30. Mai 2018

'Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen' von Peter Waldbauer

Kindle (unlimited)
In leichter, gleich wohl gepflegter Sprache präsentiert dieses Buch philosophische Erkenntnisse zu einer Vielzahl von Alltagsthemen und dies auf unterhaltsame Weise. Dazu gehören Bildung und Bücher ebenso wie Krankenhaus und Gericht, Politik, Medien oder Sport.

Bei dieser Lebenskunstphilosophie à la Dobelli geht es weniger um die großen Fragen des Lebens, sondern um die kleinen. Manche Gedanken beanspruchen die Länge eines kurzen Essays, andere verkürzen sich zu Abschnitten oder Absätzen. So entsteht ein angenehmer Lesefluss, der auch das zwanglose Auswählen einzelner Themen und Leseabschnitte ermöglicht.

Leseprobe:
Die Autorität des Richters wirkt erst durch seine Abgrenzung vom Volk. Vorgesehen ist, dass man ihm im Sitzungssaal begegnet. Dort schreitet er durch die rückwärtige Tür stilvoll herein. Er trohnt, durch das Pult geschützt, über allen. Die Blicke richten sich auf ihn. Schneeweiße Krawatte und schwarze Robe versprühen elitären Glanz. Er sitzt souverän, handelt privilegiert, spricht eloquent. Seinen Worten kommt eminente Bedeutung zu. Er führt die Verhandlung, fragt und mahnt. Er widerlegt und kommentiert. Seine Stimme durchtönt den Saal, seine Stimmung bestimmt die Temperatur im Raum. Begegnet man dem Richter in der Pause auf dem Flur, gehen Abgrenzung und Abstand verloren. Dann wirkt die Statur zu klein, das Gesicht hinter der Hornbrille zu jung, die Jeans unter dem Talar zu trivial. Dann stört, dass der Nacken nicht ausrasiert ist. Wenn der Richter im Vorbeigehen mit Kollegen auch noch scherzt und lacht, wirkt er alltäglich und gewöhnlich. Wer weiß, welchen Eindruck man erst vom ihm gewönne, würde man ihn zuhause erleben? Verhält er sich dort so erhaben wie im Gerichtssaal oder schreit er mit seiner Frau, flätzt sich auf die Couch und wirft die Schuhe ins Eck? Er steht dann nicht mehr über den Dingen. Sein Glanz bröckelt. Man traut ihm nicht zu, seriös Recht sprechen zu können. Ein Urteil darf nicht von einem gewöhnlichen Menschen stammen. Ehrfurcht und Nähe vertragen sich nicht. Der Richter kann nur wirken, wenn er unnahbar ist, wenn er aus der Distanz spricht, wenn ihn die Aura des Höheren umgibt. Die Menschen haben Ehrfurcht vor der Höhe. Sie akzeptieren Unangenehmes, wenn es schicksalshaft auf sie herabregnet. So wie das Wetter und die göttliche Fügung.

Im Kindle-Shop: Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen.
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29. Mai 2018

'Stoffwechsel beschleunigen' von Michael Frank

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Die ultimativen und erprobten Methoden zum Erreichen deiner Traumfigur! Wie Du auf einfache Weise deinen Stoffwechsel beschleunigen und dauerhaft Fett verbrennen kannst!

Um den Stoffwechsel anzuregen und dauerhaft Fett zu verbrennen, benötigt es das Wissen über die Grundlagen der Ernährung und die effektiven Methoden, um den Stoffwechsel dauerhaft auf hohem Niveau zu halten. Auch ich habe mir dieses Wissen über viele Monate hinweg angeeignet und praktisch angewandt, um damit traumhafte Ergebnisse zu erlangen. Aber es benötigt nicht monatelange Recherche, denn alles was Du wissen musst, habe ich in diesem Buch zusammengefasst.

Die Fettverbrennung und die Beschleunigung des Stoffwechsels muss nicht schwierig und kompliziert sein. Mit den beschriebenen Methoden kannst Du auf einfache Weise deine Fettdepots zum Schmelzen bringen! Jeder, der eine gewisse Disziplin aufweist, kann durch seine persönliche Verwandlung die Traumfigur erreichen, welche er immer angestrebt hat.

Zu Beginn des Buches werden die allgemeinen Grundlagen des Stoffwechsels und der alltäglichen Ernährung dargestellt. Darin werden unter anderem alle Makro- und Mikronährstoffe näher betrachtet, eine Erklärung der Energiebilanz vorgenommen und wie eine genaue Makronährstoffverteilung vollzogen wird. Im Anschluss daran werden die effektivsten Lebensmittel und Methoden zur Beschleunigung des Stoffwechsels vorgestellt, mit denen auch Du endlich dein großes Ziel erreichen kannst!

Leseprobe:
Was ist der Stoffwechsel?
„Wenn jemand heute den Zucker erfände, würde man ihm sicher verbieten, sein Erzeugnis auf den Markt zu bringen!“
- Arnold Bender -

Definition von Stoffwechsel
Schneller oder langsamer Stoffwechsel oder den Stoffwechsel anregen. All diese Bezeichnungen wirst Du mit Sicherheit schon des Öfteren im Leben gehört haben. Doch was bedeutet das eigentlich? Was ist mit dem Stoffwechsel überhaupt gemeint? All das möchte ich im ersten Kapitel aufzeigen, sodass die Grundlagen für das Verständnis der besten Methoden für die Anregung des Stoffwechsels geschaffen werden. Der Stoffwechsel, auch Metabolismus genannt, bezeichnet die Gesamtheit aller im Körper lebensnotwendigen, biochemischen Prozesse zur Umwandlung chemischer Stoffe. Diese Prozesse werden innerhalb unserer Zellen durchgeführt. Vereinfacht ausgedrückt verstoffwechselt der Körper in diesen Zellen die Reserven oder die Nährstoffe, welche in der von uns tagtäglich zugeführten Nahrung enthalten sind. Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Vitamine, Mineralien oder Spurenelemente zählen zu diesen Nährstoffen. Diese Stoffe lassen sich ab-, um- und zu neuen Produkten aufbauen, die wiederrum für eine Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Vorgänge essentiell sind. Zudem werden der Aufbau und der Erhalt der eigenen Körpersubstanz sowie die Energiegewinnung für verschiedene Aktivitäten sichergestellt. Grundlegend für den Stoffwechsel sind Enzyme und Hormone, welche die chemischen Reaktionen beschleunigen und regulieren. Während die Enzyme überwiegend die biochemischen Prozesse beschleunigen und steuern sorgen die Hormone für eine Regulation. Dazu werden diese als Botenstoffe in den Körperkreislauf abgegeben, um damit an verschiedenen Zellen eine Regulationsfunktion anzuregen. Mit dem Stoffwechsel im menschlichen Körper fallen Abfall- und Giftstoffe an, die für ...

Wie funktioniert unser Stoffwechsel?
„Seit Erfindung der Kochkunst essen die Menschen doppelt so viel wie die Natur verlangt!“
- Benjamin Franklin -

Wie bereits in der Definition des Stoffwechsels erklärt bildet dieser die Grundlage für alle Funktionen im menschlichen Körper. Er spielt daher eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Da die Verdauung die Voraussetzung für einen Stoffwechsel darstellt, soll diese im Folgenden behandelt.

Die Verdauung als Grundvoraussetzung
Um die Aufnahme der verschiedenen Bestandteile der Nahrung in unsere Zellen zu gewährleisten, muss zunächst die Verdauung näher betrachtet werden. Sie stellt die Grundlage für den weiteren Stoffwechsel dar. Als Verdauung wird die chemische Spaltung von hochmolekularen zu niedermolekularen Verbindungen im Verdauungstrakt durch Enzyme bezeichnet.

Der Mund als Beginn des Verdauungstraktes
Die Nahrung gelangt zu Beginn durch Aufnahme in die Mundhöhle, wo sie durch die Zähne mechanisch zerkleinert wird. Mittels der Zugabe des Speichels wird sie verflüssigt, sodass ein problemloser Übergang in den Magen über die Speiseröhre stattfinden kann. Zusätzlich enthält dieser Speichel das Enzym Ptyalin, wodurch bereits eine Spaltung von pflanzlicher und tierischer Stärke zu Maltose eintritt. Dies kennzeichnet die chemische Zerkleinerung. Der Speichel wird durch drei Speicheldrüsen produziert:
 * Ohrspeicheldrüse
 * Unterzungenspeicheldrüse
 * Unterkieferspeicheldrüse
Die Zunge vermischt den Speisebrei, der dann mittels Schluckreflex in die Speiseröhre befördert wird.

Die Speiseröhre als Übergang in den Magen
Die Speiseröhre stellt einen muskulösen Schlauch dar, der den Speisebrei durch einen aktiven Transportvorgang in den Magen leitet. Durch diese Muskelbewegungen besteht die Möglichkeit das Schlucken im Liegen oder bei einem Handstand auszuführen. Fälschlicherweise wird hier ...

Methoden, um den Stoffwechsel anzuregen
Nun werde ich Dir die einfachsten und effektivsten Methoden aufzählen, damit Du deinen Stoffwechsel anregen und somit deine Fettverbrennung auf das Maximum optimieren kannst. Hiermit lassen sich deine langersehnten Träume von einer Traumfigur erfüllen. Du musst jedoch grundlegende Eigenschaften wie Fokus und Disziplin aufbringen, ansonsten werden diese Methoden keinen Erfolg haben.

Einplanen von Refeed-Tagen

Die Geheimwaffe zum Stoffwechsel beschleunigen schlechthin liegt in der Einplanung eines einmaligen Refeed-Tages in einem gewissen Zeitraum. Wie oben schon erwähnt, ist es essentiell, ein Kaloriendefizit aufzuweisen, um die Fettreserven zu verbrennen. Dieser Mangel an Energie zwingt den Körper dazu, die Fettreserven als Energieträger zu verwenden. Jedoch passt sich der menschliche Organismus daran an und vermindert den Stoffwechsel, um somit weniger Energie zu verbrauchen und das eigene Überleben zu sichern. Die Auswirkung ist, dass sich dein Gesamtumsatz vermindert und dein Kaloriendefizit langsam schwindet. Hinzukommend wird auch deine Hormonproduktion, welche für einen schnellen Stoffwechsel wichtig ist, nach unten gedrosselt.
Bei einem Refeed Tag soll dem Körper vorgespielt werden, dass eine ausreichende Energiezufuhr stattfindet und die angeeigneten Fettreserven weiterhin freigegeben werden können. Dies realisiert man, indem man einen Tag in einem gewissen Zeitraum mindestens eine ausgeglichene Kalorienbilanz aufweist. Dies kann beispielsweise in einer Woche einmal oder aber auch in zwei Wochen einmal passieren. Dabei spielen viele Faktoren wie die Höhe des Kaloriendefizits oder auch der Körperfettanteil eine Rolle. Hier kann zu Beginn ...

Im Kindle-Shop: Stoffwechsel beschleunigen: Der schnellste und einfachste Weg zur Traumfigur.
Mehr über und von Michael Frank auf seiner Website.



28. Mai 2018

'Auf einmal war alles falsch' von Joachim Schnur, Emilie Nayos und Sabire

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Liebesroman, basierend auf einer Romanidee von Denis Geier.

Wenn du unglücklich bist, in dem Leben, das du führst, gibt es nur eine Möglichkeit, dieses zu ändern. Du musst handeln. Eine mitreißende Geschichte über Liebe, Zweifel, Begierde und Veränderung.

Einfach idyllisch - anders lässt sich Dianas Leben mit Mitte 50 nicht beschreiben. Die Kinder sind aus dem Haus, das Meer rund um Holy Island bleibt seinem Rhythmus treu und ihre Ehe ist von Harmonie bestimmt. Doch Diana fehlt etwas - auf der kleinen Insel, die bisher ihr Leben absteckte, fühlt sie sich zunehmends eingeengt. Eine interessante Begegnung eröffnet ihr ungeahnte Möglichkeiten und weckt in ihr den Wunsch, das Leben und die Liebe neu zu entdecken. Diana wagt es, sich auf neue Menschen einzulassen und beginnt zusammen mit ihrem neuen Begleiter eine einmalige Reise. Dabei erkundet sie nicht nur zauberhafte Orte, sondern findet letztendlich auch sich selbst.

Joachim Schnur, Emelie Nayos und Sabire verleihen der Hauptfigur in ihrem romantischen Roman eine wundervolle Gabe zur Reflexion ihrer Umwelt. Die Protagonistin Diana entwickelt sich im Laufe der drei Akte der Erzählung zur wahren Heldin fernab von ihrem erdrückenden Alltag. Der Leser begleitet Diana auf ihrer Suche nach Glück und gerät schnell selbst ins Träumen.

Leseprobe:
Aus dem Bauch heraus
Es ist schon später Nachmittag, als Diana einen Entschluss fasst.
Ihre beiden Töchter, Chrystal und Jane, sind zu Besuch. Sie rumoren in der Küche, spülen das Geschirr ab: Teetassen, Teekanne, Teller, Kuchenplatte, das Besteck. Die kleinen Blaubeerkuchen sind wie immer ratzeputz aufgegessen. Dianas Ehemann, George, hat sich nach dem gemeinsamen Teetrinken in seinen Sessel zurückgezogen und raucht ein Pfeifchen. Ein wenig ist sich Diana gerade überflüssig vorgekommen. Jetzt steht sie vor dem Bücherregal, ihr Blick gleitet über die Bände darin, und sie sinniert. Da kommt ihr diese Idee, von der sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen kann, dass sie zu einer weitreichenden Veränderung ihres Lebens führen wird. Als die „Mädchen“, beide noch junge, aber erwachsene Frauen, ins Wohnzimmer zurückkommen, fragt sie:
„Wie wär’s, wenn wir etwas zu dem Basar zugunsten des Hallenneubaus beitragen würden? Wir haben so viele Bücher, die niemand mehr liest, und von früher, als ihr noch klein wart, ist jede Menge Spielzeug übriggeblieben, das bei näherem Hinsehen auch keinen von uns mehr interessiert. In einem Fenster der Crossman Hall hängt seit Tagen ein Plakat, dass solche Sachen gesammelt und versteigert werden sollen. Warum räumen wir nicht auf und trennen uns von einigem Ballast? Wir könnten hier Luft und Platz für Neues schaffen, und vielleicht würde ja ein bisschen was für den Hallenbau dabei rausschauen?“
Chrystal und Jane sehen sich kurz in die Augen, überlegen offenbar. Bestimmt kommen irgendwann Kinder. Beide sind noch ledig, aber Chrystal ist immerhin mit einem Mann befreundet, den sie hoffentlich heiraten wird. Da wäre es natürlich nett, wenn bei Gelegenheit Spielzeug vorhanden wäre. Andererseits ist es vermutlich noch einige Zeit bis dahin, und die Dinge, die sich im Laufe von Jahrzehnten angesammelt haben, sind auch schon furchtbar alt. Erinnerungen, sicher … Beide scheinen dasselbe zu denken. Nach kurzem Zögern streicht sich Chrystal eine Haarlocke aus der Stirn und sagt dabei: „Warum nicht?“ Sie könnte noch hinzufügen: Es sind ohnehin eure Sachen. Beide Töchter wohnen schon länger nicht mehr bei ihren Eltern. Die Besuche zum Tee sind eine liebevoll gepflegte Routine. Leider ergibt sich nicht jeden Tag die Gelegenheit dazu. George beobachtet die Szene amüsiert. Sein Interesse hat nie Büchern oder Spielsachen gegolten. Er hat sich, nachdem er als junger Mann viel gereist war, längst mehr auf sein typisch englisches Gardening konzentriert, das Gärtnern, dem er sich seit Jahren mit einer Inbrunst widmet, die selbst für englische Verhältnisse stark ausgeprägt ist. George schmunzelt: „Solange ihr nicht die ‚Lindisfarne Gospels‘ verhökert, soll’s mir recht sein.“ Natürlich ist das ein Scherz: Von dem berühmten Evangeliar aus dem siebten oder achten Jahrhundert gibt es ein einziges Exemplar, und das liegt in der British Library in London.
Diana ist, innerlich zuerst noch hin- und hergerissen, zuletzt von sich selbst begeistert. Begeistert darüber, dass sie in der Lage ist, einen handfesten Entschluss zu fassen. „Wenn ihr Lust habt – warum gehen wir’s nicht jetzt gleich an? Ich hole Kartons aus dem Keller, dann sehen wir alles durch. Morgen bringe ich, was wir zusammengetragen haben, rüber ins Oasis Cafe. Aus dem Bauch heraus fühle ich, dass wir das Richtige machen.“ So kommt es, und ungefähr zwei Stunden später ist die Vergangenheit durchforstet, und drei Kartons sind mit Sachen gefüllt, die längst nicht mehr benutzt wurden, mit Büchern, die seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen worden sind. Nicht zuletzt sind bei der Aktion Regalbretter und Schubladen gesäubert und entstaubt worden.
Georges Anspielung auf die ‚Lindisfarne Gospels‘, jenes außergewöhnliche Evangeliar noch aus keltischer Zeit, hat einen speziellen Grund: Diana, George, Jane und Chrystal, eine typisch englische Familie, wohnen auf Lindisfarne, jener Insel im Nordosten Englands, in dessen heute nur noch als Ruine vorhandenem Kloster dieses unersetzliche Meisterwerk klösterlicher Schreib- und Illustrationskunst entstanden ist. Lindisfarne ist der Geburtsort des Christentums in England. Von hier aus wurde das Land missioniert und der katholischen Kirche zugeführt. Lindisfarne war außerdem ein Bollwerk gegen die Wikinger einerseits und später gegen die Einfälle der Schotten andererseits. Irgendwann setzten sich die Normannen in der Gegend fest. Vor Jahrhunderten war die Insel samt dem Kloster ein wichtiger politischer, kultureller und religiöser Stützpunkt der frühen englischen Zivilisation. Die Wikinger zerstörten, die Normannen bauten wieder auf. Heute ist Lindisfarne, eine Gezeiten-Insel, in der Bedeutungslosigkeit versunken, wenn man davon absieht, dass der Ort Anziehungspunkt für viele Touristen ist, die zumeist im Sommer und zumeist an den Wochenenden hier einfallen, um das einzig Sehenswerte zu bestaunen, was es auf dem schmalbrüstigen Eiland noch gibt: Lindisfarne Castle, knapp einen Kilometer außerhalb der Ortschaft. Die Burg aus dem 16. Jahrhundert ist noch völlig intakt, anders als das Kloster am Südrand des Dorfes. Einzig ein fragiler Torbogen des Klosters kann sich ernsthaft bewundernswert nennen. Es ist ohnehin nicht das Original der irischen Mönche, sondern der Rest einer Neugründung der Benediktiner aus dem 11. Jahrhundert. Die Burg dagegen ist immer noch interessant genug, um Neugierige anzuziehen. Ihre Räume sind sogar noch komplett eingerichtet, bis hin zu einem Cello, das einer der letzten Bewohnerinnen gehört hat. Manchmal kommen ganze Schulklassen, manchmal Reisebusse, oft mit Senioren, manchmal einzelne Familien, auch mit Wohnmobilen.
Lindisfarne ist mal Insel, mal Festland: Je nach Tide ist der Flecken nahe der Grenze zu Schottland vom Meer umschlossen oder durch eine enge Straße mit dem Land verbunden. Wer hierherkommt, sollte den Tidenkalender im Kopf haben, um nicht zu riskieren, bei Flut dableiben und in dem Dörfchen übernachten zu müssen. Kundige Reiseführer wissen dieses Risiko zu vermeiden und sorgen im Allgemeinen dafür, dass sich die Gäste rechtzeitig auf den Rückweg machen. Hin und wieder kommt es trotzdem vor, dass das eine oder andere Fahrzeug gerade noch mit nassen Reifen über die schmale Verbindungsstraße zum Festland gelangt, aber ernste Unfälle sind selten. Es gibt mehrere Hotels im Dorf, aber einem größeren Ansturm von Gästen würden sie kaum standhalten.
Lindisfarne ist heute nach seiner Jahrhunderte zurückliegenden glorreichen Vergangenheit eine unbedeutende Ecke, etwa zwölf Kilometer von der nördlichsten Stadt Englands entfernt. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Das Dörfchen ist nur noch ein Touristenziel und darüber hinaus von Interesse bestenfalls für Ornithologen und Leute, die sich am Anblick der sich an der Nordküste aalenden Kegelrobben erfreuen. Anders ausgedrückt: Lindisfarne ist – ohne unhöflich sein zu wollen – langweilig. Das entspricht auch ziemlich genau der Gemütslage, in der sich Diana befindet, und das seit vielen Jahren. Sie ist hier geboren, ist hier aufgewachsen. Hier hat sie gelebt, ohne Probleme, ohne nennenswerte Konflikte, sei es mit sich selbst oder mit anderen. Ihr Leben ist angenehm, wenn auch ohne Höhepunkte. Die Insel hat sie selten verlassen. Sie hat sich in die allgemeine Langeweile eingefügt. Nicht dass sie sich dabei jemals unwohl gefühlt hätte, im Gegenteil. Ihr Leben verläuft ruhig, beschaulich, angenehm. Das Gefühl, es würde ihr etwas fehlen, hat sie nie oder jedenfalls kaum einmal. Hier hat sie ihren George kennengelernt, damals ein sportiver und leidenschaftlicher Mann, dem sie sich, inzwischen fünfundfünfzig Jahre alt, von Anfang an mit zärtlicher Zuneigung hingegeben hat. Sie hatten bald die Kinder bekommen, die beiden Töchter. George bringt von seiner Arbeit ein nicht allzu üppiges, aber ordentliches Einkommen nach Hause. Die Rente rückt näher. Alles ist bestens. Sie fühlt sich glücklich. Was sollte ihre Ruhe stören?
Dass eine beunruhigende Störung eintritt, wird ihr in dem Augenblick, als es beginnt, nicht bewusst. Am nächsten Morgen lädt sie in der Mitte des Dorfes im Oasis Cafe ihre Kartons ab, plaudert mit den beiden älteren Frauen, die die Aktion betreuen, winkt dem einen oder anderen Bekannten zu, freut sich, etwas Nützliches zu tun. Die Rekonstruktion der früheren Village Hall, maßgeblich gefördert durch Lady Rose, liegt ihr sehr am Herzen. Sie nimmt es zuerst nicht wirklich zur Kenntnis, als neben ihr ein junger Mann, vielleicht fünfundzwanzig Jahre alt, in den zum Verkaufen präsentierten Sachen herumstöbert. Es ist nichts Ungewöhnliches, allenfalls, dass der junge Mann erkennbar nicht von hier ist, ein Ausflügler vermutlich. Seltsam ist allerdings, dass er schon an einem Freitag aufkreuzt. Sie schenkt ihm keine weitere Beachtung.

Im Kindle-Shop: Auf einmal war alles falsch.
Mehr über und vom Herausgeber Denis Geier auf seiner Website.



'Echo des Lebens' von Gabriele Popma

Kindle (Unlimited) | Taschenbuch
Wenn das Leben dir eine zweite Chance gibt, wie wirst du sie nutzen?

Mit siebzehn verliebt sich Marion in den Studenten Simon, der ihr hilft, ihr freudloses Elternhaus für eine Weile zu vergessen. Doch dann wird plötzlich ihr ganzes Leben aus den Fugen gerissen.

Jahre später hat sie ihren Weg gefunden und ist mit ihrer Familie glücklich. Da schlägt das Schicksal erneut zu und katapultiert sie in eine Lage, der sie sich nicht gewachsen fühlt. Zwei Freunde eröffnen ihr neue Perspektiven, doch damit fangen die Probleme erst richtig an. Marion muss Entscheidungen treffen, für die sie noch nicht bereit ist, und von denen dennoch ihr ganzes Glück abhängt.

Wird sie die Kraft haben, sich den neuen Herausforderungen zu stellen?

Leseprobe:
Das aufdringliche Schrillen des Handys durchschnitt die Stille in dem kleinen Büroraum. Der Ton war durch die Tasche, in der es steckte, deutlich gedämpft, doch Marion zuckte heftig zusammen. Sie saß über einer komplizierten Abrechnung und wollte sich nicht ablenken lassen. Egal, wer es war, er würde sich gedulden müssen.
Ihre Kollegin Julia, die ihr gegenüber saß, lachte. »Du brauchst mal einen vernünftigen Klingelton. Nicht so eine Sirene. Gehst du nicht ran?«
Marion seufzte. Ihre Konzentration war beim Teufel, also konnte sie das Gespräch genausogut annehmen. Sie nestelte das Handy aus ihrer Handtasche, die unter dem Tisch stand, als es verstummte.
»Problem gelöst«, grinste Julia.
Marion sah auf die Nummer. Die Vorwahl stammte aus ihrem Heimatort, aber ansonsten war sie ihr unbekannt. Sie würde nach Arbeitsschluss am Mittag zurückrufen. Auch eine neue WhatsApp-Nachricht hatte sie erhalten. Sie lächelte, als sie die Zeilen ihres Mannes las. ›Meine Konferenz fällt aus. Mache heute blau und fahre gleich heim‹, hatte er vor einer Stunde geschrieben. ›Vielleicht können wir nachmittags mit Stefanie rodeln gehen oder sonst was unternehmen. Hab dich lieb.‹
Eine gute Idee. Ihre Tochter würde sich über einen unverhofften Ausflug freuen.
Als sie das Handy zurück in die Tasche steckte, klingelte das Telefon, das zwischen den Schreibtischen stand. Julia sah sie an. »Du oder ich?«
»Du. Ich hatte heute früh schon etliche Gespräche. Ich muss diese Abrechnung fertig kriegen, bevor ich gehe.« Marion drehte sich zu ihrem Computer und hörte nur noch mit halbem Ohr, wie sich Julia mit dem Namen der Versicherungsgesellschaft, für die sie arbeiteten, meldete.
»Frau Degenhart? Ja, die ist hier. Einen Moment.«
Marion seufzte. Als sie die Hand nach dem Telefonhörer ausstreckte, warf sie Julia einen fragenden Blick zu.
»Jemand vom Klinikum Fürstenfeldbruck«, raunte die Kollegin, während sie die Telefonmuschel mit der Hand abdeckte.
»Wegen einer Abrechnung?« Noch mehr Arbeit. Marion stöhnte innerlich. »Degenhart«, meldete sie sich und erwartete, mit den Versicherungsdaten eines Patienten konfrontiert zu werden. Doch dann wurde sie blass. Julia hielt in ihrer Arbeit inne und beobachtete sie. Marion umklammerte den Hörer so fest, dass ihre Fingerknöchel langsam weiß wurden.
»Was ist los?«, fragte Julia alarmiert.
»Ja, natürlich, ich komme gleich«, murmelte Marion. »Auf Wiedersehen.«
Julia stand auf und lief um ihren Schreibtisch herum. Marion hielt immer noch den Hörer in der Hand, hatte ihn aber sinken lassen. Behutsam legte Julia ihre Hand auf die Schulter der etwas älteren Kollegin. Langsam und wie aus tiefer Trance erwachend, sah Marion auf.
»Was ist passiert?«, wiederholte Julia.
»Mein Mann hatte einen Unfall.« Marions Stimme war nur ein leises Wispern.
»Einen Unfall? Mit dem Auto?«
»Ja, ich glaube schon.«
»Du glaubst?«
»Sie haben mich nur gebeten, sofort zu kommen.« Ein Schauer durchlief Marion, doch er riss sie aus ihrer Starre. Sie ließ das Telefon achtlos fallen, während sie aufsprang und nach ihrer Jacke und Tasche griff. »Ich muss sofort hin.«
Julia schüttelte den Kopf. »Ich lasse dich auf keinen Fall fahren. Du bist viel zu aufgewühlt. Ich bringe dich hin.«
»Das musst du nicht.«
»Doch, das muss ich. Ich sage nur schnell Bescheid.«
Stumm starrte Marion durch die Windschutzscheibe. Es schneite schon wieder und sie kamen nur langsam voran. Sie war Julia dankbar für den Fahrdienst. Sie bezweifelte, dass sie sich im Moment auf den Verkehr konzentrieren konnte. Der Ring um ihre Brust zog sich immer enger zusammen und nahm ihr die Luft zum Atmen. Ihr Mann war verunglückt und es war schlimm. Sie wusste einfach, dass es schlimm war. Es war nur ein Gefühl und sie hoffte mit aller Macht, dass es sie trog. Fröstelnd zog sie den Reißverschluss ihrer gefütterten Jacke höher.
»Mach dir nicht so viele Sorgen«, versuchte Julia sie aufzumuntern. »Wahrscheinlich hat er nur ein paar Kratzer.«
»Dann hätte er selbst angerufen.«
»Vielleicht kann er nicht, weil sie ihn gerade verarzten. Sie haben deine Nummer doch sicher von ihm bekommen. Bestimmt hat er einfach darum gebeten, dich zu informieren.«
Marion atmete tief durch und versuchte, sich zu beruhigen, doch es gelang ihr nicht. »Er hat in der Brieftasche einen Zettel mit allen Nummern, unter denen ich zu erreichen bin. Nein, ich fühle es ganz deutlich: Es ist etwas Furchtbares passiert.«
»Hoffentlich nicht.« Julia ließ die Freundin für den Rest der Fahrt in Ruhe. »Soll ich mitkommen?«, fragte sie, als sie vor dem großen Gebäudekomplex hielt.
»Lieb von dir, aber das kann dauern. Du könntest dich um meine Abrechnungen kümmern.«
»Du hast vielleicht Nerven.« Julia schüttelte den Kopf. »Das sollte jetzt deine geringste Sorge sein. Sag ihm einen Gruß von mir.« Sie nickte der Kollegin noch einmal aufmunternd zu, bevor sie wendete und zurückfuhr.
Marion sah ihr nach und fröstelte. Sie hatte Angst, das Krankenhaus zu betreten. Sie glaubte einfach nicht, dass Julia recht hatte. Irgendein unbestimmtes Gefühl sagte ihr, dass eine schreckliche Nachricht auf sie wartete. Es war wie ein lähmendes Entsetzen, das sich in ihre Glieder schlich.
Sie holte tief Luft. Vielleicht machte sie sich wirklich nur verrückt. Sie hasste es selbst, dass sie sich andauernd um alles Mögliche sorgte. Ihr Mann zog sie immer damit auf, dass sie viel zu jung für Sorgenfalten wäre, aber sie hatte in den letzten Jahren einfach zu viel verloren, um nicht ständig in Alarmbereitschaft zu sein.
Wie es ihm wohl ging? Sie würde es nie erfahren, wenn sie weiter vor dem Krankenhaus stand und die Fassade hinauf starrte. Seufzend setzte sie sich in Bewegung. Erst bei der Anmeldung blieb sie stehen.
»Mein Name ist Marion Degenhart«, sagte sie zu dem älteren Mann, der sie freundlich ansah. »Ich bin angerufen worden.«
»Ah ja.« Der Angestellte nickte. »Ich sage gleich Bescheid. Nehmen Sie doch bitte einen Moment Platz.«
Nach kaum fünf Minuten wurde sie von einer Schwester abgeholt.
»Frau Degenhart? Ich bin Schwester Ina. Würden Sie bitte mitkommen?«
Sie stand auf. Bildete sie es sich nur ein oder hatte die Schwester ihr einen mitleidigen Blick zugeworfen? Der Kloß in ihrem Hals wurde immer größer.
»Bitte sagen Sie mir, was mit meinem Mann ist«, presste sie mühsam hervor. »Wie geht es ihm?«
»Er hatte einen schweren Unfall, Frau Degenhart«, meinte die junge Schwester leise. »Der behandelnde Arzt, Herr Dr. Drescher, möchte mit Ihnen sprechen.«
So schlimm war es also, dass sogar der Arzt mit ihr reden wollte, bevor sie ihren Mann sehen durfte? Marion wurde schwindelig. Die Wände schienen auf sie zuzukommen und sie zu erdrücken. Sie tastete nach einem Halt.
Schwester Ina legte ihr eine stützende Hand auf den Arm. »Möchten Sie sich einen Moment setzen?«
»Nein, danke, es geht schon.« Marion presste die Lippen aufeinander. Sie wollte endlich wissen, wie es ihrem Mann ging.
Der Marsch durch die Gänge erschien ihr endlos. Wie lange waren sie bereits unterwegs? Fünf Minuten? Zehn? Oder waren es erst Sekunden? Sie bewegte sich wie in einem Nebel, ohne jegliches Zeitgefühl. Der lähmende Schrecken hatte sie wieder im Griff und verhinderte, dass sie einen vernünftigen Gedanken fassen konnte. Erst, als die Schwester an eine Tür klopfte und sie nach einer kurzen Ankündigung eintreten ließ, schaffte sie es, die Benommenheit abzuschütteln. Gefasst trat sie auf den Arzt zu, der von seinem Schreibtisch aufgestanden war. Er musste etwa Mitte Fünfzig sein und lächelte sie so warm und aufmunternd an, dass Marion wieder zu hoffen begann.
»Bitte nehmen Sie Platz, Frau Degenhart.«
»Bitte, was ist mit meinem Mann?«
»Wie es den Anschein hat, ist er auf eisglatter Fahrbahn ins Schleudern gekommen und hat die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Er hat sich mehrmals überschlagen und ist dann gegen einen Baum geprallt.«
Vor Marions innerem Auge lief der Unfall wie auf einer Kinoleinwand in 3D ab. Ein eiskalter Schauer ließ sie erzittern. Sie wollte das nicht hören. Sie wollte zurück an die Arbeit und einfach so weitermachen wie bisher. Dann würde ihr Schatz auch am Abend zu ihr nach Hause kommen. Er würde sie küssen und sie fragen, wie ihr Tag gewesen war. Und sie würde sich an seine Schulter schmiegen und ihn nie wieder loslassen.
»Im Moment wird Ihr Mann operiert«, fuhr Dr. Drescher fort. »Eine Schwester wird Ihnen noch die nötigen Formulare bringen, die Sie bitte ausfüllen.«
»Wie schlimm ist es?« Marion hörte ihre eigene Stimme kaum.
»Ich will Ihnen nichts vormachen, Frau Degenhart. Der Zustand Ihres Mannes ist sehr ernst. Aber nicht hoffnungslos ...

Im Kindle-Shop: Echo des Lebens.
Mehr über und von Gabriele Popma auf ihrer Website.

25. Mai 2018

'Der Notenjäger' von Rita Hausen

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Der Komponist Simon Leidbrecht ist wegen einer anhaltenden Schaffenskrise verstimmt und will die neueste Erfindung seines Freundes Leo Bernstein nutzen, um sie zu überwinden. Diese Erfindung ist eine Zeitmaschine, mit der er in vergangenen Epochen Noten aufstöbern will, die nicht überliefert wurden, um sie als eigene Werke auszugeben.

Die erste Zeitreise führt die Musiktherapeutin Mitternacht und einen Physikstudenten ins Mittelalter, danach begeben sich Leidbrecht und Mitternacht ins 18. Jahrhundert.

Wie es ihnen da wohl ergeht? Ob sie ihre Vorhaben und Ideen verwirklichen können?

Leseprobe:
Die Zeitmaschine
Leidbrecht hatte die Gabe, Schönheit und Harmonie zu erfassen und zu genießen. Er war sensibel und begabt, doch irgendetwas hinderte ihn in letzter Zeit, etwas zustande zu bringen. Vielleicht war es die Versessenheit darauf, von anderen bemerkt und geschätzt zu werden. Er wollte etwas Besonderes sein und sehnte sich danach, die Welt und das Leben in einem Kunstwerk zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Er glaubte daran, dass die Welt durch Schönheit verbessert werden könnte. Da ihm jedoch nichts mehr gelang, kam ihm das Leben unerträglich und sinnlos vor. Er fühlte sich zudem als Außenseiter und von niemandem verstanden.
Er liebte die Musik, sie war sein Lebenselixier. Sie tröstete ihn, zerriss ihn aber auch zuweilen innerlich. Ihre Schönheit tat manchmal weh und verleitete ihn zu einer Melancholie, die er insgeheim jedoch auch genoss. Er weidete sich an seinem Unglücklichsein. Sein Seelenzustand war geprägt von einer Fülle von Gefühlen, nicht nur Schmerz, Elend und Schrecken. Was ihn zur Verzweiflung trieb, war der Umstand, dass er das Übermaß seiner Gefühle schon seit längerem nicht mehr in Musik umsetzen konnte. Er rang darum, Schönheit und Verzweiflung in Noten zu bannen, aber es gelang ihm nicht. Er rettete sich manchmal in eine Art von Komposition, die Ähnlichkeit mit der Mathematik hatte. Er spielte mit Noten, unterzog sie einer Permutation oder algebraischen Transformation. Setzte sie rückwärts oder gespiegelt. Das Ergebnis hatte Ähnlichkeiten mit der Zwölftonmusik, die er aber eigentlich nicht mochte. Dann fragte er sich: Wozu noch Musik schreiben im einundzwanzigsten Jahrhundert? Wo Bach und Mozart im achtzehnten schon alles ausgedrückt hatten, und zwar unübertrefflich und gültig für alle Ewigkeit. Alle späteren Meister wiederholten doch nur das längst Erdachte.
Leidbrecht trat ans Fenster und betrachtete die untergehende Sonne. Aus seinem CD-Player erklang Musik. Sie begann mit einem einzelnen Ton, schwebte durch den Raum wie ein Lichtstrahl, der sich in die Finsternis vortastet. Die lange ausgehaltene Note endete in einem Motiv, kurze Töne, hingeworfen wie Murmeln in den Sand. Dann folgten eine Wiederholung und ein neuer Anlauf. Das Motiv wurde auf einer höheren Stufe wiederholt, glitt weich und anmutig dahin. Viele andere Stimmen setzten nach und nach ein, ein Gewebe von Klängen wuchs und wurde kraftvoller. Leidbrecht war überwältigt von der Schönheit dieser Musik.
Als die Fuge verklungen war, setzte er sich ans Klavier und spielte einige Akkorde, griff dann hastig zu Stift und Notenpapier und fing an zu schreiben. Schon bald brach er seufzend ab. Tief enttäuscht begann er, wie so oft, mit sich und seinem Schicksal zu hadern. Die Qual der Vergeblichkeit zerriss ihn und öffnete Dämonen die Tür. Er wünschte sich sehnlich, dass seine Lebensreise zu Ende ginge.
Er ließ sich in seinen Sessel fallen und starrte bekümmert vor sich hin.
Das Telefon läutete und riss ihn aus seiner Starre. Doch er war nicht fähig, aufzustehen, er starrte auf den Apparat, bis er verstummte. Dann nahm er schwerfällig ein Notenblatt vom Boden und zerknüllte es. Musik ertönte in seinem Innern: Eine hohe Frauenstimme sang einen Text, den ein befreundeter Dichter geschrieben hatte. Er selbst hatte die Musik dazu komponiert. Das Lied war ganz gut geraten, doch schon einige Jahre alt. Er seufzte.
Das Telefon schrillte erneut und holte ihn aus seiner Versunkenheit. Er stand auf und drückte die Annahmetaste. Die Stimme legte los: „Wir haben es geschafft! Stell dir vor. Die Kompression des Lichts ist gelungen. Willst du nicht kommen, es dir ansehen?“
„Bernstein“, murmelte Leidbrecht verwirrt.

Wenig später stand er im Labor des Physikers und betrachtete das Wurmloch, dessen Sog auch hinter der Spezialscheibe noch zu spüren war. „Eine wundervolle kosmische Architektur“, rief Bernstein aus und trat zum Differenziator.
„Wie habt ihr das hinbekommen?“, fragte Leidbrecht.
„Es ging darum, den Teilchenbeschleuniger auf Überlichtgeschwindigkeit zu steigern. Sofort sprangen virtuelle Photonen in eine zeitweilige Existenz, wirbelten um ein Elektron herum, Protonen und Neutronen wurden zerstäubt und zu einer Blase …“
„Moment, Moment“, rief Leidbrecht aus, „Überlichtgeschwindigkeit gibt es doch nicht.“
„Ja, hat Einstein behauptet. Aber das ist überholt. Der Physiker Burkhard Heim entwarf eine einheitliche strukturelle Quantenfeldtheorie der Materie und Gravitation, die als Erweiterung der Relativitätstheorie gelten kann. Sie enthielt in der ursprünglichen Fassung sechs Dimensionen. Heim wurde international bekannt, als er ein neues Antriebssystem für die Raumfahrt vorschlug. Es beruht auf einer Energie, die ein extrem starkes Magnetfeld erzeugt. Dieses wiederum ruft ein Gravitationsfeld hervor, das den Schub liefert. Werden bestimmte Feldstärken überschritten, schlüpft das Raumschiff in eine höhere Dimension, in der die kosmische Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gilt, es kann also überlichtschnell fliegen. Wird das Magnetfeld abgeschaltet, fällt das Schiff in unser normales Raumzeit-Kontinuum zurück.“
Leidbrecht unterdrückte ein Gähnen und nickte zerstreut. Bernstein fuhr fort: „Aber uns interessiert die Überlichtgeschwindigkeit ja nur insofern, als sie uns das Gluon-Plasma liefert. Das sind energiereiche Bruchstücke, in die Protonen und Neutronen zerstäubt werden. Dieses Plasma wird erhitzt und komprimiert, bis ein winziges schwarzes Loch entsteht, das mit Materie von negativer Energiedichte gefüttert werden muss. Man kann den ganzen Vorgang auch als Kompression des Lichts bezeichnen.

Im Kindle-Shop: Der Notenjäger.
Für Tolino: Buch bei Weltbild
Mehr über und von Rita Hausen auf ihrer Website.



24. Mai 2018

'Thassas Geschichte: Der Attaché des Kaisers' von Devon Anderson und Suzanna LeMonde

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Korea, 1943
Die junge Thassa wird von Anwerbern der Kaiserlich Japanischen Armee verschleppt. Zusammen mit Mina, einem Mädchen, das ein ähnliches Schicksal teilt, wird sie einem Trosthaus zugeteilt, in dem sie den Soldaten zu Diensten sein soll. Takeo Nakamuro, ein ambitionierter Offizier, verbindet mit ihr nach einer schmerzvollen Erfahrung in der Vergangenheit all seine Hoffnungen und Sehnsüchte für die Zukunft. Aufmerksam, liebevoll und privilegiert verschafft er ihr scheinbar selbstlos eine Atempause. Doch nur sein vermeintlicher Tod kann sie jetzt noch retten.

Thassa flieht, schwanger mit seinem Kind. Als sie das Schicksal erneut zusammenführt, muss er feststellen, dass der Preis, den er dafür zahlen muss, nichts Geringeres als seine Seele ist.

Ein Offizier, der unerbittlich seinen Weg geht.
Ein junges Mädchen, das zu lieben gelernt hat.
Ein mächtiger Mann, der zu manipulieren versteht.
Sie alle können ihrem Schicksal nicht entkommen.

Leseprobe:
Thassa blickte aus dem Fenster des Zimmers im Goldenen Drachen, das sie nun für eine unbestimmte Zeit mit Takeo bewohnen sollte. Unten im Hof zur Rückseite mühte sich Quân mit einem großen Korb ab, von dem sich noch ein zweiter auf einem Handkarren befand, der dort bereits seit dem Morgengrauen stand. Nachdem er ihn in das Innere des Hauses gebracht hatte, holte er auch den zweiten Korb und schloss die Tür hinter sich. Thassa zuckte zusammen, als Takeo hinter ihr zu sprechen begann.
„Ich kann zwar nicht behaupten, dass meine Motive, dich hierher zu bringen, edel gewesen sind“, sagte er leise, „aber das Schicksal der anderen Mädchen bleibt dir zumindest vorerst erspart.“ Auch er hatte über ihre Schulter hinweg aus dem Fenster geblickt. Thassa nahm ihren ganzen Mut zusammen.
„Ich bin nicht so unschuldig wie Sie denken, Tono Nakamuro, und glauben Sie nicht, ich wüsste nicht, warum Sie mich hierhergebracht haben.“ Sie schob trotzig ihr Kinn vor und ihre Augen blitzten. Takeo brach gutmütig in schallendes Gelächter aus und nahm sie um die Taille. Ihre Reaktion strafte ihre Worte Lügen. Schnell wie eine Katze drehte sie sich aus seinem Griff und lief zur Tür. Sie fühlte sich zitterig und elend.
„Es ist abgeschlossen“, sagte Takeo. „Aber wenn ich dir so sehr zuwider bin, bringe ich dich selbstverständlich sofort zurück zu Madame Liu. Sie ist sicher gerade dabei, den Mädchen zu erklären, welche Vorkehrungen sie zu ihrem Schutz treffen sollen, bevor heute und all die nächsten kommenden Tage und Wochen, vielleicht Monate, Soldat um Soldat zu ihnen kommt, um sie, ganz legitim im Dienst für das Japanische Kaiserreich natürlich, auf jede nur erdenkliche Art und Weise zu vergewaltigen.“
Thassa schnappte nach Luft. Madame Lius Schimpftirade fiel ihr ein. Du bist seine verdammte Hure! Merk dir das! Du bist nichts wert! Nicht den Schmutz unter seinem Fingernagel! Und er wird dir nicht dein kleines, vor Liebe schwellendes Herz brechen! Nein, das wird er nicht! Er bricht dir dein Genick, bevor, während oder nachdem er dich in alle deine Körperöffnungen gebumst hat! Tatsächlich hatte er zumindest in der vergangenen Nacht weder das eine noch das andere mit ihr getan. Gleich nebenan befand sich ein sehr edel eingerichtetes Badezimmer, wo sie sich hatte waschen dürfen. Er hatte sie eingeschlossen und auch die Dauer bestimmt, doch die Zwischenzeit genutzt, um eine Mahlzeit für sie auf das Zimmer bringen zu lassen. Thassa jedoch saß zu Tode verängstigt regungslos auf dem Stuhl und hatte keinen Bissen hinuntergebracht, den Blick starr auf den Teller vor sich gerichtet. Irgendwann hatte die Müdigkeit sie übermannt, daran erinnerte sie sich noch, bevor sie heute im Morgengrauen im Bett hochgeschreckt war. Er hatte am Tisch gesessen, beschäftigt mit einigen Papieren, die sehr dienstlich aussahen. Zugelächelt hatte er ihr. Thassas Verwirrung war von Minute zu Minute gewachsen.
„Und?“ fragte er sie nun. Eine Kerze brannte und gab ein schwaches Licht. „Möchtest du zurück?“ Thassa blieb still. Schließlich trat Takeo ungeduldig auf sie zu. „Nun“, sagte er und verzog ärgerlich das Gesicht. „Ich habe dich nicht dort herausgeholt, damit dich jetzt doch andere Männer benutzen können. Also vergiss die Frage.“ Die Sekunden tropften dahin und die Gedanken in Thassas Kopf rasten. „Mina“, flüsterte sie plötzlich und brach unvermittelt in Tränen aus. Takeo zog sie in seine Arme und sie war zum ersten Mal nicht voller Abwehr. „Es tut mir leid, Thassa“, sagte er aufrichtig bedauernd. „Ich werde sehen, was ich tun kann, um es ihr leichter zu machen, ich verspreche es dir.“ Ihre Finger gruben sich in seine Arme und ihr Gesicht war tränennass. Sie nickte wild. „Ich tue alles, was du willst“, weinte sie.

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22. Mai 2018

'Lauf, wenn der Moorwolf heult' von Gabriele Popma

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ein Schrei riss sie herum. Atemlos sah sie, wie Patrick einige Meter hinter ihr ins Gras stürzte. Dann streifte sie ein eiskalter Windhauch, der sie erzittern ließ. Wieder hörte sie das unheimliche Heulen und dieses Mal klang es triumphierend.

Die schüchterne, 16-jährige Nela verbringt die Ferien bei ihrer Tante auf dem Land und befürchtet, vor Langeweile zu sterben. Die Aussichten bessern sich, als sie auf den attraktiven Patrick trifft. Der aber hat mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen Nela zu Beginn nicht ganz klar kommt. Doch dann jagt eine geisterhafte Erscheinung ihr eine Heidenangst ein. Kann sie ergründen, was es mit dem unheimlichen Phänomen, von dem sie unerbittlich verfolgt wird, auf sich hat?

Eine Geschichte über Ängste und Probleme, über Mut, Hoffnung und die erste Liebe.

Leseprobe:
»Pass gut auf dich auf«, ermahnte Frau Merkert sie noch. »Bei einem solchen Wetter kann es in dieser Gegend gefährlich sein.«
Nela nickte nur und fuhr los. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was die Frau gemeint hatte. Gefährlich war es auf diesem kurzen Stück Weg gewiss nicht. Trotzdem ging ihr Frau Merkerts besorgter Blick nicht aus dem Sinn.
Sie ließ sich Zeit. Der Himmel bot ein faszinierendes Schauspiel, wie sie es noch nie gesehen hatte. Oder sich noch nie die Zeit genommen hatte, zu beobachten. Zwischen vielschichtigen grauen und schwarzen Wolkenbergen schimmerten hellgrüne Streifen Tageslicht hindurch und erhellten die schnell vorbeiziehenden Wolken wie von innen heraus. Nela genoss die Fahrt und die klare Luft und konnte wirklich nichts Beunruhigendes dabei finden.
Doch plötzlich hörte sie ein Geräusch. Zuerst dachte sie, es käme von ihrem Fahrrad. Aber als sie anhielt und abstieg, vernahm sie es immer noch. Es klang wie das laute Hecheln eines Hundes. Sie sah sich um, konnte aber nichts Ungewöhnliches erkennen. Wo war dieser Hund? Etwas mulmig war ihr schon, so allein auf der Landstraße bei diesem seltsamen, diffusen Licht. Es war allerdings hell genug, um zu sehen, dass sie wirklich allein war. Ganze zwei Autos hatten sie während der Fahrt überholt.
Das Hecheln wurde lauter. Nela hatte das Gefühl, als würde sich ein großer Hund in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Sie ging zur anderen Straßenseite hinüber und sah über die Böschung. Etwa fünfzig Meter entfernt lief unterhalb der Straße ein Feldweg parallel, aber auch dort war niemand unterwegs. Bei diesem Wetter führte doch keiner seinen Hund spazieren. Sie suchte mit den Augen die angrenzenden Wiesen ab, aber es war alles friedlich. Trotzdem hörte sie immer noch das Hecheln. Es musste etwas anderes sein. Aber was? Nichts in der Umgebung konnte ein solches Geräusch hervorbringen. Während sie wieder zu ihrem Fahrrad lief, sah sie sich aufmerksam um. Es musste ein Hundehecheln sein, doch wo war der Hund dazu? Duckte er sich vielleicht ins Gras und war so klein, dass sie ihn nicht sah? Aber so hörte es sich nicht an. Es war ein lautes Geräusch, das irgendwie deplatziert wirkte. Plötzlich war das Hecheln genau vor ihr, als würde ein unsichtbarer Hund direkt neben ihrem Vorderrad stehen. Eine Gänsehaut kroch über Nelas Rücken, als sie hastig auf ihr Fahrrad stieg. Das war ihr nun doch einen Tick zu unheimlich. Sie wollte nur noch weg von hier. Aber so schnell sie auch fuhr, das Hecheln blieb bei ihr. Es wurde sogar noch lauter. Und dann durchdrang ein Heulen den düsteren Nachmittag. Ein schauriges, gespenstisches Heulen, das sie bis ins Mark erschreckte. So mussten sich Wölfe anhören, bevor sie ihre Opfer anfielen. Aber hier gab es doch keine Wölfe. Oder etwa doch? Sie schluckte trocken. Es konnte ja wohl nicht sein, dass sie hier zwischen zwei Ortschaften von einem Wolf angegriffen wurde.
»Nela, du fängst an zu spinnen«, sagte sie laut. Der Klang ihrer Stimme beruhigte sie etwas. Dennoch klopfte ihr Herz wie rasend. Nach dem Heulen hörte sie wieder das Hecheln und nun erneut genau hinter sich. Gehetzt warf sie einen Blick zurück und wäre fast gestürzt, als sie dabei den Lenker verriss. Nur mit Mühe konnte sie sich auf der Straße halten. Der scharfe Wind trieb ihr Tränen in die Augen, als sie so schnell in die Pedale trat, dass ihr Herz zu zerspringen drohte. Etwas war hinter ihr her. Ganz deutlich hatte sie zwei gelbe Lichter gesehen. In der Form von Augen. Augen, die wild glühten. Sonst nichts. Da war kein Körper, nur Glutpunkte in der Luft, die sie zu verfolgen schienen. Es war unheimlich. Und immer wieder ein Heulen wie von einem großen Hund. Ihr Verstand sagte ihr, dass das alles nicht sein konnte, dass Geräusche nicht aus dem Nichts entstehen konnten und Augen ohne Körper unmöglich waren, doch ihr Instinkt ließ sie panisch reagieren. Nun hörte sie auch noch das Tappen von Pfoten auf der nassen Straße, das hohl und schaurig widerhallte. Auch sehr große Hundepfoten machten keinen solchen Krach. Das Tappen klang, als würde der Hund durch tiefe Pfützen auf der Straße platschen. Nela traute sich nicht mehr, sich umzudrehen. Keuchend vor Anstrengung spornte sie ihre Beine zu noch schnellerem Treten an. Sie versuchte, sich zu beruhigen, indem sie sich laut vorsagte, dass ihr nichts passieren konnte, doch ihre Panik ließ sich durch keinen noch so vernünftigen Grund beschwichtigen. Egal, was das hinter ihr war, es war einfach nur unheimlich. Warum kamen denn keine Autos mehr? Warum war hier kein einziger Mensch unterwegs? Nela fühlte sich mutterseelenallein. Allein mit diesen geisterhaften Geräuschen, die immer näher kamen. Sie wollte sich die Ohren zuhalten, um das schaurige Heulen nicht mehr hören zu müssen, doch sie wagte es nicht, den Lenker loszulassen. In wahnsinniger Fahrt raste sie die leicht abschüssige Straße hinunter und doch schien es Ewigkeiten zu dauern, bis sie das Ortsschild von Langenfelden erreichte. Und in diesem Moment hörte der Spuk auf. Das Hecheln verstummte und das nervenzerfetzende Tappen der Pfoten verschwand. Totenstill war es plötzlich. Unheimlich still. Nela hielt an, nahm ihren ganzen Mut zusammen und drehte sich um. Beinahe erwartete sie, dass ein wildes Tier genau hinter ihr stand, bereit, sie zu fressen, wie sie es schon oft im Fernsehen in diversen Thrillern gesehen hatte. Doch da war nichts außer der verlassenen Straße und grünen, idyllischen Wiesen. Nirgendwo war auch nur die Spur einer Bewegung, geschweige denn eines Tieres zu sehen. Zitternd atmete sie tief durch und versuchte vergeblich, ein Frösteln zu unterdrücken. Sie hätte schwören können, dass sie die ganze Zeit von einem großen Hund verfolgt worden war. Von einem Hund ohne Körper, aber mit zwei bedrohlich glimmenden Augen.
Sie hatte nicht mehr die Kraft, auf das Fahrrad zu steigen. Langsam schob sie es neben sich her, während sich ihr Herz und ihre Atmung wieder beruhigten. Auch ihre Gedanken wurden wieder rationaler. Es konnte ja schlecht ein Geist gewesen sein. Vielleicht hatten sich Jugendliche einen Spaß erlaubt. Mit der heutigen Technik dürfte es nicht schwer sein, Abspielgeräte so in der Wiese am Straßenrand zu deponieren, dass Fußgänger und Radfahrer meinten, von einem wilden Tier verfolgt zu werden. Wahrscheinlich lagen irgendwo in sicherer Entfernung ein paar Halbwüchsige im Gras und lachten sich über ihre Panik halb tot. Nela nickte bekräftigend. Genau so musste es sein. Deshalb hatte das Hecheln und Heulen auch so hohl und dumpf geklungen. Weil es von einem Abspielgerät kam, vielleicht von einem alten Kassettenrekorder. Auch die tanzenden Lichtpunkte ließen sich sicher irgendwie erklären. Bestimmt gab es entsprechende Apps für Smartphones. Nela kam sich plötzlich unglaublich dumm vor, dass sie so bereitwillig in die Falle getappt war. Am liebsten wäre sie umgedreht, um die Übeltäter zu suchen. Doch dafür hatte sie keine Zeit. Sagte sie sich zumindest, denn es bestand ja immerhin eine geringfügige Chance, dass es doch ein Geist gewesen war.

Im Kindle-Shop: Lauf, wenn der Moorwolf heult.
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18. Mai 2018

'Mordsfinale. Ostfrieslandkrimi' von Ulrike Busch

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Ein mysteriöser Todesfall sorgt im idyllischen Greetsiel für Schlagzeilen. In der Seniorenresidenz „Haus Friesenglück“ wird eine ältere Dame leblos in der Badewanne aufgefunden. Ein Föhn lag im Wasser, und schnell diagnostiziert der Arzt des Hauses Selbstmord. Doch es gibt viele Unstimmigkeiten, Fenna Stern und Tammo Anders von der Kripo Greetsiel ermitteln.

Schon bald finden sie heraus: Es war nicht der erste rätselhafte Tod im „Friesenglück“. Immer mehr Indizien deuten auf Mord, doch wer hat ein Motiv? Spielt eine der Seniorenbegleiterinnen Schicksal? Oder steckt gar Seniorenheim-Besitzer Pinkas von Finkenstein dahinter? Das neuere und luxuriösere „Friesenglück“ ist eine unerwünschte Konkurrenz für seine „Residenz Frisia“. Die Kommissare haben keine Zeit zu verlieren, denn niemand weiß, wann der nächste Mord geschieht.

Band 5 der Ostfriesland-Krimireihe ‚Kriop Greetsiel ermittelt‘

Leseprobe:
Hilke wurde in einem Nebenraum bewacht, während Eggo Katt im Verhörzimmer Platz nahm. Der Bericht von Gerhild Linnenbrügger war inzwischen in der Mailbox beider Ermittler eingetroffen. Sie überflogen ihn, dann gingen sie in den Verhörraum. Ein anderer Kollege hatte bereits mit Katt die Formalitäten erledigt, sodass sie gleich mit der Befragung beginnen konnten.
»Herr Doktor Katt.« Fenna nahm den Verdächtigen ins Visier. »Sie haben zweimal eine Todesursache attestiert, die so weit von der Wahrheit entfernt ist wie die Amöbe vom Homo sapiens. Wie erklären Sie sich selbst und wie erklären Sie uns, wie das passieren konnte?«
Katt gab sich völlig verblüfft. »Wieso zweimal? Bei Frau Niemeyer sind Sie zu einem anderen Schluss gekommen als ich. Die Frau Kollegin aus der Rechtsmedizin hatte aber auch eindeutig bessere Chancen als ich, sich über die Todesursache Gewissheit zu verschaffen.«
Der feuchte Film auf der Oberlippe des Arztes signalisierte der Kommissarin, dass der Mann sich durchaus seiner heiklen Situation bewusst war. Sie durfte jetzt nicht lockerlassen. Es war vorauszusehen, dass sie mit ihm ein leichtes Spiel haben würden. Ohne Zweifel war Katt einer Konfrontation mit der Kripo nicht gewachsen. »Ich weise Sie nochmals darauf hin, dass Sie einen vermeintlichen Suizid, den Sie für einen echten hielten, gegen die Vorschriften nicht bei der Polizei gemeldet haben.«
Katt wand sich. »Ich habe Ihnen doch schon erklärt, was ein Selbstmord für den Ruf des Hauses bedeutet hätte.«
»Was glauben Sie«, mischte Tammo sich ein, »was es für den Ruf des Hauses bedeuten wird, wenn die Tageszeitungen demnächst bundesweit von zwei Fällen berichten werden, bei denen Sie natürliche Todesursachen attestiert haben, die aber schlicht und ergreifend unter die Rubrik Mord fallen?«
»Da wird sich so manch ein Leser und manch ein potenzieller Interessent der Wohnanlage dieselbe Frage stellen, wie wir: Welche Rolle spielte der Arzt vom Haus Friesenglück bei diesen Morden?«
»Hören Sie.« Katt wand sich auf seinem Stuhl. Endlich knickte er ein. »Mir ist kürzlich etwas passiert, was niemals hätte passieren dürfen.« Seine Miene wirkte zerknirscht.
Fenna schenkte Wasser in ein Glas und reichte es ihm. »Dann erzählen Sie mal.«
Katt berichtete von dem Medikamentenschrank, den er offengelassen hatte, als er zu der Notfallpatientin gerufen wurde. »Leider hatte ich auch die Terrassentür nicht verschlossen und als ich zurückkam ...« Er sah Fenna flehentlich an, doch sie erlöste ihn nicht.
»Nun?«, drängelte Tammo. »Was war, als Sie zurückkamen?«
»Es fehlte ein Medikament. Eine Packung mit hundert Insulintabletten.«
»Wem haben Sie das gemeldet?«, fragte die Kommissarin.
»Gemeldet?« Katt guckte sie an, als hätte sie gerade von ihm erwartet, dass er den Verlust eines Täfelchens Traubenzucker bei der Kriminalpolizei angezeigt hätte. »Niemandem.«
»Sind sie nicht auf die Idee gekommen, dass mit dem Medikament Missbrauch getrieben werden könnte?«
Katt zuckte mit den Schultern.
Fenna nagelte ihn mit ihren Blicken fest. »In welcher Beziehung stehen Sie zu Frau Ukena?«
Die Hände des Arztes suchten nach irgendetwas, womit sie sich beschäftigen konnten. Sie umklammerten schließlich das Wasserglas.
»Es ist besser, Sie sagen uns gleich die Wahrheit«, warf Tammo ihm zu. »Wir finden sie sowieso heraus.«
Katt guckte ihn verstohlen an. »Sie ahnen es doch schon.« Er rutschte auf seinem Stuhl herum. »Hilke ... Frau Ukena und ich, wir sind ein Paar.«
»Seit wann?«
»Seit sie das erste Mal zu einem Gespräch in meine Praxis kam. Sie hat sich in ihrer Eigenschaft als Seniorenbegleiterin bei mir vorgestellt. Da ja zu erwarten war, dass sie im Rahmen dieser Tätigkeit gelegentlich Bewohner unseres Hauses zur Sprechstunde begleiten würde, wollte sie mich einmal unter vier Augen sprechen, um ein Vertrauensverhältnis zwischen uns aufzubauen.«
»Das mit dem Vertrauensverhältnis ist Ihnen dann offensichtlich perfekt gelungen«, meinte Tammo.
Katt zuckte mit den Schultern. »Wo die Liebe hinfällt ...«
»Hat Frau Ukena freien Zugang zu Ihrer Praxis?«
Eggo Katts Gesicht verschloss sich. »Ich habe es Ihnen doch bereits erzählt: Meine Praxis ist immer verschlossen. Nur ich habe den Schlüssel. Ohne mich kommt niemand hinein.«
Tammo lehnte sich weit über den Tisch. »Wie man gesehen hat, als die Packung Insulintabletten verschwand.«
Katt verbarg sein Gesicht in den Händen.
»Herr Doktor Katt.« Fenna versuchte es in mütterlichem Ton. »Kann es sein, dass Frau Ukena die Packung entwendet hat?«
Der Arzt wich ihrem Blick aus. Er bewegte den Kopf in alle Richtungen. Ob es ein Nicken oder ein Kopfschütteln sein sollte, war nicht zu erkennen. Vermutlich war es einfach nur ein Ausdruck der Verzweiflung und Hilflosigkeit. »Sie war an dem Abend bei mir, aber sie hat meine Praxis verlassen, als ich zu dem Notfall gerufen wurde.«
»Kann sie zurückgekommen sein?«
»Ich weiß es nicht. Wirklich nicht.«
»Halten Sie Hilke Ukena für fähig, Ilse Büttner und Marga Niemeyer getötet zu haben?«
Erschrocken blickte Katt die Kommissarin an. »Sie ist meine Lebensgefährtin!«
Fenna atmete durch und schaltete das Aufnahmegerät aus. »Wir beenden das Gespräch für heute. Wir werden uns jetzt noch mit Frau Ukena unterhalten.«
Ein uniformierter Kollege führte Katt in einen anderen Raum und brachte anschließend Hilke Ukena ins Verhörzimmer. Die Ermittler klärten sie über ihre Rechte auf und Fenna sagte ihr ihre Vermutung auf den Kopf zu.
»Frau Ukena, Sie stehen im Verdacht, aus dem Medikamentenschrank in Doktor Katts Praxis eine Packung mit hundert Insulintabletten entwendet zu haben.«
Hilke reagierte unerwartet aggressiv. »Hat Eggo das etwa behauptet? Dann soll er es mir ins Gesicht sagen.«
»Sie bestreiten, dass Sie das Medikament an sich genommen haben?«
Hilkes Lippen wurden schmal und Fenna merkte, dass die Seniorenbegleiterin den Tränen nah war. »Wenn ich das geahnt hätte«, presste sie hervor, »hätte ich mich niemals, niemals im Leben bereit erklärt, mich für Senioren zu engagieren.«
Fenna schwieg und beobachtete ihr Gegenüber. Wäre Hilke fähig, ältere Menschen heimtückisch mit Medikamenten zu töten? Wäre sie dazu in der Lage, eine hilflose Frau in der Badewanne zu ertränken? War sie ein barmherziger Engel, eine Mutter Theresa, oder war sie eine Blenderin, die sich als Herrscherin über Leben und Tod aufspielte?
Hilke hatte während der Gesprächspause, die sich eingestellt hatte, wieder zu sich gefunden. »Wissen Sie, wenn Sie mich verhaften wollen, dann tun Sie das. Aber wundern Sie sich nicht, wenn es weitere Tote gibt.«
War Hilke Ukenas Gelassenheit Ausdruck ihrer inneren Sicherheit, die auf dem Wissen basierte, dass sie schuldlos war, oder war es ein Beweis ihrer Eiseskälte und Erbarmungslosigkeit?
Fenna warf Tammo einen verstohlenen Blick zu. An seiner skeptischen Miene erkannte sie, dass er genauso zwischen den Extremen schwankte wie sie.
»Mehr sage ich nicht. Nicht ohne Anwalt«, schob Hilke hinterher.
Fenna sah keine andere Möglichkeit. Im stummen Einverständnis mit Tammo beendete sie die Befragung. »Sie können jetzt nach Hause fahren. Aber bis auf Weiteres verlassen Sie die Krummhörn bitte nicht, ohne uns darüber zu informieren, wohin Sie gehen. Und, Frau Ukena ...« Fenna stockte.
»Ja?« Hilke sah sie herausfordernd an.
»Bitte halten Sie sich in der nächsten Zeit vom Haus Friesenglück fern. Lassen Sie Ihre Tätigkeit als Seniorenbegleiterin ruhen, bis wir den Fall Marga Niemeyer aufgeklärt haben. In Ihrem eigenen Interesse.«

Im Kindle-Shop: Mordsfinale. Ostfrieslandkrimi (Kripo Greetsiel ermittelt 5).
Für Tolino: Buch bei Thalia
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17. Mai 2018

'Wenn Hoffnung stirbt' von Janette John

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Wer liebt, verzeiht. Wer es nicht tut, wird es ein Leben lang bedauern.«
Janette John

Als am 14. Februar in Konstanz eine junge Frau unerwartet stirbt, geraten die Bewohner der Stadt in Panik, weil ihr Tod in einem der sozialen Netzwerke angekündigt worden ist. Schon wenig später liest man von einem weiteren Opfer.

Allzu schnell ist ein Verdächtiger gefasst. Doch ein Motiv lässt sich nicht finden. Nachdem sich die Nachricht bewahrheitet und man seltsame Zeichnungen an den vorausgesagten Toten findet, beginnt die Jagd nach einem Phantom.

Die Konstanzer Polizei steht vor einem Rätsel. Wer steckt hinter den Morden, die scheinbar miteinander verflochten sind?

Der 8. Fall der Kripo Bodensee.

Leseprobe:
Voller Ungeduld und im Glauben, die Bilder sofort in ihrem E-Mail-Account zu wissen, rutschte Nadine unruhig auf ihrem Stuhl umher. Der Tag war lang genug gewesen und sie wollte noch vor Feierabend die Kollegen darüber informieren. Beleidigt verzog sie das Gesicht und murmelte: »Mann, wie lange braucht der denn?« Zudem vernahm sie Hufnagels Stimme, der sich lauthals verabschiedete, weil er noch etwas Wichtiges zu erledigen hatte.
»Was ist los?«, fragte Selzer, dem ihr Verhalten nicht entgangen war. »Was wollte Schröder so Dringendes von dir?«
Nadine, die nervös auf den Schreibtisch trommelte, sagte: »Genau das möchte ich euch zeigen. Aber dieser ...«, sie verkniff sich den Ausdruck, der ihr im Kopf herumschwirrte, und gab stattdessen zur Antwort: »Schröder lässt sich mal wieder Zeit.« Unentwegt starrte sie auf den Bildschirm, in der Hoffnung, eine Nachricht zu finden. Als sie dann kam, schnaufte sie hörbar durch.
Selzer ging an ihren Tisch und schaute auf die eingegangene Mail. Ein paar Sekunden verstrichen, bis der Anhang sich öffnete und diverse Fotos zeigte. »Also das wollte er dir zeigen.«
Nadine brummte zustimmend.
»Weiß man, wer der andere ist?«, fragte Selzer interessiert nach und erkannte Matuschek.
Die Kollegin nickte, vermutete in dem Mann, der mit dem Rücken zum Fenster stand, Kurt Nissen, den sie gewillt war, nun damit zu konfrontieren.
»Und du meinst, er gibt bereitwillig zu, dass er ein Verhältnis mit diesem Matuschek hatte, gerade jetzt, wo er tot ist?« Selzer presste die Lippen aufeinander und schüttelte ungläubig den Kopf. »Vergiss es!«
»Mensch, Daniel, irgendwo müssen wir ansetzen. Wenn er bei seiner Gattin nicht mit uns kooperieren wollte, dann vielleicht bei seinem Geliebten. Wenn das stimmt«, sie wies mit dem Kopf auf die Fotos, »waren die beiden ein Paar. Er muss doch daran interessiert sein, den Täter zu finden.«

Im Kindle-Shop: Wenn Hoffnung stirbt (Kripo Bodensee 8).
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'Jolene: Zauber des Westens' von Katie S. Farrell

Kindle (unlimited) | EyeDoo Publishing | Taschenbuch
Die attraktive Jolene leitet eine Ferienranch, was ihr nicht leicht gemacht wird: Ein ungeklärter Mordfall, die unerwiderte Liebe zu dem schweigsamen Raine und eine Gruppe traumatisierter Jugendlicher stellen ihr Leben auf den Kopf.

»Jolene« ist der Auftakt zur Reihe über die Dawson-Geschwister und ihre Freunde, deren Bücher unabhängig voneinander gelesen werden könnten, verspürte man nicht Lust darauf, die Geschichten der anderen Hauptpersonen zu erfahren. Die Stories im Stil von Nora Roberts sind in der Nähe von Boulder, Colorado angesiedelt.

Leseprobe:
Der Abend war nicht allzu lang geworden, da alle müde von der ungewohnten, frischen Bergluft waren und früh zu Bett gingen.
Erin und ich saßen aber noch ein Weilchen zusammen, da Rosie Dawson netterweise in der Zwischenzeit Teddy heimgebracht und ins Bett gesteckt hatte. Sie passte noch ein Weilchen auf ihn auf, um Erin ein wenig Freizeit zu gönnen.
Erin nahm einen letzten Schluck Rotwein, bevor sie Wasser in ihr Glas nachfüllte. Ihre schmale Hand spielte mit dem Kelch, während sie mich angrinste und neugierig befragte:
»Wie findest du denn die Neuen, Jo?«
Ich zuckte die Achseln und antwortete in Gedanken versunken:
»Kann ich so schnell nicht sagen, Erin. Gib mir ein bisschen Zeit.«
»Tststs! Erzähl mir nicht, dass du noch keine Meinung zu dem hübschen Doktor hast, der dir die ganze Zeit interessierte Blicke zuwirft.«
Ich setzte mich ein bisschen gerader hin und beugte mich zu ihr hinüber und fragte leise:
»Ich habe es mir also nicht eingebildet?«
Erin kicherte, dann hickste sie.
»Nein, hast du nicht. Also, wie findest du ihn?«
Ich musste lachen.
»Erin, jeder Fünfjährige verträgt Wein besser als du. Bleib doch beim Wasser!«
Sie drohte mir immer noch grinsend mit dem Zeigefinger.
»Ich vertrage ihn ganz sicher besser als mein Sohn. Nur weil ich einen Schluckauf bekomme …«
»Nein, weil du dann Unsinn quatschst, Erin!«
»Deine Meinung über den Doc. Komm schon! Ich muss dann rein, Rosie muss ja noch heimfahren.«
Ich seufzte theatralisch.
»Na gut. Ein gutaussehender Mann, vielleicht ein bisschen zu schmal für meinen Geschmack, aber viel höflicher als der Rest der Männer, mit denen ich Umgang pflege.«
Sie beugte sich vor, legte ihre Hand auf meine und versuchte mir im Halbdunkel der Kerze tief in die Augen zu blicken, worauf ich wieder zu prusten begann.
»Jolene, sei mal ernst. Du musst aufhören, jeden an Raine zu messen. Raine ist klasse, aber so wie er sich verhält, hat er nicht verdient, dass du immer noch auf ihn wartest. Such dir einen Loverboy und hab Spaß. Vielleicht wacht Raine dann auch mal auf«, fügte sie mit einem bösen Knurren in der Stimme hinzu, was mich wunderte.
Eigentlich mag Erin Raine wie alle Menschen, die ich kenne. Aber sie weiß nur zu gut, wie sich meine Herzschmerzen anfühlen und darf nichts zu ihm sagen, weil ich sie zum Schweigen verpflichtet habe.
Wenn Raine mich nicht will, dann werde ich mich ihm sicher nicht an den Hals werfen. Vor allem nicht, wenn sich ständig die zickige Apothekersgattin an diesen kräftigen, attraktiven Hals hängt.
Apropos, Savannah und Sarina haben mich gebeten morgen früh mit ihnen kurz nach Boulder zu fahren: zur Apotheke!
Kann ein Tag besser anfangen?

Am nächsten Morgen saßen die beiden Mädchen schon am Frühstückstisch, als ich vom morgendlichen Pferdefüttern zurückkehrte.
Da hörte ich, wie Ethan gerade durch die Zähne pfiff und erschüttert sagte:
»Meine Güte, und so etwas passiert in einem Kaff wie unserem. Und wer braucht bei uns schon einen Privatdetektiv?«
Diese letzte Frage meines Pferdewirts, was die moderne Bezeichnung für Stallbursche mit fundierten Pferdekenntnissen ist, ließ mich stehen bleiben und auf den Fernseher starren, da ich zum Beispiel jemand war, der einen Privatdetektiv beschäftigte.
Dies wäre für Ethan wahrscheinlich noch unglaubhafter, als wenn ich mich für den Posten eines Senators beworben hätte, aber dennoch wahr.
Und ich sah mit Entsetzen, was ich befürchtet hatte:
Das Foto, das soeben auf dem Fernsehmonitor erschien, zeigte tatsächlich das Konterfei meines Detektivs, Avery Lennox.
»Was ist mit ihm passiert?«, fragte ich hastig und trat näher.
Die beiden starrten weiter fassungslos auf den Fernseher und Ben antwortete geistig abwesend:
»Ist ermordet worden, der arme Kerl. Bei dem wär ich auch nie auf diesen Beruf gekommen, sieht ja total unscheinbar und ungefährlich aus. Wer bringt denn so einen um?«

Meine Gedanken hätten seine Frage beantworten können:
Jemand, der gemerkt hat, dass diese Unscheinbarkeit Voraussetzung für den Job ist und der möglicherweise etwas zu verbergen hat, vielleicht sogar das, nach dem Lennox für mich gesucht hat: Eine Spur meiner Mutter!

Im Kindle-Shop: Jolene: Zauber des Westens (Die Dawsons 1).
Beim Verlag: EyeDoo Publishing
Mehr über und von Katie S. Farrell auf ihrer Website.



16. Mai 2018

'Omega - Der Engel Gottes' von Mark Bannstorm

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Während 50.000 Wesen aus einer anderen Dimension den Zugang zur Welt der Menschen suchen, bricht zwischen dem Inselstaat Samica und dem Dschungelreich Carthe Krieg aus.

Drei junge Erwachsene geraten in den Strudel der Ereignisse um den Engel Gottes und einem uralten Amulett. In einer Gesellschaft, die Samicaner hasst und Frauen unterdrückt, muss eine junge Samicanerin beweisen, wer der wahre Engel Gottes ist.

Der erste Band der Omega-Chroniken beginnt in einer mittelalterlichen Welt vor dem Hintergrund eines Konflikts zweier unterschiedlicher Gesellschaften und der Gefahr fremder Wesen aus einer anderen Dimension.

Leseprobe:
Es kann nicht mehr weit sein. Ich spüre das Blut deutlich.Der Boden stieg zuerst sanft, dann immer steiler an. Sie erlebte einen nie gekannten Kräfteverfall. Keuchend musste sie ihr Tempo zu einem Gehen drosseln. Der dichte Bewuchs und Lavabrocken zwangen sie zu höchster Konzentration. Ihr anfangs vorhandener instinktiver Umgebungssinn schien verschwunden.
Geblendet vom Mondlicht trat sie aus dem Wald. Sie stand vor einem riesigen erstarrten Lavafeld, das in einem Kilometer Entfernung zu einem erloschenen Vulkankegel anstieg. Auf dem zerklüfteten Lavaboden veränderte sich die weiße Farbe ihrer Uniform und die grüne Tarnfarbe kam zum Vorschein.
Ich bin im Reich der Schwarzen. Gott beschütze mich vor dem Bösen. Nach Luft schnappend kämpfte sie sich Schritt für Schritt voran. Teilweise kletterte sie mit Händen und Füßen über die Geröllbrocken.
Ich muss es schaffen. Ein dumpfer Schmerz fraß in ihren Eingeweiden. Sie hielt inne und ließ ihren Blick über die trostlose Mondlandschaft schweifen. In der Ferne schien ein hüpfender Schatten über der Lava zu schweben. Er kam aus der Richtung, in der sie ihren Dolch fühlte, und hielt auf den Waldrand zu. Von einem Moment zum anderen verschwand er.
Sie schleppte sich mühsam weiter, angetrieben von dem Willen, ihr Ziel zu erreichen. Was dann geschehen sollte, wusste sie nicht. In ihrem Zustand würde sie kaum Laras Mörder gegenübertreten können. Sie musste auf Gott vertrauen. Er würde seinen Engel beschützen. Sie begann auf allen vieren zu krabbeln. Da spürte sie eine Gegenwart und hob ihren Kopf.
Eine pechschwarze Silhouette blockierte den Nachthimmel. Die Hosenbeine und Ärmel flatterten im Wind. Die raue Oberfläche der Kleidung verschluckte das Mondlicht. Ein schwarzes Tuch verbarg das Gesicht unterhalb der kalten blauen Augen. Sie erstarrte. Zehn endlose Sekunden musterten sie die Augen.
„Kur'sa elena har'thu“, mit diesen Worten holte die Gestalt drei etwa fünfzehn Zentimeter lange Riegel aus der Jackentasche und warf sie vor ihr auf den Boden. „Du hast Hunger. Du musst essen“, sprach der Unbekannte mit einem fremdländischen Akzent.
Bei dem Gedanken an Essen fing sie an zu zittern. Das war der Schmerz in ihren Eingeweiden! Die Erschöpfung und der bohrende Hunger ließen sie alle Vorsicht vergessen. Sie hob die Riegel auf. Ein köstlicher Geruch von Nüssen und Honig stieg in ihre Nase. Ihr Verstand schaltete ab.
„Danke.“ Nach dem ersten Bissen gab es kein Halten. Gierig verschlang sie die drei Riegel. Das Gefühl von Nahrung in ihrem leeren Magen tat so gut. Der Fremde beobachte sie dabei unentwegt. Er schien auf etwas zu warten. Erst als sie den letzten Rest des dritten Riegels heruntergeschluckt hatte, wandte er sich wortlos ab. Leichtfüßig schritt er über die Lavabrocken auf den Waldrand zu.
Auch wenn ihr schlimmster Hunger gestillt war, blieb die Gier nach Essen. Sie trank aus der Feldflasche und holte die Notration aus ihrer Gürteltasche. Das in Minzblättern eingewickelte getrocknete Fleisch war zäh. Sie riss mit den Zähnen Stücke ab und schluckte sie ohne zu Kauen herunter. Allein das wohlige Völlegefühl im Bauch zählte.
Angenehme Wärme und der Wunsch auszuruhen erfüllten sie. Sie setzte sich auf einen Lavafelsen, zog die Knie an und stützte ihren Kopf darauf. Nur einen Moment, damit ich zu Kräften komme.
Am Rande des Schlafs spürte sie ein Brennen überall im Körper. Der Schmerz wuchs, jeder Zentimeter der Haut stand in Flammen. Sie ächzte. Ein Blitz fuhr in ihren Schädel. Sie schrie. Mit jedem Pochen ihres Herzens pulsierten Haut und Muskeln in unerträglichen Schmerzen. Jemand schlug mit einem Hammer auf ihren Hinterkopf. Sie wimmerte, schrie und wälzte sich auf dem Boden. Gott, was habe ich getan? Bitte hilf mir. Lass mich nicht sterben.
Am Waldrand hielt der schwarz gekleidete Fremde neben seinem zurückgelassenen Pferd inne und lauschte den Schreien. Die schwollen erst an, gingen in ein Wimmern über und verstummten. Kurz überlegte er, ob er sich vom Tod der Frau überzeugen sollte, aber das wäre Zeitverschwendung. Niemand überlebte drei Sarka Riegel nach einem Kurthuan. Alles was er vorfinden würde, wäre eine blutige Masse. Er hatte den Traditionen genüge getan. Jeder Jäger bekam nach seinem Kurthuan drei Sarka Riegel. Den dritten Riegel nicht zu essen war die Prüfung des Willens und natürlich konnte eine Frau diese Prüfung nicht bestehen.

Im Kindle-Shop: Omega - Der Engel Gottes (Omega-Chroniken 1).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Mark Bannstorm auf seiner Website.



15. Mai 2018

Detlef Krischak

Detlef Krischak wurde 1954 geboren, ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern und mittlerweile Großvater. Nach Schule und Lehre wurde er 1974 zur Bundeswehr eingezogen. Dort wurde wurde er Fahrlehrer und später Berufsoffizier. Nach der Pensionierung arbeitete er beim TÜV-Nord als Führerscheinprüfer.

Im Jahr 2010 begann Detlef Krischak mit dem Schreiben. Auf Anraten vieler heimischer Leser schuf er die Reihe Emsland-Krimi. Der erste Roman mit dem Titel "Brautmorde" wurde 2012 veröffentlicht. Schon im Folgejahr erschien der zweite Emsland-Krimi "Fahrstunde in den Tod". In diesem Roman lässt er seine Erlebnisse aus der Zeit als Fahrprüfer einfließen.

Inzwischen hat er sich mit seiner Reihe nicht nur im Emsland als Krimi-Autor etabliert. Für seinen neuesten Regionalkrimi "Falsche Brut" siedelte er die Handlung im Tecklenburger-Land an.

Weblink: detlef.krischak.de


Bücher im eBook-Sonar:




'Seelensplitter: Zwischen Schuld und Begehren' von Stephanie Pinkowsky

Kindle (unlimited)
Welche Wege sucht sich ein Herz, wenn die Seele zu Eis gefriert?

Die erfolgreiche Schauspielerin Helene, die zugunsten des Ruhmes in eine selbstzerstörerische Rolle gedrängt wurde, erstarrt innerlich immer mehr. Vor dem Mann, den sie liebte, verbirgt sie ein tragisches Geheimnis. Nur in den Armen einer besonderen Frau fühlt sie sich noch lebendig.

Getrieben von Sehnsucht und Schmerz beginnt eine schicksalhafte Affäre. Gestohlenes Glück, das von der Last der Schuld überschattet wird und jederzeit enden kann. Helene und ihre Geliebte sind untrennbar miteinander verbunden, nicht nur durch ihre Leidenschaft. Eine quälende Wahrheit, deren Verleugnung unmöglich ist.

Leseprobe:
„Was habe ich nur getan?“ Helene betrachtete ihre schlafende Geliebte und versuchte, ein Schluchzen zu unterdrücken. Wie war sie bloß in diesen Strudel aus Schuld, Geheimnissen und verbotenem Begehren geraten? „Mein Liebstes.“ Sie strich ihr sanft mit dem Handrücken über die Wange. Die junge Frau atmete leise und gleichmäßig, noch immer umspielte ein glückliches Lächeln die kirschroten Lippen. Helene gab ihr einen zärtlichen Kuss, von dem sie nicht aufwachte. „Bitte verzeih mir.“ Ihre Kehle schnürte sich zu, die Last ihres Gewissens zwang sie mit einer Brachialgewalt in die Knie. „Ich liebe dich so sehr.“ Die Stimme klang wie ein gehauchter Schwur. „Doch gerade darum hätte ich das niemals zulassen dürfen.“
Die Geliebte schlug plötzlich die Augen auf, ein Schleier der Traurigkeit legte sich über ihr Gesicht. „Diese Nacht mit dir war aber alles, was ich mir je gewünscht habe.“
„Ich weiß“, seufzte Helene und blinzelte die Tränen fort. „Und trotzdem werde ich mir das nie vergeben können.“
„Diese Nacht und die Erinnerungen werden immer nur uns gehören. Nur dir und mir. Es gibt weder Kläger noch Richter.“
Die junge Frau hatte sich mittlerweile aufgesetzt und nach den Händen der weinenden Geliebten gegriffen. Diese blickte sie nun ernst aus ihren saphirblauen Augen an.
„Vielleicht wirst du eines Tages bereuen, was zwischen uns geschehen ist.“ Der Kloß in ihrem Hals schnürte Helene nun beinahe den Atem ab, sie presste die Worte stoßweise hervor. „Aber nun ist es zu spät. Auch du wirst jetzt damit leben müssen. Für immer.“

Im Kindle-Shop: Seelensplitter: Zwischen Schuld und Begehren.
Mehr über und von Stephanie Pinkowsky auf ihrer Website.



14. Mai 2018

'Bühnenzauber' von Martin Danesch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Julian Hesse, ein Loser in Beziehungen, begibt sich auf die innere Reise zu sich selbst. Er lernt, das Universum zu verstehen und findet in der Liebe neue Wege.

Giuliano kapiert einfach nicht, weshalb seine Beziehungen stets im Desaster enden, ihn seine jeweilige Partnerin hintergeht. Ist er denn so langweilig, öde, nichtig? Auf einer Motorradtour erzählt ihm sein bester Freund von dem mystischen Einsiedler Odysseus. Erst skeptisch, besucht Giuliano diesen dann öfters und erfährt von universellen Zusammenhängen. Parallel ist er auf dem Weg, in seine sechste unglückliche Beziehung zu schlittern. Doch das bei Odysseus Erlebte wirkt sich zunehmend auf seine Wahrnehmung aus. So erregt in der Firma auf einmal eine Kollegin seine Aufmerksamkeit, obwohl sie so gar nicht dem Typ entspricht, dem er bisher auf den Leim ging. Gemeinsam kommen die beiden auf eine Gaunerei im Betrieb und sich dabei auch näher. Dank Odysseus sieht es aus, als lernte Giuliano, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch dann macht er einen verheerenden Fehler.

Eine anfixende Crossover-Geschichte in einer neuen Mischung aus Liebe, Spannung und spiritueller Weisheit.

Leseprobe:
Ende und Anfang
Als ob sie mich mit einem Schmetterlingsnetz gefangen hätte, so dicht waren die Maschen ihres Dufts. Ihre linke Hand lag auf dem Bistrotisch, von ihrem Weinglas kaum entfernt und zwei Handbreit von meiner Rechten, zu der sie schon seit Wochen nicht mehr fand. Nicht nur ihr Duft, sondern - wie schon immer - wirkte auch ihr Äußeres auf mich wie eine eingeschaltete Kochplatte auf den Teekessel, der auf ihr stand. Sie trug ein schwarzes Top unter der bunten Tunika, der es selbst im schummrigen Dämmerlicht des Lokals nicht gelang, ihre Kurven zu verbergen. Jedes Mal spürte ich ein Ziehen im Bauch, wenn sich mein Blick nach rechts wegstahl: Der schwarze Bob, die großen dunklen Augen und die dunkle Tönung ihrer Haut - sie hatte etwas Zigeunerhaftes, Aufreizendes. Diese Augen ... und wie sie leuchteten!
Aber ich wusste, dass sie das nicht für mich taten. Auch nicht für die Band, die auf der kleinen Bühne spielte, eine Vierer-Combo aus Piano, Gitarre, Percussion und einer Frau, die sowohl sang, als auch Saxofon spielte, eine unglaublich sexy Mischung, wie ich fand. Nein, Amandas Augen blitzten immer wieder zu dem Kellner hinüber - unter genügend verhangenem Blick, wie sie wohl annahm. Aber ich merkte es. Wenn nämlich einer Beziehung erst einmal die selbstverständliche gegenseitige Vertrautheit abhandenkommt und sich ihrer statt das Misstrauen einzunisten beginnt, dann hört man das Gras wachsen, wenn es darum geht, was hinter dem Rücken geschehen könnte. Und ich hatte diesbezüglich ohnehin ein feines Ge­spür, sogar dann, wenn es gar nichts zu spüren gab.
Hie und da kam er herüber zu uns, der widerliche Gigolo mit seinem Grinsen, das zwar ihr und mir in gleicher Weise galt, nur dass es mir in meine Richtung wie eine Farce vorkam. Nein, eigentlich wie ein unverblümter Schlag direkt ins Gesicht! Ob alles in Ord­nung wäre - was für eine Fra­ge! - und ob wir noch etwas bräuchten. Viel­leicht ein Baguette? Hau ab, dachte ich mir, bevor ich dir eine aufs Maul hau. Aber nach außen grinste ich wie er, denn anmerken wollte ich mir diese Schmach keinesfalls lassen. Manchmal richtete ich ein paar Worte an Amanda, die sie zwar beantwortete, aber so spärlich wie irgend möglich, bis hinunter zu Ja und Nein.
Ich war froh, als der Abend vorüber war, und nicht nur einmal hatte ich mich gefragt, welcher Teufel mich geritten haben mochte, als ich ihrem Vorschlag folgte, das kleine Konzert zu besuchen. Hatte ich gedacht, dass vielleicht alles noch einmal ins Lot käme? Dass noch eine Chance bestünde? Dabei wusste ich doch aus eigener Erfahrung längst, was innere Kündigung bedeutet. Man konnte in so einem Zustand niemanden mehr zurückgewinnen; ich war ja auch schon in der umgekehrten Lage gewesen. Doch wenn solche Überlegungen mich selbst betrafen, war ich blind wie ein Maulwurf. Als Belohnung dafür, dass ich mein Bauchgefühl ausgelacht hatte, das mir mit seinem wohlbekannten Ziehen nichts Gutes verhieß, wusste ich nun nicht nur, dass definitiv etwas im Busch war, sondern auch, wer hinter ihm saß.

Zu Hau­se kam ich auf einen perfiden Gedanken. Es musste doch möglich sein, ihre Mailbox zu hacken, um Gewissheit zu erlangen? Von den sieben Jahren des Beisammenseins wusste ich schließlich, wie sie tickte. Also sollte auch das Passwort herauszufinden sein. Mit Geburtstag oder derlei Scherzen probierte ich es erst gar nicht, denn dass das keine gute Idee war, las man ja allenthalben. Also was tat sie gerne? Sie kochte für ihr Leben gern, was es ihr auch unmöglich machte, wirklich schlank zu sein. Denn was sie kochte, schmeckte ihr selbst ebenfalls. Dafür wiederum gelang es ihr unverschämt gut, eine Figur zu bewahren, bei der, wie man sagt, die Kurven an der richtigen Stelle saßen. Ich bin sicher, dass sie um dieses Geschenk der Gene von vielen Frauen beneidet wurde, denn es wuchs nicht irgendein Körperteil übermäßig in die Gegend, der Hintern oder die Schenkel, sondern Zunehmen war bei ihr, als ob sie eine weitere Haut umlegen würde. Schnell fing ich meine verlangenden Gedanken wie­der ein und konzentrierte mich auf mein Vorhaben. Tiramisu? Zu simpel. Pesto? Ebenfalls. Und dann probierte ich es einfach durch. Chennah, Galgant - sie liebte Gewürze - Kurkuma, Habanero, sogar Tellicherry-Pfeffer ließ ich nicht aus. Schon oft hatte ich mich gefragt, wie Leute wie Mac­Gyver, auch noch unter Druck, es zuwege brachten, mit spätestens dem dritten Versuch solche Probleme zu lösen. Und dann - ich konnte es nicht glauben - war ich drin. Mit Couscous.
Meine Euphorie war von kurzer Dauer, etwa so wie das Leben einer Biene, die sich von einer Blüte in einem Anflug von Verwegenheit auf die andere Seite der befahrenen Straße aufmachte. Es wäre besser gewesen, nicht drin zu sein. Denn hier breitete sich in großzügiger Vielfalt meine Befürchtung vor mir aus: Ein munterer und - noch viel ernüchternder - durchaus gegenseitig zugetaner Schriftverkehr zwischen Amanda und Schorsch, dem Kellner des Lokals, das ich eben verlassen hatte. Manchmal verwünschte ich meine Gabe, Dinge zu erahnen. Mit der Verbissenheit, mit der man sich mitunter kratzt, auch wenn es schon blutet, gab ich mir eine Mail nach der anderen. Die älteste davon war drei Monate her. Täglich durchaus auch schon vier bis fünf Mailwechsel. Es war nach Mitternacht, als ich fertig war, die Flasche Rotwein leer und, mangels Nachschub an Wein, der Eierlikör auch. Eine Wirkung allerdings hatte meine Beharrlichkeit gehabt: Meine Übelkeit hatte sich von der psychischen auf die körperliche Ebene verlagert.

Im Kindle-Shop: Bühnenzauber.
Mehr über und von Martin Danesch auf seiner Website.



'Rebellen (Die Traumwandlerin-Saga 1)' von Ainoah Jace

Kindle (unlimited) | EyeDoo Publishing | Taschenbuch
Vier Länder, die einander fürchten, leben unter der grausamen Herrschaft des Eiskönigs Shahatego und seiner Eiswölfe.

Die junge, verängstigte Nell neigt zu Alpträumen, in welchen sie auf der Suche nach etwas Ungewissem schlafzuwandeln beginnt. Sie flieht vor ihrem missmutigen und untreuen Verlobten Shane aus der Sandstadt Maroc und fällt dem unheimlichen Trupp der »Schwarzen Reiter« in die Hände. Kann sie sich Wolf, dem zurückhaltenden Anführer der Rebellen, anvertrauen?

In seiner Gegenwart beschleunigt sich ihr Herzschlag, aber auch bei einem Treffen mit ihrem Verlobten Shane knistert es zwischen den beiden, die sich eigentlich nicht einmal leiden können.

Leseprobe:
Sie warteten ruhig ab, keiner sprach, kein Pferd bewegte einen Muskel. Da flackerte der Schein einer Fackel im Wald auf der anderen Seite auf.
Wolf gab den leisen Befehl:
»Steigt auf, es ist so weit! Wir reiten in schnellem Schritt, kein Trab, kein Galopp; das hören die Wölfe sofort. Aber ich sage euch ehrlich: Ich glaube nicht, dass sie dreizehn Pferde im Schritt überhören werden. Wenn ich es sage, müsst ihr sofort in voller Geschwindigkeit bis in den Wald hineinreiten. Bei der Fackel beginnt ein Weg, auf welchem ihr runterbremsen könnt, dort passen zwei Pferde nebeneinander. Bereit?«
Einer nach dem anderen erhob die Hand, und Wolf schwang sich hinter Nell in den Sattel und übernahm die Zügel.
»Lockerbleiben, Drake, lockerbleiben«, mahnte er leise.
Sie reihten sich, wie von Wolf befohlen, auf und ritten los.
Wolf und Nell waren ganz hinten.
Nell blickte ebenso wie Wolf immer wieder nach links zurück, hinüber zum Wald der Eiswölfe.
Sie sah nur Dunkelheit und sie hatten die Hälfte der Strecke bereits hinter sich gebracht. Dann erkannte sie kleine rote Lichter, die sich rasch näherten: Die Augen der Eiswölfe!
»Wolf, sie kommen!«, brachte sie mit Mühe heraus.
»Ja, ich sehe sie. Ganz ruhig und die Knie ans Pferd, Drake! Leute, reitet wie der Teufel, die Wölfe kommen!«
Er hatte seinen Schrei noch nicht beendet, da brachen die Wölfe aus dem Wald und Nell holte tief Luft.
Waren das riesige Biester! Die Augen glühten und sie näherten sich mit durchdringendem Geheul in hohem Tempo.
Sie zwang sich nach vorne zu sehen, als Wolf das Pferd zu einem rasenden Galopp antrieb. So schnell war Nell noch nie geritten, ihre Augen tränten vom Wind und die Muskeln des Pferdes bebten unter ihren Knien.
Wie eine große schwarze Wolke jagten sie dahin in Richtung des rettenden Waldes von Boscano.
Die Eiswölfe fielen zurück und bevor sie den Wald erreichten, drosselten die Schwarzen Reiter das Tempo, schossen aber dennoch in den Waldweg hinein.
Hier mussten sie die Tiere sehr schnell abbremsen und sahen sich nach ihrem Halt etwa zwanzig Bogenschützen mit gespannten Bögen gegenüber.
Wolf und Nell hatten noch fünfzig Meter vor sich, da blickte Nell zurück und sah, dass sich die Wölfe zurückzogen.
Wolf ließ das Pferd in einen ruhigen Trab fallen und sie hatten beinahe den Waldrand erreicht, als ihnen mit einem Satz ein Eiswolf in den Weg sprang. Wo war er plötzlich hergekommen?
Geduckt, mit fletschenden Zähnen stand er sprungbereit zwischen ihnen und dem sicheren Unterschlupf.
Wolf fluchte, sprang ab und zog sein Schwert. Er rief ihr zu: »Reite in den Wald, treib ihn an, los mach schon!«
Nell war unschlüssig. Sie sah, wie die anderen Wölfe kehrtmachten und zurück auf sie zuliefen.
Wolf versetzte dem Pferd einen Schlag, so dass es in Richtung Wald sprang und Nell konnte es gerade noch unter Kontrolle bekommen.
Da liefen ihr zwei Bogenschützen entgegen und riefen ebenso: »Reite weiter! Wir übernehmen das, wir helfen ihm!«
Nell ritt in den Weg hinein und wendete sofort das Pferd, um sehen zu können, was mit Wolf geschah.
Der Eiswolf sprang gerade ab, um sich auf Wolf zu stürzen, als dieser mit seinem gestreckten Schwert das riesige Tier in die Brust stieß. Das Raubtier fiel mit einem abgehackten Jaulen zu Boden, zuckte kurz und blieb leblos liegen.
Die beiden Bogenschützen hatten sich neben Wolf postiert und schossen ihre Pfeile treffsicher auf die herannahenden Eiswölfe ab. Einer nach dem anderen ging zu Boden, der letzte drehte ab und lief unverletzt Richtung Wald davon. Wolf fluchte. Die Bogenschützen lachten und der eine schlug Wolf auf die Schulter.
»Na komm, Freund, lass den einen sausen. Das war doch ein guter Schnitt.«
Wolf schüttelte den Kopf.
»Er wird zu Shahatego laufen und es melden.«
»Können die Viecher sprechen?«, fragte der zweite Bogenschütze spöttisch. Wolf seufzte.
»Hört sich verrückt an, aber ich weiß, dass sie ihm Mitteilungen bringen können. Ich muss eine Taube nach Maroc schicken. Vielleicht kann ihn mein Bruder abfangen, wenn er vorbeikommt.«
»Kann er diesen Wolf von anderen unterscheiden?«
»Ja, unsere Wölfe wagen sich aus gutem Grund nicht auf die Ebene. Und dort muss er vorbei, wenn er auf diesem Weg über die Furt zum Eiskönig will.«
Die beiden sahen ihn abschätzend an.
»Dann komm erst einmal weiter. Deine Taube kannst du in fünf Minuten auch noch schicken, sie ist weitaus schneller als der Wolf!«
Wolf nickte und folgte den beiden Bogenschützen auf dem Weg hinein in den Wald.
Nell stand ganz vorne auf dem Weg, das Pferd am Zügel und Wolf konnte sehen, wie die Hand, die den Zügel hielt, zitterte.
»Alles in Ordnung?«, fragte sie leise.
Er nickte und wandte sich den beiden Männern zu.
»Einen kleinen Moment, wir folgen euch gleich.«
Die beiden nickten und gingen auf die Schwarzen Reiter und ihre Freunde zu. Nell sah Wolf mit großen Augen an, als er sagte: »Es ist Zeit, die Tücher abzunehmen und mir ist lieber, die Boscaner sehen deine Reaktion an deinem Gesicht nicht, wenn ich es tue!«
Nell schluckte. Ihre Kehle war wie ausgedörrt.
Was meinte er damit? Sah er so furchterregend aus?

Im Kindle-Shop: Rebellen (Die Traumwandlerin-Saga 1).
Beim Verlag: EyeDoo Publishing
Mehr über und von Ainoah Jace auf ihrer Website.