28. Februar 2019

'Embargo: Krieg im Schatten' von D.W. Crusius

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
1997 - Charles Dixon ist Chef einer geheimen Einheit innerhalb der CIA, von deren Existenz nicht mal der CIA-Direktor weiß. Nach dem Muster eines Anschlages der CIA 1982 auf die sowjetischen Gasfelder in Sibirien, entwickelt Dixon einen Plan, die libyschen Ölquellen mit manipulierter Elektronik zu vernichten. Wenn die Wirtschaft zusammengebrochen ist, werden die Libyer Gaddafi stürzen. So die Überlegung.

Kurt Hoffmann vom BND soll den in Untersuchungshaft in Köln einsitzenden Harald Jasper mit besten Verbindungen zur libyschen Obrigkeit anwerben und nach Tripolis schicken. Dafür verspricht man Jasper die Freiheit. Für Jasper ein verlockendes Angebot, denn ihm drohen 15 Jahre Gefängnis wegen Bruchs des gegen Libyen verhängten UN-Embargos.

Leseprobe:
Langley 2002, Hauptquartier der CIA
Charles Dixon betrachtete fasziniert die Satellitenaufnahmen. Wenn es stimmte, was er hinter den Aufnahmen vermutete, dann hatte er die Lösung für sein Problem gefunden. Die Aufnahmen zeigten eine gewaltige Explosion und er verstand, weshalb nicht eingeweihte Kreise innerhalb der CIA und in Washington anfangs vermuteten, die Sowjets hätten in Sibirien eine neuartige Waffe getestet. Im Sommer 1982 blähte sich der Kalte Krieg wie zu einer bevorstehenden Apokalypse auf. Eine neuartige Waffe, das war glaubwürdig. Nur die ambossförmige Form fehlte, und es wäre die perfekte Explosion einer 3kt TNT Atombombe gewesen, fotografiert von einem Satelliten aus dem Weltraum. Auf den Bildern sah man die parallel angeordneten Pipelines direkt vor der Explosion, auf weiteren Bildern, wie sie von der Wucht einer Explosion zerrissen und empor geschleudert wurden. Es folgten Aufnahmen der Trümmerfelder Stunden später. Wie umgeknickte halb abgebrannte Streichhölzer ragten die deformierten Gasleitungen in die Luft. Die Zerstörungen erstreckten sich über mehrere Quadratkilometer. Die Satellitenaufnahmen der folgenden Monate zeigten, dass die Fördereinrichtungen über lange Zeit nicht in Betrieb genommen werden konnten. Nicht einmal Reparaturtrupps waren auszumachen. Es schien, als hätten die Sowjets die Gasfelder in Sibirien aufgegeben. Charlie Dixon blätterte in den Unterlagen und fand die Kostenaufstellung der damaligen Operation. Die Beträge waren lächerlich gering, und er vermutete hinter den Zahlen anfangs die Spesenabrechnungen der Agenten.
Die westlichen Medien berichteten vom Einschlag eines Objektes aus dem Weltraum. Von Aliens aus einer fernen Galaxie war die Rede und ein Vorfall vom Beginn des Jahrhunderts wurde zitiert. Man musste den Journalisten zugutehalten, dass sie es nicht besser wissen konnten. Der Vergleich drängte sich auf, die Augenzeugenberichte von 1908 ähnelten auf frappierende Weise der Explosion 1982. Damals hatte die Explosion allerdings erwiesenermaßen eine natürliche Ursache – einen Asteroiden-Einschlag in der Gegend von Tunguska. Man sprach auch vom Tunguska-Asteroiden. Die Experten konnten sich lediglich nicht einigen, ob ein oder mehrere Himmelskörper in Sibirien eingeschlagen waren. Es könnte ein Komet gewesen sein, hieß es, von einem Feuerschweif berichtete man. Hinzu kam, dass Wissenschaftler bei Tiefbohrungen keine Fragmente des Himmelskörpers gefunden hatte. Es konnte sich nur um eine Explosion wenige Meter über dem Erdboden gehandelt haben und die enorme Hitze hatte das Material zerstrahlt – was auf einen Kometen hindeutete. Stoff für Verschwörungstheoretiker. Augenzeugen berichteten von bis zu vierzehn Explosionen. Fest stand nur Zeitpunkt und Ort. Der unheimliche Himmelskörper aus dem Weltraum schlug am 30. Juni 1908 gegen 7:15 Uhr im sibirischen Gouvernement Jenisseisk ein, der heutigen Region Krasnojarsk in der Nähe des Flusses Podkamennaja Tunguska. Das war das Siedlungsgebiet der Ewenken, eine Volksgruppe aus dem nördlichen Sibirien. Bei dem Einschlag und der folgenden Druckwelle wurden Bäume im Umkreis von etwa 30 Kilometer entwurzelt oder umgeknickt, Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara zerbarsten. Fachleute schätzten, dass auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern 60 Millionen Bäume umgeknickt wurden. Den hellen Feuerschein hatte man in über 500 Kilometern Entfernung wahrgenommen, Reisende der Transsibirischen Eisenbahn hatten die Druckwelle gespürt.
Charlie Dixon nahm ein Blatt Papier und schrieb ein paar Zahlen auf, eine grobe Kostenaufstellung. Manpower, Material, Verbindungsleute zu Partnerdiensten, NN – Nützliche Nebenabgaben, besser gesagt Schmiergelder.
Er addierte die Beträge. Unmöglich. Dafür würde er niemals eine Genehmigung bekommen. Nicht, weil der Betrag zu hoch war, im Gegenteil. Das kaufte ihm die obere Etage niemals als ernst zunehmende CIA-Geheimoperation ab, das waren die Kosten für den Wochenendausflug einer Pfadfindergruppe. Zumindest, wenn man die Kosten der üblichen CIA-Operationen zum Vergleich heranzog. Er malte sorgfältig hinter jede Position eine Null, addierte erneut, wusste es vorher. Faktor zehn – immer noch viel zu wenig. Er malte hinter jede Position eine weitere Null.
Sollte es wirklich so einfach sein? Unruhe erfasste ihn. Mit so einer Operation legten sie die Öl und Gasförderung eines ganzen Landes innerhalb von Minuten lahm, und das so gründlich, dass über Monate, vielleicht Jahre, nicht mehr gefördert werden konnte.
Mit leisem Schmunzeln dachte er an den Mann, der 1982 im Weißen Haus die Operation im fernen Sibirien abgesegnet hatte. Als er ins Amt kam, sprach man herablassend von einem zweitklassigen Schauspieler und einem liebenswerten Hohlkopf, der sich auf den Präsidentenstuhl verirrt hätte. Als er aus dem Amt schied, waren sich alle einig, selbst seine schärfsten Kritiker, dass der Mann zehnmal schneller dachte, als seine engsten Berater. Auf ihn ist die Methode zurückzuführen, der man den Code-Namen gab – Reagan-Methode.
Drei A4-Seiten. Er las es wieder und wieder, aber es war so, damit war alles gesagt. Wenn er dafür das OK von oben bekam, dann war das der krönende Abschluss seiner Laufbahn. Eher Rutschpartie, nicht Laufbahn. Das würde ihn auf die Ahnentafel der CIA befördern.

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'Das WaLePro-Prinzip: wage lerne profitiere' von C. Philipp

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Durch mehrere Fehlentscheidungen und Rückschläge wurde ich des öfteren in meinem Leben weit zurückgeworfen. Also überlegte ich mir eine Lösung für meine Probleme.

Und jetzt möchte ich meine Erkenntnis mit dir teilen. Anhand von drei Phasen, führe ich dich durch dieses Buch. Außerdem habe ich am Ende noch 12 persönliche Ratschläge niedergeschrieben, um dir soviel wie möglich mit auf deinen erfolgreichen Weg zugeben.

Denn jeder kennt die folgende Situation: Wir probieren etwas Neues aus, scheitern daran und sind anschließend so frustriert, dass wir schließlich aufgeben. Genau hier setzt das WaLePro-Prinzip an.
Wage etwas, lerne daraus und profitiere aus dem gelernten!

Leseprobe:
WALEPRO = wage
Phase #1 wage es

So, dann wollen wir mal mit der ersten Phase beginnen. Wie in der Überschrift schon aufgeführt ist, steht „Wa“ in WaLePro für das Wort wage. Natürlich könnte man hierfür auch ein paar andere Synonyme, wie zum Beispiel probieren oder trauen, verwenden. Meiner Meinung nach war aber wage das Wort, das am besten passte. Was meine ich also genau mit wage? Der erste Schritt, um etwas zu erreichen, ist nun einmal das man etwas wagt. Seien es die ersten Gehversuche als Kind oder das Ansetzen zu einem Schuss beim Fußball. An erster Stelle steht immer der Wille, etwas zu erreichen. Bevor wir weitermachen, möchte ich ein weiteres Mal betonen, dass dieser Ratgeber nicht nur auf eine Idee, die man umsetzen möchte, zutrifft. Nein, dieser Ratgeber lässt sich auf jede Situation in deinem Leben anwenden!
Jetzt aber zurück zu Phase #1. Beispiel 1 Lass uns jetzt mal das erste Beispiel näher betrachten. Wir gehen davon aus, dass wir beide eine, in unseren Augen, unschlagbare Geschäftsidee für ein neues Business haben. Reden tun wir beide schon seit Monaten darüber. Wenn man es genau nimmt, wäre das dann Phase #0. Denn bevor man etwas wagen kann, muss man natürlich wissen, was man wagen will. In unserem Beispiel geht es um die Eröffnung eines neuen Geschäfts. Der eine oder andere fragt sich in so einer Situation, wem erzähle ich davon und von wem kann ich mir Ratschläge holen? Achtung! Auch wenn viele Leute behaupten, sie wären deine Freunde, sieht die Realität meistens leider ganz anders aus. Deswegen gilt: Überleg dir gut, wen du mit ins Boot holst und wen nicht. Du musst dir außerdem im Klaren darüber sein, dass falsche Freunde ein eventuelles Scheitern ausnutzen könnten, um einen Vorteil daraus zu erhalten. Oder, was meiner Meinung nach noch schlechter wäre, sie erzählen dir, dass deine Idee schlecht ist und du es lieber lassen solltest. Und dann starten sie genau das gleiche Projekt hinter deinem Rücken, da sie gemerkt haben, dass deine Idee perfekt ist. Noch einmal! Das kann passieren, muss es aber nicht! Vorsicht ist aber eben besser als Nachsicht.
Kommen wir zurück zu unserem Beispiel. Wir beide haben uns unsere Idee nun an mehreren Abenden bei Bier und Wein schön ausgemalt und sind vollkommen davon überzeugt. Um es genau zu sagen, sind wir beide der Meinung, dass uns nichts mehr aufhalten kann. Aber nun geht es für uns eigentlich erst richtig los. Wir müssen uns darüber einig werden, wie und wer was macht. Hier beginnen wir dann wirklich mit Phase #1. Bei einer Geschäftsidee zum Beispiel beginnt Phase #1 damit, das Geschäft beziehungsweise die Firma beim Amt anzumelden. Egal, ob erst einmal als Kleingewerbe oder gleich als GmbH. Denn alles, was davor passiert, gehört definitiv nicht dazu. Deshalb erreichen 99 Prozent meiner Ideen nicht einmal Phase #1, da ich sie mir nur im Kopf ausmale, aber nicht versuche, sie dann wirklich umzusetzen. Auch wenn man einen Plan für die Unternehmung ausarbeitet, zählt dies noch lange nicht zu Phase #1, denn diese beginnt wirklich erst mit der Umsetzung.
Beispiel 2 Wenden wir uns jetzt dem zweiten Beispiel zu, das wir in diesem Buch bearbeiten wollen. Hierbei geht es um das Kontaktieren einer anziehenden Person. Dabei ist es egal, welches Geschlecht diese Person hat. Viele Menschen haben das Problem, dass sie sich nicht trauen, diese eine Person anzusprechen, weil sie Angst vor den Konsequenzen oder der Reaktion haben. Dabei kommt wieder das alte Sprichwort „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ zum Tragen. Was soll denn schon groß passieren? Mehr als Nein sagen, kann sie nicht. Sie und die beziehen sich in diesem Fall auf die Person, egal ob männlich oder weiblich. Wie oft sitzt du vor dem Fernseher, dem Computer oder in einem Café und denkst dir „Verdammt, sieht die gut aus!“? Komm, ich gehe jetzt rüber und spreche sie an. Und dann? Tust du es doch nicht. Aber warum nicht? Verlieren kannst du normalerweise gar nichts, sondern eher nur gewinnen. Diese Momente, in denen du sie in deinem Kopf ansprichst, dir vorstellst, wie es abläuft oder was du sagst, gehören alle nicht in Phase #1, sondern, wie in unserem Beispiel zuvor, in die Phase #0.

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Für Tolino: Buch bei Thalia
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27. Februar 2019

'Adelsintrigen: Schicksalspfad des Tempelritters 2' von Olivièr Declear

Kindle unlimited | Taschenbuch
Köln Anno Domini 1235: Die Ländereien der verzweifelten Gräfin Ida von Zudendorp werden seit langem von schwarzgekleideten Reitern angegriffen. Sie und ihre Gefolgschaft ringen bereits mit dem Tode. In ihrer Not stehen nur noch der kampferfahrene Ritter Richard von Portus und der Orden der Tempelritter an ihrer Seite. Wer will der Gräfin schaden? Und warum?

Inmitten einer Welt voller Intrigen, adeliger Machtspiele und unzähliger Gefahren wollen die beiden die Wahrheit ergründen. Eine Reise beginnt, die sie unter größten Strapazen und unter Einsatz ihrer Leben sogar bis in das weitentfernte Rom führt.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ida und Richard auf ein Abenteuer und erleben Sie mit ihnen das Mittelalter in all seinen Facetten.

Adelsintrigen ist der zweite Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Leseprobe:
Fluch
Richard hörte das Peitschen der Zweige, spürte die Schläge durch das Polster seiner Rüstung. Der Weg vor ihm, ein wankendes Bild im ständigen Auf und Ab des wilden Ritts. Der dunkle Pfad des Waldweges nur schwach vom durchscheinenden Mondlicht erhellt. Die Last des ohnmächtigen Körpers vor ihm über dem Widerrist schien die vertraute Einheit zu seinem Tier genommen zu haben. Richard hielt sich kaum im Sattel, wenn sein Pferd über Hindernisse sprang, die er nicht im schwachen Licht erahnt hatte. Durch die dicke Polsterhaube unter seiner Kette vernahm er nur wenige Geräusche seiner Umgebung. Das Reiben und Schlagen der Kettenglieder übertönte beinahe die kräftigen Hufschläge seines Tieres. Bei dem hastigen Versuch, einem tiefhängenden Ast auszuweichen, spürte er, wie der vor ihm liegende Körper vom Pferd zu gleiten drohte. Mit einem raschen Griff erfasste er ihn und hielt ihn an seinem Platz. Es war mehr das Gefühl in seinem Bauch, das Trommelschlägen glich, weniger sein Gehör, das ihn spüren ließ, dass die Verfolger immer näher kamen. Wie feiner Sprühregen flog ihm der Speichel seines erschöpften Pferdes entgegen.
Richard trieb sein Tier, das an die Grenzen seiner Kraft gekommen war, immer aufs Neue an. Die wilde Jagd durfte nicht verloren werden. Sein Hengst fuhr mit dem Kopf herum, als könne er seinem Reiter damit zeigen, dass er diesen scharfen Ritt nicht mehr ertragen konnte. Aber Richard wusste, wie stark sein Pferd war. Seine ganze Hoffnung lag darin, dass die Pferde der Verfolger vor seinem Pferd zusammenbrechen würden. Er rief ihm zu: »Nur ein kurzes Stück, lass mich nicht im Stich!« Sein Pferd schien ihn verstanden zu haben. Nochmals beschleunigte es und flog mit seinem Herrn über den Weg.
Als sein Tier zu straucheln begann, wusste Richard, dass jetzt nur noch der Kampf blieb. Er ließ sein Pferd auslaufen und wandte sich den Verfolgern zu. Aber da war niemand. Er sah keine Reiter. Auch das Trommeln in seinem Bauch spürte er nicht mehr. Vorsichtig lenkte er sein Pferd zwischen die Büsche des Wegesrandes, um den Pfad aus dem Dickicht heraus zu beobachten. Kaum war er in seiner Deckung angekommen, spürte er erneut das Donnern der Hufen, noch bevor er sie hörte. Mehrere Reiter jagten in einer dichten Gruppe an ihm vorbei, ihre Schwerter erhoben. Richard klopfte den Hals seines Pferdes: »Das hast du gut gemacht, alter Freund.«
Kaum war er aus dem Sattel seines Tieres gestiegen, wandte sein Hengst den Kopf und stupste ihn mit seiner Nase, um die Belohnung für seinen treuen Dienst einzufordern. Richard schmunzelte und nahm ein Stück Rübe aus seiner Satteltasche. Mit flacher Hand hielt er es dem Freund hin. »Wenn wir in Sicherheit sind, sollst du besser belohnt werden. Du hast uns das Leben gerettet.«
Sein Blick fiel auf das Mädchen. Noch immer regte sich ihr Körper nicht. Richard nahm den ledernen Schlauch und goss ein wenig Wasser über ihren Kopf. Sie hob ihn erschrocken und sah ihn mit verängstigten Augen an. Richard legte einen Finger vor seinen Mund: »Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Wir sind fürs Erste in Sicherheit«, flüsterte er. Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an, aus denen die Furchtsamkeit noch nicht gewichen war. Stumm nickte sie und bemühte sich, vom Pferderücken zu gleiten. »Wie ist dein Name, Mädchen?« Leise antwortete sie: »Siena, edler Herr.« Richard betrachtete ihre schmutzige und zerlumpte Kleidung. »Warum haben diese Strauchdiebe dein Dorf überfallen?« Siena wusste auch nicht viel mehr, als er selbst beobachtet hatte. Sie war vom Lärm aus dem Haus gelockt worden und sah eine große Schar Reiter, die wahllos auf jeden einschlug, der ihren Weg kreuzte. Als sie fliehen wollte, spürte sie einen heftigen Schlag, der sie zu Boden stürzen ließ. Mehr konnte auch sie nicht sagen. Auch hatte sie keinen der Reiter erkannt. Richard erzählte ihr: »Wir sahen, wie du von einem Pferd zu Boden gestoßen wurdest. Aber es traf dich kein Huf. Der Schreck nahm dir die Sinne.« Siena sah ihn fragend an. »Ich sah Euch mit Euren Begleitern. Wo sind sie?« Richard schüttelte traurig das Haupt. »Für einfaches Diebesvolk kämpften diese Reiter zu gekonnt. Nur mir ist die Flucht gelungen.« Dann schwieg er, während er in seiner Erinnerung einen Anhaltspunkt suchte, wer für diesen Angriff verantwortlich gewesen sein könnte. Aber er fand nichts, was die Angreifer verraten hätte. »Wir waren auf dem Weg zu der Herrin deines Ortes. Du wirst mich erst einmal dorthin begleiten.« Als sie aufbegehren wollte, sagte er mit strengerer Stimme als gewollt: »Du wirst gehorchen und folgen, wie man es dir heißt. Hast du mich verstanden?« Als sie mit widerwilligem Blick nickte, setzte er milder hinzu: »Die Herrin wird dich sicherlich bald zu deinen Leuten schicken.«
Richard las in ihrem Gesicht, dass diese Hoffnung nur ein schwacher Trost für das Mädchen war. Er konnte verstehen, dass sie sich sorgte und schnell zurückkehren wollte. In diesem Moment galt es jedoch, erst einmal zu erfahren, woher der Angriff gekommen sein könnte und wie zu handeln sei. Der Ritter legte seinen Umhang ab und gab dem Bauernmädchen den Befehl, sich einen Schlafplatz zu suchen. Mit einem freundlichen Lächeln reichte er ihr den Mantel als Decke. Nachdenklich blickend versorgte er sein Pferd, so gut es an diesem Ort möglich war. Der Weg war zu gefährlich und es war zwecklos, in der Nacht durch den Wald zu streifen. Daher entschloss er sich, auf das Licht des beginnenden Tages warten. Mit finsterem Blick beobachtet er die Nacht, während er an den Stamm eines Baumes kauerte. Seine Sinne achteten auf jedes Geräusch des Waldes. Aber die Reiter schienen die Suche aufgegeben zu haben. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden nur manchmal von dem leisen Schluchzen des Mädchens gestört.
Als er die Magd bei dem ersten Licht wecken wollte, fand er sie bereits wach. Er betrachtete ihre geröteten Augen und die Sorge in ihrem Gesicht. Ob sie überhaupt Schlaf gefunden hatte? Zu gern hätte er ihr tröstende Worte geschenkt. Aber er durfte sich dem Gesinde nicht offenbaren, als wären sie seinesgleichen. Richard brachte ihr Trockenfleisch und reichte ihr den Lederschlauch mit Wasser. Misstrauisch schnupperte Siena an dem Lederschlauch; »Ich soll kein Wasser trinken. Es macht krank.« Richard lachte leise; »Dieses kannst du trinken, es stammt aus meinem Brunnen und ist feinstes Quellwasser. Trink nur, Kind. Wir müssen bald aufbrechen.«
Obwohl er sicher war, dass die Reiter ihnen jetzt nicht mehr auf diesem Pfad entgegenkommen würden, zog er das Kettengeflecht mit der Haube in den Nacken und lauschte aufmerksam nach möglichem Hufschlag. Die Spuren, welche die schweren Pferde auf dem Weg hinterlassen hatten, ließen ihn erkennen, in welcher Eile sie unterwegs gewesen waren. Abrupt endete ihre Spur, als hätten sich die Reiter in Luft aufgelöst. Verwundert hielt Richard an. Er blickte sich um und suchte nach Zeichen, die ihren weiteren Weg verraten könnten. Aber da war nichts. Kein gebrochener Zweig. Keine Spur in den Wald hinein. Wo waren sie geblieben? Vor ihnen lag ein jungfräulicher Weg, auf dem kein Grashalm gebogen war. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg mit Siena fort.
Gegen Mitte des Tages erreichten sie die Ebene, auf der sich die Befestigung befand. Schon von Weitem sah er den Turmhügel aufragen. Die kleine Ansiedlung unter dem Turm war von einem gefluteten Graben umgeben. Diese Ansiedlung erschien jämmerlich gegen die prächtigen und trutzigen Burgen der höheren Lagen. Aber wo es keinen Steinbruch gab, mussten Gräben und Holz als Schutz gegen Diebe reichen. Als sie die Ansiedlung betraten, betrachtete er die arg verfallen Gebäude. Er war vor Jahren das letzte Mal zu Gast. Damals lebte der Herr des Gebietes noch. Der Graf von Zudendorp war ein ewig unzufriedener Mann, mit dem es häufig Grenzstreitigkeiten zu schlichten galt. Sein Herr, der alte Bischof zu Coeln, ließ ihm kaum mehr, als er zum Leben brauchte. Auch unter dem neuen Herrn war es nicht besser geworden. Seit dem der Bau des neuen Domes beschlossen worden war, presste die Kirche ihre Vasallen bis zum Blute.
Am Wohnturm verlangte er, die Gräfin zu sprechen. Es dauerte eine Weile, bis man ihn vorsprechen ließ. Die Gräfin war ebenso verfallen wie ihre Heimstatt. Tiefe Ringe lagen um ihre Augen. Zahlreiche Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben. Richard war erschrocken, wie sich diese einstmals hübsche Frau verändert hatte. »Nun, Graf Richard. Wenn ich mich recht entsinne, seid Ihr selten ein Mann, der frohe Botschaft bringt«, empfing sie ihn kühl. Er verbeugte sich leicht und sah sie einen Moment schweigend an. Dann erwiderte er: »So wird mir wohl weiterhin der Ruf als Bote schlechter Nachrichten bleiben.« Die Gräfin schwankte leicht, während ihre Hand Halt an der Lehne eines Stuhles suchte. »Dann heraus mit Eurer Botschaft. Schlimmer als es ist, kann es ohnehin nicht mehr werden.«
Die Frau tat ihm leid, aber es half nichts, er musste die Nachricht überbringen. »Euer Besitz, eine halbe Tagesreise von hier, wurde überfallen.« Die Gräfin sank kraftlos und bleich auf den Stuhl. Stumm, fast anklagend sah sie Richard an. »Ich weiß nicht mehr über den Umstand, als dass ich meine Begleiter dabei verloren habe und selbst kaum mit dem Leben davongekommen bin. Aber ich habe Euch ein Mädchen des Ortes mitgebracht, die den Überfall überstanden hat.« Dabei griff er hinter sich und führte die hinter ihm stehende Siena nach vorne. Ungelenk verbeugte sich das Bauernmädchen vor seiner Herrin.

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26. Februar 2019

'Blutparadies' von Claus Hammering

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Eine traumhaft schöne Insel inmitten der Karibik.

Für die Gäste des neu eröffneten Luxushotels sollen es die schönsten Tage des Jahres werden. Doch schnell wird aus der Idylle ein kollektiver Albtraum. Es scheint, als wären die Urlauber nicht allein auf der Insel ...

Leseprobe:
In all seinen Berufsjahren hat Luis Ortega so etwas noch nicht erlebt. Sicher, er ist zuweilen Gast in einigen durchaus fragwürdigen Etablissements und dort auch Zeuge von ein paar unschönen Auseinandersetzungen gewesen. Zähne sind herausgeschlagen und Blut ist vergossen worden, doch noch nie ist jemand zu Tode gekommen. Und schon gar nicht in einem der Sternehotels, die er in den letzten Jahren angeflogen hat. Die ganze Situation ist heikel. Durch den Job hat er eine gewisse Erfahrung mit amerikanischen und europäischen Touristen. Die lassen sich ziemlich schnell aus der Ruhe bringen, und so, wie die Dinge momentan liegen, wird es nicht mehr lange dauern, bis sämtliche Gäste des Martola Bay View auf dem Zahnfleisch gehen. Ihm bleibt nur ein kleines Zeitfenster, die Angelegenheit zu regeln, bevor ein Aufstand losbrechen wird. Zwar geht ihn das im Grunde genommen überhaupt nichts an, schließlich ist er ja nur der Pilot, doch fühlt er sich in gewisser Weise verantwortlich. Immerhin ist er in den letzten Wochen und Monaten so etwas wie Belchilds rechte Hand geworden, wenn auch unfreiwillig. Sie haben manches gemeinsam bewältigt, und nun fühlt er sich verpflichtet, diese Situation ordentlich abzuwickeln. Allerdings hat er keineswegs vor, die Insel auf direktem Wege zu verlassen, so wie er es den Urlaubern zugesichert hat. Luis hat sich bloß etwas Zeit verschaffen wollen, um zuallererst noch eine andere Sache zu erledigen. Außerdem muss er die Insel überhaupt nicht verlassen, um Hilfe zu holen. Er wird das Funkgerät benutzen. So einfach ist das. Er kann auch das Gerät an Bord seines Fliegers nehmen, doch dazu müsste er erst wieder ganz runter zum Strand laufen. Stattdessen führt ihn sein Weg direkt in den Ostflügel des Hotels, wo laut Clara Weinert der tote Hotelmanager liegt.
Ortega achtet darauf, niemandem über den Weg zu laufen, um keine lästigen Fragen beantworten zu müssen, als er den Hof quert. In der Ferne ist das gleichmäßige Brummen der Umwälzanlage zu hören, die beide Pools mit gechlortem Wasser versorgt. Ansonsten ist es still. Anscheinend sind alle auf ihren Zimmern. Gut so, denn so haben sie es besprochen.
Im ersten Stock angekommen, späht Luis rasch um die Ecke, bevor er seinen Weg fortsetzt. Niemand ist zu sehen, dafür markiert ein regelmäßiges »Pling« sein Ziel am Ende des Ganges. Eilig bringt er die kurze Strecke hinter sich und tritt, ohne zu zögern, in die rechteckige Kabine.
Zimperlich ist Luis nie gewesen. Zwar hat bisher noch niemand direkt vor seinen Augen den Löffel abgeben, doch hat er in seiner Zeit auf den Atollen schon ein paar Leichen zu Gesicht bekommen. Alle paar Jahre gibt es einen Tauchunfall oder jemand trinkt zu viel und landet kopfüber ihm Pool oder fällt von einer Klippe. Touristen sind einfach nicht für die Natur gemacht.
Als sein Blick auf das wächserne Gesicht Ethan Belchilds fällt, muss Luis dennoch kurz innehalten. Es ist etwas anderes, wenn man den Toten persönlich gekannt hat. Etwas völlig anderes. Er presst die Lippen fest aufeinander und nimmt seinen Hut ab. Einige Sekunden bleibt er so stehen. Er findet, dass sich das so gehört. Immerhin ist der Mann ihm fast schon so etwas wie ein Freund geworden. Sie haben sich oft unterhalten, auch über Dinge, die nichts mit dem Hotel zu tun hatten. Luis weiß, dass Ethan Belchild sein Herz an dieses Projekt gehängt hat. Für ihn ist es ein Privileg gewesen, hier zu arbeiten. Und nun hat er dafür mit dem Leben bezahlt.

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25. Februar 2019

'Die Vigilanten: Solijon II' von Giuseppe Alfé

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Am Anfang läuft alles gut …

… für Captain Miles und die Crew der Sernia Black. Doch nach dem Angriff der Glooms, einer unbekannten Alien-Spezies, driftet das schwarze Kriegsschiff angeschlagen durchs All. Seit dem Kampf ist der Captain nebst einiger anderer Soldaten verschollen. Seine Stellvertreter suchen fieberhaft nach ihnen und hadern gleichzeitig damit, was sie als nächstes tun sollen. Die Gruppe der Abtrünnigen um den alten Raumfahrer Ulysses Magnus sind nach wie vor Gefangene der Sernia-Crew.

Nur ihrem jüngsten Mitglied, dem eigenartigen Jungen namens Solijon, gelang es, die Glooms fortzulocken und in die Verbotene Zone zu fliehen. Dabei scheint ausgerechnet er in seiner nebulösen Vergangenheit bereits in Kontakt mit den Glooms gestanden zu haben. Alles spricht dafür, dass nur Solijon das Rätsel lösen kann, wo der außerirdische Feind herkommt und was er als nächstes beabsichtigt. In der Hoffnung, den Jungen aufzuspüren, wagen die unfreiwilligen Helden um Captain Miles und Ulysses die gefährliche Reise in die sagenumwobene Verbotene Zone. Sie ahnen nicht, welchen Gefahren sie entgegenfliegen …

Weitere Bücher von Giuseppe Alfé auf seiner Autorenseite.

Leseprobe:
»Das Hexagon wird brennen!«
Unaufhörlich hämmerte dieser Ruf in Ronas Gedankengängen. Er wirkte derart eindringlich auf ihr Gemüt ein, dass Rona nicht eine Sekunde am Wahrheitsgehalt dieses Satzes zweifelte. Und doch blieb er aus vielerlei Gründen rätselhaft. Zunächst einmal saß sie mit Polianna, ihrer Adoptivmutter, in der Arrestzelle eines Raumschiffs der Astroflotte fest, abgeschirmt von allen möglichen Ereignissen und ohne Zugriff auf Neuigkeiten, die sich bereits ereignet haben mochten. Außerdem weilten sie fernab des Hexagon-Territoriums, sofern man den letzten Aussagen des Schiffskommandanten namens Captain Miles trauen konnte.
Als nächstes Ziel war von der Verbotenen Zone die Rede gewesen; ein gefährlicher Ort, weitab von den Hexagon-Gebieten. Das Mädchen hatte gemeinsam mit Polianna, ihrem Adoptivvater Brent und ihren neuen Freunden, Ulysses und Victor, ebenfalls die Absicht verfolgt, die Zone anzusteuern. Der tollkühne Plan der Raumfahrer war allerdings in dem Moment zunichte gemacht worden, als Captain Miles und seine Crew sie allesamt abgefangen hatte.
So, wie Polianna über den Kommandanten und die anderen Leute auf diesem Schiff sprach, bestand immerhin die vage Hoffnung, dass sie schon bald wieder freigelassen wurden. Viel hing jedoch davon ab, ob Ulysses oder auch Brent das Vertrauen von Captain Miles gewinnen konnten.
Das war alles, was Rona mit ihren elf Jahren halbwegs verinnerlicht hatte. All das erklärte nicht die wiederkehrenden Visionen, die den unheimlichen Satz begleiteten, der in ihrem Kopf wiederhallte:
»Das Hexagon wird brennen!«
Bei diesen Worten erstreckten sich verschiedene Traumgebilde vor Ronas geistigem Auge: Explodierende Raumstationen im Orbit leuchtender Planetenoberflächen, und im Vakuum hilflos dahintreibende Menschen in silbernen Raumanzügen. Sie sah violette Blitze, die jede Szenerie dominierten, die sich im Kopf des Mädchens abspielte. Rona hörte Schreie, tausendfach ausgestoßen von Frauen und Männern aller Spezies, die das Hexagon bevölkerten. Schwarze, nicht näher definierbare Ungetüme stürmten durch zertrümmerte Städte, eingehüllt in schwarzem Rauch. Detonationen zerrissen die Luft und ließen die mit Schutt übersäten Straßen erbeben.
Tiefgehender Schmerz, erdrückende Trauer und lähmende Angst ergriffen von Rona Besitz und ließen sie erst wieder los, wenn sie aus diesen Alpträumen erwachte. Jedes Mal hatte sie Polianna damit zu Tode erschreckt. Sobald Rona ihrer Adoptivmutter im schweißgebadeten Zustand berichtete, was sie gesehen hatte, erntete sie besorgte, aber keineswegs skeptische Blicke. Polianna hatte schon lange davon gesprochen, dass ihre Ziehtochter über wunderliche Gaben verfügte, die alles Natürliche überstiegen. Oft hatte Polianna die Begriffe „Präkognition“ und „Telepathie“ verwendet. Rona konnte nur wenig mit diesen Begriffen anfangen, aber ihr war dabei nie wohl zumute. Diese Gabe war keine leichte Bürde. Alles, was Rona wollte, war die Gewissheit, dass es Polianna und Brent gut ging und dass sie eines Tages einen Ort finden würden, an dem sie in Frieden leben konnten. Doch momentan ging diese Aussicht gegen null.
»Das Hexagon wird brennen!«
Der Satz ließ Rona nicht los. Handelte es sich dabei um eine Warnung, ein noch einzutretendes Ereignis oder um eine bereits ablaufende Katastrophe, von der an Bord des Kriegsschiffes noch niemand etwas ahnte? Als war die Aussicht auf diese Vision nicht schon schlimm genug, verpasste der Klang der Stimme, die diese unheilvollen Worte verkündete, Rona den Rest. Die Stimme war tief, schneidend kalt und klang irgendwie – unmenschlich.
Sie konnte es nicht treffender beschreiben, so oft Polianna auch nachhakte. »Was bedeutet das, unmenschlich? Klang sie hart und gefühllos?«
Rona musste den Kopf schütteln, wie so oft zuvor. »Nein, nein. Die Stimme gehört zu keinem Menschen. Eher einer Maschine.«
Auch ganz ohne ihre mentalen Fähigkeiten hätte Rona die Furcht registriert, die diese Bemerkung bei Polianna auslöste. Da war ein Wissen verborgen, tief in den dunklen Augen ihrer Adoptivmutter. Noch ruhte es in einer schattigen Grube, unberührt und unsichtbar. Doch allmählich kam das Wissen zutage, begleitet von einem weiteren Spruch, der in Ronas Visionen auftauchte: »Das Monstrum ist begraben. Aber noch ist es nicht tot.«
Das begrabene Ungeheuer und die Sechs Welten in Flammen.
Das brennende Hexagon und das begrabene Monstrum.
Da waren noch andere Visionen. Nur fragmentarische Bilder, die Rona inhaltlich noch nicht recht zusammenfügen konnte. Wie jenen gespenstisch aussehenden, schwarzen Mond, der vor ihr endlos hoch aufragte und sie erzittern ließ. Oder die grellgelbe, felsige Planetenoberfläche unter wirbelnden Staubwolken, regelmäßig von Säure-Regen heimgesucht. Sie sah deformierte, finstere Gestalten, die nur Morden und Rauben im Sinn hatten. Eine Kreatur, nein eine Echse auf zwei Beinen, die einer zarten, menschlichen Hand ihre Pranke reichte.
Es blieben nur rudimentäre Einblicke in eine Realität, die womöglich noch in der Zukunft lag. Was auch immer kommen mochte, in ihrem Umfeld würden viele ein schmerzvolles Opfer bringen müssen. Dies war eine unumstößliche Gewissheit. Rona bekam bei diesem Gedanken Bauchschmerzen.
Bisweilen erblickte sie ein Abbild ihrer selbst; ein weiteres Rätsel. Sie wirkte älter als heute, war leichenblass und trug ein zerfetztes Gewand. Sie stand nahe bei einer ausgewachsenen Trauerweide. Zu ihrem Erstaunen erkannte sie darin die Weide, die sie im vergangenen März auf der Insel Almaranah anlässlich ihres elften Geburtstags selbst gepflanzt hatte. Eine Böe, die vom offenen Meer her wehte, fuhr durch umliegende Büsche und die Baumkrone der Weide. Merkwürdigerweise zerzauste sie nicht Ronas lange Mähne. Auf diesen Traum folgte stets ein tiefer, rasanter Sturz, obschon sie an einem flachen Ufer stand. Über ihr erblickte sie die schlaff herabhängenden Äste der Weide. Langsam versank Rona unter den Wurzeln des Baums, immer tiefer abwärts. Lockere Erde, wie eben erst aufgeschüttet, rieselte auf sie herab. Sie drohte zu ersticken. Welch‘ ein grausiger Alptraum.
Es fiel Rona schwer, diese düsteren Eingebungen wieder abzuschütteln. Sie versuchte es mit einem Mantra der markkisianischen Schamanen, die sie während ihres Aufenthaltes auf Markkis I auswendig gelernt hatte: »Wie tief die Furcht auch sein mag, wie schwer das Unheil auch droht, wie tödlich der Schrecken auch erscheinen mag – alles ist im Wandel, alles vergeht. Nichts ist so stark wie die beiden ewig größten Krieger: Gleichmut und Zeit.«
Das Mantra half ein wenig, nahm den Visionen ein Stück weit ihren Schrecken. Das eine oder andere Traumgebilde mochte nicht mehr als ein Hirngespinst sein. Rona wünschte jedoch, dass sie hinter das Geheimnis gekommen wäre, das insbesondere in dem Spruch vom brennenden Hexagon verborgen lag. Was ging im Hexagon vor sich? Wer würde das Feuer legen? Drohte ein Krieg unter den Sechs Welten? Und was das Ungeheuer, das Monstrum anging: Wer war damit gemeint? Klar, im bekannten Universum existierten genügend böse Kreaturen und finstere Mächte, die in Frage kommen konnten: Die kriegswütigen Kertekk auf Markkis I oder die kriminelle Brut in den Gefängnis-Schluchten von Douis. Nicht zu vergessen der unbekannte Feind, den Captain Miles und seine Leute jagten. All das konnte Rona akzeptieren. Sie wollte nur nicht wahrhaben, dass die finsteren Anspielungen womöglich auf jemand ganz anderen gemünzt waren. Jemand, der immer noch voller Rätsel steckte. Jemand, der bislang zwar als Freund aufgetreten, nun jedoch wieder unter Verdacht geraten war. Jemand, der ohne große Erklärungen an Bord eines Roamers ganz alleine in die roten Nebelfelder der Verbotenen Zone geflüchtet war: Der Transhumane, der wunderliche Junge namens Solijon.

Im Kindle-Shop: Die Vigilanten: Solijon II (Solijon-Zyklus 2).
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Giuseppe Alfé auf seiner Website.



22. Februar 2019

'Unvollendet' von Christine Jaeggi

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Über den Traum von Hollywood, die Vergangenheit einer Schauspielerin und ein dunkles Familiengeheimnis

Die 29-jährige Grace träumt von ihrem Durchbruch als Filmschauspielerin. Bisher stand sie jedoch stets im Schatten ihrer verstorbenen Großmutter, der Hollywood-Legende Hanna Miller. Nun scheint sich ihr Schicksal zu wenden: Hollywoods größter Filmproduzent hat herausgefunden, dass eine Fortsetzung des weltberühmten Romans Unvollendet existiert, mit dessen Verfilmung ihre Großmutter bekannt wurde.

Grace soll die Hauptrolle in dem neuen Film spielen, doch leider ist das Manuskript verschollen. Die junge Schauspielerin macht sich auf die Suche und reist nach Zürich, zu dem Hotel, in dem Hanna Miller während des 2. Weltkriegs lebte. Dort trifft sie auf den charmanten Benjamin, der ihr Herz höher schlagen lässt. Nach und nach kommt Grace jedoch nicht nur dem Geheimnis ihrer Großmutter, sondern auch dem von Benjamin auf die Spur.

Leseprobe:
Zürich
Samstag, 29. August 2015


Leonie, wo bist du?
Benjamin bemerkte, dass die Anwesenden allmählich unruhig wurden. Im Minutentakt drehten sie ihre Köpfe Richtung Tür, schauten auf die Uhr und wechselten fragende Blicke miteinander. Flüsterlaute gingen durch die Menge, Kinder zappelten auf den Bänken, ein Baby schrie. Selbst der Pfarrer wirkte nicht mehr so gelassen wie noch vor zwanzig Minuten und schob wiederholt das Rosengesteck auf dem Altar hin und her. Benjamin stand neben ihm und betrachtete das hochgewölbte, gotische Querschiff der Kirche, dessen Orgel wie eine Krone über dem Eingangsbereich thronte. Die Organistin wartete geduldig, bis sie Pachelbels Kanon in D-Dur zum Auftritt der Braut spielen konnte. Beim Eingang standen bereits zwei Fotografen, um die Szene mit ihren Kameras festzuhalten.
Alle waren bereit. Nur Leonie, die Braut, fehlte.
Zu Beginn hatte Benjamins Trauzeuge Mark noch Witze gerissen und ihn gefragt, was er machen würde, wenn Leonie nicht käme. Inzwischen hing er verzweifelt am Handy und versuchte seit Minuten vergeblich, Leonie und ihre Schwestern zu erreichen.
»Geht niemand ran«, zischte er ihm zu. »Wo sind die nur? Das Fotoshooting sollte längst vorbei sein.«
Benjamin nickte. Leonie hatte sich nach dem Friseurtermin zusammen mit ihrer Mutter und ihren Schwestern im Hotel fotografieren lassen, und um vierzehn Uhr wollten sie in der Kirche sein. Aber da Pünktlichkeit noch nie Leonies Stärke gewesen war, ließ sich Benjamin von der Unruhe der anderen nicht anstecken. Er fühlte sich ohnehin schon wie ein nervöses Wrack; sein Herz schlug von Minute zu Minute schneller, und seine Beine zitterten leicht. Dabei war er sonst nie aufgeregt, im Gegenteil. Seine Mitarbeiter im Hotel betonten stets, er sei die Ruhe in Person.
Er spähte wieder zur Eingangstür, die sich jeden Moment öffnen konnte. Leonie würde in Begleitung ihrer Mutter und Schwestern zum Altar schreiten, da ihr Vater nicht mehr lebte.
Was sie wohl für ein Kleid trägt?
Eigentlich spielte es keine Rolle. Mit ihrem dunkelbraunen Haar, der hellen Haut und den blauen Augen sah sie sowieso aus wie eine Prinzessin. Sein Schneewittchen.
Und er? Der Prinz? Er sah an sich herab: schwarzer Smoking, schwarze Fliege, weißes Hemd, cremefarbene Ansteckrose. Amüsiert dachte er an die Worte des Schneiders, als er damals den Stoff ausgesucht hatte. Der hatte gemeint, das Schwarz würde sein kastanienbraunes Haar und seine dunklen Augen besonders gut zur Geltung bringen. Wahrscheinlich sagte er das zu allen Kunden, unabhängig von deren Haar- und Augenfarbe.
Plötzlich fasste Mark ihn am Arm. »Vielleicht ist etwas passiert! Ein Autounfall!«
»Ach was, sie stecken vermutlich bloß im Verkehr fest. Du weißt ja, wie es an Samstagen in der Stadt ist.«
Mark ließ sich durch die Antwort nicht beruhigen und fuchtelte wild mit den Händen herum. Auf seiner Stirn hatten sich kleine Schweißperlen gebildet. »Aber sie hätten wenigstens mal anrufen können!«
Benjamin schmunzelte. Sollte der Trauzeuge nicht eigentlich Ruhe bewahren? »Sie werden bestimmt bald hier sein.«
Er ließ den Blick über die Menge schweifen; von seinen ehemaligen Studienfreunden bis hin zu Leonies dementem Großvater Oskar, der abwesend ins Leere starrte – alle waren hier. Knapp hundertsechzig Gäste. Kannten sie wirklich so viele Leute?
»Ben!«, rief seine Tante aus der vordersten Bankreihe und erhob sich. In ihrem pinken Etuikleid mit passendem Hütchen auf dem dunkel gefärbten Haar wirkte sie ein wenig verkleidet. »Was ist eigentlich los? Wo ist Leonie?«
Unzählige Augenpaare richteten sich jetzt auf ihn. Er hob bloß die Schultern und zog sein Handy hervor. »Ich rufe im Hotel an. Vielleicht wissen die mehr.«
Als sich auch nach mehrmaligem Klingeln niemand meldete, starrte er verwundert auf das Display, um sich zu vergewissern, dass er die richtige Nummer gewählt hatte. »Eigenartig. Im Hotel geht auch niemand ran.«
»Ben! Mara ruft zurück! Endlich!« Mark zeigte auf sein Handy, als wäre es aus Gold. »Hey Mara, hat Leonie etwa Panik bekommen und – …« Er verstummte plötzlich und hörte zu. Der amüsierte Ausdruck auf seinem Gesicht erstarb und er schloss die Augen.
»Was ist?« Benjamin schaute seinen Freund entgeistert an. In einem solchen Zustand hatte er ihn noch nie erlebt. »Ist etwas passiert? Komm, gib mir das Handy.« Ehe er nach dem Telefon griff, blickte er nochmals zur Kirchentür. Doch er ahnte, dass Leonie nicht mehr kommen würde.

Im Kindle-Shop: Unvollendet: Roman.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Christine Jaeggi auf ihrer Website.



21. Februar 2019

Andreas Kohn

Andreas Kohn wurde 1963 in Berlin geboren, ist selbständig und verheiratet. In seiner Jugendzeit schrieb er vor allem Kurzgeschichten für SF-Fanzines. Vor einigen Jahren hat er die Möglichkeit seine Geschichten im Eigenvertrieb herauszubringen für sich entdeckt.

Nach der »NEOCHRON-Trilogie« um einen Mann aus der Zukunft, der im Jahr 1929 den Nationalsozialismus verhindern hilft, und »ARBULON«, dem Wesen von einem fremden Stern, das ähnliches in der Gegenwart vollbringt, spielt die »Die Takatomo-Verschwörung« in einer beinahe perfekten Zukunft mit ein paar Schönheitsfehlern.

Sein bisher ambitioniertestes Projekt war eine auf sechs Bände angelegte SF-Serie mit Heftroman-Umfang und monatlicher Erscheinungsweise. »STERNENREICH - Rebellen des Imperiums« handelt von einer gemischten Gruppe gejagter Menschen und Fremdwesen, die einer Verschwörung fremder Mächte auf der Spur ist. Die Fortsetzung mit dem Titel »STERNENREICH – Die letzte Kaiserin« erschien im Dezember 2018.

Abweichend von der sonst üblichen SF-Thematik, hat Andreas Kohn im Januar 2018 »ZOMBIECAYLPSE« zu seinem Portfolio hinzugefügt. Zwei Fortsetzungen sind bereits erschienen und bestätigen das Interesse der Leserschaft.

Der erste Band der Reihe »GUS MASTERS« ist seit Mai 2018 verfügbar. Ein wilder Genre-Mix mit Western, Zombie-Horror, Mystery, Science Fiction und Thriller-Elementen. Weitere Bände stehen auf der "To Do"-Liste des Autors.

Weblink: andreaskohn-autor.de


Bücher im Buch-Sonar:




'GESETZ DER ANZIEHUNG: Wie Sie in Zukunft durch Visualisieren & Affirmationen mehr Glück, Gesundheit und Erfolg in Ihr Leben ziehen' von Jeremy S. Meyer

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
„Unser heutiges Leben spiegelt lediglich unsere Gedanken und Gefühle der Vergangenheit“

Ein altes Sprichwort sagt frei übersetzt:
Achte auf deine Gedanken denn sie werden zu deinen Gefühlen. Deine Gefühle bestimmen dann deine Handlungen und diese werden bei stetiger Wiederholung zu deinen Gewohnheiten. Also deinem Charakter. Daraus resultiert dein tägliches tun – DEIN SCHICKSAL.

Genau hier setzen wir an, in diesem Buch arbeiten wir gemeinsam mit dir an deiner Zukunft und lassen dieses alte Naturgesetz für dich wirken.

Leseprobe:
Das Gesetz der Anziehung – Wahrheit oder doch nur frei erfunden?

Folgende Inhalte erwarten dich in diesem praktischen Ratgeber:
- Das Gesetz der Anziehung – Ein Naturgesetz
- Wie funktioniert das Gesetz der Anziehung?
- Ziehen sich Gegensätze wirklich an?
- Das Gesetz der Anziehung in der Liebe
- Das Gesetz der Anziehung authentisch in das eigene Leben integrieren

Auch wenn der Physikunterricht in der Schule vielleicht nicht dein Ding war, kommst du um verschiedene Gesetzesmäßigkeiten nicht drum rum. So hast bestimmt auch du schon einmal vom Gesetz der Anziehung gehört. Dieses physikalische Naturgesetz, dessen Theorie schon viele Jahrhunderte alt ist, dient nicht selten als Motiv für verschiedene Filme oder bildet die Grundlage eines interessanten Buches. Aber auch im Alltag begegnet dir diese Gesetzmäßigkeit das eine oder andere Mal. So hast du bestimmt schon mal die Worte gehört: „Gegensätze ziehen sich an“. Doch ist das wirklich so? Dieser Frage soll unter anderem in diesem Ratgeber auf den Grund gegangen werden. Das Gesetz der Anziehung muss aber noch deutlich öfter herhalten. So beruft man sich auf dieses Gesetz, wenn etwas im Leben so richtig schief läuft, Es wird dann davon gesprochen, dass man negative Dinge anzieht, wenn es einem sowieso nicht gut geht. Geht es einem aber gut, dann zieht man die ganzen positiven Energien des Universums an. Auch hier greift es wieder, das Gesetz der Anziehung. In diesem Ebook soll erforscht werden, ob es dieses Gesetz jenseits der Physik wirklich gibt. Wie wirkt es sich zum Beispiel auf die Liebe aus und wie kann jeder authentisch und doch individuell davon profitieren, sind nur einige der Aspekte, die im Folgenden beleuchtet werden sollen.

Im Kindle-Shop: GESETZ DER ANZIEHUNG: Wie Sie in Zukunft durch Visualisieren & Affirmationen mehr Glück, Gesundheit und Erfolg in Ihr Leben ziehen - inkl. Praxistipps für jeden Tag.



20. Februar 2019

'Sukkubus: Dämonin der Lust' von Krystan Knight

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Nach ihrer Hochzeitsnacht erwacht die junge Cyris neben dem toten Sohn des Grafen. Sie wird in den Kerker geworfen und hat scheinbar jegliche Erinnerungen verloren. Doch Cyris ist weder unschuldig noch hilflos. Unter der Tortur der Folterknechte entwickelt sie ein unstillbares sexuelles Verlangen.

Schmerz und Leidenschaft sind für die rothaarige Schönheit untrennbar miteinander verbunden, während die Männer um sie herum in lüsternen Wahnsinn verfallen. Als ihr endlich die Flucht gelingt, sind nicht nur die Häscher des Grafen hinter ihr her. Hexenjäger haben die Verfolgung aufgenommen und der Inquisitor des Bischofs höchstpersönlich. Denn in Cyris schlummert das dämonische Erbe der Sukkubus und ihre Kräfte sind gerade erst dabei, sich zu entfalten ...

Leseprobe:
Ihr nackter Körper war schweißnass, als sie erwachte. Verwirrt sah sie sich um. Licht fiel durch ein großes Fenster, draußen schien die Sonne unangenehm hell. Sie zog die Beine an und versuchte, den gleißenden Strahlen zu entgehen, die über ihre Schenkel streiften. Da war Blut auf den durchwühlten Laken.
Instinktiv tastete sie sich ab und suchte nach einer Verletzung. Doch da war keine. Ihr Körper wirkte makellos.
»Wo bin ich?«
Immer noch verwirrt von dem so real wirkenden Albtraum schlüpfte sie aus dem Bett. An der Wand lehnte ein Silberspiegel. Sie betrachtete das Bild einer jungen Frau mit langen roten Haaren, die über ihre festen Brüste wallten. Ihr Spiegelbild wirkte fremd und falsch. Unsicher tastete sie danach.
»Bin ich das? Wer ...?«
Von draußen hörte sie Schritte. Hektisch griff sie nach einem weißen Kleid, das am Boden lag, und streifte es sich über. Der Stoff war eingerissen, aber es bedeckte ihre wohlgeformten Rundungen. Das Gewebe war fein, doch irgendetwas fühlte sich falsch an.
»Was tue ich hier? Wo bin ich?«
Sie wollte zum Fenster gehen, umrundete das Bett und zuckte erschrocken zusammen. Vor ihr lag ein nackter Mann, daneben ein zerbrochener Krug. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, nur seinen Rücken, auf dem blutige Kratzspuren prangten. War dies der Mann aus ihren Träumen?
Sie zögerte, kniete sich dann aber neben ihn. Ihre Finger berührten seine kalte Haut. Sie wusste, dass er tot war, noch bevor sie seinen Kopf zur Seite drehte und in seine leeren Augen starrte. Verstört taumelte sie zurück. Ihr Herz pochte wild, und sie rang nach Luft. Entfernt hörte sie einen hellen Schrei, bis sie begriff, dass es ihre eigene Stimme war. Alles schien so fremd und falsch.
Die Schritte kamen näher.

»Was ist hier passiert?«, rief plötzlich eine Männerstimme. »Mädchen, was hast du getan?«
Immer noch vom Schreck benommen, hockte sie neben dem Toten und starrte nun zu dem bewaffneten Mann an der Tür. Er war bereits im fortgeschrittenen Alter, sein Gesicht wirkte rau und sein Waffenrock zeigte eine in Gold gestickte Chimäre auf rotem Untergrund.
»Ich weiß nicht, was passiert ist«, stieß sie hervor. Tränen erstickten ihre Stimme. Sie wusste es wirklich nicht. Sie wusste nicht einmal, wer sie war, doch das verschwieg sie in diesem Moment.
»Was ist los?«, schrie eine andere Männerstimme durch die geöffnete Tür.
»Kommt herbei!«, brüllte der mit einem Schwert bewaffnete Krieger und kniete sich neben die Leiche. Seine Hand legte sich prüfend an die Kehle des leblosen Mannes. »Der Sohn des Grafen ist tot.«
Der Bewaffnete schaute entsetzt in die tränennassen Augen des Mädchens. »Beim ewigen Licht, was ist hier passiert? Was hast du getan, Cyris?«

Im Kindle-Shop: Sukkubus: Dämonin der Lust.
Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Krystan Knight auf der Website seines Verlages.



19. Februar 2019

'Cellulite endlich weg - Die Mirjam Christie Methode' von Lisa Faustbrandt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
„Die ersten Dellen an ihren Oberschenkeln entdeckte sie mit 14. Nach dem Sportunterricht kniff sie die Haut zusammen und … Peng! Da war sie! Die erste Ansammlung von Dellen. Die Dellen verglich sie mit denen ihrer Freundinnen. Alle waren mehr oder weniger betroffen, bis auf Sina. Aber Sina war einfach nur Haut und Knochen, unterentwickelt und kindlich. Von da an führte sie einen unermüdlichen Kampf gegen die Delle“.

So oder so ähnlich beginnen die Geschichten vieler Frauen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese zu viele Pfunde haben, Sportskanone oder Sportmuffel, vollschlank, jung oder schon älteres Semester sind. Die Delle kann jeden treffen.

Vor Ihnen liegt ein 6 ½ Schritte Plan nach Mirjam Christie. Sie erfahren hier, wie Sie der Delle den Kampf ansagen können. Dieser Ratgeber gibt Ihnen viele einfach umsetzbare Tipps und einen genauen 6½ Schritte Plan für schlankere und straffere Beine.

Anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis lernen Sie die Gesichter der Cellulite kennen. In weiteren Kapiteln erfahren Sie 5 Schönheits-Booster für Ihre Beine. Sie werden erfahren, wie Sie Einlagerungen von Wasser und Schlacken verhindern (oder lösen) und Ihrem Stoffwechsel einen Schub geben können.

Ein anderes Kapitel zeigt Ihnen, wie Ihre Beine nach einem schlanken Vorbild geformt werden und wie dies mit der Fettverbrennung zusammenhängt.

Ein wichtiger Teil widmet sich besonders korpulenten Beinen. Dabei werden vor allem Lösungen bei schlaffer Haut ums Kniegelenk und faltigen Innenseiten der Oberschenkel gezeigt.

Im Kapitel 7 zum Beispiel wird Ihr persönlicher 6 ½ Schritte Plan in Details dargestellt. Sie erfahren hier wie Sie das Konzept umsetzen und anpassen können. Ein weiteres Kapitel zeigt an einem praktischen Beispiel, wie die 6 ½ Schritte bei einer konkreten Ausgangslage angewandt werden. Schließlich zeigt Ihnen eine Kurzfassung der Mirjam Christie Methode einen roten Faden, damit Sie noch einfacher beginnen können.

Der Ratgeber ist konkret. Es geht nicht um die Beschreibung dessen, was Cellulite ist oder die Besprechung des Hautaufbaus. Es wird nur kurz umrissen, was die Ursachen der Cellulite sein könnten und dann geht es mit konkreten Maßnahmen los, um die Cellulite zu bekämpfen.

Denken Sie nur an das fantastische Gefühl, welches Sie gewinnen werden, die vielen schönen Momente, welche Sie noch erwarten und die Sie dann straff und ohne Dellen erleben könnten, ohne Verstecken, ohne Scheu und mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.

Leseprobe:
„Wer den Dellen Paroli bieten möchte, sollte konsequent und ganzheitlich vorgehen. Wenige Schritte sind ausreichend, um Resultate zu sehen. Im Grunde genommen brauchen Sie dafür nur 6½ Schritte zu gehen.

Die hier vorgestellte „Mirjam Christie Methode“ ist sanft und sie wurde über die Zeit optimiert. Sie können die einfachen Schritte in aller Ruhe anwenden und den unschönen Dellen Paroli bieten. Auf diese Weise entscheiden Sie sich für ein Leben in einem Körper, in dem Sie sich rundum wohlfühlen.

Für schlanke Beine müssen Sie kein Leben in Askese führen. Die 6½ Schritte dieser Methode reichen aus, um schnell Resultate sehen zu können, wenn Sie konsequent bleiben. Bereits nach ca. 14 Tagen könnten Sie eine erste deutliche Veränderung erkennen und fühlen. Der Blick in den Spiegel wird ein Lächeln auf Ihre Lippen zaubern.

Sie können diese Methode in Ihren eigenen vier Wänden umsetzen und dabei nicht nur Geld, sondern auch Zeit sparen. Vor allem aber werden Sie sich so richtig freuen können, wenn Sie die Resultate sehen.

Kleiner Tipp: Wenn Sie die gedruckte Version haben, halten Sie das Buch griffbereit. Sie lachen jetzt vielleicht, aber Sie werden sehen, dass Sie öfter ins Buch schauen werden, als Sie sich das jetzt vielleicht vorstellen können.

Was ist das Geheimnis hinter der Mirjam Christie Methode?

Nun, es ist schnell gelüftet. Es ist der absolute Fokus auf die Hüfte-Beine-Gesäß-Region (und nein, es geht nicht um Bauch-Beine-Po-Übungen). Die Mirjam Christie Methode bedeutet volle Konzentration. Jeder Schritt ist genau auf diese Region zugeschnitten.

Wie bei so vielen Projekten im Leben (ob beruflich oder privat) muss man fokussiert bleiben. Diese Methode bleibt konsequent. Sie werden den Dellen an den Kragen gehen, von innen und von außen.

Natürlich werden die Maßnahmen auch anderen Körperregionen zugutekommen, aber der Fokus auf die spezielle Region bleibt. Konsequent. Und genau dieser Punkt macht die Methode so erfolgreich. Es ist eine ganzheitliche Transformation des Körpers.

Was erwartet Sie in diesem Buch?

Das Buch liefert Ihnen Antworten, Tipps und eine komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung. Sie müssen die jeweiligen Schritte nur noch richtig und konsequent umsetzen. Und es ist kein so großer Einschnitt in Ihr gewohntes Leben. Versprochen. „

Im Kindle-Shop: CELLULITE ENDLICH WEG Die Mirjam Christie Methode. In 6½ Schritten zum Ziel.



'Zombiecalypse 3' von Andreas Kohn

Kindle (unlimited)
Fast fünf Jahre nach dem Ausbruch des Virus keimt bei den Überlebenden in Berlin ein Fünkchen Hoffnung auf, dass es den Wissenschaftlern bald gelingen könnte, der immer größer werdenden Armee von Untoten Herr zu werden. Doch die Monate vergehen und viele sterben, weil sich Erfolge nicht planen lassen und Ressourcen immer knapper werden.

In den noch sicheren New American States of The South sowie im nördlicher gelegenen Portland hingegen stehen die Führer beider Seiten den Hinweisen über schnelle Zombies skeptisch gegenüber. Sie intrigieren lieber für den eigenen Machtzuwachs, statt sich auf ein Millionenheer springender und rennender Zombies vorzubereiten, das zwischen ihnen unaufhörlich anwächst. Sollte das Virus auch in Amerika mutieren, steht das Überleben der Menschheit auf Messers Schneide.

Leseprobe:
»Hier, Kevin. Du bist dran.« Stuart reichte seinem Partner den überdimensionalen Schraubenschlüssel nach oben, damit er die obere Verbindungsstange der Containerverschraubung lösen konnte.
Die beiden Haken am Ende zweier fast drei Zentimeter dicken und einen Meter langen Gewindestangen, die mit einer ebenso langen Hülse dazwischen verbunden waren, ließen sich nur durch rohe Gewalt lösen. Kevin balancierte dabei vorsichtig auf der Verschraubung des benachbarten Containers der vierten Containerlage, während Stuart eineinhalb Meter tiefer einigermaßen sicher auf einer fest montierten schmalen Arbeitsbühne auf Höhe der dritten Lage stand. Er richtete den Akkuscheinwerfer zu seinen Füßen aus, sodass der grelle Schein Kevin nicht blenden konnte. Der handtaschengroße Koffer tauchte die Umgebung im Umkreis von zwanzig Meter in gleißendes kaltblaues Licht.
Über vierzehntausend Container, hatten sie ausgerechnet, gab es auf dem Schiff. Jeder von ihnen war fünfundzwanzig Meter lang, zweieinhalb Meter breit und etwa genauso hoch. Und von keinem wussten sie, was darin enthalten war. Die etwa vierhundertfünfzig Container, die ganz unten auf Deck A standen, waren leicht zu untersuchen gewesen, aber schon für die Lage darüber waren zum Teil akrobatische Aktionen, wie sie sie gerade veranstalteten, notwendig. Die Anordnung der Container war nicht dazu gedacht, sie während der Überfahrt zu inspizieren.
Das Containerschiff Mulan Maersk war die ersten beiden Jahre nach dem Zusammenbruch herrenlos über den Atlantik getrieben. Wo die Besatzung abgeblieben war, hatten sie nicht herausfinden können, da sie weder in der Lage waren, die Computer an Bord zu starten, um einen Blick in das Logbuch zu werfen, noch waren sonstige Anzeichen über deren Verbleib zu finden.
Ohne Besatzung, die sich um eine Instandhaltung gekümmert hätte, und dem rauen Wetter des Atlantiks ausgesetzt, erstrahlte das gesamte Schiff nun nicht mehr im dunklen Blau der Reederei Maersk, sondern in einem rostigen Rot. Wenn die Farbe das Einzige gewesen wäre, das es an ihrem Domizil zu bemängeln gäbe, würde sich niemand Sorgen machen, aber da an Bord außer einem Hilfsdiesel, der Strom produzierte, praktisch nichts funktionierte, und sie nicht wussten, ob und wann sie wieder vom Schiff kommen konnten, sahen die meisten an Bord der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen.
Für die Bewohner der Atlantikstadt Ocean City war das Schiff Fluch und Segen zugleich. Segen, weil sein Auftauchen vor der Küste den von Hunderttausenden von Zombies bedrohten Bewohnern des Urlaubsparadieses die letzte Rettung versprach. Fluch, weil sie weder in der Lage waren, das Schiff zu steuern, noch wieder von ihm herunterkamen.
»Hoffentlich nicht noch ein Container voll mit mexikanischem Bohneneintopf. Ich kann das Zeug nicht mehr sehen.« Er hatte sich vorgenommen, sich gewissenhaft einen festen Stand zu suchen, bevor er den gut anderthalb Meter langen Schraubenschlüssel an die Hülse ansetzte. Zweimal war er schon bei solch einem Balanceakt aus einigen Metern Höhe abgerutscht und hatte sich die Rippen geprellt und einen Fuß verstaucht. Ein drittes Mal – und diesmal arbeitete er noch viel höher als sonst – wollte er sich ersparen. Zunächst versuchte er, sie mit sanfter Kraft zum Nachgeben zu bewegen. Als das nichts half, erhöhte er den Druck immer weiter, bis er schließlich, den Vorsatz, vorsichtiger zu sein, nun doch verwerfend, sein ganzes Körpergewicht in die Waagschale drückte.
Vor Anstrengung spannten Kevin Stoltz’ Muskeln die Nähte seines engen Shirts bis kurz vor dem Zerreißen. Dabei war er drei Jahre zuvor nur ein dürrer Hänfling gewesen. Keine zwei Wochen nachdem er in Potsdam bei der Bundeswehr den Dienst angetreten hatte, war das Virus über die Menschheit hergefallen. Eine richtige Grundausbildung hatte er also nie bekommen. Alles, was er wusste und konnte, hatte er sich bei seinen Kameraden abschauen müssen. Zeit, ihn das zu lehren, was den Berufsstand eines Soldaten betraf, abgesehen vom Schießen vielleicht, hatte keiner mehr gehabt. Es hatte immer nur geheißen, geh dorthin, tu dies und mach jenes. Kevin hatte schnell gelernt, alles zu tun und es genau so zu machen, wie es ihm die erfahrenen Soldaten aufgetragen hatten. Es hatte ihm und anderen mehrfach das Leben gerettet.
Die wichtigste Lektion, die er in der Zeit gelernt hatte, war aber, dass Aufgeben keine Option war. Wer aufgab, war so gut wie tot.
Vielleicht war es der Gedanke an die Kameraden, die entweder tot, verschollen oder im heimischen Deutschland vermutlich eine ruhige Kugel schoben, die ihm ein paar ungeahnte Kraftreserven entlockten. Mit einem lauten Quietschen gab wenigstens eines der Gewinde der Hülse etwas nach.
»Na also. Geht doch.« Kevin richtete sich auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
»Vielleicht haben wir Glück und da drin sind fünfzig große Schlauchboote samt Außenbordmotoren.«
»Wovon träumst du denn nachts?«
»Ich würde ja sagen, davon, dass wir die siebenhundert Seelen heil von Bord bekommen. Aber tatsächlich eher von einem Five Guys Burger.«
»Wunschträume.« Kevin hatte keine Ahnung, was so Besonderes an einem Five Guys Burger war, aber zumindest klang es lecker. »Wir hätten es schlimmer treffen können, oder?«, meinte er kopfschüttelnd. Vor allem, um die gierigen Gedanken zu vertreiben. Ein vernünftiger Burger wäre wirklich nicht zu verachten gewesen, aber zunächst galt es erst einmal zu überleben und dann vom Schiff herunterzukommen.
Nicht, weil ihn das Leben an Bord des vierhundert Meter langen Schiffes ankotzte, sondern weil er sich auf die Suche nach dem Verbleib seiner Kameraden Klein und Wasmuth machen wollte. Der Hauptfeldwebel und der Obergefreite waren von amerikanischen Soldaten mit einem Hubschrauber entführt worden, kurz bevor die gigantische Zombiemeute über Ocean City hergefallen war. Er wusste nicht, warum und weshalb und ob sie überhaupt noch am Leben waren.
Er selbst war bei dem Versuch, Gegenwehr zu leisten, von einem Schuss in die Brust getroffen worden. Er lebte nur noch, weil Lisa Tanner, Hauptfeldwebel Kleins Freundin und Anführerin der Bewohner Ocean Citys, eine hervorragende Ärztin war.

Im Kindle-Shop: Zombiecalypse 3.
Mehr über und von Andreas Kohn auf seiner Website.



18. Februar 2019

'Paradise Island (Lightning Strike 1)' von Kira Night

Kindle (unlimited)
Kennen Sie diese Träume, die man meistens als junges Mädchen hat? Geben Sie’s zu, Sie wissen ganz genau, wovon ich rede, nicht wahr? Ich spreche vom Traumprinzen, von fernen Ländern und von Geld – so viel, dass man es kaum ausgeben kann ... Nun, was soll ich sagen? Mein Traum ist in Erfüllung gegangen!

Vor wenigen Wochen hab’ ich meinen William geheiratet – den begehrtesten Junggesellen von New York. Wir wollten unsere Flitterwochen ganz standesgemäß auf der Jacht seines Vaters verbringen und dabei die karibische Inselwelt erkunden. Alles hätte so schön werden können. Doch das Schicksal hatte etwas dagegen ...

Gestrandet auf einer einsamen Insel geht es plötzlich nur noch ums Überleben. Und um unseren Nachbarn Ramon: Er ist vor fünf Jahren hier mit dem Flugzeug abgestürzt, besitzt ausreichend Konservendosen, Werkzeuge und das nötige Know-how. Glücklicherweise wäre er auch bereit, alles mit uns zu teilen. Doch das hat einen Preis ...

Achtung! Dieser erotische Kurzroman enthält explizit geschilderte Szenen, die nicht für Kinder und Jugendliche geeignet sind.

Leseprobe:
»Das Leben hat eine verdammt merkwürdige Art, zu testen, wie viel ein Mensch ertragen kann.«
Ich lächle und klappe mein Buch zu. Diese letzte Zeile von Kapitel 8 gefällt mir. Es steckt so viel Wahrheit in ihr. Ich rekle mich im Liegestuhl und überlege, wie viele von den Frauen, die das Buch gelesen haben, bei diesem Satz wohl an ihren Ehemann gedacht haben.
Es ist erst einen Monat her, dass ich meinen William geheiratet habe. Endlich darf ich mich Mrs. Susan Thornton nennen – nach eineinhalb Jahren Beziehung. Ich habe es bislang noch nicht bereut, auch wenn ich weiß, dass die Gerüchte der New Yorker Schickeria etwas anderes besagen.
Ja, Will kann manchmal ein wenig dominant und kompromisslos sein. Okay, ziemlich oft sogar. Aber wie er tickt, hab ich ja von vornherein gewusst. Schließlich ist mein Mann der Sohn von Bob Thornton, dem gefürchteten, milliardenschweren Börsenmagnaten. Und der ist ein Despot, wie er im Buche steht. Um neben so einem Vater keinen psychischen Schaden zu erleiden, muss man sich wahrscheinlich dominant und kompromisslos verhalten, sonst geht man unter.
Ich erhebe mich aus dem Liegestuhl, gehe zur Reling und schaue hinaus aufs Wasser. Meine Gedanken kreisen. Ich denke zurück an die Zeit, als ich William kennengelernt habe.

Meine Güte, der ist ja echt niedlich!
Das ist das Erste gewesen, das mir in den Sinn gekommen ist, als ich ihn auf der Geburtstagsparty einer ehemaligen Schulkollegin, deren Eltern ziemlich vermögend sind, erblickt habe.
Er stand bei der Schüssel mit der Bowle und unterhielt sich mit zwei anderen Jungs.
William war groß gewachsen, hatte kurze, dunkle Haare und besaß ein überaus gewinnendes Lächeln. Mein Herz pochte wie verrückt. Doch als ich eine Freundin diskret nach seinem Namen fragte, erlebte ich eine böse Überraschung.
William Thornton war nicht irgendjemand, sondern einer der begehrtesten Junggesellen von ganz New York. Und er stank nach Geld. Das ist aber nicht der Grund gewesen, weshalb ich mich an ihn rangemacht habe. Weit gefehlt. Sein Geld war mir eigentlich egal. Ich habe mich in ihn verliebt, weil er Charisma hatte und Autorität ausstrahlte.
Ich weiß noch genau, wie ich an jenem Abend all meinen Mut zusammengenommen habe, um ihn zu fragen, ob er denn mit mir tanzen möchte. Kaum zu glauben, aber die Antwort lautete tatsächlich Ja. Manchmal zahlt sich Tapferkeit eben aus ... William tanzte die ganze Zeit über bloß mit mir, und irgendwann war mir klar, dass er etwas für mich empfindet. Er brauchte gar nichts zu sagen, das Funkeln in seinen Augen sprach Bände. Natürlich war damals noch nicht abzusehen, dass wir einmal heiraten würden. Aber der erste Grundstein war gelegt.
William schien mir in einer Welt der Starken einer der Stärksten zu sein. Er hätte jedes Mädchen haben können. Jederzeit. Doch er hat mich erwählt. Mich, von der die Nachbarn stets gesagt haben, dass ich es nie zu etwas bringen werde. Ich habe das große Los gezogen, nicht Betty Kowalski, die reiche Tussi mit dem Hang zum Schmuck. Und auch nicht Alice McNamara, die wandelnde Parfüm-Wolke. Ich habe ihn mir geangelt! Gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Und ohne aus wohlhabenden Verhältnissen zu stammen. Vermutlich brandmarkt mich das in den besseren Kreisen auf eine gewisse Art und Weise. Aber das ist mir egal.
William ist mir in puncto gesellschaftlicher Akzeptanz ungemein ähnlich, das wusste ich damals aber noch nicht. Als Sohn eines Milliardärs hat er es früher sehr schwer gehabt, konnte es nie irgendjemandem recht machen. Zu sensibel, zu zart besaitet und unfähig, in der harten Welt zu bestehen, soll es stets geheißen haben. Außerdem erzählte man sich, dass er keinen Sinn fürs Geschäft besitzen soll, weil er viel lieber an Computern und den Motorrädern seines Vaters herumschrauben würde. Manche meinten sogar, er wäre eine Schande für die ganze Familie und hätte besser Mechaniker werden sollen.
In den Augen der meisten anderen reichen New Yorker haben ihn seine Hobbies von vornherein disqualifiziert. Denn in diesen Kreisen macht man sich nicht die Hände schmutzig. Man bezahlt Leute, die sich die Hände schmutzig machen. Und man geht auf die Pferderennbahn oder zum Golf. Doch das ist nicht Williams Welt. Dort fühlt er sich nicht wohl – was ich gut verstehen kann.
Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich sein Vater deshalb regelrecht für ihn geniert hat. Ja, er wollte ihn sogar auf eine Art Militärschule schicken, wo er Disziplin, Benimm und Etikette hätte lernen sollen. Aber das konnte William abwenden.
Heute hat er sich über all diese Probleme erhoben. Die Angst, nicht zu entsprechen, hat nun keine Macht mehr über ihn. Arroganz ist sein Schutzschild geworden, der scharfe Ton das Schwert, das er schwingt. Ich bin vermutlich die einzige Person auf diesem Planeten, die er das nicht spüren lässt. William weiß, dass sein alter Herr irgendwann abtreten wird, und dann gehört die Zukunft ihm. Ihm allein. Oder sollte ich besser sagen: uns?

Im Kindle-Shop: Paradise Island (Lightning Strike 1).
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15. Februar 2019

'Im Zwielicht der Angst' von Tiara Young

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sie vertraut ihm nicht, doch er nimmt ihr die Angst, bis ein schrecklicher Verdacht alles infrage stellt …

Als die ehrgeizige Anwältin Jolene Headland im Wellingtoner Stadtpark Zeuge wird, wie eine Mutter den Straßenmusiker Luke Gillmore beschuldigt, ihr kleines Mädchen entführen zu wollen, übernimmt sie spontan dessen Verteidigung. Noch ahnt Jolene nicht, dass sie damit in das unheilvollste Wespennest ihres Lebens sticht. Das bemerkt sie erst bei der Begegnung mit Lukes älterem Bruder Matt, einem aufmüpfigen, aber leider auch attraktiven Cop, der sie mit seinen frechen Avancen geradewegs in sein Bett befördert. Doch darf sie sich auf das gefährliche Spiel mit ihm einlassen? Und was hat es mit dem Drogenbaron auf sich, den er jagt?

Bevor Jolene die Hintergründe erkennt, ist sie mit einem dunklen Ereignis aus Matts Leben verwoben. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Die Dämonen der Vergangenheit haben längst zu viel Staub aufgewirbelt.

Leseprobe:
Ein ungutes Gefühl zerrte an ihren Nerven und die düstere Vorahnung, in Gefahr zu sein, flatterte über sie hinweg wie ein kreischender, schwarzer Rabe. Fast hätte sie laut aufgestöhnt.
Du bist echt schon paranoid, du dumme Nuss. Bestimmt ist es ein blöder Zufall. Man kann sich viel einbilden, wenn man müde ist.
Ihre brennenden Augen waren der beste Beweis dafür. Sie sollte schleunigst zurück in ihr Bett verschwinden. Doch das Misstrauen unter der Schädeldecke ließ sich nicht abstellen, egal, wie entschlossen sie dagegen anging.
Hastig trank sie die kalte Milch aus. Dabei fiel ihr Blick auf die schwere Eichenplatte des langen Küchentisches. Vorn schimmerte ein schmales Rechteck, silbern vom Mondlicht beschienen, das hintere Segment, mitsamt dem letzten Stuhl, versank hingegen im Schatten der Dunkelheit. Verstohlen linste Jolene an dem leise summenden Kühlschrank vorbei in genau diese finstere, uneinschaubare Ecke, der verwaiste Platz ihres Vaters. Sie wollte sich schon abwenden, da glomm wie zum Hohn ein dicker orangefarbener Punkt auf und erhellte zu ihrem Entsetzen in einer kurzen, schemenhaften Bewegung eine große Männerhand, die eine Zigarette hielt.
Jolene erschrak. Ein messerscharfer Stich fuhr durch sie hindurch, und für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, eiserne Klauen drückten ihren Brustkorb zusammen und pressten alle Luft aus ihrem Leib.
Grundgütiger, da sitzt jemand und raucht.
Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich instinktiv auf und obwohl ihr Herz einen panischen Satz machte, schaffte sie es, sich zusammenzureißen und sich mit keiner Regung anmerken zu lassen, wie außer sich sie war. Disziplin war eine ihrer Stärken. Sie hatte im Yoga-Kurs gut aufgepasst und hart an sich gearbeitet.
Hinter ihr drückte die glatte Küchenfront gegen ihren Rücken und Jolene überlegte fieberhaft, ob sie sich daran abstoßen und einfach losrennen sollte. Ihre Entfernung zur Tür betrug mindestens fünfzehn Schritte, die um den Tisch herum höchstens zehn. Wer immer da saß, könnte die Tür vor ihr erreichen, egal, wie viele Stühle er umstoßen musste. Das konnte sie auf keinen Fall riskieren.
Die Zigarettenglut leuchtete erneut auf, und in ihrer Angst sprang Jolenes beinahe das Herz aus der Brust vor Panik. Sein Verhalten wischte jeden Zweifel fort.
Das macht er mit Absicht. Er will, dass ich ihn sehe.
Sie spürte seine Blicke und wie ihr Puls wild raste. Plötzlich durchbrach ein Scharren unheilvoll die Stille.
Er war aufgestanden.
Ein weißer Turnschuh von beängstigendem Ausmaß schob sich hervor. Er signalisierte Jolene in aller Deutlichkeit, wie ungewöhnlich groß der Kerl sein musste, dem er gehörte, was die Bedrohung nicht kleiner machte, die auf sie zukam.
Sie biss sich auf die Lippen, um nicht aufzuschreien. Angst zu zeigen, war das Falscheste, was sie tun konnte.
Bloß nicht die Tür anvisieren. Dann weiß er, dass du türmen willst.
Gefangen in ihrer Furcht, senkte sie den Blick und fixierte die fahlen Streifen am Boden. Wenn sie entkommen wollte, musste sie Ruhe bewahren und mit List handeln. Ihr blieb nur ein einziger Versuch.
Ihr Verstand arbeitete fieberhaft.
Welche Möglichkeit habe ich, mich zu verteidigen?
Die Schublade mit den Bestecken befand sich am anderen Ende der Küchenzeile. Auch lag nichts weiter in ihrer Reichweite, womit sie sich hätte wehren können.
Verdammt - Mum mit ihrem verfluchten Ordnungsfimmel.
Das leere Milchglas stach ihr ins Auge. Sie könnte den Rand abschlagen. Das wäre eine Möglichkeit. Die Zigarettenpackung daneben gehörte unter Garantie ihm.
Notgedrungen grabschte Jolene nach beidem, jedes mit einer Hand und schielte unsicher zu dem Mann, ohne sich zu bewegen. Er hatte sich nicht gerührt, beobachtete sie scheinbar nur.
Jolene fühlte Wut in sich aufsteigen, eine grenzenlose Wut, die alles Angstvolle in ihr unterdrückte.
Was hat der Arsch vor? Worauf hat er es abgesehen?

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14. Februar 2019

'Blinder Hass' von Alex Winter

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»Ich habe den schwarzen Schatten in seinen Augen gesehen«, flüsterte der Aborigine. Seine Stimme klang angsterfüllt. »Er ist ein Kedic, ein Teufel in Menschengestalt …«

Als der Zürcher Sicherheitsexperte Vince Foster von seinem in Australien lebenden Bruder Bryan die unvollständige Kopie eines alten Tagebuches erhält, ahnt er zunächst nicht, welches düstere Geheimnis dieses birgt.

Vince ist jedoch nicht der Einzige, der sich für das Tagebuch interessiert: Die rote Doktrin, eine weltweit operierende Geheimorganisation, die einen teuflischen Plan verfolgt, der die Welt an den Rand des Abgrundes führen könnte, versucht mit allen Mitteln in den Besitz des Originaltagebuches zu gelangen. Während Vince verzweifelt nach Antworten sucht, gerät er immer tiefer in einen Strudel aus Verschwörungen, Intrigen und Mord.

Auf sich allein gestellt, gejagt von mächtigen Feinden und von der Polizei für einen skrupellosen Mörder gehalten, flieht Vince nach Australien.

Leseprobe:
Die Sonnenstrahlen tasteten sich langsam den Hügel hinab. Dabei heizten sie die Felsen wie die Kacheln eines Ofens auf. Lübke konnte die Wärme bereits spüren, weshalb er beschloss, ganz nach unten zu zwei niedrigen, ineinander verwachsenen Eukalyptusbäumen zu steigen, die ihm Schatten spenden würden, bis der Hubschrauber kam.
Als er auf etwas Rundes, Weiches trat, wusste er sofort, dass es ein Tier war. Er schreckte zurück, sah die Schlange, auf die er getreten war, und ihr weit aufgerissenes Maul mit den aufgerichteten Fangzähnen, die sie in dieser Sekunde in seinen Unterschenkel schlug. Lübke schrie auf, ließ das Gewehr fallen und sprang zurück.
Vor ihm lag eine knapp fünfzig Zentimeter lange rotbraune Schlange mit breitem Körper. Sie reckte ihren flachen Kopf in die Höhe, dann bewegte sie sich langsam seitlich davon.
Eine Todesotter!, schoss es ihm durch den Kopf, ihr Gift wird dich lähmen, ja, vielleicht töten! Er kannte sich mit Schlangen aus, hatte sogar während seiner ständigen Suche nach neuen Foltermethoden mit ihnen experimentiert.
Das Gift dieser Schlange war stark neurotoxisch und löste eine Muskelstarre aus, ähnlich wie Curare. Wut, Schmerz und blankes Entsetzen überkamen ihn. Außerstande einen klaren Gedanken zu fassen, hob er die Browning Bar II auf, lud sie mit zitternden Händen durch und schoss.
Er verfehlte das sich träge davonwindende Reptil um wenige Zentimeter. »Das wirst du mir büßen«, rief er und drückte erneut ab. Ein metallisches Klicken; natürlich, das Magazin war leer. Jetzt packte er das Gewehr am Lauf und versuchte, die Schlange zu erschlagen, verfehlte sie aber erneut. Die Todesotter zischte, ihre Augen funkelten angriffslustig und ihr Kopf schnellte kampfbereit nach vorn.
Lübke wich erschrocken zurück, stolperte über einen abgebrochenen Ast und fiel hin. Diesen Augenblick nutzte die Schlange und verkroch sich zwischen zwei Felsbrocken.
Rasend vor Zorn stand er auf. Seine Stimme überschlug sich, als er das Reptil beschimpfte, weil es ihm entkommen war. Er taumelte zum Versteck der Schlange, beugte sich vorsichtig hinunter und spähte in das Loch. Die Todesotter hatte sich zwischen den Felsen zusammengerollt. »Warte, du Mistvieh, dir werd ich’s zeigen!«
Schwerfällig stand er auf, trat von der Seite an das Loch und rammte den Gewehrschaft wie ein Verrückter immer wieder in die Öffnung. Sein Puls raste, doch er hörte nicht auf.
Plötzlich zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen, ihm wurde übel und schwindlig. Sekunden später sah er alles nur noch verschwommen und unscharf. Er drehte sich um, wankte von dem Loch weg, dann ließ er die Browning fallen, sank auf die Knie und musste sich übergeben.
Für einen Moment schloss er die Augen. Die schreckliche Gewissheit überkam ihn, das Falsche getan zu haben. Statt seine Wut gegen die Schlange zu richten, hätte er besser sein Bein abgebunden. Jetzt war es vielleicht schon zu spät, denn ein Teil des Giftes war bereits in seinem Blutkreislauf.
Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er Todesangst. Keuchend riss er sich den Gürtel aus der Hose und schnürte ihn fest um den Oberschenkel. Kalter Schweiß rann ihm von der Stirn und er spürte, wie sein Herz unregelmäßig zu schlagen begann. Langsam sank er auf den Rücken.
Er drehte den Kopf zur Seite und blickte in das Versteck der Todesotter. Aus einer Öffnung am anderen Ende der kleinen Höhle drang Licht. Das Tier war längst durch das Loch entkommen.
»Dreckstück«, murmelte er. »Gottverfluchtes Dreckstück …«

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'Aus den Fugen geraten' und 'Abgrundartig' von Bernd Töpfer

Kindle | Taschenbuch
Zwei Kurzromane

Aus den Fugen geraten
Zwei Kleinganoven planen eine Entführung, die zwar auch gelingt, aber die gar nicht nach ihren Vorstellungen verläuft. Von der Entführten verlangen sie, sie solle ihren Mann anrufen und ihn unterrichten, er habe für ihre Freilassung zwei Millionen zu zahlen. Die Frau gibt jedoch an, keinen Mann zu haben. Auch sind auf ihrem Handy keine Telefonkontakte vorhanden, überhaupt keine. Das ist schon sehr ungewöhnlich. Dann gelingt der Frau die Flucht, und sie findet Zuflucht bei einem Schriftsteller, der in einem alten Forsthaus mitten im Wald wohnt. Alles Weitere entscheidet sich in diesem Haus.

Abgrundartig
Als Kind verliert Micha durch einen dummen Unglücksfall seinen Zwillingsbruder Tommi. Dieser meldet sich nach zwölf Jahren zurück, im Gehirn vom Micha, und wirkt mental auf ihn ein. Tommi hat nur abartige Ideen, die aber bei seinem Bruder anfangs Gehör und Zustimmung finden. Micha findet Gefallen daran, bei anderen die Angst zu sehen, sie zu erforschen, zu studieren. Tommi will aber mehr als die Angst, er will den Tod der Menschen sehen.
Eine Zeit lang hört Micha auf Tommi, aber dann kommen ihm Zweifel und er verdammt seinen Zwillingsbruder.

Leseprobe:
Aus: „Aus den Fugen geraten“
Claudia Schwarz kommt langsam wieder zu sich, sie liegt auf einer Luftmatratze. Langsam setzt sie sich auf, schaut sich um. Ein Raum ohne Fenster. Eine Waschmaschine, ein großer Gefrierschrank, ein leerer Wäschetrockner, in einer Ecke ein Wäschekorb. Das ist alles. Der Raum mag viel-leicht vierzehn Quadratmeter messen. Wie kommt sie hier her? Die Erinnerung meldet sich. Mein Gott, denkt sie, was soll das? Sie bekommt keine Angst, sie hat sie schon.
Ihr fällt für das Geschehene keine Erklärung ein.
Warum? Warum sie? Tränen fließen über das schöne Gesicht. Sie stellt sich auf, lehnt sich an die Waschmaschine.
Gefangen, denkt sie. Fremden ausgeliefert. Was wollen die?
Von einem Augenblick auf den nächsten hat sich alles geändert. In einer Geschwindigkeit, die dem Gehirn nicht die Zeit ließ, alles zu verarbeiten. Sie steht immer noch an der Waschmaschine, stiert auf den Lichtschalter neben der Tür und versucht zu denken, versucht zu begreifen. Aber so einfach ist es nicht. Das Gehirn weigert sich anzuerkennen, was geschehen ist. Das Gehirn sitzt zu Hause im Wohnzimmer und entspannt sich. Aber je mehr sie sich in ihrer neuen Umgebung umsieht, diese nackten Wände, diese geschmacklose Lampe an der Decke, die Luftmatratze … das Gehirn beginnt zu begreifen.
Es ist alles anders geworden. Und dies in einer Geschwindigkeit, dass man nicht lernen kann, damit umzugehen. Alles braucht seine Zeit. Eigentlich ist es Schwachsinn, sich jetzt Gedanken zu machen.
Abwarten.
Wissen, was man von ihr will. Dann wäre sie schlauer und könnte rationaler denken. Vielleicht.
Das Denken abschalten gelingt ihr nicht. Das Gehirn rebelliert, will seine Freiheit. Und so überlegt sie weiter, stellt sich tausend Fragen und findet keine Antworten. Und sie steht noch immer am selben Platz.
Sie schrickt zusammen, denn sie hört Schritte. Ihr Puls beginnt zu steigen. Jetzt wird sie erfahren … ja, was? Wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, dann will sie gar nichts erfahren, sie will nur weg hier. Sie will einfach ihr Leben wieder, so, wie sie es kennt.
Ohne Angst.
Ein Schlüssel dreht sich, die Tür geht auf, zwei Männer in Skimütze treten ein. Ein großer und ein kleinerer Mann. Sie kommt sich neben ihnen noch kleiner vor, als sie ohnehin schon ist.
»Sie müssen sich keine Sorgen machen, wir werden Ihnen nichts tun«, sagt der Große.
»Wenn Sie kooperieren«, fügt der andere hinzu.
»Was wollen Sie? Was habe ich Ihnen getan?«
»Alles ganz einfach, liebe Frau. Das ist eine Entführung, und wir wollen zwei Millionen Euro. Haben wir die, sind Sie wieder frei«, unterrichtet sie Robbi.
»Also je schneller wir das Geld haben, desto schneller können Sie gehen«, sagt Andi.
»Zwei Millionen? Ich habe doch keine zwei Millionen. Sie haben sich bestimmt in mir geirrt, mich mit jemand verwechselt?«, fragt sie ängstlich mit einem Hauch von Hoffnung in der Stimme.
»Wollen Sie uns verarschen?«, lässt sich jetzt Andi etwas laut vernehmen.
Die Frau zuckt zusammen.
»Sie werden Ihrem Mann eine Nachricht schicken, dass Sie entführt worden und wir zwei Millionen in bar haben wollen. Zeitpunkt Freitagabend«, teilt ihr Robbi mit.
»Mein Mann?«, fragt die Frau.
»Ja, Ihr Mann, wer sonst?«, antwortet Andi.
»Ich habe doch keinen Mann«, gibt sie jetzt verschüchtert zur Antwort.
Die beiden schauen sich an.
»Wie bitte?«, fragt Andi. »Was haben Sie eben gesagt?«
»Ich habe doch keinen Mann.«

Aus: „Abgrundartig“
Tommi und ich sind, obwohl eineiige Zwillinge, trotz allem grundverschieden, behaupte ich mal. Ich ticke nicht so wie er. Wir durften beide eine wunderbare Kindheit erleben. Unsere Eltern liebten und sorgten sich um uns, es fehlte uns an nichts. Wir waren gut in der Schule, wurden anständig erzogen, wussten uns in der Öffentlichkeit zu benehmen. Wir waren eine perfekte Vorzeigefamilie. Was in Tommis Kopf abging, wusste ja nur ich. Und im Kindesalter machte ich mir da keine weiteren Gedanken. Ich tat es als Spinnerei ab. Irgendwann würde dieser Blödsinn aufhören.
Und er hörte schneller auf als gewünscht. Der 12. Juni ist unser Geburtstag. Es war damals auch der 12.
Drei Tage später gab es keinen Tommi mehr.
Jetzt erinnert nur noch ein Grabstein an ihn. Und der auch nicht ganz so richtig. Denn er war für alle immer nur der Tommi. Aber auf dem Stein steht Thomas. Und Thomas liest sich so fremd.
Der Tod hatte Tommi mitgenommen, weil er sich wie-der mal was beweisen wollte. Aber diesmal ging es schief. Es war überheblicher Kinderblödsinn. Mit Unfug hatte das nichts zu tun. Ich wusste nichts von seinem Vorhaben, sonst hätte ich ihn doch zurückgehalten. Er hatte überhaupt keinen Grund, auf die andere Straßenseite zu rennen. Es war seine geheime Mutprobe. Tommi, der Große, der Alleskönner. Aber diesmal lief es nicht nach seinem Willen.
Wir standen auf dem Gehsteig und sahen dem Konvoi der Bundeswehr zu. Eine Panzereinheit fuhr durch unser Dorf. Das war für uns Kinder was Besonderes. Und dann, urplötzlich, rannte Tommi los, zwischen zwei Panzern über die Straße. Er wollte bestimmt zum anderen Gehsteig hinüber und uns dann zujubeln, was er wieder vollbracht hätte. Der mutige Tommi halt. Normalerweise hätte es ja auch geklappt, zwischen den einzelnen Panzern war immer ein gewisser Abstand vorhanden. Aber Tommi kam ins Stolpern.
Tommi sah nicht mehr wie Tommi aus.
Ich musste mich übergeben.
Dann schimpfte ich auf ihn. »Was hast du nur für eine Scheiße gebaut. Du bist ein Arschloch, Tommi. Und was wird nun aus mir? Du lässt mich jetzt hier allein zurück. Du verdammtes Arschloch. Ich könnte dich töten!«
Aber tot war er ja nun schon. Es folgten Albträume, wochenlang, monatelang. Ich glaube, es waren insgesamt zwei Jahre. Immer wieder der gleiche Traum. Der zermatschte Tommi. Ich schimpfte jeden Tag mit ihm. Ich verfluchte ihn. Ich sehnte mich nach ihm. Er fehlte mir einfach. Wir waren doch Zwillinge. Ohne ihn war ich doch nur ein halbes Wesen. Tommi, Tommi, wo bist du?

Im Kindle-Shop: 'Aus den Fugen geraten' und 'Abgrundartig': Zwei Kurzromane.
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