19. Januar 2018

'DIE UN-VOLLENDETE' von Heike Adami

So nah und doch so fern.

In der Kindheit verbrachten sie gemeinsam Sommerferien auf arabischem Boden. Jahre später sehen sie sich wieder. Auf jüdisch/palästinensischem Territorium. Der arabische Student Bashar und sein Cousin Jonah, der israelische Soldat. Zwei Cousins - Zwei Religionen. Der uralte Konflikt im Nahen Osten hält Einzug in eine Familie.

Eine Familiengeschichte, die Ihre Perspektive neu justieren kann! Stellen Sie sich vor, Sie haben einen jüdischen und einen muslimischen Enkel oder Cousin. Wie würden Sie über den Nahostkonflikt denken?

Dieser Roman basiert auf meiner Familienkonstellation, mit jüdischen und muslimischen Enkeln. Intensive Recherche vor Ort verleiht dem Roman eine noch würzigere Authentizität.

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Leseprobe:
Mit einem Ruck zog Abdul die Tür auf und schaute in dunkle fremde Augen. „Ah, du musst Bashars jüdischer Cousin Jonah sein. Der Soldat im israelischen Militär.“ Wie wäre Jonahs Reaktion gewesen, hätte ich gesagt, dass er einer des Stammes Israel ist, der meinen Freund auf dem Gewissen hat? Abdul hielt seine wahren Gedanken zurück.
Die Musik aus der Bibliothek hatte sein Gemüt umschlungen. Donnernde Paukenschläge vertrieben langsam die Sonne am Himmelszelt. Abdul schaffte es, einen Sonnenstrahl einzufangen und setzte die Begrüßung mit angenehmeren Tönen fort. „Das ist Premiere. Ich beglückwünsche dich. Diese menschliche Kombi Jude und Soldat betrat noch nie unseren palästinensischen Boden.“

Bashar hörte Abduls Worte. Im schnellen Schritt lief er zur Tür, um Schlimmeres zu verhindern. Er ahnte Ungutes. Bashar dachte nicht, dass Abdul dieses Thema in seinem Willkommensgruß aufnehmen würde. Doch beim nächsten Atemzug kamen seine Ohren in den Genuss, freudenvollere Worte zu hören.
„Aber lass dich nicht aufhalten und komm herein.“ Abdul hatte sich im Griff. Seine Stimme schwang zart wie Engelsflügel. Inzwischen erreichte Bashar die Tür. Neugierig auf Jonahs Reaktion, schaute er über Abduls linke Schulter in das Gesicht seines halbjüdischen Cousins.
Jonah zeigte nicht die von ihm bekannte felsenfeste Haltung. Dennoch behielt er seine militärische Ausstrahlung.
„Hallo, mein lieber Cousin, lass dich begrüßen“, rief Bashar ihm mit einem Lächeln zu. Er wollte aufkommende Wogen glätten, bevor große Wellen das Boot kippen könnten. Bashar drängelte sich neben Abdul zwischen Tür und Wand. Abdul ging automatisch zur Seite. Bashar reichte Jonah fröhlich die Hand. Erleichterung trat in Jonahs Gesicht.
„Die Sonderübung scheint noch immer in deinen Knochen zu stecken.“ Bashar musterte Jonah wie ein Feldwebel.
„Nicht nur das“, antwortete Jonah frustriert.
„Weißt du, Abdul“, Bashar blickte zwischen beiden hin und her, „Soldat Jonah Segal musste eine Sonderübung ausführen, weil er an der Grenze den Dienst verweigerte.“ Bashars Worte klangen süffisant. Abduls Augen hingen nachdenklich an Bashars Gesicht.
„Der Schuss an der Grenze“, wiederholte Bashar. „Der Schuss in den Ball, der mein Leben rettete.“ Bashars Mimik zeigte amerikanische Lockerheit. Ein glanzvolles Lächeln sollte die unterkühlte Situation aufwärmen. „Abdul, ich weiß, an was du denkst, aber wir können hier nicht dem schwarzen Kater freien Lauf geben.“
Abduls Gesicht verzog sich zu einer schiefen Grimasse. „Meinst du, den schwarzen Peter weitergeben?“ Bashar nickte. „Nein, Bashar, das können und wollen wir nicht, aber mich überflog das Gefühl, den schwarzen Peter verbal zurückgeben zu müssen.“ Abdul wandte sich wieder seinem halbjüdischen Gast zu. „Jonah, ich bin Abdul. Komm erst einmal herein, bevor wir dich vergraulen und du es vorziehst, gleich wieder zu gehen“, forderte er Jonah auf und schloss hinter ihm die Tür, nachdem dieser eingetreten war.
„Nein, das glaube ich nicht. Eure tolle Einladung ist eine wunderbare Abwechslung zu den letzten Tagen. Außerdem habe ich heute Sonderurlaub.“ Jonahs schneeweißen Zähne erhellten seine Gesichtszüge. In seiner Zivilkleidung mit Jackett über einem weißen Hemd und anliegender Leinenhose kam sein Körper pfiffig zum Vorschein. Kurze Haare, zwei Millimeter fehlten zur Glatze. Gebräunte Haut durch die Sonnenstrahlen, die Israel und Palästina erwärmten, verhalf den jungen Männern zu extra Sexappeal. Jonahs athletische Figur verriet den sportlichen Typen. Die Summe daraus konnte die Herzen aller Frauen brechen. Und sicherlich nicht nur innerhalb der sogenannten „jüdischen Großfamilie.“
In der Lounge hielt Bashar inne. „Wie war deine Sonderübung?“
Jonah wedelte mit der Hand, als wolle er den Rauch eines Feuers vertreiben. „Es war ein Horrortripp. Ich musste in glühender Mittagshitze auf Pappgesichter schießen. Der karrieregeile Vorgesetzte wollte mich mit allen Mitteln davon überzeugen, wieder zur Terroreinheit zu gehen. Aber ich will das nicht.
Auf Unschuldige schießen ist nicht mehr mein Ding. Ich habe nochmals den Dienst verweigert und musste zum Chef.“
„Das klingt nicht nach einem Spaziergang mit schlecker-lecker Eis“, sagte Bashar und grinste.
„Du hast ja keine Ahnung!“ Jonah zog eine Miene, die nach Glaubersalzgeschmack aussah. „Vergessen wir das Thema“, sagte Jonah resigniert. „Lassen wir uns die gute Laune nicht verderben.“ Jonah warf flehende Blicke in die Dreierrunde.
„Stimmt“, sagte Abdul und ging endgültig vor ins Musikzimmer.
Obwohl sich Jonah im Hause des Gegners befand, zeigte er seine Nervosität mit keinem Wimpernschlag. Das war eines der Ziele der Armee. Aufrechte Haltung und fester Blick in die Augen des Feindes zeigten dem Aggressor, wer das Feld beherrscht. Doch an diesem Abend ging es für Jonah nicht um Macht. Heute hatte er die ehrenvolle Aufgabe, Vertrauen und entgegengebrachte Freundschaft zu vermitteln. Das war es, was er in seinem Herzen fühlte.

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18. Januar 2018

'Die Magie der Glanzlichter (Lichtertanz 1)' von Isabella Mey

Wenn das Herz nicht will, wie es soll
und der Verstand von Gefühlen überrollt wird
dann wird es Zeit, in sich zu gehen, um das zu sehen, was wahr ist.


1912, Atlatica wird vom grausamen Lord Sorbat beherrscht. Abseits der großen Straßen, am Rande der Zone der Monster, kämpft sich Leanah als Tochter eines Schafbauern durch ihren harten Alltag. Sorbats Magier sind bei der einfachen Bevölkerung verhasst, nicht nur deshalb versucht Leanah, ihre magische Begabung, vor allen zu verbergen. Ihr Leben gerät jedoch vollkommen aus den Fugen, als sie auf die Burg des Lords gebracht wird, um dort zu dienen.

In Frankfurt am Main ahnt Silas, der Sohn eines Arztes, nichts von den Lords oder Atlatica. Erst nachdem seine Eltern entführt werden und er selbst ins Visier der Verfolger gerät, muss er sich nicht nur den Gefahren einer fremden Welt voller Magie stellen, sondern auch seinen Gefühlen für eine Frau, die nicht für ihn bestimmt ist. Wird das Schicksal die beiden letztendlich zusammenführen?

"Die Magie der Glanzlichter" ist der erste Teil der Lichtertanz-Trilogie. Die Geschichte spielt in der Welt des Flammentanzes, kann aber unabhängig davon gelesen werden.

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Leseprobe:
Schweigen. Lediglich unsere Atemgeräusche durchdringen die Stille.
»Was muss ich tun?«, fragt er tonlos.
»Lass mich frei!«
»Wirst du mich lieben, wenn ich dich freilasse?«
»Nein, aber dann würdest du aus Liebe handeln und hättest meinen Respekt und meine Achtung. Liebe knüpft keine Bedingungen, sie ist oder sie ist nicht, ganz gleich, ob der andere sie erwidert.«
Abermals Schweigen.
»Ich kann nicht …«, sagt er.
Jetzt höre ich, wie er aufsteht. Zwei Schritte, dann folgt ein metallenes Geräusch, als ob ein Gitter geschlossen und ein Schlüssel umgedreht wird. Die Schritte verhallen, bis ich von absoluter Stille und Finsternis umgeben bin. Es ist kalt. Ich fröstele. Sowohl mein Geist als mein Körper fühlen sich taub an. Immerhin haben sich meine Fesseln mit der Zeit ein wenig gelockert. Vielleicht kann ich mich davon befreien ...

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17. Januar 2018

'Geliebter Feind: Die Schützin im Reisfeld' von Devon Anderson und Suzanna LeMonde

Vietnam, 1967. Über der Erde tobt im ganzen Land ein erbarmungsloser Krieg. Doch unter der Erde, in den Tunneln, dem sogenannten Ho-Chi-Minh-Pfad, der vom Norden Vietnams bis in den Süden reicht, organisiert sich der Widerstand. Kim Lys Bruder Nhut nimmt den gefahrvollen Weg auf sich, Mutter und Schwester in Sicherheit zu bringen, doch als er länger braucht als erwartet, macht sich Kim Ly mit einem Freund auf ins Ungewisse, um nach ihm zu suchen. In einem verlassenen kleinen Dorf treffen sie nicht nur auf ihn, sondern auch auf JiâSun, ein eigensinniges, impulsives und starrköpfiges junges Mädchen, so ganz anders als die zurückhaltende, schüchterne Kim Ly.

Auf der anderen Seite stehen die US- Soldaten Zack und Scott, deren Wege sich immer wieder mit denen der beiden jungen Frauen kreuzen. Und schon nimmt das Leben aller eine unerwartete Wendung.

JiâSun, widerborstig, unbelehrbar und tollkühn, kämpft jedoch ihren ganz eigenen Krieg. Ihr Verhalten sorgt nicht nur innerhalb der Gruppe für Anspannung, sondern auch für offene Abneigung der eigenen Landsleute. Kim Ly geht es besonnener an. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten kommen sie den Soldaten näher.

Eine Liebe entbrennt, inmitten von Krieg, Elend und dem schwierigen Leben zwischen den Kulturen, begleitet vom Tod und dem Wunder neuen Lebens.

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Leseprobe:
JiâSun verbrachte nun schon etliche Stunden auf dem Baum und ließ die letzten Tage Revue passieren, als in einigen hundert Metern ein Schwarm bunter Vögel aufflog. Das konnte natürlich mehrere Ursachen haben, andere Tiere etwa, gerade hier in der Nähe des Flusses, aber JiâSuns Instinkt mahnte sie zur Vorsicht. Jede überflüssige Bewegung vermeidend, wechselte sie in der Astgabel die Position und schob ihren schmerzenden Körper den dicken Ast entlang, soweit sie konnte, ohne dass der Ast unter ihr brach, aber doch weit genug, um nach unten und in weiterer Ferne gute Sicht zu haben. Die Stelle, an der die Vögel aufgeschreckt waren, lag auf der anderen Flussseite. Die Minuten verstrichen, ohne dass sie etwas sah oder hörte. Sie beschloss, noch einige Minuten in dieser Position auszuharren, als sich die wogende grüne Wand am anderen Ufer an einer Stelle teilte, und etliche US-Soldaten hervortraten. Sie sicherten vorsichtig nach allen Seiten ab.
Über JiâSuns Gesicht lief ein böses Lächeln. Ihr könnt noch so viel sichern, dachte sie, es wird euch nichts nützen. Langsam legte sie den Sicherungsflügel der M16 mit ihrem Daumen um. Dann stellte sie das Gewehr auf Einzelschuss. Einer der Soldaten holte nun eine Karte hervor und beriet sich mit einem anderen, als JiâSun einen weiteren Soldaten, der sich am Flusswasser erfrischte, anvisierte. Sie drückte sich noch etwas enger an den Stamm des Astes, den Lauf des Gewehres geschützt in der Armbeuge. Sie zog den Finger bis zum Druckpunkt durch. Einen Moment wollte sie noch warten, bis sie den Soldaten erschoss. Eiseskälte hatte ihr Inneres erfasst.

*

Benny Rhodes wollte sich am Wasser etwas erfrischen. Seine Einheit wollte hier Rast machen und dann weiter westwärts gehen und das Gebiet nach Vietcong durchkämmen. Er hatte noch vierzehn Tage vor sich, dann würde er endlich nach Hause zurückkehren können. Zwölf Monate Vietnam lagen hinter ihm und das war seine letzte Tour. Sein Lieutenant hatte ihm persönlich versichert, das er unversehrt daheim bei seiner Familie in New Jersey ankommen würde. Er hielt diesen letzten Einsatz für komplett überflüssig. Seit sie vor zwei Tagen von einem Helikopter des Camps im Dschungel abgesetzt worden waren, hatten sie nicht einen Vietcong zu Gesicht bekommen. Ein paar Kilometer noch, dann würde der Helikopter sie wieder einsammeln und zurück ins Camp fliegen. Und das Thema Vietnam war so gut wie erledigt für ihn. Er freute sich schon auf Sally, seine Frau. Seit fünf Monaten hatte er sie nun nicht mehr gesehen. Er wollte sich gerade aus der Hocke wiederaufrichten, als er von einer unsichtbaren Faust nach hinten geschleudert wurde. Ein heißer Bolzen drang in sein Gehirn. Der einsame Schuss durchbrach trocken die Stille und scheuchte ein paar Wasservögel auf. Dann herrschte wieder absolute Ruhe. JiâSun in ihrem Versteck hoch oben auf dem Baum nahm mit tiefer Genugtuung wahr, wie die anderen Soldaten links und rechts in den Büschen am Ufer des Flusses Deckung suchten. Bei ihnen herrschte absolute Aufregung über die Frage darüber, wo der Heckenschütze, der Rhodes im Fluss erwischt hatte, lag. Ferngläser wurden hervorgeholt. Meter für Meter tasteten die Männer mit den Augen das andere Ufer ab, aber sie sahen nichts. JiâSun jedoch hatte schon ihr nächstes Opfer im Visier. Einen Soldaten, der etwas abseits stand und nun steif vor Angst versuchte, rückwärts in den rettenden Dschungel zurückzuweichen. Gnadenlos sah sie zu, wie er Schritt für Schritt zurückwich, und wusste doch, dass er ihr nicht entkommen würde. Sie zählte dann langsam, ganz für ihr eigenes Vergnügen, bis drei, der Finger krümmte sich erneut. Dann peitschte der Schuss. Er traf Private Jackson, der erst vor vier Tagen im Camp angekommen war, in die Brust. Er fiel ohne einen Laut nach hinten in das hohe Gras. Der nächste, den es erwischte, war der Funker, der gerade auf den Weg in den Fluss war, um Rhodes zu bergen. Wieder bellte ein einsamer Schuss durch den Dschungel. Defort kippte zur Seite und fiel mit dem Gesicht ins Wasser. Sollte er noch nicht tot gewesen sein, so würde er spätestens jetzt ertrinken, mutmaßte JiâSun emotionslos. Mit mitleidigem Lächeln sah sie zu, wie die drei restlichen Soldaten sich in den Dschungel zurückzogen.

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'Finanz-Chaos?: So bekommen Sie Ihre Geldsorgen in den Griff' von Elisabeth Mecklenburg

Ist bei Ihnen am Ende des Geldes noch viel vom Monat über? Schreiben Sie Jahr für Jahr rote Zahlen und wissen nicht, wie Sie dieses Desaster bewältigen sollen? Dann sind Sie nicht alleine!

In diesem Buch finden Sie Tipps, Anregungen und Ideen, um aus den roten Zahlen schwarze zu machen, sodass Sie in Zukunft Ihre Geldsorgen in den Griff bekommen können.

Geldprobleme können viele Ursachen haben. Der eine lebt über seine Verhältnisse, indem er mehr ausgibt, als er zur Verfügung hat, der andere verdient nicht genug in seinem Beruf und wieder ein anderer lebt vielleicht sogar von Hartz IV und sieht keinen Ausweg.

Hier setzt dieses Buch an – mit dem Ziel, in einem überschaubaren Zeitraum seine Finanzen in den Griff zu bekommen. Mittel und Wege zu finden, eine Verbesserung der Situation zu erreichen und somit auch wieder mehr Lebensqualität zu erlangen.

Es richtet sich an den sogenannten Otto-Normal-Verbraucher – egal, ob Sie Hartz-IV-Empfänger/in sind, im Angestellten- oder Arbeitsverhältnis stehen, selbstständig oder Hausfrau sind oder nur nach einfachen, praktischen Lösungen suchen, um Ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Personen, die sich vielleicht nur einen Überblick über ihre Finanzen verschaffen möchten finden hier Anregungen, es liefert ihnen aber auch eine komplette Anleitung für die Erstellung eines Haushaltsbudgets oder Finanzplanes.

Ebenso finden hier Menschen, die verschuldet sind, Tipps, wie sie ihre Unterlagen sortieren können, wenn sie beabsichtigen ein privates Insolvenzverfahren einzuleiten oder die Abzahlung ihrer Verbindlichkeiten selbst in die Hand nehmen möchten.

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Leseprobe:
Wie bekomme ich meine Finanzen in den Griff?
Viele Menschen nehmen ein Buch wie dieses in die Hand, denken und hoffen, mit dem Lesen fänden sie das Patentrezept, seien alle Probleme gelöst und sind dann enttäuscht, dass sich am Ende des Buches nichts an ihrer Situation geändert hat.
Mit großen Hoffnungen, Plänen und Zielen lesen sie eifrig Seite für Seite, bis sie zu der Erkenntnis kommen, dass sie auch selbst etwas dafür tun müssen. Hier ist dann der Punkt erreicht, wo sich entscheidet, wer wirklich etwas mit diesen Informationen erreichen will und wer nur auf der Suche nach einfachen Lösungen ohne jegliche Anstrengung ist.
Das Buch „Finanz-Chaos?“ ist aus der Idee heraus entstanden, Ihnen, lieber Leser, liebe Leserin, einen Weg aus der Praxis aufzuzeigen, den jeder umsetzen kann. Es liefert Ihnen bewährte Tipps, Ideen und Lösungsansätze aus den unterschiedlichsten Bereichen zum Thema „Geldprobleme“.
Was am Ende dabei herauskommt, wenn Sie mit diesem Buch arbeiten, hängt einzig und allein davon ab, wie ernst es Ihnen mit Ihrer finanziellen Situation ist, und überhaupt damit, etwas in Ihrem Leben zu verändern.
Ganz sicher ist dies kein „Schönreden-Buch“ welches Ihnen rät, alles beim Alten zu belassen oder immer die Schuld bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst zu suchen.
Des Weiteren ist es nicht geeignet für Menschen, die denken, dass von heute auf morgen alle ihre Probleme im finanziellen Bereich gelöst werden. Geldsorgen und Schulden entstehen oft über Jahre, sind eine sich immer mehr nach oben drehende Spirale – oftmals sogar ohne Ende!
In diesem Buch geht es darum, dieses Dilemma, vor allem aber auch das eigene Verhaltensmuster zu durchbrechen, neue Wege zu finden und zu gehen.
Ein neues, anderes Leben zu beginnen, mit dem Ziel, in einem angemessenen Zeitraum Ihre finanzielle Situation in einen machbaren Plan umzuwandeln. Falls vorhanden, Schulden nach und nach abzubauen – schuldenfrei zu werden und gleichzeitig Geld anzusparen.
Hierbei geht es um Konsumschulden, nicht um Schulden von geschäftlicher Natur (denn das sind oftmals tatsächlich „vernünftige“ Verbindlichkeiten). Das Tempo, die vorhandenen Möglichkeiten und den erforderlichen Zeitraum bestimmen Sie dafür selbst.
Sie halten dieses Buch in den Händen, sicherlich aus den unterschiedlichsten Gründen, mit den unterschiedlichsten Hoffnungen und auch Erwartungen, aber sicherlich alle mit dem gleichen Ziel. Wenn Sie Erfolg in Ihrem finanziellen Bereich haben wollen, bedeutet dieser Weg in erster Linie zunächst Entscheidungen und Veränderungen für Sie.
Veränderung im persönlichen Bereich, im beruflichen, im privaten, vor allem aber im finanziellen – kurz gesagt: Wenn Sie sich mit den Ursachen Ihrer Finanzmisere befassen, kann sich schlagartig auch in allen anderen Lebensbereichen etwas verändern.
Wie hoch auch möglicherweise Ihre Verbindlichkeiten heute sein mögen, werfen Sie die Flinte nicht ins Korn. Bringen Sie den Mut und auch die Energie auf, diese Situation für sich selbst ins Positive zu wenden. Gerade finanzielle Sorgen und Nöte können einem die ganze Energie rauben und ein erhebliches Maß an Lebensfreude nehmen. Alleine schon aufgrund Letzterem sollten Sie Ihr Ziel in Angriff nehmen!
Ich hoffe, Sie finden hier Hilfestellungen, Anregungen und Arbeitstechniken, die Ihnen diesen Weg ein bisschen erleichtern können. Ebenso hoffe ich, dass Sie stets die Motivation haben, immer „am Ball“ zu bleiben, bis Sie an Ihrem Ziel angekommen sind.
Lesen Sie zunächst einmal alles durch und verschaffen sich einen Überblick. Dann fangen Sie wieder von vorne an und setzen die einzelnen Arbeitsschritte, die für Sie machbar sind, in die Tat um. Lesen Sie auch die Kapitel, die Sie nicht direkt betreffen – hier finden Sie vielleicht auch noch den einen oder anderen Tipp, den Sie möglicherweise anderweitig nutzen können.
Ganz wichtig ist auch: Denken Sie nicht darüber nach, ob Sie das alles schaffen. Fangen Sie einfach an und erledigen Sie die Schritte „step by step“ – alles andere kommt von alleine und ergibt sich oft aus der jeweiligen Situation heraus.

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16. Januar 2018

'Leben ist Kampf' von Reinhard Skandera

Der vierzehnjährige Franz muss mit dem Vater am Hochofen schaffen, um den vier Brüdern eine Schulbildung zu ermöglichen. Seine eigenen Träume auf ein besseres Leben fernab der Heimat lösen sich in Wohlgefallen auf.

Er lernt Ariane, die einzige Tochter des Fabrikbesitzers kennen. Die ist Rochus von Malotki, Sohn des Polizeipräsidenten, dem glänzende Karrierechancen bei der Kriminalpolizei offen stehen, versprochen. Franz und der Vater verlieren die Arbeit. Ein furchtbares Unglück stellt das Leben auf den Kopf. Franz schließt Freundschaft mit Maik, der ihm einen Ausweg zeigt ...

Für Freunde des historischen Romans eine Geschichte, die im deutschen Kaiserreich Wilhelms des Zweiten während der bewegten ersten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts spielt.

Für kurze Zeit zum reduzierten Aktionspreis von 1,99 Euro erhältlich.

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Leseprobe:
1. Himmlisch Ribnei
Der Chef, Gott, hatte keinen Lesestoff mehr. Er beauftragte den besten Mann, mich, ihm einen schönen Roman zu schreiben. Ich war zu Lebzeiten auf Erden ein berühmter Autor, den Sie kennen. Der Name tut hier nichts zur Sache. Auf der Suche nach einem jungen Helden, für den das Leben Prüfungen bereithält, solche Geschichten mag der Meister, springt mir ein Bergdorf ins Auge. Himmlisch-Ribnei liegt im Sudetenland, genauer gesagt im Adlergebirge, das wiederum Teil des Riesengebirges ist. Woran ist der Herrscher interessiert? An der Erfolgsgeschichte eines irdischen Führers? An einem Märchen? Oder amüsiert ihn ein Liebesroman? Ein Engel weiß Rat. Der Kampf der Menschen im Laufe ihres Erdendaseins, aus der Armut, die gottgegeben ist, zu entfliehen. Der Schöpfer zerbricht sich oft den Kopf, warum das die Kinder Gottes motiviert, besondere Anstrengungen zu unternehmen. Damit es nicht langweilig wird, garniere ich die Handlung mit familiären Konflikten, fabelhaften Erfindungen, Bewegung und Aktion sowie enttäuschter Liebe. Um die Story zu verstehen, müssen sie wissen, dass der Weltenlenker mir die Fähigkeit verlieh, sämtliche Gedanken der beteiligten Personen zu kennen.
Im genannten Dörfchen ist die Familie Unfried zu Hause. Josef und Marie, die Söhne Franz, Fritz, Heiner, Ladislaus und Ulrich, in der Reihenfolge ihrer Geburt. Der Protagonist meines Buches ist der Älteste. Vierzehn Lenze, schlaksiger Blondschopf, ein Naturbursche, der gerne durch die Wälder der Heimat streift. Begleitet wird er vom besten Freund, dem Mischlingshund Bongasch. Das Tier liebt Franz abgöttisch. Gott privilegiert die Sieben, sie sind bettelarm. Josef ist ein Häusler. Er besitzt 0,5 Hektar Boden, dessen Erträge er verwerten darf. Zum Sattwerden reicht es. Sie pflanzen auf ihrem Land Gemüse an. Möhren, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Salat sorgen für Abwechselung auf dem Speiseplan. Die Wintermonate überbrücken sie mit Eingekochtem. An Tagen, an welchen die Mutter beschäftigt ist, die frisch geernteten Früchte der Erde zu konservieren, ist sie nicht ansprechbar. Zu anstrengend ist die Arbeit. Auf dem Grundstück wachsen ein Kirschbaum und ein Apfelbaum. Die Ziege gibt Milch. Marie produziert daraus einen köstlichen Käse. Fleisch liefern die Kaninchen. Zwei Dutzend von ihnen pflegen Franz und Fritz. Der Vater brachte den beiden das Schlachten bei. Grund und Boden, den ein Großbauer gegen einen Anteil am Ertrag an sie verpachtete, ernährt sie, soeben. An Winterabenden sprechen die Eltern davon, sie wollen, dass es den Kindern einmal besser geht. Auf die Fragen der Kinder was sie meinen, geben sie keine Antwort.
Unsere Geschichte beginnt in der Silvesternacht des Jahres 1903. Das Sudetenland ist Bestandteil des Königreiches Preußen. Preußen gehört zum Deutschen Kaiserreich, bestehend aus den Königreichen Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen. Aus den Großherzogtümern Baden, Mecklenburg-Schwerin, Hessen, Oldenburg, Sachsen-Weimar-Eisenach und Mecklenburg-Strelitz. Die Herzogtümer Braunschweig, Sachsen-Meiningen, Anhalt, Sachsen-Coburg, Gotha und Sachsen-Altenburg sind ebenfalls dem Reich zugehörig. Ebenso die Fürstentümer Lippe, Waldeck, Schwarzburg-Rudolfstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Reuß jüngere Linie, Schaumburg-Lippe und Reuß ältere Linie. Die Freie und Hansestadt Hamburg und Lübeck, die freie Hansestadt Bremen und das Reichsland Elsass-Lothringen komplettieren das Reich. Regiert wird Deutschland 1903 von dem Kaiser Wilhelm dem Zweiten und dem Reichskanzler Bernhard von Bülow. Die Hauptstadt ist Berlin. Was geschah sonst noch in diesem Jahr? Die Wahlen zum Reichstag enden mit folgendem Ergebnis. Sozialdemokraten 31,7 Prozent, Zentrum 19.8, Deutsch-Konservative 10,0 und Nationalliberale 13,9 Prozent. Anno 1903 pachten die Vereinigten Staaten von Kuba die Bucht von Guantánamo als Marinestützpunkt für einen jährlichen Preis von zweitausend Dollar. Henry Ford gründet in Detroit, Michigan, die Ford Motor Company, die im Gründungsjahr ihr erstes Auto, das Modell „A“ herausbringt. Das Osmanische Reich erteilt der Anatolischen Eisenbahn die Konzession, die Bagdadbahn zu bauen und zu betreiben. Maggie Walker gründet für den „Grand United Order“ die „St. Luke Penny Savings Bank“. Sie ist die erste Frau in den USA, die eine Bank gründet, sowie die erste Afroamerikanerin, die ein Bankhaus leitet. Reinhold Burger erhält in Deutschland ein Patent auf die Isolierkanne, die unter dem Namen Thermoskanne in Serie produziert wird. Die Brüder Wright heben mit dem „Wright Flyer“ zum ersten gesteuerten Motorflug ab. Edwin S. Porter dreht den ersten Western der Filmgeschichte. „Der große Eisenbahnraub“ dauert zwölf Minuten. Heinrich Mann veröffentlicht den Roman „Die Göttinnen“. In Berlin wird Hugo von Hofmannsthals Drama „Elektra“ uraufgeführt. Die Stadtpolizei Stuttgart stellt die erste Polizistin Deutschlands, Henriette Arendt, ein. Die erste Tour de France findet statt. Sie führt über 2.482 Kilometer quer durch Frankreich. Der Friedensnobelpreis geht an den Engländer William Randal Cremer, den Gründer der „Interparlamentarischen Union für internationale Schiedsgerichtsbarkeit“. Der Abend wird Franz nichts Gutes bringen. Marie Unfried steht vor dem Haus, in dem sie leben, in der Hand trägt sie eine Gaslampe. Die Kate liegt an einem Hang am Waldesrand. Die Felder, die sie bewirtschaften verlaufen abschüssig. Der nächste Nachbar wohnt einen Kilometer entfernt. Sie späht in die schwarze Nacht. „Wo steckt der verdammte Kerl nur schon wieder? Franz, Franz,“ ruft sie in den Forst hinein. Wiederholt schimpft sie auf ihren Sohn. Franz liebt den Tann, liebt es, mit Bongasch durch den Hain zu streifen. Er kennt die Umgebung, findet sich auch im Dunklen bestens zurecht. Franz vergisst alles Andere, wenn er Abschnitte des Gehölzes erkundet. Das Licht und die Geräusche sind überall verschieden. Manch einer empfindet den Wald eintönig. Auf Franz trifft das nicht zu. Er entdeckt jedes Detail, jegliche Besonderheit. Da draussen ist er sicher vor dem Vater. Der züchtigt ihn bei jeder Kleinigkeit, die der Junge sich nach dem Urteil des Erzeugers zu Schulden kommen lässt. Zwischen Josef und Marie kommt es deshalb regelmäßig zu Streit. Nicht nur aus dem Grund. Josef besucht gerne das einzige Wirtshaus im verschlafenen Himmlisch-Ribnei. Es wird betrieben von einem zwielichtigen Wirt. Aus den umliegenden Dörfern besuchen Gäste die Gaststätte, mangels Gelegenheit in ihrem Ort. Er trifft sich mit den Kumpanen, um Pfennigskat zu dreschen. Marie ärgert sich, weil er einen Teil des kärglichen Einkommens, das er als Gelegenheitsarbeiter verdient, verspielt. Er ist kein cooler Spieler, sondern Emotionen verführen ihn zu hohem Risiko bei den Partien. Seine Ehefrau mag die Spielleidenschaft des Gatten nicht. Sie kritisiert Josef heftig, was zu schlechter Stimmung führt. Franz mischt sich ein. Der Sohn ergreift die Partei der Mutter. Josef reagierte darauf gewalttätig. Er schlägt Franz mit dem Siebenstränger. Das ist in der Zeit ein verbreitetes Erziehungswerkzeug. Es besteht aus einem etwa zwanzig Zentimeter langen Holzgriff, an dessen Ende sieben einzelne Lederriemen befestigt sind. Da Franz die Wirkung des Folterinstruments zu spüren bekam, ängstigt er sich vor dem Peiniger. Zwischen den Eheleuten gibt es Auseinandersetzungen über den Einsatz der Riemen. Nach Maries Ansicht ist Schlagen keine geeignete Methode der Erziehung. Josef hält das nicht davon ab, ihn einzusetzen.
Marie nähert sich der Tür und schüttelt den Kopf. In dem Moment taucht der Ehemann aus der Dunkelheit auf. Er bewegt sich unsicher, torkelt. Die Laune der Frau sinkt. Der Sohn ungehorsam, der Mann ein Trunkenbold, denkt sie düster. Ein wunderschöner Silvesterabend. Ihr Göttergatte sieht die Chance, die Rolle des Sündenbocks loszuwerden. „Treibt der Mistkerl sich im Dunklen draussen herum? Na warte, lass den nach Hause kommen.“ Wie gerufen tauchen Franz und Bongasch ohne jedes Licht aus der finsteren Wand auf. Josef rennt in die Wohnung. „Weg, er holt den Siebenstränger,“ presst Marie besorgt heraus. In Franzens Miene ist Angst zu sehen, gepaart mit einer Portion Trotz. Der Erzeuger kommt wild entschlossen aus der Tür, den Siebenstränger in der Hand. Der Junge flieht, entgeht den Schlägen nicht. Er spürt den Schmerz, den das Leder auf den Armen und dem Rücken verursachen. Dennoch schreit er nicht. Er flüchtet in das Haus. Marie beschwört Josef, er möge aufhören zu hauen. Die Wut ist in dem Augenblick zu groß. Er glaubt, schwindende Autorität in der Familie durch Gewaltausübung zu festigen. Der bedauernswerte Knabe sucht unter dem Küchentisch Zuflucht, zusammen gekauert zu einem Häuflein. Die Küche ist ein karger Raum, in dem neben dem hölzernen Tisch ein gusseiserner Herd zur Ausstattung gehört. Die Herdplatten bestehen aus einem Ring, sodass das Kochloch an die jeweilige Topfgröße anzupassen ist. Der Peiniger kennt den Rückzug, er stürmt herein. Der Platz unterhalb der Tafel ist nicht groß genug, um zu verhindern, dass Franz getroffen wird. Die Mutter ist in der Zwischenzeit in der Kochstube angekommen. Sie stellt sich zwischen den Schläger und das Opfer. Es geschieht sehr schnell. Der nächste Hieb trifft die Frau. Auf einmal herrscht Stille. Das Schreien und Fluchen hört auf. Josef begreift, was er angerichtet hat. Statt die Autorität zu stärken, verliert er an Respekt und Ansehen. Den Dreien wird das schlagartig klar. Maries Blick sagt alles. Der ist vernichtend für Josef. Er wirft den Siebenstränger auf den Boden. Rennt aus dem Zimmer. „Das ist allein Franzens Schuld. Wenn er nicht ungehorsam gewesen wäre, wäre das nicht passiert.“
Nach dem Ereignis an Sylvester geht Franzla dem Vater, wann immer es geht, aus dem Weg. Er entdeckte mit Bongasch einen Ort im Wald, von dem aus er in die Ferne sieht. Dorthin führt sie die Wanderung, falls er keine Pflichten auferlegt bekommt oder die Schule besucht. Alle schulpflichtigen Kinder des Dorfes besuchen die aus einer einzigen Klasse bestehende Dorfschule. Lehrer Himmelmann ist für ungerechtes Verhalten, das er zumindest sämtlichen Lernenden ohne Unterschied zukommen lässt, berüchtigt. Unnachgiebige Strenge ist das Prinzip der Erziehung, davon ist er überzeugt. Jede Abweichung von den Regeln, die er aufstellt, wird durch Strafarbeit bestraft. Bei groben Verstößen wendet er die Prügelstrafe an. Entweder der Sünder muss stumpfsinnig Text zigmal abschreiben oder im Schulgarten Unkraut jäten. Im Klassenraum über der Tafel hängt ein Porträt des Kaisers Wilhelm. Zu Beginn einer Schulstunde rufen die Kinder im Chor: „Unser allergnädigster und geliebter Kaiser, er lebe hoch.“ Dreimal ist Pflicht. Ordnung, Disziplin, Vaterlandsliebe, Verehrung des Militärischen und des Kaisers bilden die Schwerpunkte der schulischen Erziehung. Unerwünscht sind eigenständiges Denken, kritisches Hinterfragen und das Vertreten einer eigenen Meinung. Ungehorsam ist die schlimmste Verfehlung, die ein Schüler begeht. Die Prügelstrafe ist Bestandteil der Erziehungsmethode. Sieben Schläge mit dem Stock für Jungen, die eigensinnig handeln, sind vorgesehen. Aus Kindern sollen Soldaten werden, die blinden Gehorsam zeigen und begeistert in den Krieg ziehen. Franz besitzt eine gute, schnelle Auffassungsgabe. Er ist wissbegierig. Das interessiert den Lehrer Himmelmann nicht im Geringsten. Er weiß, dass Franz Unregelmäßigkeiten unterlaufen. Er spielt zum Beispiel im Schulhof Fußball, was strengstens verboten ist. Himmelmann riecht Gelegenheiten, die es ihm ermöglichen, Sanktionen auszusprechen. Vor versammelter Klasse maßregelt er Franz, der einer der Älteren in der Gruppe ist. Er stellt ihn als negatives Vorbild dar. „Werdet nicht so, wie er ist,“ impft er den anderen Kindern ein. Nach einer Rüge, die Franzla in einer Pause kassiert, sagt er zu Mitschülern, dass der Himmelmann ein Dummkopf sei. In der auf die Unterbrechung folgenden Stunde steht ein Klassenkamerad auf. Er denunziert Franz. Ein Lächeln erscheint auf dem Gesicht des Paukers. Er merkt an, dass ein solches Verhalten typisch für den Unfried ist. Die Bestrafung, die er sich ausdenkt, zeigt den mangelnden Respekt des Schulsystems und seiner Erfüllungsgehilfen, den sie den Schülern entgegenbringen. Franz muss sich auf einen Stuhl stellen. Himmelmann spricht vor: „Wo müsste man dich aufhängen?“ Franz hat zu antworten: „Am höchsten Kirchturm.“ Dass der Junge der Begabteste der Klasse ist, spielt keine Rolle. Erst kommen die Ordnung, die Diziplin und der Gehorsam, dann der Verstand.
Franz ist glücklich über jeden Moment, den er mit Bongasch an ihrem Sehnsuchtsort verlebt. Die beiden liegen aneinander gekuschelt im Gras und blicken in die Ferne. Franz träumt davon, Bücher zu schreiben. Er will ein Zimmer besitzen, in dem Regale an den Wänden stehen, vollgestopft mit Wälzern. Das einzige Druckwerk des Hauses Unfried ist die Heilige Schrift, die Marie in die Ehe einbrachte. Josef interessiert sich nicht für Schmöker, er spielt viel lieber Karten beim Schmorotzer, dem Wirt, in der Schenke. Die Mutter liest den Kindern regelmäßig aus der Bibel vor. Manches Wort Gottes versteht Franz nicht. Marie weiß nicht immer eine Antwort auf die Fragen, die ihr der Sohn stellt. Warum Jesus Christus rät Feinde zu lieben, ist ein Punkt, den Franz nicht kapiert. Franz hat zwar im Dorf keinen Feind, wenn er einen hätte, würde er den sicher nicht lieben. Einen kann Franz nicht leiden, den Lehrer Himmelmann. Er hasst ihn aber nicht. Was kann der dafür, dass er ein Dummkopf ist? Den Himmelmann zu lieben, nein, das geht nicht. Er will mehr über diesen Jesus erfahren, der solch seltsame Ratschläge erteilt. Warum kommt er auf die Idee, Feinde zu lieben.
Im Unterricht erwähnt der Pauker die Geschichte „Die Abenteuer des Huckleberry Finn.“ Das sei das beste Buch der Welt. Das gibt es nur in Amerika, nicht in Deutschland. Amerika liegt vier Wochen entfernt. Man erreicht es per Schiff. Franz ist bisher einmal aus Himmlisch-Ribnei heraus gekommen. Mit der Eisenbahn nach Rokitnitz. Die Mutter hatte dort zu tun. Für Franz war es ein schöner Tag. Er genoss die Gespräche während der Fahrt, saugte die vorbei fahrende Landschaft in sich auf. Die Reise wird er niemals vergessen. Von den viel aufregenderen Ereignissen, die vor ihm liegen, ahnt er damals noch nichts. In Rokitnitz sieht er zum ersten Mal im Leben ein Fahrrad. Ein solches Gefährt gibt es in Ribnei nicht. Noch spannender findet er die Litfaßsäule, die den Jungen derart faziniert, dass die Mutter Mühe hat, ihn von der Anschlagsäule wegzubekommen. Die Nachrichten aus Afrika, Russland und Amerika zogen ihn in ihren Bann. Marie ist glücklich, ihren talentierten Nachwuchs zu beobachten. Sie drängt zur Eile, denn nur ein Zug fährt zurück nach Himmlisch-Ribnei. Eine Pferdekutsche ist die Alternative, die sie sich nicht leisten können.

Im Kindle-Shop: Leben ist Kampf

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'Trugbild der Schatten: Erster Teil der Aedon-Vohrn Trilogie' von Helmut Aigner

Aus Verbündeten werden Verräter - Freunde zu gnadenlosen Feinden, in einer Welt, in der das Wirken von Magie ein unsagbares Verbrechen darstellt.

Ein einfacher Auftrag gerät für eine Söldnerin aus Courant zu einem Desaster. Ein fanatischer Ritterorden macht Jagd auf eine Gemeinschaft von Verstoßenen. Und die letzte Elfenzivilisation Aedon-Vohrns steht kurz vor ihrem endgültigen Zerfall. Sie alle sind verbunden durch den Konflikt alter Mächte.

Einer Fehde der Gefallenen.

Gleich lesen: Trugbild der Schatten: Erster Teil der Aedon-Vohrn Trilogie

Leseprobe:
Wer durchschreitet blind die Nacht?
Hält dir als Letzter die Totenwacht?
Verkleidet Fluch in edle Pracht?
Baut sein Reich auf Niedertracht?
Bis alle Feuer hell entfacht!
König Mord, in finstrer Tracht.

1
Andauernd, jede Nacht, plagten sie düstere Albträume. Es blieb falsch, egal wie oft sie es durchlebte.
Unerklärliche Bilder verblassten nach dem Erwachen, mit rasendem Herzen suchte sie nach einer Erklärung.
Im Schlaf wurde Etaila zu jemand anderem, einer Frau, die in Furcht lebte vor ihren Verfolgern.
Sie rannte durch einen dichten Wald, gehetzt von einem Jäger, einen Mann ohne Gesicht, der sie drohte einzuholen.
Doch wenn sie sich umdrehte, war da nichts, nichts außer der Kälte zwischen den Ästen, dünnem aufsteigendem Rauch und purer Einsamkeit. Sie landete an einem anderen Ort, herausgerissen aus der verstörenden Vergangenheit.
Grübelnd sah die Träumerin eine Siedlung, klein, friedlich und abgelegen in den Bergen, die sie nie bereist hatte. Sie erspähte eine alte Frau mit sorgenvollem Blick, die Sorgfalt galt allein dem Schicksal der Besucherin- Etaila.
Der Tod kam in die kleine Siedlung.
Die Vorsteherin wurde erstochen von einem Mann bewaffnet mit schlichtem Dolch. Er wechselte sein Angesicht, war erst jung, später alt und wieder umgekehrt.
Doch das war nur der Beginn, die Eindrücke änderten sich rasch, sie konnte kaum folgen.
Sie sah ein Heer von Angreifern, keine Menschen, sie brachten das Leid in die entlegenen Täler des Grenzlandes der Thärden, den kriegerischen Clansleuten und verhassten Nachbarn der Elfen.
„Es sind Orks, flieht, wenn Ihr sie bemerkt, sonst ist es um Euch geschehen", flüsterte eine leise ängstliche Stimme ihr in den Nächten zu.
Diese Warnung flößte ihr Angst ein und machte sie panisch.
Wieder befand sie sich in dem lichtlosen Wald unter schiefen Baumreihen. Sie zitterte vor Angst und Kälte, und als sich Etailas anderes Ich umwandte, stand jener, der seine Form wechselte, hinter ihr, mit gezogenen Dolchen und einem frostigen, mordgierigen Glitzern in den Augen.
Die ängstliche Stimme in ihr begann zu sprechen. Sie flüstere nur einen Namen. Es war derselbe, den die alte Frau kurz vor ihrem Tod gehaucht hatte. Ein mächtiger Name, so althergebracht wie die Sagen ihres Volkes „Viondars".
Dann wachte sie auf, den Klang ihres eigenen Schreies in den Ohren. Der wirre Traum riss sie aus dem Schlaf. Sie setzte sich auf ihre einfache Schlafstätte, Säcke, gefüllt mit Stroh.

Die Söldnerin benötigte eine Weile, um frei durchatmen zu können. Es waren nur Spukbilder gewesen, sagte sie sich. Und doch war sich Etaila unsicher. Sie hatte eine völlig andere Person gemimt, jemanden mit anderer Vergangenheit, mit sensiblem Charakter, das komplette Gegenteil ihrer selbst.
Anfangs grübelte sie über den Irrsinn nach, den sie empfand, dann betrachtete sie die junge aufgehende Sonne durch die geöffnete Dachluke. Und der Traum der vergangenen Nacht verschwand im hintersten Winkel ihres Unterbewusstseins.
Es gab Wichtigeres zu tun. Sie sprang auf und kleidete sich an. Hose, Gürtel, Wams - einfache Kleidung zum Arbeiten, geeignet für viele Berufe in Courant, ihrer erwählten und ebenso schäbigen Heimatstadt. Berufe, bei denen das Schwert das wichtigste Werkzeug darstellte.
Sie wusch sich das Gesicht in einer hohen Schüssel gefüllt mit eiskaltem Wasser.
Zum Frühstück setzte sie sich an einen schiefen Tisch, der kaum sein eigenes Gewicht tragen konnte. Es gab Haferbrei zum Essen, schal wie üblich, zu mehr reichte das Geld kaum aus.
Man konnte nicht behaupten, dass sie in Luxus schwelgte.
Jetzt, so früh am Morgen, lag der kleine Raum fast in völliger Dunkelheit, ihr Ruhelager, ein schiefer Schrank und eine Truhe, alles war nur spärlich beleuchtet. Ein Kienspan spendete ein wenig Helligkeit, damit die junge Frau sich im Inneren zurechtfand.
Sie bereitete sich auf ihren neuen Arbeitstag vor.
Die Eskorte von Händlern und anderen Kunden war im unruhigen Süden keine Seltenheit. Einige Abgesandte aus der örtlichen Händlergilde hatten sie angeworben, als Begleitung zum Schutz ihrer Leben und ihrer Waren.
Ihr guter Ruf war ausschlaggebend gewesen. Sie wurde als Söldnerin zu den wenigen gerechnet, die an untätigen Tagen nicht schon am frühen Mittag betrunken in ihrem eigenen Erbrochenem lagen.
Sie nahm ihr Handwerk ernst.
Sie würde stundenlang neben einem Kutschbock sitzen und einige Dutzend Fässer bewachen; Abenteuer sahen anders aus.
Dafür gab es dann am Ende des Tages einige Münzen.
Das war besser als mit knurrendem Magen schlafen zu gehen, dachte sie nüchtern. Es gab in Courant als Frau nur zwei Möglichkeiten: Entweder man wurde die Ehefrau eines Halsabschneiders, oder selbst einer. Das hatte ihr Vater ihr einst als Rat mitgegeben. Sie machte es anders. Denn sie hatte schon viele Halsabschneider gesehen, die am Strick endeten.
Sie ging einige Schritte, griff in die Dunkelheit hinein.
Aus der Truhe nahm sie ihr Kopis heraus, einen Schildbrecher, der Rundschilde mit Wucht durchdrang und zu Kleinholz verarbeitete. Eine gut geschmiedete Waffe, wenn man bedachte, dass ihr alter Herr, der Hufschmied eines Dorfes nah der Marschen, es damals aus Altmetall hergestellt hatte. Fieber in Winter hatte ihr den Vormund geraubt, ihre Mutter kannte sie kaum, sie war noch während ihres Kindesalters fortgegangen.
Nicht ungewöhnlich; das raue Land um Courant raffte jedes Jahr genug Menschen dahin.
Das Schwert war das einzige Erinnerungsstück, das von ihrem Vater blieb, und es hatte ihr in ihrer Jugend genügend ausgehungerte Wölfe aus den Bergen vom Leib gehalten.
Sie hatte es gestern Abend vorsorglich geschliffen.
Alles war vorbereitet. Die einfache Schutzkleidung, in der sie steckte, war vor einer Woche geflickt worden. Sie fuhr in einem Wagen heraus aus dieser großen Ansammlung von heruntergekommenen Hütten, die sich eine Stadt nannte. Vielleicht kam sie sogar für längere Zeit heraus.
Sie machte sich Mut für die Zukunft, als sie ihr Häuschen verließ und in den grauen morgendlichen Himmel hinaus spähte.
Die Sonne blieb eine kleine matte Scheibe am Horizont, die heute kaum Licht gab.
Die Straßen sollten zu dieser Uhrzeit menschenleer sein, selten hatte einer der Bewohner einen Grund so früh seine Behausung zu verlassen. Diesmal war es ähnlich. Nur Irna die alte Vettel, die auf der Veranda ihrem Haus gegenübersaß, war schon wach und reckte sich in einem Schaukelstuhl. Ihre Vermieterin, ein schrecklich geiziges Weib, das sie am ausgestreckten Arm verhungern ließe, nur um sich ein paar Geldstücke zu sparen. Sie grüßte das böse Weib und erntete aus der Entfernung ein herablassendes Grinsen, fehlte nur die Aufforderung, die Miete rechtzeitig zu begleichen.
Aber sie suchte kein Ärger mit ihr, die Anwohnerin bezahlte bisher immer pünktlich und machte selten Schwierigkeiten. Die Söldnerin grinste zurück, fluchte in Gedanken laut auf und ging die matschige Straße entlang.
Alte Schlampe, soll dich doch der Teufel holen.
Ein bis zwei Wochen nicht hier zu sein, würden ihr gut tun.
Etaila, die junge Frau mit dem hübschen Gesicht, dem blonden Haar und der frischen Erscheinung, ging an einem verschlammten Tümpel vorbei, passierte eine schmale Brücke, nur ein breites Brett über einen schlammigen Weiher. Die Wolkendecke am Firmament färbte sich weiter grau, ein leichter Schauer kündigte sich an. Kaum ungewöhnlich in dieser Ecke der Welt, die raue See der Frostbanninseln brachte reichlich schlechtes Wetter in den Süden.
Entfernt hörte sie Reiter, sie besaß kein Pferd und durfte nicht zu spät zur Handelsstation gelangen, man würde nicht wegen einer einzelnen Person die Karawane warten lassen. Zeit war Geld und sie nahm die Beine in die Hand.
Sie rannte an weiteren, immer gleich aussehenden Rundhütten vorbei, jederzeit darauf bedacht, nicht im Schlamm oder Pferdemist auszurutschen oder stecken zu bleiben.
Großartig, der Tag begann mit einem Sprint, hoffentlich war sie nicht überfällig, so einfache Arbeit gab es in den nächsten Tagen nicht erneut.
Sie hörte das Gebrüll hinter sich, ein Bote spornte sein Ross zu mehr Geschwindigkeit an und nahm dabei keine Rücksicht auf Fußgänger. Die junge Frau wurde beinahe über den Haufen geritten, nur durch Haaresbreite entkam sie den ausscherenden Hufen, ein Sprung zum Wegrand in eine Pfütze rettete sie zumindest vor einer schmerzhaften Verletzung. Sie kroch ein Stück voran und wischte sich den Schlamm aus dem Gesicht. Sie hörte lautes Gelächter. Der Reiter hatte Freude an seinem Sprung gehabt.
Wenig später erreichte sie den Handelsposten, zu früh. Die Händler dachten gar nicht daran, überstürzt aufzubrechen, Etailas Hosen und Mantel waren von Matsch verkrustet und ihre Laune war, morgendlich, bereits verdorben.
Ein alter Mann mit langem grauem Bart und einer erstaunlich intensiven Bierfahne empfing sie vor dem Kutschbock.
„Ihr müsst Etaila sein.“ Ihm war dies klar, weil sie die einzige Frau auf der Reise sein sollte.
„Wer sonst", war ihre knappe Antwort.
Man blieb trotzdem höflich zu ihr und übergab, wie vereinbart, drei Silbermünzen als Vorschuss.
Wenigstens sind die Pfeffersäcke nicht knickrig. Sie haben wohl Muffensausen die große Fahrt mit zu Wenigen anzutreten.
Dachte sie beim Aufsitzen auf einen Karren, der mit bauchigen Fässern beladen wurde. Eine Gruppe weiterer Bewaffneter begrüßte sie wortkarg, sie brummte ein Hallo zurück. Das reichte, mehr Worte musste man innerhalb der Zunft nicht wechseln.
Währenddessen verstaute man Bier, eine wichtige Handelsware für viele Dörfer im Umkreis von Meilen.
Jemand reichte ihr einen Becher mit dunklem Gerstensaft. Sie nahm einen Zug. Nicht das schlechteste Zeug.
Vielleicht wird der Tag ja, doch noch vernünftig, sie versuchte sich Mut zu machen.

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15. Januar 2018

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Gleich lesen: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut

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'Mafia Sisters. Love in the Dark' von Monica Bellini

Clarissa lebt als anerkannte Kunstexpertin in London, ihre Karriere steht an erster Stelle. Von ihrer Schönheit ahnt sie selbst wenig, und für die Liebe scheint ohnehin keine Zeit.

Kaum jemand kennt ihr Geheimnis: Clarissa Corsini ist die Tochter eines Mafiabosses aus Sizilien, vor acht Jahren hat sie die Cosa Nostra hinter sich gelassen und ein neues Leben begonnen. Aber die dunkle Vergangenheit lässt sich nicht abstreifen wie ein verschlissener Rock. Clarissa wird seit Jahren auf Schritt und Tritt verfolgt, und als ihr Vater, Don Bartolo, stirbt, muss sie zurück nach Italien. In Palermo sieht sie ihre Schwester Candida wieder. Aber wo steckt Celeste, die jüngste der drei Schwestern?

Die Ereignisse in Sizilien überschlagen sich, und nach einer Feier erlebt Clarissa eine leidenschaftliche Nacht mit Allessandro. Ein berauschender Liebhaber, der ungeahnte Gefühle wiedererweckt. Doch wer ist dieser Mann wirklich?

Gleich lesen:
Für Kindle: Mafia Sisters. Love in the Dark
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Leseprobe:
»Zier dich doch nicht so!« Brittany streckt mir die Hand entgegen und zieht mich aus dem Taxi. Mit so viel Schwung, dass ich in ihren Armen lande. Lachend drückt sie mich von sich und fuchtelt mit dem ausgestreckten Zeigefinger vor meinem Gesicht herum. »Spar dir deine Kuschelenergien für den Typen, der da drin auf dich wartet.«
Sie deutet auf die dunkelrote Fassade des Hauses, das zwischen all den Hochhäusern winzig und unscheinbar wirkt. Nichts weist darauf hin, dass hier das Event stattfindet, zu dem sie eine Einladung für zwei Personen erhalten hat. Die lag in einem zugeklebten Kuvert, auf dem handschriftlich ihr Name stand. Der Concierge hat es ihr gestern Abend, als wir ins Hotel zurückkamen, ausgehändigt. Noch im Lift riss sie den Umschlag auf, starrte auf das schwarze Kärtchen – und begann zu grinsen. »Das ist es! Der perfekte Abschluss des anstrengenden Aufenthalts hier!«

***

Wir sind nicht in New York, um Urlaub zu machen. Die letzten zwei Wochen unseres halbjährigen Praktikums im Londoner Stammhaus von Christie’s absolvieren wir hier bei Christie’s im Rockefeller Center, und nach unserer Rückkehr werden wir erfahren, ob wir zu den Auserwählten gehören. Das ultimative Ziel der Absolventen aller Kunstakademien der Welt ist es, für das traditionsreiche Auktionshaus zu arbeiten. Dass wir beide unmittelbar nach dem Diplom am Camberwell College of Arts einen Praxisplatz in der King Street erhielten, grenzte an ein Wunder. Und jetzt stehen wir so knapp vor der Erfüllung unseres Traums einer Festanstellung, dass mein Körper anstelle von Blut mit Adrenalin gefüllt ist. Nur deshalb zerriss ich das Kärtchen nicht einfach in der Luft, als Brittany es mir in die Hand drückte und ich den Blick darauf senkte.

Sexy Night: Alles kann – nichts muss ...

Goldene Lettern auf schwarz glänzendem Papier. Darunter Datum, Uhrzeit und eine Adresse im East Village. Kein Absender. Nur eine handschriftliche Notiz auf der Rückseite.

Bringen Sie Ihre Freundin mit, Brittany. Sie beide sind einzigartig und brillant. Sie haben sich ein außergewöhnliches Erlebnis verdient.
Eine Freundin

***

»Der perfekte Abschluss«, wiederhole ich Brittanys Worte, ergreife ihre Hand und steige neben ihr die wenigen Stufen zu dem dunkelroten Haus mit den weißen hohen Rundbogenfenstern hinauf. Was auch immer uns da drinnen erwartet – es passiert in New York, und es bleibt hier. Viele tausend Kilometer von der Heimat entfernt.
Die Tür öffnet sich, noch bevor wir sie erreichen. Die Frau mittleren Alters trägt dasselbe Businesskostüm wie heute Nachmittag bei unserer offiziellen Verabschiedung in einem der Meetingräume von Christie’s. Margaret Higgins ist diejenige, die mit ihrer Bewertung über unsere berufliche Zukunft entscheidet. Ich ziehe scharf die Luft ein und Brittany japst neben mir. Der Art Director lächelt breit. »Mein Name ist Maggie. Kommt bitte herein und legt ab.« Sie deutet auf eine Garderobe, an der bereits einige durchweg weibliche Mäntel hängen. Wortlos tun wir, was sie von uns erwartet, und folgen ihr in einen Raum, der wie ein englischer Teesalon aus der Rokokozeit eingerichtet ist. Sie nimmt auf einem der zierlichen Stühle Platz und ich sinke neben Brittany auf das passende Sofa.
»Was ...?«
Endlich habe ich die Sprache wiedergefunden, und schon unterbricht mich unser Gegenüber mit einer Geste.
»Das hier hat nichts mit Christie’s zu tun. Dieses Haus ist seit Generationen im Besitz meiner Familie und wurde immer für besondere und nur einem kleinen Kreis zugängliche Feste verwendet.« Sie schlägt die Beine übereinander und lehnt sich zurück. »Ich habe euch beide in den vergangenen Wochen beobachtet, und bin mir sicher, dass ihr Gefallen daran finden werdet. Die anderen Damen – es sind acht – warten bereits im Nebenraum. Dort wird jede von euch aus einem Lostopf ein Kärtchen ziehen, auf dem eine Nummer steht. Es ist die des Zimmers, in dem euer Partner für heute Nacht wartet.«
»Das ist ...«
»... der absolute Wahnsinn«, beende ich Brittanys Satz. »Komplett verrückt, irre, einfach nur ...«
»… fantastisch!« Die Stimme meiner Freundin überschlägt sich.
Maggie lächelt breit über das ganze Gesicht.
»Wählt einen Namen, den ihr heute verwenden wollt. Wir teilen diese den Männern, die hier genauso Gast sind wie ihr auch, unmittelbar nach der Auslosung mit.«
»Ich habe kein Problem mit meinem Namen«, sagt Brittany.
»Claire.« Ich nenne den, mit dem mich eine französische Studienkollegin immer angesprochen hat.
Maggie nickt und erhebt sich. Wir folgen ihr. An der Tür verhält sie mit der Hand auf der Klinke und wendet sich um.
»Noch ein Letztes: Ihr könnt die Männer nicht sehen – und sie euch ebenso wenig. Das sexy Date findet bei absoluter Dunkelheit statt. Das erhöht den Reiz des Unbekannten und gewährleistet, dass ihr einander nicht wiedererkennt, solltet ihr wider Erwarten irgendwann durch Zufall auf den Partner der heutigen Nacht treffen. Und es endet damit, dass die Herren euch nach Ablauf der Zeit allein lassen. Das gibt euch die Möglichkeit, bei Licht ein Bad zu nehmen, euch anzukleiden und dieses Haus im gleichen Zustand zu verlassen, in dem ihr es betreten habt.«

Die nächsten Minuten verschwimmen im Nebel. Ich erkenne weibliche Silhouetten, lächelnde und angespannte Gesichter, höre ihre aufgeregt flüsternden Stimmen. Jemand dirigiert mein Handgelenk und ich greife in einen Behälter. Mit einem schwarzen Kärtchen, auf dem in einem goldenen Kreis erhaben die Zahl 7 aufgedruckt ist, ziehe ich die Hand wieder heraus.
»Vergesst nicht: Alles kann – nichts muss ...« Maggys Stimme klingt in meinem Kopf nach, als ich mit gummiweichen Beinen zaghaft an die Zimmertür mit meiner Schicksalszahl klopfe und diese von innen geöffnet wird. Ich trete in den stockdunklen Raum und halte den Atem an. Die Tür fällt zu, und auch der letzte Lichtschimmer verschwindet.

***

Ich kann ihn riechen. Sein herb-männlicher Duft hüllt mich ein und lässt mich atemlos verharren. Er ist hinter mir. Nah, so nah, dass ich seine Körperwärme spüre, noch bevor er mich berührt.
»Nicht erschrecken, Claire.« Er umfasst mit einer Hand mein Handgelenk und schließt meine Finger mit der anderen um ein hohes, schmales Glas. »Champagner zum Lockerwerden.«
Er ist so nah an meinem Rücken, dass ich die Härte seines muskulösen Oberkörpers erahnen kann. Lockerwerden? Ich bin so locker, dass sich meine Knochen wie Gummi anfühlen, will ich sagen – als meine Beine unter mir einknicken. Aber ich falle nicht. Sein Arm umschlingt meine Taille. Er zieht mich fest an sich. Hitze wallt in mir auf, steigt von den Füßen auf, breitet sich rasend schnell aus, erreicht meinen Kopf.
»Reagierst du immer so auf unbekannte Männer in der Dunkelheit?«, murmelt er an meinem Ohr, vergräbt die Nase in meinen Haaren.
Seine Stimme ist ein wenig rau, tief und unbeschreiblich sexy – und legt einen Schalter um. Der dunkle Ton, gemischt mit seinem unwahrscheinlich erregenden Geruch nach Erde und Mann, scheint direkt zwischen meinen Schenkeln einzuschlagen.
»Es ist mein erstes Mal«, flüstere ich – und es fühlt sich an, als ob ich noch Jungfrau wäre. »In der Dunkelheit, meine ich«, ergänze ich stammelnd.

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Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



13. Januar 2018

'Die Z Akten: Freefall' von P.G. Connor

Alles hat seine Zeit. Das Leben, die Menschen und der Tod.

Als ein mysteriöser Mann am Flughafen den nichts ahnenden Arzt und Wissenschaftler Leon Webber auffordert, ihm in einer dringenden Angelegenheit zu folgen, glaubt dieser zuerst an einen Aprilscherz eines Forscherkollegen. Was er dann in einem Labor erlebt, lässt ihm den Atem stocken. Es ist der Beginn einer turbulenten und tödlichen Reise. Abwärts. Denn die Toten erwachen.

Dieser Roman ist das Prequel zu „Die Z Akten”, erschienen im Dezember 2016.

Gleich lesen:
Für Kindle: Die Z Akten: Freefall
Für ePub-Reader: Buch bei BoD

Leseprobe:
Der Anfang vom Ende
An Tagen, an denen das Leben zum Sterben einlädt, sollte man vorsichtig sein, was man sich wünscht. Denn es könnte wahr werden.

1. April
Die Uhr schlug halb neun, als eine gewaltige Explosion die geschichtsträchtige und vom Smog der Großstadt bedeckte Sehenswürdigkeit erschütterte. Leon Webber, Arzt und Wissenschaftler, konnte nicht fassen, was er da sah, als das TV-Programm wegen einer Eilmeldung unterbrochen wurde.
Wie ein feurig gleißender Drache aus der fernöstlichen Mythologie stieg ein rotgelber Feuerball aus dem Nichts empor, der nach dem Himmel zu greifen schien. Leons Augen weiteten sich, während er den Kopf schüttelte.
Ohrenbetäubender Donner hallte über den großen Platz. Steine, Splitter und Metallteile flogen nach allen Seiten davon. Ahnungslose Besucher wurden niedergemäht. Spatzen und Schwalben fielen schockerstarrt vom Himmel oder schwirrten panisch davon.
Die Berichterstattung wechselte zu den Bildern einer zweiten Überwachungskamera, die den Ort aus einem anderen Blickwinkel zeigte. Zwei Polizisten, die dort Wache standen, hatten versucht, sich dem Sattelschlepper der Armee mit gezogenen Pistolen in den Weg zu stellen. Heldenhaft starben sie, als die thermobare Bombe einen Krater von zwanzig Meter Durchmesser und vier Meter Tiefe in den Asphalt hämmerte. Das Bild der Kamera zeigte nur noch schwarz-weißes Rauschen.
Bilder einer weiteren Kamera zeigten den Ort einige Augenblicke später. Der Druck hatte einen zwei Meter hohen Erdwall am Kraterrand entstehen lassen und den Rest des Tages Tod und Verderben geweiht.
Als sich der Feuerball in warme Luft und schwarzen Rauch aufgelöst hatte, sah man die Reste der roten Fassade des historischen Bauwerks, die mit Splittereinschlägen übersät war. Fassadenputz bröckelte ab, und hölzerne Elemente des Tores standen hell in Flammen.
Leon erinnerte sich, wie er ein paar Jahre vorher genau dort gestanden hatte. Jetzt lagen überall qualmende Leichen oder Körperteile herum. Das Bild des großen Führers Mao baumelte nur noch an einem Seil hin und her und drohte, herunterzufallen. Der Tiananmen-Platz vor dem Tor des himmlischen Friedens in Peking sah aus wie ein Schlachtfeld.
Als hätte er der Zerstörung Sodoms und Gomorrhas beigewohnt, sah er, wie zur Salzsäule erstarrt, dem barbarischen Treiben zu. Der Geruch von Schießpulver, Brandbeschleuniger und verkohltem Fleisch kroch tief aus seinen Erinnerungen in sein Gedächtnis hervor.
»Einstein hatte recht«, brummte der ergraute Mittfünfziger. »Zwei Dinge sind grenzenlos. Die menschliche Dummheit und das Universum. Nur bei Letzterem gibt es noch berechtigte Zweifel.« Er hatte genug gesehen und schaltete den Fernseher aus. Sein Blick fiel auf die Rolex an seinem Handgelenk. Er schnappte seine Reisetasche, sah noch einmal aus dem Fenster seiner Penthouse-Wohnung auf die Spree und das friedliche Berlin, und atmete tief ein. »Auf zu neuen Ufern«, sagte er entschlossen und verließ seine Residenz im Westfälischen Viertel.

Im Kindle-Shop: Die Z Akten: Freefall
Für ePub-Reader: Buch bei BoD

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12. Januar 2018

'Das Auge des Horus: Erwachen' von Pascal Wokan

Vergiss alles, was du bislang geglaubt hast, zu wissen!

Vor über zweitausend Jahren wurden die altägyptischen Götter geächtet und die Splitter ihrer Seele in mächtige Artefakte gebunden. Verborgen vor Menschenaugen befinden sich Ordnung und Chaos im Gleichgewicht, doch im Untergrund tobt ein uralter Krieg. Simon Contewill ist ein Magier des Horus. Als in Sky Baker der Splitter eines mächtigen Gottes erwacht, ahnt Simon bereits, dass das Gleichgewicht der Kräfte außer Kontrolle geraten ist. Ihre Feinde holen zum entscheidenden Schlag aus und wecken etwas in der Finsternis, das besser verborgen geblieben wäre.

Mystische Artefakte, mächtige Götter und uralte Geheimnisse. Tritt dem Auge des Horus bei, um den Verlauf des Schicksals zu ändern.

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Leseprobe:
An einer der beiden Säulen des Tempels in der Abteilung für ägyptische Kunst kam Jesper Blake zum Stillstand. Sein Atem rasselte und seine Lungen brannten, während er sich an der rauen Oberfläche der Sandsteinsäule abstützte. Sie war mit einer feinen Staubschicht bedeckt und wurde von gelben Neonscheinwerfern beleuchtet.
Zu langsam.
Jesper wischte sich den Schweiß von der Stirn, stolperte an der Säule vorbei und stürzte auf das Kapitell des Tempels von Dendur zu. Als seine Hände an den steinernen Ausbuchtungen entlangfuhren, schürfte er sich schmerzhaft die Finger auf. Dabei hätte er vor Aufregung fast den Knopf übersehen, der ihm das Leben retten könnte. Mit einem leisen Stöhnen drückte er darauf und wartete gespannt.
Irgendwo in der Ferne schrillte eine Alarmglocke. Einen Augenblick später fuhr am Eingang der Abteilung mit einem lauten Krachen das stählerne Sicherheits-Trenngitter herunter. Der Boden bebte unter der Wucht des Aufpralls.
Wenigstens etwas …
Jesper rutschte kraftlos zu Boden und gönnte sich einen tiefen Atemzug. Zaghaft lugte er hinter dem Tempel in Richtung des Trenngitters hervor.
Niemand war zu sehen.
Habe ich es mir nur eingebildet?
Die Alarmglocken gingen aus.
Mit einem Fluch stemmte er sich wieder nach oben und konnte spüren, wie seine Beine zitterten. Er war es nicht gewohnt zu rennen oder um sein Leben zu fürchten. Das war etwas für jüngere Männer, aber nichts für den Kurator des Metropolitan Museum of Art.
Erneut wischte er sich über die Stirn und sah sich verstohlen um. Am anderen Ende konnte er eine große Statue der Hatschepsut erkennen, direkt daneben einen detaillierten Nachbau eines Gartens aus dem Grab von Meketre.
Es war still, einzig sein tiefes Schnaufen war zu hören und verlor sich am anderen Ende der Abteilung. Nichts gab Hinweis darauf, dass er vor wenigen Minuten noch verfolgt worden war.
Ich hätte nicht mehr hier sein sollen.
Sein ganzes Streben war nun darauf gerichtet, zu überleben. Sollte allerdings eines der besonderen Artefakte an diesem Ort vermutet werden, dann musste er schnell handeln und alle nötigen Schritte in die Wege leiten. Zu viel stand auf dem Spiel.
Das Blut rauschte ihm in den Ohren, als er hinter dem Tempel hervortrat und durch den Raum in Richtung der nächsten Abteilung wanderte.
»Du hättest nicht weglaufen sollen«, sagte eine Stimme hinter ihm.
Jesper blieb stehen und spürte, wie es ihm eiskalt den Rücken hinunterlief.
»Wenn du es nicht getan hättest, dann würde ich nichts an diesem Ort vermuten.«
Langsam wandte sich Jesper um und blickte in das hagere Gesicht eines hochgewachsenen Mannes, mit mittellangen grauen Haaren und einem vorspringenden Kinn. Hinter den Gläsern seiner braunen Hornbrille lugten zwei kalte Augen hervor, die ihn geringschätzig musterten. Aufgrund seines grau karierten Tweedanzugs hätte man ihn für einen Versicherungsvertreter halten können. Das war er aber nicht. Dr. Noah Brenner war ein Mann mit einem großen Geheimnis.
»Noah«, sagte Jesper und versuchte einen Hauch von Selbstbewusstsein zu verströmen.
»Jesper.« Der hagere Mann nickte knapp. »Es ist schade, dass wir uns unter diesen Umständen wiederbegegnen.«
»Es scheint so.«
Noah verzog das Gesicht und kam langsam auf ihn zu. »Wo ist es?«, fragte er mit einer Stimme, die keinerlei Wärme beinhaltete. Nichts erinnerte mehr daran, dass sie einst Freunde gewesen waren.
»Wo ist was
Noahs Gesicht verhärtete sich. »Du weißt, wovon ich rede!«
Jesper stolperte einige Schritte zurück, während ihm der Schweiß mittlerweile den Nacken hinunter rann und seine Kleidung unangenehm auf der Haut kleben ließ.
»Vielleicht weiß ich das. Ich werde es dir aber nicht sagen. Nicht dir und nicht der Organisation, der du dienst.«
Der hagere Mann schüttelte den Kopf. »Es war ein Freundschaftsdienst, den ich dir erwiesen habe, als ich alleine gekommen bin. Ich wollte mich vergewissern.« Er zögerte. »Stell dir vor, was es für eine Überraschung war, als ich festgestellt habe, was sich in deinem Besitz befindet.«
Mit einem schweren Seufzer blieb Jesper stehen und begegnete dem vorwurfsvollen Blick. »Du weißt schon lange, wofür ich stehe. Erinnere dich an unsere gemeinsamen Jahre des Forschens. Erinnere dich daran, warum sich unsere Wege einst getrennt haben.«
»Natürlich weiß ich das.«
»Dann verstehst du auch, warum ich dir nicht weiterhelfen kann.«
»Oh, du kannst mir durchaus weiterhelfen.« Noah gab ein raues Lachen von sich. »Du hast es versteckt, Jesper Blake. Vor uns.« Er blieb direkt vor ihm stehen und zog etwas aus der Jacke. Es war ein gebogener Dolch aus purem Gold mit einem elfenbeinfarbenen Griff in dessen Ende rote Edelsteine eingelassen waren.
»Du willst mich also wirklich ermorden? Das hätte ich dir nicht zugetraut, Noah.«
»Du weißt, dass dies auch anders ausgehen kann, alter Freund.«
»Deine Drohungen sind überflüssig. Egal, was du auch tust, du wirst von mir nichts erfahren.« Er wagte einen schnellen Blick ans andere Ende der Abteilung. Der Ausgang stand einladend offen. Seine letzte Rettung.
Noah grinste wölfisch. »Versuche es erst gar nicht!«
Jesper rannte los, so schnell ihn seine Füße tragen konnten. Seine Schritte trommelten auf dem kalten Marmor, während er auf den Ausgang zustürzte. Mit einem flüchtigen Blick zurück erkannte er, dass Noah ihm nicht folgte. Der Mann stand weiterhin dort und sah ihm mit gerunzelter Stirn nach.
Er wird mich wieder finden … schneller!

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11. Januar 2018

'Fotomord' von Patrick Worsch

Missbrauch oder Elternliebe? – Der erste Roman über Kinderbilder im Netz.

Geknipst, gefilmt und täglich gepostet: Das Leben der kleinen Luna wird rücksichtslos im Internet zur Schau gestellt. Seit ihrer Geburt dient sie ihren Eltern als Mittel für Lob und Likes. Trommler erkennt, wie das Mädchen darunter leidet. Soll er nichts tun und auf das Schicksal hoffen? Sich einmischen und den Eltern ein paar Takte sagen? Oder muss er Luna entführen, um die Privatsphäre aller Kinder durch ein "gutes Verbrechen" zu beschützen?

Der junge Mann entscheidet sich. Die Konsequenzen könnten schlimmer nicht sein.

Für kurze Zeit zum Einführungspreis von nur 99 Cent erhältlich.

Gleich lesen: Fotomord: Roman

Leseprobe:
Trommler kontrollierte die Adresse am Zettel. Da die Hausnummer eine gerade Zahl war, ging er die Gasse aufseiten der ungeraden hoch. Er versuchte, langsam und ziellos zu spazieren, vor allem wenn ihm Leute entgegenkamen, die hinab zum Kirtag marschierten. Als ihm aber eine Frauengruppe begegnete, begann er zu pfeifen und grinste ihnen im Vorbeigehen zu.
Bestimmt drehen sich die um und besprechen dich. Lass den Stumpfsinn!, befahl er sich.
Schon einmal war er in dieser Gasse gewesen, vermutlich bei einem Schulausflug. Viele Häuser glichen aber kaum noch jenen aus seiner Erinnerung. Früher gab es in ihnen ein oder zwei große Fenster, nun bestand jedes dritte bloß noch aus Glas. Hinter einer dieser Fronten verrenkte sich eine Frau auf einer Yogamatte, während sie nach draußen blickte.
Wie lang ist das her? – Zehn bis fünfzehn Jahre, schloss er. Da haben sie begonnen, ihre Privatsphäre für die Anerkennung zu opfern. Damals hat es ihnen genügt, die Villa zu besitzen. Heute verlangen sie, dass die anderen zusehen, wie sie sich darin wohlfühlen.
Nach der Nummer Fünfzig machte die Gasse eine Kurve, und dahinter erschien eine Schranke. ›Nur für Anrainer und Besucher‹, stand am Schild neben dem leeren Wärterhäuschen. Er umging den Balken und sah zu einem Glashaus in Würfelform. Als er aber glaubte, am Ziel zu sein, bemerkte er die Hausnummer, die nicht zu seiner Notiz passte.
Das Nurschel-Haus war das letzte in der Gasse. Es war auf einem Hang errichtet. Damit es nicht abrutschte, hatte man wohl tonnenweise Erde aufgeschüttet und starke Pfeiler verwendet. Der Baustil war weder modern noch durchsichtig: spitzes Dach, Betonmauern, kleine Fenster mit herabgezogenen Rouleaus. Entlang der Vorderseite des Grundstücks verlief ein Holzzaun, der von hohen Hecken überragt wurde. Bis auf eine wuchsen sie kerzengerade.
Auf den Fotos im Internet hatte er nie das Gebäude, sondern nur den Zaun und die Hausnummer am Briefkasten gesehen. Umso mehr überraschte ihn die Bauart. Dieses Gebäude widersprach dem Verhalten und dem Lebensstil seiner Bewohner. Online veröffentlichten sie ihre Freunde, ihre Lebensläufe, ihre Aktivitäten und ihr Kind, offline bemühten sie sich aber scheinbar, ihr Leben im Haus zu verstecken. Erdgeschoss, erster Stock, Dachboden, Seitengebäude – die gesamte Vorderfront offenbarte keinen Quadratmeter aus dem Inneren.
Er ging weiter. Ein kleines Waldstück grenzte an. Zwischen den Bäumen und dem Grundstück lief ein schmaler Trampelpfad aufwärts. Die Hecken waren hier niedriger und wuchsen nicht mehr gerade, der Holzzaun wurde von Maschendraht abgelöst. Er hielt vor einer Nische, in der man eine Hecke ausgerissen hatte; die Wurzeln ragten noch wie Gedärme aus der Erde. Durch diese Nische überblickte er den Garten. Der Rasen war kurz gemäht, nicht ungepflegt, aber lang nicht so englisch wie die meisten anderen in der Gasse. Es gedieh Unkraut, einige Blumen waren von der Hitze verdorrt und geknickt; auf dem Tisch und den vier Stühlen lagen Blätter und Äste des alten Apfelbaums. Im Zentrum des Gartens war ein kleines Biotop angelegt, trotz des Sonnenscheins glitzerte das Wasser aber nicht.
Dann spähte er zur Hinterseite des Hauses. Im ersten Stock erstreckte sich ein langer Balkon, auf dem drei Sonnenliegen standen; ein Schaukelstuhl wippte dahinter im Wind. Durch zwei Türen gelangte man vom Balkon ins Haus: Eine führte in einen großen Raum, der von einem dicken Vorhang verdeckt wurde; durch die zweite betrat man wohl einen Gang, der zu den Räumen neben dem Balkon leitete. Das erste und das dritte Fenster wiesen keine Besonderheiten auf, vom zweiten lächelte aber ein Mond mit blauen Augen. Es war die Art Fensterschmuck, die kleine Kinder basteln und sich an die Scheibe kleben.
Luna bedeutet Mond, schloss Trommler. Das ist ihr Zimmer.
Das Fensterbrett lag etwa in drei Meter Höhe, er entdeckte aber kein Hilfsmittel, worauf man steigen, oder woran man sich festkrallen konnte. In der Mauer war kein Hahn, nirgendwo lehnte eine Leiter, und die Stühle um den Gartentisch sahen instabil und niedrig aus.
Im Seitengebäude sind gar keine Türen oder Fenster, sagte er sich. Das würde nur über den Balkon funktionieren ... Vielleicht würde es aber auch mit … – Er sah zu dem kleinen Kellerfenster. – Das wäre knapp, aber die Entfernung lässt es wohl enger wirken. Wahrscheinlich braucht man nicht einmal einen Hammer. Einmal zutreten und ... Aber wie laut wäre der Bruch? Die Scherben würden fallen ... Wie tief runter? Und worauf landen sie? Auf Holz? Im Keller eher auf ...
Da erschallte eine Frauenstimme: »Was machst du?«, rief sie.
Trommler duckte sich.

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10. Januar 2018

'Geliebter Feind: Die Schützin im Reisfeld' von Devon Anderson und Suzanna LeMonde

Vietnam, 1967. Über der Erde tobt im ganzen Land ein erbarmungsloser Krieg. Doch unter der Erde, in den Tunneln, dem sogenannten Ho-Chi-Minh-Pfad, der vom Norden Vietnams bis in den Süden reicht, organisiert sich der Widerstand. Kim Lys Bruder Nhut nimmt den gefahrvollen Weg auf sich, Mutter und Schwester in Sicherheit zu bringen, doch als er länger braucht als erwartet, macht sich Kim Ly mit einem Freund auf ins Ungewisse, um nach ihm zu suchen. In einem verlassenen kleinen Dorf treffen sie nicht nur auf ihn, sondern auch auf JiâSun, ein eigensinniges, impulsives und starrköpfiges junges Mädchen, so ganz anders als die zurückhaltende, schüchterne Kim Ly.

Auf der anderen Seite stehen die US- Soldaten Zack und Scott, deren Wege sich immer wieder mit denen der beiden jungen Frauen kreuzen. Und schon nimmt das Leben aller eine unerwartete Wendung.

JiâSun, widerborstig, unbelehrbar und tollkühn, kämpft jedoch ihren ganz eigenen Krieg. Ihr Verhalten sorgt nicht nur innerhalb der Gruppe für Anspannung, sondern auch für offene Abneigung der eigenen Landsleute. Kim Ly geht es besonnener an. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten kommen sie den Soldaten näher.

Eine Liebe entbrennt, inmitten von Krieg, Elend und dem schwierigen Leben zwischen den Kulturen, begleitet vom Tod und dem Wunder neuen Lebens.

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Leseprobe:
JiâSun verbrachte nun schon etliche Stunden auf dem Baum und ließ die letzten Tage Revue passieren, als in einigen hundert Metern ein Schwarm bunter Vögel aufflog. Das konnte natürlich mehrere Ursachen haben, andere Tiere etwa, gerade hier in der Nähe des Flusses, aber JiâSuns Instinkt mahnte sie zur Vorsicht. Jede überflüssige Bewegung vermeidend, wechselte sie in der Astgabel die Position und schob ihren schmerzenden Körper den dicken Ast entlang, soweit sie konnte, ohne dass der Ast unter ihr brach, aber doch weit genug, um nach unten und in weiterer Ferne gute Sicht zu haben. Die Stelle, an der die Vögel aufgeschreckt waren, lag auf der anderen Flussseite. Die Minuten verstrichen, ohne dass sie etwas sah oder hörte. Sie beschloss, noch einige Minuten in dieser Position auszuharren, als sich die wogende grüne Wand am anderen Ufer an einer Stelle teilte, und etliche US-Soldaten hervortraten. Sie sicherten vorsichtig nach allen Seiten ab.
Über JiâSuns Gesicht lief ein böses Lächeln. Ihr könnt noch so viel sichern, dachte sie, es wird euch nichts nützen. Langsam legte sie den Sicherungsflügel der M16 mit ihrem Daumen um. Dann stellte sie das Gewehr auf Einzelschuss. Einer der Soldaten holte nun eine Karte hervor und beriet sich mit einem anderen, als JiâSun einen weiteren Soldaten, der sich am Flusswasser erfrischte, anvisierte. Sie drückte sich noch etwas enger an den Stamm des Astes, den Lauf des Gewehres geschützt in der Armbeuge. Sie zog den Finger bis zum Druckpunkt durch. Einen Moment wollte sie noch warten, bis sie den Soldaten erschoss. Eiseskälte hatte ihr Inneres erfasst.

*

Benny Rhodes wollte sich am Wasser etwas erfrischen. Seine Einheit wollte hier Rast machen und dann weiter westwärts gehen und das Gebiet nach Vietcong durchkämmen. Er hatte noch vierzehn Tage vor sich, dann würde er endlich nach Hause zurückkehren können. Zwölf Monate Vietnam lagen hinter ihm und das war seine letzte Tour. Sein Lieutenant hatte ihm persönlich versichert, das er unversehrt daheim bei seiner Familie in New Jersey ankommen würde. Er hielt diesen letzten Einsatz für komplett überflüssig. Seit sie vor zwei Tagen von einem Helikopter des Camps im Dschungel abgesetzt worden waren, hatten sie nicht einen Vietcong zu Gesicht bekommen. Ein paar Kilometer noch, dann würde der Helikopter sie wieder einsammeln und zurück ins Camp fliegen. Und das Thema Vietnam war so gut wie erledigt für ihn. Er freute sich schon auf Sally, seine Frau. Seit fünf Monaten hatte er sie nun nicht mehr gesehen. Er wollte sich gerade aus der Hocke wiederaufrichten, als er von einer unsichtbaren Faust nach hinten geschleudert wurde. Ein heißer Bolzen drang in sein Gehirn. Der einsame Schuss durchbrach trocken die Stille und scheuchte ein paar Wasservögel auf. Dann herrschte wieder absolute Ruhe. JiâSun in ihrem Versteck hoch oben auf dem Baum nahm mit tiefer Genugtuung wahr, wie die anderen Soldaten links und rechts in den Büschen am Ufer des Flusses Deckung suchten. Bei ihnen herrschte absolute Aufregung über die Frage darüber, wo der Heckenschütze, der Rhodes im Fluss erwischt hatte, lag. Ferngläser wurden hervorgeholt. Meter für Meter tasteten die Männer mit den Augen das andere Ufer ab, aber sie sahen nichts. JiâSun jedoch hatte schon ihr nächstes Opfer im Visier. Einen Soldaten, der etwas abseits stand und nun steif vor Angst versuchte, rückwärts in den rettenden Dschungel zurückzuweichen. Gnadenlos sah sie zu, wie er Schritt für Schritt zurückwich, und wusste doch, dass er ihr nicht entkommen würde. Sie zählte dann langsam, ganz für ihr eigenes Vergnügen, bis drei, der Finger krümmte sich erneut. Dann peitschte der Schuss. Er traf Private Jackson, der erst vor vier Tagen im Camp angekommen war, in die Brust. Er fiel ohne einen Laut nach hinten in das hohe Gras. Der nächste, den es erwischte, war der Funker, der gerade auf den Weg in den Fluss war, um Rhodes zu bergen. Wieder bellte ein einsamer Schuss durch den Dschungel. Defort kippte zur Seite und fiel mit dem Gesicht ins Wasser. Sollte er noch nicht tot gewesen sein, so würde er spätestens jetzt ertrinken, mutmaßte JiâSun emotionslos. Mit mitleidigem Lächeln sah sie zu, wie die drei restlichen Soldaten sich in den Dschungel zurückzogen.

Im Kindle-Shop: Geliebter Feind: Die Schützin im Reisfeld

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9. Januar 2018

'Locked Tight – Gefährliches Misstrauen' von Susan Kaye Quinn

In einer Welt voller Gedankenleser lauert der Tod für Jacker an jeder Ecke.
Und Zeph ist kein gewöhnlicher Jacker.

Er kann den härtesten Verstand aufbrechen oder die schwächsten unüberwindbar verschlüsseln – doch das macht ihn zu einer Waffe, die jeder Jacker-Clan gerne für sich beanspruchen würde. Um seine Familie zu beschützen, die allesamt Gedankenleser sind, tut Zeph, was sein Clanführer von ihm verlangt und versucht, die Schmerzensschreie bei seiner Arbeit auszublenden – doch als die Welt von den Jackern erfährt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine kleine Schwester ein letztes Mal zu umarmen und sein Zuhause zu verlassen.

Zeph hat viel Übung darin, sich als Gedankenleser auszugeben, doch als Leser beginnen, sich in Jacker zu verwandeln und seine Familie verschwindet, hat Zeph erneut keine Wahl: Er muss in eine Stadt voller Jacker zurückkehren, die ihn hassen, einen Mindware CEO dazu überlisten, ihm zu helfen, einem Mädchen ausweichen, das ihn viel zu gut kennt, und den mächtigsten Jacker im Staat ausspionieren.

Und das alles, ohne dabei draufzugehen, seine wahren Fähigkeiten preiszugeben oder in dem Feuersturm des Hasses zwischen Jackern und Lesern gefangen zu werden, der droht, die ganze Welt zu verschlingen.

Die Mindjack-Bestsellerserie ist zurück – mit einer neuen Hauptfigur und einer Welt voller Gedankenleser und Mindjacker, wie ihr sie noch nie zuvor erlebt habt. „LOCKED TIGHT – Gefährliches Misstrauen” ist das erste von drei neuen Mindjack-Büchern über Zephs Abenteuer. (Lest „Der Schlosser“ um mehr über Zephs Hintergrund zu erfahren)

Gleich lesen:
Für Kindle: Locked Tight – Gefährliches Misstrauen (Mindjack #4)
Für Tolino: Buch bei Thalia


Leseprobe:
Es gibt einen Grund, warum Leser uns hassen. Einen guten Grund. Denn Monster wie diese hier machen Jagd auf die Schwachen, einfach nur, weil sie es können. Wenn ihre Angreifer Gedankenleser wären, könnte dieses Mädchen – Jiaying, ihr Name taucht in dem Moment in meinem Kopf auf, in dem ich über ihren Verstand streife – sie abwehren. Eine einfache Berührung, Haut auf Haut, und ihre Gedanken würden miteinander verschmelzen. Ihre Angst würde auch die ihrer Angreifer werden, ein wirksamer Schild gegen die schlimmsten Gräueltaten. Stattdessen ist diese Gedankeninvasion nur der Anfang.
Einer von ihnen macht einen Schritt auf sie zu.
Ich beeile mich, strecke mein Gedankenfeld aus, um jedes der ihren zu umschließen und mir schnell die Konturen dieser Felder wie die Topographie einer Landkarte einzuprägen. Jeder Hügel und jedes Tal, jeder gezackte, elektrisch summende Bergkamm ist Teil der einzigartigen Signatur ihres Verstands – und ihrer Jackingfähigkeiten. Diese Verstandskarten sind komplex, aber sie mir intuitiv einzuprägen ist nur ein Teil meiner Fähigkeiten. Ich bin nicht wie andere Jacker und diese Jacklöcher sind nichts Besonderes – sie haben keine Verteidigungsmechanismen gegen das, was ich tun kann. Sobald ich sie im Griff habe, drehe ich ihre Gedankenfelder, plätte die Gipfel, hebe die Täler und bringe ihren gesamten Verstand durcheinander.
Das Haus wirft das Echo ihrer Schreie zurück.
Es gibt genug Frühjahrswuchs an den Bäumen, um uns zu verbergen, aber irgendwer muss das gehört haben. Und doch… bleiben die Türen geschlossen. Ich hoffe, dass niemand neugierig wird, bevor ich das Mädchen erreicht habe. Ich breche durch das Unterholz und achte auf Stolperfallen am Boden. Die Herbstblätter vom letzten Jahr sind zu einer zehn Zentimeter dicken Mulchschicht zerfallen und wenn ich mir hier den Knöchel verdrehe, kann ich niemandem helfen. Nicht, dass ich mich um mich sorge, aber jetzt wo Rutkowskis Söhne Piotr und Arek schreiend auf dem Boden liegen und sich vor Schmerzen neben ihrem Freund Tony krümmen, ist das Mädchen – Jiaying – verwirrt, ängstlich, und kurz davor, abzuhauen.
Ich spähe durch die Bäume, als ich näher komme. Ihre Shorts sind an der Seite gerissen und ihr T-Shirt ist zerknittert und von allen möglichen Schmutzflecken übersät. Ein dunkler Flatschen auf der makellosen Haut ihrer Wange könnte Dreck sein – oder ein blauer Fleck. Sanft drücke ich mich tiefer in ihren Verstand, der von Panik zerfressen ist. Da sind blanke Flecken. Löcher, wo ihre Erinnerungen sein sollten. All diese Schreie …
Gütiger Himmel, wie lange war sie in diesem Haus?
Ihre Hände sind zu Fäusten geballt und an ihre Schläfen gepresst, während sie auf ihre Angreifer am Boden starrt – als würde sie verstehen, was hier vor sich geht, wenn sie nur fest genug drückt. Schließlich erweckt das Geräusch meines Näherkommens ihre Aufmerksamkeit. Erschrocken weicht sie vor mir zurück, stolpert und landet auf dem Hosenboden. Während sie sich mühsam aufrappelt, schießen ihre Blicke zwischen mir und den schreienden Körpern im Laub hin und her.
Ich strecke meine Hände aus, von denen eine immer noch den Sack voller Wurzeln hält. Ist schon okay. Ich bin hier, um zu helfen.

Im Kindle-Shop: Locked Tight – Gefährliches Misstrauen (Mindjack #4)
Für Tolino: Buch bei Thalia


Mehr über und von Susan Kaye Quinn auf ihrer Website und bei Facebook.