31. März 2021

'Das Schaf Lydia und das Meer' von Barbara Zimmermann

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Der Schäfer Herr Schafkopf ist sehr glücklich. Er verbringt den ganzen Tag mit seinen geliebten Tieren, der Schafdame Lydia und dem Esel Rasputin, auf der Weide. Lydia ist ein besonderes Schaf. Sie liebt nämlich die Farbe Lila und das Meer.

Die Weide wird den beiden Freunden bald zu langweilig. Sie wollen ans Meer, komme was wolle! Auf dem Weg dorthin bleiben Lydia und Rasputin allerdings nicht allein.

Vorlesebuch für Kinder von 3-6 Jahre, illustriert von Maike Kliche.

Anleser:
In einem kleinen Haus am Wald nahe der Ostsee wohnte der alte Schäfer Herr Schafkopf mit seinem Esel und einem alten Schaf. Das Schaf nannte er Lydia und den Esel Rasputin.
Lydia war schon sehr alt. Auch der Schäfer war schon sehr alt.
Obwohl Lydia alt war, war sie sehr eitel.

Blick ins Buch (Leseprobe)

30. März 2021

'Die Eichenthron Annalen - Band 2: Die Gefüge der Macht' von P.G. Connor

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"Kennst du den Schmerz, wenn dir der Mut fehlt? Wenn Verzweiflung dich durch das Tal der Tränen führt? Wenn alle Hoffnung verfliegt wie ein verwelktes Blatt im Wind? Das ist der Ruf des Schicksals und Helden können ihn hören."

Karis Versagen lastet schwer auf ihr. Sie will Dun verlassen, denn alle Hoffnungen auf Sieg und Frieden sind in der Schlacht am Talos hinweggefegt worden. Nur eine kleine Schar Rebellen kämpft noch auf verlorenem Posten. Sie verhindern Karis Heimreise, während die Gegner insgeheim die Invasion vorbereiten. Dun kann dieser Streitmacht nichts entgegensetzen. Die Banner liegen darnieder. Doch nicht immer ist, was scheint, und der Samen der Hoffnung keimt auch auf ausgelaugtem Boden.

Der zweite Teil des High-Fantasy-Epos "Die Eichenthron Annalen".

Mehr Infos:

Anleser: Blick ins Buch (Leseprobe)

Die Musik zum Buch: Die Eichenthron-Annalen (Novel Soundtrack)

Buchtrailer:

'Der Verlorene Sektor: Die Beschützer' von Nicole Sälzle

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Der Alte Ruhm hat es geschafft: Xeltor ist zurück. Noch flüstern die Bewohner der Galaxie seinen Namen. Sie können nicht glauben, dass eine Bedrohung ihre Schatten voraus wirft, die sie lange Zeit nur aus Legenden kannten und als Märchen abtaten. Bis er mit voller Wucht zuschlägt.

Zahlenmäßig deutlich unterlegen konzentrieren sich die Protectors auf ihre größte Stärke: Aus dem Verborgenen fügen sie Xeltor und dem Alten Ruhm Schaden zu, um seine Bestrebungen, die Dimensionen auf Kosten von Abermilliarden Leben zu einen, aufzuhalten.

Doch der Feind schläft nicht und je schwerer die Entscheidungen sind, die die Protectors treffen müssen, desto stärker werden die Konflikte innerhalb des Teams. Als Kay begreift, dass sie alle nur Teil eines größeren Plans sind, ist es fast zu spät …

Band 2 der Reihe "Der Verlorene Sektor".

Anleser:
Mit gekonnten Handgriffen überprüfte er die Waffen, ehe er sie in die dafür vorgesehenen Holster steckte. Zwei GeX und sein Schwert, ebenso zwei große Kampfmesser und ein wesentlich handlicheres Taschenmesser stellten seine ständigen Gefährten dar. Diverse andere kleine Helfer versteckten sich in seiner Ausrüstung, jederzeit gut zu erreichen und doch für Fremde unscheinbar bis unsichtbar.
Er prahlte nicht mit den Waffen, aber, wenn nötig, verhalfen sie ihm dazu, sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Insbesondere in diesem Teil der Galaxis.
Ehe er das Schiff verließ, kehrte er ins Cockpit zurück, fuhr das System runter und schritt eilig die Rampe hinab. Dabei hatte er es nicht eilig. Im Prinzip verfügte er über alle Zeit der Welt. Ungebunden. Seines Auftrages beraubt. Seines Berufes beraubt. Seines Lebens beraubt. Seiner Familie beraubt.
Dieser erbarmungslos pochende Schmerz in seiner Brust glich einem wilden Tier, das ihm ein Stück Fleisch bei lebendigem Leib herausriss. Gedanken suchten ihn heim, in denen seine Familie inmitten eines Blutbads Opfer eines tot geglaubten Feindes wurde. Eines Feindes aus den eigenen Reihen. Er versuchte, diese Gedanken wieder und wieder von sich zu schütteln. Jetzt konnte er sich nicht erlauben, dass sie Besitz von ihm ergriffen. Nicht jetzt. Mehrmals tief durchatmend ließ er die Saviour hinter sich, ein prächtiges Schiff der Desanach-300-Klasse, dessen Ausstiegs- und Laderampe unterhalb des Cockpits und zwischen den beiden mächtigen Triebwerken platziert und somit nach vorn ausgerichtet war. Ein Schiff, das seinem Namen alle Ehre machte.
Schon mehrfach hatte ihm diese Schönheit das Leben gerettet, obwohl sie vor Jahren auf dem Schrottplatz darauf gewartet hatte, in ihre Einzelteile zerlegt zu werden. Was für eine Schande. Nach einigen einfachen Reparaturen war sie voll und ganz flugtauglich gewesen und vielleicht würde sie ihrem Namen ja erneut gerecht werden.
Wenn sie dort draußen waren, dann fand er sie. Dann rettete er sie, selbst wenn er sie Xeltors Fängen selbst entreißen musste.
Braigh zog zwei Discs aus der Gürteltasche und warf sie dem Mann im Dock zu. Die gängige Währung in dieser Galaxis sollte auch auf B’hanak akzeptiert werden. Davon ging er jetzt einfach mal aus.
»Wenn das Schiff bei meiner Rückkehr noch heil ist, gibt’s das Fünffache.«
Obwohl er selbst nicht viel bei sich trug, wollte er den Mann für seine Arbeit reichlich belohnen. Er konnte es sich nicht leisten, sich die einzige Hoffnung auf ein neues Leben unter dem Hintern wegklauen zu lassen. Dabei, so ertappte er sich schon wieder beim Grübeln, hatte er sein altes Leben noch nicht hinter sich gelassen. Das wollte er auch gar nicht. Einen solchen Tag konnte man nicht vergessen, eine solche Schandtat.
Läge es in seiner Macht, Xeltor zu besiegen, würde er sich ihm stellen. Derzeit lag dieses Ziel außerhalb seiner Reichweite. Er käme weit, aber nicht weit genug. Nicht allein. Niemand nahm es allein mit einer Armee auf. Der Dockmitarbeiter nickte eifrig, steckte die Discs tief in die Tasche, damit sie ihm bloß keiner nahm und richtete sich auf, als ob er sich damit einen besseren Blick auf die Ereignisse rund um die Saviour verschaffen wollte.
Selbstbewusst verließ Braigh den Raumhafen. Er gab sich als Söldner aus. Nicht, weil er scharf darauf war, sich einen gewissen Ruf zu erarbeiten. Nein. Erfahrungsgemäß kamen Söldner in diesen Regionen stets an die gewünschten Informationen. Seine durch jahrelanges Training erarbeitete Statur trug zu seinem Auftreten als Söldner bei, ebenso die Bewaffnung, die er sich zu Nutze machen wollte, ohne ein Blutvergießen zu seinem Ziel zu erklären.
Zielsicher schlenderte er auf die Bar zu, die ihm sein Kontakt genannt hatte.
Nur keine Eile. Nur keine Eile. Du stehst nicht unter Zeitdruck, redete er sich in Gedanken ein. Dabei fühlte er sich an seinen ersten Ausbildungstag erinnert.
Bis die jahrelange Routine wieder einsprang. Er prägte sich das Aussehen der Bar bis ins letzte Detail ein: die dumpfblaue Wandfarbe, das runde Dach, den silberfarbenen Eingang und die schwarzen Fensterläden. Die Bars hier besaßen keine Namen. Auf B’hanak war es stattdessen Brauch, Gebäude ausführlich zu beschreiben. Wer brauchte schon Straßennamen, Hausnummern oder gar einen Namen für eine Bar? Total überflüssig. Vor allem bei dieser stylischen Gestaltung.
Ein Blick zum Türsteher genügte und der Kerl wollte nichts von ihm wissen. Er verharrte dennoch kurz im Türrahmen bis sich seine Augen an die dunkle Umgebung gewöhnten. Dann ließ er den Blick aufmerksam schweifen. Die unterschiedlichsten und unmöglichsten Gestalten tummelten sich hier. Über einem Feierabendbier oder einer kühlen, alkoholfreien Erfrischung, weil es gleich zum nächsten Job weiterging. In manchen Ecken saßen sie und schliefen am Tisch. Zu viel Alkohol oder zu viele Arbeitsstunden mochten der Grund sein. Vielleicht auch beides. Andere unterhielten sich angeregt mit einem Geschäftspartner – und, ja, sogar das eine oder andere Date fand in diesem unglaublich romantischen Umfeld statt. Die Augenbrauen hochgezogen lenkte Braigh seine Aufmerksamkeit weg von dem flirtenden Pärchen und hin zur Bar.
Von seiner Kontaktperson fehlte jede Spur. Bislang.

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29. März 2021

'Die Eichenthron Annalen - Band 1: Das Wispern der Seelen' von P.G. Connor

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"Nimm ihnen alles, was sie lieben, und du wirst ihr wahres Ich kennenlernen."

Ein alter Volksglaube besagt, dass Seelen lebendiger Wesen sich verbinden können. Zum Guten oder zum Bösen. Kari und Aran sollten sich nie begegnen. So war es vorhergesehen. Doch die Sturheit der furchtlosen Leibwächterin und der Mut des geheimnisumwobenen Seefahrers verknüpfen ihr Schicksal mit dem des Reichs Arturias. Plötzlich richten sich Augen dunkler Mächte auf sie, denen sie hätten verborgen bleiben müssen. Pläne geraten ins Rollen, die besser geruht hätten. Kari und Aran steht ein Kampf bevor, den sie alleine nicht gewinnen können. Zeitgleich tritt eine mystische Urgewalt aus den tiefen Fehnwäldern des Westens hervor, die nur ein mächtiger König bändigen kann. Doch den gibt es schon lange nicht mehr. Um die Zerstörung Arturias zu verhindern, müssen Kari und Aran Entscheidungen treffen, die den höchsten Preis einfordern wird.

Der erste Teil des High-Fantasy-Epos "Die Eichenthron Annalen".

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Anleser: Blick ins Buch (Leseprobe)

Die Musik zum Buch: Die Eichenthron-Annalen (Novel Soundtrack)

Buchtrailer:

26. März 2021

'Ein klein wenig Himmel' von Sabine Buxbaum

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Vanessa hat mit gerade einmal Mitte zwanzig bereits mit ihrem Leben abgeschlossen. Nachdem sie zwei Jahre wegen Mordes an ihrem Vater im Jugendgefängnis gesessen hat, versucht sie vergeblich, ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Sie torkelt von Job zu Job und hat das Gefühl, von ihrer Vergangenheit und den schrecklichen Erlebnissen in ihrer Familie verfolgt zu werden. Doch sie erhält eine letzte Chance: Sie kann eine soziale Ausbildung in einem abgelegenen Kloster beginnen.

Nach anfänglichen Zweifeln rafft sie sich auf und muss bald erfahren, dass es nicht die anderen Menschen sind, die ihr Steine in den Weg zum Glück legen, sondern vor allem sie selbst. Erst als sie in der Lage ist, Vertrauen zu sich und anderen zu fassen, kann sie dem Teufelskreis entfliehen. Dabei sind ihr nicht nur ihre neuen Freunde behilflich, sondern vor allem die Lehrer, die sie während ihrer Ausbildung betreuen. Sie haben etwas Himmlisches an sich, das Vanessa zunächst nicht zuordnen kann, doch als sie und der Betreuer Adriel sich näherkommen, offenbart sich das Unglaubliche: Sie ist ihrem ganz persönlichen Engel begegnet. Doch die verbotene Liebe steht unter einem dunklen Stern.

Anleser:
Kurz vor neun begab sich Vanessa zu den Schulklassen. Auch wenn das Internat viele Gänge hatte und ihr die Orientierung schwerfiel, fand sie doch schnell hin, weil alles gut beschriftet war.
In der Klasse hatte jeder Schüler einen eigenen Tisch, was Vanessa als angenehm empfand. Ansonsten war die Klasse konzipiert, wie es für eine Schule typisch war. Es gab eine Tafel, eine Leinwand und das gefürchtete Schreibtischpult der Lehrer. Vanessa setzte sich in die letzte Reihe. Andrea nahm am Nebentisch den Platz ein. Pünktlich um neun Uhr betraten Xathanael und Adriel das Klassenzimmer. Während Adriel entspannt wirkte, blieben Xathanaels Gesichtszüge streng.
„Ich denke, wir fangen mal mit einer Vorstellungsrunde an“, schlug Adriel vor, was Vanessas Herzschlag beschleunigte. „Erzählt euren Mitschülern etwas über euch!“
Oliver, der in der ersten Reihe saß, stand auf und begann mit seiner Vorstellung. Er erzählte nahezu seine ganze Lebensgeschichte. Vanessa erfuhr über die Vorstellungsrunde, dass alle über die Arbeitsvermittlung zum Kurs kamen. Wie vermutet hatten die meisten einen einwandfreien Leumund und keine großen Skandale hinter sich. Ein beklemmendes Gefühl stieg in ihr auf. Dann war sie an der Reihe, sich vorzustellen. Sie zögerte. Ihre Hände waren in der Zwischenzeit schweißnass und zitterten. Alle Augenpaare waren auf sie gerichtet. Nein, sie konnte einfach nicht! Sie wollte das alles nicht noch einmal durchmachen. Also sprang sie auf und stürmte aus der Klasse. Sie vernahm noch die aufgebrachten Stimmen der anderen, doch sie lief die Gänge entlang, bis sie endlich einen Ausgang fand. Sie rannte in den Park, einfach geradeaus, ohne ein Ziel zu haben. Schließlich musste sie anhalten, weil ihr der Atem ausging. Ihr wurde schlecht und beinahe musste sie sich übergeben. Vornübergebeugt kämpfte sie darum, ihre Fassung wieder zu erlangen.
Als sie eine warme Hand auf ihrem Rücken spürte, fuhr sie erschrocken hoch.
Gaviel stand hinter ihr. Sein Ausdruck war freundlich, doch in seinen Augen meinte sie, so etwas wie Mitleid zu erkennen.
„Du bist Vanessa, oder?“ Sie nickte. „Solltest du nicht beim Unterricht sein?“
„Ich kann hier nicht bleiben“, stotterte Vanessa. „Es geht einfach nicht.“
„Komm mit“, forderte Gaviel sie auf. „Setzen wir uns doch einen Moment auf die Bank dort.“
Er zeigte auf eine Parkbank, die unter einer alten ausladenden Eiche stand. Vanessa folgte ihm zögernd.
„Warum willst du hier nicht bleiben?“, fragte Gaviel.
„Ich passe hier nicht hin“, erwiderte Vanessa.
„Wie kommst du darauf?“
Wie viel wusste Gaviel über sie? Sollte sie sich ihm anvertrauen? Warum nicht? Was hatte sie schon zu verlieren? Schließlich hatte sie ohnehin beschlossen, das Internat zu verlassen.
„Ich habe einen Menschen auf dem Gewissen. Ich habe vor zehn Jahren wegen Totschlags zwei Jahre im Jugendgefängnis gesessen. Manche sehen in mir eine kaltblütige Mörderin. Ich möchte nicht, dass diese Leute hier die Wahrheit über mich erfahren. Außerdem ist das kein Ort für eine Verbrecherin. Alle anderen Schüler hier führen ein anständiges Leben. Sie haben sich nichts zu Schulden kommen lassen. Mich für diese Schule einzuschreiben war ein Fehler.“
Gaviel hatte Vanessa aufmerksam zugehört, ohne dabei seine freundliche Miene zu verziehen.
„Ich weiß über dich Bescheid, wie alle Angestellten hier übrigens. Wir haben kein Problem mit deiner Vergangenheit. Ich glaube, dass du das Problem hast. Es ist deine Einstellung. Vor zehn Jahren ist etwas Schreckliches in deinem Leben passiert. Du hast nach all den Jahren noch immer keinen Frieden damit geschlossen. Du bist hängengeblieben. Doch du musst lernen, dich weiterzubewegen.“ Gaviels Stimme war sanft und beruhigend.
„Aber alles hier erinnert mich an das Jugendgefängnis. Alles hier erinnert mich an die Vergangenheit. Ich bekomme keine Luft“, erwiderte Vanessa. Wie konnte sie das Gaviel verständlich machen? Sie hatte etwas erlebt, das sie ihr Leben lang verfolgen würde.

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25. März 2021

'Ein Grab unter Palmen: Nach einer wahren Begebenheit' von Lara Labchir

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Stellen Sie sich vor, Ihre beste Freundin würde sich von heute auf morgen in einen illegal eingewanderten Muslim verlieben und das auch noch Hals über Kopf! Schlimmer noch: Sie will diesen Typen heiraten und vielleicht für immer in sein Heimatland abhauen. Würden bei Ihnen da nicht sofort alle Alarmglocken angehen?

„Mir doch egal, schließlich ist es ja mein Leben!“ ist hierzu die trotzige Meinung von Tinas Mama, die gegen jeden noch so gutgemeinten Ratschlag absolut immun ist: Tinas Mama will nämlich ihr Leben noch so intensiv wie irgend möglich auskosten, denn sie leidet an einem inoperablen Gehirntumor und hat nicht mehr viel Zeit.

Doch durch das Verhalten ihrer Mama lernt Tina etwas sehr Wertvolles für ihr eigenes Leben: Das Leben ist es wert, es bis zum bitteren Ende zu genießen! Denn es ist niemals zu spät, sich noch ein letztes Mal so richtig zu verlieben, sich in ein völlig neues Abenteuer zu stürzen und sein Leben noch einmal ganz von vorn anzufangen.

Tinas totkranke Mutter will unbedingt noch ein letztes Mal heiraten - ausgerechnet ein illegaler Macker aus Marokko soll es sein … Familienkrise!

Eine bewegende Familiengeschichte über die Liebesbeziehung einer totkranken Frau zu einem Ausländer, die mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat. Eine mutige Aussteigergeschichte mit einer abenteuerlichen Reise in ein unbekanntes Land und sogar ein Anhang mit persönlichen Originalfotos … Ein wirklich sympathisches und ehrliches Buch das zeigt wie das Leben so spielen kann!

Hinter dem Pseudonym Lara Labchir steht keine Geringere als Tina selbst, diejenige, die in diesem Roman als die Ältere von beiden Töchtern, die Liebesgeschichte ihrer Mama zu einem Ausländer erzählt und mit diesem Buch eine liebevolle Hommage an ihre leider viel zu früh verstorben Mutter geschaffen hat. Privat macht sich die charmante Augsburger Autorin, die Jahrgang 81 und als Kind eines indischen Vaters groß geworden ist, immer wieder aktiv für den Weltfrieden stark.

Anleser:
Meine Mama hatte ja immer schon eine Schwäche für ausländische Männer.
Schon als Kind verkleidete sie sich im Fasching immer gerne als Funk-Mariechen und tanzte wild zu ungarischer oder indianischer Musik. Das hatte mir zumindest meine Oma damals erzählt. „Keine Ahnung woher das Kind diese Leidenschaft hat. Von uns jedenfalls nicht!“ hatte Oma kopfschüttelnd dazu gemeint. (Das war wahrscheinlich auch der Grund warum sie sich wohl damals auch letztendlich in meinen Vater verliebt hatte, ein Inder, den sie dann sofort heiratete.)
Doch nach der Scheidung von meinem Papa (der kurz danach blöderweise auch noch an einem Unfall verstarb!) und dem Auszug ihres „Nesthäkchens“ (meiner um vier Jährchen, jüngeren Schwester, die mit einer Freundin eine WG gegründet hatte) war meine Mama plötzlich mit einem Schlag allein und sie musste sich wohl sehr einsam gefühlt haben.
„Na, das ist eben nun mal so“, versuchte meine Mama es mit Humor zu nehmen, „die Kinder werden eben erwachsen und haben das Recht auf ihr eigenes Leben und sicherlich bin ich nicht die einzige Frau auf der Welt, die jemals geschieden wurde. Das ist doch heutzutage modern ein Single zu sein!“
In dieser Zeit traf sie sich immer mal wieder hier und da mit ein paar Männern (meist waren es Südländer die etwas jünger als sie waren), aber es wurde nie etwas Ernsteres daraus.
„Das gibt sich schon wieder, sie ist halt bloß in ein tiefes Loch gefallen und muss jetzt einfach nur ihr Ego streicheln.“ war die Meinung meiner Oma zu ihren wechselnden Affären.
Dass meine Mama jedoch eines Tages aber auch noch einen Marokkaner anschleppen würde den sie dann unbedingt heiraten will, das hätten wir alle ihr allerdings wirklich niemals zugetraut!
Eigentlich fing alles ja damit an, dass die Ärzte bei meiner Mama schon seit längerem einen unheilbaren Gehirntumor festgestellt hatten und jeder von uns anders mit dieser Gewissheit umging. Während nämlich meine Mama auf einmal Angst bekam, dass ihr die Zeit davonrennen würde, machten meine Schwester und ich mir ständig Sorgen um sie sobald sie mal nicht ans Telefon ran ging oder wir sie nicht zu Hause antrafen. (Einmal hätten wir sogar fast noch die Polizei nach ihr suchen lassen, als sie mal wieder einige Nächte lang verschollen war!) Doch das hielt meine Mama keinesfalls davon ab noch einmal so richtig neu aufzuleben…
„Keiner weiß, wie lange ich überhaupt noch lebe. Ich muss eben mit der Krankheit leben und will mein Leben einfach noch ganz bewusst genießen. Also nervt mich nicht mit eurem ständigen und blöden Angstgemache! Ihr seid schließlich über Achtzehn und ich bin ein freier Mensch!“ ist ihre klare Ansage als ich eines Morgens bei ihr frühstücke. (Ich bin damals genau in der Wohnung gegenüber von Mamas Wohnung eingezogen, so dass wir Nachbarinnen geblieben sind und uns fast täglich gesehen haben.)
„Mama, ich verstehe dich ja. Es ist nur, dass wir uns halt Sorgen um dich machen.“ rede ich mit ruhigen Worten auf sie ein. Doch davon will sie nichts wissen.
„Schau mal wie viel ich abgenommen habe!“ meint sie jetzt stolz und steht auf, um mir ihre makellose Figur zu zeigen. „Ich passe mittlerweile sogar wieder in meine alte Lieblings-Jeans rein, die ich schon vor zwanzig Jahren so gern getragen habe. Toll, nicht?“
Sie dreht sich vor mich hin und her und setzt sich dann wieder lachend auf den Stuhl.
Ich schaue sie nachdenklich an, wie sie da so vor mir sitzt: Mitte Vierzig, blaue Kinderaugen, langes blondes Haar, zierlich und immer irgendwie happy. (Obwohl sie eigentlich vielmehr Gründe hätte alles andere als stets gutgelaunt zu sein…)
Obwohl ich mit meinen vierundzwanzig Jahren ja eigentlich die Jüngere von uns beiden bin, wirkt sie auf mich mal wieder wie ein naives „Blondchen“, ein gebrechlicher Engel, der gerade dazu im Stande ist sich gutgläubig an jeden noch so kleinen Notnagel zu hängen und den man unbedingt vor den egoistischen Interessen böser Männer und gestörter Freaks beschützen muss.
„Erst gestern hat mich wieder so ein Typ auf Dreißig geschätzt! Der sah vielleicht super aus, sag ich dir! So richtig schön braungebrannt war der und diese schwarzen Augen erst, der Wahnsinn! Der wollte mich gleich mit in seine Bude nehmen und mit mir einen Kaffee trinken! Aber ich glaube, der war mir dann doch etwas zu jung.“ Sie kichert jetzt und ich versuche es mir nicht anmerken zu lassen, dass ich ihre Begeisterung nicht teilen kann.
„Sag mal, Mama, du weißt aber schon dass der Kerl dir daheim nicht einfach nur seine Briefmarkensammlung zeigen wollte, oder?“ Etwas beleidigt schaut sie mich nun an.
„Meine Güte Tina, Kind, der fand mich eben attraktiv. Also ich fühle mich da schon geehrt, wenn mir ein junger Mann so ein Angebot macht.“ Ich rolle mit den Augen.
„Also ich würde mich ja alles andere als geehrt fühlen, wenn mich ein Fremder gleich in die Kiste ziehen will!“ (Vielmehr „billig“, aber das sage ich Mama natürlich nicht, ich will sie ja nicht kränken!) Wahrscheinlich hätte Mama noch etwas dazu gesagt, aber zum Glück klingelt in diesem Moment ihr Telefon. Es ist meine Oma, der sie sofort und noch dazu ganz stolz dieselbe Geschichte auftischt. Doch ich schätze, dass meine Oma die freche Anmache von Mamas ach so tollen Typen ähnlich wie ich sieht, denn auf einmal höre ich meine Mama lauthals in den Hörer brüllen: „Mama, ich habe zwei Kinder großgezogen! Glaubst du nicht, dass ich schon selbst weiß was ich so tue?“
Wütend knallt sie den Hörer auf die Gabel und schmollt. Ich seufze.

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24. März 2021

'Die Strategie zum Glück' von Michael A. Hoffmann

Kindle | Tolino
Entdecken Sie die DNA Gottes im Menschen, das Geheimnis wahrer Selbstliebe und die Grundlagen für ein Leben voll von Erkenntnis, Zufriedenheit und Spiritualität

Sie suchen nach einer Strategie, die Sie endlich auf die Sonnenseite des Glücks führt? Sie sind es leid, dass die schwarzen Spielfiguren des Unglücks maßgeblich das Geschehen auf dem Schachbrett des Lebens bestimmen und Ihren Traum vom Glück bedrohen?

Unglück kann uns in vielerlei Hinsicht treffen: Es verdunkelt unsere Tage in Form von sozialen Konflikten, tiefgreifenden Problemen in Partnerschaft und Beruf, finanziellen Nöten, Erkrankungen oder den drückenden Beschwerden des Alters. Entweder finden Sie sich Ihr ganzes Leben lang damit ab, dass Sie nicht selbst über Ihr Glück entscheiden. Oder aber Sie begeben sich mit Michael A. Hoffmann auf einen Weg, der es Ihnen ermöglicht, künftig selbst über Ihr Glück zu bestimmen.

Der vorliegende Band bildet den Auftakt zu der zweiteiligen Buchreihe Die Strategie zum Glück und lässt Sie in unbekannte Denkwelten eintauchen: Entdecken Sie in Ihrer göttlichen DNA das Geheimnis der Selbstliebe und lassen Sie sich von einem Blind Date mit Gott faszinieren. Ergründen Sie den höheren Sinn des Lebens und aktivieren Sie das ungeahnte Potenzial Ihrer Persönlichkeit, um zu mehr Erkenntnis, Spiritualität, Zufriedenheit und Erfolg zu gelangen.

Anleser:
Wenn die Sonnenstrahlen im Oktober flächendeckend auf Wiesen und Wälder fallen und den Landschaften einen goldenen Schimmer verleihen, verspüren nicht nur Maler, Dichter und Fotografen das Bedürfnis, die einzigartige Stimmung dieser Augenblicke einzufangen. Es ist eine Zeit der Schwebe, die noch an den vergangenen Sommer erinnert und gleichzeitig doch schon die kalte Jahreszeit ankündigt.
Wenn wir an diesen Tagen in der freien Natur spazieren gehen und sich das weiche Licht wärmend auf unsere Haut legt, wissen wir bereits, dass es sich dabei um ein scheidendes Gut handelt, das schon bald einer deutlich raueren Witterung weichen wird.

Von ebenso flüchtiger Natur wie die verbleibenden Strahlen der Herbstsonne kann sich auch das Glück zeigen, das wir häufig nur zu gern festhielten, wenn wir dazu in der Lage wären.
Erleben wir eine lang anhaltende Phase, in der in unserem Alltag alles nach Wunsch verläuft, geht uns mit der Zeit verhängnisvollerweise oftmals das Gefühl dafür verloren, dass das Glück genauso unbeständig sein kann wie die Witterung an einem späten Oktobertag, an dem heiteres Wetter unversehens in sein Gegenteil umzuschlagen vermag.
Genauso schnell kann ein einzelnes Ereignis unsere Welt von heute auf morgen verändern und nichts mehr so sein lassen, wie es einmal war. Tiefe Einschnitte in unser Leben können uns auf bittere Art und Weise zeigen, dass es oft nicht wir allein sind, die über unser Wohl und Weh entscheiden.

In solchen Augenblicken lässt sich erkennen, dass unsere Möglichkeiten auf dem Spielfeld des Lebens trotz des immensen technischen Fortschritts der vergangenen Jahrzehnte und des beachtlichen Wissensstandes, den die Menschheit im Laufe der Zeit angesammelt hat, ähnlich begrenzt sind wie die Züge der Bauern im Schach, wo weit mächtigere Spielsteine wie die Dame, die beiden Türme oder der erhabene König maßgeblich das Spielgeschehen bestimmen.
Immer wieder bekommen wir es in unserem Alltag mit herausfordernden Problemen zu tun, die manchmal kleinerer, manchmal größerer Natur sind und die uns bisweilen sogar zu überwältigen drohen. Dabei kann es sich um zwischenmenschliche Konflikte, Probleme in Partnerschaft oder Beruf, um finanzielle und gesundheitliche Nöte oder um die drückenden Beschwerden des Alters handeln.
Entweder finden wir uns tatenlos damit ab, dass äußere Erscheinungen über unser Geschick entscheiden. Oder aber wir begeben uns auf die Suche nach einem verborgenen Weg, der uns so tief in das Zentrum unserer Existenz hineinführt, dass es uns durch die konsequente Weiterentwicklung des eigenen Ich möglich wird, selbst über unser Glück zu bestimmen und auf dem Schachbrett des menschlichen Daseins von abhängigen Bauern zu selbstbestimmten Königinnen und Königen zu werden.

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22. März 2021

'Sonntags kommt das Alien (Soontown 1)' von Clark C. Clever

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Clark C. Clever
Kalifornien 2068: Ellen und Ricco sind einer Ufo-Landung auf der Spur. Doch im Herbstwald schleicht mehr als nur eine fremde Spezies herum. Bald liegt eine Leiche im toten Laub. Der alte Hank verschwindet, ein E-Roller wird geklaut, die Leute reden. Soontown ist in Gefahr und das FBI ratlos.

Schräge Science-Fiction aus der nahen Zukunft einer amerikanischen Kleinstadt.

Anleser:
Am Dienstag lief Hank Borrows seine Runde mit dem Hund. Es war schon dunkel, Donner grummelte in der Ferne. Hank kümmerte das wenig. Jip musste schließlich raus, egal, ob am Tag oder abends, ob bei Sonnenschein oder wenn die Welt unterging, was sie nun, im Indian Summer, ja gerne mal tat. Sturmböen kämmten durch die Baumkronen, Hanks Runde führte durch den Wald. Jip, der Cocker-Sonstwas-Mischling, lief ohne Leine. Der Hund war in die Jahre gekommen und stocktaub, das Gewitter ließ ihn kalt. Hank wusste, dass der Wald bei diesem Wind nicht der ideale Aufenthaltsort war, doch er war davon überzeugt, dass Jip und ihm schon kein Ast auf den Kopf fallen würde. Er hatte in seinem Leben schon genug Pech gehabt, das Maß war voll, mehr passte nicht rein. Hank war geschieden, arbeitslos, und vor einem Monat hatte sein Arzt Parkinson bei ihm diagnostiziert. Immerhin hörte er noch etwas, da war er Jip gegenüber klar im Vorteil.
Er hörte den Knall – so laut, dass die Bäume erzitterten.
Hank zuckte mächtig zusammen. Junge, war das ein Rumms gewesen! Aber wie ein Donnerschlag hatte sich das eigentlich nicht angehört. Durch eine lichte Stelle unter dem Blätterdach spähte er in den Gewitterhimmel hinauf. Die Wolkendecke war in Bewegung, mehrere Schichten übereinander, jede davon in eine andere Richtung unterwegs. Verrückt war das. Skylar, sein Nachbar, musste ihm mal erklären, wie das möglich war. Skylar war Lehrer für Erdkunde und Philosophie und wusste solche Dinge. Meteorologie. Thermik. Physikalische Phänomene auf der Erde. Manchmal unterhielten sie sich über so etwas. Hank hatte zwar keinen Job, aber er war deshalb ja nicht blöd. Ihn interessierte Physik, auch, wenn er sie nicht immer verstand. Vielleicht gerade deswegen. Man wuchs schließlich an seinen Herausforderungen.
Am liebsten sprach er mit Skylar über den Weltraum, über die Sterne, über schwarze Löcher und fremdes Leben da draußen. Das war immer so erhebend. Hank kam sich dabei mit seinem irdischen Pech dann nicht mehr so bedeutend vor, ihm wurde leichter zumute. Wenigstens, bis er die Kneipe verließ und wieder zuhause ankam, meistens mit Skylar zusammen. Hank hatte Skylars Einliegerwohnung gemietet. Der Lehrer war ein korrekter Bursche, er machte nie Ärger, obwohl Hank vier Monatsmieten im Rückstand war. Noch während er im Bett lag und auf Schlaf hoffte, gingen ihm an solchen Abenden ihre Gespräche über Asteroiden, ferne Galaxien, interstellare Reisen und Marsmenschen durch den Sinn. Manchmal las Hank dann noch etwas in der Richtung – nichts Wissenschaftliches, nur Spannungslektüre, aber immerhin. Jip war in der Regel schneller weggenickt als er, am Fußende, eine übergroße Wärmflasche, die nie erkaltete.
Die Wolkenformationen waren wirklich sehenswert. Vor allem, wenn in den höheren Lagen ein Blitz aufflammte wie einmaliges Stroboskopleuchten. Ein Wimpernzucken lang bekam der Nachthimmel dadurch eine dramatische, plastische Tiefe. Der Rumms vorhin musste ein Blitz gewesen sein, der den Weg zur Erde gefunden hatte. Es hatte eingeschlagen im Wald, dem Krach nach zu schließen gar nicht weit von hier. Da hatte sicher ein Baum dran glauben müssen. War das spannend! Hank fühlte sich bestens unterhalten, und diese spätabendliche Show in der Natur kostete ihn keinen Penny.
Jip war ein Stück vorgelaufen. Er sah den Hund wie einen Schatten im Unterholz, ein schwarzer Schemen mit neonpink leuchtendem Halsband, inklusive Funkortung auf fünfzig Metern. Nur ein billiges Werbegeschenk. Zusätzlich verfolgte Hank Jip mit seiner Gassi-Taschenlampe, bis der Mischling verschwunden war. Dann steckte er die Funzel weg und pfiff auf zwei Fingern. »Hieeerher!« Hören konnte Jip ihn zwar nicht mehr, aber alte Gewohnheiten waren nun mal schwer abzulegen. Er knipste die Taschenlampe wieder an und folgte seinem vierbeinigen Freund tiefer in den Wald. Verlieren würden sie sich nicht, sie gingen ja immer dieselbe Route, und aus dem Alter, wie wild einem Fuchs oder Hasen nachzujagen, war Jip schon lange raus.
An der Lichtung mit dem Picknicktisch und den Bänken wartete der Hund auf ihn, um sein traditionelles Zwischendurch-Leckerli in Empfang zu nehmen. Hank schaltete die Lampe aus und legte den Kopf in den Nacken. Hier hatte man einen freien Blick ans Firmament. Der nächste Blitz ließ nicht lange auf sich warten. Gedankenschnell erhellte er das reinste Hochhaus aus Wolken, einen wabernden, ausgefransten Turm, der nach Hanks Schätzung bis hinauf in die Stratosphäre reichte, was nach Skylars Worten schon ziemlich hoch war. Während Jip kaute, schraubte Hank den Flachmann auf und gönnte sich ein Schlückchen. Und noch eins, weil er trotz Unwetter so wacker hier draußen mit dem Hund ...
Fast hätte er den Schnaps vor Schreck in die Gegend geprustet.
Eine Formation dunkler Punkte verließ den Wolkenturm, ein weiterer Blitz hatte oben das Licht angeknipst. Und schon wieder aus.
Allmächtiger! Was war denn das gewesen? Mindestens ein halbes Dutzend Flugobjekte, sehr hoch, oder sehr klein. Gedrungen, mehr Frisbee-Scheiben ähnlich als Düsenjets. Frisbees mit flacher Nase und rundem Heck.
Hank ließ den Flachmann sinken, starrte gebannt empor. Da! Der nächste Blitz! Endlich! Gerade eben noch sah er das letzte Was-auch-immer-es-War am Himmel in einer weiteren gigantischen Wolkenmasse verschwinden. Er hatte sich das nicht eingebildet.
Mannomann! Das wurde ja immer besser!
Der Donner klang jetzt schon näher. Mit zittrigen Fingern schraubte Hank den Stöpsel zurück auf den Flachmann. Er zitterte öfter in letzter Zeit. Der Arzt sagte, das wäre Teil der Krankheit. Jetzt kam noch die Aufregung hinzu.
Hank fuhr fort, den Gewitterhimmel zu beobachten. Als das Blitzlicht in den Wolken wieder für eine Zehntelsekunde an ging, waren da oben keine Frisbees mehr zu sehen. Und aus. Und wieder an. Und aus. Nein, es war gewiss: Da oben war nichts mehr. Aber er, Hank Borrows, hatte es mit eigenen Augen gesehen.
Und die Show war noch nicht vorbei. Als Hank den Blick von dem Nachthimmel löste, fiel ihm das Flackern zwischen den Bäumen auf.
Feuer!
Der gewaltige Rumms vorhin. Es hatte tatsächlich eingeschlagen!
Dann kam ihm ein anderer, kühnerer, noch viel aufregenderer Gedanke. Was, wenn eines dieser Frisbee-Dinger oben im Gewittersturm abgeschmiert war? Wenn ein Blitz so ein Ding getroffen und außer Gefecht gesetzt hatte? Das Krachen und Splittern vorhin war ganz schön mächtig gewesen, hatte womöglich noch bis zum Waldrand gehallt, wo die ersten Häuser standen. Zu mächtig vielleicht für einen Baum ...
Hanks Entschluss stand fest: Er musste da hin, wo es brannte. Musste dem auf den Grund gehen, auch, wenn die Stelle abseits seiner gewöhnlichen Route lag, querfeldein. Vorsichtshalber leinte er Jip an, schaltete die Taschenlampe wieder ein und machte sich auf den Weg, auf das rötliche Flackern zu. Dabei fummelte er an seiner Innentasche herum. Mist! Sein HoloCom stand zuhause in der Ladestation. Was immer er hier draußen finden würde, er konnte jetzt niemanden per Mobilfunk verständigen, auch nicht die Polizei. Konnte keine Hilfe herbei rufen. Hank Borrows und sein tauber Hund waren auf sich gestellt – alleine gegen das Unbekannte.
Das war mal was! Ein richtiges Abenteuer! Fast, wie in seiner Science-Fiction-Einschlaflektüre.
Der Schnaps stärkte ihn, Angst hatte Hank kaum, trotz Gewitter. Umsichtig bahnte er sich den Weg durchs Unterholz, bog Zweige auf die Seite, machte lange Schritte über modernde Baumreste und vermied es, im spärlichen Schein der Lampe in ein Kaninchenloch zu treten. »Wollen doch mal schauen, was, Jip?«, murmelte er, den Blick auf das unstete Licht zwischen den Bäumen gerichtet. Ein Windstoß trieb ihm den Regen ins Gesicht, er zog den Reißverschluss bis zum Ende hoch und die Kapuze tief in die Stirn. Hank Borrows im tapferen Kampf gegen die Elemente.
Der Mischling schnüffelte herum. Jip hatte nichts gegen die außerplanmäßige Erkundungstour einzuwenden.
Allmählich wurde das Flackern größer. Jetzt erkannte Hank zweifelsfrei, dass es ein Feuer sein musste. Fiebrige Anspannung packte ihn, der Alkohol tat ein Übriges. Weiter! Mit etwas Glück würde er den Jungs in der Kneipe bald richtig was zu erzählen haben.
Eine Ansammlung von Stechpalmen nahm ihm die Sicht, Hank musste etwas hin und her stapfen, ehe er eine passierbare Stelle gefunden hatte. Schon ganz nah jetzt! Er bildete sich ein, bereits die Wärme zu spüren, die von dem Feuer ausging. Die Stechpalmenblätter piekten ihm in die Hände, als er sich durch das Gebüsch schlug. Seine Anspannung war auf Jip übergesprungen, der Hund zog ihn vorwärts, die Nase an die feuchte Erde geheftet, alles aufsaugend, was sich in den Schichten aus Herbstlaub so an Düften verbarg.
Dann hatten sie die Stelle erreicht. Hanks Hand krampfte sich um die Leine. Jip war stehengeblieben, einen Vorderlauf angewinkelt, als wäre er wieder ein junger Rüde.
Es hatte mehr als nur einen Baum erwischt. Eine ganze Schneise hatte es geschlagen, ein paar Buchen waren komplett umgemessert worden. Und da, am Ende der Schneise, steckte es im Mutterboden wie eine riesige schwarze Rübe. An den Rändern der Schneise brannten Zweige und Farngewächse. Ausbreiten würde sich das Feuer nicht, dafür war der Wald zu sehr mit Regen getränkt. Die Furche, die das Wrack gezogen hatte, vertiefte sich im weiteren Verlauf. Der nasse Rumpf glänzte metallisch, als Hank die Taschenlampe darauf richtete.
Eine Weile gaffte er mit offenem Mund. Jip zog nicht mehr an der Leine, das Feuer verunsicherte das Tier. Ab hier sollte lieber Herrchen die Führung übernehmen. Langsam ging Hank näher an die metallene Rübe heran, der Furche folgend, die in der Krume klaffte wie eine offene Wunde. »Heilige Scheiße!«
Als er auf fünf Schritt herangekommen war, hörte Hank ein leises Zischen, wie von einer leeren Dose Sprühsahne, aus der nur noch Luft entweicht, wenn man den Spender drückt. Ihm wässerte der Mund. Vor Aufregung. Und wegen der Parkinson-Krankheit. Der Arzt hatte gesagt ...
Er schob den Gedanken auf die Seite. Unwichtig.
Das hier war ...
Das hier war ...
Das hier war ganz und gar unglaublich! Eine Sensation! Wie oft hatte er mit Skylar und den Jungs bierselig über so etwas fabuliert! Hatte sich ausgemalt, wie es wäre, wenn sie eines Tages einmal tatsächlich Besuch bekämen – Besuch von da oben, aus dem All! Denn dass die Rübe keinen irdischen Ursprung hatte, das stand für Hank fest. Nie zuvor hatte er so eine Bauweise gesehen. Der Antrieb schien zwar am Heck angebracht zu sein, doch bis auf eine Reihe schmaler Schlitze, kaum höher als eine Flasche Budweiser, war in der Außenhaut hinten keinerlei Öffnung zu sehen. Zischen tat es, weil aus der Rübe irgendwo etwas entwich, das unter Druck stand, so viel konnte Hank sich auch mit seinen rudimentären Physikkenntnissen zusammenreimen. Aber sonst ... Kein Dampf, kein Rauch, kein Nebel. Keine Flammen, die aus der von der Bruchlandung verzogenen Metallschale schlugen. Keine Explosionen – so, wie das immer in den Filmen dargestellt wurde, die Hank gelegentlich streamte, immer sonntags, als kleine Belohnung dafür, dass er die Arbeitswoche erfolgreich ohne Arbeit bewältigt hatte. Skylar erlaubte ihm, sein Abo mit zu nutzen, und wenn es um Filme ging, hatten sie ja eine Schnittmenge. Weltraumschlachten. Mondkolonien. Cyborgs. Zoff in Alpha Centauri.
War das spannend!
Auch, wenn die schwarze Metallrübe einfach nur im Boden steckte. Ohne Explosion. Das Feuer entlang der Schneise kapitulierte zusehends vor dem Gewitterregen.
Hank umrundete das Schiff. Besonders groß war es nicht, ragte vielleicht drei, vier Meter aus der Erde. So hoch wie die Stechpalmen, aber niedriger als die anderen, richtigen Bäume ringsum. Die mutmaßliche Führerkanzel verschwand im Humus, eingewühlt wie ein übergroßer Maulwurf. Luken waren keine sichtbar. Dafür blinkten in der vorderen Hälfte mehrere verborgene Leuchtdioden in dem Metall, weiß, nacheinander, im Intervall. Ein sanftes, abgeblendetes Licht, das nun wiederrum ganz gut zu den Filmen passte. Ein kühles, sternenmäßiges Weiß.
Hank schluckte. Machte einen Schritt auf das Licht zu. Schluckte wieder. Noch ein Schritt. Jip ließ ihm bereitwillig den Vortritt, die Nasenflügel des Mischlings bebten. Kein Zweifel: Die Rübe war außerirdischen Ursprungs. Dieses Ding war viel zu cool für etwas, das von der Erde kam. Er war jetzt so nah, dass er es berühren könnte, wenn er die Hand ausstreckte. Nun sah er auch, dass die Reihe aus Leuchtdioden an etwas endete, das ihn entfernt an den Außengriff einer Flugzeugtür erinnerte, eine Art Hebel, aerodynamisch versenkt in der Metallhaut. Ob man das Ding damit öffnen konnte? Vielleicht lag innen ein schwer verletzter Marsmensch über einem geborstenen Armaturenbrett und brauchte seine Hilfe?
Hanks Hand hob sich wie von allein. Verharrte über dem Hebel. War das Ding überhaupt aus Metall? Oder war das ein anderes Material? Es spiegelte das Licht der Taschenlampe, aber auf eine stumpfe Art, als wäre es mit einem matten Lack überzogen, mit irgendeiner Beschichtung.
Der eingelassene Hebel konnte natürlich auch etwas ganz anderes sein, als ein Türöffner. Ein Auslöser. Ein Selbstzerstörungsmechanismus. Gott weiß was konnte geschehen, wenn er jetzt daran herumfummelte. Vielleicht sollte er es besser lassen.
»Jip, alter Junge«, murmelte Hank, wechselte die Lampe in die Hand mit der Leine und kratzte sich den Schädel unter der Kapuze. »Soll ich oder soll ich nicht?«
Der Hund registrierte, dass Herrchen ihn ansah, und kläffte einmal. Klares ›Ja‹. Jip hatte entschieden, was Hank sehr recht war. Es lag ihm nicht so, die Verantwortung zu tragen.
Er berührte den Hebel. Das Material fühlte sich warm an, schon irgendwie metallisch, aber auch anders. Gläsern? In jedem Fall war der Hebel glatter als Hanks Halbglatze. Er spürte sein Herz in der Brust Polka tanzen. Dann betätigte er den Hebel.
Alle Dioden der kühlen Lichterreihe glommen einmal gleichzeitig auf und erloschen.
Hatte ... Hatte er die Rübe deaktiviert?
Ein Summen aus dem Innern wischte seine Annahme vom Tisch. Ganz im Gegenteil: Da war irgendetwas aktiviert worden! Hank nahm die Hand fort. Plötzlich hellte sich die ganze Vertiefung rund um den Hebel auf, wechselte von schwarz zu dunkelblau zu hellblau. Ein geheimnisvolles Leuchten aus dem Inneren des Schiffes. Eine Blende fuhr zurück, und aus der Öffnung, silbrig schimmernd im blauen Schein, kam ein Roboterarm herausgefahren. Ein rotes Licht drang aus der Luke, wie von einem Laserpointer oder einem Zielfernrohr.
Wie in den Filmen.
Hank hatte genug gesehen.
Er war selbst überrascht, wie schnell er mit seiner Diagnose noch laufen konnte, wenn es denn so richtig pressierte.
Sie waren da! Die Aliens! Die Killerroboter! Sie waren gelandet! Und sie waren hinter ihm her!
Jip kam kaum mit, die Leine spannte sich. Jetzt zog der Mensch den Hund, statt umgekehrt.
Weg hier! O Gott! Nichts wie weg!
Blitze zuckten in den Wolken, und der Donner rollte über den Wald. Stechpalmenzweige peitschten Hank ins Gesicht, während er alles aus Lungen und Beinen heraus holte, was sein Körper noch zu bieten hatte. Ein bisschen zu spannend, das Ganze.
Ein bisschen zu real.

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17. März 2021

'Truckerliebe' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Dreams and Love

Tessa starrte Amy mit großen Augen an. »Du willst mir jetzt nicht verklickern, die alte Bissgurke hat uns gemeinsam gekündigt. Es gibt schließlich einzuhaltende Kündigungsfristen.«
Amy schluckte. »Im Prinzip ist das so. Aber das Café brennt.«


Nach dem ersten Schock beschließen die beiden Restaurantfachfrauen, ein paar Tage an die See zu fahren, um sich in Ruhe über ihre berufliche Zukunft klar zu werden, als das Auto auf halber Strecke den Geist aufgibt. Truckerin Margo gabelt sie auf und nimmt sie mit zu 'Joes Old Roadhouse'. Der unter Truckern beliebte Rasthof wird von dem bärtigen Joe geführt, ein Mann wie ein Fels. Der hilfsbereite Lkw-Werkstatt Inhaber Bernie kümmert sich um die Reparatur des Wagens. Das jedoch dauert länger als erwartet – und so bleiben die Mädels bei Joe und helfen dort aus.

Diese Entscheidung wird ihr ganzes Leben verändern.

Anleser:
Tessa setzte ihr Serviertablett unsanft auf der Theke ab und funkelte ihre Kollegin Amy wütend an.
»Echt jetzt, ich hab die Schnauze gestrichen voll«, raunte sie Amy leise zu. »Der Gast von Tisch sieben hat sich bei mir beschwert, weil die Kuchenstücke so klein sind.«
»Wundert dich das? Die Chefin schneidet ja auch unglaubliche sechzehn Stücke pro Torte, normal sind zwölf. Aber bei der Bepreisung ist sie gar nicht schüchtern.«
»Na toll! Und wir kriegen es von den Enttäuschten ab, wir werden angemault. Zu allem Überfluss hat sein Kännchen auch keine zwei Tassen ergeben.«
Amy schüttelte nur betroffen den Kopf. »Und was können wir dagegen tun? Wir sind auf den Job angewiesen.«
»Na, wir haben wenigstens uns«, seufzte Tessa.
In diesem Moment schoss Frau Schnake um die Ecke. »Habt ihr zwei nichts zu tun?« Sie machte eine scheuchende Bewegung. »Tisch sieben will zahlen, seht ihr das denn nicht?«
Tessa schloss für einen Augenblick ergeben die Augen. Tisch sieben! Super! Der Kerl, der sie gerade angeraunzt hatte. Das Allerschlimmste an der Sache war: Er hatte recht.
Mit einem möglichst netten Lächeln startete Tessa in Richtung des unzufriedenen Gastes. In Anbetracht der unangenehmen Situation verkniff sie sich die obligatorische Frage, ob es denn geschmeckt habe.
Der Gast starrte auf die Rechnung, legte einen Zwanziger hin und wartete auf das Wechselgeld.
Hier werde ich wohl kein Trinkgeld bekommen, dachte Tessa frustriert. Doch sie irrte.
»Dürfen Sie Trinkgeld behalten oder müssen Sie es abgeben?«, fragte der Mann mit einem forschenden Blick in Tessas Gesicht.
Ui, der meinte es echt ernst, so besorgt wie er schaute. Somit konnte sie auch ehrlich antworten.
»Meine Kollegin und ich werfen zusammen und teilen es zum Feierabend.«
Er schob ihr drei Euro hin. »Sie beiden scheinen das einzig Vernünftige in dem Laden hier zu sein. Suchen Sie sich einen anderen Job.« Mit diesen Worten stand er auf, griff seine Jacke von der Lehne des Nachbarstuhls und verließ grußlos das Café. Tessa sah ihm verblüfft hinterher. Solch gutaussehende Männer verirrten sich selten ohne Anhang ins Café Schnake.
Parallel zu ihrer Chefin erreichte Tessa die Kuchentheke.
»Was für ein unhöflicher Kerl«, maulte ihre Chefin. »Nicht mal Auf Wiedersehen zu sagen!«
Am liebsten hätte Tessa ihr ins Gesicht geschleudert, sie habe ihn beim Hereinkommen auch nicht begrüßt, sondern sich äußerst geschäftig gegeben, aber das wäre eh völlig sinnlos. Es sorgte, da hatten Amy und sie einschlägige Erfahrungen, eher bei der chronisch schlecht gelaunten Eleonore Schnake für das Ankurbeln des Hebels, mit denen sie die beiden Mädels gern noch stärker triezte. Es gab nur wenige Gute-Laune-Minuten der Schnake in einer Saison, und zwar dann, wenn der Umsatz am Abend hervorragend war. Und dies war schon lange nicht mehr vorgekommen.
Tessa sah auf ihre Armbanduhr. Fünf. Oh, dem Himmel sei Dank! Eine Stunde nur noch bis zum mehr als verdienten Feierabend.
Natürlich hatte Frau Schnake das bemerkt, schließlich entging ihr nichts – mit Ausnahme der Tatsache, dass ihre Gäste immer häufiger sehr unzufrieden das Lokal verließen und auch auf einen zweiten Besuch verzichteten. »Nein, meine liebe Tessa, noch ist kein Arbeitsende! Das Café leert sich, gehen Sie bitte nach hinten und beginnen mit dem Durchputzen der Küche.«
Wortlos drehte sich Tessa um und verschwand im Küchenbereich. Je weniger sie die Schnake sah, umso angenehmer.

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11. März 2021

'Das TALI-Komplott' von Frank Pfeifer

Kindle | ePub | Taschenbuch
Website Frank Pfeifer
Lüge wird Wahrheit. Wahrheit wird Wahn. Wahn wird Realität.

Um an einen Hacker im Darknet heranzukommen, gibt sich Wolf Five als Archäologe aus, der den Tempel eines bisher unbekannten Kultes, der Talismanen, entdeckt haben möchte. Doch anscheinend gibt es diesen Geheimbund wirklich. Das Hirngespinst manifestiert sich als eine neue Realität. Und Wolf Five wird durch diese Lüge in einen Strudel von Ereignissen hineingerissen, in denen es um nichts weniger geht als um die Rettung der Menschheit.

»Befand ich mich in einem Paralleluniversum, das ich selbst erschaffen hatte? Oder hatte ich unbewusst Bruchstücke des Talismanen-Kultes irgendwo aufgeschnappt und mir daraus diese Geschichte gestrickt, die als Lüge gedacht war, sich aber jetzt als Wahrheit entpuppte? Egal, dachte ich, solange ich bald ein FUCKING-BIER-INTERNATIONAL habe, wird es schon in Ordnung sein.« Wolf Five

Anleser:
An der Grenze zu Frankreich wollten wir noch einen Kaffee trinken, bevor es weiterging Richtung Paris. Über uns stapelten sich morgendliche Wolkenbänke, keine Drohne war zu sehen. Dass es magische Überwachungstechniken gab, hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen können. Zum Glück. Die Omnipotenz des Magischen hätte mich sonst noch in den Wahnsinn getrieben. Aber bisher hatte es keine Probleme gegeben. Wahrscheinlich hatten sie in Berlin noch überhaupt nicht registriert, dass wir auf und davon waren.

Nana stand allein auf dem verlassenen Parkplatz. Ihre Lippen stülpten sich kirschrot nach vorne wie die Reste einer aufgeplatzten Papiertüte. Ihre Schuhe, die mit den eingerissenen Lederflanken, hatte sie ausgezogen. Wenn ich sie so ansah, ihr blondes Haar flatterte ein wenig im Wind, die Sonne hob ihr ein paar Schatten aus dem Gesicht, dann war sie die schönste Frau der Welt. Endlich, nach Monaten der Unruhe und Ungewissheit, war das unstete Zucken ihrer Augen fast vollständig verschwunden. Auch ich fühlte mich seltsam entspannt. Obwohl mir klar war, dass wir überhaupt keinen Grund hatten, uns so zu fühlen. Ganz im Gegenteil.

Leseprobe auf 'weiterlesen'

5. März 2021

'Das Todesboot: Ostseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited)
Website | Autorenseite
Ein Fall für Molly Bleck (3)

Nela Dodesen, Erbin einer Hotelkette in der Lübecker Bucht, treibt frühmorgens tot in einem alten Fischerboot vor Travemünde. Ermordet, wie die Obduktion ergibt. Seltsame Parallele: In demselben Boot war vor Jahren die Tochter eines Staatsanwalts ebenfalls tot vorgefunden worden. Angeblich hatte sie Selbstmord begangen.

Das Boot gibt dem Team um Molly Bleck Rätsel auf: Was hat dieser ungewöhnliche Weg der Beseitigung der Leiche zu bedeuten? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Todesfällen?

Als Molly das Ermittlungsergebnis von damals infrage stellt, stößt sie damit auf Widerstand. Und plötzlich holen die Schicksalsjahre ihres Mannes sie wieder ein.

Anleser:
Je näher Molly Eugen Lüder kam, desto deutlicher verspürte sie ein Ziehen in der Magengegend. Bald wurde ihr klar, dass es seine Berechtigung hatte.
Lüders Augen hatten etwas Eisiges.
Der Ex-Polizist streckte Malte die fleischige Pranke entgegen. »Moin, Kollege. Sie sind also tatsächlich Chef der Soko Mysterious geworden.«
Malte, dessen Rechte in Lüders Hand feststeckte wie in einem Schraubstock, zeigte mit der Linken auf Molly. »Nein, Chefin ist Molly Bleck. Ich spiele im Team bloß die zweite Geige.«
Irgendwann, Molly hatte einige tiefe Atemzüge getan, gab der hünenhafte Lüder mit dem Mondgesicht und dem schütteren Haar Maltes Hand frei und ließ sich herab, die Kommissarin mit verkniffener Miene anzusehen.
»Moin.« Er nickte kurz.
Sie erwiderte den Gruß.
Er hob das Kinn und betrachtete Malte von oben herab. »Ja, natürlich«, kommentierte er träge. »Statt ein gestandenes Mannsbild an die Spitze zu stellen, hat man der Dame den Vorzug gegeben. Tja, die Quotenfrauen. Ich weiß noch, Kollege Graf, wie Sie und ich uns in der Planungsphase darüber unterhalten haben, aus wie vielen Personen das Team anfänglich bestehen sollte und wie die Quoten, männlich zu weiblich, verteilt sein sollten. Meine Meinung stand fest. Aber lassen wir das.«
Er drehte Molly die Schulter zu und fasste Malte am Arm, sodass er eine Achse mit ihm bildete und sie selbst sich zwangsläufig ausgeschlossen fühlte.
»Dahinten«, Lüder zeigte auf die See hinaus, »ungefähr beim Leuchtfeuer am Ende der Mole ist das Boot zum ersten Mal aufgefallen. Ein Fotograf war ganz früh am Morgen unterwegs, um die See bei Sonnenaufgang festzuhalten. Dabei ist ihm aufgefallen, dass ein altes Fischerboot auf den Wellen trieb, das offensichtlich führungslos war.«
»Um wie viel Uhr war das?«, fragte Molly.
Lüder antwortete nicht. Er hatte ihre Frage anscheinend nicht gehört. »Er dachte, es hätte sich in der Nacht in irgendeinem Hafen in der Umgebung losgerissen.«
»Um wie viel Uhr hat der Fotograf das Boot entdeckt?«, fragte Molly noch einmal, diesmal etwas lauter.
»Dass eine Tote drin liegt, damit hatte er natürlich nicht gerechnet«, fuhr Lüder mit Blick auf Malte fort.
War der Mann taub? Unsicher suchte Molly Augenkontakt mit Malte.
Er wiederholte ihre Frage.
»So gegen sechs«, antwortete Lüder sofort.
Molly stellte sich neben Malte. »Hat der Fotograf ein anderes Schiff in der Nähe des Bootes gesehen?«
»Das Boot an sich passte hervorragend zur fotografischen Kulisse«, sagte Lüder. »Besser als mit diesem Motiv hätte der Mann es gar nicht treffen können.«
»War noch ein anderes Schiff in der Nähe des Bootes?«, wiederholte Malte die Frage seiner Kollegin. »Nein, da war nichts zu sehen. Nur von Weitem eine Fähre. Aber die hatte mit dem Fischerboot und mit der Leiche natürlich nichts zu tun.«
Noch immer sah Lüder beim Sprechen nur Malte an, während er Molly völlig ignorierte. Dabei befand sie sich in Lüders Sichtachse.
»Begleitet von der Wasserschutzpolizei«, sagte Lüder, »haben die Kriminaltechniker die Barke mitsamt der ungewöhnlichen Fracht gesichert und an Land gebracht.«
Malte stellte die nächste Frage, deren Antwort auch Molly interessierte. »Vor zehn Jahren gab es einen ähnlichen Fall. Dasselbe Boot, es ist bei Grömitz gelandet.«
Lüder drückte die Brust heraus und nickte. »Das war mein Fall, mein letzter, bevor ich nach Fehmarn ging. Deshalb hat mich einer der Kollegen sofort angerufen, obwohl ich jetzt in Rente bin. […] Einen Täter zu fassen reizt mich natürlich immer noch.«
»Versteh ich voll und ganz«, sagte Malte.
»Kollege Graf«, jovial schlug Lüder Malte auf den Rücken, »wenn Sie Fragen haben oder tatkräftige Unterstützung brauchen, Ihnen persönlich steh ich jederzeit zur Verfügung. Tag und Nacht, wenn’s sein muss. Eins ist doch klar, Graf: Wenn wir Männer nicht zusammenhalten, wer dann?«

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4. März 2021

'Tod einer Autorin' von Christian Wagnon

Kindle (unlimited)
Website Christian Wagnon
Schreibcoach Nadia Sheen hat einen Bestseller geschrieben. Acht Wochen später ist sie tot, erschlagen an einer Baustelle in der Nähe ihrer Wohnung.

Der Tat dringend verdächtigt: Hendrik Sheen, ihr Bruder, Spieler, der mit ihr kurz vor der Tat einen heftigen Streit um Geld hatte. Aber hat er wirklich seine Schwester auf dem Gewissen? Kommissar Jan Giesel ist eigentlich überzeugt. Aber irgendwas passt nicht zusammen. Kommissar Giesel taucht ein in die illustre Welt der Buchblogger, Literaturagenturen, Autoren und Schreibcoaches und in den Hype um 'Blackwell's Fleet', der ihn sogar bis ins heimische Schlafzmmer verfolgt ...

Ein spannender, außergewöhnlicher Krimi über die Macht der literarischen Bilder, die Kraft der Suggestion und ein Verbrechen, das die Literaturszene erschüttert.

Anleser:
Henrik Sheen log wie gedruckt. Er log, wenn er nur den Mund aufmachte, und wenn man ihm das Gegenteil bewies, log er weiter, als sei nichts geschehen, kam mit irgendeiner neuen obskuren Geschichte, von der man ihm auch sofort bewies, dass sie nicht wahr sein konnte. Jan Giesel hatte noch nie einen Verdächtigen vor sich gehabt, der so unbeirrt die Unwahrheit sagte.
Hendrik Sheen log, wie andere Leute atmeten.

Alles wäre einfacher, dachte Jan Giesel, wenn die Handschuhe da wären. Die Handschuhe, von denen er annahm, dass Hendrik Sheen sie getragen hatte, als er das Kantholz nahm und seiner Schwester von hinten über den Schädel zog. Er musste Handschuhe angehabt haben, denn es gab keine Spuren an seinen Händen, die ein solches Holz notwendigerweise hinterließ, wenn man es kräftig packte und damit zudrosch. Vor allem, weil es an diesem Januartag eiskalt gewesen war und er das Holz in den bloßen Händen gehabt haben musste. Falls er keine Handschuhe getragen hatte.
Es gab Faserspuren, Blut und Haare an dem Holz, das sie an der Baustelle gefunden hatten, aber natürlich keine Fingerabdrücke. Und dann war da noch die Sache mit der Handtasche.
Jan Giesel seufzte. Er hatte Hunger, es war Zeit zum Mittagessen.
»Bringen Sie ihn in die Zelle zurück«, sagte er.

Es war zum Auswachsen. Nicht, dass er Mattis ständig um Rat fragen wollte, es war eher eine liebe Gewohnheit, auch für den Fall, dass er gar nicht fragen wollte, zu wissen, dass der Freund erreichbar war. Und nun war er das nicht, denn er war sozusagen aus der Welt. Mit seinem Hund auf die Insel gereist. Wahrscheinlich war die Insel längst eingefroren, und wahrscheinlich war das auch, was Mattis beabsichtigte. Abzutauchen …
Es war auch kein so spektakulärer Fall, unter den Totschlagsdelikten im Jahr nichts Außergewöhnliches. Die Insel war das Zauberwort, wie eine Reise zu einem anderen Stern, und das Wort bedeutete vor allem eins: bin unerreichbar, auch wenn die Welt untergeht. Und Jan Giesel hütete sich, sich zu melden. Kein Grund, die jahrzehntelange Freundschaft aufs Spiel zu setzen, nur weil ein Verdächtiger log wie gedruckt.

»Ich gehe essen«, sagte er zu der jungen Kriminalassistentin im Nebenzimmer, die gerade in einem Buch las, einem enormen Wälzer mit dem Titel »Blackwell's Fleet«, dessen sperrige Seiten sie mit ihrem Ellbogen auf der einen Seite herunterdrückte, damit das Buch nicht zusammenklappte.
»Jan, muss ich es weiterlesen?« fragte sie.
»Ja«, sagte Giesel. »Unbedingt.«
»Und warum?«
»Weil wenigstens einer von uns hier es ganz gelesen haben sollte. Schließlich geht's um dieses Buch. Ich meine, um die Tantiemen für dieses Buch.«
»Vielleicht wird es verfilmt«, sagte sie. »Dann bringt's mehr.«
»Ist die Story so interessant?«
»Ist nicht so meines. Aber es wird doch jeder Scheiß verfilmt heutzutage. Romance mit Science fiction und Fantasy und das Ganze dann irgendwann später auch noch animiert. Derjenige, der davon die Tantiemen bekommt, hat ausgesorgt.«
»Leider gibt es keine Fortsetzung«, sagte Giesel. Der Tod schrieb keine Trilogien oder Fortsetzungsromane.

Blick ins Buch (Leseprobe)