28. Februar 2013

'Mia & Serafina' von Kerstin Michelsen

Die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft.

Mia hat es gerade nicht so leicht in der Schule. Dann trifft sie Serafina, die im Handumdrehen alles auf den Kopf stellt. Mia sagt plötzlich Sachen, die sie vorher nie gewagt hätte. Sogar mit der gefürchteten Klassenzicke legt Mia sich an. Doch keiner kennt Mias Geheimnis, denn nur sie kann die Maus Serafina sehen ...

Ein Kinderbuch für Leser ab 7 Jahre.

Gleich lesen: Mia & Serafina

Leseprobe:
„Aua!“, schrie Mia auf.
Sie war gestolpert und hatte sich im Fallen gerade noch mit den Händen abgefangen. Die Knie hatten trotzdem etwas abbekommen. Ihre Handflächen brannten, während die Kinder hinter ihr lachten. Mia spürte, dass sie die Tränen nicht länger zurückhalten konnte.
Erst hatten sie ihren Schulranzen im hohen Bogen auf das Häuschen an der Bushaltestelle geworfen. Dann hatte einer der Jungen Mia die Mütze vom Kopf gerissen. Als sie versuchte, ihre Mütze abzufangen, hatte Mirko ihr ein Bein gestellt und Mia war in das Gebüsch neben dem Wartehaus gefallen. Wie eklig, da lagen leere Flaschen, zwei braune, matschig aussehende Bananenschalen und ein zerknülltes Taschentuch. Gerade versuchte Mia, sich schluchzend aufzurichten, da blickte sie in ein paar blanke Knopfaugen.
Sie öffnete den Mund und wollte vor Schreck aufschreien. Ein winziges graues Händchen – nein, ein Pfötchen war es – legte sich vor ein kleines Gesicht. Ein klitzekleines Schnäuzchen spitzte sich zu einem „Pssst!“, wobei die schwarzen Äuglein freundlich blinzelten. Mia schloss die Augen. Vielleicht war sie ohnmächtig geworden, oder sie träumte alles nur.
Doch der Schmerz in ihren Händen und Beinen war zu deutlich. Ohnmacht war bestimmt anders, da spürte man gar nichts, genauso wie im Schlaf. Mia öffnete die Augen. Sie blickte auf denselben Müll wie vorher, das seltsame Wesen jedoch war fort. Nun hörte sie wieder die hämischen Stimmen hinter sich.
„Ob die wohl eingeschlafen ist?“
„He, Heulsuse, kann ich deine Mütze behalten oder brauchst du die noch?“
„Hol sie dir, hol sie dir!“, johlte die Bande im Chor.
Mühsam rappelte Mia sich hoch. Sie würde jetzt nicht mehr versuchen, ihre Mütze zurückzubekommen. Sie hoffte nur, dass Mama nicht schimpfen würde. Die Schultasche konnte sie auch vergessen. Da kam sie allein sowieso nicht dran. In dem Moment hielt ein Bus. Aus tränenverschmierten Augen sah Mia, dass einige ältere Schüler ausstiegen, die eben von der großen Schule nach Hause kamen.
„He, ihr kleinen Blödmänner, was soll denn das?“, ertönte eine aufgebrachte Stimme. Das war Johann, der große Sohn der Nachbarn. Der war nett. Johann trat auf die fünf, sechs Kinder zu, die eben noch kichernd um Mia herum gestanden hatten. Mit einem Mal war es still. Die Kinder traten den Rückzug an. Benny, der Anführer, war der Erste. Es sah fast so aus, als hätte er nun doch ein schlechtes Gewissen.
Dann der dicke Elmar, der Benny sowieso immer alles nachmachte. Maria und Jennifer, die eben noch am lautesten gekreischt hatten, waren die Nächsten, als Letzter zog auch Mirko sich zurück.
„Hier, das ist wohl deine?“
Johann drückte Mia ihre Kopfbedeckung in die Hand, die er Elmar im letzten Moment aus den wurstigen Fingern gewunden hatte.
„Wo ist denn deine Schultasche?“
Stumm zeigte Mia mit dem Finger auf das Dach des Bushäuschens. Es war nicht das erste Mal, dass er ihr half. Aber Johann war natürlich nicht immer zur Stelle. Schade, dass er nicht ihr großer Bruder sein und sie beschützen konnte!
Im Nu war Johann an der Außenwand des Holzhäuschens hochgeklettert und hatte ihren Ranzen zu fassen bekommen. Mia dankte ihm und warf sich die Schultasche auf den Rücken. Dann machten sie sich gemeinsam auf den Heimweg. Es waren nur drei Straßen zu gehen. Johann schien es nicht eilig zu haben, also schlenderten sie ganz gemütlich nebeneinander her. Zum Glück fragte er nicht weiter nach, was an der Bushaltestelle passiert war. Es war Mia so schon peinlich genug, dass Johann sie hatte retten müssen. Warum musste das immer ihr passieren?

"Mia & Serafina" im Kindle-Shop

Mehr von und über Kerstin Michelsen auf ihrer Website kerstin-michelsen.jimdo.com.

26. Februar 2013

'Unser italienischer Sommer: Leben in der Toskana' von Wolfgang Hengstmann

Eine Sommerromanze voller Liebe und Lebensfreude. Eva und Peter haben sich ihren Traum erfüllt und sich in der Toskana angesiedelt. Sie entdecken die Schönheit dieses bezaubernden Landstriches und unternehmen Ausflüge in alle Ecken und Winkel.

Aber auch die Arbeit nimmt sie in Beschlag, denn auf einem Weingut ist immer etwas zu tun, auch wenn Peter mit Gianfranco, dem Verwalter, den er von Don Filippo übernommen hat, eine tatkräftige Unterstützung hat. Dieses Buch erzählt von ihren Erlebnissen. Ihre Familienplanung geht nach einigen Fehlschlägen voran. Bald schon werden sie zu dritt sein.

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Leseprobe:
Mittlerweile war es Nachmittag geworden. Wir meldeten uns bei unserer Fremdenführerin ab und suchten ein Café.
Wir liefen die Via die Fori Imperialii entlang und setzten uns an ein freies Tischchen im Garten vorm Angelino ai Fori, einem Eiscafé. Eva bestellte sich einen Rieseneisbecher, während ich mir ein Campari Orange schmecken ließ. Das sitzen tat den Füssen gut.
Erfrischt und ausgeruht machten wir uns wieder auf den Weg. Nach zehn Minuten erreichten wir die Piazza Venezia mit dem Riesenmonument zu Ehren von Vittorio Emmanuele II., des ersten Königs des neuen Italiens 1860. Hier begann die Via del Corso, die berühmte Einkaufsstraße, Die Preise in den Fenstern ließen uns etwas erschrecken, es war teurer, als wir gedacht hatten.
An der Marc Aurel Säule vorbei erreichten wir den Parlamentsplatz. Weiter ging unsere Erkundungstour. Da, ein leiser Aufschrei, Eva hatte etwas entdeckt.
„Oh, ist das eine geile Jeans Peterl. Nur hineingehen und schauen, bitte, bitte.“
Das anprobieren hatte Eva vergessen zu erwähnen. Gesagt, getan die Verkäuferin reichte Eva die Jeans in die Kabine. Eva schaute nach kurzer Zeit wieder heraus.
„E 'ancora una dimensione più grande? La mia taglia vecchia è troppo stretto intorno alla parte inferiore. Sono grasso. Gibt es die auch eine Nummer größer? Meine alte Größe ist zu eng am Po. Ich werde fett.“ Eva seufzte. Die Verkäuferin musterte Eva neugierig, dann lächelte sie. „È incinta, che bello, sie sind schwanger, wie schön. Wir haben diese Jeans auch mit Gummizug in der Taille, die passt sich der Schwangerschaft an.”
Ich wartete geduldig und schaute mich um. Die Mode war etwas verspielt, passte aber ausgezeichnet zu Eva.
„Perfettamente, diese Jeans sitzt wie angegossen. Hanno la figura ideale per questi jeans.
Eva drehte sich vor mir. Obwohl sie ein paar Kilo zugenommen hatte, war meine Eva hinreißend. Die Jeans war rattenscharf, ob der Waffenschein mitgeliefert wurde?
„Che culo arrapato.” Eva drohte mir mit dem Zeigefinger, musste aber ein Grinsen unterdrücken, während die Verkäuferin nur indigniert die Augenbrauen hob. Ich lächelte sie an, sie lächelte zuckersüß zurück.
Dann zahlte ich ein kleines Vermögen und gab Eva einen Kuss. Eva zog sich unterdessen um und ich ließ mir die Jeans einpacken. „Was hast du gerade genau gesagt?“ Wollte meine Liebste draußen wissen.
„Och, dass du den süßesten Po hast, den Rom je gesehen hat.“
Na ja, das hörte sich aber etwas direkter an, ich verzeihe dir noch einmal. Du hast ja Recht, obwohl mein Hintern langsam fett wird.“
„Willst du dir keine Jeans kaufen, um dieses Prachtexemplar lecker zu verpacken?“
Dann grabschte sie mir in die Pobacke und lachte.
Ich überlegte und nickte dann „Eigentlich hast du recht, komm.“
Die junge Frau schaute uns überrascht an, dann lächelte sie als Eva sagte „Für meinen Liebsten brauchen wir auch eine Jeans. Dreh dich mal, damit die junge Dame weiß, welche Größe du brauchst.“
Dann suchten wir gemeinsam. Mir gefiel auf Anhieb eine verwaschene Levis. Ich schaute auf die Größe, die könnte passen. Die Verkäuferin musterte mich kritisch und meinte dann zu Eva „un modello molto attraente, ma al di sopra della natica deve essere troppo stretto. Ein sehr attraktives Modell, aber die dürfte überm Gesäß zu eng ausfallen. Ich gebe ihnen die Jeans eine Nummer größer.“ Sie lief wieder durch die Reihen.
Eva tätschelte mir den Hintern und kicherte „Hast du etwa zugenommen? Manchmal sollen Männer ja auch Schwangerschaftssymptome zeigen.“
Ich schlüpfte in die Jeans, besser gesagt ich zwängte mich hinein und brachte die einzelnen Knöpfe mit Mühe zu. Hatte ich wirklich zugenommen?
„Komm zeig dich“, rief Eva.
Ich verließ die Kabine und ließ mich mustern.
„Ma vanno a pochi passi, gehen sie ein paar Schritte”, sagte die junge Verkäuferin. Beide grinsten, als ich zurück kam.
„Was ist? Warum lacht ihr?“
„Ach nichts, nur über die Eitelkeit der Männer, weiter nichts.“
Ich schüttelte den Kopf während ich wieder von alle Seiten gemustert wurde.
„Questi jeans modellato i glutei, diese Jeans formt das Gesäß. Sie sitzt hervorragend“, meinte die junge Frau. Eva ergänzte noch „fa un culo gustosa.“
Eva schob ihre Hand in eine meiner Gesäßtaschen. „Passt hervorragend.“
Beide grinsten. Während ich mich wieder umzog, hörte ich sie draußen wispern und kichern.
„Chi dice che gli uomini non sono vani, wer sagt, dass die Männer nicht eitel sind?”
Jetzt hatte ich zwei Taschen zum tragen und die Barschaft war merklich geschmolzen.

"Unser italienischer Sommer: Leben in der Toskana" im Kindle-Shop

Mehr von und über Wolfgang Hengstmann auf seiner Website schreibwerkstatt2000.jimdo.com.

22. Februar 2013

'Die Schaluppe nach Gorée' von Tom Linden

Dieser Afrika-Liebesroman spielt im Senegal des Jahres 1995. Der junge Weltenbummler Christoph möchte nach Timbuktu reisen, die legendäre Wüstenstadt am Südrand der Sahara. In Senegals Hauptstadt Dakar macht er Station und lernt bei einem Ausflug auf die Bilderbuchinsel Gorée die reizvolle Zaina kennen. Die Beiden verlieben sich über Nacht.

Christoph und Zaina kehren nach Gorée zurück und verbringen dort romantische Tage. Aus Tagen werden Wochen, obwohl sich ihre Beziehung immer undurchsichtiger gestaltet. Zaina taucht ab und wieder auf. Er versucht, ihr Spiel zu durchschauen, wird ausgeraubt und weiß nicht mehr, ob er ihr trauen kann. Er erlebt eine Gefühlsrallye durch Dakar, die Wirren der Liebe und das wilde Nachtleben eines muslimischen Landes. Er kommt mit Vodoo in Berührung, er wird betrogen und betrügt. Und immer wieder versucht er, endlich nach Timbuktu abzureisen.

Gleich lesen: Die Schaluppe nach Gorée

Leseprobe:
Den ganzen Tag erforschte ich Gorée, deren Charme mich verzauberte. Doch ich war allein und genoss die Herrlichkeit nur bedingt, da ich sie mit niemandem teilen konnte. Während mich ‚La chaloupe‘, wie die Einheimischen sagten, wieder nach Dakar schaukelte, wünschte ich mir, ich könnte eines Tages in Gesellschaft zurückkehren.
Dieser Dauerkonflikt zwischen Nähe und Distanz zieht sich durch mein gesamtes Leben. Ich bin gesellig, aber auch ein Lone Wolf. Ich bin gerne unter Leuten, brauche feste Beziehungen – dann wieder meine Ruhe. Auch bei der Arbeit ist dies so, wo ich zwar alle Pausen mit den Kollegen verbringe und zudem noch viele Abende, ein eigenes Büro ist jedoch unabdingbar. Nur so kann ich mich konzentrieren, was allerdings auch nötig ist, denn ich bin Werbetexter.
Unterwegs, und damit meine ich Reisen, bin ich genauso hin- und hergerissen. Einerseits fühle ich mich allein sehr wohl, kann mein Programm bestimmen und muss mit niemandem absprechen, ob ich noch eine Woche im Palmengarten der Oase ausspanne oder einen 50 Kilometer langen Marsch durch ein Tal absolviere. Außerdem weiß ich morgens selbst manchmal nicht, ob ich noch länger bleibe oder mir plötzlich den Rucksack schnappe und zur Busstation laufe. Zumindest auf Reisen lasse ich mich gerne treiben, das ist mein Gegenpol zur Arbeit. Andererseits möchte ich zwar alleine reisen, aber keineswegs alleine sein. Ich will das Land und seine Bewohner kennenlernen, was gerade dann am besten funktioniert, wenn ich auf eigene Faust unterwegs bin. Oft laden mich Einheimische auch zu sich nach Hause ein, zum Essen, manchmal auch für einige Nächte. In einer Gruppe oder zu zweit würde mir das wohl kaum passieren.
Meine ersten Reisen unternahm ich nach Lateinamerika, vor allem Brasilien. Im Austauschjahr vor dem Abitur lebte ich dort an der Nordküste und bin anschließend mehrfach wieder dorthin sowie in die Nachbarländer gereist. Aber ich verlor mein Herz nicht an diesen Kontinent. Mit Anfang 20 hakte ich Südamerika als Reiseregion ab und war neugierig darauf, andere Weltgegenden kennenzulernen. Ich überlegte. Wo zog es mich hin? Skandinavien war mir zu kalt, Asien lag mir nicht, Australien war mir zu westlich-europäisch – außerdem wollte ich gerade weg von den Backpacker-Hotspots. Ich horchte daher immer wieder fasziniert auf, wenn es um Afrika ging, der Kontinent vor Europas Haustür. Dabei dachte ich aber nicht an die arabischen Länder im Norden, die viele bereisten, sondern das „richtige Afrika“ – Schwarzafrika. Besonders die französischsprachigen Länder in Westafrika interessierten mich. Ein Jahr zuvor hatte ich deshalb angefangen, Französisch zu lernen und wollte die Sprache nun anwenden und ausbauen.
Als ich an einem geselligen Abend in meiner Berliner Wohnung meine neuesten Reisepläne kundtat, wussten meine Freunde nicht, was sie sagen sollten. Sie hatten bisher gern meine Dia-Abende besucht und meine Reiseberichte aus Südamerika verfolgt. Aber Afrika? Obwohl sie beeindruckt waren, lag Mali – das Land, das ich mir diesmal ausgesucht hatte, und von dem die meisten zum ersten Mal hörten – für sie auf einem anderen Stern. Klar, nach Australien fliegen oder Indonesien, in der üblichen kanalisierten Individualität des Reisens. Aber nach Afrika? Safari-Reisen, das war etwas fürs Alter – und ansonsten, was gibt es dort schon, fragten sie? Ich erzählte ihnen von Timbuktu, der legendären Wüstenstadt in Mali, in die ich mich durchschlagen wollte, doch sie kauften mir mein Interesse nicht richtig ab. Vielmehr zogen sie mich mit afrikanischen Frauen auf, wegen derer ich wohl eher dorthin fahren würde. Zu meiner Abschiedsparty erhielt ich daher eine große Packung Kondome geschenkt – in schwarz.
Je mehr ich den Freunden meine Neugier auf das westafrikanische Land Mali ausmalte, ihnen von den Hombori-Bergen, dem Volk der Dogon, der Falaise im Dogonland berichtete oder der Moschee von Djenné, um so unglaubhafter wurde ich in ihren Augen. Das sei doch kein Reiseziel für einen 26-Jährigen. Oder wolle ich nun endlich ein Studium aufnehmen und Archäologe oder Anthropologe werden, lachten sie mich aus. Mich aber zog es in das sagenumwobene Timbuktu. Die Stadt am Südrand der Sahara war ein jahrhundertealter Traum vieler Europäer. Unzählige Expeditionen dorthin waren gescheitert. Von den wenigen Forschern, die bis dorthin gelangten, kehrten noch weniger lebendig zurück. Darunter war 1853 Heinrich Barth, dessen Meisterwerk Die große Reise ich in meinem Rucksack trug. Heute, und auch schon zu Zeiten Barths, ist das früher reiche Handelszentrum zwar zu einem Kaff geschrumpft – aber sein Ruf und die Geschichte …
Nun gut, es gelang mir offenbar nicht, meine Freunde oder meinen drei Jahre jüngeren Bruder mitzureißen, was für einen Werbetexter deprimierend ist. Auch meine Ex-Freundin Dana sah mich seltsam an, als ich ihr von meinen Reiseplänen erzählte. Wir waren seit einem Jahr getrennt, trotzdem standen wir noch in Kontakt. Es war meine erste längere Beziehung gewesen, fast zwei Jahre waren wir zusammen. Am Anfang hatte ich stark unter der Trennung gelitten, auch weil sie so plötzlich kam. Nun jedoch waren meine Gefühle für sie verschwunden, was mich fast genauso verstörte wie der Bruch selbst. Immer wenn wir uns wieder begegneten, merkte ich, wie sehr ich mich von ihr entfernt hatte. Ihr Desinteresse an meinen Reiszielen unterstrich das Ganze nur noch.
Fest stand trotz allem, Afrika lockte mich, und ich würde das Zeitfenster nutzen, das sich gerade vor mir auftat. Ich hatte in meiner bisherigen Werbeagentur gekündigt und meinen Antrittstermin in der neuen so weit nach hinten verhandelt, dass ich sieben Wochen Zeit hatte, mich auf die Reise nach Timbuktu zu begeben und dann zu den anderen Orten in Mali.
Dogonland und Hombori-Berge, das waren meine weiteren Eckpunkte. Da ich kein günstiges Flugticket in die Hauptstadt Malis, Bamako, bekommen hatte und mir obendrein das Visum, das der Honorarkonsul in Berlin ausstellte, zu teuer war, beschloss ich, ins Nachbarland Senegal zu fliegen. Dort, in der Hauptstadt Dakar, wollte ich mir ein wesentlich günstigeres Visum in der Botschaft Malis besorgen, dann sofort weiterfahren und erst am Ende eine, vielleicht zwei Wochen an der Küste Senegals verbringen. Besonders vorbereitet auf den Senegal hatte ich mich daher nicht.
So flog ich im Februar 1995 nach Dakar, um die Stadt lediglich als Durchlaufstation nach Mali zu nutzen. Vieles, was dann passierte, ertrug ich nur aus purer Neugier. Nach und nach begriff ich, dass wahrscheinlich nicht alles – oder gar nichts davon – mit rechten Dingen zuging. Und nach den Hintergründen zu suchen, die Personen um mich herum zu verstehen, die Frage nach dem Warum und die Suche nach echter Liebe wurden Hauptinhalte meiner Reise, die im Sinne einer geografischen Bewegung am Ende kaum stattgefunden hat. Vielmehr wurde es eine Reise in ein Labyrinth aus Lügen, Betrug und emotionalen Verstrickungen. Davon und warum ich am Ende nie in Timbuktu ankam, handelt diese Geschichte.

"Die Schaluppe nach Gorée" im Kindle-Shop

20. Februar 2013

'Greystone Saga 2: Das rote Band' von Dana Graham

Die Greystone-Saga um Liebe und Leidenschaft.

Ian ist der neue Fechtmeister der Akademie von Greystone – aber immer noch ehrlos. Er muss seine Liebe zu Joanna verbergen und sieht sich weiterhin den Schikanen ihres Bruders Jake, dem Earl of Greystone, ausgesetzt. Doch vor den Mauern der Burg formieren sich Feinde, deren dunkle Absichten nicht nur die Studierenden in eine tödliche Gefahr bringen. Um ihre Gegner zu besiegen, müssen Jake und Ian zusammenarbeiten, aber eine Versöhnung der beiden Männer erscheint vollkommen ausgeschlossen.

Eloïse of Coldhill steht vor ganz anderen Schwierigkeiten: Sie hat sich als Mann verkleidet in die Akademie eingeschlichen, um das Gut ihrer Familie retten zu können. Ihr Mitstudent Victorian macht es Eloïse allerdings zunehmend schwerer, das Geheimnis zu wahren. Der gutaussehende Sohn des Dukes of Walraven glaubt, in ihr endlich einen vertrauenswürdigen Freund gefunden zu haben – unwissend, dass jeder seiner Blicke Eloïses Herz schneller schlagen lässt …

Gleich lesen: Greystone Saga 2: Das rote Band (Historischer Liebesroman)

Leseprobe:
Joanna stand zusammen mit Ian, ihrem Bruder Jake und dessen Freund Galad in der Bibliothek der Burg Greystone. Durch das Fenster betrachtete die junge Frau mit den haselnussbraunen Augen und den anmutigen Gesichtszügen den leuchtenden Abendhimmel. Es war ein ungewöhnlich warmer Apriltag gewesen, und in ihrem Festkleid aus schwerer, weinroter Seide war ihr furchtbar heiß. Doch es war nicht die Hitze, die ihr zusetzte, sondern die Ereignisse der vergangenen Stunden. Joanna seufzte, und Ian, der neben ihr stand, legte seinen Arm um ihre Taille. Sie lächelte und schmiegte ihren Kopf an seine Schulter. Ian – der Mann, der ihr die letzten Monate das Leben zur Hölle gemacht hatte, und den sie trotzdem nie aufgehört hatte zu lieben.
Joannas Gedanken schweiften ab. Es war nicht einmal ein Jahr her, dass Ian schweigsam und in sich gekehrt als Student nach Greystone gekommen war. Mit der Zeit hatte sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen entwickelt, aus der später Liebe geworden war. Doch nachdem Ian von dem Verlust seines Adelstitel und der damit einhergehenden Ehrlosigkeit erfahren hatte, hatte er sich von ihr zurückgezogen – aus Scham und um ihren Ruf zu schützen. Wochenlang hatte er sich ihr gegenüber abweisend und verletzend verhalten, und in ihrer Verzweiflung hatte sie schließlich das Angebot des südländischen Prinzen Kaylan angenommen, ihn in sein Heimatland zu begleiten. Für Joanna schien es schon eine Ewigkeit her zu sein, aber es war an diesem Morgen gewesen, dass sie sich zu Kaylan in die Kutsche gesetzt hatte, um Greystone zu verlassen. Und erst in diesem Moment hatte sie erkannt, Ian niemals aufgeben zu können. Sie hatte den verdutzten Kaylan in der Kutsche sitzen gelassen und war zu Ian gelaufen, um ihn zur Rede zu stellen. Und endlich hatte er gewagt, seine nie erloschenen Gefühle für sie zu bekennen – und auch seine Ehrlosigkeit, von der sie bis zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst hatte.
Das Geräusch rumpelnder Kutschenräder holte Joanna in die Gegenwart zurück. Mehrere prunkvolle Wagen fuhren nacheinander in den Vorhof der Burg ein. Am Morgen hatte die Woche der Abschlussprüfungen in der Akademie von Greystone geendet, und jetzt stand ihnen noch das festliche Bankett zum Ausklang des Studienjahres bevor. Zu dieser Feierlichkeit waren außer den Familien der Absolventen auch Adlige aus der näheren Umgebung eingeladen – viele Menschen, die bald alle die Nachricht von Ians Ehrlosigkeit hören würden. Würden sie diese Tatsache großmütig hinnehmen oder würden sie darauf bestehen, dass er die Burg verließ? Trotz der Wärme im Raum begann Joanna zu frösteln, und sie zwang sich, die düsteren Bilder, die in ihr aufstiegen, beiseitezuschieben.
Mittlerweile waren die ersten Gäste aus ihren Kutschen gestiegen und begaben sich in Richtung des Festsaals im Obergeschoss der Burg. Joanna strich eine Strähne ihres hellbraunen Haares hinters Ohr, die sich aus ihrer aufwändigen Hochsteckfrisur gelöst hatte. Warum befanden sie sich immer noch in der Bibliothek? Sie als Burgherrin müsste längst im Festsaal sein und gemeinsam mit ihrem Bruder Jake, dem Earl of Greystone und Leiter der Akademie, die Ankömmlinge begrüßen. Ungeduldig blickte sie Jake an, der an seinem Schreibtisch lehnte und dessen markantes Gesicht vollkommen entspannt wirkte. Seine braunen Locken waren in einem geflochtenen Zopf gebändigt, und mit seinen grünen Augen beobachtete er gelassen das Treiben im Burghof. Normalerweise empfand Joanna immer Bewunderung für ihren Bruder, der mit Erfolg und großer Disziplin seine beiden Ämter ausführte. Jake war erst achtundzwanzig, doch noch nie hatte sie eine Klage von ihm gehört, nachdem der frühe Tod ihrer Eltern ihm vor fünf Jahren diese enorme Verantwortung aufgebürdet hatte. Aber in der momentanen Situation machte sie seine scheinbare Ruhe nur noch kribbeliger.
„Worauf warten wir eigentlich?“, fragte Joanna ihren Bruder schließlich entnervt. „Der Tag war bis jetzt aufreibend genug, da musst du ihn nicht noch spannender machen!“ Nachdem Ian und sie einander ihre Liebe gestanden hatten, waren sie zu Jake gegangen. Ihr Bruder war über ihren Wunsch, Ian zu heiraten, außer sich geraten. Hätte Galad, der an diesem Tag nach längerer Abwesenheit nach Greystone zurückgekehrt war, nicht eingegriffen, Jake und Ian wären mit den Schwertern aufeinander losgegangen – eine entsetzliche Vorstellung, denn beide Männer standen sich in ihrem stattlichen Körperbau, ihrer Stärke und ihren kämpferischen Fähigkeiten in nichts nach.
„Wir erwarten hier die Ankunft zweier Gäste“, beantwortete Jake ihre Frage in besänftigendem Tonfall, der jedoch keinerlei Wirkung auf sie hatte.
„Für noch mehr Enthüllungen?“, rief sie bestürzt. Nachdem sie von Ians Ehrlosigkeit erfahren hatte, war es kurz darauf die Mitteilung ihres Bruders gewesen, er führe seit Jahren eine Beziehung mit seinem gleichaltrigen Freund Galad, die ihr den nächsten Schock versetzt hatte. Nicht, weil sie die beiden Männer für ihre Liebe verachtete, sondern wegen der Gefahr, die mit diesem verbotenen Verhältnis einherging. Das Letzte, was sie jetzt brauchte, waren mysteriöse Besucher, die ihr weitere komplizierte Wahrheiten überbrachten!
„Wieso treffen wir uns alleine mit ihnen?“, fragte sie unsicher. „Gibt es noch andere Dinge, die ihr mir verheimlicht habt?“
„Nein.“ Die Antwort kam von Galad. Der blonde, schlanke Mann mit den auffallend blauen Augen, der sein lockiges Haar entgegen der aktuellen Mode stets offen trug, lächelte sie an. „Die beiden kommen zu unserer Unterstützung, und wir wollen uns vorher mit ihnen absprechen.“

"Greystone Saga 2: Das rote Band" im Kindle-Shop

Mehr über die Autorin Dana Graham und ihre Veröffentlichungen auf ihrer Website, bei Facebook und über Twitter.

18. Februar 2013

'Seelenloser Schwur' von Jens Niemeyer

In diesem Thriller muss sich Detective Michael Cold vom Los Angeles Police Department nach einem grauenhaften und blutigen Drama während eines Einsatzes von düsteren Erinnerungen befreien. Zweifel, Angst und quälende Gedanken zeichnen seinen Weg. Doch nachdem er die Tragödie im Haus der Porters überwunden hat, muss er sich einer neuen Bedrohung stellen. Ein anonymer Brief weist Michael und seinem Team den Weg zum Beginn eines zerstörerischen Spiels, dessen Ausgang von Anfang an feststeht.

Michael soll sterben und mit ihm viele weitere Menschen. Als Michael den Tatort betritt, begibt er sich in die Fänge eines unbekannten Gegners. Dieser Gegner bestimmt ab jetzt das Spiel und zieht die Fäden. Michael erkennt, dass sein Gegenspieler ein erbarmungsloser Serienmörder ist und er diesen von seinem blutigen Weg abbringen muss. Jeder wird sterben, der sich ihm in den Weg stellt. Er ist der Racheengel.

Gleich lesen: Seelenloser Schwur

Leseprobe:
Während der Fahrt durchbricht Tom die Stille und meine rasante Fahrt.
«Hast du eine Ahnung, weshalb der Brief an dich adressiert gewesen ist?», fragt er mich.
«Nein. Und ich weiß auch nicht, was das bedeuten soll. Wir bekommen beinahe jeden Tag irgendwelche Drohungen, Erpresserbriefe oder Ähnliches. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt. „Ich bin für die Rache gestorben“. Was hat das zu bedeuten? Ich hoffe wir werden gleich Antworten auf diese Frage finden», sage ich unwissend.
Ich drücke das Gaspedal so weit wie möglich bis zum Anschlag durch, um keine Zeit zu verlieren. Es ist immer ein ungutes Gefühl zu wissen, dass man nichts mehr ausrichten kann. Ein Opfer kann nicht mehr für sich sprechen. Jedoch reden sie auf eine andere Weise mit uns. Sie zeigen eine Geschichte. Den Ablauf des Tatherganges. Man muss nur die Geschichte des Opfers verstehen, um dem Täter immer ein Stück näher zu kommen. Dies ist meine Fähigkeit. Ich spüre die Seele des Opfers auf, spreche mit ihr und versuche ihre Indizien zu verstehen. Dann ist es möglich einen Fall zu lösen und den Täter zu fangen. Jeder Fehler und jede Handlung des Mörders zeigt uns weitere Anhaltspunkte über Motive und Persönlichkeit. Jeder Tatort hat etwas Einzigartiges. Es ist immer etwas Neues. Immer neue Gesichter, immer neue Geschichten. Jedoch sind die Motive selten verschieden. Störungen in der Kindheit, krankhafte Befriedigung durch sexuelle Handlungen oder ihre Religion schreibt schmerzhafte Rituale vor.
Ich sehe, dass wir das Haus erreicht haben. Wir steigen aus und gehen sofort zur Tür.
«Ms. Border! Machen Sie bitte die Tür auf. LAPD Wilshire», schreie ich gegen die Tür.
Dabei klopfe ich mit meiner Faust fest dagegen.
Nichts. Ich wiederhole mich noch einmal.
«Machen Sie die Tür auf. Hier spricht das LAPD!»
Niemand kommt. Die Tür ist aus Holz. Kein Durchschauen, aber sie lässt sich sicher leicht öffnen.
«Bill, ich will nicht, dass diese Tür zerstört wird. Du hast eine Minute, um diese Tür zu öffnen, sonst werde ich sie eintreten.»
«Ist in Ordnung», sagt Bill und macht sich direkt an die Arbeit.
Bill ist nicht nur ein Meister der Technologie, sondern kann alle Arten von Schließmechanismen in kürzester Zeit knacken. Eine sehr interessante Fähigkeit.
Er nimmt mit einer schnellen Handbewegung seinen Dietrich aus der Tasche und setzt ihn an das Schloss an. Mit der linken Hand scheint er etwas im Schloss hochzuhalten. Mit der rechten Hand muss er wohl die richtige Richtung finden, um die Tür zu öffnen. Nach etwa zehn Sekunden hat er das Schloss mit einem Klicken geöffnet.
«Das Schloss ist sehr unsicher. Fast schon zu einfach», gibt er mir zu verstehen.
Bill geht von der Tür zurück und jeder nimmt seine Waffe in die Hand.
«Ok. Ich glaube nicht, dass hier noch jemand sein wird. Falls doch jemand da sein sollte, wird er wissen, dass wir hier sind. Ich gehe zuerst rein und ihr kommt mir nach. Wir sichern die Umgebung und schauen uns dann um!»
Mit einem Nicken geben mir beide ihre Zustimmung.
«Los geht´s.»
Ich schubse schnell die Tür nach Innen und stürme in die Wohnung. Ein Blick nach rechts, ein Blick nach links.
Es ist eine kleine Wohnung in diesem dicht besiedelten Stadtteil. Vier Türen sehe ich vom Eingangsbereich aus, aber keine Treppe für ein Obergeschoss. Ich eile geradeaus ins Wohnzimmer. Modern eingerichtet. Ein Flachbildschirm, eine kleine blaue Couch und leicht gelbliche Tapeten. Blitzartig steigt mir in der Wohnung ein schrecklicher Geruch in die Nase.
Verwesung.
Kurz darauf meldet sich Bill aus dem Zimmer neben mir.
«L…L…Leute. Ihr solltet mal besser ins Schlafzimmer kommen», sagt Bill mit zitternder Stimme.
Tom und ich stürmen herbei. Die Waffen haben wir bereits runtergenommen und in unsere Halfter festgesetzt.

"Seelenloser Schwur" im Kindle-Shop



13. Februar 2013

'Nacht über Valencia' von Eddy Zack

Valencia - spanische Metropole am Mittelmeer. Ein Serienkiller macht die Rotlicht-Szene der Stadt unsicher. Der Killer hat eine besondere Handschrift - er schneidet seinen Opfern die Köpfe ab. Luca, ein heruntergekommener alkoholabhängiger Schriftsteller, lebt in Valencia. Immer wieder schlägt der Serienkiller zu und alle Opfer stehen in Beziehung zu Luca. Endlich begreift Luca - der Mörder kommt aus den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Valencias.

Gleich lesen: Nacht über Valencia








Leseprobe:
Es sei ein russisches Fest mit überwiegend russischen Gästen, hatte Irina gesagt. Das bedeutete, es gab Schnaps bis zum Umkippen. Sie sprach es nicht aus, ließ es nur anklingen. Weil sie mich locken wollte. Die Aussicht auf Brandy oder Whiskey war für mich ein sehr überzeugendes Argument. Kaum jemand wusste das besser als Irina.
Sie hatte gegen Mittag mit mehreren voluminösen Plastiktüten die Wohnung verlassen. Sie müsste die Kostüme für die Folklore vorbereiten, hatte sie gesagt. Russische Folklore. Seit ich Irina kannte, schrumpfte meine Begeisterung für Russland von Tag zu Tag. Im Moment war sie nahe dem Gefrierpunkt.
»Komm nicht nach 21 Uhr«, hatte sie mir in dem typischen Tonfall ans Herz gelegt, den sie immer hervorkramte, wenn sie von mir etwas wollte. Ich war Dekoration wie die Kostüme, die sie mitgeschleppt hatte. Die Metro wurde wieder einmal bestreikt und ich verspätete mich. Das war nicht der einzige Grund für meine Verspätung. Ich wollte zu spät kommen. Irina erwartete mich voll nervöser Spannung auf dem Bürgersteig, als ich gegen halbzehn das Lokal erreichte.
»Wartest du auf mich?«
»Was glaubst du denn, wie lange ich hier schon stehe«, gab sie schnippisch zur Antwort. Wir gingen ins Lokal und sie zeigte auf eine Ecke an einem Tisch, wo ich sitzen sollte. Ich hatte Glück, zwei meiner Tischnachbarn kannte ich - Emilio mit seiner russischen Frau Natascha. Ich setzte mich zu ihnen, und sie begrüßten mich so überschwänglich, als sei ich ein lang verschollener Verwandter. Ich hatte nicht in Erinnerung, dass wir so gut miteinander bekannt waren. Emilio redete auf Deutsch von rechts auf mich ein, links sprach Natascha Spanisch mit dem Mann gegenüber. Quer über den Tisch diskutierten lautstark zwei Männer auf Russisch. Obendrein nuschelte Emilio stark, ich verstand ihn kaum. Er hatte offenbar schon Einiges weggekippt. Von einer neuen Geschäftsidee erzählte er. Es war eine Idee von der Sorte, mit der schon Hunderte vor ihm pleitegegangen waren.
»Hört sich interessant an.« Er freute sich über meine Bemerkung.
Lena stand plötzlich hinter mir. Sie war Irinas beste Freundin und manchmal schien mir, sie war mehr als das. »Was bist du für ein Sternzeichen?«, wollte sie wissen.
»Keine Ahnung. Januar. Ich glaube Wassermann.«
»Das chinesische Sternzeichen meine ich.«
Chinesisches Sternzeichen? Ich wusste nur, dass es vom Geburtsjahr abhing. Sie gab mir einen Zettel.
»Hier, such’s dir heraus. Ich habe chinesische Horoskope.«
Wenn es dem lieben Frieden dient, dachte ich ergeben. Ich suchte eine Weile auf dem Blatt, bis ich es kapierte. Ich war ein Pferd, tröstlich. Frosch und Ochse waren auch auf dem Blatt angeführt, aber ich war ein Pferd. Etwas Edles, kein versoffener Ochsenfrosch.
Sie gab mir ein zweites Blatt. »Dein Horoskop«, sagte sie. Der Text war auf Spanisch. Im ersten Absatz stand etwas von Geschäft und Geld, in der Mitte von Liebe und Beziehung. Von Schnaps und Nutten stand nichts drauf.
»Ich schreibe dir meine Webadresse auf«, sagte Emilio. »Die von deinem Geschäft?«
Vielleicht wollte Emilio auch nur Natascha beeindrucken. Wenn Männer nichts mehr in der Hose haben, entwickeln sie mancherlei irrwitzige Aktivitäten.
»Was willst du machen?«, fragte ich, obwohl er es mir gerade erklärt hatte. Ich hatte nicht zugehört.
»Reisebegleitung in Valencia. Bei Shopping dolmetschen, Kathedrale und Museen besichtigen, mit ihnen raus nach Albufera.«
Albufera ist ein Nationalpark südlich von Valencia. Weshalb musste man in Albufera Begleitung haben und außerdem, was wollte man dort? Ein Salzwassersee mit vielen Flamingos. Ich sprach es nicht aus. Emilio war ein netter Kerl, tat keiner Fliege etwas. Warum sollte ich ihm die Illusionen rauben, die er sich mühsam zurechtgebogen hatte. Schließlich leben wir alle auf irgendeine Weise von Wunschvorstellungen. Wenn ich eine Nutte aufgable, dann ist ihr Gestöhne auch nur Theater.

"Nacht über Valencia" im Kindle-Shop

Mehr über und von Eddy Zack auf seiner Website.

11. Februar 2013

'TEAM 002: Die Entführung der Queen' von Jens Hildebrand

Ein Roman voller Abenteuer für junge Leser.

Tom Carter hat ein Geheimnis, denn er ist nicht der normale elfjährige Junge, für den ihn alle halten. Seine Nachbarin ist Oma Gertrud, eine gebrechlich aussehende alte Dame, doch sie ist die Geheimagentin 002. Tom begleitet sie auf ihrer Mission, die Queen zu retten.

Lesermeinung: "Ich habe dieses Buch zusammen mit meinen Kindern gelesen. Oder vielmehr, ich habe es ihnen vorgelesen und sie haben ganz gebannt gelauscht. Es hat uns sehr gut gefallen. Die Geschichte war von Anfang bis Ende spannend, voller Überraschungen und sehr humorvoll."

Gleich lesen: TEAM 002 und die Entführung der Queen

Leseprobe:
Alle kannten Oma Gertrud.
Niemand wusste, ob sie überhaupt eine Oma war, aber so nannte man sie eben, weil sie wie eine Oma aussah. Alle kannten sie, wie sie mit dicker Brille, Gehstock und Einkaufswägelchen die Stufen vor ihrem Häuschen herunterschlich und an den Gartenzwergen vorbeizuckelte, ungefähr so schnell wie eine Schildkröte; wie sie den Bürgersteig entlangkroch und langsam Fahrt aufnahm, bis sie bei der Bushaltestelle etwa das Tempo einer Rennschildkröte erreichte. Man kannte sie, wie sie ein Schwätzchen mit dem alten Mr. Withers hielt, der immer so tat, als würde er in seinem Vorgarten arbeiten, aber in Wirklichkeit nur alles mitkriegen wollte, was in der Straße passierte; wie Oma Gertrud dann im Eingang des Supermarkts verschwand, und wie sie eine halbe Stunde später wieder herauskam und den Rückweg antrat: mit vollgepacktem Einkaufswägelchen und dem Tempo einer Schildkröte mit Betonüberschuhen.
Dieses Spektakel spielte sich fast täglich in Wimbledon ab, dem bekannten Vorort von London – wenn Oma Gertrud nicht gerade auf Reisen war und wahrscheinlich einen ihrer Verwandten besuchte.
Wie gesagt: Alle kannten Oma Gertrud.
Zumindest glaubten sie das.
Tom glaubte es auch, bis er eines Tages den Fehler beging, in den Garten hinter ihrem Haus zu schleichen (oder besser gesagt: zu fallen).
Die Jungs spielten gerade Versteckfangen, und Tom war auf der Flucht vor Billy, der groß und kräftig war und die meisten Verstecke kannte. Trotzdem standen Toms Chancen nicht schlecht, denn er konnte rennen wie der Wind und sich prima verstecken – manchmal so gut, dass die anderen schon mit der nächsten Runde anfingen, weil sie ihn einfach nicht finden konnten. Einerseits fand er das cool, andererseits ärgerte es ihn auch ein bisschen, wenn sie ohne ihn weitermachten. Was ihn allerdings am meisten störte war die Brille, die er seit zwei Wochen tragen musste, damit er in der Schule die Tafel lesen konnte. (Wer möchte schon in der Schule die Tafel lesen?)
Dieses Ding auf der Nase zu haben war ein komisches Gefühl. Außerdem hatte es auf dem Schulhof ein paar blöde Sprüche gegeben, die zwar am nächsten Tag wieder aufgehört hatten. Aber das störte Tom fast noch mehr, weil er das Gefühl hatte, irgendwie unsichtbar zu sein. Er war nicht besonders stark und nicht schwächlich, nicht besonders groß oder klein, schlau oder dumm… er war so erschreckend normal, dass ihn niemand beachtete. Wie neulich, als sie am Ende des Klassenausflugs übersehen hatten, dass er noch nicht im Bus saß – ein Museumswärter gab ihm drinnen gerade eine lange Ermahnung, weil jemand dem Dinosaurierskelett eine leere Pringles-Dose in die Zähne gesteckt hatte. Das war zwar Nick gewesen, der Klassenclown, aber die Ermahnung hatte Tom abbekommen, während der Bus ohne ihn abfuhr …
Das war nicht einmal böse Absicht gewesen. Manchmal vergaßen die Leute einfach, dass es ihn überhaupt gab, und das nervte. Um endlich beachtet zu werden, hatte Tom in den letzten Wochen selbst ein paar Streiche gespielt, zum Beispiel Kaulquappen ins Schulschwimmbecken gekippt. Aber auch das hatte nichts gebracht, denn niemand glaubte ihm, dass es seine Streiche waren. Alle nahmen an, dass Nick dahintersteckte.
Wie auch immer, hier und jetzt war es wichtig, dass er sich aufs Versteckfangen konzentrierte. Das Coole daran war, dass man durch die Gärten der Nachbarschaft laufen konnte, solange man nichts zertrampelte oder die Gartenzwerge in Oma Gertruds Vorgarten durcheinanderbrachte. In diesem Moment lief Tom die schmale Gasse entlang, die zu dem Garten hinter ihrem Haus führte, der nicht nur von einem hohen Zaun, sondern auch von einer dichten dornigen Hecke umgeben war. Tom hatte sich nie viel dabei gedacht – Oma Gertrud mochte wohl einfach keine Fremden, und die Hecke sah einfach zu gefährlich aus, um sie zu erklettern. Deshalb hatte er es auch noch nie versucht.
»Kannst du mir helfen?«, piepste eine verzweifelt klingende Stimme.
Tom fuhr herum. Ein Mädchengesicht lugte hinter dem Apfelbaum hervor, der nahe der Hecke wuchs. Es war die kleine Julie von Nummer neunzehn.
»Was ist denn los?«, fragte Tom.
»Godzilla will nicht runterkommen. Da!«
Sie zeigte hoch in den Baum, wo eine graue und ziemlich monstermäßige Katze saß und die Sonne genoss.
»Deine Katze heißt Godzilla?«, fragte Tom.
Julie nickte heftig.
»Also gut«, seufzte Tom. Er musste sich beeilen, denn Billys schwere Schritte kamen schon die Gasse entlang. Tom kletterte schnell auf den untersten Ast. Die Katze blinzelte müde. Tom streckte die Hand aus, jeden Moment darauf gefasst, dass sie nach ihm schlug – bei Katzen musste man schließlich mit allem rechnen. Aber sie ließ sich ohne Widerstand anfassen und auf den Arm nehmen. Er kletterte ein Stück nach unten und reichte sie Julie.
»Die ist aber ganz schön schwer.«
Julie nickte. »Ja, voll fett. Wie heißt du?«
»Du kennst meinen Namen nicht?«
Julie schüttelte den Kopf.
»Ich bin Tom. Vielleicht erkennst du mich nicht wegen der Brille?«
Sie zuckte die Achseln und zeigte auf sein Bein. »Wie ist das passiert?«
Tom sah nach unten. Seine Jeans war hochgerutscht, so dass man die hellen, zackigen Flecken auf seiner rechten Wade sehen konnte.

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Mehr von und über Jens Hildebrand auf seiner Website www.jenshildebrand.de.

7. Februar 2013

'Geheimakte Labrador' von André Milewski

Ein Abenteuerroman in Indiana Jones-Manier. Der junge Deutsche Max Falkenburg arbeitet 1952 als Museumswärter im Wikingerschiffmuseum in Oslo. Als er den Diebstahl eines geheimnisvollen Medaillons verhindert, findet er sich unvermutet auf der Suche nach Thors legendärem Hammer Mjöllnir wieder. Gemeinsam mit dem amerikanischen Archäologen Frederick Crichton und seinen Studenten setzt Max alles daran, um das mythische Artefakt zu finden.

Doch eine Spezialabteilung des russischen Geheimdienstes ist ihnen dicht auf den Fersen und schreckt vor nichts zurück, um den Hammer in ihren Besitz zu bringen. Die Suche führt Max und seine Freunde über Island nach Grönland und letztlich bis an die Küste Labradors, wo es schließlich zum alles Entscheidenden Kampf um Mjöllnir kommt …

Gleich lesen: Geheimakte Labrador: Thriller

Leseprobe:
Markland – 1000 n.C.
»Das war hoffentlich der Letzte dieser verdammten Skrälinge!«, fluchte Leif, als er mit einem kräftigen Ruck sein Schwert aus dem reglosen Körper zog. Dampfend sickerte Blut aus der Wunde, tropfte in den Schnee und färbte ihn tiefrot. Leif blickte sich um und sah auf die unzähligen niedergestreckten Feinde, die auf dem Schlachtfeld verstreut lagen. Mindestens zwanzig, dreißig der hinterhältigen Feiglinge, schätzte er. Zwischen ihnen erblickte er auch zwei vertraute Gesichter: Thoralf und Sigurd. Beide waren grausam zugerichtet, aber Leif konnte den Blick nicht von seinen toten Kameraden abwenden. Es war seine Schuld, er führte sie in diese schrecklichen Gefilde am Ende der Welt. Im Alleingang hätte er es nicht bis hierher geschafft. Nur durch die Hilfe seiner treuen Freunde war dies möglich gewesen. Aber ihr Opfer würde nicht vergebens gewesen sein! Schließlich wandte er den Blick von den Toten ab und er sah Heimir, der gerade versuchte seine doppelschneidige Streitaxt aus dem Oberkörper eines Skrälingers zu ziehen. Mit einem hässlichen Knacken löste sich die Axt.
»Hierfür werden uns die Götter verdammen!«
Heimirs unruhige Stimme verriet, dass ihm nicht behagte, was sie getan hatten. Leif sah seinen Freund an. Heimir überragte ihn nahezu um zwei Kopflängen und war so breitschultrig, dass auf der Ruderbank ihres Drachen kein zweiter Mann neben ihm Platz fand. Sein blondes Haar hatte er zu einem langen Zopf gebunden und geschworen, sich die Haare erst nach einem verlorenen Zweikampf wieder zu kürzen. Doch dazu war es bisher nie gekommen. Sie hatten gemeinsam die weitesten Fahrten unternommen, sich furchtlos dem Unbekannten an den Gestaden jenseits der alten Welt gestellt. Seit frühester Kindheit kannte er Heimir, aber nun gewahrte er beim Blick in dessen Augen, wie sein hünenhafter Freund, der stärkste Viking von allen, vor ihm stand und Angst hatte. Unsagbare Angst.
Leif gab ihm keine Antwort. Er war sich nicht sicher, ob er das Richtige tat. Nur eines wusste er: Dass er handeln musste, um das Unheil zu stoppen, bevor es sie alle verschlingen würde. Mit einem verbissenen Gesichtsausdruck reinigte er sein Langschwert, steckte es zurück in die Scheide und ging zu der kleinen Holzkiste, die er beim Angriff der Skrälinge am Waldrand abgestellt hatte.
Keiner der Angreifer hatte es gewagt, sich der Kiste zu nähern. Sie strahlte eine unheilvolle Aura aus. Lange blickte Leif auf die unscheinbare Holzschatulle. Hätte er die Kiste bei dem Angriff geöffnet, würden Thoralf und Sigurd gewiss noch Leben. Aber welchen Preis hätte er, hätten sie alle dafür zu zahlen?
»Bist du dir immer noch sicher, dass du ihn hier vergraben willst? Die Skrälinge könnten kommen und ihn an sich nehmen«, sagte Heimir hinter ihm und riss ihn aus seinen Gedanken.
Leif hob die Kiste hoch. Sie schien ihm schwerer als zuvor.
»Das werden Sie nicht. Das können Sie nicht! Ganz im Gegenteil. Sie werden der beste Schutz dafür sein.«
Er verachtete die Skrälinge zutiefst. Es waren heimtückische Feiglinge. Sie griffen nur aus dem Hinterhalt an, im Zwielicht, damit ihre Opfer sie erst im letzten Moment sehen konnten. Mit den Waffen der Feiglinge: Bogen und Speer. Doch Leif brachte den Kampf zu ihnen. Unzählige Skrälinge hatten sie erschlagen, auf ihrem Weg durch den unheimlichen Wald. Die Passage erforderte einen hohen Blutzoll. Nur Heimir und er waren übrig. Thoralf, Sigurd, Eirik und Gunnar waren den verfluchten Feiglingen zum Opfer gefallen. Trotzdem spielten die Skrälinge eine Rolle in seinem Plan. Sie würden die Wächter sein!
Die Landzunge, die er von der See aus gesehen hatte, lag nun offen vor ihnen.
»Komm Heimir, wir müssen näher an die Küste heran«, sagte Leif und ging entschlossen voraus. Mit jedem Schritt spürte er, wie das Gewicht der Kiste in seinen Händen zunahm.
Als sie den Küstenstreifen erreichten, setzte leichtes Schneetreiben ein. Schweißgebadet stellte Leif die Holzkiste ab. Über dem Meer zuckte ein Blitz hinunter, dem wenige Augenblicke ein lautes Donnern folgte.
»Das ist die Stelle! Hier vergraben wir ihn!« sagte er mit entschlossener Stimme. Schweigend begannen Heimir und er ein Loch in dem eisigen Boden zu graben. Es kostete sie einige Zeit, den harten Untergrund zu öffnen.
Als es geschafft war, ging Leif näher an die steil abfallende Küste heran und sah sich um. Die schroffen Felsen, die fast senkrecht aus dem Wasser aufragten und vor allem die gefährlichen Untiefen machten es unmöglich, sich diesem Platz vom Meer aus zu nähern. So weit er blicken konnte, gab es keine Möglichkeit ein Schiff anzulanden. Und der Weg über Land war gefahrvoll, das wusste er mit schrecklicher Gewissheit. Diese gottverdammten Skrälinge! Er wünschte ihnen allen den Tod. Die Hand seines Freundes auf seiner Schulter riss ihn aus diesen hasserfüllten Gedanken.
»Was hast Du?«, fragte er Heimir ohne ihn anzusehen.
»Noch können wir zurück Leif! Wir nehmen ihn mit uns. Und entgehen so vielleicht der Verdammnis!«, sagte Heimir flehend. Leif umklammerte den Arm seines Freundes.
»Nein mein Freund. Du weißt genauso gut wie ich, dass es dann keine Rettung mehr für uns gibt. Niemand sollte ihn besitzen, er ist nicht für Menschen gedacht!«
Vom Meer grollte ein Sturm heran und gewaltige Wellen bauten sich auf und peitschten ohne Unterlass gegen die Klippen.
»Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Warum versenkst du ihn nicht einfach im Meer?« Heimirs Stimme klang kraftlos. Leif wandte sich ab. Er blickte hinaus auf die See, dessen Gewoge sich wie von wilder Raserei getrieben, hoch auftürmte, um dann gnadenlos auf die Küste zu schmettern. Weit entfernt sah er Blitze ins Meer zucken. Thors ganzer Zorn schien sich hier, am Ende der Welt, zu entladen.
»Nein, im Meer ist er nicht sicher«, sagte er fast tonlos.
Leif wusste das Heimir ihn keinesfalls hören konnte, bei dem Getöse um sie herum. Fast erschien es ihm, die alten Götter würden ihm zürnen. Seine rechte Hand tastete nach dem kleinen Kreuz, das er um den Hals trug. Er umklammerte es fest. Aber Leif hatte nichts mehr zu verlieren, es war seine einzige Hoffnung seine Familie und sein Volk von dem Fluch zu befreien. Gleichwohl durfte er ihn nicht dem Meer überantworten. Vielleicht würde es ihm gelingen herauszufinden, wie man die Kräfte beherrschen kann, wenn er nur noch mehr Zeit hätte.
Er drehte sich wieder zu seinem Freund um.
»Heimir?«
»Ja?«
Leif glaubte, in Heimirs Stimme einen Funken Hoffnung zu hören. Hoffnung darauf, dass er seine Meinung geändert hatte.
»Verzeih mir!«
Ehe Heimir sich der Bedeutung von Leifs Worten klar werden konnte, zog Leif sein Schwert und trennte mit einem schnellen Hieb dessen Kopf von den Schultern. Als der Kopf zu Boden fiel, sah Leif in die vor Überraschung und Entsetzen weit aufgerissenen Augen seines Freundes.
»Lebe lang in Walhall, an Odins Tafel mein Freund!«

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4. Februar 2013

'Sushi oder Labskaus' von Kerstin Michelsen

Ein romantischer Frauenroman. Für Florence, genannt Flo, geht ein Traum in Erfüllung. Sie reißt sich einen tollen Job unter den Nagel und kann endlich aus der Provinz in die Großstadt ziehen. Doch in der neuen Firma warten nicht nur berufliche Herausforderungen.

Flos Standhaftigkeit wird durch die Avancen des gut aussehenden Juniorchefs auf eine harte Probe gestellt. Wenn dieser verflixt charmante Kerl nur nicht an jedem Finger noch drei andere Frauen hätte! Und dann ist da auch noch Jan, der Flo ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf gehen will ...

Gleich lesen: Sushi oder Labskaus

Leseprobe:
Ich war soeben in eine Pfütze getreten und fror. Meine Chucks waren sofort durchgeweicht. Für alle Fälle – ich wusste ja nicht, was auf mich zukommen würde, genauer gesagt: wer – hatte ich ein paar Ersatzschuhe dabei. Die hielt ich mal in der rechten und mal in der linken Hand, je nachdem, welche Finger gerade weniger steif gefroren waren. Die freie Hand steckte ich dann in meine Jackentasche und hoffte, dass sie dadurch etwas auftauen würde. Die Ersatzschuhe anzuziehen hätte nichts gebracht. Sie waren knallrot und mit mörderisch hohen Absätzen ausgestattet. Gewärmt hätten sie die Eisklumpen, die bis vor kurzem noch meine Füße gewesen waren, ganz sicher nicht. Bisher hatte ich diese exquisiten Folterinstrumente erst einmal getragen, aber dazu später mehr.
Wie gesagt, ich wollte für alle Fälle gewappnet sein. Worauf ich eigentlich hoffte, das konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr sagen. Dazu war mir viel zu kalt und meine Gefühle spielten verrückt. Liebe, Sehnsucht, Zweifel und eine gehörige Portion Leichtsinn hatten dazu geführt, dass ich hier nun stand.
Streng genommen war es eine karge Botschaft gewesen, die mich an diesem späten, feuchtkalten Novemberabend unter die finstere Brücke gelockt hatte. Zwei Worte, dazu Ort und Zeitpunkt, mehr nicht.
Vor mir plätscherte die Alster düster und träge, über mir rauschten die Autos und hin und wieder eine S-Bahn. Es war schon stockduster gewesen, als ich hier ankam, sonst wäre ich ja auch nicht in die Pfütze getreten. Unsicher sah ich mich um. Zum Rand der Unterführung hin wurde es etwas heller und langsam gewöhnten sich auch meine Augen an die Dunkelheit.
Schemenhaft erkannte ich in einer Ecke einen zerwühlten Haufen. Alte Decken oder was auch immer es war. Ich wusste, dass hier unten manchmal Obdachlose kampierten. Aber doch wohl nicht bei dem Wetter? Das musste ja schauderhaft sein, ich war schon nach den zehn Minuten, die ich hier ausgeharrt hatte, kalt bis auf die Knochen. Vielleicht war ich auch nicht gerade passend angezogen. Zu den Stoffschuhen, die ebenso modisch wie abgelatscht waren, trug ich eine knallenge Jeans, ein dünnes schwarzes Top und darüber meine kurze feuerrote Lederjacke. Ein Outfit, das auch zu den High Heels passen würde, wie mir Rina und Sanne am frühen Abend versichert hatten. Natürlich wussten sie über alles Bescheid. Wir hatten zusammen in meiner Wohnung beraten, was ich anziehen sollte und darüber in Windeseile eine Flasche Prosecco geleert. Prosecco mit Eiswürfeln und einem Schuss Eierlikör. Das sah zwar etwas fies aus, schmeckte aber lecker, damit brachten wir uns in Stimmung, seitdem wir als sechzehnjährige Discomäuse zusammen losgezogen waren. Zum allerersten Mal hatten wir diese Zutaten heimlich zusammen gemischt, weil der Kühlschrank von Sannes Eltern nichts anderes hergab. Dann waren wir all die Jahre dabei geblieben.
Rina und Sanne hatten mit mir zusammen die geheimnisvolle Mitteilung studiert, gedreht und gewendet auf der Suche nach einem verborgenen Hinweis auf den Absender. Nichts. Nun ja, immerhin gab es zwei Kandidaten.
Anfangs hatte ich noch überlegt, ob ich überhaupt hingehen sollte, doch dann fasste ich endlich einen Entschluss. Viel zu lange schon hatte ich mich vor einer Entscheidung gedrückt. Am Ende hatte meine Unentschlossenheit dazu geführt, dass ich alles verloren hatte. Nicht einmal in den einsamsten Wochen meines Lebens, die hinter mir lagen, hatte ich mich zu einem Entschluss aufraffen können. Dann kam die unverhoffte Botschaft und ich wusste, dass dieser Abend alles verändern würde. Aber wie lange würde er mich hier noch warten lassen? Und wenn er es sich wieder anders überlegt hatte und am Ende gar nicht kam? Was, wenn es der Falsche wäre? Gab es das überhaupt in diesem Fall?
Fragen über Fragen und keine Antwort in Sicht. Mein Leben war ein einziges Chaos. Jedenfalls mein Liebesleben. Ich blickte auf meine Uhr. Der Leuchtzeiger signalisierte 22 Uhr und 7 Minuten. Genau drei Minuten würde ich noch warten, keine Sekunde länger. Zur Hölle mit den beiden.

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Mehr von und über Kerstin Michelsen auf ihrer Website kerstin-michelsen.jimdo.com.