31. Juli 2019

A.D. WiLK

A.D. WiLK wurde 1983 geboren, lebt seit vielen Jahren in einer glücklichen Beziehung, hat einen Sohn und einen Kater. Sie schreibt schon ihr ganzes Leben, hatte lange aber immer nur davon geredet, irgendwann einmal ein Buch zu schreiben. Im Oktober 2018 veröffentlichte sie mit "Wenn du wieder gehst" ihr erstes Buch und erfüllte sich so ihren großen Traum.

A.D. WiLK über sich: "2017 hatte es mich dann gepackt. Besser gesagt, war es Stephen King, der mich mit seinem 'on writing' gepackt, inspiriert und mir endlich den notwendigen Tritt in den Hintern gegeben hat, um anzufangen. Ein schöner Kreis, der sich da geschlossen hat. Er war einer der Schriftsteller, die diesen Traum überhaupt erst in mir geweckt haben."

Inzwischen sind drei Romane von ihr erschienen.

Weblink: www.adwilk.de

Bücher im Buch-Sonar:




'Dedericus: Schicksalspfad des Tempelritters 1' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Anno Domini 1225. Weite Gebiete Europas liegen in Schutt und Asche, bluten aus im gnadenlosen Krieg um Macht und Religion. Inmitten der Schlachten und Ränkespiele kämpft der junge Tempelritter Dedericus de Loen seinen eigenen Kampf, hin- und hergerissen zwischen Ordenspflicht, Liebe, Glaube und Zweifeln.

Sein treues Pferd Harraz begleitet ihn durch seine Abenteuer und ist exemplarisch für die Kriegspferde der Tempelritter.

'Dedericus' ist der erste Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters«.

Leseprobe:
Die Wanderung
Nichts wies an diesem Tage im Jahre des Herrn 1225 auf das drohende Unheil hin. Sicher, vom Isenberg kommt nur der Teufel, sagte das Volk. Schon in seiner Kindheit lauschte Dedericus mit Schaudern den Geschichten über derer von Isenberg, die sich die Mägde in der Küche erzählten.
Der Teufel tanze des Nachts im Mondenschein um deren Burg. Werwölfe und Hexen raubten den Dörfern um diesen Schreckensort die Kinder und Mägde.
Die Geister der verlorenen Seelen hörte man des Nachts in den Wäldern heulen und jammern.
Aber nicht der Teufel, nicht Hexen und Werwölfe kamen mit dem Isenberg, er kam mit Feuer und Schwert über ihre Burg.
Ramus de Loen eilte auf den Turm und rief die wenigen Männer zur Verteidigung. Sein Sohn, Dedericus, bekam die Aufgabe, die Frauen und Kinder im Turm zu sammeln und zur Ruhe zu bewegen.
In kurzer Zeit stand alles in Flammen, auch der Turm konnte nicht vor den geworfenen Fackeln und den Brandpfeilen der Isenberger Mannen behütet werden.
Der Rauch biss unerträglich in den Augen und die Hitze der brennenden Bodenbohlen auf den Etagen kam immer näher. Das Bersten der Tragbalken und die einstürzenden Böden stoben Kaskaden von Funken immer tiefer in den Turm hinein.
Die Männer bemühten sich vergeblich, die brennenden Etagen zu löschen und zogen sich in ihrem Kampf immer weiter in die Tiefe des Turmes zurück.
Ein Balken des letzten Bodens stürzte brennend auf Dedericus Schwester. Mit einem Aufschrei des Entsetzens stürzte die Gräfin De Loen durch den beißenden Rauch und Funkenregen in die Flammen des brennenden Balkens, um ihr Kind zu retten.
Sie spürte nicht, wie die heiße Asche ihre Kleidung und Haut umfing. Ignorierte den Schmerz der Glut unter ihren Knien.
Dedericus sah die Männer seines Vaters den Balken von dem zerschmetterten Körper zerren, während sein Vater die brennenden Kleider seiner Mutter mit seinem Umhang zu löschen suchte.
Dieses unglaubliche Inferno um ihn herum, das Schreien, Weinen, die Gluthitze der Flammen, umgeben von Rauch und Funkenflug, ließ ihn erstarren. Das Geschehen schien ihm wie ein schrecklicher Traum, nicht wahrnehmend, dass dieser Albtraum in den Tag entsprungen war.
Der harte Griff eines Mannes erfasste seinen rechten Arm und zog Dedericus durch das Inferno. Er folgte ohne Willen und Verstehen. Dem Schock des Entsetzens ergeben.
Der junge De Loen sah, wie er in den schmalen Einstieg des Fluchtganges des Turmes gezerrt wurde, wie Knechte an ihm vorbei stürmten, um die schweren Eichenflügel des Durchganges zu versperren.
Immer tiefer wurde er in die Finsternis des Ganges gezogen. Dedericus vernahm, wie sein Vater den Befehl gab, die Stützpfeiler vor dem Gang einzubrechen. Sah Männer in der Dunkelheit verschwinden und hörte die dumpfen Schläge von Hämmern auf das schwere Holz des Gebälks.
Das Bersten der Stützen und das Geräusch des einstürzenden Ganges ließen den Boden unter seinen Füßen erbeben.
Als die Flüchtenden von dem Staub des eingestürzten Erdreiches erreicht wurden, kam erneut Leben in den Körper des jungen Mannes.
Mit einem heftigen Ruck befreite sich Dedericus von dem schmerzenden, eisernen Griff des Mannes, der ihn durch den Tunnel zog.
Mit raschem Schritt folgte er dem kaum vorhandenen Schein einer fast erloschenen Fackel. Es erschien Dedericus wie eine Unendlichkeit, bis sie zum Ausgang des Fluchtweges gelangten.
Einige der Männer hoben in schier übermenschlicher Anstrengung die schweren Bretter über ihren Köpfen, welche von dickem Erdreich bedeckt waren, aus ihren Fugen.
Von außen war der Ausgang nicht vom restlichen Waldboden zu unterscheiden.
Als die Abdeckung aufgestoßen war, stiegen die Fliehenden über die rutschigen, unebenen Stufen hinauf in den Wald, nahe dem Hellweg.
Ramus legte den Körper seines Weibes sanft in das Laub des Waldes und beugte sich mit tränenden Augen über die kaum noch Atmende. Erst jetzt sah Dedericus die schweren Verbrennungen an ihrem zarten Körper. Schluchzend warf auch er sich neben sie, küsste ihr vom Ruß verschmiertes Haar. Verzweiflung und Sorge umklammerten sein Herz. Klagend entrang seinem Mund: „Mutter!“
Die Tränen rannen ihm in Bächen über das Gesicht und die Welt, wie sie für ihn existierte, verschwand in einer Woge der unerträglichen Trauer.
Seine Mutter strich ihm zärtlich, mit der letzten Kraft ihres sterbenden Körpers, über seine Wange. Ihr Blick hatte trotz des Schmerzes noch so viel Liebe und Sorge für ihn.
Leise, fast unhörbar, bat sie darum, er solle nach Jerusalem ziehen um die Seele seiner Schwester vor dem ewigen Fegefeuer zu erretten.
„Mutter, …“, flüsterte er mit erstickter Stimme, „… du begleitest mich auf diesem Weg. Bitte verlasse uns nicht“.
Sein Blick wanderte zu dem rußgeschwärzten Gesicht seines Vaters, in dem sich ebenfalls Tränen ihren Weg bahnten.
Sanft faltete Ramus die Hände seiner geliebten Frau über ihrem toten Körper.
Laut schluchzend warf sich Dedericus auf die Schulter seiner Mutter, küsste ihre Wangen und wiederholte immer aufs Neue die Worte: „Mutter, bitte, lass uns nicht allein.“
Aber es kam kein Leben zurück in ihren Körper.
Eine Weile knieten Vater und Sohn an der Seite des toten Körpers der Gräfin. Unfähig in die Realität dieses grausamen Tages zurückzufinden, waren sie von überwältigendem Schmerz gelähmt.
Nach geraumer Zeit wagte einer der Knechte, ein grobschlächtiger, aber gutmütiger Mann, den die Jahre der harten Arbeit gebeugt hatten, ein vorsichtiges und leises: „Herr“, an Ramus de Loen zu richten: „Herr, was sollen wir tun? Die Isenberger Mannen suchen sicherlich nach uns.“
Der Blick des Grafen löste sich nicht vom Gesicht seiner Frau, als er mit gebrochener Stimme den Befehl gab, eine Trage zu richten.
Die Männer folgten seinem Befehl. Dann betteten die beiden De Loens den Körper der Toten sanft auf die Bahre.
Mit nunmehr festerer Stimme befahl Ramus den Männern, ihm mit der Bahre zu folgen.

Im Kindle-Shop: Schicksalspfad des Tempelritters: Dedericus.
Mehr über und von Olivièr Declear auf seiner Amazon-Autorenseite.



30. Juli 2019

'Happy Zeitmanagement: In 100 Tagen mehr Zeit zum Leben gewinnen' von Stefanie Glaschke und Ralf Schmidt

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Zeitmanagement ist in aller Munde. Es gibt viele Programme, um Zeit zu sparen und sein Leben besser und vor allem entspannter zu gestalten.

Dieses Buch ist ein besonderer Ratgeber. Es begleitet den Leser durch die ersten 100 Tage des Zeitmanagements. Zu jedem Tag gibt es eine neue Übung, zahlreiche Methoden und Techniken werden verständlich dargestellt. Dieses Buch kann ein Freund werden. Zitate, Affirmationen und viele Tipps zum Durchhalten machen das Besondere dieses Buches aus. Den Verfassern gelingt es, ihrer Leserschaft Empathie und Geduld entgegenzubringen. Wer Zeitmanagement schon oft versucht hat und mit keinem Ergebnis zufrieden war, wird dieses Buch lieben. Er wird durch ein Training geführt, das es in sich hat.

Menschlich, informativ und unterhaltsam wie alle Bücher aus der Serie 100-Tage-Happy.

Leseprobe:
Verlier keine Zeit - leg los!
Es gibt zahlreiche Ratgeber zum Thema „Zeitmanagement“. Sicher fragst du dich, warum du nun noch ein weiteres Buch lesen solltest, um deiner eigenen Vision von dir näher zu kommen. Die Antwort darauf ist ganz leicht zu finden. Dieses Buch ist anders. Dieses Buch ist mehr als ein Ratgeber. Es bietet dir die die zentralsten Informationen und Techniken auf einfache Art und Weise. Kurz gesagt: Dieser Ratgeber bringt es auf den Punkt. Ich verzichte bewusst darauf, nur die Theorie aufzuzeigen. Das haben andere vor mir schon ganz gut gemacht. Mir ist wichtig, dir eine praktische Unterstützung zu bieten. Deshalb findest du nach jedem theoretischen Abschnitt eine ganz konkrete Anleitung, um die Theorie in die Praxis umzusetzen. Dabei greifen wir auch auf unser Fachwissen und auf eigene praktische Erfahrungen zurück. Dieses Buch kann ein Freund werden, der dich mit wertvollen Impulsen versorgt. Wenn du jetzt noch unentschlossen bist, ob du dich auf das Abenteuer „Zeitmanagement“ einlassen willst, solltest du vielleicht bedenken, dass deine Persönlichkeit einen großen Anteil daran hat, ob du deine Wünsche und Träume im Leben umsetzen kannst. Doch ein Leben ist nicht unendlich. Viele beginnen zu spät damit, sich selbst zu entwickeln. Sie schieben alles auf die Rente und die Zeit, in der die Kinder groß sind und alles im Leben scheinbar perfekt ist. Das ist jedoch eine verheerende Zeitverschwendung. Niemand, wirklich niemand weiß, wie lange er lebt. Wer sich erleben will und das Leben führen will, dass zu seiner eigenen Persönlichkeit passt, sollte so schnell wie möglich anfangen. Und das ist JETZT.
Es gibt eine große Anzahl Methoden und Ansätze für das Management deiner wichtigsten Ressource, deiner Zeit. Keine der Methoden kann als die beste bezeichnet werden. Es gibt keine Methode, die für jeden passt. Du musst selbst herausfinden, was für dich richtig ist. Dafür probierst du am besten die unterschiedlichen Methoden aus diesem Buch aus. Alle sind wirksam und geeignet, doch du selbst entscheidest darüber, welche Möglichkeiten dich am besten zu deinem Ziel führen können. Wer dir garantiert, dass er dir die ultimative Lösung für dein Glück, deinen Erfolg oder deinen Seelenfrieden bieten kann, sollte dein Misstrauen wecken.
Wenn du nicht allein mit dem Thema sein willst, suche dir einen Vertrauten. Partner und Freunde sind gute Gefährten auf deinem neuen Weg. Es gibt Teilziele wie körperliche Fitness, die sich zu zweit oder in einer Gruppe leichter erreichen lassen.
Achte nur darauf, dass du frei bleibst und deine eigenen Ziele nicht aus den Augen verlierst. Raff dich auf und entwickle dich durch die Schritte, die du gehst!

Ein paar Worte zum privaten Zeitmanagement
Leider verbinden viele mit Zeitmanagement hauptsächlich den beruflichen Lebensbereich. Doch ein privates Zeitmanagement zu betreiben, ist sehr reizvoll. All die Energiefresser, die an deine Tür klopfen, schlechte Gewohnheiten und der innere Schweinehund können über Zeitmanagement viel besser abgewehrt werden. Wer in der Freizeit keinen Plan hat, wird viel zu leicht Opfer von denen, die ihn gern für ihre eigenen Zwecke einspannen möchten. Wer dagegen genau weiß, was er will, wird sich selbst davor schützen, vor den Karren anderer gespannt zu werden.
Zeige dir, dass du ein wichtiger Mensch in deinem Leben bist.
- Respektiere deine Wünsche.
- Nimm dir Zeit für dich.
- Kümmere dich um deine Angelegenheiten.
- Sei für dich da.
- Erfülle dir deine Bedürfnisse.

Ein paar Worte zum beruflichen Zeitmanagement
Zeitmanagement ist eine Kompetenz, die im Berufsleben immer wichtiger wird. Es ist die einzig mögliche Antwort auf steigende Ansprüche und Personalnot in den Unternehmen. Wenn sich täglich mehr Aufgaben auf deinem Schreibtisch ansammeln, wirst du schnell das Gefühl haben, von Aufgaben erschlagen zu werden. Das löst Stress aus. Du hast das Gefühl, jedes Engagement sei sinnlos und keine Anstrengung kann ausreichen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Die Folgeerscheinungen lieben zwischen Frustration, Stress und Burnout. Wenn du die Möglichkeit hast, dir deine Arbeitszeit frei einzuteilen, kannst du dafür sorgen, dass du deine eigenen Prioritäten setzen kannst. Für eine Tätigkeit als Angestellter gelten beim Zeitmanagement die folgenden Grundsätze: [...]

Im Kindle-Shop: Happy Zeitmanagement: In 100 Tagen mehr Zeit zum Leben gewinnen (100 Tage Happy, Band 1).
Mehr über und von Stefanie Glaschke auf ihrer Facebook-Seite.



'Der Feuerteufel' von Axel Berger

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Ein Feuerteufel versetzt Oldenburg in Angst und Schrecken. Die beschauliche Stadt an der Hunte brennt. Was zunächst mit Mülltonnen und Containern begann, weitete sich plötzlich auf Autos und schließlich Gebäude aus. Als schließlich ein ehemaliger Gasthof in Flammen aufgeht, finden die Feuerwehrleute in den Trümmern das schier Unglaubliche: einen Berg aus Leichen. Vollmers und sein Team werden alarmiert und müsse sich ihrer bisher wahrscheinlich größten Herausforderung stellen.

Ist dies der letzte Fall für den kurz vor seiner Pensionierung stehenden Hauptkommissar Werner Vollmers? Wie macht sich der Neue im Ermittler-Team? Wird Anke Frerichs das Team verlassen?

Und das Wichtigste: Werden Sie den Feuerteufel schnappen, bevor weitere Menschen sterben müssen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt …

Der Feuerteufel ist der fünfte Fall für die norddeutschen Ermittler Werner Vollmers, Anke Frerichs und Enno Melchert. Er bildet das Staffelfinale der Serie um die drei Oldenburger Ermittler. Natürlich kann jeder Fall einzeln gelesen werden, es macht aber noch mehr Spaß, wenn man auch die anderen Bücher aus der Reihe liest.

Leseprobe:
KAPITEL 2
Ein unangenehmer Geruch, eine Mischung aus verbranntem Plastik und Holz, lag in der Luft, Schwaden von Wasserdampf und Rauch zogen über das Grundstück. Hauptkommissar Werner Vollmers schaute sich nachdenklich um. Müde schüttelte er den Kopf. Was für eine verheerende Wirkung so ein Feuer doch haben konnte. Es hatte das gesamte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht und nichts als Trümmer und Zerstörung zurückgelassen.
Der in der Nähe von Bad Zwischenahn gelegene ehemalige Gasthof war nicht das erste Gebäude, das in letzter Zeit in Flammen aufgegangen war. Genau genommen war es mittlerweile das fünfte.
Ein Feuerteufel trieb sein Unwesen im Umland von Oldenburg.
An sich wäre das kein Fall für den Hauptkommissar und sein Team gewesen; rief man die Ermittler des Oldenburger Fachkommissariats 1, ging es in der Regel um Straftaten mit Gewaltanwendung oder gegen das Leben. Blut und Samen – Mord und Totschlag. Mit einem Brandstifter hätten sie eigentlich nichts zu tun gehabt, doch diesmal war alles anders.
Die Feuerwehrmänner hatten bei der Bekämpfung des Brandes etwas entdeckt, das selbst Gerold Hogen, einem der erfahrensten und hartgesottensten Brandbekämpfer der Oldenburger Feuerwehr, die Sprache verschlagen hatte.
Beim Versuch, dem Feuer Einhalt zu gebieten, waren sie Stück für Stück in das Innere des alten Hofes vorgedrungen, hatten die Flammen zurückgedrängt, erstickt und das Inferno mit allem bekämpft, was sie zu bieten hatten. Zimmer für Zimmer hatten sie sich durch den ehemaligen Gasthof, der früher auch zeitweise als Hotel genutzt worden war, vorgearbeitet, bis sie schließlich im alten Festsaal angekommen waren, in dem sie dann das pure Grauen erwartet hatte.
Genau mittig im Saal hatten sie etwas entdeckt, das sie zunächst für Trümmer und verbranntes Inventar gehalten hatten. Doch was sich ihnen offenbarte, als sie näher herangekommen waren, ließ den Feuerwehrmännern das Blut in den Adern gefrieren: Zwischen kokelnden Tischen und Stühlen, tropfnass und durchweicht vom Löschwasser, erblickten sie einen grotesk wirkenden Haufen. Gleich einem Osterfeuer, hatte hier irgendwer etwas aufgeschüttet. Hogen hatte seine auf Grund von Erschöpfung und Rauch langsam immer schlechter werdenden Augen zusammenkneifen müssen, denn unter seiner Maske hatte er keine Details erkennen können. Außerdem weigerte sich sein Verstand zu akzeptieren, was er dort vor sich sah: einen Berg aus Leichen.
Es war ein unvorstellbarer Anblick gewesen, der ihn an alte Schwarzweiß-Fotos aus dem 2. Weltkrieg erinnert hatte. Sein Körper hatte angefangen zu zittern. Ihm war übel geworden. Nur mit Mühe bekam er sich wieder unter Kontrolle. Hinter ihm hatte ein jüngerer Kollege weniger Glück. Der zur Freiwilligen Feuer Bad Zwischenahn gehörende Helfer hatte sich seine beschlagene Atemschutzmaske heruntergerissen und sich übergeben. Er hatte versucht, sich zu beherrschen, doch das, was er dort gesehen hatte, war für den noch recht unerfahrenen Mann zu viel gewesen ...
Fluchtartig hatten sie das Gebäude verlassen, saßen nun auf dem Hof und versuchten, das Gesehene zu verkraften. Soviel stand fest: Es würde sie in ihren Träumen verfolgen, hatte sich buchstäblich für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt …

***

Werner Vollmers ließ seinen Blick über das vor ihm liegende Trümmerfeld schweifen und widerstand dem Drang, sich eine Zigarette anzuzünden. Es wäre ihm falsch vorgekommen. Doch der unglaublich verstörende Anblick des Gebäudes verstärkte sein Verlangen nach Nikotin. Er ahnte, nein, er wusste, dass hier ein Verbrechen von noch nie dagewesenem Ausmaß stattgefunden haben musste, das legte der erste Bericht der Feuerwehrleute zumindest nah …
Und das ausgerechnet jetzt, kurz vor meiner Pensionierung. Er hätte sich seinen Weg in den Ruhestand entspannter gewünscht. Und nun das.
Unruhig schritt er hin und her. Alles in ihm sträubte sich, das Gebäude allein zu betreten, denn er vermochte nicht zu sagen, ob er noch mehr ertragen konnte. Zu viel hatte er in seiner langjährigen Dienstzeit schon gesehen und verarbeiten müssen. Und es fiel ihm mit zunehmendem Alter immer schwerer. Besonders seit dem Tod seiner Schwester im vergangenen Jahr.
Während Enno Melchert und Anke Frerichs noch auf sich warten ließen, bog ein dunkelgrauer BMW X5 auf den Hof ein und stoppte direkt hinter dem weißen VW-Transporter der Spurensicherung. Die Scheinwerfer erloschen, als der Motor abgestellt wurde. Nur Sekunden später öffnete sich die Tür des SUV. Ein Mann in einem dunkelblauen Anzug sprang aus dem Wagen, trat, ohne es wirklich zu registrieren, in eine Pfütze mit Löschwasser und lief aufgeregt gestikulierend auf Vollmers zu. Der Wagen piepte einmal, und die Blinker leuchteten zweimal kurz auf.
Innerlich verdrehte der Kommissar die Augen. Wer da auf ihn zukam, war Frank Legat, sein neuer Kollege und potenzieller Nachfolger. Augenscheinlich war er gerade aus dem Bett gekommen. Seine ansonsten wie mit dem Lineal in Form gebrachten Haare standen ihm wirr vom Kopf ab. Lediglich ein paar wie angeklebt wirkende Strähnen deuteten auf den Versuch hin, sie in möglichst kurzer Zeit irgendwie in Form zu bringen.
Vollmers mochte ihn nicht. Nicht nur, weil er den für Anke Frerichs angedachten Posten bekommen hatte. Legat war, das hatte sich in den letzten Wochen herausgestellt, ein schier unerträglicher Sesselpupser, ein bürokratischer Pedant der schlimmsten Art. Empathie? Fehlanzeige. Führungsqualitäten? Unterirdisch. Kein Wunder also, dass der Haussegen im Fachkommissariat 1 mehr als schief hing.
Und für Vollmers war der Fall Legat noch nicht gegessen. Er hatte offiziell Beschwerde bei seinem Vorgesetzten eingereicht und sich nochmals für Anke Frerichs als seine Nachfolgerin stark gemacht. Man würde sehen, ob seine Meinung gehört werden würde.
Doch zunächst hatten sie diesen Fall aufzuklären …

Im Kindle-Shop: Der Feuerteufel: Der 5. Fall für Werner Vollmers, Anke Frerichs & Enno Melchert (Nord und Totschlag).
Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



29. Juli 2019

'Laufe Lebe Liebe: zurück ins Leben' von A.D. WiLK

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Was, wenn deine beste Entscheidung deinem bisherigen Leben ein Ende setzt?
Wir handeln in unserem Leben oft nicht so, wie wir es uns hinterher wünschen würden. Immer wieder fühlt es sich an, als träfen wir falsche Entscheidungen, die uns an einen Ort führen, an dem wir niemals enden wollten. Uns und die Menschen, die wir lieben.

Ein verschütteter Kaffee und ein verlorenes Handy zwingen Ella zu einem Wettlauf mit der dreizehnjährigen Milly. Dabei erwacht etwas in ihr, von dem sie glaubte, es vor acht Jahren verloren zu haben. Sie lässt das Mädchen zu einem Teil ihres Lebens werden, auch wenn ihre innere Stimme sie davor warnt. Und sie wird selbst ein Teil von Millys Welt, zu der auch Tom gehört, der wie ein Geist durch die Wohnung schleicht. Und dann ist da Lias, dessen Blick verrät, dass er Ellas Geheimnis kennt. Aber wie wird er reagieren, wenn er die gesamte Wahrheit erfährt?

Weitere Bücher von A.D. WiLK auf ihrer Autorenseite.

Leseprobe:
Der blaue Kunststoff der Laufbahn quietschte leicht, als ich mit meinen nackten Zehenspitzen darüberfuhr. Ich spürte es mehr, als dass ich es hörte. An meinen Armen glänzte die Haut von der Feuchtigkeit, die der Schweiß bei dem Versuch, meinen Körper zu kühlen, auf ihr hinterließ. Die Hitze drang dennoch darunter und mein Kopf schmerzte unter dem hellen Basecap. Ich war einfach schon zu lange hier. Aber diese eine Runde wollte ich noch laufen. Ein letztes Intervall, bevor ich das Training für den heutigen Tag beendete. Ich starrte auf meine blauen Fingernägel und drückte die Kopfhörer tiefer in die Ohren. Thirty Seconds To Mars schrien mich an, ich sollte davonlaufen und ich wartete auf den Moment, in dem mein Herz das Blut wieder mit weniger als sechzig Prozent seiner Kraft durch meinen Körper pumpte, spannte die Muskeln an und rannte los.
Der Boden federte meine Schritte ab, ich baute mehr und mehr Geschwindigkeit auf und die Bewegung, die mich voranbrachte, fühlte sich immer weniger an, als würde ich laufen. Ich flog. Die grüne Fläche des Fußballfeldes raste links an mir vorbei und auf der rechten Seite nahm ich die Konturen der Tribüne nur verzerrt wahr. Ich achtete nicht darauf. Ich setzte einen Fuß vor den anderen, hielt die Schritte kurz genug, um eine hohe Trittfrequenz zu erzielen, und weit genug, um die Länge meiner Beine optimal auszunutzen. Ich berührte den Boden nur für Sekundenbruchteile und trotzdem wusste ich, dass mich meine Fußsohlen für den Rest des Tages mit einem Brennen an jeden Kontakt mit dem rauen Gummi erinnern würden. Es störte mich nicht.
Ich konzentrierte mich auf den Bewegungsablauf und auf meine Atmung. Ich musste die Luft durch den Mund ein- und ausströmen lassen, um meinen Körper mit ausreichend Sauerstoff versorgen zu können. Und nach der Hälfte der Strecke zog sich das vertraute Brennen durch die Muskulatur in meinen Waden und den Oberschenkeln. Ich stellte mich den nachlassenden Kräften entgegen und beschleunigte meinen Lauf ein wenig mehr. Ein Blick auf die Uhr an meinem Handgelenk verriet mir, dass meine Geschwindigkeit dennoch zu niedrig lag, um damit einen Preis zu gewinnen. Es wunderte mich nicht. Ich trainierte schon eine Weile. Meine Beine waren müde. Die Hitze schwächte mich zusätzlich.
Kurz bevor ich die Distanz beendete, nahm ich eine Bewegung in meinem rechten Blickfeld wahr. Jemand rannte. Rannte auf mich zu. Das Lied endete und ich hörte diesen Jemand rufen. Nein, schreien. Meinen Namen schreien. Das Geräusch wurde durch die Kopfhörer gedämpft, aber die Intensität drang dennoch in jeden Winkel meines Körpers. Ich verlor die Fähigkeit, meine Beine zu kontrollieren, und fiel, als das nächste Lied begann. Aber das Kopfhörer-Kabel wurde aus meinem MP3-Player gerissen und eine tiefe Stille erfüllte die Umgebung. Meine Trainerin legte mir die Hand auf die Schulter.
Feuchtigkeit lag auf ihren Wangen und ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass es nicht der Schweiß war, der Tröpfchen auf ihrer Haut gebildet hatte. Ich ignorierte den Schmerz, den die Schürfwunden an meinen Beinen verursachten, zog die Kopfhörer aus den Ohren, richtete mich auf und wartete auf die Worte, mit denen sie ihre Aufregung erklären würde.
Sie schluckte. Ich erkannte es an ihrem Kehlkopf, der sich hob und senkte. Dann atmete sie tief durch und sagte: „Wir müssen ins Krankenhaus fahren. Sofort.”
Ich sprang auf. „Was? Warum? Was ist passiert?”
Sie schüttelte den Kopf, griff meine Hand, rannte los und zog mich hinter sich her über den Platz. Mein Blick fiel auf die Digitalanzeige, die über der Südkurve hing. Dort stand 15:28. Mein Bewusstsein schien Minuten zu brauchen, um die Zahlen in eine für mich verständliche Uhrzeit umzuwandeln. Und als sie zu mir durchdrang und ich erkannte, was ich vergessen hatte, wen ich vergessen hatte, stoppte mein Herz und es drang keine Luft mehr in meine Lungen.

Im Kindle-Shop: Laufe Lebe Liebe: zurück ins Leben.
Mehr über und von A.D. WiLK auf ihrer Website.



25. Juli 2019

D.W. Crusius (aka Eddy Zack)

D.W. Crusius, alias Eddy Zack, war so ziemlich alles im Leben. Seemann, EDV-Spezialist, Waffenhändler und Häftling. Afrika hat er im Jeep, auf dem Kamel und zu Fuß durchstreift, die Häfen als Matrose abgeklappert. In Mittelamerika ist er einige Zeit hängen geblieben. Die Schattenwelt der Geheimdienste kennt er aus eigenem Erleben.

"Ich schreibe aus meinem Kopf ab", sagt er. "Mein erstes Buch habe ich im Knast bei Kerzenlicht geschrieben, mit Bleistift auf geklautem Papier." Er beschreibt das Leben aus der Perspektive der Gosse, ohne Schnörkel und Beschönigungen.

Weblink: www.detlev-crusius.com


Bücher im eBook-Sonar:




'Jace (River Pack Wolves, Buch 2)' von Alisa Woods

Kindle (unlimited)
Sein Wolf ist außer Kontrolle. Sie ist ein Wildfang, der nicht gezähmt werden kann.

Ex-Armeespezialist Jace River hat ein Sicherheitsschloss an seiner Schlafzimmertür, doch es dient nicht dazu, irgendwen auszusperren, sondern seine Albträume am Ausbrechen zu hindern. Sein Wolf ist ein unkontrollierbarer Killer, weshalb er es nie riskiert zu shiften und nie ein wahrer Teil seines Rudels sein kann. Ganz zu schweigen davon, dass er niemals das Paarungsritual vollziehen könnte.

Piper Wilding arbeitet als zivile Spionin für das Militär und reist um die Welt, um die bösen Jungs zu bekämpfen und mit den guten ins Bett zu steigen. Das Beste daran – es bietet ihr genügend Abstand zu ihrem Mistkerl von Vater in Seattle, dem Rest des Wilding Rudels und dem Druck, sich einen Partner suchen zu müssen. Sesshaft zu werden ist nicht ihr Ding und nach dem, was mit ihrer Mutter geschehen ist, hat Piper sich geschworen, sich nie von Magie oder Männern binden zu lassen.

Während Jace sich in Seattle die Nächte um die Ohren schlägt, kehrt Piper nach Hause zurück, um ihren vermissten kleinen Bruder zu suchen. Als sie in das Anwesen der River-Brüder einbricht, fliegen nicht nur die Fetzen, sondern auch Funken. Ihre Verführungskünste drohen, Jaces Wolf zu entfesseln und Jaces Sexappeal und gute Seele erinnern Piper daran, wie umwerfend Shiftermänner sein können. Doch die beiden sind wie Feuer und Benzin und während sie alles daran setzen, Pipers Bruder zu finden, droht die Hitze zwischen ihnen, all ihre sorgfältig aufgebauten Mauern niederzubrennen. Sich zu verlieben war noch nie so gefährlich für sie – und zusammen zu sein bedeutet Risiken einzugehen, die beide nicht überleben könnten.

Das erste Buch der Reihe findet ihr hier: 'Jaxson (River Pack Wolves 1)'

Leseprobe:
Jace erstarrte. Er war hier aufgewachsen. Er kannte die Geräusche des Hauses. Das war jemand auf der Treppe, die er gerade erst herunter gekommen war. Gelassen schlenderte er zur Kücheninsel und legte die Wurst und die anderen Sandwichzutaten ab. Einen Moment lang hielt er inne und lauschte. Er atmete ein. Und schnupperte.
Ein schwacher Blumenduft. Niemand, den er zuvor schon mal gewittert hätte.
Mit leichten, barfüßigen Schritten huschte Jace zurück durch die offene Küchentür, schob sich am Esstisch vorbei und bog um die Ecke ins große Wohnzimmer. Dort entdeckte er eine Gestalt in schwarzem Kapuzenpulli, die bereits auf halbem Weg die Treppe hoch war. Jace kannte dieses Haus wie seine Westentasche – er musste sich nicht umsehen, um den Beistelltischen und Stehlampen auszuweichen. Er erreichte die Treppe, bevor der Eindringling sich auch nur umdrehen konnte.
Jace packte zuerst den Pulli und riss ihn zurück, um in der nächsten Bewegung seinen anderen Arm um den Hals des Einbrechers zu schlingen und zum Würgegriff anzusetzen. Er drehte sich um die eigene Achse und versuchte, den Typen zu Boden zu ringen, aber seine Mutter musste mal wieder die Treppe gebohnert haben, denn seine Füße rutschten unter ihm weg. Gemeinsam polterten sie die fünf Stufen bis zum nächsten Treppenabsatz hinunter. Jace behielt seinen Griff bei, aber das musste ein Kind sein oder so – die Gestalt im Kapuzenpulli war ein ziemliches Leichtgewicht. Kein Gegner für ihn.
Doch dann shiftete die Person in Jaces Armen, glitt aus seinem Halt und ließ nichts als Klamotten zurück. Jace schleuderte den Pulli und die Jeans zur Seite und jagte dem Wolf nach, der durch das große Wohnzimmer vor ihm floh. Jace wusste, dass es in diese Richtung nur einen Weg nach draußen gab – durch die Hintertür in der Küche. Er rannte den Nebenflur entlang, rammte die Seitentür zur Küche auf und warf sich auf den Wolf, bevor er die Hintertür erreichen konnte. Was den Eindringling zwar erst einmal an der Flucht hinderte, aber jetzt musste Jace einen Wolf in Schach halten, der dreimal stärker als er in seiner menschlichen Form war, mit rasiermesserscharfen Klauen und schnappenden Kiefern, die versuchten, sein Gesicht zu erwischen. Er rang ihn zu Boden und hielt ihn von hinten fest. Seine Klauen kratzten über die unteren Küchenschränke und stießen sie beide über den Küchenboden nach hinten. Die Stärke des Wolfes war fast zu viel für Jace, der sich in seiner Bemühung, den Griff nicht zu lockern, den Kopf an der Küchentür stieß. Sein Gehirn kam endlich dazu, die Ereignisse zu verarbeiten, und er realisierte, dass dieser Wolf die ganze Zeit über seltsam still war. War das irgendein Streich, den ihm eines der Shifterstraßenkinder spielte, die seine Mutter aufgenommen hatte?
Jace öffnete den Mund, um nach Hilfe zu rufen – er hatte ein Haus voller Shifter, die sich tatsächlich verwandeln und diesen dämlichen Halbstarken jagen konnten, sollte er ihm doch noch entwischen – aber er schluckte seinen Hilferuf herunter, als der Wolf wieder menschliche Form annahm.
Das war kein Kind.
Ein nacktes Mädchen – nein, eindeutig eine Frau – war plötzlich in seinen Armen und versuchte mit aller Kraft, sich aus seinem Griff zu befreien. Er stieß ein überraschtes Keuchen aus, aber bevor er sie loslassen konnte, wandte sie sich herum, sodass ihre sehr prallen Brüste jetzt gegen seinen nackten Brustkorb drückten. Dann packte sie ihn mit beiden Händen am Hinterkopf … und küsste ihn.

Im Kindle-Shop: Jace (River Pack Wolves, Buch 2).
Mehr über und von Alisa Woods auf ihrer Website.



24. Juli 2019

'Flammende Himmel: Schicksalspfad des Tempelritters 3' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited)
Flammende Himmel, der dritte Band der Reihe »Schicksalspfad des Tempelritters« von Olivièr Declear.

Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Söldner verwüsten die Stadt. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Leseprobe:
Aufruhr
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.
Eine Hand ergriff Gernòds Rock und hinderte seinen Lauf. Er blickte in das Gesicht einer Sarazennin, die ihn in gebrochenem Fränkisch anflehte, ihr Kind zu retten, das mit zertrümmertem Schädel in ihrem Arm lag. Er löste ihren Griff und eilte den Kameraden hinterher. Hier konnte er nichts mehr bewirken, aber vielleicht gab es noch Überlebende in den verwinkelten Gassen, die ihrer Hilfe harrten.
Lauter Kampfeslärm drang aus einer der Seitengassen. Bruder Durmonte zeigte seinen Leuten den Weg. Schweren Atems folgten sie der Weisung. Mit erhobenen Schilden und Waffen stürmten sie auf eine Gruppe genuesischer Söldner zu, welche raubschatzend durch die Gasse zog. Gernòd drängte einen der Angreifer mit seinem Schild von einer Frau, der dieser gerade das Gewand herabreißen wollte. »Was macht ihr hier?«, schleuderte er dem Genuesen mit blitzenden Augen seine Frage entgegen. »Scher dich um deinen Kram, Templer. Das Volk hat uns lange genug betrogen. Nun zahlen sie ihre Zeche«, erwiderte der Genuese mit wildem Zorn in den mordlustigen Augen. Sein Schwert erhob sich zum Schlag. Gernòd ließ seine Axt in die Höhe fahren, während er die Schneide nach hinten führte. Mit all dem Grauen der gesehenen Bilder traf sein Hieb den Schädel des Söldners. Der stämmige Mann starrte ihm ungläubig in die Augen, während er in sich zusammensank.
Die Frau zerrte an Gernòds Waffenrock und redete wild gestikulierend auf ihn ein. Er solle ihr in das Haus folgen. Dort bedürfe ihr Mann seiner Hilfe. Er sandte den Kameraden einen unsicheren Blick zu, ob sie eher der Hilfe bedurften, bevor er ihr zögernd in das Gebäude folgte.
Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dämmerung zu gewöhnen. Er sah sich in dem verwüsteten Raum um. An einer der Wände erblickte er einen Mann. Er stand dort mit eingeknickten Beinen, das Gewand blutüberströmt, und ausdruckslos starrenden Augen, die zu Boden gerichtet waren. Gernòd schritt etwas näher an ihn heran, bevor der Templer erkannte, was geschehen war. Aus dem Hals des Händlers ragte der prächtig verzierte Griff eines Dolches -das Messer eines Sarazenen. Seine suchenden Augen glitten an dem Mann hinunter und blieben an der leeren Messerscheide haften. Gernòd trat an den Mann heran und zog den Dolch mit einem kräftigen Ruck aus Mauerwerk und Hals des Unglücklichen. Sanft ließ er den toten Körper zu Boden gleiten, eine breite Blutspur auf der Wand hinterlassend. Unsicher wandte er sich der Frau zu. Ein herzzerreißender Schrei der Verzweiflung entrang sich ihrer Kehle, als sie die Wahrheit in den Augen des Tempelritters las. Weinend warf sie sich vor ihm zu Boden und erfasste erneut den Saum seines Waffenrocks. Mit tränenüberflutetem Antlitz flehte sie ihn an, ihrem Mann zu helfen, als hoffte sie, es wäre ihm möglich, ein Wunder zu bewirken. Mit traurigem Gesicht schüttelte Gernòd sein Haupt und löste ihren Griff. Seine Beine schienen schwer wie Blei, als sie ihren Weg zur Tür suchten. Längst hatte er sich an das Grauen der Schlacht gewöhnt. Aber dort traten sich Bewaffnete entgegen. Dieses Blutbad an Wehrlosen erfasste sein Herz mit glühender Hand und ließ das Feuer des Zorns in der Brust des Ritters toben. Der Genueser vor der Tür hatte sich halb aufgerichtet und hielt seinen blutenden Kopf mit beiden Händen. Im Vorübergehen drosch ihm Gernòd den Rücken der Axt ins Gesicht. Der Söldner schleuderte von der Wucht des Schlages getrieben nach hinten und stürzte mit erhobenen Armen zu Boden. Wenn er denn noch lebte, sollte ihm diese Lektion genügen, um ihm die Lust auf sinnloses Morden auszutreiben, dachte Gernòd grimmig. Die Grausamkeit dieser Söldner ließ jede Barmherzigkeit in seinem Herzen schwinden.
Vor ihm auf dem Pflaster der Gasse erblickte er Francois, ein Ritter des kaiserlichen Heeres. Die beiden verband schon viele Jahre eine herzliche Männerfreundschaft. Francois trug keine Rüstung. Offensichtlich hielt er sich bereits vor dem Tumult in dem Viertel auf. Mehrere Söldner bedrängten ihn. Im Laufschritt eilte ihm Gernòd zu Hilfe. Mit einem Schrei drängte er sich mit erhobenem Schild zwischen die Männer. Ohne zu zögern, schlug er mit der Rückseite seiner Axt auf die Köpfe, Arme und Schultern der Angreifer ein. Blutüberströmt sanken mehrere von ihnen zu Boden. Die letzten beiden Verbliebenden suchten ihr Heil in der Flucht. »Gut, dass Ihr da seid«, stieß Francois mit fliehendem Atem hervor. Obwohl er kein ängstlicher Mann war, sah man ihm den Schrecken an. Zerfetzt hing seine Kleidung an ihm herab und an dem rechten Oberarm klaffte eine tiefe Wunde. »Was ist hier eigentlich los?«, wollte Gernòd wissen. »Weiß auch nicht genau. Ich habe heute Morgen Yasemin und ihren Vater besucht. Da torkelten schon einige betrunkene Lombarden und Toskaner durch das Viertel. Sie pöbelten die Händler und Frauen an. Als einer der Kaufleute seine Tochter schützen wollte, begann der Tumult.«
Eine bildhübsche Frau, mit edlen Gesichtszügen und sinnlichen Lippen, erschien an der Seite eines alten Mannes im Türrahmen. Sie sandte dem Alten einen flehenden, glutäugigen Blick.
Als dieser schmunzelnd nickte, eilte sie zu Francois und untersuchte dessen Wunde sorgenvoll. Gernòd zog sein Schwert aus der Scheide und reichte es dem Freund. Francois wollte abwehren: »Wenn das der Orden erfährt, darfst du einen Monat Buße tun.« Gernòd betrachtete Yasemin: »Möchtest du mir lieber mit ihr an der Seite in den Kampf folgen oder sie zurücklassen?« Francois Faust schloss sich um den Griff des Schwertes. »Danke, mein Freund.« Die beiden Männer nickten sich zu und Gernòd setzte seinen Weg fort.

Im Kindle-Shop: Flammende Himmel: Schicksalspfad des Tempelritters.
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'Thyra - Entflammtes Herz' von Cat Taylor

Kindle (unlimited)
Eine leidenschaftliche Liebesnacht mit einem Wikinger …

… davon träumt die schöne Thyra seit langem. Als der geheimnisvolle Erik Silberdrache auftaucht, ist sie deshalb Feuer und Flamme. Werden mit ihm all ihre sinnlichen Träume in Erfüllung gehen?

Kurzentschlossen schleicht sich Thyra ins Bett des schönen Nordmanns. Doch dort erlebt sie eine Überraschung … denn Silberdrache beginnt ein ebenso prickelndes wie verwirrendes Spiel mit ihr.

Leseprobe:
(…)
»Ihr törichten Dinger!«, platzte es wütend aus Thyra. »Ihr seid eine einzige …«
Ehe sie zu Ende fluchen konnte, verlor sie plötzlich das Gleichgewicht. Das Holz, an dem sie sich so stur festgeklammert hatte, verschwand auf unerklärliche Weise. Stattdessen stürzte sie geradewegs in einen blendend hellen Raum. Die gierigen Hände an ihrer Taille zogen sich erschrocken zurück. Hilflos ruderte Thyra mit den Armen, suchte vergeblich nach Halt.
»… Plage!«, vollendete sie ihren Fluch und sah sich bereits mit der Nase voran auf den Fliesenboden der Großen Halle krachen.
Stattdessen sank sie in zwei starke Männerarme.
Arme, die sie mühelos auffingen und sich dann unerhört geschmeidig um ihre Hüfte schlangen. Ihre Nasenspitze fand sich im samtigen Stoff einer Tunika wieder, die – ebenfalls unerhört – gut roch. Und als sie sich jetzt hilfesuchend an der breiten Männerbrust unter dieser Tunika festklammerte, fühlte sie – unerhört, mehr als unerhört – starke Muskeln, deren Festigkeit ihr den Atem raubte.
Oder waren es die silbergrauen Augen, die sich in ihr Blickfeld schoben und ihr den Atem nahmen? Zumindest zogen sie ihre eigenen Augen wie magisch an, Thyra hatte das Gefühl, dass ihr Sturz gar kein Ende nehmen wollte. Dass sie stürzte und stürzte, hinein in dieses endlose Silber. Und doch lag sie sicher in einer starken, warmen, herrlich duftenden Umarmung.
»Für eine Plage hältst du mich, Mädchen?«, raunte eine Stimme an ihrem Ohr.
Unüberhörbar belustigt und gleichzeitig tadelnd. Rau wie der Salzwind auf hoher See und süß wie goldener Honig.
Jetzt endete ihr Sturz in die Silberaugen, und Thyra erblickte das Gesicht ihres Retters. Das ist Sigurd Drachentöter, erkannte sie. Nein, es muss der Gott Balder sein. So schön … so unerhört schön kann nur Balder sein!
»Ich …«, stammelte sie völlig überrumpelt. »Meine Schwestern … ich … Ihr seid …«
Sie starrte sein goldenes Haar an, die widerspenstigen Strähnen, die sich aus seinem Zopf gelöst hatten. Starrte seine schön geschwungenen Lippen an, viel zu sinnlich für einen Mann. Und im nächsten Augenblick glaubte sie wieder zu stürzen, denn diese schönen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Ein wohliges Kribbeln strömte in Thyras Magen, als der Mann seine Arme noch ein weniger enger um ihre Hüften schlang, sodass seine Finger sachte die Wölbung ihres Pos streiften.
Genauso wie in meinen Träumen, seufzte sie und wünschte, dass diese Arme sie nie wieder losließen.
»Thyra!«, zischte es da hinter ihr. Synne, die im Dunkel des Korridors lauerte, mit Elisif und der kleinen Idun. Und schlagartig wusste Thyra wieder, wo sie war.
»Ich … oh je …« Sie schüttelte den Kopf und zwang sich, den Blick von den Silberaugen und den Lippen und den goldenen Haarsträhnen zu lösen und über die Schulter ihres Retters zu spähen. Bei Thors Hammer, sie war geradewegs in die Große Halle gepoltert, ihr Vater und alle seine Gäste mussten es mitbekommen haben.
Stubenarrest! Das heißt eine weitere Woche Stubenarrest! Und dieses Mal ist es meine Schuld!
Aber weder entdeckte sie ihren Vater, noch schien irgendjemand in der Halle etwas von ihrem Eindringen bemerkt zu haben. Ausgelassen zechten die fremden Männer, und aus einer grölenden Gruppe ertönte das unverwechselbare Lachen des Grafen.
»Da habe ich wohl eine kleine Spionin gefangen«, lenkte ihr Retter ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich. Und schon drohte Thyra von Neuem in die Silberaugen zu stürzen, in denen es unverkennbar spöttisch glitzerte. »Eine Spionin, die flucht und sich in dunklen Nischen versteckt.«
»Ich bin keine Spionin«, widersprach sie schnell – und errötete, weil sie ja genau das getan hatte, fluchen und in dunklen Nischen spionieren. »Ich bin … ich war …«
»Laut!«, erklärte der schöne Nordmann. Er sprach ein ausgezeichnetes Französisch, nur sein rauer, überaus charmanter Akzent verriet, dass seine Muttersprache die dansk tunga, das Altnordische, sein musste. »Ich habe ein einziges Gegacker und Gezeter hinter dieser Tür gehört. Ich dachte bereits, es hätten sich Feinde von Graf Robert in die Burg geschlichen, um uns zu überfallen. Aber siehe da, ich öffne die Tür, und es ist nur ein zerrupftes Mädchen …« Seine Silberaugen spähten in den Korridor, und sein Lächeln wurde breiter, so als könnte sein Blick die Dunkelheit mühelos durchdringen. »Ach nein, es sind sogar vier zerrupfte Mädchen.«
»Bitte«, flüsterte Thyra und konnte nicht anders, als mit ihren Händen schutzsuchend über die breite Männerbrust zu fahren. Es fühlte sich sehr gut an, der weiche Samt und die kraftvollen Konturen darunter. Ihre Finger blieben an einer Brosche hängen, flüchtig musterte Thyra sie. Es war ein silberner Drache, der sich zu einem kunstvollen Ring geschlängelt hatte. »Bitte, verratet dem Grafen nichts.«
Immer noch lächelte der schöne Fremde, seine Finger glitten ein Stück ihren Rücken hinauf, beinahe wie ein zärtliches Versprechen. Aber der Spott in seinen Augen glomm umso heller. »Mein Schweigen ist nicht billig. Wie gedenkst du mich für diesen Gefallen zu entlohnen, Mädchen?«
Thyra errötete noch heftiger. Was für eine Art von Entlohnung hatte er im Sinn? Das Kribbeln in ihrem Bauch pulsierte und wanderte tiefer. Sie fühlte seine Finger warm in der Kuhle zwischen ihrer Taille und ihrem Po liegen. War das nicht ein forderndes Streicheln, was er da mit seinen Fingern anstellte?
»Ich möchte … ich könnte …«, seufzte sie.
Oh, ich könnte vor Wonne schnurren. Ich möchte, dass seine Finger mich immer so weiter streicheln … überall …
»Also?«, murmelte er, und die Silberaugen sprühten regelrecht Funken.
Thyra starrte auf seine schönen Lippen. Ein Kuss, beschloss sie, seltsam benommen. Ja, ich werde ihn küssen. Welche Frau würde diesen Mann nicht küssen wollen …
Als durchschaute er ihre Absicht, verzog er seinen Mund zu einem noch breiteren Lächeln und presste gleichzeitig ihren Körper ein wenig enger an sich. Thyra stellte sich auf die Zehenspitzen, ihr Busen schmiegte sich köstlich an seine breite Brust. Ein wenig schwindelte ihr, als er seine Lippen zu den ihren hinabsenkte. Sie roch den süßen Duft von Honigwein in seinem Atem, der ihr warm übers Kinn strich. Viel zu viel Zeit war vergangen, seit sie zum letzten Mal von einem Mann geküsst worden war – doch in diesem Moment wusste sie, dass das Warten sich gelohnt hatte. Ein wenig weiter reckte sie sich in die Höhe. Gleich. Gleich würde sie seine süßen Lippen schmecken …
Da spürte sie einen energischen Griff um ihren Gürtel, jemand zog sie unbarmherzig aus seiner warmen Umarmung und zurück in den dunklen, kalten Schlund des Korridors.
»Thyra! Lass uns verschwinden!«, ertönte Synnes Zischen. Verwirrt schüttelte Thyra den Kopf. Sah das spöttische Lächeln des Fremden auf seinen wunderschönen Lippen, die gerade noch über den ihren geschwebt hatten, aber jetzt in schier unerreichbare Ferne gerückt waren. »Nein«, wollte sie protestieren, aber klebrige Händchen zerrten an ihren Röcken und ein zierlicher Schatten mit rotgoldenem Haar drängte sie immer tiefer in den finsteren Korridor.
Im nächsten Moment wurde die alte Tür zugeschlagen, das Licht verschwand und mit ihm der schöne Nordmann. Thyra war wieder umgeben von Moder und Düsternis.
Und ihren Plagen von kleinen Schwestern.
(…)

Im Kindle-Shop: Thyra - Entflammtes Herz.
Mehr über und von Cat Taylor auf ihrer Website.



23. Juli 2019

'Atelier des Todes' von Nick Stein

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Lassen Sie sich von einer Mörderin fesseln, die zehn Menschen auf ihrem davon völlig unbelasteten Gewissen hat. Viola Kroll, eine erfolgreiche, schöne und gut situierte Lektorin aus Berlin, ist eine aparte und kluge Person. Und doch ist sie aus dem gleichen psychopathischen Holz geschnitzt, aus dem auch manche Präsidenten und Topmanager gemacht sind. Was hat sie dazu gebracht?

Morden ist für Viola eine Kunst. Jeder ihrer Morde bringt sie ihrem Ziel näher, ein perfektes Kunstwerk zu erschaffen. Die Künstlerin kommt der Perfektion sehr nahe. Nur dumme Zufälle bringen die Polizei auf ihre Spur. Gegen das Glück der Dummen haben Kunst, Intelligenz und Planung kaum eine Chance, und so gerät Viola in Gefahr, dass ihre Höhenflüge bald enden …

Viola Kroll mordet spurlos. Bis sie eines Tages an einen ebenbürtigen Kollegen gerät, auch er ein verborgen lebender Mörder aus dem Literaturbetrieb, und zugleich wegen seiner Anonymität ein perfektes Opfer für Viola.

Doch ihre Opfer machen Fehler. In mühsamer Kleinarbeit nähert sich ihr die Polizei. Wird sie Viola einholen?

Nick Stein präsentiert uns eine sympathische Mörderin, bei der es schade wäre, wenn die Polizei sie schnappen würde. Lernen Sie Viola kennen und lassen Sie sich von ihr einwickeln! Oder setzen Sie auf Kommissar Lukas Jansen, der sie schnappen will, komme was wolle …

Leseprobe:
Sie musste ihn sinnlich überwältigen. Das richtige Aroma anbieten, in einer Menge, die gerade unter der Ebene der bewussten Wahrnehmung lag. Ein Parfüm mit einer kleinen Pheromone-Beigabe, sündhaft teuer, aber effektiv. Vermutlich würde sich sein Wunsch auf ihr Fleisch bereits während des Besuches in der Galerie einstellen.
Sie besah sich ihr Spiegelbild. Sie würde das auch ohne künstliche Hilfen schaffen, mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Aussehen konnte sie Männer wie Frauen um den kleinen Finger wickeln. Nur hatte sie keinen gewöhnlichen Gegner vor sich. Sicher ist sicher, dachte sie.
Es klappte. Er trug ein grünes Hemd mit grauem Westover darüber. Er mochte in den Fünfzigern sein. Seine Haut wirkte faltig und trocken. Er sah sich in der Galerie um, redete erst mit einer Norwegerin, deren Kunst ihn nicht beeindruckte. Dann: Auftritt Viola Kroll, duftend, intellektuell strahlend, beeindruckend. Kunst und Literatur vereint. Sie zeigte ihm ihr Erstlingswerk, die Literatur, ein keramisches Buch, in dem die Buchstaben aus dem Papier gestanzt waren und der Text dennoch lesbar blieb. Es stand nichts drin und machte trotzdem Sinn.
Dann den Meister der Schrift. Einen Mann, aus keramischen Buchstaben zusammengesetzt, die man lesen konnte, die aus seinem Werk stammten und die den Autoren gleichzeitig abbildeten. Der war zwar schon verkauft, stand aber noch in Berlin zur Ansicht herum.
Nach einigem Raten erkannte Witzleben den Autor, einen Bestseller. Er staunte. Du hast alles aus ihm herausgeholt. Wahnsinn. Und gleichzeitig diese elegante Kunst. Du bist ein Genie, Viola. Sie waren jetzt ja per Du. Danke, Gero.
Er ahnte nicht, dass der Autor tatsächlich in diesem Werk steckte. Dass er vor einem Gesamtkunstwerk stand, in dem Autor und Werk vereint waren.
Schließlich zeigte Viola ihm ihren narzisstischen Autor, der sich den hohlen Globus von innen besah, etwa aus dem Gebiet des Pazifiks, und dessen Corpus innen komplett aus kleineren und größeren Abbildern des Autors zusammengesetzt war, wie auch die Statue des Autors selbst. Überall nur er, der bekannte, erfolgreiche Literat, der in der Welt und durch die Welt nur sich selbst liebte.
Jetzt war Witzleben überzeugt. Er hatte sich unterworfen, ohne es zu wissen. Er war beeindruckt; die Kombination aus Literatur, Kunst und Erfolg erdrückte ihn förmlich. Dass er, ausgerechnet er, der fast aufgegeben hatte, sich nun in die Hände dieser hervorragenden Künstlerin begeben hatte, das allein machte ihn schon glücklich.
Abhängigkeit machte früher oder später misstrauisch. Viola wollte ihn an einer anderen, noch sichereren Stelle haben. Als vermeintlichen Partner, als ebenbürtig Handelnden, als Literaten auf Augenhöhe. Damit Misstrauen gar nicht erst aufkam.
Zu Haus, nach ein paar weiteren literarischen Übungen, verführte sie ihn und verspeiste ihn erotisch mit Haut und Haar. Am Abend, in der Nacht und am Morgen darauf. Und wie Männer sind, fühlte er sich nun tatsächlich auf Augenhöhe. Er hatte sie gehabt und damit das Ticket zu ihrem Tempel gelöst, wie göttlich sie auch sein mochte. Er hatte den archimedischen Hebel, mit dem er ihre ganze Welt bewegen konnte. Er hatte den Finger auf Luthers Punkt gelegt, von dem aus er sie beherrschen konnte.
So ebenbürtig er sich an diesem Tag fühlen mochte, war er ihr doch nur hörig geworden, für die paar Stunden, die Viola benötigte.

***

Viola wollte mehr wissen. Und sie musste die Kontrolle behalten. Den Jungs nicht erlauben, das zu tun, was sie wollten. Sie, Viola, musste das Heft in der Hand halten, nicht die Jungs. Sagen, wo es langging. Sie nicht triumphieren lassen.
Sie wählte einen neuen Weg. An einem warmen Herbstabend, am Wochenende; sie hatte langen Ausgang. Sie hatte sich am Schloss Bellevue mit einem Hervé verabredet, den sie am Tag zuvor in einem Café am Ku’damm kennengelernt hatte. Sie plauderte ein wenig, spazierte mit ihm den Spreeweg hinunter, bis sie am Großen Stern angelangt waren, von dessen Mitte die Goldelse leuchtete. Es war bereits dunkel geworden.
Wie immer rollte der Verkehr um die Siegesgöttin herum, in vielen Spuren, fast wie am Champs Élysée, also fast wie in Paris, der Stadt der Liebe. Sie zog den jungen, unschlüssigen, aber gut gebauten und hübschen Mann durch den Verkehr auf die Insel hin, wo sie ihn umwarf, ihm die Hose öffnete und sich über ihn beugte. »Nicht!«, flüsterte er voller Angst und Scham. »Die können uns doch alle sehen!«
Viola ließ sich Zeit. Sie fühlte sich wie im Buch Wie funktioniert das?, als sie Hervé trotz seiner großen Angst vor dem Entdecktwerden in Form brachte und untersuchte. Details wollen wir Ihnen hier gern ersparen, Sie wissen selbst, wie es geht.
Sie hatte ihn mit fast allen Sinnen gekostet, als sie im Licht der vorbei huschenden Autos die Verkehrsinsel, deren Namen nur bedingt passte, wieder verließen, die junge Siegesgöttin und der gebrauchte junge Mann.
Der Verkehr war weiter an ihnen vorbeigeflossen, niemand hatte sich an den beiden Gestalten gestört. Nicht einer hatte hingesehen. Genau wie Viola es geplant und vorhergesehen hatte. Im Licht der Öffentlichkeit, und doch ungesehen und unbehelligt.
Viola hatte herrschen gelernt. Die Wahl des Ortes und die Wahl der Waffen. Würde es auch so weitergehen?

Im Kindle-Shop: Atelier des Todes: Thriller.
Mehr über und von Nick Stein auf seiner Facebook-Seite.



'Tod auf Terschelling: DE ROBBENJAGER' von Axel Berger

Kindle (unlimited)
Eine grausam zugerichtete Frauenleiche wird am Strand von Terschelling aufgefunden. Der Fall scheint klar, wird der mutmaßliche Täter doch blutverschmiert und mit der Tatwaffe in der Hand direkt neben dem Opfer aufgefunden.

Doch Hoofdinspecteur Jan de Vries und Wijkagent Theo van Duivenbode von der niederländischen Kriminalpolizei glauben nicht, dass der junge Mann der Täter ist. Als sich die Beweise doch erhärten, wendet sich plötzlich das Blatt, und eine zweite Frau wird ermordet. Nun steht fest, der Mann in ihrem Gewahrsam ist nicht der Gesuchte. Es wird ernst für die beiden Ermittler.

Doch wer ist dann der Täter? Ist DE ROBBENJAGER, ein ehemaliger Serienkiller, der vor einigen Jahren die westfriesischen Insel unsicher gemacht hat und nie gefasst wurde, plötzlich wieder aktiv? Oder war es jemand aus dem direkten Umfeld der Opfer?

Und welches Motiv steckt hinter den grausamen Taten?

'Tod auf Terschelling' ist ein Spin-off aus der erfolgreichen Krimiserie um die drei Oldenburger Kommissare Werner Vollmers, Anke Frerichs und Enno Melchert und der dritte Teil einer Reihe um die beiden Inselermittler Jan de Vries und Theo van Duivenbode.

Weitere Bücher von Axel Berger auf seiner Autorenseite.

Leseprobe:
Der Tod zeigt sein hässliches Gesicht auch an schönen Tagen, dachte Hoofdinspecteur Jan de Vries und ließ seinen Blick über den zu dieser Zeit fast menschenleeren Strand streifen.
Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten Seite. Die Sonne schickte ihre letzten wärmenden Strahlen auf das niederländische, zwischen Vlieland und Ameland gelegene Eiland hinab. Eine seichte Brise strich übers Meer in Richtung der Dünen. In weniger als zwei Stunden würde es dunkel werden.
Er sog die salzige Luft tief in seine Lungen und bog sein Kreuz durch. Sein Rücken schmerzte. Ein deutliches Signal dafür, dass es eigentlich genug für heute war. Mehr würde er nicht ertragen … aber wohl müssen. Doch danach fragte hier niemand. Der Kommissar musste tun, was getan werden musste. Als Spezialist für Todesfälle auf den friesischen Inseln hatte man ihn vor Kurzem hierher beordert.
Noch vor wenigen Stunden hatte er sich auf der Fähre von Texel nach Den Helder befunden, als unerwartet und plötzlich sein Handy geklingelt hatte; seine Dienststelle hatte einen neuen Auftrag für ihn.
Nachdem er auf der nördlichsten der niederländischen Inseln einen Mord an einem deutschen Urlauber aufgeklärt hatte, hatte er sich auf ein paar erholsame Stunden in seiner Dienstwohnung in der belebten Hafenstadt der Provinz Nordholland gefreut. Sein Freund und Kollege, Rechtsmediziner Jan van Helsing, hatte bereit einen Tisch in einem der angesagten neuen Restaurants im Hafenviertel von Den Helder reserviert. Der Kommissar hatte sich auf einen saftigen Lamm-Burger gefreut und auf das ein oder andere leckere Helderse Triple; eines der vor Ort gebrauten Biere. Doch Fehlanzeige. Der Tod hatte ihm mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht und seine Abendplanung hinfällig werden lassen.
Das Leben spielte doch ein merkwürdiges Spiel. Statt in einem gemütlichen Restaurant zu sitzen, war er nun hier und blickte erneut dem Tod in seine trüben Augen.
Diesmal war es der grausam zugerichtete Leichnam einer jungen Frau, er schätzte sie auf den ersten Blick auf höchstens Anfang bis Mitte zwanzig, der ihm heute Nacht und in vielen folgenden Nächte den Schlaf rauben, ihn verfolgen und sich unruhig hin und her wälzen lassen würde. Ihr Leichnam bildete einen traurigen Rekord. Dieser Anblick hier war mit nichts zu vergleichen, was er in seiner bisherigen Karriere als Polizist hatte erleiden müssen.
Den Anblick von Blut, verwesendem Fleisch oder sinnloser Zerstörung war er mittlerweile fast schon gewöhnt, doch das, was sich ihm hier darbot, war nicht mehr in Worte zu fassen.
Sie musste einmal eine Schönheit gewesen sein. Gewesen sein. Gewesen sein. Gewesen sein, hallten die Gedanken durch seinen Kopf und erzeugten ein Karussell des Grauens vor seinem inneren Auge.
Er wandte sich ab, konnte dem Gesehenen aber nicht mehr entrinnen. Für immer gespeichert in seinem fotografischen Gedächtnis würde er sie nie wieder vergessen.
Ihr Körper war … regelrecht zerstückelt worden, sah aus, als ob er in einen Häcksler oder etwas Ähnliches gekommen und einfach in Stücke gerissen worden war. Das Bild von einem Körper, der sich in einer Schiffsschraube verfangen hatte, stieg vor seinem inneren Auge auf und verfing sich in seinen Gehirnwindungen. Weiches, zartes, junges Fleisch, das dem kalten Stahl nicht gewachsen war. Ein nautischer Fleischwolf. Zerstörung. Tod.
Er kannte den Anblick von durch Schiffsschrauben zerstückelten Walen, die regelmäßig an die Strände der Nederlandse Waddeneilanden, den sogenannten Wattinseln, angeschwemmt wurden, seit seiner Kindheit. Als Inselkind gewöhnte man sich daran. An tote Wale ja, aber an einen zerstückelten Frauenkörper – niemals.
Fragen trieben an die Oberfläche seines malträtierten Verstandes. Fragen, die gestellt – und beantwortet werden mussten. Was war hier geschehen? Ein Unfall? Ein Bade- oder Bootsunfall vielleicht? Möglicherweise, nein, hoffentlich war es einfach nur ein Unfall gewesen. Die Alternative? Der blanke Horror. Leugnen. Verleugnen. Verdrängen. Die Wahrheit nicht in den Bereich des Möglichen gelangen lassen. Doch die Fakten waren leider mehr als eindeutig, die Indizien unwiderlegbar. Mord.
Sein immer arbeitender Verstand weigerte sich zu akzeptieren, was sich ihm hier am Strand unmissverständlich und nachdrücklich präsentierte. Das war kein tragischer Unfall gewesen. Es war Mord. Ein Mord, so bestialisch, so unmenschlich, so brutal … wie er es noch nie zuvor gesehen hatte. Sein Verstand hatte es leugnen wollen, hätte lieber einen tragischen Todesfall konstruieren wollen … wäre da nicht dieses eine verflixte, unwiderrufliche, teuflische Detail gewesen, das alles andere als ein Verbrechen ausschloss.
Er wandte seinen Blick endgültig von dem Körper der Frau ab, ließ sich Zeit, wollte dem Unvermeidbaren keine Aufmerksamkeit zuwenden. Weigerte sich. Überwand sich. Blickte dem Leibhaftigen in die Augen. Sah dem jungen Mann in die Augen. Sah ihn an. Sah das Blut. Sah den nackten Körper. Sah das Messer. Sah die Hände des Mannes. Sah ihm in die Augen. Leere. Sah nichts.
Was um Gottes Willen war hier geschehen? Sein Blick verfing sich an einem Kruzifix am Hals des Mannes. Das Kreuz. Christus. Gottes Wille. Die Frau. Was hatte das alles mit Gott zu tun? Nichts! Wenn es einen Gott gab, konnte, nein, durfte das alles nicht wahr sein. Das Mädchen, das Blut, der Junge, das Blut.
Warum war er hier? Warum hatte man ihn gerufen? Die Leiche. Der Täter. Die Tatwaffe. Alles, was für den Fall wichtig sein könnte. Die Leiche. Die Tatwaffe. Den Täter?! Warum hatte man ihm diesen Anblick nicht erspart? Welch grausamer Wink des Schicksals hatte ihn hierher verschlagen?
Er wandte sich ab und blickte hinaus auf das Meer. Versuchte, seine Seele durch einen Blick in die Unendlichkeit des Ozeans zu reinigen, versuchte, das Grauen durch das zu ersetzen, was ihm immer schon Frieden und Ruhe geschenkt hatte – die unendliche Weite des Ozeans.
Er versuchte es. Er versuchte es von ganzem Herzen. Doch der Versuch misslang kläglich.
Eine Möwe kreischte über ihm. Sein Blick wanderte nach oben, versuchte den Vogel mit den Augen einzufangen. Er wünschte sich, mit ihm davonfliegen zu können. Einfach nur weg. Er ging ein paar Schritte, taumelte und musste sich an einem der Markierungspfähle, die in regelmäßigen Abständen den Strand vermaßen, festhalten, um nicht zu straucheln.
Ein weiteres Kreischen riss ihn zurück in die ungeliebte Wirklichkeit. Sein Blick fing etwas Schwarzes ein. Ein gigantischer Kolkrabe war neben ihm gelandet. Der Bote des Todes macht ihm seine Aufwartung. Jan de Vries begrüßte ihn mit einem schiefen Grinsen:
»Sei gegrüßt, Corvus corax. Du willst mich also aufs Neue herausfordern?«
Er schnaufte und straffte sich. Der Rabe schaute ihn mit schiefgelegtem Kopf an und krächzte. De Vries nickte stumm, sog einen kräftigen Zug Meeresluft in seine Lungen, sein Brustkorb weitete sich, er straffte den Rücken, baute sich vor dem Vogel zu seiner vollen Größe von fast zwei Metern auf, zitierte eine altes niederländisches Sprichwort:
»De een z'n dood, is een ander z'n brood – des einen Tod ist des anderen Brot" …
… und machte sich an die Arbeit …

Im Kindle-Shop: Tod auf Terschelling: DE ROBBENJAGER (Mordwestfriesische Inselkrimis 3).
Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



22. Juli 2019

'Memorabilia' von Manuel Schulte

Kindle | Blutwut-Shop | Taschenbuch
In einer Welt ohne Regeln was für ein Mensch wärst du?
Geschlechtskrankheiten? Kein Problem. Überdosis? Egal. Mord? Immer wieder gern.


Fred ist ein Auftragskiller mit hundertprozentiger Erfolgsquote. Warum? Er kann sich besser als jeder andere auf seinen Job vorbereiten, denn Fred erlebt seit fünf Jahren immer wieder denselben Tag, ohne Grenzen, ohne Sorgen. Allerdings bringt diese Zeitschleife nicht nur Vorteile mit sich. Das Leben wird für Fred unerträglich langweilig.

Selbst div erse Nahtoderfahrungen, sadistische Spielchen oder zwanglose Orgien bringen kaum noch den gewünschten Kick. Fred will ausbrechen aus diesem Hamsterrad, doch sein Auftraggeber, der in diesem Zeitschleifenkonstrukt die Fäden zieht, droht ihm mit Höllenqualen. Außerdem ist da ein geheimnisvoller Unruhestifter und Zoe, die Freds Welt komplett auf den Kopf stellt. Das vermeintliche Paradies hat plötzlich Risse. Kann er entkommen? Und wenn, was kommt danach?

Leseprobe:
Alles auf Anfang: Das Dach eines Hochhauses. Bei sämtlicher Komplexität, die diese Welt bietet, ist es doch ein unerwartet übersichtlicher Ort. Eine jämmerliche Metalltür, die hier hinaufführt, der Boden ausgelegt mit Kieselsteinen, die mit jedem Schritt einen widerlich knirschenden Ton erzeugen. Des Weiteren eine Umrandung von hüfthohem Beton – als Sichtschutz für die arroganten Bürohengste, die sich hier auf einen Joint treffen. Punkt 12:37 Uhr, direkt nach dem abscheulichen Kantinenessen im zweiten Stock. Auch wenn es wahrscheinlich einer der trostlosesten Ecken auf der Welt ist, bin ich über den klaren Himmel, die sanfte Sonne und die warmen, aber nicht heißen Temperaturen erstaunt. Selbst nach fünf Jahren genieße ich immer noch, wie angenehm das Wetter ist.

16:28:44 Uhr
Wird Zeit, die Vorbereitungen zu treffen. Ich nehme die vergoldete Quarzuhr vom Handgelenk. Sie sieht zwar ziemlich verbraucht aus, dennoch ist sie der genaueste Gegenstand, den es in meiner Welt gibt - mehr noch, sie ist mein Helfer, der mich vor Verletzungen und Peinlichkeiten schützt. Eines der seltenen Werkzeuge, die für mich beständig sind. Da dieses ranzige Ding auf die eine oder andere Weise auch ein Kumpel wurde, gab ich ihm einen Namen. Es war keine Marke darauf zu erkennen, so musste ich mir etwas einfallen lassen und nun heißt sie James. James, mein treuer Butler und Freund. Aber jetzt genug davon, James muss arbeiten. Ich lege sie vor mir auf die Dachkante, damit ich sie immer im Blick habe. Jetzt ist das Bluetooth-Headset dran. Handy konfigurieren und ... es funktioniert. Was für eine schöne neue Welt. Genau wie James versuche ich, wie ein Uhrwerk zu funktionieren. Ich ziehe einen zerknickten Aktenumschlag aus meiner rechten Manteltasche, in dem alle nötigen Unterlagen gesammelt sind. Darunter viel Unnützes, wie einen Lebenslauf und mehrere Notizen von einem sehr detaillierten Tagesplan. Ich brauche nur seine Telefonnummer. Mehr nicht. Schnell den gelben Zettel aus dem Umschlag heraussuchen und die Ziffern in das Handy tippen. Das grün-leuchtende Feld mit dem Telefonpiktogramm ist nun der Auslöser, der Startknopf. Streng genommen müsste ich die Nummer bereits auswendig kennen, so oft wie ich diese schon gewählt habe. Aber man sollte sich schließlich nicht jeden Scheiß merken. So! Uhrzeit: gecheckt. Telefon: gecheckt. Fehlt nur noch mein geliebtes Stahlrohr. Das habe ich unter meinem Mantel platziert. Es ist ungefähr einen Meter lang und am Ende abgebrochen. Sieht wirklich gruselig aus, das Ding. Wahrscheinlich, weil es mit Rost überzogen ist, dass man schon bei der winzigsten Berührung Angst vor einer Infektion bekommt. Lang, dunkelbraun und widerlich rau. Drauf geschissen! Ich lege es neben meine Uhr und gut ist. Nun ist alles auf das Feinste drapiert. Ein Blick auf James.

16:30:17 Uhr
Ich sehe noch einen Augenblick zu, wie die Sekunden verrinnen, bis es langweilig wird. Die übrige Zeit sollte ich für meine Konzentration nutzen. Also stehe ich einfach nur da und versuche, an nichts zu denken. Konzentriere mich auf die wundervolle Aussicht. Schön. Sehr schön. Aber langweilig. Mein Blick wandert hoffnungsvoll auf meine Uhr.

16:30:45 Uhr
46, 47, 48 ... Ich beobachte den Sekundenzeiger, beuge mich über die Dachkante und schaue nach unten. Hm, warum liegt auf solchen Dächern eigentlich immer der gleiche Kies herum und warum sehen alle gleich aus? Verdammt! Ich mache mir wieder Gedanken über irgendeinen Schwachsinn, dabei habe ich Wichtigeres zu tun.

16:31:05 Uhr
Vielleicht verteilen sie den Kies, damit Leute wie ich hier nicht unbemerkt bleiben. Das könnte man schon fast als böswillig bezeichnen. Oh Mann, bleib aufmerksam! Vor einem Auftrag sollte ich weniger koksen. Beruhige dich! Du hast es schon tausend Mal durchgeplant. Egal, es wird hundertprozentig funktionieren. Aber ich will es perfekt haben. Schade, dass ich es nicht filmen kann. Shit! Die Uhrzeit?

16:31:21 Uhr Die magische Zeit. Jetzt noch schnell das abgebrochene Stahlrohr fest in die Hand nehmen und über den Rand des Daches halten. Verdammt schwer das Ding. Komisches Gefühl auf der Handfläche. Dieser Rost scheint jedes Nervenende meiner Handfläche zu reizen. Irgendwie unangenehm, aber trotzdem vertraut. Jetzt erst einmal die Position prüfen. Ich schaue wieder auf den verfluchten Kiesboden. Direkt an der Spitze meines rechten Lederschuhs, liegt ein ovaler braun getönter Stein und gleich daneben ein recht unförmiger grauer. Ich stehe also perfekt. Liste komplett. Jetzt fängt die Entspannungsphase an und der Puls geht in den Keller. Ich scheine still zu stehen. Als wäre ich die Zeit. Oder James. Nicht nur mein Geist steht still, sondern auch mein Körper und alles, was darin ist. Nur noch mein Mantel bewegt sich im sanften Wind. Die Sekunden verstreichen, ich stehe still, bis ich total entspannt zu mir komme und der Realität gegenüberstehe.
Diesem respekteinflößenden Blick über den Betonrand. Ein Hochhaus mit fünfzig Stockwerken, aber man gewöhnt sich daran. Verdammte Gewohnheit! Fuck, bin ich high! Bin zu unkonzentriert. Schluss jetzt! Tippe zweimal auf den Anrufknopf. Ich liebe die Wahlwiederholung. Es klingelt ...
»Hi!«
Dieser Idiot Martin Scheittmann. Fett, Halbglatze und mit einer Brille, die so groß ist, dass man daraus zwei machen könnte. Sitzt da gemütlich auf einer Holzbank, mit seinem missgebildeten Käsebrot und ist super ätzend angezogen. Trägt eine Hose, die genauso grau ist wie sein Leben und versucht, diese Tristesse mit einem rot-grün-blau gestreiften Poloshirt wettzumachen. Wahrscheinlich haben sich die Fasern schon mit seiner Körperbehaarung verwoben, die er ganz ungeniert aus seiner Spießerkleidung platzen lässt. Besonders eklig sind seine Unterarme. Der hat einen verschissenen Urwald oberhalb des Handrückens. Man stelle sich diesen Nerd vor, und dann meldet er sich mit einem hippen »Hi!«? Dazu noch mit diesem schwuchteligen Unterton, der absolut zu seinem scheußlichen Poloshirt passt.
Ich versuche nicht, über sein nicht verdientes Selbstbewusstsein zu kotzen, sondern antworte mit einem unterkühlten: »Hallo!« Gott, ich will alles tun, um nicht so lächerlich zu klingen wie er.
»Wer spricht?«
Oh, höre ich da ein wenig Aufmüpfigkeit heraus? Nun ja, ich lass ihm den Spaß und antworte monoton.Das lässt mich ein wenig kaltblütiger wirken. Glaube ich zumindest.
»Fred ist mein Name.«
Am Anfang hatte ich noch Probleme damit, meinen wahren Namen zu nennen, bis mir bewusst wurde, dass es egal ist. Der Name ist in ein paar Stunden sowieso Geschichte.
»Wer bist du?«
Jetzt fängt der Spaß an, denn das ist nun der Wendepunkt, an dem es für ihn unheimlich wird.
»Ach, Martin. Du kennst mich nicht, und das ist echt schade. Wenn du wüsstest, wie viel Zeit wir miteinander verbracht haben und wie oft wir uns immer wieder frisch kennenlernten. Und damit meine ich auf einer nicht homoerotischen Ebene. Wenn du nur so verstehen könntest ...«
»Was?«
Fuck you! Niemand unterbricht mich! Erst recht nicht, wenn ich mal so etwas Tiefsinniges sage.
»Jetzt kommt das Schlimmste. Heute ist unser Tag. Unser letzter Tag! Verstehst du? Ein einzigartiger Tag. Zumindest für mich. Ich habe ihn geplant, geplant, geplant, aber heute werde ich es schaffen. Es wird ein Meisterstück für meine Vita. Beispiellos. Leider weiß ich, dass es sich verhält wie beim Vögeln. Man bereitet sich vor, nutzt all seine Energie und Kraft, aber wenn der Höhepunkt erreicht ist, fühlt man sich schlapp. Und man weiß, dass es lange dauern wird, es wieder so intensiv zu spüren. Unfair, oder? Vögeln kann man immer mal wieder, aber, wenn ich hier fertig bin, wirst du weg sein. Es ist nicht reproduzierbar, weil du weg bist. Für immer! Und das ist schade. Zumindest für dich, du ekelhafter Bastard. Deshalb werde ich einen Regenbogen kotzen, wenn ich dich erledige.«
Soviel habe ich noch nie mit ihm geredet. Bin auf seine Antwort gespannt. Die lässt aber eine Weile auf sich warten.
»Ich weiß ja nicht, was für ein Gestörter du bist, Fred. Aber ich glaube, du solltest mich nicht mehr anrufen, denn ich habe gefährliche und einflussreiche Freunde. Und eins sag ich dir: Die lieben es, solche psychotischen Arschlöcher wie dich zu foltern. Das würden die sogar kostenlos machen. Also leg lieber auf, sonst hat dein Hals bald keine Abdeckung mehr.«
Ich liebe so was. Versucht er doch tatsächlich, mit coolen Drohungen seinen Penis zu vergrößern.
»Kann ja sein, Martin. Aber ich denke, du hast eher noch gefährlichere und einflussreichere Feinde. Die wollen nämlich, dass du stirbst. Und das in den nächsten paar Sekunden. Cool, oder?«
Verdammt. Darf die Uhr nicht aus dem Blick verlieren.

Im Kindle-Shop: Memorabilia.
Beim Verlag: Blutwut-Shop
Mehr über und von Manuel Schulte beim Blutwut-Verlag.



'Bittersüßes Meer: Ostseeliebesroman' von Emily Frederiksson

Kindle (unlimited)
Achtzehn Monate ist es her, seit Maya Hals über Kopf ihr bisheriges Leben hinter sich gelassen hat. Aber weder Zeit noch Entfernung zum Ort der Katastrophe haben dabei geholfen, dass die riesige Welle der Enttäuschung abgeebbt ist. Verbotene Gefühle, unterdrückte Leidenschaft und die überstürzte Flucht in eine andere Stadt – Maya verkriecht sich vor der Realität. Doch traurige Umstände zwingen sie dazu, sich der Vergangenheit zu stellen und an die Ostsee zurückzukehren.

Hannes’ Leben scheint perfekt. Das Studium hat er erfolgreich abgeschlossen, der erste Job wartet und er begegnet der Frau, die vom ersten Moment an sein Herz berührt. Maya. Ihre gemeinsame Traumblase platzt allerdings, als sie sich unerwartet gegenüberstehen – denn er ist der neue Lehrer und sie seine Schülerin.

Sich von ihr fernzuhalten fordert all seine Energie. Hannes ist verzweifelt. Mit einer unüberlegten Aktion zerstört er Mayas Vertrauen binnen weniger Minuten und reißt beide in einen Strudel aus Niedergeschlagenheit und Resignation.

Aber was geschieht, wenn die rote Linie der Moral nicht mehr existiert? Kann Maya verzeihen und bekommt Hannes eine zweite Chance?

Leseprobe:
Als sie realisierte, dass er es war, der ihren Weg in die Abgeschiedenheit eines leeren Klassenzimmers lenkte, brach sie vollends zusammen und ergab sich einem Heulkrampf, wie er im Buche stand. Er sollte ihre Tränen nicht sehen, sollte nicht merken, wie sehr es sie quälte, ihre Gefühle unterdrücken zu müssen. Er sollte verschwinden. Es war nur seine Schuld, dass sie sich in diesem Dilemma befand. Warum hatte er nicht gesagt, dass er Lehrer war? Warum hatte er dieses wichtige Detail vergessen zu erwähnen?
„Geht es dir gut?“, fragte er mit ruhiger, aber besorgter Stimme.
„Sehe ich so aus?!“, herrschte sie ihn an und ignorierte das vertrauliche Du, in das er gewechselt war. Sie wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht. „Ich brauche einen Moment für mich.“ Die geflüsterten Worte waren selbst in ihren Ohren nur schwach zu verstehen. Vielleicht blieb er deswegen stumm. „Es ist so schon peinlich genug. Du musst mir nicht auch noch dabei zusehen, wie ich mich zum Affen mache.“ Sie schniefte noch einmal und hob dann ihren Kopf, um ihn anzusehen, obwohl sie letztlich vielmehr auf seine Brust starrte, die sich schneller hob und senkte, als normal gewesen wäre. Augenscheinlich ließ ihn die Situation nicht kalt. Gut so. Warum sollte sie allein leiden?
„Verdammter Mist“, fluchte er ungehalten und legte einen Finger unter ihr Kinn, um ihren Kopf anzuheben. „Maya.“ Seine Stimme klang rau, gequält.
Aufs Neue stiegen ihr Tränen in die Augen. Und dann tat Hannes etwas, mit dem sie nie gerechnet hätte: Er zog sie in eine feste Umarmung. Hielt sie. Hier. In dieser verdammten Schule. Mit dem Wissen, dass jede Sekunde die Tür auffliegen und jemand in den Raum kommen konnte. Es war eine so beschützende Geste, dass Maya sich allmählich beruhigte und sich an seinem Hemd festklammerte, weil die Angst, doch noch den Halt zu verlieren, nicht abklang.

Im Kindle-Shop: Bittersüßes Meer: Ostseeliebesroman.
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