19. Dezember 2011

'Nölle - der Glücksengel' von Tine Sprandel

Weihnachtsgeschichte über einen unerfahrenen Engel, der Gutes tun möchte und zunächst für einen Schmetterling gehalten wird.

Der kleine Engel Nölle wird in der Weihnachtszeit geboren und will sofort auf der Erde Gutes tun.

Er begegnet dem missmutige Schmetterlingssammler Xavier, der den Engel am liebsten für seine Sammlung konservieren will. Nölle wehrt sich nach Kräften und erhält Hilfe von einer Blume.

Ob es ihm gelingt, dem alten Griesgram ein bisschen Glück zu bescheren?

"Nölle - der Glücksengel" im Kindle-Shop

'Salon Paula' von Sigrid Wohlgemuth

Ein humorvoller Kurzkrimi über haarige Nachbarschaftsprobleme. Paula zieht in eine Doppelhaushälfte und richtet sich im Haus einen Friseursalon ein. Herrn Wiesenhof von nebenan gefällt das garnicht.

Seit Paula in ihrem neuen Haus wohnt und dort einen Friseursalon eröffnen will, gibt es mit dem Nachbarn Ärger. Ständig ruft Herr Wiesenhof die Polizei. Die Umbauarbeiten sind beendet, der Sommer kommt, die Wiesenhofs unternehmen Fahrten an den Rhein, die Polizei lässt sich nicht mehr blicken.

Doch nicht alle Tage ist Sommer, der Winter naht, die Langeweile kommt auf und damit das neueste Hobby von Herrn Wiesenhof. Er legt sich, im Schlafzimmerfenster auf die Lauer und beobachtet, wer im Salon Paula ein und ausgeht.

Im Kindle-Shop: Salon Paula

16. Dezember 2011

Allein schreiben, vereint vermarkten - eine Weihnachts-Vision

Schreiben ist eine stille, kontemplative Angelegenheit. Verkaufen ist das komplette Gegenteil. Beides ist Handwerk, will angeeignet sein, beansprucht Ressourcen und setzt unabhängige Autoren unter Spannung. Wir Indies (welch treffliches Kürzel) üben uns gerade in diesem Spagat - samt aller mit dieser ungewohnten Übung verbundenen Fortschritte und Blessuren. Ich will die allgegenwärtige weihnachtliche Stimmung, positiv besetzt von Vorfreude und Erwartung, nutzen, und zu ein paar besinnlich-beschaulichen Gedanken über das eBook-Marketing verführen.

Machen wir es uns am besten etwas gemütlich, zünden eine Kerze an, schauen in das warme Licht und träumen den Autoren-Traum. Er ist so schlicht wie verzaubernd und auch die innere Flamme lodert freudig auf: Die Leser finden mein Buch, sind begeistert, wollen mehr. All die Mühen, das Ringen, der Zweifel finden sich belohnt. Wirtschaftlicher Erfolg wird - vorsichtshalber und bescheiden - nur vage in Erwägung gezogen und schwebt höchstens als wohlige Brise durch die Gedanken, wenn von den atemberaubenden Erfolgsgeschichten einzelner Autoren die Rede ist.

Doch es ist ratsam, mutig zu träumen, um Optimismus, Ausdauer und Selbstvertrauen für die Wirklichkeit zu tanken. Denn als Indie-Autor bietet man mit seinen eBooks nicht nur der etablierten Verlagslandschaft Paroli, man betritt als Einzelkämpfer einen Markt, der bereits von unzähligen Kollegen bevölkert wird, die gleichfalls um die Aufmerksamkeit der Leser buhlen. In den sozialen Netzwerken wird so ambitioniert und massiv geworben, dass die einzelnen Botschaften - so originell sie auch seien - gleichsam als Schwall die Rezipienten überschütten. Der Neuling lernt dabei schnell: Es sind selten Leser, die Notiz von einem neuen eBook nehmen. Vor allem stößt man in den Netzwerken auf Gruppen, Listen, Portale und Foren, in denen sich Autoren tummeln.

Aber das ist überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil. So lange es das Internet gibt, wird es von Autoren genutzt, um die eigenen Texte zu präsentieren und sich über Fragen des Schreibhandwerks auszutauschen. Im gegenseitigen Geben und Nehmen haben sich Autorengruppen gebildet, die teilweise seit vielen Jahren Bestand haben und in denen ein freundschaftliches und kollegiales Klima herrscht. Mit den sozialen Netzwerken ist es für Autoren viel einfacher geworden, miteinander Kontakt aufzunehmen und zu halten. Mit dem rasanten Wachstum des eBook-Marktes und der damit verbundenen Möglichkeiten für das unabhängige Publizieren sind neue Communities entstanden, in denen es vorrangig um Fragen des Marketings geht. In dieser Bereitschaft, sich auch als potentielle Wettbewerber gegenseitig zu helfen, besteht die eigentliche Bedrohung für den bisherigen Buchmarkt. Noch treten die Indie-Autoren überwiegend als Einzelkämpfer auf und bündeln allenfalls ihre Aktivitäten, doch schon sind auch Kristallisationsprozesse sichtbar, die auf eine Verschmelzung der Kräfte setzen: allein schreiben, vereint vermarkten.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich diese Entwicklung weiter beschleunigt und sich gemeinschaftliche Vermarktungsstrukturen herausbilden werden. Ich wage die Prognose, dass es stabile Autoren-Communities geben wird, die unter einem gemeinsamen thematischen Dach und mit gemeinsamen Qualitätskriterien ihre eBooks vermarkten - als Label, als Marke, als genossenschaftlich organisierter Indie-Verlag, wie auch immer. Die Positionierung am Markt und Sichtbarkeit für die Leser wird sich nur auf diese Weise nachhaltig verbessern können.

Das alles ist Zukunftsmusik und sicher gibt es viele Autoren, die in dieses Lied nicht einstimmen möchten. Vielleicht noch nicht. Die Entwicklungen sind in vollem Gange und erst langfristig wird sich erweisen, in welchem Umfang sich die Indie-Autoren auf dem eBook-Markt behaupten können. Ich denke, die Chancen werden wachsen, je besser es gelingt, die Kräfte zu vereinen - oder anders gesagt, die gebündelten Ressourcen so effektiv wie möglich einzusetzen. Es geht nicht darum, die künstlerische Unabhängigkeit oder kreative Identität zu beschneiden, sondern gemeinschaftlich den Marketing-Aufwand so zu lenken, dass auch noch ausreichend Zeit zum Schreiben bleibt. Und das eben nicht in der Form, sich mit einem Dienstleister zu verbünden - dann wären wir ja schon wieder auf den alten Wegen unterwegs - sondern durch die Entwicklung neuer Instrumente und Strukturen.

Leser finden und binden - das geht eine Weile ganz allein, bis Energie und Optimismus verpulvert sind - oder eben gemeinsam. Ich weiß, das alles steht noch ganz am Anfang und die Autoren sind erst dabei, die Möglichkeiten dafür auszuloten.

Vielleicht sehe ich auch viel zu viel, im munter flackernden Kerzenlicht. Es ist Weihnachten, die Zeit der Träume und Hoffnungen, der Besinnung und des Ausblicks, der Familie, der Geborgenheit, der Gemeinschaft ... und nun blase ich die Kerze aus und werde noch eine Weihnachtsgeschichte lesen - natürlich in einem eBook.

Lutz Schafstädt

'Der Reeder' von Brigitte Tholen

Ein Ostfriesland-Krimi. Morde in einer Reeder-Familie führen auf die Spur eines schmutzigen Geheimnisses.

Die Familie der Reederei Römer ist schockiert. Zuerst sorgt Tochter Stefanie für einen Skandal, dann wird der älteste Sohn und Erbe auf grausame Weise umgebracht.
Kommissar Rau und seine Assistentin tappen im Dunkeln.

Als auch noch ein zweites Mitglied der Familie tot aufgefunden wird, kommt der Kommissar nach und nach einem schmutzigen Geheimnis auf die Spur.

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Leseprobe:
Die Sonne schien durch die Buntglasfenster der Eingangshalle und legte ein Farbennetz auf die alten, mit Blätterwerk verschnörkelten Kommoden und den Terrazzoboden.
Tobias blieb einen Augenblick stehen, um sich für das Gespräch mit seinem Bruder und dem Vater zu wappnen.
Die massive Doppeltür zum Wohnzimmer war nur angelehnt, und als er den Raum betrat, umgab ein bedrohliches Schweigen die beiden Männer, die auf ihn warteten.
Er musterte das wütende Gesicht seines Vaters und warf einen kurzen Blick auf seinen älteren Bruder Harald, der mit trommelnden Fingern seine Knie malträtierte.
"Was gibt's?" Gereizt ließ er sich in einen der braunen Ledersessel fallen. "Was hat sie wieder angestellt?"
"Festgenommen wurde sie!", schimpfte der alte Römer. "Wegen Ruhestörung und Besitz von Rauschgift. Eine Römer!" "Verdammt!" Thomas biss sich auf die Unterlippe.
Harald nickte heftig.
"Sie ist verrückt. Seit Jahren zieht sie unseren Namen in den Dreck. Und es ist ihr scheißegal." Seine Stirn krauste sich unwillig. "Man sollte Stefanie endlich beibringen, ihren Verstand zu benutzen."
Sekundenlang war es still im Raum, dann klatschte der alte Römer mit seinen Handflächen auf die Sessellehnen. "Schluss! Aus! ... Das Maß ist voll. Gestorben ist sie für mich. Wagt es nicht sie hinter meinem Rücken in dieses Haus zu lassen. Ich will sie hier nicht mehr sehen. "
Mit einem Blick auf Harald grollte er: "Mit dir rede ich morgen. Deine Eskapaden müssen auch ein Ende haben. Bin ich hier in einem Narrenhaus?"
Schwerfällig wuchtete sich der Vater aus dem Sessel und schwankte zur Tür. Sein graues Haar hing ihm wirr ins Gesicht. Die wulstigen Lider ließen nur noch Schlitze seiner Augen erkennen. Ohne ein weiteres Wort verließ er den Raum.
Tobias seufzte. "Wann wird sie bloß vernünftig?" " Drogen? Alles Mögliche, aber Drogen … das glaube ich einfach nicht. " Mit einem raschen Blick versicherte er sich, dass der alte Mann die Tür geschlossen hatte. "Ich finde, Vater reagiert zu extrem. Der Ruhestand bekommt ihm nicht."
"Hör auf!" Harald drehte ihm langsam sein Gesicht zu. Du weißt so gut wie ich, dass sie total abgesackt ist." Seine Stimme wurde lauter. "Vor drei Wochen hat sie im "LeMonde" einen Strip hingelegt. Mein Disponent hat es mir erzählt. Das passt. Drogen und ..."
Tobias hob abwehrend die Hand und wollte etwas sagen, doch Harald ließ sich nicht unterbrechen: "Sie tut alles, um uns gesellschaftlich zu ruinieren. Vater hat Recht. Was zu viel ist, ist zu viel."
Als rede er von einer ansteckenden Krankheit, fuhr er fort: "Es ist besser, wenn sie nicht mehr kommt. Vor allen Dingen Diana will ich diesen Umgang nicht zumuten."
"Red nicht so einen Unsinn. Deine Frau ist tolerant und hat ihr Herz am rechten Platz. Außerdem scheint bei dir auch einiges im Argen zu liegen. Wäre der Alte sonst so zornig auf dich?"
Harald sprang auf. Er hatte die kleine Statur des Vaters ebenso wie dessen Korpulenz.
Seine rechte Hand, die sich zur Faust geballt hatte, schoss vor und machte kurz vor Tobias Nase Halt. Er keuchte, das Gesicht hochrot angelaufen.
"Na, schlag doch zu! Komm schon!", forderte Tobias ihn auf und schlug lässig ein Bein über das andere.
"Vielleicht wirst du dann ein wenig lockerer. Du kannst von Stefanie sagen, was du willst, aber dein Leben möchte ich auch nicht führen. Weißt du eigentlich, wie man eine Frau glücklich macht? Diana jedenfalls sieht nicht danach aus."
Haralds Gesicht verzerrte sich. "Ich warne dich", sagte er und packte Tobias Arm.
"Wovor?"
Unwillig schüttelte Tobias die Hand ab, strich sorgsam mit seinen schmalen Fingern den Anzug wieder glatt. In aller Ruhe erhob er sich.
Als die Brüder sich gegenüber standen, konnte man erkennen, wie unterschiedlich sie auch im Aussehen waren. Tobias war größer, hatte einen schlanken, durchtrainierten Körper. Das kurz-geschorene, dunkle Haar ließ sein Gesicht ein wenig eckig und hart erscheinen. Genau wie seine Schwester Stefanie hatte er die großen grau-grünen Augen der Mutter. Die vollen Lippen waren jetzt ärgerlich zusammengepresst.

Im Kindle-Shop: Der Reeder

Mehr über und von Brigitte Tholen auf ihrer Website.

'Rock'n Roll' von Elsa Rieger

Eine Erzählung in 18 Kapiteln. Ein Mann findet sich selbst. Was er damit anfängt? Zunächst die Freiheit genießen.

Der Computerfachmann Paul hat scheinbar alles erreicht, was für ein glückliches Leben nötig ist - doch fühlt er sich wie in einem goldenen Käfig gefangen. In der Ehe und im Beruf entstehen Probleme, vor denen er nach London ausweicht, wo er sich auf sich selbst besinnt und der Rock'n'Roll sein Leben umkrempelt.




"Rock'n'Roll" im Kindle-Shop

15. Dezember 2011

'Gefährliche Intrigen' von Emily Bold

Ein historischer Liebesroman im England des frühen 18. Jahrhunderts - voller Gefühl, Leidenschaft und Spannung. Lesermeinung: "Die Liebesgeschichte hat mich zu Tränen gerührt. Sie ist eine der schönsten, die ich je gelesen habe."

England im Jahr 1729: Logan Torrington findet mitten im Wald die junge, verwundete Emma Pears, die auf der Reise zu ihrem Onkel hinterhältig überfallen wurde. Nach einer leidenschaftlichen Liebesnacht bringt Logan die außergewöhnliche Frau in Sicherheit.

Bald jedoch muss er entdecken, dass seine "Elfe", wie er Emma fortan liebevoll nennt, nicht nur sein Herz gefangen hat, sondern immer noch in allergrößter Gefahr schwebt ...

Im Kindle-Shop: Gefährliche Intrigen

14. Dezember 2011

"24. Dezember" von Eva Markert

Nicht nur Kinder mögen Weihnachtsgeschichten. Mütter und Großmütter lassen sich ebenfalls gern in Weihnachtsstimmung versetzen. In diesen heiteren bis bittersüßen Geschichten wird das Fest voll Freude begangen oder aber boykottiert, es wird gebacken, eingekauft, geschmückt, geschenkt, gestritten – und hin und wieder auch mal geweint. Eins haben die Texte jedoch gemeinsam: Sie machen Lust auf Weihnachten.

Aus einer Lesermeinung bei Amazon: "Diese Geschichten für Mütter und Großmütter sind meines Erachtens durchaus für Jedermann (außer für Kinder und Weihnachtsmuffel) geeignet. Sie sind einfach herzerwärmend und schön! Weihnachten wird 'zufrieden boykottiert' oder voll Freude begangen, es wird gebacken, gezankt, 'hinter sich gebracht', eingekauft, geschmückt, beschenkt und, und, und ... Die Geschichten brachten mich zum Lächeln, zum Tränchen wegblinzeln und manchmal auch zum Nachdenken. Vor allem aber machten sie mir Lust auf Weihnachten."

Gleich lesen: 24. Dezember, Weihnachtsgeschichten für Mütter und Großmütter

"Weihnachtsmann im Weihnachtsstress" von Annette Paul

24 amüsante Kurzgeschichten, in denen der Weihnachtsmann mit den Tücken des modernen Alltags kämpft.

Auch der Weihnachtsmann leidet heute in der Adventszeit unter Stress. Als alter Mann kämpft er mit gesundheitlichen Problemen, der modernen Technik und seinen Mitarbeitern.

Ob er sich nun über ein Callcenter ärgert, das Navigationsgerät falsch programmiert ist oder die Bahn liegenbleibt, früher war Weihnachten einfach besinnlicher.


"Weihnachtsmann im Weihnachtsstress" im Kindle-Shop

13. Dezember 2011

'Drachen Fliegen - Ein fast realistisches Märchen' von Matthias Czarnetzki

Ferris ist ein Prinz alter Schule: um seine Prinzessin zu beeindrucken, muss er für sie einen Drachen töten. Das wird schwierig, denn es gibt nur noch ein einziges Exemplar.

Mariam ist eine moderne Prinzessin: emanzipiert, karrierebewusst und im Tierschutz engagiert. Wozu besonders der Schutz von Drachen gehört, von denen es nur noch ein einziges Exemplar gibt.

Bedauerlicherweise halten ihre Eltern die Beiden für das ideale zukünftige Regentenpaar.

Gleich lesen: > > > Auf dem Kindle




Leseprobe:
Knackende Äste kündigten einen Besucher an. Gelegentliche Flüche deuteten darauf hin, dass der Mann nicht ganz so problemlos vorankam, wie er es gehofft hatte. Besonders niedrige Äste hatten ihm in den letzten Tagen oft Kopfschmerzen bereitet. Er war sichtlich froh darüber, endlich aus dem dichten Unterholz herauszukommen, als er die Lichtung betrat.
In den Forschungsberichten seiner Kollegen hatte er immer nur von großartigen Entdeckungen gelesen, aber nie davon, wie viel Natur einem dabei in die Quere kam. Und was einem nachts in die Hosenbeine krabbelt.
Leider gehörte nichts davon zu einer neuen Spezies, die er nach Möglichkeit entdecken wollte. Diese Lichtung schien ebenfalls nichts Außergewöhnliches zu bieten. Er sah sich um. Am gegenüberliegenden Ende des Platzes war eine Höhle. Der Mann nahm seine Brille ab, putzte sie, setzte sie wieder auf und sah noch einmal hin. Es nützte nichts. Etwas schaute zurück.
Nachdem sich der Forscher von seinem Schreck erholt hatte, trat er näher heran, um seine Entdeckung zu begutachten.
"Das gibt es nicht!" murmelte er fassungslos.
"Was?" fragte das Wesen zurück.
"Deine Spezies ist schon längst ausgestorben!" Das Wesen dachte kurz nach.
"Da bin ich anderer Meinung", sagte es schließlich.
Der Wissenschaftler verbrachte den Nachmittag damit, seine Entdeckung zu vermessen, kategorisieren und einen klangvollen Namen dafür zu finden. Schließlich kritzelte er etwas auf eine Pappscheibe und gab sie dem Wesen. "Falls jemand kommt, zeig ihm das hier. Da steht, dass ich dich entdeckt habe."
"Und das ich der letzte meiner Art bin."
"Ja, genau. Lass dich nicht umbringen. Das wäre ein enormer Verlust für die Wissenschaft!"
"Und für mich."
Leider gelang es dem Mann nicht, wieder in die Zivilisation zurückzukehren und seine Entdeckung der Menschheit mitzuteilen. Akademiker haben in freier Wildbahn nur sehr geringe Überlebenschancen - dieser starb an einer Tetanusinfektion, nachdem er sich an den Überresten einer in der Nähe der Lichtung liegenden, halb verrosteten Ritterrüstung verletzt hatte.
Was wieder einmal die Wichtigkeit von Vorsorgeimpfungen beweist.

Im Kindle-Shop: Drachen Fliegen - Ein fast realistisches Märchen (Neuausgabe)

Mehr über und von Matthias Czarnetzki auf seiner Website.

'Der Drache und die Prinzessin' von Caterina Nikolaus

Eine phantastische Erzählung, die 2010 im Rahmen des "Young Writers Program" des nanowrimo entstanden ist.

Die Geschichte ist in der einfachen Sprache von Kindern geschrieben und gut für Erstleser geeignet. Aus dem Italienischen übersetzt und herausgegeben von Annemarie Nikolaus.

Eine Prinzessin hat Angst vor einem Drachen, der in ihrem Reich aufgetaucht ist. Darum schickt sie ihre Soldaten und Ritter gegen ihn ins Feld. Elfen versuchen vergeblich, ihm zu helfen. Nun hat auch der Drache Angst und sieht sich gezwungen, zum Feind der Prinzessin zu fliehen.

Wird er sich damit retten können?

"Der Drache und die Prinzessin" im Kindle-Shop

12. Dezember 2011

'Im Leben' von Marion Pletzer

Zehn Kurzgeschichten mitten aus dem Leben - mit einem Mord aus Verzweiflung, einer Reinkarnation und Personal, das sich selbstständig macht. So facettenreich wie im Leben selbst.

In den Geschichten wird erzählt, in welche Situationen Menschen geraten können und wie sie ihren Lebensweg verändern.

Da gibt es die totkranke Frau, die mit ihrem Schicksal hadert. Und eine Frau, die an der Bushaltestelle mit einer Episode aus ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, die sie längst vergessen hatte.

Manche Geschichten sind tragisch, in anderen steckt schwarzer Humor.

"Im Leben" im Kindle-Shop

9. Dezember 2011

"Die Prinzessin mit der feinen Nase" von Tine Sprandel

Ein Märchen für alle, die den Duft und die Farben einer Blumenwiese lieben - erzählt von Tine Sprandel und illustriert von Gwen Kaase.

„Lila Kelche zierten die Türmchen, weiße Rispen prangten an den Zinnen, das Tor wurde von Ranken umhüllt. Auf der ganzen Wiesenwelt gab es kein schöneres Schloss und alle Wiesenwesen dachten, Prinzessin Penelope müsste das glücklichste Mädchen der Welt sein. Doch Penelope war unglücklich, sturzunglücklich, denn sie konnte nichts riechen. Nicht den Duft der Blüten, nicht das Flimmern der Sonnenstrahlen, nicht die kühle Brise aus der feuchten Erde. Nichts ...“

Gibt es Rettung für Penelope und ihr Königreich? Wird Wiesenwicht Viktor sie vor stinkenden, qualmenden und matschenden Kuhfladen bewahren können?

"Die Prinzessin mit der feinen Nase" im Kindle-Shop

8. Dezember 2011

'Schuld' von Brigitte Tholen

Kriminalgeschichten über die Schuld bei geplantem Mord oder als Ergebnis einer unvorhersehbaren Begebenheit. Spannende, unheimliche und rätselhafte Geschichten, die den Leser mitnehmen auf die Reise in die Psyche des Menschen.

Auf unterhaltsame Weise spüren wir die Angst einer einsamen-, die Wut einer verratenen Frau, erfahren wie besessen Liebe machen kann und was daraus entsteht.

Lesermeinung: "Die Krimis sind kurz, aber knackig und das Tollste an den Shorties ist, dass die Charaktere und Stimmung, die beim Leser aufkommt, wirklich und wahrhaftig fesseln. Tholen braucht keine langatmigen Stoff, sie schafft es auf wenigen Seiten, eine Spannung zu erzeugen, die einfach Spaß macht."

Gleich lesen: "Schuld" im Kindle-Shop

'Und innen so heiß' von Elsa Rieger

Fünf einfühlsame Erzählungen über das Altern. Lesermeinung: "Elsa Rieger hat ein sicheres Gespür für unverwechselbare Charaktere und besondere Momente. Es gelingt ihr, mit wenigen Details ihre Figuren für den Leser lebendig werden zu lassen."

Altwerden ist nicht die leichteste Übung im Leben, manch einer verfällt in Traurigkeit, wartet nur noch auf den erlösenden Tod. Andere wiederum suchen und finden einen neuen Lebenssinn, manchmal sogar erst jetzt die Liebe.

Und so vielschichtig und individuell, wie das Leben nun einmal ist, sind die Begebenheiten und Menschen, von denen Elsa Rieger erzählt.



"Und innen so heiß" im Kindle-Shop

7. Dezember 2011

'Renntag in Kruschar' - Fantasy-Anthologie

Drei Fantasy-Geschichten, geschrieben von drei Autoren: Katja Obring, Utz-R. Kaufmann und Annemarie Nikolaus, illustriert von Sophia Konitzky. Die Wege ihrer drei Helden kreuzen sich beim Renntag in Kruschar.

Eine Hand voll gestohlener Pferde bringt sie zusammen und macht sie zu Gegnern des adligen Ratsherrn Margoro: Nanja, die Piratin, der ihre wertvolle Beute zur Bedrohung wird. Der junge Schamane Jaguar, der im Kanu einer ungewissen Zukunft entgegen paddelt.

Sondria, die magisch begabte Heilerin, und die Rebellen von Dhaomond - beim Renntag in Kruschar kreuzen sich ihre Wege. Die Dracheninsel hat eine besondere Eigenart: Es gibt dort keine großen Huftiere. Stattdessen werden die heimischen Drachen als Reit- und Zugtiere genutzt. Ein adliger Ratsherr will den Bewohnern von Kruschar mit Pferden vom "Kontinent" ein besonderes Schauspiel bieten.

"Renntag in Kruschar" im Kindle-Shop

5. Dezember 2011

'Der Stalker' von Eva Markert

Für Lea Sonnenfeld aus der 9 a ist nichts mehr so, wie es einmal war. Offensichtlich hat es jemand auf sie abgesehen: Sie erhält anonyme Botschaften und wird Opfer übler Streiche. Lea zerbricht sich den Kopf. Wer könnte einen Grund haben, ihr so etwas anzutun? Und welche Rolle spielt dabei Marc, der Halbfranzose, in den sie unglücklich verliebt ist? Sie würde vollends verzweifeln, wenn sie Steffen Bonnig nicht hätte, mit dem sie schon ihr Leben lang befreundet ist und der ihr immer zur Seite steht.

Lea wünscht sich sehnlich, dass der Terror endlich aufhört. Und dass sie erfährt, wie es sich anfühlt, glücklich verliebt zu sein.

Gleich lesen: > > > Auf dem Kindle



Leseprobe:
Lea Sonnenfeld warf einen Blick aus dem Fenster. Draußen war es trübe und ungemütlich. Trotzdem hockte Steffen Bonnig auf dem Mäuerchen, das die Gärten voneinander trennte. Dort saß er in letzter Zeit häufig, als ob er auf etwas warten würde.
Sie schaute auf die Uhr. Ihre Freundin Nele kam erst in einer Viertelstunde. Sie beschloss, kurz hinauszugehen, um ein paar Worte mit Steffen zu wechseln.
Sie kannte ihn schon seit ewigen Zeiten. Eigentlich von ihrem ersten Lebenstag an. Steffen war einen Tag älter als sie. Sie wurden im selben Krankenhaus geboren, ihre Mütter hatten sogar in einem Zimmer gelegen. Steffen und sie waren gemeinsam in den Kindergarten gegangen, in die Grundschule, nun saßen sie nebeneinander in der Klasse 9 a des Paulus-Gymnasiums. Und sie hatten von Anfang an nebeneinander gewohnt.
„Hi, Steffen!“, rief sie, als sie durch die Terrassentür trat.
Steffen fuhr zusammen, dann lächelte er. „Hi, Lea.“
Wie oft saßen sie zusammen auf diesem Mäuerchen und quatschten über Gott und die Welt! Sie vertrauten sich ihre Freuden, Sorgen, ihre Hoffnungen an und trösteten sich gegenseitig, zum Beispiel, als Steffens Eltern sich getrennt hatten oder als ihr Opa gestorben war. Steffen wusste mehr über sie als Nele. Nein, nicht mehr. Andere Dinge. Er war wie ein Bruder für sie. Das war schön, denn Lea hatte keine Geschwister. Steffen auch nicht.
„Was machst du heute?“, fragte er.
„Ich warte auf Nele. Wir wollen in die Stadt gehen.“
„Ich komm mit.“ Steffen machte Anstalten aufzustehen.
„Halt, warte.“ Lea legte ihm die Hand auf den Arm, um ihn zurückzuhalten. „Das ist keine gute Idee.“
Steffen saß ganz still.
„Nele will Klamotten kaufen“, fuhr Lea fort. „Das wäre zu langweilig für dich, wenn sie endlos Sachen anprobiert.“ Sie zog ihre Hand zurück.
„Das macht mir nichts aus. Währenddessen können wir uns ja unterhalten.“
„Nee, du, ich muss Nele beraten. Sie wäre bestimmt sauer, wenn du mitkämst.“
Steffen runzelte die Stirn.
„Sie hat nichts gegen dich“, fügte Lea hastig hinzu. „Aber deine Kumpels wären auch wenig begeistert, wenn ihr zusammen losziehen wolltet und plötzlich würde ich auftauchen.“
Ehe er antworten konnte, stand sie auf. „Ich muss los.“
„Vielleicht können wir morgen Nachmittag schwimmen gehen.“
„Vielleicht. Tschüss, Steffen.“
„Kommst du heute Abend aufs Mäuerchen?“
„Mal sehen. Mach’s gut.“
Bevor Lea ins Haus ging, drehte sie sich um und winkte ihm zu. Steffen starrte vor sich hin. Er war so in Gedanken versunken, dass er es nicht bemerkte.
„Der ist in letzter Zeit irgendwie komisch“, dachte sie. „Woran liegt das bloß?“
Als Nele kam, vergaß sie Steffen. Es gab dringendere Dinge zu besprechen: Carolins Geburtstagsfete am Samstag zum Beispiel. Was Lea anziehen würde, war sonnenklar: ihre neue schwarze Hose, dazu das rosaglitzernde langärmlige Shirt mit dem V-Ausschnitt.
Nele war mit dieser Wahl sehr einverstanden. Was sie selbst anziehen würde, stand noch nicht fest. Das mussten sie erst mit vereinten Kräften herausfinden.

Im Kindle-Shop: Der Stalker



'Warm und trocken' von Annette Paul

Elf unterhaltsame Kurzgeschichten über zwischenmenschliche Probleme - mitten aus dem Alltag gegriffen und humorvoll bis hintergründig erzählt.

Regine, Mutter von vier Kindern trifft die Geliebte ihres Mannes. Inka und Volker ängstigen sich vor Einbrechern. Maike lernt einen Mann mit ähnlichen Interessen kennen. Lesermeinung: "Eltern und Kinder finden in dem Buch genauso einen Platz, wie Nachbarschaftsgeschichten. Besonders gefallen haben mir 'Familienübergabe' und 'Der Nachbar'."

Gleich lesen: Warm und trocken und andere Geschichten



Leseprobe:
„Papa, bitte, gib mir das Geld", bettelte Swantje.
„Du erhältst doch genug Taschengeld", lehnte Marc ab. Swantje war im Moment wirklich eine Plage. So sehr Marc seine Tochter liebte, freute er sich doch, wenn sie bei ihren Freunden war und nicht daheim nervte. Was war aus seinem kleinen, anschmiegsamen Kind bloß geworden?
„Alle gehen zu dem Konzert, nur ich kann nicht hingehen", quengelte sie.
„Wir haben es nicht verboten", verteidigte sich Marc.
„Ohne Geld kann ich da nicht hin."
„Das ist dein Problem."
„Bitte, Papa, bitte."
Marc seufzte. „Aber höchstens als Kredit."
Swantje versprach, es im nächsten Monat zurückzuzahlen, und zog mit fünfzig Euro davon.
Wann wurde sie endlich erwachsen? Marc fühlte sich schuldig. Solange er nie standhaft blieb und ihr alles abnahm, konnte sie gar nicht vernünftig werden. Er sollte sie einfach einmal auflaufen lassen.
Ein paar Tage später überholte Marc auf dem Nachhauseweg seine Tochter. Swantje lief mit einem vollen Einkaufskorb die Straße hinunter. Marc hupte, hielt und öffnete das Seitenfenster. Swantje trat an das Auto heran und setzte den Korb ab.
„Steig ein. Habt ihr etwas vergessen? Warum erledigt Mama das nicht mit dem Auto?", fragte er.
„Das ist für Frau Lahse. Die hat sich das Bein gebrochen", erklärte Swantje.
„Bezahlt sie wenigstens gut?", fragte Marc.
Swantje funkelte ihn böse an. „Das ist Nachbarschaftshilfe", fauchte sie und lief weiter.
"Warm und trocken" im Kindle-Shop

Mehr über und von Annette Paul auf ihrer Website.



'Die Euch verfolgen' von Barbara Strohmenger

Ein Familienroman, mit dem die Autorin an ihren Roman "Briefe aus Kensington" anschließt. Nach dem Tod eines Onkels erben die Geschwister Haik und Ani ein Vermögen. Noch bevor sie sich daran gewöhnen und sich über die Verwendung Gedanken machen können, melden sich alte und neue Bekannte, die ein Stück vom Kuchen bekommen wollen. Haik wird außerdem von einem Freund um Hilfe für dessen schwerkranken Neffen gebeten. Er sagt zu, doch ein Foto des Jungen ruft Erinnerungen wach, die er eigentlich vergessen wollte ...

Gleich lesen: Die Euch verfolgen: Roman





Leseprobe:
Sonja goss sich noch eine Tasse Tee ein und sah gedankenverloren durch die Glastür des Esszimmers in den kleinen Garten hinaus. Es war ein diesiger Aprilmorgen und der Nebel hing über dem Rasen, den Haik unbedingt am Wochenende würde mähen müssen, denn die Feuchtigkeit vermischt mit zunehmender Wärme an den Tagen ließen die Natur förmlich explodieren und den Rasen sprießen. Sonja hätte ihn eigentlich auch selbst mähen können, aber ihr Mann bestand darauf, dass das seine Aufgabe sei. Genau genommen musste sie ihm insofern recht geben, als es natürlich gut war, wenn er sich von seiner Bürotätigkeit in der Woche am Samstag mit Arbeit im Freien erholte.
Sonja hatte ihre Arbeit, die ebenfalls fast ausschließlich im Büro stattgefunden hatte, aufgegeben, als im Februar ihre Tochter Siranush das Licht der Welt erblickt hatte. Leicht war ihr das nicht gefallen und sie hatte lange überlegt, ob sie es tun sollte. Von ihrem Gehalt hätte sie sich ohne Weiteres eine Tagesmutter für ihr Kind leisten können, so dass sie nicht gezwungen gewesen wäre, es in eine Einrichtung zu geben. Ihre Kollegen Caroline und Eric hatten eine gute Tagesmutter für ihren gemeinsamen Sohn Dylan, der sechs Monate vor Siranush geboren worden war, und das Arrangement funktionierte glänzend. Sonja war jedoch aufgefallen, dass es vor allem die Tagesmutter war, die die Fortschritte des Kleinen begleitete. Sie war immer die Erste, die mitbekam, wenn er etwas Neues konnte. Nur wenn so etwas zufällig am Wochenende passierte, waren es die Eltern, die ihn bei seinen neu gewonnen Fähigkeiten unterstützen konnten. Es war Sonja bald klar geworden, dass sie das so eigentlich nicht wollte, und dass sie sich deswegen würde entscheiden müssen. Eric und Caroline schienen zufrieden zu sein, so wie es war, aber sie spürte genau, dass dies bei ihr nicht der Fall sein würde. Sie wollte ihr Kind wirklich aufwachsen sehen. Also hatte sie gekündigt und zwei Monate vor Siranushs Geburt aufgehört zu arbeiten. Zu dem Zeitpunkt drehten sich ihre Gedanken schon so sehr um ihr Kind und sie fühlte sich bereits ungewohnt schwerfällig, so dass es ihr, als es soweit war, bei weitem nicht mehr so schwer fiel, ihre Arbeitsstelle aufzugeben, wie zum Zeitpunkt der Entscheidung. Sie war froh, dass sie zuhause bleiben und sich mit der Hilfe ihrer dreifach erfahrenen Schwägerin und Nachbarin Ani auf das Abenteuer des ersten Kindes vorbereiten konnte.
Natürlich war es eine Umstellung gewesen, aber sie hatte nicht das Gefühl, dass ihr Leben jetzt schlechter war als vorher. Was sie und Haik beide gespürt hatten, war das Fehlen ihres Gehalts, aber letztlich bekam er für seine Arbeit bei der Londoner Dependance einer amerikanisch-armenischen Stiftung immer noch genug, um davon leben zu können. Das Leben in der Hauptstadt war einerseits zwar relativ teuer, auf der anderen Seite musste man jedoch zum Beispiel nicht unbedingt ein Auto besitzen. Daher hatten sie bisher auch darauf verzichtet, denn sowohl in die Innenstadt als auch ins Grüne kam man hier ganz leicht und zu fast jeder Tages- und Nachtzeit auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Häufig ging dies sogar schneller, und in die City kam man mit dem Auto ohnehin nur noch mit einer Sondergenehmigung.
Siranush riss sie aus ihren Gedanken. Die Kleine lag in einem weißen Stubenwagen mit rosafarbenem Verdeck, der ein Geschenk von Sonjas Eltern zur Geburt gewesen war und der in einer Ecke im Esszimmer stand. Sonja stand auf und warf einen Blick in den Wagen. Sie sah jedoch sofort, dass kein Anlass zum Handeln bestand. Siranush träumte nur und gab daher leise Geräusche von sich und fuchtelte mit den Ärmchen. Ihre Mutter fragte sich, was in dem kleinen Köpfchen wohl vorgehen mochte. Als die Kleine sich wieder beruhigt hatte wandte Sonja sich ab und machte sich an die tägliche Haushaltsroutine.
Jetzt, nach insgesamt vier Monaten zuhause, war ihr das Ganze so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie anfing, sich zu langweilen. Die Beschäftigung mit Siranush machte ihr Freude, aber ein Säugling schlief nun einmal viel, und Sonja sehnte sich nach ein wenig Kopfarbeit. Haik brachte ihr manchmal Texte aus dem Büro mit nach Hause, die sie überprüfen konnte. Mit dieser Arbeit konnte sie auch einen kleinen Beitrag zur Haushaltskasse leisten, aber darum ging es ihr nicht in erster Linie. Ihr Kopf wollte beschäftigt werden. Sie hatte in der Marketingabteilung einer Firma gearbeitet und war daher abwechslungsreiche und auch kreative Tätigkeiten gewohnt. Etwas Ähnliches hätte sie gerne wieder gemacht, allerdings ohne Siranush dafür verlassen zu müssen. Zumindest solange sie sie stillte kam eine Arbeitsstelle außer Haus für sie nicht in Frage. Was danach sein würde, darüber dachte sie noch nicht nach. Es würde sich ergeben.
Es war Zeit zum Einkaufen. Sie legte Siranush in den Kinderwagen, den sie von Anis drei Kindern übernommen hatte, und machte sich auf den Weg. Es war eines jener leichten Gefährte, mit denen man zur Not auch die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt problemlos nutzen konnte.
Die nächste Einkaufsstraße war die Northfield Avenue. Dort gab es einige kleinere Lebensmittelläden. Sonja kaufte gerne dort ein. Nur ein- bis zweimal im Monat machte sie zusammen mit Ani und deren Auto einen Großeinkauf in einem Supermarkt, während die beiden Ehemänner auf die Kinder aufpassten. Wahlweise war ihre Einkaufspartnerin auch ihre Freundin und frühere Kollegin Melanie, die mit ihrem Mann allerdings im Norden Londons wohnte und daher für ein Treffen erst immer einige Kilometer mit dem Auto zurücklegen musste.


"Die Euch verfolgen" im Kindle-Shop



2. Dezember 2011

Sind billige eBooks Ramsch?

Für unabhängige Autoren ist es eine knifflige Frage, mit welchem Preis sie ihre eBooks versehen. Einerseits wollen sie es ihren Lesern leicht machen, ihre Arbeiten kennen zu lernen, andererseits spüren sie die Gefahr, über den Preis ein negativ besetztes Qualitätssignal zu geben. Hält der Leser für weniger professionell, was wenig kostet?

Diese Gedanken sind begründet, denn noch orientieren sich Leser instinktiv am gewohnten Preisniveau des Buchhandels. Billige Bücher kennen sie nur vom Wühltisch mit den als Mängelexemplar gekennzeichneten Ladenhütern. Und die Verlage, die ihre Titel auch als eBook herausgeben, versuchen überwiegend, preislich möglichst nah an der Printausgabe zu bleiben. Genau genommen sind diese Preise nicht gerechtfertigt, müssten doch die Kosten für Druck, Logistik und Distribution bei der Kalkulation von eBooks eigentlich herausgerechnet werden.

Mit den wachsenden Möglichkeiten für Autoren, ihre Werke selbst digital zu publizieren, ist ein neues Marktsegment entstanden, auf das sich Leser erst langsam einstellen. Es ist für sie eine neue Situation, dass unabhängige Autoren alle Fäden selbst in die Hand nehmen und ihre Bücher vermarkten. Etwas gesunde Skepsis ist dabei nur verständlich. Und um die Überwindung genau dieser Hürde geht es, wenn Autoren ihre Texte für ein Trinkgeld oder kostenlos anbieten. Sie wollen Leser finden, sich vorstellen, ihre Arbeit präsentieren. An Gewinn ist dabei zunächst nicht zu denken, der könnte höchstens als Ziel in weiter Ferne winken, wenn ein Autor eine große Zahl von Lesern überzeugt und an sich bindet.

Eine neue Perspektive ist nötig: Auf dem Markt der eBooks wimmelt es von Einladungen zu Lese-Erlebnissen, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. Für ein paar Cent gibt es Entdeckungsreisen, die ganz nah an die Autoren führen, oft bis in ihre Schreibwerkstatt hinein. Wer die Instrumente des Internet nicht scheut, kann Feedback geben, Kontakt aufnehmen, weiteren Autoren begegnen - lebendiger und persönlicher geht es kaum. Leser, die sich auf dieses Abenteuer einlassen, werden schnell die Favoriten ihres Lieblingsgenres ausfindig machen und nicht mehr missen wollen.

Natürlich wird es auch Fehlgriffe geben. Wo gibt es sie nicht? Die Geschmäcker sind verschieden. Auch zwischen Buchdeckeln im Bestseller-Regal lauert vieles, was man persönlich als ärgerlichen, unerträglichen, langweiligen Fehlkauf abhaken muss. Doch bei eBooks geht da noch was: Hat der Fehlerteufel zugeschlagen, rutschen Formate durcheinander, holpert da etwas in der Handlung - der Leser kann eine gute Geschichte retten helfen, indem er den Autor darauf hinweist. Denn auch die Autoren lernen gerade, alle Arbeitsphasen vom Lektorat bis zum Layout selbst zu bestreiten. Wenig später kann dann garantiert eine überarbeitete Fassung auf den Reader geladen werden - und der Leser darf sich als Teil des Buches fühlen. Man stelle sich dies einmal bei einem gedruckten Buch vor.

Also keine Scheu vor eBooks für kleines Geld. Sie sind das Ticket in eine neue Lesewelt.

Lutz Schafstädt


'Lutetia Stubbs: KellerLeichen' von Matthias Czarnetzki

Ein ironisch-skurriler Krimi aus der schottischen Provinz. Lesermeinung: "Wie in einem Slapstick ist das Tempo hoch. Es geht Schlag auf Schlag."

Es ist kein Zeichen von geistiger Gesundheit, wenn man sich an eine kranke Gesellschaft anpasst. Die Ganoven Wilbur und Murdok McDuff haben es geschafft: seit der eine Bürgermeister und der andere Polizeichef von Borough geworden sind, laufen die Geschäfte besser als je zuvor. Schließlich hat es Vorteile, wenn jegliche Ermittlung in eine Richtung gelenkt werden kann, die weit weg von den Brüdern zeigt. Probleme gibt es erst, als die Familie Stubbs in die Burg einzieht, die bis dahin als Endlagerstätte für die erfolglose Konkurrenz der McDuffs diente – und jetzt zur letzten Ruhestätte der Neuankömmlinge werden soll.

Doch da haben sie ihre Rechnung ohne Lutetia gemacht. Die Tochter der Familie löst Probleme mit einer scharfen Beobachtungsgabe, noch schärferer Intelligenz und – falls das nicht ausreicht – einem Baseballschläger. Als sie sich mit George, dem örtlichen Totengräber, zusammentut, tauchen Leichen an Plätzen auf, an denen sie vorher gar nicht vergraben waren.

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Leseprobe:
Alte Damen sollten anständig sein. Freundlich. Nett zu Kindern. Sie sollten sich nicht aufführen wie zwei Hafenschlampen beim Revierstreit. Henry Wilson beobachtete gelassen den Streit der Swanson-Schwestern. Er kaute sein kaltes Truthahn-Sandwich, dachte an nichts Komplexeres als das Wetter und erweiterte seinen Vorrat exotischer Beleidigungen, die er pedantisch in sein bereits recht umfangreiches Notizbuch eintrug. Solange sich die Damen nur gegenseitig angifteten, brauchte er nicht einzuschreiten.
Die Swansons galten als neu Zugezogene; sie lebten erst seit dreißig Jahren in Borough. Trotzdem hatten sie sich in dieser für ländliche Verhältnisse kurzen Zeit einen festen Platz in der Gesellschaft erobert. Ihre Ankunft hatte in der gutbürgerlichen Mittelschicht der Stadt ein Erdbeben ausgelöst. Owen Henrics, damals Stadtsäufer von Borough und ein halbes Jahr später tot, hatte Wilson, der zu diesem Zeitpunkt nur auf eine stürmische, wenn auch einseitige Affäre mit Daisy Duck zurückblicken konnte, beiseite genommen und ihm die Neuigkeit zusammen mit einer Whiskeyfahne ins Gesicht gehaucht.
"Det sin Dame von Welt, Junge! Die verkehrn nich mit unsereins. Die machen's nur mit de bessere Gesellschaft." Später dachte Wilson darüber nach, welche Art Damen so in sechs Sprachen fluchen kann, dass selbst gestandene Männer die Flucht ergriffen. Wie dieser Russe, der das Haus neben den Swansons bezogen hatte und unvorbereitet in eine der Swansonschen Verbalschlachten geriet. Der Mann behauptete, Kapitän im Ruhestand zu sein. Wilson hielt das für gelogen: erstens war er kaum älter als fünfundzwanzig und zweitens sollte ein Matrose nicht rot anlaufen, bevor Inga und Barbara sich warm gekeift hatten. Zwei Wochen später gab er das frisch renovierte Haus auf und verschwand spurlos aus Borough. Bei anderer Gelegenheit brauchte Wilson länger, um die Frage der Sprache zu lösen. Die Reaktion einer Gruppe japanischer Touristen, die wohl versehentlich nach Borough geraten war, klärte es dann.
Manchmal fragte sich Wilson, auf welche Weise genau die Swansons mit den gehobenen Kreisen verkehrten. Doch obwohl sie sich seit über siebzig Jahren leidenschaftlich hassten, gingen sie nie getrennte Wege - für Wilson eines der größten Rätsel des Lebens. Die Lösung hätte ihn wirklich interessiert, aber ihm fehlten Neugier und Phantasie, um mehr als die tägliche Routine seines Jobs zu erledigen. Auf eine Art war er der perfekte Beamte.
"Meurtrière!" Wilson horchte auf. Er hatte keine Ahnung, was Meurtrière bedeutete, aber Inga rastete bei diesem Wort aus. Ohne polizeilichen Eingriff hätte sie bewiesen, dass eine Handtasche durchaus eine tödliche Waffe ist. Wilson packte die Reste seiner Mahlzeit weg und ging auf die Schwestern zu.
"Guten Tag, Ladies." Vier eisblaue Augen fixierten ihn. Er spürte die Veränderung, als er vom Polizisten zur Zielscheibe wurde.
Im selben Augenblick löste sich nicht weit entfernt in einem dunklen Raum die Hand eines Skeletts und fiel zu Boden. Ein goldener Ring löste sich vom Fingerknochen und rollte in einer langen Spirale in die entfernteste Ecke des Raumes. Der darin eingelassene Brillant hätte dabei sicher malerisch gefunkelt, aber in diesem Raum war es auf Grund des Fehlens von Türen und Fenstern stockdunkel. Außerdem war niemand anwesend, der den ganzen Vorgang beobachten konnte.
"Über diesem Drecksnest hängt ein riesiger Arsch und wartet nur..."
"Ich verbitte mir solche Worte in meiner Gegenwart!" brüllte Harold Stubbs. Marx zuckte zusammen. Er hatte seinen Erzeuger noch nie schreien hören und da sie sich die letzten siebzehn Jahre nicht sehr nahe gekommen waren, wusste er nicht, zu welchen Reaktionen der alte Herr neigte. Der Stubbsche Familiendiesel bahnte sich seinen Weg durch die schafbedeckten Hügel, die noch zu Wales gehörten und steiler wurden, je weiter sie nordwärts kamen. Die Tatsache, dass sie seit Stunden nur noch Hügel und Schafe sahen, zehrte gewaltig an Marx' Nerven.
"Hoffentlich haben die schon elektrischen Strom", murmelte er.
"Ja. Ich habe mich danach erkundigt", antwortete Harold, der den gemäßigten Tonfall seines Sohnes für ein gutes Zeichen hielt.
"Fließend Wasser?"
"Auch das."
"Das einundzwanzigste Jahrhundert?" Sogar Harolds beschränktes linguistisches Hirnzentrum erkannte gelegentlich Sarkasmus. Er versuchte, einen angemessenen väterlichen Rat für diese Situation zu finden.
"Du wirst es überleben."
"Das befürchte ich." Marx versank in tiefem Schweigen. Sein Vater sah ihn mit einem forschenden Blick an. Harold Stubbs war leidenschaftlicher Mathematiker. Er hatte es in Fachkreisen zu einigem Ansehen und einer Professur in Cambridge gebracht - mit all ihren Nachteilen. Der Nachteil bestand aus einer Horde Studenten, die sich seiner Meinung nach von einer Horde Affen nur durch den aufrechten Gang unterschied.1 Er hatte fünfzehn Jahre Vorlesungen überlebt, indem er seine Zuhörer weitgehend ignorierte. Bedauerlicherweise schien diese Taktik bei seinen eigenen Kindern zu versagen. Überdies hatte seine Frau die Unverschämtheit besessen, sich vor einem halben Jahr einfach überfahren und ihn mit seinem Nachwuchs allein zurück zu lassen. Er sah in den Rückspiegel und betrachtete seine Tochter, die während der ganzen Fahrt aus dem Fenster gesehen und nichts gesagt hatte.

Im Kindle-Shop: Lutetia Stubbs: KellerLeichen und wie man sie nicht entsorgt

Mehr über und von Matthias Czarnetzki auf seiner Website.

'Ustica' von Annemarie Nikolaus

Dieser Kurzkrimi holt sich seine Puzzle-Steine aus dem Mix von Hinweisen und Annahmen, die sich um einen Flugzeugabsturz vor über 30 Jahren ranken und an dessen Aufklärung merkwürdig vielen bemerkenswert wenig gelegen ist.

Die Journalistin Laura Schreiner steht vor einer bitteren Entscheidung. Sie hat zu viele Fragen gestellt und nun ist das Leben ihrer Kinder in Gefahr. Die ehrgeizige junge Journalistin will es nicht hinnehmen, dass eine Katastrophe anscheinend nicht aufgeklärt werden soll. Bei ihren Recherchen trifft sie jemanden, der sie davon zu überzeugen versucht, dass es einen Zusammenhang zu einem anderen ungeklärten Drama gibt. Es mögen wilde Spekulationen sein, doch ihre Kinder sind entführt worden. Wer auch immer dahinter steckt, ist mächtig und rücksichtslos.

Im Kindle-Shop: "Ustica" von Annemarie Nikolaus

1. Dezember 2011

'Die Perle auf dem Hühnerstall' von Marion Pletzer

Ein Kinderbuch mit gefiederten Helden: Die Henne Clarissa, das Perlhuhn Perle und die Pute Consuela übernehmen die Aufgabe, ihre Stallgefährten und sich selbst vor dem Schlachter zu retten und begeben sich auf eine abenteuerliche Reise. Wegen eines Erbstreites steht der Hof vor der Schließung und das Geflügel droht geschlachtet zu werden. Ein Blatt Papier, das den Tieren vor die Schnäbel fällt, scheint für die Menschen von großer Bedeutung zu sein. Das Leithuhn Clarissa vermutet darin den Schlüssel für ihre Rettung, aber niemand in der gefiederten Gemeinschaft kann die Schrift entziffern.

Ein einem fernen Ort soll es jedoch eine Taube namens Ugundi geben, die lesen kann. Also macht sich ein Trupp auf die gefährliche Reise, um die Taube zu finden, zu befreien und um Hilfe zu bitten. Um bei ihrer Mission erfolgreich zu sein, überwinden die Tiere ihre Vorurteile und Eitelkeiten und erleben mit ihren individuellen Eigenheiten, Stärken und Schwächen, viele spannende und humorvolle Episoden.

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Leseprobe:
Seltsames ging an diesem Morgen auf dem Hof vor. Nicht Valerie, sondern Hendrik hatte die Luke des Hühnerstalls geöffnet. Und was noch seltsamer war. Es gab kein Futter.
In der Nähe des Zauns, saß Clarissa geschützt unter einem Busch, und suchte die Umgebung nach Valeries vertrauter Gestalt ab. Doch nur Hendrik rannte über den Hof, verschwand im Haus und hastete gleich darauf erneut über das Grundstück. Auf der Terrasse, unmittelbar neben dem Geflügelauslauf, stapelte er Holzstühle, einen Tisch und Teppiche neben einem hohen Schrank.
„Das gibt es doch gar nicht“, murmelte er unentwegt. Er riss die Schubladen des Schranks weit auf, kramte darin herum und knallte sie wieder zu. Dann lief er zurück ins Haus. Kurz darauf fuhr ratternd und klappernd ein LKW auf den Hof. Er hielt mit einem zischenden Geräusch vor dem Möbelstapel und eine stinkende Wolke wehte zu Clarissa herüber. Der Rauch kribbelte so heftig in ihrer Nase, dass sie niesen musste. Zwei Männer stiegen aus und begutachteten die Möbel.
„Guten Morgen.“ Hendrik steckte den Kopf durch das geöffnete Fenster. „Das kann alles weg.“
Die Männer packten als erstes den Schrank und hoben ihn an. Er kippelte.
„Absetzen!“, schrie der eine. Zu spät. Der Schrank fiel vornüber und krachte auf den Boden. Es knirschte und quietschte, als das Holz zerbarst. Splitter flogen umher.
Die Männer schrieen sich an und fuchtelten mit den Armen. Ihre Gesichter waren rot angelaufen.
Wie die Hähne, dachte Clarissa.
Ein Windstoß wirbelte Späne und Holzstückchen über den Boden.
Clarissa verfolgte mit dem Blick ein Stück Papier, das vom Wind getragen aufstieg, über den Zaun segelte und direkt vor ihren Füßen landete. Kringel und Kreise bedeckten es, die aussahen, als sei ein Huhn darüber gelaufen. Clarissa stellte eine Kralle darauf.
Mit finsteren Mienen sammelten die Männer die sperrigen Einzelteile zusammen und warfen sie auf die Ladefläche des Wagens. Dann fuhren sie davon. Mit dem Verklingen des Motorengeräusches kehrte die Ruhe auf den Hof zurück. Noch glitzerte Morgentau auf der Wiese und die Feuchtigkeit wellte das Papier unter Clarissas Krallen. Neugierig kam Flo angelaufen. Mit der Hoffnung auf einen Leckerbissen, pickte sie hektisch an dem Zettel herum. Sie zupfte ein Stück ab und schluckte es herunter. Dann reckte sie den Hals und würgte, weil das Papier in ihrem Hals steckte. Doch der Fetzen kam nicht mehr zum Vorschein.
„Du wirst dich nochmal umbringen“, sagte Clarissa und schüttelte den Kopf.
„Ich hab Hunger!“
„Du hast immer Hunger. Guck doch wenigstens, was du frisst. Der Zettel gehört mir.“ Clarissa hackte Flo zur Seite. Sie nahm das Papier in den Schnabel und trug es zum Stall. Dort schob sie es unter das Stroh ihres Legenestes, so dass es nicht zu sehen war. Die anderen Hennen beachteten sie nicht. Zu eifrig waren sie damit beschäftigt, am Boden nach übriggebliebenen Körnern vom Vortag zu picken.
„Wo bleibt denn Valerie?“, krächzte Perle von der Sitzstange herunter. „Wann kapieren die Menschen, dass wir nur das zum Leben haben, was sie uns geben?“ Ihre breiten Kehllappen wackelten unwillig. Clarissa kam es vor, als wäre Perles grauweiße Gesichtshaut noch eine Spur bleicher als sonst.
„Sei nicht ungerecht. Valerie hat uns noch nie vergessen“, erwiderte sie. Der beruhigende Tonfall in ihrer Stimme galt nicht nur Perle, sondern besonders ihr selbst. In ihrem ganzen Leben gab es keinen Tag, an dem Valerie sich nicht um sie alle gekümmert hatte.
„Gib doch mal den Warnruf ab. Dann kommt sie auf jeden Fall“, bat Clarissa.
Sofort hüpfte Perle nach draußen und flatterte auf das Dach des Stalls. Ihre Krallen schabten über das Blech wie Kreide auf einer Schiefertafel.

Im Kindle-Shop: Die Perle auf dem Hühnerstall

Mehr über und von Marion Pletzer auf ihrer Website.



30. November 2011

'Die Kaliberkipper' von Tine Sprandel

Ein Jugendroman voller Abenteuer in einem fantastischen Wald. Leser meinen: Mit viel Spannung, Fantasie, Humor und für jedes Alter geschrieben.

Kaliberkipper sind Monster. Kaliberkipper sind gefährlich und schlau. Sie toben durch den verwunschenen Wald der einsamen Stimmen und verwüsten ihn. Kiki, Simona und Dirk wurden gerufen, den Wald vor diesen Monstern mit überdimensionalen Kräften zu retten. Doch sie erfahren nicht einmal wer der Chef im Wald ist: Fusulus, das Fuchsmännchen oder NockNock, der Buntspecht mit den Morsezeichen oder wer? Der Wald der einsamen Stimmen ist für die Kinder verwirrend, paradiesisch und gefährlich – alles in einem. Und genau deswegen wollen sie ihn retten.

Einsamkeit führt die zwölfjährige Kiki an den Ort ihrer Träume: in den verwunschenen „Wald der einsamen Stimmen”. Mit ihr kommen zwei weitere Kinder an: Angeber-Dirk und die unerfahrene Simona. Doch mit überdimensionalen Kräften ausgestattete Kaliberkipper drohen alles zu zerstören. Das Fuchsmännchen Fusulus hat sich selbst zum Chef im Wald ernannt und versucht die Kinder ebenso zu verdrängen. Denn sie verstoßen gegen eine wichtige Regel: Sie bleiben nicht einsam sondern schließen Freundschaften. Doch als Kaliberkipper auch Menschenkinder verwandeln wollen, hilft Kikis Selbstversuch …

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Leseprobe:
Das Fuchsmännchen Fusulus verließ nie sein Revier. Warum auch. Um ihn herum herrschte grüne Wildnis. Wässrig grün, moosgrün, dunkelgrün und überall lindgrün. An manchen Ästen schimmerten Nadeln, an anderen große, gezackte oder glatte Blätter. Lianen gleich hingen Waldreben von den Wipfeln. Der Boden verschwand unter Beerensträuchern, riesigen Blättern des Bärenklaus, lila Blütenrispen vom Fingerhut, weißen Sternchen des Waldmeisters. Es duftete nach Wiese und morschem Holz.
Fusulus lebte fernab der lärmenden Welt. So fern, dass normale Menschen seinen Wald gar nicht betreten konnten. Für sie war vor einer haushohen, umgedrehten Wurzel Halt. Wer versuchte, die Wurzel zu durchqueren, wurde durch zahlreiche Windungen wieder zurück an seinen Ausgangspunkt gebracht – normalerweise.
Das Fuchsmännchen gehörte zu den Waldteufeln und war wie sie kaum größer als ein Meter. Er trug einen Fellmantel und statt Vorderpfoten kleine Hände. Sein silbrig grauer Fuchsschwanz leuchtete als Haarschopf. Am liebsten lebte er für sich allein – tagsüber in einem ehemaligen Dachsbau, der Fellmantel hing an einer Wurzelspitze. Nur das Rauschen des Windes, das Zirpen einiger Insekten und das Piepsen von Rotkehlchen war zu hören.
Wenn es dämmerte, schwärmten die Waldteufel aus. Fuchsmännchen, Waldkäuze, Wildkatzen, Siebenschläfer und die anderen zogen fröhlich plappernd durch den Wald, ohne sich gegenseitig zuzuhören oder gar miteinander zu plaudern. Sie schwangen an Lianen, höher und immer weiter, wenn einer runter fiel, hatte er Pech gehabt. Sie sangen wilde Lieder, die Töne passten nur zufällig zusammen. Der Wald und alle Bäume und Äste und Blätter und Nadeln schwangen mit den Geräuschen.
Doch dieser Abend gestaltete sich anders. Fusulus setzte gerade zum Sprung an, um einen Marder einzufangen, als ein Baum haarscharf neben ihm nieder krachte. Der Stamm zerbarst nicht, sondern der Baum steckte verkehrt herum im Boden. Seine Wurzeln wedelten wie wild durch die Luft. Kein Sturm hatte solche Kräfte.
Dem ersten Stamm folgten weitere, immer schnurgerade einer Linie nach. Fusulus verbarg sich hinter Gebüsch. Ein Schnaufen, Prusten und Rülpsen näherte sich, das er noch nie gehört hatte. Gleichzeitig drangen empörte Rufe der anderen Waldteufel an sein Ohr: Das fordernden „Juik“ der Waldkäuze, das wütenden Bellen der Füchse, das Fauchen der Wildkatzen.
Dann sah Fusulus die Eindringlinge.
Durch das verwüstete Unterholz staksten Wesen auf zwei Beinen, sie trugen lange Mäntel aus Schweineborsten und einen Schweinenasenstempel mitten im Gesicht. Über und über mit verkrustetem Schlamm bedeckt, beugten sie sich ab und zu vor, um auf allen Vieren weiterzulaufen, dann richteten sie sich auf und stolzierten wie dicke mächtige Könige.
„Die Kaliberkipper sind schon wieder da“, dachte Fusulus und ärgerte sich erst nur.
Der Dickste unter ihnen schnaufte tief durch. „Ist das ein Spaß! Folgt mir, wir richten den säuselnden Sonnenscheinchen im Wald der einsamen Stimmen eine richtige Sause aus!“
Fusulus verzog sich noch tiefer ins Gebüsch, aber nur so weit, dass er die Stimmen noch verstehen konnte. „Was für eine uneingeschränkte, unglaubliche, unermessliche Dummheit. Wo uns der Nachwuchs fehlt, will der große Anführer toben gehen“, nuschelte ein schmächtiger Schweineborstenmantelträger ganz in Fusulus’ Nähe. „Wo wir uns auf die Suche nach Opfern machen sollten, will der starke Napoleon nur Bäume ausreißen.“
Fusulus Ohren stellten sich spitz auf. Opfer hier in diesem Wald? Das gab es noch nie. Normalerweise verwandelten Kaliberkipper nur im Menschenwald die Wildschweine.

Im Kindle-Shop: Die Kaliberkipper>


Mehr über und von Tine Sprandel auf ihrer Website.

29. November 2011

Wohin soll denn die Reise gehen?

Hier ist er also, mein neuer Blog. Seit einem Klick kann er gefunden, besucht und begleitet werden. Und weil ich ein höflicher Mensch bin, sage ich zunächst einmal: Herzlich Willkommen, schaut euch um und kommt recht bald wieder. Denn dieser Blog wird sich füllen, mit Funden aus den Weiten des Internets, mit Empfehlungen für die digitale Lektüre und dem, was ich zum Thema eBook für erzählenswert halte. In dieser ersten Wortmeldung will ich euch erläutern, was mich zu diesem Blog-Projekt bewogen hat und was ihr davon erwarten dürft. Auf denn, zum Editorial.

Die eBooks machen gegenwärtig in einer Breite Furore, dass es schwer fällt, dabei den Überblick zu behalten. Täglich kommen unzählige neue Titel auf den Markt, überall im Web wird das Für und Wider debattiert, Plattformen werben für ihre Angebote. In den sozialen Netzwerken wird getwittert, gebloggt und gepostet was das Zeug hält. Eine Flut von Meldungen brandet auf alle ein, die sich für das Thema interessieren. Kaum ist eine Nachricht in der Welt, wird sie auch schon von den Nachfolgenden überlagert und verschwindet, ohne wahrgenommen worden zu sein. Was allein bei Twitter und Facebook binnen Stunden an ganz gewiss Spannendem vorbei-scrollt, lässt mich oft genug frustriert zurück - und stetig wächst der Vorrat an nie geöffneten Links, die ich für irgendwann später vorgemerkt habe. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, ein Blog aufzusetzen, das relevante Neuigkeiten über eBooks einfängt und bewahrt.

Ein zweites Motiv für diesen Blog sind die Akteure, die mit ihren eBooks den etablierten Buchmarkt in Bewegung versetzen. Die Zahl der Autoren, die ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen - und ich zähle mich auch dazu - wächst sprunghaft. Wer seine Werke selbst verlegt und vermarktet hat es jedoch sehr schwer, sich auf dem Markt zu etablieren. Unabhängige Autoren machen das Lesen vielseitiger, lebendiger, persönlicher und sympathischer - doch es ist ein mühsamer Weg, dies zu vermitteln. Deshalb werde ich, als Form der gegenseitigen Unterstützung, in diesem Blog die eBooks befreundeter Autoren empfehlen. In der ersten Zeit können diese Vorschläge sehr zahlreich sein, denn in den vergangenen Monaten sind bereits viele Titel erschienen, die das Lesen lohnt. Über die Kommentarfunktion darf jeder Besucher meines Blogs bekannt geben, ob er diese Meinung teilt.

Ich nenne meinen Blog eBook-Sonar, weil ich das damit verbundene Bild für äußerst treffend halte: In einem Ozean aus Meldungen orte ich, was mit dem Stichwort eBook unterwegs ist, fische heraus, was ich für beachtenswert erachte und halte es sichtbar. Mein Ziel ist es, so einen regelmäßig aktualisierten und schnellen Überblick über angesagte Trends und lesenswerte eBooks zu bieten. Wer mag, kann diesen Service für sich nutzen - und seinen Freunden davon erzählen.

'Schatten' von Brigitte Tholen

Ein eBook mit Kriminalgeschichten, in denen es um gefährliche Gedanken und Menschen geht, die in ihrer Gier auch vor Mord nicht zurückschrecken.
Wo kein Licht, da kein Schatten, sagt man. Es sind die Schatten, die uns begleiten, es ist der Schatten des eigenen Ichs mit dem wir uns beständig auseinandersetzen müssen. In unserem Leben treten sie aber auch als Bedrohung in Gestalt einer uns negativ gesinnten Person auf.

Ob es der eigene Ehemann/frau ist, die gefährliche Gedanken in die Tat umsetzen wollen, oder ob es um Macht oder Reichtum geht, an der er/sie teilhaben möchten. In meinen Geschichten geht es um Menschen, die in ihrer Gier auch vor Mord nicht zurückschrecken. Schatten, die lebensbedrohlich sind.

Gleich lesen: Schatten

Leseprobe:
Wieder kommt ein Schwächeanfall. Es ist keine Krankheit zu erkennen, sagen die Ärzte. Sie sind ratlos. Trauer steckt in deiner Seele und in deinem Körper, sagen die Therapeuten. Auch sie sind ratlos.
Es ist das Tattoo, sage ich. Alle schütteln den Kopf, blicken mich mitleidig an. Meine Welt schwimmt kraftlos im Meer, die Mediziner haben kein Netz, um sie einzufangen. Seit Leo vor einem Jahr gestorben ist, verliert mein Körper seine Lebenskraft.
Müde lege ich mir die Jacke über die Schultern und gehe aus dem Haus. Richtung Küste, Richtung Hafen. Der einzige Punkt, der mich seit einigen Tagen magisch anzieht. Weil ich „ihn“ dort sehen werde, meinen Kelten, wie ich ihn nenne.
Schon von Weitem sehe ich die Aufbauten der Schiffe und die Masten der Boote, die längs der Stege angelegt haben.
Melodien, mal schnell, mal langsam, tanzen mit Frauen und Männern um die Wette. Es ist Sommersonnenwende. Die modernen Kelten sind mit Booten gekommen und feiern im Hafen. Von hier aus sind ihre Vorfahren nach Irland gefahren. Genau vor fünftausend Jahren. So steht es auf den Plakaten, so hat „er“ es mir erzählt.
Hinter den Dünen flackern Feuer, über denen sich Spieße drehen. Es riecht nach frischgebackenem Fladenbrot und würzigen Kräutern. Und dazwischen der salzige Geruch nach Meer und Fisch. Vor einem Zelt sitzen Männer, schnitzen Pfeile für ihre Bögen. Daneben ein Schmied. Mit der Zange hält er ein Schwert in die Glut. Gleichmäßig schlägt sein schwerer Hammer auf und nieder. Funken sprühen.
Erschöpft treibe ich durch die Menschenmenge. Verliere die Orientierung. Jedes Mal, wenn ich in Richtung Wasser gehe, streift etwas Schwarzes meine Beine, reißt mich zurück wie eine Monsterwelle. Mein Körper wird von glühender Hitze durchzogen, und Tränen springen aus meinen Augen wie Flammen aus dem Feuer. Es sind nur Sekunden, mir erscheint es wie eine Ewigkeit.
Ein Gesicht beugt sich zu mir, sanfte, mattgrüne Augen sehen mich an. Eine Hand umfasst meinen Oberarm, reißt mich hin zu einer Gruppe mit Blumen geschmückter Paare. „Endlich Huflattich-Lady“, sagt er. „Ich habe auf dich gewartet.“
Es ist, als hätte er die Schattenwellen um meine Beine vertrieben. Sie haben sich aufgelöst, genau wie die Hitze in meinem Körper. Der junge Mann legt ohne Scheu einen Arm um meine Schultern und wiegt sich und mich im Takt der Musik. Ich fühle mich besser. Fühle mich in seiner Nähe wieder gut. In meinem Magen sitzt ein Schmetterling, dessen Flügel meine Kehle kitzeln.
„Wenn ich ein Huflattich bin, was bist dann du?“, frage ich den Mann, der Finn heißt und in dessen Haaren Efeuranken verwoben sind.
„Ich bin die Schafgarbe. Oder auch Augenbraue der Venus genannt“, sagt er und schmunzelt. „Man sagt uns nach, wir wären die geborenen Diplomaten.“
„Was sagt man dem Huflattich nach?“
„Dass es eine Pflanze ist, die blüht, bevor sie Blätter treibt.“
„Das alles lernt man bei den modernen Kelten?“
„Und noch viel mehr. Wir sind die Hüter einer alten Kultur. Eine starke Gemeinschaft aus Forschern, Laien und Esoterikern. Wir lassen früheres Wissen wieder lebendig werden. Neuzeitliche Kelten führen zwei Leben, das hektische berufliche jeder für sich und das bunte unverfälschte in der Gruppe. Werde eine von uns und du wirst sehen. “
Die Melodien verstummen. Finn zieht mich zur Seite auf einen kleinen Dünenhügel. „Bleib sitzen, ich hole uns etwas zu trinken.“ Er geht zu einem Boot, auf dem die kunterbuntesten Getränke verkauft werden.
Erst jetzt merke ich, dass ich Durst habe. Ich spüre, dass mein Körper selbst durch das Tanzen keine Kraft verloren hat. Im Gegenteil, es ist, als hätte er neue Energie getankt. Mit meinen Fingern fahre ich über das Tattoo an meinem linken Oberarm. Bald wird es wieder anfangen zu brennen, zu schmerzen.
Eine alte Frau steht auf einmal neben mir. Sie sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus. Ihr Gesicht hat die Farbe alten Pergamentleders, in dessen unzähligen Narben und Rissen sich schwarzer Dreck eingegraben hat. In der Hand hält sie einen dicken Stock, der oben gegabelt ist. „Du hast das Zeichen“, sagt sie. Ihre Stimme ist sanft und klingt wie die einer jungen Frau. Ich verstehe nichts. „Was meinen Sie?“

Im Kindle-Shop: Schatten

Mehr über und von Brigitte Tholen auf ihrer Website.



'Alle Jahre wieder' von Elsa Rieger

Erzählungen und Gedichte, die auf verschiedene Weise das Weihnachtsfest thematisieren.

Wird Weihnachten eines Tages abgeschafft werden?
Was macht wohl ein Professor der Astronomie mit einem Lottogewinn: Sterne kaufen! Oder?

Die Pest war dreimal in Wien, manche wünschen sich, auf schnelle Weise von dieser Seuche ausgelöscht zu werden, andere, wie der liebe Augustin, überleben sie trotz einer Nacht in der Pestgrube.

Gleich lesen: Alle Jahre wieder





Leseprobe aus "Nur ein kleiner Bär":
Papas Glubschaugen quollen noch weiter hervor; bald würden sie die Brille sprengen.
Er stammelte: „Ich ... ich hab im Lotto ...“
Dann verstummte er und schwankte ein bisschen. Wir saßen in der Küche, mein kleiner Bruder Thom riss die Augen auf wie Papa. Mama briet gerade Eier, wie an jeden Feiertag – erst brunchten wir, dann machten wir einen Ausflug. Sie drehte sich grinsend um.
„Wie viel ist es denn diesmal? Zehn Euro?“
Wir alle wussten, wie sehr Papa auf den Haupttreffer wartete. Alle paar Wochen – er spielte nur, wenn es einen Jackpot zu knacken galt – hing er zur Ziehung vor dem Fernseher. Gestern hatte er eine Sitzung in der Uni und konnte erst heute im Internet das Ergebnis studieren.
„An Peanuts bin ich nicht interessiert“, sagte er, wenn wir ihn aufzogen. Als ob eine Million nichts wäre!
Und nun stand er da und stotterte, nachdem er zuvor die Lottoseite gecheckt hatte. Der Schein in seinen Händen bebte.
„Nicht im Ernst! Du machst doch Spaß, Werner?“, sagte Mama.
Es roch verbrannt. Ich stürzte mich auf die Pfanne und schob sie von der Platte.
„Keine blöden Eier heut“, sang Thom vergnügt und schmierte Nutella auf den Toast und sein Shirt.
„Doch, ich meine, nein, kein Scherz.“ Papa hielt den Schein über seinen Kopf und auf seinem Gesicht breitete sich ein Grinsen aus. Er machte einen Luftsprung. Als er auf dem Holzboden landete, schepperten die Gläser im Schrank.
Ein schriller Juchzer teilte die Luft, er kam von Mama, gefolgt von einem Knall, als die Bratschaufel in der Spüle landete. Und ich? Als Vierzehnjährige ist man gesegnet mit Wünschen.
„Wie viel?“ Meine Stimme klang wie Staub, ich hustete. „Wie viel, Papa?“
Er sah mich an. „Genug, Baby, um euch die Sterne vom Großen Bären zu kaufen.“ Als Astronom liebte er solche Aussprüche. Er hatte tatsächlich einen Fünfer mit Zusatzzahl, kein Scheiß! Knapp hundertfünfzigtausend Euro wert. Und das kurz vor Weihnachten! Da würde doch für mich auch was rausspringen, nech?
„Wenn einer von euch nur einen Muckser darüber verlauten lässt, reiß ich ihm das Herz raus“, sagte er.
Wir hielten Familienrat ab.
„Ich will den neuen Nintendo!“ Thom unterstrich die Forderung mit einem Hopser. Er machte Papa alles nach.
Ich ratterte herunter: „Nachdem dein Gewinn mit Weihnachten zusammen fällt, wünsche ich mir Laptop, Silberstiefel von DKNY, den Ledermantel von H&M, ’nen Vollbodenflokati, ein rundes Bett in Rosa und endlich Dreadlocks um zweihundert Euro, Nagelstudio ...“ „Stopp“, brüllte Papa und verstaute die Quittung in seiner Brieftasche, „ich wollte jedem von euch einen Stern kaufen.“
„Ich will einen Nintendo“, heulte Thom und rotzte ins Nutellaglas; Mama nahm es ihm schnell weg. Gott sei Dank esse ich das Zeug nicht.
„Einen Stern?“ Mamas Augenlider flatterten.
„Warum?“ Vor Entsetzen riss ich mir ein Büschel Haare heraus.
„Weil Sterne haltbar sind“, sagte Papa bestimmt.
„Komm“, Mama bewegte sich langsam auf ihn zu und nahm ihn an der Hand, „lass uns in aller Ruhe überlegen.“ Sie führte ihn zu seinem Stuhl und drückte ihn sanft darauf nieder.
„Behandle mich nicht wie einen Schwachsinnigen, Rita.“
Sie lächelte auf ihn herab; ich sah ihr an, dass sie in ihrem Hirn nach Argumenten grub, um zu beweisen, dass er sich tatsächlich wie ein Irrer aufführte.

"Alle Jahre wieder" im Kindle-Shop

Mehr über und von Elsa Rieger auf ihrer Website.

22. Januar 2011

Mark Franley

Mark Franley wurde 1972 in Nürnberg geboren und ist bis heute seiner Heimat treu geblieben. Inspiriert durch die lange und oftmals auch dunkle Geschichte seiner Stadt, wird diese zur perfekten Kulisse für das, was einen guten Psychothriller ausmacht.

Die Eigenschaft mit offenen Augen durch die Welt zu laufen, spiegelt sich in all seinen Geschichten wieder und erklärt sicherlich auch den Erfolg, von bisher über 750.000 verkauften eBooks. Immer wieder finden sich gesellschaftliche Themen, geschickt eingebettet in fiktive Geschichten, und regen so zum Nachdenken an. Einige kurze, prägnante Sätze genügen, um den Leser in eine andere Welt zu holen und ihn dort festzuhalten. Spannung ist in jedem Fall garantiert!

Mark Franley über sich: Mein Bestreben ist es, durch das geschriebene Wort etwas in dir zu erzeugen. Im einfachsten Fall sind es nur Bilder, Bilder die in deinem Kopf entstehen. Wenn es mir aber gelingt, dass du dich in finsterer Nacht nicht mehr aus deiner Wohnung traust, weil die Schatten in dunklen Ecken lebendig werden, dann habe ich mein Ziel erreicht und meine Worte sind zu deiner Phantasie geworden.

Weblink: www.mark-franley.de


Bücher im eBook-Sonar:




21. Januar 2011

Brigitte Teufl-Heimhilcher

Brigitte Teufl-Heimhilcher wurde 1955 in Wien geboren, machte 1974 ihre Matura an der Handelsakademie und war ab 1976 in der Immobilienbranche tätig. Sie ist verheiratet und lebt in Wien.

Ihrer Leidenschaft für das Schreiben widmet sie sich seit 2006 intensiv und schreibt mit Vorliebe heitere Romane. Darüber hinaus hat sie Ratgeber veröffentlicht, in denen sie ihre Erfahrungen im Umgang mit Allergien und Unverträglichkeiten weitergibt.

"Schreiben ist eine Form der Kommunikation - und Kommunikation ist ein wesentlicher Teil meines Lebens", sagt Brigitte Teufl-Heimhilcher über sich. Ihr Lebensmotto: Jeder Mensch kann glücklich sein, wenn er nur will.

Weblink: www.teufl-heimhilcher.at


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20. Januar 2011

Siegfried Langer

Siegfried Langer wurde 1966 in Memmingen geboren und ist 2014 - nach 18 Jahren in Berlin - wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt.

In dieser Zeit machte er zwei kaufmännische Ausbildungen, holte das Abitur nach, war Außendienstverkäufer, Bankangestellter, Schauspieler - und wurde schließlich Schriftsteller. Von den ersten Fantasy-Kurzgeschichten in der Jugendzeit dauert es viele Jahre, bis er zum Schreiben zurück fand und eine weitere Durststrecke als Autor bis zur Veröffentlichung seines ersten Romans "Alles bleibt anders" im Jahr 2008.

Seitdem veröffentlicht Siegfried Langer regelmäßig Kriminalromane und Thriller, darunter die Reihe um die Privatdetektivin Sabrina Lampe, in der bisher drei Bände erschienen sind.

Weblink: www.siegfriedlanger.de/


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