29. Juni 2018

'Der letzte Liebesbrief' von J. Vellguth

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Warum hat sie ihn versteckt?

Nell wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Tante endlich wieder glücklich zu sehen. Als sie bei ihrem Umzug einen versteckten Liebesbrief findet, der an Bernadette gerichtet ist, wittert sie ihre Chance. Voller Elan begibt sie sich auf eine verschlungene und geheimnisvolle Reise in die Vergangenheit.

Dabei trifft sie auf einen attraktiven Fotografen, der einfach viel zu gut ist, um wahr zu sein.

Sam ist Mode-Fotograf, erfolgreich, berühmt und … er hat seine Muse verloren. Erst ein berührender Liebesbrief in den Ruinen eines alten Gebäudes und das Funkeln in den Augen einer ganz besonderen jungen Frau lassen ihn hoffen, dass seine Inspiration noch nicht ganz erloschen ist.

Doch je länger er Nell folgt, desto deutlicher wird, dass noch wesentlich mehr hinter ihrer Geschichte steckt, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Sind die beiden stark genug, um die Schatten ihrer Vergangenheit zu besiegen?

Eine herzergreifende Liebesgeschichte über alte Narben, wahre Schönheit und die Bedeutung von Familie.

Leseprobe:
Symphony – Clean Bandit, Zara Larsson
Nell blickte durch die Löcher im Maschendraht und betrachtete das ehemals zweistöckige Gebäude dahinter.
Staubgrauer Backstein und Stuckreste bröckelten langsam von der maroden Fassade des alten Herrenhauses. Es war im Stil der Jahrhundertwende gebaut, hatte Erker, einen kleinen Turm und Schnörkel schmückten die hohen Fenster.
Würzig-grünes Efeu und Brombeerbüsche fraßen sich die Wände empor und unaufhaltsam auch einen Weg ins Innere des Gebäudes. Samtgoldene Nachmittagssonne legte sich wie eine Decke über das alte Anwesen und sickerte warm durch die Efeuranken auf die Steine.
Über allem hing der schwere, süße Duft von wilden Rosen und Wind rauschte in den Blättern des angrenzenden Waldes.
Es musste einmal wunderschön hier gewesen sein. Und auf eine seltsame, zerbrochene Art war es das immer noch.
Sie blinzelte und riss sich von dem Anblick los, schließlich hatte sie eine Mission. Halb vergessene Erinnerungen wollten zu neuem Leben erweckt werden – hoffentlich.
Ein aufregendes Prickeln breitete sich über ihre Arme aus, als sie die Finger durch den Draht steckte und nach oben sah. Leider war der Zaun zu hoch, um darüber zu klettern, aber irgendwie musste sie hineinkommen.
Langsam ging sie unter den Bäumen hindurch, immer an dem verzogenen Geflecht aus Draht entlang. Vogelgezwitscher mischte sich unter das Blätterrauschen und begleitete sie auf ihrem Weg zu einem alten, schmiedeeisernen Tor, das sehr wacklig aussah.
»Betreten verboten« stand auf einem gelben Schild, das schräg daran herunterhing. Nell streckte die Hand aus, schob ihre Finger zwischen die Metallstreben und zog daran. Zu ihrer Überraschung stellte sie fest, dass es nicht verschlossen war. Eine rostige Kette lag im Gras; ein Glied war durchgeknipst und die Schnittstelle blank. Das Metall konnte also noch nicht allzu lange hier liegen.
Einen Moment zögerte Nell. Aber wer auch immer hier gewesen war und die Kette durchtrennt hatte, war sicher schon längst wieder verschwunden.
Trotzdem wäre sie vielleicht besser nicht alleine gekommen. Sie blickte nachdenklich zu dem verlassenen Gebäude hinüber. Aber wen hätte sie fragen sollen?
Überhaupt, für solche Gedanken war es jetzt zu spät. Sie würde bestimmt nicht unverrichteter Dinge zurückfahren.
Entschlossen versuchte Nell, die Tür zu öffnen, aber die blieb im hohen Gras stecken. Sie stemmte sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen das alte Tor und schob es schwerfällig über die wuchernden Grasbüschel. Dann zwängte sie sich durch den entstandenen Spalt.
Ihr Herz pochte aufgeregt, gleich war es so weit.
Sie ging mit schnellen Schritten auf das Gebäude zu. Grillen zirpten, lange Halme schlugen gegen ihre Hände und sie spürte die Kante des alten Briefumschlags in ihrer hinteren Hosentasche.
Ob sie überhaupt etwas finden würde?
Gähnend und ein bisschen unheimlich klaffte der Eingang des Gebäudes ihr entgegen. Die riesige, hölzerne Tür war aus der oberen Angel gekippt und stand offen.
Wie lange wohl niemand über diese Schwelle getreten war? Also, niemand, der hier wohnte.
Ihre Handflächen wurden feucht. Aber Nell fasste sich ein Herz und trat hinein.
Goldene Sonnenstrahlen fielen in dicken Säulen durch die scheibenlosen Fenster und in ihrem warmen Licht tanzten winzige, glitzernde Staubkörner.
Nells Schuhe knirschten auf den rissigen, schwarzweißen Fliesen. Ein dunkler Graffiti-Schatten mit roten Augen und weit aufgerissenem Maul starrte ihr von der Wand neben der breiten Treppe entgegen. Die Steinstufen führten im Bogen auf eine Galerie und von der Decke hingen die schmucklosen Überreste eines Kronleuchters. Ansonsten war die hohe Eingangshalle völlig leer.
Sie zog den gefalteten Briefumschlag aus ihrer Tasche und betrachtete die Konturen des türkisblauen Schmetterlings, die jemand mit viel Sorgfalt in die untere rechte Ecke gezeichnet hatte.
Darin befand sich ein Brief, der nicht an Nell gerichtet war, aber der von Gefühlen erzählte, die sie tief berührten. Zeugnis einer alten Liebe.
Da hörte sie ein leises Schaben und blickte erschrocken auf.
In den weiten, verwinkelten Überresten der Ruine kannte das Geräusch keine Richtung, und ihr nächster Schritt hallte unheilvoll durch die neue Stille.
Ein Tier wahrscheinlich … nur ein Tier.
Sie war kurz davor Hallo zu rufen. Aber falls wirklich jemand hier sein sollte, war sie sich ziemlich sicher, dass sie denjenigen nicht treffen wollte.
Stattdessen konzentrierte sie sich auf das Knistern von Papier zwischen ihren Fingern und auf die Hoffnung, Bernadette ein Stück Glück aus ihrer Vergangenheit wiederzuschenken.
Schnell öffnete Nell den Umschlag, ließ den weißen Briefbogen unbeachtet und holte den kleinen, blauen Zettel heraus.

Im Kindle-Shop: Der letzte Liebesbrief: Roman.
Mehr über und von J. Vellguth auf ihrer Website.



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27. Juni 2018

'Umwege zum Glück' von Gabriele Popma

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Hals über Kopf verliebt sich die Studentin Corinna in den sympathischen Draufgänger Sandie, doch es ist eine Liebe ohne Zukunft. Als Corinna feststellt, dass sie ein Kind erwartet, hat sie Sandie bereits aus den Augen verloren.

Einige Jahre später: An der Seite des ehrgeizigen Geschäftsmanns Robert führt Corinna ein ruhiges, harmonisches Familienleben. Da kreuzen sich ihre und Sandies Pfade erneut. Zu Sandie war das Schicksal weniger freundlich. Nach einem schweren Schicksalsschlag hat er jeglichen Lebensmut verloren und sich zu einem bitteren Zyniker entwickelt. Als Corinna eine Entscheidung trifft, deren Konsequenzen sie nicht einschätzen kann, gerät ihr Leben komplett aus den Fugen.

Und wieder muss sie sich entscheiden ...

Leseprobe:
Corinna langweilte sich. Natürlich war es genauso gekommen, wie sie befürchtet hatte. Astrid hatte sie zwar ihren Freunden vorgestellt, aber gleichzeitig die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Seit einer Stunde sprach sie mit einigen Kolleginnen über die neueste Mode und mit den Männern über Politik. Corinna beneidete ihre Schwester, wie sie es schaffte, über all diese Dinge zu sprechen, als wäre sie der absolute Insider. Dabei wusste sie, dass Politik Astrid herzlich wenig interessierte, doch kein anderer schien es zu bemerken.
Corinna hatte bisher nur ein wenig mit dem Gastgeber geplaudert, einem netten blonden Mann namens Reinhold, der bemüht war, sich um alle Anwesenden persönlich zu kümmern. Sie hatten einige höfliche Floskeln ausgetauscht und er hatte zweimal betont, wie sehr er sich freue, Astrids Schwester kennenzulernen. Bevor er sich wieder anderen Gästen zuwandte, bat er sie noch, sich wie zu Hause zu fühlen.
Doch Corinna war dem Trubel nicht gewachsen. Alle anderen Leute schienen sich untereinander zu kennen. Keinem schien es besonders aufzufallen, dass da ein Mädchen war, das sich verzweifelt bemühte, Anschluss zu finden, und zu schüchtern war, um sich einfach in die Menge zu stürzen und so zu tun, als würde sie dazu gehören. Alle, bis auf Einen. Zweimal hatte Corinna schon den Blick eines jungen Mannes aufgefangen, der sie interessiert zu mustern schien. Er war größer als die meisten anderen hier und trotz der frühen Jahreszeit schon braun gebrannt. Corinna fühlte, wie sie unter dem Blick der tiefblauen Augen leicht errötete und wandte sich schnell wieder dem Tisch mit den Getränken zu.
„Darf ich dir etwas einschenken?“ Die Stimme hinter ihr klang tief und ungemein sympathisch. Corinna wusste, ohne sich umzudrehen, wer sie angesprochen hatte. Und prompt fühlte sie, wie Geist und Inspiration sie verließen und nur ein leeres Gehirn zurück blieb.
„Ja, gerne“, sagte sie nur und kam sich dabei unwahrscheinlich fade vor.
„Was willst du denn?“ Langsam schob sich ein freundlich lächelndes Gesicht so in ihr Blickfeld, dass sie nicht ausweichen konnte.
„Äh, was will ich denn?“ Oh Mann, Corinna, stell dich nicht so verdammt blöde an, schalt sie sich heftig. „Am liebsten eine Cola.“ Ja, das war schon etwas besser.
„Cola. Jawohl, die Dame, Cola kommt sofort.“
Während er ihr aus einer Zwei-Liter-Flasche die braune Flüssigkeit in ein Glas goss, legte sich Corinnas Nervosität ein wenig. Als sie ihr Getränk in Empfang nahm, was sie schon so weit, dass sie ihr Gegenüber ebenfalls freundlich anlächeln konnte. „Danke.“
„Bist du allein hier?“ Sein Blick hatte fast etwas Mitleidiges.
„Ja, das heißt, nein.“ Corinna schloss kurz die Augen, um sich zu sammeln, bevor sie sich noch mehr blamierte. „Ich bin mit meiner Schwester hier. Astrid.“
Er zog die Augenbrauen hoch. „Astrid ist deine Schwester? Hätte ich nicht gedacht.“
„Ja, das glaube ich dir. Niemand hält uns für Schwestern. Wir sind sehr unterschiedlich. Nicht nur äußerlich.“
„Du fühlst dich wohl ein bisschen einsam, wie?“
Corinna wollte schon heftig verneinen, da hörte sie Astrid im Kreis ihrer Freunde fröhlich lachen. Das versetzte ihr einen Stich, der sie ehrlicher antworten ließ, als sie eigentlich wollte. „Ja, ein bisschen. Weißt du, ich kenne hier niemanden.“
„Und du findest nicht so leicht Anschluss wie deine großartige Schwester?“
Corinna nickte. „Genau. Wie du selbst festgestellt hast, ist sie eben großartig. Im Gegensatz zu mir“, fügte sie mit leichter Bitterkeit hinzu.
Ihr Gesprächspartner musterte sie nachdenklich. „Wie heißt du eigentlich?“
„Corinna. Corinna Stadler. Und du?“
„Alexander. Wegener“, fügte er noch hinzu, wohl, weil Corinna ihm auch ihren Nachnamen genannt hatte. Er musterte sie nachdenklich, dann grinste er frech. „Komm doch mal kurz mit.“
„Wohin?“
„Lass dich überraschen. Ich will dir etwas zeigen. Na komm schon, nicht so schüchtern.“
Er nahm Corinna einfach bei der Hand und zog sie ins Badezimmer. Sorgfältig schloss er die Tür?
„Und was soll ich hier?“ Corinna fragte sich kurz, ob ihre neue Bekanntschaft sie hier verführen wollte, aber so wirkte Alexander nicht auf sie.
„Wart’s ab.“ Er fasste sie bei den Schultern und drehte sie herum, so dass sie geradewegs in den Spiegel sah. „Was siehst du?“
„Mich.“ Corinna hatte keine Ahnung, was er von ihr wollte.
„Nein, so leicht mache ich es dir nicht. Ich fragte nicht, wen du siehst, sondern was.“
Ein merkwürdiges Spiel. Doch Alexander schien einen bestimmten Zweck damit zu verfolgen. Corinna spürte ein leichtes Kribbeln im Bauch. Eigentlich war er genau ihr Typ. Er war mindestens einen halben Kopf größer als sie und Corinna war schon größer als die meisten Mädchen hier. Als sie wieder in den Spiegel sah, begegneten ihr die klaren, dunkelblauen Augen, die ihr schon vorher aufgefallen waren. Alexander hatte dichte, blonde Haare, die eigentlich mal wieder gekämmt werden mussten und einen Schnurrbart, der einen leichten Stich ins Rötliche hatte. Seine markanten Gesichtszüge flößten ihr ungewollt Vertrauen ein und sie fragte sich, warum dieser Junge, den sie auf Mitte Zwanzig schätzte, sie angesprochen hatte.
Er merkte, wie sie ihn im Spiegel musterte und trat einen Schritt zurück. „Du sollst nicht mich anschauen, sondern dich“, grinste er. „Also, was siehst du?“
In einem Anflug von Galgenhumor antwortete Corinna ihrer Stimmung entsprechend: „Eine kleine graue Maus.“
„Wirklich?“ Alexander drehte sie zu sich um und betrachtete sie, als hätte er sie gerade zum ersten Mal gesehen. „Komisch, ich sehe etwas ganz anderes.“ Er drehte sie wieder zum Spiegel. „Willst du wissen, was?“
Corinna nickte beklommen. Sie wunderte sich, was jetzt wohl kommen würde.
Alexander setzte sich auf den Rand der Badewanne und verschränkte die Arme vor der Brust, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. „Ich sehe ein junges Mädchen, vielleicht neunzehn Jahre alt.“
Corinna nickte.
„Ungefähr, na ja, 1,75 groß.“
„1,76.“
„Prima, habe ich doch nicht schlecht geschätzt. Hey, ich glaube, du bist größer als Astrid, kann das sein?“
„Ja, aber nur drei Zentimeter. Das fällt nicht auf.“
„Trotzdem. Das hast du ihr schon mal voraus.“ Er sah sie von oben bis unten an. „Das Mädchen, das ich hier sehe, ist ein bisschen schüchtern und sie hält sich für unscheinbar, was sie unsicher macht. Das sehe ich in ihren Augen. Es sind übrigens schöne Augen. Ich mag braune Augen. Die haben so etwas Zärtliches.“
„Du spinnst ja.“ Corinna musste lachen. „Außerdem sind sie mehr grün als braun.“
„Sei ruhig. Ich bin noch nicht fertig. Weiterhin sehe ich wundervolle dunkle Haare.“ Er stand auf, um eine Strähne durch seine Finger gleiten zu lassen. „Es sind sehr feine und dünne Haare.“
„Viel zu dünn. Man kann nichts damit anfangen, außer sie einfach herunter hängen zu lassen.“
„Viele Mädchen wären froh über so feine Haare, die ganz weich und locker auf die Schultern fallen. Das Mädchen im Spiegel trägt kein Make-up.“ Corinna erinnerte sich daran, wie Astrid sie zu Lippenstift und Lidschatten hatte überreden wollen und überlegte kurz, ob sie hätte nachgeben sollen. Doch Alexander hatte seine Worte anscheinend nicht als Kritik gemeint. „Aber sie hat es auch nicht nötig“, fuhr er fort. „Ihre Augen sind groß und ausdrucksvoll, jede Farbe würde sie verschandeln, und ihre Wangen brauchen kein Rouge, um gesund zu wirken. Das Mädchen hier hat eine schmale, gerade Nase und eine reine, glatte Haut. Jetzt verrate mir, warum sollte sie eine kleine graue Maus sein?“
Corinna blickte überrascht in den Spiegel. So hatte sie sich noch nie betrachtet. Sie war schon immer froh gewesen, dass ihre Haare nicht fetteten und ihre Wangen nicht glänzten. Sie wusste, dass sie ausdrucksstarke Augen hatte. Sie amüsierte sich immer, wenn Astrid mit Kajalstift und Mascara bewaffnet ewig vor dem Spiegel stand und an ihren Augen herum malte. Trotzdem würde sie sich nicht unbedingt hübsch nennen. Fragend sah sie Alexander an.

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Für Tolino: Buch bei Thalia
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'Gewohnheiten ändern' von Johanna Klein

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Du hast mehrere schlechte Gewohnheiten, die dich daran hindern, deine Ziele endlich zu erreichen?
Du hast das Gefühl, du befindest dich in einem Hamsterrad, aus dem du nicht entkommen kannst?
Du hast schon mehrere Methoden ausprobiert, um deine schlechten Gewohnheiten zu durchbrechen, doch keine hat jemals funktioniert?
Du möchtest endlich deine Gewohnheiten ändern, sodass sie deine Ziele unterstützen?

Doch keine Panik, wenn du ein oder mehrere Fragen mit „JA!“ beantworten kannst. Viele stecken ebenfalls in dieser Situation und vor einigen Jahren erging es mir genauso. Ich hatte das Gefühl, bei mir würde keine einzige Methode klappen und würde niemals aus meinen Lastern entkommen können. Doch irgendwann bin ich glücklicherweise auf einige gute Bücher und Seminare gestoßen, die sich als äußerst hilfreich herausstellten. Die wichtigsten und erfolgreichsten Methoden habe ich in diesem eBook verfasst, um dir zu helfen. Bei diesen Methoden kann ich dir versichern, dass sie dir auf jeden Fall helfen werden. Nicht nur mir haben sie geholfen, sondern auch vielen anderen Menschen, denen ich bereits dieses Wissen vermittelt habe.

Was du in diesem eBook lernen wirst:
* was Gewohnheiten sind und wie sie überhaupt erst entstehen
* was in deinem Gehirn vorgeht, wenn du eine Gewohnheit ausübst
* Beispiele für gute, sowie schlechte Gewohnheiten
* nützliche Tipps, wie du deine Gewohnheiten dauerhaft und effektiv ändern kannst
* was die passenden Gewohnheiten für dich sind
* wie du mit Rückschlägen umgehst
* auf welche Weise du deine Selbstdisziplin und deine Willenskraft stärkst
* und vieles mehr!

Welche Momente wirst du verpassen, wenn du nicht endlich dein Schicksal in die Hand nimmst und deine Gewohnheiten änderst? Wie wirst du dich in fünf Jahren fühlen, wenn du immer noch nicht deine Gewohnheiten geändert hast? Wie wirst du dich in zehn Jahren fühlen, wenn du in den Spiegel blickst und merkst, du hast nie das Leben gelebt, das du schon immer wolltest? Verschwende nicht dein Leben, indem du an deinen negativen Gewohnheiten festhältst.

Dieses eBook wird dir helfen, das Leben zu leben, von dem du schon immer geträumt hast. Nutze noch heute die Kraft der Gewohnheit für dich und erreiche alles, was du dir schon immer vorgenommen hast!

Nimmst du die Herausforderung an? Dann lade dir jetzt das eBook herunter!

Leseprobe:
Du fährst jeden Morgen mit dem Aufzug in den zweiten Stock deines Büros hoch statt die Treppen zu nehmen? Du zündest dir direkt nach dem Mittagessen eine Zigarette an? Nach der Arbeit holst du dir ständig vom Chinesen nebenan Fertigessen statt dich gesund und ausgewogen zu ernähren? Danach legst du dich auf die Couch vor den Fernseher bis du einschläfst statt den Abend mit ein paar Sportübungen und den nächsten Tag zu planen ausklingen zu lassen? Du denkst wahrscheinlich, du würdest den ganzen Tag über solche Entscheidungen treffen, auch welchen Schuh du zuerst bindest, oder ob du beim Händefalten den linken über den rechten Daumen legst oder umgekehrt. Viele von uns wissen noch gar nicht, dass 60% der Handlungen, die wir täglich ausüben, Gewohnheiten sind.

Im Kindle-Shop: Gewohnheiten ändern: Der ultimative Guide um jetzt deine Gewohnheiten dauerhaft und effektiv zu ändern.



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26. Juni 2018

'Sommergespenster' von Mereth Ruddy

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Mereth & Tom

Mereth hat ihre große Liebe auf tragische Weise verloren und erhofft sich vom Leben nichts Bedeutendes mehr. Sie lebt zurückgezogen in der österreichischen Provinz und spricht mit Bäumen, Blumen und Vögeln. Der Garten ihrer Kindheit ist verwunschen, denn dort versteckt sich das Schaukelgespenst.

Da stürmt ein junger Tierarzt in Mereth' kleine, friedliche Welt und weckt ihre Hoffnung auf Zärtlichkeit und neues Glück. Doch was ist los mit diesem Mann? Welche Schatten quälen ihn? Bald weiß die sensible Mereth nicht mehr ein noch aus und wird von den Ereignissen überrollt ...

Die Geschichte einer schwierigen Liebe, zugleich eine déclaration d'amour an die österreichische Heimat.

Leseprobe:
Mit beiden Händen schob ich die Getreidehalme auseinander und kniete mich auf den warmen Ackerboden. Die Grannen kitzelten an den Armen, und ein Geißblatt-Bläuling flatterte mir an der Nase vorbei. Seit jeher liebte ich Schmetterlinge und ihre wundersame Verwandlung von der Raupe zum Falter. Sie waren ein Wunder der Natur; sie flogen in die Blüten des Frühlings, ohne sich des Endes der Zeit bewusst zu sein. Und so steckten die Gaukler der Lüfte mich immer wieder an mit ihrer Sorglosigkeit.
Ein Kaninchen hoppelte über den Weg und machte Männchen. Kein Feind in Sicht! Dann ließ es sich die frischen Kleeblätter am Wiesenrain schmecken. Ich hielt still, um das mümmelnde Häschen nicht zu stören.

In dieser Idylle kam die Erinnerung hoch, die Erinnerung an unbeschwerte Jahre, an Jahre des Glücks und der innigen Freundschaft mit Frank. Unser Debüt in der richtigen Liebe hatten wir damals vermasselt, in Irland, im Haus meiner Großeltern, als ich das Lieschen war, das in die Ritze fiel und sich in der Kuscheldecke verfing. Später klappte es wie am Schnürchen. Nichts klemmte, nichts hemmte uns, wir überwanden jedes Hindernis, alles schien im Lot.
Im Nachhinein fragte ich mich, ob mir diese Harmonie nicht hätte Angst machen müssen: so, als wäre das Ablaufdatum bereits festgestanden.

An einem Winterabend, einem Freitag, hatte sich Frank auf den Weg zu mir gemacht. Wir freuten uns auf ein gemütliches Wochenende mit gutem Essen, Kerzen und Räucherwerk. Wir wollten ins Kino gehen und anschließend kuscheln.
Das Schicksal wusste es anders.

Frank hatte sich das Auto seines Vaters geliehen. Im Radio meldeten sie Blitzeis, aber Frank hörte vielleicht Musik, wollte sich auf schöne Stunden mit mir einstimmen. Er hatte es wohl eilig gehabt.
Aus einem Waldstück heraus fuhr er in eine Rechtskurve, schleuderte von der Straße eine Böschung hinunter, überschlug sich mehrmals, und zuletzt blieb der Wagen auf dem Dach liegen. Die eingedrückte Motorhaube hatte sich ins Wageninnere geschoben und Franks Schädel zertrümmert. Er war längst tot, als die ersten Helfer kamen.
Der Anruf legte mein Leben in Schutt und Asche. Ich hatte einen Kartoffelauflauf im Ofen, der Tisch war liebevoll gedeckt.
Wenn ich zurückdachte an diese Zeit der Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit, dann wunderte es mich noch heute, wie ich den flammenden Schmerz hatte aushalten können, der sich tief in meine Seele brannte.

Damals war ich in die Winternacht hinausgestürzt. Unzählige Sterne funkelten am Himmel und die Milchstraße glitzerte wie ein riesiger Lamettastreif. Die Eiseskälte ließ meinen Atem gefrieren. Ich wünschte mir, Frank flöge als Zaubervogel von Stern zu Stern und hinterließe mir geheime Botschaften, die ich eines Tages in der jenseitigen Welt lesen würde. Nächtelang watete ich durch den Schnee, warf mich der Dunkelheit entgegen. Meine Schreie und mein Wimmern verhallten in der Weite der Landschaft. Auf ein Echo hoffte ich vergebens. Frank antwortete nicht. Niemand antwortete mir. Und es fielen auch keine Sterne vom Himmel und mir vor die Füße. Sie hätte ich als Zeichen deuten können, als gutes Omen, als einen Fingerzeig.
Wenn es hell wurde, setzte ich mich erschöpft auf den kalten Boden und hörte auf das Knistern der Eiskristalle, die der Morgen erwärmte.
Ich wollte eine Schneeflocke werden und auf dem Zweig eines Kirschbaums landen, um mit den erfrorenen Blüten dort auf den Frühling zu warten.
Den ganzen Winter über rannte ich, ich lief und lief, bis ich begriff, dass man seinem Schicksal nicht entfliehen konnte. Wem die Stunde schlug, der hatte dem Ruf der Ewigkeit zu folgen, ob er bereit war oder nicht. Der Tod kannte kein Pardon.
Deshalb sollte man seine Lebenszeit als Geschenk sehen, sie dankbar annehmen und das Beste daraus machen. Diese Erkenntnis half mir sehr.

Nach vielen dunklen Monaten entschied sich meine erstarrte Seele wieder für das Leben. Allein die Erinnerung blieb. Ich nahm sie mit in meine Tage, ich lud mir das vergangene Glück auf die Schultern und trug es in die Zukunft hinein.
Ich durfte mich nicht länger hängen lassen, auch Vater zuliebe. Er litt mit mir, die Trauer schadete seinem schwachen Herzen. Auch Frank hätte gewollt, wir fänden zum Licht zurück. Es ging aufwärts. Von da an träumte sich die Sonne über die Gottesäcker und Schmetterlinge ritten auf dem Wind.
Ich kaufte mir einen Hund: Toby, den überdrehten Irischen Terrier, und dieser Kerl hielt mich auf Trab. Meistens hatte er nur Schabernack im Kopf und balgte sich für sein Leben gern mit anderen Rüden. Längst hatte ich mein Herz an ihn verloren. Wie er schon aussah! Ich musste oft lachen über die drollige Schnauze und die steil aufgerichtete Rute. Toby lernte flott, was es für einen Hund zu lernen gab, und Papa kam prächtig mit ihm zurecht. Der rote Terrier brachte Lebensfreude und Kurzweil ins Haus.

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25. Juni 2018

'Herzchaos' von Rosita Hoppe

Kindle (unlimited)
Carolin hat alles, wovon viele Frauen träumen: Einen netten Mann, eine tolle Tochter, ein Haus, Freundinnen, die mit ihr durch dick und dünn gehen, dennoch spürt sie, dass ihr etwas im Leben fehlt.

Das Verhältnis zu ihrem Mann hat sich im Laufe der Jahre abgekühlt. Sie leiden beide darunter. Da lernt sie Robert kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Nur die Verantwortung ihrer Familie gegenüber hindert sie daran, für Robert alles aufzugeben.

Carolin ist bereit, um ihre Liebe zu kämpfen und einen Neuanfang zu wagen. Doch ausgerechnet in diesem Augenblick schlägt das Schicksal grausam zu ...

Leseprobe:
Die Tage vergingen wie im Fluge. Die Nachmittage verbrachten sie regelmäßig am Strand. Teils zu zweit, teilweise mit anderen Müttern und Kindern aus dem Kurheim. Wenn es die Zeit erlaubte, unternahm Caro lange Strandspaziergänge. Ab und an joggte sie mit anderen Frauen. Sie liefen immer den gleichen Weg. Erst durch das Wäldchen und weiter über die Dünen zum Strand. Als Caro das erste Mal über diesen Dünenabschnitt gekommen war, hatte es ihr den Atem verschlagen. Und so war es jedes Mal wieder, wenn sie diese Stelle passierte. Der Blick war traumhaft. Der Strand, an dieser Stelle bestimmt einhundertfünfzig Meter breit, war unterbrochen von einem kleinen See. In der Ferne glitzerte die Nordsee, und die Sicht war so gut, dass sie die Nachbarinsel Baltrum erkennen konnte.
Es war atemberaubend. Caro hatte bei Kurantritt keine Ahnung gehabt, wie schön es hier war. Sie war froh, auf dieser Insel gelandet zu sein. Und sie hoffte, diese Umgebung könne ihr etwas Seelenheil zurückbringen.
Caro unternahm mit Lisa ab und zu einige Fahrradtouren, um die ganze Insel kennen zu lernen. Glücklicherweise hatten sie meistens schönes Wetter. Sie badeten auch einige Male im Meer. Das Wasser war zwar frisch, aber sie konnten es gut aushalten. Lisa hatte schon Unmengen von Muscheln gesammelt und Caro fragte sich, wie sie die alle heil nach Hause bekommen sollten.
Inzwischen waren sie beinahe drei Wochen auf der Insel. In den letzten Tagen hatte sich Caro ganz gut gefühlt - bis heute. Ihr zweites Einzelgespräch, das sie heute mit dem Psychologen gehabt hatte, hatte sie emotional zurückgeworfen. Das erste Gespräch bei Kurantritt war schon aufwühlend gewesen, doch heute war es über ihre Kräfte gegangen.
Lisa lag an diesem Abend schon früh im Bett. Sie war sehr müde, da die Kindergruppen einen Ganztagesausflug über die Insel unternommen hatten. Caro entschied sich für einen spontanen Abendspaziergang, sie musste unbedingt ihren Kopf freikriegen. Sie sprach mit Lisa und anschließend mit dem Nachtdienst. Die Dame versprach, mehrmals nach Lisa zu schauen. So konnte sich Caro beruhigt auf den Weg machen. Sie brauchte dringend frische Luft und musste sich vom Abendwind die trüben Gedanken wegpusten lassen.
Caro radelte zum Strandabschnitt, auf dem die Strandkörbe standen. Zuerst spazierte sie am Wasser entlang, den Blick in die Ferne gerichtet, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Schließlich setzte sie sich in einen Strandkorb. Sie blickte aufs Meer hinaus, das sich im Horizont verlor und all die schlimmen Momente der vergangenen Monate liefen wie ein Film vor ihr ab.
Allmählich färbten sich die Sonne und der Himmel rot. Wäre sie in anderer Stimmung gewesen, hätte sie sich über diesen wundervollen Anblick freuen können. Überall sah sie verliebte Pärchen am Strand sitzen oder spazieren gehen. Der Anblick dieser verliebten Menschen gab Caro einen heftigen Stich ins Herz. Sie zog ihre Füße auf die Sitzbank und umschlang ihre Beine mit den Armen. Ihre Stirn sank auf die Knie. Kummer und Wut brachen aus ihr heraus und ließen sich nicht stoppen. Sie weinte hemmungslos. Warum hatte das Schicksal sie so hart getroffen?
Ein paar Strandkörbe weiter saß ein einzelner Mann und hing seinen Gedanken nach. Er fühlte sich einsam. Auf einmal glaubte er ein Schluchzen zu hören. Als es nicht aufhörte, sondern im Gegenteil immer heftiger wurde, erhob er sich und ging dem Geräusch nach. „Kann ich Ihnen helfen? Ist etwas passiert?“, sprach er die zusammengesunkene Gestalt an, die inzwischen leise vor sich hin wimmerte.
Caro hob den Kopf und konnte nur eine verschwommene Gestalt erkennen.
Obwohl die Dämmerung hereingebrochen war und diese Frau ein total verheultes Gesicht hatte, wusste Robert auf Anhieb, wen er vor sich hatte. Er sank fassungslos in den Sand und glaubte zu träumen. „Caro…“ Er fummelte ein Taschentuch aus seiner Jackentasche hervor und wischte ihr damit die Tränen ab.
Caro hatte noch gar nicht richtig begriffen, wer vor ihr im Sand kniete und starrte diesen Mann ungläubig an. Sie wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht. Jetzt, wo sie sich die Tränen aus den Augen gewischt hatte und klarer sehen konnte, erkannte sie ihn. Ihr Herz machte ein paar unkontrollierte Hüpfer. „Robert? Bist du es wirklich? Wo kommst du denn auf einmal her?“
„Ich saß ein Stückchen weiter und habe aufs Meer hinausgesehen. Plötzlich hörte ich jemanden herzzerreißend weinen. Da musste ich einfach nachsehen, was los ist.“ Er schüttelte mit ungläubiger Miene den Kopf. „Dass ich dich ausgerechnet hier finde. Ich fasse es einfach nicht.“ Er setzte sich neben sie und strich ihr vorsichtig übers Haar. „Was machst du hier auf Langeoog und vor allen Dingen, warum weinst du so herzzerreißend?“
Caro schluchzte noch eine Weile vor sich hin, weil sich ihre Tränenflut nicht so einfach stoppen ließ. Mehrmals schluckte sie aufkommende Schluchzer hinunter und begann dann stockend zu erzählen. Warum sie hier war, vom Tod ihres Mannes und den vergangenen Monaten. Auch über ihre Sorgen in Bezug auf Lisa und wegen des Hauses.
Robert unterbrach sie nicht. Ihm tat das Herz weh, als er hörte, was sie alles durchgemacht hatte. Er sah sie die ganze Zeit an und konnte immer noch nicht fassen, dass er sie hier, wie Strandgut, aufgelesen hatte. Er hätte sie so gern in die Arme genommen und ihr gesagt, wie oft er in den vergangenen Monaten an sie gedacht hatte. Gleichzeitig spürte er, dass er sie in ihrer Verfassung damit vermutlich erschrecken und überfordern würde. So hielt er nur ganz fest ihre Hand und hörte zu.

Im Kindle-Shop: Herzchaos.
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22. Juni 2018

'Elysis' von Karolyne Stopper

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
416 v. Chr.: Die schöne und selbstbewusste Spartanerin Lais und die schüchterne Athenerin Elysis treffen sich das erste Mal in Delphi. Von da an wird ihr Schicksal miteinander verknüpft sein. Denn Lais verfolgt finstere Pläne.

In Olympia beginnt nicht nur ein Spiel um Freundschaft und Verrat, sondern auch um die Liebe eines Mannes.

Eine romantische Geschichte aus dem antiken Griechenland.

Die 91. Spiele von Olympia und Elysis darf nicht einmal zusehen – dabei nimmt ihr großes Idol Alkibiades daran teil.

In der Zeit des berühmten Sokrates und einem Moment des Friedens zwischen Athen und Sparta überwindet eine Liebe alles.

Leseprobe:
Nikos hatte sie bald nur mit Desmona weitergehen lassen. Schon nach wenigen Metern hatte er mit einer seiner hochgeschnürten Sandalen gegen einen kleinen Stein gekickt und sehr missmutig ausgesehen.
„Was ist, Nikos? Kommst du weiter? Dort hinter der Mauer beginnt schon der Heilige Hain!“
Einen Moment druckste er herum, dann fragte er geradeheraus:
„Kannst du von hier aus nicht mit Desmona weitergehen? Wir können uns am Eingang in den Tempelbezirk dort vorne wiedertreffen. Ich würde so gerne nochmal hinüber zum Lager der Athener gehen. Bitte, Elysis!“
Sie blieb stehen und musterte ihn strafend.
„Hat es etwas mit Alkibiades zu tun?“
„Vielleicht kann ich mir die Pferde ansehen? So nett, wie er vorhin war, darf ich das bestimmt!“
Er sah sie mit großen fragenden braunen Augen an. Am liebsten wäre sie mit ihm dorthin gegangen. Aber es ging nicht. Jedenfalls nicht für sie.
„Na dann geh ruhig, Nikos! So oft sind wir ja nun auch nicht in Olympia. Aber versprich mir, wenn du ihn siehst, dass du mir alles von eurem Treffen erzählst!“
„Danke, Elysis. Auf dich ist Verlass!“, strahlte er sie an, drehte sich um und ging eiligen Schrittes davon. Elysis sah ihm gedankenvoll nach. Er war gewachsen in der letzten Zeit und seine langen Beine in dem knielangen, hellen Chiton waren eher schlank als muskulös. Ihr Bruder war ein guter Läufer, schnell und ausdauernd. Aber sein Herz schlug besonders für das Wagenrennen.
„Komm, Desmona. Und kein Wort zu Vater, ja?“
Die kleine, rundliche Frau murmelte ein verschlucktes:
„Aber dass ihm nichts passiert. Was sich hier so alles an Volk herumtreibt!“
Sie folgten einem ausgestampften Pfad in Richtung des Heiligen Haines. Als sie in den Tempelbezirk traten, registrierte Elysis die vielen verschiedenen Händler, die am Rande ihre Waren feilboten. Ziegenkäse und Brotfladen, Olivenöl und elegante Töpferwaren. Verdünnter Wein, der angeboten wurde, oder Bronzearbeiten. In Honig getauchte Süßigkeiten und andere lecker duftende Köstlichkeiten. Es machte richtig Appetit. Elysis wandte rasch ihren Blick von ein paar einladenden Kringeln ab. Rumpelnde Esel und Ochsenkarren waren ihnen außerhalb dieses Bezirkes begegnet, die unablässig Waren nach Olympia brachten. Viele Menschen waren hier unterwegs. Ihre Sklavin Desmona folgte murrend Elysis’ schnellen Schritten. Es war so aufregend, das Ganze hier zu sehen. Sie, Elysis, war Gast bei den 91. Spielen in Olympia. Und auch, wenn es hier ein wenig fremder zuging als in Athen, war es doch auch ähnlich.
„He, junge Frau“, krächzte eine ältere, gebeugte Händlerin ihr zu.
„Kommst du aus Athen?“
Elysis nickte und blieb einen Moment stehen.
„Woher weißt du das?“
„Das sieht man. An deinem Gewand, den Streifen unten darauf. Trägt man nur in Athen. Koste mein Gebäck, süß wie Honig und weich wie Ambrosia. Na, nun nimm schon! Ist zum Probieren umsonst.“
Zögernd nahm Elysis das kleine Gebäck entgegen, das die schwarzgekleidete Alte ihr reichte. Sie schnupperte daran und – da es appetitlich roch und aussah – schob sie es schließlich in ihren Mund. Es schmeckte wirklich gut.
„Lecker“, lobte sie und die Alte zeigte ein fast zahnloses Grinsen.
„Nicht wahr? Macht drei Athener Münzen!“
„DREI …“ Elysis verschluckte sich und musste beinahe husten.
„Du sagtest doch, dass es umsonst ist!“
„Zum Probieren, ja. Aber du hast es gegessen. Nicht probiert. Ist ein Unterschied!“
Fordernd streckte sie ihre Hand aus.
„Nun mach schon oder soll ich hier verkünden, dass die Athener alle Zechpreller sind?“
Und sogleich streckte sie sich lang und begann zu zetern:
„Schaut euch das nur an! Eine Athenerin zahlt einer armen Frau nicht für ihre Backwaren. Bei Demeter, so geht sie mit uns um!“
Ein dunkelhaariger Verkäufer von seltsam geformten Steinkrügen schnaubte förmlich wie ein Stier.
Elysis wollte gerade zu ihrer Verteidigung ansetzen, als sich eine kühle Hand auf ihre Schulter legte. Sie vernahm den Geruch von Orangenblüten und Ambra und gleich danach die perlende Stimme einer schönen Frau, die neben sie trat und ihre Hand zwar von ihrer Schulter nahm, sie aber beschwörend ansah.
„Drei Athener Münzen willst du? Sind dir die Münzen aus Athen wertvoller als eine Bezahlung aus Sparta?“ Ihre Stimme klang dermaßen bestimmend und hoheitsvoll, dass die Alte sofort verstummte. Ihre Augen glitten über das seidige, helle Gewand der schönen Lais.
„Wollt Ihr auch probieren?“, fragte sie listig.
„Willst du versuchen, mich übers Ohr zu hauen?“, fragte Lais schneidend nach. „Ich bin die Frau von Knochos!“
Das runzelige Gesicht der alten Frau färbte sich mit einem Mal weiß.
„Knochos. Ach so. Ich habe Euch nicht gleich erkannt. Hier, nehmt eine ganze Hand voll von meinen Backwaren. Bester Honig und feinstes Gebäck. Nehmt, nehmt, soviel Ihr wollt!“
Aufreizend langsam streckte Lais ihren Arm aus und nahm eine der kleinen Süßigkeiten aus der Hand der Frau. Ebenso langsam schob sie diese in den Mund und schloss die Augen.
Die alte Frau wartete beinahe zitternd darauf, wie es weiterging. Knochos war bekannt, nicht erst seit der kurzen Zeit, die er hier war. Ein Krieger, der wohl direkt aus dem Hades kam. Mit Schultern wie ein Stier und Armen so breit wie das Bein eines kräftigen Mannes. Gestern erst hatte er einen Mann zu Boden geschlagen, der ihm nur im Weg stand. Knochos wurden beim Wettkampf im Pankration, dem Allkampf, gute Chancen eingeräumt. Das war ein Kampf wie auf Leben und Tod, bei dem man den Gegner so lange treten, mit bloßen Händen würgen, schlagen und malträtieren konnte, bis dieser aufgab oder nicht mehr in der Lage war, sich zu wehren.

Im Kindle-Shop: Elysis.



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21. Juni 2018

'Weckzeit' von Norbert Böseler

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Im Juli 2006 gerät Edgar Focke zusammen mit seiner achtjährigen Tochter in die Fänge eines Psychopathen. Der Familienvater verliert sein linkes Bein und das Mädchen ist seitdem spurlos verschwunden. Die Ermittlungen der Polizei verlaufen im Sande.

Zehn Jahre später kommt Edgar durch einen Zufall in den Besitz eines antiken Weckers, der entgegengesetzt der Zeit läuft. Der mysteriöse Wecker ermöglicht es ihm, in jene schicksalhafte Zeit zurückzukehren, die tiefe Narben hinterlassen hat. Während er in der Gegenwart schläft, wird Edgar mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Auf beiden Zeitebenen lernt er Nora Runge kennen, die scheinbar demselben Täter zum Opfer gefallen ist. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach dem Entführer. Beiden wird vor Augen geführt, dass jeder Eingriff in den Zeitverlauf ungeahnte Veränderungen nach sich zieht. Bei ihren Recherchen kommen sie einem Serientäter auf die Spur, der anderen Menschen unermessliches Leid zufügt.

Der Tag, der Edgar Fockes Leben verändert hat, rückt immer näher. Kann und darf er die schrecklichen Ereignisse verhindern?

Leseprobe:
2005
Es tickte im Sekundentakt, plötzlich fing es an zu läuten. Verschlafen schlug ich die Augen auf und tastete nach dem Wecker. Ich peilte den Bügel an, der die beiden Glocken miteinander verband und drückte ihn behutsam nach unten. Das Klingeln verstummte, der kleine Bolzen kam zum Stillstand. Instinktiv rieb ich mir die Augen. Tageslicht durchflutete den Raum. Bevor ich die Umgebung wahrnahm, bemerkte ich den modrigen Geruch. Feuchte, abgestandene Luft, die nach Schimmel roch, drang in meine Nase. Ich starrte nach oben. Die weiß gestrichene Decke war mit graugrünen Flecken benetzt. Ich schlug die Bettdecke zurück und richtete mich auf. Eisige Kälte verursachte auf meinen Armen eine Gänsehaut. Ein ganz anderer Schauder lief mir über den Rücken, als ich mich umsah. Ein völlig leeres Zimmer präsentierte sich mir. An den Wänden hingen alte vergilbte Tapeten. Helle, rechteckige Stellen zeichneten sich ab, an denen Bilder gehangen haben mussten. Anstatt Parkett bedeckte ein grauer, muffig riechender Veloursteppich den Boden. Es gab keine Gardinen vor dem Fenster. Nur die Kassettentür aus Eichenholz erinnerte an mein Schlafzimmer. Das einzige Möbelstück, was sich in dem Raum befand, war mein Bett, in dem ich wie versteinert aufrecht saß. Zuerst dachte ich an einen Traum, doch ich war hellwach, spürte die Kälte, roch den unangenehmen Geruch. Aus reiner Verzweiflung kniff ich mir in den Unterarm. Es tat weh. Ich war tatsächlich wach. Ich drehte mich zur Nachtkonsole. Lampe und Wecker standen wie zuvor nebeneinander, doch das Kabel der Lampe lag auf dem Boden. Ein Blick zur Wand zeigte mir, dass die Steckdose fehlte. Ich erinnerte mich, dass in unserem Haus viel zu wenig Steckdosen angebracht waren und wir in dieser Hinsicht kräftig nachrüsten mussten. Unter anderem hatten wir neben meinem Bett eine Dreifachdose installiert, die nun nicht mehr da war. Wie der Kleiderschrank, der Stuhl und vor allen Dingen meine Krücke nicht mehr vorhanden waren. Ich blickte auf den Wecker. Was mir diesmal sofort auffiel, war, dass der Sekundenzeiger sich in die richtige Richtung bewegte, er lief vorwärts. 11:05 Uhr zeigte der Wecker an. Meine Armbanduhr wies auf exakt die gleiche Zeit. Sollte ich etwa zwölf Stunden geschlafen haben? Unmöglich schien das nicht. Doch die Umstände, unter denen ich aufgewacht war, verursachten bei mir großes Unbehagen. Ich rutschte zur Bettkante, widerwillig setzte ich meinen Fuß auf den verschmutzten Teppich. Ich wollte zum Fenster, welches sich rechts vom Bett befand. Mühsam wuchtete ich mich hoch, machte einen kurzen Satz zur Wand, wo ich mich mit der Hand abstützte. So hangelte ich mich an der Wand entlang bis zum Fenster. Vor mir bot sich ein bekannter Anblick, nur mit dem Unterschied, dass der Kirschenbaum, der am Ende des Rasens stand, erheblich kleiner war als gestern.
Schritt für Schritt hüpfte ich weiter bis zur Schlafzimmertür. Als ich sie öffnete, schlug mir ein noch intensiverer Geruch entgegen. Es roch nach Katzenurin. Auch der Flur war mit Teppichbelag ausgelegt. An der Decke hingen noch die hässlichen Kunststoffpaneele, die wir gleich zu Beginn der Umbauten rausgerissen hatten. Ich öffnete die nächste Tür und sah in das karge Schlafzimmer meiner Frau. Auch hier, Teppich und keine Möbel. Ich ging weiter durch den Flur, wollte zum Bad, da ich auf die Toilette musste. Schwer schnaufend erreichte ich die Tür. Als ich die Klinke drückte, musste ich feststellen, dass die Tür zu allem Überfluss auch noch klemmte. Erst als ich mich mit der Schulter dagegenstemmte, flog sie auf, dabei verlor ich den Halt und fiel zu Boden. Gottseidank konnte ich den Sturz mit der Hand etwas abfangen. Ich robbte zum Waschbecken, wo ich mich wieder hochzog. Ich erledigte mein Geschäft, anschließend drückte ich die Spülung. Nur sparsam tröpfelte bräunliches Wasser in die Kloschüssel. Auch aus dem Kran des Waschbeckens strömte zunächst rostbraunes Wasser. Erst als es hell und klar wurde, wusch ich mir die Hände und das Gesicht. Das Bad hatten wir nach meinen Ansprüchen umgestaltet. Hier sah es so aus, wie ich es bei meiner damaligen Begutachtung vorgefunden hatte. Die Dusche bestand noch aus einer Wanne mit hohem Einstieg. Der Duschvorhang, der zwischen Kabine und Wand hing, erregte meine Aufmerksamkeit, vor allem die Stange, wo der Vorhang mittels Ringe eingefädelt worden war. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die Wand, griff nach dem Vorhang und zog ihn nach unten. Immer wieder zerrte ich ruckartig an der bunten PVC Folie. Erst nachdem zwei Ösen abgerissen waren, fiel die Stange herunter. Fast wäre ich dabei bäuchlings in die Wanne gefallen, doch diesmal konnte ich einen Sturz vermeiden. Die verbleibenden Ringe fädelte ich aus. Es handelte sich um eine Teleskopstange, deren Länge man individuell einstellen konnte. Ich hielt das Aluminiumrohr fest umklammert und drehte die eine Hälfte nach links. Mir schmerzten schon die Hände, als die Spannung sich endlich löste. Ich stellte die Stange auf die passende Länge ein und spannte die beiden Enden, so fest ich konnte. Nun hatte ich zumindest einen provisorischen Gehstock. Da ich mir angewöhnt hatte, mit nur einer Krücke zu gehen, müsste es funktionieren. Ich stützte mich auf der runden Stange ab und hüpfte mit kurzen Sprüngen zurück in den Flur. Ich sah in jedes Zimmer, überall bot sich mir das gleiche Bild. Alle Räume waren leer. Zum Schluss bewegte ich mich in den Eingangsbereich. In dem kleinen Flur hinter dem Windfang befanden sich noch zwei weitere Türen. Die fürs Gäste-WC und die, die in den Keller führte. Die Kellertür stand einen Spalt weit offen. Ich öffnete sie ganz und zuckte erschrocken zusammen. Aus dem dunklen Treppenloch blickten mir zwei goldfarbene Augen entgegen. Sie bewegten sich hin und her und sprangen plötzlich auf mich zu. Ich wich zurück, dabei wäre ich fast schon wieder gefallen. Eine kleine Katze stieß gegen mein Bein. Sie fing gleich an zu schnurren und drückte ihren schlanken Körper immer wieder gegen mein Bein. Die Katze war schwarz, mit weißen Hinterbeinen und weißen Vorderpfoten. Auch der untere Hals und der Brustkorb zeichneten sich mit einer weißen Blesse vom Fell ab.
„Lucky?“, wich es über meine Lippen.
Während der Renovierungsarbeiten streunte eine ausgewachsene Katze um unser Grundstück, die genau so aussah wie diese. Ab und an wagte sie sich ins Haus und war besonders mir gegenüber sehr zutraulich gewesen, so als würde sie mich bereits kennen. Kurz nach unserem Einzug holte ich sie gegen Anjas Willen ins Haus. Wir nannten die Katze fortan Lucky. Sie fühlte sich gleich heimisch. Meine Frau war hinterher diejenige, die die meiste Zeit mit der Katze verbrachte. Vor etwa drei Jahren fand ich sie tot auf einem Acker hinter unserem Grundstück. Sie war von Schrotkugeln durchsiebt worden.

Im Kindle-Shop: Weckzeit: Thriller.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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20. Juni 2018

'Flammender Abgrund' von Gabriele Popma

Kindle Editon | Tolino | Taschenbuch
Die junge Deutsche Jessica erbt von ihrer amerikanischen Großtante ein Haus in Arizona. Dort will sie sich neu orientieren. Als sie sich in den charismatischen, aber undurchsichtigen Vagabunden David verliebt, hängt ihr Himmel voller Geigen.

Doch ein alter Brief ihrer Mutter zerstört ihr Liebesglück und stellt ihre Welt komplett auf den Kopf. Auf der Suche nach der Wahrheit stolpert sie an Davids Seite von einer Aufregung in die nächste und entdeckt verstörende Familiengeheimnisse. Unvermittelt befindet sie sich in einer gefährlichen Auseinandersetzung, bei der ihre eigenen Familienmitglieder in vorderster Front stehen.

Und dann sind da auch noch Davids Geheimnisse und die Sache mit ihrem Vater …

Leseprobe:
„Glaubst du, er kommt wieder?“
David saß im Bett und beobachtete mich beim Ausziehen. „Soll er doch“, brummte er. „Ich freue mich schon darauf.“
Ich zog mein langes T-Shirt mit dem AC/DC-Motiv auf der Vorderseite bis auf die Schenkel hinunter, wohl wissend, dass David es nicht lange an seinem Platz lassen würde. Dann kuschelte ich mich eng an ihn. Ganz wohl war mir bei dem Gedanken nicht, dass Marc möglicherweise wiederkam. Es war ein beunruhigendes Gefühl, dass er einen Schlüssel zu meinem Haus hatte. Wie zur Bestätigung meiner Befürchtungen begann es in der Ferne dumpf zu grollen.
David hob den Kopf. „Ein Gewitter. Hoffentlich kommt mal ein bisschen Regen. Wäre wirklich nötig.“
Es war eine seltsame Atmosphäre. Während wir uns liebten, kam das Gewitter immer näher und begleitete uns mit gewaltigen Donnerschlägen. Bei einem besonders lauten Krachen ging das Licht aus. Mit einem Schrei fuhr ich hoch.
„Alles in Ordnung, mein Schatz“, beruhigte David mich. „Wahrscheinlich hat ein Blitz die Stromversorgung lahmgelegt. Kein Grund zur Sorge.“
„Ich bin nur von dem Schlag erschrocken.“ Nackt wie ich war, trat ich ans Fenster und beobachtete das Spektakel. Blitz um Blitz zuckte über den schwarzen Himmel und erleuchtete die Wolken, die drohend über dem Land lagen. David trat hinter mich und schlang seine Arme um mich, während dicke Regentropfen an der Scheibe zerplatzten.
„Als ich klein war, habe ich mich immer vor Gewittern gefürchtet“, gestand ich. „Marc prophezeite mir ständig, dass der nächste Blitz ganz sicher unser Haus treffen würde. Ich bin dann meistens zu Chris ins Bett gekrochen, und er hat mich getröstet.“
„Ich bin also nicht der erste Mann, bei dem du im Bett liegst?“
„Wenn ich mich richtig erinnere, liegst du eher in meinem“, korrigierte ich und schmiegte mich an ihn.
„Erzähl mir von deinem Freund“, bat er mich.
„Jetzt?“, fragte ich überrascht. Dann zuckte ich mit den Schultern. „Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich lernte ihn kennen, als ich neunzehn war und verliebte mich bis über beide Ohren in ihn. Dachte ich zumindest. Wir waren vier Jahre zusammen. Ich plante unsere Hochzeit und mir fiel gar nicht auf, dass er zu diesen Plänen gar nichts sagte. Und dann war Schluss. Ich erwischte ihn mit einer Anderen und wir trennten uns im Streit. Seitdem bin ich solo.“
„Jetzt nicht mehr“, murmelte David an meinem Hals.
„Nein, aber unsere Beziehung hat keine Zukunft.“
„Möchtest du nicht hier bleiben?“
„In Amerika?“ Der Gedanke war so neu für mich, dass ich David erstaunt ansah. Es war für mich immer klar gewesen, dass dies nur ein kurzer Besuch war und ich bald wieder nach Deutschland zurückkehren würde. Aber was wartete dort auf mich? Ich hatte keine Arbeit, keinen Mann, der mich zurück erwartete, nur meine Familie und einige Freunde. Ich beschloss, die Idee, dass ich mein Leben radikal ändern und in den USA bleiben konnte, nicht sofort zu verwerfen. Noch wurde ja keine Entscheidung von mir verlangt.
Das Gewitter verzog sich, aber der Regen steigerte sich zu einem harten Staccato. „Komm wieder ins Bett“, flüsterte David hinter mir. „Es wird langsam ungemütlich.“ Ich drehte mich gerade zu ihm um, als wir es hörten. Ein schabendes Geräusch kam von unten. Ich erschrak. Es konnte doch nicht wahr sein! Sollte Marc es wirklich wagen? Unverfroren genug war er sicherlich. Mir stockte der Atem. Auch wenn es nur mein Bruder war, kroch eine kalte Angst in mir hoch.
Davids Miene nahm einen grimmig entschlossenen Ausdruck an. Im Flackern eines Blitzes schimmerten seine Augen eiskalt. Er knipste seine Taschenlampe an, schlüpfte schnell in seine Jeans und ging dann zu seiner Seite des Bettes, um ein Päckchen aus dem Nachttisch zu holen, das er nachmittags hineingelegt hatte. Mir blieb vor Schreck der Mund offen stehen, als ich in dem fahlen Lichtschein sah, was er da auswickelte.
„David“, flüsterte ich heiser. „Was willst du denn mit einer Pistole?“
„Ist manchmal ganz nützlich, wenn man so durch die Gegend zieht“, brummte er grimmig und begann, den Revolver zu laden.
„Du spinnst wohl?“, fuhr ich ihn an. „Leg das Ding weg.“
„Dein Bruder ist nicht ganz ungefährlich.“
„So ein hirnrissiger Quatsch! Marc ist vielleicht nicht gerade ein umgänglicher Typ, aber doch nicht gefährlich. Wehe, wenn du anfängst, hier im Haus herumzuballern wie ein verkappter Wild-West-Sheriff.“ Ich war wütend und dabei völlig fassungslos über Davids Kaltblütigkeit. Diese Reaktion war absolut übertrieben. Amerikaner hatten vielleicht eine gesteigerte Affinität zu Waffen, aber ich würde das nicht erlauben. Ich hielt seinen Arm krampfhaft umklammert, bis er einlenkte.
„Gut, weil du es bist. Aber mein Messer nehme ich mit. Er ist selber schuld, wenn er was abkriegt.“
Stumm und mit gemischten Gefühlen sah ich zu, wie er sich das lange Fahrtenmesser an seinen Gürtel schnallte. Ich sah hier einen völlig veränderten David. Er hatte die Kiefer fest zusammengepresst und im Licht der Taschenlampe wirkten seine Augen kalt und erbarmungslos. Die Entschlossenheit in seinem Gesicht machte mir mehr Angst als der Gedanke an Marc.
„Du bleibst hier“, befahl er mir, als ich nach meinem Bademantel griff.
„Aber ich …“
„Bitte Jessica“, schnitt er mir das Wort ab. „Ich weiß, er ist dein Bruder, aber ich bin sehr vorsichtig mit Leuten, die mitten in der Nacht bei anderen einbrechen. Bruder hin oder her, ich will, dass du hier bleibst.“
Ich nickte, doch ich dachte nicht daran, mich zu fügen. Wenn wirklich Marc hier umhergeisterte, war es meine Sache, ihm die Tür zu weisen. Mit Davids aggressiver Methode war ich nicht einverstanden. Und wenn ich noch so viel Angst vor einer Konfrontation hatte, mit meinem Bruder konnte ich gut allein fertig werden.
Automatisch drückte ich auf den Lichtschalter und stöhnte, als nichts geschah und ich nach wie vor in absoluter Dunkelheit stand. Als ich tastend um die Ecke bog und vorsichtig meinen Fuß auf die erste Treppenstufe setzte, sah ich das Licht von Davids Taschenlampe unter mir suchend umherhuschen. Plötzlich fiel der schwache Schimmer auf eine große Gestalt. Keinen Sekundenbruchteil später klapperte die Lampe auf den Boden und erlosch, als David sich auf den Mann stürzte. Ich schlug mir beide Hände vor den Mund, um nicht laut aufzuschreien.
Vergeblich versuchte ich, das Dunkel zu durchdringen. Ich wollte wissen, was da unter mir vor sich ging. Marc hatte wirklich Nerven, hier noch einmal aufzutauchen. Hoffentlich ließ David sich nicht zu unnötigen Gewaltakten hinreißen.
Stufe für Stufe tastete ich mich nach unten. Ein Stuhl fiel scheppernd um. Ein Mann stöhnte. Wo war nur das verdammte Licht? Es machte mich wahnsinnig, dass ich nichts sehen konnte und nur bedrohliche Geräusche hörte. Als jedoch die Deckenlampe unvermittelt direkt über mir aufleuchtete und alles in gleißendes Licht tauchte, erschrak ich derart, dass ich für einen Moment die Augen schloss. Als ich sie wieder öffnete, glaubte ich, Eiswasser würde durch meine Adern rinnen. Fassungslos starrte ich auf die kämpfenden Männer vor mir. Die Szene wirkte wie eingefroren, ich sah nur das Messer in Davids Hand, mit dem er blitzschnell auf seinen unter ihm liegenden Gegner einstach. Ich konnte den Mann nicht sehen, doch sein Schmerzensschrei ließ mich erstarren. Diese Stimme kannte ich nur allzu gut. Mein eigener Schrei, der mir laut und unnatürlich schrill in den Ohren gellte, riss David auf die Beine. Schwer atmend sah er mich an, das blutige Messer in der Hand, während sich sein Opfer stöhnend auf dem Boden wälzte. Davids Unterlippe war aufgeplatzt und blutete. Doch ich empfand kein Mitleid mit ihm. Im Gegenteil. Ich stürzte die restlichen Stufen hinunter und stieß ihn grob beiseite, als ich mich neben meinem Bruder auf die Knie fallen ließ.
„Chris! Verdammt noch mal, was tust du denn hier?“

Im Kindle-Shop: Flammender Abgrund
Für Tolino: Buch bei Thalia
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'Zwiebelbart' von Annika Nebeling und Stefan Preiß

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Peter ist in Panik: Der 80. Geburtstag seiner Mutter steht vor der Tür und er hat nicht die kleinste Eingebung, was er ihr schenken kann. Der Schlüssel liegt bei seiner zwölfjährigen Tochter Sophie, die über einen großen Ideenreichtum und Kreativität verfügt. Aber wie bringt Peter sie dazu, ihm aus der Klemme zu helfen, wenn sie gerade wieder den halben Tag vor dem Handy verbringt? Der Internet-Chat ist die Lösung und so schreibt Peter seiner Tochter im Nebenzimmer eine Nachricht ...

Was daraus folgt, konnte Peter nicht absehen: Aus dem Chat entsteht ein Märchen. Und die Abenteuer der Prinzessin und ihres klugen Lieblingsfroschs Zwiebelbart halten Peter und Sophie in Atem - oder besser gesagt am Handy, denn die Geschichte geht weiter und weiter. Die Prinzessin und Zwiebelbart treffen die weise Safira, begegnen Moormenschen und unheimlichen Teildrachen und müssen gefährliche Abenteuer überstehen.

Der Geburtstag ist gerettet, doch dann geht die Geschichte weiter ...

Leseprobe:
Tauruskhoro zog bereits seinen Kopf zurück, als die Prinzessin laut ausrief: „Unsere Probleme? Ich glaub, ich hör nicht richtig!“ Der Drache hielt inne und blickte die Prinzessin an. Auch Zwiebelbart richtete den Blick auf die Prinzessin, deren Gesicht vor Wut glühte. „Das sollen UNSERE Probleme sein? Wessen Sohn ist das denn, der so missraten ist, dass er jahrelang Angst und Schrecken verbreitet hat? Und wer hat sich denn in einer Höhle versteckt, anstatt seinem Sprössling Anstand und Moral zu vermitteln? UNSERE Probleme, ich fass es nicht ...!“

„Also, ich wollte ...“, setzte der Drache an, doch ein „ICH BIN NOCH NICHT FERTIG“ der Prinzessin unterbrach ihn sogleich. „Ich kann vieles verstehen“, fuhr die Prinzessin mit gepresster Stimme fort, „dass es nicht leicht ist, immer wieder zu kämpfen für das Gute, dass es sich besser anfühlt, abends in die sichere Höhle zu steigen und sich nicht verantwortlich zu fühlen. Ich kann sogar verstehen, dass man sich in seinem Selbstmitleid einrichtet und sich einredet, dass die unglückliche Ratte die Schuld an allem trägt, was geschehen ist. Aber erzähl uns nicht, dass das UNSER PROBLEM IST!“.

Im Kindle-Shop: Zwiebelbart: Ein Internet-Chat wird zum Märchen.



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19. Juni 2018

'Rückkehr nach St. Germain' von Annette Hennig

Kindle (unlimited)
Lara, die junge Reiseleiterin aus Leipzig, begleitet eine Reisegruppe nach Paris.

Dort trifft sie auf den attraktiven Armand, der seinem Großvater beim Umzug hilft. Lara und Armand kommen einander näher und finden heraus, dass ihre Großeltern ein gut gehütetes Geheimnis verbindet. Stück für Stück offenbart sich den beiden jungen Menschen, was diese fast sechzig Jahre lang vor ihnen verborgen haben.

Je mehr sie in die Geschichte ihrer Großeltern eintauchen, umso erschütternder greifen die Ereignisse aus jener längst vergangenen Zeit nicht nur in ihr eigenes Leben ein.

Wird aus einer alten Liebe eine neue erwachsen?

Band 2 der St. Germain-Dilogie.

Leseprobe:
Leipzig, 2013
Hanna wollte es wissen. Nichts hielt sie mehr in ihrer guten Stube. Obwohl sie nicht glaubte, dass Marie-Luise ihren mahnenden Worten Beachtung geschenkt hatte, so glomm doch noch ein kleiner Funke Hoffnung in ihr, dass ihre Freundin das Richtige getan hätte.
Und was das Richtige war, daran gab es in diesem Augenblick für Hanna keine Zweifel. Sie rappelte sich aus ihrem Lieblingssessel hoch, schlüpfte in Schuhe und leichten Sommermantel und verließ das Haus.
Die Passanten in Leipzigs Innenstadt waren nicht weniger geworden, auch wenn es bereits nach zehn Uhr am Abend war.
Hanna lächelte. Das liebte sie an ihrer Stadt. Immer herrschte in den Straßen, selbst in den engen und weniger bekannten Gassen, reges Treiben. Die alte Frau konnte sich nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben. Hier, und nur hier, am Puls der Zeit, wollte sie ihre letzten Jahre verbringen. So war sie es gewohnt, seit sie ein Kind war. Niemals hatte sie mit dem Gedanken gespielt, ihre Heimat zu verlassen.
Wieder dachte sie an Marie-Luise, ihre Freundin seit Kindertagen, die es einst in weite Ferne gezogen hatte. Gottlob war sie am Ende ihrer wunderbaren Stadt treu geblieben, wenngleich das nicht ihr eigener Wille gewesen war.
„Dieses Schäfchen“, murmelte Hanna, während sie durch Leipzigs Innenstadt eilte. Würde sie die Freundin antreffen? Wehe, sie wäre zu Hause! Hanna lachte über sich selbst. Was war sie doch für ein altes, verschrobenes Weib! Lief, so schnell sie ihre Füße tragen konnten, zur „Goldschmiede Schneider“ und hoffte doch, Marie-Luise dort nicht anzutreffen. Die Freundin konnte von Glück reden, wenn sie sich mit Lara auf die Reise nach Paris begeben hatte. Anderenfalls würde Hanna ihr eine Standpauke halten, wie sie noch keine von ihr gehört hatte – und Marie-Luise hatte gewiss schon so manches von Hanna zu hören bekommen.
Hanna verlangsamte ihr Tempo und rang nach Atem, war zu schnell gelaufen. Widerstrebend gestand sie sich ein, dass sie nicht mehr die Jüngste war. Als wolle sie den herrlichen Abend genießen, schlenderte sie nun an den Schaufenstern entlang und betrachtete angelegentlich deren Auslagen. Noch nie hatte sie den Sinn von edlen Ledertaschen, mondäner Kleidung oder gar sündteurem Parfüm verstanden. Meist war sie unbeeindruckt an den verführerisch dargebotenen Auslagen vorbeigegangen. Nur bei dem Schmuck, den sie in der Schneider‘schen Goldschmiede immer bewundert hatte, wäre sie gern schwach geworden, wenn ihre Ersparnisse das hergegeben hätten. Noch heute schwärmte sie für das eine oder andere Stück, das nun unter Caroline Schneiders kunstfertigen Fingern entstand.
Die alte Frau seufzte bei dem Gedanken, wie gut es Marie-Luise in ihrem Leben stets gegangen war. Und wie sie selbst hatte hart arbeiten müssen, um nach dem Tod ihres Mannes Tochter und Sohn versorgen zu können.
Hanna schüttelte den Kopf; in ihrem Gesicht hätte jeder, der sie kannte, das Unverständnis und die Traurigkeit lesen können, wenn sie an ihre beiden Kinder dachte. Sie hatte sich für sie aufgeopfert, und heute kümmerten sie sich kaum um sie, ihre Mutter.
Um Luft ringend blieb sie vor dem Schaufenster einer Parfümerie stehen und schaute hinein. In ihrer Entrüstung war sie wieder in den schnellen Lauf verfallen, der ihr den Atem nahm.
„La vie est belle“, las sie. „Das Leben ist schön.“ Ja, mit einem solch schmeichlerischen Namen ließ sich gewiss jeder Duft an die Frau bringen. „Aber nur an die Damen, die die Kehrseite dieses Slogans nicht kennen“, murmelte Hanna. Schnell drehte sie sich um. Gottlob, es stand niemand hinter ihr. „Verrückte alte Schachtel!“ Von sich selbst genervt runzelte sie die Stirn. Noch ein Blick auf das kleine Preisschild – und Hanna pfiff leise durch die Zähne. Eine kleine Weile verharrte sie noch vor der Auslage. Ihre Augen wanderten über die ansprechenden Flacons. „La Nuit Caresse“, sie schüttelte widerwillig den Kopf. „Streicheleinheiten?“, übersetzte sie das Gelesene, doch sie war sich nicht ganz sicher, ob ihre Französischkenntnisse sie nicht trogen. „Miracle“ – „Wunder“, dafür reichte ihr Wortschatz gerade noch aus. Mit einem letzten ungläubigen Blick auf die Preise wandte Hanna sich vom Fenster ab und setzte ihren Weg fort. „Miracle – Wunder“, murmelte sie vor sich hin. „Wäre nicht schlecht“, fand sie.
Dann zuckte sie die Schultern. Sie glaubte schon lange nicht mehr an Wunder.

Als sie wenig später vor dem Schaufenster der „Goldschmiede Schneider“ stand und ihr Blick sehnsüchtig über die ausgestellten Stücke glitt, schlug die Uhr vom nahegelegenen Kirchturm die elfte Stunde. Hanna horchte auf. Bald Mitternacht!
Und die alte Frau erinnerte sich, wie sie schon einmal hier gestanden und bei der Freundin geklingelt hatte, als wäre der Teufel hinter ihr her. Hätte sie es damals bloß nicht getan! Wer weiß, wie dann alles gekommen wäre. Betrübt senkte sie den Kopf und ließ die Schultern hängen. War sie mit schuld an dem ganzen Schlamassel, der sich danach zugetragen hatte? Aber nein, rief sie sich sofort zur Ordnung. Auch ohne ihr Zutun wäre alles so gekommen, wie es gekommen war.
Sie blickte zum Eingang neben dem Schaufenster, der in Marie-Luises Wohnung hinaufführte. Doch ihre Füße verharrten auf der Stelle, wollten sich nicht bewegen, schienen mit dem Boden verwachsen.
Sie musterte das Haus, das sie seit ihrer Kindheit kannte. Dort oben, hinter den Fenstern im ersten Stock, hatte sie mit Marie-Luise gespielt, gelernt, gelacht und gestritten. Und später mit ihr diskutiert, geschimpft, geweint und so manche Träne der Freundin getrocknet.
Jetzt bewegten sich ihre Füße doch, der Boden schien sie freizugeben. Aber sie liefen nicht auf die Eingangstür zu, sie strebten in die entgegengesetzte Richtung.
Und Hanna gebot ihnen keinen Einhalt. Schnell ging sie davon. Die Schuld, die sie trotz besseren Wissens noch immer in sich trug, lastete so schwer auf ihrer Seele, dass selbst sie nicht mehr wusste, was gut und richtig war.
Kurz wandte sie noch einmal den Kopf und blickte zu den Fenstern des Hauses empor. Genau wie damals brannte nur hinter einem Fenster Licht. Sie wusste, dahinter lag Marie-Luises Schlafzimmer.
Hanna atmete tief ein und hielt für eine kleine Weile die Luft an. Dann stieß sie den Atem wieder aus.
So wie damals schien Marie-Luise nicht auf ihren Rat gehört zu haben und war zu Hause geblieben.
„Verkehrte Welt“, murmelte Hanna. „Damals hätte sie zu Hause bleiben sollen!“ Doch heute? Was hatte sie heute noch zu verlieren?
Mit großen, energischen Schritten, die man der alten Frau nicht zugetraut hätte, ging Hanna davon. Dabei war sie nicht weniger beunruhigt als vor fast fünf Jahrzehnten.

Im Kindle-Shop: Rückkehr nach St. Germain.
Mehr über und von Annette Hennig auf ihrer Website.

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18. Juni 2018

'Der Zauber einer Eisnacht' von Emilia Cedwig

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Arwen ist jung, frech und vor allem hoffnungslos romantisch. Durch Zufall landet sie auf dem Winterball des großen Königs. Hier trifft sie auf Frost, den Boten des eisigen Todes.

Sein Herz ist aus Eis und jeden, der sich ihm in den Weg stellt, friert er kurzerhand ein. Arwen gilt sein Auftrag. Sie ist die Auserwählte. Zu seinem Entsetzen ist sie jedoch auch die Erste, die keine Angst vor ihm zeigt; im Gegenteil: Sie provoziert ihn. Gemeinsam sind sie einer großen Verschwörung auf der Spur, doch Magie und mysteriöse Gestalten stellen sich ihnen in den Weg.

Als Arwen mit ihrer wahren Herkunft konfrontiert wird, zerbricht ihre Verbindung zu Frost. Werden sie dennoch zusammenfinden …?

Leseprobe:
Ich sah ihn das erste Mal auf dem Winterball in Archangelon. Es war stickig und warm im großen Saal, Paare wirbelten über die volle Tanzfläche und an den hohen weißen Sprossenfenstern hingen gefrorene Eiskristalle, welche die draußen tanzenden Schneeflocken nur erahnen ließen. Gerade hatte mich Nightingale, der Hauptmann der königlichen Garde, an die Seite zurückgeführt. Er tanzte jetzt mit meiner Cousine Jeanne. Die Stimmung war ausgelassen, im warmen Licht der Kerzen sah man viele fröhliche Gesichter. Musik und Lachen lagen in der Luft.
Der Winterball war das Ereignis in unserem Land, bei dem selbst der letzte vergessene armselige Ritter oder Fürst zum Schloss unseres Königs reiste. Für vier Tage lud der König sie alle ein und jeder gab sich Mühe, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Frauen drehten sich in silber- oder golddurchwirkten Kleidern auf der Tanzfläche, ihre weiten Röcke funkelten und glitzerten wie mit kleinen Edelsteinen besetzt im Kerzenlicht. Die Männer waren in feinstes Tuch und mit prachtvollen Übergewändern gekleidet. Die weiße Tunika eines der Königssöhne war bestickt und sein eleganter Umhang mit Pelz besetzt, obwohl es in dem riesigen Saal viel zu warm für solch einen Umhang war. Ich versteckte ein kleines Lächeln, weil dieser jüngere Königssohn Alwin sehr auf sein Aussehen achtete. Seine enganliegenden Hosen waren wie die Fahnen unseres Landes in Gelb und Weiß gehalten und betonten seine kräftigen Waden. Mein Blick wanderte von seinem vom Tanzen geröteten Gesicht weiter zu seinem älteren Bruder Aldan, der ein Stück entfernt mit der schönen Eloise tanzte, und genauso auffiel wie sein jüngerer Bruder. Im Gegensatz zu ihm war er allerdings hochgewachsen und in eine golden verzierte Tunika und weiße Hosen gekleidet. Sein edler, weißer Umhang war mit dem Symbol unseres Landes, der Sonne, bestickt. Aldans Gesicht zeigte stets eine ernste und aufmerksame Wachsamkeit, als wolle er jeden seiner Gäste darauf überprüfen, ob es sich um einen Landesfeind handelte.
Da es hier am Rande der Tanzfläche eng und stickig war, fächelte ich mir etwas Luft in mein erhitztes Gesicht. Ein kalter Hauch streifte mich. Vielleicht hatte jemand eines der hohen Fenster geöffnet? Suchend sah ich in Richtung der Fenster, konnte aber nichts entdecken. Die Kälte nahm zu und ich fröstelte etwas. Kalte, klare Luft streifte mein Gesicht und ich schaute mich überrascht im Saal um. Und dann entdeckte ich ihn.
Schräg gegenüber, am anderen Rand der Tanzfläche, stand ein hochgewachsener Blonder, dessen eisblaue Augen seltsam leuchteten und der mich so intensiv ansah, dass ich meinen Blick nicht von ihm abwenden konnte. Kälte überkam mich augenblicklich und ich schauderte ohne Grund. Seine blonde Haarsträhne, die unter der kobaltblauen, hochgeschlagenen Kapuze seines Umhanges hervorschaute, schimmerte gleich seiner Augen und wie unter einem blauen, leuchtenden Nebel. Er war großgewachsen und wirkte zwischen den fröhlichen Gästen wie eine unheilvolle, düstere Prophezeiung. Ich rieb mir über den dünnen Stoff meiner Kleiderärmel. Ein kaum merkliches Lächeln erschien in seinem Gesicht und ich sah, dass er die Lippen bewegte: „Kommt mit!"
Überrascht riss ich die Augen auf. Im Saal war es laut, die Musiker spielten und viele Stimmen flirrten durch die Luft. Aber ich hatte seine Worte ganz klar und deutlich vernommen, als stünde er direkt vor mir und wir wären nicht durch den ganzen Saal und die Tanzenden getrennt. Zwei Tanzpaare wirbelten in mein Sichtfeld und verdeckten den geheimnisvollen Mann für einen Moment. Als ich wieder freie Sicht hatte, war er verschwunden. Ich sah nur noch ein paar ältere Offiziere, die sich dort unterhielten, wo er eben noch gestanden hatte. Mein Herz begann grundlos, schneller zu schlagen. Unruhig wanderten meine Augen über die Menschen hinweg zu dem großen, goldbeschlagenen Eingangstor. Tatsächlich entdeckte ich den Mann in dem kobaltblauen Umhang wieder, wie er sich dort durch die Menge schob.

Im Kindle-Shop: Der Zauber einer Eisnacht.
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14. Juni 2018

'Jene Tage in St. Germain' von Annette Hennig

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Liebe versteht alles
Liebe erträgt alles
Liebe verzeiht alles


Die junge, begabte Goldschmiedin Marie-Luise Schneider aus Leipzig reist 1955 mit dem festen Vorsatz nach Paris, dort Kontakte zur Künstlerszene zu knüpfen. Doch schon an ihrem ersten Abend in der Stadt der Liebe kommt alles ganz anders. Die Zwanzigjährige verliebt sich Hals über Kopf in den adretten Sébastien.

Zusammen verbringen sie wundervolle Tage und atemberaubende Nächte, bis Sébastien ihr gesteht, dass er nicht frei für sie ist. Verzweifelt und innerlich zerrissen fährt Marie-Luise nach Deutschland zurück, nicht ohne die Hoffnung, dass sich Sébastien eines Tages zu ihr bekennt.

Fortan kehrt sie jedes Jahr für ein paar Tage nach Paris in die Arme ihres Geliebten zurück. Wird sich ihr Wunsch von einem gemeinsamen Leben an der Seite Sébastiens erfüllen?

Band 1 der St. Germain-Dilogie.

Leseprobe:
Saint-Germain, 2014
Laut schrillte das altmodische Telefon. Der Ton hallte zu dieser nachtschlafenden Stunde gellend durchs Haus und drohte sämtliche Bewohner aufzuwecken. Über den Flachbildschirm des neuen Fernsehapparats flimmerten die Bilder der letzten Spätnachrichten. Eine Katastrophe schien in den vorangegangenen Tagen die nächste gejagt zu haben, wenn man der Berichterstattung der jungen Nachrichtensprecherin Glauben schenken durfte – und das durfte man durchaus: Die Bilder, die zu den Ausführungen der jungen Frau gehörten, sprachen eine deutliche Sprache.
Jean-Luc schreckte auf und blickte sich verwirrt im Zimmer um. Wieder einmal war er irgendwann im Laufe des Abends in seinem gemütlichen Fernsehsessel eingedöst. Er atmete befreit auf, als das Telefon endlich Ruhe gab. Die alte Standuhr, die in der Zimmerecke vor sich hin tickte, zeigte die letzte Stunde des Tages an. „Sowas! Wer wagt es, zu dieser Stunde anzurufen?“, brummelte der alte Mann. Dann rappelte er sich im Sessel hoch und griff nach dem Glas, das vor ihm auf einem kleinen Tischchen stand. Der letzte Schluck Bier war schal geworden. Trotzdem führte Jean-Luc das Glas an die Lippen und trank es aus. Er verzog den Mund und schüttelte den Kopf über sich selbst. Wann hatte er sich eigentlich angewöhnt, alles auszutrinken und aufzuessen, auch wenn er genau wusste, dass es ihm nicht schmecken würde?
Als das Telefon wieder zu klingeln begann, erschreckte er abermals. „Mon Dieu! Was soll denn das?“ Murrend schlurfte er in seinen Pantoffeln zum Apparat. Er hätte schon lange auf seinen Enkelsohn hören und so ein neumodisches Teil anschaffen sollen, das man mit sich herumtragen konnte. „Bequemer wär’s“, brummelte er. Doch er wusste genau, was sein Enkelsohn mit seinem schönen alten Telefonapparat vorhatte. Verscherbeln wollte er das nostalgische Ding, da war sich Jean-Luc sicher. „Der Junge denkt, ich bin senil und durchschau ihn nicht“, murmelte er.
Während er den Hörer von der Gabel nahm, rieb er sich stöhnend den schmerzenden Rücken.
„Ja!“, rief er unwirsch. Gleich darauf vernahm er eine aufgeregte Stimme: „Pépé, ich bin‘s!“
„Was? Wer?“ Erschrocken riss er die Augen auf, als ihm dämmerte, dass die Stimme zu seinem Enkelsohn gehörte.
„Rufus, Junge, was ist denn passiert?“ Was hatte der Bengel wieder angestellt? Und von wo rief er zu dieser Stunde an?
„Reg dich nicht auf, Großpapa. Es ist alles in Ordnung. Ich ... ich bin in der Stadt. In ... in einem Club. Und ich weiß nicht, wie ich nach Hause kommen soll“, stotterte der Knabe am anderen Ende der Leitung.
„Wie? In was für einem Club? Und wie bist du denn dorthin gekommen?“ Jean-Luc verstand nicht.
„Ach, Pépé, das erklär ich dir alles später. Kannst du kommen und mich abholen?“ Die Stimme des Jungen hatte einen piepsigen Klang angenommen. „Bitte“, hörte der alte Mann seinen Enkel flehen.
„Wohin soll ich kommen?“
Als Rufus seinem Großvater den Weg zu dem kleinen, mondänen Club beschrieb, vor dessen Tür er schlotternd, nur mit Hose und T-Shirt bekleidet stand, lächelte Jean-Luc still. Langsam ging er hinüber in sein Schlafzimmer, nachdem er den Hörer zurück auf die Gabel gelegt hatte. Sollte der Bursche ruhig ein wenig auf ihn warten und in der Kälte der Nacht frieren! Er hatte es verdient. Im letzten Jahr hatten Jean-Lucs Tochter und sein Schwiegersohn schon einige Kämpfe mit dem Kind ausgefochten. Pubertät nannten sie es, was den Jungen befallen haben sollte. Zu seiner, Jean-Lucs Zeit, hatte es diesen hochtrabenden Ausdruck noch nicht gegeben. Doch er war damals genauso wie sein Enkelsohn gewesen: jung, lebenshungrig, unbeschwert, den Kopf voller verrückter Ideen. Immer würde das in diesem Alter so sein, daran änderte sich gewiss auch in hundert Jahren nichts. Egal, welchen Namen man der Sache gab.
Ohne Eile schlüpfte der alte Mann in Hose und Hemd. Dann nahm er im kleinen Flur der Wohnung seine Jacke vom Haken und den Autoschlüssel vom Schlüsselbrett neben der Tür. Leise zog er die Tür hinter sich zu, und noch leiser schlich er die Treppen hinunter. Tochter und Sohn bewohnten das Obergeschoss, und er wollte vermeiden, dass die beiden ihn hörten. Sofort würden sie Lunte riechen und in das Zimmer ihres Sohnes schauen. Und dann gäbe es wieder ein Donnerwetter, dessen war er sich sicher. Und er – er wäre wie immer mittendrin in dem Schlamassel. Oft genug hielt seine Tochter ihm vor, er stelle sich schützend vor Rufus, der das gar nicht verdient habe, und untergrabe ihre Autorität. „Autorität! Pah!“ Kopfschüttelnd setzte sich Jean-Luc hinters Steuer seines alten Renault und ließ den Motor an. Wieder und wieder musste er starten, bevor der altersschwache Motor rund lief und das ersehnte Tuckern erklang. Genau wie bei mir, dachte Jean-Luc und schmunzelte. Auch er brauchte von Jahr zu Jahr länger, um morgens in die Gänge zu kommen. Mit der flachen Hand klopfte er auf das Armaturenbrett. „Gut gemacht, alter Junge!“ Dann fuhr er in gemächlichem Tempo an.
Gut zwanzig Minuten später erreichte Jean-Luc sein Ziel. Schon von Weitem sah er den erleuchteten Schriftzug über der Tür des Clubs. Er fand nach einigem Suchen eine freie Lücke am Straßenrand, in die sein kleines Vehikel gerade so hinein passte. Wie hasste er diese Sucherei nach einem Parkplatz – und wie hasste er es, wenn er merkte, dass seine Fähigkeiten in puncto „sportliches Fahren“ nicht mehr die waren, auf die er einst so stolz gewesen war. Aus Frust ließ er den Motor kurz aufheulen, bevor er den Wagen ausstellte. Wie ein großer Junge grinste er dabei über das ganze Gesicht.
Neugierig schaute er sich um. Wann war er zuletzt in dieser Gegend gewesen? War er überhaupt schon jemals hier entlanggegangen? Er konnte sich nicht erinnern. Und wo war Rufus? Hatte er nicht gesagt, er stehe vor der Tür und friere wie ein Schneider? Da hatte der Bengel wohl wieder einmal arg übertrieben. Sicher hatte er ihn antreiben wollen. „Na warte, Bürschchen!“
Jean-Luc zog den Reißverschluss seiner Jacke bis zum Hals hoch und stieg aus. Seine Blicke wanderten zu diesem Tanzclub hinüber, den er nicht kannte. Das sei zurzeit der Angesagteste in ganz Paris, hatte Rufus ihm neulich erklärt.

Im Kindle-Shop: Jene Tage in St. Germain.
Mehr über und von Annette Hennig auf ihrer Website.

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'Brandzeichen' von H.C. Scherf

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
»In mir hat der Satan ein Zuhause gefunden. Tust du nicht das, was ich von dir verlange, wirst du genau ihn von seiner fantasievollsten Seite kennenlernen.«

Die Drohungen treiben dem korrupten Polizisten kalte Schauer über den Rücken.

Während Doktor Karin Hollmann und Oberkommissar Spelzer einen Satanisten verfolgen, der im Ruhrgebiet seine Opfer sucht und findet, versucht der Serienmörder Pehling, an seinem Zufluchtsort neue Gegner abzuwehren.

Aber nur, wenn sich die so unterschiedlichen Weggefährten zusammenschließen, haben sie eine verschwindend geringe Chance. Sie müssen verhindern, dass ein Satansjünger seine Visionen vom Reich des Antichristen verwirklichen kann. Der Weg dahin fordert einen blutigen Tribut, denn der Gegner scheint nicht von dieser Welt.

Obwohl die Handlungsabläufe in sich abgeschlossen sind, empfiehlt es sich, die Bücher der Spelzer/Hollmann-Reihe in der Reihenfolge zu lesen:
KALENDERMORD - Band 1
DER SERBE - Band 2
MORDTIEFE - Band 3
BRANDZEICHEN - Band 4

Leseprobe:
Die Hitze im Raum war ins Unerträgliche gestiegen. Die glühende Kohle in der gusseisernen Schale zog Majas Blick magisch an. Ihr nackter Körper war schweißbedeckt und glänzte unter dem flackernden Licht vieler Kerzen, die der Unbekannte im Raum verteilt hatte. Immer wieder drehte er die lange Klinge des Messers in der Glut, prüfte gleichzeitig, ob das Brenneisen ebenfalls rot glühend wurde. Ihre fehlende Zunge und der breite Lederriemen über den Lippen verhinderten, dass Maja ihre unmenschliche Angst herausschreien konnte. Die unverständlichen Töne blieben zurück in ihrem Mund, in dem sich das Blut staute. Längst hatte es bei ihr für Übelkeit gesorgt, weil sie es hinunterschlucken musste. Absolut unbeeindruckt von ihrer Panik, wartete der Maskenmann neben dem Feuer, genoss die Furcht seines Opfers. Obwohl die Hitze eigentlich alles versengen müsste, glänzte sein drahtiger Leib im Schein des Feuers, jeder Muskel zeichnete sich ab. Unter anderen Umständen hätte man den durchtrainierten Körper dieser Bestie als erotisch bezeichnen können. Um seine Sixpacks würden ihn die meisten Männer beneiden.
Immer wieder irrte ihr Blick durch den Kellerraum, von dem sie nicht einmal sagen konnte, wo er sich befand. Als sie nach dem Schlag auf den Hinterkopf aufwachte, lag sie schon auf diesem langen Tisch, der den unnachahmlichen Geruch des Todes ausströmte. Aus den Tiefen des Gewölbes vernahm sie Klänge, die tief in ihr Bewusstsein eindrangen und keiner ihr bekannten Tonfolge ähnelten. Sie waren lediglich beängstigend, verwirrten die Sinne. Sie kamen aus einer Welt, die Maja einfach nur lähmende Angst einflößte.
Es war gerade einmal wenige Stunden her. Maja sah nur die funkelnden Augen hinter den Schlitzen der schwarzen Ledermaske, als sich eine kräftige Hand um ihren Hals legte und zudrückte. Als sie schon glaubte, die Besinnung zu verlieren, griff der Mann nach ihrer Zunge und zog sie weit aus dem Hals heraus. Der Schnitt war kurz und schmerzhaft. Eine gnädige Ohnmacht befreite sie kurz danach von ihrem Leiden. Jetzt wartete sie mit zitternden Gliedern auf das, was der Kerl mit der Maske ihr als Nächstes antun würde.
Lieber Gott, hilf mir. Bitte lass das nicht zu. Hole mich heraus aus dieser Hölle, aus diesem bösen Traum.
Als hätte er ihre Gedanken lesen oder hören können, stockte der Unbekannte, starrte zu ihr rüber.
»Er hört dich wohl, Menschenkind, aber er wird dir nicht helfen. Das tut er nie. Er lässt dich nur hoffen. Ihr Verdammten sollt von seinen leeren Worten zehren, von dem Glauben, den er euch abverlangt. Ich werde allen beweisen, dass es nur eine Macht in diesem Universum gibt, die Macht des Bösen. Niemand wird dir helfen, denn ich bin zu stark. Meine Kraft ist unübertroffen. Du sollst als Erste in dieser verdorbenen Stadt mein Zeichen tragen, auf dass du der Welt zeigen kannst, wie ich über euch kommen werde. Du bist eine von denen, die mir in die Verdammnis folgen werden. Ganze Heerscharen werden sich dir anschließen.«
Bisher hatte diese Bestie geschwiegen, hatte Maja schweigend gequält. Er redete sich in eine Ekstase hinein, die Augen blitzten sie an. Jetzt, wo sie zum ersten Mal diese zischelnde Stimme hörte, die sich in ein wildes Keifen steigerte, versuchte sie, sich in wilder Panik loszureißen. Unkontrolliert zerrte sie an den Armreifen, die sie mit kurzen Ketten an dem massiven Tisch festhielten. Sie dachte schon, dass ihre Sehnen reißen könnten, als dieses Tier das Brenneisen aus der Glut zog und sich langsam auf sie zubewegte. Majas Körper versteifte sich, ihre Augen drohten, aus den Höhlen zu quellen. In einer für sie unverständlichen, fremden Sprache, murmelte er Sätze vor sich hin, die ihre Angst nur noch verstärkten.
Mama ... wo bist du? Bitte hilf mir doch! Lass mich bitte aufwachen, ich ertrage das nicht länger. Es soll aufhören.
Es schien eine gefühlte Ewigkeit zu dauern, bis sich das Brenneisen schließlich zischend in Majas Bauchdecke fraß. Ihr Schrei erstickter blieb nur ein hilfloser Versuch, die Angst zu kanalisieren. Es blieb bei einem unverständlichen Gestammel. Das Gebrabbel des Mannes war im gleichen Augenblick zu einem wilden Brüllen angeschwollen. Gleichzeitig mit dem bestialischen Geruch ihres verbrannten Fleisches nahm sie die vielen bunten Kreise wahr, die jetzt vor ihren Augen tanzten, sich zu einer Art Regenbogen formierten und wieder, sich verwirbelnd, in einem dunklen Loch verschwanden. Ihr Geist hatte aufgegeben, sich gegen den unvorstellbaren Schmerz zu wehren. Die Besitzerin vor weiteren Qualen schützend, hatte er sich in Bruchteilen von Sekunden in den Wahnsinn verabschiedet. Aus diesem Grund bekam sie schon nicht mehr real mit, wie der Maskierte das Messer aus der Glut zog und sein Werk an ihr vollendete. Das diabolische Lächeln auf dem Gesicht des Maskierten blieb ihr erspart.

Im Kindle-Shop: Brandzeichen (Spelzer/Hollmann 4).
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13. Juni 2018

'Aus dem Koma' von Siegfried Langer

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Alle Erinnerungen an mein bisheriges Leben sind ausgelöscht. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin und wie ich heiße.

Eine attraktive Frau, die sich als meine Freundin ausgibt, kümmert sich liebevoll um mich. Doch ich spüre, dass sie mir nicht die Wahrheit erzählt und dass unsere Liebe ein dunkles Geheimnis birgt.

Ein Psychologe, der mir helfen soll, Licht ins Dunkel zu bringen, schafft lediglich eine Vielzahl neuer Rätsel. Ein Kommissar drängt darauf, mich wegen eines Mordes zu vernehmen. Als Zeuge? Oder als Verdächtiger?

Doch nicht nur mein Gedächtnis spielt mir Streiche, sondern zudem auch meine Wahrnehmung. Ich kann niemandem vertrauen, am wenigsten mir selbst ...

Leseprobe:
Ich wusste nicht mehr, wie ich hieß.
Auch die Frau, die neben meinem Krankenbett saß und sagte, sie sei meine Freundin, erkannte ich nicht.
Doch mein Herz signalisierte mir klar und deutlich, dass ich sie liebte. Trotz allem. Immer noch.
Dass sie weinte und ich nicht in der Lage war, sie zu trösten, stimmte mich traurig. Tapfer streichelte sie meine rechte Hand, die auf der Bettdecke ruhte.
Im Handrücken der Linken steckte ein Infusionsschlauch, der mich mit Medikamenten versorgte.
Es kribbelte in meinem Magen.
War der liebevolle Blick der Fremden die Ursache dafür oder doch eher das einsetzende Hungergefühl? Denn bis gestern Morgen hatte ich noch über eine Sonde meine Nahrung erhalten, danach lediglich Suppe - so dünn und geschmacklos, dass sie ihren Namen nicht verdient hatte.
„Susanne“, flüsterte ich leise und strengte mich dabei so wenig an wie nur eben möglich. Kurz stahl sich ein Lächeln in ihr Gesicht. Vermutlich hoffte sie, dass ich mich endlich an sie erinnerte, doch wiederholte ich lediglich den Namen, mit dem sie sich vorgestellt hatte.
„Sebastian“, fuhr ich fort. Doch der Name, der der meine sein sollte, löste genauso wenig in mir aus wie der meiner mutmaßlichen Lebensgefährtin.
Susanne blickte mich hoffnungsvoll-fragend an, aber ich schüttelte lediglich den Kopf.
Sogleich stellte sich wieder dieses Pochen in meinem Schädel ein. Ich zog meine Rechte unter Susannes Hand hervor und tastete nach dem Verband an meiner Stirn.
„Du musst deinen Kopf ruhig halten, Schatz. Möglichst wenig bewegen, hat Dr. Lorenz gesagt.“
Dr. Lorenz, ein weiterer Fremder. Meine Erinnerung an ihn reichte nur wenig weiter zurück als die an Susanne.
„Es ist alles im Moment etwas viel für dich, Schatz.“
Ja, das war es.
Alles, was länger als ein paar Stunden zurücklag, war aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Ausgetilgt. Gelöscht. Einfach weg.
Dagegen konnte ich alles, was mich umgab, beim korrekten Namen nennen: Krankenhausbett, Fenster, Tablettenblister, Kanüle. Sämtliche persönlichen Angelegenheiten jedoch blieben in der Finsternis verschwunden.
„Was ist passiert?“, fragte ich.
Das Sprechen schmerzte sehr und klappte nur langsam und undeutlich. Aber Susanne schien mich zu verstehen.
„Eine Kopfverletzung.“
Ja, das spürte ich auch.
„Wie?“
Susanne antwortete nicht, sah mich nur ängstlich an. Sie schien den Zeitpunkt noch nicht für gekommen zu halten, mich mit der Wahrheit zu konfrontieren.
„Dr. Lorenz meint, dass du relativ gute Chancen hast, dass sich dein Erinnerungsvermögen weitgehend erholt.“
Relativ gute Chancen …
Weitgehend erholt ...
Zuversicht hörte sich anders für mich an.
Und ich spürte instinktiv, dass meine Kopfverletzung nicht daher rührte, dass ich beim Auswechseln einer Glühbirne von der Leiter gefallen war.
Mein Gefühl sagte mir mit aller Deutlichkeit, dass mehr dahintersteckte. Etwas viel, viel Schlimmeres.
Gerade als ich alle Kraft zusammengenommen hatte, um resoluter nachzufragen, öffnete sich die Tür.
Eine weitere Person, die ich erst seit Kurzem kannte, trat ein: Schwester Kathrin.
Während Susanne dunkelbraunes, glattes Haar hatte, trug Schwester Kathrin blondes und gelocktes. Der leichte Hüftschwung, mit dem sie eintrat, glich dem eines Models, das Werbung für den Ausbildungsberuf der Krankenschwester machte.
Einerseits lächelte sie freundlich und gütig, andererseits spürte ich, dass mit ihr eine frostige Atmosphäre im Krankenzimmer Einzug gehalten hatte.
Da lag etwas zwischen ihr und mir. Etwas Unausgesprochenes. Etwas, das vor meinem Aufwachen geschehen sein musste.
In der Hand hielt sie einen Teller, den sie nun Susanne entgegenstreckte.
„Möchten Sie es versuchen?“
Susanne nahm den Teller entgegen und Schwester Kathrin reichte ihr zudem eine kleine Gabel.
Auch das, was auf dem Teller lag, erkannte ich sofort und konnte es benennen. Jemand, vermutlich Kathrin selbst, hatte einen Apfel in mundgerechte Stücke geschnitten. Zu meinem Erstaunen wusste ich sogar die Apfelsorte: Golden Delicious.
„Ganz wird er ihn nicht schaffen. Aber es ist wichtig, dass er überhaupt etwas isst, damit die Verdauung wieder in Gang kommt.“
Kathrin hätte das einfach auch direkt zu mir sagen können.
Während Susanne eines der Stücke mit der Gabel aufspießte und zu meinem Mund führte, folgte Schwester Kathrin der Bewegung mit ihrem Blick.
Brav öffnete ich meinen Mund. Der süßliche Geschmack regte sofort meinen Speichelfluss an. Dass ich gesabbert hatte, wurde mir erst bewusst, als Susanne liebevoll mit einem Taschentuch meinen Mundwinkel abtupfte.
„Ist nicht schlimm, Schatz.“
Das Kauen kostete mich ähnlich viel Anstrengung wie zuvor das Sprechen.
Wie lange waren meine Kiefermuskeln nicht in Bewegung gewesen?
Bislang hatte ich mich dies nicht zu fragen getraut.
Tapfer biss ich auf dem Apfelstück herum.
Meine Geschmacksknospen schienen zu explodieren. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals etwas so intensiv geschmeckt zu haben. Aber in meinem gegenwärtigen Zustand hatte dies vermutlich wenig Aussagekraft.
Ich schluckte, doch es funktionierte nicht.
Noch einmal versuchte ich, den Apfelbrei hinab zu bekommen.
Nun klappte es.
Ich freute mich und Susanne entlockte der Erfolg ein begeistertes Lächeln.
Toll! Ich habe ein Apfelstück gegessen! Wollen wir gleich eine Pressemitteilung herausgeben?
„Sie müssen geduldig mit sich sein“, sagte Schwester Kathrin, als habe sie mir meinen Sarkasmus aus den Gesichtszügen abgelesen.
Zu nicken traute ich mich nicht, aus Angst vor einer neuerlichen Kopfschmerz-Attacke, also zwinkerte ich ihr bestätigend mit den Augen zu.
„Mehr?“, fragte Susanne und ich blinzelte erneut.
Ja, ich war ein Held: Ich konnte unmittelbar hintereinander zwei Apfelstücke verputzen!
Ich öffnete meine Lippen und Susanne schob mir das zweite Stück in den Mund.
Für einen Moment ließ ich es einfach auf meiner Zunge ruhen.
Die beiden Frauen beobachteten mich auch weiterhin. Jede Kleinigkeit wurde zu einem Großereignis. Ich aß und die zwei waren begeistert von mir.
Ich war mir ziemlich sicher, dass es in meinem bisherigen Leben deutlich schwieriger gewesen war, eine Frau so zufrieden zu stellen.
Nach dem dritten Stück konnte ich nicht mehr. Zum einen fühlte ich mich pappsatt, zum anderen tat mir bereits der Kiefermuskel weh.
Susanne schien dies zu erkennen. Während sie den Teller wegstellte und wieder meine Hand in die ihre nahm, verließ Kathrin das Zimmer.
„Es wird alles gut werden, Schatz.“
Na, diese Zuversicht hätte ich auch gerne!
„Ganz bestimmt. Bald wird wieder alles so wie früher sein.“
Ich wurde müde.
Ganz allmählich verschwamm Susannes gütiges Gesicht hinter einem Schleier. Ich wollte dagegen ankämpfen, aber es gelang mir nicht.
Sicherlich erhielt ich immer noch Schlafmittel.
Dann glitt ich hinüber in einen traumlosen …

Im Kindle-Shop: Aus dem Koma: Thriller
Mehr über und von Siegfried Langer auf seiner Website.

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