnden Schiffe.
Finn schlang seine Arme um Schey, sah ihr tief in ihre smaragdgrünen Augen und wollten sie gerade küssen, als ein markerschütterndes Brüllen aus Richtung des nahegelegenen Luftschiffs die Ruhe zerriss.
Erschrocken wirbelten sie herum. Ein Teil der Backbordseite der Drachenhaut verwandelte sich mit einem knirschenden Krachen in einen Schauer aus splitternden Holztrümmern, die wie Geschosse auf die umliegenden Schiffe prasselten. Finn und Schey hechteten in letzter Sekunde hinter einen Stapel Kisten in Deckung.
In der klaffenden Öffnung erschien das Haupt des weißen Drachen. Die eiserne Maske war verschwunden und zwischen den gewaltigen Kiefern hing eine schlaffe Gestalt.
»Ken!«, brüllte Finn verzweifelt und machte Anstalten, auf den Drachen zuzustürmen, aber Schey hielt ihn mit Mühe zurück.
Die Bestie ließ die leblose Hülle achtlos fallen und spie ein derart markerschütterndes Brüllen in die Nacht, dass die beiden ihre Hände auf die Ohren pressen mussten. Dann bahnte sich das furchteinflößende Wesen mit den klauenbewehrten Flügeln einen Weg durch die zertrümmerte Schiffswand. Dabei legte es die Schwingen eng an den schlanken Körper, um durch das klaffende Loch zu passen. Mit einer letzten Anstrengung schob der Drache seinen weißen Leib ins Freie.
Er streckte die gewaltigen Schwingen aus und bewegte sie zögerlich, aber er flog nicht davon. Offenbar war er nach Jahren der Gefangenschaft nicht mehr in der Lage dazu. Einen Moment schaute er sich suchend um, den langen Hals in alle Richtungen reckend. Schließlich stieß er sich vom Luftschiff ab und tauchte wie ein riesiger Eisvogel ins dunkle Wasser, wo er in der Tiefe verschwand. Gewaltige Wellen schlugen auf die Anlegestelle und durchnässten Finn und Schey bis auf die Knochen.
Den Wachposten auf der Mauer war die spektakuläre Flucht des Drachen natürlich nicht entgangen. Die hektischen Alarmschläge des großen Gongs hallten durch die nächtliche Stadt, kaum dass die Wogen sich geglättet hatten.
Finn sprang auf die Füße und rannte die Kaimauer entlang, auf der das Luftschiff ruhte. Ken konnte, nein, er durfte nicht tot sein! Schlitternd kam er vor den Trümmern der Schiffswand zum Stehen. Auf dem schmalen Streifen unter dem klaffenden Loch lag eine leblose, teilweise zerfetzte Gestalt in einem See aus Blut.
Es war Lomar, der Drachenmeister.

Im Kindle-Shop: Die Saat des weißen Drachen: Fantasy-Epos (Gesamtausgabe: Die Savanten).
Mehr über und von Uwe Eckardt auf seiner Lovelybooks-Autorenseite.



4. Juli 2018

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.