19. April 2019

'Die Tote im Dünenhaus: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das hat Okko Knudsen gerade noch gefehlt: Der frischgebackene Outdoor-Unternehmer ist mit Professor Bubendey im Süden Amrums verabredet. Im Dünenhaus am Wriakhörnsee wollen sie ein Naturschutzprojekt für Jugendliche vorbereiten. Doch statt des Biologen findet der Bruder von Hauptkommissar Kuno Knudsen die Leiche einer jungen Frau in dem Gebäude vor.

Hat Bubendey den Mord begangen? Oder handelt es sich um einen gezielten Akt der Amrumer gegen Ulf Janssen? Der verhasste Unternehmer aus Hamburg will das Dünenhaus erwerben und stößt dabei auf heftigen Widerstand der Insulaner. Während Kuno Knudsen und Arne Zander sich in den verzwickten Fall vertiefen, verfolgt eine wie aus dem Nichts aufgetauchte Kollegin von Inselreporter Friedrich Fliegenfischer einen Plan ...

Band 6 der Reihe 'Ein Fall für die Kripo Wattenmeer'.

Leseprobe:
Kuno lehnte sich zurück, streckte die Beine aus und verschränkte die Arme. »Was weißt du?«
Inselreporter Friedrich Fliegenfischer entspannte sich. Lässig wedelte er mit der Bierflasche herum. »Da müsste ich ein wenig ausholen.«
Demonstrativ warf Kuno einen Blick auf die große Uhr, die an der Wand gegenüber dem Küchentisch hing.
In dem Moment klingelte sein Handy.
Kuno stöhnte und nahm das Gerät zur Hand.
»Bente?«, fragte Friedrich. Natürlich war ihm nicht verborgen geblieben, dass die nette Nachbarin, die seit Jahren Kunos Sylter Dienstwohnung hütete, wenn der Herr Hauptkommissar auf Amrum weilte, mittlerweile eine Beförderung in dessen Privatleben erfahren hatte. Eine Erweiterung des Aufgabenbereichs. Blumengießen, Briefkastenleeren und nun auch noch Kommissarverwöhnen. Bekochen, betüddeln, in den Schlaf wiegen, wie Friedrich zu Kunos Verdruss öffentlich frotzelte.
»Okko«, antwortete Kuno unwirsch und nahm den Anruf entgegen. »Was ist passiert, Bruderherz?« Vermutlich war Okko mal wieder mit seinem verrosteten Fahrrad in einen entlegenen Winkel der Insel geradelt, hatte mal wieder einen Platten und befand sich mal wieder zu weit von einer Bushaltestelle entfernt, um sie zu Fuß erreichen zu können.
»Hier liegt ’ne tote Leiche.«
Kuno meinte, den Fusel, den sein Bruder offenbar getrunken hatte, förmlich durch die Leitung zu riechen. War er denn an diesem Abend nur von Säufern umgeben? Sein Blick schweifte genervt umher und blieb an seinem eigenen Bierglas hängen.
Eine tote Leiche also. »Wo bist du überhaupt?«, fragte Kuno. Er stellte sich vor, wie sein Bruder von Norddorf kommend durch Wald und Heide geradelt war und es fertiggebracht hatte, eins der unzähligen Wildkaninchen, die einem dort vors Rad hoppelten und sich erst im letzten Moment durch einen Haken retteten, über den Haufen zu fahren. »Hast du ein Karnickel erlegt?«
»Mensch, Kuno, bist du besoffen oder was?«
Okkos Stimme klang ernsthaft erbost, und Kuno kam der Verdacht, sein Bruder könnte wirklich eine Leiche entdeckt haben.
»Wenn du mich nicht ernst nimmst und wenn du dich nicht bequemst, herzukommen«, quengelte Okko beleidigt, »dann ruf ich eben Arne an.«
»Bevor du so viel Wind machst, dass die Nordsee überschwappt, sag mir lieber, wo ich dich finde.«
»Da, wo die Leiche liegt, natürlich.«
Kuno sog die Luft scharf ein. »Ich habe gerade kein Bildtelefon zur Hand, mein Bruder. Wenn du so gnädig wärst, mich kurz und präzise darüber zu informieren, wo das ist?«
»Im Dünenhaus.«
»In welchem Dünenhaus?«
Mit einem Mal schrammte Friedrichs Stuhl über den Fliesenboden. Wie elektrisiert rutschte der Reporter auf die Stuhlkante vor, stützte die Hände auf die Knie und bohrte seine Blicke in Kunos Gesicht, bis der Kommissar seinerseits die Augen auf ihn richtete. Dabei lauschte Kuno weiterhin der Erzählung seines Bruders.
»Das Dünenhaus beim Wriakhörnsee«, sagte Okko. »Wirst du doch wohl kennen. Von Wittdün aus über den Bohlenweg am See entlang, dann noch ein Stück weit in die Dünen rein.«
»Ach, das Dünenhaus«, sagte Kuno. »Da soll eine Leiche liegen?«
Lautlos formte Friedrich Worte mit den Lippen.
Kuno meinte, Mord im Dünenhaus abzulesen. Ein imaginäres Fragezeichen stand steil und fett im Gesicht des Reporters. Kuno zuckte mit den Schultern.
»Ja, im Flur«, sagte Okko. »Ich steh vor dem Haus, guck durchs Fenster und sehe, dass da jemand liegt.«
»Mann oder Frau?«, fragte Kuno, der in diesem Moment begriff, dass er den Kriminalroman, den er vor dem Hereinplatzen des Reporters zu lesen begonnen hatte, an diesem Wochenende würde vergessen können.
»Ich seh nur die Füße.«
»Und woher willst du wissen, dass die Person tot ist?«
Okko blieb eine Weile stumm. »Würde mich wundern, wenn nicht«, erklärte er endlich. »Die Beine rühren sich nicht und irgendwie ... Das Gesamtbild ... Also ...«
»Hast du versucht, ins Haus reinzukommen?«
»Die Tür ist abgeschlossen, und die Fenster sind fast alle zu. Nur das Klofenster steht schräg.«
»Pass auf.« Kuno stand auf und machte Friedrich ein Zeichen, dass er ihm in den Flur folgen solle. »Ich ruf sofort die Rettung an, und dann komm ich dahin. Du gehst jetzt den Bohlenweg zurück bis zum Schnellimbiss an der Wandelbahn und wartest da auf mich.«
»Warum das denn? Ich bleib hier und pass auf.«
»Dass die Leiche nicht flieht? Du machst, was ich sage. Oder hast du am Dünenhaus Leute um dich?«
»Nee, ich bin alleine.«
»Dann rufst du jetzt den Friedrich an und telefonierst schön mit ihm, während du zur Imbissbude gehst.«
Okko schnaubte. »Was soll denn der Kinderkram?«
»Bruderherz, wo hast du deinen Verstand gelassen? Falls da ein Mörder herumläuft, wird der von einer Begegnung mit dir auf einsamer Flur so begeistert sein, dass er dir womöglich vor lauter Freude eins überbrät. Wenn du telefonierst, bis du am Imbiss und damit in Sicherheit bist, wissen wir wenigstens, dass du lebst.«
[…]

Der Inselreporter faltete seinen schlaksigen Körper zusammen und verstaute ihn auf dem Beifahrersitz des Golfs. Er legte sein Handy auf den Knien ab und stellte es auf Lautsprecher. »Du bist nach wie vor auf Sendung«, sagte er zu dem Gerät. »Erzähl uns, wo du langgehst, Okko, und welche komischen Vögel dir begegnen. Hoffentlich springt kein Mörderhai aus dem See.«
[…]

Aufgebracht schlug Friedrich sich aufs Bein. Das Smartphone polterte auf die Fußmatte. Er bückte sich und hob es auf.
Kuno warf einen Blick auf das Display. Die Verbindung stand noch. »Okko?«, rief er vorsichtshalber.
Das Stampfen von Füßen, die über Holzbohlen rannten, hallte durch den Fahrgastraum.
Den Blick wieder konzentriert auf die schmale Landstraße gerichtet, beugte Kuno sich zu Friedrich hinüber. »Okko? Okko, sag doch was. Melde dich!«
Die aufgeregten Möwen teilten Kuno etwas mit. Wenn er doch nur verstehen könnte, was sie sagten!
Kuno gab Gas.
»Du weißt, dass hier manchmal geblitzt wird«, sagte Friedrich, der Schlauberger ohne Führerschein.
»Ist mir das vielleicht wurscht, wenn mein Bruder womöglich ohnmächtig im Wasser liegt?« Elegant wich Kuno einem Fasan aus, der am Straßenrand entlang spazierte und sich zu weit auf die Fahrbahn traute.
»Der Vogel hat Glück gehabt, dass kein Gegenverkehr war«, feixte Friedrich. »Sonst wäre er heute Abend in den Backofen geflogen.« Er nahm das Smartphone in die Hand und rief hilflos hinein: »Okko? Okko?«

Im Kindle-Shop: Die Tote im Dünenhaus (Ein Fall für die Kripo Wattenmeer 6).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



18. April 2019

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



'Tagebuch des Schicksals: Im Bann der Elemente' von Mikael Lundt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Griesgram Aribert schätzt Ruhe und Ordnung, die lebensfrohe Dörte liebt Spontaneität und esoterischen Klimbim. Als Aribert im Garten ein magisches Tagebuch ausgräbt, ist bei beiden die Neugier geweckt und sie raufen sich zusammen.

Das Buch führt sie in eine fremde Welt, erfüllt von scheinbarer Glückseligkeit. Doch der Schein trügt, sie steckt voller schicksalhafter Begegnungen und ungeahnter Gefahren. Sie müssen den Kampf gegen die vier Elemente aufnehmen, die alles ins Chaos zu stürzen drohen.

Können Aribert und Dörte ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen und die Welt retten? Oder sind sie unabänderlich an die rätselhaften Zeilen im Buch gebunden?

Für kurze Zeit zum E-Book-Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Prolog
Tief in den Fluten des Ozeans, verborgen im Boden unter tausend Meter eisigen Wassers, wütete ein Feuer. Es schmolz Gestein, wälzte sich hin und her, grub Stollen und Höhlen und nährte sich am Grund. Es wuchs und stieg auf, wand sich in glühenden Strömen empor und blähte die Kruste auf. Sie wölbte sich unter dem Druck und schob sich langsam durch die Wellen gen Himmel, bis ein mächtiges Massiv entstand. Am Fuße war es von den Gezeiten umspült und an der Spitze von unbarmherzigen Lüften allseits angegriffen. Im Inneren brannte das Feuer weiter, trieb ins Gestein unzählige Spalten und tiefe Risse. In denen fing sich der Wind. Er stürmte hinein und fachte das Feuer an, bis es weiß glühte und schließlich mit Wucht aus dem Gipfel brach. Die flüssige Glut ergoss sich zischend ins Meer, formte bizarre Klippen, schwarz wie die Nacht und scharf wie Klingen. Ein undurchdringlicher Wall aus steinernen Dornen rankte sich um eine Insel, auf der nichts gedieh und auf der niemand wohnte. Hinter dem Dornenkranz ging traurig ein Ascheregen nieder und bedeckte den zerklüfteten Grund. Beißende Luft trieb durchs Land. Aus dem Krater, den die Eruption hinterlassen hatte, glühte der Berg noch immer heiß und hungrig vor dem nächtlichen Firmament.

Kapitel 1
Der Kräutergarten dampfte. Von der Sonne erwärmt, verströmte er in weitem Umkreis seine ätherische Mischung aus Salbei, Minze, Basilikum, Thymian, Melisse und Rosmarin. Eine pummelige Biene schwirrte mitten hindurch und ließ sich auf dem Griff von Aribert Mäusslers Spaten nieder. Er klebte vom Schweiß der letzten Stunden. Tapsig kroch sie auf dem Griff umher, während sich Aribert mit dem Handrücken über die nasse Stirn fuhr.
„Du hast es gut!“ Aribert warf der Biene einen vorwurfsvollen Blick zu. Die Biene machte keine Anstalten, darauf einzugehen. Sie flog unbeeindruckt weiter, direkt zum schönsten Rosenstrauch im ganzen Schrebergarten.
„Ja, genieß ruhig die Früchte meiner Arbeit“, rief Aribert ihr hinterher. Ob es Sinn ergab, mit Insekten zu kommunizieren, wusste er nicht, aber ab und zu musste man mit jemandem reden, dachte er. Allzu oft kam er nicht mehr dazu. Aribert zog ein mit seinen Initialen besticktes Stofftaschentuch aus der Brusttasche seiner Latzhose und tupfte sich damit die Schweißperlen von der Halbglatze. Beherzt griff er wieder zum Spaten. Er würde jetzt dieses widerspenstige, wurzelverseuchte Gemüsebeet umgraben und dann erst einmal eine schöne Kaffeepause machen – die war der Höhepunkt seines Tages. Jeden Nachmittag saß er mit der Tasse Kaffee in der Hand auf der Veranda des Gartenhäuschens und gab sich dem schweifenden Blick über sein Domizil hin. Aribert musste schmunzeln. Offiziell war es nicht gestattet, hier dauerhaft zu wohnen, doch die Verwalter der Kleingartenanlage duldeten schweigend, dass er während der Sommermonate hier hauste. Es reichte, wenn er den ganzen Winter allein in seiner trostlosen Wohnung eingesperrt war. Aber nun war Frühsommer und Aribert blühte auf. Die schwere Arbeit im Garten nahm er gern in Kauf, denn sie spendete ihm Befriedigung und gab ihm das Gefühl, etwas zu schaffen. Er stach mit dem Spaten wieder in die Erde, trat kräftig mit dem Fuß drauf.
„Plock“ – wieder traf der Spaten auf etwas Hartes.
„Elende Wurzeln“, brummte Aribert und griff zur Hacke. Er holte aus und trieb die Spitze ins Erdreich. Diesmal gab es ein dumpfes „Pflobb“. Aribert grübelte. Was war das nun wieder? Er zog die Hacke heraus und sah, dass die Spitze einen Gegenstand getroffen hatte.
„Was zum …?“, murmelte er und streifte die Erde ab. Es war ein großes Buch, kunstvoll in Leder gebunden. Er drehte es in den Händen und besah es sich von allen Seiten. Abgesehen von oberflächlichen Kratzern, die Spaten und Hacke hinterlassen hatten, befand es sich in tadellosem Zustand. Und noch etwas fiel ihm direkt auf: Durch ein kleines silbernes Schloss wurde es vor unbefugtem Zugriff geschützt. Das war ein Zeichen, fand Aribert – höchste Zeit für die Kaffeepause. Statt des üblichen schweifenden Blicks würde er sich diesmal mit etwas ganz anderem beschäftigen können.

Aribert saß am runden Holztisch auf der Veranda und stocherte mit einer Kuchengabel in dem filigran wirkenden Schloss herum. Es ging ihm nicht in den Kopf, wie es so stabil sein konnte. Es sah aus, als könne man es mit dem Zahnstocher knacken. Aber er hatte nun schon drei Gabeln ruiniert. Und sein Kaffee war längst kalt geworden, so sehr hatte er sich in die Aufgabe hineingesteigert. Das war nicht mehr vorgekommen, seit er kurz nach seiner Pensionierung mit dem Schweißen angefangen hatte. Schweißen als Hobby, alle hatten ihn für verrückt erklärt. Und im Grunde behielten sie recht, Schweißen war kein Hobby. Jedoch: Wenn er nun dieses hartnäckige Schloss vor sich betrachtete, bedauerte er, dass er das Schweißgerät wieder verkauft hatte.
„Halloooooo“, flötete eine Stimme plötzlich. Aribert hob den Kopf und sah sich um. Im Nachbargarten winkte eine Frau. „Was machst du denn da? Du siehst so angestrengt aus!“, wollte sie wissen.
Aribert verzog die Mundwinkel. Dörte. Diese Person ging ihm auf die Nerven – und das schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Vor allem die ekelhafte Fröhlichkeit! Wie Zuckerwasser rannen die Worte aus ihrem Mund. „Ich bin beschäftigt“, murrte er und stocherte weiter im Schloss herum.
„Mit was denn?“, jodelte Dörte über den Zaun.
„Privatsache“, brummte Aribert. Das Gejodel von jenseits seiner Gartengrenze verstummte. Gut so, dachte Aribert. Jetzt würde er dieses Teil knacken.
„Huhuuuu!“, dröhnte es aus nächster Nähe. Aribert ließ vor Schreck die Gabel fallen.
„Herrje nochmal“, fluchte er. „Was willst du denn hier?“
„Du brauchst Beistand“, erklärte Dörte ruhig. „Offenbar hast du eine schwere Aufgabe vor dir, und die löst du nur, wenn du im Einklang mit dir selbst bist.“
Aribert schwante Übles, nun würde das spirituelle Geschwafel wieder anfangen. Er rieb sich die Schläfen. Dörte wollte ihm seit Jahren weißmachen, dass er seinen Garten nach den Prinzipien des Feng Shui neu anlegen müsse und dass sich die Pflanzen, so wie er sie anpflanzte, überhaupt nicht vertrugen. Und dann war da diese Sache mit der Séance gewesen, die sie ihm einmal angeboten hatte. Sie wollte eine Verbindung mit dem Jenseits aufbauen, damit er mit seiner vor Jahren verstorbenen Erika sprechen könne. Seitdem versuchte er, ihr komplett zu aus dem Weg zu gehen.
„Hör mal, Dörte, ich hab wirklich zu tun“, wollte er sie loswerden. Doch Dörte hatte sich bereits ihm gegenüber an den Tisch gesetzt.
„Was haben wir denn da?“, fragte sie überfreundlich und tippte auf das Buch. Aribert wusste nicht recht, was er darauf antworten sollte, denn noch war ihm selbst schleierhaft, was das für ein Buch sein könnte – und wie es in sein Gemüsebeet geraten war. Sie hatten diesen Garten seit fast 40 Jahren gepachtet und er vermochte sich beim besten Willen nicht erinnern, irgendwann einmal ein solches Buch verbuddelt zu haben.
„Das sieht aus wie ein Tagebuch“, meinte Dörte. „Hast du den Schlüssel?“ Aribert zog die Augenbrauen hoch und blickte demonstrativ zu den drei verbogenen Kuchengabeln.
„Nein“, knurrte er.
„Jammerschade“, fand Dörte.
„Du sagst es“, bestätigte Aribert.
„Also, ich möchte mich ja nicht aufdrängen …“, setzte Dörte an.
Jetzt kommt‘s, dachte Aribert, nahm seine Kaffeetasse vom Tisch und ließ sich nach hinten in den Sessel sinken.
„… aber ich habe eine ziemlich große Sammlung solcher Schlüsselchen. Von Schatullen, Truhen, Kästchen, Schmuckkassetten, Koffern, Spardosen und auch Tagebüchern“, erklärte Dörte fröhlich. Sie grinste so breit, dass sich die Haut ihrer Wangen zum Zerreißen spannte.
„Ach, lass mal, ich krieg das schon hin.“
„Na, wenn du meinst“, sagte Dörte in einem Tonfall, den man bei anderen Menschen für sachlich-neutral gehalten hätte. Bei ihr war die Abwesenheit von überschwänglicher Freude ein Zeichen dafür, dass sie todunglücklich war.

Im Kindle-Shop: Tagebuch des Schicksals: Im Bann der Elemente.
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17. April 2019

'Ein böserguter junger Mann' von Reinhard Skandera

Kindle (unlimited) | Tolino | Taschenbuch
Franz, ältester von 5 Brüdern, sucht das Glück in der Fremde und findet zunächst nur das Pech. Viel zu früh muss er viel zu viel Verantwortung übernehmen. Auch das Mädchen, dass er liebt, scheint unerreichbar. Franz muss lernen, dass Träume nicht einfach in Erfüllung gehen, sondern dass man darum kämpfen muss.

Das Buch zeigt, wie kompliziert die Begegnungen junger Menschen, die aus völlig unterschiedlichen Elternhäusern stammen, sind, wenn die Bindungen enger werden. Der Leser taucht ein in die Welt von Franz, dem ungelernten Arbeiter, von Rochus dem Adelssohn und Ariane dem einzigen Kind eines steinreichen Industriellen. Können aus ganz unterschiedlichen Gedankenwelten Gemeinsamkeiten entstehen, ist gar Liebe möglich?

Franz muss lernen, dass das Schlimme am Verrat ist, dass er nicht von Feinden begangen wird.

Leseprobe:
Der Ehrgeiz des Wolfgang Knesebeck ist unermesslich. Sein Ziel ist, der größte Eisen-und Stahlfabrikant der Welt zu werden. Die wichtigsten Konkurrenten sitzen im eigenen Land sowie in Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Arbeitswoche hat 7 Tage. An einem der seltenen freien Abende mit seiner Frau Elisabeth ringt er sich zu einer Bitte durch.
„Liesel, die Amerikaner wollen große Mengen Stahl ordern. Wir können nur liefern, wenn wir ein neues Stahlwerk bauen. Bitte hilf mir mit 5 Millionen Mark.“ Liesel verfügt durch Erbschaft über große liquide Mittel, die jedoch für Wolfgang nicht zugänglich sind. Dafür hat Elisabeths Vater durch entsprechende Notarpapiere gesorgt. Sie weigert sich bisher standhaft einen Teil davon für Wolfgangs „Großmannssucht“, wie sie es nennt, herzugeben.
„Du kennst meine Meinung. Dein ungezügelter Ehrgeiz ist eine große Gefahr für die Knesebeck Werke. Wenn die Konjunktur abkühlt, musst du wieder Arbeiter rausschmeißen.“ Wolfgang bringt keine Geduld auf.
„Und wenn schon. Das war noch nie ein Problem. Du bist wie dein Vater, einmal Bauer immer Bauer, ein Furchenzieher hat keinen Mut zum Risiko.“ Schon oft hat sich Wolfgang kritisch über Elisabeths Vater geäußert. Sein Verhalten ist dem heutigen Anliegen nicht zuträglich. Elisabeth verschließt sich der Bitte des Gatten.
„Kommt überhaupt nicht in Frage Wolfgang. Lös die Probleme, die du geschaffen hast, selbst. Mein Vater war sein ganzes Leben ehrlich und fleißig und nicht von der Gier besessen wie du.“ Wolfgang denkt, mal wieder war ich zu ungeduldig. Beim Vater versteht die Tochter keinen Spaß. Er überlegt fieberhaft, wie er die Gattin überzeugen kann.
„Liesel, weißt du schon das Neueste? Der Kaiser wird den Thyssen demnächst in den Adelsstand aufnehmen.“ Das ist ein Thema, für das sich alle in der feinen gehobenen Gesellschaft entfachen, auch Elisabeth.
„Frau Thyssen sitzt der Auguste Victoria schon lange auf dem Schoß. Kein Wunder also.“
„Wenn der Kaiser wirklich die Flotte bauen will, dann braucht er mich. Dafür müssen wir noch größer werden.“ Wolfgang arbeitet seit Jahren auf das Ziel hin, in den Adelsstand aufgenommen zu werden. Die Nobilitierung kann nur vom Kaiser selbst erfolgen. Politische Motive interessieren Wolfgang dabei nicht. Auch die gesellschaftliche Stellung dient nur als Mittel zum Zweck. Allein, dass der Adel keine Steuern zahlt, macht den Stand so erstrebenswert. Jede Mark, die die Staatsmacht kassiert, kann er nicht in die Knesebeck Werke investieren. Wolfgang hat diesmal den richtigen Knopf gefunden.
„Ich überlege es mir. Aber wenn, dann ist es eine einmalige Sache. 5 Millionen, dieses eine Mal und dein Versprechen, dass du mich nie mehr wegen einer Geldspritze für die Werke ansprichst.“
„Ich verspreche es. Sieh dir den Thyssen an. Der ist an die Börse gegangen. Der Arme ist nicht mehr Herr im eigenen Hause. Natürlich kann er mit dem Zaster gehörig expandieren.“
„Wie gesagt, einmalig bin ich bereit, dir das Geld zu überlassen, zu einem Zins von 6%.“
„Was, das ist ja mehr als bei der Bank,“ regt sich Wolfgang auf.
„Dann geh doch zur Bank,“ erwidert Elisabeth betont kühl. Die Ehe der beiden feierte vor Kurzem fünfundzwanzigstes Jubiläum. Vollzogen wird sie seit vielen Jahren nicht mehr. Aufgrund der Erbschaft verfügt auch Elisabeth über ein riesiges Vermögen, weit höher als die 5 Millionen, die sie Wolfgang wohl geben wird. Er weiß wie hoch der Geldspeicher gefüllt ist. Wenn Wilhelm Ernst macht und eine Flotte baut, die so groß ist wie die der Engländer, müssen Thyssen, Knesebeck und Co. enorme Kapazitäten aufbauen. Auf die Politik ist jedoch kein Verlass. Das ist das Problem der Industriebarone. Die Eheleute Knesebeck verfolgen keine gemeinsamen Ziele. Seine Ziele sind nicht die Ihren.
„Ich brauche das Geld für die private Bibliothek, die ich nach und nach erweitern will.“ Bitter ergänzt Wolfgang:
„Und für die jungen Künstler, die dir ihre Verehrung so beseelt zuflüstern.“ Elisabeth pflegt seit Längerem streng geheime Treffen mit jungen Galanten aus dem Künstlermilieu. Wie weit diese gehen, bleibt im Verborgenen. Sie empört sich:
„Ich fördere diese Talente, mehr nicht.“ Wolfgang wäre es sogar egal, wenn zwischen seiner Frau und den jungen Männern mehr wäre. Sein Enthusiasmus gilt allein dem Betrieb. Vor der Hochzeit kannten sich Wolfgang und Elisabeth nur flüchtig. Die Eltern arrangierten die Verbindung. Ein durchaus übliches Vorgehen, um Reichtum und Einfluss beider Familien zu steigern. In diesem Fall führte der Zufall keine verwandten Seelen zusammen. Sie ist ein kluger, feinfühliger Mensch, eine fanatische Leserin. Sein Antrieb ist Geld. Mit jedem erreichten Zwischenziel wächst die Gier nach mehr. Am nächsten Morgen bespricht er die Geschäftslage mit seinem Bruder Thomas.
„Sie gibt nicht mehr als 5 Millionen. Brauchen aber 30 Millionen. Den Rest müssen wir von der Bank holen.“ Thomas Stirn ist übersät mit Sorgenfalten:
„Wolfgang, du weißt, die Zinsen sind hoch und zurückzahlen müssen wir Kredite auch. Wenn eine Delle kommt, müssen wir viele Leute entlassen.“
„Ja, dann ist es eben so. Wir müssen expandieren, sonst fallen wir zurück.“
„Wir haben auch Verantwortung für das Schicksal unserer Arbeiter. Wenn wir sie entlassen, haben sie nichts zu fressen.“
„Das ist dann die Schuld der Politik und des Kaisers. Wir können daran nichts ändern.“ Schicksale anderer Menschen oder das Wohl der Allgemeinheit tangieren Wolfgang im Gegensatz zu Thomas nicht. Er will aus den Knesebeck Werken das größte Unternehmen der Eisen- und Stahlbranche auf dem Globus machen. Thomas, der ein enges Verhältnis zur Schwägerin pflegt, klärt Wolfgang auf.
„Elisabeth wird dir nicht mehr geben. Sie hat eine Stiftung gegründet, die ausländische Buchrechte kauft. Erst kürzlich gab sie „The Call of the Wild“ des amerikanischen Autors Jack London zur Übersetzung in die deutsche Sprache in Auftrag. „Ruf der Wildnis“ ist der Titel der deutschen Version.“ Wolfgangs Gesicht drückt den Ärger aus, den er empfindet, weil der Bruder mehr weiß als er. Die Lebensgeschichte des Jack London faziniert Elisabeth. Der hat den schwierigen Aufstieg aus ärmlichen Familienverhältnissen geschafft. Sein Werdegang weckt Elisabeths Neugier. Der Mut, den die Helden seiner Geschichten aufbringen müssen, um den Gefahren der Wildnis zu trotzen, fesselt sie. Auch zwischen Vater und Tochter gab es kürzlich eine kontroverse Unterredung.
„Vati, ich möchte nicht studieren. Ich will bei den Knesebeck Werken eine kaufmännische Ausbildung machen. Das finde ich viel spannender.“ Wolfgang belehrt die Tochter:
„Mädchen aus gehobenen Kreisen studieren Musik, Kunst oder Literatur. Sie lernen, wie man ein großes Haus führt und wie man Bedienstete richtig anleitet. Eine kaufmännische Ausbildung in den Knesebeck Werken ist jungen Männern vorbehalten.“ Zornesröte überzieht Arianes Gesicht.
„Mich interessiert nicht was andere Mädchen wollen, ich will in den Werken arbeiten. Schon als kleines Kind wollte ich das. Auf keinen Fall studiere ich irgendwelchen langweiligen Kram.“ Wolfgang gibt nicht nach.
„In 1-2 Jahren heiratest du einen adeligen jungen Mann. Dadurch steigst du in den Adelsstand auf. Was wird dein zukünftiger Gatte zu einer kaufmännischen Lehre sagen?“ Ariane hegt den Verdacht, dass der Vater bereits einen Jungen im Kopf hat. Doch sie stellt ihre Fragen zurück, sondern konzentriert sich auf das Ziel im Betrieb arbeiten zu dürfen. Mit ihrem „Dickkopf“ setzte sie sich tatsächlich durch. Seit den Kindertagen liebt sie es, Zeit in den Werken zu verbringen. Sie durchkreuzt damit die Pläne der Eltern, die für eine junge Frau mit ihrer gesellschaftlichen Stellung eine baldige Vermählung mit einer adäquaten Partie vorsehen. Ariane selbst denkt noch überhaupt nicht an Heirat. Ihr heimlicher Traum ist, eines Tages die Leitung der Knesebeck Werke vom Vater zu übernehmen. Sie besitzt genug Kühnheit, sich selbst in dieser Rolle zu sehen. Das erzählt sie Wolfgang, der mangels männlichem Erben schon selbst an die Möglichkeit gedacht hat, aber noch nicht. Der findet, dass Ariane gut ins Unternehmen passt.. Für ihre Zukunft sieht er jedoch andere Prioritäten. Sie soll sehr bald den Spross einer bedeutenden adligen Familie heiraten und damit selbst in den Adelsstand aufsteigen. Der von ihm auserwählte ist Rochus von Malotki, der Sohn des Polizeipräsidenten der Provinz Rheinland. Ariane kennt ihn seit Kindesbeinen. Die Familien sind seit langer Zeit befreundet. Frau und Tochter wissen noch nichts von seiner Wahl. Wolfgang treibt seine Pläne im Geheimen voran, ohne sie mit den beiden Frauen abzusprechen. Ariane hingegen ist entschlossen, ihren persönlichen Weg einzuschlagen. Elisabeth wundert sich zwar über das Engagement, das die Tochter im Betrieb leistet, beschäftigt sich jedoch nicht ernsthaft damit. Zu sehr ist sie beschäftigt mit der Bibliothek und ihren Verehrern. Wolfgangs Kalkül ist, dass Ariane die beruflichen Pläne fallenlässt, nachdem er ihr die Partie Rochus auf dem Silbertablett serviert. Rochus steht eine glänzende Karriere beim preußischen Staat bevor. Sie kann sich auf die Aufgaben als Mutter und Haushaltsvorstand konzentrieren. Sie wird zukünftig den Namen Ariane von Malotki tragen. An einem Abend im März 1910 bittet Wolfgang Knesebeck Ariane und Elisabeth zu einer Unterredung. Wenn er in der Familie förmlich wird, liegt Wichtiges in der Luft. Das repräsentative Wohnzimmer der Villa dient als Rahmen der Zusammenkunft. Die Einrichtung des Raumes repräsentiert den Reichtum des Hausherrn. Jugendstil ist in dieser Zeit angesagt. Aufwendige florale Ornamente und Intarsien zieren die Möbel. Wolfgangs ganzer Stolz sind zwei Originale des französischen Malers Henry Toulouse-Lautrec. Der Fußboden ist bedeckt mit teuren orientalischen Teppichen. Das Familienoberhaupt ist gekleidet wie im Büro. Die Frauen tragen bunte Kleidern, die die Taille betonen. Elisabeth hält einen Fächer in der Hand, ohne ihn zu benutzen. Die ernsten Gesichter der drei deuten auf Spannung hin, die sich in Kürze entladen wird. Wolfgang geht auf und ab. Der Mann, der dem Kaiser vorgestellt wurde, ist nervös bei einem Familientreff? Offensichtlich spürt er, dass dies kein leichter Abend werden wird. Nachdem der Diener den Tee serviert hat, legt er ohne lange Vorrede los.

Im Kindle-Shop: Ein böserguter junger Mann.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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16. April 2019

'Die Macht der Clans: Band 1' von Gabi Büttner

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Was würdest du aufgeben für den Kampf um Freiheit?

Als die Erde, durch eine Naturkatastrophe unbewohnbar wird, findet die Menschheit auf Terra zwei eine neue Heimat. Dreihundert Jahre später regieren Clans diese Welt.

Als seine Eltern von Kriegern getötet werden, schwört ein Widerstandskämpfer alles zu tun, um die grausame Clanherrschaft auf Terra zu beenden. Während eines Auftrages verliebt er sich – ausgerechnet in eine junge Frau aus der Oberschicht, die für all das steht, was zu bekämpfen er geschworen hat.

Leseprobe:
Larn fluchte, während er versuchte, die Solarmodule der Erntemaschine so zu stabilisieren, dass sie in ihrer Position blieben. Bekam er das Problem mit dem Schwebeantrieb nicht endlich in den Griff, würde sich seine Arbeitszeit erheblich verlängern.
Er war erst sechzehn, dennoch schuftete er täglich zwölf Stunden auf den Feldern, ebenso wie seine Eltern und sein jüngerer Bruder Chris. Und wozu? Damit die Clans die Abgaben ständig erhöhten, sodass dem einfachen Volk nicht einmal genug übrig blieb, um richtig satt zu werden?
Larn schnaubte verächtlich. Diese Steuern waren nichts weiter als legalisierter Diebstahl!
Angeblich gab es Widerstand dagegen. Er hatte von kleinen Gruppen gehört, die die Clans bekämpften. Wie gerne hätte er sich einer solchen Einheit angeschlossen. Doch das würde bedeuten, seine Familie im Stich zu lassen – etwas, das er niemals tun könnte. Dafür liebte er sie zu viel zu sehr.
Das dumpfe Grollen, das auf einmal in der Luft lag, riss ihn aus seinen Überlegungen. Er hob die Hand über die Augen, um sie vor der Sonne zu schützen, und suchte aufmerksam den Himmel ab. Als er die näher kommenden Schatten am Horizont erkannte, wurde er für einen Moment stocksteif.
Die Silhouetten der Clangleiter waren unverwechselbar.
Das, was die Dorfgemeinschaft bereits seit Längerem befürchtet hatte, war eingetroffen.
Als der Clan begann, die Abgaben immer weiter zu erhöhen, häuften sich die Überfälle auf die Bevölkerung. Die Gerüchteküche brodelte. Es hieß, an denen, die die Abgaben nicht zahlen konnten, würde demnächst ein Exempel statuiert werden. Wie es aussah, war es nun soweit.
Als diese Erkenntnis endlich zu ihm durchdrang, rannte Larn los.
Einen Augenblick später blitzte es dort, wo er gerade noch gestanden hatte, grell auf. Der ohrenbetäubende Donner einer Explosion folgte.
Die Druckwelle riss Larn zu Boden, die Hitze des Feuerballs, der über ihn hinwegfegte, versengte sein Shirt und seinen Rücken. Der brennende Schmerz ließ ihn aufschreien und trieb ihm Tränen in die Augen. Verschwommen nahm er die schwarz gekleideten Gestalten wahr, die vom Waldrand her auf das Feld marschierten. Clankrieger!
Sie benutzten grünes Feuer. Die Neurowaffen schalteten in einer Sekunde die Reflexe der Opfer aus. Allein das Aufblitzen dieser furchtbaren Waffe steigerte sein Entsetzen und zwang Larn wieder auf die Beine.
Er lief los, strauchelte, fing sich im letzten Moment. Taumelte weiter über den unebenen Boden.
Er dachte an seinen kleinen Bruder, der allein zu Hause war. Larn musste zu Chris, musste ihn durch den Fluchttunnel, den ihr Vater in weiser Voraussicht erbaut hatte, in Sicherheit bringen, bevor ihm die Zeit davon lief.
Ein Schatten tauchte neben ihm auf und griff nach seinem Arm. Reflexartig wollte er sich losreißen, erkannte aber im letzten Moment das Gesicht seines Vaters. Erleichtert atmete er auf. Vater wusste immer, was zu tun war.
»Schneller!«, schrie er und legte sich Larns Arm um die Schultern, um ihn zu stützen. »Wir müssen zur Hütte.«
Larn biss die Zähne zusammen. Er zwang sich schneller zu laufen, obwohl ihm sein eigener Atem in den Ohren dröhnte.
Er sah die Gestalt seiner Mutter, halb verborgen von den Bäumen am Waldrand, die in den Wald lief.
Wenige Minuten nachdem sie verschwunden war, tauchten sein Vater und er in die Dunkelheit unter den Bäumen ein. Nebeneinander rannten sie den schmalen Wildpfad entlang, bis sie endlich den Rand des Forstes erreichten und in Sichtweite ihrer Hütte kamen.
Larn konnte Chris nicht sehen. Panik schlug über ihm zusammen, als er auch seine Mutter nirgends erblicken konnte.
Er stolperte nach seinem Vater durch die Tür. Die Knie wurden ihm weich vor Erleichterung, als er seine Mutter im Wohnbereich entdeckte. Aber keine Spur von seinem Bruder.
»Wo ist Chris?«, schrie sein Vater.
»Ich weiß es nicht!« Die Angst ließ die Stimme seiner Mutter schrill klingen.
»Speisekammer …«, stieß Larn zwischen zwei Atemzügen hervor. »Er versteckt sich immer dort, wenn er sich fürchtet.«
Sein Vater begann, den schweren Schrank vor die Eingangstür zu schieben.
»Marianna, hol den Blaster«, befahl er dabei. »Dann geh zu den Jungs nach hinten.«
Larn erstarrte.
»Nein, Vater«, entfuhr es ihm, »sie werden dich töten, wenn du bewaffnet bist.«
Grimmige Entschlossenheit lag in der Miene seines Vaters, als er Larn ansah.
»Bring deinen Bruder in Sicherheit!«
»Aber …«
»Tu, was ich dir sage! Geh!«
Larn wollte widersprechen, aber ein Blick in die Augen seines Vaters ließ ihn verstummen. Er wandte sich um und stürzte in Richtung des Vorratsraumes. Kaum hatte er ihn erreicht und die Tür geöffnet, ließ ihn lautes Donnern wieder herumfahren.
Die Tür der Hütte wurde in unzählige Splitter zerlegt. Ebenso der Schrank davor. Einige davon trafen seinen Vater, der nur wenige Meter von der Tür entfernt stand und bohrten sich tief in seinen Körper.
Sein Vater verlor den Blaster, stürzte brüllend zu Boden. Wälzte sich herum, die Hände vor den Bauch gepresst.
Mutter rannte ebenfalls schreiend auf ihn zu. Sie erreichte ihn nie.
Männer in schwarzen Kampfanzügen stürmten die Hütte. Clankrieger!
Unwillkürlich wich Larn in den düsteren Raum hinter sich zurück. Zog reflexartig die Tür zu. Stand einen Augenblick völlig reglos.
Dann ging ein Ruck durch seinen Körper. Er wollte seinen Eltern zu Hilfe eilen, musste zu ihnen, musste irgendetwas tun!
Ein leises Schluchzen hinter ihm ließ ihn innehalten. Chris!
Larn hatte seinen Bruder beinahe vergessen.
Zusammengekauert hockte der Jüngere in einer Ecke des Raumes. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Das kleine rote Holzauto, das er so liebte, hielt er fest umklammert. Nun streckte er es Larn entgegen.
»Ich wollte es retten«, jammerte er.
»Sei leise!« Larn stürzte auf seinen Bruder zu und nahm ihn auf den Arm. Sein geschundener Rücken brüllte vor Pein. »Um Himmels willen, sei still. Sie dürfen uns nicht hören!«

Im Kindle-Shop: Die Macht der Clans: Band 1

Mehr über und von Gabi Büttner auf ihrer Website.

'Todesrache: Die Heimsuchung' von Elke Billstein

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Darf der Mensch im Leben über „Leichen“ gehen um seine Ziele zu erreichen? Oder werden ihn genau diese dann nach ihrem Tod dafür bestrafen und Rache nehmen?

Leseprobe:
Kapitel 1
Nächtliches Erwachen
Ein eisiger Hauch umfing ihn in dieser so merkwürdig stillen Nacht. Was hatte ihn aufwachen lassen? Genau diese Stille? Oder was sonst hatte ihn aus seinem tiefen Schlaf hochschrecken lassen? Es war ihm selbst nicht bewusst wie er in sein Wohnzimmer gekommen war. Auch das konnte er nicht erklären. Irgendetwas war anders. Er sah sich, mit aufkommender Gänsehaut im Zimmer um. Die Uhr zeigte kurz vor halb vier am Morgen. Nur der Schein der Straßenlampe schien leicht auf das gegenüberliegende Regal. Die Bücher standen wie immer in einer Reihe, die Bilder scheinbar auch. Doch halt – was war mit dem größten Bild geschehen? Er ging zum Lichtschalter. Als er diesen berührte, schien es, als sei er auf Eis gestoßen. Schnell drückte er den Schalter. Das Licht ging an. Er ging zum Regal, nahm das Foto hervor und – seine Glieder erstarrten. Auf dem Foto, welches in schwarz-weiß gehalten war, saßen einige ihm bekannte Gestalten, die jedoch – schon tot waren und von denen er sicherlich nie Bilder gemacht hatte. Schon gar nicht standen sie im Zusammenhang miteinander. Oder doch? Ihm wurde mehr als unbehaglich. Am liebsten hätte er das Bild wieder weggestellt, doch irgendetwas ließ ihn zögern. Nein, viel mehr! Irgendetwas ließ ihn den Bilderrahmen einfach nicht zurück auf das Regal stellen. Es war wie eine enorm hohe Magnetkraft, die gleichzeitig seine Hände zu verbrennen schien. Ein unsäglicher Schmerz durchfuhr ihn und ein Schrei hallte durch den Raum. Mit einem Knall fiel ihm das Bild aus der Hand ...

Kapitel 7
Angst
Er hatte sich also im Hinterzimmer des Büros seine Liege fertig gemacht und versuchte nun in den Schlaf zu finden. Doch es gelang ihm einfach nicht. Morgen würde er sich Schlaftabletten besorgen. Die ganze Nacht ließ er wie ein kleines Kind das Licht im Büro an und ständig schreckte er hoch, weil er meinte, etwas gehört zu haben. Wem konnte er seine Ängste mitteilen? Er dachte scharf nach, aber es fiel ihm niemand ein. Dies war solch ein Moment wo einem Menschen klar wird, dass er im Grunde total alleine ist. In guten Zeiten ist meist jemand für einen da, aber in schlechten ... Merkwürdigerweise dachte er gerade in diesem Augenblick an seine Frau und seine Kinder. Was sie jetzt wohl machten?
Idiot, schlafen natürlich, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Die Nacht verbrachte er mit kurzen, heftigen von Albträumen gefüllten Schlafphasen und hellwachen, grübelnden Gedanken um schließlich früh am Morgen gegen sechs sein Haus zu betreten. Zuvor hatte er ein Schild an die Tür seiner Agentur gehängt. Heute geschlossen! Kein Hinweis warum. War ihm doch egal! Er war sein eigener Herr. Jetzt nach der Kündigung sowieso. Aber daran dachte er gerade gar nicht mehr. So etwas wischte er einfach fort. Total übermüdet betrat er den Korridor. Gleich wurde es ihm wieder mulmig zumute. Am liebsten hätte er das Haus sofort wieder verlassen. Aber er musste sich ja auch mal wieder einkriegen. Er ging unter die Dusche, wusch sich jedoch unruhig innerhalb von drei Minuten. Irgendwie wollte er gewappnet sein, das Haus bei Bedarf sofort verlassen zu können. Er machte sich einen starken Kaffee und überlegte, was er nun weiter tun könne. Ach ja, die DVDs mussten ja zurückgebracht werden. Es fiel ihm schwer, die runde Scheibe aus dem Recorder zu holen. Aber entgegen seiner Erwartung stellte sich seine Hoffnung ein und es geschah – nichts! Er brachte die DVDs also zurück und holte sich die Schlaftabletten. Dann fuhr er wieder nach Hause, ohne sich weitere Filme geliehen zu haben und nahm eine von den Tabletten, um schon nach kurzer Zeit in tiefen, traumlosen Schlaf zu fallen.

Kapitel 12
Realität
Manfred erwachte am nächsten Morgen erst spät und wie gerädert. Der Traum fiel ihm wieder ein. Mein Gott, konnte er nicht wenigstens in Ruhe schlafen? Wie betrunken schlürfte er ins Bad und wusch sich. Er mochte sich nicht ansehen, mochte nicht in diesen Spiegel blicken. Die Angst saß zu tief in ihm. Nachher würde er womöglich wieder einer Fratze begegnen. Nach der Toilette ging er hinunter in die Küche, machte sich ein Brot und einen Kaffee, legte sich auf die Couch und machte den Fernseher an. Sein Blick fiel auf sein Wohnzimmer. Es sah grauenvoll aus. Überall lag etwas herum und der Staub saß inzwischen dick auf allen Regalen und Tischen. Er sah auf die Vitrine – und erstarrte. Was er sah, war sein eigenes Spiegelbild. Doch es zeigte einen alten, vergrämten Mann mit ... einer verkrusteten langen Wunde in seinem Gesicht. Es war die Stelle, in der das Wesen der Nacht seine Zeichen hinterlassen hatte!

Im Kindle-Shop: Todesrache: Die Heimsuchung.
Mehr über und von Elke Billstein auf ihrer Website.



15. April 2019

'Sukkubus: Dämonin der Lust' von Krystan Knight

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Nach ihrer Hochzeitsnacht erwacht die junge Cyris neben dem toten Sohn des Grafen. Sie wird in den Kerker geworfen und hat scheinbar jegliche Erinnerungen verloren. Doch Cyris ist weder unschuldig noch hilflos. Unter der Tortur der Folterknechte entwickelt sie ein unstillbares sexuelles Verlangen.

Schmerz und Leidenschaft sind für die rothaarige Schönheit untrennbar miteinander verbunden, während die Männer um sie herum in lüsternen Wahnsinn verfallen. Als ihr endlich die Flucht gelingt, sind nicht nur die Häscher des Grafen hinter ihr her. Hexenjäger haben die Verfolgung aufgenommen und der Inquisitor des Bischofs höchstpersönlich. Denn in Cyris schlummert das dämonische Erbe der Sukkubus und ihre Kräfte sind gerade erst dabei, sich zu entfalten ...

Leseprobe:
Ihr nackter Körper war schweißnass, als sie erwachte. Verwirrt sah sie sich um. Licht fiel durch ein großes Fenster, draußen schien die Sonne unangenehm hell. Sie zog die Beine an und versuchte, den gleißenden Strahlen zu entgehen, die über ihre Schenkel streiften. Da war Blut auf den durchwühlten Laken.
Instinktiv tastete sie sich ab und suchte nach einer Verletzung. Doch da war keine. Ihr Körper wirkte makellos.
»Wo bin ich?«
Immer noch verwirrt von dem so real wirkenden Albtraum schlüpfte sie aus dem Bett. An der Wand lehnte ein Silberspiegel. Sie betrachtete das Bild einer jungen Frau mit langen roten Haaren, die über ihre festen Brüste wallten. Ihr Spiegelbild wirkte fremd und falsch. Unsicher tastete sie danach.
»Bin ich das? Wer ...?«
Von draußen hörte sie Schritte. Hektisch griff sie nach einem weißen Kleid, das am Boden lag, und streifte es sich über. Der Stoff war eingerissen, aber es bedeckte ihre wohlgeformten Rundungen. Das Gewebe war fein, doch irgendetwas fühlte sich falsch an.
»Was tue ich hier? Wo bin ich?«
Sie wollte zum Fenster gehen, umrundete das Bett und zuckte erschrocken zusammen. Vor ihr lag ein nackter Mann, daneben ein zerbrochener Krug. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, nur seinen Rücken, auf dem blutige Kratzspuren prangten. War dies der Mann aus ihren Träumen?
Sie zögerte, kniete sich dann aber neben ihn. Ihre Finger berührten seine kalte Haut. Sie wusste, dass er tot war, noch bevor sie seinen Kopf zur Seite drehte und in seine leeren Augen starrte. Verstört taumelte sie zurück. Ihr Herz pochte wild, und sie rang nach Luft. Entfernt hörte sie einen hellen Schrei, bis sie begriff, dass es ihre eigene Stimme war. Alles schien so fremd und falsch.
Die Schritte kamen näher.

»Was ist hier passiert?«, rief plötzlich eine Männerstimme. »Mädchen, was hast du getan?«
Immer noch vom Schreck benommen, hockte sie neben dem Toten und starrte nun zu dem bewaffneten Mann an der Tür. Er war bereits im fortgeschrittenen Alter, sein Gesicht wirkte rau und sein Waffenrock zeigte eine in Gold gestickte Chimäre auf rotem Untergrund.
»Ich weiß nicht, was passiert ist«, stieß sie hervor. Tränen erstickten ihre Stimme. Sie wusste es wirklich nicht. Sie wusste nicht einmal, wer sie war, doch das verschwieg sie in diesem Moment.
»Was ist los?«, schrie eine andere Männerstimme durch die geöffnete Tür.
»Kommt herbei!«, brüllte der mit einem Schwert bewaffnete Krieger und kniete sich neben die Leiche. Seine Hand legte sich prüfend an die Kehle des leblosen Mannes. »Der Sohn des Grafen ist tot.«
Der Bewaffnete schaute entsetzt in die tränennassen Augen des Mädchens. »Beim ewigen Licht, was ist hier passiert? Was hast du getan, Cyris?«

Im Kindle-Shop: Sukkubus: Dämonin der Lust.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Krystan Knight auf der Website seines Verlages.



'Erfolgsmensch: Lerne von den erfolgreichsten Menschen dieser Welt' von Ignatz Rajher

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Lerne von Größen wie:
Thomas Edison | Stefan James | Michael Jordan | Walt Disney | Dustin Hoffman | Frances McDormand | Robert Kiyosaki | Steve Jobs | Warren Buffet | Bill Gates | Oprah Winfrey | Lars Hinrichs | Richard Branson | Travis Kalanick | Wolfgang Amadeus Mozart | Stephen King | Galileo Galilei | Anthony Robbins | Cristiano Ronaldo | Edith Piaf | Stephen Hawking | Ludwig van Beethoven | Coco Chanel | David Bowie | Maya Angelou | Frank Thelen | Sylvester Stallone | Ellen DeGeneres | Sixto Rodriguez | Mark Zuckerberg | J.K. Rowling | Anna Wintour | Elon Musk | Owen Cook | Nathanael Draht | Sophia Amoruso | Marlene Dietrich | Marie Curie | Amanda Hocking

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Danach wird es dir garantiert nie wieder an Motivation fehlen!

Worauf wartest du also noch? Du bist nur noch ein paar Klicks davon entfernt die Lektionen der erfolgreichsten Menschen dieser Welt kennenzulernen! Handle jetzt und lass dir dabei helfen deine Ziele zu erreichen!

Leseprobe:
Vorwort
Bist du unzufrieden und unglücklich mit deinem Leben? Möchtest du endlich ein erfolgreiches und erfülltes Leben führen, weißt aber nicht genau wie? Viele Menschen fühlen sich genauso wie du, und das ist kein Zufall.
Bereits in der Schule werden deine Fehler mit schlechten Noten bestraft. Später im Beruf hast du Angst gekündigt zu werden, wenn du zu viele Fehler machst. Es vergeht nicht viel Zeit und du beginnst Risiken zu scheuen und dich von deinen Ängsten kontrollieren zu lassen. Mit der Zeit entwickelst du dich zu einem risikoscheuen Menschen und der Gedanke an „Sicherheit“ wird zum wichtigsten Begleiter deines Lebens. Mut und der Wille zur Veränderung werden in den meisten von uns unterdrückt, in anderen stirbt er vollkommen aus. Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen ist ein wichtiger Bestandteil des „Mensch-seins“. Doch du bist durch die Gesellschaft, dein Umfeld und deine früheren Erfahrungen inzwischen so sehr geprägt worden, dass du ein angsterfülltes Leben führst. Unmut und Selbstzweifel beherrschen dein Leben. Die Angst davor, Neues und Unbekanntes auszuprobieren, wird zu einem Teil von dir.
Sätze wie „Ich gehe lieber kein Risiko ein“ und „Lieber auf Nummer sicher gehen“ dominieren eines Tages dein Leben. Du zweifelst an deinen Fähigkeiten oder schlimmer noch, kennst deine Fähigkeiten nicht einmal, weil du deine Leidenschaft im Leben noch nicht gefunden hast. Oder sie, was noch schlimmer ist, inzwischen verloren hast und auch aufgeben hast, sie weiter zu verfolgen.
All das wird dieses Buch bereinigen. Ich will dich mitnehmen auf eine Reise, die dein volles Potenzial entfalten wird und dir aufzeigt, wie du selbst ein Erfolgsmensch werden kannst. Egal in welchem Lebensbereich du momentan mit Problemen zu kämpfen hast. Die folgenden 39 Geschichten von einigen der erfolgreichsten Menschen dieser Welt werden dir zeigen, dass all die Hindernisse, die auf dem Weg zu einem erfolgreichen und glücklichen Leben aufkommen können, allesamt von dir überwunden werden können. Du wirst in inspirierende und motivierende Geschichten eintauchen, die deinen Horizont erweitern und dir aufzeigen werden, dass du die einzige Person auf Erden bist, die den Schlüssel zu deinem Glück in den Händen hält. Mach dich bereit. Schnall dich an. Es wird eine turbulente Achterbahnfahrt der Gefühle werden. Lass uns beginnen.

Einleitung - Fortschritt braucht Rückschläge
Viel zu häufig machen wir es uns zu einfach indem wir behaupten, dass alle erfolgreichen Menschen besondere Persönlichkeiten darstellen, die etwas Großartiges geschaffen haben, und dass du selbst das niemals könntest. Wenn du allerdings genauer hinsiehst und verstehst, was erfolgreiche Menschen ausmacht, was du von ihnen für dein eigenes Leben lernen kannst, dann wirst du auch verstehen, dass keiner von ihnen etwas in seinem Leben getan hat, dass du nicht genauso gut tun kannst. Jede einzelne erfolgreiche Person hat einmal irgendwann klein angefangen, genauso wie du. Was macht erfolgreiche Menschen also aus? Woher nehmen sie den Antrieb, Risiken einzugehen und sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten zu lassen? Ganz einfach: Erfolgreiche Menschen wissen, was sie wollen! J.K. Rowling wusste, dass sie Harry Potter schreiben will, Frank Thelen, dass er Entwicklungen nach vorne treiben will und Dustin Hofmann, dass er schauspielern will. Diese Klarheit wurde zur Obsession und gleichzeitig zum wichtigsten, glasklaren Antrieb von allen.
Was unterscheidet einen erfolgreichen von einem erfolglosen Menschen? Auch das wirst du hier lernen: Erfolglose Menschen erleiden einen Rückschlag und geben auf, erfolgreiche Menschen lernen daraus und machen weiter – bis sie ihr Ziel erreicht haben.
Das Wort „Risiko“ fällt häufiger im Zusammenhang mit erfolgreichen Menschen. Doch ist dies eigentlich ein Begriff für ängstliche Menschen. Denn passender wäre „unkonventionell“. Auch einmal über den Tellerrand hinausschauen und die eigene Komfortzone verlassen, um etwas Neues zu wagen – das ist eine Charaktereigenschaft, die sich erfolgreiche Menschen angeeignet haben. Erfolgreiche Menschen kennen auch keine Ausreden. Schon mal gehört, dass jemand sein Karriereziel erreicht hat, indem er ständig verschlafen, zu viel gefeiert und Instagram als viel interessanter angesehen hat? Wer Erfolg hat, lässt sich nicht aufhalten, weder durch Ablenkung, noch durch Ausreden. Erfolgreiche Menschen können gar nicht unpünktlich sein, weil sie sowieso immer an ihrer Idee arbeiten. Dadurch gewinnen sie enorm viel Wissen auf ihrem Gebiet und werden mit jeder neuen Erfahrung und jedem Fehler ein bisschen besser, schneller, effizienter und weiser. Daraufhin braucht man sich vor Herausforderungen natürlich nicht mehr zu scheuen – erfolgreiche Menschen lieben neue Herausforderungen. Sie wissen, dass sie jedes Mal etwas tun müssen, das ihnen Angst macht und über ihre bisherigen Fähigkeiten hinaus geht, um wahre Entwicklung zu erfahren. Sie nehmen Chancen wahr, die sich ihnen unverhofft eröffnen. Wenn sich ihnen nichts erschließt, dann suchen sie aktiv nach Mitteln und Wegen, um sich diese Chancen selbst zu erschaffen. Sie bleiben neugierig, wissbegierig und ihre Grenzen verschieben sich immer weiter nach hinten, weil sie mit ihren Erfahrungen wachsen. Und natürlich lernen erfolgreiche Menschen auch Krisen erfolgreich zu bewältigen. Sie können Probleme, Niederlagen und schmerzhafte Rückschläge verkraften und wieder neu starten, statt sich geschlagen zu geben und beleidigt auf die ganze Welt in eine Ecke zu verziehen. Diese Eigenschaft entwickelt mit der Zeit natürlich auch eine Spürnase für die richtigen Entscheidungen, was ab einem gewissen Moment nur zu Erfolg führen kann.
Du wirst nun 39 Geschichten von einigen der erfolgreichsten Personen zu lesen bekommen, die die Welt je gesehen hat. Sie werden dich inspirieren, motivieren und deinen Horizont erweitern. Du wirst erfahren, was sie erreicht haben, wie sie es erreicht haben, auf welche Hindernisse sie dabei gestoßen sind, und was du aus ihren Geschichten lernen kannst.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen, und bin mir sicher, dass dieses E-Book das Potenzial hat, deinem Leben eine neue Richtung vorzugeben und Hoffnung zu wecken.

Im Kindle-Shop: Erfolgsmensch: Lerne von den erfolgreichsten Menschen dieser Welt.
Mehr über und von Ignatz Rajher auf seiner Website.



12. April 2019

'Regatta in die Liebe: Ein Sizilien-Roman' von Lisa Torberg

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Frühling in Sizilien – und Gina liebt ihr Leben zwischen dem bunten Markttreiben, dem kleinen Lokal an der Küste und den ruhigen Abendstunden beim Leuchtturm. Jetzt will sie nur noch den Traum ihres verstorbenen Vaters verwirklichen und mit seiner alten Segeljacht an der historischen Regatta teilnehmen. Das Einzige, was ihr weiterhin fehlt, ist ein Segelpartner ...

Leonardo arbeitet die Überfahrt von Tunis in seine alte Heimat auf einem Fischkutter ab. Nach dreizehn Jahren will er seinen Ziehvater wiedersehen, in dessen Bootswerkstatt arbeiten – und die Vergangenheit vergessen. In der Werft stolpert er über eine aufgebockte Holzjacht, die ihn sofort fasziniert. Und dann lernt er die Frau kennen, der sie gehört ...

Der Roman ist in sich abgeschlossen und gehört nicht zu einer Serie.
Weitere Bücher von Lisa Torberg auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Sie hatte immer gedacht, dass es im Leben auf die großen Dinge ankommt. Ein Haus mit so vielen Zimmern, dass der Platz nie knapp wird, eine Limousine, in der man auf der Rückbank sitzen kann, ohne mit den Knien an den Vordersitz zu stoßen, und ein gut gefülltes Bankkonto. Eines, das sich wie von selbst ständig füllt, sodass man nie darüber nachdenken muss, was und ob man es sich leisten kann.
Das alles hatte sie gehabt – und wieder verloren.
Und trotzdem spürte sie jetzt den inneren Frieden, der sie erfüllte, obwohl sie an dem Ort war, den sie viele Jahre lang so sehr gehasst hatte.

Gina konnte sich nicht genau erinnern, wann sie dieses Ekelgefühl entwickelt hatte, aber es war irgendwann zwischen dem vierten und letzten Grundschuljahr gewesen. Sobald die Sommerferien begannen, fuhr sie mit ihrer Mutter jeden Tag auf einen anderen Wochenmarkt in den umliegenden Gemeinden. In ihrem Stand verkauften sie das auf ihrem Land angebaute Gemüse, allem voran Artischocken, selbst gemachte Konserven, Oliven, den Honig ihrer Bienen und manchmal auch Fisch, den ihr Vater im Morgengrauen vor der Küste ihres Heimatorts Torretta Granitola fing, wenn er nicht schlafen konnte. Es war ein strahlend blauer Sommertag gewesen, als dieses Mädchen, das kaum älter war als sie selbst, vor ihrem Marktstand stehen geblieben war und sie von oben bis unten musterte, bevor sie ihrer Mutter etwas ins Ohr flüsterte. Die elegant gekleidete Frau hatte in ihre schicke Handtasche gegriffen und einen Geldschein hervorgeholt. Mit einem Blick, der irgendwo zwischen Mitleid und Abscheu angesiedelt war, hatte sie ihr die zwanzig Euro hingehalten. »Kauf dir was zu essen, mein Kind«, hatte sie in unsicherem Italienisch mit starkem Akzent gesagt – und Gina in einen emotionalen Abgrund gestürzt.
Ihre Mamma war mit den Kunden beschäftigt und hatte nichts mitbekommen. Als Melina ihre Tochter in den darauffolgenden Wochen, Monaten und Jahren immer wieder fragte, was denn mit ihr los sei, erhielt sie keine Antwort. Versuchte sie zu verstehen, warum Gina nur stumm vor sich hinstarrte und um nichts in der Welt sonntags mit ihr und dem Vater nach Mazara fahren wollte, wo sie früher stets Eisessen waren, antwortete sie nicht. Sie zog sich immer mehr zurück, wurde einsilbig und unnahbar und saß stundenlang unter dem riesigen Olivenbaum, um aufs Meer zu starren und ihren Träumen nachzuhängen.
Gina wollte weg von dieser Insel – so rasch wie möglich und egal wie. Mit jedem Jahr, das verging, wurde ihr Wunsch übermächtiger, bis er sich erfüllte. Mit wehenden Fahnen und ohne zurückzuschauen, verließ sie mit Roberto und seinem Ring an ihrem Finger am Tag nach ihrem achtzehnten Geburtstag, der auch der Tag ihrer Hochzeit gewesen war, ihre Heimat und ihr Elternhaus und begann in Mailand das Leben, das sie sich immer gewünscht hatte.
Allein der Gedanke an die Durchschnittlichkeit der Menschen in Sizilien, die jeden Tag der Woche dem Festmahl nach dem sonntäglichen Kirchgang voller Vorfreude entgegenblickten und dieses als Höhepunkt ihres Lebens ansahen – sofern man von Weihnachten und Ostern absah –, ließ sie damals schaudern. Nie, nachdem sie weggegangen war, hatte sie das Bedürfnis verspürt, auch nur für wenige Tage hierher zurückzukehren.
Roberto hatte ihre Entscheidung nie hinterfragt, im Gegenteil, er war froh darüber. Hätte Gina den Entschluss nicht von selbst getroffen, hätte er es für sie getan. Doch das wurde ihr erst nach einiger Zeit klar, als sich ihre anfängliche Verliebtheit legte und sie seinen wahren Charakter erkannte. Um sein Gewissen zu beruhigen, hatte ihr Mann ihren Eltern Flugtickets geschickt, damit sie Weihnachten miteinander verbringen konnten, aber die beiden hatten sich weder in der riesigen Stadt noch in der elegant eingerichteten Wohnung wohlgefühlt. Wie Fische, die von der rauen See auf den Strand geworfen wurden, hatten sie gewirkt – und waren nie wiedergekommen. Die sonntäglichen Telefonate blieben jahrelang Ginas einziger Kontakt mit den Eltern und ihrer Heimat. Sprachen die Geschäftsfreunde ihres Mannes und deren Frauen begeistert von ihren luxuriösen Aufenthalten in Taormina oder einem der eleganten Golfresorts Siziliens, machte sie sich noch kleiner und unsichtbarer, als sie war. Obwohl sie sich die Mühe hätte sparen können – sie bemerkten sie bei solchen Gelegenheiten ohnehin nicht.
Für Roberto war sie sowieso nicht mehr als ein hübsches Mitbringsel aus dem Urlaub, das er geheiratet und ganz nach seinen Wünschen geformt hatte. Dass sie vierzehn Jahre jünger und »eine heiße Südländerin« war, machte ihn in den Augen seiner überheblichen und oberflächlichen Freunde zu einem Glückspilz. Sobald sie sich von ihren Begleiterinnen unbeobachtet fühlten, glitten ihre gierigen Blicke von Ginas dunklen Locken zu ihrer beachtlichen Oberweite, die sich ihre Frauen und Geliebten von plastischen Chirurgen vergrößern ließen, und weiter zu den gerundeten Hüften – und manchmal verirrte sich eine Hand an ihren Po. Anstatt sie zurechtzuweisen, lachte ihr Mann in solchen Momenten und meinte: »Jetzt stell dich doch nicht so an, Gina!«

Bei dem Gedanken, der so real wirkt, als ob es soeben erst wieder passiert wäre, grub Gina unwillkürlich die Fingernägel durch den Stoff der Jeans in ihre Oberschenkel, bis der Schmerz sie zusammenzucken ließ. Sie lockerte den Griff und legte den Kopf ein wenig zurück, um nach oben zu schauen. Mit dem Rücken lehnte sie gegen die Rinde des knorrigen Olivenbaums, den bereits der Urgroßvater ihres Urgroßvaters gepflanzt hatte. Seine Äste bildeten ein schützendes Dach und zwischen seinen Blättern säuselte der Libeccio, der warm aus Afrika über das Mittelmeer herüberwehte und den Frühlingsabend zum ersten angenehmen des Jahres machte.
»Wusste ich’s doch, dass du vor dem Schlafengehen wieder hier sitzt, sobald die Temperatur es zulässt.« Sie hatte Rosa gar nicht kommen sehen, die jetzt mit einem tiefen Seufzer zu Boden sank und sich neben ihr an den ausladenden Baumstamm lehnte. Die Dunkelheit wurde nur noch von den Sternen am wolkenlosen Himmel und dem nahen Leuchtturm von Capo Granitola, dessen Lichtstrahl in regelmäßigen Abständen aufblinkte, erleuchtet.
»Du solltest doch schon längst im Bett sein.« Gina griff nach Rosas Hand und strich über die Schwiele an ihrem Zeigefinger, die von dem Messer herrührte, mit dem sie heute wieder stundenlang die bald letzten Artischocken der Saison, die sie liebevoll nur mit der sizilianischen Bezeichnung cacocciuli nannte, geputzt hatte – neben all der Arbeit, die im Lokal anfiel.
»Und du nicht? Wenn mich nicht alles täuscht, bist du auch schon seit fünf Uhr auf den Beinen und sitzt immer noch da.«
»Das ist doch ganz etwas anderes«, wiegelte sie ab und zog ihre Hand zurück. Blitzschnell griff Rosa danach und drückte ihre Finger so fest zusammen, bis sie ihren Blick erwiderte.
»Findest du? Ich wusste nicht, dass wir mit zweierlei Maß messen. Liegt das daran, dass ich deine Mutter sein könnte?« Die Worte sprudelten einfach so aus Rosas Mund, und als sie bemerkte, was sie gesagt hatte, war es bereits zu spät.
Tränen traten in Ginas Augen. Hektisch sprang sie auf, wischte mit den Händen die verräterischen Spuren aus ihrem Gesicht und versuchte sich in einem Lächeln.
»Komm, es ist spät. Lass uns schlafen gehen.«
Ohne sich noch einmal umzudrehen, lief sie auf den ehemaligen aus Stein erbauten, renovierten Stall zu, in dem sie lebte. Seit gut vier Jahren – und allein. Und soeben war ihr wieder klar geworden, dass sie daran nichts ändern wollte, obwohl Rosa sie nahezu täglich darauf ansprach, zu ihr in das Doppelhaus zu ziehen. Sie war froh, dass sie den Teil davon, in dem sie aufgewachsen waren und wo ihre Eltern gelebt hatten, als Lager und für ihre Arbeit verwendete und nicht zwischen erdrückenden Erinnerungen leben musste.
Ohne das Licht anzumachen, hängte sie die Jacke auf, streifte ihre Kleidung Schicht für Schicht ab und ging ins Bad. In der geräumigen Duschkabine legte sie den Hebel um und griff nach der Handbrause, damit die Haare nicht nass wurden. Wenige Minuten später lag sie im Bett. Damals, in Mailand, brauchte sie abends allein zum Abschminken länger als heute für ihre gesamte Abendtoilette. Die Vorstellung, wie entsetzt Roberto wäre, wenn er das wüsste, ließ sie in der Dunkelheit kichern und vertrieb den schmerzlichen Gedanken an ihre Eltern allerdings nicht lange, denn als sie die Augen schloss, sah sie ihre Gesichter plötzlich vor sich. Sie waren beide abgearbeitet und müde, aber sie lächelten ihr zu. »Mi dispiace tanto, Mamma. Es tut mir so leid, Papà«, flüsterte sie und schluckte den Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte, hinunter. Dann umklammerte sie das Kissen und rollte sich wie ein Embryo zusammen – wie jeden Abend.

Im Kindle-Shop: Regatta in die Liebe: Ein Sizilien-Roman.
Weitere Shops: Buch bei BookRix
Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.



11. April 2019

'Der Wert der Wahrheit' von D.W. Crusius

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Jean Delong arbeitet für die SRA in Amman. Sein Job - er beschafft Informationen aus dem Hexenkessel Nahost. Das Geschäftsmodell der SRA - Special Risk Analysis - ist simpel: Bei der aktuellen Inflationsrate ist Erpressung die einzige wertbeständige Valuta. Der Treibstoff des Geschäfts ist Korruption bis in höchste Regierungskreise.

Ihre wichtigste Quelle ist Sheikh Turki in Dschidda. Turki liefert wertvolle Informationen zu jedem Terroranschlag, jedem dreckigen Waffendeal. Ed Sullivan, CEO der SRA in New York, verkauft dann meistbietend an Regierungen und Rüstungsfirmen.

Jean Delong ist williger Akteur in diesem schmutzigen Spiel, bis er selbst nur knapp einem Anschlag entgeht, dem ein britischer Atomwissenschaftler zum Opfer fällt. Er taucht in Frankreich unter, aber seine Auftraggeber spüren ihn auf. Einen Deal soll er noch erledigen. Seine frustrierende Erkenntnis: Jobs dieser Art hängt man nicht einfach an den Nagel.

Leseprobe:
Damaskus
Der Zwischenfall in Damaskus war ein unglückliches Zusammentreffen zweier Ereignisse, die einfach nicht zusammenpassten.
»Ein Kurier ist ausgefallen, liegt im Krankenhaus«, hatte Akke Salander gesagt, »ich muss dich um diesen Gefallen bitten. Liegt nicht auf deiner Linie, ich weiß. Ist eine äußerst dringende Angelegenheit.«
Jean Delong sträubte sich nicht groß, im Gegenteil. Mal eine Abwechselung, dachte er. Hinter ihm auf der Ladefläche lagen fünf Holzkisten, jede zwei Meter lang, 40 mal 60 Zentimeter im Durchmesser. Sehr stabile Behälter. Die großflächigen schwarzen Logos auf den Kisten erweckten den Anschein einer humanitären Hilfslieferung. Auf den Seiten des Lieferwagens prangte der Schriftzug MEDICO, eine NGO in Stockholm. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, der Fahrer wäre in einem humanitären Auftrag unterwegs.
Alles Bluff.
Die MEDICO in Stockholm hatte einen medizinischen Hintergrund, ähnlich wie Ärzte ohne Grenzen. Die SRA in Amman stand eher für das Gegenteil. Bei der MEDICO wusste man, dass die SRA ihren Namen als Deckmäntelchen benutzte und im Gegenzug revanchierte sich Ed Sullivan, der Boss der SRA in New York, mit großzügigen Spenden. Sollte jemand in Stockholm anrufen und fragen, ob der Fahrer des Wagens bei MEDICO auf der Gehaltsliste stand, dann wurde das bereitwillig bestätigt. Schon das Logo öffnete viele Türen, Grenzbäume schwenkten hoch, ohne genaue Pass- oder Fahrzeugkontrolle. Wie jetzt auch an der Grenze nach Syrien, als Jean dem Grenzbeamten seine Papiere zeigen wollte. Der winkte ab. Das Logo suggerierte, der Inhalt der Kisten habe etwas mit Medizin oder Pharmazie zu tun. Herzschrittmacher oder Abführpillen.
Jean wusste, was die Kisten enthielten. Wie Akke gesagt hatte, ein Sonderauftrag. Keine brisanten Informationen, Dokumente, Computerdateien auf CDs und USB-Sticks, wie sonst. Mal was anderes. Gut bezahlt wurde es auch. Außerdem – das kam als Anreiz noch oben drauf – war er schon lange nicht mehr in Damaskus, sicher fünf Jahre oder mehr. Eine wunderbare Stadt. Obwohl das, was einmal wunderbar an der Stadt war, was romantische Geister vielleicht noch immer an Tausendundeine Nacht erinnern mochte, im wahrsten Sinn des Wortes verraucht war. Inzwischen hörte man häufiger Explosionen, als Rufe des Muezzins von den Minaretts. Damals hatte nicht viel gefehlt, und er wäre geblieben. Die Frau, mit der er was hatte, wollte dann doch nicht dauerhaft mit ihm zusammenwohnen, ihm, einem Mann aus dem Abendland. Ihre Eltern waren erzkonservativ. Jetzt lebte er in Beirut, der Stadt, die man vor vielen Jahren Paris des Nahen Ostens genannt hatte. Auch nicht schlecht, obwohl vom Pariser Flair viel abgeblättert war.

Im Kindle-Shop: Der Wert der Wahrheit.
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'Rattentod' von Livia Pipes

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»Was wollen Sie wissen?«, raunte er ihr lasziv ins Ohr. »Vielleicht, wie ich sie getötet habe?« Er sah sie direkt an. »Damit Sie sich ausmalen können, was ich mit Ihnen machen werde?«

Das Ende des Winters naht und Kati Lindberg tritt nach einer erfolgreichen Traumatherapie wieder ihren Dienst an. Doch gleich der erste Arbeitstag reißt alte Wunden auf.

Am Leichenfundort, zu dem sie am frühen Morgen gerufen wird, findet sie zunächst einen erdrosselten Busfahrer vor. Der Notarzt stellt die Vermutung an, dass es sich bei dem Tatwerkzeug um ein französisches Folterinstrument aus dem Mittelalter – eine Garrotte – handeln könnte. Ein verletzter Fahrgast, der ebenfalls unter der Brücke aufgefunden worden ist, ist demselben Schicksal nur sehr knapp entgangen. Nachdem er wieder bei Sinnen ist, stellt sich heraus: Die vier Teenager, die er zu einem Konzert begleitet hatte, sind entführt worden.

Einer von ihnen wird in der Nähe lebend aufgefunden. Der Erleichterung folgt schnell die Ernüchterung und überdies riesiges Entsetzen, denn der siebzehnjährige Finn wurde als Träger einer mysteriösen Nachricht auserwählt, die dem Team um Kati Lindberg Rätsel aufgibt. Sie war eingeritzt … auf seinen Bauch. Doch dabei soll es nicht bleiben …

Der Täter, der ihnen immer einen Schritt voraus ist, spielt sein tödliches Spiel und Kati muss alles geben, um sein Geheimnis zu lüften.

Weitere Bücher von Livia Pipes auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
»1-2-8-4«, las Timo laut vor.
»Das kann nicht sein.« Katis Stimme klang zittrig. Nicht schon wieder, dachte sie, als sie die auf Finns Bauch eingeritzten Zahlen sah. In ihr stiegen Bilder auf. Bilder aus dem letzten Sommer, in dem sie ein Wahnsinniger aus Rache fast umgebracht hatte. Er hatte seine Opfer bestialisch abgeschlachtet und auf verschiedene Art und Weise Zahlen und Buchstaben bei ihnen hinterlassen. Genau wegen dieses Falls, wegen dieses Wahnsinnigen, war sie wochenlang in Therapie gewesen. Und nun?
War jetzt schon wieder so ein Verrückter unterwegs? Kati spürte, wie sich ihr Hals zuschnürte. Sie sah zu ihrem Wagen. Sie könnte dort hingehen, einsteigen und wegfahren. Weit wegfahren. Es wäre ganz einfach.
Sie zitterte am ganzen Leib. Trotzdem trat Schweiß auf ihre Stirn. Nein, nein, das durfte sie nicht. Die Therapeutin tauchte vor ihrem inneren Auge auf. Sie hatte mit ihr nach einer anderen Lösung gesucht. Der Kiesel!
Kati griff in ihre linke Manteltasche und suchte nach dem Stein. Ihrem Lebensretter in solchen Situationen. Er war glatt und unnachgiebig. So sollte sie selbst auch sein, hatte ihre Therapeutin gesagt. Sie sollte glatter werden.
Sie starrte auf die Ziffern. Keuchte. Alles an sich abperlen lassen, aber nicht abstumpfen. Nein, abstumpfen wollte sie auf gar keinen Fall. Sie wollte in ihrem Beruf empathisch bleiben, aber nicht daran zerbrechen. Wo war der Kiesel nur? Sie keuchte schwer, konnte den Blick jedoch nicht vom Bauch des Jungen abwenden. Sie tastete hektisch in beiden Manteltaschen herum. Scheiße! Wo war er bloß? Ihr Mageninhalt begann, sich seinen Weg zu bahnen. Zu spät. Sie würgte, torkelte ein paar Schritte neben den Krankenwagen und erbrach sich.
Als außer Galle nichts mehr kam, richtete sie sich wieder auf und suchte in ihrer Manteltasche nach einem Taschentuch.
Timo war, ohne dass sie es bemerkt hatte, neben sie getreten und reichte ihr ein frisches.
Sie sah ihn dankbar an. »Danke dir.« Sie tupfte sich die Lippen ab und wollte das Tuch in ihre Hosentasche stecken, als sie dort etwas Hartes spürte. Ihren Kiesel. Ihren glatten Flusskiesel. Da war er. Erleichtert nestelte sie ihn hervor und ließ ihre Hand mit dem Kiesel in der Manteltasche verschwinden. Glatt und hart. Ich bin glatt und hart, wie der Stein in meiner Hand. So eine Situation kann mich nicht zerstören.
»Gehts wieder?«, fragte Timo und berührte sie an der Schulter.
Sie nickte. »Ja. Es war nur eine Art Déjà-Vu.«
»Ich weiß«, antwortete er und blickte wissend in den dunklen Morgen. »Ich weiß.«
Gemeinsam wendeten sie sich dem Jungen zu. Die Sanitäter deckten ihn gerade sorgfältig zu.
Finn sah sie verwirrt an. »Was hat das zu bedeuten? Was sollen die Zahlen auf meinem Bauch?«
Bevor Kati oder Timo antworten konnten, meldete sich Dr. Häberle zu Wort. »Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber wir müssen jetzt los«, sagte der Arzt. »Wir bringen ihn ins Robert Bosch.« Dann schoben die Sanitäter die Liege in den Wagen und schlossen die Türen von innen. Dreißig Sekunden später fuhr der Rettungswagen mit Blaulicht los.
Auch der zweite Wagen setzte sich in Bewegung.
Frau Brunner kam auf sie zu. »Beruhigend, dass wenigstens einer der Jugendlichen gefunden wurde.«
»Man hat ihm Ziffern auf den Bauch geritzt«, brachte Kati mit Mühe hervor.
Brunner sah beide irritiert an. »Wie? Ziffern geritzt? Mit einem Messer?«
»Ja, wahrscheinlich. Man erkennt dort die Folge 1-2-8-4«, erklärte Timo. Sein Blick ging von Brunner zu Kati.
»Was soll das bedeuten?«, fragte die Staatsanwältin. »Und was hat der Junge sonst noch erzählt?« Sie sah auffordernd zu Kati, doch die schüttelte nur ihren Kopf, unfähig zu sprechen.
»Keine Ahnung, was das mit den Ziffern auf sich hat«, sagte Timo. »Er gab aber an, dass er gesehen hat, wie sein Vater gestürzt ist. Danach war plötzlich alles voll mit Rauch, und kurz, bevor er ohnmächtig wurde, hat er noch gesehen, wie ein Mann mit Gasmaske im Bus auftauchte.«
»Der mutmaßliche Entführer«, sagte Brunner.
Timo nickte. »Anzunehmen.«
»Konnte er Kleidung oder Haarfarbe beschreiben?«
»Nein«, antwortete Timo. Er sah die Straße hinunter. »Jetzt haben Sie Martinez fahren lassen und er hat uns noch nicht einmal die Nachnamen der anderen Teenager gesagt, ganz zu schweigen von möglichen Motiven. Sind die Eltern reich? Gehts vielleicht um Lösegeld?«
»Mit dem Zeugen haben wir auch nicht gesprochen«, sagte Kati roboterhaft und sah zu ihrem Wagen. In ihrem Kopf kreisten unablässig Gedanken, seit sie die Ziffern auf dem Bauch des jungen Mannes gesehen hatte. Scheiß auf den Kiesel, dachte sie und ließ ihn los. 1-2-8-4. Geritzt in den Bauch des Jungen. Auf gar keinen Fall würde sie sich noch einmal auf so etwas einlassen. Kranke Psychopathen, die nicht nur Lust am Foltern und Morden empfanden, sondern auch die Polizei in ihr Katz-und-Maus-Spiel mit einbezogen.

Im Kindle-Shop: Rattentod: Kriminalroman (Tatort Stuttgart - Kati Lindberg-Reihe 3).
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10. April 2019

'Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters 2' von Olivièr Declear

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Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Adelsintrigen ist der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Leseprobe:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

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