20. Oktober 2020

'CONNERS FARBEN' von K.M. Cloot

Kindle | Tolino
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Conner ist der Besitzer eines Fitnessstudios in der Londoner City. Mit seinem zwei Meter großen muskulösen Körper, seinen scharfgeschnittenen männlichen Gesichtszügen und seiner bronzefarbenen Haut ist er höllisch heiß. Aber Conner will von der Liebe nichts wissen. Er steht darauf, Frauen beim Sex zu dominieren, und Küsse kommen für ihn nicht in Frage.

Als er die Tochter seines väterlichen Freundes trifft, kommt seine Welt ins Wanken. Jasmin beeindruckt ihn auf eine Weise, die er nicht für möglich gehalten hat. Aber Conner verbirgt ein brutales Geheimnis, dass sein Leben und Handeln bestimmt. Die Vergangenheit holt ihn ein, als er wieder gezwungen wird zu töten, um die Tochter seines Freundes zu retten.

Wird Jasmin es schaffen, ihn von seinen Dämonen zu befreien? Hat Conner die Kraft, den Panzer, mit dem er sich umgeben hat, zu sprengen und Jasmins Hingabe anzunehmen?

Buch 2 der PERFECT MATCH Reihe. Jedes Buch der Reihe ist abgeschlossen und hat ein Happy End.

Anleser:
Afghanistan
Conner lag bäuchlings auf dem Dach eines Hauses in einem Dorf in Afghanistan. Seine Ellbogen auf dem erhöhten Rand abgestützt, hielt er ein M16 Gewehr im Anschlag und beobachtete die Umgebung durch das Visier.
Von seinem Standort aus hatte er einen guten Blick auf den Platz, von dem sternenförmig mehrere Straßen abgingen. Die Hauptstraße, die den Platz kreuzte, wurde von den Versorgungskonvois der US Army täglich befahren.
Heute waren die Straßen wie ausgestorben, die Flachdächer der Häuser leer, wo sonst Kinder spielten und Wäsche zum Trocknen hing. Eine gespenstige Ruhe lag über den Dächern des Dorfes. Kein Laut war zu hören.
Er schwenkte sein Gewehr nach links und sah im Fadenkreuz seine Kameraden in ihren Tarnuniformen in einem Jeep sitzen. Sie schauten zu ihm hinauf, warteten wie er gespannt, was passieren würde.
Die Einheit hatte Gespräche der Taliban abgefangen, aus denen hervorging, dass ein Anschlag geplant war. Ob es nur ein gezielt gestreutes Gerücht war, konnte niemand sagen. Er schwenkte nach rechts und sah einen weiteren Teil seiner Einheit, die den angekündigten Terroranschlag erwartete.
Er sollte diesen verhindern. Das war seine Aufgabe. Als Elitesoldat der Navy Seals war er dafür ausgebildet. Er sollte die Terroristen kampfunfähig machen und wenn nötig töten.
Er war der Beste und ihm war noch nie ein Fehler unterlaufen. Er war präzise, wie eine gut geölte Maschine und seine Kameraden konnten sich auf ihn verlassen. Er hatte noch nie versagt. Er hatte bereits 143 Einsätze erfolgreich absolviert und seine Kameraden geschützt. Dass er dafür töten musste, lag in der Natur der Sache. Er war der beste Präzisionsschütze seiner Einheit. Er traf immer sein Ziel, wie die vielen Auszeichnungen bewiesen.
Seine Ausbildung war hart gewesen. Im Grunde genommen war er nur Soldat geworden, weil sein Vater einer war und er ihn bewunderte. Deshalb hatte er sich besonders angestrengt und sich mit Fleiß und Ausdauer nicht nur die Achtung seiner Ausbilder erworben, sondern was viel wichtiger war, den Stolz seines Vaters. Die riesige Statur von fast zwei Metern und sein eiserner Wille hatten ihm dabei geholfen.
Am liebsten wäre er aber Musiker geworden. Er hatte ausgesprochen gut Gitarre gespielt und mit seiner sonoren Stimme hatten ihn die Mädchen in Scharen angeschmachtet. Vorbei und passé. Das Leben war nun einmal kein Ponyhof. Das hatte er leider akzeptieren müssen.
Deshalb lag er jetzt auf dem Dach eines Hauses im afghanischen Nirgendwo und richtete seine Aufmerksamkeit auf eine Frau in einer Burka, die aus einem der Häuser trat. An einer Hand hielt sie einen kleinen Jungen in einem langen weißen Hemd, das ihm bis zu den Fußknöcheln reichte und in der anderen ein hölzernes Dreirad.
Sie stellte das Dreirad auf die Straße, beugte sich zu dem Jungen und redete auf ihn ein. Dann drehte sie sich um und ging wieder in das Haus. Der Junge setzte sich auf das Dreirad und fuhr eifrig Richtung Hauptstraße, wo sich Connors Kameraden positioniert hatten.
Er schaute durch das Visier, das Fadenkreuz auf den Kopf des Jungen gerichtet. Er hatte ein Gesicht wie ein Engel, umrahmt von dunkelbraunen Locken und ein glückliches Lächeln auf den Lippen.
Conner überkam ein seltsames Gefühl. Etwas stimmte nicht mit ihm. Er schwitzte, sein Finger am Abzug verkrampfte sich. Schweißperlen rollten von seiner Stirn in die Augen. Er schwitzte normalerweise nie. Niemals.
Er hatte schon oft töten müssen, aber etwas war anders heute. Er konnte nicht. Er konnte nicht den Abzug ziehen und dieses unschuldige Kind töten. Er wusste, dass er es tun musste. Der Junge bedeutete Gefahr für seine Kameraden und es war Conners Aufgabe, sie zu beschützen. Aber er konnte nicht.
Zu keiner Regung fähig starrte er durch das Fadenkreuz auf den sich schnell seinen Kameraden nähernden Jungen. Jetzt bog er in die Hauptstraße ein und fuhr auf seine Kameraden zu, die verblüfft dem sich nähernden Kind entgegenschauten.
Dann eine enorme Explosion, die Conner aus seiner unerklärlichen Starre löste. Das Gewehr entglitt seinen Händen und er ließ erschöpft den Kopf sinken. Er hatte versagt. Er hatte den Jungen nicht töten können und war schuld am Tod seiner Kameraden. Ohne nochmals den Blick auf die Straße zu richten, stand er auf und verließ das Dach. Das Gewehr ließ er liegen. Er hätte es nicht noch einmal in die Hände nehmen können.

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'Marias Sehnsucht: Die Reise einer Jüdin' von Uschi Meinhold

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Marias Sehnsucht? Welche Maria ist gemeint? Der Leser begegnet einer wohlhabenden und gebildeten Jüdin, die als junge Frau ihren Heimatort Magdala in Galiläa nach dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters verlässt, um zu reisen. Die Sehnsucht nach Veränderung führt Maria zu Verwandten nach Zypern, anschließend in die Hauptstadt des alles beherrschenden Römischen Reiches, Rom, und auf die Insel Capri.

Sie ist sehr eng befreundet mit Claudia, der Tochter des Princeps Tiberius. Aus dem anfangs unbeschwerten Romaufenthalt Marias wird durch die Nähe zur Tochter des Herrschers, inzwischen Ehefrau des Pilatus, ein Eintauchen in menschliches Leid. Aber auch glückliche Momente erlebt die Reisende durch die Zuneigung zum Römer Lupus. Sie begegnet Personen, die die Geschichte der Zeit bestimmen: Princeps Tiberius, Pilatus, Herodes.

Eingebunden in die politische Geschichte sind private Schicksale. Maria kehrt nach Magdala in Galiläa zurück. Wie auf der Reise erlebt sie in ihrer Heimat neben Glück auch Leid, begegnet diesen Erfahrungen gestärkt, weiß, wie sie leben will und mit wem: mit ihrer gehörlosen Tochter Lea und dem Römer Lupus. Er ist ihr nach Magdala nachgereist.

Die Autorin erzählt die Geschichte der vielbeschriebenen Maria Magdalena auf andere Weise, als sie bisher verbreitet worden ist. Was der Autorin in ihrem Roman 'Bruna-Brunhilde' (Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter) gelungen ist - die Leser durch lebendig und spannend erzählte Geschichte zu unterhalten und zu berühren -, kann auch in diesem Roman erwartet werden.

Über Frauen in der Geschichte sprechen - jetzt den Newsletter abonnieren - und einen Kurz-Krimi aus römischer Zeit als Geschenk erhalten.

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16. Oktober 2020

'PERFECT MATCH' von K.M. Cloot

Kindle | Tolino | Taschenbuch
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Cash MacFarlane ist der Erbe eines milliardenschweren Immobilienimperiums und wehrt sich gegen die von seiner Familie und der Gesellschaft auferlegten Schranken. Gutaussehend und reich lässt er keine Gelegenheit aus, die Frauenwelt zu verführen. Auch der eine oder andere Mann kann sich seiner maskulinen Ausstrahlung nicht entziehen. Als der Rebell mit dem heißen Body die betörende Beth Moore in einer New Yorker Bar trifft, fühlen sie beide unwiderstehlich zueinander hingezogen. Aber da gibt es noch den muskulösen und einfühlsamen Logan O´Neill. Der sexy Beschützer spielt eine wichtige Rolle in Cashs und bald auch in Beths Leben.

Hin- und hergerissen zwischen Vernunft und ungezügelter Hingabe beginnt sich das Karussell aus Leidenschaften, Begehren und Sehnsüchten zu drehen.

Welche Opfer muss Cash bringen, um seine Freiheit leben zu können? Wird Beth sich zwischen ihren heißen Bad Boys entscheiden müssen? Wird ihre Hoffnung an der brutalen Wirklichkeit und dem Stalker Paul scheitern? Oder wird sich der Traum von dieser ungewöhnlichen Liebe erfüllen, da das Leben manchmal ein Märchen sein kann?

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit Drama, Erotik und unglaublichen Wendungen mit ungeahnter Intensität. Provokant. Gesellschaftskritisch.

Leseprobe:
Beth ... Vorher
Sinnlich bewegte Beth ihre Hüften zu den wummernden Bässen und warf die Arme ausgelassen in die Luft. Sie liebte die Neunziger-Jahre-Songs. Jasmin, ihre beste Freundin, hatte diesen Club für ihren letzten Abend in New York vorgeschlagen. Beide hatten einige Tequila Shots getrunken. Beth wurde zwar von Tequila schnell beschwipst, aber am nächsten Morgen würde sie früh in ihrem Flieger nach Hause sitzen und ihren Rausch ausschlafen.
Ihr langes gelocktes Haar schwang bei jeder Bewegung mit und kringelte sich an ihren feuchten Wangen und ihrem Hals. Sie trug einen engen schwarzen Rock, die weiße Bluse war unter ihrem Busen geknotet. Schweiß rann zwischen ihren vollen Brüsten, kitzelte ihre Haut. Ihre Füße in den hohen Pumps schmerzten, aber sie zauberten eine tolle Haltung und betonten ihren runden Hintern.
Sie fühlte sich sexy und verführerisch, gab sich mit geschlossenen Augen der Musik hin. Schlagartig kribbelte ihr ganzer Körper. Sie hatte das Gefühl, beobachtet zu werden. Unsicher öffnete sie ihre Augen, dann sah sie ihn. Er lehnte an der Wand zu den Toiletten und starrte sie unverwandt an. Seine Arme hatte er vor der Brust gekreuzt und sein linkes Bein war lässig gegen die Wand gestützt. Er trug einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und dunkler Krawatte. Er sah aus wie einer dieser New Yorker Geschäftsmänner, nur seine kinnlangen, dunkelbraunen, gewellten Haare gaben ihm etwas Verwegenes.
Aber das Auffallendste war sein stahlblauer Blick, der sie fixierte. Solche Augen hatte sie noch nie gesehen, sie durchdrangen sie, ließen ihren gesamten Körper wie verrückt kribbeln. Sie weiterhin fixierend, stieß er sich von der Wand ab und kam mit geschmeidigen Schritten auf sie zu. Beth riss ihre Augen auf. Er bewegte sich wie ein Panther, näherte sich ihr wie ein Jäger.
Er packte ihre Hüften und zog sie mit einem Ruck an sich, ehe sie reagieren konnte. Beth fühlte, wie ihr die Luft aus den Lungen gepresst wurde und ihr entwich aus Überraschung ein Keuchen. Mit glühendem und verlangendem Blick schob er seine große rechte Hand in ihr Haar und zog ihren Kopf zurück. Nervös leckte sie sich über die Lippen. Langsam näherte sich sein Mund und als er ihren traf, durchzuckte sie die Berührung. Lustblitze schossen durch ihren Körper. Sein Kuss war leidenschaftlich; er atmete so heftig wie sie.
Ein Gedanke fegte durch ihren Kopf: Warum wehre ich mich nicht, sondern lasse mich von einem Fremden so behandeln? Sie war taff und ließ sich nicht leicht von einem Mann aus dem Konzept bringen. Nicht mehr. Alles in ihr wehrte sich gegen diese Überrumpelung, aber stattdessen küsste sie ihn zurück. Ein knurrender Laut entkam seiner Kehle, ließ Hitze in ihre Mitte schießen. Ihre Brustwarzen wurden hart und sie schmiegte ihren Oberkörper an ihn. Sie genoss seine Nähe, saugte seinen männlichen Duft von Holz und Meer ein. Er schmeckte gut, leicht nach Whiskey. Dann unterbrach er den Kuss, schaute sie bewundernd an und drehte sie mit dem Rücken zu sich.
Seine großen Hände glitten über ihren Bauch, drückten sie an sich. Sie eng an sich haltend, bewegten sie sich im Takt der Musik. Erschrocken fühlte sie, wie sich sein großer harter Schwanz an ihren unteren Rücken schmiegte. Also lasse ich ihn auch nicht kalt, dachte sie schmunzelnd. Er war so erregt wie sie. Ihre Mitte flutete ihren String und ihre Nippel waren so hart, dass sie schmerzten.
Sie suchte Augenkontakt zu Jasmin, die mit einem Typen an der Bar saß. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Jasmin schaute in diesem Moment auf, zwinkerte ihr zu und hob beide Daumen.
„Alles gut?“, fragte dieser Mann hinter ihr.
Sie nickte leicht, denn sie konnte nichts sagen. Sie traute ihrer Stimme nicht. Ihr Blick auf seine Hände zeigte, dass er am linken Handgelenk eine goldene Rolex trug und an seinem rechten ein Haargummi. Sie lächelte selig, beschloss, ihm zu vertrauen. Sie gab nach, lehnte ihren Hinterkopf an seine Schulter und wiegte sich mit ihm zur Musik.
Er war mehr als einen Kopf größer als sie. Sie fühlte, wie er seine Nase in ihre Haare vergrub und ihren Duft tief einsog. Er seufzte zufrieden und schob ihre Mähne auf die rechte Seite. Er beugte den Kopf und ließ die Nase ihren gestreckten Hals entlanggleiten. Dann leckte seine Zunge über ihre vom Schweiß feuchte Haut, bis er ihr Ohrläppchen zwischen seine Lippen nahm und daran saugte.
Sein Tun begleitete er immer wieder mit genüsslichen Brummgeräuschen, die tief aus seiner Kehle stiegen, sie stärker erregten und erzittern ließen. Ihre Hände hatte sie in seine Unterarme gekrallt. Ihre Knie fühlten sich an wie Pudding und zitterten so sehr, dass sie hingefallen wäre, würde er sie nicht festhalten. Sie gab sich seinen Liebkosungen hin, ließ sich von ihm führen.
„Vertraust du mir?“, raunte er ihr rau ins Ohr. „Ich will dich so sehr. Willst Du mich auch?“
Sie nickte und hauchte: „Ja, ich will dich auch.“
Vorsichtig ließ er sie los, fasste ihre Hand und zog sie mit sich Richtung der Toilettenräume. Beth versteifte sich, er würde sie doch nicht auf einer öffentlichen Toilette vögeln wollen? Erleichtert stellte sie fest, dass er sie an den Toiletten vorbeiführte und hinten im Gang mit einer Karte eine Tür öffnete. Sie erreichten das Foyer eines Bürotrakts, welches sich in dem Gebäude befand. Schnell schob er sie in den bereitstehenden Aufzug und drückte den Knopf mit der Aufschrift DACH. Dann drehte er sich wieder zu ihr, pinnte sie gegen die Aufzugwand und küsste sie leidenschaftlich.
Oben angekommen, bog er um die Ecke und stürmte mit ihr die schmale Treppe hinauf. Eine graue Eisentür wurde von ihm grob aufgestoßen und schon standen sie auf dem Flachdach des Hochhauses. Trotz der lauen Sommernacht kühlte der leichte Wind ihre feuchte Haut, die sich sofort mit einer Gänsehaut überzog. Nicht nur der Wind ließ sie frösteln, sondern auch die Aufregung des so ungewohnten Augenblicks. Er zog sie weiter um die Ecke und drückte sie gegen die Steinwand. Er scheint es zu lieben, Frauen gegen Wände zu pinnen, dachte sie zittrig lächelnd.
Er legte beide Hände an ihre glühenden Wangen und strich mit einem Daumen sanft über ihre Unterlippe. Zaghaft wickelte sie ihre Arme um seinen Nacken. Sehr muskulös, dachte sie. Ob er überall so muskulös war? Sicherlich. Als ihre Hände begannen, mit seinen seidigen Haaren zu spielen, lachte er und das Vibrieren seiner tiefen Stimme ließ sie wohlig erschauern. Gierig küsste sie ihn. Er schmeckte so gut, fühlte sich muskulös und stark an. Er ging etwas in die Knie und sie spürte seine Finger an den Außenseiten ihrer Schenkel. Sie glitten über das seidige Material ihrer halterlosen Strümpfe und verschwanden unter ihrem Rock.


15. Oktober 2020

'Drei Freundinnen – Drei Wünsche' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Lachen, Leben, Lieben

Die restlichen Urlaubstage der Mädels stehen ganz im Fokus von Mariella und ihrer anstehenden Operation. In Marten hat sie die große Liebe gefunden – leider weigert sich ihr rücksichtloser amerikanischer Ehemann, einer Scheidung zuzustimmen.

Die schwangere Josy erlebt eine Bomben-Überraschung, die ihre Zukunft entscheidend beeinflusst und Liane muss schmerzhaft erkennen, dass Alex sich ein neues Leben ohne sie aufbaut. Sie möchte ihn zurückgewinnen, aber die Vorzeichen stehen schlecht, denn sie erfährt, dass er sich mit einer gewissen Katrin trifft. Ihre Eifersucht schlägt Wellen. Jetzt heißt es, die Konkurrenz geschickt auszubooten!

Band 2 der Reihe "Nordseefeeling".

Anleser:
Was für eine eiskalte Stimmung! So kannte Bastian weder seinen Vater noch seine Mutter. Sie waren seit einer Stunde in der bequemen, nahezu geräuschlosen, dunkelblauen Limousine der Luxusklasse unterwegs, München hatten sie bereits hinter sich gelassen. Bisher war kein einziges Wort gefallen. Bastian wurde es von Minute zu Minute unangenehmer, er konnte kaum die Füße ruhig halten. Ab und zu traf ihn der kritische Blick seines Vaters im Rückspiegel, und der verhieß gewiss nichts Gutes.
Die vergangenen Stunden waren die Hölle gewesen, dabei hatte eigentlich alles harmlos begonnen.

Bastian kehrte an einem Spätnachmittag von seiner Nordtour zurück und stürmte gleich in das Büro seines Vaters.
»Gute Neuigkeiten, Papa!« Er stellte seinen Aktenkoffer mit Schwung auf einen der beiden Lederstühle, die vor dem breiten Holzschreibtisch standen, in den anderen ließ er sich gutgelaunt fallen. »Ich habe Aufträge eingefangen, und ein ganz besonders lukrativer ist auch dabei.«
Sein Vater verzog erstaunlicherweise keine Miene und nickte nur.
»Der Deal wird dir bestens gefallen«, schwärmte Bastian. »Wir können mit einer Restaurantkette kooperieren, wenn wir ...«
Er konnte jedoch nicht ausreden, denn sein Vater reichte ihm wortlos ein Schreiben. Etwas irritiert griff Bastian zu. Sein Lächeln fror unverzüglich ein, als seine Augen über das Dokument glitten.
»Hast du mir diesbezüglich etwas zu sagen?« Der Ton war unüblich sachlich und kalt.
»Ich ... wir haben uns getrennt. Es lief nicht mehr richtig. Das wisst ihr doch ...«
»Du weißt, wir haben es sehr bedauert. Aber deshalb kündigt Josy? Sie ist eine vernünftige junge Frau. Sie kann sicherlich privat und beruflich trennen.«
Während sein Vater sprach, jagten die Gedanken durch Bastians Kopf. Josy hatte tatsächlich gekündigt! Er war betroffen. Sie verbrachte ihren Jahresurlaub mit alten Studienfreundinnen, das wusste er natürlich. Aber nun so? Demnach würde er sie bald nicht mehr sehen ... das Ausmaß dieser Entscheidung konnte er noch gar nicht realisieren. Ohne Frage war es die logische Folge seines Verhaltens. War das jetzt gut oder nicht? Er trat eine schwammige Flucht nach vorn an. »Ich kann dir dazu nichts weiter sagen.«
»Aha. Du weißt demnach keine Gründe, weshalb genau ...« Die Worte seines Vaters waberten fast bedrohlich durch den Raum.
»Nein.« Bastian schüttelte wie erstaunt den Kopf, legte die Kündigung auf dem Schreibtisch ab und schob sie wieder zu seinem alten Herrn hin. Er wollte dieses für ihn überraschend gefahrenträchtige Thema schnellstens verlassen und begann erneut, über die erfolgreiche Akquise zu sprechen, allerdings wurde er abgewürgt.
»Ich habe im Moment wenig Zeit, Bastian, komm bitte nachher zu uns raus.«
»Ach Papa«, maulte Bastian, »ich habe eine lange Fahrt hinter mir. Lass uns morgen hier im Büro das Geschäftliche besprechen.«
Er bekam jedoch eine klare Ansage. »Wir erwarten dich um sieben.« Sein Vater griff den Kugelschreiber auf und Bastian wusste, damit war das Gespräch beendet. Es war zwar ärgerlich, den Abend nicht auf dem Sofa liegend und einen Blogbuster schauend verbringen zu können, aber er beabsichtigte, die Zusammenkunft mit seinen Eltern kurz zu halten. Es kam vor, dass sein Vater geschäftliche Aktivitäten in die Abendstunden verlegte, wenn noch eine dringende Entscheidung getroffen werden musste, somit dachte er sich nichts weiter dabei. Sicherlich sollte in diesem Fall seine Mutter ebenfalls die Einzelheiten der Nordtour erfahren. Er würde sich ein gedankliches Konzept machen, wie er das möglichst effizient vortragen könnte.

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14. Oktober 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters 1 - Dedericus' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite
Anno Domini 1225 liegen weite Gebiete Europas in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln ...

Lesermeinung: Je länger man liest, desto mehr Spannung kommt auf, ohne dass sie nochmal abreißt. Die begleitende Vermittlung historischer Informationen fand ich sehr gut.

Anleser:
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.

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13. Oktober 2020

'Hot Blood Halloween' von Detlev Klewer (Hrsg.)

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Blutwut-Verlag
Halloween … All Hallows Eve … der Abend vor Allerheiligen … die Nacht der Toten … die Zeit der Dämonen.

In diesen Stunden beginnen sich die Grenzen zwischen Realität und Phantasie aufzulösen. Was geschieht in diesem Zwischenreich von Lust und Schrecken? Ergründet das Geheimnis der "lachenden Kürbisse", begegnet "alten Seelen" oder nehmt teil an "Grabschändungen" und "Dead Bangs".

13 Autorinnen und Autoren erdachten für diese Horror-Anthologie grausige, erotische und blutige Geschichten zum Thema "Halloween". Lasst Euch von ihrer morbiden Phantasie überraschen und mit originellen Stories schockieren.

Beteiligte Autoren:
Florian Krenn
Nicole Renner
Baukowski
Isabell Hemmrich
M.W. Ludwig
Lu Sahnig
J. Mertens
Asmodina Tear
Florian Gerlach
Ute Zembsch
Christian Künne
Nele Sickel
Detlef Klewer

10. Oktober 2020

'Milo und das Geheimnis von Polyrica' von Nicolas Mueller

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Nicolas Mueller
Würdest du dich trauen, in die fremde Welt eines Buches einzutauchen?

Am liebsten würde sich Milo in seine Bücher und Videospiele flüchten. In der Schule hat der Dreizehnjährige kaum Freunde und sein Vater kümmert sich fast nur noch um seine neue Familie. Als Milo eines seiner Lieblingsbücher liest, geschieht das Unglaubliche: Er taucht in die phantastische Welt des Buches ein. Auf einmal steht er vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Denn er ist der Einzige, der den Verlauf der Geschichte kennt. Und wenn er nicht eingreift, wird etwas Schreckliches passieren. Doch die Zeit läuft gegen ihn und eine Frage bleibt: Wer ist sein Gegenspieler?

Es beginnt das größte Abenteuer seines Lebens, in dem er auf dunkle Geheimnisse stößt, seine Ängste besiegen muss und selbst in höchste Gefahr gerät …

Anleser:
»Was mache ich hier?«, fragte er Saloquim.
»Dich entscheiden.«
»Wofür entscheiden?«
»Für das«, sagte Saloquim und zeigte auf das Büchlein auf dem Zylinder, »oder dagegen.«

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9. Oktober 2020

'Mombel der Mutmacher: Der verflixte Kasten' von Beate Geng

Kindle | Hardcover | Taschenbuch
Autorenseite Beate Geng
Paule hasst den Sportunterricht. Nie schafft er es, über die blöden braunen Kästen zu springen. Jedes Mal blamiert er sich vor der ganzen Klasse. Alle lachen - immer! Das macht unseren Paule natürlich traurig. Eines Tages passiert etwas Unglaubliches. Ihm erscheint, schwuppdiwupp, ein kleines Gespenst. Das ist Mombel und der spricht in Reimen!

Zuerst ist Paule nicht begeistert. Aber dann bemerkt er etwas. Mombel taucht immer dann auf, wenn Paule sich nicht traut oder Angst hat. Das kleine Gespenst lacht nicht, sondern redet Paule gut zu. Und siehe da …

Ein Mutmachbuch zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren und zum selbständigen Lesen für Kinder ab 8 Jahren. Mit Illustrationen von Ines Gölß, lektoriert von Carolin Olivares Canas.

Anleser:
Der kleine Paule wohnte mit seinen Eltern und seinem großen Bruder in einem kleinen Dorf namens Trötenheim. Das ist in der Nähe von Dingenshausen. Er besuchte die zweite Klasse der Grundschule Büffeltal. Eigentlich war Paule ein sehr aufgewecktes, frohes Kind und er ging gerne zur Schule – wäre da nur nicht der blöde Sportunterricht gewesen. Paule hasste Sport. Und deshalb war er natürlich auch nicht besonders gut. Da lief immer alles schief.
Und das war noch nicht alles! Nee, da gab es noch seine gemeinen Klassenkameraden. Die machten sich immer lustig über Paule und zogen ihn ständig auf. Martin sagte zum Beispiel: „Paule, Paule stolpere nicht, sonst hast du wieder Schrammen im Gesicht.“ Schon brach die ganze Klasse in Gelächter aus.
Deshalb wünschte sich Paule nichts sehnlicher, als es ihnen allen einmal so richtig zu zeigen. Martin und den anderen sollte die Spucke im Hals steckenbleiben.

An einem Montag aß Paule mit seiner Familie zu Abend. Eigentlich hätte er superglücklich sein müssen, denn seine Mama hatte extra Pfannkuchen für ihn gebacken. Die liebte er normalerweise über alles. Aber Paule saß mit einem mürrischen Gesicht am Tisch und stocherte im Essen herum.
„Was ist denn los mit dir, mein Schatz?“, fragte seine Mama.
„Nix“, brummelte Paule.
Aber seine Mama ließ nicht locker.
„Na gut“, stöhnte Paule, „morgen ist mal wieder dieser voll bescheuerte Sportunterricht. Wir sollen über diese dämlichen, blöden braunen Kisten – oder wie die Dinger heißen – springen. Aber meistens knalle ich gegen die Teile und haue mir die Haxen auf.“
Seine Mama schaute ihn mitfühlend an und sagte: „Diese dämlichen Dinger sind Kästen. Wenn du immer sagst, dass du es nicht kannst, wird es auch nie klappen. Man kann alles schaffen, wenn man nur will.“
Da brüllte sein großer Bruder Micha: „Morgen können wir den kleinen Dummkopf dann vom Holzkasten kratzen. Haha.“
Da stiegen Paule die Tränen in die Augen. Erstens aus Traurigkeit, weil Micha ihn auslachte, und zweitens vor Wut. Die Tränen bemerkte Micha natürlich und rief ganz fröhlich: „Pauli ist `ne Heulsuse, Pauli ist ein Mädchen!“
Die Mama ermahnte Micha, er solle aufhören, nun auch noch zu stänkern. Dann ging sie in die Küche.
Micha rannte, dumm grinsend, in den Garten und spielte mit Charly, dem Familienhund.
Nun saß Paule alleine und traurig am Tisch. Auf einmal spürte er einen leichten Luftzug neben sich und in der Luft, nanu, da schwirrte etwas.
Mit offenem Mund, ganz starr vor Schreck saß Paule auf seinem Stuhl. Er traute seinen Augen kaum.
Neben seinem Kopf schwebte so ein kleines Gespenst.



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8. Oktober 2020

'Insel wider Willen: Nordseeglück 1' von Frida Luise Sommerkorn

Kindle | Tolino
Website | Autorenseite
Als Sibille gemeinsam mit ihrer Tochter Tuuli und ihrem Stiefvater Peter die Insel betritt, möchte sie am liebsten sofort wieder umkehren. Hat sie Langeoog doch vor langer Zeit verlassen und nie wieder zurückkommen wollen. Doch nun ist Oma Greta gestorben und Sibille will das Haus so schnell wie möglich verkaufen, das einst ihr Zuhause war.

Niemals hat sie damit gerechnet, dass ihr die Erinnerungen einen Streich spielen würden. Nicht nur, dass Oma Greta noch überall präsent scheint, auch das Haus und die Insel haben nichts von ihrer magischen Anziehungskraft von damals verloren. Und dann ist da noch Morten, der Nachbarsjunge, der sie nie interessiert hat und nun als gestandener Mann ihr Herz zum Schwingen bringt. Wohin mit diesen ganzen Gefühlen? Doch gerade als sie die Lösung all ihrer Probleme sieht, begegnet sie dem einzigen Menschen, der alles wieder ins Wanken bringt.

Anleser:
„Ich hab hier überhaupt kein Netz“, motzte Tuuli und hielt ihre Hand nebst Smartphone in die Luft, als ob es dort besser werden würde.
Wenn sie nicht aufpasste, würde das Ding gleich im Wasser landen, dachte Sibille. Auf solche Gefühlsausbrüche ihrer Tochter ging sie schon lange nicht mehr ein. Schließlich war es ihrer Meinung nach nicht so schlimm, wenn ihre Freundinnen die furchtbar wichtigen Nachrichten ein paar Minuten später erhielten. Spätestens am Hafen würde Tuuli wieder Empfang haben.
„Ich hole mir eine Wurst“, verkündete jetzt Sibilles Stiefvater. „Will noch jemand was?“
Sibille schüttelte den Kopf. Peter sah Tuuli an, aber die reagierte nicht. Achselzuckend machte er sich auf den Weg und kam kurz darauf mit einem Paar Wiener und einer Flasche Bier zurück.
„Peter, wir sind nicht stundenlang unterwegs“, sagte Sibille schmunzelnd. Sie hätte es sich denken können, dass der Hopfensaft nicht fehlen durfte. Peter war ein Genussmensch. Und wenn er sich hier auf der Fähre eine Wurst gönnte, dann gehörte das Bier eben dazu.
Sibille sah aus dem Fenster. Passend zu ihrer Stimmung lag die See in trübem Licht. Sie hatte ihre Tochter damit locken können, dass ein Kurzurlaub am Meer doch reizvoll sein konnte. Strahlender Sonnenschein, salziges Wasser, das in leichten Wellen heranrollte, wenn sie an der Wasserkante saß und den Weitblick über das Meer genoss. Bei so viel Pathetik hatte sogar Tuuli grinsen müssen. Natürlich hatte sie ihrer Tochter nicht sagen wollen, dass an einem Nordseestrand kein Südseefeeling aufkommen würde. So viel Wissen traute sie ihr zu. Aber nachdem sie heimlich Tuulis Reisetasche überflogen hatte, war sie sich nicht mehr so sicher. Schnell hatte sie ein paar von Tuulis Pullis und die Regenjacke in ihren eigenen Koffer gepackt. Auch wenn Tuuli diese nur unter Protest anziehen würde. Besser das Meckern ertragen, als das Kind frieren sehen.
Sibille schluckte. Den Kloß, den sie seit Tagen im Magen verspürte, versuchte sie zu ignorieren. Aber bald würden sie am Hafen von Langeoog anlegen und dann musste sie sich dem Ganzen stellen.
Sie konnte noch immer nicht fassen, dass Oma Greta tot war. Ihr Nachbar Herbert hatte sie vermeintlich schlafend auf dem Sofa gefunden. Die beiden waren unzertrennlich, seitdem Opa Gustav gestorben war. Das war schon fast zwanzig Jahre her. Und nun hatte es Oma Greta getroffen. Obwohl es überhaupt keinen Grund gab. Sie war fit, ging jeden Tag im Meer schwimmen. Selbst bei kalten Temperaturen. Nur wenn sich allmählich Eis bilden wollte, hielt Herbert sie zurück und überredete sie jedes Mal zu einem ausgiebigen Spaziergang mit Einkehr in der Bäckerei, um einen Kaffee zu genießen. Aber ihr Herz war einfach stehen geblieben.
Nun war sie die älteste der Lüders-Frauen. Ihre Mutter war vor sechs Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ihren Vater hatte sie nie gekannt. Peter, ihr Stiefvater, lebte schon lange bei ihnen in einem Vorort von Mainz. Sie hatten vor einigen Jahren gemeinsam einen Dreiseitenhof gemietet und Sibille hatte daraus ein idyllisches Zuhause gezaubert. Da ihre Mutter beruflich bedingt viel unterwegs gewesen war, lebten sie die meiste Zeit zu dritt zusammen: Peter, Tuuli und sie. Was für ein Gespann.

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7. Oktober 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters 3 - Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite
Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Lesermeinung: "Ein sehr gelungenes Buch. Es ist nicht nur spannend geschrieben sondern so realitätsnah wie das nun mal aus heutiger Sicht eben noch möglich ist. Der Autor lässt einen an der Gefühlswelt der Menschen jener Zeit, ihrer Lebensweise, Gebräuche, Urteile und Vorurteile teilhaben."

Anleser:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

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2. Oktober 2020

'Der Geschmack der Anderen' von Anita Seberg

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Amazon-Autorenseite
"Cézanne hat auch nur gesehen, was du gesehen hast. Ob im Licht oder im Schatten."
"Aber er war Cézanne!"
"Genau! Das ist die Lösung! Du bist John!"
John schaute sie ernst an.
"Nur du allein machst aus dem Gewöhnlichen etwas Besonderes, du selbst bringst die Magie in dein Leben! Das ist Kunst!"


Der zweite Roman von Anita Seberg erzählt die Geschichte der beiden, bereits aus "Karina Erwacht" bekannten, Figuren Ingrid und John. Sie entführt uns in das sommerliche Aix-en-Provence der 90er Jahre und bildet einen Reigen erotischer Erlebnisse, rätselhafter Begebenheiten und schicksalhafter Verknüpfungen, deren Mittelpunkt eine geheimnisvolle, üppige, junge Frau ist.

Während die Kunststudentin Ingrid als Volontärin eine prestigereiche Vernissage im Pavillon de Vendôme vorbereitet und nach einigen Enttäuschungen in der Liebe über mögliche falsche Abzweigungen im Leben nachdenkt, findet der Journalist John langsam zu sich selbst und erkennt schließlich, was er eigentlich will und kann.

Anleser:
John legte seine Zigarette auf die kleine blauweiß gemusterte Untertasse, die auf dem schäbigen Nachttisch des ohnehin heruntergekommenen Hotels stand. Er betrachtete Yvettes elegant geschwungene Rückseite. Sie saß nackt auf der Bettkante und stand jetzt auf, um ins Bad zu gehen. Er sah ihr nach bis sie die Badezimmertür geschlossen hatte, dann schaute er in die andere Richtung. Ein rötlich verblichener, leichter Vorhang bauschte sich sanft und glättete sich dann wieder. John seufzte tief, stand auf, nahm die Zigarette, zog an ihr, zog den Vorhang zur Seite und stellte sich ebenfalls nackt an das bis zum Boden reichende Fenster.
Nun war es also geschehen. Er hatte sich nicht zurückhalten können, er hatte sich illoyal seinem Kollegen gegenüber verhalten, er hatte Yvette keine Abfuhr erteilen können, sondern war im Gegenteil schon bei seiner Ankunft im Restaurant so scharf auf sie gewesen, dass, hätte sie ihn nicht sowieso von der ersten Minute an verführen wollen, er den ersten Schritt getan hätte. Er konnte sich nicht erinnern, je so schnell mit einer Frau überein gekommen zu sein. Schon als er sie am Tisch sitzen sah, mit unter einem Minirock nackten, übereinander geschlagenen Beinen, den hochhackigen Schuhen und dem blumig gemusterten Top, dessen Spaghettiträger so weit heruntergerutscht war, dass er sehen konnte: sie trug keinen BH, da schon war ihm klar geworden, dass es diesmal kein Zurück geben würde und das sein musste, was sein musste und zusammenfand was zusammengehörte. Jedenfalls für diesen einen staubigen späten Nachmittag in Aix-en-Provence zusammengehörte. Denn natürlich gehörte Yvette seinem Kollegen und keinesfalls würde sich das wiederholen. Noch konnte man sich auf einen Ausrutscher, ein kurzes, unerklärlich heftiges Verlangen in der Hitze des Sommers herausreden. Schon bald würde der Mistral über die Berge kommen und ein jeder wusste doch, dass man während dieser Zeit verrückt werden konnte. Ja, noch waren die Dinge zu klären, aber die Grenze lag hier eindeutig nach dem ersten Mal!
John warf seine Zigarette aus dem Fenster und scheinbar jemandem vor die Füße, denn es folgte ein wütender Fluch.
Mit einem Schritt nach hinten, entzog sich John den Blicken der Passanten auf der Straße unter ihm.
Heute war kein guter Tag für sein Karma! Was war nur aus dem zurückhaltenden, höflichen Mann geworden, der er noch vor kurzem gewesen war. Schwer ließ er sich auf das Bett fallen.
Yvette betrat das Zimmer. John sah zu ihr hinüber. Was würde sie nun tun? Wollte sie sich jetzt öfter treffen? Wollte sie eine Affäre? Wollte sie gar ihren Mann verlassen, seinen freundlichen Kollegen Jacques? Hoffentlich nicht! John merkte, wie Panik in ihm hochstieg. Keinesfalls wollte er mit Yvette eine Beziehung aufbauen. Sie war, abgesehen von ihrem Äußeren, überhaupt nicht die Art von Frau, in die er sich verlieben könnte. Sie war zu leicht zu haben gewesen und auch wenn es John schwer fiel, es zuzugeben, er konnte eine Frau nur schätzen, wenn sie schwer zu erreichen war. Er wollte abgewiesen werden, warten, umwerben, sich sehnen, sich verzehren, sich anstrengen, Strategien entwickeln, Spuren verfolgen, kurz er wollte Jäger und nicht Gejagter sein.
Was, wenn sie nun Ansprüche an ihn erhob? Immerhin war er eben noch in ihren Körper, in ihr Innerstes, eingedrungen. Er konnte sie nun nicht einfach wegschicken. Sie hatte jedes Recht, Ansprüche zu erheben. John schluckte.
Yvette begann zu kichern. "Einen Penny für deine Gedanken!"
John sah sie an und versuchte zu lächeln.
"Hast du Angst?" Sie kicherte weiter, legte ihre Handflächen zusammen und hob sie vor ihren Mund. "Du müsstest mal deinen Gesichtsausdruck sehen!" Yvette stieg auf das Bett und stellte sich breitbeinig über Johns Körpermitte.
Sie hat tatsächlich extrem wenig Schamgefühl, dachte John und betrachtete ihren schlanken Körper von unten. Fast intuitiv umfasste er ihre schmalen Fußgelenke und strich ihre glatten Waden zu den weichen Kniekehlen hinauf. Er bemerkte, wie sich Yvettes feine Härchen aufrichteten. Sie hatte am ganzen Körper Gänsehaut.

1. Oktober 2020

'El Gustario de Mallorca und das tödliche Gemälde' von Brigitte Lamberts

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Brigitte Lamberts
Sven Ruge ist auf Mallorca endgültig angekommen. Es läuft gut bei ihm: Er macht sich als Gastrokritiker einen Namen und unterstützt seinen Freund Manuel bei der Führung von dessen Restaurants. Zufällig lernt er in den Markthallen von Santa Catalina die Schweizerin Sara Füssli kennen und verliebt sich in sie. Sven ist im Glück, denn sie erwidert seine Zuneigung. Gemeinsam erkunden sie die schönsten Orte der Insel und genießen die mallorquinische Küche.

Sara möchte mehr über die letzten Wochen ihrer jüdischen Urgroßeltern erfahren. Denn die haben sich 1940 auf der Insel das Leben genommen, um ihrer Deportation zu entgehen. Svens journalistische Neugierde ist geweckt. Doch in seine Verliebtheit mischt sich nach und nach Irritation. Irgendetwas stimmt mit Sara nicht. Sie ignoriert seine Unterstützung. Schließlich stößt Sven auf ein geheimnisvolles Gemälde und ihm wird klar, dass nichts so ist, wie es scheint. Doch die Zeit läuft ...

Anleser:
Cala Illetes. Gemeinde Calvià.
Der Himmel zeigt sich in einem satten Blau, das durch vereinzelte weiße Quellwolken noch intensiver leuchtet. Die Luft riecht nach Meer. Sven Ruge steht am Strand und betrachtet die neue Tapasbar seines Freundes Manuel Muñoz. Ein großes Schild mit der Aufschrift ‚Lucía’s‘ prangt über dem flachen Satteldach aus rötlichen Schindeln. Manuel und ihm war es wichtig gewesen, das neu erbaute Strandhaus genauso zu gestalten wie das nur einige Meter entfernt stehende Restaurant von Manuel: ein Holzhaus mit großen Fenstern und einer gemütlichen Terrasse. Sie haben es geschafft! Sven ballt die Hand zur Faust und ruft laut »Yeah!«.
Er strahlt. Endlich ist die Strandbar fertig. Der Weg bis dahin war anstrengend und lang. Er hält sein Gesicht in den Wind und genießt die Wärme der Sonne, dabei erinnert er sich: Nachdem Manuel ihm die geschäftliche Partnerschaft angeboten und das Grundstück oberhalb des Strandes erworben hatte, das an sein Restaurant grenzt, war es Svens Aufgabe, die Arbeiten am Neubau zu überwachen. Kein einfaches Unterfangen.
In Deutschland braucht es schon Geduld und Nerven für ein solches Projekt, aber auf Mallorca hat so etwas eine ganz andere Dimension – es geht viel schleppender voran. Schon die Baugenehmigung einzuholen war ein Abenteuer für sich, die Bürokratie auf der Insel ist unschlagbar langsam und zugleich so kreativ, dass man aufpassen muss, später nicht die Grundsteuer für ein benachbartes Grundstück zu zahlen. Doch die Gefahr besteht in diesem Fall nicht: Die zwei Restaurants sind die einzigen auf der kleinen felsigen Erhöhung vor dem Strand. Dem Besitzer einer nahegelegenen Imbissbude, einer chiringuito, hatte Manuel ein Angebot unterbreitet, das dieser nicht ablehnen konnte. Nun haben sie die Bucht zumindest gastronomisch ganz für sich.
Auch die Bauarbeiten waren ein Erlebnis. Wie oft war er allein auf der Baustelle – weit und breit kein Arbeiter in Sicht. Doch jetzt ist alles fertig, er ist glücklich und stolz. Morgen Abend steigt die große Eröffnungsparty. Und so wie es aussieht, wird es richtig voll.

Sven nimmt die Sonnenbrille ab und wischt sich über die Augen. Für Manuel war es selbstverständlich, ihn zum Kompagnon zu machen, nach allem, was sie gemeinsam durchgestanden hatten. Sein Freund würde ohne ihn wahrscheinlich nicht mehr leben und das Restaurant wäre schon längst geschlossen, hätten nicht so viele Menschen ihm und seiner Familie in der schlimmen Zeit beigestanden. Besonders freut es ihn, dass Lucía weiterhin mit dabei ist. Während Manuel im Krankenhaus lag, hatte sie die Küche übernommen und sich als exzellente Köchin erwiesen.
Nun führt Manuel sein Restaurant weiter und die neue Tapasbar hat er in Lucías Obhut gegeben. Sie kocht und Sven ist für das Marketing und die Events in beiden Häusern zuständig. Sie haben schon einige kulinarische Themenabende im ‚Manuel’s‘ veranstaltet, bei denen Sven als Gastrokritiker und mittlerweile sehr guter Kenner der typisch mallorquinischen Küche die Gäste erfolgreich unterhalten hat.

Sven lässt die frische Meeresluft bis tief in seine Lungenflügel gleiten. Dann marschiert er über den weißen Sand zu den kleinen Steinstufen, die ihn zur Terrasse von Lucías Bar führen.
Lucía steht mit Manuel in der Küche. Die beiden debattieren heftig. »Eine Auswahl von zehn unterschiedlichen tapas, zwei verschiedene Salatteller, zwei größere Gerichte und drei Nachspeisen reichen vollkommen aus«, sagt Lucía mit funkelnden Augen. Manuel ist damit nicht einverstanden. »Meine Gäste sind eine umfangreichere Karte gewöhnt«, entgegnet er aufgebracht.
»Mag sein, aber zu unserem Eröffnungsfest braucht es nicht mehr, es sind doch alles geladene Gäste und die wissen, dass ich nur mittags geöffnet haben werde.« Lucía tritt einen Schritt auf Manuel zu und bohrt ihm den Zeigefinger in die Brust. Bevor Sven, der gerade eintritt, ein Wort an sie richten kann, schiebt Lucía nach: »Wir waren uns einig. Du verantwortest deine Küche, ich meine.« Sie holt Luft und ergänzt: »Außerdem müssen wir uns voneinander abgrenzen. Es macht keinen Sinn, wenn beide Restaurants das Gleiche anbieten.«
»Das meine ich doch gar nicht.« Manuel legt ihr besänftigend seine Hand auf die Schulter.
Lucía verdreht die Augen. »Manuel, das hatten wir schon besprochen. Ich biete eine Vielzahl unterschiedlicher tapas an und immer eine Auswahl an Salaten und bei dir bekommen die Gäste ein ganzes Menü.«
»Ja, natürlich, so ist es geplant, aber gerade bei der Eröffnung …«
Sie unterbricht ihn. »Eben. Da biete ich zusätzlich zwei größere Gerichte an und fertig.«
»Nun beruhigt euch mal«, mischt sich Sven ein. Sofort drehen sich Lucía und Manuel zu ihm um und posaunen im Gleichklang heraus: »Du hältst dich da raus.« Als sie Svens erschrockenen Gesichtsausdruck sehen, müssen beide lachen.
»Okay, kommt, setzen wir uns und dann überlegen wir gemeinsam«, schlägt Manuel vor und zeigt zur Terrasse. Lucía greift nach einer Flasche palo und einem Teller mit Zitronenschnitzen, Sven bringt eine Flasche Soda und drei Gläser zum Tisch. Nachdem Lucía den Kräuterlikör in die Gläser gefüllt hat, prosten sie sich zu. Das, was sie gemeinsam durchgestanden haben, kann ihnen niemand nehmen. Nicht die Zuneigung zueinander, nicht das Verständnis füreinander und schon gar nicht das Vertrauen ineinander.

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