30. September 2021

'MORO: Flucht im 24. Jahrhundert' von Maxi Magga

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Maxi Magga auf Facebook
Das Ringen eines von allen Verachteten um Freiheit und Menschlichkeit

Wer dem sadistischen Sklavenhalter entkommt, ist noch lange nicht in Sicherheit. Das muss auch Moro erfahren. Vogelfrei und gekennzeichnet mit einem Halsring, der nicht zu entfernen ist, kämpft er ums nackte Überleben. Wird er seine junge Frau und seinen Sohn wiederfinden, die er verließ, um sie zu retten? Damals, als er sich in die Sklaverei verkaufte ...

Anleser:
„Nein, bei sowas mache ich nicht mit. Ich werde niemandem wen auch immer ausliefern, der hier bei uns Zuflucht gesucht hat.“
„Bitte, Madam, Sie beide sind etwas ganz Besonderes, keinem außer Ihnen würde es leidtun, so zu handeln. Aber es muss sein. Ihretwegen und auch um meinetwillen.“
Fassungslos riss sie die Augen auf. Beide Hände fest auf den Tisch gestemmt, fuhr sie ihn an: „Um deinetwillen? Ja, was glaubst du denn, was die Guardians mit dir machen werden, sobald sie dich in die Finger kriegen?“
„Sie werden mich meinem Besitzer ausliefern. Der wird sich an mir rächen und mich früher oder später töten.“
Amelie merkte, wie ihre Beine zu zittern begannen, und tastete sich mit der Hilfe ihres Mannes auf den Stuhl zurück.
„Aber das ist nicht wichtig“, fuhr Moro im gleichen sachlich-ruhigen Ton wie zuvor fort. „Wenn auch nur Gerüchte aufkommen, dass Sie mir geholfen haben, haben Sie nicht nur die Guardians und die Gerichte im Nacken, sondern Ihre Freunde, die Nachbarn und die Kastenoberen werden mit Ihnen abrechnen wollen. Aber am gefährlichsten wird mein Herr sein. Er ist reich und hat als Angehöriger der B-Kaste sehr viel Macht. Er lässt so ein ungebührliches, kastenschädigendes Verhalten, das die gegebene Ordnung auf den Kopf stellt, sicher nicht durchgehen.“
Auch Moro holte tief Luft und sprach eindringlich weiter.
„Und für all dieses Leid würde ich die Verantwortung tragen, weil ich zu schwach war. Dass ich nicht weggelaufen bin, sondern umkehrte, wäre nichts mehr wert. Selbst das Opfer meines Vaters, der den Tod in Kauf nahm, um mir die Flucht zu ermöglichen, wäre sinnlos. Bitte, tun Sie mir das nicht an. Das wäre furchtbarer für mich, als alles, was mein Herr sich ausdenken könnte.“
Um das verdächtige Glitzern in seinen Augen zu verbergen, wandte Moro sich ab. Vedhes schloss die schluchzende Amelie in seine Arme und versuchte sie zu trösten. Leise flüsternd, stimmten sie sich miteinander ab.
„Wir haben eine Entscheidung getroffen, Moro“, verkündete er nach einer Weile. Dieser drehte sich langsam um, straffte sich und erwartete sein Urteil.
„Es gefällt uns nicht, was du von uns verlangst. Ganz und gar nicht.“
Moros Herzschlag setzte aus, alles Blut wich aus seinem Gesicht.
„Aber du hast uns überzeugt“, fuhr Vedhes mit rauer Stimme fort. „Wir werden uns so verhalten, wie du es vorgeschlagen hast. Bist du nun zufrieden?“

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'Blind Marriage' von Lilian Dean

Taschenbuch
Website Lilian Dean
Megan hat ihren Job verloren, die Schulden häufen sich und sie weiß nicht mehr weiter. Da entdeckt sie eine Annonce in einer Zeitung:

Jung, gut aussehend, Millionär sucht Frau zum Sofort-Heiraten. Melde dich, mit Foto. Sehr gute Entlohnung!

Aus Verzweiflung schreibt sie ihm.
Eine Entscheidung, welche ihr Leben völlig auf den Kopf stellt.

Anleser:
Als ich zurückkam, hatte Thelma die Zeitung wieder in den Händen. »Ich würde ja zu gern wissen, wie der Kerl so ist, der hinter so einer Anzeige steckt. Was das für ein Mensch ist«, flüsterte sie und kaute auf ihrer Unterlippe, wobei sie mich ein bisschen an Mrs Marple erinnerte.
Ich setzte mich neben sie auf die Couch.
Mrs Marple spitzte die Lippen. »Schreib ihn doch an. Ich bin sicher, er schreibt zurück, wenn er ein Foto von dir sieht.

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27. September 2021

'Der Figaro: Was ist schon ein Jahr' von Lutz Spilker

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Lutz Spilker
Auf dem Dachboden des elterlichen Bauernhofs fällt Adrian beim gemeinsamen Spiel mit seiner Zwillingsschwester eine Schere in die Hände. Er findet heraus, dass sie mit den Haaren auch Lebensjahre abschneidet, wodurch eine spontane Verjüngung stattfindet. Diese bestimmbare Rückversetzung betrifft lediglich die Person, deren Haare geschnitten werden. Nur sie wird umgehend jünger. Alles andere, wie die aktuelle Zeit, die individuelle Erfahrung und auch das Gedächtnis, ändern sich nicht.

Sowohl Adrians Kindheit als auch seine Jugend verlaufen unglücklich, weil ihn sein äußerst gewalttätiger Vater wegen jeder Kleinigkeit misshandelt.

Auf dieser Welt war er nicht willkommen, seine Zwillingsschwester hingegen schon. Sie wurde in jeder Weise bevorzugt und wusste diese Position auch auszunutzen. Selbst als junges Ding gab sie sich schon sehr aufreizend.

Adrian tritt im Dorf eine Lehrstelle als Friseur an. Es war sein Wunsch, seitdem er die Schere fand. Er hielt es für einen Wink des Schicksals.

Später, während eines Besuchs in der Stadt, lernt er die bezaubernde Marielle kennen. Sie heiraten und sie beziehen ein Haus. Marie, wie Marielle allgemein genannt wird, stammt aus einer vornehmen und begüterten Familie. Dadurch erfährt Adrians Leben einen drastischen Kurswechsel, war er doch stets der Bauernbursche. Rasch passt er sich dieser Veränderung an.

Mittlerweile hat ihn die Spielsucht fest im Griff. Die aus dieser Leidenschaft entstehenden Verpflichtungen sind immens. Er besinnt sich auf die Fähigkeiten der Schere, die er seit dem Zeitpunkt des Fundes stets bei sich trägt und entwickelt eine Idee ...

Anleser:
Ein Schicksal, ein Mann und eine Schere. Mit diesen drei Komponenten wäre die ganze Geschichte bereits zusammengefasst. Es wäre wie Glas, Metall und Edelgas, die zusammen eine Glühbirne ergeben. Doch dann kommt noch etwas hinzu, was daraus entsteht: Licht. Ebenso gut besteht Wasser - rein chemisch betrachtet - aus zwei Teilen Wasserstoff und einem Teil Sauerstoff, doch es erklärt nicht das Attribut, welches Wasser einzigartig macht: Es ist nämlich flüssig! Aber das sagt die Formel H2O nicht aus. Also ist der Zusammenhang der entscheidende Faktor.
Demnach besitzt der Mann nicht nur ein Schicksal und eine Schere, sondern ... und das erzählt diese unglaubliche Geschichte.

Also spendieren wir den folgenden Seiten auch etwas mehr Erklärung und betrachten die Figuren näher. Denn jeder würde gerne an der Zeitschraube drehen und einige Momente als ungeschehen dastehen lassen ... wenn es sich bloß bewerkstelligen ließe. Manchmal handelt es sich nur um wenige Sekunden oder Minuten. Ein anderes Mal wären es womöglich Stunden oder Tage. Was passiert jedoch, wenn es sich bei der kleinsten, vorhandenen Zeiteinheit um ein Jahr handeln würde? War ist schon ein Jahr ... ein Jahr mehr oder weniger ...
Es ist die permanente Veränderung und der stete Verfall, an dem sich der Lauf der Zeit erkennen lässt. Die unmerklichen Veränderungen, die erst sichtbar werden, wenn sich das Verborgene ins Dasein geschlichen hat und plötzlich als gegeben betrachtet wird, dennoch es sich unentwegt weiter verändert.
Doch sobald die Veränderungen entdeckt werden, steht ihnen ein Kampf bevor, als wären sie der ärgste Feind. Doch der Lauf der Zeit lässt sich nicht aufhalten, nicht verzögern und nicht umlenken. Er lässt sich auf niemand anderen übertragen und er lässt sich nicht umkehren. Auf den Niedergang kann nicht verzichtet werden.
Selten gelingt es Menschen sich mit dem fortschreitenden Alterungsprozess abzufinden, der mit der Geburt eines jeden Lebewesens initiiert wird und scheinbar erst mit dem Ableben stoppt.
Pflanzen welken dahin, ihre Vitalität geht sichtbar dem Ende entgegen und bei Menschen findet dieser Prozess ebenso statt. Aufhalten lässt sich der Alterungsprozess nicht - nur optisch kaschieren.
Eingriffe in die Ernährung lassen die Hoffnung auf einen verzögerten Reifungsprozess aufkeimen. Auch chirurgische Korrekturen gesellen sich zu den Maßnahmen, die eine scheinbare Verjüngung imitieren. Ebenso werden Kosmetika unterstützend eingesetzt.
All das dient der Erhaltung einer Jugend, die längst nicht mehr da ist. Man müsste sich schon 20, 30 oder eine beliebige Zahl an Jahren in der Zeit zurückbewegen können. Dann wäre der Körper wieder der, welcher er zu jenem Zeitpunkt gewesen war. Die vermisste Vitalität würde wieder vorhanden sein, die Kraft, die Ausdauer und vieles von dem, was einige Menschen nicht mehr spüren.
Wie viel gäbe ein 60-jähriger dafür her, wenn er noch einmal 20 Jahre alt sein könnte und all sein Wissen, seine Erfahrung und sein bisheriges Leben behalten dürfte ... lediglich sein Alter würde sich ändern. Er gäbe viel dafür her ... sehr viel.
Irgendwann aber ergreift die Unumgänglichkeit des Verfalls das Bewusstsein und der Wunsch wieder jung zu sein nimmt seinen Lauf.
Denn wie oft schon wollte man sein Leben mit einer anderen Person tauschen und wie oft schon trat der Fall ein, sich aus einer Szene "beamen" zu wollen.

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21. September 2021

'Das Mädchen da oben auf der Treppe ... werde ich heiraten' von Harry Robson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Harry Robson
Eine ungewöhnliche Lebensgeschichte.

Gibt es ein Leben vor dem Tod?
Aber gewiss doch. Harry Robson, Baujahr 1950, schreibt von Liebe, Erotik, Sex, Crime, Betrug, Verrat, Aufstieg und gnadenlosem Niedergang. Dieses Buch, spannend und informativ zugleich, zieht den Leser von der ersten Zeile an in seinen Bann. Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Lebensreise, die 70 Jahre andauert. Nur die Wenigsten würden diese Reise lebend überstehen und wären am Ende noch in der Lage, ein Buch darüber zu schreiben.

Lesen Sie dieses Buch und Sie werden wissen, ob Sie es auch geschafft hätten.

Lesermeinungen auf LovelyBooks.

Anleser:
[...]
Ärger gab es auch zwischen Romika und mir. Gewaltigen sogar. Der Supergau! Einige Monate nach Rockys Geburt fragte ich Romika, wann sie glaube, sich so weit von der Geburt erholt zu haben, dass wieder an Sex zu denken sei. Bei Emma war das recht flott wieder der Fall. Romikas Antwort irritierte mich enorm: Es würde keinen Sex mehr geben. Sie habe sich immer zwei Kinder, Junge und Mädchen gewünscht und das sei ja nun geschehen. Ihre Familienplanung sei abgeschlossen, Sex mit mir daher nicht mehr nötig. Ich hielt es für einen dummen Witz, aber ihr war es bitterer Ernst. Um diese Aussage zu unterstreichen, wurde Rocky dann nächtens immer zwischen Romika und mir ins Bett gelegt. Damit sollten und wurden nächtliche „Übergriffe“ verhindert. Es hatte keinen Zweck, mit ihr zu verhandeln. Es war von ihr verkündet und beschlossen! Eines Morgens, ich hatte mich wohl in der Nacht etwas zu laut selbst befriedigt, meinte sie: „Geilen Sex gehabt heut Nacht?“ Sie fand ihren Witz einfach übermächtig gut und lachte den ganzen Tag immer wieder über diese, ihrer Meinung nach wirklich gelungene Anmerkung.

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17. September 2021

'Mr. Never-Ever (The Cavaliers 1)' von Monica Bellini

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Ihre Initialen ergeben das Wort CAVALIER … was sie definitiv sind … abgesehen von atemberaubend sexy und scharf wie Chili. Kurz gesagt: Hot as Hell.
Sie sind THE CAVALIERS.
C.A. sind die Initialen des Amerikaners Clive Atkinson. Das ist seine Geschichte.

Clive Atkinson arbeitet in Genf für die Vereinten Nationen. Er geht in seinem Job auf, nur gelegentlich gönnt er sich einen One-Night-Stand – vom Flirt bis zum Sex, nie darüber hinaus. Bis er über sein weibliches Pendant stolpert …

Die Journalistin Janet Thompson ist zwar blauäugig und blond, aber vom Barbie-Klischee eine Galaxie entfernt. Die Überholspur gehört ihr. Ihre Kollegen können lediglich ihre Rückseite bewundern, als sie im europäischen UN-Headquarter akkreditiert wird. Karriere ist alles, Männer nur ein gelegentlicher Zeitvertreib. Und so verwirrend dieser superheiße Clive auch ist – mehr als eine Nacht ist nicht drin!

Abgeschlossener Liebesroman mit heißen Szenen und Happy End.
Mr. Never-Ever ist der erste Roman der Reihe The Cavaliers. Alle Bücher können ohne Vorkenntnisse gelesen werden.


Anleser:
»Großartig, Janet.« David Todua sprach sie mit ihrem Vornamen an, und plötzlich hatte sie das Gefühl, dazuzugehören. Es dauerte allerdings nur eine oder zwei Sekunden, denn das, was er sagte, als er weitersprach, zog ihr den Boden unter den Füßen weg. »Ihr Vorschlag wurde somit unmissverständlich angenommen, was automatisch mit sich zieht, dass Sie an der Umsetzung arbeiten werden. Sprich, Sie, Ms. Thompson, werden die Entscheidungsbefugten seitens der WHO und des UNHCR zusammenbringen. Aber Sie werden das natürlich nicht allein tun, dazu wäre es zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu früh. Clive Atkinson kennt alle Abläufe und all die Regeln, die innerhalb unserer Organisation eingehalten werden müssen, um diplomatische Verwicklungen zu vermeiden, und hat schon viele derartige Projekte geleitet. Er ist der richtige Mann für Sie!«
Janets Herz rutschte abwärts. Es fühlte sich an, wie wenn sich ihr lebenserhaltendes Organ plötzlich nicht mehr in der Brust, sondern in ihrem Bauch befände. Dort spürte sie ihren Puls – und als sie ihren Blick Clive zuwandte, sorgte ein eiskalter Schauer, der sich von ihrem Nacken löste und wie ein Blitz über die Wirbelsäule nach unten sauste, dafür, dass sie Gänsehaut bekam.
Danach fehlten in ihrer Erinnerung einige Minuten. Sie begriff nämlich erst, dass das Meeting beendet war, weil Stuhlbeine über den Boden rutschten, Menschen aufstanden und zugleich der Geräuschpegel im Raum anstieg. Ein paar Leute lachten und im selben Moment näherte jemand seinen Kopf von hinten dem ihren. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer es war. Clives unverkennbarer Duft hüllte sie ein.
»Wir müssen reden.« Er sprach nicht, er knurrte.
»Aber doch nicht hier«, erwiderte sie flüsternd.
»Natürlich nicht«, blaffte er.
Sie erschrak, fühlte sich beengt, rutschte auf der Sitzfläche zur Seite, während sie ihren Rücken über die Armlehne nach hinten bog und ihm ihr Gesicht zuwandte. Hätte sie das nur nicht getan! Die steile tiefe Falte an seiner Nasenwurzel sprach Bände. Janet schluckte.
»Erinnerst du dich noch, wo ich wohne?«
Automatisch nickte sie.
»Heute Abend um acht bei mir. Sei pünktlich.«
Sie begriff erst, was geschehen war, als Clive Atkinson längst den Raum verlassen hatte. Doch sie kam nicht dazu, darüber nachzudenken, dass seine Frage, ob sie sich noch an die Adresse erinnern würde, eine Unverschämtheit war. Wie denn nicht? Sie hatte mit ihm in seiner Wohnung den besten Sex ihres Lebens gehabt – und nicht nur ein einziges Mal!
»Janet, ich bin Birgit Wyss, Mr. Toduas Sekretärin.« Die Frau mit den karottenroten Haaren reichte ihr die Hand. »Du bist eine wohltuende Überraschung. Was hältst du davon, mir beim Mittagessen ein wenig von dir zu erzählen?«

Janet dachte erst wieder an Clives taktlose Frage und die Art, mit der er sie zu sich einbestellt hatte, als das Taxi kurz vor acht vor dem Apartmenthaus hielt, in dem er lebte. Plötzlich war die Wut erneut da, als ob sie nie verschwunden wäre. Sie zahlte die Fahrt, stieg aus dem Wagen und stürzte zum Klingelbrett neben dem Eingang. Lediglich die Tatsache, dass das Haus eine überschaubare Anzahl von Wohnungen und bloß zwei pro Stockwerk hatte, ließ sie auf Anhieb die richtige Klingel finden, denn anstelle von Namen waren auf den Schildern nur Nummern zu lesen. Clive antwortete nicht. Stattdessen schnarrte der Türöffner. Janet hatte es zu eilig, diesem verdammten Mistkerl ihre Meinung zu sagen, um den Lift zu nehmen. Sie lief die Treppe nach oben. Clive lehnte barfuß in einer tief auf den Hüften sitzenden Trainingshose und einem Shirt gegen den Türrahmen, packte sie an der Hand, zog sie in den Flur und trat die Tür mit dem Fuß zu.
»Hat dir schon jemand gesagt, dass du ein Ar...«
Er erstickte die nächsten Buchstaben und den Rest des Satzes, indem er ihre Lippen mit den seinen verschloss, seine Zunge dazwischenschob und sie so hart und leidenschaftlich küsste, dass sie einen Blackout hatte. Als sie zu sich fand, konnten ebenso zwei wie zwanzig Minuten vergangen sein – sie wusste es nicht. Aber ihre Wut flammte sofort wieder auf.
»Du bist so ein verdammter ...«
Clive legte seine Hand auf ihren Mund. Er schüttelte den Kopf und seine braunen Augen schienen golden zu funkeln.
»Sei still, Janet. Ich will nicht hören, was du zu sagen hast, bevor wir beide nicht miteinander fertig sind. Bis dahin lass uns jetzt einfach nur so tun, als ob der heutige Tag nicht stattgefunden hätte.«
Sie wiederholte fragend die zwei Wörter, an die sie sich erinnerte. »Miteinander fertig?«
Clive nickte, ließ resolut ihre Jacke von den Schultern gleiten und öffnete mit einer Hand die Knöpfe ihrer Bluse. Mit der anderen bugsierte er sie in den rundum verglasten Wohnraum. Dort beugte er sie über die Sofalehne, schob ihren Rock mit festem Griff nach oben und stöhnte auf. Vermutlich, als er die Bordüre der halterlosen Strümpfe und die nackte Haut darüber bemerkte. Oder aber …

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15. September 2021

'Abels Vermächtnis' von Aileen O'Grian

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Blog Aileen O'Grian
Im Jahre 2080 ist der gesamte Süden Europas eine Wüstenregion. Nur wenige Menschen besiedeln das Gebiet und fristen dort ein armseliges Dasein. Der Norden riegelt sich ab und beutet die verarmten Süd- und Südosteuropäer aus.

Die Genmedi Corporation entwickelt aus menschlichen embryonalen Stammzellen Medizin gegen Diabetes, Rheuma und Leukämie. Um ausreichend Embryonen zu erhalten, werden die Frauen mehr schlecht als recht dafür bezahlt, dass sie ihren Körper für die Produktion von Eizellen zur Verfügung stellen. Für die meisten Familien ist es die einzige Einnahmequelle.

Der musisch begabte Abel wächst in einer privilegierten, reichen Familie in Berlin auf. Er möchte Pianist werden, doch sein Vater, Direktor der Genmedi Corporation, hat andere Ziele für ihn vorgesehen. Er zwingt den Jungen, auf seine Musik zu verzichten und BWL zu studieren und bei Genmedi einzusteigen. Mehrfach rebelliert Abel, doch letztendlich resigniert er und versucht, den Erwartungen seines Vaters zu entsprechen.

Als er nach dem Studium seine Tätigkeit bei der Genmedi aufnimmt, ist es eine seiner ersten eigenverantwortlichen Aufgaben, die Produktionsstätten in Spanien zu bereisen. Dort erlebt er, wie schwierig das Leben für die Menschen ist und wie sehr seine korrupte Firma die Familien ausbeutet. Er beschließt, die fast sklavenähnlichen Bedingungen, unter denen die Leute dort dahinvegetieren, aufzudecken und die Beteiligung der Genmedi an diesen Zuständen publik zu machen, ohne zu ahnen, in welche Gefahr er sich bringt. Wird es ihm gelingen, den Menschen zu helfen?

Leseprobe:
Da Abel an diesem Abend keine Lust hatte, seinem Vater zu begegnen, ging er in eine Kneipe, setzte sich an den Tresen und bestellte ein Bier.
„Hallo Abel, wie geht es dir?“
Abel schaute hoch. Ein kräftiger junger Mann mit dunklen Haaren stand vor ihm. Er konnte sich an ihn nicht erinnern.
„Georg vom Fußballverein“, half der andere ihm.
„Ach ja, Georg, hallo, wie geht es dir?“ Abel lächelte sein Gegenüber an. Georg war der Einzige aus der Mannschaft gewesen, der nett zu ihm war. Die anderen hatten nie mit ihm spielen wollen. Abel konnte es ihnen nicht verdenken, schließlich war er ein schrecklicher Spieler gewesen. Er war nur zum Training gegangen, weil er seinem Vater gefallen wollte.
„Oh, ich spiele immer noch Fußball. Momentan bei den zweiten Herren, aber demnächst darf ich bei den ersten mitspielen.“ Georg bestellte für sich und Abel ein Bier.
„Ich gehe zum Tennisspielen. Leider bin ich da auch nicht sehr begabt. Aber ich bewege mich wenigstens an der frischen Luft“, erzählte Abel.
„Macht es dir Spaß?“ Georg schaute ihn prüfend an.
Abel konnte seinem Blick nicht standhalten.
„Du solltest nicht mehr versuchen, deinem Vater zu gefallen. Er muss dich so akzeptieren, wie du bist. Er kann dich doch nicht nach seinem Geschmack umformen. Du bist ein eigenständiger Mensch, mit eigenen Qualitäten, eigenen Gedanken und Gefühlen. Lass dich von ihm nicht kaputtmachen.“ Georg schüttelte missbilligend seinen Kopf.
Darüber musste Abel einmal gründlich nachdenken. Eines Tages, wenn er nicht mehr unter Prüfungsstress litt.
„Was machst du beruflich?“, fragte er stattdessen.
„Ich bin Zimmerer. Seit einem halben Jahr bin ich Geselle. Mein Chef hat mich übernommen. Aber ich möchte ins Ausland gehen. Ich suche etwas in Schweden oder Finnland.“ Die beiden unterhielten sich noch lange über Skandinavien und kamen dann auf Computer zu sprechen. Abel erzählte von der Netzwerkgruppe in der Schule und sogar von seinen Erfahrungen als Hacker - und von seiner Festnahme.
„Pech gehabt. In Softwarefirmen sollte man sich wirklich nicht herumtreiben.“ Georg lachte leise. Sie verabredeten sich für einen weiteren Abend, diesmal bei Georg. Bald trafen sie sich regelmäßig bei Georg zu Hause und hackten fremde Computer. Der alte Kitzel war wieder da und der Stolz, den Zugang geknackt zu haben. Daheim erzählte Abel auf die Frage, wo er sich herumtriebe, er würde mit einem Klassenkameraden für die Prüfung üben.
Im Frühsommer stießen sie auf eine kleine Firma, die Legionäre zur Bekämpfung der Aufstände im Süden anwarb.
„Junge, abenteuerliche Leute gesucht.“ – „Zeig, was in dir steckt!“
Georg lachte. „Rattenfänger. Als ob so ein Kampf gegen Terroristen ein Spiel, ein Abenteuer ist.“
„Irgendwelche Spinner“, meinte Abel.
„Nee, geschäftstüchtige Leute. Die wissen, wo man Geld machen kann. Einige Firmen zahlen bestimmt viel, damit ihre Anlagen geschützt sind.“
„Die haben doch ihre eigenen Leute.“
„Sicherheitsdienste sind viel professioneller, deren Anzeigen lesen wir gerade.“
Abel mochte Georg nicht glauben. Lange lasen sie sich durch die Firmenseiten. Sie fanden Beschreibungen der Ausbildungslager. Beschreibungen der Ausbildung selbst. Es hörte sich alles wie ein Abenteuer an. Werbung eben. Irgendwann stießen sie auf einen geheimen Bereich. Georg und Abel setzten ihren Ehrgeiz daran, den Eingang zu knacken. Nach drei Tagen hatten sie es geschafft. Sie fanden Personallisten. Aber die Leute hatten bestimmt Decknamen: Indiana Jones, Iron Man und Lara Croft konnte kaum jemand tatsächlich heißen. Sie fanden auch Listen mit Waffenbestellungen.
„Wollen die denn die ganze Bevölkerung in Südeuropa ausrotten?“, fragte Georg ungläubig. „Biologische Waffen, chemische Waffen, Nuklearsprengköpfe.“
„Dann wird hier alles radioaktiv verseucht. Den Betrieb sollten wir anzeigen“, regte sich Abel auf.
Sie klickten sich weiter durch die Firma.
Georg ließ die Seiten so schnell durchlaufen, dass Abel kaum etwas erkannte. Täuschte er sich oder las er da einen bekannten Namen? Aber große Geldsummen erkannte er. Plötzlich brach Georg die Leitung ab. „Wir müssen den PC verschwinden lassen. Hastig löschte er die Festplatte. „Kannst du ihn mit dem Auto zum Fluss bringen? Oder wo könnten wir ihn sonst loswerden?“
„Spinnst du jetzt völlig?“ Abel stand ratlos vor ihm.
„Nein, da steht doch ein Syndikat dahinter. Möchtest du die am Hals haben?“ Georg holte einen Seifenlappen und wischte den Computer gründlich ab. Dann zog er sich Gummihandschuhe über.
„Wie kommst du auf die Idee?“, fragte Abel überrascht.
„Hast du nicht die Geldbewegungen gesehen? Nach den Anschlägen auf Umweltaktivisten und Journalisten in den letzten Monaten wurden große Geldbeträge überwiesen. Wo steht dein Auto?“
„Nee, ich habe kein Auto. Wir müssen dein Motorrad nehmen. Vielleicht sollten wir ihn verbrennen?“, schlug Abel vor.
Georg nickte. „Ja, erst verbrennen und den Rest in den Fluss, dann können sie wenigstens keine Daten auslesen.“
Abel besorgte in einem Supermarkt hochprozentigen Rum. Anschließend fuhren sie aufs flache Land. An einem kleinen Strand am Flussufer übergossen sie den PC mit dem Alkohol und zündeten ihn an. Nach einer viertel Stunde war er ausgebrannt. Georg zog ein Angelboot unter den Büschen hervor, packte den Computer hinein und schob das Boot ins Wasser. Abel und er wateten durchs Wasser, bis es tief genug war und sie einsteigen konnten. Dann ruderten sie hinaus. Mitten im Fluss warfen sie den PC über Bord.
Langsam ruderten sie zurück. „Hast du von deinem Laptop aus diese obskure Firma angeklickt?“, fragte Georg besorgt.
„Nein, zum Glück nicht. Meinst du, das reicht, dass wir deinen Computer verschwinden ließen?“
„Keine Ahnung.“
Gleich am nächsten Tag kaufte Abel einen gebrauchten PC als Ersatz für Georgs.

'ANGST: Kurzgeschichtenband' von Ben Kohler

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Ben Kohler
Ein Polaroid, das sich rückwärts entwickelt.
Eine Autofahrt, die zum Albtraum wird.
Ein kleines Mädchen verschwindet vor den Augen ihrer Mutter.
Ein berauschender Abend mit einer schrecklichen Entdeckung.
Die Veränderung eines Familienvaters mit fatalen Folgen.

Fünf Kurzgeschichten, die mit unseren alltäglichen Ängsten spielen.

Anleser:
Kurzgeschichten sind so eine Sache. Auf der einen Seite zu kurz, um als eigenständiges Werk veröffentlicht zu werden, auf der anderen Seite thematisch oft zu weit voneinander entfernt, um in einem Buch zu erscheinen.
So sammelten sich im Laufe der letzten Jahre einige Geschichten an, die allesamt ganz unten in meiner digitalen Schublade lagen und auf ihren großen Tag gewartet haben. Dieser ist jetzt gekommen, ohne dass es Absicht oder gar geplant gewesen wäre.
Alle Erzählungen entwickelten im Laufe des Schreibprozesses eine Art Eigenleben (was mir, offen gestanden, bei allem passiert, was ich schreibe). Sie wuchsen, veränderten sich und erzählen am Ende ihre eigene Tragödie. Und wer bin ich, meinen Geschichten sagen zu können, wie sie entstehen, fortlaufen oder enden sollen? Also lasse ich den Dingen ihren Lauf, lasse mich von ihnen fesseln und in ihren Bann ziehen und bin jedes Mal selbst überrascht, wohin sie mich am Ende führen.
Corona hat vielen von uns, mich eingeschlossen, mehr Zeit verschafft als uns vielleicht lieb war (oder immernoch ist), und wie nutzt man diese Zeit als Autor am besten? In dem man schreibt? Auch, natürlich. Ich nutzte die gewonnene Zeit, alte Geschichten hervorzuziehen, in meiner digitalen Ablage Ordnung zu schaffen und auszusortieren. Dabei fiel mir auf, dass es offenbar doch ein paar dieser Kurzgeschichten geschafft hatten, sich einem Thema zu verschreiben.
So entstand die Idee zu diesem Kurzgeschichtenband. Jede Erzählung beschäftigt sich mit dem Grundthema Angst. Geboren sind sie aus meinen eigenen Ängsten heraus, sind also sehr präsent und, wenn man so will, alltäglich und allgegenwärtig.
Insgesamt haben es fünf Kurzgeschichten in diesen Band geschafft. Die Erste, Polaroid, ist zugleich die älteste von ihnen. Die Idee dazu entstand 2017, als ich nachts in meinem dunklen Badezimmer stand und ein seltsames Tropfgeräusch hörte, dessen Ursprung ich nie ausmachen konnte. Die Inspiration für Sarah lieferte meine Tochter, als wir von einem Familientreffen nachhause fuhren und sie unvermittelt anfing, unheimliche Grimassen zu schneiden.
Meine Tochter war es auch, die Todesangst beeinflusste, weil ich in dieser Geschichte die mir ständig gegenwärtige Angst ihres plötzlichen Verschwindens verarbeitet habe. Versteckt schrieb ich im Zuge einer Ausschreibung für eine Anthologie. Sie wurde nicht aufgenommen und schlummerte beinahe ein Jahr lang auf meinem Rechner, bis ich begann, sie komplett zu überarbeiten und nun davon überzeugt bin, dass sie es verdient hat, veröffentlicht zu werden.
In der letzten Geschichte, Dämonen, verwandelt sich ein liebevoller und liebender Familienvater in die schlimmste Version seiner selbst.
Wir alle kämpfen mit den unterschiedlichsten Ängsten. Das Treibholz in unserer Seele aber, die auslösenden Faktoren, sind vermutlich bei allen Menschen gleich. Ich bin davon überzeugt, dass auch Du eigene Ängste in den Geschichten wiederentdecken wirst.
Begib Dich in die Abgründe Deiner ganz eigenen Angst. Ich wünsche Dir dabei viel Vergnügen.

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14. September 2021

'Yalims Erbe: Die Auserwählten' von Martin Kuupa

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Martin Kuupa
Wirst du dich dem Bündnis der Shanatary als würdig erweisen?

Dass er unmittelbar nach der Geburt über Leben und Tod seines eigen Fleisch und Blut entscheiden muss, wirft Fabien völlig aus der Bahn. Als er die vermeintliche Hilfe eines fremden Magiers annimmt, gerät alles außer Kontrolle.

Das mächtige Wesen droht, die gesamte Welt in den Abgrund zu reißen und nur ein uraltes Bündnis vermag es noch aufzuhalten.

Auf ihrer Suche nach den Auserwählten, stoßen die Magiari der Orden auf einen mysteriösen Krieger und ahnen nicht, dass seine Vergangenheit ihr ganzes Vorhaben in Gefahr bringt. Doch irgendwann tritt auch das dunkelste Geheimnis aus der Düsternis ans Licht.

Anleser:
Der Älteste des mormorischen Magiariordens, Merindor klappte das dicke Buch auf seinem Schoß zu und strich mit der Handfläche über den rauen Einband. Yora musste niesen, als sie den feinen Staub, der durch die stickige Luft tanzte, einatmete.
»Gesundheit«, lächelte der grau gewordene Magier und legte den Wälzer zur Seite auf einen klapprigen Holztisch.
Schon den halben Nachmittag verbrachte er damit, den beiden heranwachsenden Adeptari Yora und Philian die Tugenden des Ordens und den Umgang mit der Magie zu lehren. Inzwischen waren die Kerzen beinahe vollständig abgebrannt und leiteten das Ende des heutigen Unterrichts ein.
»Und Ihr wisst wirklich nicht, wie viele Gronieri in Mormora leben?«, wollte Philian wissen.
Der rundliche Zauberlehrling mit dem braunen strubbeligen Schopf kippelte auf dem Hocker hin und her und blickte Merindor erwartungsvoll an. Auch Yora, die mit ihrer hellen Haut und den weißen Haaren wie ein Glühwürmchen in der düsteren Hütte leuchtete, machte große Augen.
Der Älteste lachte und wurde schlagartig ernst. »Denkst du etwa, dass ich euch anlüge?«
Sofort wich dem Jungen die Farbe aus dem Gesicht. Die Adeptin traute sich ebenfalls keinen Mucks mehr zu machen und linste verstohlen zu ihrem Freund.
Merindor gluckste und winkte ab. »Ihr solltet euch jetzt mal sehen.« Obwohl er selbst die Gutmütigkeit in Person war, hatte er ab und an Freude daran, den großen Respekt der jungen Magiari, ihm gegenüber, für seine Späße auszunutzen.
Die Gesichter seiner Schüleri hellten sich wieder auf, auch wenn der kurze Schock augenscheinlich noch ein wenig nachwirkte.
»Die Frage ist doch ...«, er wandte sich Yora zu. »... hast du aufgepasst, was Gronieri sind?«
Die Adeptin biss sich auf die Lippe und nickte ihm selbstsicher zu. »Ja«, erwiderte sie und grinste. »Das sind Magiari, die keines Ordens würdig sind.«
»Und warum?«, hakte Merindor nach.
»Weil sie sich der Goh ... Gosch ...«
»Ja?« Der Älteste hob eine Braue.
»Weil sie sich der Ghonarasch-Magie bedient haben oder ihre Seelen böse sind«, half Philian seiner Freundin auf die Sprünge.
Merindor schmunzelte. »Das lasse ich gelten.«
Der Adept reckte triumphierend das Kinn in die Höhe und zog Yora an den Haaren, worauf er sich einen Tritt gegen das Schienbein einfing.
»Au«, zischte er und rieb sich die Stelle, die sie mit voller Wucht getroffen hatte.
»Es ist ihnen nicht möglich, die Kammer der Geister zu betreten, ohne den Zorn der Wächteri auf sich zu ziehen.« Jetzt grinste das Mädchen bis über beide Ohren.
»Stimmt nicht!« Philian streckte ihr die Zunge raus.
Merindor hatte Freude daran, dass die Adeptari etwas Leben in seine sonst so einsame Hütte brachten. Er schmunzelte und hob die Hand. »Yora hat nicht gänzlich unrecht.«
»Hähä!«, machte die Magierin und wandte sich dem Ältesten zu. »Warum habe ich nicht ganz recht?«
Merindor lugte zu Philian hinüber. Der ließ sich nicht zweimal bitten und begann, das Gelernte wiederzugeben: »Die Wächteri würden den Gronieri schon vernichten, sobald er den heiligen Boden am Fuße der Berge betritt.«
Yora stieß ein genervtes Schnauben aus, ehe der Älteste wieder das Zepter übernahm. »Und warum ist es von allergrößter Wichtigkeit, dass es niemals einem Gronieri gelingt, die Kammer der Geister zu betreten?« Sein Blick verharrte auf Yora.
Sie zögerte und versuchte, unauffällig nach einem offenen Buch zu spähen. Dabei kaute sie unentschlossen auf der Lippe herum.
»Das weißt du, da bin ich mir sicher«, ermutigte Merindor sie.
»Weil dort die Seelen der altehrwürdigen Magiari ruhen und die goldene Schriftrolle?«
»Fragst du mich das, oder ist das deine Antwort?«
»Meine Antwort?«, klang es abermals eher nach einer weiteren Frage.
Merindor lächelte sanft und nickte. »Und weiter?«
»Die goldene Schriftrolle«, grinste Yora und der Älteste bemerkte ein Funkeln in ihren Augen, als sie weiter erzählte. »Kein Gronieri dieser Welt darf die goldene Schriftrolle in die Hände bekommen, weil er sonst in der Lage wäre, die Relikte der Macht aufzuspüren.«
»Was niemals geschehen darf!«, sagte Merindor und hob neben seiner Stimme auch mahnend den Zeigefinger. »Mit den Relikten wäre es für jeden Gronieri ein Leichtes, uns alle auszulöschen.«
Eine der Kerzen gab ein Zischen von sich und hauchte ihr Licht aus. Der Älteste sah kurz zwischen den Stofffetzen, die als Vorhang dienten, hindurch und bemerkte, dass es das schwindende Abendrot der Kerze bald gleichtun würde.
»So, jetzt aber zu deiner vorherigen Frage Philian, ob ich die Anzahl der Gronieri im Land kenne.« Er wartete einen Moment, bis er die volle Aufmerksamkeit der beiden Adeptari hatte. »Wir hatten ja vor einigen Wochen bereits darüber gesprochen, dass Pheleos` Schöpferi uns Magiari vor Jahrhunderten dazu auserkoren haben, das Gleichgewicht dieser Welt zu wahren.«
»Und die bösen Mächte in die Unterwelt zu verbannen«, ergänzte Yora und nestelte mit den Fingern an ihrem beigen Mantel herum.
Merindor nickte und wusste, dass es noch an ihr nagte, ihm seine Fragen zu Beginn nicht richtig beantwortet zu haben.
»Ganz genau. Aber nicht nur das. Wir sollten auch darauf achten, dass jeder neugeborene Magiari den Tugenden der Orden unterwiesen wird, sobald er alt genug ist.« Er seufzte und senkte den Blick. »Ich weiß nicht, ob wir zu nachlässig damit waren, oder ob diese Aufgabe von vorne herein nicht zu bewältigen gewesen war, aber wir verloren sehr schnell den Überblick. Hinzukam, dass viele Eltern es verheimlichten, wenn ihre Kinder mit dem Magiarigen auf die Welt kamen.«
»Wieso?«, frage Philian. »Ihr sagtet immer, dass wir stolz darauf sein sollen, was wir sind.«
Merindor legte ihm eine Hand auf das Knie. »Ja, so ist es auch. Aber schon der Gedanke daran, dass das eigene Kind später einmal mit Seelen aus der Unterwelt zu tun haben könnte, war für viele Eltern Grund genug, sie von den Orden und seinen Aufgaben fernzuhalten.«
Der Älteste erinnerte sich zurück an die Zeit, als die Ghonay sich erhoben hatte, um Pheleos aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die vielen Opfer, die der Krieg gegen die dunklen Mächte gefordert hatte, waren den Menschen in Erinnerung geblieben – mit ihnen die Angst um ihre Kinder.
Obwohl sie alle damals nur knapp ihrem Verderben entkommen waren und die Gefahr deutlich gemacht hatte, wie wichtig die Aufgabe der Magiari war, hatte es wenige zum Umdenken gebracht. Dabei kamen meist genau die Kinder vom rechten Weg ab, die mit ihren magischen Fähigkeiten nicht umzugehen wussten. Zu verlockend und mächtig waren diese mystischen Kräfte, deren richtigen Umgang sie jedoch niemand lehrte.
»Ich hab das Mama auch schon öfter sagen hören«, warf Yora in die Stille im Raum.
»Was denn, meine Liebe?« Merindor sah sie besorgt an.
»Dass sie die Eltern nicht versteht, die ihre Kinder vom Orden fern halten wollen.«
»Leider sehen das nicht alles so wie deine Mutter.« Der Älteste stieß einen tiefen Seufzer aus. »Aber es ist etwas anderes, wenn einer der Elternteile normalsterblich ist. Dann ist das Verständnis für die Verantwortung, die wir zu tragen haben, nicht so groß.«
»Meine Mutter sagt immer, dass Papa es eh nicht miterleben wird, bis es bei mir soweit ist«, erwiderte Philian und zuckte mit den Schultern.
Merindor lächelte sanft und hatte Mitleid mit dem Jungen. Er war einer der wenigen Kinder, die er kannte, bei denen die Eltern nicht beide Magiari waren. Nicht nur, dass die Lebenserwartung der Menschen mit etwa siebzig Jahren deutlich unter ihrer lag, auch nahm man die heranwachsenden Zauberi aus solchem Hause oft nicht ernst. Die Beleidigungen und Ausgrenzungen hatten in der Vergangenheit oft dazu geführt, dass die »Falschen Magiari«, wie man sie herabwürdigend bezeichnete, verbittert wurden und sich mithilfe der verbotenen Ghonarasch-Magie an ihren Peinigeri zu rächen versuchten.
Der Älteste driftete abermals in schmerzhafte Erinnerungen ab. Vor seinem inneren Auge tauchten verzweifelte Eltern auf, die ihn auf Knien anflehten, ihr Kind zu retten und seine Seele zu verschonen. Doch so sehr es ihm auch jedes Mal einen Stich ins Herz versetzt und viele schlaflose Nächte beschert hatte – als Ordensführer durfte er keine Ausnahmen machen und war gezwungen, jegliche dieser Racheakte mit der Verbannung in die Ghonay zu bestrafen.
Ein harsches Klopfen holte ihn zurück ins Hier und Jetzt.
»Merindor? Merindor, seid ihr Zuhause?«
»Augenblick, Kinder«, vertröstete er die Adeptari und hievte seine müden Knochen zur Tür.
Er hatte sie erst einen Spalt geöffnet, da schlug ihm schon der Geruch von fettigem Braten und Bier entgegen, der mit jedem Atemstoß des hechelnden Soldaten penetranter wurde. Offenbar hatte man den schwitzenden Mann gerade beim Abendessen gestört.
Merindor rümpfte so unauffällig wie möglich die Nase und verbeugte sich. »Soldat, was kann ich für Euch tun?«
»Prinz Fabien verlangt nach euch. Ihr sollt der Geburt seines Kindes beiwohnen.«
»Das ist doch ein freudiges Ereignis«, lächelte der Magier, verspürte zeitgleich jedoch ein merkwürdiges Gefühl, das er nicht einzuordnen vermochte. »Wozu braucht ihr mich?«
»Fragt nicht mich«, erwiderte der Mann, der sich allmählich gefangen hatte und wieder etwas ruhiger atmete. »Ich habe nur den Auftrag, Euch sofort zu ihm zu bringen.«
Merindor biss sich nachdenklich auf die Unterlippe und griff zu seinem Mantel. »Wir sind für heute fertig«, rief er über die Schulter ins Innere der Hütte. »Ich muss etwas Wichtiges erledigen. Lest bis zum nächsten Mal das Kapitel über die Doyo-godan und ihre Kräfte.«

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'Bücher machen nicht nur Freu(n)de: Sammelband' von Brigitte Teufl-Heimhilcher

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Ein Heiterer Gesellschaftsroman über einen heiteren Gesellschaftsroman – vor allem aber über dessen Autorin Jutta.

1. Buch – (K)ein Herz für Buchhändler
Die ehemalige Stadträtin Jutta schreibt einen satirischen Roman, in dem sie den amtierenden Bürgermeister aufs Korn nimmt. Als sie den stadtbekannten Buchhändler Günther Brühl kennenlernt, hofft sie, dass er ihr Buch in sein Sortiment aufnehmen wird. Günther findet die spitzzüngige Autorin zwar sehr attraktiv, doch als Germanist denkt er nicht daran, ein selbst verlegtes Buch zu verkaufen. Stattdessen bittet er einen befreundeten Literaturkritiker, dem Buch ein paar unfreundliche Zeilen zu widmen.
Das soll ihm bald leidtun.

2. Buch – L(i)ebe im Lockdown
Jutta und Günther sind einander doch nähergekommen und wollen es miteinander versuchen. Ein heroischer Plan, wenn man bedenkt, welch unterschiedliche Temperamente sie sind. Die Herausforderungen, die auf sie zukommen, sind jedenfalls gewaltig. Da wären einmal Günthers Freund Lukas, der Jutta ebenso wenig leiden kann wie sie ihn, Juttas politische Ambitionen, und dann auch noch die Pandemie, die das Geschäft nahezu zum Erliegen bringt.
Kann das gut gehen?

Anleser:
„Er hat dich einfach fallen lassen?“
„Wie eine heiße Kartoffel“, antwortete Jutta.
„Kommt davon, wenn man sich mit seinem Chef einlässt“, murmelte ihr Vater. Das hatte ja kommen müssen. Er hatte mit seiner Meinung über ihre Liaison mit dem Bürgermeister noch nie hinter dem Berg gehalten. Außerdem war ihm die Partei, für die Jutta in den letzten Jahren in der Stadtregierung gesessen war, ebenso suspekt wie deren Chef, Albert Stein. Den mochte er schon gar nicht.
„Und jetzt? Du kannst doch wieder als Lehrerin arbeiten?“, wollte ihre Mutter wissen.
„Typisch Mutter“, dachte Jutta. „Hauptsache, ich kehre in mein sicheres Beamten-Dasein zurück.“ Dementsprechend lustlos entgegnete sie: „Ja, schon.“
Ihre Mutter sah sie forschend an. „Klingt aber nicht, als ob du das möchtest.“
„Da hast du allerdings recht. Vielleicht werde ich später wieder unterrichten, aber zuerst möchte ich ein Buch schreiben.“
„Du willst ein Buch schreiben?“ Ihr Vater schenkte sich Kaffee nach. „Komische Idee.“
Es war ein angenehm milder Tag, der Marillenbaum stand in voller Blüte. Sie saßen auf der kleinen Terrasse ihres Elternhauses und genossen einen der ersten Frühlingstage. Der Winter war lang und kalt gewesen, umso überraschender war es jetzt warm geworden.
„Ihr wisst doch, ich habe schon als Kind gerne gelesen, Geschichten erfunden und niedergeschrieben“, antwortete Jutta träge und hielt ihr Gesicht in die Sonne.
„Ich lese auch gerne, deshalb muss ich ja noch lange kein Buch schreiben“, warf ihre Mutter dazwischen. „Worüber willst du denn schreiben?“
Es war ihrer Mutter anzuhören, dass sie es ihr nicht zutraute. Auch das war für Jutta nichts Neues. Sie kreuzte mit ihrer Mutter die Klingen, seit sie begonnen hatte, selbstständig zu denken. Ihre Mutter war Kindergärtnerin gewesen, und sie führte ihre Familie so, wie sie seinerzeit ihren Kindergarten geleitet hatte. Autoritär, aber mit den besten Absichten. Juttas Vater hatte sich nur selten dagegen aufgelehnt, Jutta hingegen ständig. Auch jetzt antwortete sie kämpferisch: „Darüber würde ich mir an deiner Stelle weniger Sorgen machen. Ich habe in den Jahren als Stadträtin einiges erlebt, das reicht für mehrere Romane.“
„Hab‘ ich nicht gleich gesagt, Politik ist ein schmutziges Geschäft? Du hättest besser die Finger davon gelassen“, moserte ihr Vater.
Das Verhältnis zu ihrem Vater war immer entspannt gewesen. Sie standen ja auf der gleichen Seite, sie waren die „Zöglinge“. Auch jetzt lächelte sie nur und hielt die Augen geschlossen, während sie antwortete: „Das hast du gesagt, aber es war nur die halbe Wahrheit. Politik ist nämlich auch ein ungemein spannendes Geschäft.“
Jutta lehnte sich zurück. Langsam wurde ihr warm. Sie zog ihre Jacke aus und hängte sie sorgfältig über den leeren Sessel. Ihr eleganter Hosenanzug passte nicht so richtig hierher, aber sie war direkt vom Rathaus gekommen. Ihre Eltern hatten ihr politisches Engagement ohnehin nie gutgeheißen, da sollten sie von ihrem Rauswurf nicht aus dem Radio erfahren.
Eine Weile blieb es still, dann spürte Jutta ihr Handy vibrieren. Albert. Ihr erster Impuls war, das Gespräch einfach wegzudrücken. Doch das wäre keine besonders erwachsene Reaktion. Also nahm sie es an und fragte kurz angebunden: „Was willst du?“

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10. September 2021

'Victory Mission: Buch 1 Sternenhammer' von Leonard Lionstrong

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Leonard Lionstrong
Eine unmögliche Mission im Hinterland eines gnadenlosen Feindes – das letzte Aufgebot der Menschheit.

Mein Name ist Captain Harry Saint. Ich bin alt, übergewichtig und meiner Freizeit überdrüssig. Die Admiralität hat mich reaktiviert und an Bord der VICTORY befohlen. Der umgebaute Frachter ist langsam und kaum bewaffnet, aber ausgerüstet mit einer neuartigen Tarnvorrichtung. Zusammen mit meiner Crew gehe ich auf eine letzte verzweifelte Mission.

Allein gegen einen unbarmherzigen Gegner. Nur vier Männer, eine Frau, eine KI und ein Vielzweckroboter. Unser Auftrag hat wenig Aussicht auf Erfolg. Und dennoch tun wir, was wir tun müssen. Dies ist unsere Geschichte.

Anleser:
Der Tod tauchte um Nullsechshundert im System der Sonne Herschel auf. Er war nicht allein gekommen. Mit ihm waren sechzehn Schlachtschiffe der Molakken und deren Hilfsvölker aus dem Hyperraum gefallen. Sie hatten Kurs auf das von Terranern erbaute ASPENSIA genommen.
Der Weg dorthin war mit robusten Verteidigungsanlagen gespickt. Wehrtüchtige Kriegsschiffe allerdings waren rar im System Herschel. Die Station galt als unangreifbar. Sie war gut geschützt durch Hunderte zu Forts ausgebaute Asteroiden. Durch Geschützflöße mit dicken Kanonen, bewaffnete Kampfbojen, Gondeln, die man für harmlos gehalten hätte, die jedoch mit Torpedos gefüllt waren. Umgerüstete Kometen bargen komplette Einsatzzentralen und waren für den Fall eines Angriffs mit Robotern bemannt. Es gab Minenfelder, in die man als Feind besser nicht hineinflog, und abgewrackte Boote, in deren Innern sich Scheußliches verbarg. Aber nur für den Feind, sollte der es wagen, ASPENSIA zu nahe zu kommen.
Die Molakken wagten es.
Ein Rudel kleiner und wendiger Boote der Wontschonen hatte sich ihnen angeschlossen. Kugelförmige Schiffe, die auf kurze Distanz zu erheblicher Geschwindigkeit in der Lage waren. Damit bedrängte der Eindringling die Verteidigung. Er schlug hart zu.

Das hatte sich Harry S. Saint, Captain des terranischen Schlachtschiffs STINGER anders vorgestellt. Junggemüse zu trainieren zählte nicht gerade zu seinen Stärken. Alle meinten, er habe die nötige Geduld dafür, das sei eine wichtige Voraussetzung. Ja, Geduld hatte er, aber er traute den Jungen einfach nichts zu. Sagen würde er das nicht. Nicht öffentlich, er wäre erledigt gewesen. Vors Kriegsgericht hätten die ihn gezerrt wegen Defätismus. Die Sache kam ihm also nicht gerade entgegen. Aber einer musste es machen. Er war auf Nachwuchs angewiesen, so wie die Flotte eine neue Generation aus Fleisch und Blut benötigte.
Die STINGER war ein keilförmiges Rechteck, über zwei Meilen lang, und ausgestattet mit dem Besten, was terranische Rüstungskonzerne hervorgebracht hatten. Der Antimaterieantrieb war eine Entwicklung von Wyms & Pritney eigens für die Navy. Die Reichweite war spektakulär, die Geschwindigkeit für einen so großen Kasten war es ebenfalls. Doch in Sachen Beweglichkeit waren die Angreifer im Vorteil. Die STINGER stand da wie ein unförmiger Fleischklotz im Boxring, umschwirrt von einem Haufen hochaggressiver wieselflinker Zwerge. Und im Hintergrund drohten die sechzehn überschweren Schlachtschiffe der Molakken. Wenn die sich auf das Schiff stürzten, dann war eh alles aus.
Die Bewaffnung der STINGER bestand aus einem Dutzend Zwillingstürme gröbsten Kalibers. Damit wurden hyperschnelle Projektile verschossen. Dazu kamen Laserbänke, mit denen sich gegen eine massive Panzerung allerdings nur wenig ausrichten ließ. Aber da war noch die gefährlichste Waffe, die Faust des Schiffes. Der BiH 117, ein Geschützturm von Bell, Lester & Smart, der durch geballte Schwerkraft zerstörte. Und zwar indem es direkt vor dem Ziel ein bis auf atomare Ebene miniaturisiertes schwarzes Loch erzeugte. Das kostete das Boot ein Zehntel seines Energievorrats und sorgte dafür, dass die Anlage nur alle dreißig Minuten und nur für jeweils ein paar Sekunden einsatzfähig war. Gelang aber ein Treffer, reichte das meistens aus. Mit dem BiH 117, die Bezeichnung stand inoffiziell für »Burn in Hell«, könnte man mehrere Feindschiffe in Schach halten oder sie sogar vernichten. Wenn man sie hätte stellen können und wenn man eine ausgebildete Besatzung anstatt der Rookies an Bord gehabt hätte.
Die STINGER war ein Riesenschiff, aber nicht Teil der Wachflotte. Sie war neu in Dienst gestellt worden und befand sich in Ausbildung. Sie hatte Proviant in ASPENSIA gebunkert. Für die nächsten Tage waren ein paar hübsche Manöver zwischen Herschels Gasriesen geplant. Aus denen würde nun nichts mehr werden. Ohne Umstände ging es für die Frischlinge an Bord um alles. Ehe sie sichs versahen, fanden sie sich an der Front wieder und blickten dem Tod ins Auge.
Die Station war kein militärisches Ziel und nur unzureichend gesichert. ASPENSIA diente allen Völkern, auch wenn es von Terranern geschaffen und besiedelt war. Doch ganz wehrlos war man nicht. Zu den Verteidigungsanlagen gehörten die vorgelagerten Zitadellen, schwer bewaffnet, aber großteils auf robotische Besatzung umgestellt. Auch zwei aktive Schlachtschiffe, die HONOR und die GLORY, hielten sich im System auf. Gute Boote mit guten Kommandanten. Doch zu wenig Schiffe für Harrys Geschmack. Eine Million Terraner hatten einen umfassenderen Schutz verdient, fand er. Aber ihn hatte man nicht gefragt.
Unermüdlich für den Captain im Einsatz war Ernst-August, ein eigens für die Navy entwickelter Ordonanzroboter. Harrys persönlicher, von ihm selbst modifizierter Diener. Und sogar Lebensretter, sollte es einmal dazu kommen. Das Gerät hatte entsprechende Anweisungen. Die Maschine erinnerte äußerlich an einen fahrbaren Hotdog-Stand und war vielfältig einsetzbar. In erster Linie unterstützte sie den Captain in privaten Angelegenheiten. Die Ordonnanz war Butler, Manager und Gesprächspartner in einem. Lackiert war Ernst-August in Schlammgrün, der Farbe der Navy.
Man hatte ein neuartiges Rettungssystem an Bord. PRO hatten sie es genannt. Es brachte Offiziere in Sicherheit – indem die in letzter Sekunde von Robotern gepackt und in Ausblastunnel gesteckt wurden. Sie wurden umhüllt und vom Schiff weggeblasen. Oder in den Hyperraum? Der Captain wusste es nicht. Er hatte nicht zugehört. Er würde sich nicht retten lassen, während die Mitglieder der Crew ihren Heldentod starben. Daran dachte Harry, der das System hasste. Später würde er es unfreiwillig doch noch nutzen.

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8. September 2021

'Tod eines Bankers: Kellers 1. Fall' von Hermann Markau

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Hermann Markau
Zufällig treffen sich Kriminalhauptmeister Lars Keller und die Speditionsangestellte Bettina Jäger im Zug von Niebüll nach Westerland. Als sie sich am Fundort einer Leiche erneut treffen, geht keiner von den beiden mehr von Zufall aus.

Es beginnt eine gemeinsame Ermittlungsarbeit zwischen dem zwar unerfahrenen aber cleveren Polizisten und der hilfsbereiten, aber leicht chaotischen Sylterin, in deren Folge am Ende der gesuchte Mörder dingfest gemacht wird.

Band 1 der Lars-Keller-Reihe.

Anleser:
Er nahm das Gespräch an. »Keller.«
»Feddersen, Polizeidirektion Flensburg. Sprech´ ich mit Kriminalhauptmeister Keller?«
»Ja.« Ihm schwante nichts Gutes.
»Tut mir leid, Keller. Wir brauchen Sie.«
»Stopp! Stopp! Das geht nicht. Ich hab Wochenende.«
»Klar. Aber wir haben einen Toten. Sie müssen.«
»Ich versteh nicht. Wo liegt das Problem?«
»Der Tote ist auf Sylt. Sie wissen: Die Dienststelle ist stark unterbesetzt. Die ziehen doch gerade um wegen der baufälligen Räume. Und dazu liegt noch die Hälfte der Belegschaft flach. Also … wir brauchen Sie.«
Erst einmal Schweigen auf beiden Seiten.
»Sind Sie noch dran, Keller?«
Keller war noch dran: »Da sind doch acht Kollegen, soviel ich weiß. Oder?«, warf er ein.
»Wie gesagt, lieber Keller ... «
»Ja. Aber ich hab noch nie ... «
»Weiß ich doch, weiß ich doch. Das ist´n Selbstmord. Wirklich nichts Schlimmes. Aber da sind einige Ungereimtheiten. Sie sollen nur kurz rüber und sehen, was da los ist. Und bevor wir hier aus Flensburg … sie wissen schon.«
Aha!, dachte er. Die finden auch für alles einen Doofen.
Nach längerem Zögern dann aber: »Okay. Ich fahr gleich los. Irgendwelche Infos?«
»Gut. Das wär´ also geklärt. Infos? Ja: Zwei von der Schutzpolizei haben die Lage im Griff. Den Toten finden Sie in der Franziskuskirche. Sie wissen, wo die ist?«
»Weiß ich.«
»Also! Gutes Gelingen!«
Keller legte das Handy aus der Hand und fluchte laut.
»Ist was?«, kam die Frage aus dem Badezimmer.

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'Abels Vermächtnis' von Aileen O'Grian

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Blog Aileen O'Grian
Im Jahre 2080 ist der gesamte Süden Europas eine Wüstenregion. Nur wenige Menschen besiedeln das Gebiet und fristen dort ein armseliges Dasein. Der Norden riegelt sich ab und beutet die verarmten Süd- und Südosteuropäer aus.

Die Genmedi Corporation entwickelt aus menschlichen embryonalen Stammzellen Medizin gegen Diabetes, Rheuma und Leukämie. Um ausreichend Embryonen zu erhalten, werden die Frauen mehr schlecht als recht dafür bezahlt, dass sie ihren Körper für die Produktion von Eizellen zur Verfügung stellen. Für die meisten Familien ist es die einzige Einnahmequelle.

Der musisch begabte Abel wächst in einer privilegierten, reichen Familie in Berlin auf. Er möchte Pianist werden, doch sein Vater, Direktor der Genmedi Corporation, hat andere Ziele für ihn vorgesehen. Er zwingt den Jungen, auf seine Musik zu verzichten und BWL zu studieren und bei Genmedi einzusteigen. Mehrfach rebelliert Abel, doch letztendlich resigniert er und versucht, den Erwartungen seines Vaters zu entsprechen.

Als er nach dem Studium seine Tätigkeit bei der Genmedi aufnimmt, ist es eine seiner ersten eigenverantwortlichen Aufgaben, die Produktionsstätten in Spanien zu bereisen. Dort erlebt er, wie schwierig das Leben für die Menschen ist und wie sehr seine korrupte Firma die Familien ausbeutet. Er beschließt, die fast sklavenähnlichen Bedingungen, unter denen die Leute dort dahinvegetieren, aufzudecken und die Beteiligung der Genmedi an diesen Zuständen publik zu machen, ohne zu ahnen, in welche Gefahr er sich bringt. Wird es ihm gelingen, den Menschen zu helfen?

Anleser:
Da Abel an diesem Abend keine Lust hatte, seinem Vater zu begegnen, ging er in eine Kneipe, setzte sich an den Tresen und bestellte ein Bier.
„Hallo Abel, wie geht es dir?“
Abel schaute hoch. Ein kräftiger junger Mann mit dunklen Haaren stand vor ihm. Er konnte sich an ihn nicht erinnern.
„Georg vom Fußballverein“, half der andere ihm.
„Ach ja, Georg, hallo, wie geht es dir?“ Abel lächelte sein Gegenüber an. Georg war der Einzige aus der Mannschaft gewesen, der nett zu ihm war. Die anderen hatten nie mit ihm spielen wollen. Abel konnte es ihnen nicht verdenken, schließlich war er ein schrecklicher Spieler gewesen. Er war nur zum Training gegangen, weil er seinem Vater gefallen wollte.
„Oh, ich spiele immer noch Fußball. Momentan bei den zweiten Herren, aber demnächst darf ich bei den ersten mitspielen.“ Georg bestellte für sich und Abel ein Bier.
„Ich gehe zum Tennisspielen. Leider bin ich da auch nicht sehr begabt. Aber ich bewege mich wenigstens an der frischen Luft“, erzählte Abel.
„Macht es dir Spaß?“ Georg schaute ihn prüfend an.
Abel konnte seinem Blick nicht standhalten.
„Du solltest nicht mehr versuchen, deinem Vater zu gefallen. Er muss dich so akzeptieren, wie du bist. Er kann dich doch nicht nach seinem Geschmack umformen. Du bist ein eigenständiger Mensch, mit eigenen Qualitäten, eigenen Gedanken und Gefühlen. Lass dich von ihm nicht kaputtmachen.“ Georg schüttelte missbilligend seinen Kopf.
Darüber musste Abel einmal gründlich nachdenken. Eines Tages, wenn er nicht mehr unter Prüfungsstress litt.
„Was machst du beruflich?“, fragte er stattdessen.
„Ich bin Zimmerer. Seit einem halben Jahr bin ich Geselle. Mein Chef hat mich übernommen. Aber ich möchte ins Ausland gehen. Ich suche etwas in Schweden oder Finnland.“ Die beiden unterhielten sich noch lange über Skandinavien und kamen dann auf Computer zu sprechen. Abel erzählte von der Netzwerkgruppe in der Schule und sogar von seinen Erfahrungen als Hacker - und von seiner Festnahme.
„Pech gehabt. In Softwarefirmen sollte man sich wirklich nicht herumtreiben.“ Georg lachte leise. Sie verabredeten sich für einen weiteren Abend, diesmal bei Georg. Bald trafen sie sich regelmäßig bei Georg zu Hause und hackten fremde Computer. Der alte Kitzel war wieder da und der Stolz, den Zugang geknackt zu haben. Daheim erzählte Abel auf die Frage, wo er sich herumtriebe, er würde mit einem Klassenkameraden für die Prüfung üben.
Im Frühsommer stießen sie auf eine kleine Firma, die Legionäre zur Bekämpfung der Aufstände im Süden anwarb.
„Junge, abenteuerliche Leute gesucht.“ – „Zeig, was in dir steckt!“
Georg lachte. „Rattenfänger. Als ob so ein Kampf gegen Terroristen ein Spiel, ein Abenteuer ist.“
„Irgendwelche Spinner“, meinte Abel.
„Nee, geschäftstüchtige Leute. Die wissen, wo man Geld machen kann. Einige Firmen zahlen bestimmt viel, damit ihre Anlagen geschützt sind.“
„Die haben doch ihre eigenen Leute.“
„Sicherheitsdienste sind viel professioneller, deren Anzeigen lesen wir gerade.“
Abel mochte Georg nicht glauben. Lange lasen sie sich durch die Firmenseiten. Sie fanden Beschreibungen der Ausbildungslager. Beschreibungen der Ausbildung selbst. Es hörte sich alles wie ein Abenteuer an. Werbung eben. Irgendwann stießen sie auf einen geheimen Bereich. Georg und Abel setzten ihren Ehrgeiz daran, den Eingang zu knacken. Nach drei Tagen hatten sie es geschafft. Sie fanden Personallisten. Aber die Leute hatten bestimmt Decknamen: Indiana Jones, Iron Man und Lara Croft konnte kaum jemand tatsächlich heißen. Sie fanden auch Listen mit Waffenbestellungen.
„Wollen die denn die ganze Bevölkerung in Südeuropa ausrotten?“, fragte Georg ungläubig. „Biologische Waffen, chemische Waffen, Nuklearsprengköpfe.“
„Dann wird hier alles radioaktiv verseucht. Den Betrieb sollten wir anzeigen“, regte sich Abel auf.
Sie klickten sich weiter durch die Firma.
Georg ließ die Seiten so schnell durchlaufen, dass Abel kaum etwas erkannte. Täuschte er sich oder las er da einen bekannten Namen? Aber große Geldsummen erkannte er. Plötzlich brach Georg die Leitung ab. „Wir müssen den PC verschwinden lassen. Hastig löschte er die Festplatte. „Kannst du ihn mit dem Auto zum Fluss bringen? Oder wo könnten wir ihn sonst loswerden?“
„Spinnst du jetzt völlig?“ Abel stand ratlos vor ihm.
„Nein, da steht doch ein Syndikat dahinter. Möchtest du die am Hals haben?“ Georg holte einen Seifenlappen und wischte den Computer gründlich ab. Dann zog er sich Gummihandschuhe über.
„Wie kommst du auf die Idee?“, fragte Abel überrascht.
„Hast du nicht die Geldbewegungen gesehen? Nach den Anschlägen auf Umweltaktivisten und Journalisten in den letzten Monaten wurden große Geldbeträge überwiesen. Wo steht dein Auto?“
„Nee, ich habe kein Auto. Wir müssen dein Motorrad nehmen. Vielleicht sollten wir ihn verbrennen?“, schlug Abel vor.
Georg nickte. „Ja, erst verbrennen und den Rest in den Fluss, dann können sie wenigstens keine Daten auslesen.“
Abel besorgte in einem Supermarkt hochprozentigen Rum. Anschließend fuhren sie aufs flache Land. An einem kleinen Strand am Flussufer übergossen sie den PC mit dem Alkohol und zündeten ihn an. Nach einer viertel Stunde war er ausgebrannt. Georg zog ein Angelboot unter den Büschen hervor, packte den Computer hinein und schob das Boot ins Wasser. Abel und er wateten durchs Wasser, bis es tief genug war und sie einsteigen konnten. Dann ruderten sie hinaus. Mitten im Fluss warfen sie den PC über Bord.
Langsam ruderten sie zurück. „Hast du von deinem Laptop aus diese obskure Firma angeklickt?“, fragte Georg besorgt.
„Nein, zum Glück nicht. Meinst du, das reicht, dass wir deinen Computer verschwinden ließen?“
„Keine Ahnung.“
Gleich am nächsten Tag kaufte Abel einen gebrauchten PC als Ersatz für Georgs.

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7. September 2021

'Yalims Erbe - Die Auserwählten' von Martin Kuupa

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Martin Kuupa
Wirst du dich dem Bündnis der Shanatary als würdig erweisen?

Dass er unmittelbar nach der Geburt über Leben und Tod seines eigen Fleisch und Blut entscheiden muss, wirft Fabien völlig aus der Bahn. Als er die vermeintliche Hilfe eines fremden Magiers annimmt, gerät alles außer Kontrolle.

Das mächtige Wesen droht, die gesamte Welt in den Abgrund zu reißen und nur ein uraltes Bündnis vermag es noch aufzuhalten.

Auf ihrer Suche nach den Auserwählten, stoßen die Magiari der Orden auf einen mysteriösen Krieger und ahnen nicht, dass seine Vergangenheit ihr ganzes Vorhaben in Gefahr bringt. Doch irgendwann tritt auch das dunkelste Geheimnis aus der Düsternis ans Licht.

Anleser:
Der Älteste des mormorischen Magiariordens, Merindor klappte das dicke Buch auf seinem Schoß zu und strich mit der Handfläche über den rauen Einband. Yora musste niesen, als sie den feinen Staub, der durch die stickige Luft tanzte, einatmete.
»Gesundheit«, lächelte der grau gewordene Magier und legte den Wälzer zur Seite auf einen klapprigen Holztisch.
Schon den halben Nachmittag verbrachte er damit, den beiden heranwachsenden Adeptari Yora und Philian die Tugenden des Ordens und den Umgang mit der Magie zu lehren. Inzwischen waren die Kerzen beinahe vollständig abgebrannt und leiteten das Ende des heutigen Unterrichts ein.
»Und Ihr wisst wirklich nicht, wie viele Gronieri in Mormora leben?«, wollte Philian wissen.
Der rundliche Zauberlehrling mit dem braunen strubbeligen Schopf kippelte auf dem Hocker hin und her und blickte Merindor erwartungsvoll an. Auch Yora, die mit ihrer hellen Haut und den weißen Haaren wie ein Glühwürmchen in der düsteren Hütte leuchtete, machte große Augen.
Der Älteste lachte und wurde schlagartig ernst. »Denkst du etwa, dass ich euch anlüge?«
Sofort wich dem Jungen die Farbe aus dem Gesicht. Die Adeptin traute sich ebenfalls keinen Mucks mehr zu machen und linste verstohlen zu ihrem Freund.
Merindor gluckste und winkte ab. »Ihr solltet euch jetzt mal sehen.« Obwohl er selbst die Gutmütigkeit in Person war, hatte er ab und an Freude daran, den großen Respekt der jungen Magiari, ihm gegenüber, für seine Späße auszunutzen.
Die Gesichter seiner Schüleri hellten sich wieder auf, auch wenn der kurze Schock augenscheinlich noch ein wenig nachwirkte.
»Die Frage ist doch ...«, er wandte sich Yora zu. »... hast du aufgepasst, was Gronieri sind?«
Die Adeptin biss sich auf die Lippe und nickte ihm selbstsicher zu. »Ja«, erwiderte sie und grinste. »Das sind Magiari, die keines Ordens würdig sind.«
»Und warum?«, hakte Merindor nach.
»Weil sie sich der Goh ... Gosch ...«
»Ja?« Der Älteste hob eine Braue.
»Weil sie sich der Ghonarasch-Magie bedient haben oder ihre Seelen böse sind«, half Philian seiner Freundin auf die Sprünge.
Merindor schmunzelte. »Das lasse ich gelten.«
Der Adept reckte triumphierend das Kinn in die Höhe und zog Yora an den Haaren, worauf er sich einen Tritt gegen das Schienbein einfing.
»Au«, zischte er und rieb sich die Stelle, die sie mit voller Wucht getroffen hatte.
»Es ist ihnen nicht möglich, die Kammer der Geister zu betreten, ohne den Zorn der Wächteri auf sich zu ziehen.« Jetzt grinste das Mädchen bis über beide Ohren.
»Stimmt nicht!« Philian streckte ihr die Zunge raus.
Merindor hatte Freude daran, dass die Adeptari etwas Leben in seine sonst so einsame Hütte brachten. Er schmunzelte und hob die Hand. »Yora hat nicht gänzlich unrecht.«
»Hähä!«, machte die Magierin und wandte sich dem Ältesten zu. »Warum habe ich nicht ganz recht?«
Merindor lugte zu Philian hinüber. Der ließ sich nicht zweimal bitten und begann, das Gelernte wiederzugeben: »Die Wächteri würden den Gronieri schon vernichten, sobald er den heiligen Boden am Fuße der Berge betritt.«
Yora stieß ein genervtes Schnauben aus, ehe der Älteste wieder das Zepter übernahm. »Und warum ist es von allergrößter Wichtigkeit, dass es niemals einem Gronieri gelingt, die Kammer der Geister zu betreten?« Sein Blick verharrte auf Yora.
Sie zögerte und versuchte, unauffällig nach einem offenen Buch zu spähen. Dabei kaute sie unentschlossen auf der Lippe herum.
»Das weißt du, da bin ich mir sicher«, ermutigte Merindor sie.
»Weil dort die Seelen der altehrwürdigen Magiari ruhen und die goldene Schriftrolle?«
»Fragst du mich das, oder ist das deine Antwort?«
»Meine Antwort?«, klang es abermals eher nach einer weiteren Frage.
Merindor lächelte sanft und nickte. »Und weiter?«
»Die goldene Schriftrolle«, grinste Yora und der Älteste bemerkte ein Funkeln in ihren Augen, als sie weiter erzählte. »Kein Gronieri dieser Welt darf die goldene Schriftrolle in die Hände bekommen, weil er sonst in der Lage wäre, die Relikte der Macht aufzuspüren.«
»Was niemals geschehen darf!«, sagte Merindor und hob neben seiner Stimme auch mahnend den Zeigefinger. »Mit den Relikten wäre es für jeden Gronieri ein Leichtes, uns alle auszulöschen.«
Eine der Kerzen gab ein Zischen von sich und hauchte ihr Licht aus. Der Älteste sah kurz zwischen den Stofffetzen, die als Vorhang dienten, hindurch und bemerkte, dass es das schwindende Abendrot der Kerze bald gleichtun würde.
»So, jetzt aber zu deiner vorherigen Frage Philian, ob ich die Anzahl der Gronieri im Land kenne.« Er wartete einen Moment, bis er die volle Aufmerksamkeit der beiden Adeptari hatte. »Wir hatten ja vor einigen Wochen bereits darüber gesprochen, dass Pheleos` Schöpferi uns Magiari vor Jahrhunderten dazu auserkoren haben, das Gleichgewicht dieser Welt zu wahren.«
»Und die bösen Mächte in die Unterwelt zu verbannen«, ergänzte Yora und nestelte mit den Fingern an ihrem beigen Mantel herum.
Merindor nickte und wusste, dass es noch an ihr nagte, ihm seine Fragen zu Beginn nicht richtig beantwortet zu haben.
»Ganz genau. Aber nicht nur das. Wir sollten auch darauf achten, dass jeder neugeborene Magiari den Tugenden der Orden unterwiesen wird, sobald er alt genug ist.« Er seufzte und senkte den Blick. »Ich weiß nicht, ob wir zu nachlässig damit waren, oder ob diese Aufgabe von vorne herein nicht zu bewältigen gewesen war, aber wir verloren sehr schnell den Überblick. Hinzukam, dass viele Eltern es verheimlichten, wenn ihre Kinder mit dem Magiarigen auf die Welt kamen.«
»Wieso?«, frage Philian. »Ihr sagtet immer, dass wir stolz darauf sein sollen, was wir sind.«
Merindor legte ihm eine Hand auf das Knie. »Ja, so ist es auch. Aber schon der Gedanke daran, dass das eigene Kind später einmal mit Seelen aus der Unterwelt zu tun haben könnte, war für viele Eltern Grund genug, sie von den Orden und seinen Aufgaben fernzuhalten.«
Der Älteste erinnerte sich zurück an die Zeit, als die Ghonay sich erhoben hatte, um Pheleos aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die vielen Opfer, die der Krieg gegen die dunklen Mächte gefordert hatte, waren den Menschen in Erinnerung geblieben – mit ihnen die Angst um ihre Kinder.
Obwohl sie alle damals nur knapp ihrem Verderben entkommen waren und die Gefahr deutlich gemacht hatte, wie wichtig die Aufgabe der Magiari war, hatte es wenige zum Umdenken gebracht. Dabei kamen meist genau die Kinder vom rechten Weg ab, die mit ihren magischen Fähigkeiten nicht umzugehen wussten. Zu verlockend und mächtig waren diese mystischen Kräfte, deren richtigen Umgang sie jedoch niemand lehrte.
»Ich hab das Mama auch schon öfter sagen hören«, warf Yora in die Stille im Raum.
»Was denn, meine Liebe?« Merindor sah sie besorgt an.
»Dass sie die Eltern nicht versteht, die ihre Kinder vom Orden fern halten wollen.«
»Leider sehen das nicht alles so wie deine Mutter.« Der Älteste stieß einen tiefen Seufzer aus. »Aber es ist etwas anderes, wenn einer der Elternteile normalsterblich ist. Dann ist das Verständnis für die Verantwortung, die wir zu tragen haben, nicht so groß.«
»Meine Mutter sagt immer, dass Papa es eh nicht miterleben wird, bis es bei mir soweit ist«, erwiderte Philian und zuckte mit den Schultern.
Merindor lächelte sanft und hatte Mitleid mit dem Jungen. Er war einer der wenigen Kinder, die er kannte, bei denen die Eltern nicht beide Magiari waren. Nicht nur, dass die Lebenserwartung der Menschen mit etwa siebzig Jahren deutlich unter ihrer lag, auch nahm man die heranwachsenden Zauberi aus solchem Hause oft nicht ernst. Die Beleidigungen und Ausgrenzungen hatten in der Vergangenheit oft dazu geführt, dass die »Falschen Magiari«, wie man sie herabwürdigend bezeichnete, verbittert wurden und sich mithilfe der verbotenen Ghonarasch-Magie an ihren Peinigeri zu rächen versuchten.
Der Älteste driftete abermals in schmerzhafte Erinnerungen ab. Vor seinem inneren Auge tauchten verzweifelte Eltern auf, die ihn auf Knien anflehten, ihr Kind zu retten und seine Seele zu verschonen. Doch so sehr es ihm auch jedes Mal einen Stich ins Herz versetzt und viele schlaflose Nächte beschert hatte – als Ordensführer durfte er keine Ausnahmen machen und war gezwungen, jegliche dieser Racheakte mit der Verbannung in die Ghonay zu bestrafen.
Ein harsches Klopfen holte ihn zurück ins Hier und Jetzt.
»Merindor? Merindor, seid ihr Zuhause?«
»Augenblick, Kinder«, vertröstete er die Adeptari und hievte seine müden Knochen zur Tür.
Er hatte sie erst einen Spalt geöffnet, da schlug ihm schon der Geruch von fettigem Braten und Bier entgegen, der mit jedem Atemstoß des hechelnden Soldaten penetranter wurde. Offenbar hatte man den schwitzenden Mann gerade beim Abendessen gestört.
Merindor rümpfte so unauffällig wie möglich die Nase und verbeugte sich. »Soldat, was kann ich für Euch tun?«
»Prinz Fabien verlangt nach euch. Ihr sollt der Geburt seines Kindes beiwohnen.«
»Das ist doch ein freudiges Ereignis«, lächelte der Magier, verspürte zeitgleich jedoch ein merkwürdiges Gefühl, das er nicht einzuordnen vermochte. »Wozu braucht ihr mich?«
»Fragt nicht mich«, erwiderte der Mann, der sich allmählich gefangen hatte und wieder etwas ruhiger atmete. »Ich habe nur den Auftrag, Euch sofort zu ihm zu bringen.«
Merindor biss sich nachdenklich auf die Unterlippe und griff zu seinem Mantel. »Wir sind für heute fertig«, rief er über die Schulter ins Innere der Hütte. »Ich muss etwas Wichtiges erledigen. Lest bis zum nächsten Mal das Kapitel über die Doyo-godan und ihre Kräfte.«

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3. September 2021

'Hollywood Kills' von Stefan Barth

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Los Angeles, 1994. Andrew Light, Komiker und Filmstar, stirbt an einer Überdosis. Nicht gerade ungewöhnlich im Hollywood der Neunziger.

Aber Tia Kalani, die ehrgeizige Moderatorin der Entertainment-Show INISDE HOLLYWOOD erhält einen anonymen Tipp: Andy wurde ermordet. Tia wittert eine große Story und ebenso großen Ruhm.

Sie engagiert Cosmo Ancona, Ex-Bulle und Privatdetektiv mit Alkoholproblem. Der hält Tia zwar für verrückt, aber er braucht Geld für den Scheidungsanwalt.

Gemeinsam stößt das ungleiche Paar in ein Wespennest aus egomanischen Filmproduzenten, überkandidelten Stars, Drogendealern und eiskalten Killern.

Und wenn sie nicht aufpassen, sind sie bald genauso tot wie Andrew Light ...

Anleser:
Jon Bon Jovi singt „Baby please come home for Christmas“ und Cosmo ist bei seinem fünften Bier. Laut Barkeeper, einem makellos gepflegten Schönling mit Glitzer-Knopf im rechten Ohr, der – Überraschung – eigentlich Schauspieler ist, wie er vorhin ungefragt erzählt hat, stammt das Gesöff aus einer der „besten Microbreweries des Staates“.
Cosmo würde ihm gerne sagen, wo er sich seine Microbreweries hinstecken kann, aber leider gibt es im Wild Horses, einer angesagten Szene-Tränke voller hipper junger Menschen und Touristen auf dem Ocean Boulevard in Santa Monica, kein normales Bier. Also hält er die Klappe. Außerdem, auch wenn er das nicht zugeben würde, schmeckt das Zeug gar nicht mal übel.
Mach dir nichts vor, Cosmo, bald gibst du auch Rasierwasser dein Gütesiegel.
Der Alkohol tanzt durch seine Blutbahnen wie ein Haufen Teufelsanbeter um einen Altar mit einer nackten Jungfrau. Er hätte sich besser auch etwas zu Essen bestellt. Jetzt ist es zu spät.
Er leert die Flasche und bemerkt den fragenden Blick des Barkeepers. Noch eins?
Cosmo sieht zum Ende des Tresens hinüber. Hardy Bollinger knutscht seit einer geschlagenen Stunde mit einem Mädchen, das seine Tochter sein könnte. Tatsächlich hat Hardy zwei Töchter, die nur unwesentlich jünger sind als die Brünette mit dem üppigen Vorbau, der er die Zunge so tief in den Hals schiebt, dass er ihre Mandeln berühren müsste. Ihr Name ist Elisabeth Winston und sie ist erst im April einundzwanzig Jahre alt geworden. Außerdem besucht sie Hardys Drehbuchkurs an der USC.
In Hollywood kursiert ein alter Witz, der den niedrigen Status der Autoren illustrieren soll: Das Starlet war so dumm, dass sie statt mit dem Regisseur mit dem Drehbuchautor geschlafen hat.
Bollinger, der, bevor er Lehrer an der USC wurde, selbst erfolglos versucht hat, als Drehbuchautor Fuß zu fassen, straft den Witz in gewisser Weise Lügen. Denn die knackige Elisabeth ist nicht die erste Studentin, die seinem Charme erlegen und mit ihm in die Kiste gehüpft ist. Allerdings soll sie die erste sein, die dabei auf Video festgehalten wird, damit Hardys Frau, für die Cosmo arbeitet, vor dem Scheidungsrichter handfeste Beweise hat.
Elisabeth flüstert Hardy etwas ins Ohr und beißt ihm dann mit strahlend weißen Zähnen ins Ohrläppchen. So wie Hardys Augen leuchten, hat Cosmo eine Ahnung, was sie ihm gesagt hat.
Elisabeth greift nach der Hand ihres Lehrers und zieht ihn hinter sich her.
Cosmos Blick folgt ihnen auf dem Weg Richtung Toiletten. Er hat vermutet, dass sie am Ende des Abends in irgendeinem Motel landen würden. Sein bisheriger Plan hat vorgesehen, die beiden dabei zu filmen, wie sie gemeinsam in einem Zimmer verschwinden. Mit etwas Glück sogar, sie durch einen Spalt in den Gardinen beim Vögeln zu filmen.
Vielleicht kommt er aber schon hier und jetzt zu seinen Aufnahmen. Und Hardys Frau zu ihrem unwiderlegbaren Beweis für die außerehelichen Aktivitäten ihres Ehemanns.
Cosmo legte einen Zwanziger auf den Tresen. „Stimmt so.“
Der Barkeeper hebt missbilligend die Augenbrauen und deutet zur Getränkekarte an der Wand.
Cosmo schüttelt schnaufend den Kopf und legt noch einen Zehner dazu. Kleine Brauerei, große Preise.
Er rutscht vom Barhocker. Die hohen Umdrehungen zeigen ihre Wirkung. Mit fünf Flaschen Bud wäre ihm das nicht passiert. Für einen kurzen Moment gerät Cosmo ins Schwanken. Er hält sich am Tresen fest und bemerkt das dreckige Grinsen des Barkeepers.
Cosmo zeigt ihm den Finger.
Dann folgt er Hardy und Elisabeth.

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1. September 2021

'Goldenes Glück (Fabolon 2)' von Isabella Mey

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Fabolon, die Welt der Farbmagie (Band 2)

Da die Serie an Unglücken kein Ende nimmt, erreicht Felix’ Laune einen absoluten Tiefpunkt.
Nachdem er zwei Wochen krank im Bett verbracht hat, seine Schwester nicht aufhört, ihn zu ärgern, hat er obendrein Majas Geburtstag verpasst. Als einziger Erdoni ohne magische Fähigkeit wird er gegen seinen Willen nach Fabolon katapultiert und muss dort sofort ums Überleben kämpfen. Als er schließlich aus seiner Bewusstlosigkeit aufwacht, fühlt er sich wie unnütze Last.
Naja, es kann ja eigentlich alles nur noch besser werden, oder?

Bunte All Age Fantasy, angereichert mit Magie und gewürzt mit Romantik, empfohlen ab zwölf Jahren.
Link zu beiden Bänden der Fabolon-Reihe.

Anleser:
»Felix, jetzt komm doch endlich ins Bett«, mahnte Tono den Jungen, der noch immer aus dem Fenster lehnte, um den irre großen Mond zu betrachten.
»Warum sollte ich meine Zeit mit Schlafen verschwenden? Ich bin überhaupt nicht müde. Aber das da draußen müsst ihr euch unbedingt anschauen. Dieser blasse Mond ist so krass mit seinen Kratern. Die kann man voll deutlich erkennen. Und wie gigantisch groß der ist, es sieht aus, als ob er gleich zu Boden kracht.«
»Wahnsinn, der Mond.« Pipp gähnte und drehte sich zur Wand. Er und Nio lagen oben in den Etagenbetten, unter ihm versuchte Tono in den Schlaf zu finden, doch mit Felix am Fenster kam er einfach nicht zur Ruhe.
»Boah, wie genial sich dieser klare Sternenhimmel im Meer spiegelt.«
»Natürlich ist das schön, aber sag mal, Junge, was ist eigentlich los mit dir?«, wunderte sich Tono.

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