24. September 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 2: Adelsintrigen' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite
Anno Domini 1235 in Köln: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Anleser:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

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17. September 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 1: Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Anno Domini 1225 liegen weite Gebiete Europas in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln ...

Anleser:
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.

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15. September 2020

'Bruna-Brunhilde' von Uschi Meinhold

E-Book | Taschenbuch | handsigniertes TB
Website
Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter

Eine vermeintlich zeitlich ferne Geschichte - die auch im spanischen Westgotenreich mit der Hauptstadt Toledo spielt - wird im Roman über Bruna-Brunhilde als Kind, Herangewachsene, Liebhaberin, Leidende, Mutter und Herrscherin erzählt. So steht eine Frau des 6. Jahrhunderts, eine westgotische Prinzessin, eine merowingische Königin, eine Nibelungentochter im Mittelpunkt. Das Leben Bruna-Brunhildes ist zwar zeitlich fern, in manchem uns aber ganz nah.

Warum? Das Buch findet Antworten.
Außer dieser westgotischen, gebildeten Prinzessin Bruna, die fern ihrer Heimat - die sie nie wiedersehen wird - im Frankenreich ihres merowingischen Mannes nach dessen Ermordung als Herrscher in seiner Nachfolge versucht, gerecht zu handeln, wird die politische Geschichte dieser Zeit erzählt. Dies am Beispiel handelnder Menschen, die, wie Bruna-Brunhilde, im Mittelpunkt im Roman stehen. Denn Menschen machen Geschichte.

Wir können von Ereignissen im spanischen Westgotenreich – in Toledo, in Valencia -,im Merowingerreich der Franken: in Renève sur Vingeanne, in Chalon, in Metz, in Worms und Lorsch lesen. Das Nibelungenlied basiert auf dem glücklich-unglücklichen Leben dieser mächtigen Frau. Ähnlichkeiten zwischen dieser fernen Welt und unserer heute lassen sich entdecken. Aber auch das Andere, das Ferne, macht das Lesen ebenfalls interessant.

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14. September 2020

'Allegras Fluch' von Kerstin McNichol

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Autorin | Traum³ Verlag
Allegra lässt nichts unversucht, um ihren Vater vor einer Torheit zu bewahren. Die verzweifelte Tochter schreckt noch nicht einmal vor Hexerei zurück, damit die Verlobte aus ihrer Leben verschwindet. Allerdings läuft der Zauber schief und beide verschlägt es in eine andere Zeit.

Um eine Chance auf Rückkehr zu haben, müssen die beiden zusammenarbeiten und sich Verbündete suchen. Doch was tun, wenn auch die Helfer untereinander zerstritten sind?

Anleser:
„Wir sind verlobt“, quietschte Jasmin vergnügt während sie Allegra die Hand entgegenstreckte.
Den Ringfinger zierte ein zartes Band mit einem funkelnden Stein in der Mitte. Offensichtlich hatte sich ihr Vater nicht lumpen lassen. Allegra wusste nicht, was sie mehr verärgerte. Die Tatsache, dass er so viel Geld für eine Torheit ausgab, oder dass diese Hochstaplerin nun ihre Stiefmutter-in-Spee war.
„Gratuliere“, gab sie möglichst neutral von sich und blickte dabei Jasmin in die Augen. Jasmin sollte erkennen, dass sie ihr Spiel durchschaute. Die erhoffte Gegenreaktion blieb aus. Allegra hatte darauf gezählt, dass Jasmin die Beherrschung verlieren würde und sie anschrie. So hätte ihr Vater ihren wahren Charakter erkennen müssen. Doch stattdessen schmiegte sich Jasmin eng an Alexander und blickte ihn nicht nur verliebt an, sondern streichelte mit der linken Hand über seinen Brustkorb, sodass der Ring im Licht wie eine Trophäe glitzerte.
Selbstverständlich erwiderte er die Geste und zog seine junge Gefährtin noch enger an sich heran. Die jugendliche Verliebtheit, welche die beiden zur Schau stellten ärgerte Allegra maßlos. Es war ihr nicht nur unangenehm, dass ihr Vater von Jasmin nicht genug zu bekommen schien, sondern sie fand auch, dass er sich permanent wie ein dummer Schuljunge benahm und nicht wie der neunundvierzigjährige erfolgreiche Geschäftsmann, der er war. Angewidert wendete sie den Blick ab, wenn sich die beiden küssten. Allegra konnte und wollte sich einfach nicht daran gewöhnen, dass ihr Vater diese Frau liebte. Zum einen war er mehr als doppelt so alt wie sie, und zum anderen war Jasmin mit ihren vierundzwanzig Jahren lediglich neun Jahre älter als sie selbst.
Seit Anbeginn dieser unheilvollen Beziehung hatte für Allegra festgestanden, dass Jasmin ihren Vater lediglich ausnutzte. Außer dem Studium eines unbedeutenden Faches an der Uni, hatte sie nichts weiter vorzuweisen. Jasmin war pleite und das, was sie als Liebe darstellte, war nichts weiter als ein uralter Trick mit dem sich Weiber wie sie das Vermögen von verblendeten Männern in der Midlife Crisis aneigneten. Dieser Ring untermauerte Allegras Vorbehalte, zumal vor kurzem noch die Rede davon war, dass Jasmin das Studium aufgeben und sich von Alexander ein kleines Ladenlokal in der Stadt finanzieren lassen wollte.
Für Allegra war die Sache glasklar. Hier ging es nicht um Liebe, sondern lediglich darum, für die eigene Zukunft auszusorgen. Und dies schien Jasmin während des romantischen Wochenendes in den Bergen endgültig gelungen zu sein. Der Verlobungsring war der untrügliche Beweis dafür, dass Jasmin den Aufstieg von der Freundin zur Verlobten geschafft und sich dadurch den Platz in der Familienhierarchie gesichert hatte.
Dennoch war dies kein Grund, dass Allegra ihre Anstrengungen Jasmin loszuwerden einstellen würde. Im Gegenteil, sie würde ihre Bemühungen verdoppeln; Jasmin durfte nicht ihre Stiefmutter werden. Da Alexander altmodisch war würde er Jasmin so schnell wie möglich heiraten wollen. Allegra war der Meinung, die Verliebtheit ihres Vaters wäre nur der törichte Versuch, an seiner Jugend festzuhalten und sich so über die Scheidung hinwegzutrösten.
Jasmins albernes Gekicher riss sie aus den Gedanken und Allegra blickte zu den beiden herüber. Es machte sie wütend zu sehen, wie ihr Vater sanft den Hals seiner Verlobten küsste und sie sich dabei noch enger an ihn drückte.
Allegra platzte der Kragen.
„Verdammt noch mal, spart euch diese Liebelei für ein Publikum auf, das euch den Nonsens abnimmt“, keifte sie.
„Was erlaubst du dir?“, rief der Vater ebenso verwundert wie empört.
In seinem Blick lag eine Mischung aus Unglauben und Zorn.
Unwillkürlich senkte Allegra unter dem strengen Blick den Kopf. Seine heftige Reaktion hatte sie erschreckt. Sie hatte ihn auch nicht so anblaffen wollen und schaute ihn schüchtern an, um sich zu entschuldigen. Doch als Jasmin den Arm um seine Taille legte und sie vorwurfsvoll ansah, konnte sich Allegra nicht mehr beherrschen.
„Wie konntest du eine derartige Torheit begehen? Wieso begreifst du nicht, dass sie sich nur ins gemachte Nest setzen will?“, schleuderte sie ihm wütend entgegen.
„Ich warne dich, treib es nicht zu weit“, forderte er und hob mahnend den Zeigefinger, während er einen Schritt auf seine Tochter zuging.
„Papa, bist du echt so naiv zu glauben, dass diese Beziehung funktionieren würde? Für sie bist du nur ein alter Idiot, den sie ausnehmen kann“, rief Allegra und sah ihn mit fiebrigen Augen an.
„Allegra, das reicht! Du entschuldigst dich sofort bei Jasmin“, verlangte er streng.
Allegras Herz klopfte vor Aufregung als sie in die entschlossenen Augen ihres Vaters blickte, doch anstatt einzulenken kniff sie die Lippen zusammen und starrte ihn mit leicht nach vorn gesenktem Kopf angriffslustig an. Er hatte einen Nerv getroffen.
„Diese Verlobung ist lächerlich. Du steckst doch nur in der Midlife-Crises.“
„Das reicht, Allegra“, fuhr er ihr über den Mund. „Du gehst augenblicklich auf dein Zimmer, bevor ich mich vergesse.“
„Gewalt ist alles, was dir dazu einfällt? Die hat dich bereits auf ihr Niveau heruntergezogen?“ Allegras Mienenspiel sprach Bände.
„Verschwinde auf dein Zimmer“, kam es gepresst von Alexander.
Allegra glaubte zu sehen, wie sehr er unter dieser Auseinandersetzung litt und wertete dies als einen Schlachtsieg.

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11. September 2020

'Du sollst nicht töten' von Alexander Kühl

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Blutwut-Verlag
Die Kommissare Kurt Stolze und Paula Reichmann treffen bei einer Tatortuntersuchung in einem Berliner Kellergewölbe auf zwei Leichen, die zu Tode gefoltert wurden. Ein Chirurg schuf in den Katakomben der Hauptstadt eine Parallelwelt, um an alleinstehenden Frauen Gesichtstransplantationen zu testen.

Die beiden Ermittler finden unzählige Polaroid-Bilder, mit denen der Arzt seine Arbeiten dokumentierte. Der Fall scheint klar und gilt als abgeschlossen, doch dann geht die Mordserie weiter und die beiden Ermittler finden ein Geheimnis, das ihre Vorstellungen sprengt ...

Buchtrailer:




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'Marias Sehnsucht: Die Reise einer Jüdin' von Uschi Meinhold

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Marias Sehnsucht? Welche Maria ist gemeint? Der Leser begegnet einer wohlhabenden und gebildeten Jüdin, die als junge Frau ihren Heimatort Magdala in Galiläa nach dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters verlässt, um zu reisen. Die Sehnsucht nach Veränderung führt Maria zu Verwandten nach Zypern, anschließend in die Hauptstadt des alles beherrschenden Römischen Reiches, Rom, und auf die Insel Capri.

Sie ist sehr eng befreundet mit Claudia, der Tochter des Princeps Tiberius. Aus dem anfangs unbeschwerten Romaufenthalt Marias wird durch die Nähe zur Tochter des Herrschers, inzwischen Ehefrau des Pilatus, ein Eintauchen in menschliches Leid. Aber auch glückliche Momente erlebt die Reisende durch die Zuneigung zum Römer Lupus. Sie begegnet Personen, die die Geschichte der Zeit bestimmen: Princeps Tiberius, Pilatus, Herodes.

Eingebunden in die politische Geschichte sind private Schicksale. Maria kehrt nach Magdala in Galiläa zurück. Wie auf der Reise erlebt sie in ihrer Heimat neben Glück auch Leid, begegnet diesen Erfahrungen gestärkt, weiß, wie sie leben will und mit wem: mit ihrer gehörlosen Tochter Lea und dem Römer Lupus. Er ist ihr nach Magdala nachgereist.

Die Autorin erzählt die Geschichte der vielbeschriebenen Maria Magdalena auf andere Weise, als sie bisher verbreitet worden ist. Was der Autorin in ihrem Roman 'Bruna-Brunhilde' (Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter) gelungen ist - die Leser durch lebendig und spannend erzählte Geschichte zu unterhalten und zu berühren -, kann auch in diesem Roman erwartet werden.

Über Frauen in der Geschichte sprechen - jetzt den Newsletter abonnieren - und einen Kurz-Krimi aus römischer Zeit als Geschenk erhalten.

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10. September 2020

'Explosive Vibes: Julian & Marie' von Monica Bellini

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Prinzen gibt es nur im Märchen und Traumfrauen verwandeln sich immer in Hexen. Oder doch nicht?

Mit vierzehn wurde Marie wegen ihres Übergewichts gemobbt. Der einzige Lichtblick in ihrem Dasein war ihr arabischer Märchenprinz, der ein paar Klassen über ihr war. Als sie endlich ihren Babyspeck loswird, hat er die Schule längst beendet. Viele Jahre später findet sie ihren Traumjob – und ausgerechnet er ist einer ihrer neuen Chefs.

Julian pfeift auf sein Bad-Boy-Aussehen, das er seinen saudi-arabischen Genen verdankt, und auf seinen beruflichen Erfolg, denn privat hat er einfach kein Glück. Mit den Frauen erlebt er nur Märchen, die verkehrt herum ablaufen: Innerhalb kürzester Zeit werden aus den vermeintlichen Prinzessinnen hässliche Kröten.

Am Tiefpunkt angelangt, stellt sein Partner eine neue Architektin ein. Ihre blitzblauen Augen ziehen ihn an. Ihre Wahnsinnsfigur erregt ihn. Ihr launenhaftes Verhalten bringt ihn zur Weißglut. Aber das ist erst die Ruhe vor dem Sturm …

Abgeschlossener Liebesroman mit heißen Szenen und Happy End. „Explosive Vibes: Julian & Marie“ ist der fünfte Roman der „LoveVibes“-Reihe. Alle Bücher können ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Anleser:
MARIE
»Eigentlich wären Sie die perfekte Wahl für den Posten, Frau Winter.«
Von den beiden Grübchen neben den Mundwinkeln meines Gegenübers, die sich vertiefen, sobald er lächelt, ist nichts mehr zu sehen. Doch nicht das ist es, was meinen Magen zusammenballt und mir das Gefühl gibt, dass all die darin enthaltene Säure durch meine Kehle nach oben dringt. Nein, es ist dieses Wort, mit dem er den letzten Satz eingeleitet hat.
Das unausgesprochene »Aber« liegt in der Luft.
Und das »Uneigentlich«, mit dem ich meine Gegenfrage einleiten will, auf meiner Zunge.
Verdammt, verdammt, verdammt!
Jahrelang habe ich darauf gewartet, endlich zeigen zu können, was ich kann. Bis heute war ich chancenlos, habe es in Bewerbungsgesprächen für einen verantwortungsvollen Posten nie über die erste Hürde hinweggeschafft. Stets bin ich von irgendeinem in den Rollenbildern der Gesellschaft festgefahrenen Geschäftsführer oder Personalchef bereits beim ersten Vorstellungsgespräch – sofern es überhaupt dazu kam – abgekanzelt worden. Für sie war ich jung, blond und dumm. Wobei von diesen klischeehaften Attributen mittlerweile nur noch das zweite stimmt und das letzte schlichtweg eine haltlose Behauptung ist. Als ob die Haarfarbe irgendetwas über den Zustand des Gehirns einer Person aussagen würde. Wäre dem so, in welche Schublade gehören dann Männer mit Glatze?
Keine Ahnung, woher dieser Gedanke jetzt kommt.
Mein Gegenüber ist alles andere als haarlos. Seine dunkelblonden Haare strahlen im durch das Fenster einfallenden Sonnenlicht mit seinen kornblumenblauen Augen um die Wette. Aber das Lächeln, das die ersten zwanzig Minuten unseres Gesprächs begleitet hat, fehlt jetzt. So wie ihm offenbar nach dem letzten Satz der gesamte Wortschatz abhandengekommen ist. Mir nicht.
»Und uneigentlich?«, schleudere ich ihm entgegen.
Du solltest das Hirn einschalten, bevor du sprichst, Marie, sagt mein Bruder immer. Den Spruch hat er mitsamt der Beschützerrolle von unserem Vater übernommen. Als ob ich es mit zweiunddreißig nötig hätte, von irgendjemandem beschützt zu werden! Aber Peter geht in dieser Rolle auf. Seitdem unsere Eltern beide in Pension und nahezu ständig auf Reisen sind, noch mehr als früher – und das, obwohl ich schon seit Jahren allein und in Wien lebe.
Das dunkle Lachen, mit dem mein Gegenüber meine trockene und unüberhörbar schnippische Frage kommentiert, holt mich aus den Untiefen meiner unsinnigen Überlegungen zurück in das Besprechungszimmer, das mit seiner eleganten modernen Einrichtung all das widerspiegelt, was der Mann an der anderen Tischseite vertritt. Guten Geschmack, exzellente Ausführung der Projekte und die führende Marktposition seines Unternehmens nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich. Nicht zu vergessen, dass er dem alten Adel unseres Landes angehört, jedoch keiner der verarmten Sprösslinge irgendwelcher Snobs mit wohltönenden Namen ist, die ihre Herkunft vor sich hertragen wie eine Krone und sich bewegen, als ob sie einen goldbestickten Mantel aus rotem Samt mit Hermelinbesatz trügen. Im Gegenteil. Er ist bodenständig, spricht ohne diesen hochgestochenen näselnden Unterton und hat von dem Moment an, an dem wir uns mit Handschlag begrüßt haben, keine Mauer zwischen uns hochgezogen. Max Kaunitz ist nicht nur extrem sympathisch, höllisch attraktiv und offenbar humorvoll, vor allem ist er jung. Nicht viel älter als ich vermute ich, denn sein Geburtsjahr ist in seiner Biografie auf der Firmenwebsite nicht angegeben.
»Auch uneigentlich, Frau Winter«, antwortet er jetzt mit unüberhörbar heiterem Unterton.
Meine Augenlider verselbstständigen sich und flattern. Mehrmals. Was hat er gesagt? Ich vergrabe die Fingernägel in meinen Oberschenkeln und bin froh, dass der Stoff der Hose meines eleganten Tailleurs verhindert, dass ich mich blutig kratzen kann.
»Wie meinen Sie das, Herr Kaunitz?«
Er lächelt, und ich starre fasziniert auf die beiden Grübchen, die sich neben seinen Mundwinkeln vertiefen.
»Ich hätte Sie gern in meinem Team, Frau Winter, aber nicht als Projektleiterin, sondern in der Direktion. Sie werden uns in allen Projekten unterstützen. Wann können Sie anfangen?«
Mein Puls beschleunigt, das Blut rast im Galopp durch meinen Körper. Ich spüre, wie es in meinen Kopf schießt und meine Wangen zu glühen beginnen.
»Sie meinen ...?«
»Genau das, was ich gesagt habe.« Er zwinkert mir zu. »Über die Vertragsdetails sprechen wir dann später gemeinsam mit Hans Brunner, dem Personaldirektor der Kaunitz GmbH, und meine Frau freut sich schon darauf, Sie kennenzulernen. Allerdings ist sie heute nicht im Haus. Sie wird Sie morgen durch die Abteilungen führen und überall vorstellen.«
Max Kaunitz spricht und lächelt mir zu, aber ich begreife nur, dass ich den Job habe, und ein Wort bleibt hängen. Ich wiederhole es fragend. »Morgen?«
»Ist Ihnen das zu früh, Frau Winter? Ich hoffe nicht. Sie haben doch in Ihren Bewerbungsunterlagen geschrieben, dass ...«
»Nein, es ist nicht zu früh!«, rufe ich aus. »Im Gegenteil!«
Mein Gegenüber atmet erleichtert aus. »Das ist gut. Sehr gut. Wir haben zwar sofort nach dem Lockdown wegen des Coronavirus wieder voll unsere Arbeit aufgenommen, aber mit den neuen Projekten können wir erst jetzt so richtig durchstarten. Gemeinsam mit Ihnen, Frau Winter. Details zu den Projekten erfahren Sie dann morgen, doch zuallererst müssen Sie jetzt meinen Schwager kennenlernen, mit dem Sie eng zusammenarbeiten werden.«
Mir fehlen die Worte. Ich bin fassungslos. Es ist ... Unglaublich! Wie ein Urschrei erklingt das Echo in meinem Kopf und bringt mich an den Rand eines Tinnitus. Es klingelt und quietscht so laut, dass ich zwar sehe, wie Max Kaunitz mit einer Handbewegung das Intercom in der Mitte des Tisches aktiviert und seine Lippen bewegt, jedoch nicht höre, was er sagt, bevor er wieder zu mir schaut. Ich sehe, wie sich sein Mund bewegt, und endlich wird die Kakophonie in meinem Kopf leiser.
»... sind wahrlich außerordentlich, Frau Winter.«
»Wie bitte?«, frage ich mit einem Hauch von Stimme.
»Ihre Projekte.« Er deutet auf meine Bewerbungsmappe.
»Die, an denen ich mitgearbeitet habe«, stelle ich eilig klar.
Max Kaunitz wirft mir einen nachdenklichen Blick zu. »Genau so habe ich Sie eingeschätzt.«
Mit einem Stirnrunzeln versuche ich zu begreifen, wo der Haken in seiner Aussage liegt.

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'Schicksalspfad des Tempelritters - Band 3: Flammende Himmel' von Olivièr Declear

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Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Anleser:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

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9. September 2020

'Liebe, Lüge, Sylt' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
»Es kommt, wie es kommt, und es kommt.« Janette John

Wenn DU die Augen schließt, sind meine offen,
sie behüten DICH und hoffen.


Was für ein Mann?, dachte Nadine, als sie am Morgen erwachte und den großgewachsenen, humorvollen und wunderbar einfühlsamen Kerl neben sich liegen sah. Endlich hatte das ständige Hin und Her mit Daniel ein Ende, hoffte sie. Doch das Glück begann zu bröckeln, da der Neue sich immer weniger meldete und irgendwann gänzlich von der Bildfläche verschwand. Als Monate später die Kriminalpolizei von Sylt bei ihr anrief, weil man bei einer Leiche ein Handy gefunden hatte, auf dem ein Foto von ihr zu sehen war, holte sie die Vergangenheit auf bedrückende Weise ein. Wer war der Tote und wieso trug er das Bild bei sich? Fragen, auf die sie keine Antwort hatte, und daher selbst auf der Nordseeinsel zu recherchieren begann.

Liebe, Lüge, Sylt – wenn das Leben dich schlägt.
Der 13. Fall der Kripo Bodensee.

Anleser:
NICK
Er lenkte sein Auto an ihrem Haus vorbei. Ein schneller Blick hinauf zum Fenster, dann sah er wieder auf die Straße. Jedoch, wenn es dämmerte, fuhr er im Schritttempo hier entlang, um hochzusehen, zu der Wohnung, in der abends Licht brannte und er sie am Fenster stehen sah. Wochen ging das nun schon so. Doch ihm fehlte der Mut, das Auto zu parken und bei ihr zu klingeln. Immerhin kannten sie sich erst wenige Monate und hatten sich nicht im trauten Einvernehmen getrennt.
Endlich war er bereit, auszusteigen und sich in die Dunkelheit zu begeben, um dem Ganzen ein Ende zu setzen. Derart hatte er sich eine Trennung nicht vorgestellt. Als Womanizer hatte sie ihm ihr Herz zu Füßen gelegt und er hatte es üblicherweise gebrochen. Allerdings mit diesem Schmerz hatte er nicht gerechnet. Wie auch? Immerhin war sein Plan ein anderer gewesen. Und nun stand er wie angewurzelt da und starrte mit feuchten Augen die Jahrhundertbaufassade empor.
Was soll ich ihr sagen?
Dass es mir leidtut?
Dass ich nie vorhatte, mit ihr eine Beziehung einzugehen?
Oder dass es meine Art ist, Frauen um den Finger zu wickeln, weil ich mich danach besser fühle? Manchmal dauert es ein paar Tage, manchmal ein paar Monate und manchmal …
Nein, das letzte Manchmal mag ich nicht. Ich glaube nicht an die Liebe und schon gar nicht an die Ehe. Sollen es die tun, die daran festhalten. Es geht auch ohne Trauschein. Ich hatte ein Leben, lange vor dem hier, auch mir wurde wehgetan. Die Jahre danach waren hart. Einen Menschen zu verlieren, weil er dir unter der Hand wegstirbt, ist schrecklich.

Der Tod gehört zum Leben wie das Leben zum Tod.
Und dann kommst ausgerechnet du, knallst in mein Leben. Es ist ein ständiger Kampf, glaub mir das. Jeden Tag versuche ich, dich zu vergessen. Dabei wohnst du in der gleichen Stadt. Hier haben wir uns kennengelernt, und hier haben wir uns geliebt. Und jetzt sitzt du oben in deiner Wohnung und ich starre zu dir hinauf. Hör auf, mich zu lieben, dann höre ich auch auf, dich zu lieben. Lass mich in Ruhe! Vergiss mich! So wie ich dich versuche zu vergessen. Nur wenn das so leicht wäre, stünde ich nicht hier
Verdammt!!!


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8. September 2020

'Herbstrebellen: Resümee der Leidenschaften' von Roda Roth

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Roda Roth
Roda Roths Gedichte und Prosa, die als lyrische Zeitzeugen von der Zerbrechlichkeit der Gefühle erzählen. Von den Stürmen die zu überstehen und den unzähligen Brücken die nötig sind, um zueinander zu finden. Sie berichten von den Lieben des Lebens, Von all den Höhen und Tiefen, dem Lachen und den Tränen. Himmel und Hölle - Berührung wird zum Glück.

Wer sich darauf einlässt so geliebt zu werden, kann fliegen oder auch tief fallen. Hier gibt es kein Mittelmaß, keine lauen Kompromisse, nur entweder ... oder mit Lust, Courage und Fantasie. Die Sehnsucht wird so zu einer einzigartigen Poesie.

Anleser:
Vorbei

Ich schaue in die Welt,
erkenne so viel Schönes um mich,
doch ich sehe dich nicht mehr.

Der ewige Kuss ist verschwunden,
die Rose verblüht,
ich finde das Versprechen nicht mehr.

Die zärtlichen Worte sind verstummt,
das vertraute Flüstern verloren,
ich höre die Verführung nicht mehr.

Ich möchte deine Hände streicheln,
sie auf meine Brüste legen und stelle fest,
ich empfinde die Lust nicht mehr.

Es ist auf einmal so schwer,
einen Schritt auf dich zu zugehen,
ich fühle die Sehnsucht nicht mehr.

Alles aus? Vorbei?
Ich rufe, suche, frage, fluche.
Nichts mehr.
Alles aus und vorbei.

Lautlos II

Gedanken werden zur Achterbahn,
Liebesblitze machen Lust,
alle Fragen gehen schlafen.

Wir küssen uns die Worte weg,
legen Sinnlichkeit auf unsere Lippen.
Stille.
Kein Ton.
Nur die Seele ruft mit zarten Glockenschlägen nach Liebe.
Komm, komm.

Unsere Küsse sind leise Liebesfanfaren,
wir atmen die Liebe pur,
sind umschlungen von Liebe,
die Liebe sind wir.

Kein Sturm bäumt sich auf,
nur Zärtlichkeit liegt in unseren Händen,
Rosen duften zwischen unseren Schenkel
und unsere Herzen schaukeln auf Sonnen.

Traumwünsche kommen aus dem Nebel,
umarmen sich jubelnd und werden eins,
Gelüste reiten auf heißer Haut.
Jeder Blick komponiert ein Glück.
Jede Berührung, das Zittern macht,
wird eine lautlose und bezaubernde Liebe mehr sein.

Wolfsliebe

Es gibt Zeiten, wo glückliche Wölfe gejagt werden von unglücklichen, gestörten, neidischen Raben, die ohne Sinn und Verstand nur vernichten wollen.
Vorsicht, wir Wölfe sind aufmerksam, unsere Zähne scharf, der Verstand hellwach. Mit Ausdauer und Gewissheit kreisen wir euch ein, machen euch zu Gejagten. Sind wir einmal im Rausch gibt es kein Halten mehr, kämpfen, auch wenn wir schon am Boden liegen! Wir sind miteinander verbunden im Herzen der Liebe und der Ehre. Ein Wolf kann, wenn er allein ist, hingestreckt werden. Aber Vorsicht bei zwei Wölfen, der zweite wird den feigen Jäger reißen und die Wunden seines ewig verbundenen Seelenwolfes lecken, ihn mit seinem zerzausten und blutigen Fell wärmen, bis er wieder aufsteht.
Ein Wolfsschrei wird zu hören sein, der selbst den Mond erzittern lässt, tief, inbrünstig, gewaltig: Wir sind die Sieger, nicht die Beute! Wir leben das Leben. Wir lieben - Reize nie einen Wolf.

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7. September 2020

'Wer nix checkt, kann nix ändern: DerLangeWeg - Sein Leben lenken lernen' von Herbert Lange

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website zum Buch
Dem Menschen können Flügel wachsen, wenn er weiß, wie´s geht. Aber: Wer nix checkt, kann nix ändern!

Unvorteilhafte und zumeist unhinterfragte Denk-, Fühl- und Verhaltensgewohnheiten können dich stark ausbremsen und dein persönliches Wachstum dauerhaft sabotieren. Wenn du möchtest, dass dir befreiende Flügel wachsen, und du nicht länger Gefangener deines Autopiloten bleiben willst, sind drei Schritte wichtig:
- Erkenne und löse deine Selbstsabotage-Programme
- Lerne, dich und deine Gefühle effektiv zu lenken
- Entwickle deine Lebenswunschziele und strebe sie erfolgreich an
In diesem Buch erfährst du, wie das funktioniert.

Der LANGEWEG ist die Quintessenz einer jahrzehntelangen Beratererfahrung des Diplom-Psychologen Herbert Lange. Er unterscheidet sich deutlich vom Mainstream der Einzelkämpfer-Mentalität und vertritt eine kooperative und ethisch verankerte Grundphilosophie.

Für kurze Zeit zum E-Book-Aktionspreis von nur 99 Cent.

Du möchtest lernen, dein Leben selbst zu lenken? In die gewünschte Richtung? In Verbundenheit mit wertvollen Menschen? Du suchst für dieses mutige Vorhaben nach einer Art „Betriebsanleitung“, nach einer Vorgehensweise, die dich dabei unterstützt, deine Absichten erfolgreich in die Tat umzusetzen? Dann kann es sehr gut sein, dass du jetzt fündig geworden bist. Für den Fall, dass du dir über deine persönlichen Ziele noch nicht oder noch nicht ganz im Klaren bist, kann ich dir dabei behilflich sein, deine Wunschziele zu entwickeln ...

Link zur Leseprobe

4. September 2020

'Bruna-Brunhilde' von Uschi Meinhold

E-Book | Taschenbuch | handsigniertes TB
Website
Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter

Eine vermeintlich zeitlich ferne Geschichte - die auch im spanischen Westgotenreich mit der Hauptstadt Toledo spielt - wird im Roman über Bruna-Brunhilde als Kind, Herangewachsene, Liebhaberin, Leidende, Mutter und Herrscherin erzählt. So steht eine Frau des 6. Jahrhunderts, eine westgotische Prinzessin, eine merowingische Königin, eine Nibelungentochter im Mittelpunkt. Das Leben Bruna-Brunhildes ist zwar zeitlich fern, in manchem uns aber ganz nah.

Warum? Das Buch findet Antworten.
Außer dieser westgotischen, gebildeten Prinzessin Bruna, die fern ihrer Heimat - die sie nie wiedersehen wird - im Frankenreich ihres merowingischen Mannes nach dessen Ermordung als Herrscher in seiner Nachfolge versucht, gerecht zu handeln, wird die politische Geschichte dieser Zeit erzählt. Dies am Beispiel handelnder Menschen, die, wie Bruna-Brunhilde, im Mittelpunkt im Roman stehen. Denn Menschen machen Geschichte.

Wir können von Ereignissen im spanischen Westgotenreich – in Toledo, in Valencia -,im Merowingerreich der Franken: in Renève sur Vingeanne, in Chalon, in Metz, in Worms und Lorsch lesen. Das Nibelungenlied basiert auf dem glücklich-unglücklichen Leben dieser mächtigen Frau. Ähnlichkeiten zwischen dieser fernen Welt und unserer heute lassen sich entdecken. Aber auch das Andere, das Ferne, macht das Lesen ebenfalls interessant.

Über Frauen in der Geschichte sprechen - jetzt den Newsletter abonnieren - und einen Kurz-Krimi aus römischer Zeit als Geschenk erhalten.

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'Der Strandhexenmord: Ostseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
An einem Sonntag im August verschwindet die sechsjährige Jule am Strand von Travemünde. Die Entführer stellen keine Forderungen, doch sie hinterlassen eine seltsame Botschaft. Sind die Täter im Umfeld der geschiedenen Eltern zu finden? Was ist ihr Motiv und was ihr Ziel?

Während die Ermittlungen laufen, sind die Kidnapper weiterhin aktiv – auf eine Weise, die niemand zu deuten versteht. Molly Bleck und Malte Graf von der Soko Mysterious geraten unter Druck. Da geschieht auf der Nordermole ein Mord.

Band 2 der Reihe ‚Ein Fall für Molly Bleck‘. Jeder Band behandelt einen in sich abgeschlossenen Kriminalfall. Doch ein Geheimnis um Mollys Privatleben, das im Mordfall von Band 1 "Der Herzmuschelmörder" eine wichtige Rolle spielt, setzt sich in Band 2 fort. Daher empfiehlt es sich, mit dem ersten Teil zu beginnen.

Anleser:
Molly und Malte trafen Heiko Bleeken vor seinem Haus an. Er kniete im Vorgarten vor einem Stück Rasen, der mit Ziegelsteinen eingefasst war und auf dessen Mitte ein Tontopf mit blühenden Blumen stand. Er hielt eine Schere in der Hand.
Während Molly am Straßenrand parkte, stierte Malte den Mann fassungslos an. »Sag bloß, der schneidet den Rasen mit der Nagelschere«, raunte er Molly zu.
»Zuzutrauen wäre es ihm, so penibel gepflegt, wie das Haus und der Garten wirken. Mir scheint, alles, was er macht, hat System.«
»Was in diesem Fall nicht unbedingt für ihn spricht«, sagte Malte. »Oder doch: für ihn als Täter.«
»Lass ihn das bloß nicht hören.« Auch Molly sah zu dem Mann hinüber.
Er hob den Kopf, winkte ihnen zu und erhob sich.
Molly holte noch einmal tief Luft. »Also los.« Entschlossen öffnete sie die Wagentür.
»Moin, Herr Bleeken. Können Sie noch einmal fünf Minuten für uns erübrigen?«
»Wenn es um meine Tochter geht, immer. Ich hoffe, Sie bringen gute Nachrichten mit.«
Breitbeinig blieb er vor ihnen stehen, die Schere in der Hand, und versperrte den Weg ins Haus.«
Molly verspürte ein Kribbeln im Nacken. »Dürfen wir uns wieder auf die Terrasse setzen?«
Bleeken zögerte. Dann legte er die Schere auf einen Stein. »Ja, natürlich.« Er führte sie ums Haus herum zur Terrasse. »Wenn ich erfahren dürfte, worum es geht? Sie werden verstehen, ich werde ungeduldig. Der Zustand, in dem ich lebe, kann nicht ewig andauern. Das halte auch ich mit meinen stärkeren Nerven nicht aus.«
»Stärker als was?«, fragte Molly geradeheraus.
Heiko zuckte mit dem Kopf. »Stärker als die Nerven meiner Frau. Was wir führen, ist doch ein Nervenkrieg, oder nicht?«
Malte beugte sich interessiert zu ihm vor. »Sie sind immer noch davon überzeugt, dass Ihre Frau Jule verschwinden lassen hat?«
Heiko ging auf die Frage nicht ein. »Lassen Sie uns endlich zur Sache kommen. Ich meine das ernst mit meiner Ungeduld. In der Nacht tue ich kaum ein Auge zu. Also bitte.«
»Jule wird es zurzeit nicht besser ergehen als Ihnen«, erwiderte Molly schnippisch und präsentierte ihm gleich darauf die Frage, die sie hierhergetrieben hatte. »Sie wissen, dass Ihre Frau über ein Dating-Portal einen neuen Partner sucht.«
Heiko warf den Kopf zurück und lachte verächtlich. »Das ist es, weshalb Sie hergekommen sind.« Er rieb sich die Nase. »Ja, ich weiß davon. Jule hat sich mal verplappert, und ich konnte mich nicht zurückhalten. Ich habe ihr ein paar Fragen gestellt. Es geht schließlich auch mich etwas an, mit wem meine Tochter zwangsläufig Umgang hat. Als verantwortungsvoller Vater bin ich natürlich besorgt.«
»Weshalb?«, fragte Molly, verärgert über Bleekens Hochnäsigkeit. Traute er Mieke nicht zu, einen geeigneten Partner zu finden?
Heiko wiegte den Oberkörper hin und her, als wären es schwere Worte, die er gerade abwägen musste. »Meine Frau ist ein bisschen labil, und durch die gescheiterte Ehe ist sie gefrustet. Wenn sie an den Falschen gerät ...«
»Tut es Ihnen selbst nicht weh, dass Ihre Frau sich nach einem anderen Mann umsieht?«, fragte Molly bewusst provokant. Heiko Bleeken war ein gefasster, überlegter Mensch. Sie musste ihn aus der Reserve locken, damit er seine wahren Gefühle zeigte.
Er verzog die Lippen zu einem bemühten Lächeln. »Als Vernunftmensch denke ich, man sollte erst einmal die gescheiterte Beziehung verarbeiten, bevor man eine neue beginnt. Und Mieke steckt nach unserer Trennung noch mitten in der Problembewältigung. Da lässt man sich schnell auf eine Verbindung ein, die im ersten Moment schmeichelt, im zweiten oder dritten Augenblick aber auch wieder scheitern kann.«
»Davor möchten Sie Ihre Ex-Frau bewahren?«, fragte Malte und grinste Heiko herausfordernd an.
»Meine Ex-Frau ist mir egal«, erwiderte Heiko kühl, »aber nicht meine Tochter. Die möchte ich davor bewahren, sich innerlich mit einem Stiefvater vertraut zu machen, der bald wieder verschwindet. Wie soll mein Kind diesen ständigen Wechsel verkraften?«
Da war ein Motiv! Molly nickte zufrieden.
»Sie sorgen sich sehr um Ihr Kind. Sie möchten es beschützen.«
Heikos Miene erstarrte. Der Mann war nicht dumm. Er hatte ihre Gedanken durchschaut.
Er schwieg.
Bilder sausten durch Mollys Hirn. Bis zur Trennung hatte die ganze Familie in Heiko Bleekens Haus gelebt. Jule hatte ihr Zimmer nach der Scheidung der Eltern behalten. Sie hatte ihren festen Platz in Heikos Leben.
»Was ist, wenn Mieke einen Mann kennenlernt, der in München wohnt, in Dresden oder in Saarbrücken? Haben Sie Angst, Ihre Ex-Frau könnte mit Jule in eine andere Stadt ziehen?«
»Die Besuchszeiten sind gerichtlich geregelt.«
»Das mag sein. Aber wenn Ihre Tochter weit von hier wegzieht, wie oft würden Sie das Kind dann sehen?«
Heiko durchbohrte Molly mit seinen Blicken. »Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Aber ich war es nicht. Ich habe meine Tochter nicht entführt.«
Malte sprang ein, während Molly über den nächsten Schritt nachdachte. »Dürfen wir Jules Zimmer sehen?«
»Jules Zimmer?« Heiko sah sich im Garten um.
Nichts war hier, was in diesem Moment von Belang gewesen wäre. Kein Rasensprenger, den er hätte ausschalten müssen. Keine frisch gewaschene Wäsche, die er vor einem Regenguss von der Leine hätte nehmen sollen. Der Mann brauchte Zeit zum Überlegen.

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3. September 2020

'FUCK. Psychothriller' von F. E. Møle

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website F. E. Møle
Yessica sehnt sich nach Liebe. Und das um jeden Preis. Doch Hassan sieht mehr in ihr als eine Partnerin. Oder weniger: Er will mit ihr Geld verdienen.

So dauert es nicht lange, bis sie auf dem Straßenstrich landet. Diese Arbeit setzt ihr mehr zu, als sie zugibt. Denn alte Wunden reißen auf. Es gibt kein Entkommen. Kein Zurück.

Warum stirbt einer ihrer Stammkunden? Welche Rolle spielt ihre Freundin Dana dabei? Und ist auch ihr eigenes Leben in Gefahr?

2. September 2020

'Drei Freundinnen – Drei Geheimnisse' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Friesland, Freundschaft, Friesentorte

Treffpunkt Nordsee-Reetdachhaus. Acht Jahre nach ihrem Studium sehen sich drei Freundinnen endlich wieder. Ihre jetzigen Leben könnten nicht unterschiedlicher verlaufen. Den spektakulärsten Lifestyle führt Mariella in New York, inzwischen Ehefrau eines amerikanischen Wall Street Börsengenies. Liane und Josy hingegen blicken in Deutschland auf erfolgreiche Karrieren.

Die Urlaubstage beginnen vielversprechend, denn der Vermieter des Ferienhauses sieht nicht nur umwerfend aus, er ist auch noch sympathisch und bringt die drei Mädels ins Schwärmen.

Für alle unerwartet ziehen dunkle Wolken auf und nun gilt es, zusammenzuhalten.

Anleser:
Mariellas Finger tasteten suchend umher. »Hat der Mistkerl doch gelogen«, zischte sie genervt. Mehr als zehn Stunden Flug von New York nach Deutschland mit mehrstündiger Verspätung durch einen Fluglotsenstreik sowie weitere fünf Stunden Autofahrt Richtung Friesland sorgten bei ihr für eine angekratzte Stimmung.
»Scheiß Funzel!«, mopperte sie die Schlummerbeleuchtung an, welche es gerade so eben schaffte, die Eingangstür des Ferienhauses zu beleuchten.
Durch das leichte T-Shirt spürte sie die kühle Nachtluft, die vom Meer herüber blies und die Erde in dem Blumentopf hatte klamm werden lassen. »Uääh!«, sie versuchte hektisch, die Erdkrümel von den Fingern zu schnipsen.
Ein unangenehmer Knall unmittelbar hinter ihr ließ sie vor Schreck herumwirbeln, jedoch war nur einer ihrer beiden Rollkoffer umgekippt. Oh Mensch! Zwar stand das nächste Haus ein Stückchen entfernt, aber war da jemand aus dem Schlaf gerissen worden? In der absoluten Stille hörte sich das Scheppern des Koffers wie eine kleine Detonation an.
Sie berührte Blumenstiele und – iiih – was Weiches. Schnecke?
Sie nahm all ihr Erinnerungsvermögen zusammen, um sich an das Gespräch mit dem Verwalter des Strandhauses am Abend zu erinnern.
»Es tut mir leid«, hatte er mit wohltönender Bass-Stimme gesagt, »aber nach Mitternacht bin ich wirklich nicht mehr im Dienst.«
Das war verständlich. Selbst bei einem Ferienhausverwalter – oder war er der Hausmeister – waren die Dienstzeiten beschränkt.
Sie hätte die Möglichkeit gehabt, eine Übernachtung einzuschieben, um am folgenden Tag ausgeruht am Urlaubsort anzukommen, aber das hatte sie nicht gewollt. Für eine Nacht auspacken, wieder einpacken – nein. Dafür fehlte ihr momentan allemal die Kraft.
Wenn sie nicht bald diesen elenden Schlüssel fand ...
Was hatte diese zugegeben sympathische Männerstimme noch gesagt? »Im linken Blumenkübel mittig liegt er.«
Oh nein! Links! Dann war ihre Suche im Rechten natürlich vergeblich! Schnell wechselte sie die Seite und schon hatte sie das begehrte Teil in den Händen.
Mit endloser Erleichterung öffnete Mariella die alte Holztür mit den Glasintarsien und tastete diesmal nach dem Lichtschalter, den sie glücklicherweise sofort fand. Das Licht flammte auf. Fix griff sie ihre beiden schweren Rollkoffer, zog sie hinein und ließ die Tür ins Schloss fallen.
Angekommen. Endlich. Sie kickte die Ballerinas in den Flur und begab sich ohne Umwege in die offene Küche. Für die Ausstattung hatte sie momentan keine Augen, allein der Kühlschrank genoss ihre Aufmerksamkeit.
Wie abgesprochen, leuchtete ihr eine üppige Snackplatte mit Lachs, Forelle, Heilbutt und Baguette entgegen. Auch für Mineralwasser und kühlen Wein war gesorgt.
Die Gläser hatte sie gleich im ersten Schrank gefunden. Sie goss sich ein Glas Wasser ein, das sie in einem Zug austrank. Der Wein musste warten, bis ihre Freundinnen eintrafen.
Im Schnellverfahren erkundete sie das Haus, denn die Müdigkeit griff mit aller Macht nach ihr, Kopfschmerzen hatte sie sowieso. Sie wollte nur sichergehen, dass sie hier allein – ohne ungebetenen Gast – logierte. Man weiß ja nie ... wie oft hatte sie Krimis gesehen, in denen Ferienhäuser nachts zu Todesfallen für Frauen wurden. Da warteten die Mörder auf ihre unschuldigen Opfer und niemand hörte sie schreien. Der Horror pur!
So sorgte Mariella für Festbeleuchtung im Haus, das Handy griffbereit, den massiven Hausschlüssel als Waffe im Anschlag und jederzeit gewappnet, damit notfalls jemandem ein Auge auszustechen und sofort zu flüchten. Sie durchsuchte mit klopfendem Herzen jeden Raum, schaute hinter die Vorhänge und öffnete jede Schranktür. Danach war sie beruhigt, ging in die Küche zurück, schnappte sich die vorbereitete Platte, ein weiteres Glas Wasser und verzog sich auf das bequeme Sofa in dem großen Wohnzimmer.
Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Fußsohlen unangenehm brannten. Sie legte die Füße auf den Hocker vor der Couch ab und das erlösende Gefühl ließ sie aufstöhnen. Während sie langsam aß, sah sie aus dem Fenster in die Schwärze der Nacht. Nur in der Ferne leuchteten kleine rote und weiße Lichter auf. Da sie aus dem Exposé wusste, dass der Blick vom Sofa aus über die Dünen aufs offene Meer hinausging, vermutete sie Schiffe oder Fischerboote.
Die abgefutterte Platte brachte Mariella in die Küche zurück und stellte sie einfach auf der Theke ab.
Das Haus bot drei Schlafzimmer, sie hatte das Glück der Erstanreisenden, also gebührte ihr auch die Wahl. Sie entschied sich für ein Zimmer mit Aussicht zur Seeseite, auf die sie am Morgen schon sehr gespannt war. Mariella schnappte einen der beiden Koffer und wuchtete ihn ins Obergeschoss, um nur das Notwendigste herauszufischen.
In dem großzügigen Badezimmer schminkte sie sich die Reste des Make-ups ab, die den langen Anreisemarathon überstanden hatten und duschte sich heiß die Reiseanstrengungen vom Körper. Danach fiel sie, nur noch mit ihrem Slip bekleidet, in das hübsche Himmelbett und schlief sofort ein. In diesem Moment sprang die LED-Anzeige des Nachttisch-Funkweckers auf drei Uhr um.

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'Elladur - das Erwachen' von Angie Delazi

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Angie Delazi
Liya, die jüngste Abgesandte des Königs von Namoor, erkennt schon bald, dass sich mit dem Auftauchen eines alten Pergamentes die Welt, die sie kennt, von Grund auf ändern wird. Ewan, ihr bester Freund und Hauptmann des Königs, hat es einem Schmuggler abgekauft. Verfasst in der alten Sprache enthält es Wissen aus dem untergegangenen magischen Reich Elladur.

Wie jedes Jahr ist Liya ins Nachbarland gereist, um die Handelsverträge für ihren König neu zu verhandeln. Als Jadmar, der Fürst von Eryon, die Hochzeit seiner Tochter mit dem Prinzen des verfeindeten Dar’Angaar ankündigt, bedeutet dies nicht nur massive politische Umwälzungen, sondern vielleicht auch Krieg. Daraufhin schickt König Louis Liya nach Dar’Angaar, um die Lage auszuspionieren. In heiklen Missionen dieser Art ist sie auch deshalb erfolgreich, weil sie über die Gabe der Magie verfügt. Dies hält sie allerdings geheim.

Zu Liyas Entsetzen entpuppt sich der Prinz als ihr ehemaliger Geliebter Haydn. Auch erkennt sie, dass eine weit größere Gefahr als ein Krieg droht. Grausame Kreaturen treiben ihr Unwesen. Das teilweise entschlüsselte Pergament weist auf eine Sternenkonstellation hin, die bald eintreten wird. Die Rede ist von Pforten in eine Welt hinter einem Band, wo ein dunkler König auf seine Rache wartet. Plant tatsächlich jemand, eine solche Pforte zu öffnen? Auch muss Liya sich ernsthaft fragen, ob die Drachen mehr als nur eine Legende sind und welche Rolle ihr bei all dem zukommt.

Anleser:
Seine Schritte hallten im Gang. Vor den Fenstern herrschte Finsternis, obwohl es erst später Nachmittag war. Wie passend für die heutigen Ereignisse, dachte er. Sein Herz pochte im steten Rhythmus. Die Tür zum Besprechungssaal lag direkt vor ihm. Kalden, sein Freund und Berater, nickte ihm zu. „Bereit?“
"Kann man für das, was kommt, denn bereit sein?“
Ohne auf eine Antwort zu warten, öffnete er die Tür und schritt an Kalden vorbei. Im Saal waren vier Herrscher versammelt. Beltan war nicht gekommen, damit hatte Alron gerechnet. Seine grauen Augen wanderten über den langen Tisch, während er nähertrat und Platz nahm.
„Alron, wir sollten noch einmal über unsere Entscheidung reden“, sagte Laron zu ihm.
Er unterließ ein verächtliches Schnauben. Er wusste, dass Laron sich unsicher fühlte, weil Beltan nicht aufgetaucht war. Larons Art ärgerte ihn ebenso sehr wie Beltans Abwesenheit. An diesen beiden Männern nagte vor allem die Angst vor dem Verlust von Macht, nicht so sehr die Sorge um die verheerenden Auswirkungen des Krieges. Am liebsten hätte er Laron scharf zurechtgewiesen. Doch er brauchte ihn, konnte es sich nicht leisten, einen Gefolgsmann zu verlieren. Beltans Untreue bereitete ihm genügend Kopfschmerzen.
„Wir haben in den letzten Monaten nichts anderes getan." Kalden, sein Freund und Berater, nickte ihm zu. „Bereit?“
„Kann man für das, was kommt, denn bereit sein?“
Ohne auf eine Antwort zu warten, öffnete er die Tür und schritt an Kalden vorbei. Im Saal waren vier Herrscher versammelt. Beltan war nicht gekommen, damit hatte Alron gerechnet. Seine grauen Augen wanderten über den langen Tisch, während er nähertrat und Platz nahm.
„Alron, wir sollten noch einmal über unsere Entscheidung reden“, sagte Laron zu ihm.
Er unterließ ein verächtliches Schnauben. Er wusste, dass Laron sich unsicher fühlte, weil Beltan nicht aufgetaucht war. Larons Art ärgerte ihn ebenso sehr wie Beltans Abwesenheit. An diesen beiden Männern nagte vor allem die Angst vor dem Verlust von Macht, nicht so sehr die Sorge um die verheerenden Auswirkungen des Krieges. Am liebsten hätte er Laron scharf zurechtgewiesen. Doch er brauchte ihn, konnte es sich nicht leisten, einen Gefolgsmann zu verlieren. Beltans Untreue bereitete ihm genügend Kopfschmerzen.
„Wir haben in den letzten Monaten nichts anderes getan, als darüber zu diskutieren. Der Krieg ist verloren“, erklärte Crayna. Als sie sich über den Tisch beugte, fielen ihr die silbernen Strähnen ins Gesicht. „Ich sehe es wie Alron. Wir haben nahezu jeden wichtigen Stützpunkt verloren. „Die Zeit zum Handeln ist gekommen.“
Er nickte ihr zu und seufzte. Wie sehr er Politik verabscheute! „Laron, erfreue dich daran, dass du die heutige Nacht überleben wirst. Vielen anderen ist dieses Glück nicht vergönnt“, sagte er.
Laron stieß einen verächtlichen Ton aus. „Wir wissen nicht, was passieren wird. Wir könnten mehr „zerstören als retten. Und was ist mit Beltan? Ihm können wir nichts anhaben. Wir wissen nicht einmal, ob es uns gelingen wird, ihn aufzuhalten. Und falls wir es schaffen, ihn in diese Vorrichtung zu sperren, müssen wir uns fragen, wie lange er benötigen wird, um zu fliehen. Unsere Entscheidung basiert auf Vermutungen.“
Kalden lachte kalt auf. „Was ist die Alternative? Beltan gewinnen zu lassen und die Menschheit zu versklaven? Er wird die Kontrolle über diese Energie verlieren.“
Larons Augen verdunkelten sich. „Denkst du, ich weiß das nicht? Ich will doch nur mehr Zeit. Haben wir wirklich alle Optionen durchdacht?“
Alron winkte Kalden heran, der ihm das Buch überreichte. „Wir werden nicht noch einmal darüber diskutieren. Dieser Krieg muss beendet werden. Und das ist nur möglich, wenn die Technologie ausgelöscht wird. Viel zu lange haben wir zugesehen. Niemand von uns kann abschätzen, was unsere Maßnahme bewirkt. Das Risiko war uns von Anfang an bewusst.“
Ehrfürchtig strichen seine Finger über das jadegrüne Drachenzeichen auf dem Einband. Das Buch der Himmel, ein Werk, angefüllt mit dem gesamten Wissen, voller versteckter Hinweise und Warnungen. Sollten sie diese Nacht überleben, wäre ihre Welt eine andere, ohne die Technologie, auf der alles basierte.
Er reichte das Buch an Laron weiter und wartete dann geduldig ab. Für einen kurzen Moment überkam ihn ein schlechtes Gewissen. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Raum lebend zu verlassen, war äußerst gering. Vor ein paar Tagen hatten die Wissenschaftler weitere Berechnungen angestellt. Die neuen Erkenntnisse hatte er mit Kalden geteilt und sich beraten. An der Entscheidung würde es trotz allem nichts ändern. Ihnen blieb keine Wahl.
Hätte die Menschheit dieses Gestein doch nie gefunden! Ein neues Zeitalter war damit eingeläutet worden, aber zu welchem Preis?

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