28. Mai 2012

'Der Plan' von Detlev Crusius

Libyen und der Nahe Osten – seit vielen Jahren ein Pulverfass.

Der Journalist Eric Larsson recherchiert undercover in Tripolis. Er will herausfinden, was tatsächlich hinter den streng geheimen libyschen Waffenprogrammen steckt. Es geht um illegal nach Libyen gelangtes Plutonium.

Wem kann er noch trauen? Da ist sein Freund Abdul, aber ist er tatsächlich sein Freund? Oder Nicolas Debré, ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftemacher. Für wen arbeitet Nicolas in Wahrheit? Und dann ist noch Laila im Spiel, eine verführerische Palästinenserin.

Ein Spionage-Thriller von Detlev Crusius, der, auch unter seinem Pseudonym Eddy Zack, mit weiteren Büchern im eBook-Sonar vertreten ist.

Gleich lesen: Der Plan 1-4: wie kam Plutonium nach Libyen?

Leseprobe:
Der Plan des Pentagon
Am 2. März 2007 gab der ehemalige Vier-Sterne-General Wesley Clark der Journalistin Amy Goodman von ‘Democracy Now’ ein Interview. In diesem Interview sagte der General a. D., wenige Tage nach dem berüchtigten 11. September, so um den 20. September, habe man im Pentagon Pläne entwickelt, sieben arabische Länder anzugreifen, darunter auch Syrien und Libyen. Er, Wesley Clark, habe einen ehemaligen Mitarbeiter gefragt, weshalb man diese Länder angreifen wollte. Dieser habe nur die Achseln gezuckt und geantwortet, den Politikern fiele offenbar keine bessere Antwort auf die Geschehnisse des 11. September ein.

Chapter 1
Albtraum
Er starrte in die Dunkelheit. War es Tag oder Nacht? Er hatte jedes Zeitgefühl verloren. Seine Hose, seine Beine und Füße waren mit seinem Kot beschmiert.
In unregelmäßigen Abständen schalteten seine Bewacher das Licht ein, aber niemand betrat den Raum. Das Licht wurde nach Sekunden oder erst nach Stunden wieder gelöscht. Der Zivilist kam und fragte mit nervtötender Freundlichkeit nach den CDs. Manchmal schien es dem Gefangenen, als käme er alle paar Minuten, dann wiederum verging so viel Zeit, dass er ihn schmerzlich vermisste.
Sie nahmen ihm das eiserne Bettgestell weg. Er versuchte im Sitzen an die Wand gelehnt zu schlafen, rutschte immer wieder zur Seite, legte sich auf den Boden.
Gelegentlich brachten sie ihm Tee und trockenes Brot, schalteten das Licht sofort wieder aus, und das Brot rutschte ihm in der Dunkelheit aus den schmierigen Fingern.
Er brüllte in die Dunkelheit, weinte, schluchzte so sehr, dass es ihn schüttelte. Jemand öffnete die Tür und betrat den Raum. Eine Taschenlampe blendete ihn und er musste die Augen schließen. Der Besucher drehte die Lampe weg und leuchtete sich an. Was der Gefangene sah, war kein menschliches Antlitz, er blickte in eine Fratze.
Die Fratze beugte sich über ihn und flüsterte freundlich: »Sagen Sie mir jetzt, wo die CDs sind?«

Mit wild klopfendem Herzen fuhr er hoch, tastete über seine Brust. Sein T-Shirt war von schmierigem Schweiß durchtränkt und ihn fröstelte. Neben sich hörte er leichte Atemzüge. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, tastete er auf die andere Bettseite; sie schlief friedlich. Im schwachen Licht der Dämmerung sah er ihre zerzausten Haare, die wie eine dunkle Wolke über das Kopfkissen ausgebreitet waren. Er hörte sie im Schlaf einige Wörter auf Arabisch murmeln. Oft, wenn er schreiend aus dem Schlaf hochfuhr und sie wach wurde, kuschelte sie sich an ihn, legte ihm ihre Hand auf die Brust. Am nächsten Morgen sah sie ihn mit forschendem Blick an und fragte, wie er geschlafen habe. »Gut«, war seine übliche Antwort. Sie wusste es besser.
Einen Moment war er in Versuchung, über ihr Haar zu streicheln. Er unterließ es und schwang leise seine Beine aus dem Bett. Erschöpft von dem Traum tapste er in die Küche. Es war vier Uhr vorbei, er würde nicht mehr einschlafen. Leise füllte er Wasser in den Elektrokocher und bereitete sich eine Tasse Tee. Dann ging er in sein Arbeitszimmer und schaltete den Computer ein. Er hatte sich angewöhnt, den Inhalt seiner Albträume aufzuschreiben. Es half ihm, damit fertig zu werden. Hatte er früher beinahe jede Nacht im Schlaf geschrien, passierte ihm das heute nur alle paar Wochen.
Er hörte die schwache Brandung; der Wind musste gedreht haben. Es dämmerte und bald konnte er vom Balkon das Meer sehen. Heute werde ich mir einen Tag Ruhe gönnen, wenigstens den Vormittag. 
Chapter 2
Mitiga International Airport Tripolis
In normalen Zeiten ging es auf dem Mitiga Airport zu, wie auf jedem anderen Flughafen der Welt: Reisende stöberten in den Duty-free-Shops, umlagerten die Cafés oder Imbissläden und bildeten lange Warteschlangen an den Abfertigungsschaltern.
Doch die Zeiten waren nicht mehr normal. Mit Beginn des totalen Embargos und der Flugverbotszone über Libyen im April 1992 war die Versorgung des Landes immer schwieriger geworden. Jetzt lockerte der Westen das Embargo nach und nach. Die EU hatte es ganz aufgehoben und die UN hatte Erleichterungen zugesagt. Nur die Amerikaner verhielten sich noch zögernd.
Wenigstens das Flugverbot für Zivilmaschinen war vollständig aufgehoben, aber der Luftverkehr und auch der Flughafen Tripolis waren von normalen Verhältnissen noch sehr weit entfernt.
Viele Jahre hatte das Embargo das Land, die Menschen und diesen Flughafen umklammert. Während dieser Zeit war der größte Teil des Reise- und Güterverkehrs auf dem Landweg über Tunesien und Ägypten abgewickelt worden. In einigen Wüstenregionen war es zu Aufständen gekommen und hinter vorgehaltener Hand flüsterte man von kriegerischen Auseinandersetzungen der Stämme im Osten des Landes. In der Grenzregion zum Tschad war es angeblich zu einer Militärrevolte gekommen.
In der Millionenstadt Tripolis hatte man während dieser Jahre auf den ersten Blick nichts vom Embargo bemerkt. Die Geschäfte und Märkte waren geöffnet und in der Altstadt herrschte lebhaftes Treiben. Der Schein trog. Das Warenangebot war drastisch geschrumpft, Produkte aus dem Westen waren unerschwinglich geworden. Das Ersatz eines Keilriemens für einen PKW war zu einem Abenteuer geworden. Trotz der Subventionen durch die Regierung waren die Lebensmittelpreise über die Jahre stark gestiegen. Am deutlichsten merkte man es auf den Märkten - das Angebot an Fleisch und Frischgemüse war von Tag zu Tat spärlicher und teurer geworden. Die Regierung versuchte, die fehlenden Güter mit Zukäufen aus Südafrika auszugleichen, was den Mangel kaum lindern konnte.
Als Eric vor Wochen seinen Flug bei einem Reisebüro in Deutschland buchen wollte, hatte ihn die Reiseberaterin nur zweifelnd angesehen und gefragt: »Geht das denn überhaupt?«
Nach vielen Telefonaten und einer immer mehr genervten Beraterin konnte er dann doch buchen. Er flog mit einer kleinen maltesischen Fluglinie, die, nach dem Embargo, als eine der ersten Gesellschaften mit Zwischenlandungen in Rom und auf Malta nach Tripolis flog.
Libysche Freunde hatten Eric gewarnt, das Land mit dem Flugzeug zu verlassen. Lieber sollte er mit der Fähre nach Malta übersetzen und von La Valletta aus nach Deutschland fliegen. Er hatte die Warnungen in den Wind geschlagen und jetzt saß er in der Abflughalle fest und stöhnte unter der Hitze. Die Klimaanlage war nicht in Betrieb und ein Thermometer neben dem Informationsschalter zeigte fünfundvierzig Grad. Auf seinen Wanderungen durch die Halle klopfte er im Vorbeigehen wieder und wieder missmutig gegen das Thermometer, in der vergeblichen Hoffnung, es zeige endlich weniger an.
Überall im Land fehlte es an Ersatzteilen und hinter vorgehaltener Hand erzählte man sich, auch die Wartung der Flugzeuge sei noch nicht gewährleistet. Vor wenigen Tagen hatte ihm ein Libyer erzählt - als Chef der Ersatzteilbeschaffung musste er es wissen - es fehle nach wie vor an Spezialöl für die Triebwerke.
Eric wollte sein Ticket nicht verfallen lassen und hoffte nur, dass er wie auf dem Hinflug mit einer Tupolev fliegen würde. Russische Technik war genügsam.
Die Temperatur kletterte auf sechsundvierzig Grad und zu trinken gab es schon lange nichts mehr. Mehr als zehn Stunden wartete er jetzt in diesem Backofen und die Toiletten stanken, dass ihm übel wurde. Familien mit Kindern gaben als Erste auf und verließen den Warteraum. Damit kehrte Ruhe ein. Niemand wusste, ob der Flug gestrichen war, der Informationsschalter war nicht besetzt. Eric hatte sich flüchtig mit einem Franzosen unterhalten, auch der wusste nichts Genaues. Die Zahl der Wartenden war von anfangs rund einhundert auf zehn gesunken.

Im Kindle-Shop: Der Plan 1-4: Wie kam Plutonium nach Libyen?

Mehr Informationen über den Autor Detlev Crusius und seine Veröffentlichungen auf seiner Homepage.

24. Mai 2012

"Fluch unter dem Grabstein" von Aileen O'Grian

Mysteriöse Kurzgeschichten: Gesa fühlt sich nach dem Tod ihrer Mutter in dem geerbten Haus nicht wohl, weil es zu viele traurige Erinnerungen birgt. Nicole hat einen rabenschwarzen Tag erwischt - was ist bloß mit ihrem Baby los? Die Heimfahrt am Totensonntag verläuft schwierig; erst behindert Nebel die Sicht, dann tauchen im Wald Menschen auf und laufen über die Straße.

Gleich lesen: Fluch unter dem Grabstein








Leseprobe aus "Heimfahrt am Totensonntag"
Teil I

Wie jedes Jahr war ich zum Totensonntag zu meiner Mutter gefahren. Mal wieder war es ein kalter, regnerischer Tag. Statt spazieren zu gehen, saßen wir im Café, in dem vor Jahren die Trauerfeier stattgefunden hatte, tranken Schokolade und aßen Torte.
Mutter erzählte von früher, und ich antwortete wie üblich mit einem Kopfnicken oder „Ja, ja!“. Mehr brauchte sie nicht, um ununterbrochen mit den alten Geschichten, die ich schon tausendmal gehört hatte, fortzufahren.
Erst spät konnte ich mich loseisen. Normalerweise wäre ich erst am Morgen gefahren, doch am nächsten Vormittag hatte ich eine wichtige Besprechung, auf die ich mich noch vorbereiten musste.


Teil II

Schon bald hörte ich im Verkehrsfunk von einem großen Stau. Das Navigationsgerät ließ mich aber unbeirrt auf der Autobahn. Inzwischen war es nicht nur dunkel und regnerisch, sondern Nebel stieg auch noch aus den Feldern auf. Der Scheinwerfer leuchtete in eine weißliche Wand. Ich fuhr immer langsamer, tastete mich vorwärts.
Schließlich wies das Navigationssystem mich von der Autobahn auf eine Bundesstraße. Zuerst fuhren noch eine Reihe Wagen vor mir und ich hängte mich an die Rücklichter eines LKWs. Doch leider fuhr der schon in der nächsten Stadt ab und ich orientierte mich nur noch von Begrenzungspfosten zu Begrenzungspfosten. Bei dem Tempo konnte ich froh sein, wenn ich kurz nach Mitternacht daheim ankommen würde.
Endlich klarte es ein bisschen auf und ich erhöhte mein Tempo auf 50 km/h. Plötzlich tauchte vor mir ein schwarzer Schemen auf. Ich machte eine Vollbremsung und geriet ins Schleudern. Bevor ich in den Seitenstreifen rutschte, lief eine zweite Person über die Fahrbahn. Abrupt blieb der Wagen stehen. Ich krallte mich noch immer an dem Lenkrad fest und brauchte eine Weile, um mich zu fassen. Ich lebte und erwischt hatte ich auch niemanden. Meine Gedanken arbeiteten erstaunlich klar.
Erst einmal befahl ich mir, tief durchzuatmen, dann löste ich langsam meine Hände vom Lenkrad. Der Motor war ausgegangen. Ich öffnete die Tür und schaute hinaus. Der Baum links von mir stand bestimmt einen halben Meter entfernt. Der konnte mich also nicht so plötzlich gestoppt haben. Ich stieg aus, meine Schuhe versanken im Matsch. Mit einer Hand hielt ich mich am Auto fest, als ich es umrundete. Nichts. Der weiche Boden musste mich gestoppt haben. Die Räder standen ziemlich tief im Morast. Aber das Auto war heil geblieben.
„Hallo! Hallo! Ist hier jemand?“

 "Fluch unter dem Grabstein" im Kindle-Shop

23. Mai 2012

"Rettet unser Kind" von Bettina Büchel

Im Sog der Organ-Mafia: Der quietschfidele achtjährige Thomas bricht vor seiner Mutter im Garten zusammen. Diagnose: schweres Herzleiden. Ein Wettlauf mit der Zeit nimmt seinen Anfang. Die einzige Chance des Jungen besteht darin, schnellstmöglich ein geeignetes Spenderorgan zu erhalten. Doch das Angebot an Kinderherzen ist rar. Das bis anhin sorgenfreie Familienglück wird einer unmenschlichen Zerreißprobe ausgesetzt ...

Gleich lesen: Rettet unser Kind!: Im Sog der Organ-Mafia

Leseprobe:
Kapitel 1
Die Diagnose

Die Diagnose war schockierend. Gerade noch spielte Thomas quietschfidel mit seinen Freunden im Garten. Wenige Augenblicke später lag er bewusstlos im Gras. Als Ines ihren Sohn blass und regungslos auf dem Boden liegen sah, lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken. Ihre Angst um ihn war unbeschreiblich. Sie kniete sich zu ihm nieder und versuchte ihn durch sanftes Rütteln an seinen Schultern ins Bewusstsein zurückzuholen. Als sie merkte, dass ihre Anstrengungen ohne Erfolg blieben, rannte sie verzweifelt ins Haus, sprang zu ihrem Mobiltelefon und wählte eilig die Notrufnummer. Nach wenigen Minuten hörte sie die Sirene des Rettungswagens, und kurze Zeit später waren sie auf dem Weg ins nächstgelegene Spital. Noch im Wagen informierte sie ihren Ehemann Martin über die unerwarteten Geschehnisse, die ihr Leben fortan verändern würden. Martin ließ sofort alles liegen und stehen, eilte ohne ein Wort aus seinem Büro und machte sich direkt auf den Weg ins Krankenhaus, welches Ines ihm genannt hatte. Sein Puls raste. Die Angst um seinen Sohn brachte ihn nahezu um den Verstand.

Nach einer geschlagenen Stunde, die sie vor der Intensivstation verbringen mussten, saßen Ines und Martin endlich dem diensthabenden Arzt in seinem Büro gegenüber. Dr. Karl blickte zuversichtlich in die zwei verängstigten Augenpaare.
„Leidet Ihr Sohn schon seit längerem unter Atemnot?“, stellte der Arzt seine erste Frage. Martin blickte ihn überrascht an. Es war ihm ins Gesicht geschrieben, dass er keine Ahnung hatte, was der Arzt von ihm wissen wollte. Von einer etwaigen Atemnot seines Sohnes wusste er nichts. Seine Frau Ines räusperte sich nervös.
„Mir ist in letzter Zeit öfters aufgefallen, dass er so eigenartig röchelt, wenn er vom Spielen zurück ins Haus kommt.“ Martin warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Ich dachte nicht, dass es sich um etwas Schlimmes handeln könnte. Er ist ein sehr lebhafter Junge, müssen Sie wissen.“
„Machen Sie sich keine Vorwürfe“, beruhigte der Arzt sie. „Sein Zustand ist momentan stabil. Aber ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Sohn voraussichtlich ein neues Herz braucht. Die Untersuchungen haben ergeben, dass der linke Herzflügel nur noch mit halber Kraft arbeitet. Wir können noch nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um einen angeborenen Herzfehler oder lediglich um eine Herzmuskelentzündung handelt. Über kurz oder lang kann dieser Zustand allerdings zu einem Herzinfarkt führen. Aus diesem Grund und um kein Risiko einzugehen, haben wir ihn bereits auf die höchste Stufe in der europaweiten Spender-Datenbank gesetzt. Sobald ein geeignetes Herz zur Verfügung steht, werden wir die notwendige Transplantation durchführen, falls die weiteren Untersuchungen einen derartigen Schritt nicht doch noch abwenden lassen.“
„Wie lange kann so etwas dauern? Und vor allem, wie lange schlägt das Herz meines Sohnes noch?“, fragte Martin ernst.

Im Kindle-Shop: Rettet unser Kind!: Im Sog der Organ-Mafia

Mehr über die Autorin Bettina Büchel und ihre Veröffentlichungen auf ihrer Website.

21. Mai 2012

"Spines" von Hermann Scherm

„Jeder wach verbrachte Tag ist eine Bühne, die, zum Guten oder Bösen, von einem einzigen Hauptdarsteller, dem Selbst, beherrscht wird...“ Davon war der britische Neurophysiologe Charles Scott Sherrington, der 1932 den Nobelpreis für Medizin erhielt, noch fest überzeugt. Aber gilt das auch heute noch? Wie sicher können wir sein, dass das, was wir als unser Selbst wahrnehmen, auch wirklich unser Selbst ist? Dass unsere Erinnerungen und Erfahrungen real und unsere eigenen sind, die so nur uns gehören? Mit anderen Worten: Können wir tatsächlich sicher sein, dass wir uns die richtige Antwort geben, wenn wir uns fragen: "Wer bin ich?"

Der Berliner Biotech-Firma Gene Design Technologies ist es gelungen, den Code des Bewusstseins zu entschlüsseln. In Experimenten mit freiwilligen Probanden arbeiten die Neurophysiologen der Firma an der Entwicklung von Techniken zur gezielten Beeinflussung von Bewusstseinsinhalten. Als eine der Versuchspersonen in eine Psychose abgleitet und zum Mörder wird und kurz darauf Dr. Langer, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter von Gene Design Technologies, unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird deutlich, dass es nicht nur wirtschaftliche Interessen sein können, die Gene Design Technologies antreiben. Dr. Langers Tochter Sarah und Paul Mrozek, Wissenschaftler am Institut für Neurobiologie der Freien Universität Berlin, versuchen herauszufinden, was wirklich hinter den skrupellosen Experimenten von Gene Design Technologies steckt und warum Dr. Langer sterben musste. Inzwischen ist ein weitere Versuchsperson aus dem Programm vom Gene Design Technologies als tickende Zeitbombe in Berlin unterwegs. Wird es Sarah und Paul gelingen, den Wahnsinn zu stoppen? Ein Horrortrip durch Berlin beginnt.

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Leseprobe:
Jochen war wie gerädert. Es war erst 19 Uhr, aber er fühlte sich unheimlich müde und erschöpft. Er konnte sich nicht erinnern, dass er schon jemals in seinem Leben so müde gewesen war. Was war bloß los mit ihm? Er hatte doch den ganzen Tag über nichts Besonderes gemacht, jedenfalls nichts, an das er sich erinnern konnte. Es gab absolut keinen Grund für diese Müdigkeit. Er musste sich auf die Couch legen, weil er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte und schlief sofort ein.
Als er wieder aufwachte, war er schweißgebadet. Sein T-Shirt klebte nass auf seinem Rücken. Er sah auf die Uhr. Es war kurz vor 23 Uhr. Er hatte geschlafen wie ein Stein, und es fiel ihm schwer, sich zu orientieren. Nur mit seiner ganzen Kraft schaffte er es, sich aufzurichten und ins Bad zu gehen.
Fast vier Stunden, er musste verdammt tief geschlafen haben. Durch sein Gesicht zogen sich rote Striemen, die das harte Sofakissen dort hinterlassen hatte. Nach ein paar Händen voll kaltem Wasser kam langsam die Orientierung zurück. Stück für Stück erinnerte er sich wieder. Er war seit dem Morgengrauen den ganzen Tag über wie ein Irrer durch die Stadt gerannt und hatte versucht, sich zu beruhigen. Aber auch jetzt fühlte er sich noch immer gedemütigt und verletzt.
Sie hatten sich geschworen, immer ehrlich zueinander zu sein und alles offen auszusprechen. Ihnen war beiden klar, dass eine Liebe zu Ende gehen konnte, aber sie hatten sich versprochen, dann die Wahrheit zu sagen und keine Geheimnisse voreinander zu haben. Und nun war genau das Gegenteil geschehen. Laura hatte ihn auf widerliche Art und Weise betrogen und gedemütigt, auf für ihn geradezu unfassbare Weise. Auch jetzt konnte er es noch nicht fassen und fühlte einen ungeheueren Schmerz. Warum hatte sie das getan, warum nur?
Er hatte sich so darauf gefreut, sie nach ihrer dreiwöchigen Nordamerikareise wieder zu sehen. Deshalb war er am Abend vor ihrer Rückkehr in ihre Wohnung gefahren, um alles für ein kleines Willkommensfrühstück vorzubereiten, mit dem er sie überraschen wollte. Unterwegs hatte er einen Teller italienische Vorspeisen, eine Flasche Champagner und einen Strauß Blumen besorgt. Voller Vorfreude war er damit die fünf Treppen zu Lauras Wohnung in der Danziger Straße hinaufgelaufen, um die Einkäufe im Kühlschrank zu deponieren und den Tisch zu decken, damit alles für ihre Rückkehr bereit war.
Als er die Tür aufschloss, hatte er einen Anflug von schlechtem Gewissen. Laura war sehr heikel, wenn es um ihre Wohnung und um ihre Privatsphäre ging und hatte ihn ausdrücklich gebeten, die Wohnung nur zum Blumengießen zu betreten, als sie ihm vor ihrer Abreise den Schlüssel übergeben hatte. Aber er sagte sich, dass sie ihm sicher verzeihen würde, wenn sie die Blumen und das leckere Frühstück sehen würde und trat in den Flur.
Er brauchte keine fünf Sekunden, um zu spüren, dass in der Wohnung etwas nicht stimmte. Langsam ließ er den Beutel mit den Einkäufen auf den Boden sinken. Dann blieb er bewegungslos stehen und lauschte. Eindeutig, es war jemand in der Wohnung. Er hörte Geräusche hinter der Schlafzimmertür. Laura konnte es nicht sein, das war unmöglich, sie hatte ihm gestern erst gemailt, dass ihr Flieger morgen früh um 8:25 Uhr landen würde. Vorsichtig und aufs höchste angespannt drückte er die Klinke der Schlafzimmertür nach unten und öffnete die Tür. Was er sah, ließ ihn erstarren. Laura lag splitternackt und lustvoll stöhnend unter einem muskulösen, gebräunten Männerkörper vom Typ erfolgreicher, bodygebuildeter Geschäftsmann. Und es machte ihr Spaß, daran bestand nicht der geringste Zweifel.
Als sie Jochen bemerkte, richtete sie sich ruckartig auf, starrte ihn aus ihrem erregten Körper entgeistert an und schrie: »Was zum Teufel machst Du hier!?«

Im Kindle-Shop: Spines - Das ausradierte Ich

Mehr Informationen auf der Website zum Buch.

18. Mai 2012

'Das große Kinderkochbuch (nicht nur für Kinder)' von R.D.V. Heldt

Liebe Kinder (und Eltern), stellt euch mal vor wie das duftet, wenn die Bratklopse in der Pfanne brutzeln. Schon allein das macht Appetit, aber wie groß ist die Freude erst beim essen, wenn ihr die Klopse selbst gemacht habt, liebe Kinder. Dazu vielleicht noch einen leckeren Kartoffelbrei und Mischgemüse, fertig ist ein komplettes Mittagessen. Gemeinsam schaffen wir das. Schritt für Schritt ist erklärt wie es geht. Eure Eltern werden begeistert sein, wenn ihr ruft:
"Das Essen ist fertig."

Dieses und noch viele andere Rezepte findet ihr in meinem „Das große Kinderkochbuch“. Alle Handgriffe und Zutaten sind schön und genauestens beschrieben und nun sage ich nur noch:
"Viel Spaß"

Gleich lesen: 'Das große Kinderkochbuch (nicht nur für Kinder)'

Leseprobe:
Stachelbeerkuchen

Zum Backen eines Stachelbeerkuchens gehören gleich drei Rezepte. Ihr beginnt mit dem Tortenboden aus Mürbeteig. Dieses Rezept nennen wir Grundrezept, da es auch für andere Kuchensorten verwendet wird. Los geht’s mit den Zutaten:

200 Gramm Mehl
125 Gramm Margarine
50 Gramm Zucker
1 Eigelb
etwas Margarine für die Kuchenform


Wie ihr es schon gewohnt seid, legt euch wieder folgendes bereit:

eine Schüssel, einen Messbecher für das Mehl, eine Untertasse für die Margarine, eine Tasse für den Zucker, eine weitere Tasse für das Eiweiß, welches zu einem späteren Zeitpunkt benötigt wird und eine Küchenwaage zum Abwiegen der Margarine und des Zuckers, ein Nudelholz, eine Springform.

Habt ihr nun alle Zutaten in vorgegebener Menge vorbereitet? Dann lasst uns keine Zeit verlieren und fangt an:

In die Schüssel gebt ihr das Mehl hinein und macht in der Mitte eine kleine Mulde. Genau in dieses Loch kommen die weiteren Zutaten,  nämlich der Zucker, die Margarine und das Eigelb (wie man das Eigelb von dem Eiweiß trennt kennt ihr ja schon von der Quarkspeise. Achtet nur darauf, dass kein Eigelb in das Eiweiß gelangt, da es sonst nicht steifgeschlagen werden kann). Nun deckt die Mulde wieder mit Mehl zu und auf geht’s, hinein mit den Händen ins Vergnügen. Knetet alles so lange, bis ein schöner glatter Teig entstanden ist, den ihr in einem großen Kloß aus der Schüssel nehmen könnt. Schaut euch den Kloß nun an und stellt euch vor, ihr müsst drei gleichgroße Teile daraus machen. Eines der Teile nehmt ihr nun von dem Kloß weg und legt es zunächst beiseite. Streut etwas Mehl auf einer glatten Fläche aus  (fragt die Mutti ob ihr den Küchentisch oder die Arbeitsplatte benutzen dürft) und legt den restlichen Teig darauf. Mit dem Nudelholz rollt ihr ihn nun rund aus, bis er auf den Boden der Springform passt. Bevor der Teig aber in die Springform kommt, muss diese mit Fett (Margarine) überall gleichmäßig bestrichen werden, damit der fertige Kuchen nicht anklebt und beim Herausnehmen ganz bleibt. Ihr habt alles richtig gemacht und der Boden der Form ist mit dem ausgerollten Teig belegt? Dann holt euch den Teig, den ihr beiseite gelegt habt. Diesen formt ihr nun (wieder auf einer mit Mehl bestreuten  glatten Fläche ) mit den Händen zu einer langen Wurst. Sie muss so lang werden, dass sie ganz um den Bodenrand gelegt werden kann. Drückt sie nun am Bodenteig und an den Seiten der Springform fest.
Jetzt kann gebacken werden. Lasst euch von euren Eltern den Backofen auf 180 Grad einstellen und schiebt die Backform auf die mittlere Schiene in den Ofen. Nach etwa 20 Minuten sollte er eine goldgelbe Farbe haben und kann herausgeholt werden.
Während der Backzeit müsst ihr euch aber schon um den Kuchenbelag kümmern und ein

Stachelbeerkompott zubereiten. Das geht so:

Ihr braucht

500 Gramm Stachelbeeren
¼ Liter Wasser
200 Gramm Zucker
1 Päckchen Vanillinzucker
50 Gramm Speisestärke

Die Gegenstände die ihr hierfür benötigt sind:

ein Kochtopf, einen Messbecher, Küchenwaage und Schüsselchen (für den Zucker und die Speisestärke), einen Kochlöffel.

Was machen wir nun? Richtig, das Stachelbeerkompott.

Das, mit dem Messbecher abgemessene Wasser kommt als erstes in den Kochtopf. Nun kommen die Stachelbeeren und der abgewogene Zucker, in den ihr schon den Vanillinzucker gegeben habt, hinein. Alles einmal mit dem Kochlöffel umrühren und aufkochen lassen. Bei geringerer Hitze (Herdtemperatur herunterdrehen) noch etwas schmoren lassen, bis die Stachelbeeren weich sind. Damit es keine Wassersuppe bleibt, rührt ihr die Speisestärke im Schüsselchen mit etwas kaltem Wasser an (im Wasser auflösen und rühren, bis keine Klümpchen mehr da sind) und schüttet sie zu den Stachelbeeren in den Topf. Ihr müsst nun die Kochtemperatur wieder hochstellen, damit der Topfinhalt nochmals kocht und so lange mit dem Kochlöffel rühren, bis die Suppe dicker wird und sich dann Kompott nennen darf, der dann zum Abkühlen vom Herd genommen wird.

Ist alles erkaltet vereinigen wir den Tortenboden mit dem Stachelbeerkompott.
Gebt also das Kompott auf den Tortenboden in der Springform und achtet darauf, dass ihr nicht über den Kuchenrand hinaus kommt.

Aber da war doch noch etwas. Genau, das Eiweiß. Daraus machen wir nun ein schönes
Eiweißgitter.

Hierfür braucht ihr nur:

1 Eiweiß
50 Gramm Zucker


Einige Dinge müsst ihr euch auch hier bereitlegen.

Eine Schüssel, Messbecher, Mixer, Spritzbeutel, Löffel

Das Eiweiß mit dem Zucker schlagt ihr mit dem Mixer in der Schüssel zu einem sehr steifen Eischnee. Ist der fertig, füllt den Eischnee in den Spritzbeutel.

Nun kommen wir wieder zu dem Kuchen. Spritzt den Eischnee gitterförmig auf das Stachelbeerkompott. Wenn ihr damit fertig seid, kommt der ganze Kuchen noch einmal in den Backofen, der wieder auf 180 Grad eingestellt ist und wenn das Gitter eine leichte braune Farbe hat, ist euer Stachelbeerkuchen fertig.

Sehr gut gemacht und lasst ihn euch schmecken.

Im Kindle-Shop: Das große Kinderkochbuch ( nicht nur für Kinder )

Mehr von R.D.V. Heldt auf ihrer Website.

14. Mai 2012

"Den Tod im Herzen" von Birgit Böckli

Ein Kurzthriller mit Horrorelementen: Nach mehreren schweren Schicksalsschlägen versucht der 44-jährige Dirk Färber, sein Leben neu zu ordnen. Der erste Schritt ist schnell getan. Nach jahrelanger Arbeitslosigkeit findet er eine gut bezahlte Anstellung als Wachmann auf einem Privatgelände. Doch schon bald muss er erkennen, dass auf dem luxuriösen Anwesen nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Weshalb darf er niemandem von dieser Beschäftigung erzählen? Und was hat es mit dieser seltsamen Maschine im Keller auf sich, deren lautes Summen ihm solche Angst einjagt? Als ein neuer Kollege spurlos verschwindet, beschließt Färber, der Sache endlich auf den Grund zu gehen und gerät mitten in einen Alptraum hinein.

Gleich lesen: Den Tod im Herzen

Leseprobe:
Färber schwirrte der Kopf. Mit jedem Meter, den er zurücklegte, verstärkte sich das unangenehme Gefühl in seinem Magen. Über dreihundert Bewerbungen hatte er in den letzten beiden Jahren geschrieben, niemand hatte ihn haben wollen. Und jetzt dieser Anruf. Es wollte ihm noch immer nicht in den Kopf, wie sie ausgerechnet auf ihn gekommen waren.
Er griff in die Jackentasche und förderte einen Rest Halbschwarzen zutage, dann das Zigarettenpapier. Tabakkrümel setzten sich unter seine Fingernägel. Jessy hätte ihm abgeraten, da war er sich ganz sicher. An diesem Job musste irgendetwas faul sein. Aber Jessy ging nicht einmal mehr ans Telefon. Zu gern hätte er mit ihr gesprochen, nur noch ein einziges Mal, um ihr zu sagen, wie Leid ihm alles tat. Dass sie keine Angst vor ihm zu haben brauchte. Und dennoch, ein Teil von ihm, derjenige, der nur in mondlosen Nächten zum Leben erwachte, wollte, dass sie litt. Obwohl er sie liebte, vielleicht weil er sie liebte. Es spielte keine Rolle mehr. Sie würden einander nie wieder in die Augen sehen können. Das Kind würde immer zwischen ihnen stehen.
Als er den Bahnhofsvorplatz überquerte, hatte es zu regnen begonnen. Ein paar Leute spannten ihre Schirme auf, andere begannen zu laufen, bevor sich der schmutziggraue Himmel vollends über ihren Köpfen entladen konnte. Färber trat an die Straßenbahnhaltestelle und setzte sich auf die Wartebank, begann hastig, sich eine Zigarette zu drehen.
„Sie wurden uns empfohlen“, hatte der Mann mit dem polnischen Akzent am Telefon gesagt. Sawatzki, erinnerte er sich dunkel, der Mann hieß Sawatzki. Nervös blickte Färber auf seine Armbanduhr, verfolgte, wie der Sekundenzeiger eine seiner endlosen Runden drehte. Und wenn es eine Falle war? Aber wer sollte ihn hereinlegen wollen? Er hatte weder Freunde noch Feinde. Wenn er in die Augen seiner Nachbarn sah, dann schwammen sie für gewöhnlich in einem stummen Mitleid, das ihn beinahe wahnsinnig machte.
Die sieben war genauso überfüllt wie der Bus, mit dem er angereist war. Eigentlich mochte er die Stadt, und er war schließlich nicht zum ersten Mal hier, aber an diesem Nachmittag machte ihm das Gedränge Angst. Die vielen Gesichter, gleichgültig oder aggressiv. Geschlagene zwanzig Minuten stand Färber zwischen den Leuten und klammerte sich an einer der Stangen fest, während von draußen das trübe Oktoberlicht durch die Scheiben hereinkroch und überall seine melancholische Stimmung verbreitete.
"Den Tod im Herzen" im Kindle-Shop

11. Mai 2012

"Tarhuna - Giftgas für Libyen" von Detlev Crusius

René Clausen, Besitzer eines kleinen, aber flo­rierenden Unternehmens der EDV-Branche lockt Anfang der neunziger Jahre das ganz große Geld. Elektronik soll er nach Libyen liefern. Der Kunde bezahlt sofort und viel mehr als üblich. Clausen weiß, dass die Lieferungen über Belgien abgewickelt werden, damit Deutschland nicht als Ursprungsland der Anlagen erkennbar ist. Ein großer deutscher Elektrohersteller scheint ebenfalls keine Bedenken zu haben. Vier Jahre reist René Clausen nach Libyen und Sy­rien. Von den Auftraggebern hofiert, begreift der deutsche Unternehmer mit jeder Reise und mit jedem neuen Auftrag mehr, auf welch gefährliche Geschäfte er sich eingelassen hat.

Gleich lesen: Tarhuna - Giftgas für Libyen




Leseprobe:
Am 20. August 1996 berichteten die Medien über Lieferungen brisanter deutscher Technologien nach Libyen. Die Bild-Zeitung titelte in großen Buchstaben: »Auschwitz im Wüstensand«. Dem war eine Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach nach der Verhaftung von Detlev Crusius vorausgegangen. Anklagepunkte: Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gegen das UN-Embargo.
Das Wochenmagazin Der Spiegel schrieb einen detaillierten Bericht mit der Überschrift »Computer für die Giftküche: Deutsche Technologie für eine neue Giftgasfabrik im libyschen Tarhuna hat die Bundesrepublik wieder einmal in Verruf gebracht. Trotz in den letzten Jahren verschärfter Gesetze und Kontrollen ist es noch immer einfach, Zollbestimmungen zu unterlaufen. Versagt hat im Fall Tarhuna auch der Bundesnachrichtendienst.«
Der Bundestag beschäftigte sich im Dezember 1996 (Drucksache 13/6613 vom 19.12.1996) mit dem Skandal: »Drei deutsche Staatsbürger sollen in den Jahren 1990 bis 1993 mehrere Steuerungsanlagen des Typs Teleperm M AS 235 und OS 265 von der Firma Siemens über ein Geflecht von Firmen bezogen und nach Libyen geliefert haben, wo diese Anlagen zur Produktion von Giftgas in einem Tunnelsystem bei Tarhuna 65 Kilometer südlich von Tripolis eingesetzt werden könnten.«
In Beantwortung einer kleinen Anfrage von Abgeordneten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN*, die Libyen Geschäfte seien unter Mitwirkung des BND abgewickelt worden, entgegnete der Vorsitzende der Parlamentarischen Kontrollkommission [PKK]: »Zu den jüngst bekanntgewordenen Versuchen deutscher Firmen, illegal Anlagenteile, die zur Herstellung von Chemiewaffen geeignet sind, von Deutschland über Belgien nach Libyen zu verbringen, stelle ich nach einem einstimmigen Votum der PKK fest: Es gibt für eine Beteiligung, eine Beihilfe oder eine unterstützende Mittäterschaft des BND, wie vereinzelt behauptet, keine tatsächlichen Anhaltspunkte. Anderslautende Behauptungen entbehren jeder Grundlage.«
Die deutsche Öffentlichkeit erinnerte sich noch gut an den Skandal um die Giftgasfabrik in Rabta, die von dem deutschen Anlagenbauer Imhausen nach Libyen geliefert wurde. 1990 brannte sie ab. Wie es zu dem Brand kam, ist bis heute nicht geklärt. Steckten westliche Geheimdienste dahinter, wie der libysche Staatspräsident Gaddafi es behauptet, oder waren es technische Pannen, nachdem das Fachpersonal aus den ehemaligen Ostblockstaaten aus Libyen abgezogen wurde?
Tarhuna sollte, so vermuteten nicht nur einige Bundestagsabgeordnete, Rabta ersetzen. Im deutschen Parlament musste die Bundesregierung Rechenschaft darüber ablegen, was man seit dem Imhausenskandal unternommen hatte, um solche Fälle zu unterbinden.
Einer der drei Angeklagten im Tarhunaskandal, der Drahtzieher und Mittelsmann Berge Balanian, konnte sich seiner Verhaftung entziehen. Vermutet wurde, dass der BND ihn rechtzeitig warnte, so dass er sich in den Libanon absetzen konnte.
Die beiden anderen Angeklagten wurden wegen Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das UN-Embargo verurteilt. Der Anklagepunkt Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, der mit einer Haftstrafe von 15 Jahren geahndet werden kann, wurde fallengelassen. Und das, obwohl es sich um Dual-Use-Güter handelte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Hätte man den Anklagepunkt aufrechterhalten, wären Regierungsvertreter und Mitarbeiter des BND in den Zeugenstand geladen worden. Daran schien niemand Interesse zu haben.
In diesem wie auch in späteren ähnlich gelagerten Prozessen zeigte sich, dass die Querverbindungen zwischen befreundeten wie gegnerischen Geheimdiensten und den sogenannten Terrorstaaten die Grenzen des Rechtsstaates häufig genug überschreiten.
Das Urteil im Prozess vor dem Landgericht Mönchengladbach anderthalb Jahre später gegen Detlev Crusius lautete: vier Jahre und drei Monate Haft. Sein Geschäftspartner kam mit dreieinhalb Jahren Haft davon.
Gemessen am ursprünglichen Tatvorwurf und der Maximalstrafe von 15 Jahren schien das Urteil milde. Zu erklären ist das damit, dass eine konsequente Aufdeckung aller Hintergründe des Vorfalls zu unkalkulierbaren Turbulenzen in weiten Bereichen der Politik und Wirtschaft geführt hätten.

* Die kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
ist einzusehen unter:
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/13/059/1305908.asc

Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/066/1306613.asc

Chapter 2

Er fuhr langsam. Die lange Fahrt von seiner Firma in Dresden bis zum Niederrhein steckte René Clausen in den Knochen. Es war der 8. August 1996, kurz vor Mitternacht.
Am letzten Autobahnkreuz waren ihm die Scheinwerfer eines Pkw aufgefallen, der ihm in mal längeren, mal kürzeren Abständen folgte. Das Kennzeichen konnte er in der Dunkelheit nicht erkennen. Er trat aufs Gaspedal, der Abstand zum Verfolger wurde größer, verringerte sich wieder, als der Fahrer hinter ihm ebenfalls beschleunigte. Er nahm das Gas etwas weg, wurde langsamer. Sein Verfolger rückte auf, drosselte dann aber auch die Geschwindigkeit. Der Abstand änderte sich wenig. Ein kleines Spiel in der Nacht.
Er erreichte die Ausfahrt zu seinem Heimatort. Der Wagen folgte ihm, bog ebenfalls ab. Jetzt musste René langsamer fahren, denn der Weg war schmal und kurvig, ging steil den Berg hinauf. Oben auf der Kuppe stand eine historische Mühle. Hinter der Mühle führte der Weg wieder hinunter, mündete in die Dorfstraße. Die Seitenränder waren nicht befestigt und häufig saßen Kaninchen oder Katzen auf der Straße.
Der fremde Wagen fuhr weiter hinter ihm, war jetzt dicht aufgerückt. René war müde, hatte neun Stunden Fahrt hinter sich. Jetzt im Hochsommer fuhr er lieber am späten Abend, da war es kühler. Er war ausnahmsweise mittags losgefahren und jetzt wollte nur noch nach Hause und ins Bett.
Das letzte Stück führte über landwirtschaftliche Wege, durch Felder, vorbei an einem kleinen Wäldchen. Er erreichte die Straße, die zu seinem Haus führte. Der andere Wagen war dicht hinter ihm geblieben. René bog links in die Einfahrt. Die Scheinwerfer folgten ihm weiter. Er parkte vor der Garage und schaltete den Motor aus. Der fremde Wagen stellte sich quer hinter seinen.
Mit schweren Beinen stieg René aus, er wusste, was jetzt folgen würde. Seine Frau hatte das Hoflicht angelassen, und in dem schwachen Licht sah er drei Personen auf sich zukommen, zwei Männer und eine Frau. In seiner Erinnerung läuft alles wie in Zeitlupe ab. Einer der Männer war groß, bestimmt ein Meter neunzig, Vollbart. Der zweite war jünger, kleiner, etwa seine Größe, glatt rasiert. Die Frau war von kräftiger Statur. Sie stand ein paar Meter weiter, blickte die Straße rauf und runter.
Der Große hielt ihm einen Ausweis und ein rotes Stück Papier vor das Gesicht. Lesen konnte er im spärlichen Licht der Hofbeleuchtung nichts. Der Große nannte auch seinen Namen, den er aber nicht verstand.
»René Clausen?«, fragte er.
»Ja, was wollen Sie von mir?«
»Sie sind vorläufig festgenommen. Treten Sie an Ihren Wagen. Legen Sie die Hände auf das Dach, machen Sie die Beine breit.«
Es folgte ein kurzer Vortrag, den Clausen aber nur bruchstückhaft verstand. Kriegswaffenkontrollgesetz, Libyen, Verstoß gegen das UN-Embargo, das waren die Kernbegriffe, die bei ihm hängen blieben, als der mit dem Vollbart sprach.
René Clausen stand neben der Fahrertür seines Autos, die Hände auf dem Wagendach, vornübergebeugt mit gespreizten Beinen. Hände tasteten ihn ab. Befühlten die Nähte an seinem Hemdkragen, befingerten den Gürtel, die Säume seiner Jeans, fassten ihm zwischen die Beine, rauf und runter, innen wie außen. Routiniert.
Panik? Nein, er war nicht in Panik, er war vorbereitet, und jetzt war es so weit. Auch wenn er es sich so nicht vorgestellt hatte. Ein Schock? Ja, ein unbehagliches Gefühl stieg in ihm hoch. Nur ein Satz ging ihm immer wieder durch den Kopf: Nicht umkippen. Ruhe bewahren.
»Er ist sauber«, sagte der Jüngere.
»Nehmen Sie die Hände auf den Rücken«, befahl der mit dem Bart. Er hatte plötzlich Handschellen in der Hand. Handschellen klickten. Bevor er sich’s versah, stand er mit auf dem Rücken gefesselten Händen neben seinem Auto. Er hatte nun doch weiche Knie. Nur nicht umfallen, dachte er. Nerven behalten, das regelt sich alles.
»Gehen Sie zum Auto rüber und steigen Sie ein.«, sagte der mit dem Bart. Er hatte offenbar das Kommando.
»Meine Frau erwartet mich. Ich muss ihr Bescheid sagen.«
»Ihre Frau wird schon merken, dass Sie nicht kommen.«
»Sie wird sehr lange warten müssen«, ergänzte der Jüngere.
Die beiden fassten ihn rechts und links am Ellbogen und führten ihn die paar Meter zu ihrem quer stehenden Wagen. In diesem Moment fing Bessie, ihre Zwergschnauzerhündin, an zu bellen. Die Haustür öffnete sich, und seine Frau Svetlana kam auf den Hof. Selbst im kümmerlichen Licht der Hofbeleuchtung sah er ihren Schrecken.
»Svetlana, ruf bitte unseren Anwalt an, du weißt doch, den Grübner. Sag ihm, ich sei festgenommen worden. Und hole mir bitte den Pullover aus dem Kofferraum.« Er konnte plötzlich wieder denken und wusste, dass ihm eine lange Nacht bevorstand. Er fror in seinem dünnen Hemd.
Svetlana sagte kein Wort. Sie kam zum Wagen und holte ihm aus dem Kofferraum seinen Pullover. Die Frau, die bisher die Straße gesichert hatte, ließ sich den Pullover geben. Sie befingerte ihn und legte ihn auf den Rücksitz des Polizeiwagens. Plötzlich hatte er Angst, dass Svetlana keinen Schlüssel bei sich trug. Sie hatte die Tür zugeschlagen, damit der Hund nicht auf die Straße laufen konnte. Er wusste, wie oft sie sich bereits ausgesperrt hatte.
»Hast du den Haustürschlüssel?«, fragte er sie.
»Ja, habe ich.« Sie blickte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
Beruhigend sagte er: »Mach dir keine Sorgen, das klärt sich bestimmt schnell, ruf nur Grübner an, das ist wichtig.«
Die Frau nahm einen Kindersitz von der Rückbank und verstaute ihn im Kofferraum. Mit den Händen auf dem Rücken setzte er sich unbeholfen auf den Rücksitz des Autos. Alle stiegen ein. Der mit dem Bart fuhr, der Jüngere saß neben ihm. Die Frau saß vorne auf dem Beifahrersitz. Der Fahrer wendete. Das Letzte, was er wahrnahm, war Svetlana. Sie stand dort wie erstarrt, ganz verloren im schwachen Lichtschein der Hofbeleuchtung. Sie hatte ein grünes T-Shirt und Jeans an, die Arme vor der Brust und beide Hände vor den Mund gedrückt. Ihre Schultern krümmten sich nach vorn. Sie weinte.
Sie fuhren durch die dunklen Straßen. Die Uhr am Armaturenbrett zeigte Mitternacht. Der Fahrer nahm ein Mikro von der Konsole, tippte auf der Tastatur etwas ein und sagte:
»Objekt 1 festgenommen, keine Probleme.«
Knistern und atmosphärische Störungen drangen aus dem Lautsprecher. Dann eine Antwort: »Objekt 2 festgenommen, keine Probleme.«
Der Große hängte das Mikro wieder in die Halterung. Sie fuhren auf die Landstraße. Niemand sagte etwas.
Nach einer Weile, sie waren inzwischen auf der Autobahn, fragte Clausen: »Wohin fahren wir?«
Schweigen.
Nach einer längeren Pause sagte der Jüngere: »Ins Präsidium nach Mönchengladbach.«
Wieder Schweigen.
»Können Sie einigermaßen sitzen?«, fragte der Jüngere schließlich noch.
»Geht so.« Irgendwie stimmte Clausen die Frage optimistisch.
Nach knapp einer Stunde erreichten sie Mönchengladbach, kamen auf den Ring, fuhren hinter dem Gerichtsgebäude rechts in eine kleine Seitenstraße, bogen mehrmals nach rechts und links ab. Clausen verlor die Orientierung. Ein Eisentor rollte zur Seite, sie fuhren in einen Hof, der von grellen Scheinwerfern beleuchtet wurde. Obwohl er noch nie hier gewesen war, wusste er, wo er sich befand. Im Gefängnis.

Im Kindle-Shop: Tarhuna - Giftgas für Libyen

Mehr über und von Eddy Zack auf seiner Website.

7. Mai 2012

"Mutterliebe ist grenzenlos" von Sigrid Wohlgemuth

1895 zieht ein langer Winter durchs Land. Wilhelms Mutter gibt ihrem Leiden nach und stirbt. Von nun an muss der Junge alleine, mit dem Bewirtschaften der Felder, klarkommen. Dürre und Verlust der Ernte bringen ihn zur Verzweiflung. Immer wieder geht er zum Grab seiner Mutter, bittet sie um Rat und Hilfe. Wird sie ihm helfen können?

Leseprobe:
Im Jahre 1895 zog ein langer Winter übers Land. Noch nie hatte ein Dorfbewohner eine derartig harte, eisige Jahreszeit erlebt. Die Lebensmittel wurden knapp und das Brennholz reichte nicht aus, um die Häuser vor der Kälte zu schützen. Am Waldesrand wohnten Auguste und ihr fünfzehnjähriger Sohn Wilhelm. Sie hatten für den Winter vorgesorgt, doch durch die anhaltende Kälte gingen die Vorräte zur Neige.

Gleich lesen: "Mutterliebe ist grenzenlos" im Kindle-Shop

4. Mai 2012

"Die Herz Trilogie" von Cathy McAllister

Drei Novellen im Sammelband: "Fessel mein Herz", "Bezwinge mein Herz" und "Rette mein Herz".
Fessel mein Herz: Montana Douglas lebt abgelegen in der Nähe von Culloden Moor. Das Leben der toughen Anwältin gerät aus den Fugen, wenn eines Abends ein blutbesudelter Fremder im Kilt und mit blutigem Schwert in ihr Haus eindringt. Ist er ein irrer Massenmörder? Und warum scheint er weder Handys, Autos, noch sonst irgendwelche technischen Errungenschaften zu kennen? Im Sog der Zeit und dem Strudel der Leidenschaft vergisst sie ihr oberstes Prinzip. Niemals wollte sie einem Mann ihr Herz öffnen.

Bezwinge mein Herz: Elisa Innes, kurz Elly, wird auf der Reise nach Amerika von einem maskierten Piraten entführt. Alles deutet darauf hin, dass ihr mysteriöser Entführer derselbe Mann ist, der ihr im Gasthaus im Hafen von Thurso einen Kuss gestohlen hatte. Doch warum versteckt er dann sein Gesicht hinter einer Maske? Und was hat er mit ihr vor?

Rette mein Herz: Als Marie Gordon den verwundeten Indianer Taheton auf dem Heuboden entdeckt und ihn versorgt, spürt sie sofort dieses Knistern zwischen ihnen. Sie verbringen eine Nacht voller Leidenschaft, doch sie weiss auch, dass sie niemals zueinander gehören können. Er ist ein Wilder und sie eine junge Frau aus gutem Hause. Nie würde ihr Bruder eine solche Verbindung zulassen. Doch ihre verbotene Liebe hat Folgen und die Familie plant eiligst, Marie mit einem Witwer zu verheiraten.

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Leseprobe:
Bhreac tigerte in dem kleinen Salon herum, wie ein gefangenes Tier. Marie trat an ihren Bruder heran und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Ich gehe jetzt zu ihr. Mach dir keine Sorgen, sie ist stark und gesund. Sie wird es schon schaffen“, versuchte sie Bhreac zu beruhigen.
„Aber die Hebamme sagt, es sei ein großes Kind. Montana ist so schmal. Wie soll sie …?“
Lucio betrat das Zimmer mit einer Flasche.
„Komm Mann. Wir regeln dass jetzt auf Männerart. Setz dich mit mir hier hin und wir betrinken uns anständig!“
Bhreac schaute den Mann seiner ehemaligen Dienstmagd Elly dankbar an.
„Das sind die ersten vernünftigen Worte, die ich bisher gehört habe, seit dies alles angefangen hat“, sagte er und setzte sich mit Lucio an den Tisch. „Du passt mir gut auf sie auf, ja Marie?“
Marie seufzte. Das war wieder typisch. Männer! Naja, immer noch besser, sie betranken sich, als dass sie einen mit ihrer Nervosität in den Wahnsinn trieben.
Sie nickte.
„Natürlich. Es wird schon.“
Marie war froh, als sie die Tür hinter sich zumachen konnte und sie stieg die Treppe hinauf zum Schlafzimmer ihrer Schwägerin.
„Wie steht es?“, fragte sie die Hebamme beim Eintreten.
Die ältere Frau saß auf einem Stuhl am Fußende des großen Bettes und lächelte Marie zuversichtlich an.
„Alles in Ordnung bisher. Die Wehen kommen gut und kräftig und sie hat sich schon ein gutes Stück geöffnet. Fünf Finger kann ich schon hineinbekommen. Aber's kann noch dauern.“
Marie schloss die Tür und setzte sich neben ihrer Schwägerin auf das Bett. Montana sah etwas verschwitzt aus, aber sie grinste tapfer.
„Wie geht es dir?“
Montana verzog das Gesicht.
„Ging mir schon mal besser, aber ich will mich nicht beklagen.“
Marie ergriff Montanas Hand und drückte sie.
„Du schaffst das. Ich werde nicht von deiner Seite weichen. Wenn es erst einmal geschafft ist, wirst du reichlich entschädigt werden.“

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2. Mai 2012

"Diamanten aus Afrika" von Manfred Rehor

Ein Benjamin Liersch-Abenteuer. Benjamin und sein Freund Saban kämpfen im Berlin des Jahres 1888 gegen Kriminelle, die Rohdiamanten aus der Kolonie Deutsch-Südwestafrika für politische Zwecke missbrauchen wollen.

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Leseprobe:
Die Haut des Jungen war schwarz, noch dunkler als die von Benjamin, und sein Haar war kraus. Während der Überfahrt hatte Benjamin ihn mehrmals kurz gesehen, aber da war der Junge mit Ruß und Kohlenstaub bedeckt gewesen. Er arbeitete wahrscheinlich als Heizer unten an der riesigen Dampfmaschine des Schiffes. Eben kam er wieder aus einer Luke hoch an Deck.
Benjamin machte seinen Vater auf ihn aufmerksam. Doch bis der hinsah, war der schwarze Junge wieder verschwunden.
„Warum interessierst du dich für ihn?“, fragte sein Vater.
„Er sieht aus, als ob er Angst hat“, antwortete Benjamin.
Benjamins Vater wandte sich an den Ersten Offizier und erkundigte sich, ob ein Afrikaner unter der Mannschaft sei.
„Nein, Herr Legationsrat“, lautete die Antwort. „Wo sollte der auch herkommen? Wir pendeln nur zwischen London und Hamburg.“
„Erkundigen Sie sich bitte beim Kapitän“, verlangte Benjamins Vater. „Vielleicht weiß er etwas.“
Der Erste Offizier fasste das als Beleidigung auf, wie Benjamin an dessen mahlenden Kiefern erkannte. Aber er gehorchte, denn Benjamins Vater war nicht irgendwer, sondern der Geheime Legationsrat Gregor Liersch. Ein Sonderbevollmächtigter von Fürst Bismarck bei der deutschen Botschaft in London, ausgestattet mit einem Diplomatenpass. Der Legationsrat befand sich auf dem Weg nach Berlin, um Bismarck in einer dringenden politischen Angelegenheit persönlich zu sprechen. So viel wussten die Offiziere an Bord, und deshalb genoss Gregor Liersch eine besondere Stellung. Allerdings stimmte das mit der dringenden politischen Angelegenheit nicht so ganz. Benjamin und sein Vater waren auf einer Urlaubsreise, in deren Anschluss ein Besuch in Berlin geplant war. Fürst Bismarck wollte den Legationsrat zwar sprechen, hatte aber gleich mitteilen lassen, dass das bis nach dem Urlaub Zeit habe.
Der Erste Offizier kam zurück und salutierte zackig. „Der Kapitän lässt ausrichten, dass sich an Bord unseres Schiffes keine Afrikaner befinden, auch keine Amerikaner oder andere Personen dunkler Hautfarbe.“ Nach einem Seitenblick auf Benjamin fügte er hinzu: „Jedenfalls nicht unter der Besatzung.“ Noch einmal salutierte er, dann ging er davon, bevor der Legationsrat eine weitere Frage stellen konnte.
„Du hast dich also geirrt, Benjamin“, sagte Gregor Liersch. „Wahrscheinlich war es ein Junge mit sonnengebräunter Haut, der durch den vielen Kohlenstaub schwarz aussah.“
„Er ist Afrikaner“, beharrte Benjamin. „Ich irre mich nicht.“
Wie sollte er auch, stammte doch seine eigene Mutter aus Afrika. Er selbst war also halb Afrikaner, weil sein Vater sich während einer diplomatischen Mission in Afrika in seine Mutter verliebt und sie geheiratet hatte. Benjamin war nie in Afrika gewesen, aber er spürte seine Verbundenheit zu diesem Kontinent, wann immer die Rede darauf kam. Er war sich sicher, in dem fremden Jungen fast ein Ebenbild seiner selbst entdeckt zu haben.

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