28. Mai 2020

'Marias Sehnsucht: Die Reise einer Jüdin' von Uschi Meinhold

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Marias Sehnsucht? Welche Maria ist gemeint?
Der Leser begegnet einer wohlhabenden und gebildeten Jüdin, die als junge Frau ihren Heimatort Magdala in Galiläa nach dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters verlässt, um zu reisen. Die Sehnsucht nach Veränderung führt Maria zu Verwandten nach Zypern, anschließend in die Hauptstadt des alles beherrschenden Römischen Reiches, Rom, und auf die Insel Capri.

Sie ist sehr eng befreundet mit Claudia, der Tochter des Princeps Tiberius. Aus dem anfangs unbeschwerten Romaufenthalt Marias wird durch die Nähe zur Tochter des Herrschers, inzwischen Ehefrau des Pilatus, ein Eintauchen in menschliches Leid. Aber auch glückliche Momente erlebt die Reisende durch die Zuneigung zum Römer Lupus. Sie begegnet Personen, die die Geschichte der Zeit bestimmen: Princeps Tiberius, Pilatus, Herodes.

Eingebunden in die politische Geschichte sind private Schicksale. Maria kehrt nach Magdala in Galiläa zurück. Wie auf der Reise erlebt sie in ihrer Heimat neben Glück auch Leid, begegnet diesen Erfahrungen gestärkt, weiß, wie sie leben will und mit wem: mit ihrer gehörlosen Tochter Lea und dem Römer Lupus. Er ist ihr nach Magdala nachgereist.

Die Autorin erzählt die Geschichte der vielbeschriebenen Maria Magdalena auf andere Weise, als sie bisher verbreitet worden ist. Was der Autorin in ihrem Roman 'Bruna-Brunhilde' (Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter) gelungen ist - die Leser durch lebendig und spannend erzählte Geschichte zu unterhalten und zu berühren -, kann auch in diesem Roman erwartet werden.

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27. Mai 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters 2 - Adelsintrigen' von Olivièr Declear

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Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Adelsintrigen ist der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Anleser:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

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'Sei still, Kind!' von Janette John

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»Reise mit Bedacht, aber reise!« Janette John

Wenn das Glück DICH verlässt und der Zorn dich packt,
dann lass dich NICHT von ihm zerstören.


»Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön«, würde sie doch nur nicht mit dem Tod zu Ende gehen. Die Reederei MyDay verspricht nicht nur Traumreisen, sie verkörpert sie auch, bis eine Folge ungeklärter Todesfälle ihren Ruf zu beschmutzen droht. Ausgerechnet auf der beliebten Mittelmeerroute scheint jemand sein Unwesen zu treiben. Ein abgetrennter Finger, zwei herausgeschälte Augäpfel sowie diverse Selbstmorde machen dem Schiffseigner zu schaffen.

Und dann gewinnt der Konstanzer Kriminalist Rudolf Hufnagel auch noch eine dieser Reisen. Dass er ausgerechnet die Woche der Todesroute erworben hat, weiß er nicht, genauso wenig wie seine Begleitung. Hat man es womöglich ebenso auf ihn abgesehen? Und wenn ja, warum?

Sei still, Kind! – wenn das Grauen mit dir reist.
Der 12. Fall der Kripo Bodensee.

Anleser:
Sauerstoffmangel im Gehirn führt nach zwei bis drei Minuten zu irreversiblen Schäden und nach acht bis zehn Minuten zum Hirntod.

Er wachte auf, fühlte sich wie benommen, schaute sich um. Wo war er nur? Und wo waren die anderen, die gerade noch mit ihm gespielt hatten? Es war leise und finster. War es mittlerweile Nacht geworden? Hatte er womöglich geschlafen und alles geträumt?
Nein.
Er erinnerte sich, wie er Lisa hinterhergerannt war, weil sie ihm die Zunge herausgesteckt hatte, und er an ihrem Pferdeschwanz ziehen wollte, der keck hin und her gewedelt hatte und ihn geradewegs dazu animierte.
Stickig war es hier und es roch nach Erde. Ebenso hatte er das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Er hustete, doch es half nichts. Seine Atemluft wurde knapp. Die Angst kam über ihn und er geriet in Panik. Wild fuchtelte er mit den Armen herum, bis ihm bewusst wurde, dass man ihn in etwas gesperrt hatte. Nicht sonderlich groß, aber finster. Etwa wie eine Kiste, deren Ecken er gerade noch ertasten konnte.
Der Junge begann zu schreien, aber niemand schien ihn zu hören. Sein Schlucken erstarb im Husten und die Furcht ließ den Siebenjährigen vor Angst urinieren. Der Ruf nach seiner Mutter, dem Vater und den Geschwistern blieb ungehört, bis plötzlich ein Strahl auf ihn fiel und blendete. Das Licht wurde größer und der Kleine erblickte das Gesicht eines Mannes, der nach ihm rief: »Was machst du denn hier?«

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26. Mai 2020

'Zum zweiten Mal tot' von Marcus Johanus

Kindle | Tolino | Taschenbuch
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»Natürlich habe ich Angst vor dem Tod. Ich weiß genau, was danach kommt.«

Die junge Kriminalpsychologin Lisa Kreuzer lebt auf der Überholspur. Karriere. Popularität. Erfolg auf ganzer Linie. Bis sie bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn stirbt.

Lisa verbringt einige Minuten im Jenseits, bevor sie wiederbelebt wird. Zusammen mit weiteren Unfallopfern, die ins Leben zurückgeholt wurden, wird sie Wochen später aus einer Gruppentherapie in ihren Alltag entlassen.

Doch Lisa gelingt die Rückkehr in ihr altes Leben nicht. Ihre Nahtoderfahrung hat sie zu sehr verändert.

Da empfängt sie auf ihrem Handy Nachrichten von einem Fremden, der behauptet, aus dem Jenseits zu sein.

Und er will ihren Tod.

Anleser:
Kurz vor dem wichtigsten Augenblick meines Lebens bin ich nicht echt.

Ich kenne die Frau nicht, die mich aus dem Spiegel anstarrt. Genauso wenig wie die Visagistin, die mein Gesicht pudert und dabei auf mich einredet. Sie ist fast doppelt so alt wie ich und verhält sich so unterwürfig, als wäre sie mein Dienstmädchen.

»Normalerweise mache ich das ja nicht.« Sie pudert meine Stirn. Ihre Hand zittert. »Aber bei Ihnen kann ich nicht anders. Ich bin wirklich ein Fan von Ihnen, Frau Doktor Kreuzer. So jung und schon Doktor. Meine Tochter ist ja mit achtundzwanzig noch nicht einmal bei mir ausgezogen.«

Ich schiele an ihrer Hand vorbei. Starre wieder in den Spiegel. Bin das wirklich ich?

»Bitte«, sage ich. »Sie können mich Lisa nennen.«

Die Welt ist ein Film. Nur nicht mein Film. Die grellen Lampen, die den Spiegel vor mir einrahmen. Der Stuhl, in dem ich sitze, der sich hin und her dreht. Wie beim Zahnarzt. Ich hasse Ärzte.

Mein Puls rast. Alles dreht sich. Das ist kein normales Lampenfieber. Vor mir liegt ja auch kein normaler Auftritt. Es ist der wichtigste meiner Karriere.

Flimmern vor den Augen. Schweißausbrüche. Rauschen in den Ohren. Ein unsichtbarer Dämon, der mir ständig im Nacken sitzt, und mich beißt, wenn ich es am wenigsten gebrauchen kann.

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'Bruna-Brunhilde' von Uschi Meinhold

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Bruna-Brunhilde: Westgotische Prinzessin - Merowingische Königin - Nibelungentochter

Eine vermeintlich zeitlich ferne Geschichte - die auch im spanischen Westgotenreich mit der Hauptstadt Toledo spielt - wird im Roman über Bruna-Brunhilde als Kind, Herangewachsene, Liebhaberin, Leidende, Mutter und Herrscherin erzählt. So steht eine Frau des 6. Jahrhunderts, eine westgotische Prinzessin, eine merowingische Königin, eine Nibelungentochter im Mittelpunkt. Das Leben Bruna-Brunhildes ist zwar zeitlich fern, in manchem uns aber ganz nah.

Warum? Das Buch findet Antworten.
Außer dieser westgotischen, gebildeten Prinzessin Bruna, die fern ihrer Heimat - die sie nie wiedersehen wird - im Frankenreich ihres merowingischen Mannes nach dessen Ermordung als Herrscher in seiner Nachfolge versucht, gerecht zu handeln, wird die politische Geschichte dieser Zeit erzählt. Dies am Beispiel handelnder Menschen, die, wie Bruna-Brunhilde, im Mittelpunkt im Roman stehen. Denn Menschen machen Geschichte.

Wir können von Ereignissen im spanischen Westgotenreich: in Toledo, in Valencia; - im Merowingerreich der Franken: in Renève sur Vingeanne, in Chalon, in Metz, in Worms und Lorsch, lesen. Das Nibelungenlied basiert auf dem glücklich-unglücklichen Leben dieser mächtigen Frau. Ähnlichkeiten zwischen dieser fernen Welt und unserer heute lassen sich entdecken. Aber auch das Andere, das Ferne, macht das Lesen ebenfalls interessant.

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'Die Wahrheit der Verbannten' von Nicole Weber

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Nadine Krämer wächst in einer Welt voller Geheimnisse auf, die unsagbar viele Fragen aufwerfen. Sie glaubt, die Antworten in einem Studium an der Großen Universität des Kaiserreiches zu finden. Doch dieses Ziel ist nicht so einfach zu erreichen, wie es scheint.

Zudem geschehen einige schreckliche Dinge, die Nadine daran zweifeln lassen, ob es wirklich so klug wäre, die Mauern einzureißen, hinter denen die Wahrheit verborgen liegt. Das Schicksal lässt ihr jedoch keine Wahl und zwingt sie gnadenlos in den Kampf um die Wahrheit und zur Entscheidung über das Schicksal der verbliebenen Menschen, den Verbannten.

Anleser:
Carsdag, 10.Dedaelus, Jahr 615
Der große Tag war endlich da. Auf gewisse Weise empfand ich an jenem Morgen eine größere Aufregung als vor der Schlacht am Jilbal. Amal, der neben mir durch den Park auf die Kathedrale zuschritt, sah in seinem perfekt geschnittenen Maßanzug und dem Vollbart, den er sich in den letzten Wochen hatte stehen lassen, außerordentlich stattlich aus. Doch auch ich musste mich bestimmt nicht verstecken. Ich trug ein cremeweißes, mit Perlen besticktes Kleid und einen grünen Überwurf, der besonders gut zu meinen Augen passte. In meine Haare hatten Mägde Fäden aus purem Silber und Gold eingeflochten und sie kunstvoll mit einem silbernen Diadem verflochten aufgesteckt.
Die Sonne schien angenehm warm von einem wolkenlosen Himmel und ich fühlte mich seltsam beschwingt, fast als wäre all dies nur ein Traum, durch den ich wanderte. Den gesamten Weg von der Gilde bis zur Kathedrale säumten hunderte von Menschen die Straßen und jubelten uns zu. Ich fragte mich, was man ihnen wohl erzählt hatte und bemerkte, wie meine Hand anfing zu schwitzen, die wie einstudiert leicht wie eine Feder auf Amals angewinkeltem Arm ruhte. Anianuel hatte uns ermahnt, ein möglichst freundliches Gesicht zu machen und in die Menge zu lächeln, aber bereits nach wenigen Metern begannen die vielen Gesichter, vor mir zu verschwimmen und eine leichte Übelkeit drückte mir auf den Magen, sodass ich schon Mühe hatte, mein Gesicht nicht zu einer leidenden Grimasse zu verziehen, geschweige denn, diese vielen Fremden auch noch anzulächeln. Amal hingegen hatte sich mal wieder glänzend unter Kontrolle.
Das, vor dem es mir am meisten graute, sollte allerdings noch folgen, denn vor der Kathedrale erwartete uns die kaiserliche Garde, die für ihr neues Herrscherpaar bis zum Portal hinauf Spalier stand. Nun wagte ich es erst recht nicht mehr nach links und rechts zu blicken, aus Angst dabei direkt in Sebastians anklagende, verletzte Augen zu schauen. Trotzdem spürte ich die Blicke der Gardisten heiß und kalt und stechend in meinem Rücken. Immerhin erkannten mich vermutlich die meisten von ihnen wieder. Dankbar über Amals starken Arm, der mich führte, schritt ich dennoch erhobenen Hauptes durch sie hindurch und atmete erst wieder auf als endlich das schwere Portal vor uns geöffnet wurde.
Im Innern durchfuhr mich ein kurzer Schreck, denn dort wurden wir von niemand anderem als dem Obersten Rat Albert begrüßt, sowie dem Kommandanten der kaiserlichen Garde Esbenus persönlich. Kein Zucken in seinem Gesicht wies jedoch darauf hin, dass er mich wiedererkannte und so bedachte ich ihn nach seiner Verbeugung mit keinem allzu gequälten Lächeln.
Anschließend ging es weiter den Gang der Kathedrale entlang. Albert und Esbenus folgten uns dabei mit jeweils vier Schritten Abstand. Die Bänke des Gotteshauses quollen beinahe über vor Menschen und ich staunte, dass es trotz dieser Masse von Leuten so still in der Kirche war, dass man jeden einzelnen unserer Schritte wie einen Trommelschlag auf dem Marmorboden aufschlagen hörte. Der Gang bis zum Altar kam mir beinahe endlos vor und am liebsten wäre ich schneller gelaufen, aber Anianuel hatte uns den Takt unserer Schritte tags zuvor genau ein studieren lassen und ich wagte es weder ihn zu enttäuschen noch wollte ich mich vor so vielen Menschen der Lächerlichkeit preisgeben und so biss ich die Zähne zusammen und schritt so würdevoll ich konnte neben Amal her zum Traualtar.

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25. Mai 2020

'Insel wider Willen: Nordseeglück 1' von Frida Luise Sommerkorn

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Als Sibille gemeinsam mit ihrer Tochter Tuuli und ihrem Stiefvater Peter die Insel betritt, möchte sie am liebsten sofort wieder umkehren. Hat sie Langeoog doch vor langer Zeit verlassen und nie wieder zurückkommen wollen. Doch nun ist Oma Greta gestorben und Sibille will das Haus so schnell wie möglich verkaufen, das einst ihr Zuhause war.

Niemals hat sie damit gerechnet, dass ihr die Erinnerungen einen Streich spielen würden. Nicht nur, dass Oma Greta noch überall präsent scheint, auch das Haus und die Insel haben nichts von ihrer magischen Anziehungskraft von damals verloren. Und dann ist da noch Morten, der Nachbarsjunge, der sie nie interessiert hat und nun als gestandener Mann ihr Herz zum Schwingen bringt. Wohin mit diesen ganzen Gefühlen? Doch gerade als sie die Lösung all ihrer Probleme sieht, begegnet sie dem einzigen Menschen, der alles wieder ins Wanken bringt.

Anleser:
„Ich hab hier überhaupt kein Netz“, motzte Tuuli und hielt ihre Hand nebst Smartphone in die Luft, als ob es dort besser werden würde.
Wenn sie nicht aufpasste, würde das Ding gleich im Wasser landen, dachte Sibille. Auf solche Gefühlsausbrüche ihrer Tochter ging sie schon lange nicht mehr ein. Schließlich war es ihrer Meinung nach nicht so schlimm, wenn ihre Freundinnen die furchtbar wichtigen Nachrichten ein paar Minuten später erhielten. Spätestens am Hafen würde Tuuli wieder Empfang haben.
„Ich hole mir eine Wurst“, verkündete jetzt Sibilles Stiefvater. „Will noch jemand was?“
Sibille schüttelte den Kopf. Peter sah Tuuli an, aber die reagierte nicht. Achselzuckend machte er sich auf den Weg und kam kurz darauf mit einem Paar Wiener und einer Flasche Bier zurück.
„Peter, wir sind nicht stundenlang unterwegs“, sagte Sibille schmunzelnd. Sie hätte es sich denken können, dass der Hopfensaft nicht fehlen durfte. Peter war ein Genussmensch. Und wenn er sich hier auf der Fähre eine Wurst gönnte, dann gehörte das Bier eben dazu.
Sibille sah aus dem Fenster. Passend zu ihrer Stimmung lag die See in trübem Licht. Sie hatte ihre Tochter damit locken können, dass ein Kurzurlaub am Meer doch reizvoll sein konnte. Strahlender Sonnenschein, salziges Wasser, das in leichten Wellen heranrollte, wenn sie an der Wasserkante saß und den Weitblick über das Meer genoss. Bei so viel Pathetik hatte sogar Tuuli grinsen müssen. Natürlich hatte sie ihrer Tochter nicht sagen wollen, dass an einem Nordseestrand kein Südseefeeling aufkommen würde. So viel Wissen traute sie ihr zu. Aber nachdem sie heimlich Tuulis Reisetasche überflogen hatte, war sie sich nicht mehr so sicher. Schnell hatte sie ein paar von Tuulis Pullis und die Regenjacke in ihren eigenen Koffer gepackt. Auch wenn Tuuli diese nur unter Protest anziehen würde. Besser das Meckern ertragen, als das Kind frieren sehen.
Sibille schluckte. Den Kloß, den sie seit Tagen im Magen verspürte, versuchte sie zu ignorieren. Aber bald würden sie am Hafen von Langeoog anlegen und dann musste sie sich dem Ganzen stellen.
Sie konnte noch immer nicht fassen, dass Oma Greta tot war. Ihr Nachbar Herbert hatte sie vermeintlich schlafend auf dem Sofa gefunden. Die beiden waren unzertrennlich, seitdem Opa Gustav gestorben war. Das war schon fast zwanzig Jahre her. Und nun hatte es Oma Greta getroffen. Obwohl es überhaupt keinen Grund gab. Sie war fit, ging jeden Tag im Meer schwimmen. Selbst bei kalten Temperaturen. Nur wenn sich allmählich Eis bilden wollte, hielt Herbert sie zurück und überredete sie jedes Mal zu einem ausgiebigen Spaziergang mit Einkehr in der Bäckerei, um einen Kaffee zu genießen. Aber ihr Herz war einfach stehen geblieben.
Nun war sie die älteste der Lüders-Frauen. Ihre Mutter war vor sechs Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ihren Vater hatte sie nie gekannt. Peter, ihr Stiefvater, lebte schon lange bei ihnen in einem Vorort von Mainz. Sie hatten vor einigen Jahren gemeinsam einen Dreiseitenhof gemietet und Sibille hatte daraus ein idyllisches Zuhause gezaubert. Da ihre Mutter beruflich bedingt viel unterwegs gewesen war, lebten sie die meiste Zeit zu dritt zusammen: Peter, Tuuli und sie. Was für ein Gespann.

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'Watteweiche Glückswolken' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

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Herzklopfen pur

Lieblingsfarbe Pink! Patty erfüllt sich, nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Freund, einen lang gehegten Wunsch und eröffnet einen eigenen kleinen Laden, Pattys Pretty Pink. Sie verkauft nur Produkte, die Pinktöne enthalten. Kommt dieses außergewöhnliche Konzept an? Freundin Doro ist davon überzeugt und unterstützt sie tatkräftig.

Die geschäftliche Seite ist schon aufregend, die private wird es auch, denn sie lernt ganz unterschiedliche Männer kennen. Ist einer dieser netten Kerle der ersehnte Traumprinz, der ihr Herz erobern kann?

Anleser:
Es klopfte an die Eingangstür des kleinen Geschäftes. Patricia sah auf und entdeckte ein männliches Gesicht, welches neugierig durch das nur DIN A4 große Loch in der Papierabdeckung blickte. Mit schnellen Schritten lief sie zur Tür und schloss auf.
Ein Briefträger stand davor und lächelte sie aus tiefseeblauen Augen an. »Sind Sie Frau Patricia Sommerfeld?«
»Ja, das bin ich.«
»Prima. Ich habe Post für Sie.« Er reichte ihr zwei Umschläge.
»Danke.«
»Alles noch abgeklebt. Was wird das denn für ein Laden?« Neugierig versuchte er, einen Blick an ihr vorbei in den Innenraum zu erhaschen.
»Etwas ausschließlich für Mädels. In wenigen Wochen ist Eröffnung. Sie können die Geschäftspost aber auch in meinen privaten Briefkasten nebenan werfen. Ich wohne seit dem letzten Wochenende hier über dem Lädchen.«
»Ah, der Umzugswagen gehörte zu Ihnen. Somit sehen wir uns ja öfter. Ich bin der Postbote hier im Viertel. Ole Steinert.« Er reichte ihr die Hand.
»Ich heiße Patricia Sommerfeld.«
»Joah. Das stand auf dem Umschlag und haben Sie schon bestätigt.«
Patricia kicherte los. »Stimmt. Übrigens, alle Welt nennt mich nur Patty.«
»Okay, ich bin der Ole.«
In diesem Augenblick schoss eine junge Frau mit einem Korb heran. »Juhu, Patty, da bin ich. Hat alles geklappt.« Sie drehte sich zu dem Briefträger. »Hi Ole!«
»Moin Doro. Aber ich muss weiter. Tschüss.« Und schon saß er wieder in seinem kanariengelben Elektroauto.
Doro schlüpfte durch die Tür.
»Woher kennst du den Postboten?«, fragte Patty erstaunt. »Du wohnst doch am anderen Ende.«
»Unsere Zeitung hat vor circa zwei Jahren eine Serie über alle Briefträger der Stadtviertel gemacht. Und da ich bei der Lokalredaktion gerade frisch als Redakteurin begonnen hatte, durfte ich mich in diesem Job beweisen.«
»Das habe ich nicht mitbekommen.«
»Logisch. Da lebtest du schließlich noch auf Mallorca.«

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21. Mai 2020

'Kelch der Toten' von Ivory MacIntyre

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1904. Riesige schwarze Hundebestien mit glühenden Augen versetzen die Bevölkerung des englischen Städtchens Fenhole in Angst und Schrecken. Hat sich im Steinkreis nördlich der Stadt ein Tor zu einer anderen Welt geöffnet?

Als dann Bürger der Stadt von einer mysteriösen Seuche wie mumifiziert zurück gelassen werden, verlangen die Menschen Antworten und Hilfe. Während Cole und Diana nach einer rationalen Erklärung suchen, hofft Nell den Mörder ihrer Eltern zu finden, denn er scheint mit diesen Hunden in Verbindung zu stehen.

Kann der mysteriöse Hexenjäger Reece ihnen die erhofften Antworten geben?

Anleser:
„Und wo sollte Craven die Hunde herhaben? Hat er die in seinem Hinterhof gezüchtet, um sie hier durch die Sümpfe zu scheuchen?“, fragte Hutch, der Victors Ansichten nicht teilen konnte.
„Was? Hunde?!“, rief Victor ungläubig. „Das waren keine Hunde, Hutch!“
Victor zeigte ins Moor hinein und sein Blick flackerte, als stünde er kurz davor, auszurasten. „Und das waren keine Wildschweine!“, schrie er wutentbrannt, sprang auf und trat gegen ein Grasbüschel. „Verfluchtes Moor! So ein abgekartetes Spiel! Dieser alte korrupte Klappergreis!“
Nell konnte Victors Wut verstehen, die Situation warf mehr Fragen auf, als sie beantwortete.
„Ich sag dir, ich werde jetzt zu Craven gehen und ihn mit seinem Bart am Glockenturm aufhängen!“, donnerte Victor und hob die geballte Faust, als wenn er den Bart schon in der Hand hielte.
„Beruhige dich, Victor“, redete Hutch weiter auf ihn ein. Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnten, waren Höllen­hunde, die durch Victors lautes Gebrüll angelockt wurden. „Lass uns verschwinden, bevor wir doch noch erschossen werden.“

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'Gerechtigkeit: Kriminalroman' von Christian Wagnon

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By the pricking of my thumbs, something wicked this way comes.

Der Satz aus Macbeth lässt Falin nicht mehr los. Ganz in der Nähe des Hauses, das er gerade gekauft hat, wird das unter einer Betonplatte versteckte Skelett einer Frau gefunden. Trotz seines Urlaub beginnt der Kommissar zu ermitteln. Etwas Böses liegt über der Gegend, es zieht im Wasser des Fleets, an dem sein Haus liegt, entlang, weht über die brachliegenden Felder und hängt wie eine düstere Erinnerung in dem Geäst der noch kahlen Bäume, gleich den Krähennestern vom vergangenen Jahr. Und in dem Maß, wie Falin versucht, in seiner neuen Umgebung heimisch zu werden, zieht ihn die Vergangenheit der anderen tief in seinen Bann.

Anleser:
Es war ein kalter Morgen. Wie oft im März hatte es noch einmal Nachtfrost gegeben, und die gefrorene Erde knirschte unter seinen Sohlen, als er in Richtung Fundort ging. Der Hof lag am Rand der Ortschaft, ein gutes Stück entfernt von den anderen Höfen. Er bestand aus einem einstöckigen heruntergekommenen Haus, dessen Verputz teilweise abgeblättert war und bei dem im Erdgeschoss die hölzernen Fensterläden halb aus den Angeln hingen, und zwei verwahrlosten großen Ställen und einem Schuppen. Offene windschiefe Stalltüren gaben den Blick frei auf verrostende Landmaschinen und Werkzeuge, zerfallende Viehkoben und leere gähnende Heuböden. Der Wind trieb Laub vor sich her, das sich überall verfing und kleine Nester bildete, und die Krähen, die auf dem nahegelegenen Feld auf dem frostigen Boden nach Nahrung suchten, ähnelten schwarzen Klumpen auf dürren Beinen, seltsam zusammengestaucht und in sich gekehrt. Der Ort hatte etwas Trostloses, was zu dem Anlass passte, wegen dem Falin hier war.

Karlsson unterhielt sich mit zwei Männern, die unweit von der Absperrung auf einer niedrigen Steinmauer saßen, und kam herüber, als er ihn kommen sah. „Gut, dass du so schnell kommen konntest. Die Tote liegt drüben im Schuppen.“
„Was ist passiert?“
„Ihr wurde der Schädel eingeschlagen.“
Falin trat in den Schuppen und schaute auf das Skelett herab. Die Knochen waren lose zu einer Körperform sortiert. Der Gerichtsmediziner hielt ihm den Schädel entgegen. „Ein Hammer oder die stumpfe Seite eines Beils.“
„Wie alt? Ich meine, wie lange liegt sie schon hier?“ Der Mann im weißen Schutzanzug zuckte die Achseln. „Schwer zu sagen … Sehr gut erhalten. Können wir sie einpacken?“
„Ja.“
„Diese beiden da drüben auf der Mauer sind die neuen Besitzer des Hofs“, sagte Karlsson. „Offenbar haben Tiere die Erde aufgewühlt. Füchse, Wildschweine, was auch immer.“
„Mit Sicherheit eine Frau?“
„Höchstwahrscheinlich.“

Die neuen Besitzer waren zwei Brüder, die außer dem Zeitpunkt des Fundes nichts weiter zu sagen hatten. Sie hatten genügend viele Krimis gelesen und im Fernsehen gesehen, um zu wissen, dass sie für die nächste Zeit auf ihrem neuen Hof nicht viel würden erledigen können, und überlegten bereits laut, ob man vielleicht sogar versuchen sollte, den Kauf rückgängig zu machen, und wie wenig ihre Frauen begeistert sein würden, dass ihr neues Zuhause, in dem ihre Kinder spielen und aufwachsen sollten, Schauplatz eines Mordes gewesen war, wenn auch vielleicht vor vielen Jahren.
Falin schickte sie nach Hause.

Einer der Polizisten, ein hagerer jüngerer Mann mit schütterem hellen Haar, passte ihn ab, als er in den Schuppen zurückgehen wollte „Ihr Kollege wollte wissen, wer hier früher wohnte“, sagte er. „Die letzten Eigentümer waren zwei Schwestern, die den Hof gemeinsam geerbt haben. Die ältere ist vor sechs Monaten gestorben. Die jüngere Schwester wohnt und arbeitet schon seit ein paar Jahren in der Stadt. Adresse und Telefon steht hier auf dem Zettel. War nicht mehr oft hier, seitdem sie damals wegzog. Mochte den Ort nicht. Ihre Schwester wohnte bis zu ihrem Tod im Haus da drüben im Erdgeschoss. Der obere Stock wurde nicht mehr benutzt, seitdem der Vater gestorben war. Muss auch innen ziemlich heruntergekommen sein inzwischen. Wurde ja nichts mehr gemacht in den letzten Jahren hier auf dem Hof.“ Er reichte ihm den Zettel.
„Sie sind aus der Gegend?“ fragte Falin. Der jüngere Mann nickte.
„Das ist gut“, sagte Falin.
Der andere runzelte die Stirn, als überlegte er, was genau das bedeuten sollte, dann verabschiedete er sich mit einem Kopfnicken. Falin sah ihm nach, wie er im Gehen energisch seine Kappe zurechtrückte und machte, dass er zu seinem Wagen kam. Es wirkte wie eine Flucht, aber die Umstände waren auch nicht so, dass man es ihm verdenken konnte.

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20. Mai 2020

'Wenn die Kraniche wieder ziehen' von Annette Hennig

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Eine große Liebe
Krieg und Umsturz
Träume, die nicht vergehen,
und Hoffnung, die niemals stirbt


Sankt Petersburg 1914: Fürstin Feodora dringt darauf, ihre erst siebzehnjährige Tochter zu verheiraten. Die junge Anastasija widersetzt sich dem Wunsch ihrer Mutter nicht, sorgt aber dafür, dass sie den Mann ihrer Jungmädchenträume ehelichen kann. Als sie übers Jahr am Arm des Großfürsten Iwan aus der Kirche tritt, ist das Glück auf ihrer Seite. Doch das Glück ist launisch. Schon bald verbündet es sich mit dem Leid dieser Tage.

An ihrem 98. Geburtstag blickt Anastasija auf ihr Leben zurück. Nicht nur einmal stand sie vor einem tiefen Abgrund, nicht nur einmal glaubte sie ins Verderben zu stürzen. Doch selbst bei den Gedanken an Not und Tod lächelt die alte Dame: Denn ihre Liebe, die beinahe ein Jahrhundert überdauert, bewahrt sie noch immer in ihrem Herzen.

Ein Blick in die Runde derer, die sich zu ihrem Ehrentag versammelt haben: Und Anastasija wähnt sich eine glückliche Frau.

Anleser:
Prolog
Sankt Petersburg, 1995
Das prächtige weiße Palais lag ruhig in der Stille des frühen Morgens. Seine Bewohner pflegten zu dieser Stunde in sanften Träumen zu schwelgen. Eine Weile würde es noch dauern, bis die Sonne den Horizont küsste. Zuvor würden nicht einmal Köchin und Hausmädchen erwachen.
Nikolai stand am Fenster und blickte in die Dunkelheit. Er war bereits angekleidet und wartete auf den Beginn des neuen Tages. Die Laternen leuchteten noch. Sie tauchten den Park in ein sanftes Licht. Die glimmenden Kugeln im Teich ließen den Mann schmunzeln. Vor seine Augen traten die Bilder des letzten Sommers. Er lachte leise, als er daran dachte, wie die Frösche die leuchtenden Bälle, die sich sanft auf der Wasseroberfläche bewegten, ehrfurchtsvoll umkreist hatten. Später, als sie bemerkten, dass keine Gefahr von den Kugeln ausging, ergriffen sie von ihnen Besitz und veranstalteten fortan in jeder Nacht auf ihnen ihr Konzert.
Als er ein leises Stöhnen hörte, löste er sich von dem Anblick, den er jeden Morgen genoss und doch nicht genug von ihm bekommen konnte. Wie gut fühlte sich das alles an!
Widerwillig trat er vom Fenster zurück und schlich in den angrenzenden Raum. Das Doppelbett dort war von beeindruckender Größe. Er vermochte die zierliche Gestalt darin kaum auszumachen, die sich jetzt von einer Seite auf die andere drehte. Überdies verstellten ihm die Kissenberge den Blick auf sie. Eine Weile blieb er nachdenklich im Türrahmen stehen und lauschte ihrem leisen Schnarchen.
Sie waren beide alt geworden.
Er erinnerte sich an die glücklichsten Tage seines Lebens. Damals war er jung und stark gewesen und er hatte geglaubt, dass nichts und niemand ihm etwas anhaben konnte. Er war losgezogen, um Mütterchen Russland zu retten. Und was war dabei herausgekommen?
Ohne es zu bemerken hatte er bei diesen Gedanken den Atem angehalten. Jetzt stieß er ihn geräuschvoll aus und schüttelte den Kopf. Es war vorbei, er musste endlich aufhören darüber nachzugrübeln, was geworden wäre, wenn …
Sollte er stattdessen nicht froh sein, dass sich alles zum Guten gefügt hatte und er heute hier stand?
Er konnte sich glücklich wähnen, hatte wiedergefunden, woran er längst nicht mehr geglaubt hatte.
Auf leisen Sohlen bewegte er sich ein paar Schritte in den Raum hinein. Vorsichtig setzte er sich auf die Kante des Bettes. Er traute sich kaum zu atmen, wollte sie nicht wecken. Nach der ganzen Aufregung hatte sie Schlaf bitternötig.
Im Halbdunkel des Raumes waren ihre Züge nur zu erahnen. Doch er brauchte kein Licht. Nikolai schloss die Augen und schwelgte in alten Bildern: ihr kirschroter Mund, ihr helles Lachen, die blonden Locken, die ihr junges Gesicht einrahmten. Feengleich. Nie zuvor hatte er eine so zarte, weiche Haut liebkost.
Genaugenommen hatte er damals noch gar keine Haut berührt. Gerade mal ein paar schüchterne Küsse hatte er getauscht, bevor er sie kennengelernt hatte.
Seine Gedanken flogen zu dem jungen Mädchen, dem diese Küsse gegolten hatten. Swetlana lebte nicht mehr. Er war in ihrer letzten Stunde bei ihr gewesen, hatte ihre Hand gehalten. Friedlich konnte sie die Welt verlassen, in der sie so viel Pech gehabt hatte. Er glaubte, er war an ihrem Kummer maßgeblich beteiligt gewesen.
Sie war seine erste Schwärmerei gewesen, zu einer Zeit, als er die Liebe noch nicht kannte. Er zuckte mit den Schultern und war im selben Augenblick froh, dass ihn niemand dabei erwischt hatte. Er schämte sich für die allzu lieblose Geste. Es war vorbei, sie hatten das Leben gemeistert, mehr schlecht als recht, doch eine Weile gemeinsam. Auch wenn niemals ein Paar aus ihnen geworden war.
Während er die Augen wieder öffnete und in die Gegenwart zurückkam, drehte sich die Frau noch einmal auf die andere Seite und stöhnte abermals leise. Wovon sie wohl träumte?
Sein Blick erhaschte den Siegelring, der auf ihrem Nachttisch lag. Er griff danach, schob ihn ein Stück auf seinen kleinen Finger. Weiter brachte er ihn nicht. Die Hände seiner Ahnen schienen weit zierlicher gewesen zu sein als seine Pranken.
Versonnen blickte er den weinroten Stein an, von dem er heute wusste, dass sich unter ihm ein Siegel befand. Gut versteckt und wohlgehütet. Endlich war der Ring wieder heimgekehrt. Er gehörte zu ihm und nun auch zu ihr. Zu seiner Familie. So, wie es immer gewesen war. Bald würde er ihn weitergeben, so, wie es seit hunderten von Jahren Brauch war.
Als er jetzt die ersten Geräusche vernahm, die das Erwachen des kleinen Palais andeuteten, und er das rote Licht der Sonne sah, schickte Nikolai ein inständiges Gebet an einen Gott, von dem er wusste, dass es ihn nicht gab.
Und während der hochgewachsene Mann mit dem schütter gewordenen grauem, einst rabenschwarzem Haar und den Augen, in denen noch immer das kämpferische Funkeln von damals stand, für seine Familie um Glück und Frieden bat, erwachte sie neben ihm.
Sie streckte sich nicht. Sie wollte ihn durch diese Bewegung nicht aus seinen Gedanken reißen. Wollte ihn eine Weile still betrachten, beobachten, genüsslich mustern. Eine lange Zeit war ihr das nicht vergönnt gewesen. Sie hatten viel nachzuholen. Ob ihnen dafür noch genug Zeit bliebe?
»Ein neuer Tag«, flüsterte sie nach einer Weile und strich ihm zärtlich über den Arm.
Er sah, wie sie ihn aus tränenfeuchten Augen verliebt anblickte.
»Ein guter Tag.« Er schluckte schwer, nahm ihre Hand in die seine und drückte sie fest.

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19. Mai 2020

'Nicht Gottes Plan' von Livia Pipes

Kindle (unlimited)
Website | Autorenseite
Höre nicht auf die, die Zweifel sähen, denn deine Verzweifelung bringt dir den Tod!

Während das Corona-Virus die Welt fest im Griff hat und das normale Leben beinahe zum Stillstand kommt, müssen sich Kriminalkommissarin Kati und ihr Team erneut einer großen Herausforderung stellen.

In einem Waldstück wird ein junger Mann tot aufgefunden. Dem ersten Anschein nach hat er sich erhängt. Nachdem jedoch Katis Verlobter, Gerichtsmediziner Georg Hettkamp, David Montano näher untersucht hat, kommt Kati zu der Annahme, dass er nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist.

Ein aufgemaltes Dreieck auf dem Bauch des Toten gibt ihnen Rätsel auf. Zusätzlich steht in jeder Ecke des Dreiecks eine Ziffer, mit denen die Ermittler nichts anfangen können. Die Befragung der übermäßig religiös geprägten Eltern, die über seinen Tod nur wenig erstaunt zu sein scheinen, wirft nur noch mehr Fragen auf.

Einen Tag später spitzt sich die Lage zu, denn Kati wird zu einem weiteren Tatort gerufen und dieses Opfer kennt sie persönlich …

In Livia Pipes' Thriller wüten dunkle, homophobe Mächte. Wird Kati Lindberg es schaffen, sie zu besiegen?

Anleser:
Der Mann, der sich Titan nannte, trat vor die Kamera. Der Raum, in dem er das Video gedreht hatte, war nicht gut ausgeleuchtet. Kati musste ihre Augen zusammenkneifen, um überhaupt etwas erkennen zu können.
»Damit ihr wisst, wie einfach es ist, solche Kreaturen zu eliminieren, zeige ich es jetzt.« Er machte eine ausladende Bewegung. »Ich habe hier ein paar nette abartige Exemplare aufgelesen, die jetzt genau wie David Montano, Patrick Findeis und Felix Damme nach und nach ihr Ende finden werden. Diese Spezies hat keine Existenzberechtigung. Sie wollen sich nicht fortpflanzen, sondern nur ihrer sexuellen Abartigkeit frönen.«
Kati schüttelte ungläubig den Kopf. »Das meint der doch jetzt nicht ernst, oder?«
Niemand von den anderen sagte etwas. Alle starr-ten wie gebannt auf den Bildschirm.
Der Vermummte verschwand seitlich neben der Kamera. Er nahm das Gerät aus der Halterung und führte sie händisch.
Kati sah, wie er durch den Raum ging. Er sagte währenddessen nichts.
»Und was hat er jetzt vor?«, fragte sie die anderen, die das Video schon gesehen hatten.
Lenny stellte sich neben sie und legte den Arm um ihre Schulter. Er hob dazu an, etwas zu sagen, und öffnete den Mund, doch dann schloss er ihn wieder.
Kati zuckte mit dem Kopf zurück und schüttelte ihn kurz. »Was?«, fragte sie.
»So, wir sind da«, sagte der Vermummte, der sich jetzt selbst vor einer Holztür filmte. »Hier drinnen sind drei Exemplare. Zwei Schwuchteln und ne Lesbe.«
Kati fuhr sich mit der Hand durch das blonde Haar. »Scheiße!«, sagte sie leise.
Lennys Griff verstärkte sich. Kati meinte, ihn schlucken zu hören.
Der Vermummte öffnete die Tür und schaltete eine Lampe ein. Das Licht, das sie abgab, war nur mäßig stark.
Auf dem Boden saßen zwei Männer und eine Frau mit langen mittelblonden Haaren. Sie zuckten zusammen, als das Licht anging, und versuchten, sich mit den gefesselten Händen abzuschirmen.
»Tja«, sagte der Vermummte. »Jetzt habe ich drei Abartige zur Auswahl, wer soll als Erstes sterben?«
Er legte die Kamera ab und richtete sie aus. Danach stellte er sich vor den ersten Mann und riss den Kopf an den Haaren zurück. In seinem Mund steckte ein weißer Stoffballen, der als Knebel diente. Er winselte vor Schmerz. Pure Verzweiflung stand in seinen geröteten Augen.
»Oh Gott«, sagte Kati. In ihrem Magen bildete sich ein Knoten.
»Ist es dieser hier?«, nuschelte der Vermummte durch das Tuch hindurch. Dann ging er ein Stück weiter.
Katis Pulsrate steigerte sich.
»Oder der hier?« Titan zerrte brutal den Kopf des zweiten Mannes in die Höhe.
Auch bei ihm spürte man die pure Angst, die ihn beutelte. Mit fliehendem Blick sah er in die Kamera. Tränen liefen ohne Unterlass seitlich an den Wangen herunter.
»Scheiße, Mann!«, rief Kati. »Habt ihr schon überlegt, wo der mit denen sein kann? Wir müssen die da rausholen!«
Lenny holte tief Luft. »Nein, wir hatten noch keine Idee dazu«, gab er zu.
»Oder ist es vielleicht diese kleine Schlampe hier?«, fuhr der Vermummte fort und hatte Katis Aufmerksamkeit wieder.
Sie sah zum Bildschirm und genau im gleichen Augenblick schob der Entführer grob eine Hand unter das Kinn der jungen Frau und hob ihren Kopf an.
Kati war, als würde sich ein Krater auftun und sie verschlingen …

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18. Mai 2020

'Ambassador Crown Club' von Lynn J. Moran

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Verlag
"Ein Krimi so facettenreich wie die Stadt, in der er spielt: Porto ist mit seinem verwitterten Charme eine echte Perle Südeuropas. Die perfekte Mischung aus Havanna und dem Quartier Latin von Paris. Nur ein Autor, der Land und Leute kennt, kann einen solchen Roman schreiben." (Lesermeinung)

Lola Leyzards Talent ist die Maskerade.
Mit ihrer legendären Kunst zu täuschen betreibt sie ein lukratives Untergrundgeschäft in der südländischen Hafen-Metropole Porto: Zusammen mit einer Truppe arbeitsloser Schauspieler verkauft sie gestellte Szenen und filmreife Ablenkungsmanöver an den Höchstbietenden.

Doch eines Tages geht etwas schief und Lola wird unfreiwillig Zeugin eines grausamen Verbrechens. Plötzlich findet sie sich in einem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel wieder. Um nicht enttarnt zu werden, bleibt ihr nur ein Ausweg: Sie muss die Hintermänner eines skrupellosen Geheimbundes überführen, die für den brutalen Mord an einer jungen Frau verantwortlich sind. Ehe sie sich versieht, ermittelt Lola Leyzard in ihrem ersten Fall und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...

Anleser:
Água Preta lag in einem verwilderten Wasserschutzgebiet, einem Niemandsland zwischen dem bunten, touristischen Fischerörtchen Aguda und Espinho, einem Surferparadies im Süden von Porto.
Lola hatte zunächst Mühe, die richtige Abzweigung zu finden. Ein altes Blechschild, das wie von Hand bemalt aussah, wies im Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne den Weg von der Hauptstraße hinein in ein Gelände, das von einem Geflecht aus Fischzuchtbecken durchzogen war.
Lola folgte einer schnurgeraden, unbefestigten Straße. Der holprige Weg wurde von Ausläufern eines verwahrlosten Pinienwäldchens und langen Reihen von Kakteen gesäumt, die mit ihren violetten Feigen in den Gräben wucherten. In der Ferne wuchsen die Erhebungen eines Dünengürtels aus der sandfarbenen Ebene. Dahinter lag laut der Karte auf Lolas Handy ein schmaler Streifen Sandstrand und das offene Meer, auch wenn es von hier aus nicht zu sehen war.
Lola drosselte die Maschine, um nicht in den knöcheltiefen Schlaglöchern das Gleichgewicht zu verlieren. Wäre nicht die einsame Stromleitung an den morschen Masten entlang der Straße gewesen, hätte sie vermutet, vom Weg abgekommen zu sein. Nichts deutete darauf hin, dass soweit draußen im Brachland noch jemand lebte. Einen Augenblick lang kam es ihr vor, als führe sie durch einen Abschnitt mexikanischer Staubwüste mitten auf dem europäischen Festland. Als sie sich den Dünen weiter näherte, erkannte sie mit einem Mal die Umrisse lehmfarbener Häuser und unverputzter, flacher Betonbauten, die sich vor dem sandigen Hintergrund abhoben.
Água Preta war der lebendige, in Mörtel und Beton gegossene Beweis dafür, dass Portugal in vielen unwegsamen Küstenabschnitten noch immer ein Dritte-Welt-Land war. Obwohl es ein improvisiertes Ortsschild gab, war die links und rechts am Hauptweg errichtete Siedlung kein Dorf im klassischen Sinne. Es war ein Fischer-Slum, wie es sie in vielen Gebieten des Landes gab, ohne fließendes Wasser, befestigte Wege oder Kanalisation. Die rechteckigen Baracken der Bewohner wirkten wie Schuhkartons und waren kaum geräumiger als Viehstallungen. Sie hatten dieselbe Farbe wie der Sand, der sie umgab. Beinahe überall am Straßenrand lag Müll herum. Ausgeschlachtete Autowracks und kaputte Küchengeräte stapelten sich in den kleinen unkrautüberwucherten Parzellen, die zu den Häusern gehörten. Es roch nach Fischlaich, Altöl und Terpentin.
Lola trat den Ständer ihres Motorrads heraus und ließ die Maschine im Schatten einer riesenhaften Drachenbaum- Agave stehen. Obwohl die Sonne um diese Jahreszeit nicht mehr dieselbe Kraft hatte wie im Sommer, war es brütend warm. Die Dünen bildeten einen natürlichen Windfang hinter dem die Luft stand und sich die Hitze des staubigen Nachmittags sammelte. Lola schritt die schlaglochübersäte Straße entlang, die geradewegs durch die Siedlung führte.
Bis auf das Rauschen der Riedgräser auf den Dünenkämmen war es totenstill. Ein alter Mann saß auf einem Metallstuhl vor seinem Haus und flickte an einer Reuse. Als Lola ein zweites Mal hinsah, bewegte sich der Perlenvorhang vor seiner Tür und er war ohne ein Geräusch im Inneren seiner Hütte verschwunden.
Am hinteren Ende der Siedlung spielte ein vielleicht fünfjähriger Junge mit einem Tennisball, den er auf der sandigen Straße vor sich hin- und herrollte. Er war bis auf eine fadenscheinige Unterhose nackt, sein kurzgeschorenes Haar war pechschwarz und seine Haut wirkte braun und gegerbt, als wäre sie von einer Schmutzschicht überzogen.
»Kannst du mir sagen, wie ich am schnellsten durch die Dünen komme?«, fragte Lola.
Der Junge antwortete nicht. Er summte in einem seltsamen Singsang vor sich hin und hielt die Augen auf seinen Tennisball gerichtet, sodass Lola sich fragte, ob er sie überhaupt hörte. Eine junge Frau erschien am Fenster einer Hütte mit gerippten Fensterläden. Ihr Haar und ihre Schultern waren nach Zigeunertradition in schwarze Tücher gehüllt. Ohne ein Wort trat sie auf die Straße und trug den Jungen auf dem Arm ins Haus.

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'Sekunden' von Kurt Johanson

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
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Thomas Morsen hat etwas mehr Zeit als die meisten Menschen. Eigentlich sind es nur Sekunden. Dennoch machen sie einen gewaltigen Unterschied, denn einen Atemzug lang kann Morsen die Zeit zurückdrehen. Das ermöglicht ihm ein ziemlich sorgenfreies Leben, mit dem er allerdings nicht sehr viel anzufangen weiß.

Das ändert sich schlagartig, als er eine aufregende Entdeckung macht: Er ist nicht allein mit seiner Fähigkeit. Er macht sich auf die Suche und ziemlich bald findet sich Thomas Morsen im Abenteuer seines Lebens wieder. Er findet dabei neue Freunde mit ganz unterschiedlichen Talenten – und auch einen mächtigen Gegner.

Ein atemloser Wettlauf über drei Kontinente führt schließlich bis nach Kalifornien. Hier steht plötzlich das Schicksal vieler Menschen auf dem Spiel, die davon kein Ahnung haben. Morsen und seine Mitstreiter haben kaum eine Wahl: Sie werden zu Helden wider Willen, doch Anerkennung können sie dafür nicht erwarten ...

"Sekunden" ist ein moderner Abenteuerroman, der ohne brutale Gewalt oder wilden Sex auskommt. Das Buch will mit originellem Setting und spannender Story auf hohem Niveau unterhalten. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Anleser:
„Was wollt ihr?“
Morsen und Krycek blieben wie angewurzelt stehen. Wie hatte der Pagenkopf sie entdecken können in diesem Gewühl?
„Eigentlich nur reden…“, stammelte Krycek.
„Und worüber?“, blaffte sie. „Seid ihr Fans oder … Stalker? Aber so seht ihr eigentlich nicht aus. Was soll das also?“
Morsen entschied sich für die direkte Konfrontation. „Wir wissen, was du tust. Oder besser: wie du das tust was du tust.“
Naruko widerstand dem Impuls, diese Begegnung mit einem Reverse zu beenden. Sie war neugierig. Sahen ja recht harmlos aus, die beiden. Was sollte das wohl werden? „Und wie meint ihr, dass ich tue was ich tue?“
„Du gehst in der Zeit zurück. Mikrozeitsprünge. So wie wir.“
Wie gelähmt stand Naruko mitten im Trubel der Metrostation von Shibuya. Unvermittelt liefen ihr Tränen übers Gesicht, was sie erst bemerke, als einer der beiden Typen ihr ein Taschentuch entgegenstreckte. „Danke“, schluchzte sie. Alle Selbstsicherheit war von ihr abgefallen und gleichzeitig fühlte sie sich auf bislang ungekannte Art verbunden mit den zwei Fremden. Falls sie tatsächlich meinten, was sie sagten, war sie plötzlich nicht mehr allein mit sich und ihrer Gabe. Eine Welt hatte sich für sie eröffnet, deren Existenz sie noch nicht einmal in Betracht gezogen hatte. Denn niemals zuvor war ihr der Gedanke gekommen, dass auch andere Menschen über die gleichen Fähigkeiten verfügen könnten wie sie. Und daraus hatte sich wohl auch eine ganz natürliche Einsamkeit ergeben, die sie fast ihr ganzes Leben begleitet hatte und die sie nicht einmal als solche wahrgenommen hatte. Bis zu diesem Moment.

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15. Mai 2020

'Irmas Enkel' von Leandra Moor

Kindle | tredition | Taschenbuch
Website Leandra Moor
Eine Geschichte, die von Heimat, Liebe und deren Verlust erzählt.

Als Anni 1946 zum zweiten Mal vor den Traualtar tritt, schließt sie mit ihrem Leben ab. Die vergangenen Jahre haben ihr die Familie genommen, die Hoffnung geraubt. Ihr einziger Anker ist das Versprechen einer Wahrsagerin.

Wird sich mit dem Mann an ihrer Seite die Prophezeiung erfüllen und ihr Leben in ein glückliches Dasein münden, obwohl die Menschen, die den Auswirkungen von Denunzierung und Verfolgung eben erst knapp entkommen sind, bereits wieder aufpassen müssen, wem sie vertrauen dürfen?

„Irmas Enkel“ wurde für die Nominierung zum Deutschen Selfpublishing-Preis 2020 eingereicht.

Anleser:
Das dritte Kind
Sie schrie, was ihrer Mutter ein Lächeln entlockte.
Der Doktor hob das Neugeborene in die Höhe. „Es ist ein Mädchen“, verkündete er.
Helene streckte ihm ihre Hände entgegen, um das Bündel in Empfang zu nehmen. Die Erleichterung, dass alles gut gegangen war, ließ die Warnung des Arztes, dass dieses Kind besser ihr Letztes sein sollte, an ihr abperlen. Sie hatte nur Augen für das zerknitterte Gesicht, das unbeholfen das Repertoire seiner Mimik erprobte.
„Kochen Sie ihr eine kräftige Suppe“, sprach der Arzt zu Helenes Mutter, die den Raum in den letzten Stunden lediglich verlassen hatte, um frische Tücher herbei zu schaffen. Auch sie hatte kein Ohr für den Doktor - Irmas Gedanken waren bei Emil, ihrem Mann. Er hatte ihr achtzehnhundertneunzig diese Kate gebaut, nachdem er dem reichen Nachbarbauern Plotz ein Fleckchen Erde abgekauft hatte. Damit war er den Pakt mit dem Schuldenteufel eingegangen, aber die Hoffnung, in diesem Dorf glücklich zu sein, wog schwerer. Wie Irma entstammte er einer der Tagelöhnerfamilien, die seit Jahrhunderten von eng abgesteckten Feldern und der Jagd in den Auenwäldern lebten. Keiner ihrer Vorfahren hatte als sein eigener Herr gewirtschaftet. Stattdessen schuftete eine Generation nach der anderen auf den Gütern des Landadels, was Hochzeiten über die Dorfgrenzen hinweg nach sich zog. So war es auch bei Irma und Emil gewesen. Allerdings hatte sie das erhoffte Glück rasch im Stich gelassen - sie hatten nicht zu denen gehört, die kinderreich die Bauernschar der nächsten Jahrzehnte in die Welt setzten. Einzig Helene war ihnen geblieben. Die beiden wertvollen Söhne waren im Kindbett entschlafen. Bereits da hatte Irma befürchtet, dass das Versprechen vom ewigen Sorgenlossein nicht viel wert sein könnte. Drei Jahre später, als Emil es nicht mehr ausgehalten hatte, durch Perlitz zu laufen, hatte sie es schließlich gewusst. Die Scham drüber, dass er keine zufriedenstellenden Antworten geben konnte, wenn ihn die Geldverleiher nach der Rückzahlung fragten, war stetig größer geworden. Eines Tages war Emil nicht mehr auf die Dorfstraße hinausgetreten, bald wagte er sich nicht einmal zu den Hühnern in den Stall. Erst blieb er im Haus, später versteckte er sich in einem einzigen Zimmer, zuletzt lag er nur noch im Bett. Und als die Zeit gekommen war, dass der Gemischtwarenhändler Irma das Anschreiben verwehrte, war er mit gesenktem Kopf über den Hof gelaufen, um sich in einer verborgenen Ecke des Ziegenstalls ein Seil zurecht zu knoten und den wurmlöchrigen Sägebock unter sich umzustoßen. Das war kurz vor dem Weihnachtsfest gewesen, als Helene drei Finger in die Luft streckte, um ihr Alter anzuzeigen, und Irma keine Ahnung hatte, von welchem Geld sie ihrer Tochter den Wunsch nach einer Puppe erfüllen sollte.
„Frau Köhler, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, versuchte Doktor Sass, Irmas Blick zu lockern.
„Natürlich“, versicherte die Angesprochene, die die ganze Nacht gebetet hatte, dass ihr dieses neue Kind nicht das Eigene fortreißen möge.
„Bitte passen Sie auf, dass sich Ihre Tochter in den nächsten Tagen schont.“
Irma nickte.
„Gut“, gab der Arzt Zufriedenheit vor, obwohl er wusste, wie viel Arbeit auf den Schultern der beiden Frauen lastete.
„Helene, gönn dir für ein paar Tage Ruhe“, appellierte er an die Wöchnerin, „die letzten Stunden waren schwer.“ Er interpretierte Helenes Lidschlag als Versprechen, ergriff seine Tasche und verließ den Raum.
Augenblicklich tobten zwei Blondschöpfe an ihm vorbei. „Mama“, riefen sie im Chor.
Helene straffte ihre Schultern und löste eine Hand vom Säugling, um über die Gesichter ihrer Söhne zu streichen.
Seine Mutter schweißnass im Bett liegen zu sehen, ließ den zweieinhalbjährigen Alfred just losweinen. Besorgt tupfte Helene ihrem Jüngsten die Nasenspitze trocken. „Mir geht es gut“, versicherte sie. „Ich bin nur müde.“ Alfreds Kopf sank auf ihre Decke, die Daunen dämpften sein Schluchzen.
Im Gegensatz zu seinem Bruder hatte der ein Jahr ältere Willi nicht vor zu heulen. Neugierig zupfte er am Bündel auf Helenes Bauch, bis seine Schwester zum Vorschein kam. Die zugekniffenen Äuglein rührten ihn, auch bestaunte er den Flaum auf ihrem Kopf. Beinah zärtlich stupste er gegen die dünnen Finger. Seine Angst, das Baby kaputtzumachen, war groß, doch dem Mädchen gefiel die Berührung ihres Bruders. „Willi, Alfred.“ Helenes Stimme gewann an Kraft. „Das ist eure Schwester Annemarie.“
„Hallo Annemarie“, flüsterte Willi, dessen Finger die Kleine umschlossen hielt. „Schau, das Baby kann mich gut leiden“, machte er seine Mutter auf die erste Annäherung aufmerksam.
Irma zog den Schützenstoff durch ihre Augenwinkel. „Genug jetzt“, bereitete sie der Rührseligkeit ein Ende. „Ab in die Küche Jungs, ich brauche Hilfe beim Kochen.“
Alfred jammerte: „Mama bleiben.“
„Lass ihn ruhig hier.“
„Aber Willi, du kommst mit.“
Von Annemaries Anblick verzückt, bemühte sich Willi, seine Großmutter zu überhören.
„Los, das Tagwerk ruft“, wurde Irma deutlicher.
Den Ton kannte Willi, um den kam niemand herum. Seufzend zog er seinen Finger aus Annemaries Fäustchen, versprach: „Ich beeile mich, kleine Anni“, und wirbelte hinter seiner Oma her.
Alfreds Schluchzen hatte sich gelegt, sein Atem ging gleichmäßig. Helene summte ein Schlaflied, das jede Sekunde abzubrechen drohte, denn in ihr konkurrierten Glück und Kummer. „Hermann, wir haben eine Tochter bekommen“, flüsterte sie. „Sie heißt Annemarie und ist wunderschön.“
Die Wände schwiegen.
Gleich morgen würde sie ihm die Neuigkeit in die Fremde schicken, wo er mit seinen Kameraden Gefechte für den Kaiser ausfocht. Hoffentlich erreichte ihn die Nachricht schnell.
Das Baby zuckte. „Willkommen auf dieser Welt, Annemarie.“ Die Liebkosung, die Willi benutzt hatte, bevor er mit Irma in die Küche verschwunden war, gefiel Helene. Zwei kurze Silben. „Willkommen kleine Anni“, verbesserte sie ihre Begrüßung. Nebenher strich sie über Alfreds Schopf, sprach ein Gebet - erst für Hermann, dann für ihre um eine Seele reicher gewordene Familie - und ließ zu, dass sich der Schlaf über sie legte.

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'Seele in Gefahr' von Heiko Grießbach

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Der Umzug nach Berlin, mitten in der zehnten Klasse, stellt für Lucas alles zurück auf Anfang. Neue Stadt, neue Schule, neue Freunde. Was die Liebe betrifft, will er es diesmal langsamer angehen. Doch ein Mitschüler fasziniert ihn vom ersten Blick an. Dennis scheint seine Gefühle zu erwidern, doch er verhält sich überaus seltsam.

Es kostet Lucas Mühe und Kraft, ihm sein nichtmenschliches Geheimnis zu entlocken. Aber was er zu hören bekommt, ist einfach unglaublich. Wird seine Liebe daran zerbrechen?

Anleser:
Ein Acht- oder Neuntklässler bleibt auf dem Gang stehen und starrt uns an.
»Noch nie ein streitendes Paar gesehen?«, fauche ich ihn an.
Er dreht sich hastig um und verzieht sich wie Rauch im Sturm.
»Wir sind kein Paar«, sagt Dennis. Er erreicht die Toilette, geht hinein und ich folge ihm.
»Du machst einfach so Schluss? Nur, weil ich eingeschlafen bin?«
Ein Typ, der gerade pinkelt und uns perplex zugehört hat, fängt an zu lachen.
»Beim Sex eingeschlafen? Oh oh.«
»Piss zu Ende und verpiss dich!«, fauche ich ihn an. Ich bin nahe dran, ihm eine reinzuhauen.

Das seltsame Muster in seinen Augen ist wieder da und als würden die Tränen es wie eine Lupe vergrößern, ist es intensiver und sichtbarer als jemals zuvor. Ich bemerke, wie sein Kopf zittert, sein ganzer Körper bebt. Mein Gott, so aufgewühlt, wie Dennis ist, kann er doch keine Verarschungsnummer abziehen! Oder?
»Deine Augen …«, flüstere ich erstaunt.
»Ja, manchmal ist darin das Nichtmenschliche in mir zu sehen«, erklärt er.

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13. Mai 2020

'Das Buch, das dich findet' von Siegfried Langer

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„Hallo Merelie, danke, dass du mir gestern zugehört hast. Das hat mir einen richtigen Powerschub gegeben. Nun bin ich gerade auf einen seltsamen Roman gestoßen: ‚Das Buch, das dich findet‘. Der Anfang verwirrt mich sehr und macht mir Angst. Ich muss unbedingt mit dir darüber reden. Wir treffen uns dann morgen wie verabredet, ja?“

Alinas seltsame WhatsApp-Nachricht ist ihr letztes Lebenszeichen - jetzt ist sie spurlos verschwunden. Ist Alina ihrem Bruder David in den Tod gefolgt, so wie es die Polizei vermutet?

Merelie, die ihrer Freundin Alina seit Davids Unfalltod tröstend und kraftgebend zur Seite stand, glaubt nicht daran und begibt sich auf die Suche. Ihr einziger Anhaltspunkt ist dieses mysteriöse 'Buch, das dich findet', das Alina so sehr beeindruckt hat. Als Merelie danach recherchiert, stellt sich heraus, dass ein Buch mit diesem Titel überhaupt nicht existiert: in keiner Bibliothek, in keinem Buchladen, in keinem Online-Shop.

Doch eines Tages liegt plötzlich eine Ausgabe davon auf ihrem Bett – und bereits die Widmung auf der ersten Seite stellt ihr bisheriges Leben völlig auf den Kopf.

Anleser:
Merelie erschrak: Am Gartenzaun vor dem Haus ihrer Freundin Alina parkte ein Streifenwagen.
Sie stieg von ihrem Fahrrad ab und schob es die letzten Meter. Trotz der Hitze dieses sonnigen Augusttages spürte sie eine plötzliche Kälte.
Ihre Gedanken überschlugen sich.
War etwas passiert? Mit Alina? Sie hatte sich doch nicht etwa …?
Oder mit Alinas Mutter? War sie schon wieder betrunken mit dem Auto unterwegs gewesen? Vor Kurzem hätte sie beinahe einen Unfall verursacht.
Nachdem Merelie das Rad abgestellt hatte, legte sie den kurzen Weg durch den Vorgarten der Rieders mit einer unguten Vorahnung zurück. Ihre Hand zitterte, als sie den Klingelknopf drückte.
Es erschien ihr ungewöhnlich lange zu dauern, bis sie endlich Schritte hörte, die sich der Haustür näherten. Ihr Erstaunen wuchs, als ein Mann öffnete, den sie noch nie zuvor gesehen hatte. Er runzelte die Stirn und sah sie fragend an.
„Ja, bitte?“, wollte er schließlich wissen.
„Ähm, ich bin Merelie, ich wollte zu Alina. Wir sind verabredet.“
Der Mann wirkte unschlüssig und machte keine Anstalten, sie hinein zu lassen.
Jetzt wurde Merelie neugierig: „Wer sind Sie?“
„Ich bin Alinas Vater.“
Ohne weiteren Kommentar trat er nun zur Seite und Merelie schlüpfte an ihm vorbei in die Diele.
Alinas Vater? Sie verstand überhaupt nichts mehr. Alina hatte ihr erzählt, er habe sich nie um seine Kinder gekümmert. Seine Karriere sei ihm immer wichtiger gewesen und deswegen wäre er ununterbrochen in der ganzen Welt herumgejettet. Sie hätte ihn auf der Beerdigung ihres Bruders David das erste Mal seit Jahren gesehen.
Was machte er so unerwartet hier?
An der Treppe, die nach oben zu Alinas Zimmer führte, hielt Merelie an. Sie drehte sich zu Alinas Vater um, doch der schüttelte den Kopf. Sein Blick wies in Richtung des Wohnzimmers, das gegenüber der Haustür lag. Merelie verstand und ging hinein.
Obwohl das Fenster offenstand, roch es nach Alkohol. Im Fernsehsessel saß Alinas Mutter; nein, sie lag mehr darin, als dass sie saß. Sie sah Merelie mit verweinten, glasigen Augen an. Auf dem Sofa daneben hatten eine Polizistin und ein Polizist Platz genommen. Der Polizist hatte einen Schreibblock in der einen Hand, einen Kugelschreiber in der anderen. Auch die Blicke der Beamten richteten sich nun auf Merelie.

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'Phase 8.2: Psychothriller' von Lena Sander

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Psychisch krank – eine eiskalte Mörderin – oder unschuldig? …

Die unter Mordverdacht stehende Journalistin Ella wacht, an Armen und Beinen fixiert, in der Forensischen Psychiatrie auf. Sie weiß nicht, was geschehen ist und wird gequält von der Angst um ihre Freunde Alex und Isa, die spurlos verschwunden sind.

Der Facharzt Dr. Steinhardt, der ein Gutachten über seine Patientin verfassen muss, fragt sich: Handelt es sich um eine psychische Störung oder ist Ella eine brillante Schauspielerin? Wo ist der Schlüssel zu den Morden zu suchen – in ihrer Vergangenheit, in einem abgelegenen Kinderheim im Schwarzwald? Oder sind es Nebenwirkungen der seltsamen Diätpillen, die Ella für das Erreichen ihres Wunschgewichts nimmt?

Wer Ellas Spuren folgt, taucht ein in ein Verwirrspiel, in dem Realität und Albtraum nur schwer voneinander zu unterscheiden sind.

Hautnah werden unmenschliche Erziehungsmethoden geschildert, die auf wahren Begebenheiten beruhen.

Anleser:
Das Hackmesser lag gut in der Hand. Behutsam strich ich über den nackten Körper, der auf einem Pflanztisch vor mir platziert war, und spürte die kleinen Härchen auf der Haut, die eventuell vor dem Eingriff noch abgeflämmt werden sollten. Das Fleisch war fest und muskulös. Vorsichtshalber sollte ich doch noch die Knochensäge aus dem Werkzeugkoffer holen. Keiner hätte sich vorstellen können, wie viel Zeit die akribischen Vorbereitungen dieser Spezialbehandlungen in Anspruch nahmen. Das Besteck musste geputzt, poliert und griffbereit links auf einem Edelstahltablett sortiert liegen. Nur so konnte ich penibel arbeiten.

Der alte Sack riss die Augen auf. Sein Blick kreiste Hilfe suchend im Raum umher. Warum sich diese alten Käuze immer so anstellten. Er, der direkt neben mir saß, mit seinen Glotzern, die ihm vor lauter Panik fast aus den Höhlen traten. Seine noch verbliebenen, grauen Strähnen hatte er auf der rechten Kopfhälfte länger wachsen lassen, damit er diese über den kahlen Schädel kämmen und somit – seiner Meinung nach – mehr Haare vortäuschen konnte. Allerdings lagen diese Haarsträhnen nun nicht mehr mit Pomade festgeklebt auf seiner Glatze, sondern standen wild vom Kopf ab.

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11. Mai 2020

'Ambassador Crown Club' von Lynn J. Moran

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Verlag
"Ein Krimi so facettenreich wie die Stadt, in der er spielt: Porto ist mit seinem verwitterten Charme eine echte Perle Südeuropas. Die perfekte Mischung aus Havanna und dem Quartier Latin von Paris. Nur ein Autor, der Land und Leute kennt, kann einen solchen Roman schreiben." (Lesermeinung)

Lola Leyzards Talent ist die Maskerade.
Mit ihrer legendären Kunst zu täuschen betreibt sie ein lukratives Untergrundgeschäft in der südländischen Hafen-Metropole Porto: Zusammen mit einer Truppe arbeitsloser Schauspieler verkauft sie gestellte Szenen und filmreife Ablenkungsmanöver an den Höchstbietenden.

Doch eines Tages geht etwas schief und Lola wird unfreiwillig Zeugin eines grausamen Verbrechens. Plötzlich findet sie sich in einem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel wieder. Um nicht enttarnt zu werden, bleibt ihr nur ein Ausweg: Sie muss die Hintermänner eines skrupellosen Geheimbundes überführen, die für den brutalen Mord an einer jungen Frau verantwortlich sind. Ehe sie sich versieht, ermittelt Lola Leyzard in ihrem ersten Fall und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...

Anleser:
Água Preta lag in einem verwilderten Wasserschutzgebiet, einem Niemandsland zwischen dem bunten, touristischen Fischerörtchen Aguda und Espinho, einem Surferparadies im Süden von Porto.
Lola hatte zunächst Mühe, die richtige Abzweigung zu finden. Ein altes Blechschild, das wie von Hand bemalt aussah, wies im Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne den Weg von der Hauptstraße hinein in ein Gelände, das von einem Geflecht aus Fischzuchtbecken durchzogen war.
Lola folgte einer schnurgeraden, unbefestigten Straße. Der holprige Weg wurde von Ausläufern eines verwahrlosten Pinienwäldchens und langen Reihen von Kakteen gesäumt, die mit ihren violetten Feigen in den Gräben wucherten. In der Ferne wuchsen die Erhebungen eines Dünengürtels aus der sandfarbenen Ebene. Dahinter lag laut der Karte auf Lolas Handy ein schmaler Streifen Sandstrand und das offene Meer, auch wenn es von hier aus nicht zu sehen war.
Lola drosselte die Maschine, um nicht in den knöcheltiefen Schlaglöchern das Gleichgewicht zu verlieren. Wäre nicht die einsame Stromleitung an den morschen Masten entlang der Straße gewesen, hätte sie vermutet, vom Weg abgekommen zu sein. Nichts deutete darauf hin, dass soweit draußen im Brachland noch jemand lebte. Einen Augenblick lang kam es ihr vor, als führe sie durch einen Abschnitt mexikanischer Staubwüste mitten auf dem europäischen Festland. Als sie sich den Dünen weiter näherte, erkannte sie mit einem Mal die Umrisse lehmfarbener Häuser und unverputzter, flacher Betonbauten, die sich vor dem sandigen Hintergrund abhoben.
Água Preta war der lebendige, in Mörtel und Beton gegossene Beweis dafür, dass Portugal in vielen unwegsamen Küstenabschnitten noch immer ein Dritte-Welt-Land war. Obwohl es ein improvisiertes Ortsschild gab, war die links und rechts am Hauptweg errichtete Siedlung kein Dorf im klassischen Sinne. Es war ein Fischer-Slum, wie es sie in vielen Gebieten des Landes gab, ohne fließendes Wasser, befestigte Wege oder Kanalisation. Die rechteckigen Baracken der Bewohner wirkten wie Schuhkartons und waren kaum geräumiger als Viehstallungen. Sie hatten dieselbe Farbe wie der Sand, der sie umgab. Beinahe überall am Straßenrand lag Müll herum. Ausgeschlachtete Autowracks und kaputte Küchengeräte stapelten sich in den kleinen unkrautüberwucherten Parzellen, die zu den Häusern gehörten. Es roch nach Fischlaich, Altöl und Terpentin.
Lola trat den Ständer ihres Motorrads heraus und ließ die Maschine im Schatten einer riesenhaften Drachenbaum- Agave stehen. Obwohl die Sonne um diese Jahreszeit nicht mehr dieselbe Kraft hatte wie im Sommer, war es brütend warm. Die Dünen bildeten einen natürlichen Windfang hinter dem die Luft stand und sich die Hitze des staubigen Nachmittags sammelte. Lola schritt die schlaglochübersäte Straße entlang, die geradewegs durch die Siedlung führte.
Bis auf das Rauschen der Riedgräser auf den Dünenkämmen war es totenstill. Ein alter Mann saß auf einem Metallstuhl vor seinem Haus und flickte an einer Reuse. Als Lola ein zweites Mal hinsah, bewegte sich der Perlenvorhang vor seiner Tür und er war ohne ein Geräusch im Inneren seiner Hütte verschwunden.
Am hinteren Ende der Siedlung spielte ein vielleicht fünfjähriger Junge mit einem Tennisball, den er auf der sandigen Straße vor sich hin- und herrollte. Er war bis auf eine fadenscheinige Unterhose nackt, sein kurzgeschorenes Haar war pechschwarz und seine Haut wirkte braun und gegerbt, als wäre sie von einer Schmutzschicht überzogen.
»Kannst du mir sagen, wie ich am schnellsten durch die Dünen komme?«, fragte Lola.
Der Junge antwortete nicht. Er summte in einem seltsamen Singsang vor sich hin und hielt die Augen auf seinen Tennisball gerichtet, sodass Lola sich fragte, ob er sie überhaupt hörte. Eine junge Frau erschien am Fenster einer Hütte mit gerippten Fensterläden. Ihr Haar und ihre Schultern waren nach Zigeunertradition in schwarze Tücher gehüllt. Ohne ein Wort trat sie auf die Straße und trug den Jungen auf dem Arm ins Haus.

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'Zuckerrot und Blaubeergelb' von Kaja Linnegart

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Website Kaja Linnegart
Ein Roman aus dem Leben

„Jetzt reicht‘s!“, denkt Lara – alleinerziehende Mutter in den besten Jahren –, die sich jahrelang in ihrem Job verbogen hat. Zuhause ist die Pubertät eingezogen, eine enttäuschte Liebe und ein Zusammenbruch haben dem Fass endgültig den Boden ausgeschlagen. Beherzt stellt sie ihr Leben auf den Kopf und entdeckt ihre Leidenschaft für antike Dinge.

Auf ihrer Reise zu sich selbst, stolpert sie aus alten Mustern, über skurrile Charaktere und in allerhand Katastrophen. Ein brüskiertes Umfeld, aufgeregte Besucher und ein ständig klingelndes Telefon sind die Folge. Dann dreht auch noch ihre Freundin Silke durch ...

Als sie Tom kennenlernt, wird ihr zunächst alles zu viel. Trotzdem erkennt sie, dass so ein neues Leben ganz schön (und) anstrengend sein kann!
Anleser:
Ich war zwanzig und in meine erste eigene Wohnung eingezogen, als ich Mister Right begegnete. Zumindest war ich der festen Überzeugung, er wäre es.
Ich startete gerade in meinem Beruf durch und steckte nebenbei mitten in der Renovierung meines neuen Zuhauses, als er in mein Leben einschlug wie eine Bombe. Bei ihm handelte es sich eher um eine Bombe der Sorte, die einen ängstigt, als so eine kleine harmlose, wie sie in Comics dargestellt wird – schwarz, rund und funkensprühend.
An den Moment, in dem wir einander durch einen gemeinsamen Bekannten vorgestellt wurden, erinnere ich mich genau und daran, dass ich nach einer höflichen Begrüßung nicht weiter mit ihm redete. Etwas war an ihm, das mich alarmierte.
Aber so mysteriös es war: Die darauffolgenden Monate begegneten wir uns immer wieder – scheinbar zufällig, ungeplant. Mal war es bei einer – so die einhellige Meinung – ‚unverzichtbaren‘ Gartenparty jenes Bekannten, mit dem ich zuvor lediglich sporadischen Kontakt gepflegt hatte, mal bei einer Vernissage, die so unglaublich angesagt war, dass man sich dort sehen lassen musste. Wenn man überhaupt irgendwohin gehen wollte, dann dorthin. Das zumindest erklärte mir mein neuer Geschäftspartner, der früh erkannt hatte, dass sich aus meinem Potenzial und meiner Loyalität mehr machen ließ, wenn ich ein wenig zurechtgeformt würde.
Sobald ich einen flapsigen Spruch brachte, erntete ich sofort einen scharfen Blick. Meine heißgeliebte Baskenmütze wurde zur Todsünde erklärt, die natürlichen Fingernägel zum Tabu und lautes Lachen war komplett verpönt. Letzteres allerdings verging mir ohnehin immer mehr.
Eines Tages hatte ich mir einen ellenlangen Vortrag anhören dürfen, weil ich auf einer Gala gefragt worden war, ob ich ein Horsd’œuvre wollte und meine Antwort darauf, dass ich fürchtete, das sprengte die Kapazität des mir ans Herz gelegten Kleids, an Hochverrat grenzte.

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