24. Dezember 2017

Frohes Fest euch allen, überall

Ich wünsche euch einen wunderbaren Weihnachtsabend und geruhsame Feiertage.

Ich danke euch herzlich dafür, dass ihr im ausgehenden Jahr dem eBook-Sonar die Treue gehalten habt. Ich wünsche euch einen schwungvollen Start in das neue Jahr und freue mich darauf, euch allen mit frischem Elan hier wieder zu begegnen.

Viel Glück, Erfolg, Gesundheit und Schaffenskraft auf allen Wegen - aber fangen wir mit dem Nächstliegenden an: Frohes Fest euch allen!

Ein paar Zeilen zur Einstimmung:
Alle Jahre wieder ...

Auf dem Heimweg nach einem ärgerlichen und obendrein nasskalten Tag, schritt ich auf dem Parkweg die kahlen Baumreihen ab. Grau kroch die Dämmerung hervor und passte die Welt meiner Stimmung an. Dann rumpelte mir ein Gespann vor die Füße: Eine junge Frau, samt Bollerwagen mit zwei warm verpackten Kindern darin, kam von links und zwang mich, langsamer zu gehen. Eigentlich hätte ich Vorrang gehabt, dachte ich noch. Die Kleinen, wohl nach absolviertem Kindergartentag, saßen sich gegenüber und nahmen keine Notiz von mir. Da begannen sie aus voller Kehle inbrünstig zu singen:

„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind
auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.“


Klare, helle Kinderstimmen, eine sauber und kraftvoll gesungene Strophe. Dieses Lied hatte ich lange nicht mehr gehört, der Advent zog für gewöhnlich lautlos an mir vorbei. Und nun schmetterten sie mir ungebeten ihre frohe Botschaft in die Ohren. Gleich noch einmal von vorn: „Alle Jahre wieder …“
Nachdem die erste Strophe zum dritten Mal verklungen war, nahm die Mutter die Deichsel des Wagens in die andere Hand, drehte sich lächelnd zu ihren Kindern um und sang vor, während sie einige Schritte rückwärts lief, wie das Lied weitergeht:

„Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus,
geht auf allen Wegen mit uns ein und aus.“


Die beiden Kleinen lauschten, ihre Mama schickte mir ein freundliches Zwinkern und wandte sich wieder ihrem Weg zu. Unvermittelt blieb ich stehen und ließ, während sie davon rollten, in Gedanken noch einmal die Liedzeilen auf mich wirken. Hatte ich sie je zuvor wirklich bewusst wahrgenommen? So schöne Verse, deren Melodie eigentümlich in mir nachhallte. So viel Harmonie auf engstem Raum. Freude. Zuversicht. Jedes Wort eindringlich und berührend. Plötzlich fiel mir ein, wie das Lied weiter ging:

„Ist auch mir zur Seite still und unerkannt,
daß es treu mich leite an der lieben Hand.“


Wie ergreifend! Ich musste einmal tief durchatmen. Dann blickte ich mich vergewissernd um, machte einen Schritt an den Wegesrand – und sang die letzte Strophe. Als meine Stimme verklang, wurde es still im Park. Feierlich still. Um mich herum war Weihnachten.

(c) Lutz Schafstädt 2017

Mehr über und von Lutz Schafstädt auf seiner Website.



22. Dezember 2017

'WINTER LOVE EDITION' von Lisa Torberg

Dieses Buch ist ein Sammelband und ausschließlich als eBook exklusiv auf Amazon zum Jahreswechsel 2017/2018 zu einem stark reduzierten Sonderpreis erhältlich.

Die Winter-Sonderedition enthält die Romane „Wild Rose: Doppelt verliebt“ und „Silent Guy: Lautlos in mein Herz“ und kann mit Kindle Unlimited gratis gelesen werden.

Gleich lesen: WINTER LOVE EDITION (2 Romane in 1 Band)

Weitere Bücher von Lisa Torberg werden auf ihrer Autorenseite hier im Blog vorgestellt.

Im Kindle-Shop: WINTER LOVE EDITION (2 Romane in 1 Band)

Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



'Am Abgrund' von Elsa Rieger

Blutsbrüder sind sie. Als halbe Kinder schworen sie sich: Bis dass der Tod uns scheidet.

Beide lieben die Berge, das Klettern - Schorsch, der Wiener Hauptkommissar mit dem Schlag bei Frauen, und Franz, der vom Leben angezählte Auswanderer. Sie gehen durch dick und dünn, bis Feh über die beiden Männer kommt, eine Frau wie dünnes Porzellan und mit einer gehörigen Portion Schmackes und einem sehr dunklen Fleck. Der Wirbelwind macht aus besten Freunden Rivalen. Wer wird Feh gewinnen?

Ein österreichischer Roman über die Liebe gepaart mit krimineller Energie.

Gleich lesen:
Für Kindle: Am Abgrund
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Franz brannte darauf, Schorsch zu treffen. Er stand vor ihrem Stammlokal, es hatte aber noch geschlossen. Fünf Uhr nachmittags, er schaute auf die Armbanduhr, da könnte er glatt noch neue Kletterschuhe im Sportladen um die Ecke in der Bäckerstraße besorgen.
Dort trödelte er herum, probierte dieses und jenes Paar, entschied sich schließlich für eines in Violett und Gelb. Die Schuhe legten sich wie eine zweite Haut um seine Füße, entsprechend teuer waren sie. Egal, dachte Franz. Er fühlte sich gerade irgendwie euphorisch.
Um achtzehn Uhr sprintete Franz in die Nebengasse. Er öffnete die Tür zur ›Löwengrube‹ so schwungvoll, dass die Klinke gegen den Garderobenständer krachte. Im letzten Moment erwischte er noch die Holzstange, ehe das Teil zu Boden gehen konnte. Gleich würde Marvin schimpfend aus der Küche kommen. Doch nichts geschah.
Franz staunte. Schwarze Plastikmesser baumelten an blutroten Schleifen von der Decke. Sogar das Klavier war irgendwie blutrot dekoriert. Dann fiel ihm ein, dass heute auf der zusammengezimmerten Bühne ein Stück gespielt wurde. Da gab es kaum eine Chance, in Ruhe mit Schorsch zu reden; ob der überhaupt kam?
Franz nahm ein Programm vom Tisch. ›Jack the Ripper‹. Franz grinste, das passte zu Marvin. Kaum gedacht, hörte er ihn in der Küche keifen. »Was hast du wieder für einen Dreck zusammengekocht!«
Marvin schien seinem Hyppolith gleich an die Gurgel zu gehen. Da hielt er sich lieber raus, wenn zwei Liebende stritten.
Er schlug das Programmheft auf. Die Miss Chloé wurde von einer Feh Hartenstein gespielt. Hartenstein hieß die Konkurrenz, deretwegen ihn sein Chef gefeuert hatte, was sich aber nach dem ersten Schock als die Chance erwiesen hatte, endlich seinen Traum wahr werden zu lassen. Manchmal brauchte es wohl einen Tritt in den Allerwertesten, um zu kapieren; Franz lachte in sich hinein. Es war höchste Zeit, seinen besten Freund Schorsch in die Pläne einzuweihen.
Die Plastikmesser am Bühnenvorhang klirrten leise, Franz blickte auf, der Vorhang teilte sich und eine kleine, schlanke Person trat hervor; sie sah sich um. Von ihrem Gesicht konnte Franz unter der Schminke kaum etwas erkennen – aber der Körper in dem kurzen Kleid war echt. Das Mädchen sah ihn aus grünblauen Augen an, wischte das schwarze Kunsthaar beiseite.
»Sie sind zu früh!« Sie sprach leise.
»Sind Sie Miss Chloé?« Er lachte.
Das Mädchen schwieg.
»Bestimmt, so wie Ihre Augen funkeln.« Was redete er da?
Sie durchwühlte ihre Perücke mit den rot lackierten Fingern. »Ja. Ich bin das leichte Mädchen, das den Bösewicht killt.«
»Und Ihr Vater ist nicht zufällig der bekannteste Baumeister von Wien?«
Miss Chloé schaute, als hätte sie einen Wurm verschluckt, und verschwand hinterm Vorhang. Franz nahm seinen Einkaufssack mit den Schuhen und betrat durch die Schwingtür neben dem Ausschank die Küche.
»Servus«, sagte er.
Hyppolith lehnte am Gasherd. Mit verschränkten Armen glich er dem jungen Belmondo, und er schaute Franz genauso verkniffen an. Hinter seinem Rücken brodelte es in einem großen Topf, vor ihm stand Marvin, dicklich und einen Kopf kleiner als sein Lebensgefährte; er umklammerte Hyppoliths Unterarme.
»Was hast du wieder für einen Dreck zusammengekocht!«, wiederholte er erschüttert. Sein runder Körper zitterte vor Ärger.
»Hey, so schlimm kanns doch nicht sein?« Franz fürchtete, dass seinen Freund irgendwann der Schlag treffen würde. Cholerisch war er schon mit elf gewesen, jetzt, um einiges älter geworden, schwoll Marvins Gesicht allmählich zu einem Ballon an.
»Der bildet sich ein, für heute Abend einen englischen Fraß kochen zu müssen, ich könnte kotzen.«
Franz lachte. »Der arme Hyppo hats doch nur nett gemeint.« Er schlenderte auf den Herd zu und lüftete den Deckel des Topfes. Was ihm da entgegenduftete, roch wirklich nicht besonders.
»Du Banause, brauchst nicht so gucken, das ist ein Stew«, pfiff Hyppolith ihn an, riss sich die Schürze vom Leib und stürmte davon.
Marvin öffnete den Kühlschrank, studierte den Inhalt. »Es gibt Cucumber-Sandwiches zu ›Jack the Ripper‹. Basta.«
Franz schnappte sich eine Cocktailtomate. »Ein gutes Stück?«
»Geht so. Aber die Kleine, die den Jack schließlich killt, die ist richtig süß.«
»Was machst du eigentlich schon hier?«, fragte Marvin.
»Ich war in der Gegend. Hab mir Kletterpatschen gekauft, Superangebot. Weißt eh, gegenüber vom Klettergarten, wo Schorsch und ich trainieren.«
»Apropos Schorsch, er hat angerufen, dass er knapp kommen wird heut, weil die irgendeine Einschulung am Kommissariat haben, wo er dozieren muss, der Herr Hauptkommissar.«
Eine Stunde später füllte sich das Lokal, bald waren alle Tische besetzt und Marvin musste allein bedienen. Vermutlich saß Hyppolith daheim und schmollte. Franz übernahm die Theke. Marvins rotes Gesicht glänzte. »Wer zum Teufel holt die Gurkenbrötchen aus der Küche?«
»Ich.« Kriminalkommissar Georg Kirchner hatte im Trubel unbemerkt die ›Löwengrube‹ betreten, jetzt zupfte er sich den fahlblonden Zopf zurecht. Er war ein wilder Hund, der Schorsch, für einen, der bei der Polizei arbeitete, würde man ihn nie halten. Der lange Zopf, das bunte Hemd, als wäre er gerade aus Hawaii gekommen, und die Sonnenbrille mitten in der Nacht, die wohl seinen Blick nach feschen Miezen verbergen sollte. Er, Franz und Marvin, der damals mit seinen Eltern aus Irland eingewandert war, hatten im Gymnasium ihre Freundschaft durch Blutsbruderschaft besiegelt.
»Na, du schaust ja wieder aus!« Franz lachte. »Nach der Vorstellung muss ich dir was erzählen. Gut, dass du da bist.«
»Na hörst, ein Mordstück, das lass ich mir net entgehen.« Schorsch bleckte die strahlendweißen, leicht vorstehenden Zähne und bewegte sich im Wildkatzengang zur Küche, um mit einem großen Tablett voller Gurkenbrötchen wiederzukehren.

Im Kindle-Shop: Am Abgrund
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Elsa Rieger auf ihrer Website.



21. Dezember 2017

'Eislady - Bittersüße Verlockung' von Tabea S. Mainberg

Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern. Wilma Thomalla (Deutsche Publizistin)

Vom Fest der Liebe ist Grace räumlich und emotional meilenweit entfernt. Der Weihnachtsurlaub beginnt am 24. in einem Schneechaos auf der Autobahn. Die unschöne Trennung von ihrem Freund am Vorabend und der nahezu leere Benzintank entpuppen sich zum geringsten Problem. Die Entscheidung, die Fernstraße Richtung des schottischen Skigebiets Glenshee zu verlassen, erweist sich als fataler Fehler, da sie mit ihrem Wagen in einen Graben rutscht. Die pragmatische Chefreadakteurin einer Modezeitschrift entschließt sich, in der dünn besiedelten Gegend im Schneesturm und in der Dunkelheit nach Hilfe zu suchen. Glücklicherweise stößt sie auf einen abgelegenen Landsitz, der viele bittersüße Verlockungen für sie bereithält.

Der unverhoffte Aufenthalt und die knisterenden Beobachtungen, bringen Grace ins Grübeln. Sie empfindet eine schmerzliche Einsamkeit, die sie bislang konsequent verdrängte. Gelingt es ihr, über ihren Schatten zu springen und sich auf eine ihr unbekannte prickelnde Welt einzulassen?

Ein romantischer Liebesroman, der dich in eine erotische Weihnachts- und Winterwelt entführt.

Gleich lesen: Eislady - Bittersüße Verlockung: Ein erotischer Liebesroman

Leseprobe:
»Ich wollte Freunde besuchen und alles ging daneben.« Sie versuchte sich in einem Lächeln. »Und jetzt das hier.«
»Wir fressen niemanden auf, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht.« Lizzy grinste. Obwohl Grace die Frau nicht kannte, wirkte sie wie eine Freundin. »Du hast keine Berührungspunkte zum Thema BDSM?«
»Ich? Nein!« In Grace Stimme klang Entrüstung mit. »Das ist nicht meine Welt.« Ihren seltsamen Traum verschwieg sie.
»Willst du tatsächlich den ganzen Abend hier auf dem Zimmer verbringen?«
»Ich glaube, ich würde mich in der Gesellschaft nicht wohlfühlen.«
»Es ist harmlos und das Essen ist grandios«,
versuchte Lizzy sie zu motivieren. »Gib dir einen Ruck.«
In Anbetracht ihres knurrenden Magens kam Grace ins Grübeln.
»Ich habe die Erlaubnis von Sir François, mich um dich zu kümmern.«
Oh wie nett, dachte Grace ironisch. Dazu braucht man in deinen Kreisen also eine Genehmigung?
Lizzy schien ihre Gedanken zu erraten und fügte hinzu: »Auch wenn es sich für dich fremd anhört, es gibt Regeln, die ich befolgen muss.«
»Ja, in der Tat, es klingt sehr befremdlich.«
»Für mich hat es sich früher ebenfalls komisch angehört.« Lizzy setzte sich neben Grace auf das Bett. »Bis ich die Neigung bei mir entdeckt habe.«
»Du bist eine Sklavin oder so was in der Art?« Grace schaute sie fragend an.
»Ich bevorzuge die Bezeichnung Sub«, erwiderte Lizzy mit einem Augenzwinkern.
»Was ist denn der Unterschied?«
»Ich persönlich sehe eine Sklavin als eine Frau, die sich zu einhundert Prozent ihrem Herrn oder ihrer Herrin ergibt.«
»Wie Laurie? Sie hat auf mich den Eindruck gemacht, als würde sie so fühlen.«
»Ja, sie ist tatsächlich eine 24/7 und dient Lady Monique als Zofe. Es ist ihr freier Wille, sich in der Art und Weise zu unterwerfen.«
»Unvorstellbar«, murmelte Grace. »Bedeutet es, dass sie keine eigenen Entscheidungen treffen darf?«
»Streng genommen, ja«, bestätigte Lizzy. »Allerdings sind Lady Monique und Sir François sehr nachsichtig.«
»Wie lebst du deine Neigung aus?« Sie musste sich eingestehen, dass es ein spannendes Thema darstellte, wenn man bereit war, seine Vorbehalte zurückzustellen.
»Ich bin Inhaberin eines Fitnessstudios und glaube mir, da bin ich alles andere als unterwürfig.« Sie lachte.
»Kannst du das denn trennen?« Für Grace klang das unglaubwürdig. »Selbstverständlich! Ich genieße es, die Rolle einer Sub zu leben, wenn ich hier bin. Das hat nichts mit meiner realen Existenz zu tun.«
»Verstehe ich das richtig: Du bist nur manchmal eine Sexsklavin?«
»Das Wort klingt wirklich bescheuert«, erwiderte Lizzy schmunzelnd. »Ich bin regelmäßig hier im Haus zu Gast und lasse den Alltag hinter mir.«
»So wie andere Menschen einen Wellnessurlaub buchen, gönnst du dir hier eine Abwechslung der besonderen Art?« Eine Sichtweise, die Grace überraschte. Hatte sie die bizarre Welt falsch eingeschätzt? »Wie kann man als Frau bereit sein, sich selbst aufzugeben?« Grace empfand diesen Lebensweg nicht zeitgemäß. Leibeigenschaften spielten für sie im vorherigen Jahrhundert eine Rolle.
»Eine 24/7 gibt sich nicht auf, es ist ihre Erfüllung, ihrem Herrn immer und zu jeder Zeit zu dienen.«
»Du magst also, wenn man dir Schmerzen zufügt?« Grace dachte an Mary und ihren Traum. »Unglaublich.«
»In einem gewissen Rahmen mag ich das. Es gibt Grenzen und die werden vom dominanten Part stets eingehalten.«
»Das heißt, du legst die Regeln fest?«
»Es ist eine Absprache«, erklärte Lizzy bereitwillig. »Das Spiel zwischen einem Herrn und seiner Sub ist von Vertrauen geprägt. Die Parteien müssen sich aufeinander verlassen können. Lustschmerz ist nur ein kleiner Teil dieser aufregenden Welt.«
»Für mich bedeutet SM nur das: Der Mann oder die Frau züchtigt die devote Person. Kostet seine Macht aus.«
»Leider haben die meisten Menschen eine komplett falsche Vorstellung von unserer Sexualität.« Lizzys Wangen hatten sich gerötet. Es war zu spüren, wie wichtig sie es empfand, Vorurteile zu beseitigen. »Die Hingabe gegenüber seinem Herrn geht über jede Körperlichkeit hinaus. Es ist etwas Wunderbares und das überträgt sich auch in den Alltag.«
»Also doch …«, murmelte Grace.
»Nein, nicht so wie du denkst. Jedenfalls gilt das nicht für mich. Ich liebe meinen Mann und wir führen eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Aber hier ist er der Herr und Dom.«
»Du bist sozusagen eine Teilzeit-Sub?« Grace versuchte, Lizzys Worte nachzuvollziehen.
»Die Formulierung merke ich mir.« Lizzy lachte. »Ich habe durch das Gefühl erfahren, wie intensiv Leidenschaft und Sex sein kann.«
»Ja, ja, die Leidenschaft«, murmelte Grace. Unbewusst knetete sie ihre Hände. Die wenigen Sätze eröffneten ihr eine völlig neue Sichtweise. »Wie sieht das konkret aus?«
»Darüber können wir uns gern später unterhalten. Jetzt solltest du dich anziehen.« Sie stand auf und nahm das Kleid von dem Stuhl. »Es wird dir ganz gewiss gut stehen.«
Grace zögerte. Etliche Gedanken wirbelten durch ihren Kopf. Viele, die sie verunsicherten.

Im Kindle-Shop: Eislady - Bittersüße Verlockung: Ein erotischer Liebesroman

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20. Dezember 2017

'Der Maulwurf aus Moskau' von D.W. Crusius

Martin arbeitet in der streng geheimen Entwicklungsabteilung der Air-Sliver in Wien, die in das lukrative Drohnen und Lenkwaffengeschäft einsteigen will. Sein richtiger Name ist Vladimir, er ist Russe und er arbeitet für den russischen Geheimdienst.

Doch wer sind tatsächlich seine Auftraggeber? Immer tiefer gerät Martin alias Vladimir in einen gefährlichen Sog aus Spionage und Gegenspionage, und bald weiß er selbst nicht mehr, für wen er arbeitet.

Lesermeinung: Ein hochkomplexer Agentenroman, der regelrecht nach Verfllmung schreit. In Zeichen von Wikileaks und NSA eine hochpolitische, absolut zeitgemäße Geschichte, die vermutlich nur noch von der Wirklichkeit überholt werden kann.

Gleich lesen: Der Maulwurf aus Moskau

Leseprobe:
Der Gefangene P37 sitzt zusammengekauert auf einem Holzschemel. Er ist unbekleidet. Es ist nicht wichtig. Nichts ist wichtig, nicht einmal der Tod.
Ein kleiner Raum, etwa zwei Mal zwei Meter. Kahle, schmutzig-graue Betonwände, sehr hoch, vier Meter. Es stinkt nach Abwasser und Fäkalien. Durch ein vergittertes Loch weit oben dringt diffuses Licht. Der hölzerne Schemel ist mit breiten, eisernen Winkeln am Boden befestigt.
Totenstille.
Wie lange sitzt er dort? Minuten, Stunden, Tage? Es gibt keine Zeit mehr. Er zittert am ganzen Körper, seine Finger sind von Kälte blau verfärbt. Er klemmt die Hände unter die Achseln, um sie zu wärmen. Er muss pinkeln. Der Urin läuft warm an seinen Beinen hinunter, tropft auf den Zementboden.
Nicht grübeln, den Kopf abschalten wie ein zu lautes Radio. An etwas Schönes denken, an Moskau, den winterlichen Gorki-Park, fröhliche Menschen. Zwischen den Büschen und Bäumen türmen sich hoch aufgeschüttete Berge aus Schnee. Auf den zugefrorenen Teichen drehen mit dicken Pelzmützen und Handschuhen vermummte Schlittschuhläufer kunstvolle Pirouetten.
Seine Gedanken verselbstständigen sich und er ist im sommerlichen Alexandergarten, nicht weit vom Kreml. Auf den Bänken sitzen alte Leute, reden, scherzen miteinander.
Neben ihm geht eine Frau. Er erkennt sie am Parfüm, Tatjana. Die Moskowiterinnen benutzen es großzügig, schweben auf Duftwolken. Er sieht die schmusenden Paare auf dem Rasen und legt einen Arm um Tatjana. Glücksgefühl erfasst ihn, er lächelt, will sie an sich ziehen, ihr ins Haar greifen.
Eine Stimme reißt ihn zurück in die Wirklichkeit; eine tote Stimme, geschlechtslos.
»P37, wie oft haben Sie Ihre Kontaktperson getroffen?«
»Einmal in der Woche ... das habe ich doch schon so oft gesagt«, flüstert er.
Keine Antwort. Diese wie alle Fragen hat er unzählige Male beantwortet. Wie oft sie ihn verhört haben, weiß er nicht, auch nicht, wie lange er jetzt im Untersuchungsgefängnis sitzt. Hätte man ihm gesagt, es wäre ein Monat - er hätte es geglaubt. Auch ein Jahr. Erst verliert man seine Würde, dann die Zeit.
»War es ein Mann oder eine Frau?«
Immer wieder dieselben Fragen.
»Meistens eine Frau.«
»Deutsche, Amerikaner? Sprachen die Personen mit Akzent?«
»Deutsche ... glaube ich.«
»Aus Dresden?«
»Ich weiß nicht. Sächsischer Akzent.«
Es kommen keine weiteren Fragen und er versucht, zu seinen Tagträumen im sommerlichen Park zurückzukehren, zu Tatjana. Es gelingt ihm nicht. Er faltet seine Hände und legt die Zeigefinger aneinander, will an Moskau denken. Die Zeigefinger sind für Moskau, die Mittelfinger für Sankt Petersburg, Ringfinger für die Reise mit Tatjana auf die Krim ans Schwarze Meer. Damals, während seines ersten Lebens, vor dem Gefängnis. Seine Finger sind so etwas wie Erinnerungsstützen, Krücken, mit denen er sich von einem Universum in ein anderes versetzt.
Die Daumen sind für seine Mutter. Wenn er sie fest aneinanderdrückt, denkt er an sie. Wenn er dabei die Augen schließt, erinnert er sich so deutlich an sie, als stände sie neben ihm. Er glaubt, ihre Hand zu spüren, wie sie ihm über den Kopf streicht, und er ist ein kleiner Junge. Er sieht sie vor sich mit ihren dicken Filzstiefeln, die sie im Winter auch in der Wohnung trägt. Die Heizung funktioniert nicht gut, der Fußboden ist sehr kalt.
Er sieht ihren bunten, knöchellangen Rock, das Kopftuch in die Stirn gezogen mit einem dicken Knoten unter dem Kinn, eine wattierte Jacke um die Schultern. Sie klopft an die Tür der Nachbarin. In den Wald wollen sie fahren, Pilze sammeln. Lange Strecken müssen sie in Trambahn und Bus sitzen, zigmal umsteigen. Oder sie fahren auf einen weit entfernten Schwarzmarkt außerhalb Moskaus, von dem man sich erzählt, es hätte gestern dort Hühner, Tomaten, Kartoffeln oder sonst etwas Gutes gegeben.
Seiner Mutter und der Nachbarin hat er eine schmale Ecke im Gemeinschaftskeller abgezweigt, wo sie Holzfässer mit Sauerkraut aufbewahren, die hölzernen Deckel mit einem Stein beschwert. Im Keller stehen viele solcher Fässer und die blubbernden Gase des Gärprozesses dringen über die Kellertreppe in den Flur, ziehen bis unter das Dach. Drückt er die Daumen gegeneinander, riecht er Sauerkraut.

Im Kindle-Shop: Der Maulwurf aus Moskau

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19. Dezember 2017

'Julian und der ausgefallene Wunsch' von Lutz Schafstädt

Das eBook-Sonar ist im Feiertagsmodus, doch alle Bücher sind noch da. Schaut euch um und versorgt euch mit Lesestoff zum Fest. Bis zum Start im neuen Jahr könnt ihr euch mit einer weihnachtlichen Kurzgeschichte die Zeit vertreiben.

Eine Geschichte über das Sparen, den Wandel von Wünschen und fürsorgliche Eltern, die nicht immer alles richtig machen ...

Die ganze Kurzgeschichte auf Wattpad: Julian und der ausgefallene Wunsch

So fängt die Geschichte an:
Julian und der neue Wunsch begegneten einander in den Herbstferien, bei einem rasanten Nachmittag im Zimmer seines Freundes Leon. Julian kannte die Spielkonsole vom Hörensagen, doch einmal selbst mit der Steuerung in der Hand vor dem Monitor zu sitzen und auf dem Parcours den Rivalen davonzujagen war einfach atemberaubend. Als würde er wirklich im Cockpit eines Rennwagens Platz genommen haben. Das hatte er so nicht erwartet. Diesen Kasten wollte er auch. Der neue Wunsch sprang ihn an und fegte alles beiseite, was Julian sich bisher an Erstrebenswertem vorgemerkt hatte.
Es war ein großer Wunsch, das war klar. Damit er Wirklichkeit würde, musste er nicht nur verkündet sondern glaubhaft, geschickt und dringlich begründet werden. Er durfte nicht als fixe Idee abgetan oder durch eine beliebige Alternative ersetzt werden. Genau diese eine Konsole musste es sein.
Leon verstand das sofort und gab zu bedenken, etwas Vorzeigbares wäre womöglich nützlich, damit nichts schief gehe. Vielleicht nach einem Werbeprospekt suchen? Viel besser, ja perfekt, ist die Bedienungsanleitung! Leon kramte nach ihr im Schubfach. "Wiedersehen macht Freude."
So kam es, dass Julian seinen neuen Wunsch flammend im Herzen und gleichzeitig auf dem Gepäckträger seines Fahrrades mit nach Hause nahm. Fast fühlte es sich an, als hätte er Verstärkung dabei, ein Triebwerk, das ihn noch kräftiger in die Pedale treten ließ. Ohne Mühe vermochte er sich wie in einem Film vorzustellen, wie die unscheinbare Broschüre sich in ein prächtiges Paket verwandelte, dem er stürmisch das Geschenkpapier vom Leibe riss, seinen Inhalt aus dem Styropor schälte und damit eilig Verbindung zur nächsten Steckdose herstellte. Plug and Play. Nichts begehrte er mehr als dieses Wunderding.
Für den Weg von der Garage ins Haus steckte Julian das dünne Heftchen unter seine Jacke und deponierte es dann unter seinem Sitzkissen auf dem Küchenstuhl. Für den richtigen Moment.
Wenig später war der Tisch gedeckt und Familie Müller - Mama, Papa und Julian - versammelte sich zum Abendbrot.
Noch eine Minute warten, mahnte Julian sich zur Geduld. Erstmal eine Schnitte aufs Brettchen, das Messer in die Margarine, eine Scheibe Kochschinken vom Wurstteller, drei Löffel Schoko in die Milch. Eine Minute kann endlos sein.
Jetzt aber. "Heute Nachmittag bei Leon haben wir Autorennen gespielt." Kein schlechter Anfang, das Interesse war geweckt. Papa tippte auf Teppichrennbahn, da lag er aber falsch. "Nein, ein Computerspiel. Ganz neu und mega cool." Jetzt schnell weiter, bevor Mama etwas von Stubenhockern dazwischen plappern kann.
Während er erzählte merkte Julian, wie das Wörtchen cool versuchte, sich in jeden Satz zu drängeln. Aber so war es ja auch: wie in echt, total schnell und voll cool. Kein Vergleich mit Super Mario und seinem Gemurkse auf dem Minibildschirm. Und wie die Rennwagen in den Kurven liegen, über die Begrenzung fliegen, ineinander krachen.
Hibbelig rutsche Julian auf seinem Stuhl herum, brauchte beide Hände um die bombastischen Effekte zu beschreiben, ahmte das Dröhnen der Motoren und das Quietschen der Bremsen nach. Als sich seine Stimme vor Begeisterung zu überschlagen drohte merkte Julian, dass sein Temperament auf ziemlich kindliche Weise mit ihm durchgegangen war. Das hatte er etwas abgeklärter geplant.
"Eine irre Maschine, die Leon da hat." Er biss von seiner Stulle ab und schlürfte am Kakao. Alle Vorbereitungen waren getroffen, jetzt musste der Wunsch heraus. Durchatmen, mit dem Handrücken über den Milchbart, dann der Griff unter das Kissen.
"Ich wünsche mir zu Weihnachten eine Playstation." Wie erwartet sprangen die Blicke der Eltern zur Broschüre hinüber. "Genau die hier."
Papa streckte als erster die Hand danach aus, doch Julian zuckte auf halbem Weg noch einmal zurück. "Aber nicht fettig machen, ist nur geborgt." Das stimmte zwar, nur schlau war gerade jetzt dieser Hinweis nicht, wie sofort an den Brauen des Vaters abzulesen war. Nur schnell hinüber mit dem Ding, bevor noch eine Dummheit herausplatzt.
"Moment", sagte der Vater und wischte sich, während er das O im Wort dehnte, folgsam die rechte Hand am Hosenbein ab. "Nun zeig her, das wertvolle Heft."
Er blätterte die Seiten um, doch längst nicht so gründlich, wie Julian es für angemessen gehalten hätte. Dann gab er die Bedienungsanleitung an Mama weiter ...

Weiter lesen auf Wattpad: Julian und der ausgefallene Wunsch

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'Mädchenklo: Das gaanz normale Leben!' von Silke Boger

Ebbes isch immer! Das kann Bankerin Peri nur bestätigen. Mit Ende vierzig kennt sie die liebenswürdigen und eigenwilligen Seiten ihrer Mitmenschen und das Kuddelmuddel des Lebens nur zu genau. Sie erzählt mit viel Witz und Ironie aus dem „gaanz“ normalen Leben: Familie, Freunde, Job, Reisen, Shopping… alles dabei.

Heilix Blechle, was doch so alles passieren kann! Darüber ist Peri, eine treue VfB-Dauerkarten-Inhaberin, manchmal selber überrascht. Die weiblichen Fangruppen „Neckargrätschen“ und „Schwabenfröschle“ auf dem Mädchenklo in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena sind da noch harmlos. Wer dieses Buch zur Hand nimmt, sollte auf Lachen vorbereitet sein.

Gleich lesen: Mädchenklo: Das gaanz normale Leben!

Leseprobe:
Vorspiel
„Upps“, denke ich, „ist es möglich, dass in der Kabine nebenan gerade ein Biber absäuft?“
Krampfhaft versuche ich mich zu konzentrieren, um den nicht eben appetitlichen Ort möglichst schnell zu verlassen. Die gurgelnden und zugleich krächzenden Geräusche nebenan schwellen aufs Unerträgliche an. Mit der geballten Gelassenheit meines partyerfahrenen Körpers versuche ich meine ultraheißen, aber ziemlich unpraktischen Lederleggins langsam hochzuziehen, ohne größere Mengen Toilettenpapier darin zu verwickeln. Auf der Peinlichkeits-Skala von Null bis Zehn gibt es nämlich leider eine klare Elf für das Verlassen von Toiletten mit gleichzeitigem Schleppe-hinter-sich-herziehen in Form einer halben Papierrolle.
„Scheiß Rosé-Schorle“, gurgelt der Biber nebenan.
„Ich hätte definitiv heute Abend auf mein Sofa hören und mich zuhause aufhalten sollen“, grunzt es aus der Damentoilette neben mir.
„Carlotta, reiß dich zusammen“, erwidere ich, „Rosé-Schorle gehört doch normalerweise zu deinen einfachsten Getränken.“
„Ja, aber nicht wenn es abwechselnd mit Prosecco Aperol und Ramazzotti in unbeschreiblichen Mengen und mit hoher Geschwindigkeit in mich hineingeschüttet wird.“
Carlotta hat Recht, kein normaler Frauenkörper kann diese Dosis Alkohol unbeschadet und ohne sofortiges Einsetzen von menstruationsähnlichen Bauchkrämpfen überstehen.
„Egal“, sage ich, „komm jetzt bitte wieder aus diesem ätzenden Mädchenklo raus, wir sind schließlich nicht zum Vergnügen hier.“
Carlotta kriecht neben mir in den Vorraum, der gefühlt lediglich 1 x 2 Meter großen Toilettensituation, immer noch würgend und zerknittert wie eine ausgedrückte Tube Zahnpasta.
„Ich trag dir noch einen Hauch roséfarbiges Rouge auf, dann gehen wir wieder an den Start“, versuche ich die Situation mit einem kleinen, gut gemeinten Scherz aufzupäppeln, aber als ich in die blutleeren Augen meiner besten Freundin blicke, ist mir klar, dass uns nur noch ein Wunder eine unbeschwerte Restnacht bescheren kann.
„Entschuldigen Sie bitte, dürfte ich mir ihren Labello kurz ausleihen?“ Irritiert blicke ich mich um.
Nicht die Tatsache, dass ich gesiezt werde, bringt mich aus der Fassung, sondern sehr konkret der verbal geäußert Wunsch meinen Labello second-hand zu benutzen, wo ich mir doch eben nicht nur ausgiebig die Lippen, sondern auch das Innere meiner Nasenlöcher damit benetzt habe.
„Ääähh, klaro, hier hast du ihn.“
Ich reiche das Objekt der Begierde der Waschbecken-Nachbarin weiter, die ich just in diesem Moment als Auszubildende meiner Firma identifiziere.
„Cool, dass Sie selbst in ihrem Alter noch hier ins ‚Glam‘ kommen, übel gute Stimmung heute und echt geile Musik“, textet mich das junge Huhn zu.
Sie redet und führt – kreisch – parallel meinen kostbaren Labello ausgiebig über ihren bereits mit Lippenstift plus Lipgloss bemalten Mund.
„Hoffentlich bin ich mit Fünfzig auch noch so aktiv im Nachtleben unterwegs“, zwitschert das blöde junge Monster neben mir, drückt mir den Pflegestift wieder zurück in meine vor Entsetzen schlaff am Körper herabhängenden Hände und verschwindet in die Club Area.
„Mit Fünfzig“, quietscht Carlotta neben mir, „wie Hammer ist das denn, dass muss ich gleich den anderen Mädels erzählen.“
Ich schwöre mir sofort und unwiderruflich, der vorlauten Azubine bei nächstbester Gelegenheit eine desaströse Beurteilung auszustellen, mit der sie bestenfalls noch in der Postverteilungsstelle eingesetzt werden kann.
„Mit Fünfzig“, äffe ich Richtung Carlotta, „bin ich immer noch fitter als du betrunkenes Nagetier. Jetzt aber erst recht zurück in die Location und nochmals richtig Gas geben.“

Im Kindle-Shop: Mädchenklo: Das gaanz normale Leben!

Mehr über und von Silke Boger auf der Website des Pinguletta Verlages.



18. Dezember 2017

'Ein Punsch zu viel' von Marit Bernson

Emmi hat die Nase voll von ihrem Job. Drei Tage vor Weihnachten nach einem Abend voller Glühwein und Punsch beschließt sie zu kündigen und schreibt Briefe an alle Kollegen, denen sie noch etwas zu sagen hat.

Unter anderem auch an ihren süßen Chef Alex, in den sie schon länger unglücklich verliebt ist. Doch auf der Firmenweihnachtsfeier kommen sich die beiden näher, und Alex bittet um eine Verabredung. Wenn bloß die peinlichen Briefe nicht unterwegs wären. Emmi bleibt nichts anderes übrig, als die Briefe zu beseitigen. Um jeden Preis.

Eine chaotische Liebesgeschichte.

Gleich lesen: Ein Punsch zu viel

Leseprobe:
Eine Stunde später hatte Emmi geduscht, saß am Tisch in der winzigen Essecke in ihrer Küche und würgte Kaffee hinunter. Sie hasste Kaffee, mochte nur den Geruch. Ansonsten schmeckte er einfach nur bitter. Sie nahm einen Schluck und schüttelte sich.
„Ist das wirklich nötig?“, fragte sie zum dritten Mal.
„Ja“, beharrte Mona, die ihr gegenüber saß. „Du musst nüchtern werden, damit wir wissen, wie schlimm es ist.“
„Ich war betrunken, als ich sie geschrieben habe. Vielleicht erinnere ich mich besser, wenn ich betrunken bleibe.“
Mona überlegte kurz, dann schüttelte sie den Kopf. „Nein. Bisher hast du dich auch nicht erinnert. Die einzige Chance ist, dass du klarer im Kopf wirst. Trink!“
Emmis Hirnlähmung war inzwischen ins Gegenteil umgeschlagen. Als ob alle Gedanken, die sie vorhin nicht hatte denken können, nun aufholten und erst gedacht werden mussten, bevor neue hinzukommen konnten.

Im Kindle-Shop: Ein Punsch zu viel

Mehr über und von Marit Bernson auf ihrer Website.



15. Dezember 2017

'Pussycat Club: Entfesseltes Verlangen' von Monica Bellini

Cat Black führt ein Leben, das keine Wünsche offenlässt – doch sie hasst es. Seit drei Jahren flüchtet sie vor der Vergangenheit in eine Scheinwelt. Sie verbringt die Nächte in ihrem Club, in dem die Liebe nur ein Spiel ist und somit niemand verletzt werden kann.

Alles läuft perfekt, bis sie plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Sie bereitet sich auf eine gewagte Nummer in der sinnlichen Show vor, in der Frosty, ein weltberühmter Star, die Hauptrolle hat. Zur gleichen Zeit erkranken einige ihrer engsten Mitarbeiter an einem Virus: dem der wahren Liebe. Ob sie dagegen immun ist?

Teil 3 der Pussycat Club-Trilogie.

Gleich lesen:
Für Kindle: Pussycat Club: Entfesseltes Verlangen
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Leseprobe:
Dunkelheit hüllt die Anwesenden wie eine samtene Decke ein. Weich, schwarz, zärtlich, sanft. Die Spannung steigt. Die Stille verstärkt die spürbare Erregung um ein Vielfaches, Atemlosigkeit regiert den Moment. Der Herzschlag aller scheint sich zu einem einzigen rhythmischen Pochen zu vereinen. Ich kann ihn fühlen. Auf meiner Haut, in meinem Bauch, zwischen meinen Beinen. Wie unsichtbare Ameisen breitet sich das Kribbeln in meinem Körper aus, das die letzten Sekunden dieses von mir herbeigesehnten Moments begleitet.
Und dann ... plötzlich ... erklingt eine Gitarre, zwei leise Trommelschläge folgen, Finger schnippen. Vier Mal. Die Abfolge wiederholt sich. Ich lehne mit dem Ellbogen am Tresen der Bar, seitlich und unweit der Bühne. Der hohe Absatz des goldenen Louboutin-Pumps bohrt sich in den Boden und meine rechte Fußspitze wippt im Takt auf und nieder. Die Sterne simulierenden Lichter oberhalb des Podiums gehen an, das blau gefärbte Wasser in der gläsernen, rechts außen stehenden runden Wanne beginnt zu leuchten, zieht meinen Blick an.
Doch dann ... Ein gleißender Lichtpunkt irrt suchend über die Bühne, springt hin und her, bis er auf die Mitte des schweren schwarzen Vorhangs trifft. Der Spalt des schweren Stoffes öffnet sich gerade so viel, dass ein Schuh, gefolgt von einer schlanken Fußfessel, der ein nicht enden wollendes Bein folgt, erscheint. Der schwarz glitzernde Strumpf wird oben, auf halbem Schenkel, von gleichfarbigen Fransen umspielt, die wiederum zu einem locker fallenden Kleid im Stil der Roaring Twenties gehören. Der nachtdunkle Stoff ist über und über mit gläsernen Pailletten bestickt, die im Lichtschein wie Hunderte von Glühwürmchen wirken.

Never know how much I love you
Never know how much I care.


Peggy Lees sinnliche Stimme begleitet die harmonische Bewegung des Körpers, der sich Stück für Stück auf das Podium schiebt. Lange, von schwarzer Seide bedeckte Finger schieben den Vorhang aufreizend langsam beiseite. Mein Atem wird flacher, mein Herz hämmert in der Brust. Wie gebannt starre ich auf das Licht, dessen Durchmesser stetig anwächst.

When you put your arms around me
I get a fever that’s so hard to bear


Die andere Hand erscheint. Sie hält eine schneeweiße Zigarette in einem schwarz-goldenen Zigarettenhalter, der wiederum zwischen blutroten Lippen steckt.
Ein Raunen geht durch den Saal.
Niemand der Anwesenden, Pussycats mit eingerechnet, hat auf das Privileg verzichtet, der Show im Pussycat Club beiwohnen zu dürfen. Ich limitiere nicht nur die Anzahl der eingeladenen Gäste, sondern auch die solcher Events bewusst auf höchstens sechs pro Jahr. Somit sind sie Highlights in unserem ohnehin spektakulären und von der Norm abweichenden Cluballtag – doch das heutige Ereignis ist eine absolute Rarität.

You give me fever when you kiss me
Fever when you hold me tight
Fever in the morning
A fever all through the night


Es ist das letzte Wort aus Peggy Lees Mund, bei dem sich der Vorhang endgültig teilt und den Zusehern bewundernde »Aaaahs« und erstaunte »Oooohs« entlockt­ – und meine Kehle schlagartig trocken werden lässt. Immer noch und immer wieder. Seit dem Tag, an dem wir uns kennenlernten.
Frosty ist eine Schönheit. Einer übernatürlichen Erscheinung gleich steht sie da, eine Hand auf der Hüfte, das Gesicht zur Seite gedreht. Das Publikum sieht ihr perfektes Profil. Sie zieht an der Zigarette und bläst kleine Rauchwölkchen in die Luft. Die Feder ihres goldenen Stirnbands bewegt sich durch den Hauch ihres Atems.
Peggy Lee singt Fever, und das Blut in meinem Körper erreicht den Siedepunkt, beginnt zu brodeln.
Ich habe Fieber – so wie alle hier.
Ungeachtet ihres Geschlechts können die Zuseher ihre Erregung kaum verbergen – ich kann sie riechen. Süßlich duftendes Eau de Femme vereint sich mit männlichem Moschusgeruch­. Ohne den Blick von dem real gewordenen Traumbild abzuwenden, atme ich tief ein, spüre die pochende Lust in mir wachsen und weiß, dass auch die meine in diesem Moment nur einer Person gilt.
Frosty.
Ich kann ihre dichten, langen, gebogenen Wimpern erkennen ... Und den Schönheitsfleck unweit des rechten Mundwinkels. Er ist nicht aufgemalt, sondern echt wie alles an ihr. Auf einem Meter zweiundachtzig – ohne Absatz – verteilt sich die absolute Perfektion. Ihre Brüste haben genau die Größe, um sich perfekt in umschließende Männerhände zu schmiegen. Ihre Lippen, die obere eine Spur großzügiger als die untere, laden zum Küssen ein. Die Farbe ihrer Augen erinnert an flüssiges Silber oder schmelzendes Blei, je nachdem, in welcher Stimmung sie ist.

Now you’ve listened to my story
Here’s the point that I have made
Chicks were born to give you fever
Be it Fahrenheit or Centigrade


Frauen sind dazu geboren, Männer zu reizen, die fiebrige Erregung in ihnen anzuheizen, singt sie.
Genau so ist es!
Der Song nähert sich dem Ende und die Temperatur steigt. Frosty wendet ihr Gesicht dem Publikum zu, setzt einen Fuß mittig vor ihren Körper, schwingt mit der Hüfte, zieht das zweite Bein nach vorn, geht mit dem ihr eigenen wiegenden Gang auf den Rand des Podiums zu.

They give you fever
When you kiss them
Fever if you live and learn
Fever! till you sizzle


Frosty zieht ein letztes Mal an der Zigarette, stößt den Rauch mit einem lasziven Augenaufschlag aus und krümmt den Zeigefinger ihrer freien Hand. Sie deutet zu keiner bestimmten Person, und so sind es drei Herren, die sich von ihren Plätzen erheben und auf sie zugehen. Besser gesagt springen sie auf und bewegen sich hastig zur Bühne. Bis sie nebeneinander zu stehen kommen und sich erstaunte Blicke zuwerfen.
Frosty lacht auf. Ihre tiefe, gutturale Stimme jagt nicht nur mir einen Schauer über den Rücken – ich weiß es. Und obwohl diese Szene ebenso einstudiert ist wie alles, was diesen Abend noch auf der Bühne geschehen wird, wirkt sie real.

What a lovely way to burn
What a lovely way to burn
What a lovely way to burn
What a lovely way to burn


Der letzte Ton von Fever verklingt. Die Hitze bleibt. Erwartungsvolle Erregung liegt in der Luft.

Im Kindle-Shop: Pussycat Club: Entfesseltes Verlangen
Für Tolino: Buch bei Hudendubel

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.



14. Dezember 2017

'Lieferung aus Himmelpfort' von Lutz Schafstädt

Das eBook-Sonar ist im Feiertagsmodus, doch alle Bücher sind noch da. Schaut euch um und versorgt euch mit Lesestoff zum Fest. Bis zum Start im neuen Jahr könnt ihr euch mit einer weihnachtlichen Kurzgeschichte die Zeit vertreiben.

Der kleine Moritz macht einen Herbstausflug nach Himmelpfort zum Weihnachtsmann. Neben der Vorfreude auf seinen Gegenbesuch beginnt er, sich über das Geben und Nehmen zum Fest Gedanken zu machen ...

Die ganze Kurzgeschichte auf Wattpad: Lieferung aus Himmelpfort

So fängt die Geschichte an:
Der Weihnachtsmann wohnt in Himmelpfort. Für den kleinen Moritz gab es daran keinerlei Zweifel, denn er hatte sein Haus mit eigenen Augen gesehen. In echt. Das war bei einem Sonntagsausflug im Herbst.
Moritz empfand die Fahrt zum Weihnachtsmann nicht einmal als besonders weit. Im schuckelnden Auto war er schläfrig geworden und fast im nächsten Moment zogen vor dem Fenster statt Häuserzeilen Bäume vorbei. Berlin war weg, der Wald war da. Schon bald sagte Papa: "Schaut mal, das Ortsschild. Himmelpfort. Wir sind angekommen."
Moritz hielt gespannt Ausschau, doch sie fuhren durch ein gewöhnliches Dorf mit normalen Häusern und alltäglichen Leuten. Wichtel, Elfen und andere Helfer des Weihnachtsmanns wohnten hier bestimmt nicht.
Das Haus vom Weihnachtsmann war auch nicht gleich zu sehen. Zwei Mal um die Ecke herum, auf dem Hof. Moritz besah sich das Häuschen ungläubig. Das hatte er sich anders vorgestellt. Märchenhafter. Er war nicht enttäuscht, es war nur anders oder eben gerade nicht anders. Ein Haus wie jedes andere, dabei klein und alt und nur ganz wenig hübsch.
An der Giebelseite war eine Bühne, leider leer. Vor dem Eingang standen Tische und Stühle, dort saßen Leute bei Kuchen und Kaffee. Der Weihnachtsmann hatte viel Besuch. Er musste ein auch bei Erwachsenen sehr beliebter Mann sein. Die Tür zum Haus stand offen, drei Stufen führten hinauf, drinnen war es hell. Hier wohnte er also. Moritz griff nach Mamas Hand und hielt den Atem an. Ganz feierlich war ihm zumute.
"Er ist nicht da", sagte eine Frau, die ihnen entgegen kam um ihm sein Zögern wohl an der Nasenspitze angesehen hatte. "Das Postamt öffnet erst nächste Woche."
Moritz war erleichtert. Er fand es viel besser, erst einmal nur zu schauen. Doch stimmte es auch? Von der Türschwelle der Weihnachtsstube aus sah er sich um. Direkt gegenüber war sein großes Bett. Es war ordentlich gemacht und Stiefel standen davor. Seinen Sommerschlaf hatte er also schon beendet. Ein mächtiger Schreibtisch stand da, vor dem Kamin, mit einem großen Telefon darauf und einem Bild von sich selbst. Darauf sah er aus, wie Moritz ihn sich vorstellte: mit Rauschebart, roter Mütze und freundlichem Gesicht. Neben dem Schreibtisch am Ofen stand ein gemütlicher Sessel. Überall lagen Geschenke und Päckchen herum. Schlitten, Eisenbahn, Schaukelpferd, Puppen, Bücher. An die Wände waren Bilder von fleißigen Wichteln gemalt. Alles deutete auf emsige Betriebsamkeit, die Vorbereitungen für das Fest hatten bereits begonnen.
An einem kleinen Tisch neben der Tür saß ein Mädchen und malte ein Bild. Moritz wollte auch einen Wunschzettel machen, doch Mama schlug vor, erst einmal spazieren zu gehen und es auf später zu verschieben.
Der Weihnachtsmann wohnte auch draußen sehr schön. Er hatte eine große Wiese, einen Spielplatz und sogar einen See mit eigener Anlegestelle für Schiffe. Selbst eine Kirche hatte er, an deren Rückwand von Efeu verwunschene Mauerbögen klebten. Und es gab ein Steinlabyrinth, dessen Spirale Moritz entlanglief, bis zur Mitte und wieder zurück.
Danach war der Tisch in der Weihnachtsstube frei. Während die Eltern draußen Kaffee tranken, machte Moritz sich an die Arbeit. Er malte eine Feuerwehr, rotlackiert mit schwarzer Leiter und blauer Rundumleuchte auf dem Dach. Ob der Weihnachtsmann es erkennen würde? Zur Sicherheit schrieb es Mama dazu: "Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir ein Feuerwehrauto. Dein Moritz." Sie schrieb noch mehr, die Adresse, wie sie sagte. Es könnte doch sein, dass der Weihnachtsmann ihm antworten wollte. Na, das wäre ja was! Sorgfältig gefaltet rutschte der Brief in den Postkasten, der von einem geschnitzten Wichtel bewacht wurde ...

Weiter lesen auf Wattpad: Lieferung aus Himmelpfort

Mehr über und von Lutz Schafstädt auf seiner Website.



'Wild auf Weihnachten' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Nach einer mittelschweren Beziehungskatastrophe im Vorjahr möchte Greta von Weihnachten wenig bis gar nichts wissen.

Ihre Schwester nimmt sie mit zu einem Junggesellinnen-Abschied. Der endet in einer Karaoke-Bar, wo Greta ausgerechnet zum Singen des Weihnachts-Pop-Klassikers „Last Christmas“ verdonnert wird. Dort lernt sie den forschen Henning kennen – und den schüchternen Mike, der Weihnachten sehr mag …

Eine kleine moderne Weihnachts-Romanze.

Gleich lesen: Wild auf Weihnachten

Leseprobe:
September
„Ätzend! Das geht mir so auf den Keks, das kannst du dir gar nicht vorstellen!“
Mit Wut im Bauch schob Greta den noch leeren Einkaufswagen am Stand mit den Weihnachtsleckereien vorbei.
Ihre Schwester Carolin holte tief Luft. Nun ging das wieder los! Und kaum hatte sie diesen Gedanken, schimpfte Greta weiter.
„Die spinnen doch! Es ist Mitte September, draußen brüllt die Sonne vom Himmel und wir müssen mit dem Wagen hier Dominosteine, Spekulatius, Zimtsterne und Lebkuchenherzen umschiffen. Einfach frech!“
„Mensch Greta, das ist jedes Jahr so! Ignorieren und ab zum Kühlregal, wir haben keinen Joghurt mehr.“
Noch während Greta weiter vor sich hin schimpfte, kam ihnen ein junger Mann im Kittel entgegen. Greta blitzte ihn böse an.
„Was denken Sie sich eigentlich? Bei der Wärme sollten Sie Eiswürfel verkaufen, kein Weihnachtszeugs!“
Der Verkäufer blieb irritiert stehen. Man sah ihm an, dass er nicht wusste, ob das Ernst oder Spaß war.
„Jaha, da können Sie nix drauf sagen, wie?“ Greta hatte den Einkaufswagen losgelassen und die Hände in die Hüften gestemmt.
„Oh doch, kann ich! Ich informiere Sie gerne. Das, was Sie hier sehen, ist Herbstgebäck und wird durchaus nachgefragt. Genau deshalb steht es hier.“
„Herbstgebäck! Was ist das denn für eine dämliche Bezeichnung? Und wo sind dann die Herbstmänner?“
Nun umspielte ein Lächeln das Gesicht des Verkäufers. „Falls Sie Weihnachtsmänner meinen, die kommen erst Mitte Oktober.
“ „Und warum stellen Sie den ganzen anderen Kram schon hierher?“
„Wie gesagt, das ist Herbstgebäck und wird traditionell zum meteorologischen Herbstbeginn ab dem 1. September verkauft.“
In diesem Augenblick wurde Gretas Aufmerksamkeit von einem älteren Herrn in Anspruch genommen, der ihr auf die Schulter tippte.
„Junge Frau, Sie blockieren die Spekulatius. Darf ich da mal ran?“
Greta trat entnervt zur Seite. Er griff eine Packung Mandelspekulatius und zudem Dominosteine.
Selbst das kommentierte Greta bissig. „Schmeckt das Zeugs überhaupt schon?“
„Grundsätzlich gönne ich mir Anfang September meine geliebten Spekulatius. Jetzt sind sie superfrisch – und mit einer Tasse Kaffee … hmm! Sie glauben gar nicht, wie lecker die auf dem Balkon schmecken!“ Dann schob er seinen Wagen weiter.
„Also ich hasse es, im kurzen Rock Weihnachtsprötteln zu kaufen.“
„Das ist schade“, warf nun der Verkäufer ironisch ein, „dafür, dass Sie so grantelig drauf sind, und ich eine fette Zornesfalte zwischen Ihren Augen sehe, haben Sie nämlich hübsche Beine.“
„Was fällt Ihnen ...“, brauste Greta auf, aber Carolin griff beherzt ein.
„Los, wir haben noch einiges einzukaufen!“ Mit einem leichten Schulterzucken entschuldigte sie sich quasi bei dem Angestellten und schob Greta samt Einkaufswagen Richtung Kühltheke.
„Bekommen wir hier Hausverbot, weil du andere Kunden am Einkauf von Printen und Baumkuchen hinderst, müssen wir demnächst hungern. Das ist nämlich, wie du weißt, der einzige Supermarkt, den wir von der Wohnung aus superbequem erreichen.“
„Warum musstest du auch in dieses strukturschwache Gebiet ziehen?“
„Du, jetzt reicht’s. Wenn dich hier alles stört samt mir, geh raus und warte im Auto!“
Carolin nahm ihr den Einkaufswagen weg und schob ihn zielstrebig Richtung Joghurt. In Windeseile hatte sie ein paar Becher hineingelegt, Quark und Milch dazu gepackt und lief am Kühlregal entlang, um verschiedene Käsesorten zu greifen.
Schmollend kam Greta hinterher. Ein Seitenblick rüber zum Lebkuchenstand bestätigte ihre Befürchtung. Der Supermarkt-Fuzzi beobachtete sie. Hua, wie unangenehm!
Greta wusste genau, dass ihr Auftritt peinlich gewesen war, aber sie konnte nicht anders, zu sehr erinnerte sie alles Weihnachtliche an ihre Beziehungskatastrophe des letzten Jahres.

Im Kindle-Shop: Wild auf Weihnachten

Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.



13. Dezember 2017

'10 Tage Tarifa' von Elisabeth Mecklenburg

Reisetagebuch über Whale-Watching-Touren an der Costa de la Luz (Andalusien / Spanien)

Delfin- und Walfreunde kommen in der „Straße von Gibraltar“ ganz bestimmt auf Ihre Kosten! Pottwale, Finnwale, Grindwale und auch mehrere Delfinarten, wie z.B. die Orcas, können dort zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten angetroffen werden. Manche der genannten Tiere leben das ganze Jahr dort, andere wiederum passieren zu bestimmten Jahreszeiten nur die Straße von Gibraltar, wie die Orcas und Pottwale.

In diesem kleinen Urlaubs-Reisebericht geht es in erster Linie um die Whale-Watching-Touren, welche die Autorin in Tarifa erlebt hat. Angereichert mit zahlreichen Farbfotos schildert Elisabeth Mecklenburg die Erlebnisse und Eindrücke ihres Abenteuers. Abgerundet wird der Bericht mit allgemeinen kurzen Informationen zu Land und Leuten.

An der Küste Andalusiens (Costa de la Luz) gibt es neben den faszinierenden Meeressäugern auch an Land einiges zu entdecken! Das Hinterland von Tarifa, wie auch dieser kleine, wunderschöne Ort selbst mit seiner verträumten Altstadt, warten nur darauf, entdeckt zu werden. Zudem ist Tarifa auch weltweit bekannt für seine tollen Surfer-Strände – starken Wind gibt es hier mehr als genug.

Die Autorin lädt Sie ein, an dieser erlebnisreichen Reise teilzuhaben – ein traumhaftes Stückchen Erde ein wenig kennen und vielleicht auch lieben zu lernen.

Gleich lesen: 10 Tage Tarifa: Orcas, Delfine und andere faszinierende Wale in der "Straße von Gibraltar"

Leseprobe:
Nach etwa 30 bis 35 Minuten erreichten wir die ersten marokkanischen Fischerboote. Soweit das Auge reichte, überall diese kleinen Fischerboote, verteilt auf dem Meer. Meistens waren die Fischer zu dritt oder viert in den Booten. Hin und wieder war auch mal ein etwas größeres Fischerboot dazwischen, aber überwiegend waren es kleine Boote. Unsere Fahrt ging aber immer noch weiter, wir waren noch nicht am Ziel.
In den letzten Tagen hatte ich mich so einige Male gefragt, woher firmm wusste, wann die Orcas da sind und vor allem, wo sie sind. Nun, des Rätsels Lösung steckte hier bei den marokkanischen Fischern. Katharina Heyer erzählte heute, dass einer der Fischer vor etlichen Jahren mal bei firmm gearbeitet hatte. Irgendwann sei er wieder in seine Heimat gegangen und habe von da an als Fischer sein Geld verdient. Dieser Fischer informiert nun firmm, wenn Orcas da sind und wo sie sich aufhalten. An diesem Tag lernten wir ihn auch kennen, er war auf einem der Fischerboote, als wir bei den Orcas eintrafen. Freundlich winkend wurden wir von ihm, aber auch von all den anderen Fischern, begrüßt und schon kurz danach begann das Spektakel.
Unglaublich: 16 Orcas waren in diesem Moment um unser Boot herum. Der gesamte Clan war da, auch Klein-Wilson war dabei, worüber ich mich sehr freute. Ebenso waren die beiden männlichen Orcas dieses Familienverbundes dabei. Es ist selten, dass man beide Männchen der Gruppe zusammen sieht. Man kann sie gut an der steilen, geraden Rückenflosse (Finne) erkennen. Bei den weiblichen Schwertwalen ist die Rückenflosse leicht nach vorne gekrümmt. Je älter die männlichen Tiere sind, umso höher ist auch ihre Rückenflosse.
Ein regelrechter Krimi nahm nun seinen Lauf, sowohl unter als auch über dem Wasser. Die Wale schwammen in kleinen Gruppen von einem Fischerboot zum anderen, um zu schauen, ob Thunfische an den Langleinen angebissen hatten. Dabei orientieren sie sich meistens an den roten Bojen im Wasser. Sie kommen mit dem Kopf aus dem Wasser, schauen nach den Bojen und wenn sie eine entdeckt haben, steuern sie direkt drauf zu.
Und tatsächlich, ein Thunfisch hatte angebissen! Der Wettlauf mit der Zeit begann. Die Fischer beeilten sich, die Leinen an Bord zu holen und wie wir selbst sehen konnten, ist das gar nicht so einfach, wenn ein zappelnder Thunfisch an der Leine hängt. Ein Knochenjob, wie man so schön sagt. Jetzt kam es nur noch darauf an, wer schneller war, die Fischer oder die Orcas.
In Worten kann man gar nicht so wiedergeben, was sich hier vor unseren Augen abspielte. Die Orcas waren inzwischen abgetaucht und lauerten in der Tiefe auf den richtigen Moment, oben im Boot die Fischer, die in einem rasanten Tempo mit vereinten Kräften die Langleine einholten, um den Thunfisch ins Boot zu bekommen, bevor die Orcas ihn von der Leine fraßen.
Orcas sind schlau, sehr schlau sogar. Sie fressen nicht den ganzen Thunfisch, der Kopf bleibt stets an der Leine, denn sie wissen genau, dass dort der Haken sitzt.
Plötzlich hatte ein weiteres Boot in der Nähe einen Thunfisch an der Leine und das ganze Spektakel begann von vorn.
Die Boote, die in der Nähe waren, steuerten sofort darauf zu, um den Männern an Bord zu helfen. Die Orcas waren ebenso bereits auf dem Weg zu diesem Boot und tauchten kurz vorher ab. Mit vereinten Kräften zogen die Fischer die Leine ein, aber es war zu spät, die Orcas waren diesmal schneller und hatten bereits den Thunfisch im Maul.

Im Kindle-Shop: 10 Tage Tarifa: Orcas, Delfine und andere faszinierende Wale in der "Straße von Gibraltar"

Mehr über und von Elisabeth Mecklenburg auf ihrer Website.



12. Dezember 2017

'Theaterblut' von Rita Hausen

Christopher Marlowe, ein erfolgreicher Theaterautor zur Zeit von Königin Elisabeth I., macht vor allem mit den Stücken „Tamerlan“ und „Faust“ Furore. Außerdem ist er Agent im weitreichenden Spionagenetz des Geheimdienstchefs Francis Walsingham.

1593 wird Marlowe vor das Krongericht zitiert. Ihm wird vorgeworfen, ein politisches Pamphlet verfasst zu haben und Häresien anzuhängen. Wider Erwarten bleibt er auf freiem Fuß. Er rettet sich mit Hilfe mächtiger Unterstützer vor der Verfolgung auf den Kontinent, während der Öffentlichkeit offiziell sein Tod mitgeteilt wird. Schon steigt ein neuer Stern am Theaterhimmel auf: William Shakespeare, dessen Name sich Marlowe ausborgt, um weiterhin für das Londoner Theater schreiben zu können. Er reist durch Frankreich, Italien und Spanien. Als Elisabeth I. 1603 stirbt, glaubt er, in London unter falschem Namen unbehelligt leben zu können.

In einem Gewebe von Einzel-Biographie, Dichtung und Weltpolitik wird ein Gemälde der Zeit um 1600 entworfen.

Gleich lesen:
Für Kindle: Theaterblut: Historischer Roman
Buch bei tredition

Leseprobe:
Die Sternkammer
In London herrschte der Schwarze Tod. Mit einem Schiff, das von Indien zurückkehrte, soll die Pest nach England gekommen sein. Es waren nur noch Sterbende und Tote an Bord, keiner mehr am Steuer. Das Schiff wurde von der Flut an die Küste getrieben und lief auf. Nur Ratten verließen das Wrack, huschten scharenweise an Land, schienen zugleich aus Kellern, Schuppen, Verliesen hervorzuquellen, Ratten mit Krusten an den Augen, Schorf an den Ohren, Blut an Nase und Maul, mit kahlen Stellen im stumpfen Fell. Sie brachten Tod und Verderben und gleich darauf lagen sie verendet im Dreck.
Bald vernahm man aus Häusern lautes Beten und Klagen. Wanderprediger erhoben ihre Stimmen und stellten die Pest als gerechte Strafe Gottes für die allgemeine Sündhaftigkeit dar. Quacksalber priesen wirkungslose Wundermittel an. Leichen wurden von Balkonen und Fenstern mit Seilen herabgelassen, um von Totenträgern des Nachts aufs Pestfeld gefahren zu werden.
Viele Londoner flohen aufs Land, in der Hoffnung, so der Ansteckung zu entgehen. Die ganze Stadt war ein Leichenhaus, es starben bis zum Ende des Jahres 1592 sechzehntausendfünfhundert Menschen.
Die Theater waren wegen der Pest geschlossen worden.
Der Dichter Christopher Marlowe führte auf dem Gut seines Freundes und Gönners Thomas Walsingham in Scadbury ein angenehmes Leben als Hauspoet. Sein Freund war großzügig und witzig, doch sein Blick erinnerte Marlowe manchmal an dessen Onkel, den Herrn des Geheimdienstes, der bis vor Kurzem die Spinne im Zentrum eines Netzes aus Intrigen und Spitzelei gewesen war. Er ahnte, dass sein Gönner zum Teil das Handwerk des alten Mannes geerbt hatte. Jedenfalls war sein Verhältnis zu Tom unbefangener und inniger gewesen, als Sir Francis noch lebte.
Als er in seinem Zimmer das Hufklappern auf dem Kopfsteinpflaster des Hofes hörte, hatte er böse Vorahnungen; und als er erfuhr, dass ein Kurier des Kronrates gekommen war, drehte sich ihm eine Faust im Magen um. Der Bote forderte ihn auf, unverzüglich nach London mitzukommen. Das Schriftstück, das er vorwies, kam direkt vom Kronrat, den mächtigsten Männern im Lande. Männern, die zu Tod oder Folter verurteilen konnten. Marlowe fragte den Boten, ob er den Grund für seine Festnahme kenne, er antwortete mit einem Achselzucken.
Er wurde vor die Sternkammer bestellt. Schlimmer konnte es nicht kommen. Dieses Gericht war für Anschläge auf die Verfassung von Staat und Kirche zuständig. Die Prozedur des Verfahrens wurde von Fall zu Fall ganz nach Belieben festgelegt oder geändert und, wie sich herumgesprochen hatte, immer zum Nachteil des Angeklagten. Verteidiger, Protokolle, Anklageschriften waren unbekannt.
„Ich bin so gut wie tot“, sagte er zu seinem Freund.
„Das glaube ich nicht“, antwortete Tom.
„Wie denn nicht?“
„Das erkläre ich dir, wenn du zurück bist.“
„Zurück?“, rief Marlowe, „du träumst ja wohl.“
Er umarmte Tom, stieg auf das bereitgestellte Pferd und machte sich mit dem Abgesandten auf den Weg. Ihm war schlecht vor Angst. Was würde auf ihn zukommen?
Lange bevor sie die Stadt erreichten, tauchte in der Ferne ein Gewirr aus roten Dächern auf, inmitten von hohen Kirchtürmen und rauchenden Schornsteinen. Im Licht der Sonne sah die Stadt frisch aus, überhaupt nicht wie ein Ort, an dem die Pest wütete. Sie passierten das Stadttor und Marlowe kam es so vor, als habe sich seit seinem Fortgang vor drei Wochen nichts geändert. Die Straßen waren an beiden Seiten von aufragenden Holzgebäuden gesäumt, die das Licht aussperrten. Hier lebten Arm und Reich dicht gedrängt beisammen. Markthändler priesen ihre Waren an – Milchmädchen, Quacksalber, Fischverkäufer. Hammerschläge von Zimmerleuten hallten durch die Gassen; Sänften, Fuhrwerke und Kutschen drängten sich durch das Gewimmel der Leute. Über allem hing der Gestank der Ausscheidungen von Mensch und Vieh, was Marlowe nach den Wochen auf dem Land besonders auffiel. Auch am Flussufer empfing sie fauliger Geruch. An einer Straßenecke stießen sie auf zwei Totenträger, die dabei waren, mehrere Pestleichen auf einen Karren zu heben. Marlowe wandte sich angewidert ab, hielt sich Mund und Nase mit der Hand zu und eilte schnell vorbei.
Wenig später stand er vor dem Kronrat, der in einem Raum tagte, der Sternkammer genannt wurde. Durch zwei Fenster schien die Maisonne herein und machte Streifen von gerade aufgewirbeltem Staub sichtbar. Dennoch kam Marlowe der Saal sehr düster vor. Er war rundum mit dunkler Eiche getäfelt, die Rückwand bedeckte ein Gobelin, der eine königliche Jagd zeigte. An der Decke befanden sich vergoldete Sterne auf kobaltblauem Grund.
Achtzehn Männer saßen hinter einem langen Tisch, elegant und nach spanischer Mode dunkel gekleidet mit einem dazu passenden Gesichtsausdruck. Ihre großen Halskrausen wirkten, als wären ihre Köpfe abgeschnitten und würden auf einem weißen Tablett präsentiert. Unter ihnen war Robert Cecil, der nach dem Tod von Francis Walsingham dessen Funktionen übernommen hatte und nun der Erste Staatssekretär war. Am anderen Ende saß der Erzbischof von Canterbury. Einer der Herren war Ferdinando Stanley, ihm gut bekannt als Lord Strange, ein weiterer war Robert Devereux, der Earl von Essex. Der Präsident der Sternkammer, Lord Puckering, saß in der Mitte. Er fragte Marlowe: „Wissen Sie, warum Sie hier sind?“ Marlowe, um eine aufrechte Haltung bemüht, antwortete: „Vielleicht verlangt die Königin nach meinen Diensten.“ Diese Antwort schien kühn, doch nicht so weit hergeholt, denn er war schon mehrfach sowohl in Frankreich als auch in Schottland in geheimer Mission unterwegs gewesen. Lord Puckering warf einen Blick auf die vor ihm liegenden Papiere, richtete dann einen düsteren Blick auf Marlowe und entgegnete: „Ihre Loyalität der Königin gegenüber steht in Frage, Mr. Marlowe.“

Im Kindle-Shop: Theaterblut: Historischer Roman
Buch bei tredition

Mehr über und von Rita Hausen auf ihrer Website.



11. Dezember 2017

'Ich schenke dir den Tod' von Ralf Gebhardt

Mit dem Fund der verbrannten Überreste einer weiblichen Leiche beginnt für den halleschen Kriminalhauptkommissar Richard Störmer ein Wettlauf mit einem Entführer und Serienmörder, an dem er zu zerbrechen droht. Nahezu zeitgleich mit dem Fund einer zweiten Leiche werden mehrere Frauen während eines Klassentreffens auf dem Mansfelder Jugendherbergs-Schloss entführt, gefoltert und verbrannt.

Störmer stellt eine Verbindung zwischen den Entführungen und den gefundenen Leichen her. Der Fall sorgt für Unruhe im Privatleben von Störmer. Er verliebt sich in seine neue Nachbarin, eine Krimiautorin. Zeitgleich taucht seine fast volljährige Tochter Verena auf und bittet ihn um Hilfe. Als der Psychopath dann einen Freund von Störmer ermordet, entwickelt sich der Fall zu einem persönlichen Albtraum …

Gleich lesen:
Für Kindle: Ich schenke dir den Tod (Krimi 39)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
(Vor dreißig Jahren)
Er wollte nicht böse sein.
Im Moment konnte er kaum unterscheiden, was schlimmer war: das Zittern seiner Hände oder die Hungerkrämpfe. Vorsichtig öffnete er die massive Holztür mit der altdeutschen Aufschrift „Luftschutzkeller, geeignet für vier Personen“.
Gierig sog der Junge die Sommerhitze ein, würgte die Vorahnung herunter. Nasskalter Moder umfing ihn schon auf der obersten Treppenstufe, ein fürchterlicher Gestank in einer zähen Mischung aus Früher und Heute. Rasch zog er die Tür hinter sich zu, damit ihm die Fliegen nicht folgten. Sein Rucksack mit der gestern gekauften Desinfektionsmittelflasche war leicht. Für Lebensmittel hatte das Geld nicht mehr gereicht. Der Monatsscheck war noch nicht in der Post gewesen.

Er folgte den ausgetretenen Sandsteinstufen und genoss die Stille des Ortes. Im flackernden Halbdunkel einer fast verbrannten Kerze konnte er ihre Gestalt auf der Liege ausmachen. Bevor er herantrat, stellte er den Rucksack mit der Flasche auf ein Regal. Dann beugte er sich hinab, um zu prüfen, ob sie atmete. Erschrocken zuckte er zurück, als sie die Augen öffnete und ihn gleichzeitig ein Schwall grün-galliger Speichelmasse nur knapp verfehlte. Geduldig wartete er das Ende eines Hustenanfalls ab und rollte ihre fleckige Wolldecke zurück.
Es wird gleich wehtun, dachte er bei sich.
Er nahm seinen alten Walkman, stülpte die Kopfhörer über und schob die Lautstärke fast auf Anschlag. Schließlich drehte er die Flasche mit dem Desinfektionsmittel auf und tränkte ein Geschirrtuch. Dann löste er die Fessel an ihrer linken Hand. Routiniert wischte er in einer schnellen Bewegung unter dem Lederriemen durch. Die klapprige Frau schrie auf. Dank der Musik sah er nur ihr verzerrtes Gesicht. Anschließend befreite er die rechte Hand. Ein Wisch mit dem Geschirrtuch ließ sie erneut das Gesicht verzerren. Jetzt erst sah er, dass sie weinte.
Mit einer Ecke des Tuches tupfte er ihr die Schweißperlen von der Stirn. Zufrieden bemerkte er, dass ihr Fieber gesunken war. Er wischte weiter, schließlich unter der Kleidung, darauf bedacht, jederzeit ausweichen zu können. Einmal, erinnerte er sich, hatte sie ihn mit ihren zahnlosen Kiefern gepackt und mit der Kraft eines Schraubstockes zugebissen, sodass das Fleisch an seinem Arm fast bis zum Knochen zerquetscht wurde. Von da an war er vorsichtig.
Er sah nicht hin, als er ihren Unterleib entblößte. Für einen kurzen Moment hörte er auf zu atmen. Dann griff er mit beiden Händen in die eklige, breiige Masse, die aus aufgequollenen Papier- und Stofffetzen bestand. Hastig stopfte er alles in eine Mülltüte. Mit dem Geschirrtuch wischte er gründlich nach, auch an den Stellen, wo er Entzündungen vermutete. Sie wimmerte. Wenn er wieder Geld hätte, würde er vielleicht richtige Windeln kaufen. Jetzt musste genügen, was da war.

Die Musik wummerte weiter in seinen Ohren, als er die mageren Beine säuberte. Damit sie nicht von der Liege fiel, beließ er die Fesseln an den Fußgelenken, umwischte sie nur mit einem Schwall Desinfektionsmittel. Zum Schluss faltete er das Tuch zu einer provisorischen Windel. Den letzten Rest aus der Flasche brauchte er, um seine eigenen Hände zu reinigen. Manchmal träumte er davon, sich Handschuhe zu kaufen.
Zufrieden schob er den Walkman in den Rucksack zurück.
Körperpflege war wichtig. Außerdem musste sie bei Kräften bleiben. Deshalb griff er nach einem angebrochenen Glas Babynahrung. Er warf zwei Beruhigungstabletten hinein und bückte sich nach der Blechschüssel, mit der er das von den Wänden laufende Wasser aufgefangen hatte. Es war genug Wasser da, um die Babynahrung zu verdünnen.
Er schüttelte das Glas, bis sich eine lockere Masse gebildet hatte. Sie versuchte, ihren Mund geschlossen zu halten. Aber dazu war sie inzwischen zu schwach. Ein kurzer Druck auf ihr Kinn genügte. Schnell schüttete er den Brei hinein, presste seine Hand auf ihren Mund und rieb ihre Kehle so lange, bis sie schluckte.

Später hörte sie auf zu weinen und sah ihn an. Die graugelbe Haut bildete einen scharfen Kontrast zum irren Glanz ihrer Augen, der dem bläulichen Flügelschlag einer schillernden Schmeißfliege ähnelte. Ihm schauderte.
Der Arzt hatte vor einiger Zeit gemeint, dass sie sich in wenigen Tagen erholen würde. Irgendwann verging jeder Anfall, das wusste er. Er hatte Angst um sie und wünschte sich sehr, sie bald wieder mit nach oben zu nehmen. Dann würde er auch wieder für sie tanzen. Er würde ihre lachenden Augen sehen, wenn er die blanken Elektrodrähte zwischen die eigenen Zehen steckte, um sich zuckend im Strom zu bewegen. Dass er danach Turnschuhe statt Sandalen tragen musste, störte ihn nicht. Wichtiger war, dass die anderen Kinder die schwarzen Brandstellen an seinen Füßen nicht sahen.
Er legte seine Stirn an die ihre: Alles wird gut. Du musst gesund werden, ja? Und ich werde tanzen.
Vorsichtig schob er ihre Hände zurück unter die Lederfesseln, sie ließ es geschehen. Kurz strich ihre aufgequollene Zunge über die rissigen Lippen. Ihr Atem wurde gleichmäßiger, sie schlief.
Zuletzt legte er die Wolldecke wieder über den fiebrigen Körper, griff seinen Rucksack, erneuerte die Kerze und stieg nach oben. Auf der letzten Stufe bekreuzigte er sich. Dann betete er leise zur Mutter Gottes.

Im Kindle-Shop: Ich schenke dir den Tod (Krimi 39)
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Ralf Gebhardt auf seiner Website.



'Warum ich kein Musikant geworden bin' von Lutz Schafstädt

Das eBook-Sonar ist im Feiertagsmodus, doch alle Bücher sind noch da. Schaut euch um und versorgt euch mit Lesestoff zum Fest. Bis zum Start im neuen Jahr könnt ihr euch mit einer weihnachtlichen Kurzgeschichte die Zeit vertreiben.

Eine Weihnachtsgeschichte über musikalische Ambitionen, die durch ein Missgeschick ein jähes Ende finden ...

Die ganze Kurzgeschichte auf Wattpad: Warum ich kein Musikant geworden bin

So fängt die Geschichte an:
Diese Geschichte spielt in einer Zeit, als Kinder noch Klaus, Bernd oder Jörg hießen. Meine Eltern hatten sich entschlossen, mich Uwe zu nennen. Uwe ist mit seinen drei Buchstaben ein sehr sparsamer Name und ich fand ihn nie besonders schön. Doch in der Schule erfuhr ich von einer beachtlichen Besonderheit: Trotz seiner Kürze besteht er aus zwei Teilen. Beim Silbenklatschen war das unüberhörbar. Wir übten das Silbenklatschen, um dem verborgenen Rhythmus auf die Spur zu kommen, der in allen Wörtern wohnt. Dabei entsteht ein Takt, der fast wie Musik ist. Bernd, mein Banknachbar aus fünf Buchstaben, konnte sich nur wundern, dass Uwe zwei Klatscher ergab. Beim Schreiben hätte ich meinen Namen sogar trennen dürfen, doch in diese Verlegenheit kam ich eigentlich nie. So viel Platz war in der Zeile immer noch. Da gab es andere Wörter für die es nützlich war, das Silbenklatschen drauf zu haben. Auch Mädchennamen gehörten dazu, die kamen oft mit mehr als zwei Takten daher. Das störte mich nicht, außer bei meiner kleinen Schwester Regina. Zum Glück nannten wir sie immer nur Gina, damit war die Gerechtigkeit wiederhergestellt.
An einem Tag im Advent wurde Gina wetterfest eingemummelt, ich holte derweil den Schlitten aus dem Schuppen. In der Nacht hatte es geschneit und Papa fand es höchste Zeit, einen Weihnachtsbaum zu besorgen. Ich kann mich nicht erinnern, woher die anderen Leute im Dorf damals ihre Bäume bekamen, Verkaufsstände wie heute gab es jedenfalls noch nicht. Vielleicht hatte der eine oder andere eine Tanne im Garten, bei uns wuchsen dort nur Obstbäume. Wir mussten in den Wald und ich hatte meine Zweifel, ob Papa den Förster vorher gefragt hatte. Wie auch immer, ein Abenteuer würde es allemal, denn noch nie zuvor waren wir dabei mitgenommen worden. Gina kam auf den Schlitten, Papa zog ihn und ich stapfte nebenher und durfte die kleine Säge tragen. Erst kratzten die Kufen noch auf dem Straßenpflaster, auf den Feldwegen wurde es besser und im Wald angekommen war die Schneedecke noch wie neu. Gina musste jetzt vom Schlitten herunter, damit sie nicht zu frieren begann. Folglich ging es langsamer voran und außerdem sollten wir nun besonders vorsichtig laufen, denn überall konnten sich Äste oder Löcher verbergen. Hin und wieder waren Spuren von Tieren zu sehen. Die von Hasen und Rehen schaute ich mir mit Interesse an. Doch sollte es hier auch Wildschweine geben! Augenblicklich verwandelte ich mich in einen Spurenleser und hielt besorgt nach entsprechenden Abdrücken Ausschau.
Wildschweine hätten Angst vor Menschen, meinte Papa, und schlug vor, ein Lied zu singen. Dann wüssten die Tiere, dass wir da sind und blieben in ihrem Versteck. Ich brachte als Alternative ein, lieber mit einem Stock gegen die Bäume zu schlagen. Das wäre ein besserer Krach als unsere Stimmen, denn schließlich könnte der Förster in der Nähe sein. Papa lachte, ich fand das leichtsinnig und Gina fing tatsächlich an zu singen. Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit - ihr aktuelles Lieblingslied aus dem Kindergarten. Papa machte mit, doch nicht als Sänger, sondern als Trompeter. So machte er es immer und er konnte es sogar ziemlich gut. Mit geschürzten Lippen ahmte er eine Trompete nach, erfand dabei meist eine muntere zweite Stimme, und brachte so erst den richtigen Schwung in die Melodie. Er nannte es Hausmusik und oft hatte er schon gesagt, eines Tages würde er sich eine Trompete zulegen, uns allen ein Instrument beibringen und dann kämen wir als Familienorchester bei den lustigen Musikanten groß raus. Im Fernsehen hatte ich solch musizierende Familien schon gesehen und der Gedanke, auf diese Art berühmt und bewundert zu werden, gefiel mir. Auch jetzt klang es gut, aber erst mit meiner Stimme wurde die Sache rund. Dass ich besser singen konnte als Gina lag auf der Hand. Also trällerten wir das Schneeflöckchen mit großem Spaß mehrmals zu dritt und ich stellte mir dabei die andächtig lauschenden Wildschweine hinter den Büschen vor. Dann hatten wir unser Ziel, eine Schonung mit jungen Kiefern erreicht.
Während Papa die Bäume prüfte, saßen wir auf dem Schlitten und sahen zu. Kiefern sind mit ihren langen Nadeln und spärlichen Ästen keine idealen Weihnachtsbäume, aber andere Nadelbäume hatte unser Wald nicht zu bieten. Deshalb suchte er lange, schüttelte immer wieder Schnee von den Zweigen, dann sägte er zwei Exemplare ab. Warum zwei? Das fragte ich auch. Der eine Baum hatte einen geraden Stamm, der andere dichte Zweige. Zusammen ergäben sie einen ansehnlichen Weihnachtsbaum, wir würden schon sehen. Mit einem Seil zu einem Bündel verschnürt wurden die Bäume an den Schlitten gehängt, meine Schwester und ich teilten uns die Sitzfläche, jedenfalls bis zum Waldrand. Bis dort wurden wir gezogen, mit dem Baumpaket im Schlepp. "Schaut mal, wie wir die Kufenspuren verwischen", sagte Papa fröhlich. "Als wären wir überhaupt nicht da gewesen." Dann mussten wir laufen und die Bäume durften fahren. War die ganze Sache vielleicht doch ein Raubzug? Ich habe es nie erfahren ...

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'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Gleich lesen: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut

Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



8. Dezember 2017

'Pussycat Club: Verbotene Sehnsucht' von Monica Bellini

Cat Black, Besitzerin des exklusiven Pussycat Clubs, erlebt an ihrem Geburtstag einen wahr gewordenen sinnlichen Traum. Kurz darauf tritt ER wieder in ihr Leben – der Mann, der ihr fünf Jahre lang einen Rausch sexueller Erfüllung bescherte und sie zu der begehrenswerten, unnahbaren Frau gemacht hat, die sie heute ist. Doch warum ist er zurückgekommen? Es ist gegen die selbst auferlegten Regeln …

Auch in ihrem Club drohen plötzlich alle Tabus gebrochen zu werden ... Maude entflieht der Einsamkeit nur in ihren Träumen, die sie ihrem Tagebuch anvertraut. Bis ihre Freundinnen sie in den Pussycat Club einladen – und Maudes Leben eine unerwartete Wendung nimmt. Für wenige Stunden – denn der Hot Guy Bosky ist, wie alle Pussycats, nur Teil einer Illusion. Wahre Liebe ist in der Scheinwelt sinnlicher Perfektion nicht inklusive. Oder doch?

Teil 2 der Pussycat Club-Trilogie.

Gleich lesen:
Für Kindle: Pussycat Club: Verbotene Sehnsucht
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Leseprobe:
Fünfunddreißig. Es ist nur eine Zahl, bete ich mir vor wie ein Mantra. Eine bedeutungslose Zahl, die sich aus anderen ergibt, die in meiner Geburtsurkunde stehen. Und doch fühlt es sich an, als ob ein Lebensabschnitt zu Ende wäre und der neue bereits begonnen hätte. Klammheimlich, still und leise. Nur macht er mir trotzdem Angst. Dieser konturlose Anfang von etwas, das ich nicht greifen kann, präsentiert sich wie ein Blatt Papier, das mit einem einzigen großen Fragezeichen beschrieben ist.
Klare Vergangenheit und nebelverhangene Zukunft. Es ist das Prinzip des Negativen und Positiven, des Pessimismus und Optimismus, des halb leeren oder halb vollen Glases. Apropos. Ich hebe das aus hauchzartem Kristall an, in dem sich mein Lieblingschampagner befindet, und setze es an die Lippen. Mein Blick gleitet über den im diffusen Licht liegenden Club, das prickelnde Getränk kitzelt meine Zunge, rinnt durch die Kehle und nimmt von mir Besitz.
Die Liebesinseln liegen verwaist, die Raumteiler sind alle versenkt. Wie jede Nacht werde ich bei diesem Anblick ein wenig melancholisch. Der Pussycat Club ohne Gäste ist wie ein Aquarium ohne Fische. Sie sind das Element, das Farbe in die Monotonie bringt.
Sebastián scheint dasselbe zu denken, denn er prostet mir mit einem nachdenklich anmutenden Lächeln zu. Aber zum Glück sieht er mich nicht mehr so an wie vorhin, als ich aus meinem Büro kam. Trotz des frischen Make-ups, mit dem ich die Spuren der vergangenen Stunden verdeckt hatte, fühlte ich mich ihm gegenüber nackt. Das Gefühl der Intimität zwischen ihm und mir hat jedoch nichts mit unseren Körpern zu tun. Nicht, dass wir einander noch nie unbekleidet – die halterlosen Strümpfe, die ich nie ausziehe, außer Acht lassend – gesehen hätten, aber das Nacktsein gehört zu unserem Beruf wie zu einem Soldaten die Uniform oder zu einem Arzt der Kittel.
Nein, ich meine damit, dass er in mich hineinsehen kann, als ob ich aus Glas wäre. Ich bin davon überzeugt, dass er weiß, dass ich Sex hatte. Und wahrscheinlich fragt er sich – falsch: sicher tut er das – mit wem. Das Wann und Wo ergibt sich aus der Tatsache, dass ich zu Beginn des Abends, als wir miteinander hier an der Bar standen, noch die ganz normale Cat war. Und Sebastián weiß genau, dass ich, solange der Pussycat Club geöffnet ist, anwesend bin: entweder in dem Cat’s Room genannten Raum, in dem ich Gäste privat empfange, oder in meinem Büro, von dem ich das Geschehen im Club beobachten kann, manchmal an der Bar – und in seltenen Fällen, nur an besonderen Abenden, auf der Bühne.
Bei meiner Ankunft vor etwa sechs Stunden war ich Cat Black, so wie man sie kennt. Jetzt habe ich glänzende Augen und geschwollene Lippen, die ich zwar mit Lippenstift bedeckt habe, aber einen Experten wie Sebastián Còrdoba kann ich nicht hinters Licht führen. Hollywoods ehemaliger Pornostar erkennt eine Frau, die fantastischen, intensiven Sex hatte – noch dazu mit zwei Männern, die sie auf jede nur erdenkliche Art befriedigt haben – sofort.
Seine dunklen Augen blitzten auf, als ich mit etwas unsicheren Schritten durch die Tür kam. Nicht, weil ich es plötzlich verlernt hatte, mit High Heels zu gehen, sondern da mich meine Beine nicht so richtig tragen wollten. Der heimtückische Überfall der beiden Männer, ihre Hände auf und ihre Schwänze in mir, hatte meine sorgsam gehütete und intakte Schutzschicht angekratzt und mich mental und physisch an meine Grenzen gebracht.
Jetzt liegt meine linke Hand auf dem goldgemaserten Marmor des Tresens neben dem Teller mit einem Stück Geburtstagstorte. Im Gegensatz zu den Pussycats und den anderen Mitarbeitern, die sich mittlerweile fast alle verabschiedet haben, fehlt nur ein kleiner Bissen. Ich habe einfach keinen Hunger, sehne mich nur nach den schützenden vier Wänden meines Appartements und meinem Bett. Doch anstatt mich – wie sonst immer – auf den Weg zu machen, liegt meine Hand auf dem marmornen Tresen und ich rühre mich nicht vom Fleck. Nur ich weiß, dass dies keine beiläufige Geste ist, sondern die einzige Möglichkeit, mir Halt zu geben. Damit ich mich nicht einfach fallen lasse. Das leichte Beben meiner Schenkel, meine harte, wunde Klit, das Pulsieren zwischen meinen Beinen – ich fühle mich immer noch … erfüllt. Von den beiden Männern, die mich nahezu rücksichtlos genommen und befriedigt hatten. In SEINEM Namen.
»Komm, ich bringe dich zu deinem Wagen.« Sebastián nimmt mir das Glas aus der Hand und legt seinen Arm um meine Mitte. »Oder soll ich dich nach Hause fahren?«
Ich wende ihm mein Gesicht zu und sehe ihn irritiert an. Dann schüttle ich vehement mit dem Kopf.
»Keine privaten Kontakte außerhalb des Clubs«, beschwichtigt er mich. »Deine eiserne Regel, ich weiß. Ich wollte dich ja auch nur heimbringen, weil du so aussiehst, als ob du nicht mehr fahren solltest.«
Mein Kopf bewegt sich immer noch hin und her, langsamer nun, als ob er auspendeln müsste.
»Ich habe nichts getrunken«, sage ich müde, doch es klingt, als ob ich mich verteidigen wollte. »Nur das halbe Glas Champagner vorhin.«
»Aber du hattest Sex. Das erste Mal seit einer Ewigkeit. Und der wirkt wie eine Droge. Glaube mir, ich weiß, wovon ich rede!«

Im Kindle-Shop: Pussycat Club: Verbotene Sehnsucht
Für Tolino: Buch bei Hugendubel

Mehr über und von Monica Bellini auf ihrer Website.