30. April 2020

'Flammenkiller: Ostfrieslandkrimi' von Nick Stein

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Nick Stein | Autorenseite im Blog
Ein neuer Fall für Kommissar Lukas Jansen! In Amerika liegt ein Erschossener in einer Badewanne, in Rußland schwimmt ein toter Geheimagent im Teich. Amerika und Rußland sind Vororte von Friedeburg, Ostfriesland. Kann das Zufall sein?

Was die Sache brisant macht: Unter Friedeburg befinden sich die Lager für die strategischen Gasreserven Deutschlands. Um die entbrennt bald ein heißer Kampf zwischen möglichen amerikanischen und russischen Lieferanten, die sich gegenseitig ausstechen wollen. Lukas Jansen muss sich um die Leichen kümmern, die ihren Weg säumen. Ist vielleicht doch die Bürgerinitiative schuld, die das Absinken der Häuser über den Gaskavernen bekämpft? Will sie den Gaslieferanten die Schuld in die Schuhe schieben?

Es folgen weitere Unfälle und schlimme Todesfälle. Jede Seite legt falsche Spuren und versucht, die andere Seite verantwortlich zu machen. Wer sind die Drahtzieher? Welche Seite spielt ein falsches Spiel? Und wer steckt wirklich hinter alledem? Doch bald gerät er mit seinem Team selbst in größte Gefahr. Der Fall wird zu groß für ihn. Aber gibt es das? Zu große Fälle für den Kommissar, der niemals aufgibt?

Wer ihn kennt, weiß, dass erst das die wahre Herausforderung für ihn ist bei der er zu großer Form aufläuft. Lukas verbeißt sich gern in Dinge, die zehn Nummern zu groß für ihn sind …

Anleser:
»In Amerika ist eine Leiche gefunden worden!«, hörte ich draußen auf dem Gang die Stimme der Leiterin des Kommissariats, Erika Meier.
»Und in Schanghai ist ein Sack Reis umgefallen«, kommentierte leise Hinnerk Jaspers, der mir gegenüber an unserem runden Besprechungstisch saß.
Die Tür zu unserem LKA-Büro im ersten Stock wurde weiter aufgestoßen. »Das habe ich gehört!«, rief die empörte Erste Kriminalhauptkommissarin. »Das war ernst gemeint. Im Ortsteil Amerika von Friedeburg liegt ein erschossener Mann in einer Badewanne auf einer Wiese. Wollen Sie mitkommen?«
Ich winkte ab. »Wenn das ein Verbrechen gegen die Umwelt ist, gerne«, kommentierte ich. »Badeunfälle fallen leider gerade nicht in unseren Bereich.«
Die hübsche Kommissarin schüttelte verständnislos ihr intelligentes blondes Lockenköpfchen und zog sich wieder zurück. »Dann eben nicht.«
Ich ließ langsam von meinem Löffel etwas Sahne im Uhrzeigersinn in meinen Tee gleiten, während sie leise die Tür wieder halb zumachte. Niemand hier in Wittmund arbeitete hinter geschlossenen Türen, auch das LKA nicht.
Ich war vor zwei Wochen nach langer Wartezeit endlich vereidigt worden und war nur offiziell Kommissar für Verbrechen gegen die Umwelt beim LKA Niedersachsen, mit dem Arbeitsbereich Ostfriesland und Umgebung. Ich sollte auch den Bereich OK übernehmen, Organisierte Kriminalität, aber das war noch nicht offiziell. Mit mafiösen Vereinen und politisch motivierten Straftätern hatte ich in meinen letzten Fällen schon zu viele Erfahrungen machen dürfen.
»Schade«, kommentierte Svantje Geerts, die Verwaltungsfachfrau unserer kleinen Abteilung in Wittmund. »Das wäre mein erster Mord gewesen.«
»Ich wusste gar nicht, dass Mord jetzt ein Einstellungskriterium bei uns ist«, frotzelte Hinnerk Tjaden, der Fallanalytiker aus Emden, der mit seinen einundsechzig Jahren unserem kleinen Team als erfahrener Beamter zugeteilt worden war. »Habe ich da was verpasst?«
»Es passiert gar nichts«, wechselte ich das Thema. »Ich habe die Sahne falsch rum in meine Tasse gegossen, er schmeckt trotzdem genauso gut wie sonst. Die Welt steht noch. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.«
Wie jedermann weiß, kommt zuerst ein Kluntje in die Tasse, dann der heiße Tee darüber, und dann kommt die Sahne aus dem Löffel langsam entgegen dem Uhrzeigersinn am Rand in die Tasse, damit sich die kleinen Quellwölkchen bildeten, die nach und nach im roten Tee aufstiegen, die Wulkje.
Anschließend trinkt man langsam und ohne umzurühren. Erst die wolkige, sahnige Schicht, dann den kräftigen roten Tee, und schließlich die süße Bodenschicht. Mindestens drei Tassen davon, denn das ist verbrieftes Ostfriesenrecht.
»Ich meine, meine erste Leiche«, verbesserte sich die bohnenstangendürre Svantje und schüttelte dabei ihren roten Haarschopf. Wir hatten uns alle gefragt, was sie bei der Polizei wollte, wo sie mit ihrem roten Afro doch auch als Leuchtturmwärterin hätte arbeiten können, sogar ohne Leuchtturm.
»Sag ich doch«, grinste Hinnerk und zog an seiner kalten Pfeife, was er immer tat, wenn er sich freute. »Dass man hier nur mit einer Leiche reinkommt.«
»Blödmann«, sagte sie. »Das könnte doch ein wichtiger Fall sein. Wozu sind wir denn bei der Polizei?«
Wir verstanden uns schon ganz gut nach den ersten zwei Wochen.
»Wir können hier gar nicht weg, Svantje«, erklärte ich ihr. »Nicht bei den Keksen, die du immer mitbringst.« Ich kaute gerade auf einem, den sie aus übrig gebliebenem Spekulatius gemacht hatte. Zwei Scheiben aufgebackener Spekulatius, dazwischen eine Schicht aus Mascarpone, Kirschen, Rumrosinen und Schokostreuseln, mit einer halb geschmolzenen Praline obendrauf. Eine ihrer fantastischen Sorten.
»Außerdem, was willst du denn in Amerika, mit einem bereits toten Mann in einer Badewanne«, machte Hinnerk weiter. »Zu dieser Jahreszeit baden! Bist du doch viel zu jung für, ist zu weit weg, und was Lebendiges wäre viel besser für dich.«
»Menno!«, schimpfte unser Leuchtturm. »Verarschen kann ich mich alleine. Das weiß doch jeder hier oben, dass das ein Ortsteil von Friedeburg ist. Ist praktisch gleich um die Ecke, es gibt sogar einen Wanderweg von Rußland nach Amerika, bin ich schon gelaufen.«
Svantje kam aus Esens und kannte sich aus. Sie hatte in Oldenburg studiert und war seit einem halben Jahr fertig.
Bisher hatten wir uns hier gerade erst eingerichtet. Vorher hatte ich als Kommissar zur Anstellung nur einen winzigen Raum zur Verfügung gehabt, jetzt hatten wir zwei größere Räume, mein Büro mit dem Besprechungstisch und einem Konferenztelefon, und das Büro von Hinnerk und Svantje, in dem sie sich an zwei Tischen gegenübersaßen.
Hinnerk stand zwar rangmäßig über mir, als Oberkommissar, fungierte aber eher als mein Berater und Analyst.
Ich nahm mir einen von Svantjes anderen Spezialkeksen vor. Die waren tiefgrün, wegen der Minze darin, wie sie sagte, mit Honig, Sahne und Krokantbrocken drauf. Nach ihrem Genuss wurde mir immer wunderschön leicht im Kopf, und ich konnte ohne große Anstrengung planlos vor mich hin denken und alles Wichtige irrelevant erscheinen lassen. Bisher hatte sie diese Kekse für unser Revier im Revier reserviert.
»Hier oben passiert praktisch täglich ein Mord«, setzte Hinnerk Svantje auseinander. »All diese Ostfrieslandkrimis handeln doch von nichts anderem. Die Bronx ist ein Kinderspielplatz dagegen, so viel ist hier oben los.«
»Ha, ha«, sagte sie. »So was von. Ach, kommt, seid nicht so sture Ostfriesen! Frau Meier hat uns extra eingeladen. Dann bringe ich morgen auch wieder meine Spezialkekse mit.«
Ich beäugte den zur Neige gehenden Vorrat auf dem Teller in der Mitte des Tisches. Wenn etwas noch bedrohlicher ist als Mord, dann kein Tee und keine Kekse. Etwas Schlimmeres konnte ich mir kaum vorstellen. In Aurich sollte mal ein Mann grausam mit Teeentzug zu Tode gefoltert worden sein; so etwas wollten wir hier nicht erleben.
Wir hatten bereits auf eine andere Teesorte umstellen müssen, weil meine Lieblingsmischung alle war. Schlimm genug. Und dann noch keine Kekse oder alternativ keine Ostfriesentorte?
Ich sah aus dem Fenster. Für einen Wintermonat hatten wir ziemlich gutes Wetter, die Sonne schien, am Wall hinter der Wache sah ich einen ersten blauen Krokus oder Märzenbecher aus dem Laub lugen.
»Na gut, überzeugt. Ab nach Amerika, Leute.«
Wir tranken unseren Tee aus, Hinnerk und ich packten uns noch ein paar Kekse in die Tasche, bevor wir runter zu meinem Auto gingen. Hinnerk stopfte sich unterwegs seine Pfeife, ohne die er nie das Haus verließ, auch wenn er so gut wie nirgends rauchen durfte.
Blaulicht brauchten wir nicht, wir waren auch so in einer guten Viertelstunde in Amerika. Nach Rußland, einem anderen Ortsteil von Friedeburg, war es auch nicht viel weiter.
Amerika hatten die Ansässigen die damalige sehr arme Siedlung eher zynisch genannt, weil dort die Auswanderer hingingen, die sich die Überfahrt ins richtige Amerika nicht leisten konnten. Sie hatten dort lange Zeit in Behausungen aus Grassoden gewohnt. Statt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten waren sie im Ortsteil der begrenzten Unmöglichkeiten gelandet.
Bei Rußland waren die Leute geteilter Ansicht. Wegen eines Köhlers gab es immer viel Ruß im Ort; die karge Heide erinnerte damals manche an die Tundra, eine andere Version besagte, dass ein grob aussehender Mann wie ein Russe gewirkt hätte.
Meine eigene Version war, dass Ostfriesland im neunzehnten Jahrhundert kurz zu Russland gehört hatte, vielleicht hatte das jemand mit diesem Ort verbunden.
Wir waren da.

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27. April 2020

'Für mich bist du tot: Zerstörte Illusionen' von Elisabeth Charlotte

Kindle | Tolino | Taschenbuch
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Elisabeth Charlotte schildert den systematischen Zerfall ihrer kleinen Familie, ausgelöst durch den plötzlichen Kontaktabbruch ihres einzigen geliebten Sohnes.

Die authentische Geschichte beginnt in den fünfziger Jahren mit der Flucht des Vaters aus der DDR in den Westen Deutschlands. Alleingelassen, beginnt für die Mutter und ihre Kinder ein Leben voller Entbehrungen. Die Mutter ist den alltäglichen Belastungen, die sich aus der Erziehung der Kinder ergeben, nicht gewachsen. Sie sucht Trost im Alkohol und Tabletten. Dies hat katastrophale Folgen für alle, besonders aber für die Entwicklung ihrer Kinder.

Die Autorin lässt die Leser teilhaben an ihrem von vielen Schicksalsschlägen begleiteten Weg vom schüchternen Mädchen bis hin zur selbstbewussten Frau. Sie bekommt einen Sohn, ein Wunschkind, durchläuft ein schmerzhaftes Comingout, verbunden mit einer ersten unglücklichen Liebe. Als sie die Frau ihres Lebens kennen lernt, scheint sie endlich in einem glücklichen Leben angekommen zu sein.

Doch jetzt beginnt die eigentliche Tragödie ...

Anleser:
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war von den Siegermächten 1945 vereinbart worden, Berlin in vier Sektoren aufzuteilen. Margarete und Paul, meine Eltern, lebten in der Ostzone und lernten sich 1947 in einem Tanzlokal kennen. Mein Vater war siebzehn Jahre alt und kam aus der Gefangenschaft. Meine Mutter, ein Jahr älter, absolvierte ihr hauswirtschaftliches Pflichtjahr, so wie es damals für junge Mädchen üblich war. Ein Jahr später im Juli 1948 hatten sie geheiratet.
Beide brauchten zu der Zeit noch die Genehmigung ihrer Eltern, weil man damals erst mit einundzwanzig Jahren volljährig war. Sie waren jung, sehr verliebt und lebenshungrig und sie genossen beide das Leben nach Kriegsende in vollen Zügen. Meine Eltern lebten anfangs zusammen mit der frisch geschiedenen Mutter meines Vaters, in einer kleinen Wohnung in der sowjetischen Besatzungszone im Bezirk Friedrichshain. Wie man sich gut vorstellen kann, vertrugen sich Margarete und ihre Schwiegermutter, zwei charakterlich sehr unterschiedliche Frauen, nicht so gut und immer wieder gab es Spannungen wegen Kleinigkeiten. Doch eigener Wohnraum war nicht so einfach zu bekommen. Gut ein Jahr nach der Hochzeit meiner Eltern, wurde ich im März 1949 im elterlichen Schlafzimmer in der Boxhagener Straße geboren. Damals war es eher selten im Krankenhaus zu entbinden, die meisten Geburten fanden zu Hause statt. Außer der Hebamme war noch meine Oma bei meiner Geburt dabei. Jahre später erzählte sie mir einmal, dass sie während des Geburtsvorganges den Eindruck hatte, dass ich nicht auf diese Welt kommen wollte. Heute ist mir auch klar, warum.
Spätestens nach meiner Geburt wurde den jungen Eltern klar, dass sie sich dringend nach eigenem Wohnraum umschauen mussten. Den fanden sie dann auch ein paar Straßen weiter in der Rigaer Straße. Damals eine ruhige Straße mit vielen kleinen „Tante-Emma-Läden“, einigen Kneipen. Die Wohnung war nicht groß, bestand nur aus Wohnzimmer und Küche, die Toilette befand sich eine halbe Treppe tiefer. Endlich hatten sie ihr eigenes Reich. Im selben Jahr, am 7. Oktober, wurde auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik gegründet.

Drei Jahre später, im Oktober 1952, kam mein Bruder Gerhard einen Monat zu früh auf die Welt. Auch er war eine Hausgeburt. Im Gegensatz zu meiner Geburt waren meine Eltern auf die Ankunft dieses zweiten Kindes so gar nicht vorbereitet. Nichts war für das Baby vorhanden. Die Hebamme wickelte das Neugeborene notdürftig in ein Handtuch und meine Oma wurde nun beauftragt, das Nötigste für das kleine Wesen zu besorgen. Wie ich viel später erfuhr, war mein Bruder kein Wunschkind. Meine Mutter hatte in den ersten Monaten einige abenteuerliche Versuche unternommen haben, um diese Schwangerschaft zu unterbrechen. Warum sie dieses Kind nicht wollte, haben wir nie erfahren. Nur meine Oma verbreitete hartnäckig das Gerücht, dass dieses Kind nicht von ihrem Sohn sein könne. Woher sie das zu wissen glaubte, blieb ebenfalls ihr Geheimnis. Aber der Stachel war zumindest bei meinem Vater gesetzt. Es gelang ihm dadurch nie, eine normale Vater-Sohn-Beziehung zu dem Jungen aufzubauen. Der Kleine war von Geburt an in seiner Entwicklung etwas zurück und blieb immer ein Sorgenkind.

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24. April 2020

'Die Kirche des heiligen Prozesses' von Devon Wolters

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Devon Wolters
Erst gibt sie dir Hoffnung, dann nimmt sie dir alles, was du bist.

Sie ist kaltblütig.
Sie ist berechnend.
Sie ist gefährlich.


Das ist alles, was Siem Kallason über die Kirche des heiligen Prozesses weiß, als er ihr beitritt. Sie verspricht, ihm zu zeigen, wofür er bestimmt ist.

Doch das weiß er schon längst. Er hasst seine Arbeit, er hasst die Unterdrückung der Staatsvollstrecker, er hasst die endlose Stadt, aus der es kein Entkommen gibt. Er will all das hinter sich lassen.

Und das wird er, denn er hat eine Vereinbarung mit einem geheimnisvollen Geist. Ein Jahr lang soll Siem sich in die Kirche einschleichen und Informationen sammeln. Dann wird der Geist ihn fortbringen.

Also tritt Siem der Kirche als Spion bei und lernt ihre fragwürdigen Praktiken und Bräuche kennen. Doch als er zu verstehen beginnt, wie gefährlich die Kirche wirklich ist, bekommt er es mit der Angst zu tun.

Auf was hat er sich da eingelassen?

In diesem phantastischen Thriller entführt Devon Wolters den Leser in eine Stadt, von der es heißt, sie sei endlos. Die Menschen leben und sterben in dem Glauben, sie niemals zu verlassen. Doch ihre Gesetze sind undurchsichtig, ihre Vergangenheit im Dunkeln, ihre Entstehung völlig ungewiss. Und inmitten der Hochhäuser, Straßen und Gassen hat sich ein Geschwür gebildet: Die Kirche des heiligen Prozesses.

Anleser:
Das Gebäude verschwamm nahtlos mit der Stadt. Es war vier Stockwerke hoch, nicht pompös, nicht eindrucksvoll. Es lud fast schon dazu ein, übersehen zu werden, mitten in einem Viertel, in dem sich jeden Tag die Menschen tummelten. Eigentlich hatte ich mit einer der unzähligen leeren Straßen oder Gassen der Stadt gerechnet. Aber hier war es, für jeden sichtbar.
Nach den Geschichten, die ich gehört hatte, hatte ich mit etwas Eindrucksvollerem gerechnet. Stattdessen erwartete mich ein kleines Schild neben der Eingangstür, schwarze Großbuchstaben auf weißem Hintergrund. Die Kirche des heiligen Prozesses.

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23. April 2020

Anke Becker

Anke Becker ist im September 1981 in Warnemünde an der Ostsee geboren und dort aufgewachsen. Nach Ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin schloss sie das Studium zur Diplom Wirtschaftsingenieurin (FH) ab.

Eine langjährige Odyssee führte sie quer durch Deutschland und in verschiedenste Jobs in unzähligen Branchen. Das Schreiben hat sie dabei immer begleitet. Seit 2015 hat sie die Belletristik für sich entdeckt und schreibt als Hobby neben dem täglichen Leben. Sie hat sich auf kein Genre festgelegt.

Seit April 2017 ist sie Mutter eines Sohnes und lebt in der Rhein-Main-Region.

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Bücher im Buch-Sonar:




'GATE 2-2: Aufbruch ins Leben' von Andreas M. Dittrich

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website zum Buch
Lebendig begraben! In diesem Moment bist du dem Tod nicht nur näher als je zuvor, sondern du lernst auch eine Menge über dich selbst. Deine vergangenen Erfahrungen erhalten auf einmal eine neue Bedeutung und du denkst an all die zukünftigen Chancen, die du haben könntest.

Als Ben, ein Mann mittleren Alters, der alles in seinem Leben zu haben scheint, an dem Scheideweg seines Lebens steht, beschließt er sein altes Leben hinter sich zu lassen, um mehr über sich selbst und die wichtigste Aufgabe in seinem Leben herauszufinden. Auf seiner Reise begegnet er Carla. Einer gestressten, taffen Businessfrau, deren Terminkalender die Kontrolle über ihr Leben übernommen hat. Beide suchen Antworten, die sich nicht in Suchmaschinen oder Büchern finden lassen. Während ihrer gemeinsamen Suche begegnen sie außergewöhnlichen Menschen. Durch die Symbiose von Leben und Tod begreifen sie erst an einem Punkt, an dem sie ihrer eigenen Sterblichkeit gegenüberstehen, den eigentlichen Sinn des Lebens.

Anleser:
Auf dem Weg zum Flughafen begann es zu regnen. Ich saß im Taxi und dachte darüber nach, was ich eigentlich hier machte. Ohne es zu diesem Zeitpunkt zu wissen, würde ich mir diese Frage in den kommenden Tagen noch häufiger stellen. Während der Regen gegen die Scheiben prasselte und im Autoradio Weichspülmusik lief, ließ ich meine Gedanken schweifen. Immer wieder schwirrte die Frage durch meinen Kopf, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Als ich einige Wochen zuvor diese E-Mail erhielt, hätte ich niemals gedacht mich auf so etwas einzulassen.
„Du entscheidest über dein Glück“ lautete der Betreff der E-Mail. Typische Spam-Mail, die ihren Weg in mein Postfach gefunden hat, dachte ich zum damaligen Zeitpunkt. Aus irgendeinem Grund, höhere Gewalt oder einfach nur pure Neugier, las ich die Mail. Dabei ist mir ein Satz ganz besonders in Erinnerung geblieben:
„Alles läuft nach deinen Bedingungen und zu deiner Zeit!“
Obwohl ich im ersten Moment nicht viel darauf gab, beschäftigte mich der Inhalt der E-Mail. War ich auf dem falschen Weg? War ich sogar auf der Suche?
Je öfter ich den Text las, umso klarer wurde mir, dass ich wirklich etwas suchte. Die beruflichen Erfolge hatten ihre erfüllende Wirkung verloren. War dies überhaupt jemals der Fall oder habe ich mir diesbezüglich all die Jahre nur etwas vorgemacht? Privat lief alles so, wie es sein sollte – dachte ich. Aber auch diese Ebene in meinem Leben konnte mich irgendwie nicht zufriedenstellend erfüllen.
Ich erhoffte mir, auf dieser Reise Antworten zu finden. Antworten auf die Fragen, die ich hatte und die mir niemand beantworten konnte.
„Wir sind da.“
Ich war so in meine Gedanken versunken, dass ich die Worte des Taxifahrers erst gar nicht wahrnahm.
„Wir sind am Flughafen“, sagte er und tippte mir an die Schulter. Aus meinen Gedanken gerissen, entgegnete ich: „Entschuldigung“ und bezahlte.
Die Regentropfen fielen mir ins Gesicht und ich war froh, als ich die trockene Eingangshalle des Flughafens betrat. Das Geräusch des Regens wich der Geräuschkulisse des Terminals. Menschen, die sich unterhielten, während andere versuchten eilig von A nach B zu gelangen. Stress und Hektik lagen in der Luft.
Zielgerichtet bahnte ich mir meinen Weg durch den üblichen Wahnsinn: Schuhe ausziehen, Taschen leeren, Screening, Abtasten und nochmals durch den Scanner und dann endlich – auf zum Gate 22. Ein paar Minuten hatte ich noch. Also setzte ich mich. Meine Sitznachbarin schien weitaus mehr im Stress zu sein als ich. Sie jonglierte zeitgleich mit Laptop, Smartphone und iPad.
Bei der Gestikulation, die die Dame an den Tag legt, ist es nur eine Frage der Zeit bis sie den abgestellten Kaffeebecher umstößt.
Kaum war mir dieser Gedanke durch den Kopf geschossen, passierte das Unvermeidbare.
Shit, dachte ich und versuchte noch nach dem Kaffeebecher zu greifen.
Zu spät!
Der Inhalt meiner Tasche hatte nun ein leichtes Koffein-Aroma und einen richtig großen Fleck.
Das Multitasking auf Champions-League-Niveau hat wohl nicht so geklappt, dachte ich und konnte mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Sie versuchte mit einem Taschentuch den Schaden so gut wie möglich zu beheben.
Während sie also probierte alles wieder einigermaßen trocken zu tupfen, fluchte sie leise vor sich hin – wahrscheinlich in der Hoffnung, dass ich es nicht hören würde.
Begleitend von der Frage: „Warum habe ich die Teile überhaupt mitgenommen?“ begann sie die Technik in ihren Rucksack zu packen. Zwischendurch sah sie mich an, holte tief Luft und sagte dann: „Sorry, nicht mein Tag heute. Ich bin Carla.“
Sie streckte mir ihre Hand entgegen und ich erwiderte: „Freut mich, Carla. Und keine Sorge, wir haben alle mal einen bad day. Ich bin Ben.“
Während Carla noch damit beschäftigt war Laptop und Co. im Rucksack zu verstauen, holte sie ein Buch heraus und legte es neben sich hin. „Die wichtigste Aufgabe in deinem Leben ist, herauszufinden, was deine wichtigste Aufgabe ist“ stand auf dem Buch.
„Toller Titel“, sagte ich und schaute Carla an. Sie hantierte allerdings immer noch an ihrem Rucksack herum.
„Bitte, was?“
„Das Buch. Ein toller Titel, finde ich.“
Carla nahm das Buch in die Hand und meinte: „Ja. Schließlich brauchen wir doch alle eine sinnvolle Aufgabe in unserem Leben. Oder etwa nicht?“
Ich nickte nur etwas zurückhaltend, denn schließlich war ich mir nicht sicher, was meine Lebensaufgabe ist oder sein sollte. Carla erzählte mir, dass sie beruflich viel unterwegs und oftmals sehr eingespannt sei. Jetzt hatte sie sich aber eine Auszeit genommen, um sich über einige Dinge klarzuwerden. Gerade als unser Gespräch eine interessante Wendung nehmen sollte, kam die Ansage zum Flug.
„Ich muss los!“
Noch bevor ich etwas erwidern konnte, war sie auch schon weg. Ich schaute noch einmal hinterher und sah wie Carla als Erste durch die Schranken lief. Immer unter Strom, dafür aber Business-Class, dachte ich und war einen kurzen Moment neidisch. Nicht auf den Stress und die Hektik, die Carlas Leben zu begleiten schienen, sondern auf die Business-Class. Beine ausstrecken während des langen Fluges. Das wäre sicherlich viel entspannter gewesen.
Während ich durch den Flieger zu meinem Sitzplatz ging, sah ich Carla noch einmal im Vorbeigehen – sie nickte mir nur kurz zu.
Endlich – mein Sitzplatz. Das Handgepäck war verstaut, also setzte ich mich und versuchte zu entspannen. Dabei schoss mir die Frage durch den Kopf, ob Carla und ich das gleiche Ziel hatten.

Blick ins Buch (Leseprobe)

'Flammenkiller: Ostfrieslandkrimi' von Nick Stein

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Nick Stein | Autorenseite im Blog
Ein neuer Fall für Kommissar Lukas Jansen! In Amerika liegt ein Erschossener in einer Badewanne, in Rußland schwimmt ein toter Geheimagent im Teich. Amerika und Rußland sind Vororte von Friedeburg, Ostfriesland. Kann das Zufall sein?

Was die Sache brisant macht: Unter Friedeburg befinden sich die Lager für die strategischen Gasreserven Deutschlands. Um die entbrennt bald ein heißer Kampf zwischen möglichen amerikanischen und russischen Lieferanten, die sich gegenseitig ausstechen wollen. Lukas Jansen muss sich um die Leichen kümmern, die ihren Weg säumen. Ist vielleicht doch die Bürgerinitiative schuld, die das Absinken der Häuser über den Gaskavernen bekämpft? Will sie den Gaslieferanten die Schuld in die Schuhe schieben?

Es folgen weitere Unfälle und schlimme Todesfälle. Jede Seite legt falsche Spuren und versucht, die andere Seite verantwortlich zu machen. Wer sind die Drahtzieher? Welche Seite spielt ein falsches Spiel? Und wer steckt wirklich hinter alledem? Doch bald gerät er mit seinem Team selbst in größte Gefahr. Der Fall wird zu groß für ihn. Aber gibt es das? Zu große Fälle für den Kommissar, der niemals aufgibt?

Wer ihn kennt, weiß, dass erst das die wahre Herausforderung für ihn ist bei der er zu großer Form aufläuft. Lukas verbeißt sich gern in Dinge, die zehn Nummern zu groß für ihn sind …

Anleser:
»In Amerika ist eine Leiche gefunden worden!«, hörte ich draußen auf dem Gang die Stimme der Leiterin des Kommissariats, Erika Meier.
»Und in Schanghai ist ein Sack Reis umgefallen«, kommentierte leise Hinnerk Jaspers, der mir gegenüber an unserem runden Besprechungstisch saß.
Die Tür zu unserem LKA-Büro im ersten Stock wurde weiter aufgestoßen. »Das habe ich gehört!«, rief die empörte Erste Kriminalhauptkommissarin. »Das war ernst gemeint. Im Ortsteil Amerika von Friedeburg liegt ein erschossener Mann in einer Badewanne auf einer Wiese. Wollen Sie mitkommen?«
Ich winkte ab. »Wenn das ein Verbrechen gegen die Umwelt ist, gerne«, kommentierte ich. »Badeunfälle fallen leider gerade nicht in unseren Bereich.«
Die hübsche Kommissarin schüttelte verständnislos ihr intelligentes blondes Lockenköpfchen und zog sich wieder zurück. »Dann eben nicht.«
Ich ließ langsam von meinem Löffel etwas Sahne im Uhrzeigersinn in meinen Tee gleiten, während sie leise die Tür wieder halb zumachte. Niemand hier in Wittmund arbeitete hinter geschlossenen Türen, auch das LKA nicht.
Ich war vor zwei Wochen nach langer Wartezeit endlich vereidigt worden und war nur offiziell Kommissar für Verbrechen gegen die Umwelt beim LKA Niedersachsen, mit dem Arbeitsbereich Ostfriesland und Umgebung. Ich sollte auch den Bereich OK übernehmen, Organisierte Kriminalität, aber das war noch nicht offiziell. Mit mafiösen Vereinen und politisch motivierten Straftätern hatte ich in meinen letzten Fällen schon zu viele Erfahrungen machen dürfen.
»Schade«, kommentierte Svantje Geerts, die Verwaltungsfachfrau unserer kleinen Abteilung in Wittmund. »Das wäre mein erster Mord gewesen.«
»Ich wusste gar nicht, dass Mord jetzt ein Einstellungskriterium bei uns ist«, frotzelte Hinnerk Tjaden, der Fallanalytiker aus Emden, der mit seinen einundsechzig Jahren unserem kleinen Team als erfahrener Beamter zugeteilt worden war. »Habe ich da was verpasst?«
»Es passiert gar nichts«, wechselte ich das Thema. »Ich habe die Sahne falsch rum in meine Tasse gegossen, er schmeckt trotzdem genauso gut wie sonst. Die Welt steht noch. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.«
Wie jedermann weiß, kommt zuerst ein Kluntje in die Tasse, dann der heiße Tee darüber, und dann kommt die Sahne aus dem Löffel langsam entgegen dem Uhrzeigersinn am Rand in die Tasse, damit sich die kleinen Quellwölkchen bildeten, die nach und nach im roten Tee aufstiegen, die Wulkje.
Anschließend trinkt man langsam und ohne umzurühren. Erst die wolkige, sahnige Schicht, dann den kräftigen roten Tee, und schließlich die süße Bodenschicht. Mindestens drei Tassen davon, denn das ist verbrieftes Ostfriesenrecht.
»Ich meine, meine erste Leiche«, verbesserte sich die bohnenstangendürre Svantje und schüttelte dabei ihren roten Haarschopf. Wir hatten uns alle gefragt, was sie bei der Polizei wollte, wo sie mit ihrem roten Afro doch auch als Leuchtturmwärterin hätte arbeiten können, sogar ohne Leuchtturm.
»Sag ich doch«, grinste Hinnerk und zog an seiner kalten Pfeife, was er immer tat, wenn er sich freute. »Dass man hier nur mit einer Leiche reinkommt.«
»Blödmann«, sagte sie. »Das könnte doch ein wichtiger Fall sein. Wozu sind wir denn bei der Polizei?«
Wir verstanden uns schon ganz gut nach den ersten zwei Wochen.
»Wir können hier gar nicht weg, Svantje«, erklärte ich ihr. »Nicht bei den Keksen, die du immer mitbringst.« Ich kaute gerade auf einem, den sie aus übrig gebliebenem Spekulatius gemacht hatte. Zwei Scheiben aufgebackener Spekulatius, dazwischen eine Schicht aus Mascarpone, Kirschen, Rumrosinen und Schokostreuseln, mit einer halb geschmolzenen Praline obendrauf. Eine ihrer fantastischen Sorten.
»Außerdem, was willst du denn in Amerika, mit einem bereits toten Mann in einer Badewanne«, machte Hinnerk weiter. »Zu dieser Jahreszeit baden! Bist du doch viel zu jung für, ist zu weit weg, und was Lebendiges wäre viel besser für dich.«
»Menno!«, schimpfte unser Leuchtturm. »Verarschen kann ich mich alleine. Das weiß doch jeder hier oben, dass das ein Ortsteil von Friedeburg ist. Ist praktisch gleich um die Ecke, es gibt sogar einen Wanderweg von Rußland nach Amerika, bin ich schon gelaufen.«
Svantje kam aus Esens und kannte sich aus. Sie hatte in Oldenburg studiert und war seit einem halben Jahr fertig.
Bisher hatten wir uns hier gerade erst eingerichtet. Vorher hatte ich als Kommissar zur Anstellung nur einen winzigen Raum zur Verfügung gehabt, jetzt hatten wir zwei größere Räume, mein Büro mit dem Besprechungstisch und einem Konferenztelefon, und das Büro von Hinnerk und Svantje, in dem sie sich an zwei Tischen gegenübersaßen.
Hinnerk stand zwar rangmäßig über mir, als Oberkommissar, fungierte aber eher als mein Berater und Analyst.
Ich nahm mir einen von Svantjes anderen Spezialkeksen vor. Die waren tiefgrün, wegen der Minze darin, wie sie sagte, mit Honig, Sahne und Krokantbrocken drauf. Nach ihrem Genuss wurde mir immer wunderschön leicht im Kopf, und ich konnte ohne große Anstrengung planlos vor mich hin denken und alles Wichtige irrelevant erscheinen lassen. Bisher hatte sie diese Kekse für unser Revier im Revier reserviert.
»Hier oben passiert praktisch täglich ein Mord«, setzte Hinnerk Svantje auseinander. »All diese Ostfrieslandkrimis handeln doch von nichts anderem. Die Bronx ist ein Kinderspielplatz dagegen, so viel ist hier oben los.«
»Ha, ha«, sagte sie. »So was von. Ach, kommt, seid nicht so sture Ostfriesen! Frau Meier hat uns extra eingeladen. Dann bringe ich morgen auch wieder meine Spezialkekse mit.«
Ich beäugte den zur Neige gehenden Vorrat auf dem Teller in der Mitte des Tisches. Wenn etwas noch bedrohlicher ist als Mord, dann kein Tee und keine Kekse. Etwas Schlimmeres konnte ich mir kaum vorstellen. In Aurich sollte mal ein Mann grausam mit Teeentzug zu Tode gefoltert worden sein; so etwas wollten wir hier nicht erleben.
Wir hatten bereits auf eine andere Teesorte umstellen müssen, weil meine Lieblingsmischung alle war. Schlimm genug. Und dann noch keine Kekse oder alternativ keine Ostfriesentorte?
Ich sah aus dem Fenster. Für einen Wintermonat hatten wir ziemlich gutes Wetter, die Sonne schien, am Wall hinter der Wache sah ich einen ersten blauen Krokus oder Märzenbecher aus dem Laub lugen.
»Na gut, überzeugt. Ab nach Amerika, Leute.«
Wir tranken unseren Tee aus, Hinnerk und ich packten uns noch ein paar Kekse in die Tasche, bevor wir runter zu meinem Auto gingen. Hinnerk stopfte sich unterwegs seine Pfeife, ohne die er nie das Haus verließ, auch wenn er so gut wie nirgends rauchen durfte.
Blaulicht brauchten wir nicht, wir waren auch so in einer guten Viertelstunde in Amerika. Nach Rußland, einem anderen Ortsteil von Friedeburg, war es auch nicht viel weiter.
Amerika hatten die Ansässigen die damalige sehr arme Siedlung eher zynisch genannt, weil dort die Auswanderer hingingen, die sich die Überfahrt ins richtige Amerika nicht leisten konnten. Sie hatten dort lange Zeit in Behausungen aus Grassoden gewohnt. Statt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten waren sie im Ortsteil der begrenzten Unmöglichkeiten gelandet.
Bei Rußland waren die Leute geteilter Ansicht. Wegen eines Köhlers gab es immer viel Ruß im Ort; die karge Heide erinnerte damals manche an die Tundra, eine andere Version besagte, dass ein grob aussehender Mann wie ein Russe gewirkt hätte.
Meine eigene Version war, dass Ostfriesland im neunzehnten Jahrhundert kurz zu Russland gehört hatte, vielleicht hatte das jemand mit diesem Ort verbunden.
Wir waren da.

Blick ins Buch (Leseprobe)

22. April 2020

'Schicksalspfad des Tempelritters 3 - Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Olivièr Declear bei Amazon | Autorenseite im Blog
Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

'Flammende Himmel' ist der dritte Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Anleser:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

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'Nullpol: Rette die Welt, wer kann' von Cidney Cage

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Website Cidney Cage
Knapp am Auserwählten vorbei ist auch daneben.

Viktors Leben geht den Bach runter und es wird nicht unbedingt besser, als er auf dem Weg zum Bäcker Nick No vor die Motorhaube läuft. Der hält ihn nämlich aus unerfindlichen Gründen für den Retter der Menschheit, der die Welt vor dem Untergang bewahren soll.

Natürlich erweist sich das Ganze schnell als banale Verwechslung, doch von dem wahren Prophezeiten fehlt jede Spur und so liegt das Schicksal des Universums vorerst in seinen unfähigen Händen. Ein Job, auf den einen selbst siebzehn Praktika samt Fernlehrgang nicht vorbereiten können. Da heißt es Augen zu und durch – mitten hinein in ein Schlamassel epischen Ausmaßes …

Anleser:
Dieser Planet beherbergt Myriaden von mehr oder minder intelligenten und mindestens die doppelte Menge an nicht intelligenten Lebewesen. Eine grobe Schätzung, die auf der Annahme basiert, neun von zehn Gemüsesorten seien dumm und Delfine schlau. Ob das stimmt und zu welcher Gruppe die Menschen zählen, werden spätere Generationen entscheiden müssen.
Jedenfalls kann sich die Erde kaum über Langeweile beklagen. Davon abgesehen, dass sie permanent Karussell um die eigene Achse fährt, vergeht seit dem Urknall kein einziger Tag, an dem absolut gar nichts geschieht. Tausende und abertausende Ereignisse pflastern ihren Weg.
Selbstverständlich sind einige bedeutsamer als andere, das liegt in der Natur der Sache. Stürzt zum Beispiel ein Spatz aus den Wolken, interessiert das in erster Linie bloß den Vogel selbst. Fällt ein Meteor vom Himmel, spricht die ganze Welt darüber – vorausgesetzt es läuft nicht gerade Bundesliga oder die neueste Staffel Grey´s Anatomy.
Frei nach Neil Armstrongs legendärem Ausspruch »Ein kleiner Schritt für einen Mann, ein großer Schritt für die Menschheit« haben unterschiedliche Personen (beziehungsweise Spatzen) eben unterschiedlich große Füße. Und die wenigsten hinterlassen ihre Spuren im Sand der Zeit.
Die Geschichte, die es an dieser Stelle zu erzählen gilt, ist eines jener Ereignisse. Sie trägt Schuhgröße sechzig und wird Spuren hinterlassen. Denn neben vielem anderen berichtet sie vom vielleicht letzten Tag des oben erwähnten Planeten und seiner Bewohner.
Wobei dieser Tag im Allgemeinen recht bewegt gewesen zu sein scheint …

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21. April 2020

'Im Glashaus gefangen zwischen Welten' von Devakumaran Manickavasagan

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Website zum Buch | Autoren-Website
Das Glashaus erläutert die Folgen, die bei der Erziehung von Kindern festzustellen sind, wenn sie zwischen zwei Kulturen aufwachsen. Es ist ein Thema, das seit Jahren in der Politik aktuell ist und auch innerhalb von Gesellschaftskreisen diskutiert wird. Zugleich soll dieses Werk neben betroffenen Jugendlichen auch die deutsche Gesellschaft erreichen. In den Nachrichten erfährt man lediglich das Resultat eines hinter verschlossenen Türen ablaufenden Prozesses. Einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen die nachfolgenden Betrachtungen, aus denen bestimmte Aspekte auch auf andere Kulturen übertragen werden können. Eine Reise in die Gedanken- und Gefühlswelt von heranwachsenden Kindern- und Jugendlichen.

Der Autor Devakumaran Manickavasagan (Deva Manick) wurde 1987 in Ratingen geboren. Seit über 10 Jahren beschäftigte er sich mit dem Wandel verschiedener Kulturen in Deutschland. Dies gelang ihm durch den Austausch mit betroffenen Menschen, begleitet von zahlreichen Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen mit dem Leben zwischen zwei Kulturen. Während der Flüchtlingskrise, die Deutschland im Jahre 2015 heimsuchte, konnte er als Betreuer und später Leiter einer Notunterkunft mit seiner tatkräftigen Unterstützung einen Beitrag für die neu angekommenen Menschen in Deutschland leisten. Der Autor war lange Jahre im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit aktiv, um seine Forschungen und Beobachtungen, die er persönlich im Glashaus gemacht hat, zu widerlegen.

Leseprobe:
Wer bin ich wirklich?
Wer bin ich wirklich? Diese Frage stellen sich manche Jugendliche und vermuten, die Antwort während ihres Wandelns zwischen den kulturellen Welten zu finden. Die wirkliche Antwort müssen sie jedoch direkt vor ihren Augen suchen, nämlich bei sich selbst!
Wie ich bereits erläutert habe, befindet sich das Individuum eines tamilischen Kindes in den Fesseln der Kultur beziehungsweise der Gesellschaft. Durch diese Gefangenschaft gelingt es dem Kind nicht, sich selbst zu finden, da es die meiste Zeit gedanklich damit beschäftigt ist, wie es der Kultur gegenüber gerecht werden kann. Sei es durch die Teilnahme an Feierlichkeiten, die Erfüllung bestimmter familiärer Pflichten, die Übernahme der Verantwortung für jüngere Geschwister oder die Erreichung eines bestimmten Berufsstandes, mit dem der junge Mensch den Namen seiner Familie in ein gutes Licht rückt. Dass dadurch das eigene Leben vernachlässigt wird, bemerken viele erst, wenn sie von den Fesseln befreit sind. Dies kann zum Beispiel durch einen Auszug aus dem Elternhaus geschehen.
Ich vermute, dass an dieser Stelle einige Leser darüber nachdenken, inwiefern dies auf sie zutrifft.
War oder ist man selbst Gefangener der Gesellschaft?
Wie lange hat man unbewusst die Rolle einer Marionette übernommen, nur um den Willen anderer zu erfüllen und sie glücklich zu machen?
Für Gefühle gibt es in der Gesellschaft wenig Platz, denn es gilt immer noch die Devise: „Was denkt die Gesellschaft darüber?“ Erlaubt sie Gefühle nicht, so sind sie einem, der sich in diesem System befindet, verboten. Ich konnte sehen, dass selbst Menschen, denen es finanziell gut ging, etwas in ihrem Leben fehlte, nämlich die Freude.
Umso schwerer ist es sicherlich für ein Kind, die materielle Freude der Eltern zu teilen, wenn es sich nach mehr Zuneigung und Wärme sehnt. Dieser Zwiespalt bewirkt im Innern des betroffenen Kindes eine tiefe Wunde, welche die Eltern ohne Weiteres nicht sehen, denn das Zeigen von Gefühlen ist in der Gesellschaft untersagt.
Hierzu kommt als weitere Belastung die unzureichende Kommunikation zwischen dem Kind und seinen Eltern. Während die Eltern sich gedanklich in ihrer heimatlichen Welt in Sri Lanka befinden, sind die Kinder in dem Zwiespalt zwischen der deutschen und der tamilischen Welt gefangen. Die Problematik entwickelt sich, wenn die Kinder den Eltern gegenüber die eigenen Wünsche erklären müssen.
Hierzu ein Beispiel: Es steht eine Party an, wo die gesamte Jahrgangsstufe aus der Schule eingeladen ist und man selbst auch gern hingehen möchte. Die erste Hürde ist die Erlaubnis der Eltern. Während sich die Freunde und die anderen auf die baldige Party freuen, meldet sich das Gewissen, welches die Vorfreude bremst. Mit einem „Nein“, das schon in Gedanken vorprogrammiert ist, macht man dennoch den Versuch, die Eltern um Erlaubnis zu fragen, denn schließlich ist die gesamte Jahrgangsstufe aus der Schule dort und der Freundeskreis geht hin. Dann die meist gestellte Frage, die von den Eltern kommt: „Wann fängt es an?“ Dass eine solche Party nicht zur Kaffee-und- Kuchen-Zeit beginnt, ist den meisten Jugendlichen klar, doch nicht vielen tamilischen Eltern. Die Uhrzeit, zu der eine Veranstaltung beginnt, ist Grund genug, den Kindern die Teilnahme zu verbieten. Trotz überzeugender und logischer Erklärungen ist es ihnen schwierig, das Einverständnis zu bekommen. Falls doch ein Elternteil zustimmen sollte, könnte dieser wiederum durch den anderen Elternteil umgestimmt werden.
In der Welt zu Hause ist man damit beschäftigt, die schulische Welt zu rechtfertigen. Schlussfolgernd kommt in den meisten Fällen das Resultat, dass die Eltern es nicht verstehen und man als junger Mensch an solchen Feiern nicht teilnehmen kann. Man zieht sich in sein Zimmer zurück und versucht, sich mit seinen verletzten Gefühlen selbst zu trösten.
Mit den kulturellen Erklärungen seitens der Eltern wird versucht, ein Aufbegehren der Psyche zu dämmen, sodass der innere Schrei nach Freiheit und Selbstbestimmung vorläufig gestoppt wird. In diesem Moment des Leidens bietet sich das Medium „Internet“ als weiterer Zufluchtsort an, um von den verletzten Gefühlen abzulenken und wenigstens anonym seine Gefühle äußern zu können.
Eines Tages stieß ich durch Zufall auf ein tamilisches kulturelles Forum, in dem unter anderem die von mir hier angesprochenen Themen diskutiert wurden. Erstaunt konnte ich feststellen, dass es dort eine Vielzahl von Mädchen gab, die in ihrem Zuhause mit all diesen Problematiken konfrontiert waren. Aus der Reihe der Jungen gab es nicht einen offiziellen Fall, der auch nur im Ansatz eine Konfrontation mit den Eltern angedeutet hätte. Der Grund dafür, vermute ich, liegt darin, dass es gerade den Männern in der Gesellschaft nicht erlaubt ist, über ihre Gefühle zu sprechen, ohne dabei auf irgendeine Weise abgestempelt zu werden.
Es gilt ja selbst auch in anderen Gesellschaften die Faustregel:
„Wer cool und hart ist, ist erst ein Mann.“
Ein weiterer Grund könnte sein, dass Jungen nach dem Gesellschaftsbild automatisch mehr Rechte bekommen als Mädchen.
Hier die folgende Regel, wonach sich die Gesellschaft richtet:
„Über einen Jungen kann gesprochen werden. Das würde der Familie nicht so viel Schaden zufügen, als wenn über ein Mädchen gelästert würde. Denn es wäre dann umso schwerer für dieses Mädchen, einen geeigneten Partner zu finden, da ihr Ruf bereits verschmutzt wäre.“
Die Angst, dass andere über sie sprechen könnten, bedeutet für viele Eltern, es um jeden Preis zu verhindern. Und dabei heißt es, etwaige „westliche Feierlichkeiten“ zu umgehen und die Tochter davor zu schützen. In solchen Fällen sind meist die Töchter in ihrem Zufluchtsort, dem Internet oder der Filmwelt, Gefangene ihrer eigenen Emotionen, aus denen sie meist nicht allein herauskommen können. Im genannten Beispiel ist ein betroffenes Mädchen in Erklärungsnot gegenüber Klassenkameraden und Freunden, die eine Erklärung der Eltern, basierend auf der kulturellen Ebene, nicht nachvollziehen können. Und auch hier folgt eine weitere Verletzung, nämlich die des Außenseiters. Auch wenn man in der Klasse ein unbeschriebenes Blatt ist, so stellt man sich in dem Moment durch die Nichtteilnahme an einer „westlichen Feier“ als Sonderling dar, und dies geht wieder zulasten der Psyche. In einer solchen Situation sind die betroffenen Jugendlichen auf sich gestellt und versuchen, den wiederkehrenden inneren Schrei nach „Freiheit und Selbstbestimmung“ zu unterdrücken. Eine gezwungene Identifikation mit der eigenen Kultur, indem man sich selbst einredet:
„Das hat alles seine Richtigkeit, es ist die tamilische Kultur – meine Kultur –, die die anderen nicht verstehen.“ Dabei ist es gerade die Kultur, die einem durch die Aufstellung der Fesseln innere Verletzungen zufügt. Obwohl manche betroffene Jugendliche es im Innern wissen, sind sie dennoch gezwungen, die tamilische Kultur vor der deutschen Kultur zu beschützen und diese als „gut“ beziehungsweise „perfekt“ und „schön“ zu präsentieren. Dieses „gut“ wird mit der Hinnahme solch feierlicher Blockaden akzeptiert. Man redet sich ein, dass das alles sein muss, da man sonst gleichzeitig in der eigenen tamilischen Kultur ein Außenseiter ist.
Betrachtet man das Beispiel ein wenig genauer, kann der Leser erkennen, dass betroffene Jugendliche sowohl in der eigenen Kultur als auch in der westlichen Kultur als Außenseiter gelten. Zu Hause im Zimmer mit den verletzten Gefühlen und in der Schule durch die fehlende Teilnahme am Gesellschaftsleben. Unbewusst schleppen diese jungen Menschen jahrelang Verletzungen ihrer Seele mit sich, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Dahingehend ist es für mich keinesfalls eine neue Entdeckung, dass das wirkliche Schätzen des Lebens vielen so schwer fällt. Gefangen zwischen den Welten, wandert die eigene Persönlichkeit eines tamilischen Kindes mal hierhin, mal dorthin, was zu einer fortwährenden Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit führt. Irgendwann wird auch der innere Schrei oder das Verlangen nach Freiheit und Selbstbestimmung von den betroffenen Jugendlichen aufgegeben, und manche geben ihr ganzes Leben in die Hände der anderen. Es ist eine Scheinwelt, in der sie leben und auch anderen etwas vorleben. Eine Welt, in der nach außen Glück und Freude herrschen, während im Innern genau das Gegenteil der Fall ist.
Die falsche Definition von Freude durch den Besitz materiellen Reichtums und Geldes ist eine mögliche Folge für die Isolation von der Gesellschaft. Es ist keine Seltenheit, dass sich betroffene Kinder im Laufe ihres Lebens, spätestens, wenn sie erwachsen sind, die Frage stellen: „Wer bin ich eigentlich wirklich?“

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'Shitstorm: Ein Thriller mit Sibel Schmitt' von Joachim Widmann

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FB-Seite zur Buchreihe | Autorenseite im Blog
Sibel Schmitt, Ermittlerin beim Bundeskriminalamt, übernimmt mit ihrem neuen Job als Profilerin die Fahndung nach dem Serienkiller, der mitten in Berlin auf eine Weise Kinder ermordet, die an einen jahrzehntealten Fall erinnert.

Verschwörungsgerüchte verbreiten sich, werden durch Fake News verstärkt. Eine Journalistin, die der Sache nachgeht, kommt durch eine Art Militärschlag ums Leben. „Welche fremde Macht steckt dahinter, und warum?“, ist die entscheidende Frage, die Sibel Schmitt wegen strikter Geheimhaltung und politischer Rücksichten offiziell nicht stellen darf. Der Shitstorm eskaliert zu Gewalt auf Berlins Straßen.

Als Schmitt das Ausmaß der Abgründe dieses Falls endlich abschätzen kann, gibt es kein Halten mehr. Killer, die sich für Retter halten, sind schon losgezogen ...

Anleser:
Berlin, im Tiergarten
Der Leichensack ist zu groß für den kleinen Körper, der Blechsarg der Gerichtsmedizin ebenfalls.
Es ist ein bizarres Missverhältnis.
Alle sind still, konzentriert.
Wenn das Opfer ein Kind ist, ist es nicht dieselbe geschäftige Stille wie sonst.
Schmitt steht rauchend abseits, wo die Dämmerung nicht von den Scheinwerfern am Fundort überstrahlt wird.
»Hast du eine für mich?« Der Mann trägt noch den Einweg-Plastikoverall der Tatortermittler.
»Klar.« Sie holt die Zigaretten aus ihrer Jackentasche, schüttelt eine aus der Packung. »Hilf mir mit deinem Namen. Ich …«
»Du hast mich immer Müller-Bindestrich genannt.« Seine Feuerzeugflamme wirft zuckendes Licht auf sein schmales, von feinen Falten überzogenes Gesicht.
Schmitt lacht. »So viel weiß ich noch.«
»Müller-Mausburg. Du bist jetzt bei der Operativen Fallanalyse, höre ich?«
Sie nickt. »Bundeskriminalamt.«
»Was denkst du?«
»Sag mir, was du denkst.«
»Wenn das LKA euch an einen Tatort ruft, wird es ernst und eilig. Normalerweise reichen Fallanalytikern die Akten.«
Schmitt nickt. »Die Tatfrequenz steigt, der Täter wird unvorsichtig. Dieser Tatort ist von dem Hochhaus dort einsehbar, liegt direkt an diesem Trampelpfad, der Sichtschutz durch das Gestrüpp da vorn ist dürftig. Wir stufen den Täter als intelligent und sorgfältig ein …«
»Er würde sonst weit mehr Spuren hinterlassen«, bestätigt Müller-Mausburg.
Schmitt: »Bisher hat er sehr auf Tarnung und Schutz geachtet. Dunkelheit, eine gewisse Abgeschiedenheit, obwohl er mitten in der Stadt mordet und im Prinzip eine hohe Risikobereitschaft zeigt. Wenn ein so ein Typ am hellen Tag an einem solchen Ort zuschlägt, steht er unter erheblichem Druck. Und er ist offensichtlich gestört worden.«
»Nur drei Stiche vor dem Erwürgen. Die Frau, deren Hund die Leiche fand, sah einen Mann weglaufen.«
»Das war für ihn nicht befriedigend.« Schmitt lässt die Kippe fallen, stellt ihren Stiefel darauf. »Ich bin sicher: Er ist schon wieder auf der Jagd. Es wird keine 24 Stunden dauern, bis wir das nächste Opfer finden.«
»Es sei denn, wir finden den Täter«, sagt Müller-Mausburg.
Stefan Held, sein dünner Körper seltsam verloren in Wollmantel und Schal, tritt hinzu. Er wendet sich direkt an Schmitt. »Ich hatte gehofft, Sie hier zu erwischen.«
»Chef, das ist Tatortermittler Müller-Mausburg vom LKA. Stefan Held, BKA-Vizepräsident«, stellt sie vor, bietet Held ihre Zigaretten an und nimmt nach ihm selbst noch eine. »Wir reden gerade über den Serienkiller. Wir sind uns einig, dass wir es nun mit einer Eskalation zu tun bekommen. Was meinen Sie?«
»Warum reagieren Sie nicht auf meine SMS?«, fragt Held Schmitt.
»Warum reagieren Sie nicht auf meine Voicemail?«, fragt sie zurück. »Sie sehen doch, dass es dringlich ist. Und sagen Sie mir nicht wieder, dass Sie die Herkunft des Projektils nicht kennen.«
Held beugt sich vor, spricht nah an ihrer Schulter, so leise, dass nur sie es hören kann: »Ich darf Ihnen nur so viel sagen, dass es hochproblematisch wäre, wenn zum jetzigen Zeitpunkt bekannt würde, was wir derzeit über Merboom wissen. Viel ist es sowieso nicht. Dass dies eine Frage der nationalen Sicherheit ist, liegt doch auf der Hand.«
Sie lässt sich auf das Flüstern ein. »Geben Sie mir Informationen, überzeugen Sie mich. Wenn Sie mich einweihen, bin ich genauso Geheimnisträger wie Sie. Ich wandere in den Knast, wenn es durch mich rauskommt. Der Islamische Staat, wie diese Fake-Idioten schreiben, hat das Ding jedenfalls nicht abgeschossen. Denken Sie, ich bin dämlich?«
Er spricht nun so nah an ihrem Ohr, dass sie seinen Atem spürt. »Ganz im Gegenteil. Ich, beziehungsweise wir denken, dass Sie der Lösung so nahe sind, dass uns der Fall um die Ohren zu fliegen droht. Sie wissen selbst, dass die Öffentlichkeit uns grillen würde, wenn wir Informationen zurückhalten, die weitere Morde verhindern helfen könnten. In diesem Fall bleibt uns aber aus Gründen der Diplomatie nichts anderes übrig. Also: Folgen Sie Ihren klaren Anweisungen, machen Sie Ihren Job, konzentrieren Sie sich auf den Killer. Wir sind gehalten, alles zu tun, damit diese Sache nicht noch mehr aus dem Ruder läuft. Von jetzt an steht Ihr Handy auf Empfang. Merbooms Cloudspeicher, soweit er nicht ihren Fall betrifft, und die Information, wo diese Scheißrakete herkam, sind für Sie tabu.« Er richtet sich auf, steckt sich die Zigarette zwischen die Lippen. »Und jetzt geben Sie mir endlich Feuer.«
Sie zündet seine, dann ihre Zigarette an, sagt nichts.
»Haben Sie mich verstanden?«, insistiert er.
»Klar.«
»Und?«
Sie hebt den Mundwinkel, sagt rau: »Wir teilen die Zeche: Tote Kinder gehen auf Sie, nationale Sicherheit auf mich.«
»Schmitt, ich …«
»Fuck it!«, unterbricht sie, zieht fröstelnd die Jacke zusammen. »Damit Sie über unseren Killer im Klaren sind: An diesem Tatort gibt es alle Indizien; er war es. Seine Nummer sechs. Das Kind wurde gefesselt, gewürgt, mit dem Messer gequält, wieder gewürgt. Ich erspare Ihnen Details, aber alle Tatmerkmale sind da, auch die, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß. Das Intervall seit dem letzten Mord ist viel zu kurz, und der Tatort ist offensichtlich ungeeignet – er dreht also auf, verliert die Selbstkontrolle. Wenn das sein neues Muster ist, finden wir morgen irgendwo die nächste Leiche. Er wird unter erhöhtem Druck schlampig, spontan. Das macht ihn noch gefährlicher.«
»Tut mir leid.«
»Mir auch. Falls Sie mir doch noch Informationen geben wollen, die die Ermittlungen eventuell rasch weiterbringen, wissen Sie, wo Sie mich finden.«

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20. April 2020

'Für mich bist du tot: Zerstörte Illusionen' von Elisabeth Charlotte

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Elisabeth Charlotte schildert den systematischen Zerfall ihrer kleinen Familie, ausgelöst durch den plötzlichen Kontaktabbruch ihres einzigen geliebten Sohnes.

Die authentische Geschichte beginnt in den fünfziger Jahren mit der Flucht des Vaters aus der DDR in den Westen Deutschlands. Alleingelassen, beginnt für die Mutter und ihre Kinder ein Leben voller Entbehrungen. Die Mutter ist den alltäglichen Belastungen, die sich aus der Erziehung der Kinder ergeben, nicht gewachsen. Sie sucht Trost im Alkohol und Tabletten. Dies hat katastrophale Folgen für alle, besonders aber für die Entwicklung ihrer Kinder.

Die Autorin lässt die Leser teilhaben an ihrem von vielen Schicksalsschlägen begleiteten Weg vom schüchternen Mädchen bis hin zur selbstbewussten Frau. Sie bekommt einen Sohn, ein Wunschkind, durchläuft ein schmerzhaftes Comingout, verbunden mit einer ersten unglücklichen Liebe. Als sie die Frau ihres Lebens kennen lernt, scheint sie endlich in einem glücklichen Leben angekommen zu sein.

Doch jetzt beginnt die eigentliche Tragödie ...

Anleser:
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war von den Siegermächten 1945 vereinbart worden, Berlin in vier Sektoren aufzuteilen. Margarete und Paul, meine Eltern, lebten in der Ostzone und lernten sich 1947 in einem Tanzlokal kennen. Mein Vater war siebzehn Jahre alt und kam aus der Gefangenschaft. Meine Mutter, ein Jahr älter, absolvierte ihr hauswirtschaftliches Pflichtjahr, so wie es damals für junge Mädchen üblich war. Ein Jahr später im Juli 1948 hatten sie geheiratet.
Beide brauchten zu der Zeit noch die Genehmigung ihrer Eltern, weil man damals erst mit einundzwanzig Jahren volljährig war. Sie waren jung, sehr verliebt und lebenshungrig und sie genossen beide das Leben nach Kriegsende in vollen Zügen. Meine Eltern lebten anfangs zusammen mit der frisch geschiedenen Mutter meines Vaters, in einer kleinen Wohnung in der sowjetischen Besatzungszone im Bezirk Friedrichshain. Wie man sich gut vorstellen kann, vertrugen sich Margarete und ihre Schwiegermutter, zwei charakterlich sehr unterschiedliche Frauen, nicht so gut und immer wieder gab es Spannungen wegen Kleinigkeiten. Doch eigener Wohnraum war nicht so einfach zu bekommen. Gut ein Jahr nach der Hochzeit meiner Eltern, wurde ich im März 1949 im elterlichen Schlafzimmer in der Boxhagener Straße geboren. Damals war es eher selten im Krankenhaus zu entbinden, die meisten Geburten fanden zu Hause statt. Außer der Hebamme war noch meine Oma bei meiner Geburt dabei. Jahre später erzählte sie mir einmal, dass sie während des Geburtsvorganges den Eindruck hatte, dass ich nicht auf diese Welt kommen wollte. Heute ist mir auch klar, warum.
Spätestens nach meiner Geburt wurde den jungen Eltern klar, dass sie sich dringend nach eigenem Wohnraum umschauen mussten. Den fanden sie dann auch ein paar Straßen weiter in der Rigaer Straße. Damals eine ruhige Straße mit vielen kleinen „Tante-Emma-Läden“, einigen Kneipen. Die Wohnung war nicht groß, bestand nur aus Wohnzimmer und Küche, die Toilette befand sich eine halbe Treppe tiefer. Endlich hatten sie ihr eigenes Reich. Im selben Jahr, am 7. Oktober, wurde auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik gegründet.

Drei Jahre später, im Oktober 1952, kam mein Bruder Gerhard einen Monat zu früh auf die Welt. Auch er war eine Hausgeburt. Im Gegensatz zu meiner Geburt waren meine Eltern auf die Ankunft dieses zweiten Kindes so gar nicht vorbereitet. Nichts war für das Baby vorhanden. Die Hebamme wickelte das Neugeborene notdürftig in ein Handtuch und meine Oma wurde nun beauftragt, das Nötigste für das kleine Wesen zu besorgen. Wie ich viel später erfuhr, war mein Bruder kein Wunschkind. Meine Mutter hatte in den ersten Monaten einige abenteuerliche Versuche unternommen haben, um diese Schwangerschaft zu unterbrechen. Warum sie dieses Kind nicht wollte, haben wir nie erfahren. Nur meine Oma verbreitete hartnäckig das Gerücht, dass dieses Kind nicht von ihrem Sohn sein könne. Woher sie das zu wissen glaubte, blieb ebenfalls ihr Geheimnis. Aber der Stachel war zumindest bei meinem Vater gesetzt. Es gelang ihm dadurch nie, eine normale Vater-Sohn-Beziehung zu dem Jungen aufzubauen. Der Kleine war von Geburt an in seiner Entwicklung etwas zurück und blieb immer ein Sorgenkind.

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19. April 2020

'Entscheidung in Florida: Der Songwriter' von Chris Regez

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Der Roman „Entscheidung in Florida“ ist eigentlich ein MUSIK-Roman. Doch bis jetzt existiert dieses spezifische Genre (noch) nicht explizit. Das ist schade, denn Kinofilme gibt es schon längst, die im Musikbusiness spielen (z.B. A Star Is Born, Bohemian Rhapsody oder die TV-Erfolgsserie Nashville).

Die Liebesgeschichte von Joe und Allison spielt im Musikgeschäft. Er ist ein hochtalentierter Songschreiber mit Hits in den Top-10 der Hitparade und seine Ehefrau ist eine sehr erfolgreiche Sängerin. Für Joe bricht eine Welt zusammen als er erfährt, dass ihn Allison mit einem Musiker ihrer Band betrogen hat. Was soll er jetzt tun? Ihr vergeben, um sie kämpfen oder sie gehen lassen und Trost in den Armen einer anderen Frau suchen? Eine schwierige Entscheidung. Doch Joe findet eine Lösung.

Etwas Abwechslung gibt ihm eine Songwriting-Session in Florida. Ein ehemaliger Top-Star lädt Joe dazu ein. Im „Sunshine-State“ erfährt er, weshalb gerade er dem schwer kranken früheren Country-Sänger helfen soll, neue Hits zu schreiben. Ihre gemeinsamen Kompositionen lösen eine riesige Kettenreaktion aus.

Und jetzt muss sich auch der einstige Star entscheiden. Er hat ein Angebot erhalten, das er kaum ablehnen kann. Aber er zögert ...

Sprechen dich die Themen Love-Story und Musik an? Dann bist du hier an der richtigen Stelle. In die Liebesgeschichte eingebettet sind interessante Backgroundinfos zur Musikbranche. Dabei nimmt der Autor die Leserinnen und Leser mit ins Musikstudio und in die Welt der Plattenfirmen und Entscheidungsträger der Musikindustrie.

Du kannst das Buch „Entscheidung in Florida“ auch gut lesen, wenn du den ersten Teil „Der Songwriter“ (noch) nicht gelesen hast.


Leseprobe:
Kapitel 3 – Der Anruf
(Tag 4 – Montag, 13. Februar 2017)


«Guten Morgen, hier spricht Randy Jackson.» Für diesen Anruf wechselt Bruce zurück zu seinem früheren Künstlernamen. «Ich möchte gerne mit dem Inhaber des Musikverlages sprechen.»
Seinen ehemaligen Künstlernamen selber auszusprechen, fühlt sich für Bruce sehr fremd an. Er kann sich nicht einmal mehr richtig damit identifizieren.
Die Telefonistin bei «Rocky Road Songs» stellt den Anruf durch und eine tiefe Männerstimme meldet sich: «Sam Stone, guten Tag, was kann ich für Sie tun?»
«Hier ist Randy Jackson. Ich habe ein ungewöhnliches ...» Er wird unterbrochen.
«Guten Morgen. Habe ich richtig verstanden? Randy Jackson? Also, der Randy Jackson, der vor Jahren einen Hit nach dem anderen herausbrachte und ein Dauergast in den Country-Hitparaden war?»
«Ja, genau. ‹Der Randy Jackson›! Sie erinnern sich noch an mich?»
«Aber klar! Wer Dutzende von Hits landete, geht nicht vergessen! Selbst dann nicht, wenn er von einem Tag auf den anderen einfach so verschwindet und untertaucht! Ich bin schon lange im Musikbusiness tätig und habe die Namen und Melodien Ihrer damaligen Hits noch immer in meinem Kopf. Aber was verschafft mir die Ehre? Benötigen Sie neue Songs? Planen Sie ein Comeback?»
Randy Jackson, alias Bruce Cannon, ist für ein paar Sekunden sprachlos. Diese Reaktion hat er nicht erwartet. «Nun, das ist eine traurige Geschichte. Eigentlich war nicht geplant, dass ich je wieder mit ‹Nashville› Kontakt aufnehme.»
Er erzählt die Gründe seines Anrufs. Jetzt verschlägt es Sam Stone die Stimme. Nach ein paar Sekunden antwortet er: «Verdammt, da kann man nur hoffen, dass Ihnen die Ärzte helfen können und dass alles gut wird. Ich drücke Ihnen die Daumen.» Dann fragt er: «Und welchen der Songschreiber, die bei uns unter Vertrag stehen, haben Sie sich als Co-Autor ausgesucht?»
Der ehemalige Country-Star räuspert sich kurz und nennt einen Namen: «Joe Baker. Mit ihm würde ich meine Songs gerne fertig schreiben. Und dies so rasch als möglich. Wenn alles schiefläuft, habe ich nicht mehr viel Zeit.»
Wie mit seiner Frau besprochen, hatte sich Bruce Cannon am Wochenende die aktuelle Country-Hitparade angehört und war dabei auf einen wunderbaren Song von Dean Potter, einem aufstrebenden jungen Country-Sänger, gestossen.
Dean Potters neuster Hit «Road To Your Heart» steht gerade auf Platz 3 der Country Singles Charts und wurde von Joe Baker geschrieben. Ein musikalisches Meisterwerk mit Potenzial, in der kommenden Woche sogar die Nummer eins zu werden. Bruce hatte sich sofort in den Song verliebt und hatte im Internet nach weiteren Kompositionen von Joe Baker gesucht.
Auf Wikipedia fand er einige Informationen über diesen Songschreiber, der seine professionelle Songwriter-Karriere im Jahr 2014 in Nashville startete. Seither wurden mehrere seiner Kompositionen von Stars wie Dean Potter, Allison Monroe und anderen aufgenommen und als Singles ausgekoppelt. Davon schafften es alle in die Top 10 der Country Charts, was einem grossen Leistungsausweis gleichkommt.
«Weshalb möchten Sie Ihre neuen Songs ausgerechnet mit Joe Baker schreiben?», will Sam Stone wissen.
«Gute Frage. Natürlich gäbe es tausend andere erstklassige Songschreiber in Nashville, die über riesiges Talent verfügen. Aber seine Songs erinnern mich an meine Art, Lieder zu schreiben, als ich jung war. Deshalb möchte ich Joe Baker persönlich kennenlernen. Sein Stil passt hervorragend zu meinen neuen, aber noch nicht fertigen Songs. Als Co-Autoren könnten Joe Baker und ich den Staub von meinen Ideen nehmen und ihnen einen zeitgemässen Touch bzw. ein Upgrade in die Gegenwart verleihen.»
Sam Stone überlegt kurz und antwortet lachend: «Gute Wahl! Joe Baker schreibt wirklich aussergewöhnliche Songs. Deshalb habe ich ihm einen Vertrag angeboten, als ich seine Kompositionen zum ersten Mal hörte. Wenn ich Sie richtig verstehe, soll mein Musikverlag, «Rocky Road Songs», die Songs, die Sie mit Joe Baker schreiben werden, an die Produzenten und Plattenfirmen ‹pitchen›, damit sie von den aktuellen Stars zu Hits gemacht werden, richtig? Oder planen Sie etwa selber ein Comeback mit einer neuen CD und diesen, mit Joe Baker zusammen komponierten Liedern?»
«Nein! Auf gar keinen Fall ein Comeback! Das lässt mein Gesundheitszustand nicht mehr zu und ich bin mit 62 Jahren auch viel zu alt dafür. Aber Sie können mir mit Ihrem Netzwerk weiterhelfen, denn Sie kennen die aktuelle Country-Musik-Branche und wissen, welche Sängerinnen, Sänger und Bands nach neuem Hit-Material suchen!»
«Ah, jetzt verstehe ich», sagt Sam Stone. Nach einer kurzen Pause fährt er fort: «Wenn dieser Plan aufgeht, werden alle Beteiligten viel Kohle machen. Schon Ihre damaligen Eigenkompositionen waren gigantische Hits. Wenn Ihre neuen Werke auch nur annähernd so gut werden wie Ihre alten Hits, sehe ich keinen Grund, weshalb sich diese Erfolge nicht wiederholen liessen!»
«Das ist der Plan», bestätigt Bruce kurz und knapp. Sam Stone hat angebissen. Dann ergänzt er: «Ich habe jedoch eine Bedingung, die Sie zwingend einhalten müssen: Niemand darf erfahren, wo ich mich aufhalte oder wie es um meine Gesundheit steht. Alles muss absolut vertraulich abgewickelt werden. Nur Sie und Joe Baker dürfen meinen Aufenthaltsort kennen. Für die Medien sind alle Informationen zu meiner Person ein absolutes Tabu.»
«Das geht in Ordnung. Alles bleibt ‹topsecret›, so wie Sie es wünschen», bestätigt Sam Stone. Trotzdem möchte er wissen, wo sich Randy Jackson aufhält: «Wo wohnen Sie denn jetzt?»
«Das verrate ich Ihnen erst, wenn Joe Baker zugesagt hat, hierher zu fliegen und mit mir an den Songs zu arbeiten. Heute nur so viel: Die Songwriting Session findet südlich von Nashville statt, an einem Ort mit Meer und Sandstrand. Joe Baker wird es nicht bereuen!»

18. April 2020

'Wild Game (Wilding Pack Wolves 1)' von Alisa Woods

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Alisa Woods
Owen ist Ex-Soldat und Bodyguard der wunderschönen Erbin eines Spieleunternehmens … und ein Mann mit einem Geheimnis.

Als Texaner und ehemaliger Soldat ist Owen Harding hart im Nehmen. Es gibt nur eine Sache, vor der er sich wirklich fürchtet – seine innere Bestie. Ein Jahr in Agent Smiths Käfigen und eine Unmenge von Experimenten haben seinen Wolf in etwas Monströses verwandelt. Doch das Wilding-Rudel steht im Fadenkreuz des Wolfsjägers und seiner brutalen Anhänger, also dient Owen wieder, dieses Mal als Bodyguard. Wenn nur die Frau, die er beschützen soll, nicht so verdammt sexy wäre… und vollkommen tabu.

Durch seine tragische Ermordung hat Nova Wildings Vater ihr nicht nur sein Spieleunternehmen und ein neues PC-Spiel, das dringend veröffentlicht werden muss, hinterlassen, sondern auch ein Rudel voller Wölfe, die sie als Partnerin haben wollen… allen voran ein Beta, der entschlossen ist, Nova und ihre Firma sein zu machen. Als auch auf Nova ein Attentat verübt wird, findet sie sich plötzlich in den Armen ihres Bodyguards wieder… doch er ist der absolut falsche Mann zur falschen Zeit für sie.

Während Nova darum kämpft, ihre Spielefirma zu retten, und Owen alles in seiner Macht Stehende tut, um ihr Leben zu beschützen, kommen sie sich unausweichlich immer näher… bis sie beide herausfinden, dass sich ineinander zu verlieben das vielleicht gefährlichste Spiel von allen ist.

Hinweis: WILD GAME ist ein eigenständiges und in sich abgeschlossenes Buch, das erste der Wilding Pack Wolves Reihe. Alle Bücher dieser Serie sind eigenständige Geschichten, aber für die Hintergründe und maximales Lesevergnügen empfiehlt es sich, zunächst mit der River Pack Wolves Trilogie zu beginnen.

Anleser:
„Mein Vater ist tot – und diese Leute sind dafür verantwortlich!“ Ein Feuer loderte in ihrer Stimme. „Ich werde denen nicht geben, was sie wollen, indem ich den Kopf einziehe und mich verstecke.“
Brad schüttelte den Kopf, sah nach draußen über die Stadt und biss sich auf die Lippe, als müsste er unendliche Geduld aufbringen, um mit ihr zu diskutieren.
Sie war sehr versucht, ihm zu sagen, dass er sich verpissen und aus ihrem Büro verschwinden sollte. „Bist du nur hierhergekommen, um zu sehen, ob ich noch am Leben bin? Oder hattest du tatsächlich irgendein Anliegen?“
Er sah gekränkt aus, aber das war ihr egal – er hätte es besser wissen sollen, als sie herumzukommandieren. Das war der schnellste Weg, sie sauer zu machen. Mit ihrem Vater hatte sie sich eigentlich nur dann in die Haare bekommen, wenn er versuchte, ihr zu sagen, was sie zu tun oder zu lassen hatte. Das war einer der Gründe, warum er immer deutlich gemacht hatte, dass einen Partner auszuwählen ihre Entscheidung war, nicht seine.
Brad atmete tief durch. „Eigentlich bin ich wegen des neuen Angebots der Konsolenjungs hier.“
Frisches Feuer flackerte in ihr auf. „Nein. Auf keinen Fall.“
„Du kennst das Angebot ja nicht einmal, Nova.“ Er sah sie bevormundend an.
„Das brauche ich auch nicht, Brad. Du weißt, wie ich dazu stehe. Wylderide macht einzig und allein PC-Spiele. Wir werden weder jetzt noch in Zukunft auf Konsolen gehen, nicht, solange ich hier etwas zu sagen habe.“
Sie hatten diesen Kampf schon des Öfteren ausgetragen und es war nur ein weiterer Grund, warum sie ihn nicht als Partner haben konnte. Er war ein fantastischer Spieledesigner, aber seine Ambitionen gingen immer weit über die Kernphilosophie ihrer Firma hinaus – sie würden den PC-Spielern treu bleiben, so wie diese ihnen immer treu gewesen waren, selbst in den frühen Jahren, als sie nur ein kleines Start-up waren und lange bevor sie Auszeichnungen gewannen und das Wired-Magazin über sie berichtete. Wenn Brad der Alpha und Geschäftsführer von Wylderide wäre, würden ihre Spiele auch auf der Xbox, der Playstation und womöglich sogar der Nintendo Switch auftauchen.
Brad sah sogar noch frustrierter aus. „Du musst an die Zukunft denken, Nova. Du bist nicht die einzige Person, die bei Wylderide arbeitet. Wir haben jetzt Angestellte. Leute, an die wir denken müssen – auf Konsolen zu portieren würde unsere Marktreichweite verdreifachen.“
„Und alles verraten, was wir für unseren gegenwärtigen, loyalen Kundenstamm darstellen.“ Sie stieß einen Finger in seine Richtung. „Als nächstes schlägst du mir noch vor, dass wir In-Game-Käufe in After Pulse einbauen sollten.“
Seine Kiefermuskeln arbeiteten. „Ehrlich gesagt habe ich schon überlegt, dass In-Game-Käufe, falls du die Spiele wirklich nicht auf die Xbox oder eine der anderen Konsolen portieren willst, unsere einzige Möglichkeit zu wachsen sind—“
Nova warf die Hände in die Luft. „Verdammt nochmal! Verschwinde aus meinem Büro.“ Wieder wandte sie ihm den Rücken zu und verschränkte die Arme vor der Brust. Jetzt versuchte er offenbar absichtlich, sie sauer zu machen.
Brad stand eine Weile still hinter ihr. „Nova.“
„Welchen Teil von verschwinde aus meinem Büro hast du nicht verstanden?“ Ihre Wut brodelte noch höher als sonst auf, wenn er vorschlug, die Firma in eine komplett andere Richtung zu steuern, als ihr Vater es je getan hätte. Auch mit ihm hatte Brad endlos über diese Dinge diskutiert und jetzt, wo er weg war… Konnte Brad nicht verstehen, dass sie verzweifelt versuchte, das Vermächtnis ihres Vaters zu erhalten? Warum begriff er nicht, dass diese Dinge ein kompletter Verrat an allem waren, wofür ihr Vater gestanden hatte?
Sie hörte, wie sich Brad leise hinter ihr bewegte, dann landete seine Hand auf ihrem unteren Rücken. Sie zuckte zurück und funkelte ihn wütend an.
„Du hast recht“, sagte er.
„Worauf du Gift nehmen kannst.“ Sie weigerte sich, ihn nochmal anzusehen.
„Du hast recht damit, dass es zu früh ist, darüber zu reden“, sagte er sanft. „Ich sage nicht, dass du bei den geschäftlichen Dingen richtig liegst, aber weißt du was? Das ist mir egal. Das einzige, was mir wichtig ist, bist du.“
Sie ließ ihren Kopf nach vorne fallen und ihr Ärger verdampfte mit seinen Worten. Die Wahrheit war, dass sie Brad wirklich wichtig war, das wusste sie – selbst, wenn sie manchmal wie Wölfe und Hexen stritten.
„Eines Tages wirst du dir einen Partner nehmen, Nova Wilding“, sagte er sanft in ihrem Rücken. „Und wenn dieser Tag kommt, will ich, dass ich derjenige bin.“
Und sie waren wieder bei dem Thema.
Brad und die anderen Wölfe… sie warteten alle auf sie. Sie konnte es spüren. Die Augen, die ihr jeden Morgen folgten, wenn sie zur Arbeit kam. Das Flüstern hinter vorgehaltenen Händen. Sie wäre nicht überrascht, sollte es einen firmeninternen Wettpool darüber geben, wen sie am Ende aussuchen würde. Nur hatte Brad sich in Alphamanier an vorderste Front gedrängt, so wie er es immer tat. Seit er sich vor fünf Jahren dem Rudel angeschlossen hatte, war er der Liebling ihres Vaters gewesen. Sie war damals fast noch ein Kind, aber Brad hatte schon immer ein Auge auf sie geworfen, das wusste sie.
Und jetzt… jetzt hatte sich das Schicksal eingemischt und die Frage um Brad in den Mittelpunkt gerückt. Vermutlich war jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um zu sehen, ob er der Alpha war, dem sie ihre Treue schwören konnte… und den Wylderide brauchte, um weiter erfolgreich zu sein.
Aber sie konnte sich nicht dazu bringen, es zu tun.

Blick ins Buch (Leseprobe)

17. April 2020

'Kein bisschen Frieden im Paradies' von Bernd Leicht

Kindle | Tolino
Website Bernd Leicht
Bernd Leicht war im Jahr 1983 im Irak, es tobte ein erbitterter Glaubenskrieg zwischen dem Iran und dem Irak. Nicht nur der Krieg war schrecklich, sondern auch viele andere Vorkommnisse, die ihn bis heute noch belasten.

Er verlor acht Kollegen durch eine iranische Rakete, sie wurden total zerfetzt, das Einsammeln der Leichenteile war grausam. Zwei weitere Kollegen verlor er bei einem Verkehrsunfall, der durch einen unbeleuchteten LKW verursacht wurde. Gerade im letzten Moment konnten er und seine Kollegen verhindern, dass zwei irakische Polizisten das verunglückte Fahrzeug mit dem eingeklemmten Toten anzünden wollten. Aufgrund vieler solcher schlimmen Erlebnisse kann er die Muslime absolut nicht mehr verstehen.

Es gab auch viele schöne Erlebnisse, im Garten Eden, in den Sümpfen zwischen den beiden Flüssen Euphrat und Tigris. Es wird immer ein schönes und unvergessliches Erlebnis bleiben im biblischen Paradies gewesen zu sein.

Allerdings paradiesisch ist das Leben im Irak absolut nicht.

Anleser:
Wir haben uns für die Übernachtung im Flughafen entschieden. Dort lagen mindestens 400 Pakistani, Chinesen, Chilenen, Japaner und Beduinen und was es noch für Bevölkerungsgruppen gibt. Es stank bestialisch nach Körper-Gerüchen.

Am nächsten Tag mussten Werner und ich uns bei einem uniformierten Beamten melden, der uns offiziell aus Kuwait auswies. Das ganze Prozedere der Ausweisung, lief mit einer für uns ungewöhnlichen Ruhe ab.

Der Taxifahrer, der uns zur Grenze bringen sollte, hatte einen unangenehmen penetranten Körpergeruch. Wir bekamen unsere Koffer und gingen zu dem Auto oder besser gesagt, was davon übrig geblieben war, denn es war eins, ein alter amerikanischer Straßenkreuzer in einem äußerst desolaten Zustand. Schon nach rund 200 Metern überquerte der Fahrer eine zweispurige Autostraße, einschließlich eines mindestens 40 Meter breiten Mittelstreifens.

Blick ins Buch (Leseprobe)

16. April 2020

'GATE 2-2: Aufbruch ins Leben' von Andreas M. Dittrich

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website zum Buch
Lebendig begraben! In diesem Moment bist du dem Tod nicht nur näher als je zuvor, sondern du lernst auch eine Menge über dich selbst. Deine vergangenen Erfahrungen erhalten auf einmal eine neue Bedeutung und du denkst an all die zukünftigen Chancen, die du haben könntest.

Als Ben, ein Mann mittleren Alters, der alles in seinem Leben zu haben scheint, an dem Scheideweg seines Lebens steht, beschließt er sein altes Leben hinter sich zu lassen, um mehr über sich selbst und die wichtigste Aufgabe in seinem Leben herauszufinden. Auf seiner Reise begegnet er Carla. Einer gestressten, taffen Businessfrau, deren Terminkalender die Kontrolle über ihr Leben übernommen hat. Beide suchen Antworten, die sich nicht in Suchmaschinen oder Büchern finden lassen. Während ihrer gemeinsamen Suche begegnen sie außergewöhnlichen Menschen. Durch die Symbiose von Leben und Tod begreifen sie erst an einem Punkt, an dem sie ihrer eigenen Sterblichkeit gegenüberstehen, den eigentlichen Sinn des Lebens.

Anleser:
Auf dem Weg zum Flughafen begann es zu regnen. Ich saß im Taxi und dachte darüber nach, was ich eigentlich hier machte. Ohne es zu diesem Zeitpunkt zu wissen, würde ich mir diese Frage in den kommenden Tagen noch häufiger stellen. Während der Regen gegen die Scheiben prasselte und im Autoradio Weichspülmusik lief, ließ ich meine Gedanken schweifen. Immer wieder schwirrte die Frage durch meinen Kopf, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Als ich einige Wochen zuvor diese E-Mail erhielt, hätte ich niemals gedacht mich auf so etwas einzulassen.
„Du entscheidest über dein Glück“ lautete der Betreff der E-Mail. Typische Spam-Mail, die ihren Weg in mein Postfach gefunden hat, dachte ich zum damaligen Zeitpunkt. Aus irgendeinem Grund, höhere Gewalt oder einfach nur pure Neugier, las ich die Mail. Dabei ist mir ein Satz ganz besonders in Erinnerung geblieben:
„Alles läuft nach deinen Bedingungen und zu deiner Zeit!“
Obwohl ich im ersten Moment nicht viel darauf gab, beschäftigte mich der Inhalt der E-Mail. War ich auf dem falschen Weg? War ich sogar auf der Suche?
Je öfter ich den Text las, umso klarer wurde mir, dass ich wirklich etwas suchte. Die beruflichen Erfolge hatten ihre erfüllende Wirkung verloren. War dies überhaupt jemals der Fall oder habe ich mir diesbezüglich all die Jahre nur etwas vorgemacht? Privat lief alles so, wie es sein sollte – dachte ich. Aber auch diese Ebene in meinem Leben konnte mich irgendwie nicht zufriedenstellend erfüllen.
Ich erhoffte mir, auf dieser Reise Antworten zu finden. Antworten auf die Fragen, die ich hatte und die mir niemand beantworten konnte.
„Wir sind da.“
Ich war so in meine Gedanken versunken, dass ich die Worte des Taxifahrers erst gar nicht wahrnahm.
„Wir sind am Flughafen“, sagte er und tippte mir an die Schulter. Aus meinen Gedanken gerissen, entgegnete ich: „Entschuldigung“ und bezahlte.
Die Regentropfen fielen mir ins Gesicht und ich war froh, als ich die trockene Eingangshalle des Flughafens betrat. Das Geräusch des Regens wich der Geräuschkulisse des Terminals. Menschen, die sich unterhielten, während andere versuchten eilig von A nach B zu gelangen. Stress und Hektik lagen in der Luft.
Zielgerichtet bahnte ich mir meinen Weg durch den üblichen Wahnsinn: Schuhe ausziehen, Taschen leeren, Screening, Abtasten und nochmals durch den Scanner und dann endlich – auf zum Gate 22. Ein paar Minuten hatte ich noch. Also setzte ich mich. Meine Sitznachbarin schien weitaus mehr im Stress zu sein als ich. Sie jonglierte zeitgleich mit Laptop, Smartphone und iPad.
Bei der Gestikulation, die die Dame an den Tag legt, ist es nur eine Frage der Zeit bis sie den abgestellten Kaffeebecher umstößt.
Kaum war mir dieser Gedanke durch den Kopf geschossen, passierte das Unvermeidbare.
Shit, dachte ich und versuchte noch nach dem Kaffeebecher zu greifen.
Zu spät!
Der Inhalt meiner Tasche hatte nun ein leichtes Koffein-Aroma und einen richtig großen Fleck.
Das Multitasking auf Champions-League-Niveau hat wohl nicht so geklappt, dachte ich und konnte mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Sie versuchte mit einem Taschentuch den Schaden so gut wie möglich zu beheben.
Während sie also probierte alles wieder einigermaßen trocken zu tupfen, fluchte sie leise vor sich hin – wahrscheinlich in der Hoffnung, dass ich es nicht hören würde.
Begleitend von der Frage: „Warum habe ich die Teile überhaupt mitgenommen?“ begann sie die Technik in ihren Rucksack zu packen. Zwischendurch sah sie mich an, holte tief Luft und sagte dann: „Sorry, nicht mein Tag heute. Ich bin Carla.“
Sie streckte mir ihre Hand entgegen und ich erwiderte: „Freut mich, Carla. Und keine Sorge, wir haben alle mal einen bad day. Ich bin Ben.“
Während Carla noch damit beschäftigt war Laptop und Co. im Rucksack zu verstauen, holte sie ein Buch heraus und legte es neben sich hin. „Die wichtigste Aufgabe in deinem Leben ist, herauszufinden, was deine wichtigste Aufgabe ist“ stand auf dem Buch.
„Toller Titel“, sagte ich und schaute Carla an. Sie hantierte allerdings immer noch an ihrem Rucksack herum.
„Bitte, was?“
„Das Buch. Ein toller Titel, finde ich.“
Carla nahm das Buch in die Hand und meinte: „Ja. Schließlich brauchen wir doch alle eine sinnvolle Aufgabe in unserem Leben. Oder etwa nicht?“
Ich nickte nur etwas zurückhaltend, denn schließlich war ich mir nicht sicher, was meine Lebensaufgabe ist oder sein sollte. Carla erzählte mir, dass sie beruflich viel unterwegs und oftmals sehr eingespannt sei. Jetzt hatte sie sich aber eine Auszeit genommen, um sich über einige Dinge klarzuwerden. Gerade als unser Gespräch eine interessante Wendung nehmen sollte, kam die Ansage zum Flug.
„Ich muss los!“
Noch bevor ich etwas erwidern konnte, war sie auch schon weg. Ich schaute noch einmal hinterher und sah wie Carla als Erste durch die Schranken lief. Immer unter Strom, dafür aber Business-Class, dachte ich und war einen kurzen Moment neidisch. Nicht auf den Stress und die Hektik, die Carlas Leben zu begleiten schienen, sondern auf die Business-Class. Beine ausstrecken während des langen Fluges. Das wäre sicherlich viel entspannter gewesen.
Während ich durch den Flieger zu meinem Sitzplatz ging, sah ich Carla noch einmal im Vorbeigehen – sie nickte mir nur kurz zu.
Endlich – mein Sitzplatz. Das Handgepäck war verstaut, also setzte ich mich und versuchte zu entspannen. Dabei schoss mir die Frage durch den Kopf, ob Carla und ich das gleiche Ziel hatten.

Blick ins Buch (Leseprobe)