28. Februar 2017

'Verbannt seist du' von Linea Harris

Elaos – eine Stadt, die der Wildnis trotzt. Umgeben von hohen Mauern ist Elaos die einzig verbliebene Stadt, die noch Schutz vor den Bestien des Waldes bietet. Wer die Mauern verlässt, ist dem Tod geweiht. Doch innerhalb der Mauern steht der Friede auf Messers Schneide.

Angeführt von den Priestern und den Magoi, die auf der Festung in Saus und Braus leben, muss das gemeine Volk gegen Hunger und Armut kämpfen. Die Lage scheint aussichtslos. Wer sich auflehnt, wird in die Wildnis verbannt und kehrt nie wieder zurück.

Leah ist einzigartig, obwohl sie aus dem gemeinen Volk stammt. Sie hat eine Gabe, die nicht einmal die Magoi in der gewaltigen Festung ihr eigen nennen können. Umso gefährlicher wird es für sie, als sie auf der Burg als Magd zu arbeiten beginnt und auf den Magierschüler Neo trifft. Er ist überzeugt, dass Leah zu den Seinen gehört. Wird Leah ihre Fähigkeiten vor den rachsüchtigen Herrschern der Stadt verbergen können? Andernfalls droht ihr die Verbannung, die einem Todesurteil gleicht.

„Im Wald gibt es auch Magie“, sprudelte es aus dem Mädchen heraus und die Alte erstarrte.
„Nein“, flüsterte sie. „Im Wald gibt es nur den Tod.“


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Leseprobe:
Sie erreichten die ersten Hütten und bogen in eine enge, schmutzige Gasse ein. Leah kannte den armen Teil der Stadt wie ihre Westentasche und nahm so viele Abkürzungen wie möglich, um dem schrecklichen Szenario zu entkommen.
Trotz allem konnte sie das Jubeln und die Pfiffe der Menge hören, und vor ihren Augen spielte sich eine Szene ab, in der sich das knarrende Tor öffnete und Sallya von den Wachen hinaus gestoßen wurde. Das Tor schloss sich mit einem dumpfen Schlag von Holz auf Stein. Sie hatten Sallya in die Wildnis geschickt. Es brachte nichts, Leah würde es nicht rechtzeitig schaffen, um dem Albtraum zu entgehen. Sie blieb atemlos stehen, lehnte sich an eine alte Steinmauer und schloss die Augen.
Bitte, bitte, lass sie überleben. Nach einer kurzen Zeit der Stille hörte sie jedoch das Geräusch, das jeden Stadtbewohner die Angst in Mark und Bein spüren ließ. Das bedrohliche Brüllen einer Kreatur, die ihre Beute gewittert hatte und mit der Jagd begann. Sallyas Schreie endeten abrupt und Leah lief ein Schauder über den Rücken. Sie zog scharf die Luft ein und drängte die Tränen zurück. Es dauerte, bis sie sich gesammelt hatte. Ihre Stimme klang schwach und rau.
„Wenigstens ging es schnell.“
Marik brummte zustimmend, bevor sie schweigend ihren Weg fortsetzten und ihren trübseligen Gedanken nachhingen.
„Lass uns an den See gehen“, sagte er, „solange die Wachen abgelenkt sind. So eine Chance bekommen wir so schnell nicht wieder.“
Sie wusste, dass er sich Sorgen um sie machte.
„Ja, ein bisschen Ablenkung wäre ganz gut“, stimmte sie zu, kam aber nicht umhin sich vorzustellen, wie es wäre, wenn sie eines Tages die Worte des Verwalters würde hören müssen. Verbannt seist du ... Marik würde sie für verrückt erklären, wenn sie ihm von diesen Ängsten erzählen würde. Wenn er doch nur wüsste, wie nahe sie am Abgrund wandelte.

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24. Februar 2017

'Melody of Eden 2: Blutwächter' von Sabine Schulter

Allmählich beginnt Mel, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, und es dank Eden sogar zu genießen. Aber noch immer sorgt ihr Widersacher Rufus mit seinen perfiden Plänen für großes Chaos.

Die Vampire beschließen, ihn ein für alle Mal zu stoppen, und verbünden sich mit den Einheiten der anderen Bezirke. Dass daraufhin ausgerechnet die gutaussehenden und manipulativen Vampirzwillinge des Mittelbezirks ein Auge auf Mel werfen, passt Eden gar nicht. Er muss lernen, endlich zu seinen Gefühlen für Mel zu stehen, und das am besten so bald wie möglich. Denn wenn Rufus erst mal mit seiner Vampirarmee aufwartet, könnte es dafür bereits zu spät sein …

Der zweite "Melody of Eden"-Roman von Sabine Schulter.

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Leseprobe:
Melody
Keuchend rannte ich um die nächste Ecke, rutschte bei meinem schnellen Tempo aus und schlitterte über den kahlen Beton, bis ich mein Gleichgewicht wiederfand und weiterhetzte. Falls ich fallen oder auch nur innehalten sollte, würde ich auf der Stelle sterben.
Ich traute mich nicht, einen Blick zurückzuwerfen, aus Angst vor dem, was ich sehen könnte. Aber die hohen Schreie, die laut von den Wänden um mich herum widerhallten, verrieten mir bereits, dass die Wilden viel zu nah hinter mir waren. Trotzdem hielt ich die Augen starr auf den Gang vor mir gerichtet.
Die schmucklose Betonröhre, die so typisch für das Kanalsystem unter der Stadt war, zog sich in der absoluten Dunkelheit so endlos vor mir entlang, dass sich ihr Ende trotz meiner guten Sicht in der Ferne verlor. Aber das konnte eigentlich nicht sein, da sich die anderen doch direkt vor mir befinden mussten. Hatte ich sie etwa während der Jagd, die gerade auf uns gemacht wurde, verloren?
»Eden!«, schrie ich verzweifelt, wobei die nackten Füße der Wilden über den Boden hinter mir schabten. »Scott!«
Aber niemand antwortete mir.
Kaltes Entsetzen krallte sich in meinem Magen fest, als ich verstand, dass ich meine Begleiter tatsächlich verloren hatte. Und ohne sie würde ich niemals schnell genug einen Ausgang aus der Kanalisation finden, um der geifernden Masse hinter mir zu entkommen.
Tränen brannten mir in den Augen, aber ich würde nicht aufgeben! Ich legte alle Kraft in meine Schnelligkeit, erlangte ein Tempo, dass ein Mensch nur mit einem Auto erreichen konnte, und setzte meine Aura frei, um zumindest einige meiner Verfolger von mir fernzuhalten.
Ich keuchte erleichtert auf, als sich der Gang vor mir teilte und sich mir dadurch endlich ein weiterer Weg auftat. Doch meine Erleichterung wich augenblicklich Entsetzen, denn eine einsame Gestalt trat aus einem der Tunnel hervor und sah mir siegessicher entgegen. Sie erinnerte beinahe an einen Menschen, doch ihre Haut war so bleich wie die eines Geistes: Rufus. Kein einziges Haar bedeckte seinen mageren Körper mit den viel zu langen Gliedmaßen. Als er meine Verzweiflung bemerkte, grinste er schief und zeigte mir dadurch seine spitzen Eckzähne.
»Ich habe dir gesagt, dass du mir nicht entkommen wirst, Melody«, rief er mir in dem Moment zu, als ich über eine Unebenheit stolperte. Ich strauchelte, fiel und ließ in einem letzten verzweifelten Versuch mich zu retten, all meine vampirische Kraft frei.
Doch sie reichte nicht.
Bereits im nächsten Moment griffen magere und doch kraftvolle Finger nach mir und zerrten mich mitten unter die Wilden, die gierig zischten. Ich schrie voller Verzweiflung und schlug wie wild um mich, aber meine Hände wurden gepackt und unbarmherzig zu Boden gedrückt.
»Mel, beruhige dich!«
Die bekannte Stimme ließ mich innehalten und die Augen aufschlagen. Der dunkle Tunnel war verschwunden und stattdessen sah ich in Edens dunkelbraune Augen, die mich besorgt musterten. Schwer atmend brauchte ich mehrere Sekunden, ehe ich verstand, dass ich nur geträumt hatte.
»Es ist alles gut«, versicherte mir Eden, der über mir hockte und meine Hände auf die Matratze unter uns drückte. »Du bist hier in Sicherheit.«
»Ja, ich weiß«, brachte ich noch hervor, bevor im nächsten Moment die Tür zu Edens Zimmer hier im obersten Stockwerk des westlichen Polizeireviers aufgestoßen wurde. Neben einer fauchenden Ivy, stürmten auch Scott und Rich herein – die beiden letzteren noch in ihrer Schlafkleidung. Aber als sie Eden sahen, wie er auf mir saß und mich quasi ans Bett pinnte, hielten sie überrascht inne.
»Also ehrlich«, beschwerte sich Rich und stützte die Hände in die schmale Hüfte. »Mir ist es ja egal, was ihr hier so treibt, aber wenn ihr dabei ungestört bleiben wollt, dürft ihr nicht so einen Lärm machen.«
»Was?«, brachte ich hervor und wurde auf der Stelle knallrot. »Was bitte läuft denn in deinem Kopf für ein Film ab? Da ist immerhin noch eine Decke zwischen uns!«
»Mel hatte einen Albtraum und hat wie wild um sich geschlagen«, erklärte Eden ruhig und stieg von mir herunter. »Ich musste sie irgendwie davon abhalten, das Fenster einzuschlagen.«
Mein Blick flackerte zur Seite. Tatsächlich lag ich nah an einem der zwei Fenster, die mir eine weite Aussicht über die tausenden Dächer des Westviertels boten, wenn sie nicht wie gerade mit schweren Vorhängen verdeckt waren. Dadurch, dass sich das Fensterbrett auf einer Höhe mit Edens Bett befand, hätte ich nur kurz zur Seite ausschlagen müssen, um es zu treffen. Und mit meiner übermenschlichen Kraft hätte ich es sofort zerstört.
»Hm«, brummte Scott. Der beeindruckende Mann mit dem dichten Vollbart verschränkte die Arme vor der breiten Brust, während Ivy auf die Matratze kletterte und sich an meine Seite lehnte, um mich weiter zu beruhigen. »Die Sache in den Kanälen steckt dir wohl noch schwer in den Knochen, hm?«
»Euch würde es doch ähnlich gehen, oder?«, fragte ich und dachte an die Falle, die uns Rufus in der letzten Nacht gestellt hatte.
Allein bei dem Gedanken daran, wie ich vor dieser durchsichtigen Mauer stand und keinen Ausweg wusste, erzitterte ich, bemühte mich aber, Ivy anzulächeln, damit sie sich nicht sorgte. Doch es fiel mir schwer.
Das bemerkte auch die kleine, wie ein zehnjähriges Mädchen wirkende, Vampirin, denn ihr sonst so unsteter Blick aus den blassblauen Augen blieb ungewöhnlich lang auf mir ruhen.
»Da kannst du Recht haben, aber leider können wir dir nicht dabei helfen, das Geschehene besser zu verarbeiten«, meinte Scott und verzog den Mund.
»Das müsst ihr auch nicht«, versicherte ich ihm und sah zu Eden auf, der nun im Schneidersitz neben mir saß. »Ihr tut schon genug für mich.«
Denn seit mich vor beinahe fünf Wochen ein Wilder in den Knöchel gebissen hatte, waren die Vampire des Westbezirkes für mich zu einem Teil meiner Familie geworden. Zu den Menschen gehörte ich nämlich nicht mehr.
»Schön, dass du das so siehst, Schäfchen«, meldete sich Rich zu Wort und strich sich das blonde Haar zurück. »Aber dann versuch, deine inneren Konflikte etwas leiser zu verarbeiten. Ich mag es nicht sonderlich, mitten am Tag aufgeschreckt zu werden.«
»Aber wenn du schon einmal wach bist, können wir uns wenigstens an die Vorbereitungen für unser Treffen mit den anderen Vampiren setzen«, sagte Scott mit einer Spur Humor in der Stimme.
»Was?«, fragte Rich entsetzt. »Hast du mal auf die Uhr geschaut? Es ist gerade einmal vierzehn Uhr.«
»Eine gute Zeit, um an die Arbeit zu gehen, findest du nicht?« Amüsiert klopfte Scott ihm auf die Schulter, als Rich ein tiefes Seufzen ausstieß und den Raum verließ. Dann winkte der große Mann Ivy zu sich heran, die nur ungern den Platz an meiner Seite verließ, aber wie immer die Anweisung ihres Blutpartners befolgte und an ihm vorbei durch die Tür verschwand.
»Ihr beide steht am besten ebenfalls auf. Ich weiß, dass ihr müde seid, aber im Moment sollten wir die wenige Zeit, die wir haben, nutzen«, meinte Scott noch zu uns, ehe er Rich und Ivy aus dem Zimmer folgte und die Tür schloss.
»Tut mir leid, dass ich dich aufgeweckt habe«, sagte ich gefolgt von einem tiefen Seufzen und sah Eden entschuldigend an.
»Das muss es nicht, Mel. Du hast eben einiges zu verarbeiten«, erwiderte er und öffnete die Arme für wenige Zentimeter, was ich als Einladung aufnahm.
Ich schob die Decke beiseite und setzte mich direkt auf seine überkreuzten Beine. Dadurch konnte er mich gut umfassen und seinen Kopf an meine Brust lehnen. Ich genoss die Nähe zu dem meist verschlossenen und oftmals undurchschaubaren Vampir, und strich durch sein schwarzes Haar, wodurch meine innere Ruhe zurückkehrte.
»Hast du wirklich von den Kanälen geträumt?«, fragte mich Eden nach einer Minute.
»Ja«, gab ich widerwillig zu, denn mir fiel das überraschend schwer. Ich wollte nicht, dass mich das Erlebnis der letzten Nacht so schwer traf. Aber ich war dem Tod nur knapp entkommen.
»Es tut mir leid«, sagte Eden leise.
Sofort packte ich etwas mehr von seinem Haar und zog unsanft daran. Ich mochte es nicht, wenn er der alten Schuld verfiel, die das Erlebnis zwischen ihm und Rufus vor fünf Jahren ausgelöst hatte.
»Hatten wir das nicht schon besprochen? Dir muss nichts leidtun«, rügte ich ihn.
Als er zu mir aufsah, erkannte ich zu meiner Überraschung ein hauchfeines Lächeln auf seinen Lippen. »Ja, das weiß ich und werde mir daher keine Schuld daran geben. Aber es darf mir doch noch leidtun, wenn du Albträume hast, oder?«
Ich verzog den Mund. »Viel ist daran nicht auszusetzen.«
Eden zwinkerte mir zu, umfasste mich dann fester und legte mich zurück auf die Matratze.
»Möchtest du noch etwas schlafen?«, fragte er, als er mir folgte und sich neben mir abstützte.
»Scott hat doch gesagt, dass wir aufstehen sollen.«
»Aber er würde uns auch schlafen lassen, wenn wir seiner Aufforderung nicht nachkommen.«
Kurz dachte ich darüber nach, schüttelte dann aber den Kopf. »Ich fühle mich eigentlich fit genug. Außerdem bin ich sehr neugierig, was wir noch über die Katze herausfinden, die wir in den Kanälen gefunden haben.«
Kurz glaubte ich, in Edens dunklen Augen Resignation zu erkennen. Aber er konnte seine Gefühle so perfekt verbergen, dass ich mir nicht ganz sicher war.
»Dann lass uns aufstehen«, pflichtete er mir bei und richtete sich auf.
Mit einem Grinsen sah ich ihn an und rührte mich nicht. »Kann es sein, dass du gern weitergeschlafen und am Ende meine Müdigkeit als Grund vorgeschoben hättest?«
Eden verzog den Mund minimal, was mich nicht nur in meiner Annahme bestätigte, sondern auch zum Lachen brachte. »Du bist so ein Morgenmuffel!«
»Denk daran, dass du mich nicht gerade sanft geweckt hast. Ich habe also allen Grund, schlechte Laune zu haben«, erwiderte er ungerührt.
Auch wenn seine Worte einen gewissen Vorwurf enthielten, wusste ich, dass er mir das raue Wecken nicht übelnahm. Schnell rappelte ich mich auf die Knie hoch.
»Wenn du es mir heimzahlen willst, komm nur her«, forderte ich ihn heraus.
Als Reaktion bekam ich aber nur eine hochgezogene Augenbraue zu sehen. Das war eben typisch Eden.
»Komm schon«, sagte ich und federte immer wieder auf der Matratze auf und ab.
»Woher hast du nur diese Energie?«, fragte Eden mit einem Kopfschütteln, kniete sich dann aber tatsächlich auf das Bett. Doch statt mit mir zu rangeln, drängte er mich einfach zurück, bis ich umfiel. Voller Vorfreude wartete ich darauf, dass er mir folgte, um mich zu küssen. Doch stattdessen beugte er sich zu meinem Bauch hinunter, schob mein Shirt hoch und presste den Mund auf die bloße Haut. Als er mit Druck die Luft ausstieß, ertönte ein lautes Geräusch, das aber in meinem kreischenden Lachen unterging. Es kitzelte so sehr, dass ich glaubte, vor Lachen zu sterben.
»Eden!«, brachte ich hervor und drückte ihn verzweifelt zur Seite.
»Na?«, fragte er ungerührt, als er von mir abließ. »Hast du genug für einen Morgen?«
Ich wollte nur zu gern antworten, aber ich musste immer noch lachen und krümmte mich zur Seite. »Du bist so blöd«, brachte ich dann schließlich hervor.
Eden schnaubte belustigt, was seine Art des Lachens war, und gab mir einen Klaps auf den Po, ehe er sich erneut aufrichtete und das Zimmer verließ.
Ich blieb noch eine Weile liegen und genoss das Hochgefühl, das der junge Vampir in mir auslöste. Eden war so vollkommen anders als ich, aber er wusste verdammt gut mit mir umzugehen. Nie hätte ich erwartet, dass ich einmal so froh sein würde, kein Mensch mehr zu sein. Aber erst nachdem ich meine Verwandlung akzeptiert hatte und nun langsam in meinem neuen Leben ankam, wurde mir bewusst, wie langweilig mein altes Leben doch gewesen war.
Ich dachte an meine neue Nachtsicht, die schnelle Wundheilung und meine enorme Stärke. Aber das Leben eines Vampirs brachte mir nicht nur Freuden. Ich hatte meinen Job verloren, meine Menschlichkeit und im Prinzip mein komplettes altes Leben. Bis auf meine beste Freundin Daisy wusste niemand von meiner Veränderung - nicht einmal meine Familie.
Und dann war da noch Rufus …
Ich verdrängte den Gedanken an den Anführer der wilden Vampire und dachte viel lieber wieder an Eden. An ihn und die Bindung zwischen uns. Denn ihm hatte ich es zu verdanken, dass ich nicht zu einer Wilden wurde und stattdessen immer mehr Zuneigung für den schwarzhaarigen, manchmal etwas kaputten Vampir empfinden konnte. Er war mein Blutgefährte und inzwischen gehörte ihm auch mein Herz.
Bei dem Gedanken an das, was wir erst vor ein paar Stunden miteinander geteilt hatten, zog ich sein Kissen heran und atmete tief Edens Geruch nach Wind und Nacht ein. Ja, daran erinnerte ich mich viel lieber als an dunkle, enge Kanäle.

Im Kindle-Shop: Melody of Eden 2: Blutwächter

Mehr über und von Sabine Schulter auf ihrer Website.

23. Februar 2017

'Kreativer Gesellschaftsumbruch' von Daniela Muthreich

Lebenserfahrung in Satire verpackt – das Erstlingswerk von Daniela Muthreich.

Migration einmal anders: Die gebürtige Deutsche machte sich auf in die Schweiz. In einem Mix aus Satire, Theaterstück und Prosa verarbeitet sie ihre Erfahrungen bei der Integration in den Alpenstaat.

Die ungewöhnliche Textform als Theaterstück beleuchtet auf amüsante Weise Aspekte menschlichen Zusammenlebens und reflektiert diese mit scharfem Blick und reichlich Humor. Dabei schreckt Daniela Muthreich auch vor heiklen Themen wie der Generationenschuld nicht zurück und hält sich und ihrer Umwelt einen durchaus kritischen Spiegel vor.

Satirische Unterhaltung mit Intelligenz und einem Augenzwinkern.

Gleich lesen: Kreativer Gesellschaftsumbruch: Mein Leben als Theaterstück

Leseprobe:
Integration im Amts-Stüberl
[…]
Maître des Humors, hastig: «Ist es grundsätzlich erforderlich, bei Migration in ein anderes Land vorerst das Vokabeltraining auf Begriffe wie Steuereinnahmen der Kommunen, Umverteilung, Investitionen, Infrastruktur, Flexibilität bei der Jobsuche, Aufklärung der Bevölkerung hinsichtlich eigener pädagogischer Ansätze beim Erlernen von Sprache sowie rechtfertigende Argumente unter Einbeziehung aller familiären Aspekte zu konzentrieren?»
Rechercheur, mit schmerzhaftem Gesichtsausdruck: «Das sind alles grundsätzliche Spektren, die sowieso jeder bei seiner Migration bzw. Integration im Kopf haben sollte und somit sofort einwandfrei in einer anderen Sprache, der jeweilig gewünschten, im direkten Gespräch einfließen lassen muss.»
Ich: «Kann man nicht davon ausgehen, dass die Handhabung mit Steuergeldern im Allgemeinen und von Großkonzernen im Besonderen bei kommunalen Treffen seine Aufklärung erhält? Mit anderen Worten, sind dies so schwer verständliche Abläufe, dass die hiesige Bevölkerung darüber nicht informiert werden will oder kann?»
Rechercheur: «Man geht letztlich davon aus, dass diese Abläufe und die Auswirkungen der Abläufe der herrschenden Gesellschaft geläufig sein müssten und verzichtet auf ausführliche Erklärungen.»
Maître des Humors, mit Grinsen im Gesicht: «Aber in unserem Fall findet ein Teil der Gesellschaft eine ganz andere Erklärung!»
Rechercheur, fast beleidigt: «In meinem Arbeitspapier vom 3.3.2013 steht dazu, dass aufgrund von Komplexität und mit Rücksichtnahme auf das jeweils stark oder weniger stark ausgeprägte Informationsinteresse bei Teilen der Gesellschaft auf eine ausführliche Erklärung von normalen Steuerabläufen beziehungsweise Verteilen von finanziellen Mitteln verzichtet wird.»
Ich, in Sorge: «Ja, aber dann entsteht ein gewisser Eindruck! Der Eindruck, dass die schuld sind, die da kommen!»
Rechercheur, streng: «Erstens sind die immer schuld, die da kommen, weil nur die schuld sein können, schon allein deswegen, weil sie kommen. Zweitens findet das vernachlässigte Aufklären von Teilen der Gesellschaft anderswo Anklang, denn es kann somit politisch-strategisch optimal genutzt werden.»

Im Kindle-Shop: Kreativer Gesellschaftsumbruch: Mein Leben als Theaterstück

Mehr über und von Daniela Muthreich auf ihrer Website.

22. Februar 2017

'Wenn der Sommer Schatten wirft' von Christina Schwarz

Verbrennt man, was man liebt?

Als ein wahnsinniger Ritualmörder die junge Liza ins Visier nimmt, gerät ihr bisheriges Leben völlig aus den Fugen. Hilflos versinkt sie in einem Strudel von Entsetzen und Leidenschaft gleichermaßen. Ein wunderbarer Sommer wird vierzehn Tage lang immer mehr zum Schauplatz menschlicher Abgründe. Das Schachtengebiet um Buchenau im bayrischen Wald wird zum Tatort eines unheimlichen Serientäters.

Der Zwieseler Kommissar Paul Anderlech versucht gemeinsam mit seinem Freund Thomas verzweifelt den Wettlauf mit der Zeit zu gewinnen und den Feuermörder zu stoppen. Und erfährt dabei, wer er eigentlich selbst ist.

Gleich lesen: Wenn der Sommer Schatten wirft (Anderlech Krimis 1)

Leseprobe:
Die Flammen begannen, erst ganz klein, dann immer wilder werdend, sich an der schmalen Gestalt empor zu züngeln, die auf einem Holzhaufen stand und völlig reglos und schweigend verharrte.
Gerade als das Feuer sich an den Beinen festzufressen begann, kam plötzlich Bewegung in die Person.
Schreiend begann sie sich zu winden und zu drehen, so dass man nun auch ihre gefesselten Hände und Beine deutlich erkennen konnte. Das Schreien wurde zu einem beinahe tierischem Gebrüll, das einem durch Mark und Bein fuhr.
Nur ihn schien es innerlich vor Entzücken und ekstatischer Genugtuung förmlich zu elektrisieren. Nicht genug konnte er sich satt sehen und hören an den Verrenkungen und den unmenschlichen, nicht zu ertragenden Schmerzensschreien dieser Gestalt.
Er sprang und hüpfte um den brennenden Holzhaufen und bewegte dabei lautlos murmelnd die Lippen.
Als die Flammen nach einer Ewigkeit endlich vollständig über der Frau zusammenschlugen, brachen ihre infernalischen Schreie und ihr Zappeln so unvermittelt ab, wie es begonnen hatte.
Sie schien in der Feuersbrunst geradezu auf nur noch halbe Größe zusammenzuschmelzen.
Das einzige Geräusch, das jetzt in dieser unheimlichen Stille noch zu vernehmen war, war das laute Knistern des Holzes, das sich in den Flammen schwarz und glühend zusammenkrümmte.
Und mit der Stille brach auch der merkwürdige und skurril anmutende Tanz des Fremden ab.
Enttäuscht starrte er auf den Rest dessen, was einmal eine Frau gewesen war.
„So schnell, zu kurz! Viel zu kurz, um völlig Sühne zu leisten. Das Holz war zu trocken!“
Er stand einfach so da. Dann ging er ganz nahe an die Feuerstätte heran, bückte sich und schien etwas abzulegen. Da hörte er unterdrücktes Atmen und drehte sich um.
Er sah zu seinem Erstaunen um diese späte Zeit eine ältere Frau, die ihn gelähmt vor panischem Schrecken und unfähig zu irgendeiner Bewegung, nur unentwegt anstarren konnte.
Pfeilschnell sprang er nach vorne auf sie zu und noch im Sprung blitzte sein langes Messer auf, das er ihr bis zum Schaft in die Brust rammte.
Die Frau fiel ohne noch einen weiteren Laut ausstoßen zu können, rücklings auf den Boden.
Er betrachtete sie mit unbewegtem Gesichtsausdruck, packte sie an ihren Schultern und riss einen Stofffetzen aus ihrem Shirt. Dann zog er sie an den Beinen zum brennenden Holz und warf sie achtlos zu der schon fast Verkohlten hinauf. Sollten doch die restlichen Flammen mit ihr machen, was sie noch zu tun in der Lage waren.
Er wischte mit dem Stofffetzen der Frau das Blut von der Klinge, warf ihn ebenfalls ins Feuer und verstaute das Messer in seinem mitgebrachtem Rucksack.
Lautlos, still und heimlich machte er sich in der Dunkelheit von dannen.

[...]
„Und Feuer wurde unter ihrer Rotte angezündet, die Flamme verbrannte die Gottlosen. Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt, sie können ihr Leben nicht erretten vor der Flamme Gewalt. Denn es wird nicht eine Glut sein, an der man sich wärmen, oder ein Feuer, um das man sitzen könnte. Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme.”
Du siehst sie nicht, du spürst sie noch nicht, aber ich bin da, jede Minute deines Lebens bin ich dir nahe.
Meine Augen sehen dich, mein Atem bläst dir ins Gesicht.
Bald!
Bald wirst du mich erblicken und mit mir wird dir das Feuer nahe sein und in seinem Schein wirst du mich erkennen.

Im Kindle-Shop: Wenn der Sommer Schatten wirft (Anderlech Krimis 1)

21. Februar 2017

'Romeo und Julia im Netz' von Monica Bellini

Julia, 31, Single, lebt in der langweiligen Kleinstadt, in der sie geboren wurde. Seit dreizehn Jahren arbeitet sie im Personalbüro der Stadtverwaltung. Montag Pilates, Donnerstagabend mit ihrer Freundin Franzi und Samstag Lunch mit Henriette sind die Highlights ihres Lebens. Bis das alltägliche Einerlei durch einen verstauchten Knöchel unterbrochen wird.

Zur Untätigkeit verurteilt, landet sie auf einem Datingportal und trifft auf den faszinierenden Romeo. Er macht ihr einen Vorschlag, der ihr die Röte ins Gesicht treibt und ihrem Körper ein Prickeln beschert, wie schon lange nicht. Wird sie dem geheimnisvollen Mann standhalten können? Vor allem aber … Will sie das?

Ein prickelnd erotisches „Küsschen“ von Monica Bellini – mit einem Hauch Geheimnis gewürzt! Bacetto, die Verniedlichung des italienischen „bacio“, bedeutet so viel wie „Küsschen". Hingehaucht, wie die sinnlichen Kurzgeschichten „ELR bacetto".

Gleich lesen: Romeo und Julia im Netz

Leseprobe:
Ich trat näher. Mein Blick glitt von der roten, am Fußende zusammengerollten Überdecke über schneeweiße Laken zu den Kissen. Auf einem lag ein Blatt Papier, daneben ein schwarzes Stück Stoff, eine kleine, silberne Handglocke. Ich ging darauf zu, erkannte eine Augenmaske, ergriff mit bebenden Fingern den Brief. Die Handschrift war männlich, klar, drückte Stolz und Selbstsicherheit aus.

Willkommen, Julia.
Bitte vertraue mir und lass mich dich verwöhnen.
Leg die Augenmaske an, dann läute.
Dein Romeo


Ich drehte mich nicht um, beugte mich nur vor, um nach dem seidigen Stoff zu greifen, band ihn an meinem Kopf fest, tat, was geschrieben stand. Atemlos wartete ich, hörte in den Raum, doch da war nichts. Plötzlich spürte ich seine Hände auf meiner Schulter, zuckte zusammen.
»Schhh, ganz ruhig, Julia.« Er sprach leise, fast flüsternd, sein Atem berührte dabei meinen Hals. Sanft schob er mit den Fingern meine Locken zur Seite, berührte mich mit den Lippen, hauchte eine Linie kleiner Küsse bis hinter das Ohr Mein Atem beschleunigte sich. Hätte er mich nicht festgehalten, wäre ich eingeknickt. Er umfing meinen Körper mit seinen Armen, presste seine Brust an meinen Rücken, seine Lenden an meine Hüfte. Hart drückte sich seine Erektion an meinen Po. Ich stöhnte auf, er zog sich zurück.
»Hast du Hunger?«, fragte er heiser.
»Nur nach dir«, antwortete ich. Es war die Wahrheit. Er lachte leise auf.
»Und ich nach dir«, flüsterte er.
Er drehte mich an den Schultern herum, ich konnte seinen Blick, der über meine Brüste nach unten glitt und sich wie ein Laserstrahl über meinen Körper tastete, spüren. Er brachte meinen Magen in Aufruhr. Schmetterlinge erhoben sich mit wild schlagenden Flügeln, ich wankte, er hielt mich fest. Seine Hände glitten an meinen Seiten entlang nach unten, griffen nach dem Saum des Kleides, hoben ihn an, über die Hüfte, die Taille, die Brust. Willig hob ich die Arme über den Kopf, hörte den Stoff, der zu Boden fiel.
»Du bist wunderschön.« Er seufzte auf, sein Finger fuhr zwischen meinen Brüsten über das schmale Band des BHs, den Nabel, zum Saum des Slips, verhielt kurz, bevor er sich von meiner Haut löste.
»Bitte!«, stöhnte ich weinerlich.
Sanft berührte er meine Lippen mit seinen, brachte mich dazu sie zu öffnen, lösten sich von mir. Erneut überkam mich dieses Gefühl der Leere, hielt aber nur kurz an.
Plötzlich war er wieder da …

Im Kindle-Shop: Romeo und Julia im Netz

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20. Februar 2017

'Rosen für Erkül Bwaroo' von Ruth M. Fuchs

Erkül Bwaroo hat einen für einen Elfen ziemlich ungewöhnlichen Beruf – er ist Privatdetektiv. Der Elf mit dem stattlichen Schnurrbart und dem belgischen Akzent löst seine Fälle stets mit Hilfe seiner kleinen grauen Zellen und je größer das Rätsel, desto mehr ist er bestrebt, die Wahrheit zu finden. Meist geht es dabei um Mord.

Dieses Mal ist es Königin Titania persönlich, die ihn mit der Ermittlung in einem Mordfall beauftragt. Bwaroo ist darüber nicht sehr glücklich, denn die Hauptverdächtige ist seine eigene Tante – und die ist alles andere als gut auf ihn zu sprechen. Trotzdem begibt er sich mit seinem treuen Diener Orges an den Tatort: ein Filmset.

Lichtspiele sind der neueste Schrei! Filmschauspieler zu sein bedeutet Ruhm und Verehrung – oder Tod. Denn eine der Schauspielerinnen wurde mitten in einer Szene vergiftet. Bwaroo muss erkennen, dass in der Filmwelt Eifersüchteleien, Lügen und Intrigen praktisch an der Tagesordnung sind. Bald gibt es mehr Verdächtige, als ihm lieb sind, denn die Ermordete hatte mit fast jedem Streit und jeder hat irgendetwas zu verbergen.

Und die Uhr tickt - denn Bwaroo hat nur eine Woche Zeit, um die Wahrheit von der Lüge zu trennen und den wahren Täter finden.

Gleich lesen: Rosen für Erkül Bwaroo (Erkül Bwaroo ermittelt 5)

Leseprobe:
„Sind Sie sicher, dass wir weiterdrehen sollen?“
„Natürlich! Warum denn nicht?“ Hagestolz Bingler sah Rennfeld verständislos an.
„Es kommt mir irgendwie falsch vor. Unanständig – immerhin ist Klarissa hier gestorben,“ Rennfeld blickte unsicher drein.
„Klarissa hätte gewollt, dass wir weitermachen“, beschied ihn der Regisseur jedoch. „Dies wird ihr größter Film sein.“
„Es war ihr erster.“
„Die Nachwelt wird sich an sie erinnern als die schöne, verheißungsvolle Schauspielerin, die alles gab, um ihrer Rolle gerecht zu werden!“
„Na ja, eigentlich starb sie ja nicht, weil sie sich verausgabt hatte, sondern ...“
„Das ist egal“, schnitt Bingler seinem Assistenten das Wort ab. „Außerdem haben wir fast alle Szenen mit ihr schon gedreht und bei dem Rest lässt sich schon was deichseln. Apropos: Sind die Mädels schon da, die einspringen sollen?“
„Fünf Blondinen sind gekommen. Aber sie müssen berücksichtigen, dass wir ja eigentlich nur im Dorf und im Nachbarort ...“
„Jaja, schon gut“, winkte Bingler ungeduldig ab. „Wo sind sie?“
Rennfeld wies mit dem Finger auf eine Gruppe Mädchen, die ein wenig abseits stand. Alle waren blond. Abgesehen davon hätten die Unterschiede in Sachen Körperbau und Größe kaum größer sein können.
„DAS sind sie?“ Der Regisseur war entsetzt.
„Wie ich schon sagte, wir haben eigentlich nur im Dorf und ...“ Rennfeld verstummte, als Bingler ihm einen eisigen Blick zuwarf. „Wenn wir in der 'Zeiten' inserieren würden ...“ schlug er zaghaft vor. „oder vielleicht besser in 'Freundin der Frau' und 'Palastblick' ...“
„Dann können wir gleich an die große Glocke hängen, dass Klarissa tot ist.“ Bingler wedelte ungehalten mit den Händen. „Nein, dass soll möglichst geheim bleiben. Das ist werbewirksamer.“
Rennfeld schüttelte unmerklich den Kopf. Das war doch sicher ohnehin schon alles bekannt. Die Polizei, die Bewohner ringsum und nicht zuletzt diese Mädchen hatten schließlich alle Familie und Freunde. Und denen erzählt man doch so eine Neuigkeit, die mal ganz was anderes ist als der übliche Trott. Aber der Assistent kannte seinen Chef gut genug, um zu wissen, dass er diese Gedanken besser für sich behalten sollte.
„Tja, also …“ Bingler besah sich die jungen Damen kritisch aus der Ferne. Dann traf er eine Entscheidung: „Wir nehmen die schlankeste und werden sie nur von hinten filmen. Hol mir die Verantwortliche für die Garderobe von Klarissa ...“
„Die sitzt im Gefängnis.“
„Was?“ Einen Moment lang war der Regisseur aus dem Konzept gebracht. Doch dann schüttelte er nur ungeduldig den Kopf. „Dann eben das Weib, das für die restlichen Kostüme zuständig ist. Die wird ja wohl auch mit Klarissas Kleidern zurecht kommen. Sie soll jedes dieser Mädel in eins davon stecken und alles an blonden Perücken mitbringen, was sie finden kann. Meine Güte, was für ärmliches Haar die eine da hat. Aber wenigstens ist sie nicht so fett wie die kleine daneben ...“ Er riss sich von dem Anblick los und wandte sich Rennfeld zu. „Wir müssen das Drehbuch umschreiben. Schick mir Holster. Und dann brauche ich noch Hummelflug ...“
„Sie meinen Meister Deamus Hummelbus“, warf Rennfeld ein.
„Ja, genau. Wo steckt der eigentlich? Hab ihn seit Tagen nicht gesehen.“
„Er schläft.“
„Was? Immer noch? War doch nur ein kleiner Zauber!“
„Ein ganzes Schloss erscheinen zu lassen ist ein großer Zauber.“
„Na ja, von mir aus.“ Bingler wedelte den Einwand fort. „Weck den Kerl auf. So einen kleinen Zauber wie eine von den Weibsbildern dort annähernd wie Klarissa aussehen zu lassen, wird er ja wohl noch hinkriegen.“
Rennfeld hatte da seine Zweifel. Doch er nickte nur. Als er sich auf den Weg machen wollte, Binglers Anordnungen weiter zu geben, sah er einen Fremden eilig herankommen. Er hob die Hand über die Augen um besser sehen zu können.
„Verdammich“, stieß er hervor. „Der hat uns gerade noch gefehlt.“
„Was ist los?“ Bingler drehte den Kopf, um zu sehen, wer gemeint war.
Rennfeld wurde einer Antwort enthoben, denn inzwischen hatte der Mann die beiden erreicht.
„Berger, mein Name“ rief er enthusiastisch und ergriff Binglers schlaff herabhängende Hand, um sie energisch zu schütteln. „Ich vertrete die ‚Freundin der Frau’ und möchte Sie zum Tod von Klarissa Ronaard befragen, dem aufgehenden Stern in der Filmwelt.“

Im Kindle-Shop: Rosen für Erkül Bwaroo (Erkül Bwaroo ermittelt 5)

Mehr über und von Ruth M. Fuchs auf ihrer Website.

18. Februar 2017

'Smaragdstern' von Lisa Torberg

Kindle (unlimited) | Hörbuch | Taschenbuch
Alles, was sie tun muss, ist, auf ihr Herz zu hören – doch sie kann ihr gegebenes Wort nicht brechen.

Die bildschöne, eiskalte Susan lebt in ihrer Heimatstadt London. Vom Schicksal hart getroffen, macht sie um ihre Mitmenschen generell einen großen Bogen. Das Einzige, was für sie zählt, ist ihre Karriere. So akzeptiert sie den Auftrag ihres Chefs und fliegt nach Sardinien, wo sie über den Verkauf des dortigen Luxusresorts entscheiden soll. Die einzige Bedingung ist die enge Zusammenarbeit mit dem Hotelmanager. Ausgerechnet! Denn Mario ist oberflächlich, zynisch, selbstherrlich, behandelt sie von oben herab und stellt sie vor dem Personal bloß, wann immer er kann. Je mehr sie ihn ignoriert, umso anzüglicher wird er und setzt gnadenlos das Lächeln seiner funkensprühenden dunklen Augen ein, das ihre Knie weich werden lässt. Somit ist für Susan die Kündigung dieses arroganten Typen bereits zu Beginn der Sommersaison beschlossene Sache. Aber das Schicksal drängt in eine andere Richtung.

Die romantische, prickelnde, spannende, berührende, abenteuerliche und zärtliche Geschichte spielt an einem der schönsten Schauplätze Europas, der italienischen »Costa Smeralda«, der Smaragdküste.

Leseprobe:
»Dort ist ein Tisch frei«, rief Karla und deutete nach draußen auf die Gartenterrasse. »Dürfen wir?«
Mit einem Blick auf die Uhr stimmte Mario zu. Die vor allem abends so begehrten Terrassentische blieben den Hotelgästen vorbehalten. Doch wer um halb neun noch nicht erschienen war, aß entweder im Gourmetrestaurant oder auswärts.
Karla und Mira saßen bereits mit Dave und Dan am unteren Ende. Mario wies Stefano und seinem Kollegen die äußersten Plätze an den Längsseiten zu, die zuerst einmal ablehnten. »Es ist sinnvoller, wenn ihr bei uns bleibt und sonst ist nichts frei. Oder wollt ihr neben dem Tisch stehen bleiben?«, fragte er. Und so landete Susan zwischen Drew und dem Bodyguard und sah Mario geradewegs in die Augen.
Als Stefanie auf der Terrasse erschien, atmete sie dann doch noch erleichtert auf. Jedoch nur kurz. »Unter den morgigen Anreisen gibt es ein paar altbekannte Spezialfälle. Da nehme ich lieber einen Salat mit ins Büro und arbeite weiter. Sonst lässt sich mein Mann von mir scheiden!« Mit dem ihr so eigenen glucksenden Lachen wünschte sie ihnen einen angenehmen Abend und ging eilig davon. Susan schlug die Speisekarte auf und senkte den Blick.
Es kam einfach keine Stimmung auf, zumindest auf ihrer Seite des Tisches. Die beiden Personenschützer holten je einen Teller Reissalat vom Buffet, aßen rasch, entschuldigten sich und standen dann einige Meter entfernt im Halbdunkel unter einer Palme auf dem Rasen. »Da können wir unsere Arbeit besser erledigen, als sitzend«, erklärte Stefano lapidar.
Mario und Susan verputzten schweigend die Antipasti, während am anderen Ende des Tisches angeregt über Filme diskutiert wurde. Drew warf ab und zu einen Kommentar ein, bis die Pasta serviert wurde. Er löffelte die Penne all’arrabbiata genauso in sich hinein, wie der Name aussagte: Zornig. Sein Gesicht wurde dabei immer röter, was wohl am Chili lag. Susan legte ihm die Hand auf den Unterarm, er schüttelte sie ab. »Keine Ahnung, was zwischen euch beiden abläuft«, schnaufte er wütend. »Ist mir auch egal. Aber ich habe die Schnauze voll.« Er sprang auf, hob die Serviette auf, die zu Boden gefallen war und lief quer über die Wiese davon. Dan schob seinen Sessel mit einem Ruck zurück und rannte ihm nach. Konsterniert sahen ihnen Karla und Dave hinterher, während Mira kopfschüttelnd den Blick auf die andere Seite wendete. Susan starrte auf ihren Teller und stocherte mit der Gabel in der Pasta herum. »Himmel, es geht mich ja nichts an«, sagte sie mit alarmierend leiser und tiefer Stimme. »Aber Dave hat recht. Zeitweise benehmt ihr euch wie Kinder im Sandkasten und dann, so wie heute, ist euer Schweigen schneidend und vermiest allen anderen rundherum die Stimmung.«
Mario sah sie an und holte Luft, doch sie unterbrach ihn unwirsch.
»Du bist mein Chef und ich respektiere dich. Aber als Freundin darf ich es dir, nein euch beiden, sagen. Gemeinsam seid ihr einfach nicht auszuhalten.«
Die nachfolgende Stille dauerte gefühlte Stunden, bis Susan aufstand und sich Mira zuwendete. »Verzeih bitte. Auch ihr.«, dabei sah sie zu Karla und Dave. »Ich gehe auf mein Zimmer.«
»Und du denkst, das ist die Lösung? Davonrennen? Es liegen noch fast drei Monate vor uns, das ist viel Zeit. Und die müssen wir alle gemeinsam zubringen. Entweder einer von euch beiden verschwindet aus Sardinien, oder ihr redet endlich miteinander.« Mit einer endgültigen Handbewegung schob sie den Teller mit der Pasta von sich. »Mir ist der Hunger vergangen«, setzte sie hinzu und stand auf. Susan drehte immer noch, mit gesenktem Kopf, den Saum der Stoffserviette zwischen den Fingern.
»Mira warte. Es tut mir leid, wirklich.«
»Schon möglich, Susan. Aber ihr beiden habt ein Problem, wir nicht. Ich hole jetzt die Jungs zurück, denn sie haben ein Recht auf ihr Abendessen nach einem langen Arbeitstag.« Damit drehte sie sich um und ging.
Karla und Dave saßen schweigend mit gesenktem Blick nebeneinander. Susan fühlte sich schuldig, ohne zu begreifen, was der Grund für diese fürchterliche Situation war. An Enricos Auftritt und Verschwinden konnte es nicht liegen. Immer noch bearbeitete sie den Saum der Serviette, als Mario plötzlich neben ihr stand und sie am Oberarm packte.
»Komm mit.« Sie fühlte den warmen Hauch seines Atems, als er ihr ins Ohr flüsterte. Wie eine lästige Fliege wollte sie ihn abschütteln, doch er umschloss ihren Arm noch fester. »Schluss damit. Wir gehen jetzt und reden, bevor uns das Personal davonrennt.« Sie drehte den Kopf. Trübsinnig sah er sie mit glanzlosen Augen an und ließ sie los. Kommentarlos warf sie die Serviette auf den Tisch, griff nach dem Walkie-Talkie und folgte ihm.
Trotz ihrer langen Beine musste sie fast laufen, um mit seinen Schritten mitzuhalten. Vor dem Personalhaus blieb er stehen und sah sich nach den Bodyguards um. Susan tippte mittlerweile den Code ein und zog die Tür auf.
»Wollt ihr mit hereinkommen?«
»Nein, wir bleiben hier, bis wir abgelöst werden«, antwortete Stefano für beide.
»Gut. Wann übernehmt ihr wieder?«
»Das entscheidet der Chef.«
»Also dann, bis morgen.«
Er legte seine Hand auf Susans Rücken und schob sie vor sich in den Hausflur. Sie ging zur Treppe und stieg rasch hinauf. Oben angelangt blieb sie abwartend stehen.
«Zu mir oder zu dir?«, fragte er.
Sobald er die Worte ausgesprochen hatte, wurde ihm der doppeldeutige Sinn klar. Er sah sie an und prustete los.

Im Kindle-Shop: Smaragdstern

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16. Februar 2017

'Meine Wege: Lyrik' von Xenia Huegel

Neue Lyrik. Neue Wege. Meine Wege.

Gedichte zu den Themen Seelenkraft, Liebe, Wachstum & Natur, das Sein und der Sinn.

Gleich lesen: Meine Wege: Lyrik









Leseprobe:
Absolute Realität

Ich vertiefe mich in mir,
wenn ich abseits von mir liege.

Es gibt weder gut noch schlecht,
nur die Emotion.

Die Erfüllung ist stets gegenwärtig,
wenn auch nicht im Rahmen der Anderen.
Urteile schweigen – einfach Mensch sein.

Stehe zu den Kanten.
Das ist die Form der Gesamtheit.



LEBENSWEG

Könnt er doch immer sonnig sein -
der Weg des Lebens.

Ein milder Wind, kein Sturm
und blau der Himmel, nicht grau.

In klaren Gewässern baden,
keine Furcht nur seel‘ges gleiten.

Die Sonne wärmt und Lichte bringt,
mich liebt und in die Arme nimmt.


Im Kindle-Shop: Meine Wege: Lyrik

Mehr über und von Xenia Huegel auf ihrer Website.

15. Februar 2017

'Gesund & Gebräunt: Ratgeber für risikoarmes Bräunen' von Dr. rer. nat. Andrea Zgaga-Griesz

Für wen ist dieser Ratgeber interessant? Für alle Menschen die sich gerne in der Sonne aufhalten und evtl. auch mit dem Gedanken spielen ein Sonnenstudio zu besuchen. Wer von uns genießt nicht die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut? Aber häufig beschleicht uns auch ein ungutes Gefühl!

Haben wir nicht schon so viel gehört über die Gefahren von Sonne und Solarium? Sind die UV-Strahlen nicht verantwortlich für Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung, Sonnenbrand oder Augenschäden? Andererseits, müssen wir nicht in die Sonne, um das lebenswichtige Vitamin D herzustellen? Kann man nicht auch Hautkrankheiten behandeln mit UV-Strahlen?

Dieser Ratgeber schafft Klarheit! Nach der Lektüre sind Sie in der Lage, gemäß Ihrer individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen, Nutzen und Risiken der UV-Strahlung einzuschätzen und Sonne/Solarium ohne Beklemmung zu genießen.

Sie erfahren:

  • Wie Sie Ihren individuellen Hauttyp bestimmen und ihn zur Grundlage Ihres Sonnenverhaltens machen.
  • Wie Sie sicher einschätzen, wann, wo und wie lange Sie sich risikoarm sonnen dürfen.
  • Wie Sie verschiedene Schutzmaßnahmen (Sonnencreme, Brille, UV-Schutzkleidung, Schatten) zur Situation passend, anwenden.
  • Wie Sie den LSF richtig einsetzen.
  • Wie Sie Sonnenbrand vermeiden.
  • Ob Sie zu dem Personenkreis zählen, dem man generell oder nur vorübergehend von einer Besonnung abrät.
  • Wie Sie das Hautkrebsrisiko minimieren und die Hautalterung gering halten.
  • Warum Kinder eines ganz besonderen Schutzes vor UV-Strahlung bedürfen.
  • Wie Sie Qualität eines guten Sonnenstudios beurteilen.
Mit diesem Wissen können Sie für sich und Ihre Kinder verantwortungsvolle individuelle Entscheidungen treffen. Genießen Sie die Sonne! Ganz nach dem Motto: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt.

Gleich lesen: Gesund & Gebräunt: Ratgeber für risikoarmes Bräunen: Das richtige Maß finden zwischen Sonnenbad, Vitamin D Synthese und Hautschäden

Leseprobe:

4.2 Der Hauttyp, Eigenschutzzeiten und Lichtschutzfaktor – wie hängt das zusammen?
Jetzt kennen Sie Ihren HT. Was folgt nun daraus?

1) Der HT ist ein Maß für die UV-Empfindlichkeit der Haut. Durch Bestrahlungsexperimente (siehe Kapitel 17.2.2 Das Beratungsgespräch: Dosierungsplan) hat man herausgefunden, wie lange man welchen HT bestrahlen kann, bevor ein Sonnenbrand auftritt. Diesen Zeitraum bezeichnet man als Eigenschutzzeit. Empfindliche Hauttypen haben deutlich kürzere Eigenschutzzeiten als unempfindliche.
2) Die Eigenschutzzeit bezieht sich ausschließlich auf das Phänomen Sonnenbrand. Sonnenbrand ist die einzige UV verursachte Schädigung, die man innerhalb kurzer Zeit erkennen und messen kann. Für UV-bedingte Hautschäden die z.T. erst nach Jahren ersichtlich werden wie Hautkrebs oder Hautalterung gibt es keine Angaben über Eigenschutzzeiten. Wie man sich leicht vorstellen kann, wären solche Messungen, wo man die Gesundheit der Testteilnehmer in Abhängigkeit von der UV-Belastung über Jahre hinweg verfolgen muss, sehr aufwendig und die Interpretation schwierig.
3) Die Eigenschutzzeit ist nicht nur vom individuellen HT abhängig, sondern natürlich auch von der Intensität der lokalen UV-Strahlung. Diese wird im UVI (siehe Kapitel 3.2 UV-Index – WHO Empfehlungen) ausgedrückt. Für die Angabe der Eigenschutzzeit wird ein standardisierter Wert des UVI von 8 angenommen.
Aus den oben genannten Punkten ergeben sich die in der Tabelle genannten, individuellen Eigenschutzzeiten

4) Die angegebene Eigenschutzzeit bezieht sich auf die ungebräunte Haut. Vorbräunung erhöht die Eigenschutzzeit. Dieser Effekt fällt allerdings individuell sehr unterschiedlich aus und kann deshalb nicht in allgemein gültigen Tabellen wiedergegeben werden.

Beispiel: Sie sind HT III, d. h. Sie werden nach ca. 28 Minuten einen Sonnenbrand bekommen, wenn Sie um die Mittagszeit, im Hochsommer in Deutschland (UVI = 8), mit Ihrer noch blassen Haut in der Sonne liegen. Möchten Sie dies vermeiden, sollten Sie nach spätesten 28 – 35 Minuten den Schatten aufsuchen oder sich bekleiden.
Möchten Sie länger als die Eigenschutzzeit in der Sonne bleiben, verwenden Sie einen Sonnenschutz in Form von Sonnencreme oder Sonnenschutzkleidung an. Auf Sonnenschutzcreme (6 Sonnenschutzmittel) und Sonnenschutzkleidung (7 UV-Schutzkleidung) wird in anderen Kapiteln noch näher eingegangen.

Beispiel: Mit einem LSF von 25 darf ein Mensch mit HT I und einer Eigenschutzzeit von 5 Minuten 25 mal länger, also 125 Minuten lang in der Sonne bleiben ohne Sonnenbrand zu bekommen.

Es gelten folgende Bedingungen:
  • Die Zeitrechnung beginnt mit der Besonnung.
  • Die Schutzzeit kann nicht durch mehrmaliges Auftragen von Sonnencreme verlängert werden.
  • Die Schutzzeit gilt nur für eine Besonnung pro 24 Stunden.
  • Die Schutzzeit gilt für einen UVI = 8. Ist der UVI höher z. B. am Meer oder am Gletscher (siehe Kapitel 3.1 Einflüsse auf die natürliche UV-Strahlung) ziehen Sie von der erlaubten Zeit zur Sicherheit 40 % ab. Bei einem UVI > 8 dürfen Sie nach obigem Beispiel also nur 75 Minuten in der Sonne bleiben.
  • Achtung: Für Kinder gelten andere Regeln (siehe Kapitel 9 Kinder unter der Sonne)!
[...]

5.3 Bräune – ein körpereigener Schutzmechanismus
Die Bräunung ist ein Selbstverteidigungsmechanismus unserer Haut! Die stärkere Pigmentierung erschwert ein tieferes Eindringen der UV-Strahlen in den Körper. Je nach HT (siehe Kapitel 4 Der Hauttyp als Maß für die UV-Empfindlichkeit) besitzt unsere Haut eine gewisse Grundausstattung an Pigment. Durch auftreffende UV-Strahlung wird einerseits das vorhandene Pigment in einen wirkungsvolleren UV-Absorber umgewandelt (5.3.3 Kurzzeit-Bräune) und andererseits erfolgt zusätzlich eine Pigment Neubildung (5.3.2 Langzeit-Bräune). Bräune erhöht die Eigenschutzzeit der Haut, im individuell unterschiedlichen Ausmaß, maximal um den Faktor 40.

Aber Achtung:
  • Medizinisch betrachtet ist eine gebräunte Haut ein erster Hilferuf der Haut, hervorgerufen durch zu viel UV-Strahlung!
  • Auch eine gebräunte Haut bedeutet nie vollständigen Schutz vor UV-Strahlung: Bräune als Eigenschutz der Haut bewirkt nur, dass der Sonnenbrand später eintritt. Bräune schützt nicht vor Erbgutschäden und damit nicht vor dem Hautkrebsrisiko und auch nicht vor vorzeitiger Hautalterung!
  • Die Verlängerung der Eigenschutzzeit durch Bräune um Faktor 40 erreicht bei weitem nicht jeder und auch dieser Zeitraum ist endlich!
[...]

8 Ernährung als UV-Schutz
Braun werden durch Ernährung? Theoretisch kann man auch durch den großzügigen Konsum von Karotten (3 bis 5 kg täglich) oder Betacarotin Tabletten der Haut einen leicht gelblichen bis orangen Farbton verleihen. Wir kennen diesen Effekt von „Karotten-Babys“, deren Haut einen bronzefarbenen Ton annimmt, wenn sie mit viel Karottenpüree gefüttert werden.
Das enthaltene Provitamin A lagert sich in der Haut ab und wirkt dort als Radikalfänger, der die Zellen vor Stress durch Sauerstoffradikale, die während der UV-Bestrahlung entstehen, schützt. Eine Übersichtsstudie zeigt, dass bei einer mindestens 10 wöchigen Einnahme von Betacarotin, vor der Besonnung, ein gewisser Schutzeffekt vor Sonnenbrand erzielt werden kann [12].
Neben Betacarotin werden auch andere Substanzen mit einem Sonnenschutz-Effekt beworben. Hierzu zählen Präparate, die zum Beispiel Lycopin (aus der Tomate), die Vitamine A, C, E oder Astaxanthin (Carotinoid produziert von einzelligen Algen) enthalten. Studien zeigen, dass all diese Radikalfänger die Eigenschutzzeit der Haut vor Auftreten eines Sonnenbrandes lediglich verdoppeln können. Inwieweit diese Substanzen auch die Erbgutschädigung reduzieren können, ist weiterhin Thema der Forschung [13]. Klar ist, dass die Einnahme von Radikalfängern nur ein Baustein innerhalb der Maßnahmen des Hautschutzes vor UV-Strahlen darstellt. Die Wirksamkeit (maximal LSF 2) ist stark abhängig von der Dosis und der Dauer der Einnahme.
Häufig findet man diese Radikalfänger auch als Zusatz in Sonnenschutzmitteln und anderen Kosmetika, wo sie durch äußerliche Anwendung zum Hautschutz beitragen.

DAS WESENTLICHE: Die Einnahme von Radikalfängern kann die Sonnenschutzmaßnahmen (Schatten, Sonnencreme, Kleidung) ergänzen. Allerdings muss man Wochen vor der Sonnenexposition mit der Einnahme beginnen. Lassen Sie sich über Dosis und Dauer der Einnahme von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.
[...]

9 Kinder unter der Sonne
Kinder bedürfen besonderer Schutzmaßnahmen vor UV-Strahlung! Ihre Möglichkeiten des Eigenschutzes wie die Ausbildung von Bräune, Lichtschwiele oder Reparaturmechanismen sind erst im Ausreifen und noch nicht voll wirkungsvoll. Deshalb sind sie besonders anfällig gegenüber Schädigungen durch UV-Strahlen [14]. Die Hauttypbestimmung (siehe Kapitel 4.1 Hauttypbestimmung) kann für Kinder nicht angewandt werden. Kinder gelten generell als HT I oder II.
Natürlich sollen sich Kinder regelmäßig und ausgiebig im Freien bewegen. Der Aufenthalt im Schatten bzw. die Verwendung von entsprechender Kleidung gelten als 1. Wahl der UV-Schutzmaßnahmen für Kinder. Kinderärzte empfehlen: Säuglinge und Kinder unter 2 Jahren gehören generell nicht in die pralle Sonne! Zusätzlich sollten sie durch Kleidung (Sonnenhut, langärmliges T-Shirt, spezielle Sonnenschutzkleidung, Sonnenbrille, UV dichter Sonnenschirm) geschützt werden. Achten Sie besonders auf den Schutz der Sonnenterrassen wie Nase, Ohren, Schultern, Nacken und Fußrücken. Insbesondere in der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr sollte die Sonne konsequent gemieden werden. Benutzen Sie hypoallergene, parfumfreie Sonnencreme mit hohem LSF (ab LSF 25).
[...]

Im Kindle-Shop: Gesund & Gebräunt: Ratgeber für risikoarmes Bräunen: Das richtige Maß finden zwischen Sonnenbad, Vitamin D Synthese und Hautschäden

Mehr über und von Dr. rer. nat. Andrea Zgaga-Griesz auf ihrer Website.

'Kyla – Kriegerin der grünen Wasser: Das Erwachen' von Regina Raaf

Die grünen Wasser von Chyrrta bergen ein ebenso düsteres wie tödliches Geheimnis. Ganz auf sich gestellt, wächst das kleine Mädchen Kyla unter der ständig lauernden Gefahr in den Wäldern auf. Bald gerät sie in den Sog verwirrender Ereignisse, die sie schon früh zur erbarmungslosen Kämpferin machen.

Ihr Weg zum prophezeiten Schicksal führt über Liebe, Macht und Tod.

Gleich lesen:
Für Kindle: Kyla – Kriegerin der grünen Wasser: Das Erwachen
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
»Bei allen grünen Wassern, ein Eindringling! Fangt dieses Kind! Es hat vom Festmahl der Herrscherin gestohlen!« Kyla lief im gleichen Moment los, wie das von Blut befleckte Tuch, unter dem sie saß, angehoben wurde. Sie hechtete umher, in dem Versuch, ein neues Versteck zu finden. Doch zur einen Seite waren nur glatte Mauern und zur anderen eine Horde von Chyrrta, die versuchten, sie zu erhaschen.
Unmengen an Speisen waren an diesem schicksalsträchtigen Tag hinter die Undurchdringlichen Mauern getragen worden, als Kylas Leben sich von Grund auf änderte. Sie hatte nicht nachgedacht, als sie sich unter das Tuch gesetzt hatte, das den vom Rumpf abgetrennten Kopf eines Wildschweins verbarg. Erst später erfuhr sie, dass er auf dem Speisetisch der Herrscherin als Dekoration hatte dienen sollen. Doch Kyla wusste damals nur, dass er ihr das bot, was ihr ausgemergelter Körper brauchte. Sie hatte ihre kleinen Hände in das rohe Fleisch gegraben und Stücke herausgerissen, um sie sich in den Mund zu stopfen und hastig zu kauen. Das Blut war ihr am Kinn hinuntergelaufen, als sich plötzlich der Boden unter ihr bewegte. Kyla konnte auch später immer noch den Schrecken spüren, der sie durchfahren hatte, als sie erkannte, dass sie samt des riesigen Tabletts von den Bediensteten der Herrscherin hinter die Undurchdringlichen Mauern gebracht worden war. Sie war ein verwahrlostes und knochiges Kind – kaum größer als der Wildschweinkopf – und mit Sicherheit um einiges leichter. In den Wäldern, in denen sie bereits so lange gelebt und sich versteckt hatte, wie sie zurückdenken konnte, gab es kaum genug Nahrung zu erbeuten, um den jeweils nächsten Tag zu erleben. Ihre Streifzüge, deren Ziele sie inmitten der Siedlungen anderer Chyrrta führten, waren im Laufe der Zeit immer häufiger geworden.
Sie hatte dort genügend Nahrung gefunden, um mehrere Sonnenaufgänge gesättigt zu erleben. Und genau darauf hatte sie auch am Tag ihrer Gefangennahme gehofft, nachdem sie an zwei Tagen zuvor von nichts anderem als ein paar Nastal-Beeren gelebt hatte. Die Zweige waren voll davon gewesen, doch die kleinen Früchte sättigten nur für kurze Dauer und verursachten Kyla leichte Bauchschmerzen. Über kurz oder lang musste sie eine andere Nahrungsquelle finden, und diesmal hatte sie sich auf ihrem Streifzug näher an die Undurchdringliche Mauer begeben, als jemals zuvor.
Das geschäftige Treiben war ihr zwar aufgefallen, aber sie hatte geglaubt, es wäre zu ihrem Vorteil, weil sie so von allen unbemerkt bleiben würde. Zuerst war ihr Plan aufgegangen. Niemand hatte sie bemerkt, als sie unter das Tuch geschlüpft war. Doch dann hatte man sie fortgetragen, und sie konnte nicht fliehen, weil man sie ansonsten sofort festgenommen hätte. Also hatte Kyla unter dem Tuch still ausgeharrt und gehofft, später weglaufen zu können. Aber in dem Moment, als das Horn erklungen war, das sie sonst nur gedämpft durch die Mauern gehört hatte, wurde ihr klar, dass ihr Hunger sie in Gefangenschaft geführt hatte. Man hatte sie nicht einfach nur von einem Ort zum anderen getragen, sondern sie hinter die Undurchdringlichen Mauern gebracht, innerhalb deren sich die Welt der Herrscherin verbarg. Eine Welt, die Kyla bislang niemals gesehen hatte, und die die Chyrrta auf ihrer Seite nur vom Hörensagen kannten. Doch wenn man sie hineingebracht hatte, gab es ganz sicher auch einen Weg wieder hinaus.
Kyla hatte sich an dem Gedanken festgehalten, dass sie entkommen könnte, wenn die Fracht abgestellt und nicht mehr weiter beachtet wurde. Doch so viel Glück hatte sie nicht. Man hatte sie sofort entdeckt und setzte ihr nach. Sie schlug Haken wie die Hasen, wenn wilde Tokals sie verfolgten – aber so, wie die Langohren nicht immer Glück hatten, kam auch sie nicht davon. Man packte sie an den Haaren und riss ihr ein großes Büschel aus. Auf den heftigen Schmerz folgte der nicht weniger schmerzvolle Fausthieb eines feisten Mannes und Kylas Welt versank in der Schwärze einer Ohnmacht.

1. Kapitel
Als sie erwachte, erkannte Kyla, dass man sie in einen Käfig gesperrt hatte. Er war so niedrig, dass sie nicht einmal darin hätte stehen können, wenn sie kräftig genug gewesen wäre, um sich zu erheben. Kauernd rüttelte sie an den eisernen Stäben. Sie nahm sich Strebe um Strebe vor, doch ihr Gefängnis war stabil, ohne eine Schwachstelle aufzuweisen.
Kyla wusste nicht, wohin man sie gebracht hatte und ihr Kopf dröhnte heftig. Sie blinzelte in die Düsternis, die von einer kleinen Fackel direkt über ihrem Käfig nur spärlich erhellt wurde; die weitere Umgebung war für ihre Augen undurchdringlich. Kyla hatte den Eindruck, dass es sich um eine Höhle handelte, denn in der Ferne erkannte sie einen hellen Fleck, der mit großer Sicherheit ins Freie führte, dessen Licht hier jedoch nichts mehr ausrichtete.
Ihr Gesicht und ihre Brust klebten vom getrockneten Wildschweinblut – und nun wurde ihr übel davon. Sie erinnerte sich daran, wie das metallisch schmeckende Zeug ihre Zunge benetzt hatte und wie sie es die Kehle hinab gezwungen hatte – nun nahm es die umgekehrte Richtung. Kyla erbrach sich so heftig, dass sie nach wiederholtem Würgen bittere Galle schmeckte. Es passierte ihr nicht zum ersten Mal, dass sie die verschlungene Nahrung unfreiwillig wieder hochwürgen musste. Wann immer sie ein verendetes Tier fand, nährte sie sich davon, selbst wenn der Gestank sie eigentlich hätte warnen sollen. Kyla hatte nichts in ihrem Leben gelernt, außer sich zu nähren, um zu überleben. Und das tat sie aus reinem Instinkt. Es hatte niemanden gegeben, der ihr etwas gezeigt hatte.
In ihrer Erinnerung hatte es lange Zeit nichts als den Wald, die Pflanzen und Tiere um sie herum gegeben – und der Kampf mit alldem, um die besten Nahrungsmittel, und um das wenige genießbare Wasser. Flüsse, Bäche und Seen waren durch Parasiten verseucht, sodass die Tiere, die daraus tranken, elendig krepierten. Von diesen Kadavern hatte Kyla sich schon frühzeitig so fern wie möglich gehalten. Wenn der brennende Hunger es verlangte, hatte sie gejagt. Sie verteidigte sich und ihre Beute mit bloßen Händen, den Zähnen und ihrer List. Sie kämpfte gegen Dumpids, die auf allen vieren liefen und mit ihrem gefleckten Fell kaum auszumachen waren. Die Zähne dieser Raubtiere waren gefährliche Waffen, und wer das Pech hatte, gleich mehreren Dumpids zu begegnen, konnte so böse Verletzungen davontragen, dass er noch an Ort und Stelle verblutete. Mehr als einmal hatte Kyla den gefährlichen Konkurrenten ihre gerade erlegte Beute überlassen und schnell die Flucht ergreifen müssen.
Aber nicht nur wilde Tiere waren eine Gefahr, auch die Mari-Pflanze machte Kyla das Erlangen von Nahrung schwer, denn mit ihren dicken Ranken umschlang sie ausgerechnet die nahrhaftesten und verträglichsten Pilze, die der Wald zu bieten hatte. Einmal von diesen Pflanzen in Besitz genommen, verdorrten die Pilze, und mit ihnen alles im gesamten Umkreis, bis der Boden wie verbrannt aussah. Kyla hatte gelernt, mit scharfkantigen Steinen die widerspenstigen Ranken zu entfernen, doch die Mari-Pflanze ließ sich trotz großer Anstrengungen oft nur unzureichend beseitigen. Wenn Kyla die Pilze dennoch aß, fühlte sich ihr Bauch danach selbst so an, als würden Ranken darin ihr Unwesen treiben. Aber auch das war immer noch besser, als zu verhungern. Doch nun, da sie in diesem Käfig saß und anderen Chyrrta ausgeliefert war, beschloss Kyla, dass es an der Zeit war, zu sterben. Denn wenn es ihr gelänge, ihrem Leben auf diese Art selbst ein Ende zu setzen, würde man sie nicht quälen können.
Der Tod schreckte sie nicht. Immerhin verging alles, was gelebt hatte, irgendwann – die Tiere und die Pflanzen. Auch genügend Chyrrta hatte Kyla schon sterben sehen, um zu wissen, dass ihre eigene Gattung keine Ausnahme bildete. Irgendwann hatte sie damit begonnen, sich in die Siedlungen zu schleichen und das Leben der anderen Chyrrta zu beobachten. Über viele Jahreszeiten hinweg hatte sie sie immer wieder heimlich beobachtet, um ihre Neugier zu befriedigen und ihnen zugehört, um ihre Sprache zu erlernen. Viele Handlungsweisen waren ihr zuerst völlig fremd gewesen, doch mit der Zeit hatte sie begriffen, was sie zu bedeuten hatten. Staunend hatte sie zugesehen, wie die Bewohner neue Häuser bauten und sie instand hielten. Sie hatte beobachtet, wie sie miteinander umgingen und ihresgleichen in verschiedenen Situationen behandelten. Streit, Versöhnung, Lachen, Weinen, Hass und Liebe – im Laufe der Zeit hatte sie die Wörter zu den Beobachtungen begriffen und alles, was dazugehörte. Vieles war seltsam gewesen – körperliche Vereinigungen, die mal friedlich, oft genug jedoch auch wie ein Kampf aussahen. Kyla hatte begriffen, dass sie nicht immer freiwillig stattfanden – ebenso wenig wie viele der anderen Dinge, zu denen manche Chyrrta gezwungen wurde. Vor allem die Frauen hatten keine Wahl, was Kyla erzürnte, da sie inzwischen begriffen hatte, dass ihr Körper diesen benachteiligten Chyrrta glich. Das Wort Sklavin fiel mehrfach und Kyla wünschte sich, sie hätte es niemals gehört, denn es bereitete ihr größtes Unbehagen. Lieber würde sie sterben, als so leben zu müssen, wie diese Sklavinnen! Nun stand sie kurz davor, eine zu werden, da war sie sich sicher, und daher war sie bereit für den Tod – ihr Körper schien ihrem Bestreben zuzustimmen, denn erneut verlor sie das Bewusstsein.

Im Kindle-Shop: Kyla – Kriegerin der grünen Wasser: Das Erwachen
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Regina Raaf auf ihrer Website.

14. Februar 2017

'Von Liebe stand nichts im Reiseführer: Sammelband' von Britta Keller

Dieser Sammelband enthält drei Kos-Geschichten:

Wiedersehen auf Kos (Laura und Lukas)
Endlich Ferien! Laura und Luzia wollen ihre Zeit auf Kos genießen. Leider ziehen schon bald graue Wolken auf, denn am ersten Abend stößt Laura mit einem großen, schwarzhaarigen Schweizer mit schönen grünen Augen zusammen. Doch die Begegnung löst in ihr alles andere als Begeisterung aus, denn der Mann ist kein Geringerer als ihr Ex- Verlobter Lukas, der ihr wegen der geplatzten Verlobung keine Ruhe lässt. Luzia dagegen hat ganz andere Probleme: Bei einer Begegnung mit dem attraktiven Filmstar Rouven Gardner tritt sie gehörig ins Fettnäpfchen. Können sie die Ferien doch noch genießen?

Ein Filmstar für Luzia
Als Rouven Gardner, der angesagte Jungschauspieler aus Hollywood, auf Kos Urlaub macht, stolpert Luzia eines Abends wortwörtlich in seine Arme. Er ist sofort fasziniert von der schönen, aber kratzbürstigen Schweizerin. Als sie sich näherkommen, muss Rouven wegen eines ungeplanten Pressetermins vorzeitig die Insel verlassen und verliert sie aus den Augen. Erst Wochen später treffen sich die beiden bei einer Filmpremiere in Bern wieder. Trotz seines machohaften Verhaltens gibt Luzia Rouven eine Chance, doch müssen die beiden feststellen, dass sie nicht nur auf unterschiedlichen Kontinenten, sondern in komplett verschiedenen Welten leben. Intrigante Starlets, Videos von Partyexzessen und eifersüchtige Fans stehen zwischen ihnen. Gelingt es den beiden, diese Hindernisse zu bewältigen?

Bonus-Kurzgeschichte 'Valentinstag'
Laura freut sich seit langem auf den Valentinstag mit Lukas. Nur leider kommt es anders wie geplant. Lukas ist an einem Meeting in Zürich und kann erst am Tag danach zurückkehren. Wie verbringt Laura ihre Zeit?

Gleich lesen: Von Liebe stand nichts im Reiseführer: Sammelband

Leseprobe aus "Wiedersehen auf Kos":
Laura
Wie meistens aß ich im Sommer mein Mittagessen mit meiner besten Freundin auf dem Bärenplatz in Bern. Die meisten Stühle des Restaurants waren schon besetzt, als plötzlich ein gutaussehender Typ bei uns am Tisch stand. „Darf ich mich bei euch dazusetzen? Leider ist schon alles voll." Ich sah mich um. Er hatte Recht und so sagten wir ihm, dass er sich nur setzen sollte.
Luzia entschuldigte sich kurz und ging zu einer Bekannten, die sie schon lange nicht mehr gesehen und weiter hinten an einem Tisch entdeckt hatte und ich blieb alleine mit ihm am Tisch.
Als er die Karte studierte, sah ich immer wieder zu ihm hin, denn ich stand genau auf diesen Typ Mann. Dunkle Haare, groß, grüne Augen und einen sportlichen Körper, den er unter einem Maßanzug versteckte.
Ich dachte, dass er es nicht bemerken würde.
Plötzlich aber sagte er lächelnd: „Und, gefällt dir, was du siehst?" Ich wurde umgehend rot wie eine Tomate. Es war mir natürlich sehr peinlich, beim Anstarren erwischt geworden zu sein. Aber ich sagte mir: „Was soll's, peinlicher kann es nicht mehr werden." Ich platzte heraus: „Ja, du gefällst mir. Stört dich das?"
Er war einen Moment lang platt, lachte dann aber und meinte:
„Nein, es stört mich absolut nicht, denn du bist mir auch positiv aufgefallen. Ich steh auf lange Haare und vor allem gefällt mir dein freches Mundwerk." Da lachten wir beide laut auf.
Ich war erfreut. Obwohl Luzia die bessere Figur hatte und auch ihre dunklen, hüftlangen Haare viel interessanter waren, stand er auf mich.
Luzia schaute uns fragend an, als sie wieder bei uns am Tisch saß. Sie hatte unseren Disput nicht mitbekommen. „Habe ich etwas verpasst?"
„Nein, nein überhaupt nicht", sagte ich immer noch lachend. Sie gab auf, denn sie wusste, sie bekam es später eh noch aus mir heraus.
Sobald auch er bestellt hatte, kamen wir wieder ins Gespräch.
Er stellte sich als Lukas vor. Er war 27 Jahre alt und arbeitete in einem kleinen Betrieb außerhalb von Bern und hatte vor kurzem die Managementausbildung abgeschlossen.
Er wollte natürlich auch von uns ein bisschen was wissen und so fragte er uns nach unseren Namen und was wir beruflich machten.
So stellte ich uns beide kurz vor.
„Ich heisse Laura, bin 22 Jahre alt und habe eine kaufmännische Lehre abgeschlossen und besuche jetzt eine weiterführende Schule als Direktionsassistentin und dies ist meine Freundin Luzia. Sie ist so alt wie ich und arbeitet in der Boutique ihrer Eltern mit."
Wir quatschten noch eine Weile während des Essens. Die Stimmung war locker und wir verstanden uns alle drei sehr gut. Als die Pause vorbei war, zahlten wir und standen auf.
Leider gab es keine Anzeichen dafür, dass Lukas mich wiedersehen wollte und ich war ein wenig enttäuscht, aber ich hatte mich peinlich genug verhalten und so ließ es mein Stolz nicht zu, dass ich auch noch nach seiner Telefonnummer fragte. Also gingen wir wieder zur Arbeit und ich verlor meinen Traummann aus den Augen. Das dachte ich jedenfalls.
Am Abend, als ich meine Handtasche auspackte, entdeckte ich eine fremde Karte darin. Es war eine Visitenkarte. Auf der Rückseite stand: „Ich würde dich gerne wiedersehen."
„Heute würde ich da aber nicht mehr anrufen", dachte ich mir und ließ die Karte auf mein Pult fallen.
Wenig später läutete mein Handy. Es war Luzia, die mich ausquetschen wollte. Da ich es irgendwie loswerden musste, erzählte ich ihr alles. Sie lachte sich halb krank und riet mir: „Er ist nett und sieht gut aus, ruf da gleich morgen an. Ich würde ihn in deinem Fall gerne näher kennenlernen wollen. Er scheint ja auch Humor zu haben."
So nahm ich am darauffolgenden Tag allen Mut zusammen und rief ihn an. Er schien erfreut zu sein und wir verabredeten uns für den nächsten Abend zu einem Kinobesuch. Von dem Film bekamen wir allerdings nicht viel mit, denn es hatte zwischen uns beiden gefunkt und wir schauten mehr zu einander als auf die Leinwand. Ab diesem Abend trafen wir uns regelmässig. So verbrachten wir unsere ganze Freizeit zusammen. Seine Ruhe und mein Temperament waren wie Feuer und Eis.
Es dauerte nicht lange, bis wir uns verlobten. Leider bestand unsere Verlobung nur bis zum ersten großen Problem.
Kurz nach unserer Verlobung bekam er in Zürich eine Stelle im Management eines kleineren Betriebes angeboten. Er beschloss dorthin umzuziehen und für ihn war klar, dass ich mitgehen sollte. Ich hatte aber gerade eine Zweitausbildung begonnen, deshalb fand ich, dass er ganz gut auch von Bern aus pendeln konnte. Er verneinte genervt und sagte mir, dass ihn dies mit der zukünftigen Arbeit zu stark stressen wird. Da ich schon die Ausbildung und die Arbeit koordinieren musste, war ich erst recht nicht bereit dazu.
Schließlich gab ein Wort das andere und so trennten wir uns im Schlechten. Noch immer dachte ich mit Wehmut daran und fragte mich, ob ich damals zu egoistisch war.
In der schweren Zeit der Trennung stand mir meine beste Freundin Luzia sehr bei. Seit damals wollte sie unbedingt mit mir nach Kos in die Ferien fliegen. Wieso gerade Kos, verriet sie mir nicht.
Ich hatte aber lange Zeit überhaupt keine Lust, Geld und Zeit, um Ferien zu machen. Ich litt sehr lange unter der Trennung aber sie blieb stur und fragte mich immer wieder, bis ich nachgab.
Nun saßen wir im Flugzeug nach Kos und ich wurde rapide aus meinen Erinnerungen gerissen, als die Stewardess mit dem Essen kam. Diese Erinnerungen wurden durch eine Begegnung, im Duty-free-Shop kurz vor dem Flug, hervorgerufen.

Im Kindle-Shop: Von Liebe stand nichts im Reiseführer: Sammelband

Mehr über und von Britta Keller auf ihrer Facebook-Seite.

13. Februar 2017

'Die Legende der Rubinelfe: Die Auserwählte' von Babsi C.S. Angel

In der Welt Antaryia herrschte seit hunderten von Annaren ein nicht enden wollender grausamer Krieg. Die Welt ertrank im Blut, welches durch Menschen, Zwerge und Rubinelfen vergossen wurde.

Doch dieser düsteren Zeit wurde ein Ende durch die Königin der Rubinelfen gesetzt, denn sie war das Blutvergießen leid. Sie wollte endlich selbst eine Familie gründen. Viele Jahre vergingen und die Königin Ashara hatte den Glauben fast aufgegeben, jemals ein Kind zu bekommen, als sie vor sechzehn Annaren endlich eine Tochter bekam.

Dieses Kind wurde nicht nur mit einer besonderen Fähigkeit, sondern auch mit einer ganz besonderen Gabe geboren, die sie zu einer Legende werden lässt.

Gleich lesen: Die Legende der Rubinelfe: Die Auserwählte

Leseprobe:
Nachdem Aymsir von einer Patrouille zurückkehrte, war er verändert und keiner wusste, was mit ihm los ist. Tagelang verschwand Aymsir immer aufs Neue aus dem Schloss. Wenn sein Vater ihn fragte, wo er hinging, erhielt er immer dieselbe Antwort. »Ich war mit Aylan unterwegs.« Doch sein Vater wusste, dass Aymsir ihm nicht die Wahrheit erzählte. Er sah Aylan oft genug, um zu wissen, dass sein Sohn nicht ehrlich war.
Doch eines Abends, als die Familie versammelt beim Abendessen saß, stand Aymsir unerwartet auf und ging zum König, der am Tischende saß. Als sein Sohn auf ihn zu kam, stand der König auf und sah ihn verwundert an. Aymsir kniete sich vor seinem Vater nieder und blickte ihn mit seinen roten Augen an. »Vater ... ich habe mich verliebt und bitte dich um deinen Segen.«
Der König sah ihm überrascht an und fragte nach: »Mein Sohn, bist du deswegen in letzter Zeit so eigenartig, weil du dich in ein Weib verliebt hast?« Ein spöttisches Lachen entkam Rywan.
Aymsir der bis eben noch den Boden anstarrte, sah zu seinem Vater nach oben und sein Blick war finster. »Ja Vater, weil sie keine Elfe ist, sondern ein Mensch.«
Schockiert über diese Antwort erhob er wütend seine Stimme: »Was sagst du da, du hast dich in eine Menschenfrau verliebt. Bist du von allen Göttern verlassen? Niemals bekommst du dafür meinen Segen. Denkst du ernsthaft, ich lasse es zu, dass du Schande über unser Volk bringst? Die Menschen und die Rubinelfen sind seit immens langer Zeit verfeindet. Es ist unmöglich, dir für diese Verbindung meinen Segen zu ge- ben! Niemals werde ich es zulassen, dass du dich weiterhin mit dieser Frau triffst. Es wäre eine riesengroße Dummheit, diese Liebschaft noch länger fortzuführen.«
»Vater, man entscheidet doch nicht selbst, in wen man sich verliebt und mein Herz hat sich Isabella ausgesucht. Sie ist so wunderschön wie ein Engel. Wenn du sie kennenlernst, wirst du sie genauso in dein Herz schließen, wie ich es getan habe.«
»Du bist verrückt Aymsir! Diese Menschenfrau kommt mir nicht in den Palast und du wirst sie nie mehr wieder sehen, verstanden! Das ist mein letztes Wort.«
Aymsir sah ihn unglücklich an, er hatte es sich mehr als alles andere gewünscht, dass er den Segen von seinem Vater bekommt.
Er stand auf. Wortlos verließ er den Speisesaal, holte sein Pferd aus dem Stall und ritt los. Sein Weg führte ihn durch den Wald, bis nach Indaria. Abseits am Rande des Waldes stand das Haus, in dem Isabella lebte.
Vor einer ärmlichen und morschen Holzhütte angekommen, stieg er vom Pferd. Er ging zur Türe und klopfte stürmisch an. Nach kurzer Zeit öffnete ihm Isabella. Als sie Aymsir sah, strahlte sie wie die aufgehende Sonne. Ihre Wangen verfärbten sich rot, als ihr Aymsir einen Kuss darauf gab. Er liebte diese wundervolle Frau und betrachtete sie genauer. Sie hatte ihre braunen Haare zu einem langen Zopf geflochten und ihre Wangen waren übersät mit Sommersprossen. Er liebte ihr liebenswertes und bezauberndes Lächeln, das sein Herz stürmischer gegen seinen Brustkorb schlagen lässt. Als er sie das erste Mal sah, versank er in der Tiefe ihrer blauen Augen und verliebte sich auf Anhieb.
Sie sah ihn mit ihren meeresblauen Augen an und wollte wissen: »Hast du mit deinem Vater gesprochen? Was sagt er? Wird er uns seinen Segen geben?« Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, während sie auf seine Antwort wartete.
Er sah Isabella mit seinen leuchtenden roten Augen an und erwiderte: »Komm mit mir und du wirst meine Familie kennenlernen.«
Auf irgendeine Weise musste er seinem Vater verständlich machen, dass er diese und keine andere Frau wollte. Im gegebenen Fall konnte er so seinen Vater überzeugen, indem er Isabella zu ihm brachte und er sie so mit eigenen Augen betrachten konnte.
Er stieg auf sein Pferd, reichte seiner Liebsten die Hand, um sie zu sich rauf zu ziehen. Gemeinsam ritten sie nach Ewanyia, zum Schloss seines Vaters.
Dort angekommen ging er mit ihr Richtung Thronsaal, denn er wusste, dass sein Vater dort die meiste zeit verbracht. Als Aymsir den Saal betrat, fielen die Blicke der Wachen sofort auf die Menschenfrau an seiner Seite.
Als die beiden vorne angekommen waren, erhob sich der König zornig von seinem Thron. Rywan war empört darüber, dass ein Mensch in seinem Palast war. Die Wörter, welche aus seiner Kehle drangen, waren voller Hass. »Du wagst es, einen Menschen nach Ewanyia in mein Schloss zu bringen. Bist du in der Zwischenzeit schon von allen guten Geistern verlassen worden? Möglicherweise ist sie eine Spionin, hast du schon einmal daran gedacht?«
»Sie ist keine Spionin, sondern die Frau, der ich meine Liebe schenke und die ich heiraten werde! Vollkommen egal, ob du mir nun deinen Segen gibst, oder nicht. Trotz alledem wollte ich sie dir wenigstens ein Mal zeigen, damit du begreifst und verstehst, warum ich mein Herz an sie verschenkt habe.«
Rywan wedelte mit der Hand vor Aymsir und Isabella. Seine Stimme wurde immer lauter, als sie durch den Raum hallte. »Du hast deinen Verstand verloren, du wirst die- ses Weib nicht heiraten!«
Aysmirs Stimme war zwar nicht so lautstark, wie die von seinem Vater, ungeachtet dessen konnte man ihm durch den Saal hören: »Doch das werde ich, denn ich liebe sie von ganzem Herzen!«
»Du bist nicht mehr bei Sinnen! Wenn das dein Wunsch ist, dann sei gewarnt. Solltest du dich jetzt für diese Menschenfrau entscheiden, dann verlierst du deinen Anspruch auf den Thron und wirst für immer aus Ewanyia verbannt werden. Auch wenn es mir mein altes Herz entzweibricht, da du mein einziger Sohn bist. Ich kann es nicht zulassen. Wie kannst du nur denken, dass es richtig ist, wenn ein Rubinelf eine Menschenfrau zum Weib nimmt?« Als die Worte seinen Mund verließen, schmerzte es ihn selbst. Er liebte seinen Sohn, doch er konnte es nicht zulassen, dass sein eigener Sohn sich mit einen Menschen vermählt.
Aymsir stand vor seinem Vater und hielt die Hand von Isabella fest. Nur durch das Wissen, dass sie für ihn da war, konnte er stark genug sein, um die Worte, die ihm sein Vater an den Kopf warf, zu ertragen. So sehr ihm die Worte wehtaten, stand für Aymsir fest, dass er sich für Isabella entscheiden würde, da er sie liebte.
»Vater ... du kannst mich doch nicht aus Ewanyia verbannen. Wo soll ich hin?« Er blickte zu seiner Mutter, die in diesen Moment den Thronsaal mit seiner Schwester betrat.
Der König sah seinen Sohn wütend an. »Und ob ich das kann, falls du dich nicht von dieser Menschenfrau trennst.« Er deutete mit dem Finger auf Isabella.
Aymsir sah seine Mutter verzweifelt an. Sie hatte Tränen in den Augen, kam auf ihn zu und legte die Hand auf seine Wange. »Mein Sohn, ich flehe dich an, bitte höre auf deinen Vater und trenne dich von ihr, sonst kann dir keiner mehr helfen. Du weißt so gut wie ich, was dein Vater sagt, ist hier Gesetz. Wenn du dich ihm verweigerst, wird er dich verbannen. Höre auf ihn!«
»Aber Mutter ... mein Herz gehört Isabella. Sie ist die Liebe meines Lebens und sie gibt mir Kraft. Ich war noch nie so glücklich wie in den letzten Tagen, sie ist alles für mich. Dennoch wenn ihr mich verbannen wollt, dann soll es so sein.«
Er drehte sich zu Isabella um und küsste sie vor den Augen aller. »Es tut mir leid meine Liebste, dass du das mitanhören musstest. Ich hoffe, du willst mich auch noch, wenn ich aus meiner Heimat verbannt werde. Willst du mich auch noch, wenn ich kein Prinz mehr bin?«
Sie streichelte ihm zärtlich über die Wange. »Mir ist es völlig egal, ob du ein Prinz oder ein Bauernjunge bist, mein Herz gehört dir und das für immer.«
Er nahm sie in den Arm und küsste ihre Stirn, während er sie glücklich anblickte. Dann drehte er sich ein letztes Mal zu seinem Vater um. »Wenn das dein Wunsch ist Vater, werde ich Ewanyia für immer verlassen. Denn ich vergöttere Isabella und sie wird meine Frau!« Tränen füllten seine Augen, als er einen letzten Blick auf seine Familie warf, er verließ zusammen mit seiner Zukünftigen den Thronsaal, stieg mit Isabella auf sein Pferd und ritt mit ihr aus Ewanyia.

Im Kindle-Shop: Die Legende der Rubinelfe: Die Auserwählte

9. Februar 2017

'Alles bleibt anders' von Siegfried Langer

Schlimm genug für Frank Miller, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Doch nicht nur das - er wurde offiziell für tot erklärt! Als ihn nicht einmal seine Verlobte Claire wiedererkennt, verwandelt sich sein rätselhaftes Schicksal endgültig in eine Tragödie.

Es ist das Jahr 2008 und Franks langsam zurückkehrende Erinnerungen konfrontieren ihn mit einer unglaublichen Realität: mit einem Dritten Reich, das das Jahr 1945 überlebt hat, mit einer NSDAP, die mächtiger und grausamer ist als jemals zuvor. Über ganz Europa weht die Flagge mit dem Hakenkreuz. Franks Suche nach seiner Identität führt ihn in die deutsche Hauptstadt Germania, erbaut nach den tollkühnen Entwürfen Hitlers und Speers.

Dort erfährt er, dass er kämpfen muss - um sein Leben, um seine Liebe zu Claire und um das Schicksal vieler anderer.

Der Debüt-Roman von Siegfried Langer wurde unter anderem für den Deutschen Phantastik Preis nominiert.

Gleich lesen: Alles bleibt anders

Leseprobe:
Für einen Augenblick nahm er seine Umgebung als Park wahr.
Für einen Augenblick sah er Frauen mit Kopftüchern, Männer mit Schnurrbärten und dazwischen spielende Kinder. All diese Menschen bevölkerten die Wiesen ringsum und drängten sich um qualmende Grille. Er roch sogar die Fleischstücke und die Würste, die auf den Rosten lagen, doch auch dieser Sinneseindruck blieb nur für den Bruchteil einer Sekunde präsent, um dann für lange Zeit wieder aus seinem Bewusstsein zu verschwinden.
Der Geruch verflüchtigte sich genau so schnell, wie sich das Gebäude vor seinen Augen verwandelte. Die Architektur blieb die gleiche, aber an der Stelle, an der gerade noch 'Deutsch-Türkischer Sportverein' neben einem schwarz-rot-goldenen Halbmond auf weiß getünchter Mauer prangte, stand nun plötzlich 'Görlitzer Bahnhof' in gotischen Lettern auf dem unverputzten Backsteingebäude. Als hätten sein linkes und sein rechtes Auge unterschiedliche Informationen an sein Gehirn weiter gemeldet und dieses hätte binnen kürzester Zeit entschieden, welches die korrekte Umgebung zu sein hatte, die er da beobachtete.
Nur dieser Augenblick der Unsicherheit und des Schwindels. Dann stand er wieder mit beiden Beinen fest auf der Erde und hatte das, was er eben gesehen hatte, auch schon wieder vergessen.
»He, Sie da!«
Irgendjemand bellte ihn an und als er am Bahnhofsgebäude entlang sah, erkannte er Menschen, die zu ihm starrten: Zwei Männer mit Zylindern auf den Köpfen, in Anzug und Fliege, einer trug eine Zeitung unter den Arm geklemmt; eine junge Frau mit schulterlangem, blondem Haar, in einem fliederfarbenen, knöchellangen Kleid; ein ganzes Rudel Kinder im Alter von etwa acht Jahren in dunkelblauen Schuluniformen mit goldenem Emblem auf der Brust. Mehrere der Kinder glotzten mit offenem Mund zu ihm herüber, mitten unter ihnen eine ältere Dame in der gleichen Uniform, die ergrauten Haare zu einem Dutt nach oben gesteckt.
»Ja, Sie meine ich!«
Jetzt sah er auch den Mann, der da brüllte und ganz offensichtlich ihn meinte: ein stämmiger, vollbärtiger Mann, eine graue Uniform inklusive Schirmmütze tragend. Hätte er näher bei ihm gestanden, hätte er das Wort »REICHSBAHN« in schwarzen Buchstaben am Ärmel lesen können.
»Kommen Sie sofort da herunter!«
Was der Mann in der grauen Schaffnerkleidung mit 'da' meinte, bemerkte er, als er an sich herab sah und feststellte, dass er auf einer Schwelle stand, die zu einer Gleisanlage gehörte.
»Sind Sie lebensmüde?«
Jeder andere an seiner Stelle hätte schleunigst die Schienen verlassen. Er jedoch ging langsam und gemächlich auf den Bahnsteig zu, war sich der Gefahr gar nicht bewusst. Die dort Versammelten beobachteten jeden seiner Schritte.
»Mann, haben Sie ein Glück, dass der Elf-fünfundvierziger zehn Minuten Verspätung hat!«, sagte der Mann in grau und streckte ihm eine Hand entgegen; auch der Anzugträger mit der Zeitung unter dem Arm, nahm diese nun in die eine Hand und reichte ihm die andere. Er ergriff sie beide und ließ sich auf den etwa achtzig Zentimeter erhöhten Bahnsteig hieven.
Der Schaffner vergewisserte sich mit einem Blick nach links, dass der erwartete Zug immer noch nicht in Sichtweite war, und zeigte Erleichterung, die sogleich von einem strafenden Ausdruck verdrängt wurde.
»Es ist Unbefugten verboten, den Gleiskörper zu betreten. Ich bin verpflichtet, darüber Meldung zu erstatten«, zitierte er und zog Notizblock und Stift aus seiner Brusttasche. »Wie heißen Sie?«
»Frank«, sagte der Angesprochene ohne zu zögern. 'Frank' war der Name, der ihm spontan eingefallen war und er wusste auch, dass es der Richtige war: der Seine. Er wusste nicht, wie er hier auf diesen Bahnhof kam, geschweige denn, warum er hier war; aber an seinen Namen, an den erinnerte er sich plötzlich wieder. Ähnlich einem alten Menschen, bei dem große Lücken im Gedächtnis klaffen und der dennoch stets das Datum seiner Geburt nennen kann, wenn man ihn danach fragt.
So bestätigte Frank mit der Aussprache seines Vornamens mehr sich selbst als dem Schaffner, wer er war.
Der Schaffner notierte. »Und Ihr Nachname?«
Frank wurde sich der Situation, in der er sich befand, immer noch nicht bewusst. Er fragte sich nicht, warum und wofür der Schaffner diese Informationen von ihm wollte. Nein, er war ihm dankbar, denn er wollte selbst wissen, wie sein Nachname war; in Gedanken suchte er ihn, konnte ihn aber nicht finden.
»Ihr Nachname?«, beharrte der Bärtige.
Dass die ältere Dame in der blauen Schuluniform mittlerweile dafür sorgte, dass ihre Schützlinge sich benahmen, nicht länger mit offenem Mund zu ihm herüberstarrten und mit ihr ein Stück zur Seite gingen, bemerkte er nur am Rande.
»Können Sie mich verstehen? Sprechen Sie deutsch?«
Auch der Mann mit der Zeitung wandte sich nun, zusammen mit dem anderen Anzugträger, von dem Gespräch ab, genau wie die junge Frau es auch schon getan hatte. Anstand war der Grund dafür, nicht etwa fehlende Neugierde.
Der Schaffner wusste sich schließlich nur noch damit zu helfen, den Fremden am Oberarm zu packen und mitzuzerren.
»Sie kommen erstmal mit zur Stationsaufsicht!«
Der endlich eintreffende Zug lenkte für einen Moment seine Aufmerksamkeit ab, und Frank gelang es, die Hand des Schaffners abzuschütteln und loszurennen.
Beim Schaffner, hin und her gerissen, ob er dem Flüchtenden nacheilen oder sich um die Abfertigung der eingefahrenen Bahn kümmern sollte, siegte das Pflichtgefühl.
Sollte dieser Lebensmüde doch machen, was er wollte, die Sicherheit am Bahnsteig ging vor. Den Mann ohne Nachnamen erwähnte er nur noch in seinem Dienstbericht, den er bei Schichtende seinem Vorgesetzten in dessen Fach legte. Darüber hinaus interessierte er ihn nicht mehr.
Und Frank rannte. Er rannte durch das große Portal hindurch, das den Bahnsteig mit der Bahnhofshalle verband, dann geradeaus, an einer breiten, nach unten führenden Treppe vorbei, die Zugang zu anderen Gleisen verschaffte, und schließlich durch die kuppelförmige Halle selbst. Unbewusst nahm er die Menschen wahr, die da standen, warteten, an einem Imbiss etwas aßen, sich gerade an den Auskunfts- und Fahrkartenschaltern eine Reiseverbindung ermitteln ließen oder ein Billet lösten. Dienstmänner, die schwere Koffer und Reisetaschen schleppten; Reisende, die schnellen Schritts die Halle durchquerten. Der eine oder andere drehte sich irritiert zu dem Rennenden um. Dann war Frank auch schon durch die Vorhalle hindurch und kam auf einem gepflasterten Bürgersteig zum Stehen. Nur für einen kurzen Moment hielt er inne, um zu erfassen, wo er war. Geradeaus standen mehrere Pferdedroschken, aber auch einige motorgetriebene Fahrzeuge, auf dem Trottoir selbst herrschte eine ähnlich geschäftige Betriebsamkeit wie in der Halle. Er lief weiter nach rechts den Bürgersteig entlang, immer weiter, bis er an den Bahnhofsgebäuden und den sich anschließenden Mietblöcken vorbei war. Dann bog er nach links ein, in eine Gasse, und weiter in die nächste. Dass er gar nicht verfolgt wurde, bemerkte er nicht. Erst als seine Kräfte nachließen, verlangsamte er seine Geschwindigkeit, nach Atem ringend und mit erhöhtem Puls. Mit dem Handrücken fuhr er sich über die nasse Stirn.
Im Schritttempo weiter, rastlos, ziellos, unter einer Hochbahn hindurch, passierte er stinkende Gassen und verschmutzte Straßen. Spielende Kinder, Männer und Frauen auf Fahrrädern und Hochrädern, ein von Pferden gezogener Bus. Bis er irgendwann, Stunden später, an eine Parkbank gelangte, sich niedersetzte und zu Boden starrte. Er erinnerte sich an die Szene am Bahnhof, ansonsten erinnerte er sich an nichts. Er fühlte sich absolut leer und ausgebrannt.
Wie war er dort nur hingekommen?
Sein Blick fiel auf seine schwarzen Lederhalbschuhe. Nein, er wusste nicht mehr, wann er sie gekauft, geschweige denn, wann er sie angezogen und zugeschnürt hatte. Die dunkelgrauen Wollsocken und die schwarze Stoffhose, erkannte er ebenso wenig wie die Schuhe oder sein Hemd aus weißer Baumwolle. Die beiden Anzugträger fielen ihm ein und er fasste sich auf den Kopf. Müßig: hätte er, wie die beiden einen Zylinder getragen, hätte er ihn längst beim Rennen verloren. Auch Krawatte oder Fliege trug er nicht.
Ein Griff an seine Gesäßtasche: keine Geldbörse mit Geld oder etwa einem Ausweis.
Dann entdeckte er etwas auf seiner Brust; er spürte Metall. Er öffnete die obersten beiden Hemdknöpfe und zog ein silbernes Medaillon hervor, an einem dünnen, aber stabilen Kettchen hängend. Neugierig, welches Bildnis wohl darin zum Vorschein kommen mochte, suchte er den Öffnungsmechanismus. Er fand ihn und drückte darauf. Der Deckel klappte nach oben. Doch nicht das erhoffte Antlitz aus einer ihm noch unbekannten Vergangenheit lächelte ihm entgegen, kein jüngeres Ebenbild seiner selbst oder das Gesicht einer früheren Liebe. Es sah aus wie ein Knopf, der sich eindrücken ließ. Vorsichtig fühlte er mit dem Zeigefinger über die schwarze Oberfläche: weich, aber stabil. Den Knopf zu betätigen, getraute er sich nicht. Jetzt fiel sein Blick auf die Innenseite des Deckels; in schnörkellosen Buchstaben stand dort: 'SG'. Initialen? Seine Initialen? Dann konnte er selbst nicht Frank heißen. Und wenn er Frank war, wer war dann dieser oder diese 'SG'? In Gedanken versunken lehnte er sich zurück, blickte auf und entdeckte seine Umgebung. Vor ihm ein schmaler Fluss, der langsam und träge durch sein begradigtes Bett glitt, links und rechts des Flusses das gemauerte Ufer, zur Absicherung ein Geländer. Jenseits des Flusses ein großer wuchtiger Bau, dahinter ein rotes, leicht deplatziert wirkendes Gebäude. Eine Kirche? Dazwischen Wiesen, noch nicht so grün und saftig wie im Sommer, aber auf dem besten Wege dorthin. Vor dem wuchtigen Bau eine breite Straße – Linden in der Mitte – die geradewegs auf eine Brücke zulief, die über den schmalen Fluss führte. Auf der Brücke acht Skulpturen aus weißem Marmor, jede aus einer Frau und aus einem Mann bestehend: Krieger und Kriegsgöttin.
Plötzlich ahnte er, was sich hinter ihm, in seinem Rücken befand. Er stand auf, drehte sich um und sah geradewegs auf ein großes imposantes Schloss, altes Gestein, reich verziert, in bestem Zustand. Links daneben der Dom und davor der Lustgarten. All das erkannte er wieder, glaubte er zumindest.

Im Kindle-Shop: Alles bleibt anders

Mehr über und von Siegfried Langer auf seiner Website.



8. Februar 2017

'Blutige Leidenschaft' von Collin Desire

Aus einer scheinbar glücklichen Welt, wird ein blutiger Albtraum, aus dem es kein Entrinnen gibt ...

Umgeben von den finstersten Geheimnissen ihrer Vergangenheit führt die junge, hübsche und lebenslustige Theresa ein Leben voller Glück und Freude. Nichts ahnend, welche unfassbare Wahrheit sich da nach und nach in ihr Leben schleicht, um es für immer zu verändern.

Dieser Thriller entführt in eine Realität, die genauso stattgefunden haben könnte, aber hoffentlich niemals so stattfinden wird!

Hinweis: Dieses Buch enthält explizite Szenen und Darstellungen und ist für sensible Gemüter ungeeignet. Empfohlen für Leser ab 18 Jahren.

Gleich lesen: Blutige Leidenschaft: Unstillbares Verlangen

Leseprobe:
Wien – Österreich, Dezember 1997 ...
Die Einwohner der Millionenstadt sind erschüttert und gleichzeitig verängstigt, als die Tageszeitungen Einzelheiten der Entführung und des Martyriums von Sandra B. - 38 Jahre, veröffentlichen. Es schneite stark, als die Frau wie jeden Abend ihre Arbeitsstelle bei der Post verließ. Sie befand sich auf dem Heimweg, wo sie jedoch nie ankam. Arbeitskollegen alarmierten am nächsten Tag die Polizei, da nicht bei der Arbeit zu erscheinen bzw. sich nicht zu melden, höchst ungewöhnlich für die fleißige und verlässliche Mitarbeiterin war.
Selbst eine groß angelegte Polizeiaktion brachte keinerlei Hinweise. Die attraktive brünette Frau blieb verschwunden. Nicht die kleinste Spur konnte gefunden werden und es gab auch keine Zeugen. Sollte es je Spuren gegeben haben, wurden sie vom starken Schneefall, für immer begraben.
Erst ein Jahr danach, kam das ganze Ausmaß des rätselhaften Verschwindens von Frau B. ans Tageslicht. Entführt, fast ein Jahr gefangen gehalten, vergewaltigt und misshandelt. Und als ob das noch nicht furchtbar genug wäre, geschwängert und verstümmelt.
Einer dieser Fälle, wo man sich fragte: »Wie kann ein Mensch – falls man diese Bestie so nennen darf – jemanden so etwas antun.«

Wien, Vergangenheit ...
Anfang Dezember 1998 stand eine hochschwangere Frau in der Notaufnahme eines großen Wiener Krankenhauses. Sie sah furchtbar aus. Blaue Flecken, Schnittwunden am ganzen Körper und aus ihren Handschuhen tropfte Blut auf den Boden. Als sie vom Krankenhauspersonal angesprochen wurde, konnte sie keine Antwort geben. Sie bekam einen Hustenanfall und brach zusammen. Das Blut, welches aus ihrem Mund kam, bildete schnell eine große Lache am grauen Fliesenboden. Es war ein furchtbarer Anblick, der sich von den sonstigen Notfällen sofort abhob. Die erste Untersuchung ergab, dass der Frau sowohl die Zunge, als auch die Finger an beiden Händen, unsachgemäß amputiert wurden. In einer Notoperation gelang es den Ärzten, die Frau zu retten. Das Kind musste per Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden und war erst nach einigen Wochen im Brutkasten, außer Gefahr.
Natürlich wurden umgehend die Behörden über diese rätselhafte und verstümmelte Frau informiert. Als Chefinspektor Martens von der Kriminalpolizei im Krankenhaus eintraf, zückte er seine Marke, stellte sich vor und ließ sich über den Status informieren. Der Bericht des Arztes war schockierend, selbst für einen hart gesottenen Polizisten wie ihn, der schon sehr viel gehört und gesehen hatte. Er zog sich seine schwarzen Handschuhe an, untersuchte die dreckige und abgenutzte Kleidung der Frau. In einer der Taschen fand er einen Ausweis und einen zusammengefalteten blutbeschmierten Zettel. Nach einer kurzen Rückfrage per Funk war es klar. Bei der Frau handelte sich eindeutig um Sandra B., die vor einem Jahr spurlos verschwunden war. Bisher tappte die Polizei im Dunkeln, aber womöglich konnte nun etwas Licht in die Sache gebracht werden.
Vorsichtig öffnete er das Blatt Papier und las was darauf stand:

An die Polizei:
Passen Sie gut auf mein Baby auf, ich habe Großes mit ihr vor! Verzeihen Sie mir die Sauerei, die ich mit ihrer Mutter veranstaltet habe, aber ich musste sichergehen, dass die Schlampe Ihnen nichts über mich verraten kann.
Hochachtungsvoll
Der Fleischer


Martens hatte schon mit vielen Verbrechern zu tun gehabt, aber die Brutalität dieses Mannes schockierte ihn dennoch. Der Täter hatte die Frau entführt, fast ein Jahr gefangen gehalten und vermutlich täglich mehrfach vergewaltigt. Als ob das noch nicht schlimm genug wäre, hat er sie auch brutal geschlagen und ihr mit einem Messer unzählige Verletzungen am ganzen Körper zugefügt. Am Ende ihres Martyriums musste die Frau noch ertragen, wie ihre Zunge und die Finger entfernt wurden, um danach vor der Notaufnahme eines Krankenhauses abgeladen zu werden. Eines stand für Martens schon jetzt fest: Dieser Mann, der sich selber Fleischer nannte, musste umgehend gefasst werden, ehe er erneut zuschlagen konnte.
Er sorgte dafür, dass das Zimmer von Frau B. und auch das Baby rund um die Uhr von Beamten bewacht wurde. Er informierte die Ärzte, dass immer eindeutig sein musste, welches Personal aktuell im Dienst ist und Zutritt zu den Zimmern bekommt. Die Beamten hatten den Befehl, jeden anderen, der sich Zutritt verschaffen wollte, sofort zu verhaften und ihn umgehend zu verständigen.
Nach der Befragung einiger Zeugen erfuhr Martens, dass der Täter die arme Frau mit einem Taxi in die Notaufnahme geschickt hatte. Nachdem der Fahrer gefunden wurde, befragte er ihn.
»Können Sie sich an den Mann erinnern, der die Frau zum Taxi brachte? Jede Kleinigkeit könnte wichtig sein, überlegen Sie bitte!« Der Taxifahrer konnte leider nicht viel erzählen. Er saß im Auto, als die Türe aufging und die Frau einstieg. Das Einzige, was er berichten konnte, war die tiefe Stimme, welche er hörte.
»Wie war der genaue Wortlaut?«, wollte Martens wissen, während er seinen Notizblock zückte.
»Schnell ... bringen Sie meine Frau in die Notaufnahme. Sie ist schwanger und das Kind kommt bald! Ich komme mit dem eigenen Auto nach.«
Danach wurde die Autotüre geschlossen und der Taxifahrer fuhr los.
»Konnten Sie den Mann sehen?«, hakte Martens nach und blickte den Taxifahrer erwartungsvoll an.
»Nur ganz kurz im Rückspiegel. Ich würde sagen, ungefähr meine Größe, also einen Meter siebzig. Er trug ein schwarzes Baseball Cape, eine dunkle Jacke und eine dunkle Jeans. Vom Gesicht konnte ich nicht viel erkennen, außer einem Schnauzbart. Das ist alles Herr Inspektor, mehr weiß ich wirklich nicht.«
»Vielen Dank, das hilft mir schon weiter. Hier ist meine Karte. Sollte Ihnen noch etwas einfallen, können Sie mich jederzeit am Handy anrufen.« Martens drehte sich um und ging zu seinem Wagen. In seinem Kopf kreisten die Gedanken um die Frau und das Baby. Wie wird das Kind wohl reagieren, wenn es alt genug ist und erfahren muss, dass der leibliche Vater ein brutaler Verbrecher und Vergewaltiger ist. Wie konnte ein Mensch solch eine Information wegstecken, ohne durch zu drehen.
Darauf gab es vermutlich keine Antwort – es könnte alles passieren. Wie auch immer, Martens musste sich etwas einfallen lassen, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Noch hatte er herzlich wenige Informationen und keine davon half ihm sonderlich weiter. Sein erster Weg führte ihn zu der Stelle, an der die Frau in das Taxi eingestiegen war. Möglicherweise gab es ja Zeugen, die nähere Informationen zu dem Täter machen konnten, die eventuell sogar gesehen haben, wohin der Mann ging.
Er befragte alle Bewohner der umliegenden Häuser persönlich. Aber keiner von ihnen, konnte ihm weiterhelfen. Entweder hatten sie wirklich nichts gesehen, oder aber, sie hatten Angst. Fest stand, dass er bisher keinen einzigen Schritt weiter gekommen war in diesem Fall und das wurmte ihn sehr. Warum konnte er nicht einmal einfach nur Glück haben, vor allem in so einem wichtigen Fall. Aber wie es schien, war Fortuna selten bis nie auf der Seite der Polizei.
Es war sehr spät geworden und Martens stapfte durch den frischen Schnee zu seinem Auto. Nachdem er im Auto saß, startete er den Motor. Er fror und drehte die Heizung voll auf. Seine Gedanken waren voll und ganz auf den aktuellen Fall gerichtet. Er steckte in einer Sackgasse und hatte nicht die geringste Idee, wie er nun weitermachen sollte. Nochmals ging er alle Einzelheiten im Kopf durch, eventuell hatte er ja etwas übersehen, was ihn weiter bringen würde.
Martens hasste es festzustecken, es musste doch etwas geben, wo er ansetzen konnte. Ihm war klar, heute Nacht konnte er nicht mehr viel erreichen, also fuhr er nach Hause. Die DNA-Analyse sollte morgen auf seinem Schreibtisch liegen und wer weiß, vielleicht gab es ja einen Treffer. Eine schwache Hoffnung und nicht sehr wahrscheinlich, aber immerhin – es war ein erster Schritt bei der Aufklärung des Falles.

Im Kindle-Shop: Blutige Leidenschaft: Unstillbares Verlangen