31. Mai 2018

'Flammende Himmel: Schicksalspfad des Tempelritters' von Olivièr Declear

Kindle Edition | Tolino
Flammende Himmel, der dritte Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Leseprobe:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.
Eine Hand ergriff Gernòds Rock und hinderte seinen Lauf. Er blickte in das Gesicht einer Sarazennin, die ihn in gebrochenem Fränkisch anflehte, ihr Kind zu retten, das mit zertrümmertem Schädel in ihrem Arm lag. Er löste ihren Griff und eilte den Kameraden hinterher. Hier konnte er nichts mehr bewirken, aber vielleicht gab es noch Überlebende in den verwinkelten Gassen, die ihrer Hilfe harrten.
Lauter Kampfeslärm drang aus einer der Seitengassen. Bruder Durmonte zeigte seinen Leuten den Weg. Schweren Atems folgten sie der Weisung. Mit erhobenen Schilden und Waffen stürmten sie auf eine Gruppe genuesischer Söldner zu, welche raubschatzend durch die Gasse zog. Gernòd drängte einen der Angreifer mit seinem Schild von einer Frau, der dieser gerade das Gewand herabreißen wollte. »Was macht ihr hier?«, schleuderte er dem Genuesen mit blitzenden Augen seine Frage entgegen. »Scher dich um deinen Kram, Templer. Das Volk hat uns lange genug betrogen. Nun zahlen sie ihre Zeche«, erwiderte der Genuese mit wildem Zorn in den mordlustigen Augen. Sein Schwert erhob sich zum Schlag. Gernòd ließ seine Axt in die Höhe fahren, während er die Schneide nach hinten führte. Mit all dem Grauen der gesehenen Bilder traf sein Hieb den Schädel des Söldners. Der stämmige Mann starrte ihm ungläubig in die Augen, während er in sich zusammensank.
Die Frau zerrte an Gernòds Waffenrock und redete wild gestikulierend auf ihn ein. Er solle ihr in das Haus folgen. Dort bedürfe ihr Mann seiner Hilfe. Er sandte den Kameraden einen unsicheren Blick zu, ob sie eher der Hilfe bedurften, bevor er ihr zögernd in das Gebäude folgte.
Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dämmerung zu gewöhnen. Er sah sich in dem verwüsteten Raum um. An einer der Wände erblickte er einen Mann. Er stand dort mit eingeknickten Beinen, das Gewand blutüberströmt, und ausdruckslos starrenden Augen, die zu Boden gerichtet waren. Gernòd schritt etwas näher an ihn heran, bevor der Templer erkannte, was geschehen war. Aus dem Hals des Händlers ragte der prächtig verzierte Griff eines Dolches -das Messer eines Sarazenen. Seine suchenden Augen glitten an dem Mann hinunter und blieben an der leeren Messerscheide haften. Gernòd trat an den Mann heran und zog den Dolch mit einem kräftigen Ruck aus Mauerwerk und Hals des Unglücklichen. Sanft ließ er den toten Körper zu Boden gleiten, eine breite Blutspur auf der Wand hinterlassend. Unsicher wandte er sich der Frau zu. Ein herzzerreißender Schrei der Verzweiflung entrang sich ihrer Kehle, als sie die Wahrheit in den Augen des Tempelritters las. Weinend warf sie sich vor ihm zu Boden und erfasste erneut den Saum seines Waffenrocks. Mit tränenüberflutetem Antlitz flehte sie ihn an, ihrem Mann zu helfen, als hoffte sie, es wäre ihm möglich, ein Wunder zu bewirken. Mit traurigem Gesicht schüttelte Gernòd sein Haupt und löste ihren Griff. Seine Beine schienen schwer wie Blei, als sie ihren Weg zur Tür suchten. Längst hatte er sich an das Grauen der Schlacht gewöhnt. Aber dort traten sich Bewaffnete entgegen. Dieses Blutbad an Wehrlosen erfasste sein Herz mit glühender Hand und ließ das Feuer des Zorns in der Brust des Ritters toben. Der Genueser vor der Tür hatte sich halb aufgerichtet und hielt seinen blutenden Kopf mit beiden Händen. Im Vorübergehen drosch ihm Gernòd den Rücken der Axt ins Gesicht. Der Söldner schleuderte von der Wucht des Schlages getrieben nach hinten und stürzte mit erhobenen Armen zu Boden. Wenn er denn noch lebte, sollte ihm diese Lektion genügen, um ihm die Lust auf sinnloses Morden auszutreiben, dachte Gernòd grimmig. Die Grausamkeit dieser Söldner ließ jede Barmherzigkeit in seinem Herzen schwinden.
Vor ihm auf dem Pflaster der Gasse erblickte er Francois, ein Ritter des kaiserlichen Heeres. Die beiden verband schon viele Jahre eine herzliche Männerfreundschaft. Francois trug keine Rüstung. Offensichtlich hielt er sich bereits vor dem Tumult in dem Viertel auf. Mehrere Söldner bedrängten ihn. Im Laufschritt eilte ihm Gernòd zu Hilfe. Mit einem Schrei drängte er sich mit erhobenem Schild zwischen die Männer. Ohne zu zögern, schlug er mit der Rückseite seiner Axt auf die Köpfe, Arme und Schultern der Angreifer ein. Blutüberströmt sanken mehrere von ihnen zu Boden. Die letzten beiden Verbliebenden suchten ihr Heil in der Flucht. »Gut, dass Ihr da seid«, stieß Francois mit fliehendem Atem hervor. Obwohl er kein ängstlicher Mann war, sah man ihm den Schrecken an. Zerfetzt hing seine Kleidung an ihm herab und an dem rechten Oberarm klaffte eine tiefe Wunde. »Was ist hier eigentlich los?«, wollte Gernòd wissen. »Weiß auch nicht genau. Ich habe heute Morgen Yasemin und ihren Vater besucht. Da torkelten schon einige betrunkene Lombarden und Toskaner durch das Viertel. Sie pöbelten die Händler und Frauen an. Als einer der Kaufleute seine Tochter schützen wollte, begann der Tumult.«
Eine bildhübsche Frau, mit edlen Gesichtszügen und sinnlichen Lippen, erschien an der Seite eines alten Mannes im Türrahmen. Sie sandte dem Alten einen flehenden, glutäugigen Blick.
Als dieser schmunzelnd nickte, eilte sie zu Francois und untersuchte dessen Wunde sorgenvoll. Gernòd zog sein Schwert aus der Scheide und reichte es dem Freund. Francois wollte abwehren: »Wenn das der Orden erfährt, darfst du einen Monat Buße tun.« Gernòd betrachtete Yasemin: »Möchtest du mir lieber mit ihr an der Seite in den Kampf folgen oder sie zurücklassen?« Francois Faust schloss sich um den Griff des Schwertes. »Danke, mein Freund.« Die beiden Männer nickten sich zu und Gernòd setzte seinen Weg fort.

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30. Mai 2018

'Oh wunderbare, wundersame Welt : Philosophische Erkenntnisse für alle Lebenslagen' von Peter Waldbauer

Kindle (unlimited)
In leichter, gleich wohl gepflegter Sprache präsentiert dieses Buch philosophische Erkenntnisse zu einer Vielzahl von Alltagsthemen und dies auf unterhaltsame Weise. Dazu gehören Bildung und Bücher ebenso wie Krankenhaus und Gericht, Politik, Medien oder Sport.

Bei dieser Lebenskunstphilosophie à la Dobelli geht es weniger um die großen Fragen des Lebens, sondern um die kleinen. Manche Gedanken beanspruchen die Länge eines kurzen Essays, andere verkürzen sich zu Abschnitten oder Absätzen. So entsteht ein angenehmer Lesefluss, der auch das zwanglose Auswählen einzelner Themen und Leseabschnitte ermöglicht.

Leseprobe:
Die Autorität des Richters wirkt erst durch seine Abgrenzung vom Volk. Vorgesehen ist, dass man ihm im Sitzungssaal begegnet. Dort schreitet er durch die rückwärtige Tür stilvoll herein. Er trohnt, durch das Pult geschützt, über allen. Die Blicke richten sich auf ihn. Schneeweiße Krawatte und schwarze Robe versprühen elitären Glanz. Er sitzt souverän, handelt privilegiert, spricht eloquent. Seinen Worten kommt eminente Bedeutung zu. Er führt die Verhandlung, fragt und mahnt. Er widerlegt und kommentiert. Seine Stimme durchtönt den Saal, seine Stimmung bestimmt die Temperatur im Raum. Begegnet man dem Richter in der Pause auf dem Flur, gehen Abgrenzung und Abstand verloren. Dann wirkt die Statur zu klein, das Gesicht hinter der Hornbrille zu jung, die Jeans unter dem Talar zu trivial. Dann stört, dass der Nacken nicht ausrasiert ist. Wenn der Richter im Vorbeigehen mit Kollegen auch noch scherzt und lacht, wirkt er alltäglich und gewöhnlich. Wer weiß, welchen Eindruck man erst vom ihm gewönne, würde man ihn zuhause erleben? Verhält er sich dort so erhaben wie im Gerichtssaal oder schreit er mit seiner Frau, flätzt sich auf die Couch und wirft die Schuhe ins Eck? Er steht dann nicht mehr über den Dingen. Sein Glanz bröckelt. Man traut ihm nicht zu, seriös Recht sprechen zu können. Ein Urteil darf nicht von einem gewöhnlichen Menschen stammen. Ehrfurcht und Nähe vertragen sich nicht. Der Richter kann nur wirken, wenn er unnahbar ist, wenn er aus der Distanz spricht, wenn ihn die Aura des Höheren umgibt. Die Menschen haben Ehrfurcht vor der Höhe. Sie akzeptieren Unangenehmes, wenn es schicksalshaft auf sie herabregnet. So wie das Wetter und die göttliche Fügung.

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29. Mai 2018

'PERFECT MATCH' von K.M. Cloot

Kindle (unlimited)
Cash MacFarlane ist der Erbe eines milliardenschweren Immobilienimperiums und wehrt sich gegen die von seiner Familie und der Gesellschaft auferlegten Schranken. Gutaussehend und reich lässt er keine Gelegenheit aus, die Frauenwelt zu verführen. Auch der eine oder andere Mann kann sich seiner maskulinen Ausstrahlung nicht entziehen. Als der Rebell mit dem heißen Body die betörende Beth Moore in einer New Yorker Bar trifft, fühlen sie beide unwiderstehlich zueinander hingezogen. Aber da gibt es noch den muskulösen und einfühlsamen Logan O´Neill. Der sexy Beschützer spielt eine wichtige Rolle in Cashs und bald auch in Beths Leben.

Hin- und hergerissen zwischen Vernunft und ungezügelter Hingabe beginnt sich das Karussell aus Leidenschaften, Begehren und Sehnsüchten zu drehen.

Welche Opfer muss Cash bringen, um seine Freiheit leben zu können? Wird Beth sich zwischen ihren heißen Bad Boys entscheiden müssen? Wird ihre Hoffnung an der brutalen Wirklichkeit und dem Stalker Paul scheitern? Oder wird sich der Traum von dieser ungewöhnlichen Liebe erfüllen, da das Leben manchmal ein Märchen sein kann?

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit Drama, Erotik und unglaublichen Wendungen mit ungeahnter Intensität. Provokant. Gesellschaftskritisch.

Leseprobe:
Beth ... Ärger
Zum Glück traf Beth niemanden, der sie aufhielt und so stand sie kurze Zeit später auf dem Bürgersteig. Es regnete immer noch Bindfäden und sie war binnen einiger Sekunden durchnässt. „Verflixt, nun könnte ich Lilly ihren zugegebenermaßen hübschen Hals umdrehen“, murmelte sie. Ohne Regenschirm waren auch ihre Haare dem Regen ausgesetzt. Die über Kopf gehaltene Handtasche war da nur ein magerer Ersatz. Unschlüssig schaute sie sich um.
Mit solch einer Entwicklung hatte sie an diesem Tag nicht gerechnet. Sie musste das Ganze erst einmal sacken lassen. Da sie auf eine nochmalige Tour mit der Tube keine Lust hatte, lief sie zur Kreuzung und winkte ein Taxi herbei. Pannen und unliebsame Begegnungen hatte sie an diesem Tag zu Genüge erduldet. Zu Hause angekommen stiefelte sie in Gedanken noch bei ihrem Gespräch mit Cummings die zwei Treppen zu ihrer Wohnung hoch, kam prompt ins Straucheln und stieß heftig mit dem Schienbein an die Kante einer der Steinstufen. Verdammter Mist! Das tat fürchterlich weh. Ein riesiger blauer Fleck würde in den nächsten Tagen unweigerlich ihr linkes Schienbein verunstalten.
In ihrer kleinen Wohnung schleuderte sie wütend die Pumps von ihren Füßen. Ihr reichte es, dabei war es gerade erst Mittag. Frustriert stapfte sie ins Bad, um zunächst die nassen Haare trocken zu föhnen. Dann rieb sie Wund- und Heilsalbe auf das schmerzende Schienbein, bevor sie in die Küche tapste. „Eine heiße Schokolade ist nun genau das, was ich brauche“, seufzte sie. Mit der dampfenden Tasse ließ sie sich erschöpft auf das Sofa fallen. Für einen Moment gelang es ihr tatsächlich, an nichts zu denken. Doch als die Gedanken zurück nach New York wanderten, begann wieder dieses Bauchflattern. Vor ihrem inneren Auge entstanden die Bilder dieses schönen Mannes, seiner Augen und der großen Hände auf ihrem Körper.
„Mein Gott, Beth! Es kann doch nicht so schwer sein, über ihn hinwegzukommen. Du verhältst dich wie ein liebeskranker Teenager. Du kennst ihn nicht, wirst ihn nie wiedersehen. Es war nur ein ONS“, versuchte sie sich, murmelnd zu beruhigen. Im Geiste tauchten trotzdem immer wieder diese stahlblauen Augen auf, die sie fesselnd durchdrungen hatten. An den Moment zu denken, als er verzweifelt mit den Händen durch seine Haare gefahren und dem Taxi nachgeschaut hatte, ließ ihre Augen wieder brennen.
Es war nicht zu fassen. Was war bloß in sie gefahren? All die Monate in denen sie ihn erfolgreich aus ihren Gedanken verbannt hatte, waren mit einem Mal wie weggewischt. Die Gefühle für diesen Mann hielten sich wie ein hartnäckiger Schupfen. Blöd war das. Plötzlich schlug sie sich mit der flachen Hand an die Stirn. Die Erkenntnis! Heute müsste doch ihre Menstruation einsetzen. Deshalb reagierte sie über, war übersensibel und der grummelnde Bauch somit auch erklärt.
Sie lachte befreit. Von wegen verliebt. Sie würde bloß ihre Tage bekommen; das war alles. Erleichtert erhob sie sich vom Sofa, welches ihr ausgezogen als Bett diente. Das ursprüngliche Schlafzimmer hatte sie als Arbeitszimmer umfunktioniert. Dort waren all ihre Fotoapparate, die dazugehörigen Utensilien und ihr heißgeliebter Computer. Der Mac Pro war zwar recht teuer gewesen, aber für ihre Bildbearbeitung unentbehrlich.
Sie holte ihren Mac und machte es sich wieder auf dem Sofa bequem. „Ich werde jetzt professionell wie immer die Fotos einsehen, ordnen, aussortieren und die besten ausdrucken, ohne irgendwelche imaginären Gefühle zuzulassen. Ich bin schließlich kein Teenager mehr, sondern erwachsen“, sprach sie sich leise Mut zu, während der Computer hochfuhr. Sie öffnete die Datei „New York Sommer 2016“ und rief die ersten Fotos auf. Mit Jasmin hatte sie an einem Tag eine Tour mit dem Citi Bike gemacht. Das war wunderschön gewesen. Sie waren über die Brooklyn Bridge nach Brooklyn gefahren und zurück über die Manhattan Bridge. Von der Manhattan Bridge hatten sie einen wundervollen Blick auf die Brooklyn Bridge gehabt und die Fotos waren entsprechend fantastisch gelungen.
Die Fotos von der Aussichtsplattform vom Rockefeller Center waren spektakulär und würden sich in der Küche des Verlages hervorragend machen. Als sie zu den Aufnahmen kam, welche sie im ehemaligen Meatpacking District geschossen hatte, musste sie heftig schlucken. Denn der Tag in diesem Teil von New York hatte mit einem Spaziergang im High Line Park begonnen, der sie in den Meatpacking District geführt hatte. Am südlichen Ende hatten sie den Chelsea Market besucht und den Abend in einer Bar ausklingen lassen, der mit diesem umwerfenden und unvergessenen ONS geendet hatte.
Als sie auf das nächste Foto klickte, wurde der Bildschirm des Notebooks plötzlich schwarz. Was war das denn? Sie klappte den Bildschirm herunter, wieder hoch und wiederholte das Hochfahren. Nichts! Der Bildschirm blieb schwarz! Das durfte doch nicht wahr sein. Er war doch geladen oder? Schnell stöpselte sie ihn an den Strom. Doch, er war geladen! Tränen traten ihr in die Augen. Was nun? Ihre Freundin Jasmin arbeitete zu dieser Zeit. Aber sie musste sie anrufen. Jasmin wusste immer, was zu tun war.
Sie nahm ihr Smartphone und drückte Jasmins Nummer. „Jasmin, entschuldige bitte, dass ich jetzt anrufe. Kannst du sprechen?“, schniefte sie.

Im Kindle-Shop: PERFECT MATCH.
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'Stoffwechsel beschleunigen' von Michael Frank

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Die ultimativen und erprobten Methoden zum Erreichen deiner Traumfigur! Wie Du auf einfache Weise deinen Stoffwechsel beschleunigen und dauerhaft Fett verbrennen kannst!

Um den Stoffwechsel anzuregen und dauerhaft Fett zu verbrennen, benötigt es das Wissen über die Grundlagen der Ernährung und die effektiven Methoden, um den Stoffwechsel dauerhaft auf hohem Niveau zu halten. Auch ich habe mir dieses Wissen über viele Monate hinweg angeeignet und praktisch angewandt, um damit traumhafte Ergebnisse zu erlangen. Aber es benötigt nicht monatelange Recherche, denn alles was Du wissen musst, habe ich in diesem Buch zusammengefasst.

Die Fettverbrennung und die Beschleunigung des Stoffwechsels muss nicht schwierig und kompliziert sein. Mit den beschriebenen Methoden kannst Du auf einfache Weise deine Fettdepots zum Schmelzen bringen! Jeder, der eine gewisse Disziplin aufweist, kann durch seine persönliche Verwandlung die Traumfigur erreichen, welche er immer angestrebt hat.

Zu Beginn des Buches werden die allgemeinen Grundlagen des Stoffwechsels und der alltäglichen Ernährung dargestellt. Darin werden unter anderem alle Makro- und Mikronährstoffe näher betrachtet, eine Erklärung der Energiebilanz vorgenommen und wie eine genaue Makronährstoffverteilung vollzogen wird. Im Anschluss daran werden die effektivsten Lebensmittel und Methoden zur Beschleunigung des Stoffwechsels vorgestellt, mit denen auch Du endlich dein großes Ziel erreichen kannst!

Leseprobe:
Was ist der Stoffwechsel?
„Wenn jemand heute den Zucker erfände, würde man ihm sicher verbieten, sein Erzeugnis auf den Markt zu bringen!“
- Arnold Bender -

Definition von Stoffwechsel
Schneller oder langsamer Stoffwechsel oder den Stoffwechsel anregen. All diese Bezeichnungen wirst Du mit Sicherheit schon des Öfteren im Leben gehört haben. Doch was bedeutet das eigentlich? Was ist mit dem Stoffwechsel überhaupt gemeint? All das möchte ich im ersten Kapitel aufzeigen, sodass die Grundlagen für das Verständnis der besten Methoden für die Anregung des Stoffwechsels geschaffen werden. Der Stoffwechsel, auch Metabolismus genannt, bezeichnet die Gesamtheit aller im Körper lebensnotwendigen, biochemischen Prozesse zur Umwandlung chemischer Stoffe. Diese Prozesse werden innerhalb unserer Zellen durchgeführt. Vereinfacht ausgedrückt verstoffwechselt der Körper in diesen Zellen die Reserven oder die Nährstoffe, welche in der von uns tagtäglich zugeführten Nahrung enthalten sind. Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Vitamine, Mineralien oder Spurenelemente zählen zu diesen Nährstoffen. Diese Stoffe lassen sich ab-, um- und zu neuen Produkten aufbauen, die wiederrum für eine Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Vorgänge essentiell sind. Zudem werden der Aufbau und der Erhalt der eigenen Körpersubstanz sowie die Energiegewinnung für verschiedene Aktivitäten sichergestellt. Grundlegend für den Stoffwechsel sind Enzyme und Hormone, welche die chemischen Reaktionen beschleunigen und regulieren. Während die Enzyme überwiegend die biochemischen Prozesse beschleunigen und steuern sorgen die Hormone für eine Regulation. Dazu werden diese als Botenstoffe in den Körperkreislauf abgegeben, um damit an verschiedenen Zellen eine Regulationsfunktion anzuregen. Mit dem Stoffwechsel im menschlichen Körper fallen Abfall- und Giftstoffe an, die für ...

Wie funktioniert unser Stoffwechsel?
„Seit Erfindung der Kochkunst essen die Menschen doppelt so viel wie die Natur verlangt!“
- Benjamin Franklin -

Wie bereits in der Definition des Stoffwechsels erklärt bildet dieser die Grundlage für alle Funktionen im menschlichen Körper. Er spielt daher eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Da die Verdauung die Voraussetzung für einen Stoffwechsel darstellt, soll diese im Folgenden behandelt.

Die Verdauung als Grundvoraussetzung
Um die Aufnahme der verschiedenen Bestandteile der Nahrung in unsere Zellen zu gewährleisten, muss zunächst die Verdauung näher betrachtet werden. Sie stellt die Grundlage für den weiteren Stoffwechsel dar. Als Verdauung wird die chemische Spaltung von hochmolekularen zu niedermolekularen Verbindungen im Verdauungstrakt durch Enzyme bezeichnet.

Der Mund als Beginn des Verdauungstraktes
Die Nahrung gelangt zu Beginn durch Aufnahme in die Mundhöhle, wo sie durch die Zähne mechanisch zerkleinert wird. Mittels der Zugabe des Speichels wird sie verflüssigt, sodass ein problemloser Übergang in den Magen über die Speiseröhre stattfinden kann. Zusätzlich enthält dieser Speichel das Enzym Ptyalin, wodurch bereits eine Spaltung von pflanzlicher und tierischer Stärke zu Maltose eintritt. Dies kennzeichnet die chemische Zerkleinerung. Der Speichel wird durch drei Speicheldrüsen produziert:
 * Ohrspeicheldrüse
 * Unterzungenspeicheldrüse
 * Unterkieferspeicheldrüse
Die Zunge vermischt den Speisebrei, der dann mittels Schluckreflex in die Speiseröhre befördert wird.

Die Speiseröhre als Übergang in den Magen
Die Speiseröhre stellt einen muskulösen Schlauch dar, der den Speisebrei durch einen aktiven Transportvorgang in den Magen leitet. Durch diese Muskelbewegungen besteht die Möglichkeit das Schlucken im Liegen oder bei einem Handstand auszuführen. Fälschlicherweise wird hier ...

Methoden, um den Stoffwechsel anzuregen
Nun werde ich Dir die einfachsten und effektivsten Methoden aufzählen, damit Du deinen Stoffwechsel anregen und somit deine Fettverbrennung auf das Maximum optimieren kannst. Hiermit lassen sich deine langersehnten Träume von einer Traumfigur erfüllen. Du musst jedoch grundlegende Eigenschaften wie Fokus und Disziplin aufbringen, ansonsten werden diese Methoden keinen Erfolg haben.

Einplanen von Refeed-Tagen

Die Geheimwaffe zum Stoffwechsel beschleunigen schlechthin liegt in der Einplanung eines einmaligen Refeed-Tages in einem gewissen Zeitraum. Wie oben schon erwähnt, ist es essentiell, ein Kaloriendefizit aufzuweisen, um die Fettreserven zu verbrennen. Dieser Mangel an Energie zwingt den Körper dazu, die Fettreserven als Energieträger zu verwenden. Jedoch passt sich der menschliche Organismus daran an und vermindert den Stoffwechsel, um somit weniger Energie zu verbrauchen und das eigene Überleben zu sichern. Die Auswirkung ist, dass sich dein Gesamtumsatz vermindert und dein Kaloriendefizit langsam schwindet. Hinzukommend wird auch deine Hormonproduktion, welche für einen schnellen Stoffwechsel wichtig ist, nach unten gedrosselt.
Bei einem Refeed Tag soll dem Körper vorgespielt werden, dass eine ausreichende Energiezufuhr stattfindet und die angeeigneten Fettreserven weiterhin freigegeben werden können. Dies realisiert man, indem man einen Tag in einem gewissen Zeitraum mindestens eine ausgeglichene Kalorienbilanz aufweist. Dies kann beispielsweise in einer Woche einmal oder aber auch in zwei Wochen einmal passieren. Dabei spielen viele Faktoren wie die Höhe des Kaloriendefizits oder auch der Körperfettanteil eine Rolle. Hier kann zu Beginn ...

Im Kindle-Shop: Stoffwechsel beschleunigen: Der schnellste und einfachste Weg zur Traumfigur.
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28. Mai 2018

'Auf einmal war alles falsch' von Joachim Schnur, Emilie Nayos und Sabire

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Liebesroman, basierend auf einer Romanidee von Denis Geier.

Wenn du unglücklich bist, in dem Leben, das du führst, gibt es nur eine Möglichkeit, dieses zu ändern. Du musst handeln. Eine mitreißende Geschichte über Liebe, Zweifel, Begierde und Veränderung.

Einfach idyllisch - anders lässt sich Dianas Leben mit Mitte 50 nicht beschreiben. Die Kinder sind aus dem Haus, das Meer rund um Holy Island bleibt seinem Rhythmus treu und ihre Ehe ist von Harmonie bestimmt. Doch Diana fehlt etwas - auf der kleinen Insel, die bisher ihr Leben absteckte, fühlt sie sich zunehmends eingeengt. Eine interessante Begegnung eröffnet ihr ungeahnte Möglichkeiten und weckt in ihr den Wunsch, das Leben und die Liebe neu zu entdecken. Diana wagt es, sich auf neue Menschen einzulassen und beginnt zusammen mit ihrem neuen Begleiter eine einmalige Reise. Dabei erkundet sie nicht nur zauberhafte Orte, sondern findet letztendlich auch sich selbst.

Joachim Schnur, Emelie Nayos und Sabire verleihen der Hauptfigur in ihrem romantischen Roman eine wundervolle Gabe zur Reflexion ihrer Umwelt. Die Protagonistin Diana entwickelt sich im Laufe der drei Akte der Erzählung zur wahren Heldin fernab von ihrem erdrückenden Alltag. Der Leser begleitet Diana auf ihrer Suche nach Glück und gerät schnell selbst ins Träumen.

Leseprobe:
Aus dem Bauch heraus
Es ist schon später Nachmittag, als Diana einen Entschluss fasst.
Ihre beiden Töchter, Chrystal und Jane, sind zu Besuch. Sie rumoren in der Küche, spülen das Geschirr ab: Teetassen, Teekanne, Teller, Kuchenplatte, das Besteck. Die kleinen Blaubeerkuchen sind wie immer ratzeputz aufgegessen. Dianas Ehemann, George, hat sich nach dem gemeinsamen Teetrinken in seinen Sessel zurückgezogen und raucht ein Pfeifchen. Ein wenig ist sich Diana gerade überflüssig vorgekommen. Jetzt steht sie vor dem Bücherregal, ihr Blick gleitet über die Bände darin, und sie sinniert. Da kommt ihr diese Idee, von der sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen kann, dass sie zu einer weitreichenden Veränderung ihres Lebens führen wird. Als die „Mädchen“, beide noch junge, aber erwachsene Frauen, ins Wohnzimmer zurückkommen, fragt sie:
„Wie wär’s, wenn wir etwas zu dem Basar zugunsten des Hallenneubaus beitragen würden? Wir haben so viele Bücher, die niemand mehr liest, und von früher, als ihr noch klein wart, ist jede Menge Spielzeug übriggeblieben, das bei näherem Hinsehen auch keinen von uns mehr interessiert. In einem Fenster der Crossman Hall hängt seit Tagen ein Plakat, dass solche Sachen gesammelt und versteigert werden sollen. Warum räumen wir nicht auf und trennen uns von einigem Ballast? Wir könnten hier Luft und Platz für Neues schaffen, und vielleicht würde ja ein bisschen was für den Hallenbau dabei rausschauen?“
Chrystal und Jane sehen sich kurz in die Augen, überlegen offenbar. Bestimmt kommen irgendwann Kinder. Beide sind noch ledig, aber Chrystal ist immerhin mit einem Mann befreundet, den sie hoffentlich heiraten wird. Da wäre es natürlich nett, wenn bei Gelegenheit Spielzeug vorhanden wäre. Andererseits ist es vermutlich noch einige Zeit bis dahin, und die Dinge, die sich im Laufe von Jahrzehnten angesammelt haben, sind auch schon furchtbar alt. Erinnerungen, sicher … Beide scheinen dasselbe zu denken. Nach kurzem Zögern streicht sich Chrystal eine Haarlocke aus der Stirn und sagt dabei: „Warum nicht?“ Sie könnte noch hinzufügen: Es sind ohnehin eure Sachen. Beide Töchter wohnen schon länger nicht mehr bei ihren Eltern. Die Besuche zum Tee sind eine liebevoll gepflegte Routine. Leider ergibt sich nicht jeden Tag die Gelegenheit dazu. George beobachtet die Szene amüsiert. Sein Interesse hat nie Büchern oder Spielsachen gegolten. Er hat sich, nachdem er als junger Mann viel gereist war, längst mehr auf sein typisch englisches Gardening konzentriert, das Gärtnern, dem er sich seit Jahren mit einer Inbrunst widmet, die selbst für englische Verhältnisse stark ausgeprägt ist. George schmunzelt: „Solange ihr nicht die ‚Lindisfarne Gospels‘ verhökert, soll’s mir recht sein.“ Natürlich ist das ein Scherz: Von dem berühmten Evangeliar aus dem siebten oder achten Jahrhundert gibt es ein einziges Exemplar, und das liegt in der British Library in London.
Diana ist, innerlich zuerst noch hin- und hergerissen, zuletzt von sich selbst begeistert. Begeistert darüber, dass sie in der Lage ist, einen handfesten Entschluss zu fassen. „Wenn ihr Lust habt – warum gehen wir’s nicht jetzt gleich an? Ich hole Kartons aus dem Keller, dann sehen wir alles durch. Morgen bringe ich, was wir zusammengetragen haben, rüber ins Oasis Cafe. Aus dem Bauch heraus fühle ich, dass wir das Richtige machen.“ So kommt es, und ungefähr zwei Stunden später ist die Vergangenheit durchforstet, und drei Kartons sind mit Sachen gefüllt, die längst nicht mehr benutzt wurden, mit Büchern, die seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen worden sind. Nicht zuletzt sind bei der Aktion Regalbretter und Schubladen gesäubert und entstaubt worden.
Georges Anspielung auf die ‚Lindisfarne Gospels‘, jenes außergewöhnliche Evangeliar noch aus keltischer Zeit, hat einen speziellen Grund: Diana, George, Jane und Chrystal, eine typisch englische Familie, wohnen auf Lindisfarne, jener Insel im Nordosten Englands, in dessen heute nur noch als Ruine vorhandenem Kloster dieses unersetzliche Meisterwerk klösterlicher Schreib- und Illustrationskunst entstanden ist. Lindisfarne ist der Geburtsort des Christentums in England. Von hier aus wurde das Land missioniert und der katholischen Kirche zugeführt. Lindisfarne war außerdem ein Bollwerk gegen die Wikinger einerseits und später gegen die Einfälle der Schotten andererseits. Irgendwann setzten sich die Normannen in der Gegend fest. Vor Jahrhunderten war die Insel samt dem Kloster ein wichtiger politischer, kultureller und religiöser Stützpunkt der frühen englischen Zivilisation. Die Wikinger zerstörten, die Normannen bauten wieder auf. Heute ist Lindisfarne, eine Gezeiten-Insel, in der Bedeutungslosigkeit versunken, wenn man davon absieht, dass der Ort Anziehungspunkt für viele Touristen ist, die zumeist im Sommer und zumeist an den Wochenenden hier einfallen, um das einzig Sehenswerte zu bestaunen, was es auf dem schmalbrüstigen Eiland noch gibt: Lindisfarne Castle, knapp einen Kilometer außerhalb der Ortschaft. Die Burg aus dem 16. Jahrhundert ist noch völlig intakt, anders als das Kloster am Südrand des Dorfes. Einzig ein fragiler Torbogen des Klosters kann sich ernsthaft bewundernswert nennen. Es ist ohnehin nicht das Original der irischen Mönche, sondern der Rest einer Neugründung der Benediktiner aus dem 11. Jahrhundert. Die Burg dagegen ist immer noch interessant genug, um Neugierige anzuziehen. Ihre Räume sind sogar noch komplett eingerichtet, bis hin zu einem Cello, das einer der letzten Bewohnerinnen gehört hat. Manchmal kommen ganze Schulklassen, manchmal Reisebusse, oft mit Senioren, manchmal einzelne Familien, auch mit Wohnmobilen.
Lindisfarne ist mal Insel, mal Festland: Je nach Tide ist der Flecken nahe der Grenze zu Schottland vom Meer umschlossen oder durch eine enge Straße mit dem Land verbunden. Wer hierherkommt, sollte den Tidenkalender im Kopf haben, um nicht zu riskieren, bei Flut dableiben und in dem Dörfchen übernachten zu müssen. Kundige Reiseführer wissen dieses Risiko zu vermeiden und sorgen im Allgemeinen dafür, dass sich die Gäste rechtzeitig auf den Rückweg machen. Hin und wieder kommt es trotzdem vor, dass das eine oder andere Fahrzeug gerade noch mit nassen Reifen über die schmale Verbindungsstraße zum Festland gelangt, aber ernste Unfälle sind selten. Es gibt mehrere Hotels im Dorf, aber einem größeren Ansturm von Gästen würden sie kaum standhalten.
Lindisfarne ist heute nach seiner Jahrhunderte zurückliegenden glorreichen Vergangenheit eine unbedeutende Ecke, etwa zwölf Kilometer von der nördlichsten Stadt Englands entfernt. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Das Dörfchen ist nur noch ein Touristenziel und darüber hinaus von Interesse bestenfalls für Ornithologen und Leute, die sich am Anblick der sich an der Nordküste aalenden Kegelrobben erfreuen. Anders ausgedrückt: Lindisfarne ist – ohne unhöflich sein zu wollen – langweilig. Das entspricht auch ziemlich genau der Gemütslage, in der sich Diana befindet, und das seit vielen Jahren. Sie ist hier geboren, ist hier aufgewachsen. Hier hat sie gelebt, ohne Probleme, ohne nennenswerte Konflikte, sei es mit sich selbst oder mit anderen. Ihr Leben ist angenehm, wenn auch ohne Höhepunkte. Die Insel hat sie selten verlassen. Sie hat sich in die allgemeine Langeweile eingefügt. Nicht dass sie sich dabei jemals unwohl gefühlt hätte, im Gegenteil. Ihr Leben verläuft ruhig, beschaulich, angenehm. Das Gefühl, es würde ihr etwas fehlen, hat sie nie oder jedenfalls kaum einmal. Hier hat sie ihren George kennengelernt, damals ein sportiver und leidenschaftlicher Mann, dem sie sich, inzwischen fünfundfünfzig Jahre alt, von Anfang an mit zärtlicher Zuneigung hingegeben hat. Sie hatten bald die Kinder bekommen, die beiden Töchter. George bringt von seiner Arbeit ein nicht allzu üppiges, aber ordentliches Einkommen nach Hause. Die Rente rückt näher. Alles ist bestens. Sie fühlt sich glücklich. Was sollte ihre Ruhe stören?
Dass eine beunruhigende Störung eintritt, wird ihr in dem Augenblick, als es beginnt, nicht bewusst. Am nächsten Morgen lädt sie in der Mitte des Dorfes im Oasis Cafe ihre Kartons ab, plaudert mit den beiden älteren Frauen, die die Aktion betreuen, winkt dem einen oder anderen Bekannten zu, freut sich, etwas Nützliches zu tun. Die Rekonstruktion der früheren Village Hall, maßgeblich gefördert durch Lady Rose, liegt ihr sehr am Herzen. Sie nimmt es zuerst nicht wirklich zur Kenntnis, als neben ihr ein junger Mann, vielleicht fünfundzwanzig Jahre alt, in den zum Verkaufen präsentierten Sachen herumstöbert. Es ist nichts Ungewöhnliches, allenfalls, dass der junge Mann erkennbar nicht von hier ist, ein Ausflügler vermutlich. Seltsam ist allerdings, dass er schon an einem Freitag aufkreuzt. Sie schenkt ihm keine weitere Beachtung.

Im Kindle-Shop: Auf einmal war alles falsch.
Mehr über und vom Herausgeber Denis Geier auf seiner Website.



'Echo des Lebens' von Gabriele Popma

Kindle (Unlimited) | Taschenbuch
Wenn das Leben dir eine zweite Chance gibt, wie wirst du sie nutzen?

Mit siebzehn verliebt sich Marion in den Studenten Simon, der ihr hilft, ihr freudloses Elternhaus für eine Weile zu vergessen. Doch dann wird plötzlich ihr ganzes Leben aus den Fugen gerissen.

Jahre später hat sie ihren Weg gefunden und ist mit ihrer Familie glücklich. Da schlägt das Schicksal erneut zu und katapultiert sie in eine Lage, der sie sich nicht gewachsen fühlt. Zwei Freunde eröffnen ihr neue Perspektiven, doch damit fangen die Probleme erst richtig an. Marion muss Entscheidungen treffen, für die sie noch nicht bereit ist, und von denen dennoch ihr ganzes Glück abhängt.

Wird sie die Kraft haben, sich den neuen Herausforderungen zu stellen?

Leseprobe:
Das aufdringliche Schrillen des Handys durchschnitt die Stille in dem kleinen Büroraum. Der Ton war durch die Tasche, in der es steckte, deutlich gedämpft, doch Marion zuckte heftig zusammen. Sie saß über einer komplizierten Abrechnung und wollte sich nicht ablenken lassen. Egal, wer es war, er würde sich gedulden müssen.
Ihre Kollegin Julia, die ihr gegenüber saß, lachte. »Du brauchst mal einen vernünftigen Klingelton. Nicht so eine Sirene. Gehst du nicht ran?«
Marion seufzte. Ihre Konzentration war beim Teufel, also konnte sie das Gespräch genausogut annehmen. Sie nestelte das Handy aus ihrer Handtasche, die unter dem Tisch stand, als es verstummte.
»Problem gelöst«, grinste Julia.
Marion sah auf die Nummer. Die Vorwahl stammte aus ihrem Heimatort, aber ansonsten war sie ihr unbekannt. Sie würde nach Arbeitsschluss am Mittag zurückrufen. Auch eine neue WhatsApp-Nachricht hatte sie erhalten. Sie lächelte, als sie die Zeilen ihres Mannes las. ›Meine Konferenz fällt aus. Mache heute blau und fahre gleich heim‹, hatte er vor einer Stunde geschrieben. ›Vielleicht können wir nachmittags mit Stefanie rodeln gehen oder sonst was unternehmen. Hab dich lieb.‹
Eine gute Idee. Ihre Tochter würde sich über einen unverhofften Ausflug freuen.
Als sie das Handy zurück in die Tasche steckte, klingelte das Telefon, das zwischen den Schreibtischen stand. Julia sah sie an. »Du oder ich?«
»Du. Ich hatte heute früh schon etliche Gespräche. Ich muss diese Abrechnung fertig kriegen, bevor ich gehe.« Marion drehte sich zu ihrem Computer und hörte nur noch mit halbem Ohr, wie sich Julia mit dem Namen der Versicherungsgesellschaft, für die sie arbeiteten, meldete.
»Frau Degenhart? Ja, die ist hier. Einen Moment.«
Marion seufzte. Als sie die Hand nach dem Telefonhörer ausstreckte, warf sie Julia einen fragenden Blick zu.
»Jemand vom Klinikum Fürstenfeldbruck«, raunte die Kollegin, während sie die Telefonmuschel mit der Hand abdeckte.
»Wegen einer Abrechnung?« Noch mehr Arbeit. Marion stöhnte innerlich. »Degenhart«, meldete sie sich und erwartete, mit den Versicherungsdaten eines Patienten konfrontiert zu werden. Doch dann wurde sie blass. Julia hielt in ihrer Arbeit inne und beobachtete sie. Marion umklammerte den Hörer so fest, dass ihre Fingerknöchel langsam weiß wurden.
»Was ist los?«, fragte Julia alarmiert.
»Ja, natürlich, ich komme gleich«, murmelte Marion. »Auf Wiedersehen.«
Julia stand auf und lief um ihren Schreibtisch herum. Marion hielt immer noch den Hörer in der Hand, hatte ihn aber sinken lassen. Behutsam legte Julia ihre Hand auf die Schulter der etwas älteren Kollegin. Langsam und wie aus tiefer Trance erwachend, sah Marion auf.
»Was ist passiert?«, wiederholte Julia.
»Mein Mann hatte einen Unfall.« Marions Stimme war nur ein leises Wispern.
»Einen Unfall? Mit dem Auto?«
»Ja, ich glaube schon.«
»Du glaubst?«
»Sie haben mich nur gebeten, sofort zu kommen.« Ein Schauer durchlief Marion, doch er riss sie aus ihrer Starre. Sie ließ das Telefon achtlos fallen, während sie aufsprang und nach ihrer Jacke und Tasche griff. »Ich muss sofort hin.«
Julia schüttelte den Kopf. »Ich lasse dich auf keinen Fall fahren. Du bist viel zu aufgewühlt. Ich bringe dich hin.«
»Das musst du nicht.«
»Doch, das muss ich. Ich sage nur schnell Bescheid.«
Stumm starrte Marion durch die Windschutzscheibe. Es schneite schon wieder und sie kamen nur langsam voran. Sie war Julia dankbar für den Fahrdienst. Sie bezweifelte, dass sie sich im Moment auf den Verkehr konzentrieren konnte. Der Ring um ihre Brust zog sich immer enger zusammen und nahm ihr die Luft zum Atmen. Ihr Mann war verunglückt und es war schlimm. Sie wusste einfach, dass es schlimm war. Es war nur ein Gefühl und sie hoffte mit aller Macht, dass es sie trog. Fröstelnd zog sie den Reißverschluss ihrer gefütterten Jacke höher.
»Mach dir nicht so viele Sorgen«, versuchte Julia sie aufzumuntern. »Wahrscheinlich hat er nur ein paar Kratzer.«
»Dann hätte er selbst angerufen.«
»Vielleicht kann er nicht, weil sie ihn gerade verarzten. Sie haben deine Nummer doch sicher von ihm bekommen. Bestimmt hat er einfach darum gebeten, dich zu informieren.«
Marion atmete tief durch und versuchte, sich zu beruhigen, doch es gelang ihr nicht. »Er hat in der Brieftasche einen Zettel mit allen Nummern, unter denen ich zu erreichen bin. Nein, ich fühle es ganz deutlich: Es ist etwas Furchtbares passiert.«
»Hoffentlich nicht.« Julia ließ die Freundin für den Rest der Fahrt in Ruhe. »Soll ich mitkommen?«, fragte sie, als sie vor dem großen Gebäudekomplex hielt.
»Lieb von dir, aber das kann dauern. Du könntest dich um meine Abrechnungen kümmern.«
»Du hast vielleicht Nerven.« Julia schüttelte den Kopf. »Das sollte jetzt deine geringste Sorge sein. Sag ihm einen Gruß von mir.« Sie nickte der Kollegin noch einmal aufmunternd zu, bevor sie wendete und zurückfuhr.
Marion sah ihr nach und fröstelte. Sie hatte Angst, das Krankenhaus zu betreten. Sie glaubte einfach nicht, dass Julia recht hatte. Irgendein unbestimmtes Gefühl sagte ihr, dass eine schreckliche Nachricht auf sie wartete. Es war wie ein lähmendes Entsetzen, das sich in ihre Glieder schlich.
Sie holte tief Luft. Vielleicht machte sie sich wirklich nur verrückt. Sie hasste es selbst, dass sie sich andauernd um alles Mögliche sorgte. Ihr Mann zog sie immer damit auf, dass sie viel zu jung für Sorgenfalten wäre, aber sie hatte in den letzten Jahren einfach zu viel verloren, um nicht ständig in Alarmbereitschaft zu sein.
Wie es ihm wohl ging? Sie würde es nie erfahren, wenn sie weiter vor dem Krankenhaus stand und die Fassade hinauf starrte. Seufzend setzte sie sich in Bewegung. Erst bei der Anmeldung blieb sie stehen.
»Mein Name ist Marion Degenhart«, sagte sie zu dem älteren Mann, der sie freundlich ansah. »Ich bin angerufen worden.«
»Ah ja.« Der Angestellte nickte. »Ich sage gleich Bescheid. Nehmen Sie doch bitte einen Moment Platz.«
Nach kaum fünf Minuten wurde sie von einer Schwester abgeholt.
»Frau Degenhart? Ich bin Schwester Ina. Würden Sie bitte mitkommen?«
Sie stand auf. Bildete sie es sich nur ein oder hatte die Schwester ihr einen mitleidigen Blick zugeworfen? Der Kloß in ihrem Hals wurde immer größer.
»Bitte sagen Sie mir, was mit meinem Mann ist«, presste sie mühsam hervor. »Wie geht es ihm?«
»Er hatte einen schweren Unfall, Frau Degenhart«, meinte die junge Schwester leise. »Der behandelnde Arzt, Herr Dr. Drescher, möchte mit Ihnen sprechen.«
So schlimm war es also, dass sogar der Arzt mit ihr reden wollte, bevor sie ihren Mann sehen durfte? Marion wurde schwindelig. Die Wände schienen auf sie zuzukommen und sie zu erdrücken. Sie tastete nach einem Halt.
Schwester Ina legte ihr eine stützende Hand auf den Arm. »Möchten Sie sich einen Moment setzen?«
»Nein, danke, es geht schon.« Marion presste die Lippen aufeinander. Sie wollte endlich wissen, wie es ihrem Mann ging.
Der Marsch durch die Gänge erschien ihr endlos. Wie lange waren sie bereits unterwegs? Fünf Minuten? Zehn? Oder waren es erst Sekunden? Sie bewegte sich wie in einem Nebel, ohne jegliches Zeitgefühl. Der lähmende Schrecken hatte sie wieder im Griff und verhinderte, dass sie einen vernünftigen Gedanken fassen konnte. Erst, als die Schwester an eine Tür klopfte und sie nach einer kurzen Ankündigung eintreten ließ, schaffte sie es, die Benommenheit abzuschütteln. Gefasst trat sie auf den Arzt zu, der von seinem Schreibtisch aufgestanden war. Er musste etwa Mitte Fünfzig sein und lächelte sie so warm und aufmunternd an, dass Marion wieder zu hoffen begann.
»Bitte nehmen Sie Platz, Frau Degenhart.«
»Bitte, was ist mit meinem Mann?«
»Wie es den Anschein hat, ist er auf eisglatter Fahrbahn ins Schleudern gekommen und hat die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Er hat sich mehrmals überschlagen und ist dann gegen einen Baum geprallt.«
Vor Marions innerem Auge lief der Unfall wie auf einer Kinoleinwand in 3D ab. Ein eiskalter Schauer ließ sie erzittern. Sie wollte das nicht hören. Sie wollte zurück an die Arbeit und einfach so weitermachen wie bisher. Dann würde ihr Schatz auch am Abend zu ihr nach Hause kommen. Er würde sie küssen und sie fragen, wie ihr Tag gewesen war. Und sie würde sich an seine Schulter schmiegen und ihn nie wieder loslassen.
»Im Moment wird Ihr Mann operiert«, fuhr Dr. Drescher fort. »Eine Schwester wird Ihnen noch die nötigen Formulare bringen, die Sie bitte ausfüllen.«
»Wie schlimm ist es?« Marion hörte ihre eigene Stimme kaum.
»Ich will Ihnen nichts vormachen, Frau Degenhart. Der Zustand Ihres Mannes ist sehr ernst. Aber nicht hoffnungslos ...

Im Kindle-Shop: Echo des Lebens.
Mehr über und von Gabriele Popma auf ihrer Website.



25. Mai 2018

'Der Notenjäger' von Rita Hausen

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Der Komponist Simon Leidbrecht ist wegen einer anhaltenden Schaffenskrise verstimmt und will die neueste Erfindung seines Freundes Leo Bernstein nutzen, um sie zu überwinden. Diese Erfindung ist eine Zeitmaschine, mit der er in vergangenen Epochen Noten aufstöbern will, die nicht überliefert wurden, um sie als eigene Werke auszugeben.

Die erste Zeitreise führt die Musiktherapeutin Mitternacht und einen Physikstudenten ins Mittelalter, danach begeben sich Leidbrecht und Mitternacht ins 18. Jahrhundert.

Wie es ihnen da wohl ergeht? Ob sie ihre Vorhaben und Ideen verwirklichen können?

Leseprobe:
Die Zeitmaschine
Leidbrecht hatte die Gabe, Schönheit und Harmonie zu erfassen und zu genießen. Er war sensibel und begabt, doch irgendetwas hinderte ihn in letzter Zeit, etwas zustande zu bringen. Vielleicht war es die Versessenheit darauf, von anderen bemerkt und geschätzt zu werden. Er wollte etwas Besonderes sein und sehnte sich danach, die Welt und das Leben in einem Kunstwerk zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Er glaubte daran, dass die Welt durch Schönheit verbessert werden könnte. Da ihm jedoch nichts mehr gelang, kam ihm das Leben unerträglich und sinnlos vor. Er fühlte sich zudem als Außenseiter und von niemandem verstanden.
Er liebte die Musik, sie war sein Lebenselixier. Sie tröstete ihn, zerriss ihn aber auch zuweilen innerlich. Ihre Schönheit tat manchmal weh und verleitete ihn zu einer Melancholie, die er insgeheim jedoch auch genoss. Er weidete sich an seinem Unglücklichsein. Sein Seelenzustand war geprägt von einer Fülle von Gefühlen, nicht nur Schmerz, Elend und Schrecken. Was ihn zur Verzweiflung trieb, war der Umstand, dass er das Übermaß seiner Gefühle schon seit längerem nicht mehr in Musik umsetzen konnte. Er rang darum, Schönheit und Verzweiflung in Noten zu bannen, aber es gelang ihm nicht. Er rettete sich manchmal in eine Art von Komposition, die Ähnlichkeit mit der Mathematik hatte. Er spielte mit Noten, unterzog sie einer Permutation oder algebraischen Transformation. Setzte sie rückwärts oder gespiegelt. Das Ergebnis hatte Ähnlichkeiten mit der Zwölftonmusik, die er aber eigentlich nicht mochte. Dann fragte er sich: Wozu noch Musik schreiben im einundzwanzigsten Jahrhundert? Wo Bach und Mozart im achtzehnten schon alles ausgedrückt hatten, und zwar unübertrefflich und gültig für alle Ewigkeit. Alle späteren Meister wiederholten doch nur das längst Erdachte.
Leidbrecht trat ans Fenster und betrachtete die untergehende Sonne. Aus seinem CD-Player erklang Musik. Sie begann mit einem einzelnen Ton, schwebte durch den Raum wie ein Lichtstrahl, der sich in die Finsternis vortastet. Die lange ausgehaltene Note endete in einem Motiv, kurze Töne, hingeworfen wie Murmeln in den Sand. Dann folgten eine Wiederholung und ein neuer Anlauf. Das Motiv wurde auf einer höheren Stufe wiederholt, glitt weich und anmutig dahin. Viele andere Stimmen setzten nach und nach ein, ein Gewebe von Klängen wuchs und wurde kraftvoller. Leidbrecht war überwältigt von der Schönheit dieser Musik.
Als die Fuge verklungen war, setzte er sich ans Klavier und spielte einige Akkorde, griff dann hastig zu Stift und Notenpapier und fing an zu schreiben. Schon bald brach er seufzend ab. Tief enttäuscht begann er, wie so oft, mit sich und seinem Schicksal zu hadern. Die Qual der Vergeblichkeit zerriss ihn und öffnete Dämonen die Tür. Er wünschte sich sehnlich, dass seine Lebensreise zu Ende ginge.
Er ließ sich in seinen Sessel fallen und starrte bekümmert vor sich hin.
Das Telefon läutete und riss ihn aus seiner Starre. Doch er war nicht fähig, aufzustehen, er starrte auf den Apparat, bis er verstummte. Dann nahm er schwerfällig ein Notenblatt vom Boden und zerknüllte es. Musik ertönte in seinem Innern: Eine hohe Frauenstimme sang einen Text, den ein befreundeter Dichter geschrieben hatte. Er selbst hatte die Musik dazu komponiert. Das Lied war ganz gut geraten, doch schon einige Jahre alt. Er seufzte.
Das Telefon schrillte erneut und holte ihn aus seiner Versunkenheit. Er stand auf und drückte die Annahmetaste. Die Stimme legte los: „Wir haben es geschafft! Stell dir vor. Die Kompression des Lichts ist gelungen. Willst du nicht kommen, es dir ansehen?“
„Bernstein“, murmelte Leidbrecht verwirrt.

Wenig später stand er im Labor des Physikers und betrachtete das Wurmloch, dessen Sog auch hinter der Spezialscheibe noch zu spüren war. „Eine wundervolle kosmische Architektur“, rief Bernstein aus und trat zum Differenziator.
„Wie habt ihr das hinbekommen?“, fragte Leidbrecht.
„Es ging darum, den Teilchenbeschleuniger auf Überlichtgeschwindigkeit zu steigern. Sofort sprangen virtuelle Photonen in eine zeitweilige Existenz, wirbelten um ein Elektron herum, Protonen und Neutronen wurden zerstäubt und zu einer Blase …“
„Moment, Moment“, rief Leidbrecht aus, „Überlichtgeschwindigkeit gibt es doch nicht.“
„Ja, hat Einstein behauptet. Aber das ist überholt. Der Physiker Burkhard Heim entwarf eine einheitliche strukturelle Quantenfeldtheorie der Materie und Gravitation, die als Erweiterung der Relativitätstheorie gelten kann. Sie enthielt in der ursprünglichen Fassung sechs Dimensionen. Heim wurde international bekannt, als er ein neues Antriebssystem für die Raumfahrt vorschlug. Es beruht auf einer Energie, die ein extrem starkes Magnetfeld erzeugt. Dieses wiederum ruft ein Gravitationsfeld hervor, das den Schub liefert. Werden bestimmte Feldstärken überschritten, schlüpft das Raumschiff in eine höhere Dimension, in der die kosmische Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gilt, es kann also überlichtschnell fliegen. Wird das Magnetfeld abgeschaltet, fällt das Schiff in unser normales Raumzeit-Kontinuum zurück.“
Leidbrecht unterdrückte ein Gähnen und nickte zerstreut. Bernstein fuhr fort: „Aber uns interessiert die Überlichtgeschwindigkeit ja nur insofern, als sie uns das Gluon-Plasma liefert. Das sind energiereiche Bruchstücke, in die Protonen und Neutronen zerstäubt werden. Dieses Plasma wird erhitzt und komprimiert, bis ein winziges schwarzes Loch entsteht, das mit Materie von negativer Energiedichte gefüttert werden muss. Man kann den ganzen Vorgang auch als Kompression des Lichts bezeichnen.

Im Kindle-Shop: Der Notenjäger.
Für Tolino: Buch bei Weltbild
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24. Mai 2018

'Kaltgestellt: der Mann aus Beirut' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Das BKA hört mehrere Handygespräche zwischen Deutschland, Damaskus, Bagdad und Grosny ab. In den Gesprächen geht es um Terroranschläge in Westeuropa und um Drogen. In aller Eile installieren das BKA und der Verfassungsschutz in einem kleinen Ort am Niederrhein eine behelfsmäßige Kommandozentrale. Aus dieser Gegend kamen die Gespräche.

Der Nahost Experte Walther Sembach, strafversetzt von Damaskus nach Deutschland, bekommt die undankbare Aufgabe, die Urheber der Telefonate zu ermitteln. Als er der Wahrheit zu nahe kommt, steht er selbst auf der Abschussliste.

Leseprobe:
Er ist noch nicht lange hier, vier Wochen. Oder fünf? In der Enge einer Gefängniszelle verliert man die Zeit. Er darf mit niemandem reden. Beim Hofgang brüllen die anderen Gefangenen anzügliche Bemerkungen. Kinderficker ist noch harmlos. Unter den Augen von sechzig oder achtzig Männern wie auf dem Präsentierteller alleine um den Gefängnishof zu laufen, ist erniedrigend. Er setzt sich lieber auf eine Bank hinten an der Mauer. Oder verzichtet auf den Hofgang.
Jeden Freitag dröhnt der Ruf – Häftlinge antreten zum Duschen – durch das Hafthaus. Ein Beamter öffnet die Zellen und in Gruppen von acht bis zehn Gefangenen gehen sie duschen. Für ihn gilt das nicht, er duscht getrennt von den Anderen.
»Ist zu Ihrem Schutz«, sagt der Schließer mürrisch, als er wissen will, warum das so ist. Justizbeamte in einer JVA werden Schließer genannt, weil sie am Gürtel viele Schlüssel tragen.
Das vergitterte Fenster seiner Zelle ist klein, vierzig mal sechzig Zentimeter, wie eine Dachluke. Mitternacht ist vorbei, der Mond steht hoch am Himmel. Er weiß nicht, wie spät es ist, sie haben ihm bei der Festnahme die Uhr abgenommen.
In der Zelle herrscht Halbdunkel und ohne die Gitter zum Gang und am Fenster hätte er es als angenehm empfunden. Er liebt die Dunkelheit. Als er sieben oder acht Jahre alt war, ist er nachts oft von zu Hause ausgerissen und alleine durch den Wald gestromert. Da war kein Vater, nur die Nachttiere. Mäuse raschelten im Unterholz und gelegentlich hörte er eine Eule, die sich laut protestierend in die Luft schwang. Der Wald war von Gräben durchzogen, die im Frühling und Herbst voll Wasser standen. Wenn er spät nachmittags, nach den Schularbeiten, mit seinen Freunden durch den Wald stromerte, schreckten sie im dichten Unterholz Rehe auf.
Die Deckenbeleuchtung im Gang brennt nur schwach. Ungewöhnlich, sonst sind Gang und seine Zelle hell beleuchtet. Er blickt zur Kamera an der Zellendecke. Die Decke ist sehr hoch, vier Meter, keine Chance hinaufzuklettern und die Linse abzudecken. Warum auch, er hat nichts zu verbergen. Den Lebensabschnitt, in dem er brisante Geheimnisse mit sich herumtrug, hat er hinter sich.
Schlafen kann er nicht, er döst vor sich hin, denkt über sein Leben nach. Er hat nicht protestiert, als man ihn festnahm. Es war die logische Folge der Ereignisse. Wie die Nacht auf den Tag folgt.
Etwas ist anders. In dieser kurzen Zeit hat er sich an die Geräusche der Justizvollzugsanstalt gewöhnt, Änderungen fallen ihm sofort auf. Da ist ein Schleifen auf dem Zementboden. Er steht auf und tritt an das eiserne Gitter zum Gang, drückt den Kopf dagegen. Überrascht bemerkt er, dass die Gittertür nicht verschlossen ist. Einen Moment ist er in Versuchung, sie ganz aufzustoßen. Er unterlässt es, es bringt nichts. Bis zur Freiheit gibt es zu viele verschlossene Gitter. Auch die Tür der Nachbarzelle steht etwas auf.
Er legt sich wieder auf die schmale Pritsche und taucht in seine Erinnerungen. Zwei oder drei Uhr morgens muss es sein. Um diese Zeit kommt sein Vater zu ihm. Das ist Jahrzehnte her, es läuft ab wie ein Film in seinem Kopf.
»Darf ich mich zu dir setzen?«, flüstert sein Vater. »Ich habe dir etwas mitgebracht, Zimtschokolade, die isst du doch so gerne. Kannst du essen, Mama weiß nichts davon, das ist unser Geheimnis.«
Sein Vater setzt sich auf die Bettkante und reißt die Verpackung auf, pult das Silberpapier ab.
»Möchtest du?«
Er bricht ein Stück Schokolade ab und schiebt es dem Jungen zwischen die widerstrebenden Lippen.
Ein ungewöhnliches Geräusch aus der Nachbarzelle reißt ihn aus seinen quälenden Gedanken und er ist dankbar dafür. Jemand geht hin und her. Nicht in Filzschuhen, wie die Gefangenen sie tragen müssen, sondern in Straßenschuhen mit harten Ledersohlen. Er horcht und plötzlich weiß er, weshalb ihn das irritiert. Zwei Personen sind es. Unverständliches Geflüster. Das Licht im Gang erlischt, nur schwaches Mondlicht erhellt die Zelle. Die Schritte verstummen.
Vor seiner Zellentür sieht er den Lichtkegel einer Taschenlampe, mehrere Schatten. Die Tür seiner Zelle schwingt knarrend auf und sie kommen herein, drücken ihn auf die Liege, pressen ein stinkendes Tuch auf seinen Mund. Er spürt einen harten Gegenstand am Hals, ein elektrischer Schlag durchzuckt ihn und er kann sich nicht bewegen. Sie reißen ihn von der Pritsche und schleifen ihn über den Boden. Er spürt, wie sich seine Blase entleert.

Im Kindle-Shop: Kaltgestellt: der Mann aus Beirut
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'Thassas Geschichte: Der Attaché des Kaisers' von Devon Anderson und Suzanna LeMonde

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Korea, 1943
Die junge Thassa wird von Anwerbern der Kaiserlich Japanischen Armee verschleppt. Zusammen mit Mina, einem Mädchen, das ein ähnliches Schicksal teilt, wird sie einem Trosthaus zugeteilt, in dem sie den Soldaten zu Diensten sein soll. Takeo Nakamuro, ein ambitionierter Offizier, verbindet mit ihr nach einer schmerzvollen Erfahrung in der Vergangenheit all seine Hoffnungen und Sehnsüchte für die Zukunft. Aufmerksam, liebevoll und privilegiert verschafft er ihr scheinbar selbstlos eine Atempause. Doch nur sein vermeintlicher Tod kann sie jetzt noch retten.

Thassa flieht, schwanger mit seinem Kind. Als sie das Schicksal erneut zusammenführt, muss er feststellen, dass der Preis, den er dafür zahlen muss, nichts Geringeres als seine Seele ist.

Ein Offizier, der unerbittlich seinen Weg geht.
Ein junges Mädchen, das zu lieben gelernt hat.
Ein mächtiger Mann, der zu manipulieren versteht.
Sie alle können ihrem Schicksal nicht entkommen.

Leseprobe:
Thassa blickte aus dem Fenster des Zimmers im Goldenen Drachen, das sie nun für eine unbestimmte Zeit mit Takeo bewohnen sollte. Unten im Hof zur Rückseite mühte sich Quân mit einem großen Korb ab, von dem sich noch ein zweiter auf einem Handkarren befand, der dort bereits seit dem Morgengrauen stand. Nachdem er ihn in das Innere des Hauses gebracht hatte, holte er auch den zweiten Korb und schloss die Tür hinter sich. Thassa zuckte zusammen, als Takeo hinter ihr zu sprechen begann.
„Ich kann zwar nicht behaupten, dass meine Motive, dich hierher zu bringen, edel gewesen sind“, sagte er leise, „aber das Schicksal der anderen Mädchen bleibt dir zumindest vorerst erspart.“ Auch er hatte über ihre Schulter hinweg aus dem Fenster geblickt. Thassa nahm ihren ganzen Mut zusammen.
„Ich bin nicht so unschuldig wie Sie denken, Tono Nakamuro, und glauben Sie nicht, ich wüsste nicht, warum Sie mich hierhergebracht haben.“ Sie schob trotzig ihr Kinn vor und ihre Augen blitzten. Takeo brach gutmütig in schallendes Gelächter aus und nahm sie um die Taille. Ihre Reaktion strafte ihre Worte Lügen. Schnell wie eine Katze drehte sie sich aus seinem Griff und lief zur Tür. Sie fühlte sich zitterig und elend.
„Es ist abgeschlossen“, sagte Takeo. „Aber wenn ich dir so sehr zuwider bin, bringe ich dich selbstverständlich sofort zurück zu Madame Liu. Sie ist sicher gerade dabei, den Mädchen zu erklären, welche Vorkehrungen sie zu ihrem Schutz treffen sollen, bevor heute und all die nächsten kommenden Tage und Wochen, vielleicht Monate, Soldat um Soldat zu ihnen kommt, um sie, ganz legitim im Dienst für das Japanische Kaiserreich natürlich, auf jede nur erdenkliche Art und Weise zu vergewaltigen.“
Thassa schnappte nach Luft. Madame Lius Schimpftirade fiel ihr ein. Du bist seine verdammte Hure! Merk dir das! Du bist nichts wert! Nicht den Schmutz unter seinem Fingernagel! Und er wird dir nicht dein kleines, vor Liebe schwellendes Herz brechen! Nein, das wird er nicht! Er bricht dir dein Genick, bevor, während oder nachdem er dich in alle deine Körperöffnungen gebumst hat! Tatsächlich hatte er zumindest in der vergangenen Nacht weder das eine noch das andere mit ihr getan. Gleich nebenan befand sich ein sehr edel eingerichtetes Badezimmer, wo sie sich hatte waschen dürfen. Er hatte sie eingeschlossen und auch die Dauer bestimmt, doch die Zwischenzeit genutzt, um eine Mahlzeit für sie auf das Zimmer bringen zu lassen. Thassa jedoch saß zu Tode verängstigt regungslos auf dem Stuhl und hatte keinen Bissen hinuntergebracht, den Blick starr auf den Teller vor sich gerichtet. Irgendwann hatte die Müdigkeit sie übermannt, daran erinnerte sie sich noch, bevor sie heute im Morgengrauen im Bett hochgeschreckt war. Er hatte am Tisch gesessen, beschäftigt mit einigen Papieren, die sehr dienstlich aussahen. Zugelächelt hatte er ihr. Thassas Verwirrung war von Minute zu Minute gewachsen.
„Und?“ fragte er sie nun. Eine Kerze brannte und gab ein schwaches Licht. „Möchtest du zurück?“ Thassa blieb still. Schließlich trat Takeo ungeduldig auf sie zu. „Nun“, sagte er und verzog ärgerlich das Gesicht. „Ich habe dich nicht dort herausgeholt, damit dich jetzt doch andere Männer benutzen können. Also vergiss die Frage.“ Die Sekunden tropften dahin und die Gedanken in Thassas Kopf rasten. „Mina“, flüsterte sie plötzlich und brach unvermittelt in Tränen aus. Takeo zog sie in seine Arme und sie war zum ersten Mal nicht voller Abwehr. „Es tut mir leid, Thassa“, sagte er aufrichtig bedauernd. „Ich werde sehen, was ich tun kann, um es ihr leichter zu machen, ich verspreche es dir.“ Ihre Finger gruben sich in seine Arme und ihr Gesicht war tränennass. Sie nickte wild. „Ich tue alles, was du willst“, weinte sie.

Im Kindle-Shop: Thassas Geschichte: Der Attaché des Kaisers.
Mehr über und von Devon Anderson und Suzanna LeMonde auf ihrer Facebook-Seite.



23. Mai 2018

'Lust auf Schoki' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
SCHOCKVERLIEBT UND SCHOKIGLÜCKLICH

Es ist eine lieb gewonnene Geburtstags-Tradition: Jedes Jahr laden sich drei Cousinen gegenseitig zu einem besonderen Event ein. Unternehmensberaterin Sanna hat diesmal ein Schokoladen-Wein-Seminar ausgesucht. Die glücklich verheiratete Bürokauffrau Iris und Livia, Single, Kellnerin und glühender Harley-Davidson Fan, freuen sich auf genussvolle Stunden.

An diesem Abend lernen sie den attraktiven Lennard näher kennen. Er wird die Gefühle von Sanna und Livia mächtig durcheinander wirbeln – und die Mädels müssen erkennen, dass die Liebe oft seltsame Wege geht.

Das Lesevergnügen geht weiter:
Im Juni erscheint die Fortsetzung 'Livias Träume'.
Leseprobe:
Sanna dachte daran, wie dieser Abend zustande gekommen war.
Sie arbeitete in einer Unternehmensberatung. Ihr Kollege Guido hatte Geburtstag, er war ein ganz Süßer und liebte Schokolade über alles. Also entschied man sich, eine Schokoladentorte für ihn zu bestellen. Persönlich sollte das Geschenk sein, daher ließen sie seinen Namen darauf schreiben.
Merle, die ebenfalls an diesem Tag ihren Geburtstag feierte, sollte mit einem Parfüm bedacht werden.
Aber der Teufel ist gemäß Sprichwort manchmal ein Eichhörnchen, der schöne Plan ging nicht auf. Am Geburtstagsmorgen passierten zwei Dinge gleichzeitig. Die Torte wurde geliefert und Guido meldete sich mit schwacher Stimme und einem Magen-Darm-Problem krank.
Etwas bedröppelt standen vier Kolleginnen im Kreis um die glänzende Schokoladentorte herum. »Was nun?«, fragte Sanna etwas ratlos. »Die Torte können wir ja nicht aufheben. Blöderweise steht Guido drauf, sonst könnten wir sie einfach Merle schenken, wenn sie heute Mittag vom Auswärtstermin zurückkommt. Das Parfüm wird ja nicht schlecht, ich bezahle es privat und verschenke es anderweitig.«
Es gab einen kurzen Moment des Überlegens, dann haute Jessica raus: »Ich hab’s!« Sie hüpfte vor Aufregung auf der Stelle. »Wir ergänzen noch MARIA KRETSCHMER! Merle ist doch ein riesiger Fan von Guido Maria Kretschmer. Die wird Augen machen!«
Die Frauen kreischten begeistert los – und der Plan wurde sogleich in die Tat umgesetzt.
Kurzerhand schnappte sich Sanna die Torte und trat den Weg eine Straße weiter in das Café an, wo die Köstlichkeit hergestellt worden war.
Dort amüsierten sich die Angestellten über diese geniale Idee, die sie dann mit viel Spaß gekonnt realisierten.
Glücklich kehrte Sanna mit einer völlig veränderten Torte zurück. Man hatte den Schriftzug sogar noch mit einer Fondant-Handtasche samt Fondant-Lippenstift aufgepeppt.
Stolz präsentierte sie ihren Mitwisserinnen das geniale Werk. Jetzt hieß es, auf Merle zu warten. Als diese zwei Stunden später im Büro eintraf, war sie zu Tränen gerührt. »Dass ihr das für mich habt fertigen lassen – was für eine tolle Idee! Ich bin total geflasht. Danke, danke, danke!« Jede Kollegin wurde innig umarmt. Die Schenkenden indes warfen sich bedeutsame Blicke zu – und behielten die Entstehung dieses höchstpersönlichen Geburtstags-Knallers für sich.
Auch als Merle fragte: »Wo ist denn Guido? Ist eigentlich seine Torte schon geliefert worden?«, hielten alle dicht.
»Die konnten wir noch abbestellen. Guido hat sich krankgemeldet. Magen-Darm.« Sanna schummelte gekonnt und beruhigte sich damit, dass es ja nur halb gelogen war.
»Passt doch«, freute sich Merle ahnungslos. »Sonst hätten wir heute zwei Torten. Ich koche Kaffee, holt Teller, Mädels! Wir gönnen uns jetzt erstmal ein Stückchen.«
Und wenige Minuten später knabberte Merle innig an der kleinen grünen Fondant-Handtasche. »Die muss ich vorab schnabulieren!«, gluckste sie beseelt.

Im Kindle-Shop: Lust auf Schoki (Lust auf Schoki 1).
Mehr über und von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki auf ihrer Website.



'Blauer Tod: Im Netz des Terrors' von Ute Bareiss

Kindle (unlimited)
Ein Alex-Martin-Thriller

Eine Weltverbesserer-Sekte, Delfine, die als Waffen eingesetzt werden, und eine Behörde mit düsteren Geheimnissen – erneut ein hochexplosiver Thriller um Alex Martin, der sein eigenes Leben aufs Spiel setzen muss, um unzählige andere zu retten.

Nach einer Epidemie werden in Kenia ganze Dörfer niedergebrannt. Über der sudanesischen Wüste verschwindet ein Flugzeug mit einer tödlichen Ladung vom Radar. In Europa werden Wissenschaftler entführt. Weltweit häufen sich mysteriöse Ereignisse. Als im Roten Meer nach einer Terrorankündigung verstümmelte Delfine auftauchen, wird der Meeresbiologe Alex Martin zu einer verdeckt ermittelnden Spezialeinheit hinzugezogen.

Er stößt auf eine Verschwörung globalen Ausmaßes. Millionen von Menschenleben droht höchste Gefahr.

»Schickt Ute Bareiss ihre Romanfigur Alex Martin los, garantiert dies nicht nur atemlose Spannung, es werden auch heikle, umweltpolitsche Themen schonungslos offen gelegt. Ein Thriller mit hohem Unterhaltungswert, der gleichwohl zum Nachdenken anregt – was will man mehr!« Spiegel-Beststeller-Autor Luís Sellano

Leseprobe:
PROLOG
"Die Maschine hat an Höhe verloren und ist vom Kurs abgewichen. Wir haben keinen Funkkontakt mehr.“
„Transpondersignal?“
„Negativ.“
Es dauerte einige Sekundenbruchteile, bis die Nachricht in die Köpfe der Umstehenden eingedrungen war. Mit einem Schlag endete das geschäftige Treiben und es wurde totenstill, als hätte jemand den Lautstärkeregler abgedreht, das Summen der Computerlaufwerke erschien übernatürlich laut.
Dreiundzwanzig Augenpaare starrten auf die Leitbildwand, auf der nun der bisherige Kurs der Challenger 650 in Großaufnahme zu sehen war. Die Flugstrecke mit Ziel Rom hatte von Marsabit im Norden von Kenia über Äthiopien geführt und auch im Sudan war der Jet noch mehr als hundert Meilen der ursprünglich geplanten Route gefolgt. Warum dieser Höhenverlust? Und warum flogen sie nun zehn Grad weiter östlich?
Eisige Kälte kroch in Special Agent Jonathan Bennetts Glieder und er zuckte zusammen, als die Stimme von Direktor Adams durch die Zentrale schallte: „Ich will die Satellitenbilder auf den Monitor. Simpson, Sie überprüfen, ob es seitens Khartums Gründe für die Kursabweichung gibt. Probleme im Luftraum oder dergleichen. Richards, vergleichen Sie auf dem Radar mit den Transpondersignalen der anderen Flugzeuge und starten Sie eine Abfrage.“ Er wandte sich nach rechts. „Lincoln, Sie checken jeden Schritt des Ladevorgangs. Besteht die Chance, dass jemand außer unseren Leuten an Bord sein könnte?“
Außer unseren Leuten, hallte es in Jonathans Ohren nach. Drei seiner besten Agenten begleiteten das als Rückkehr eines Hilfsgütertransports getarnte Flugzeug. Nur wenige Ein­geweihte wussten, welche tödliche Ladung der Learjet transportierte. In seiner gesamten Laufbahn als Specialagent und späterer Abteilungsleiter bei der CIA hatte er noch nie solch eine strenge Geheimhaltungsstufe erlebt wie bei der Operation Blue.
Mit zu Fäusten geballten Händen fixierte er das Flugzeug, als könnte er damit die Flughöhe oder den Kurs beeinflussen, doch es sank stetig mit einer Abweichung um weitere zehn Grad nach Osten.
Gab es technische Probleme, die den Piloten zu einer Notlandung zwangen? Ein Komplettausfall der Elektronik, was den Ausfall von Funk und Transponder erklären würde? Das Flugzeug war noch nicht lange in der Luft – Kraftstoff konnte nicht das Problem sein, zumal der Flieger über zusätzliche Treibstofftanks verfügte, die seine normale Reichweite von viertausend Meilen um nochmals fünfzig Prozent erhöhten. Auch wenn sich die Windverhältnisse zu ihren Ungunsten geändert hatten, sollte mehr als genug Sprit vorhanden sein.

Die Minuten rasten vorbei und mit jedem verlorenen Höhenmeter und jedem Grad Kursabweichung stieg die Spannung im Raum. Man konnte die Luft fast greifen, so dick war sie inzwischen.
„Wir haben auf dem Radar ein Flugobjekt mit einem geänderten Transpondercode. Es korrigiert den Kurs zunehmend und baut Höhe ab“, berichtete Richards mit gepresster Stimme.
„Ich habe den kompletten Ladevorgang überprüft. Wenn derjenige keinen Tarnumhang getragen hat, kann niemand außer unseren Leuten in der Maschine sein“, übertönte Lincolns tiefer Bass das Stimmengewirr. Unverzüglich besaß er die gesamte Aufmerksamkeit.
Allen war klar, was dies zu bedeuten hatte: In ihrer Mitte befand sich ein Verräter. Beziehungsweise saß er an Bord der Challenger.
„Miller, rufen Sie den Verteidigungsminister an.“ Die Stirnfalten des Direktors standen der Bügelfalte seiner Hose an Schärfe in nichts nach. „O’Donnell, Sie geben uns detaillierte Satellitenbilder aus der Gegend auf die Wand.“
Der Jet flog aktuell in sechsundzwanzigtausend Fuß Höhe über ein Wüstengebiet, Tendenz weiter sinkend. Meilenweite Öde, nur Sand und Felsen. Der nächste offizielle Flughafen lag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Doch etwas sagte Jonathan, dass, sollte der Flieger tatsächlich landen wollen, er keinen offiziellen Flughafen ansteuern würde.
„Wir müssen nach sämtlichen Landemöglichkeiten Ausschau halten.“
Sie konnten sich ersparen zu fragen, wer trotz höchster Geheimhaltungsstufe Interesse an dem Virus haben könnte. Es wäre für jeden Staat die tödlichste Waffe, die man sich vorstellen konnte. Wo immer das Virus sich verbreitete, würde es eine verheerende Pandemie auslösen, die geradezu einem Genozid gleichkam.
Die Auswirkungen, die er in Kenia miterlebt hatte, drängten sich in sein Gedächtnis. Menschen, die schreiend vor Schmerzen elend verreckt waren, während ihnen das Blut aus allen Körperöffnungen geschossen war.
„Wir haben in Flugrichtung zwei Militärflughäfen und etwas bislang Unbekanntes, das durchaus ein Hangar sein könnte.“ O’Donnell beamte die Luftaufnahme eines Wüstenareals auf die Leinwand und zoomte in einen Fleck, der sich zuerst kaum von der rotbraunen Umgebung abhob. Erst bei der näheren Betrachtung konnte man eine riesige Halle – gut getarnt in Erdfarben – erkennen. Der Überwachungsspezialist deutete mit einem Laserpointer auf die breiteren Spuren, die deutlich als Reifenabdrücke erkennbar waren. „Diese stammen von einem oder mehreren Geländefahrzeugen und die anderen“, der rote Punkt markierte schmalere vierspurige Einbuchtungen im Sand, „könnten sehr gut von einem Flugzeug stammen.“ Er vergrößerte eine ebene braune Fläche. „Vermutlich liegt darunter eine Landebahn verborgen.“
„Kendall, versuchen Sie, Fluggenehmigungen von der sudanesischen Regierung zu erhalten, damit unsere Leute schnellstmöglich sämtliche potenzielle Landemöglichkeiten überprüfen können.“ Der Direktor presste die Lippen für einen Moment zusammen, bevor er sich räusperte. „Das Flugzeug darf jedoch keinesfalls landen.“
Auch wenn sie sich alle von Anfang an der Konsequenzen bewusst gewesen waren, schwebten die Worte wie ein bleierner Dunst im Raum.
„Malcolm ist gerade Vater von Zwillingen geworden, eine Frühgeburt. Er hat seine Söhne noch nicht mal gesehen“, murmelte Connor, ein schlanker Blonder mit schütter werdendem Haar. „Es hätte sein letzter Einsatz werden sollen.“
Direktor Adams reagierte nicht auf den Einwurf, doch an den zuckenden Wangenmuskeln, die aus dem hageren Gesicht hervorstachen, war zu erkennen, dass er ihn sehr wohl gehört hatte.
Unwillkürlich drängte sich auch Jonathan das verschmitzte Lächeln von Malcolm ins Gedächtnis. Die dunkle Haarsträhne, die ihm immer ins Gesicht fiel und einen jungenhaften Ausdruck verlieh. Was er wohl gerade dachte?
Er würde seine Söhne niemals kennenlernen.
„Wie viel Zeit bleibt uns noch, Direktor?“ Am liebsten hätte Jonathan dieses Flugzeug auf der Leitbildwand festgehalten – doch das Unvermeidbare ließ sich nicht aufhalten.
Ein stechender Blick traf ihn. „Nur wenige Minuten.“
Nur. Wenige. Minuten. Dann wäre das Leben von zwölf tapferen Männern ausgelöscht. Mit ziemlicher Sicherheit waren elf davon rechtschaffene Menschen, die ihr Fleisch und Blut nun der Sinnlosigkeit opferten.
Was hatte diesen einen Menschen dazu getrieben, das Leben seiner Freunde und Kameraden aufs Spiel zu setzen? Die Gier nach Geld? War es eine gut verborgene politische Überzeugung? Auch wenn keiner der Männer an Bord von der Sprengladung im Flieger wusste – der Verräter hätte sich doch denken können, dass er damit nicht durchkommen würde.
Jonathan blickte in die Gesichter der anderen. Schmerz, Fassungslosigkeit und Trauer paarten sich mit Wut. Jeder von ihnen könnte jetzt dort oben sitzen. Die Züge des Direktors schienen in Stein gemeißelt. Jonathan wollte nicht mit ihm tauschen. Den Befehl zu geben, zwölf seiner eigenen Leute zu töten, weil ein Verräter in ihrer Mitte war, kostete Kraft. Doch dagegen standen Millionen von Menschenleben, wenn das Virus in falsche Hände geriete.

Im Nebenbereich, der nur durch eine Glasscheibe abgetrennt war, brach hektisches Treiben aus. Der Einsatz für die Streitkräfte, die zum Landeplatz beordert werden sollten, wurde koordiniert.
Der Funkspruch „Airplane on position fifteen point eight five three degrees north, thirty-four point five one niner degrees east, do you read me? SQUAWK ident“, hallte wie ein Mantra durch den Raum, doch nicht einmal ein Rauschen kam zur Antwort.

Jeder einzelne seiner Mitarbeiter an Bord des Flugzeugs schien Jonathan im Geiste vorwurfsvoll anzustarren und ihn um Beistand anzuflehen, während die Challenger Fuß um Fuß an Höhe abbaute. Brennende Wut schnürte seinen Magen zusammen.
Die Unsicherheit, ob nicht doch ein technisches Problem im Hintergrund stand, machte es nicht besser. Auch wenn keiner der anderen sich etwas anmerken ließ, war er sich sicher, dass es seinen Kollegen ebenso erging.
Immer weiter näherte sich die Challenger dem Boden. Der Sinkflug war zu kontrolliert, als dass er auf ein technisches Problem zurückzuführen wäre. Und immer mehr zeichnete sich ab, dass die anvisierte Landebahn dieser verborgene Platz in der Wüste war. Noch geschätzte sieben Minuten bis zur Landung. Sieben Minuten, die so lang und doch so kurz sein konnten. Das Leben der Männer würde maximal eine Zigarettenlänge dauern. Die ersten Abfangjäger waren gestartet, die Satellitenüberwachung auf diese Gegend ausgerichtet. Noch zeigte sich keinerlei Aktivität auf dem potenziellen Landefeld.
Die Anspannung konnte man mit den Händen greifen. Saurer Schweißgestank mischte sich unter die stickige Luft, in der bislang Kaffeeduft, menschliche Ausdünstungen und der metallische Geruch geschlossener Computerräume dominiert hatten.
Auf einmal erfüllte hektische Betriebsamkeit einen der Monitore. Ameisengleich wuselten Menschen über das Bild, rollten eine Plane beiseite und wie von Zauberhand zeigte sich eine Landebahn.

Die Gewissheit legte sich schwer wie ein Munitionsgurt auf Jonathans Schultern.
Lass ein Wunder geschehen!
Doch Wunder zeigten sich selten, wenn man sie am dringendsten brauchte.
Der Direktor wartete, bis die Challenger 650 sich auf fünf­zehnhundert Fuß Höhe im Landeanflug befand. Dann nickte er abgehackt.

Als ein Feuerball die Leitbildwand erhellte, froren sämtliche Bewegungen im Raum ein. Die Flammen spiegelten sich im Schweiß, der die versteinerten Gesichter überzog.

Im Kindle-Shop: Blauer Tod: Im Netz des Terrors (Alex-Martin-Thriller 3).
Mehr über und von Ute Bareiss auf ihrer Website.



22. Mai 2018

'Lauf, wenn der Moorwolf heult' von Gabriele Popma

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Ein Schrei riss sie herum. Atemlos sah sie, wie Patrick einige Meter hinter ihr ins Gras stürzte. Dann streifte sie ein eiskalter Windhauch, der sie erzittern ließ. Wieder hörte sie das unheimliche Heulen und dieses Mal klang es triumphierend.

Die schüchterne, 16-jährige Nela verbringt die Ferien bei ihrer Tante auf dem Land und befürchtet, vor Langeweile zu sterben. Die Aussichten bessern sich, als sie auf den attraktiven Patrick trifft. Der aber hat mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen Nela zu Beginn nicht ganz klar kommt. Doch dann jagt eine geisterhafte Erscheinung ihr eine Heidenangst ein. Kann sie ergründen, was es mit dem unheimlichen Phänomen, von dem sie unerbittlich verfolgt wird, auf sich hat?

Eine Geschichte über Ängste und Probleme, über Mut, Hoffnung und die erste Liebe.

Leseprobe:
»Pass gut auf dich auf«, ermahnte Frau Merkert sie noch. »Bei einem solchen Wetter kann es in dieser Gegend gefährlich sein.«
Nela nickte nur und fuhr los. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was die Frau gemeint hatte. Gefährlich war es auf diesem kurzen Stück Weg gewiss nicht. Trotzdem ging ihr Frau Merkerts besorgter Blick nicht aus dem Sinn.
Sie ließ sich Zeit. Der Himmel bot ein faszinierendes Schauspiel, wie sie es noch nie gesehen hatte. Oder sich noch nie die Zeit genommen hatte, zu beobachten. Zwischen vielschichtigen grauen und schwarzen Wolkenbergen schimmerten hellgrüne Streifen Tageslicht hindurch und erhellten die schnell vorbeiziehenden Wolken wie von innen heraus. Nela genoss die Fahrt und die klare Luft und konnte wirklich nichts Beunruhigendes dabei finden.
Doch plötzlich hörte sie ein Geräusch. Zuerst dachte sie, es käme von ihrem Fahrrad. Aber als sie anhielt und abstieg, vernahm sie es immer noch. Es klang wie das laute Hecheln eines Hundes. Sie sah sich um, konnte aber nichts Ungewöhnliches erkennen. Wo war dieser Hund? Etwas mulmig war ihr schon, so allein auf der Landstraße bei diesem seltsamen, diffusen Licht. Es war allerdings hell genug, um zu sehen, dass sie wirklich allein war. Ganze zwei Autos hatten sie während der Fahrt überholt.
Das Hecheln wurde lauter. Nela hatte das Gefühl, als würde sich ein großer Hund in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Sie ging zur anderen Straßenseite hinüber und sah über die Böschung. Etwa fünfzig Meter entfernt lief unterhalb der Straße ein Feldweg parallel, aber auch dort war niemand unterwegs. Bei diesem Wetter führte doch keiner seinen Hund spazieren. Sie suchte mit den Augen die angrenzenden Wiesen ab, aber es war alles friedlich. Trotzdem hörte sie immer noch das Hecheln. Es musste etwas anderes sein. Aber was? Nichts in der Umgebung konnte ein solches Geräusch hervorbringen. Während sie wieder zu ihrem Fahrrad lief, sah sie sich aufmerksam um. Es musste ein Hundehecheln sein, doch wo war der Hund dazu? Duckte er sich vielleicht ins Gras und war so klein, dass sie ihn nicht sah? Aber so hörte es sich nicht an. Es war ein lautes Geräusch, das irgendwie deplatziert wirkte. Plötzlich war das Hecheln genau vor ihr, als würde ein unsichtbarer Hund direkt neben ihrem Vorderrad stehen. Eine Gänsehaut kroch über Nelas Rücken, als sie hastig auf ihr Fahrrad stieg. Das war ihr nun doch einen Tick zu unheimlich. Sie wollte nur noch weg von hier. Aber so schnell sie auch fuhr, das Hecheln blieb bei ihr. Es wurde sogar noch lauter. Und dann durchdrang ein Heulen den düsteren Nachmittag. Ein schauriges, gespenstisches Heulen, das sie bis ins Mark erschreckte. So mussten sich Wölfe anhören, bevor sie ihre Opfer anfielen. Aber hier gab es doch keine Wölfe. Oder etwa doch? Sie schluckte trocken. Es konnte ja wohl nicht sein, dass sie hier zwischen zwei Ortschaften von einem Wolf angegriffen wurde.
»Nela, du fängst an zu spinnen«, sagte sie laut. Der Klang ihrer Stimme beruhigte sie etwas. Dennoch klopfte ihr Herz wie rasend. Nach dem Heulen hörte sie wieder das Hecheln und nun erneut genau hinter sich. Gehetzt warf sie einen Blick zurück und wäre fast gestürzt, als sie dabei den Lenker verriss. Nur mit Mühe konnte sie sich auf der Straße halten. Der scharfe Wind trieb ihr Tränen in die Augen, als sie so schnell in die Pedale trat, dass ihr Herz zu zerspringen drohte. Etwas war hinter ihr her. Ganz deutlich hatte sie zwei gelbe Lichter gesehen. In der Form von Augen. Augen, die wild glühten. Sonst nichts. Da war kein Körper, nur Glutpunkte in der Luft, die sie zu verfolgen schienen. Es war unheimlich. Und immer wieder ein Heulen wie von einem großen Hund. Ihr Verstand sagte ihr, dass das alles nicht sein konnte, dass Geräusche nicht aus dem Nichts entstehen konnten und Augen ohne Körper unmöglich waren, doch ihr Instinkt ließ sie panisch reagieren. Nun hörte sie auch noch das Tappen von Pfoten auf der nassen Straße, das hohl und schaurig widerhallte. Auch sehr große Hundepfoten machten keinen solchen Krach. Das Tappen klang, als würde der Hund durch tiefe Pfützen auf der Straße platschen. Nela traute sich nicht mehr, sich umzudrehen. Keuchend vor Anstrengung spornte sie ihre Beine zu noch schnellerem Treten an. Sie versuchte, sich zu beruhigen, indem sie sich laut vorsagte, dass ihr nichts passieren konnte, doch ihre Panik ließ sich durch keinen noch so vernünftigen Grund beschwichtigen. Egal, was das hinter ihr war, es war einfach nur unheimlich. Warum kamen denn keine Autos mehr? Warum war hier kein einziger Mensch unterwegs? Nela fühlte sich mutterseelenallein. Allein mit diesen geisterhaften Geräuschen, die immer näher kamen. Sie wollte sich die Ohren zuhalten, um das schaurige Heulen nicht mehr hören zu müssen, doch sie wagte es nicht, den Lenker loszulassen. In wahnsinniger Fahrt raste sie die leicht abschüssige Straße hinunter und doch schien es Ewigkeiten zu dauern, bis sie das Ortsschild von Langenfelden erreichte. Und in diesem Moment hörte der Spuk auf. Das Hecheln verstummte und das nervenzerfetzende Tappen der Pfoten verschwand. Totenstill war es plötzlich. Unheimlich still. Nela hielt an, nahm ihren ganzen Mut zusammen und drehte sich um. Beinahe erwartete sie, dass ein wildes Tier genau hinter ihr stand, bereit, sie zu fressen, wie sie es schon oft im Fernsehen in diversen Thrillern gesehen hatte. Doch da war nichts außer der verlassenen Straße und grünen, idyllischen Wiesen. Nirgendwo war auch nur die Spur einer Bewegung, geschweige denn eines Tieres zu sehen. Zitternd atmete sie tief durch und versuchte vergeblich, ein Frösteln zu unterdrücken. Sie hätte schwören können, dass sie die ganze Zeit von einem großen Hund verfolgt worden war. Von einem Hund ohne Körper, aber mit zwei bedrohlich glimmenden Augen.
Sie hatte nicht mehr die Kraft, auf das Fahrrad zu steigen. Langsam schob sie es neben sich her, während sich ihr Herz und ihre Atmung wieder beruhigten. Auch ihre Gedanken wurden wieder rationaler. Es konnte ja schlecht ein Geist gewesen sein. Vielleicht hatten sich Jugendliche einen Spaß erlaubt. Mit der heutigen Technik dürfte es nicht schwer sein, Abspielgeräte so in der Wiese am Straßenrand zu deponieren, dass Fußgänger und Radfahrer meinten, von einem wilden Tier verfolgt zu werden. Wahrscheinlich lagen irgendwo in sicherer Entfernung ein paar Halbwüchsige im Gras und lachten sich über ihre Panik halb tot. Nela nickte bekräftigend. Genau so musste es sein. Deshalb hatte das Hecheln und Heulen auch so hohl und dumpf geklungen. Weil es von einem Abspielgerät kam, vielleicht von einem alten Kassettenrekorder. Auch die tanzenden Lichtpunkte ließen sich sicher irgendwie erklären. Bestimmt gab es entsprechende Apps für Smartphones. Nela kam sich plötzlich unglaublich dumm vor, dass sie so bereitwillig in die Falle getappt war. Am liebsten wäre sie umgedreht, um die Übeltäter zu suchen. Doch dafür hatte sie keine Zeit. Sagte sie sich zumindest, denn es bestand ja immerhin eine geringfügige Chance, dass es doch ein Geist gewesen war.

Im Kindle-Shop: Lauf, wenn der Moorwolf heult.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Gabriele Popma auf ihrer Website.