28. Februar 2019

'Das WaLePro-Prinzip: wage lerne profitiere' von C. Philipp

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Durch mehrere Fehlentscheidungen und Rückschläge wurde ich des öfteren in meinem Leben weit zurückgeworfen. Also überlegte ich mir eine Lösung für meine Probleme.

Und jetzt möchte ich meine Erkenntnis mit dir teilen. Anhand von drei Phasen, führe ich dich durch dieses Buch. Außerdem habe ich am Ende noch 12 persönliche Ratschläge niedergeschrieben, um dir soviel wie möglich mit auf deinen erfolgreichen Weg zugeben.

Denn jeder kennt die folgende Situation: Wir probieren etwas Neues aus, scheitern daran und sind anschließend so frustriert, dass wir schließlich aufgeben. Genau hier setzt das WaLePro-Prinzip an.
Wage etwas, lerne daraus und profitiere aus dem gelernten!

Leseprobe:
WALEPRO = wage
Phase #1 wage es

So, dann wollen wir mal mit der ersten Phase beginnen. Wie in der Überschrift schon aufgeführt ist, steht „Wa“ in WaLePro für das Wort wage. Natürlich könnte man hierfür auch ein paar andere Synonyme, wie zum Beispiel probieren oder trauen, verwenden. Meiner Meinung nach war aber wage das Wort, das am besten passte. Was meine ich also genau mit wage? Der erste Schritt, um etwas zu erreichen, ist nun einmal das man etwas wagt. Seien es die ersten Gehversuche als Kind oder das Ansetzen zu einem Schuss beim Fußball. An erster Stelle steht immer der Wille, etwas zu erreichen. Bevor wir weitermachen, möchte ich ein weiteres Mal betonen, dass dieser Ratgeber nicht nur auf eine Idee, die man umsetzen möchte, zutrifft. Nein, dieser Ratgeber lässt sich auf jede Situation in deinem Leben anwenden!
Jetzt aber zurück zu Phase #1. Beispiel 1 Lass uns jetzt mal das erste Beispiel näher betrachten. Wir gehen davon aus, dass wir beide eine, in unseren Augen, unschlagbare Geschäftsidee für ein neues Business haben. Reden tun wir beide schon seit Monaten darüber. Wenn man es genau nimmt, wäre das dann Phase #0. Denn bevor man etwas wagen kann, muss man natürlich wissen, was man wagen will. In unserem Beispiel geht es um die Eröffnung eines neuen Geschäfts. Der eine oder andere fragt sich in so einer Situation, wem erzähle ich davon und von wem kann ich mir Ratschläge holen? Achtung! Auch wenn viele Leute behaupten, sie wären deine Freunde, sieht die Realität meistens leider ganz anders aus. Deswegen gilt: Überleg dir gut, wen du mit ins Boot holst und wen nicht. Du musst dir außerdem im Klaren darüber sein, dass falsche Freunde ein eventuelles Scheitern ausnutzen könnten, um einen Vorteil daraus zu erhalten. Oder, was meiner Meinung nach noch schlechter wäre, sie erzählen dir, dass deine Idee schlecht ist und du es lieber lassen solltest. Und dann starten sie genau das gleiche Projekt hinter deinem Rücken, da sie gemerkt haben, dass deine Idee perfekt ist. Noch einmal! Das kann passieren, muss es aber nicht! Vorsicht ist aber eben besser als Nachsicht.
Kommen wir zurück zu unserem Beispiel. Wir beide haben uns unsere Idee nun an mehreren Abenden bei Bier und Wein schön ausgemalt und sind vollkommen davon überzeugt. Um es genau zu sagen, sind wir beide der Meinung, dass uns nichts mehr aufhalten kann. Aber nun geht es für uns eigentlich erst richtig los. Wir müssen uns darüber einig werden, wie und wer was macht. Hier beginnen wir dann wirklich mit Phase #1. Bei einer Geschäftsidee zum Beispiel beginnt Phase #1 damit, das Geschäft beziehungsweise die Firma beim Amt anzumelden. Egal, ob erst einmal als Kleingewerbe oder gleich als GmbH. Denn alles, was davor passiert, gehört definitiv nicht dazu. Deshalb erreichen 99 Prozent meiner Ideen nicht einmal Phase #1, da ich sie mir nur im Kopf ausmale, aber nicht versuche, sie dann wirklich umzusetzen. Auch wenn man einen Plan für die Unternehmung ausarbeitet, zählt dies noch lange nicht zu Phase #1, denn diese beginnt wirklich erst mit der Umsetzung.
Beispiel 2 Wenden wir uns jetzt dem zweiten Beispiel zu, das wir in diesem Buch bearbeiten wollen. Hierbei geht es um das Kontaktieren einer anziehenden Person. Dabei ist es egal, welches Geschlecht diese Person hat. Viele Menschen haben das Problem, dass sie sich nicht trauen, diese eine Person anzusprechen, weil sie Angst vor den Konsequenzen oder der Reaktion haben. Dabei kommt wieder das alte Sprichwort „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ zum Tragen. Was soll denn schon groß passieren? Mehr als Nein sagen, kann sie nicht. Sie und die beziehen sich in diesem Fall auf die Person, egal ob männlich oder weiblich. Wie oft sitzt du vor dem Fernseher, dem Computer oder in einem Café und denkst dir „Verdammt, sieht die gut aus!“? Komm, ich gehe jetzt rüber und spreche sie an. Und dann? Tust du es doch nicht. Aber warum nicht? Verlieren kannst du normalerweise gar nichts, sondern eher nur gewinnen. Diese Momente, in denen du sie in deinem Kopf ansprichst, dir vorstellst, wie es abläuft oder was du sagst, gehören alle nicht in Phase #1, sondern, wie in unserem Beispiel zuvor, in die Phase #0.

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26. Februar 2019

'Blutparadies' von Claus Hammering

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Eine traumhaft schöne Insel inmitten der Karibik.

Für die Gäste des neu eröffneten Luxushotels sollen es die schönsten Tage des Jahres werden. Doch schnell wird aus der Idylle ein kollektiver Albtraum. Es scheint, als wären die Urlauber nicht allein auf der Insel ...

Leseprobe:
In all seinen Berufsjahren hat Luis Ortega so etwas noch nicht erlebt. Sicher, er ist zuweilen Gast in einigen durchaus fragwürdigen Etablissements und dort auch Zeuge von ein paar unschönen Auseinandersetzungen gewesen. Zähne sind herausgeschlagen und Blut ist vergossen worden, doch noch nie ist jemand zu Tode gekommen. Und schon gar nicht in einem der Sternehotels, die er in den letzten Jahren angeflogen hat. Die ganze Situation ist heikel. Durch den Job hat er eine gewisse Erfahrung mit amerikanischen und europäischen Touristen. Die lassen sich ziemlich schnell aus der Ruhe bringen, und so, wie die Dinge momentan liegen, wird es nicht mehr lange dauern, bis sämtliche Gäste des Martola Bay View auf dem Zahnfleisch gehen. Ihm bleibt nur ein kleines Zeitfenster, die Angelegenheit zu regeln, bevor ein Aufstand losbrechen wird. Zwar geht ihn das im Grunde genommen überhaupt nichts an, schließlich ist er ja nur der Pilot, doch fühlt er sich in gewisser Weise verantwortlich. Immerhin ist er in den letzten Wochen und Monaten so etwas wie Belchilds rechte Hand geworden, wenn auch unfreiwillig. Sie haben manches gemeinsam bewältigt, und nun fühlt er sich verpflichtet, diese Situation ordentlich abzuwickeln. Allerdings hat er keineswegs vor, die Insel auf direktem Wege zu verlassen, so wie er es den Urlaubern zugesichert hat. Luis hat sich bloß etwas Zeit verschaffen wollen, um zuallererst noch eine andere Sache zu erledigen. Außerdem muss er die Insel überhaupt nicht verlassen, um Hilfe zu holen. Er wird das Funkgerät benutzen. So einfach ist das. Er kann auch das Gerät an Bord seines Fliegers nehmen, doch dazu müsste er erst wieder ganz runter zum Strand laufen. Stattdessen führt ihn sein Weg direkt in den Ostflügel des Hotels, wo laut Clara Weinert der tote Hotelmanager liegt.
Ortega achtet darauf, niemandem über den Weg zu laufen, um keine lästigen Fragen beantworten zu müssen, als er den Hof quert. In der Ferne ist das gleichmäßige Brummen der Umwälzanlage zu hören, die beide Pools mit gechlortem Wasser versorgt. Ansonsten ist es still. Anscheinend sind alle auf ihren Zimmern. Gut so, denn so haben sie es besprochen.
Im ersten Stock angekommen, späht Luis rasch um die Ecke, bevor er seinen Weg fortsetzt. Niemand ist zu sehen, dafür markiert ein regelmäßiges »Pling« sein Ziel am Ende des Ganges. Eilig bringt er die kurze Strecke hinter sich und tritt, ohne zu zögern, in die rechteckige Kabine.
Zimperlich ist Luis nie gewesen. Zwar hat bisher noch niemand direkt vor seinen Augen den Löffel abgeben, doch hat er in seiner Zeit auf den Atollen schon ein paar Leichen zu Gesicht bekommen. Alle paar Jahre gibt es einen Tauchunfall oder jemand trinkt zu viel und landet kopfüber ihm Pool oder fällt von einer Klippe. Touristen sind einfach nicht für die Natur gemacht.
Als sein Blick auf das wächserne Gesicht Ethan Belchilds fällt, muss Luis dennoch kurz innehalten. Es ist etwas anderes, wenn man den Toten persönlich gekannt hat. Etwas völlig anderes. Er presst die Lippen fest aufeinander und nimmt seinen Hut ab. Einige Sekunden bleibt er so stehen. Er findet, dass sich das so gehört. Immerhin ist der Mann ihm fast schon so etwas wie ein Freund geworden. Sie haben sich oft unterhalten, auch über Dinge, die nichts mit dem Hotel zu tun hatten. Luis weiß, dass Ethan Belchild sein Herz an dieses Projekt gehängt hat. Für ihn ist es ein Privileg gewesen, hier zu arbeiten. Und nun hat er dafür mit dem Leben bezahlt.

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25. Februar 2019

'Die Vigilanten: Solijon II' von Giuseppe Alfé

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Am Anfang läuft alles gut …

… für Captain Miles und die Crew der Sernia Black. Doch nach dem Angriff der Glooms, einer unbekannten Alien-Spezies, driftet das schwarze Kriegsschiff angeschlagen durchs All. Seit dem Kampf ist der Captain nebst einiger anderer Soldaten verschollen. Seine Stellvertreter suchen fieberhaft nach ihnen und hadern gleichzeitig damit, was sie als nächstes tun sollen. Die Gruppe der Abtrünnigen um den alten Raumfahrer Ulysses Magnus sind nach wie vor Gefangene der Sernia-Crew.

Nur ihrem jüngsten Mitglied, dem eigenartigen Jungen namens Solijon, gelang es, die Glooms fortzulocken und in die Verbotene Zone zu fliehen. Dabei scheint ausgerechnet er in seiner nebulösen Vergangenheit bereits in Kontakt mit den Glooms gestanden zu haben. Alles spricht dafür, dass nur Solijon das Rätsel lösen kann, wo der außerirdische Feind herkommt und was er als nächstes beabsichtigt. In der Hoffnung, den Jungen aufzuspüren, wagen die unfreiwilligen Helden um Captain Miles und Ulysses die gefährliche Reise in die sagenumwobene Verbotene Zone. Sie ahnen nicht, welchen Gefahren sie entgegenfliegen …

Weitere Bücher von Giuseppe Alfé auf seiner Autorenseite.

Leseprobe:
»Das Hexagon wird brennen!«
Unaufhörlich hämmerte dieser Ruf in Ronas Gedankengängen. Er wirkte derart eindringlich auf ihr Gemüt ein, dass Rona nicht eine Sekunde am Wahrheitsgehalt dieses Satzes zweifelte. Und doch blieb er aus vielerlei Gründen rätselhaft. Zunächst einmal saß sie mit Polianna, ihrer Adoptivmutter, in der Arrestzelle eines Raumschiffs der Astroflotte fest, abgeschirmt von allen möglichen Ereignissen und ohne Zugriff auf Neuigkeiten, die sich bereits ereignet haben mochten. Außerdem weilten sie fernab des Hexagon-Territoriums, sofern man den letzten Aussagen des Schiffskommandanten namens Captain Miles trauen konnte.
Als nächstes Ziel war von der Verbotenen Zone die Rede gewesen; ein gefährlicher Ort, weitab von den Hexagon-Gebieten. Das Mädchen hatte gemeinsam mit Polianna, ihrem Adoptivvater Brent und ihren neuen Freunden, Ulysses und Victor, ebenfalls die Absicht verfolgt, die Zone anzusteuern. Der tollkühne Plan der Raumfahrer war allerdings in dem Moment zunichte gemacht worden, als Captain Miles und seine Crew sie allesamt abgefangen hatte.
So, wie Polianna über den Kommandanten und die anderen Leute auf diesem Schiff sprach, bestand immerhin die vage Hoffnung, dass sie schon bald wieder freigelassen wurden. Viel hing jedoch davon ab, ob Ulysses oder auch Brent das Vertrauen von Captain Miles gewinnen konnten.
Das war alles, was Rona mit ihren elf Jahren halbwegs verinnerlicht hatte. All das erklärte nicht die wiederkehrenden Visionen, die den unheimlichen Satz begleiteten, der in ihrem Kopf wiederhallte:
»Das Hexagon wird brennen!«
Bei diesen Worten erstreckten sich verschiedene Traumgebilde vor Ronas geistigem Auge: Explodierende Raumstationen im Orbit leuchtender Planetenoberflächen, und im Vakuum hilflos dahintreibende Menschen in silbernen Raumanzügen. Sie sah violette Blitze, die jede Szenerie dominierten, die sich im Kopf des Mädchens abspielte. Rona hörte Schreie, tausendfach ausgestoßen von Frauen und Männern aller Spezies, die das Hexagon bevölkerten. Schwarze, nicht näher definierbare Ungetüme stürmten durch zertrümmerte Städte, eingehüllt in schwarzem Rauch. Detonationen zerrissen die Luft und ließen die mit Schutt übersäten Straßen erbeben.
Tiefgehender Schmerz, erdrückende Trauer und lähmende Angst ergriffen von Rona Besitz und ließen sie erst wieder los, wenn sie aus diesen Alpträumen erwachte. Jedes Mal hatte sie Polianna damit zu Tode erschreckt. Sobald Rona ihrer Adoptivmutter im schweißgebadeten Zustand berichtete, was sie gesehen hatte, erntete sie besorgte, aber keineswegs skeptische Blicke. Polianna hatte schon lange davon gesprochen, dass ihre Ziehtochter über wunderliche Gaben verfügte, die alles Natürliche überstiegen. Oft hatte Polianna die Begriffe „Präkognition“ und „Telepathie“ verwendet. Rona konnte nur wenig mit diesen Begriffen anfangen, aber ihr war dabei nie wohl zumute. Diese Gabe war keine leichte Bürde. Alles, was Rona wollte, war die Gewissheit, dass es Polianna und Brent gut ging und dass sie eines Tages einen Ort finden würden, an dem sie in Frieden leben konnten. Doch momentan ging diese Aussicht gegen null.
»Das Hexagon wird brennen!«
Der Satz ließ Rona nicht los. Handelte es sich dabei um eine Warnung, ein noch einzutretendes Ereignis oder um eine bereits ablaufende Katastrophe, von der an Bord des Kriegsschiffes noch niemand etwas ahnte? Als war die Aussicht auf diese Vision nicht schon schlimm genug, verpasste der Klang der Stimme, die diese unheilvollen Worte verkündete, Rona den Rest. Die Stimme war tief, schneidend kalt und klang irgendwie – unmenschlich.
Sie konnte es nicht treffender beschreiben, so oft Polianna auch nachhakte. »Was bedeutet das, unmenschlich? Klang sie hart und gefühllos?«
Rona musste den Kopf schütteln, wie so oft zuvor. »Nein, nein. Die Stimme gehört zu keinem Menschen. Eher einer Maschine.«
Auch ganz ohne ihre mentalen Fähigkeiten hätte Rona die Furcht registriert, die diese Bemerkung bei Polianna auslöste. Da war ein Wissen verborgen, tief in den dunklen Augen ihrer Adoptivmutter. Noch ruhte es in einer schattigen Grube, unberührt und unsichtbar. Doch allmählich kam das Wissen zutage, begleitet von einem weiteren Spruch, der in Ronas Visionen auftauchte: »Das Monstrum ist begraben. Aber noch ist es nicht tot.«
Das begrabene Ungeheuer und die Sechs Welten in Flammen.
Das brennende Hexagon und das begrabene Monstrum.
Da waren noch andere Visionen. Nur fragmentarische Bilder, die Rona inhaltlich noch nicht recht zusammenfügen konnte. Wie jenen gespenstisch aussehenden, schwarzen Mond, der vor ihr endlos hoch aufragte und sie erzittern ließ. Oder die grellgelbe, felsige Planetenoberfläche unter wirbelnden Staubwolken, regelmäßig von Säure-Regen heimgesucht. Sie sah deformierte, finstere Gestalten, die nur Morden und Rauben im Sinn hatten. Eine Kreatur, nein eine Echse auf zwei Beinen, die einer zarten, menschlichen Hand ihre Pranke reichte.
Es blieben nur rudimentäre Einblicke in eine Realität, die womöglich noch in der Zukunft lag. Was auch immer kommen mochte, in ihrem Umfeld würden viele ein schmerzvolles Opfer bringen müssen. Dies war eine unumstößliche Gewissheit. Rona bekam bei diesem Gedanken Bauchschmerzen.
Bisweilen erblickte sie ein Abbild ihrer selbst; ein weiteres Rätsel. Sie wirkte älter als heute, war leichenblass und trug ein zerfetztes Gewand. Sie stand nahe bei einer ausgewachsenen Trauerweide. Zu ihrem Erstaunen erkannte sie darin die Weide, die sie im vergangenen März auf der Insel Almaranah anlässlich ihres elften Geburtstags selbst gepflanzt hatte. Eine Böe, die vom offenen Meer her wehte, fuhr durch umliegende Büsche und die Baumkrone der Weide. Merkwürdigerweise zerzauste sie nicht Ronas lange Mähne. Auf diesen Traum folgte stets ein tiefer, rasanter Sturz, obschon sie an einem flachen Ufer stand. Über ihr erblickte sie die schlaff herabhängenden Äste der Weide. Langsam versank Rona unter den Wurzeln des Baums, immer tiefer abwärts. Lockere Erde, wie eben erst aufgeschüttet, rieselte auf sie herab. Sie drohte zu ersticken. Welch‘ ein grausiger Alptraum.
Es fiel Rona schwer, diese düsteren Eingebungen wieder abzuschütteln. Sie versuchte es mit einem Mantra der markkisianischen Schamanen, die sie während ihres Aufenthaltes auf Markkis I auswendig gelernt hatte: »Wie tief die Furcht auch sein mag, wie schwer das Unheil auch droht, wie tödlich der Schrecken auch erscheinen mag – alles ist im Wandel, alles vergeht. Nichts ist so stark wie die beiden ewig größten Krieger: Gleichmut und Zeit.«
Das Mantra half ein wenig, nahm den Visionen ein Stück weit ihren Schrecken. Das eine oder andere Traumgebilde mochte nicht mehr als ein Hirngespinst sein. Rona wünschte jedoch, dass sie hinter das Geheimnis gekommen wäre, das insbesondere in dem Spruch vom brennenden Hexagon verborgen lag. Was ging im Hexagon vor sich? Wer würde das Feuer legen? Drohte ein Krieg unter den Sechs Welten? Und was das Ungeheuer, das Monstrum anging: Wer war damit gemeint? Klar, im bekannten Universum existierten genügend böse Kreaturen und finstere Mächte, die in Frage kommen konnten: Die kriegswütigen Kertekk auf Markkis I oder die kriminelle Brut in den Gefängnis-Schluchten von Douis. Nicht zu vergessen der unbekannte Feind, den Captain Miles und seine Leute jagten. All das konnte Rona akzeptieren. Sie wollte nur nicht wahrhaben, dass die finsteren Anspielungen womöglich auf jemand ganz anderen gemünzt waren. Jemand, der immer noch voller Rätsel steckte. Jemand, der bislang zwar als Freund aufgetreten, nun jedoch wieder unter Verdacht geraten war. Jemand, der ohne große Erklärungen an Bord eines Roamers ganz alleine in die roten Nebelfelder der Verbotenen Zone geflüchtet war: Der Transhumane, der wunderliche Junge namens Solijon.

Im Kindle-Shop: Die Vigilanten: Solijon II (Solijon-Zyklus 2).
Für Tolino: Buch bei Thalia
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22. Februar 2019

'Unvollendet' von Christine Jaeggi

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Über den Traum von Hollywood, die Vergangenheit einer Schauspielerin und ein dunkles Familiengeheimnis

Die 29-jährige Grace träumt von ihrem Durchbruch als Filmschauspielerin. Bisher stand sie jedoch stets im Schatten ihrer verstorbenen Großmutter, der Hollywood-Legende Hanna Miller. Nun scheint sich ihr Schicksal zu wenden: Hollywoods größter Filmproduzent hat herausgefunden, dass eine Fortsetzung des weltberühmten Romans Unvollendet existiert, mit dessen Verfilmung ihre Großmutter bekannt wurde.

Grace soll die Hauptrolle in dem neuen Film spielen, doch leider ist das Manuskript verschollen. Die junge Schauspielerin macht sich auf die Suche und reist nach Zürich, zu dem Hotel, in dem Hanna Miller während des 2. Weltkriegs lebte. Dort trifft sie auf den charmanten Benjamin, der ihr Herz höher schlagen lässt. Nach und nach kommt Grace jedoch nicht nur dem Geheimnis ihrer Großmutter, sondern auch dem von Benjamin auf die Spur.

Leseprobe:
Zürich
Samstag, 29. August 2015


Leonie, wo bist du?
Benjamin bemerkte, dass die Anwesenden allmählich unruhig wurden. Im Minutentakt drehten sie ihre Köpfe Richtung Tür, schauten auf die Uhr und wechselten fragende Blicke miteinander. Flüsterlaute gingen durch die Menge, Kinder zappelten auf den Bänken, ein Baby schrie. Selbst der Pfarrer wirkte nicht mehr so gelassen wie noch vor zwanzig Minuten und schob wiederholt das Rosengesteck auf dem Altar hin und her. Benjamin stand neben ihm und betrachtete das hochgewölbte, gotische Querschiff der Kirche, dessen Orgel wie eine Krone über dem Eingangsbereich thronte. Die Organistin wartete geduldig, bis sie Pachelbels Kanon in D-Dur zum Auftritt der Braut spielen konnte. Beim Eingang standen bereits zwei Fotografen, um die Szene mit ihren Kameras festzuhalten.
Alle waren bereit. Nur Leonie, die Braut, fehlte.
Zu Beginn hatte Benjamins Trauzeuge Mark noch Witze gerissen und ihn gefragt, was er machen würde, wenn Leonie nicht käme. Inzwischen hing er verzweifelt am Handy und versuchte seit Minuten vergeblich, Leonie und ihre Schwestern zu erreichen.
»Geht niemand ran«, zischte er ihm zu. »Wo sind die nur? Das Fotoshooting sollte längst vorbei sein.«
Benjamin nickte. Leonie hatte sich nach dem Friseurtermin zusammen mit ihrer Mutter und ihren Schwestern im Hotel fotografieren lassen, und um vierzehn Uhr wollten sie in der Kirche sein. Aber da Pünktlichkeit noch nie Leonies Stärke gewesen war, ließ sich Benjamin von der Unruhe der anderen nicht anstecken. Er fühlte sich ohnehin schon wie ein nervöses Wrack; sein Herz schlug von Minute zu Minute schneller, und seine Beine zitterten leicht. Dabei war er sonst nie aufgeregt, im Gegenteil. Seine Mitarbeiter im Hotel betonten stets, er sei die Ruhe in Person.
Er spähte wieder zur Eingangstür, die sich jeden Moment öffnen konnte. Leonie würde in Begleitung ihrer Mutter und Schwestern zum Altar schreiten, da ihr Vater nicht mehr lebte.
Was sie wohl für ein Kleid trägt?
Eigentlich spielte es keine Rolle. Mit ihrem dunkelbraunen Haar, der hellen Haut und den blauen Augen sah sie sowieso aus wie eine Prinzessin. Sein Schneewittchen.
Und er? Der Prinz? Er sah an sich herab: schwarzer Smoking, schwarze Fliege, weißes Hemd, cremefarbene Ansteckrose. Amüsiert dachte er an die Worte des Schneiders, als er damals den Stoff ausgesucht hatte. Der hatte gemeint, das Schwarz würde sein kastanienbraunes Haar und seine dunklen Augen besonders gut zur Geltung bringen. Wahrscheinlich sagte er das zu allen Kunden, unabhängig von deren Haar- und Augenfarbe.
Plötzlich fasste Mark ihn am Arm. »Vielleicht ist etwas passiert! Ein Autounfall!«
»Ach was, sie stecken vermutlich bloß im Verkehr fest. Du weißt ja, wie es an Samstagen in der Stadt ist.«
Mark ließ sich durch die Antwort nicht beruhigen und fuchtelte wild mit den Händen herum. Auf seiner Stirn hatten sich kleine Schweißperlen gebildet. »Aber sie hätten wenigstens mal anrufen können!«
Benjamin schmunzelte. Sollte der Trauzeuge nicht eigentlich Ruhe bewahren? »Sie werden bestimmt bald hier sein.«
Er ließ den Blick über die Menge schweifen; von seinen ehemaligen Studienfreunden bis hin zu Leonies dementem Großvater Oskar, der abwesend ins Leere starrte – alle waren hier. Knapp hundertsechzig Gäste. Kannten sie wirklich so viele Leute?
»Ben!«, rief seine Tante aus der vordersten Bankreihe und erhob sich. In ihrem pinken Etuikleid mit passendem Hütchen auf dem dunkel gefärbten Haar wirkte sie ein wenig verkleidet. »Was ist eigentlich los? Wo ist Leonie?«
Unzählige Augenpaare richteten sich jetzt auf ihn. Er hob bloß die Schultern und zog sein Handy hervor. »Ich rufe im Hotel an. Vielleicht wissen die mehr.«
Als sich auch nach mehrmaligem Klingeln niemand meldete, starrte er verwundert auf das Display, um sich zu vergewissern, dass er die richtige Nummer gewählt hatte. »Eigenartig. Im Hotel geht auch niemand ran.«
»Ben! Mara ruft zurück! Endlich!« Mark zeigte auf sein Handy, als wäre es aus Gold. »Hey Mara, hat Leonie etwa Panik bekommen und – …« Er verstummte plötzlich und hörte zu. Der amüsierte Ausdruck auf seinem Gesicht erstarb und er schloss die Augen.
»Was ist?« Benjamin schaute seinen Freund entgeistert an. In einem solchen Zustand hatte er ihn noch nie erlebt. »Ist etwas passiert? Komm, gib mir das Handy.« Ehe er nach dem Telefon griff, blickte er nochmals zur Kirchentür. Doch er ahnte, dass Leonie nicht mehr kommen würde.

Im Kindle-Shop: Unvollendet: Roman.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Christine Jaeggi auf ihrer Website.

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21. Februar 2019

'GESETZ DER ANZIEHUNG: Wie Sie in Zukunft durch Visualisieren & Affirmationen mehr Glück, Gesundheit und Erfolg in Ihr Leben ziehen' von Jeremy S. Meyer

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
„Unser heutiges Leben spiegelt lediglich unsere Gedanken und Gefühle der Vergangenheit“

Ein altes Sprichwort sagt frei übersetzt:
Achte auf deine Gedanken denn sie werden zu deinen Gefühlen. Deine Gefühle bestimmen dann deine Handlungen und diese werden bei stetiger Wiederholung zu deinen Gewohnheiten. Also deinem Charakter. Daraus resultiert dein tägliches tun – DEIN SCHICKSAL.

Genau hier setzen wir an, in diesem Buch arbeiten wir gemeinsam mit dir an deiner Zukunft und lassen dieses alte Naturgesetz für dich wirken.

Leseprobe:
Das Gesetz der Anziehung – Wahrheit oder doch nur frei erfunden?

Folgende Inhalte erwarten dich in diesem praktischen Ratgeber:
- Das Gesetz der Anziehung – Ein Naturgesetz
- Wie funktioniert das Gesetz der Anziehung?
- Ziehen sich Gegensätze wirklich an?
- Das Gesetz der Anziehung in der Liebe
- Das Gesetz der Anziehung authentisch in das eigene Leben integrieren

Auch wenn der Physikunterricht in der Schule vielleicht nicht dein Ding war, kommst du um verschiedene Gesetzesmäßigkeiten nicht drum rum. So hast bestimmt auch du schon einmal vom Gesetz der Anziehung gehört. Dieses physikalische Naturgesetz, dessen Theorie schon viele Jahrhunderte alt ist, dient nicht selten als Motiv für verschiedene Filme oder bildet die Grundlage eines interessanten Buches. Aber auch im Alltag begegnet dir diese Gesetzmäßigkeit das eine oder andere Mal. So hast du bestimmt schon mal die Worte gehört: „Gegensätze ziehen sich an“. Doch ist das wirklich so? Dieser Frage soll unter anderem in diesem Ratgeber auf den Grund gegangen werden. Das Gesetz der Anziehung muss aber noch deutlich öfter herhalten. So beruft man sich auf dieses Gesetz, wenn etwas im Leben so richtig schief läuft, Es wird dann davon gesprochen, dass man negative Dinge anzieht, wenn es einem sowieso nicht gut geht. Geht es einem aber gut, dann zieht man die ganzen positiven Energien des Universums an. Auch hier greift es wieder, das Gesetz der Anziehung. In diesem Ebook soll erforscht werden, ob es dieses Gesetz jenseits der Physik wirklich gibt. Wie wirkt es sich zum Beispiel auf die Liebe aus und wie kann jeder authentisch und doch individuell davon profitieren, sind nur einige der Aspekte, die im Folgenden beleuchtet werden sollen.

Im Kindle-Shop: GESETZ DER ANZIEHUNG: Wie Sie in Zukunft durch Visualisieren & Affirmationen mehr Glück, Gesundheit und Erfolg in Ihr Leben ziehen - inkl. Praxistipps für jeden Tag.



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20. Februar 2019

'Sukkubus: Dämonin der Lust' von Krystan Knight

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Nach ihrer Hochzeitsnacht erwacht die junge Cyris neben dem toten Sohn des Grafen. Sie wird in den Kerker geworfen und hat scheinbar jegliche Erinnerungen verloren. Doch Cyris ist weder unschuldig noch hilflos. Unter der Tortur der Folterknechte entwickelt sie ein unstillbares sexuelles Verlangen.

Schmerz und Leidenschaft sind für die rothaarige Schönheit untrennbar miteinander verbunden, während die Männer um sie herum in lüsternen Wahnsinn verfallen. Als ihr endlich die Flucht gelingt, sind nicht nur die Häscher des Grafen hinter ihr her. Hexenjäger haben die Verfolgung aufgenommen und der Inquisitor des Bischofs höchstpersönlich. Denn in Cyris schlummert das dämonische Erbe der Sukkubus und ihre Kräfte sind gerade erst dabei, sich zu entfalten ...

Leseprobe:
Ihr nackter Körper war schweißnass, als sie erwachte. Verwirrt sah sie sich um. Licht fiel durch ein großes Fenster, draußen schien die Sonne unangenehm hell. Sie zog die Beine an und versuchte, den gleißenden Strahlen zu entgehen, die über ihre Schenkel streiften. Da war Blut auf den durchwühlten Laken.
Instinktiv tastete sie sich ab und suchte nach einer Verletzung. Doch da war keine. Ihr Körper wirkte makellos.
»Wo bin ich?«
Immer noch verwirrt von dem so real wirkenden Albtraum schlüpfte sie aus dem Bett. An der Wand lehnte ein Silberspiegel. Sie betrachtete das Bild einer jungen Frau mit langen roten Haaren, die über ihre festen Brüste wallten. Ihr Spiegelbild wirkte fremd und falsch. Unsicher tastete sie danach.
»Bin ich das? Wer ...?«
Von draußen hörte sie Schritte. Hektisch griff sie nach einem weißen Kleid, das am Boden lag, und streifte es sich über. Der Stoff war eingerissen, aber es bedeckte ihre wohlgeformten Rundungen. Das Gewebe war fein, doch irgendetwas fühlte sich falsch an.
»Was tue ich hier? Wo bin ich?«
Sie wollte zum Fenster gehen, umrundete das Bett und zuckte erschrocken zusammen. Vor ihr lag ein nackter Mann, daneben ein zerbrochener Krug. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, nur seinen Rücken, auf dem blutige Kratzspuren prangten. War dies der Mann aus ihren Träumen?
Sie zögerte, kniete sich dann aber neben ihn. Ihre Finger berührten seine kalte Haut. Sie wusste, dass er tot war, noch bevor sie seinen Kopf zur Seite drehte und in seine leeren Augen starrte. Verstört taumelte sie zurück. Ihr Herz pochte wild, und sie rang nach Luft. Entfernt hörte sie einen hellen Schrei, bis sie begriff, dass es ihre eigene Stimme war. Alles schien so fremd und falsch.
Die Schritte kamen näher.

»Was ist hier passiert?«, rief plötzlich eine Männerstimme. »Mädchen, was hast du getan?«
Immer noch vom Schreck benommen, hockte sie neben dem Toten und starrte nun zu dem bewaffneten Mann an der Tür. Er war bereits im fortgeschrittenen Alter, sein Gesicht wirkte rau und sein Waffenrock zeigte eine in Gold gestickte Chimäre auf rotem Untergrund.
»Ich weiß nicht, was passiert ist«, stieß sie hervor. Tränen erstickten ihre Stimme. Sie wusste es wirklich nicht. Sie wusste nicht einmal, wer sie war, doch das verschwieg sie in diesem Moment.
»Was ist los?«, schrie eine andere Männerstimme durch die geöffnete Tür.
»Kommt herbei!«, brüllte der mit einem Schwert bewaffnete Krieger und kniete sich neben die Leiche. Seine Hand legte sich prüfend an die Kehle des leblosen Mannes. »Der Sohn des Grafen ist tot.«
Der Bewaffnete schaute entsetzt in die tränennassen Augen des Mädchens. »Beim ewigen Licht, was ist hier passiert? Was hast du getan, Cyris?«

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Mehr über und von Krystan Knight auf der Website seines Verlages.



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19. Februar 2019

'Zombiecalypse 3' von Andreas Kohn

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Fast fünf Jahre nach dem Ausbruch des Virus keimt bei den Überlebenden in Berlin ein Fünkchen Hoffnung auf, dass es den Wissenschaftlern bald gelingen könnte, der immer größer werdenden Armee von Untoten Herr zu werden. Doch die Monate vergehen und viele sterben, weil sich Erfolge nicht planen lassen und Ressourcen immer knapper werden.

In den noch sicheren New American States of The South sowie im nördlicher gelegenen Portland hingegen stehen die Führer beider Seiten den Hinweisen über schnelle Zombies skeptisch gegenüber. Sie intrigieren lieber für den eigenen Machtzuwachs, statt sich auf ein Millionenheer springender und rennender Zombies vorzubereiten, das zwischen ihnen unaufhörlich anwächst. Sollte das Virus auch in Amerika mutieren, steht das Überleben der Menschheit auf Messers Schneide.

Leseprobe:
»Hier, Kevin. Du bist dran.« Stuart reichte seinem Partner den überdimensionalen Schraubenschlüssel nach oben, damit er die obere Verbindungsstange der Containerverschraubung lösen konnte.
Die beiden Haken am Ende zweier fast drei Zentimeter dicken und einen Meter langen Gewindestangen, die mit einer ebenso langen Hülse dazwischen verbunden waren, ließen sich nur durch rohe Gewalt lösen. Kevin balancierte dabei vorsichtig auf der Verschraubung des benachbarten Containers der vierten Containerlage, während Stuart eineinhalb Meter tiefer einigermaßen sicher auf einer fest montierten schmalen Arbeitsbühne auf Höhe der dritten Lage stand. Er richtete den Akkuscheinwerfer zu seinen Füßen aus, sodass der grelle Schein Kevin nicht blenden konnte. Der handtaschengroße Koffer tauchte die Umgebung im Umkreis von zwanzig Meter in gleißendes kaltblaues Licht.
Über vierzehntausend Container, hatten sie ausgerechnet, gab es auf dem Schiff. Jeder von ihnen war fünfundzwanzig Meter lang, zweieinhalb Meter breit und etwa genauso hoch. Und von keinem wussten sie, was darin enthalten war. Die etwa vierhundertfünfzig Container, die ganz unten auf Deck A standen, waren leicht zu untersuchen gewesen, aber schon für die Lage darüber waren zum Teil akrobatische Aktionen, wie sie sie gerade veranstalteten, notwendig. Die Anordnung der Container war nicht dazu gedacht, sie während der Überfahrt zu inspizieren.
Das Containerschiff Mulan Maersk war die ersten beiden Jahre nach dem Zusammenbruch herrenlos über den Atlantik getrieben. Wo die Besatzung abgeblieben war, hatten sie nicht herausfinden können, da sie weder in der Lage waren, die Computer an Bord zu starten, um einen Blick in das Logbuch zu werfen, noch waren sonstige Anzeichen über deren Verbleib zu finden.
Ohne Besatzung, die sich um eine Instandhaltung gekümmert hätte, und dem rauen Wetter des Atlantiks ausgesetzt, erstrahlte das gesamte Schiff nun nicht mehr im dunklen Blau der Reederei Maersk, sondern in einem rostigen Rot. Wenn die Farbe das Einzige gewesen wäre, das es an ihrem Domizil zu bemängeln gäbe, würde sich niemand Sorgen machen, aber da an Bord außer einem Hilfsdiesel, der Strom produzierte, praktisch nichts funktionierte, und sie nicht wussten, ob und wann sie wieder vom Schiff kommen konnten, sahen die meisten an Bord der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen.
Für die Bewohner der Atlantikstadt Ocean City war das Schiff Fluch und Segen zugleich. Segen, weil sein Auftauchen vor der Küste den von Hunderttausenden von Zombies bedrohten Bewohnern des Urlaubsparadieses die letzte Rettung versprach. Fluch, weil sie weder in der Lage waren, das Schiff zu steuern, noch wieder von ihm herunterkamen.
»Hoffentlich nicht noch ein Container voll mit mexikanischem Bohneneintopf. Ich kann das Zeug nicht mehr sehen.« Er hatte sich vorgenommen, sich gewissenhaft einen festen Stand zu suchen, bevor er den gut anderthalb Meter langen Schraubenschlüssel an die Hülse ansetzte. Zweimal war er schon bei solch einem Balanceakt aus einigen Metern Höhe abgerutscht und hatte sich die Rippen geprellt und einen Fuß verstaucht. Ein drittes Mal – und diesmal arbeitete er noch viel höher als sonst – wollte er sich ersparen. Zunächst versuchte er, sie mit sanfter Kraft zum Nachgeben zu bewegen. Als das nichts half, erhöhte er den Druck immer weiter, bis er schließlich, den Vorsatz, vorsichtiger zu sein, nun doch verwerfend, sein ganzes Körpergewicht in die Waagschale drückte.
Vor Anstrengung spannten Kevin Stoltz’ Muskeln die Nähte seines engen Shirts bis kurz vor dem Zerreißen. Dabei war er drei Jahre zuvor nur ein dürrer Hänfling gewesen. Keine zwei Wochen nachdem er in Potsdam bei der Bundeswehr den Dienst angetreten hatte, war das Virus über die Menschheit hergefallen. Eine richtige Grundausbildung hatte er also nie bekommen. Alles, was er wusste und konnte, hatte er sich bei seinen Kameraden abschauen müssen. Zeit, ihn das zu lehren, was den Berufsstand eines Soldaten betraf, abgesehen vom Schießen vielleicht, hatte keiner mehr gehabt. Es hatte immer nur geheißen, geh dorthin, tu dies und mach jenes. Kevin hatte schnell gelernt, alles zu tun und es genau so zu machen, wie es ihm die erfahrenen Soldaten aufgetragen hatten. Es hatte ihm und anderen mehrfach das Leben gerettet.
Die wichtigste Lektion, die er in der Zeit gelernt hatte, war aber, dass Aufgeben keine Option war. Wer aufgab, war so gut wie tot.
Vielleicht war es der Gedanke an die Kameraden, die entweder tot, verschollen oder im heimischen Deutschland vermutlich eine ruhige Kugel schoben, die ihm ein paar ungeahnte Kraftreserven entlockten. Mit einem lauten Quietschen gab wenigstens eines der Gewinde der Hülse etwas nach.
»Na also. Geht doch.« Kevin richtete sich auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
»Vielleicht haben wir Glück und da drin sind fünfzig große Schlauchboote samt Außenbordmotoren.«
»Wovon träumst du denn nachts?«
»Ich würde ja sagen, davon, dass wir die siebenhundert Seelen heil von Bord bekommen. Aber tatsächlich eher von einem Five Guys Burger.«
»Wunschträume.« Kevin hatte keine Ahnung, was so Besonderes an einem Five Guys Burger war, aber zumindest klang es lecker. »Wir hätten es schlimmer treffen können, oder?«, meinte er kopfschüttelnd. Vor allem, um die gierigen Gedanken zu vertreiben. Ein vernünftiger Burger wäre wirklich nicht zu verachten gewesen, aber zunächst galt es erst einmal zu überleben und dann vom Schiff herunterzukommen.
Nicht, weil ihn das Leben an Bord des vierhundert Meter langen Schiffes ankotzte, sondern weil er sich auf die Suche nach dem Verbleib seiner Kameraden Klein und Wasmuth machen wollte. Der Hauptfeldwebel und der Obergefreite waren von amerikanischen Soldaten mit einem Hubschrauber entführt worden, kurz bevor die gigantische Zombiemeute über Ocean City hergefallen war. Er wusste nicht, warum und weshalb und ob sie überhaupt noch am Leben waren.
Er selbst war bei dem Versuch, Gegenwehr zu leisten, von einem Schuss in die Brust getroffen worden. Er lebte nur noch, weil Lisa Tanner, Hauptfeldwebel Kleins Freundin und Anführerin der Bewohner Ocean Citys, eine hervorragende Ärztin war.

Im Kindle-Shop: Zombiecalypse 3.
Mehr über und von Andreas Kohn auf seiner Website.

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18. Februar 2019

'Paradise Island (Lightning Strike 1)' von Kira Night

Kindle (unlimited)
Kennen Sie diese Träume, die man meistens als junges Mädchen hat? Geben Sie’s zu, Sie wissen ganz genau, wovon ich rede, nicht wahr? Ich spreche vom Traumprinzen, von fernen Ländern und von Geld – so viel, dass man es kaum ausgeben kann ... Nun, was soll ich sagen? Mein Traum ist in Erfüllung gegangen!

Vor wenigen Wochen hab’ ich meinen William geheiratet – den begehrtesten Junggesellen von New York. Wir wollten unsere Flitterwochen ganz standesgemäß auf der Jacht seines Vaters verbringen und dabei die karibische Inselwelt erkunden. Alles hätte so schön werden können. Doch das Schicksal hatte etwas dagegen ...

Gestrandet auf einer einsamen Insel geht es plötzlich nur noch ums Überleben. Und um unseren Nachbarn Ramon: Er ist vor fünf Jahren hier mit dem Flugzeug abgestürzt, besitzt ausreichend Konservendosen, Werkzeuge und das nötige Know-how. Glücklicherweise wäre er auch bereit, alles mit uns zu teilen. Doch das hat einen Preis ...

Achtung! Dieser erotische Kurzroman enthält explizit geschilderte Szenen, die nicht für Kinder und Jugendliche geeignet sind.

Leseprobe:
»Das Leben hat eine verdammt merkwürdige Art, zu testen, wie viel ein Mensch ertragen kann.«
Ich lächle und klappe mein Buch zu. Diese letzte Zeile von Kapitel 8 gefällt mir. Es steckt so viel Wahrheit in ihr. Ich rekle mich im Liegestuhl und überlege, wie viele von den Frauen, die das Buch gelesen haben, bei diesem Satz wohl an ihren Ehemann gedacht haben.
Es ist erst einen Monat her, dass ich meinen William geheiratet habe. Endlich darf ich mich Mrs. Susan Thornton nennen – nach eineinhalb Jahren Beziehung. Ich habe es bislang noch nicht bereut, auch wenn ich weiß, dass die Gerüchte der New Yorker Schickeria etwas anderes besagen.
Ja, Will kann manchmal ein wenig dominant und kompromisslos sein. Okay, ziemlich oft sogar. Aber wie er tickt, hab ich ja von vornherein gewusst. Schließlich ist mein Mann der Sohn von Bob Thornton, dem gefürchteten, milliardenschweren Börsenmagnaten. Und der ist ein Despot, wie er im Buche steht. Um neben so einem Vater keinen psychischen Schaden zu erleiden, muss man sich wahrscheinlich dominant und kompromisslos verhalten, sonst geht man unter.
Ich erhebe mich aus dem Liegestuhl, gehe zur Reling und schaue hinaus aufs Wasser. Meine Gedanken kreisen. Ich denke zurück an die Zeit, als ich William kennengelernt habe.

Meine Güte, der ist ja echt niedlich!
Das ist das Erste gewesen, das mir in den Sinn gekommen ist, als ich ihn auf der Geburtstagsparty einer ehemaligen Schulkollegin, deren Eltern ziemlich vermögend sind, erblickt habe.
Er stand bei der Schüssel mit der Bowle und unterhielt sich mit zwei anderen Jungs.
William war groß gewachsen, hatte kurze, dunkle Haare und besaß ein überaus gewinnendes Lächeln. Mein Herz pochte wie verrückt. Doch als ich eine Freundin diskret nach seinem Namen fragte, erlebte ich eine böse Überraschung.
William Thornton war nicht irgendjemand, sondern einer der begehrtesten Junggesellen von ganz New York. Und er stank nach Geld. Das ist aber nicht der Grund gewesen, weshalb ich mich an ihn rangemacht habe. Weit gefehlt. Sein Geld war mir eigentlich egal. Ich habe mich in ihn verliebt, weil er Charisma hatte und Autorität ausstrahlte.
Ich weiß noch genau, wie ich an jenem Abend all meinen Mut zusammengenommen habe, um ihn zu fragen, ob er denn mit mir tanzen möchte. Kaum zu glauben, aber die Antwort lautete tatsächlich Ja. Manchmal zahlt sich Tapferkeit eben aus ... William tanzte die ganze Zeit über bloß mit mir, und irgendwann war mir klar, dass er etwas für mich empfindet. Er brauchte gar nichts zu sagen, das Funkeln in seinen Augen sprach Bände. Natürlich war damals noch nicht abzusehen, dass wir einmal heiraten würden. Aber der erste Grundstein war gelegt.
William schien mir in einer Welt der Starken einer der Stärksten zu sein. Er hätte jedes Mädchen haben können. Jederzeit. Doch er hat mich erwählt. Mich, von der die Nachbarn stets gesagt haben, dass ich es nie zu etwas bringen werde. Ich habe das große Los gezogen, nicht Betty Kowalski, die reiche Tussi mit dem Hang zum Schmuck. Und auch nicht Alice McNamara, die wandelnde Parfüm-Wolke. Ich habe ihn mir geangelt! Gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Und ohne aus wohlhabenden Verhältnissen zu stammen. Vermutlich brandmarkt mich das in den besseren Kreisen auf eine gewisse Art und Weise. Aber das ist mir egal.
William ist mir in puncto gesellschaftlicher Akzeptanz ungemein ähnlich, das wusste ich damals aber noch nicht. Als Sohn eines Milliardärs hat er es früher sehr schwer gehabt, konnte es nie irgendjemandem recht machen. Zu sensibel, zu zart besaitet und unfähig, in der harten Welt zu bestehen, soll es stets geheißen haben. Außerdem erzählte man sich, dass er keinen Sinn fürs Geschäft besitzen soll, weil er viel lieber an Computern und den Motorrädern seines Vaters herumschrauben würde. Manche meinten sogar, er wäre eine Schande für die ganze Familie und hätte besser Mechaniker werden sollen.
In den Augen der meisten anderen reichen New Yorker haben ihn seine Hobbies von vornherein disqualifiziert. Denn in diesen Kreisen macht man sich nicht die Hände schmutzig. Man bezahlt Leute, die sich die Hände schmutzig machen. Und man geht auf die Pferderennbahn oder zum Golf. Doch das ist nicht Williams Welt. Dort fühlt er sich nicht wohl – was ich gut verstehen kann.
Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich sein Vater deshalb regelrecht für ihn geniert hat. Ja, er wollte ihn sogar auf eine Art Militärschule schicken, wo er Disziplin, Benimm und Etikette hätte lernen sollen. Aber das konnte William abwenden.
Heute hat er sich über all diese Probleme erhoben. Die Angst, nicht zu entsprechen, hat nun keine Macht mehr über ihn. Arroganz ist sein Schutzschild geworden, der scharfe Ton das Schwert, das er schwingt. Ich bin vermutlich die einzige Person auf diesem Planeten, die er das nicht spüren lässt. William weiß, dass sein alter Herr irgendwann abtreten wird, und dann gehört die Zukunft ihm. Ihm allein. Oder sollte ich besser sagen: uns?

Im Kindle-Shop: Paradise Island (Lightning Strike 1).
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15. Februar 2019

'Im Zwielicht der Angst' von Tiara Young

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sie vertraut ihm nicht, doch er nimmt ihr die Angst, bis ein schrecklicher Verdacht alles infrage stellt …

Als die ehrgeizige Anwältin Jolene Headland im Wellingtoner Stadtpark Zeuge wird, wie eine Mutter den Straßenmusiker Luke Gillmore beschuldigt, ihr kleines Mädchen entführen zu wollen, übernimmt sie spontan dessen Verteidigung. Noch ahnt Jolene nicht, dass sie damit in das unheilvollste Wespennest ihres Lebens sticht. Das bemerkt sie erst bei der Begegnung mit Lukes älterem Bruder Matt, einem aufmüpfigen, aber leider auch attraktiven Cop, der sie mit seinen frechen Avancen geradewegs in sein Bett befördert. Doch darf sie sich auf das gefährliche Spiel mit ihm einlassen? Und was hat es mit dem Drogenbaron auf sich, den er jagt?

Bevor Jolene die Hintergründe erkennt, ist sie mit einem dunklen Ereignis aus Matts Leben verwoben. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Die Dämonen der Vergangenheit haben längst zu viel Staub aufgewirbelt.

Leseprobe:
Ein ungutes Gefühl zerrte an ihren Nerven und die düstere Vorahnung, in Gefahr zu sein, flatterte über sie hinweg wie ein kreischender, schwarzer Rabe. Fast hätte sie laut aufgestöhnt.
Du bist echt schon paranoid, du dumme Nuss. Bestimmt ist es ein blöder Zufall. Man kann sich viel einbilden, wenn man müde ist.
Ihre brennenden Augen waren der beste Beweis dafür. Sie sollte schleunigst zurück in ihr Bett verschwinden. Doch das Misstrauen unter der Schädeldecke ließ sich nicht abstellen, egal, wie entschlossen sie dagegen anging.
Hastig trank sie die kalte Milch aus. Dabei fiel ihr Blick auf die schwere Eichenplatte des langen Küchentisches. Vorn schimmerte ein schmales Rechteck, silbern vom Mondlicht beschienen, das hintere Segment, mitsamt dem letzten Stuhl, versank hingegen im Schatten der Dunkelheit. Verstohlen linste Jolene an dem leise summenden Kühlschrank vorbei in genau diese finstere, uneinschaubare Ecke, der verwaiste Platz ihres Vaters. Sie wollte sich schon abwenden, da glomm wie zum Hohn ein dicker orangefarbener Punkt auf und erhellte zu ihrem Entsetzen in einer kurzen, schemenhaften Bewegung eine große Männerhand, die eine Zigarette hielt.
Jolene erschrak. Ein messerscharfer Stich fuhr durch sie hindurch, und für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, eiserne Klauen drückten ihren Brustkorb zusammen und pressten alle Luft aus ihrem Leib.
Grundgütiger, da sitzt jemand und raucht.
Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich instinktiv auf und obwohl ihr Herz einen panischen Satz machte, schaffte sie es, sich zusammenzureißen und sich mit keiner Regung anmerken zu lassen, wie außer sich sie war. Disziplin war eine ihrer Stärken. Sie hatte im Yoga-Kurs gut aufgepasst und hart an sich gearbeitet.
Hinter ihr drückte die glatte Küchenfront gegen ihren Rücken und Jolene überlegte fieberhaft, ob sie sich daran abstoßen und einfach losrennen sollte. Ihre Entfernung zur Tür betrug mindestens fünfzehn Schritte, die um den Tisch herum höchstens zehn. Wer immer da saß, könnte die Tür vor ihr erreichen, egal, wie viele Stühle er umstoßen musste. Das konnte sie auf keinen Fall riskieren.
Die Zigarettenglut leuchtete erneut auf, und in ihrer Angst sprang Jolenes beinahe das Herz aus der Brust vor Panik. Sein Verhalten wischte jeden Zweifel fort.
Das macht er mit Absicht. Er will, dass ich ihn sehe.
Sie spürte seine Blicke und wie ihr Puls wild raste. Plötzlich durchbrach ein Scharren unheilvoll die Stille.
Er war aufgestanden.
Ein weißer Turnschuh von beängstigendem Ausmaß schob sich hervor. Er signalisierte Jolene in aller Deutlichkeit, wie ungewöhnlich groß der Kerl sein musste, dem er gehörte, was die Bedrohung nicht kleiner machte, die auf sie zukam.
Sie biss sich auf die Lippen, um nicht aufzuschreien. Angst zu zeigen, war das Falscheste, was sie tun konnte.
Bloß nicht die Tür anvisieren. Dann weiß er, dass du türmen willst.
Gefangen in ihrer Furcht, senkte sie den Blick und fixierte die fahlen Streifen am Boden. Wenn sie entkommen wollte, musste sie Ruhe bewahren und mit List handeln. Ihr blieb nur ein einziger Versuch.
Ihr Verstand arbeitete fieberhaft.
Welche Möglichkeit habe ich, mich zu verteidigen?
Die Schublade mit den Bestecken befand sich am anderen Ende der Küchenzeile. Auch lag nichts weiter in ihrer Reichweite, womit sie sich hätte wehren können.
Verdammt - Mum mit ihrem verfluchten Ordnungsfimmel.
Das leere Milchglas stach ihr ins Auge. Sie könnte den Rand abschlagen. Das wäre eine Möglichkeit. Die Zigarettenpackung daneben gehörte unter Garantie ihm.
Notgedrungen grabschte Jolene nach beidem, jedes mit einer Hand und schielte unsicher zu dem Mann, ohne sich zu bewegen. Er hatte sich nicht gerührt, beobachtete sie scheinbar nur.
Jolene fühlte Wut in sich aufsteigen, eine grenzenlose Wut, die alles Angstvolle in ihr unterdrückte.
Was hat der Arsch vor? Worauf hat er es abgesehen?

Im Kindle-Shop: Im Zwielicht der Angst.
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14. Februar 2019

'Blinder Hass' von Alex Winter

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Alex Winter
»Ich habe den schwarzen Schatten in seinen Augen gesehen«, flüsterte der Aborigine. Seine Stimme klang angsterfüllt. »Er ist ein Kedic, ein Teufel in Menschengestalt …«

Als der Zürcher Sicherheitsexperte Vince Foster von seinem in Australien lebenden Bruder Bryan die unvollständige Kopie eines alten Tagebuches erhält, ahnt er zunächst nicht, welches düstere Geheimnis dieses birgt.

Vince ist jedoch nicht der Einzige, der sich für das Tagebuch interessiert: Die rote Doktrin, eine weltweit operierende Geheimorganisation, die einen teuflischen Plan verfolgt, der die Welt an den Rand des Abgrundes führen könnte, versucht mit allen Mitteln in den Besitz des Originaltagebuches zu gelangen. Während Vince verzweifelt nach Antworten sucht, gerät er immer tiefer in einen Strudel aus Verschwörungen, Intrigen und Mord.

Auf sich allein gestellt, gejagt von mächtigen Feinden und von der Polizei für einen skrupellosen Mörder gehalten, flieht Vince nach Australien.

Leseprobe:
Die Sonnenstrahlen tasteten sich langsam den Hügel hinab. Dabei heizten sie die Felsen wie die Kacheln eines Ofens auf. Lübke konnte die Wärme bereits spüren, weshalb er beschloss, ganz nach unten zu zwei niedrigen, ineinander verwachsenen Eukalyptusbäumen zu steigen, die ihm Schatten spenden würden, bis der Hubschrauber kam.
Als er auf etwas Rundes, Weiches trat, wusste er sofort, dass es ein Tier war. Er schreckte zurück, sah die Schlange, auf die er getreten war, und ihr weit aufgerissenes Maul mit den aufgerichteten Fangzähnen, die sie in dieser Sekunde in seinen Unterschenkel schlug. Lübke schrie auf, ließ das Gewehr fallen und sprang zurück.
Vor ihm lag eine knapp fünfzig Zentimeter lange rotbraune Schlange mit breitem Körper. Sie reckte ihren flachen Kopf in die Höhe, dann bewegte sie sich langsam seitlich davon.
Eine Todesotter!, schoss es ihm durch den Kopf, ihr Gift wird dich lähmen, ja, vielleicht töten! Er kannte sich mit Schlangen aus, hatte sogar während seiner ständigen Suche nach neuen Foltermethoden mit ihnen experimentiert.
Das Gift dieser Schlange war stark neurotoxisch und löste eine Muskelstarre aus, ähnlich wie Curare. Wut, Schmerz und blankes Entsetzen überkamen ihn. Außerstande einen klaren Gedanken zu fassen, hob er die Browning Bar II auf, lud sie mit zitternden Händen durch und schoss.
Er verfehlte das sich träge davonwindende Reptil um wenige Zentimeter. »Das wirst du mir büßen«, rief er und drückte erneut ab. Ein metallisches Klicken; natürlich, das Magazin war leer. Jetzt packte er das Gewehr am Lauf und versuchte, die Schlange zu erschlagen, verfehlte sie aber erneut. Die Todesotter zischte, ihre Augen funkelten angriffslustig und ihr Kopf schnellte kampfbereit nach vorn.
Lübke wich erschrocken zurück, stolperte über einen abgebrochenen Ast und fiel hin. Diesen Augenblick nutzte die Schlange und verkroch sich zwischen zwei Felsbrocken.
Rasend vor Zorn stand er auf. Seine Stimme überschlug sich, als er das Reptil beschimpfte, weil es ihm entkommen war. Er taumelte zum Versteck der Schlange, beugte sich vorsichtig hinunter und spähte in das Loch. Die Todesotter hatte sich zwischen den Felsen zusammengerollt. »Warte, du Mistvieh, dir werd ich’s zeigen!«
Schwerfällig stand er auf, trat von der Seite an das Loch und rammte den Gewehrschaft wie ein Verrückter immer wieder in die Öffnung. Sein Puls raste, doch er hörte nicht auf.
Plötzlich zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen, ihm wurde übel und schwindlig. Sekunden später sah er alles nur noch verschwommen und unscharf. Er drehte sich um, wankte von dem Loch weg, dann ließ er die Browning fallen, sank auf die Knie und musste sich übergeben.
Für einen Moment schloss er die Augen. Die schreckliche Gewissheit überkam ihn, das Falsche getan zu haben. Statt seine Wut gegen die Schlange zu richten, hätte er besser sein Bein abgebunden. Jetzt war es vielleicht schon zu spät, denn ein Teil des Giftes war bereits in seinem Blutkreislauf.
Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er Todesangst. Keuchend riss er sich den Gürtel aus der Hose und schnürte ihn fest um den Oberschenkel. Kalter Schweiß rann ihm von der Stirn und er spürte, wie sein Herz unregelmäßig zu schlagen begann. Langsam sank er auf den Rücken.
Er drehte den Kopf zur Seite und blickte in das Versteck der Todesotter. Aus einer Öffnung am anderen Ende der kleinen Höhle drang Licht. Das Tier war längst durch das Loch entkommen.
»Dreckstück«, murmelte er. »Gottverfluchtes Dreckstück …«

Im Kindle-Shop: Blinder Hass.
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'Aus den Fugen geraten' und 'Abgrundartig' von Bernd Töpfer

Kindle | Taschenbuch
Zwei Kurzromane

Aus den Fugen geraten
Zwei Kleinganoven planen eine Entführung, die zwar auch gelingt, aber die gar nicht nach ihren Vorstellungen verläuft. Von der Entführten verlangen sie, sie solle ihren Mann anrufen und ihn unterrichten, er habe für ihre Freilassung zwei Millionen zu zahlen. Die Frau gibt jedoch an, keinen Mann zu haben. Auch sind auf ihrem Handy keine Telefonkontakte vorhanden, überhaupt keine. Das ist schon sehr ungewöhnlich. Dann gelingt der Frau die Flucht, und sie findet Zuflucht bei einem Schriftsteller, der in einem alten Forsthaus mitten im Wald wohnt. Alles Weitere entscheidet sich in diesem Haus.

Abgrundartig
Als Kind verliert Micha durch einen dummen Unglücksfall seinen Zwillingsbruder Tommi. Dieser meldet sich nach zwölf Jahren zurück, im Gehirn vom Micha, und wirkt mental auf ihn ein. Tommi hat nur abartige Ideen, die aber bei seinem Bruder anfangs Gehör und Zustimmung finden. Micha findet Gefallen daran, bei anderen die Angst zu sehen, sie zu erforschen, zu studieren. Tommi will aber mehr als die Angst, er will den Tod der Menschen sehen.
Eine Zeit lang hört Micha auf Tommi, aber dann kommen ihm Zweifel und er verdammt seinen Zwillingsbruder.

Leseprobe:
Aus: „Aus den Fugen geraten“
Claudia Schwarz kommt langsam wieder zu sich, sie liegt auf einer Luftmatratze. Langsam setzt sie sich auf, schaut sich um. Ein Raum ohne Fenster. Eine Waschmaschine, ein großer Gefrierschrank, ein leerer Wäschetrockner, in einer Ecke ein Wäschekorb. Das ist alles. Der Raum mag viel-leicht vierzehn Quadratmeter messen. Wie kommt sie hier her? Die Erinnerung meldet sich. Mein Gott, denkt sie, was soll das? Sie bekommt keine Angst, sie hat sie schon.
Ihr fällt für das Geschehene keine Erklärung ein.
Warum? Warum sie? Tränen fließen über das schöne Gesicht. Sie stellt sich auf, lehnt sich an die Waschmaschine.
Gefangen, denkt sie. Fremden ausgeliefert. Was wollen die?
Von einem Augenblick auf den nächsten hat sich alles geändert. In einer Geschwindigkeit, die dem Gehirn nicht die Zeit ließ, alles zu verarbeiten. Sie steht immer noch an der Waschmaschine, stiert auf den Lichtschalter neben der Tür und versucht zu denken, versucht zu begreifen. Aber so einfach ist es nicht. Das Gehirn weigert sich anzuerkennen, was geschehen ist. Das Gehirn sitzt zu Hause im Wohnzimmer und entspannt sich. Aber je mehr sie sich in ihrer neuen Umgebung umsieht, diese nackten Wände, diese geschmacklose Lampe an der Decke, die Luftmatratze … das Gehirn beginnt zu begreifen.
Es ist alles anders geworden. Und dies in einer Geschwindigkeit, dass man nicht lernen kann, damit umzugehen. Alles braucht seine Zeit. Eigentlich ist es Schwachsinn, sich jetzt Gedanken zu machen.
Abwarten.
Wissen, was man von ihr will. Dann wäre sie schlauer und könnte rationaler denken. Vielleicht.
Das Denken abschalten gelingt ihr nicht. Das Gehirn rebelliert, will seine Freiheit. Und so überlegt sie weiter, stellt sich tausend Fragen und findet keine Antworten. Und sie steht noch immer am selben Platz.
Sie schrickt zusammen, denn sie hört Schritte. Ihr Puls beginnt zu steigen. Jetzt wird sie erfahren … ja, was? Wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, dann will sie gar nichts erfahren, sie will nur weg hier. Sie will einfach ihr Leben wieder, so, wie sie es kennt.
Ohne Angst.
Ein Schlüssel dreht sich, die Tür geht auf, zwei Männer in Skimütze treten ein. Ein großer und ein kleinerer Mann. Sie kommt sich neben ihnen noch kleiner vor, als sie ohnehin schon ist.
»Sie müssen sich keine Sorgen machen, wir werden Ihnen nichts tun«, sagt der Große.
»Wenn Sie kooperieren«, fügt der andere hinzu.
»Was wollen Sie? Was habe ich Ihnen getan?«
»Alles ganz einfach, liebe Frau. Das ist eine Entführung, und wir wollen zwei Millionen Euro. Haben wir die, sind Sie wieder frei«, unterrichtet sie Robbi.
»Also je schneller wir das Geld haben, desto schneller können Sie gehen«, sagt Andi.
»Zwei Millionen? Ich habe doch keine zwei Millionen. Sie haben sich bestimmt in mir geirrt, mich mit jemand verwechselt?«, fragt sie ängstlich mit einem Hauch von Hoffnung in der Stimme.
»Wollen Sie uns verarschen?«, lässt sich jetzt Andi etwas laut vernehmen.
Die Frau zuckt zusammen.
»Sie werden Ihrem Mann eine Nachricht schicken, dass Sie entführt worden und wir zwei Millionen in bar haben wollen. Zeitpunkt Freitagabend«, teilt ihr Robbi mit.
»Mein Mann?«, fragt die Frau.
»Ja, Ihr Mann, wer sonst?«, antwortet Andi.
»Ich habe doch keinen Mann«, gibt sie jetzt verschüchtert zur Antwort.
Die beiden schauen sich an.
»Wie bitte?«, fragt Andi. »Was haben Sie eben gesagt?«
»Ich habe doch keinen Mann.«

Aus: „Abgrundartig“
Tommi und ich sind, obwohl eineiige Zwillinge, trotz allem grundverschieden, behaupte ich mal. Ich ticke nicht so wie er. Wir durften beide eine wunderbare Kindheit erleben. Unsere Eltern liebten und sorgten sich um uns, es fehlte uns an nichts. Wir waren gut in der Schule, wurden anständig erzogen, wussten uns in der Öffentlichkeit zu benehmen. Wir waren eine perfekte Vorzeigefamilie. Was in Tommis Kopf abging, wusste ja nur ich. Und im Kindesalter machte ich mir da keine weiteren Gedanken. Ich tat es als Spinnerei ab. Irgendwann würde dieser Blödsinn aufhören.
Und er hörte schneller auf als gewünscht. Der 12. Juni ist unser Geburtstag. Es war damals auch der 12.
Drei Tage später gab es keinen Tommi mehr.
Jetzt erinnert nur noch ein Grabstein an ihn. Und der auch nicht ganz so richtig. Denn er war für alle immer nur der Tommi. Aber auf dem Stein steht Thomas. Und Thomas liest sich so fremd.
Der Tod hatte Tommi mitgenommen, weil er sich wie-der mal was beweisen wollte. Aber diesmal ging es schief. Es war überheblicher Kinderblödsinn. Mit Unfug hatte das nichts zu tun. Ich wusste nichts von seinem Vorhaben, sonst hätte ich ihn doch zurückgehalten. Er hatte überhaupt keinen Grund, auf die andere Straßenseite zu rennen. Es war seine geheime Mutprobe. Tommi, der Große, der Alleskönner. Aber diesmal lief es nicht nach seinem Willen.
Wir standen auf dem Gehsteig und sahen dem Konvoi der Bundeswehr zu. Eine Panzereinheit fuhr durch unser Dorf. Das war für uns Kinder was Besonderes. Und dann, urplötzlich, rannte Tommi los, zwischen zwei Panzern über die Straße. Er wollte bestimmt zum anderen Gehsteig hinüber und uns dann zujubeln, was er wieder vollbracht hätte. Der mutige Tommi halt. Normalerweise hätte es ja auch geklappt, zwischen den einzelnen Panzern war immer ein gewisser Abstand vorhanden. Aber Tommi kam ins Stolpern.
Tommi sah nicht mehr wie Tommi aus.
Ich musste mich übergeben.
Dann schimpfte ich auf ihn. »Was hast du nur für eine Scheiße gebaut. Du bist ein Arschloch, Tommi. Und was wird nun aus mir? Du lässt mich jetzt hier allein zurück. Du verdammtes Arschloch. Ich könnte dich töten!«
Aber tot war er ja nun schon. Es folgten Albträume, wochenlang, monatelang. Ich glaube, es waren insgesamt zwei Jahre. Immer wieder der gleiche Traum. Der zermatschte Tommi. Ich schimpfte jeden Tag mit ihm. Ich verfluchte ihn. Ich sehnte mich nach ihm. Er fehlte mir einfach. Wir waren doch Zwillinge. Ohne ihn war ich doch nur ein halbes Wesen. Tommi, Tommi, wo bist du?

Im Kindle-Shop: 'Aus den Fugen geraten' und 'Abgrundartig': Zwei Kurzromane.
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13. Februar 2019

'Bähmulle: Morgen ist alles gut 2.0 oder Rheuma? Na und ...' von Mignon Kleinbek

Kindle | Tolino | Taschenbuch
In BÄHMULLE schreibt Mignon Kleinbek die im Jahr 2015 veröffentlichte Autobiografie NACH OBEN fort. Sie gibt Einblick in ein Leben mit rheumatischer Erkrankung - mit all seinen Höhen und Tiefen.

Die Erfahrungen, lebhaft geschildert mit einem kleinen Augenzwinkern und dem gewohnten Schuß Ironie, nehmen den Leser mit hinein in ihr Dasein - in anrührende Alltagserlebnisse mit Familie und engen Freunden, den mannigfaltigen Erfahrungen mit der Erkrankung und auch - nicht zuletzt - ihrem immer wieder erlebten Glauben an Gott.

Die Geschichte informiert auf unaufdringliche Weise. Sie weckt Verständnis für ein 'ganz normales' Leben mit chronischer Erkrankung. Unterhaltsam und real - manchmal komisch, manchmal traurig - doch immer zu Herzen gehend und berührend.

BÄHMULLE richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern ebenso an deren Partner und Angehörige, die mehr über ein Leben mit Rheuma wissen möchten. Informativ, gut recherchiert, amüsant und mit Tiefgang.

BÄHMULLE schließt die Lücke zwischen medizinischen Ratgebern über rheumatische Erkrankungen und dem wahren Leben. Die Geschichte inspiriert und sie macht Mut! Sie zeigt, dass ein Leben mit Rheuma schön und erfüllend sein kann - von einfach war nie die Rede ...

Leseprobe:
Lesen gefährdet die Dummheit
oder
Ein Haus ohne Bücher ist wie ein Kopf ohne Gedanken


Ich liebe Vorworte.
Ich liebe Prologe, Epiloge und selbstverständlich auch das, was dazwischen steht.
Ich liebe Bücher.
Sie finden sich überall in unserem Haus. Zu Türmchen gestapelt auf den Treppenabsätzen, in der Wohnstube und im Dachstudio – die aktuellen Lektüren auf unseren Nachttischen im Schlafzimmer; überall in allen Räumen. Selbst auf dem stillen Örtchen. Dort steht ein gut bestückter Lesekorb und so mancher, der da sitzt, kommt eine lange Weile nicht heraus. Der Korb beinhaltet Geozeitschriften, das neueste PM (sofern es mein Großer nicht gerade in seinem Zimmer bunkert), die Zeitschriften unserer Kirche und das zerlesene Journal des Europäischen Jugendtages der NAK. Meine Freundin und Nachbarin Sandra versorgt uns regelmässig mit Bild der Wissenschaft und Natur + Kosmos. Außerdem liegen meine Lieblingsgedichtbände von Joachim Ringelnatz und Erich Fried’s Was bist du mir? Gedichte von der Liebe, eine Sammlung Luthersprüche und ein kleines Büchlein mit deutschen Balladen darin.
Unser Haus ist ein Bücherhaus, ein Wortehaus - voll von Geschichten. Ich finde, erst dadurch wird es richtig gemütlich. Die Bücher blieben, als die Erkrankung mich einschränkte, mich verlangsamte und mir andere, liebgewonnene Tätigkeiten, nahm.
Ich lese nicht nur, nein, ich absorbiere Bücher von der ersten bis zur letzten Seite. Ich trinke sie zur Neige aus, bis auf den letzten Tropfen und bleibe doch durstig. Ich bin ein Bücherfreak, eine nimmersatte Geschichtenfresserin, eine Papierratte, ein Bücherwurm… ein buchstabensammelndes Worteeichhörnchen.
Ich mag Bücher, Geschichten, Erzählungen, die mich in andere Welten entführen und mein Kopfkino in Gang setzen. Sie gehen mit mir über Grenzen, stehlen meine Zeit und schenken mir dafür etwas Wundervolles: Gedankenfreiräume, ein Sich-davonmachen aus dem Alltag, lachen und weinen. Lernen aus den Erfahrungen anderer Menschen.
Ich gehöre zu denen, die so nach Seite 50 kurz nach hinten blättern, um zu erfahren, wie es wohl ausgehen mag. Einen guten Schluss lese ich gerne ein zweites Mal. Ein gutes Buch ebenfalls.
Es gibt Bücher, die mich gefangennehmen. Die ein Gefühl des Bedauerns in mir hinterlassen, wenn die letzte Seite gelesen ist und der Buchdeckel sich ein allerletztes Mal um die gute Geschichte schließt. „Schade, dass es vorbei ist“, denke ich dann mit Wehmut. Ich bin noch nicht bereit, mich auf eine neue einzulassen; tagelang verdorben für die nächste Lektüre. Zu angefüllt von den vertraut gewordenen Personen und ihrem Tun, das ich erst verdauen muss, bis endlich wieder genug Raum für neue Protagonisten und neue Erlebnisse in mir ist.

Der Schimmelreiter von Theodor Storm ist eine solche Erzählung. Sie fasziniert mich. Diese düstere Geschichte ist großartig ge16 schrieben, in einfachen und dennoch gewaltigen Worten. In gutem, geradem und klarem Deutsch. Ich ritt mit Hauke auf seinem fahlen Geisterpferd über die Deiche, fühlte den kalten Sturmwind an mir zerren und die Nordseewellen um meine Füße spülen. Elke Haien brach in ihrer wortlosen Not mein pubertäres Jungmädchenherz. Den Schimmelreiter muss man einfach gelesen haben!
Der Herr der Ringe gehört dazu - ich las die Trilogie erstmals mit 15 Jahren und seitdem weitere vier Male. Jetzt bin ich 52. Ich denke, so ungefähr alle neun Jahre geht das in Ordnung.
Ich frage mich immer wieder erneut: Wie kann ein Mensch sich ein derartig faszinierendes und komplexes Universum ausdenken? Ein so fantastisches und dennoch überzeugend realistisches Universum erschaffen? Mit eigenen Sprachen, die nicht wenige Menschen sogar studieren, obwohl die von J.R.R. Tolkien erfundene Welt überhaupt nicht existiert. Herrn Tolkien gehört ein eigenes Regal in meiner Bücherwand und alle seine Werke stehen da, auch die unbekannteren. Erst kürzlich bekam ich von meiner Freundin Biggi Herr Glück geschenkt. Diese kleine Geschichte, die er für seine Kinder verfasste, ist einfach entzückend. Genauso liebenswert wie die Briefe für den Weihnachtsmann. Jeden Dezember schnappe ich mir dieses schmale, abgegriffene Bändchen und falle lustvoll damit auf die Couch. Tauche für zwei selbstvergessene Stunden ab – hinein in die Briefe eines liebenden Vaters an seine drei Kleinen und in die wunderschönen, handgezeichneten Illustrationen. Ich reise mit zum Nordpol, hin zum Polarbären und den Elfengehilfen mit ihren ulkigen Hüten, die allerlei Unfug anstellen, bis der Weihnachtsmann endlich durchstarten kann. Herrlich fantastisch und unglaublich verrückt gut.
Meine Lieblingsfigur aus Herr der Ringe ist Boromir von Gondor. So zerrissen zwischen Verpflichtung, der Hingabe an die gute Sache und seiner Gier nach der Macht des elenden Rings. Sein Tod rührt mich jedes Mal aufs Neue zu Tränen. Die Parallele der Erzählung zum Nationalsozialismus und seiner unsäglich menschenverachtenden Knechtschaft haucht mich beim Lesen stets kalt an. Beim dritten Mal Miterleben und Mitwandern, (ich besitze seitdem neben der klassischen Klett- Cotta-Ausgabe im grünen Papierschuber auch eine wunderschöne gebundene), zeichnete ich die Reise der Gefährten mit einem Tuscheschreiber auf der Landkarte von Mittelerde in dunklem Königsblau nach.
So eine bin ich …

Im Kindle-Shop: Bähmulle: Morgen ist alles gut 2.0 oder Rheuma? Na und ....
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Mignon Kleinbek auf ihrer Autorenseite bei tredition.



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12. Februar 2019

'Blackfin Boys - Die Hölle soll warten: Das 2. Abenteuer' von Flynn Todd

Kindle | Taschenbuch
Die Blackfin Boys und ihr treuer vierbeiniger Begleiter sind von einer unheimlichen Maschine in eine Zeit katapultiert worden, in der Überleben alles andere als selbstverständlich ist. Durch ein satanistisches Ritual, welches sie unfreiwillig absolvieren, treffen sie auf Kasul, einen Zentaur, der das Fegefeuer der Hölle bewacht.

Der Teufelshelfer schlägt den Jungs einen Pakt vor, der sie zurück in ihre Zeitlinie bringen soll. Doch können die vier diesem Höllenwesen vertrauen?

Leseprobe:
Wann sind wir?
„Also gut, Leute, wir haben ja keine andere Wahl ‒ also, auf zur Burg“, schlug Toby vor.
Die anderen waren nach all den Strapazen der letzten Tage und Stunden ausgepowert und lustlos. Vor ein paar Minuten noch in einer unterirdischen Forschungsstation auf einer tropischen Insel, jetzt in einer todbringenden Eiswüste. Das Leben der Jungs hatte sich in den letzten Wochen erheblich verändert. Einen verrückten Wissenschaftler auszuschalten und dabei fast selbst getötet zu werden, gehörte nicht gerade zum normalen Tagesablauf eines Teenagers. Besonders Roland litt unter den schrecklichen Ereignissen. Doch er gab sich große Mühe, dies zu verbergen. Aber eines war Fakt: Auf die Seele der Jungs hatte sich ein schwarzer Schatten gelegt – wenn auch nur ein kleiner.
„Jungs, ihr wisst ja, dass ich ansonsten ein harter Hund bin, aber jetzt gerade könnte ich einfach umfallen und in dem weichen Schnee landen. Ich muss echt schlafen“, sagte Roland.
„Wenn du das tust, bist du in nicht mal einer Stunde tot! Wenn wir das nicht sowieso bald sind. Sieh dir unsere Klamotten an – kurze Hose und T-Shirt sind hier leicht unangebracht. Lange werden wir wohl nicht durchhalten“, befürchtete Mark.
„Du bist so aufmunternd, Kleiner.“
Julius war da optimistischer: „Ich sag mal so ‒ dass wir überhaupt noch leben, grenzt an ein Wunder. Leute, wir sind gerade durch Zeit und Raum gereist ohne die geringste Ahnung, wo wir landen werden. Guckt euch Blake da drüben an – tot! Das hätten wir sein können! Obwohl … ich setze zwar einen Schritt vor den anderen, aber meine Beine und Füße kann ich nicht mehr spüren. Die Kälte hat meinen Körper völlig betäubt.“
Rottweiler Stiles war ein ganzes Stück vorgelaufen, blickte aber immer wieder zurück zu den Jungs, um zu kontrollieren, ob noch alle da waren. Im Gänsemarsch folgten ihm die vier langsam durch den Schnee, der unter ihren Füßen knirschte. Sie blieben auf der Straße, die geradewegs zu der Burg führte, die sie in der Ferne entdeckt hatten. Auf dem Weg lag der Schnee vielleicht zehn Zentimeter hoch. In dem Waldgebiet, von dem sie komplett umgeben waren, hatte sich der Schnee sogar einen halben Meter gleichmäßig auf dem Boden aufgetürmt. Stiles machte sich einen Spaß daraus, sich immer wieder in den Tiefen des Schnees zu verstecken. Nur sein Kopf guckte ab und zu heraus. Die Jungs folgen ihm keuchend, angeführt von Toby.
„Wir gehen die ganze Zeit auf diesem Weg, und erst jetzt fällt mir auf, dass diese Spuren, die den ganzen Weg entlangführen, von einem oder mehreren Fahrzeugen stammen könnten. Das Profil der Reifen ist außergewöhnlich tief. Könnte ein Geländewagen sein. Auf jeden Fall befinden wir uns in einer Zeit, in der es Autos gab. Nehme ich mal an. Das ist doch gut, dann bleiben uns wenigstens Hexenverbrennungen und Auftritte im Römischen Circus erspart.“
Keiner der Jungs reagierte auf Tobys Vermutungen. Stattdessen marschierten sie schnurstracks weiter. Die Burg kam langsam näher.
„Geht es noch allen gut?“, fragte Toby.
Ein gleichzeitiges Murren sollte die Frage mit Ja beantworten.
Mark blickte durch die Schneewehen hinüber zu ihrem Ziel. „Sieht aus wie eine alte Ritterburg.“
„Ich weiß nicht, diese großen, rechteckigen Steine in Dunkelgrau – und ganz gerade Kanten, wie in Form gepresst. Schon etwas unheimlich. Dazu vier große Türme, in jeder Ecke einer. Ich finde, das sieht eher so aus, als wäre die Anlage erst gestern gebaut worden – sie wirkt irgendwie neuwertig, aber auch tot und verlassen“, meinte Julius.
„Sie ist auch ungewöhnlich groß. Allein die vier Türme, das könnten auch vier Hochhäuser sein.“
Roland lief plötzlich vor.
„Oh nein, wie ich es vermutet habe“, rief er seinen Freunden zu. „Guckt mal, ein richtig breiter Wassergraben umgibt die gesamte Burg. Der einzige Zugang scheint über die Zugbrücke zu sein. Und die ist hochgefahren. So kommen wir da nie rein, keine Chance! Schöne Scheiße.“
Ratlos standen die vier Jungs zitternd vor der Burg. Roland hatte recht. Der Wassergraben war gut und gerne zwanzig Meter breit. Dahinter ragte die Burgmauer empor, wuchtig und wehrhaft. Mit ihren mächtigen Mauern und Türmen beherrschte sie den dicht bewachsenen Wald um sich herum.
„Verdammt, wenn wir nicht bald in eine wärmere Umgebung kommen, werden wir wohl erfrieren“, flüsterte Toby mit zittriger Stimme. „Wir müssen da rüber, vielleicht ist das Wasser gefroren, dann könnten wir runter in den Graben und auf der anderen Seite wieder hochklettern.“
„Guter Vorschlag, Toby. Aber selbst wenn, was sollen wir da? Die Zugbrücke ist hochgefahren, und wir kommen ohne Leiter nie im Leben über die Mauer. Die Wände sind viel zu glatt und zu hoch.“
„Abgesehen davon, wenn das Wasser nicht gefroren ist, könnten wir ertrinken“, meinte Julius.
Toby ging weiter. „Mir nach, Leute. Wir gehen jetzt eine Runde um die gesamte Burg und bleiben direkt ganz dicht am Wassergraben. Vielleicht finden wir eine Stelle, am Graben oder an der Burg selbst, die wir zu unserem Vorteil nutzen können.“
Da keiner einen besseren Vorschlag hatte, gingen die Jungs los. Stiles lief wie immer vor und behielt dabei seine Herde in regelmäßigen Abständen kritisch im Blick.
Mark beschäftigte ein Gedanke: „Sagt mal, Leute, kommt euch das nicht auch merkwürdig vor? Eine riesige Burg, mitten im Wald, und nur ein einziger, kerzengerader Weg, von dem wir wissen, dass er nur zur Burg führt und hier aufhört. Aber wohin kommt man, wenn man in die andere Richtung geht?“

Im Kindle-Shop: Blackfin Boys - Die Hölle soll warten: Das 2. Abenteuer.
Mehr über und von Flynn Todd auf seiner Website.

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11. Februar 2019

'El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten' von Brigitte Lamberts

Kindle | Tolino | Taschenbuch
„Das war es!“, sagt Sven, als die doppelläufige Pistole auf ihn gerichtet ist. Wieder einmal musste er seine Nase in Sachen stecken, die ihn nichts angehen. Er wollte nur einem guten Freund helfen. Er konnte ja nicht ahnen, in das dunkelste Kapitel der jüngsten mallorquinischen Geschichte hinein zu geraten: in eine Familienfehde um Ansehen, Geld und Macht, die ihre Wurzeln im spanischen Bürgerkrieg hatte.

Für Mallorca-Liebhaber, diesmal ein Krimi mit historischer Dimension. Lesen Sie den Kriminalroman als Reiseführer mit Gastrotipps oder als packende Urlaubslektüre.

„Unterhaltend und spannend, eine Kombination aus Historie, Kulinarik und mallorquinischem Lokalkolorit.“

Leseprobe:
Cas Català. Gemeinde Calvià. Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, die Carretera Andratx ist in sanftes Licht getaucht. Sven Ruge gleitet in den tiefen Schalensitz seines alten Porsches, startet den Motor und fährt los, Richtung Peguera. Sein Ziel ist das kleine, aber exklusive Strandrestaurant seines Freundes Manuel Muñoz in der Cala Illetes im Südwesten der Insel. Die überschaubare, halbrunde Bucht zählt zu einer der schönsten Mallorcas: klares türkises Wasser und ein wunderschöner weißer Sandstrand. Er ist neugierig, was sich Manuel für den heutigen Abend ausgedacht hat. Seine Speisekarte ist zwar übersichtlich, aber abwechslungsreich. Morgens kauft Manuel auf dem Markt in Santa Catalina frische Zutaten ein und lässt sich davon inspirieren. Man weiß also nie, was er mittags und abends seinen Gästen anbietet.
Für Sven waren die letzten Wochen ein Wechselbad der Gefühle gewesen. Immer wieder hatte er sich gefragt, ob er es wirklich riskieren sollte, sein bisheriges Leben aufzugeben und auf Mallorca einen Neuanfang zu wagen. Er hat Freunde gefunden, auf die er sich verlassen kann. Das hat ihm die Suche nach einem alten Fläschchen Patxaran gezeigt. Es hatte sich einst im Besitz von Blanka von Navarra befunden und dem Inhalt wurde eine heilsame Wirkung nachgesagt. Das Auffinden des Fläschchens vor seinen Kontrahenten hatte er fast mit dem Leben bezahlt. Lange wusste er nicht, dass ein steinreicher Oligarch und ein vermögender Schweizer Sammler ihre Leute auf den alten Likör angesetzt hatten. Doch er hatte Glück und kam mit einer Schussverletzung am Bein davon.

Der heutige Tag hat seinen Entschluss, auf Mallorca zu bleiben, gefestigt. Denn Sven hat mit seinen Vermietern, dem alten Ehepaar Sergio und Consuelo Sánchez, gesprochen. Sie sind sich einig geworden: Sie kommen ihm für die kleine Wohnung mit dem Blick auf die Bucht von Palma und den Marivent-Palast im Preis entgegen. Die beiden liebenswürdigen Senioren haben einen langfristigen Mieter und Sven spart ein paar Euro. Das ist wichtig für ihn, denn die Entscheidung, sich auf Mallorca niederzulassen, ist nicht einfach. Als Journalist und Gastrokritiker war er in Düsseldorf gut etabliert, aber hier auf Mallorca ist er noch ein unbeschriebenes Blatt, auch wenn er einen kulinarischen Reiseführer über die Insel geschrieben hat, der sich in Deutschland gut verkauft. Jetzt muss er sich auf Mallorca einen Namen machen. Und vor allem muss er Aufträge akquirieren. Sein Erspartes reicht für drei Monate, wenn er gut haushaltet, das wäre dann Dezember. Bis dahin muss er es geschafft haben. Eine Möglichkeit wäre eine freie Mitarbeit bei der Mallorca-Zeitung und beim Mallorca-Magazin. Auch die spanischen Medien könnte er bedienen, da sein Spanisch ganz passabel ist. Immerhin hat er schon einige vielversprechende Telefonate geführt. Das wird schon, denkt er, ich brauche nur etwas Geduld. Doch Geduld ist nicht gerade seine Stärke. Das Angebot, in der Villa von Alejandro de Calderón zu wohnen, hat er abgelehnt. Das hätte die Freundschaft zum Marquis wahrscheinlich verändert, denn das Gefühl, abhängig zu sein, ist für Sven unerträglich. Schon als Schüler und später als Student hat er sich immer etwas dazuverdient, um seine Eltern nicht mehr als unbedingt nötig finanziell zu belasten. Nun ist er glücklich, weil er die Entscheidung endgültig getroffen hat. Es war immer schon sein Traum, auf Mallorca zu leben.

Am Kreisverkehr biegt Sven Richtung ses Illetes ab. Die Laternen werfen spärliche Lichtpunkte auf die Straße. Die Umgebung versinkt in Dunkelheit, ab und an sieht er auf den Felsen eine erleuchtete Villa. Zwischen den Häusern am Straßenrand kann er das Meer nur erahnen. Es ist fast schwarz. Lediglich der Mond entlockt ihm an manchen Stellen einen silbernen Glanz. Sven kurbelt das Seitenfenster herunter und lehnt sich etwas hinaus. Die warme Nachtluft umspielt sein Gesicht. Unter den intensiven, harzigen Duft der Pinien mischt sich das süßliche Aroma der hohen Oleandersträucher, die hier überall wachsen.

Die Straße führt steil nach unten, erste mehrgeschossige Wohnhäuser und Hotels tauchen auf. Sven muss sich konzentrieren, um bei der schummrigen Beleuchtung die Abzweigung auf den kleinen Parkplatz nicht zu verpassen. Dieser ist voll besetzt, doch Sven weiß: Zwischen der kleinen Mauer und den Mülltonnen ist für seinen Porsche Platz. Er steigt aus und geht die schmale Steintreppe hinab. Über die auf den Sand gelegten Holzbohlen erreicht er sein Ziel. Auf einem großen Schild steht in roten Lettern: Manuel’s. Restaurant und Strandbar.
Von der Terrasse aus blickt er ins Innere. Wie jeden Abend ist das Restaurant gut besucht. Es ist nach 22 Uhr, Zeit für die Mallorquiner, ihr Nachtessen einzunehmen. Das Ambiente ist stilvoll, ein interessanter Mix aus alten mallorquinischen Möbeln und modernen, abstrakten Bildern an den Wänden, auf jedem Tisch stehen brennende Kerzen und tauchen den Raum in ein gemütliches Licht. Weiße Tischdecken unterstreichen die gediegene Atmosphäre. Noch bevor er die Tür aufzieht, umfängt ihn der Duft von Knoblauch, Rosmarin, Thymian und Oregano. Ein Hauch von Grillaroma liegt in der Luft. Manuel schaut gerade aus der Küche und winkt ihm zu. Der Mallorquiner verkörpert genau das, was sich Sven von einem guten Gastronomen wünscht. Er ist mit Herzblut dabei und ein exzellenter Koch. Aber er ist auch ein Mensch, der seinen Gästen das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein, der Freundlichkeit und Begeisterung ausstrahlt. Und er behandelt seine wenigen Angestellten wie Familienmitglieder.
»Ich komme gleich«, ruft Manuel und ist schon wieder in der Küche verschwunden. Sven schaut sich um. Sein Blick fällt auf eine alte Dame, die in letzter Zeit häufiger bei Manuel zu Gast ist. Meist kommt sie allein, doch gelingt es ihr immer, schnell Anschluss zu finden. Auch Sven hat sich schon mit ihr unterhalten und erfahren, dass sie erst seit einigen Monaten auf Mallorca lebt, in einer Seniorenresidenz in der Nähe von Santanyí. Er nickt ihr zu und setzt sich dann an den letzten freien Tisch am geöffneten Fenster. Das Einzige, was er in der Dunkelheit auf dem Meer erkennen kann, ist ein hell erleuchteter, mehrstöckiger Luxusliner, der langsam Richtung Hafen fährt.

Im Kindle-Shop: El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten (Krimi 55).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Brigitte Lamberts auf ihrer Website.

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