18. Februar 2019

'Paradise Island (Lightning Strike 1)' von Kira Night

Kindle (unlimited)
Kennen Sie diese Träume, die man meistens als junges Mädchen hat? Geben Sie’s zu, Sie wissen ganz genau, wovon ich rede, nicht wahr? Ich spreche vom Traumprinzen, von fernen Ländern und von Geld – so viel, dass man es kaum ausgeben kann ... Nun, was soll ich sagen? Mein Traum ist in Erfüllung gegangen!

Vor wenigen Wochen hab’ ich meinen William geheiratet – den begehrtesten Junggesellen von New York. Wir wollten unsere Flitterwochen ganz standesgemäß auf der Jacht seines Vaters verbringen und dabei die karibische Inselwelt erkunden. Alles hätte so schön werden können. Doch das Schicksal hatte etwas dagegen ...

Gestrandet auf einer einsamen Insel geht es plötzlich nur noch ums Überleben. Und um unseren Nachbarn Ramon: Er ist vor fünf Jahren hier mit dem Flugzeug abgestürzt, besitzt ausreichend Konservendosen, Werkzeuge und das nötige Know-how. Glücklicherweise wäre er auch bereit, alles mit uns zu teilen. Doch das hat einen Preis ...

Achtung! Dieser erotische Kurzroman enthält explizit geschilderte Szenen, die nicht für Kinder und Jugendliche geeignet sind.

Leseprobe:
»Das Leben hat eine verdammt merkwürdige Art, zu testen, wie viel ein Mensch ertragen kann.«
Ich lächle und klappe mein Buch zu. Diese letzte Zeile von Kapitel 8 gefällt mir. Es steckt so viel Wahrheit in ihr. Ich rekle mich im Liegestuhl und überlege, wie viele von den Frauen, die das Buch gelesen haben, bei diesem Satz wohl an ihren Ehemann gedacht haben.
Es ist erst einen Monat her, dass ich meinen William geheiratet habe. Endlich darf ich mich Mrs. Susan Thornton nennen – nach eineinhalb Jahren Beziehung. Ich habe es bislang noch nicht bereut, auch wenn ich weiß, dass die Gerüchte der New Yorker Schickeria etwas anderes besagen.
Ja, Will kann manchmal ein wenig dominant und kompromisslos sein. Okay, ziemlich oft sogar. Aber wie er tickt, hab ich ja von vornherein gewusst. Schließlich ist mein Mann der Sohn von Bob Thornton, dem gefürchteten, milliardenschweren Börsenmagnaten. Und der ist ein Despot, wie er im Buche steht. Um neben so einem Vater keinen psychischen Schaden zu erleiden, muss man sich wahrscheinlich dominant und kompromisslos verhalten, sonst geht man unter.
Ich erhebe mich aus dem Liegestuhl, gehe zur Reling und schaue hinaus aufs Wasser. Meine Gedanken kreisen. Ich denke zurück an die Zeit, als ich William kennengelernt habe.

Meine Güte, der ist ja echt niedlich!
Das ist das Erste gewesen, das mir in den Sinn gekommen ist, als ich ihn auf der Geburtstagsparty einer ehemaligen Schulkollegin, deren Eltern ziemlich vermögend sind, erblickt habe.
Er stand bei der Schüssel mit der Bowle und unterhielt sich mit zwei anderen Jungs.
William war groß gewachsen, hatte kurze, dunkle Haare und besaß ein überaus gewinnendes Lächeln. Mein Herz pochte wie verrückt. Doch als ich eine Freundin diskret nach seinem Namen fragte, erlebte ich eine böse Überraschung.
William Thornton war nicht irgendjemand, sondern einer der begehrtesten Junggesellen von ganz New York. Und er stank nach Geld. Das ist aber nicht der Grund gewesen, weshalb ich mich an ihn rangemacht habe. Weit gefehlt. Sein Geld war mir eigentlich egal. Ich habe mich in ihn verliebt, weil er Charisma hatte und Autorität ausstrahlte.
Ich weiß noch genau, wie ich an jenem Abend all meinen Mut zusammengenommen habe, um ihn zu fragen, ob er denn mit mir tanzen möchte. Kaum zu glauben, aber die Antwort lautete tatsächlich Ja. Manchmal zahlt sich Tapferkeit eben aus ... William tanzte die ganze Zeit über bloß mit mir, und irgendwann war mir klar, dass er etwas für mich empfindet. Er brauchte gar nichts zu sagen, das Funkeln in seinen Augen sprach Bände. Natürlich war damals noch nicht abzusehen, dass wir einmal heiraten würden. Aber der erste Grundstein war gelegt.
William schien mir in einer Welt der Starken einer der Stärksten zu sein. Er hätte jedes Mädchen haben können. Jederzeit. Doch er hat mich erwählt. Mich, von der die Nachbarn stets gesagt haben, dass ich es nie zu etwas bringen werde. Ich habe das große Los gezogen, nicht Betty Kowalski, die reiche Tussi mit dem Hang zum Schmuck. Und auch nicht Alice McNamara, die wandelnde Parfüm-Wolke. Ich habe ihn mir geangelt! Gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Und ohne aus wohlhabenden Verhältnissen zu stammen. Vermutlich brandmarkt mich das in den besseren Kreisen auf eine gewisse Art und Weise. Aber das ist mir egal.
William ist mir in puncto gesellschaftlicher Akzeptanz ungemein ähnlich, das wusste ich damals aber noch nicht. Als Sohn eines Milliardärs hat er es früher sehr schwer gehabt, konnte es nie irgendjemandem recht machen. Zu sensibel, zu zart besaitet und unfähig, in der harten Welt zu bestehen, soll es stets geheißen haben. Außerdem erzählte man sich, dass er keinen Sinn fürs Geschäft besitzen soll, weil er viel lieber an Computern und den Motorrädern seines Vaters herumschrauben würde. Manche meinten sogar, er wäre eine Schande für die ganze Familie und hätte besser Mechaniker werden sollen.
In den Augen der meisten anderen reichen New Yorker haben ihn seine Hobbies von vornherein disqualifiziert. Denn in diesen Kreisen macht man sich nicht die Hände schmutzig. Man bezahlt Leute, die sich die Hände schmutzig machen. Und man geht auf die Pferderennbahn oder zum Golf. Doch das ist nicht Williams Welt. Dort fühlt er sich nicht wohl – was ich gut verstehen kann.
Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich sein Vater deshalb regelrecht für ihn geniert hat. Ja, er wollte ihn sogar auf eine Art Militärschule schicken, wo er Disziplin, Benimm und Etikette hätte lernen sollen. Aber das konnte William abwenden.
Heute hat er sich über all diese Probleme erhoben. Die Angst, nicht zu entsprechen, hat nun keine Macht mehr über ihn. Arroganz ist sein Schutzschild geworden, der scharfe Ton das Schwert, das er schwingt. Ich bin vermutlich die einzige Person auf diesem Planeten, die er das nicht spüren lässt. William weiß, dass sein alter Herr irgendwann abtreten wird, und dann gehört die Zukunft ihm. Ihm allein. Oder sollte ich besser sagen: uns?

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15. Februar 2019

'Im Zwielicht der Angst' von Tiara Young

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sie vertraut ihm nicht, doch er nimmt ihr die Angst, bis ein schrecklicher Verdacht alles infrage stellt …

Als die ehrgeizige Anwältin Jolene Headland im Wellingtoner Stadtpark Zeuge wird, wie eine Mutter den Straßenmusiker Luke Gillmore beschuldigt, ihr kleines Mädchen entführen zu wollen, übernimmt sie spontan dessen Verteidigung. Noch ahnt Jolene nicht, dass sie damit in das unheilvollste Wespennest ihres Lebens sticht. Das bemerkt sie erst bei der Begegnung mit Lukes älterem Bruder Matt, einem aufmüpfigen, aber leider auch attraktiven Cop, der sie mit seinen frechen Avancen geradewegs in sein Bett befördert. Doch darf sie sich auf das gefährliche Spiel mit ihm einlassen? Und was hat es mit dem Drogenbaron auf sich, den er jagt?

Bevor Jolene die Hintergründe erkennt, ist sie mit einem dunklen Ereignis aus Matts Leben verwoben. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Die Dämonen der Vergangenheit haben längst zu viel Staub aufgewirbelt.

Der neue Erotikthriller von Tiara Young - spannende Unterhaltung für kurze Zeit zum Einführungspreis von 99 Cent.

Leseprobe:
Ein ungutes Gefühl zerrte an ihren Nerven und die düstere Vorahnung, in Gefahr zu sein, flatterte über sie hinweg wie ein kreischender, schwarzer Rabe. Fast hätte sie laut aufgestöhnt.
Du bist echt schon paranoid, du dumme Nuss. Bestimmt ist es ein blöder Zufall. Man kann sich viel einbilden, wenn man müde ist.
Ihre brennenden Augen waren der beste Beweis dafür. Sie sollte schleunigst zurück in ihr Bett verschwinden. Doch das Misstrauen unter der Schädeldecke ließ sich nicht abstellen, egal, wie entschlossen sie dagegen anging.
Hastig trank sie die kalte Milch aus. Dabei fiel ihr Blick auf die schwere Eichenplatte des langen Küchentisches. Vorn schimmerte ein schmales Rechteck, silbern vom Mondlicht beschienen, das hintere Segment, mitsamt dem letzten Stuhl, versank hingegen im Schatten der Dunkelheit. Verstohlen linste Jolene an dem leise summenden Kühlschrank vorbei in genau diese finstere, uneinschaubare Ecke, der verwaiste Platz ihres Vaters. Sie wollte sich schon abwenden, da glomm wie zum Hohn ein dicker orangefarbener Punkt auf und erhellte zu ihrem Entsetzen in einer kurzen, schemenhaften Bewegung eine große Männerhand, die eine Zigarette hielt.
Jolene erschrak. Ein messerscharfer Stich fuhr durch sie hindurch, und für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, eiserne Klauen drückten ihren Brustkorb zusammen und pressten alle Luft aus ihrem Leib.
Grundgütiger, da sitzt jemand und raucht.
Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich instinktiv auf und obwohl ihr Herz einen panischen Satz machte, schaffte sie es, sich zusammenzureißen und sich mit keiner Regung anmerken zu lassen, wie außer sich sie war. Disziplin war eine ihrer Stärken. Sie hatte im Yoga-Kurs gut aufgepasst und hart an sich gearbeitet.
Hinter ihr drückte die glatte Küchenfront gegen ihren Rücken und Jolene überlegte fieberhaft, ob sie sich daran abstoßen und einfach losrennen sollte. Ihre Entfernung zur Tür betrug mindestens fünfzehn Schritte, die um den Tisch herum höchstens zehn. Wer immer da saß, könnte die Tür vor ihr erreichen, egal, wie viele Stühle er umstoßen musste. Das konnte sie auf keinen Fall riskieren.
Die Zigarettenglut leuchtete erneut auf, und in ihrer Angst sprang Jolenes beinahe das Herz aus der Brust vor Panik. Sein Verhalten wischte jeden Zweifel fort.
Das macht er mit Absicht. Er will, dass ich ihn sehe.
Sie spürte seine Blicke und wie ihr Puls wild raste. Plötzlich durchbrach ein Scharren unheilvoll die Stille.
Er war aufgestanden.
Ein weißer Turnschuh von beängstigendem Ausmaß schob sich hervor. Er signalisierte Jolene in aller Deutlichkeit, wie ungewöhnlich groß der Kerl sein musste, dem er gehörte, was die Bedrohung nicht kleiner machte, die auf sie zukam.
Sie biss sich auf die Lippen, um nicht aufzuschreien. Angst zu zeigen, war das Falscheste, was sie tun konnte.
Bloß nicht die Tür anvisieren. Dann weiß er, dass du türmen willst.
Gefangen in ihrer Furcht, senkte sie den Blick und fixierte die fahlen Streifen am Boden. Wenn sie entkommen wollte, musste sie Ruhe bewahren und mit List handeln. Ihr blieb nur ein einziger Versuch.
Ihr Verstand arbeitete fieberhaft.
Welche Möglichkeit habe ich, mich zu verteidigen?
Die Schublade mit den Bestecken befand sich am anderen Ende der Küchenzeile. Auch lag nichts weiter in ihrer Reichweite, womit sie sich hätte wehren können.
Verdammt - Mum mit ihrem verfluchten Ordnungsfimmel.
Das leere Milchglas stach ihr ins Auge. Sie könnte den Rand abschlagen. Das wäre eine Möglichkeit. Die Zigarettenpackung daneben gehörte unter Garantie ihm.
Notgedrungen grabschte Jolene nach beidem, jedes mit einer Hand und schielte unsicher zu dem Mann, ohne sich zu bewegen. Er hatte sich nicht gerührt, beobachtete sie scheinbar nur.
Jolene fühlte Wut in sich aufsteigen, eine grenzenlose Wut, die alles Angstvolle in ihr unterdrückte.
Was hat der Arsch vor? Worauf hat er es abgesehen?

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14. Februar 2019

'Blinder Hass' von Alex Winter

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Ich habe den schwarzen Schatten in seinen Augen gesehen«, flüsterte der Aborigine. Seine Stimme klang angsterfüllt. »Er ist ein Kedic, ein Teufel in Menschengestalt …«

Als der Zürcher Sicherheitsexperte Vince Foster von seinem in Australien lebenden Bruder Bryan die unvollständige Kopie eines alten Tagebuches erhält, ahnt er zunächst nicht, welches düstere Geheimnis dieses birgt.

Vince ist jedoch nicht der Einzige, der sich für das Tagebuch interessiert: Die rote Doktrin, eine weltweit operierende Geheimorganisation, die einen teuflischen Plan verfolgt, der die Welt an den Rand des Abgrundes führen könnte, versucht mit allen Mitteln in den Besitz des Originaltagebuches zu gelangen. Während Vince verzweifelt nach Antworten sucht, gerät er immer tiefer in einen Strudel aus Verschwörungen, Intrigen und Mord.

Auf sich allein gestellt, gejagt von mächtigen Feinden und von der Polizei für einen skrupellosen Mörder gehalten, flieht Vince nach Australien.

Für kurze Zeit zum Aktionspreis von nur 99 Cent.

Leseprobe:
Die Sonnenstrahlen tasteten sich langsam den Hügel hinab. Dabei heizten sie die Felsen wie die Kacheln eines Ofens auf. Lübke konnte die Wärme bereits spüren, weshalb er beschloss, ganz nach unten zu zwei niedrigen, ineinander verwachsenen Eukalyptusbäumen zu steigen, die ihm Schatten spenden würden, bis der Hubschrauber kam.
Als er auf etwas Rundes, Weiches trat, wusste er sofort, dass es ein Tier war. Er schreckte zurück, sah die Schlange, auf die er getreten war, und ihr weit aufgerissenes Maul mit den aufgerichteten Fangzähnen, die sie in dieser Sekunde in seinen Unterschenkel schlug. Lübke schrie auf, ließ das Gewehr fallen und sprang zurück.
Vor ihm lag eine knapp fünfzig Zentimeter lange rotbraune Schlange mit breitem Körper. Sie reckte ihren flachen Kopf in die Höhe, dann bewegte sie sich langsam seitlich davon.
Eine Todesotter!, schoss es ihm durch den Kopf, ihr Gift wird dich lähmen, ja, vielleicht töten! Er kannte sich mit Schlangen aus, hatte sogar während seiner ständigen Suche nach neuen Foltermethoden mit ihnen experimentiert.
Das Gift dieser Schlange war stark neurotoxisch und löste eine Muskelstarre aus, ähnlich wie Curare. Wut, Schmerz und blankes Entsetzen überkamen ihn. Außerstande einen klaren Gedanken zu fassen, hob er die Browning Bar II auf, lud sie mit zitternden Händen durch und schoss.
Er verfehlte das sich träge davonwindende Reptil um wenige Zentimeter. »Das wirst du mir büßen«, rief er und drückte erneut ab. Ein metallisches Klicken; natürlich, das Magazin war leer. Jetzt packte er das Gewehr am Lauf und versuchte, die Schlange zu erschlagen, verfehlte sie aber erneut. Die Todesotter zischte, ihre Augen funkelten angriffslustig und ihr Kopf schnellte kampfbereit nach vorn.
Lübke wich erschrocken zurück, stolperte über einen abgebrochenen Ast und fiel hin. Diesen Augenblick nutzte die Schlange und verkroch sich zwischen zwei Felsbrocken.
Rasend vor Zorn stand er auf. Seine Stimme überschlug sich, als er das Reptil beschimpfte, weil es ihm entkommen war. Er taumelte zum Versteck der Schlange, beugte sich vorsichtig hinunter und spähte in das Loch. Die Todesotter hatte sich zwischen den Felsen zusammengerollt. »Warte, du Mistvieh, dir werd ich’s zeigen!«
Schwerfällig stand er auf, trat von der Seite an das Loch und rammte den Gewehrschaft wie ein Verrückter immer wieder in die Öffnung. Sein Puls raste, doch er hörte nicht auf.
Plötzlich zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen, ihm wurde übel und schwindlig. Sekunden später sah er alles nur noch verschwommen und unscharf. Er drehte sich um, wankte von dem Loch weg, dann ließ er die Browning fallen, sank auf die Knie und musste sich übergeben.
Für einen Moment schloss er die Augen. Die schreckliche Gewissheit überkam ihn, das Falsche getan zu haben. Statt seine Wut gegen die Schlange zu richten, hätte er besser sein Bein abgebunden. Jetzt war es vielleicht schon zu spät, denn ein Teil des Giftes war bereits in seinem Blutkreislauf.
Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er Todesangst. Keuchend riss er sich den Gürtel aus der Hose und schnürte ihn fest um den Oberschenkel. Kalter Schweiß rann ihm von der Stirn und er spürte, wie sein Herz unregelmäßig zu schlagen begann. Langsam sank er auf den Rücken.
Er drehte den Kopf zur Seite und blickte in das Versteck der Todesotter. Aus einer Öffnung am anderen Ende der kleinen Höhle drang Licht. Das Tier war längst durch das Loch entkommen.
»Dreckstück«, murmelte er. »Gottverfluchtes Dreckstück …«

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'Aus den Fugen geraten' und 'Abgrundartig' von Bernd Töpfer

Kindle | Taschenbuch
Zwei Kurzromane

Aus den Fugen geraten
Zwei Kleinganoven planen eine Entführung, die zwar auch gelingt, aber die gar nicht nach ihren Vorstellungen verläuft. Von der Entführten verlangen sie, sie solle ihren Mann anrufen und ihn unterrichten, er habe für ihre Freilassung zwei Millionen zu zahlen. Die Frau gibt jedoch an, keinen Mann zu haben. Auch sind auf ihrem Handy keine Telefonkontakte vorhanden, überhaupt keine. Das ist schon sehr ungewöhnlich. Dann gelingt der Frau die Flucht, und sie findet Zuflucht bei einem Schriftsteller, der in einem alten Forsthaus mitten im Wald wohnt. Alles Weitere entscheidet sich in diesem Haus.

Abgrundartig
Als Kind verliert Micha durch einen dummen Unglücksfall seinen Zwillingsbruder Tommi. Dieser meldet sich nach zwölf Jahren zurück, im Gehirn vom Micha, und wirkt mental auf ihn ein. Tommi hat nur abartige Ideen, die aber bei seinem Bruder anfangs Gehör und Zustimmung finden. Micha findet Gefallen daran, bei anderen die Angst zu sehen, sie zu erforschen, zu studieren. Tommi will aber mehr als die Angst, er will den Tod der Menschen sehen.
Eine Zeit lang hört Micha auf Tommi, aber dann kommen ihm Zweifel und er verdammt seinen Zwillingsbruder.

Leseprobe:
Aus: „Aus den Fugen geraten“
Claudia Schwarz kommt langsam wieder zu sich, sie liegt auf einer Luftmatratze. Langsam setzt sie sich auf, schaut sich um. Ein Raum ohne Fenster. Eine Waschmaschine, ein großer Gefrierschrank, ein leerer Wäschetrockner, in einer Ecke ein Wäschekorb. Das ist alles. Der Raum mag viel-leicht vierzehn Quadratmeter messen. Wie kommt sie hier her? Die Erinnerung meldet sich. Mein Gott, denkt sie, was soll das? Sie bekommt keine Angst, sie hat sie schon.
Ihr fällt für das Geschehene keine Erklärung ein.
Warum? Warum sie? Tränen fließen über das schöne Gesicht. Sie stellt sich auf, lehnt sich an die Waschmaschine.
Gefangen, denkt sie. Fremden ausgeliefert. Was wollen die?
Von einem Augenblick auf den nächsten hat sich alles geändert. In einer Geschwindigkeit, die dem Gehirn nicht die Zeit ließ, alles zu verarbeiten. Sie steht immer noch an der Waschmaschine, stiert auf den Lichtschalter neben der Tür und versucht zu denken, versucht zu begreifen. Aber so einfach ist es nicht. Das Gehirn weigert sich anzuerkennen, was geschehen ist. Das Gehirn sitzt zu Hause im Wohnzimmer und entspannt sich. Aber je mehr sie sich in ihrer neuen Umgebung umsieht, diese nackten Wände, diese geschmacklose Lampe an der Decke, die Luftmatratze … das Gehirn beginnt zu begreifen.
Es ist alles anders geworden. Und dies in einer Geschwindigkeit, dass man nicht lernen kann, damit umzugehen. Alles braucht seine Zeit. Eigentlich ist es Schwachsinn, sich jetzt Gedanken zu machen.
Abwarten.
Wissen, was man von ihr will. Dann wäre sie schlauer und könnte rationaler denken. Vielleicht.
Das Denken abschalten gelingt ihr nicht. Das Gehirn rebelliert, will seine Freiheit. Und so überlegt sie weiter, stellt sich tausend Fragen und findet keine Antworten. Und sie steht noch immer am selben Platz.
Sie schrickt zusammen, denn sie hört Schritte. Ihr Puls beginnt zu steigen. Jetzt wird sie erfahren … ja, was? Wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, dann will sie gar nichts erfahren, sie will nur weg hier. Sie will einfach ihr Leben wieder, so, wie sie es kennt.
Ohne Angst.
Ein Schlüssel dreht sich, die Tür geht auf, zwei Männer in Skimütze treten ein. Ein großer und ein kleinerer Mann. Sie kommt sich neben ihnen noch kleiner vor, als sie ohnehin schon ist.
»Sie müssen sich keine Sorgen machen, wir werden Ihnen nichts tun«, sagt der Große.
»Wenn Sie kooperieren«, fügt der andere hinzu.
»Was wollen Sie? Was habe ich Ihnen getan?«
»Alles ganz einfach, liebe Frau. Das ist eine Entführung, und wir wollen zwei Millionen Euro. Haben wir die, sind Sie wieder frei«, unterrichtet sie Robbi.
»Also je schneller wir das Geld haben, desto schneller können Sie gehen«, sagt Andi.
»Zwei Millionen? Ich habe doch keine zwei Millionen. Sie haben sich bestimmt in mir geirrt, mich mit jemand verwechselt?«, fragt sie ängstlich mit einem Hauch von Hoffnung in der Stimme.
»Wollen Sie uns verarschen?«, lässt sich jetzt Andi etwas laut vernehmen.
Die Frau zuckt zusammen.
»Sie werden Ihrem Mann eine Nachricht schicken, dass Sie entführt worden und wir zwei Millionen in bar haben wollen. Zeitpunkt Freitagabend«, teilt ihr Robbi mit.
»Mein Mann?«, fragt die Frau.
»Ja, Ihr Mann, wer sonst?«, antwortet Andi.
»Ich habe doch keinen Mann«, gibt sie jetzt verschüchtert zur Antwort.
Die beiden schauen sich an.
»Wie bitte?«, fragt Andi. »Was haben Sie eben gesagt?«
»Ich habe doch keinen Mann.«

Aus: „Abgrundartig“
Tommi und ich sind, obwohl eineiige Zwillinge, trotz allem grundverschieden, behaupte ich mal. Ich ticke nicht so wie er. Wir durften beide eine wunderbare Kindheit erleben. Unsere Eltern liebten und sorgten sich um uns, es fehlte uns an nichts. Wir waren gut in der Schule, wurden anständig erzogen, wussten uns in der Öffentlichkeit zu benehmen. Wir waren eine perfekte Vorzeigefamilie. Was in Tommis Kopf abging, wusste ja nur ich. Und im Kindesalter machte ich mir da keine weiteren Gedanken. Ich tat es als Spinnerei ab. Irgendwann würde dieser Blödsinn aufhören.
Und er hörte schneller auf als gewünscht. Der 12. Juni ist unser Geburtstag. Es war damals auch der 12.
Drei Tage später gab es keinen Tommi mehr.
Jetzt erinnert nur noch ein Grabstein an ihn. Und der auch nicht ganz so richtig. Denn er war für alle immer nur der Tommi. Aber auf dem Stein steht Thomas. Und Thomas liest sich so fremd.
Der Tod hatte Tommi mitgenommen, weil er sich wie-der mal was beweisen wollte. Aber diesmal ging es schief. Es war überheblicher Kinderblödsinn. Mit Unfug hatte das nichts zu tun. Ich wusste nichts von seinem Vorhaben, sonst hätte ich ihn doch zurückgehalten. Er hatte überhaupt keinen Grund, auf die andere Straßenseite zu rennen. Es war seine geheime Mutprobe. Tommi, der Große, der Alleskönner. Aber diesmal lief es nicht nach seinem Willen.
Wir standen auf dem Gehsteig und sahen dem Konvoi der Bundeswehr zu. Eine Panzereinheit fuhr durch unser Dorf. Das war für uns Kinder was Besonderes. Und dann, urplötzlich, rannte Tommi los, zwischen zwei Panzern über die Straße. Er wollte bestimmt zum anderen Gehsteig hinüber und uns dann zujubeln, was er wieder vollbracht hätte. Der mutige Tommi halt. Normalerweise hätte es ja auch geklappt, zwischen den einzelnen Panzern war immer ein gewisser Abstand vorhanden. Aber Tommi kam ins Stolpern.
Tommi sah nicht mehr wie Tommi aus.
Ich musste mich übergeben.
Dann schimpfte ich auf ihn. »Was hast du nur für eine Scheiße gebaut. Du bist ein Arschloch, Tommi. Und was wird nun aus mir? Du lässt mich jetzt hier allein zurück. Du verdammtes Arschloch. Ich könnte dich töten!«
Aber tot war er ja nun schon. Es folgten Albträume, wochenlang, monatelang. Ich glaube, es waren insgesamt zwei Jahre. Immer wieder der gleiche Traum. Der zermatschte Tommi. Ich schimpfte jeden Tag mit ihm. Ich verfluchte ihn. Ich sehnte mich nach ihm. Er fehlte mir einfach. Wir waren doch Zwillinge. Ohne ihn war ich doch nur ein halbes Wesen. Tommi, Tommi, wo bist du?

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13. Februar 2019

'Flammende Himmel: Schicksalspfad des Tempelritters 3' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited)
Flammende Himmel, der dritte Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Leseprobe:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.
Eine Hand ergriff Gernòds Rock und hinderte seinen Lauf. Er blickte in das Gesicht einer Sarazennin, die ihn in gebrochenem Fränkisch anflehte, ihr Kind zu retten, das mit zertrümmertem Schädel in ihrem Arm lag. Er löste ihren Griff und eilte den Kameraden hinterher. Hier konnte er nichts mehr bewirken, aber vielleicht gab es noch Überlebende in den verwinkelten Gassen, die ihrer Hilfe harrten.
Lauter Kampfeslärm drang aus einer der Seitengassen. Bruder Durmonte zeigte seinen Leuten den Weg. Schweren Atems folgten sie der Weisung. Mit erhobenen Schilden und Waffen stürmten sie auf eine Gruppe genuesischer Söldner zu, welche raubschatzend durch die Gasse zog. Gernòd drängte einen der Angreifer mit seinem Schild von einer Frau, der dieser gerade das Gewand herabreißen wollte. »Was macht ihr hier?«, schleuderte er dem Genuesen mit blitzenden Augen seine Frage entgegen. »Scher dich um deinen Kram, Templer. Das Volk hat uns lange genug betrogen. Nun zahlen sie ihre Zeche«, erwiderte der Genuese mit wildem Zorn in den mordlustigen Augen. Sein Schwert erhob sich zum Schlag. Gernòd ließ seine Axt in die Höhe fahren, während er die Schneide nach hinten führte. Mit all dem Grauen der gesehenen Bilder traf sein Hieb den Schädel des Söldners. Der stämmige Mann starrte ihm ungläubig in die Augen, während er in sich zusammensank.
Die Frau zerrte an Gernòds Waffenrock und redete wild gestikulierend auf ihn ein. Er solle ihr in das Haus folgen. Dort bedürfe ihr Mann seiner Hilfe. Er sandte den Kameraden einen unsicheren Blick zu, ob sie eher der Hilfe bedurften, bevor er ihr zögernd in das Gebäude folgte.
Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dämmerung zu gewöhnen. Er sah sich in dem verwüsteten Raum um. An einer der Wände erblickte er einen Mann. Er stand dort mit eingeknickten Beinen, das Gewand blutüberströmt, und ausdruckslos starrenden Augen, die zu Boden gerichtet waren. Gernòd schritt etwas näher an ihn heran, bevor der Templer erkannte, was geschehen war. Aus dem Hals des Händlers ragte der prächtig verzierte Griff eines Dolches -das Messer eines Sarazenen. Seine suchenden Augen glitten an dem Mann hinunter und blieben an der leeren Messerscheide haften. Gernòd trat an den Mann heran und zog den Dolch mit einem kräftigen Ruck aus Mauerwerk und Hals des Unglücklichen. Sanft ließ er den toten Körper zu Boden gleiten, eine breite Blutspur auf der Wand hinterlassend. Unsicher wandte er sich der Frau zu. Ein herzzerreißender Schrei der Verzweiflung entrang sich ihrer Kehle, als sie die Wahrheit in den Augen des Tempelritters las. Weinend warf sie sich vor ihm zu Boden und erfasste erneut den Saum seines Waffenrocks. Mit tränenüberflutetem Antlitz flehte sie ihn an, ihrem Mann zu helfen, als hoffte sie, es wäre ihm möglich, ein Wunder zu bewirken. Mit traurigem Gesicht schüttelte Gernòd sein Haupt und löste ihren Griff. Seine Beine schienen schwer wie Blei, als sie ihren Weg zur Tür suchten. Längst hatte er sich an das Grauen der Schlacht gewöhnt. Aber dort traten sich Bewaffnete entgegen. Dieses Blutbad an Wehrlosen erfasste sein Herz mit glühender Hand und ließ das Feuer des Zorns in der Brust des Ritters toben. Der Genueser vor der Tür hatte sich halb aufgerichtet und hielt seinen blutenden Kopf mit beiden Händen. Im Vorübergehen drosch ihm Gernòd den Rücken der Axt ins Gesicht. Der Söldner schleuderte von der Wucht des Schlages getrieben nach hinten und stürzte mit erhobenen Armen zu Boden. Wenn er denn noch lebte, sollte ihm diese Lektion genügen, um ihm die Lust auf sinnloses Morden auszutreiben, dachte Gernòd grimmig. Die Grausamkeit dieser Söldner ließ jede Barmherzigkeit in seinem Herzen schwinden.
Vor ihm auf dem Pflaster der Gasse erblickte er Francois, ein Ritter des kaiserlichen Heeres. Die beiden verband schon viele Jahre eine herzliche Männerfreundschaft. Francois trug keine Rüstung. Offensichtlich hielt er sich bereits vor dem Tumult in dem Viertel auf. Mehrere Söldner bedrängten ihn. Im Laufschritt eilte ihm Gernòd zu Hilfe. Mit einem Schrei drängte er sich mit erhobenem Schild zwischen die Männer. Ohne zu zögern, schlug er mit der Rückseite seiner Axt auf die Köpfe, Arme und Schultern der Angreifer ein. Blutüberströmt sanken mehrere von ihnen zu Boden. Die letzten beiden Verbliebenden suchten ihr Heil in der Flucht. »Gut, dass Ihr da seid«, stieß Francois mit fliehendem Atem hervor. Obwohl er kein ängstlicher Mann war, sah man ihm den Schrecken an. Zerfetzt hing seine Kleidung an ihm herab und an dem rechten Oberarm klaffte eine tiefe Wunde. »Was ist hier eigentlich los?«, wollte Gernòd wissen. »Weiß auch nicht genau. Ich habe heute Morgen Yasemin und ihren Vater besucht. Da torkelten schon einige betrunkene Lombarden und Toskaner durch das Viertel. Sie pöbelten die Händler und Frauen an. Als einer der Kaufleute seine Tochter schützen wollte, begann der Tumult.«
Eine bildhübsche Frau, mit edlen Gesichtszügen und sinnlichen Lippen, erschien an der Seite eines alten Mannes im Türrahmen. Sie sandte dem Alten einen flehenden, glutäugigen Blick.
Als dieser schmunzelnd nickte, eilte sie zu Francois und untersuchte dessen Wunde sorgenvoll. Gernòd zog sein Schwert aus der Scheide und reichte es dem Freund. Francois wollte abwehren: »Wenn das der Orden erfährt, darfst du einen Monat Buße tun.« Gernòd betrachtete Yasemin: »Möchtest du mir lieber mit ihr an der Seite in den Kampf folgen oder sie zurücklassen?« Francois Faust schloss sich um den Griff des Schwertes. »Danke, mein Freund.« Die beiden Männer nickten sich zu und Gernòd setzte seinen Weg fort.

Im Kindle-Shop: Flammende Himmel: Schicksalspfad des Tempelritters.
Mehr über und von Olivièr Declear auf seinem Facebook-Profil.



'Bähmulle: Morgen ist alles gut 2.0 oder Rheuma? Na und ...' von Mignon Kleinbek

Kindle | Tolino | Taschenbuch
In BÄHMULLE schreibt Mignon Kleinbek die im Jahr 2015 veröffentlichte Autobiografie NACH OBEN fort. Sie gibt Einblick in ein Leben mit rheumatischer Erkrankung - mit all seinen Höhen und Tiefen.

Die Erfahrungen, lebhaft geschildert mit einem kleinen Augenzwinkern und dem gewohnten Schuß Ironie, nehmen den Leser mit hinein in ihr Dasein - in anrührende Alltagserlebnisse mit Familie und engen Freunden, den mannigfaltigen Erfahrungen mit der Erkrankung und auch - nicht zuletzt - ihrem immer wieder erlebten Glauben an Gott.

Die Geschichte informiert auf unaufdringliche Weise. Sie weckt Verständnis für ein 'ganz normales' Leben mit chronischer Erkrankung. Unterhaltsam und real - manchmal komisch, manchmal traurig - doch immer zu Herzen gehend und berührend.

BÄHMULLE richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern ebenso an deren Partner und Angehörige, die mehr über ein Leben mit Rheuma wissen möchten. Informativ, gut recherchiert, amüsant und mit Tiefgang.

BÄHMULLE schließt die Lücke zwischen medizinischen Ratgebern über rheumatische Erkrankungen und dem wahren Leben. Die Geschichte inspiriert und sie macht Mut! Sie zeigt, dass ein Leben mit Rheuma schön und erfüllend sein kann - von einfach war nie die Rede ...

Leseprobe:
Lesen gefährdet die Dummheit
oder
Ein Haus ohne Bücher ist wie ein Kopf ohne Gedanken


Ich liebe Vorworte.
Ich liebe Prologe, Epiloge und selbstverständlich auch das, was dazwischen steht.
Ich liebe Bücher.
Sie finden sich überall in unserem Haus. Zu Türmchen gestapelt auf den Treppenabsätzen, in der Wohnstube und im Dachstudio – die aktuellen Lektüren auf unseren Nachttischen im Schlafzimmer; überall in allen Räumen. Selbst auf dem stillen Örtchen. Dort steht ein gut bestückter Lesekorb und so mancher, der da sitzt, kommt eine lange Weile nicht heraus. Der Korb beinhaltet Geozeitschriften, das neueste PM (sofern es mein Großer nicht gerade in seinem Zimmer bunkert), die Zeitschriften unserer Kirche und das zerlesene Journal des Europäischen Jugendtages der NAK. Meine Freundin und Nachbarin Sandra versorgt uns regelmässig mit Bild der Wissenschaft und Natur + Kosmos. Außerdem liegen meine Lieblingsgedichtbände von Joachim Ringelnatz und Erich Fried’s Was bist du mir? Gedichte von der Liebe, eine Sammlung Luthersprüche und ein kleines Büchlein mit deutschen Balladen darin.
Unser Haus ist ein Bücherhaus, ein Wortehaus - voll von Geschichten. Ich finde, erst dadurch wird es richtig gemütlich. Die Bücher blieben, als die Erkrankung mich einschränkte, mich verlangsamte und mir andere, liebgewonnene Tätigkeiten, nahm.
Ich lese nicht nur, nein, ich absorbiere Bücher von der ersten bis zur letzten Seite. Ich trinke sie zur Neige aus, bis auf den letzten Tropfen und bleibe doch durstig. Ich bin ein Bücherfreak, eine nimmersatte Geschichtenfresserin, eine Papierratte, ein Bücherwurm… ein buchstabensammelndes Worteeichhörnchen.
Ich mag Bücher, Geschichten, Erzählungen, die mich in andere Welten entführen und mein Kopfkino in Gang setzen. Sie gehen mit mir über Grenzen, stehlen meine Zeit und schenken mir dafür etwas Wundervolles: Gedankenfreiräume, ein Sich-davonmachen aus dem Alltag, lachen und weinen. Lernen aus den Erfahrungen anderer Menschen.
Ich gehöre zu denen, die so nach Seite 50 kurz nach hinten blättern, um zu erfahren, wie es wohl ausgehen mag. Einen guten Schluss lese ich gerne ein zweites Mal. Ein gutes Buch ebenfalls.
Es gibt Bücher, die mich gefangennehmen. Die ein Gefühl des Bedauerns in mir hinterlassen, wenn die letzte Seite gelesen ist und der Buchdeckel sich ein allerletztes Mal um die gute Geschichte schließt. „Schade, dass es vorbei ist“, denke ich dann mit Wehmut. Ich bin noch nicht bereit, mich auf eine neue einzulassen; tagelang verdorben für die nächste Lektüre. Zu angefüllt von den vertraut gewordenen Personen und ihrem Tun, das ich erst verdauen muss, bis endlich wieder genug Raum für neue Protagonisten und neue Erlebnisse in mir ist.

Der Schimmelreiter von Theodor Storm ist eine solche Erzählung. Sie fasziniert mich. Diese düstere Geschichte ist großartig ge16 schrieben, in einfachen und dennoch gewaltigen Worten. In gutem, geradem und klarem Deutsch. Ich ritt mit Hauke auf seinem fahlen Geisterpferd über die Deiche, fühlte den kalten Sturmwind an mir zerren und die Nordseewellen um meine Füße spülen. Elke Haien brach in ihrer wortlosen Not mein pubertäres Jungmädchenherz. Den Schimmelreiter muss man einfach gelesen haben!
Der Herr der Ringe gehört dazu - ich las die Trilogie erstmals mit 15 Jahren und seitdem weitere vier Male. Jetzt bin ich 52. Ich denke, so ungefähr alle neun Jahre geht das in Ordnung.
Ich frage mich immer wieder erneut: Wie kann ein Mensch sich ein derartig faszinierendes und komplexes Universum ausdenken? Ein so fantastisches und dennoch überzeugend realistisches Universum erschaffen? Mit eigenen Sprachen, die nicht wenige Menschen sogar studieren, obwohl die von J.R.R. Tolkien erfundene Welt überhaupt nicht existiert. Herrn Tolkien gehört ein eigenes Regal in meiner Bücherwand und alle seine Werke stehen da, auch die unbekannteren. Erst kürzlich bekam ich von meiner Freundin Biggi Herr Glück geschenkt. Diese kleine Geschichte, die er für seine Kinder verfasste, ist einfach entzückend. Genauso liebenswert wie die Briefe für den Weihnachtsmann. Jeden Dezember schnappe ich mir dieses schmale, abgegriffene Bändchen und falle lustvoll damit auf die Couch. Tauche für zwei selbstvergessene Stunden ab – hinein in die Briefe eines liebenden Vaters an seine drei Kleinen und in die wunderschönen, handgezeichneten Illustrationen. Ich reise mit zum Nordpol, hin zum Polarbären und den Elfengehilfen mit ihren ulkigen Hüten, die allerlei Unfug anstellen, bis der Weihnachtsmann endlich durchstarten kann. Herrlich fantastisch und unglaublich verrückt gut.
Meine Lieblingsfigur aus Herr der Ringe ist Boromir von Gondor. So zerrissen zwischen Verpflichtung, der Hingabe an die gute Sache und seiner Gier nach der Macht des elenden Rings. Sein Tod rührt mich jedes Mal aufs Neue zu Tränen. Die Parallele der Erzählung zum Nationalsozialismus und seiner unsäglich menschenverachtenden Knechtschaft haucht mich beim Lesen stets kalt an. Beim dritten Mal Miterleben und Mitwandern, (ich besitze seitdem neben der klassischen Klett- Cotta-Ausgabe im grünen Papierschuber auch eine wunderschöne gebundene), zeichnete ich die Reise der Gefährten mit einem Tuscheschreiber auf der Landkarte von Mittelerde in dunklem Königsblau nach.
So eine bin ich …

Im Kindle-Shop: Bähmulle: Morgen ist alles gut 2.0 oder Rheuma? Na und ....
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Mignon Kleinbek auf ihrer Autorenseite bei tredition.



12. Februar 2019

Mignon Kleinbek

Mignon Kleinbek ist ausgebildete Erzieherin und lebt mit ihrer Familie im Enzkreis bei Pforzheim. Neben dem Schreiben liebt sie Musik, Literatur und ihren "wilden" Garten. Am liebsten schreibt sie abends, wenn die Dämmerung einsetzt, auf der Terrasse – dann kann sie ganz in die Welt ihrer Protagonisten eintauchen.

Sie hat bereits zwei autobiografische Ratgeber über ihre Arthritis-Erkrankung erfasst: "Nach Oben" (2015) und "Bähmulle" (2016). Ihr erstes belletristisches Werk ist "Wintertöchter - Die Gabe", ein Roman über Gaben und Fähigkeiten, über das harte Leben in den Bergen und Frauen, die mutig eigene Wege beschreiten. "Wintertöchter - Die Kinder", die Fortsetzung der Forstau-Saga, erschien Ende 2018. Der letzte Teil der Trilogie erscheint noch im Laufe dieses Jahres.

Mignon Kleinbek über sich: "Schreiben ist für mich keine Last oder Arbeit, sondern das reinste Vergnügen; mit der Schriftstellerei habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt."

Weblink: Autorenseite bei tredition


Bücher im Buch-Sonar:




'Schlanker Body 40+ Abnehmen und Haut straffen ohne OP' von Lisa Faustbrandt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sie sind 40+, übergewichtig und Ihre Haut sah auch schon straffer aus? Dann geht es Ihnen wie vielen Frauen in diesem Alter auch. Dieses Buch könnte vielleicht die Lösung Ihrer Probleme werden. Dies ist kein klassischer Ratgeber. Es gibt keine Abhandlung über Hitzewallungen, Kalorien-Berechnungen oder komplizierte Rezepte.

Die Autorin kommt schnell auf den Punkt. Konkret und praxisnah gibt sie Antworten auf Fragen wie z.B. diese hier:
- Kann man die Elastizität der Haut mit 40+ noch signifikant erhöhen und wenn ja, wie geht das?
- Wie wird das Gesicht wieder glatter und zwar ohne Spezialcreme, Botox oder Skalpell?
- Was kann man selbst tun, damit die Beine wieder traumhaft schön werden?
- Gibt es einen konkreten Tipp, damit der Bauch wieder sichtbar flacher wird?
- Wie schnell kann man mit 40+ sichtbare Resultate erzielen?
- Wie kann man das Bindegewebe wirklich stärken?
- Können die Innenseiten der Oberschenkel wieder an Form gewinnen und wenn ja wie?
- Worauf muss man achten, um bis zum Erfolg am Ball zu bleiben?
- Was muss man mit 40+ anders machen, um erfolgreich abzunehmen und das Gewicht dann auch zu halten?
- Warum ist die Anzahl der Mahlzeiten beim Abnehmen nicht wichtig?
- Welche 12 Ernährungstipps helfen dabei, abzunehmen und gleichzeitig die Haut zu straffen?
- Wie können Heißhungerattacken minimiert werden?
- Was ist der Unterschied zwischen dem „Ständig-Esser“ und dem „Selten-Esser“?
- Ist es möglich, die Fettverbrennung in nur 2 Schritten so richtig auf Trab zu bringen?

Es geht in konkreten Schritten um die Lösung der beiden sichtbaren Probleme: Übergewicht und schlaffe Haut. Das hier vorgestellte Konzept ist nicht allgemein gehalten. Konkrete Schritte begleiten Sie auf dem Weg zum schlankeren und strafferen ICH. Anhand der Informationen wird das Konzept an die jeweils ganz persönliche Ausgangslage angepasst und genau dieser Aspekt macht es erfolgreich. Bekanntes und Neues werden hier zu einem funktionierenden Ganzen kombiniert.

Starten Sie Ihre ganz persönliche Body-Reise zu einem schlankeren und strafferen ICH. Sie werden sich wieder so richtig wohlfühlen in Ihrem Körper.

Leseprobe:
Erinnern Sie sich noch an früher, unbeschwerte Sommer, ärmellose Blusen? Tolles Gefühl, nicht wahr? Tja, so ab 40+ oder vielleicht erst 50+ ist das Gefühl nicht mehr ganz so toll.

Weich, schwingend und irgendwie aus der Form geraten - Winkearme. Und wer Gewicht reduzieren konnte …. hat das „weiche und mitschwingende“ Problem noch deutlicher vor Augen.

Wenn man mit 40+ sein Gewicht reduzieren möchte und gleichzeitig die Haut straffen muss, sollte man das „Body-Projekt“ als Ganzes und nicht in einzelne Problemzonen aufgeteilt ansehen.

Die Sache mit dem „Abnehmen ab 40+“ wird nämlich sonst für viele zum Desaster. Frustrierend.

Oft nimmt man ab. Was dann folgt, sind neue Probleme. Entweder schlaffe Haut, die bei jeder Bewegung mitschwingt, oder der berühmte „Jo-Jo-Effekt“ als Folge einer falschen Diät.

Fakt ist: Sie müssen nicht hungern, um Gewicht zu verlieren. Im Gegenteil!

Regelmäßige Mahlzeiten sind das A und O einer erfolgreichen Ernährungsumstellung. Ziele werden so viel schneller erreicht.

Sie halten Ihren Hunger unter Kontrolle und nehmen einfacher ab. Sie werden Pfunde verlieren und dabei die Haut deutlich straffen.

Also Leinen los! Lassen Sie uns gemeinsam das Abenteuer „Abnehmen mit 40+“ beginnen.

Lassen Sie uns den Wechsel zu einem schlankeren und strafferen Body starten.

Abnehmen mit 40+ ist wie eine Abenteuerreise! Sie müssen Ihre Ziele festlegen, Ihre Route planen und dann abheben!

Wir wissen alle, wie es ist, wenn wir eine Reise planen.

Wir machen eine Bestandsaufnahme, planen die Reiseroute, nehmen einen Kompass mit, um von der Route nicht abzuweichen und lassen uns gespannt auf das Abenteuer ein.

Vor allem aber freuen wir uns riesig!! Also, wo ist das Lächeln auf Ihren Lippen?

Ok, legen wir mit der Bestandsaufnahme los. Das ist die beste Methode, um Ihr Problem sofort zu erkennen.

Eine moderne Frau?

Sie ist toll! Attraktiv. Mitten im Leben und 40+. Engagiert sich meist im Beruf. Managt das Familienleben.

Sie achtet auf Ihr Äußeres. Freie Zeit ist Luxus für sie. Wenn es ums Aussehen geht, so möchte sie vor allem sich selbst gefallen. Sich einfach wohlfühlen.

Im Kindle-Shop: Schlanker Body 40+ Abnehmen und Haut straffen ohne OP.



'Blackfin Boys - Die Hölle soll warten: Das 2. Abenteuer' von Flynn Todd

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Die Blackfin Boys und ihr treuer vierbeiniger Begleiter sind von einer unheimlichen Maschine in eine Zeit katapultiert worden, in der Überleben alles andere als selbstverständlich ist. Durch ein satanistisches Ritual, welches sie unfreiwillig absolvieren, treffen sie auf Kasul, einen Zentaur, der das Fegefeuer der Hölle bewacht.

Der Teufelshelfer schlägt den Jungs einen Pakt vor, der sie zurück in ihre Zeitlinie bringen soll. Doch können die vier diesem Höllenwesen vertrauen?

Leseprobe:
Wann sind wir?
„Also gut, Leute, wir haben ja keine andere Wahl ‒ also, auf zur Burg“, schlug Toby vor.
Die anderen waren nach all den Strapazen der letzten Tage und Stunden ausgepowert und lustlos. Vor ein paar Minuten noch in einer unterirdischen Forschungsstation auf einer tropischen Insel, jetzt in einer todbringenden Eiswüste. Das Leben der Jungs hatte sich in den letzten Wochen erheblich verändert. Einen verrückten Wissenschaftler auszuschalten und dabei fast selbst getötet zu werden, gehörte nicht gerade zum normalen Tagesablauf eines Teenagers. Besonders Roland litt unter den schrecklichen Ereignissen. Doch er gab sich große Mühe, dies zu verbergen. Aber eines war Fakt: Auf die Seele der Jungs hatte sich ein schwarzer Schatten gelegt – wenn auch nur ein kleiner.
„Jungs, ihr wisst ja, dass ich ansonsten ein harter Hund bin, aber jetzt gerade könnte ich einfach umfallen und in dem weichen Schnee landen. Ich muss echt schlafen“, sagte Roland.
„Wenn du das tust, bist du in nicht mal einer Stunde tot! Wenn wir das nicht sowieso bald sind. Sieh dir unsere Klamotten an – kurze Hose und T-Shirt sind hier leicht unangebracht. Lange werden wir wohl nicht durchhalten“, befürchtete Mark.
„Du bist so aufmunternd, Kleiner.“
Julius war da optimistischer: „Ich sag mal so ‒ dass wir überhaupt noch leben, grenzt an ein Wunder. Leute, wir sind gerade durch Zeit und Raum gereist ohne die geringste Ahnung, wo wir landen werden. Guckt euch Blake da drüben an – tot! Das hätten wir sein können! Obwohl … ich setze zwar einen Schritt vor den anderen, aber meine Beine und Füße kann ich nicht mehr spüren. Die Kälte hat meinen Körper völlig betäubt.“
Rottweiler Stiles war ein ganzes Stück vorgelaufen, blickte aber immer wieder zurück zu den Jungs, um zu kontrollieren, ob noch alle da waren. Im Gänsemarsch folgten ihm die vier langsam durch den Schnee, der unter ihren Füßen knirschte. Sie blieben auf der Straße, die geradewegs zu der Burg führte, die sie in der Ferne entdeckt hatten. Auf dem Weg lag der Schnee vielleicht zehn Zentimeter hoch. In dem Waldgebiet, von dem sie komplett umgeben waren, hatte sich der Schnee sogar einen halben Meter gleichmäßig auf dem Boden aufgetürmt. Stiles machte sich einen Spaß daraus, sich immer wieder in den Tiefen des Schnees zu verstecken. Nur sein Kopf guckte ab und zu heraus. Die Jungs folgen ihm keuchend, angeführt von Toby.
„Wir gehen die ganze Zeit auf diesem Weg, und erst jetzt fällt mir auf, dass diese Spuren, die den ganzen Weg entlangführen, von einem oder mehreren Fahrzeugen stammen könnten. Das Profil der Reifen ist außergewöhnlich tief. Könnte ein Geländewagen sein. Auf jeden Fall befinden wir uns in einer Zeit, in der es Autos gab. Nehme ich mal an. Das ist doch gut, dann bleiben uns wenigstens Hexenverbrennungen und Auftritte im Römischen Circus erspart.“
Keiner der Jungs reagierte auf Tobys Vermutungen. Stattdessen marschierten sie schnurstracks weiter. Die Burg kam langsam näher.
„Geht es noch allen gut?“, fragte Toby.
Ein gleichzeitiges Murren sollte die Frage mit Ja beantworten.
Mark blickte durch die Schneewehen hinüber zu ihrem Ziel. „Sieht aus wie eine alte Ritterburg.“
„Ich weiß nicht, diese großen, rechteckigen Steine in Dunkelgrau – und ganz gerade Kanten, wie in Form gepresst. Schon etwas unheimlich. Dazu vier große Türme, in jeder Ecke einer. Ich finde, das sieht eher so aus, als wäre die Anlage erst gestern gebaut worden – sie wirkt irgendwie neuwertig, aber auch tot und verlassen“, meinte Julius.
„Sie ist auch ungewöhnlich groß. Allein die vier Türme, das könnten auch vier Hochhäuser sein.“
Roland lief plötzlich vor.
„Oh nein, wie ich es vermutet habe“, rief er seinen Freunden zu. „Guckt mal, ein richtig breiter Wassergraben umgibt die gesamte Burg. Der einzige Zugang scheint über die Zugbrücke zu sein. Und die ist hochgefahren. So kommen wir da nie rein, keine Chance! Schöne Scheiße.“
Ratlos standen die vier Jungs zitternd vor der Burg. Roland hatte recht. Der Wassergraben war gut und gerne zwanzig Meter breit. Dahinter ragte die Burgmauer empor, wuchtig und wehrhaft. Mit ihren mächtigen Mauern und Türmen beherrschte sie den dicht bewachsenen Wald um sich herum.
„Verdammt, wenn wir nicht bald in eine wärmere Umgebung kommen, werden wir wohl erfrieren“, flüsterte Toby mit zittriger Stimme. „Wir müssen da rüber, vielleicht ist das Wasser gefroren, dann könnten wir runter in den Graben und auf der anderen Seite wieder hochklettern.“
„Guter Vorschlag, Toby. Aber selbst wenn, was sollen wir da? Die Zugbrücke ist hochgefahren, und wir kommen ohne Leiter nie im Leben über die Mauer. Die Wände sind viel zu glatt und zu hoch.“
„Abgesehen davon, wenn das Wasser nicht gefroren ist, könnten wir ertrinken“, meinte Julius.
Toby ging weiter. „Mir nach, Leute. Wir gehen jetzt eine Runde um die gesamte Burg und bleiben direkt ganz dicht am Wassergraben. Vielleicht finden wir eine Stelle, am Graben oder an der Burg selbst, die wir zu unserem Vorteil nutzen können.“
Da keiner einen besseren Vorschlag hatte, gingen die Jungs los. Stiles lief wie immer vor und behielt dabei seine Herde in regelmäßigen Abständen kritisch im Blick.
Mark beschäftigte ein Gedanke: „Sagt mal, Leute, kommt euch das nicht auch merkwürdig vor? Eine riesige Burg, mitten im Wald, und nur ein einziger, kerzengerader Weg, von dem wir wissen, dass er nur zur Burg führt und hier aufhört. Aber wohin kommt man, wenn man in die andere Richtung geht?“

Im Kindle-Shop: Blackfin Boys - Die Hölle soll warten: Das 2. Abenteuer.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Flynn Todd auf seiner Website.



11. Februar 2019

'El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten' von Brigitte Lamberts

Kindle | Tolino | Taschenbuch
„Das war es!“, sagt Sven, als die doppelläufige Pistole auf ihn gerichtet ist. Wieder einmal musste er seine Nase in Sachen stecken, die ihn nichts angehen. Er wollte nur einem guten Freund helfen. Er konnte ja nicht ahnen, in das dunkelste Kapitel der jüngsten mallorquinischen Geschichte hinein zu geraten: in eine Familienfehde um Ansehen, Geld und Macht, die ihre Wurzeln im spanischen Bürgerkrieg hatte.

Für Mallorca-Liebhaber, diesmal ein Krimi mit historischer Dimension. Lesen Sie den Kriminalroman als Reiseführer mit Gastrotipps oder als packende Urlaubslektüre.

„Unterhaltend und spannend, eine Kombination aus Historie, Kulinarik und mallorquinischem Lokalkolorit.“

Für kurze Zeit zum E-Book-Aktionspreis von nur 2,99 Euro erhältlich.

Leseprobe:
Cas Català. Gemeinde Calvià. Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, die Carretera Andratx ist in sanftes Licht getaucht. Sven Ruge gleitet in den tiefen Schalensitz seines alten Porsches, startet den Motor und fährt los, Richtung Peguera. Sein Ziel ist das kleine, aber exklusive Strandrestaurant seines Freundes Manuel Muñoz in der Cala Illetes im Südwesten der Insel. Die überschaubare, halbrunde Bucht zählt zu einer der schönsten Mallorcas: klares türkises Wasser und ein wunderschöner weißer Sandstrand. Er ist neugierig, was sich Manuel für den heutigen Abend ausgedacht hat. Seine Speisekarte ist zwar übersichtlich, aber abwechslungsreich. Morgens kauft Manuel auf dem Markt in Santa Catalina frische Zutaten ein und lässt sich davon inspirieren. Man weiß also nie, was er mittags und abends seinen Gästen anbietet.
Für Sven waren die letzten Wochen ein Wechselbad der Gefühle gewesen. Immer wieder hatte er sich gefragt, ob er es wirklich riskieren sollte, sein bisheriges Leben aufzugeben und auf Mallorca einen Neuanfang zu wagen. Er hat Freunde gefunden, auf die er sich verlassen kann. Das hat ihm die Suche nach einem alten Fläschchen Patxaran gezeigt. Es hatte sich einst im Besitz von Blanka von Navarra befunden und dem Inhalt wurde eine heilsame Wirkung nachgesagt. Das Auffinden des Fläschchens vor seinen Kontrahenten hatte er fast mit dem Leben bezahlt. Lange wusste er nicht, dass ein steinreicher Oligarch und ein vermögender Schweizer Sammler ihre Leute auf den alten Likör angesetzt hatten. Doch er hatte Glück und kam mit einer Schussverletzung am Bein davon.

Der heutige Tag hat seinen Entschluss, auf Mallorca zu bleiben, gefestigt. Denn Sven hat mit seinen Vermietern, dem alten Ehepaar Sergio und Consuelo Sánchez, gesprochen. Sie sind sich einig geworden: Sie kommen ihm für die kleine Wohnung mit dem Blick auf die Bucht von Palma und den Marivent-Palast im Preis entgegen. Die beiden liebenswürdigen Senioren haben einen langfristigen Mieter und Sven spart ein paar Euro. Das ist wichtig für ihn, denn die Entscheidung, sich auf Mallorca niederzulassen, ist nicht einfach. Als Journalist und Gastrokritiker war er in Düsseldorf gut etabliert, aber hier auf Mallorca ist er noch ein unbeschriebenes Blatt, auch wenn er einen kulinarischen Reiseführer über die Insel geschrieben hat, der sich in Deutschland gut verkauft. Jetzt muss er sich auf Mallorca einen Namen machen. Und vor allem muss er Aufträge akquirieren. Sein Erspartes reicht für drei Monate, wenn er gut haushaltet, das wäre dann Dezember. Bis dahin muss er es geschafft haben. Eine Möglichkeit wäre eine freie Mitarbeit bei der Mallorca-Zeitung und beim Mallorca-Magazin. Auch die spanischen Medien könnte er bedienen, da sein Spanisch ganz passabel ist. Immerhin hat er schon einige vielversprechende Telefonate geführt. Das wird schon, denkt er, ich brauche nur etwas Geduld. Doch Geduld ist nicht gerade seine Stärke. Das Angebot, in der Villa von Alejandro de Calderón zu wohnen, hat er abgelehnt. Das hätte die Freundschaft zum Marquis wahrscheinlich verändert, denn das Gefühl, abhängig zu sein, ist für Sven unerträglich. Schon als Schüler und später als Student hat er sich immer etwas dazuverdient, um seine Eltern nicht mehr als unbedingt nötig finanziell zu belasten. Nun ist er glücklich, weil er die Entscheidung endgültig getroffen hat. Es war immer schon sein Traum, auf Mallorca zu leben.

Am Kreisverkehr biegt Sven Richtung ses Illetes ab. Die Laternen werfen spärliche Lichtpunkte auf die Straße. Die Umgebung versinkt in Dunkelheit, ab und an sieht er auf den Felsen eine erleuchtete Villa. Zwischen den Häusern am Straßenrand kann er das Meer nur erahnen. Es ist fast schwarz. Lediglich der Mond entlockt ihm an manchen Stellen einen silbernen Glanz. Sven kurbelt das Seitenfenster herunter und lehnt sich etwas hinaus. Die warme Nachtluft umspielt sein Gesicht. Unter den intensiven, harzigen Duft der Pinien mischt sich das süßliche Aroma der hohen Oleandersträucher, die hier überall wachsen.

Die Straße führt steil nach unten, erste mehrgeschossige Wohnhäuser und Hotels tauchen auf. Sven muss sich konzentrieren, um bei der schummrigen Beleuchtung die Abzweigung auf den kleinen Parkplatz nicht zu verpassen. Dieser ist voll besetzt, doch Sven weiß: Zwischen der kleinen Mauer und den Mülltonnen ist für seinen Porsche Platz. Er steigt aus und geht die schmale Steintreppe hinab. Über die auf den Sand gelegten Holzbohlen erreicht er sein Ziel. Auf einem großen Schild steht in roten Lettern: Manuel’s. Restaurant und Strandbar.
Von der Terrasse aus blickt er ins Innere. Wie jeden Abend ist das Restaurant gut besucht. Es ist nach 22 Uhr, Zeit für die Mallorquiner, ihr Nachtessen einzunehmen. Das Ambiente ist stilvoll, ein interessanter Mix aus alten mallorquinischen Möbeln und modernen, abstrakten Bildern an den Wänden, auf jedem Tisch stehen brennende Kerzen und tauchen den Raum in ein gemütliches Licht. Weiße Tischdecken unterstreichen die gediegene Atmosphäre. Noch bevor er die Tür aufzieht, umfängt ihn der Duft von Knoblauch, Rosmarin, Thymian und Oregano. Ein Hauch von Grillaroma liegt in der Luft. Manuel schaut gerade aus der Küche und winkt ihm zu. Der Mallorquiner verkörpert genau das, was sich Sven von einem guten Gastronomen wünscht. Er ist mit Herzblut dabei und ein exzellenter Koch. Aber er ist auch ein Mensch, der seinen Gästen das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein, der Freundlichkeit und Begeisterung ausstrahlt. Und er behandelt seine wenigen Angestellten wie Familienmitglieder.
»Ich komme gleich«, ruft Manuel und ist schon wieder in der Küche verschwunden. Sven schaut sich um. Sein Blick fällt auf eine alte Dame, die in letzter Zeit häufiger bei Manuel zu Gast ist. Meist kommt sie allein, doch gelingt es ihr immer, schnell Anschluss zu finden. Auch Sven hat sich schon mit ihr unterhalten und erfahren, dass sie erst seit einigen Monaten auf Mallorca lebt, in einer Seniorenresidenz in der Nähe von Santanyí. Er nickt ihr zu und setzt sich dann an den letzten freien Tisch am geöffneten Fenster. Das Einzige, was er in der Dunkelheit auf dem Meer erkennen kann, ist ein hell erleuchteter, mehrstöckiger Luxusliner, der langsam Richtung Hafen fährt.

Im Kindle-Shop: El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten (Krimi 55).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Brigitte Lamberts auf ihrer Website.



| #Krimi #Neuerscheinung #Aktionspreis #debk kein Twitter 11.02. 10:30

'Bad Boss Daddy' von Lotti Tomke

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Er ist der Vater meiner besten Freundin.
Er ist ein eiskalter Macho.
Und er ist seit heute mein Boss.

Ich kenne Theresa seit der Schule. Und genau so lange kenne ich ihren Dad.
Rhett Summerville. Groß. Dunkelhaarig. Killerblick. Aber es ist nicht nur sein Aussehen, das meine Knie weich werden lässt. Nein, es ist vor allem seine Ausstrahlung. Stell dir einen schwarzen Panther vor, die Muskeln zum Zerreißen gespannt, die Sinne nur auf seine Beute gerichtet, kurz vor dem tödlichen Angriff.
Das ist Rhett.
Das ist der Anfang vom Ende.

Leseprobe:
Es ist kalt. Also nicht wirklich kalt, acht Grad oder so. In meiner Heimat Miami, Florida gleicht das allerdings fast einer Eiszeit. Doch ich spüre keine Kälte. Mein Gesicht glüht, mein ganzer Körper brennt, mein Herz steht in Flammen.
Er hat mich geküsst.
Ich fühle seine Lippen noch auf meinen, fühle die Kraft und die Leidenschaft, mit der Mr. Summerville – ich meine natürlich Rhett, denn wenn man sich küsst, redet man sich doch mit Vornamen an, oder? – meinen ganzen Körper zum Beben gebracht hat.
Leider scheint er nicht einmal annähernd dasselbe zu fühlen wie ich. Vielmehr distanziert er sich von mir, weicht erschrocken einen großen Schritt zurück und starrt mich feindselig an. Die riesige Villa, auf deren Treppe wir stehen – das Vermächtnis seiner Eltern, samt gewaltigem Vermögen – stärkt ihm den Rücken wie ein grimmig dreinschauender Bodyguard. Alles an Rhett wirkt bedrohlich. Abweisend.
»Du hättest nicht herkommen sollen«, stößt er wütend hervor. »Geh jetzt.«
»Rhett«, hole ich aus, doch er bringt mich mit einer unwirschen Handbewegung sofort zum Schweigen.
»Ich sagte, geh jetzt.«
»Aber das zwischen uns, der Kuss …«, versuche ich erneut, ein Gespräch zu beginnen.
Ich will nicht weg von ihm. Ich will nicht nach Hause gehen. Das Einzige, was ich wirklich will, ist in seinen Armen zu liegen.
»Zwischen uns ist nichts, Lucy. Rein gar nichts. Und da wird auch nie etwas sein. Niemals. Du könntest meine Tochter sein. Das ist krank.«
»Ich bin achtzehn. Ich bin erwachsen«, rebelliere ich wie ein Kind.
»Es ist zu viel passiert, Lucy. Geh jetzt. Geh! Und komm nie wieder hierher.«
Tränen steigen mir in die Augen, ein Kloß in meinem Hals macht das Schlucken zur Qual. Aber ich werde jetzt nicht losheulen, ganz bestimmt nicht.
»Auf Wiedersehen, Rhett«, sage ich und schaue ihm fest in die Augen.
Er erwidert den Blick.
Kalt. Emotionslos.
»Auf Wiedersehen, Lucy.«
Ich wende mich ab, will schon zur Treppe gehen, die von der Haustür hinab zu der langen, von einer hohen Hecke gesäumten Einfahrt führt. Aber etwas hält mich zurück. Ich weiß nicht, was es ist. Eine Ahnung, eine leise Hoffnung, ein stilles Sehnen? Ich hebe noch einmal den Blick und schaue in seine Augen. Und da ist es. Ein kurzes Funkeln nur, flüchtig wie der Schlag eines Schmetterlings. Aber ich habe es gesehen. Ich weiß, dass ihm dieser Kuss nicht vollkommen egal war.
Ich weiß es.

Im Kindle-Shop: Bad Boss Daddy.
Mehr über und von Lotti Tomke auf ihrer Website.



9. Februar 2019

Flynn Todd

Flynn Todd sagt über sich:

"Ich hatte schon immer eine Affinität zu Stiften, Blöcken und allem Kram, der mit 'Schreiben' zu tun hat. Bereits in frühester Kindheit gab ich einen Großteil meines Taschengeldes für Bürokram aus. Nach jedem Kauf fragte ich mich: 'Wieso kaufst du dir denn so einen Mist - und was willst du damit?'

Stifte und Blöcke aller Art stapelten sich Jahre über Jahre. Dann war es plötzlich soweit: Im Fernsehen lief 'Teen Wolf', und Protagonist Stiles Stilinski wurde von einem fiesen Dämon heimgesucht. In diesem Moment sprach meine innere Stimme: 'Mein Gott, dieser Dylan O’Brien kann ja wirklich alles spielen!' - eine andere Stimme, wohl auch in meinem Kopf, kommentierte diesen Gedanken und antwortete: '… und du kannst alles Schreiben!'

Noch am selben Abend setzte ich mich auf den Rand meines Bettes und schrieb das erste Kapitel des Buches 'Warmes Blut auf weißem Sand'. Die Blackfin Boys waren geboren. Stifte und Blöcke wurden von diesem Zeitpunkt an stark beansprucht."

Weblink: flynntodd.blog


Bücher im Buch-Sonar:





8. Februar 2019

'Rowan - Verrat im Ostreich' von Aileen O'Grian

Kindle | Tolino
Der jugendliche Magier Rowan ist mit seinem Freund Ottgar, dem Thronfolger des Magierreiches, ins Ostreich gezogen. Während Ottgar auf der Burg von König Kustin zum Ritter ausgebildet wird und am Hofleben teilnimmt, sitzt Rowan häufig in der Kammer seines Meisters und studiert in alten Schriften. Die beiden Magier müssen unbedingt ein Heilmittel gegen die Klauenfäule finden.

Noch nie in seinem Leben fühlte Rowan sich so unwohl, da Magier im Ostreich verachtet werden. So werden Rowans Warnungen vor Angriffen der Trolle und Zwerge auch nicht ernst genommen. Selbst als er eine Seuche, die die Bewohner der Königsburg und die Bauern aus der Umgebung heimsucht, erfolgreich bekämpft, steigt sein Ansehen kaum. Auch Ottgar, der unter dem Einfluss der ostianischen Prinzen steht, ist ihm fremd geworden – und sogar die Gefahr eines Aufstandes im Ostreich scheint seinen Freund nicht zu interessieren, bis es fast zu spät ist.

Band 3 der Rowan-Reihe.

Leseprobe:
„Kommst du mit zu dem Jagdausflug?“, fragte Ottgar seinen Freund, den jungen Magier Rowan. Er schaute neugierig in den Kessel, der über dem Feuer hing.
Rowan warf ein Pulver hinein, zischend stieg heißer Dampf auf. Erschrocken sprang Ottgar einen Schritt zurück. Rowan schüttelte den Kopf. „Du solltest genug über die Heilkunst wissen, um vorsichtig zu sein und den Gefäßen nicht zu nahe zu kommen.“
Ottgar, der Thronfolger des Magierreichs, lachte. „Wenn es gefährlich wäre, hättest du mich längst aus deiner Stube geworfen.“
Rowan stöhnte. „Du störst mich. Ich brauche Ruhe, weil ich sorgfältig arbeiten muss. Bitte geh.“ Er wog getrocknetes Mondkraut ab, gab es in den Topf, dabei summte er ein Lied. Doch Ottgar ließ sich nicht wegschicken.
„Ich habe noch so viel zu tun. Meister Wudon erwartet, dass ich ein Heilmittel gegen die Klauenfäule finde“, erklärte Rowan, nachdem er sämtliche Strophen gesungen hatte.
„Wieso? Die behandelt ihr schon, so lange ich denken kann.“ Ottgar war ehrlich überrascht. Er weilte als Knappe am Hofe des Königs des Ostreichs, während Rowan bei dem hiesigen Magiermeister Wudon lernte.
„Die Krankheit hat sich verändert. Unsere Mittel helfen nicht mehr. Bis vor ein paar Jahren hat Wudon die Seuche auf die gleiche Art wie mein Großvater erfolgreich geheilt.“
Eine Weile schaute Ottgar seinem Freund beim Hantieren zu, bald langweilte er sich, denn Rowan ließ sich auf kein Gespräch ein, sondern arbeitete, ohne ihn zu beachten, weiter. Als Ottgar die Schritte von Wudon hörte, stand er auf und verließ die Stube der Magier.
Rowan spürte, wie verärgert sein Kamerad war. Ottgar haderte immer wieder damit, nach ihrer abenteuerlichen Flucht vor den unheimlichen Nordmännern aus Llyllia nicht bei seinem Freund Mardok geblieben zu sein. Doch Mardok war, nachdem sie bei einer Regenhexe Unterschlupf gefunden hatten, ins undurchdringliche Bergland zwischen Llyllia und dem Ostreich geflohen. Inzwischen lebte er als Knappe bei Fürst Xandril, dem großen Heerführer, von dem alle voller Ehrfurcht sprachen. Damals hatte der Großmagier Bunduar, Rowans Großvater, ihnen durch den Elfenprinzen Sirii genaue Anweisungen gegeben. Mardok sollte Heerführung bei Xandril lernen, während Ottgar, von Rowan begleitet, ins Ostreich ziehen sollte, um die Beziehungen beider Länder zu vertiefen, vielleicht sogar neue Bündnisse zu schließen.
Bunduar vertraute sicher Rowans übersinnlichen Fähigkeiten, um Ottgar, König Wilhars Thronerben, zu schützen. Allerdings hockte Rowan in der Stube, studierte Bücher und lernte Rezepte auswendig, während Ottgar weiter zum Ritter ausgebildet wurde. Dabei wäre ihm Mardok, der Enkel des magianischen Waffenmeisters, ein besserer Gefährte gewesen.
Obwohl König Wilhar wünschte, dass auch Rowan eine Ausbildung zum Krieger erhielt, ließ sich der junge Magier immer seltener bei den Waffenübungen blicken. Er war viel zu beschäftigt, denn er versuchte, möglichst schnell voranzukommen.
Rowan beugte sich über die verschnörkelte Schrift und entzifferte sie mühsam. Die meisten Handschriften, die Wudon besaß, waren auf Ostianisch verfasst. Rowan beherrschte die Sprache, da seine Mutter Salawin sie ihm beigebracht hatte. Schließlich stammte die Großmutter aus dem Ostland. Ebenso wurde am Hofe von König Wilhar Ostianisch gesprochen, da die Königin eine Prinzessin aus dem Ostreich war.
Doch die alten Texte wiesen nur wenig Ähnlichkeit mit der am Königshof angewandten Sprache auf. Zudem hatte Rowan Probleme, die ungewohnten Buchstaben zu erkennen, so riet er mehr, als er es las.
Sein Bauch knurrte vernehmlich.
„Geh erst einmal essen“, sagte Wudon. „Wenn du Hunger hast, denkst du nur ans Tafeln.“ Er grinste Rowan an. „Halte jedoch Maß, ein voller Magen denkt nicht gern.“
Rowan nickte. Magier und Priester übten sich in Mäßigung. Er hatte noch keinen fülligen Vertreter von ihnen kennengelernt.

Im Kindle-Shop: Rowan - Verrat im Ostreich.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Aileen O'Grian auf ihrer Website.



7. Februar 2019

'Embargo: Krieg im Schatten' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
1997 - Charles Dixon ist Chef einer geheimen Einheit innerhalb der CIA, von deren Existenz nicht mal der CIA-Direktor weiß. Nach dem Muster eines Anschlages der CIA 1982 auf die sowjetischen Gasfelder in Sibirien, entwickelt Dixon einen Plan, die libyschen Ölquellen mit manipulierter Elektronik zu vernichten. Wenn die Wirtschaft zusammengebrochen ist, werden die Libyer Gaddafi stürzen. So die Überlegung.

Kurt Hoffmann vom BND soll den in Untersuchungshaft in Köln einsitzenden Harald Jasper mit besten Verbindungen zur libyschen Obrigkeit anwerben und nach Tripolis schicken. Dafür verspricht man Jasper die Freiheit. Für Jasper ein verlockendes Angebot, denn ihm drohen 15 Jahre Gefängnis wegen Bruchs des gegen Libyen verhängten UN-Embargos.

Leseprobe:
Langley 2002, Hauptquartier der CIA
Charles Dixon betrachtete fasziniert die Satellitenaufnahmen. Wenn es stimmte, was er hinter den Aufnahmen vermutete, dann hatte er die Lösung für sein Problem gefunden. Die Aufnahmen zeigten eine gewaltige Explosion und er verstand, weshalb nicht eingeweihte Kreise innerhalb der CIA und in Washington anfangs vermuteten, die Sowjets hätten in Sibirien eine neuartige Waffe getestet. Im Sommer 1982 blähte sich der Kalte Krieg wie zu einer bevorstehenden Apokalypse auf. Eine neuartige Waffe, das war glaubwürdig. Nur die ambossförmige Form fehlte, und es wäre die perfekte Explosion einer 3kt TNT Atombombe gewesen, fotografiert von einem Satelliten aus dem Weltraum. Auf den Bildern sah man die parallel angeordneten Pipelines direkt vor der Explosion, auf weiteren Bildern, wie sie von der Wucht einer Explosion zerrissen und empor geschleudert wurden. Es folgten Aufnahmen der Trümmerfelder Stunden später. Wie umgeknickte halb abgebrannte Streichhölzer ragten die deformierten Gasleitungen in die Luft. Die Zerstörungen erstreckten sich über mehrere Quadratkilometer. Die Satellitenaufnahmen der folgenden Monate zeigten, dass die Fördereinrichtungen über lange Zeit nicht in Betrieb genommen werden konnten. Nicht einmal Reparaturtrupps waren auszumachen. Es schien, als hätten die Sowjets die Gasfelder in Sibirien aufgegeben. Charlie Dixon blätterte in den Unterlagen und fand die Kostenaufstellung der damaligen Operation. Die Beträge waren lächerlich gering, und er vermutete hinter den Zahlen anfangs die Spesenabrechnungen der Agenten.
Die westlichen Medien berichteten vom Einschlag eines Objektes aus dem Weltraum. Von Aliens aus einer fernen Galaxie war die Rede und ein Vorfall vom Beginn des Jahrhunderts wurde zitiert. Man musste den Journalisten zugutehalten, dass sie es nicht besser wissen konnten. Der Vergleich drängte sich auf, die Augenzeugenberichte von 1908 ähnelten auf frappierende Weise der Explosion 1982. Damals hatte die Explosion allerdings erwiesenermaßen eine natürliche Ursache – einen Asteroiden-Einschlag in der Gegend von Tunguska. Man sprach auch vom Tunguska-Asteroiden. Die Experten konnten sich lediglich nicht einigen, ob ein oder mehrere Himmelskörper in Sibirien eingeschlagen waren. Es könnte ein Komet gewesen sein, hieß es, von einem Feuerschweif berichtete man. Hinzu kam, dass Wissenschaftler bei Tiefbohrungen keine Fragmente des Himmelskörpers gefunden hatte. Es konnte sich nur um eine Explosion wenige Meter über dem Erdboden gehandelt haben und die enorme Hitze hatte das Material zerstrahlt – was auf einen Kometen hindeutete. Stoff für Verschwörungstheoretiker. Augenzeugen berichteten von bis zu vierzehn Explosionen. Fest stand nur Zeitpunkt und Ort. Der unheimliche Himmelskörper aus dem Weltraum schlug am 30. Juni 1908 gegen 7:15 Uhr im sibirischen Gouvernement Jenisseisk ein, der heutigen Region Krasnojarsk in der Nähe des Flusses Podkamennaja Tunguska. Das war das Siedlungsgebiet der Ewenken, eine Volksgruppe aus dem nördlichen Sibirien. Bei dem Einschlag und der folgenden Druckwelle wurden Bäume im Umkreis von etwa 30 Kilometer entwurzelt oder umgeknickt, Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara zerbarsten. Fachleute schätzten, dass auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern 60 Millionen Bäume umgeknickt wurden. Den hellen Feuerschein hatte man in über 500 Kilometern Entfernung wahrgenommen, Reisende der Transsibirischen Eisenbahn hatten die Druckwelle gespürt.
Charlie Dixon nahm ein Blatt Papier und schrieb ein paar Zahlen auf, eine grobe Kostenaufstellung. Manpower, Material, Verbindungsleute zu Partnerdiensten, NN – Nützliche Nebenabgaben, besser gesagt Schmiergelder.
Er addierte die Beträge. Unmöglich. Dafür würde er niemals eine Genehmigung bekommen. Nicht, weil der Betrag zu hoch war, im Gegenteil. Das kaufte ihm die obere Etage niemals als ernst zunehmende CIA-Geheimoperation ab, das waren die Kosten für den Wochenendausflug einer Pfadfindergruppe. Zumindest, wenn man die Kosten der üblichen CIA-Operationen zum Vergleich heranzog. Er malte sorgfältig hinter jede Position eine Null, addierte erneut, wusste es vorher. Faktor zehn – immer noch viel zu wenig. Er malte hinter jede Position eine weitere Null.
Sollte es wirklich so einfach sein? Unruhe erfasste ihn. Mit so einer Operation legten sie die Öl und Gasförderung eines ganzen Landes innerhalb von Minuten lahm, und das so gründlich, dass über Monate, vielleicht Jahre, nicht mehr gefördert werden konnte.
Mit leisem Schmunzeln dachte er an den Mann, der 1982 im Weißen Haus die Operation im fernen Sibirien abgesegnet hatte. Als er ins Amt kam, sprach man herablassend von einem zweitklassigen Schauspieler und einem liebenswerten Hohlkopf, der sich auf den Präsidentenstuhl verirrt hätte. Als er aus dem Amt schied, waren sich alle einig, selbst seine schärfsten Kritiker, dass der Mann zehnmal schneller dachte, als seine engsten Berater. Auf ihn ist die Methode zurückzuführen, der man den Code-Namen gab – Reagan-Methode.
Drei A4-Seiten. Er las es wieder und wieder, aber es war so, damit war alles gesagt. Wenn er dafür das OK von oben bekam, dann war das der krönende Abschluss seiner Laufbahn. Eher Rutschpartie, nicht Laufbahn. Das würde ihn auf die Ahnentafel der CIA befördern.

Im Kindle-Shop: Embargo: Krieg im Schatten.
Mehr über und von D.W. Crusius auf seiner Website.



'Wenn Katzen Einkaufszettel schreiben' von Flynn Todd

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Wenn Katzen Einkaufszettel schreiben - der Titel dieses Buches steht für die hingebungsvolle Liebe und Anpassung, die wir Menschen für diese sensiblen Samtpfoten leidenschaftlich aufbringen. Wenn wir uns von unseren geliebten Fellnasen unterschwellige Anweisungen geben lassen, tun wir das mit aller höchster Begeisterung.

Begleiten Sie Flynn Todd bei seinen Begegnungen mit obdachlosen Katzen, die ein neues Zuhause finden, und werden Sie Zeuge, wie vier Samtpfoten die Herzen zweier Menschen erobern. Außerdem wird eine kleine Hundefamilie aus den Fängen eines fiesen Tierquälers befreit und dafür gesorgt, dass der niederträchtige Mann nie wieder einem Tier etwas zu Leide tun kann. Ein blutiger Rachefeldzug beginnt.

Leseprobe:
Nach meiner schweißtreibenden Arbeit an den ersten beiden Romanen über die Abenteuer der Blackfin Boys nahm ich mir vor, ein paar Wochen auszuspannen. Ich schrieb meinem Freund Derek in Los Angeles eine E-Mail und fragte ihn, ob ich mich für einen ganzen Monat bei ihm einquartieren dürfte.
Nach einer positiven Antwort packte ich einen Koffer, denn einer würde ganz sicher ausreichen. Im August ist die beste Kleidung in L.A. T-Shirt und kurze Hose. So wie bei den letzten Malen als ich Derek besuchte, würde ich mir vor Ort ein paar neue Klamotten zulegen - falls das nötig sein sollte. Derek ist dreißig Jahre jung, einmetersiebenundachtzig groß, hat sehr dunkle Haare, blaue Augen und ist dazu noch richtig gut durchtrainiert. Und er ist Schauspieler so wie fast jeder, der in Los Angeles lebt und arbeitet. Na ja, wahrscheinlich kommt es mir nur so vor, denn jeder den ich dort kenne, hat mit Film oder Fernsehen zu tun. Vor kurzem hat er eine Serie abgedreht, in der es um junge Werwölfe ging. Aber das ist eine andere Story.
Ich bin gern mit Derek zusammen. Ein netter Kerl, auf den man sich immer verlassen kann. Außerdem hat er einen herrlich trockenen Humor und ist für jede Schandtat zu haben. Obwohl wir uns erst seit vier Jahren kennen, habe ich das Gefühl, dass es schon weitaus mehr Jahre sind. Komischerweise inspiriert er mich. Ich denke, das ist eher ungewollt - nennen wir es einen positiven Nebeneffekt. Wenn ich mit ihm zusammen bin, kommen mir viele Ideen, die ich sofort alle hintereinander und völlig ungeordnet auf meinen kleinen Notizblock kritzele. Genau genommen ist es gar kein Notizblock, sondern fachmännisch ausgedrückt ein Reporterblock - so einen, wie auch Columbo ihn verwendete. Dazu ein Bleistift mit Härtegrad 4b - mehr ist nicht nötig, um Ideen und Eindrücke festzuhalten.

Der Abschied aus Deutschland fiel mir nicht besonders schwer. Das Wetter war kaputt, wie ich oft sagte, wenn mitten im Sommer nichts als graue Wolken am Himmel zu sehen waren. Das war Grund genug, um fast zwölf endlos lange Flugstunden zu ertragen. Ich wusste genau, dass mich gutes und stabiles Wetter erwarten würde. Immerhin war das die letzten Male immer so.
Und genau damit sollte ich Recht behalten. Derek holte mich freudestrahlend pünktlich am Flughafen ab. Zur Begrüßung drückten wir uns kurz und machten uns Komplimente.
"Du siehst gut aus!"
Mit dieser Aussage trafen wir ins Schwarze - denn wir sahen tatsächlich gut aus. Na ja, Derek mit seinem durchtrainierten Körper und seinem charmanten Lächeln - dazu noch mit dreißig in den allerbesten Jahren - sah zugegebenermaßen etwas sexyier aus als ich, mit meinen fünfundvierzig. Das hat sich bis heute nicht geändert, und das ist völlig ok.
Aufgeregt erzählte er mir, er hätte diese Woche ein Casting. Für eine Fernsehserie soll Derek in die Rolle eines Superhelden schlüpfen. Als ich ihn mir in einem rot-blau-gelben Kostüm mit Umhang vorstellte, war ich mir sicher, dass er die Rolle bekommen würde.
Vom Flughafen fuhren wir ungefähr dreißig Minuten, bis wir Dereks Haus erreichten. Ein wirklich nettes Haus auf einem Grundstück, welches zwar zentral zur City liegt, aber auf seine Weise auch irgendwie abgeschieden ist, doch durch die dicht bewachsene Botanik, die das ganze Grundstück umgab, nur schwer einsehbar. Das war auch ganz gut so. Bei meinem letzten Besuch gab es noch keinen Pool. Dieses kleine Manko hat er zwischenzeitlich behoben. Stolz präsentierte mir Derek seinen neuen Lieblingsplatz und verrückt wie er nun mal war, schmiss er mich in den neuen Pool und sprang umgehend hinterher. Meine Klamotten, insbesondere meine Turnschuhe, sogen sich in zwei Sekunden vollständig mit Poolwasser voll. Als ich gerade wieder auftauchte fragte Derek laut lachend:
"Und? Ist doch voll geil, oder?"
"Ich finde es leicht nass, aber sonst ganz gut. Hast du was zu trinken? Wasser oder so?", antwortete ich.
Nach dem unfreiwilligen, aber äußerst erfrischenden Bad zogen wir unsere Turnschuhe aus und ließen unsere Klamotten bei zweiunddreißig Grad Celsius lufttrocknen, während wir auf dem weiten Grundstück ein mal um das Haus gingen. Auf der Rückseite kamen uns zwei Katzen entgegen. Sie gingen an uns vorbei und taten so, als würden wir gar nicht existieren.

Im Kindle-Shop: Wenn Katzen Einkaufszettel schreiben.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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