30. März 2016

'Schläferkind' von Sabine Schäfers

Was wäre, wenn du alles verlieren würdest, wenn die einzigen Menschen, die noch zu dir halten, deinetwegen in tödliche Gefahr geraten?

An dem Tag, an dem ihre Eltern als russische Spione enttarnt werden, verliert Ashley alles, das zählt: ihre Familie, ihr Zuhause, ihr Selbstwertgefühl. Als auch noch völlig unbekannte Verwandte sie zu sich nach Russland holen wollen, bleibt ihr nur noch eins: Abhauen! Doch damit fangen die Probleme erst an, denn mit einem Mal sind ihr nicht nur Jugendamt und FBI auf den Fersen, sondern auch Verfolger, die vor nichts zurückschrecken – nicht einmal vor Mord.

Ein spannender Agenten-Thriller.
Gleich lesen: Schläferkind


Leseprobe:
»Macht’s euch bequem.« Mikhail warf Ashley einen letzten Blick zu, dann knallte er ihr die Hecktür des Vans vor der Nase zu. Schlagartig war es so dunkel, dass Ashley ein paarmal panisch blinzelte. »Josh? Wo bist du? Josh?«
»Hinter dir.«
»Ich kann mich kaum bewegen. Der Mistkerl hat mir die Hände mit Kabelbindern zusammengebunden.«
»Ich weiß. Mir auch.«
Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Josh lehnte mit dem Rücken an der Trennwand zwischen Fahrerkabine und Laderaum. Sie mühte sich vom Sitzen auf die Knie und wollte gerade versuchen, sich aufzurichten, als der Motor ansprang und sie das Gleichgewicht verlor. »Au!«
»Ashley, alles okay?«
Von wegen. Sie unterdrückte einen Fluch und kämpfte sich wieder in eine sitzende Position. Ihre Knie schmerzten mörderisch, beinahe so sehr wie ihr Schädel. Der Boden des Lieferwagens war unverkleidet und eine Stolperfalle aus Kanten und Nuten. »Geht schon.«
Auf dem Hosenboden rutschte sie zu Josh hinüber und schob sich neben ihn. Sein Gesicht konnte sie nur schemenhaft erkennen, er wirkte beunruhigt. »Falls die Schlampe meinem Bruder was antut …«
Darauf wusste sie keine tröstende Erwiderung. Nur, dass sie selbst in keiner besseren Lage waren. Was zum Henker sollte sie Mikhail als die gesuchte Spieldose verkaufen? Der Himmel allein mochte wissen, was Paul damals damit angestellt hatte. Falls er sie überhaupt an sich genommen hatte. Womöglich hatte ihr Dad die Spieldose zerlegt, dabei endgültig zerstört und sie entsorgt, bevor es jemandem auffiel. Es wäre nicht das erste Spielzeug gewesen, das so endete.
»Hör zu, Josh, wir brauchen einen Plan.«
»Ich überlege schon die ganze Zeit. Er ist allein, wir sind zu zweit. Wenn wir an eurem Haus halten, muss er uns rauslassen, dann springen wir auf ihn drauf und machen ihn platt.«
Ashley musste trotz allem lachen. »Du guckst wirklich zu viel Fernsehen.«
Ihre Knie berührten sich. Auf einmal war es die natürlichste Sache der Welt, sich vorzubeugen und ihn zu küssen. Sein Mund war weich und warm, und nachdem er anfangs überrascht zurückwich, kam er ihr gleich wieder entgegen. »Ich möchte so gern deine Haare durchwühlen«, hauchte er in ihren Nacken.
Vor Aufregung zitterte sie. »Vergiss es nicht, wenn wir frei sind.«
Sein Kuss ließ jedenfalls keine Wünsche offen, sie schloss die Augen und vergaß zu denken. Als sie sich voneinander lösten, wirkte auch er nicht mehr so lässig wie sonst. Er räusperte sich. »Also. Weißt du einen besseren Weg, als ihn einfach von den Füßen zu reißen?«
»Das können wir nicht tun. Wir wissen doch nicht, was er mit Nadia vereinbart hat. Vielleicht wird sie nervös, wenn er sich nicht meldet. Wer weiß, was das für Will bedeuten würde.«
Josh legte den Kopf in den Nacken und starrte an die Decke des Vans, der sie nach Norden brachte. In ungefähr zwanzig Minuten mussten sie irgendetwas haben, mit dem sie arbeiten konnten.
»Und wenn du ihm einfach gibst, was sie suchen? Nadia sagte, es gäbe keinen Grund, uns aus dem Weg zu räumen, weil sie schneller sind als das FBI.«
»Glaubst du das?«
Er zuckte die Achseln.
»Das Problem ist, ich kann es ihm nicht geben. Ich weiß nicht, wo diese Spieluhr ist.«
Josh hieb seinen Hinterkopf gegen die Trennwand. »Verdammt!«
Seine Frustration übertrug sich auf Ashley, aber noch war sie nicht bereit, aufzugeben. »Es gibt eine winzige, eine klitzekleine Chance, dass mein Bruder Paul weiß, wo sie ist.«
»Dein Bruder? Er ist jünger als du, oder?«
Die Blogs hatten wirklich ganze Arbeit geleistet, ihr gefaktes Familienleben an die Öffentlichkeit zu zerren. »Er lebt jetzt bei einer Pflegefamilie irgendwo in Bakersfield.«
»In Bakersfield!« Josh starrte sie entgeistert an. »Das ist beinahe dreihundert Meilen von Berkeley entfernt.«
Sie nickte unglücklich.
»Aber warum hast du das denn nicht gleich gesagt? Wir fahren doch in die vollkommen entgegengesetzte Richtung.«
»Ich kann doch Paul da nicht mit reinziehen, bevor ich mir überlegt habe, was wir tun können, verstehst du das nicht?«

Im Kindle-Shop: Schläferkind

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29. März 2016

'Giftige Erde: Ein Ostfrieslandkrimi' von Harald H. Risius

Ein Umweltskandal erschüttert Ostfriesland. Nach einer romantischen Nacht auf ihrem Segelboot wollen Bauleiter Karl Eilers und Kommissarin Susi Wildtfang die nahegelegene Großbaustelle eines Hotels am Großen Meer inspizieren. Entsetzt müssen sie feststellen, dass das Gelände großflächig mit Gift kontaminiert wurde. Sie finden vier schwerverletzte Arbeiter. Kurz darauf stirbt einer. Mord!

Ein Fall für Susi und ihren Chef Hauptkommissar Brunner. Die Ermittlungen konzentrieren sich zunächst auf eine Sekte, die sich dem Umweltschutz verschreiben hat und den Bau stoppen will.
Der Fall bekommt eine Wende, als ein Hamburger Baulöwe tot aufgefunden wird. Seine Geliebte gerät in Verdacht. Zwei Morde ohne erkennbares Motiv – Brunner und Susi sind verzweifelt. Hinni Boomgarden, der Bauherr des Hotels, erhält eine Mail mit Morddrohungen. Gelingt es, die Täter rechtzeitig zu stoppen?

Dieser neue Ostfrieslandkrimi von Harald H. Risius bezieht seine Spannung aus der realistischen Handlung, die unerwartete Wendungen nimmt, und aus der authentischen Beschreibung Ostfrieslands mit seiner herrlichen Landschaft und den oft eigenwilligen, aber liebenswerten Bewohnern.

In der Reihe „Sail & Crime“ mit Hinni und Renate erschienen auch: „Regatta mit Nebenwirkungen“, „Kreuzfahrt in Gefahr“, „Mord mit Risiken“ sowie die beiden Segelromane „Leinen los Pack’ mers“ und „Palmen an Backbord“. Alle Titel lassen sich auch unabhängig voneinander lesen.

Gleich lesen: Giftige Erde: Ein Ostfrieslandkrimi

Leseprobe:
Ohne es zu merken, geht Karl schneller und Susi hat Mühe mit ihm Schritt zu halten. Plötzlich bleibt sie stehen. „Karl was ist das?“
„Was soll das sein? Löwenzahn und Gras. Überall wo keine Gebäude entstehen, haben wir die Wiese unberührt gelassen.“
„Karl, alle Pflanzen sind verwelkt, die sind tot! Bleib’ stehen, hier geht es nicht mit rechten Dingen zu.“
Karl will vorwärts stürmen. Er sieht, dass offensichtlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurde, dafür möchte er den Verantwortlichen sofort zur Rede stellen. Solche Aktionen sind dem Image nicht förderlich. Es ist ein naturnahes Projekt und das gilt auch für die Bauphase. Die Naturschutzvereine haben das anerkannt und unterstützen die Idee sogar. Da würde der Einsatz von chemischen Unkrautmitteln das bisherige Wohlwollen sehr schnell zunichtemachen.
„Bleib’ stehen Karl, sofort!“, beharrt Susi auf ihrer Forderung und hält ihn kraftvoll am Ärmel. „Da wurde Gift verstreut, kein normaler Unkrautvernichter. Riech doch mal.“
Karl bleibt tatsächlich stehen, beugt sich zur Erde hinunter und schnüffelt. „Du hast Recht, Scheiße! Ich kann mich täuschen, aber ich befürchte, das ist PCB, Pentachlorbenzol. Wo kommt das her, wir verwenden es nicht. Das Zeugs ist hochgiftig und verboten.“
„Schnell weg hier, Karl“, fordert Susi. „Wo sind die Arbeiter?“
„Oh Gott“, schießt es Karl durch den Kopf. „Die Arbeiter!“ Kein Mensch ist zu sehen, auf der gesamten Baustelle herrscht absolute Ruhe. Plötzlich scheint für ihn die Welt stehengeblieben zu sein: Der Wind ist nicht mehr spürbar, kein Grashalm bewegt sich, sogar die Vögel fliegen und zwitschern nicht mehr. Als ob es kein Leben mehr gäbe.
Er reißt sich zusammen: „Vielleicht sind sie im Baucontainer. Die Leute schlafen da manchmal auch.“
„Karl, wie kommen wir dahin, ohne hier über das verseuchte Gelände laufen zu müssen?“
„Von der Straße aus, folge mir!“
Karl rennt etwa fünfzig Meter seitwärts über die Wiese und Susi läuft ihm nach. Sie kommen an einen Schlot, einen Entwässerungsgraben der die Wiese begrenzt, dahinter befindet sich eine schmale, provisorisch geschotterte Zufahrtstraße. Sie springen über den Graben, biegen nach rechts auf die Straße und laufen auf den Container zu.
Der Chemikaliengeruch wird stärker, je näher sie kommen. Susi möchte am liebsten stehenbleiben, um sofort ihre Kollegen oder zumindest die Feuerwehr zu rufen. Hier wurde eine Straftat begangen, sie weiß nur noch nicht, was genau geschah und welchen Umfang es hat. Aber wenn dort Leute in dem Baucontainer sind und womöglich das Gift eingeatmet haben, dann ist Gefahr in Verzug. Jede Minute zählt in dem Fall. Sie drückt den Ärmel ihrer Jacke in das Gesicht, versucht so flach wie möglich zu atmen und rennt.
Schließlich steht sie vor dem Container, ein Fenster ist nur angelehnt. Sie zieht es auf und sieht hinein. „Karl, da sind Menschen drin“, schreit sie dann. „Wir müssen sie rausholen. Wo ist der Schüssel?“
Karl ist bereits an der Tür, reißt sie mit einem Ruck auf, hält die Luft an und stürmt in den Raum. Gleich darauf schleift er einen leblosen Mann hinaus. Er nimmt ihn auf den Arm, trägt ihn auf die andere Straßenseite und legt ihn auf das taufrische Gras. Dort befindet sich kein Gift, das hofft er zumindest.
Susi beugt sich über den reglosen Menschen und versucht den Puls zu fühlen.
„Hilf mir, da sind noch mehr“, keucht Karl, als er mit einem weiteren Mann herauskommt. Sie läuft an die offene Tür und erfasst mit einem Blick die Situation: Ein beissender Geruch beherrscht den Raum, vier einfache Feldbetten sind hier aufgestellt, zwei sind leer, auf den beiden anderen liegen Männer in T-Shirts und Jogginghosen. Sie eilt zu dem Mann, der ihr am nächsten liegt, nimmt alle ihre Kräfte zusammen, hebt den schweren Körper von dem Bett und schleift ihn zur Tür. Karl kommt bereits zurückgerannt, nimmt ihr den Mann ab und trägt ihn weiter auf die andere Straßenseite.
Susi holt tief Luft und hält dann den Atem an. Sie läuft noch einmal in den Raum und zerrt den letzten Arbeiter von dem Bett, greift seinen Oberkörper und schleift ihn über den Boden zur Tür. Sie keucht vor Anstrengung, Schweißperlen bilden sich auf ihrer Stirn, aber sie gibt nicht auf. Der Mann muss raus aus dieser stinkenden Bude, und zwar so schnell wie möglich. Jede Minute kann über Tod oder Leben entscheiden.
Gemeinsam mit Karl schleppt sie den bewegungslosen Körper auf die andere Straßenseite, neben seine Kollegen. Hastig nestelt sie ihr Handy aus der Jeanstasche und wählt den Bereitschaftsdienst der Polizei: „Moin Jens, hier ist Susi Wildtfang“, keucht sie schwer atmend. „Ich bin am Hotelneubau am Großen Meer, du weißt, wo das ist. Ein Notfall, ich brauche Hilfe, sofort! Wir haben vier ohnmächtige Menschen, der Puls ist schwach, aber noch da. Wahrscheinlich sind alle vergiftet. Die Ursache ist unklar, möglicherweise PCB, sagt der Bauleiter. Der Rettungsdienst und die KTU sollen Sauerstoffgeräte und Schutzanzüge mitbringen. Gebt auch Brunner Bescheid, der muss hier rauskommen. Wir ermitteln wegen schwerer Körperverletzung, vielleicht auch Mord. Je nachdem, was die Notärzte noch tun können.“
Sie beantwortet ein paar Fragen und steckt ihr Handy zurück in die Tasche. Immer noch heftig atmend bringt sie aufgeregt heraus: „Siehst du Karl, darum müssen wir auch sonntags arbeiten.“

Im Kindle-Shop: Giftige Erde: Ein Ostfrieslandkrimi

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23. März 2016

'Rufmord: Schatten der Vergangenheit' von Viktoria Klein

War es Mord oder eine Verkettung unglücklicher Umstände?

Dem Landtagsabgeordneten Lennart Siegerländer geht seine Karriere über alles. Er will von Kiel nach Berlin, um im ganz großen Bundespool mitzumischen. Dabei nimmt er auch keine Rücksicht auf seine Ehefrau Susannah, die mittlerweile unter einer "Ich-geh-nicht-mehr-nach-draußen-Phobie" leidet. Lennarts persönlicher Mitarbeiterin Roswitha Sommer kommen Zweifel an der Person ihres Chefs, als Pannen auf einer Wahlveranstaltung und bei der Einweihung eines Kindergartens passieren.

Diese Zweifel werden noch geschürt durch den Reporter Christoff Hofmann, dem ebenfalls Dinge auffallen, die er geklärt haben möchte. Er riecht die Story seines Lebens. Üble Beschuldigungen eines Jugendfreundes aus Costa Rica bringen Lennart in arge Bedrängnis und seine beruflichen Ambitionen in Gefahr. Wird er mit weißer Weste seine Karriere in Deutschland fortsetzen können? Um das zu regeln, muss er zurück in das Wespennest Costa Rica, wo er seine Jugend verbrachte; zurück zu seiner großen Liebe Kitty.

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Leseprobe:
Roswitha musste ebenfalls lachen und pustete ihrem so nahen Gegenüber prompt ihren Bierschaum gegen die Brille.
»Oh, Tschuldigung. Warten Sie, ich habe hier irgendwo …« Roswitha kramte in ihrer Handtasche und suchte ein Taschentuch.
Christoff Hofmann ergriff die Brille bereits mit spitzen Fingern und rieb sie an seinem Hemd trocken.
»Halb so wild. Wie sind Sie eigentlich an Lennart Siegerländer und die Politik geraten? Ich dachte immer, solche Leute würden sich mit steifem, trockenem Personal umgeben.«
»Das nehme ich jetzt als Kompliment. Aber die Politik ist doch der am wenigsten verstaubte Job überhaupt. Gerade hier arbeitet man am Puls der Zeit. Man muss immer up to date sein. Der ständige Austausch in den Fraktionen, Ausschüssen und Verbänden erfordert höchste Konzentration. Es darf nie ein Thema, eine Begebenheit, eine Neuigkeit geben, von der ich nichts weiß. Die Welt der Politik ist das größte Tratschhaus der Nation. Wer schläft und nicht informiert ist, ist raus. Politik ist so lebendig. Obwohl – die wirkliche Politik betreibt Lennart Siegerländer. Ich fungiere nur als PR-Beraterin. Im Grunde vermarkte ich ihn wie ein Produkt …«
»… bei dem die Vorzüge hervorgehoben und die negativen Aspekte unter den Teppich gekehrt werden?«, vervollständigte Christoff Hofmann Roswithas Satz.
»Im Prinzip schon.«
Roswitha ließ sich durch diese Argumentation nicht beirren, obwohl sie sofort auf der Hut war. Jahrelange Schulungen hatten sie gelehrt, ihren Kopf und damit zwangsläufig auch ihre Mimik und Gestik unter Kontrolle zu haben. Gerade solche bohrenden Wortspielereien wie die des Reporters brachten ihre stets auf Abruf klingenden Alarmglocken zum Vibrieren.
»Natürlich wird das Produkt ›Mensch‹ anders hervorgehoben als ’ne Cola oder ’n Waschmittel …«
»… obwohl alle drei etwas gemein haben: Verpackung und Inhalt«, grinste Christoff Hofmann. »Nicht immer hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht.«
»Beim Inhalt ›Mensch‹ erfolgt Kritik meist nur mit negativen Schlagzeilen. Die werden sehr ernst genommen, diskutiert, abgestellt, geändert, spontan und gezielt unter die Lupe genommen. Öffentlichkeit kann zur Mördergrube werden, wenn jedes Wort, jeder Blick, jede Geste tausendfach teleskopiert werden. Ich vermarkte also ein Produkt, das jederzeit unter der Aufsicht von Millionen Augenpaaren positiv bestehen muss. Die kleinste Schwäche oder Nachlässigkeit, Verstimmung oder nur Migräne sind Anlass für hochgejubelte Verdächtigungen übelster Art. Positive Nachrichten sind sehr selten. Mein Job ist es, für gerechte Balance zu sorgen.«
»Dann haben Sie sich mit Ihrem Produkt ›Mensch‹ also den höchsten Schwierigkeitsgrad ausgesucht?«
»Ja. Ein Waschmittel wird nie so hoch bewertet. Oder haben Sie schon mal eine Story über ein Waschmittel geschrieben? Sicher nur dann, wenn es negativ auffällt und nachweislich Krankheiten verursacht.«
»Die Verpackung Ihres Produktes Lennart Siegerländer hat Sie persönlich nicht beeinflusst, sich auch um den Inhalt zu kümmern?«
»Umgekehrt. Der Inhalt hat mich animiert, mich um die Verpackung zu kümmern«, lächelte Roswitha Sommer.
»Sie sind ihm also so nahe, dass Sie wüssten, wenn er Leichen im Keller hätte?«, grinste Christoff Hofmann.
»Ehrlich gesagt bin ich in seinen Kellerräumen noch nicht rumgekrochen.« Roswitha blieb witzig und schlagfertig.
»Sagte ich das nicht anfangs? Sie vermarkten ein Produkt, dessen Inhalt Sie nie so vollständig analysieren können wie ein Waschmittel. Sie tun nur so, als könnten Sie es. Sie präsentieren der Öffentlichkeit ein Oberflächenmuster, das sich in den Tiefen vielleicht konkaviert. Das finde ich ziemlich gefährlich, weil Sie den Verbrauchern aus Ihrer persönlichen - wie gerade selbst bestätigt - oberflächlichen Überzeugung etwas lobpreisen, das vielleicht nicht hält, was es verspricht. Wandeln Sie da nicht auf sehr dünnem Eis?«
»Ist Ihre Skepsis ansteckend, so als Krankheit? Dann sollte ich mich von Ihnen fernhalten«, schmunzelte Roswitha. »Ich werde mich mit einer Wärmflasche ins Bett legen und verseuchte Zellen mit viel Flüssigkeit zum Verdampfen bringen. Morgen bin ich dann wie neu. Bei Ihnen wird die Genesung vom Virus Misstrauen länger andauern, fürchte ich.«
Roswitha rutschte von ihrem Barhocker herunter und trat Christoff Hofmann dabei auf die Zehen.

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"Operation Waldessturm" von Bibi Rend

Seit Wochen herrscht eine Hitzewelle. Nach einem Jahr kommt Sascha wieder nach Hause zu seiner langjährigen Freundin Anke.

Am ersten Abend kehrte Anke von einem Spaziergang mit ihrer Hündin nicht zurück. Sascha fällt unter Verdacht, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun zu haben. Bis auch er verschwindet.

Eine Jagd, die die Schrecken der Vergangenheit zum Leben erweckt.

Gleich lesen: Operation Waldessturm







Leseprobe:
Im Dauerlauf jagte er hinter Eska her. Keine zehn Minuten später kamen sie am Waldrand an. Sascha schaltete die Taschenlampe ein, da ab hier keine Straßenbeleuchtung vorhanden und die Nacht stockdunkel war. Weder der Mond noch die Sterne waren zu sehen. Einfach nur ein tiefes Schwarz.
Es dauerte ungefähr zwanzig Minuten, bis Eska endlich stehen blieb. Sascha war ihr durch Dornengebüsch, Gräben und dichten Wald gefolgt.
»Könnt ihr denn nicht einmal einen Weg benutzen, wie es jeder andere Hundebesitzer auch tut?«
Er kniete sich neben die Hündin, die immer wieder leise winselte und auf den Boden blickte. Der Schein der Taschenlampe bestätigte seine Vermutung. Eine nicht geringe Menge Blut bedeckte den Waldboden. Dank seiner mitgenommenen Ausrüstung konnte er eine Blutprobe sichern. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
»Eska, such Anke.« Die Hündin blieb einfach sitzen und schaute ihn aus großen Augen verständnislos an. Er hatte das Tier in jungen Jahren mit ausgebildet und wusste genau, dass es den Befehl kannte, anscheinend jedoch keine Spur finden konnte.
Ihm blieb nur noch den Waldboden mit der Taschenlampe abzuleuchten. Stück für Stück suchte er die Umgebung ab, konnte aber nirgends auch nur die kleinste Spur finden. Sascha bekam es mit der Angst zu tun, die sich langsam in Panik verwandelte.
Er musste überlegen, in welcher Richtung die nächste Hütte lag, während er sich gleichzeitig zur inneren Ruhe zwang. Als es ihm einfiel, ging er auf direktem Wege dorthin, um festzustellen, dass diese inzwischen so verfallen war, dass ein Betreten für einen normal denkenden Menschen nicht infrage kam. Da er in einer Ausnahmesituation war, störte er sich nicht an der heruntergekommenen Bausubstanz und durchsuchte die Hütte. ›Nichts! Kein Anzeichen, dass in den letzten Jahren auch nur eine Seele hier war.‹
Enttäuscht stolperte er über die morschen Bretter aus der Hütte. Eska saß davor und erwartete ihn. Gemeinsam schlugen sie den Weg zur nächsten Hütte ein. Dort angekommen zeigte sich ein ähnliches Bild ab. Total verfallen und heruntergekommen stand die Holzhütte vor ihm. Ein Betreten war nicht möglich, weil der Stützbalken direkt im Türrahmen lag. Sascha leuchtete mit der Taschenlampe durch die ehemalige Tür und Fenster, konnte außer dem Verfall nichts erkennen.
Ein lauter Schrei bahnte sich den Weg aus seiner Kehle, in dem seine Angst und sein Schmerz deutlich zu hören waren. Eska versteckte sich sofort und blickte vorsichtig umher. Die sonst so mutige und tapfere Hündin spürte, dass es ihm nicht gut ging und sie ihm nicht helfen konnte.

Im Kindle-Shop: Operation Waldessturm

Mehr über und von Bibi Rend auf ihrer Website.

18. März 2016

"Ich, ... das arme Opfer" von Michael Aulfinger

Der arbeitslose Tobias ist in großen Geldnöten. Eines Tages wird er in seinem eigenen Haus überfallen und in den Keller eingesperrt. Der Täter macht ihm dann ein Angebot, welches Tobias nicht abschlagen kann, wenn er nicht gesundheitlichen Schaden davon tragen möchte. Eine Odyssee jenseits des Gesetztes beginnt. Überraschende Wendungen und viel Ironie fesseln bis zum Ende.

Lesermeinung: "Das Buch fand ich sehr gut. Gefallen hat mir dieser selbstironische Unterton. Spannend ist es auch, mit überraschenden Ereignissen. Kann ich nur weiter empfehlen. Ich habe es keineswegs bereut."

Gleich lesen:
Für Kindle: "Ich, ... das arme Opfer" bei Amazon

Leseprobe:
Am Ende des Wohnzimmers schloß sich die Terrassentür an. Es war eine große Glastür, die geschoben werden konnte. Auf der Terrasse stand ein großer Grill, der häufig benutzt wurde. Dahinter lag der Garten wie in einem Dornröschenschlaf. Mein mangelndes Interesse an Gartenarbeit war deutlich zu ersehen. Einige nannten es ungepflegt. Dagegen sprach ich eher locker von einem natürlichen Biotop. Man kann einige Mißstände eben beschönigen. Sei es drum. Im Moment betörten mich andere Dinge, als das herausziehen von Grasbüscheln, die da nicht hingehörten, wo sie gerade wuchsen.
Einige Minuten stand ich unbeweglich in der Mitte des Wohnzimmers. Es war mir unmöglich, eine klaren Gedanken zu erfassen. Eine Lethargie hatte mich umschlossen. Mein Blick war leer auf die Glaswand und dem dahinter liegenden Garten gerichtet. Wie ich so da stand, tat ich mir selber leid. Ich armer Kerl. Diese böse Welt hatte sich gegen mich verschworen. Sie war ja so ungerecht zu mir.
Langsam versuchte ich mich von dieser Umklammerung zu lösen, denn ich spürte einen starken Hunger in mir. Wohl wußte ich, daß der Kühlschrank zur Zeit nicht allzu viel hergab. Aber für eine Packung Nudeln im Centbereich müßte es noch beim letzten Einkauf gereicht haben. Als ich mich umdrehen wollte, um zur Küche zu gehen, berührte mich ein Lufthauch. Das war ungewöhnlich, mitten im Wohnzimmer, da ja alle Fenster geschlossen waren.
Wirklich alle?
Jetzt erst erkannte ich, daß die Tür zum kleinen Zimmer offen stand. War sie nicht meistens geschlossen? Ich war irritiert. Ich betrat das kleine Zimmer, in dem mein Schreibtisch mit dem heutzutage obligatorischem PC sowie eine Kommode stand. Außerdem hingen an den Wänden einige Regale, die mit Büchern belegt waren. Für mehr war in dem kleinen Zimmer kein Platz. Da erkannte ich, daß das Fenster offen stand. Zwar nur einen Spalt, aber der hatte für den Luftzug gesorgt. Es war mir nicht bewußt, daß ich es beim Verlassen des Hauses am Morgen offen gelassen hätte. Oder begann bei mir schon die Alzheimer Krankheit? Ich schüttelte den Kopf.
Sofort schloß ich das Fenster wieder. Schließlich wollte ich am Abend vor dem Fernseher nicht einschlafen, wenn nicht alle Fenster geschlossen waren.
Dann begab ich mich in die Küche. In einem Topf ließ ich Wasser ein, und stellte diesen auf den Herd. Dann griff ich mit der rechten Hand nach oben und öffnete einen Schranktür. In dem Moment, als ich nach dem Beutel Nudeln griff, vernahm ich hinter mir ein Geräusch. Doch da mein Arm ausgestreckt war, konnte ich mich nicht umdrehen, um der Ursache des Geräusches auf den Grund zu gehen. Haustiere, welche öfters Geräusche verursachen, nannte ich nicht mein eigen. Da hatte ich aber auch schon die Nudeltüte in der Hand, und zog den Arm gerade zurück, als ich einen Schlag auf meinem Kopf spürte. Das war das letzte, was ich wahrnahm, denn mich umfing eine plötzliche Dunkelheit, als wenn jemand einen Lichtschalter ausgeknipst hätte.
Heftige Kopfschmerzen waren das erste, was ich spürte, als ich erwachte. Unbewußt ging meine rechte Hand zu meinem Hinterkopf, und fühlte sogleich eine Beule. Ein leichter Schmerz durchzog sofort meinem Kopf. Die Augen waren noch geschlossen. Scheibchenweise kamen die Erinnerungen zurück. Wo war ich?
Jetzt erst benutze ich meine Nase. In ihr war ein penetranter Geruch gestiegen. Ein Geruch, den ich nicht sofort lokalisieren konnte, der mir aber bekannt war. Ich hatte diesen penetranten Gestank schon oft gerochen. Langsam wurde ich wach. Jetzt öffnete ich auch die Augen, und war im ersten Moment genauso schlau wie vorher, denn es war finstere Nacht.
Aber jetzt dämmerte es mir. Die Kopfschmerzen klangen ab, und bald wußte ich wo ich war. Der Geruch war Heizöl. Folgerichtig mußte ich in meinem eigenem Heizungskeller sein. Um ganz sicher zu sein, tastete ich meinen Liegeplatz ab. Denn es war zwecklos, nach einem Lichtschalter zu suchen. Dieser war nämlich draußen vor der verschließbaren Eisentür angebracht, wie mir meine Erinnerung weissagte.
Behutsam ging ich in die Knie, und dann stand ich auf. Ein wenig war ich noch wackelig auf den Beinen, aber die Benommenheit wich immer mehr aus meinem Körper. Es gab ein kleines vergittertes Fenster, durch dem ein wenig Mondlicht herein schimmerte. Dieses genügte, um die Umrisse der zwei Öltanks, die nebeneinander standen, zu erkennen. Davor war aus Gründen der Sicherheit, um eventuell auslaufendes Heizöl aufzuhalten, eine ein Meter hohe Mauer mit 2-DF-Steinen gezogen. Diese war verputzt, und gestrichen. Im Vorraum, wo ich gelegen hatte, befand sich an meinem Kopfende die Heizungsanlage. Im Moment war sie ausgeschaltet. Der Vorraum war gerade so groß, daß ich ausgestreckt liegen konnte. Viel Platz war nicht vorhanden. Als ich mich bückte fühlte ich zwei Decken, die mir gehörten. Außerdem hatte man mir ein Kopfkissen bereit gelegt. An meinem Fußende, welches die Kelleraußenwand darstellte, ertastete ich einen Plastikeimer, der da eigentlich nicht hingehörte. Zu welchem Zwecke er dort deponiert war, sollte ich noch erfahren. Daneben stand eine Packung Saft, und es waren zwei beschmierte Brote hinterlegt. Mehr war nicht vorhanden. Die schwere Eisentür war natürlich von außen verschloßen. Kein Schlüssel steckte von innen.
Gierig griff ich nach den Broten, und stillte meinen Hunger. Auch an dem Saft tat ich mich gütlich. In der Dunkelheit war es etwas schwierig, aber ich versuchte mich den Bedingungen anzupassen. Jetzt waren meine ersten Bedürfnisse befriedigt, und nun beschloß ich klar über meine Lage nachzudenken.
Richtig, es war mein eigener Heizungskeller. Ich war in meinem eigenem Haus eingesperrt.
Wie bizarr und grotesk. Wer macht so was? Je mehr ich darüber nachdachte, umso unheimlicher wurde es mir. Ein regelrecht ängstliches Gefühl, machte sich in mir breit, denn eins wurde mir sofort bewußt. Es muß ein Verbrecher sein. Erstmal ist diese Person ungebeten in mein Haus eingebrochen. Zweitens hat sie mir körperliche Gewalt angetan. Und drittens mich gegen meinen Willen gefangen gehalten. Dies war eindeutig Kidnapping.

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'Du, Dein Zahnarzt und ich' von Dieter Jobst

Welcher Zahnarzt ist gut? Wenn man vom Rathaus kommt, ist man schlauer als vorher. Sagt der Volksmund. Wer vom Zahnarzt kommt, ist nicht selten noch ratloser. Weiß der Autor. Zumal, wenn „etwas“ gemacht werden soll. Oder schon gemacht wurde, mit einem für den Patienten unbefriedigenden Resultat. Dieses Buch klärt auf, nennt alternative Lösungen für die „neuen Zähne“ und schließt beim Patienten Informationslücken, die, im Praxisalltag gepflegt, oft größer sind als die zu schließende Zahnlücke.

Und es begleitet den Leser auf dem Weg, als aufgeklärter Patient einen guten Zahnarzt zu finden. Der Autor, selbst Zahntechnikermeister und auch Patient, entdeckt bei seinen Auftraggebern, den Zahnärzten, mehr handwerkliche Schattenseiten, als einem Patienten lieb sein kann.

Gleich lesen: "Du, Dein Zahnarzt und ich: Au Backe. Alles ohne Betäubung" bei Amazon

Leseprobe:
Von der Wiege bis zur Bahre
Nicht selten ist es doch so, dass wir vom Zahnarzt kommen, es soll irgendetwas gemacht werden,und mal wieder wissen wir mangels Aufklärung nicht, was der eigentlich zu tun vorhat. Hand aufs Herz, geht es Ihnen anders? Deshalb erzähle ich Ihnen in diesem Buch einiges zu Ihren Zähnen, nenne Fakten, aber keine Namen. Und Versorgungs möglichkeiten, mit denen Sie im Fall des Falles die Zähne sanieren lassen können oder besser nicht.
Der erwachsene Mensch hat im Oberkiefer, das ist der hinter der Oberlippe, 14 Zähne und im Unterkiefer, das ist der, der einem manchmal nach unten klappt, weil man nur noch sprachlos sein kann, noch einmal 14. Schön aufgeteilt in 6 Schneidezähne und 8 Backenzähne, wie der Laie sagt. Und später dann, von der Natur jedenfalls so vorgesehen, falls die Weisheit vollends durchgebrochen sein sollte, sind auch die Weisheitszähne vorhanden, oben 2 und unten 2, verteilt auf rechts und links.
„Da ist ’ne Menge zu putzen“, sagt der Besitzer der 32 Zähne.
„Damit sollte sich doch was machen lassen“, sagt der Zahndoktor. In der Zahnmedizin kursiert der Satz: „Man muss sich seine Behandlungsfälle heranziehen.“ Heißt auch, sich den zukünftigen Umsatz durch entsprechende Vorarbeiten zu sichern.
Hätte der Mensch, wie von den Extremitäten oder den Augen, auch nur zwei Zähne, würde er sicherlich sorgsam damit umgehen. Sie hüten wie einen Augapfel. Am besten für die Zahnmediziner aber ist es, wenn der Normalbürger nichts mit den Zähnen macht, sondern sie sich selbst und der Karies überlässt. Dann entstehen früher oder später die ersten Probleme am Zahn in Form von wunderschönen Löchern.
Das ist dann gut für die Zahnmediziner, aber schlecht für die Patienten, denn ab jetzt wird es teuer. Vielleicht nicht sofort. Aber es wird. Wie immer ist es nur eine Frage der Zeit.

Jeder Dritte hat Karies
Gehört haben Sie das auch schon, es seien circa 33 Prozent. Es gibt aber auch Annahmen, die gehen sogar von 80 Prozent aus. Sogar bei 98 und 99 Prozent der Bevölkerung in Deutschland wird Karies vermutet.
Die Frage nur, wie kommt die in so viele Münder? Die wird ja durch Bakterien verursacht, über-wiegend wohl durch das Bakterium „Streptococcus Mutans“. Wenn wir auf die Welt kommen, haben wir das aber nicht im Mund. Also muss es durch Infektion dorthin kommen, durch Ansteckung. Sagt die Medizin und weiß auch den Grund: Klar, durch die Eltern kommt es in den Mund. Durch Schnuller ablutschen und Vorkosten vom Babybrei, durch Nuckeln der Großen an der Flasche für die Kleinen. Und irgendwann sind die ersten Beißerchen da, die Bakterien schon längst, und zack, fallen sie über Zähnchen her. Deshalb haben so viele Kleinkinder schon Karies. (Die kommt also von den Eltern und gar nicht allein vom überzuckerten Babytee? Wenn das die Industrie wüsste.)
Die Weitergabe vom Streptococcus ist aber nicht auf Kleinkinder begrenzt. „Alles fühlt der Liebe Freuden, schnäbelt, tändelt, herzt und küsst“, singt der Monostatos in Mozarts Zauberflöte. Da haben wir also mindestens einen weiteren Infektionsgrund: Küssen. Und wenn Kussspender oder -empfänger eine nachlässige Mundpflege haben? Nun mal ehrlich, wer dachte jemals daran, dass das Loch im Zahn womöglich die Folge einer Ansteckung ist? Die Karies ist aber auch gemein, weil sie wirklich unerkannt in nicht immer einsehbaren Winkeln des Mundes werkeln kann.
Die Karies hat also bei den 30 bis 99 Prozent der Bevölkerung ganze Arbeit geleistet und ein Loch in den Backenzahn geätzt. Was macht der Zahnarzt? Es wird gebohrt oder – ganz modern – mit Laser gearbeitet. Die kariöse Stelle wird beseitigt und dadurch das Loch vergrößert. Im Anschluss wird das Loch im Zahn mit einem Material wieder aufgefüllt. Der mündige Patient spricht hier gern von einer „Plombe“. Was allerdings sachlich schlichtweg falsch ist, denn Plombe kommt vom französischen Plomb, ganz korrekt aber von Plumbum (chem.: Pb), der lateinischen Bezeichnung für Blei. Und Blei ist zum einen giftig und zum zweiten nicht mundbeständig. Der Speichel, aggressiv, wie er ist, würde das Blei und Bleioxid zersetzen. Und weil sogar schon Wasser, klares Wasser, aggressiv ist, darf es in Deutschland auch keine Wasserrohre mehr aus Blei geben, damit das Wasser nicht bleihaltig wird. Jedenfalls sollte es ab 2014 so sein.

Im Kindle-Shop: Du, Dein Zahnarzt und ich: Au Backe. Alles ohne Betäubung

Mehr über und von Dieter Jobst auf seiner Website.

17. März 2016

'Gesichter des Verrats' von Marion Krafzik

Würde ich auch heute in der Gosse leben, wenn ich ein stärkerer, selbstbewussterer Mensch gewesen wäre, ein Mensch, der geliebt wird?

Niemand hat mir erklärt, dass Liebe blind macht. Niemand hat mich gewarnt, dass ich mit meiner Wahl vorsichtig sein sollte. Oder habe ich die Warnungen nur ignoriert?

Habe ich die Zeichen einfach verdrängt, weil ich so ausgehungert nach Liebe war?

Doch die größte Last, die ich seit jener Nacht vor zwei Jahren in mir trage, ist der Verrat, den ich an dem einzigen Menschen, der mich uneingeschränkt liebte, beging. Aber hatte ich eine Wahl?

Gleich lesen: Gesichter des Verrats

Leseprobe:
Unruhig wälze ich mich in meinem Bett hin und her, die Augen fest geschlossen.
›Wer bin ich? Was will ich?‹ Diese beiden Fragen wollen einfach nicht aus meinen Gedanken verschwinden. Ich fürchte mich vor meinen Antworten, die ich feige immer wieder verdränge. In was für ein Drama habe ich mich hineinmanövriert? Mein Körper kribbelt vor Unruhe, warum bin ich nur so schwach? Ich blinzle auf die andere Seite des Bettes. Der Mond wirft harte Konturen auf Roberts Gesicht. Sein Atem geht ruhig und gleichmäßig, als wäre die Welt in Ordnung. Beklommenheit übermannt mich. Ich will ihn nicht verlieren, ich will, dass er mich liebt, genauso, wie ich ihn liebe.
Langsam, ganz vorsichtig stehle ich mich aus dem Bett und schleiche ins Bad. So wie früher lasse ich mir kaltes Wasser über den Nacken laufen. Das hat immer geholfen, wenn ich nicht weiter wusste, wenn meine Mutter wieder einmal durch mich hindurch gesehen hatte und ich genau wie jetzt keinen Ausweg wusste. Wohin mit meinen Gefühlen?
Ich blicke in den Spiegel und betrachte mich akribisch: die große Nase, meinen nicht ganz vollen und leicht unregelmäßigen Mund. Meine Augen sind akzeptabel - groß rund und in einem angenehmen Blaugrün, umgeben von dichten Wimpern mit darüber schön geschwungenen Augenbrauen. Deprimiert stelle ich fest, dass mein Aussehen eher durchschnittlich ist. Stimmt es, was Robert sagte: ›Eine kleine Korrektur hier und da, und schon haben die Menschen wieder mehr Selbstbewusstsein‹ . Ist es wirklich so einfach? Noch etwas, worüber ich mir den Kopf zerbrechen kann. An Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Im Kindle-Shop: Gesichter des Verrats

16. März 2016

'Mord mit Risiken: Ein Ostfrieslandkrimi' von Harald H. Risius

Bei Sonnenaufgang treibt Hinnis Segelboot im Schilf am Großen Meer. An Bord befindet ein Pärchen – beide nackt und tot. War Eifersucht im Spiel? Hat der Mord etwas mit den Grundstücksspekulationen um ein Hotelprojekt zu tun? Oder war es eine Verwechselung? Brunner, der fränkische Hauptkommissar, dem Wasser und Boote suspekt sind, ermittelt recht erfolglos von Land aus und macht sich keine Freunde.

Aber dann fallen weitere Schüsse – diesmal vorbei. Der Fall bekommt eine neue Perspektive, ein Auftragskiller ist unterwegs. Werden Brunner und Susi es rechtzeitig schaffen, den Mörder zu stoppen?

Es gibt es dramatische Szenen bei einer Wattwanderung nach Baltrum und auf einer Segelyacht in der Nordsee vor Norderney. Eine Bombe wird gefunden und schließlich muss die Küstenwache eingreifen ...

Harald Risius nimmt seine Leser mal wieder mit nach Ostfriesland und lässt sie Nordseeluft schnuppern, die Landschaft erleben und sich mit den manchmal eigenwilligen Einwohner auseinandersetzen. Sie bestehen das wichtige Ostfriesenabitur mit dem Hauptfach „Selbstironie“ und machen spannende Segeltörns.

Dies ist der dritte Ostfrieslandkrimi aus der Reihe ‚Sail & Crime’ mit den Protagonisten Hinni und Renate von Harald Risius. Bisher erschienen: „Regatta mit Nebenwirkungen“ und „Kreuzfahrt in Gefahr“.

Gleich lesen: Mord mit Risiken: Ein Ostfrieslandkrimi

Leseprobe:
Benno, der Besitzer einer kleinen, aber stets gut besuchten Kneipe am Großen Meer, dem sogenannten Meerwachthuus, steht morgens wie immer sehr früh auf. Bereits kurz nachdem die Sonne aufgegangen ist und ihn mit den ersten Strahlen geweckt hat. Es ist ein ruhiger Morgen, stellt er mit einem Blick durch das Fenster fest und heute soll es nochmals einen warmen Tag geben, sagte soeben der Wetterbericht im Radio.
Benno hat deshalb noch viel zu tun und vorzubereiten, er rechnet wieder mit vielen Touristen. Nachdem er sich angezogen, die Treppe herunter in den Schankraum gegangen ist und sich dort seinen ersten Kaffee aus dem Automaten in seinen persönlichen Becher gelassen hat, geht er auf seine Terrasse. Er zündet sich eine Zigarette an und will die Tische und Stühle zurecht rücken, die vom gestrigen Abend noch wild durcheinander stehen. Es war wieder einmal spät geworden, die Leute wollten das gute Wetter draußen genießen und danach hatte er keine Lust mehr aufzuräumen. Die beiden jungen Frauen, die er im Sommer als Bedienung einstellt hatte, haben ihn im Stich gelassen und pünktlich um zehn Uhr Feierabend gemacht. Aber das macht nichts, die Leute werden ja stundenweise bezahlt. Bier zapfen und Schnäpse ausschenken, das kann er noch allein und etwas zu Essen gibt um diese späte Stunde in dem Falle einfach nicht mehr. Ist ja sowieso ungesund.
Wie immer aber gilt sein erster Blick dem Großen Meer, dies ist seine Einnahmequelle. Er hat großes Glück gehabt, dass sich das Gebiet touristisch so gut entwickelte und da kann ein kurzes Innehalten, ein Bitten um noch mehr Gäste, nicht schaden. Sein Frühgebet sozusagen. Die Sonne glitzert flach im Wasser und er zieht seine Schirmmütze tiefer in die Stirn, um nicht geblendet zu werden.
Ganz hinten, auf der anderen Seite des Meeres, scheint ein Boot im Schilf zu stecken, die Segel sind gesetzt. Ein früher Segler, der aus Versehen ins Schilf geraten ist, vermutet er. Aber das wäre schon ein bisschen sehr früh, der müsste ja schon im Dunkeln abgelegt haben. Seltsam!
Benno holt sein Fernglas, um die Segelnummer zu erkennen. Ein großes rotes R als Klassenzeichen sieht er oben im Segel und darunter die Registriernummer G 214. Das ist Hinni Boomgardens Boot, erinnert er sich. Aber der fährt nicht aus Versehen ins Schilf, es sei denn, er hätte ein hübsches Mädchen an Bord. Aber so früh am Morgen? Und Hinni ist doch jetzt mit Renate, dieser Frau aus Bayern oder Franken zusammen, so genau kennt er sich da nicht aus. Sollten die beiden sich zu so früher Morgenstunde ein kleines Abenteuer gönnen oder sogar im Schilf übernachtet haben ...? Das wäre zwar nicht erlaubt, aber Hinni meint ja immer, man muss die Regeln nur kennen, um sie besser brechen zu können.
Vielleicht hat sich das Schiff auch losgerissen und ist abgetrieben, überlegt Benno weiter. Aber bei der Windstille in der Nacht, kann er sich das auch nicht vorstellen und wer würde schon sein Boot mit angeschlagenen Segeln über Nacht am Steg liegen lassen? Oder hat da jemand Hinni einen Streich gespielt und heimlich die Leinen losgeworfen?
Vielleicht braucht Hinni auch Hilfe? Nach kurzem Überlegen geht er ins Haus, sucht sein Handy und ruft Hinni an. Ein paar Mal lässt er es klingeln, aber Hinni geht nicht ran. Jedenfalls nicht an sein Handy und die Festnetznummer aus dem Telefonbuch herauszusuchen, ist ihm zu umständlich.
Benno nimmt sein Motorboot, mit dem er offiziell nur auf dem Kanal, der parallel zum Großen Meer verläuft, fahren darf. Es liegt wie immer ‚zufällig’ an seinem kleinen Steg direkt vor dem Badestrand. Er zieht am Starterseil und zehn PS erwachen knatternd zum Leben ...

Im Kindle-Shop: Mord mit Risiken: Ein Ostfrieslandkrimi

Mehr über und von Harald H. Risius auf seiner Website.

15. März 2016

'Schatten' von M.D. Grand

Ceryan ist einer der neun Generäle des Königs und gleichzeitig dessen bester Kämpfer - kein Wunder also, dass Zenox ausgerechnet ihn aussendet, um den sagenumwobenen Stein des Kairoan zu finden, der dem Herrscher endgültig zum Sieg über das Nachbarland Velmar verhelfen soll. Widerwillig zieht der Schattenfürst aus, um dem Wunsch seines Herren gerecht zu werden und mehr über die Legende herauszufinden. Was er jedoch letztendlich findet, ist weit mehr als nur ein Hinweis auf den Ort, an dem sich der Stein befinden soll ...

Sarkastisch, böse und alles andere als freundlich: SCHATTEN bietet dem Leser ein außergewöhnliches Lesevergnügen, mit Phantasie und Abenteuer und originellen Charakteren, die vor allem durch ihren Facettenreichtum überzeugen.

Gleich lesen: Schatten (Das Schicksal der Südlichen Lande 1)

Leseprobe:
„Ceryan?“ Leam lag am Waldboden und starrte in die dunklen Baumkronen empor.
„Was ist?“ Ich lag neben ihm, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und hatte die Augen geschlossen.
„Habe ich Euch geweckt?“
Ich schlug die Augen auf. „Nein.“
„Wieso nehmt Ihr nie Eure Kapuze ab?“
„Ich nehme sie doch ab.“ Im diesem Moment etwa hatte ich sie nicht auf, er konnte es bei all der Dunkelheit bloß nicht sehen.
„Ich meine wir reiten durch einen einsamen Wald, ich sehe keinen Grund, sie tagsüber zu tragen.“
„Ich sehe keinen Grund, es nicht zu tun.“
„Was verbirgt sich unter Eurer Kapuze?“
Ich grinste. „Mein Gesicht.“
Er richtete sich auf und versuchte, im Dunkeln etwas zu erkennen. Meine Augen zeigten mir jedes Blatt, jede Bewegung in der Finsternis und ich war froh, dass Leams Sinne des Nachts beinahe unbrauchbar waren. Ich fragte mich, wie er wohl reagiert hätte, wenn er meine Gesichtszüge als die des Prinzen aus seinen Büchern erkannt hätte.
Ich wusste, von welchem Bild er letzte Nacht gesprochen hatte. Es war von einem Maler angefertigt worden, der sein Handwerk verstand. Durchaus anzunehmen, dass Leam mich darauf erkennen würde. Nur gut, dass die Bücher nicht alle Geheimnisse preisgaben.
„Hast du Angst vor mir, Leam?“, fragte ich schließlich langsam.
„Habt Ihr vor, mich zu töten?“, kam die Gegenfrage.
Ich lachte leise. „Nein. Außer du nennst mir einen guten Grund dafür.“
„Dann weiß ich nicht, wieso ich Euch fürchten sollte.“
„Ich diene König Zenox.“
„Aber Ihr handelt nach Eurem Gewissen.“
„Tue ich das?“ Ich blickte hinauf zu den Baumkronen, die das Licht des Mondes fern hielten. Ich wusste es nicht...
Plötzlich hörte ich in einiger Entfernung Schritte.
„Ceryan, Ihr…“ Ich hielt Leam jäh den Mund zu und er protestierte lautlos.
„Jemand ist uns auf den Fersen!“, zischte ich und zog den Jungen auf die Beine. „Sei leise, hörst du?“
Leam nickte und ich löste vorsichtig meine Hand von seinen Lippen.
Ich lauschte einen Moment angestrengt – es waren sieben Verfolger, das konnte ich nun erkennen. Sie bemühten sich offensichtlich, leise zu sein, denn obwohl sie recht nah waren, vernahm ich kaum die Geräusche, die sie verursachten.
Ich schob Leam zu seinem Pferd, doch noch bevor ich Erym erreicht hatte, waren die Verfolger bereits gefährlich nahe. Ich griff auf meinen Rücken und mit einem schneidenden Geräusch zog ich das Schwert aus der Scheide.
Einen Moment später traten sieben vermummte Gestalten hinter den Bäumen hervor und bildeten einen Kreis um uns. Sieben Fackeln flammten auf und erleuchteten die kleine Lichtung, auf der wir unser Lager aufgeschlagen hatten.
„Was wollt Ihr?“, fragte ich. Meine Stimme klang drohend.
Die Gestalten nickten sich kurz zu, dann zogen sie ihre Schwerter. Jetzt, wo ich ihren Geruch wahrnehmen konnte, war ich mir beinahe sicher, dass es sich um Dimashquai handelte – Kopfgeldjäger der übelsten Sorte.
Statt einer Antwort stieß eine der Gestalten ein grollendes Brüllen aus und sie stürmten auf uns zu. Ich duckte mich geschwind unter dem ersten Schlag hinweg, den zweiten parierte ich einwandfrei und beim dritten sank der erste Angreifer tot zusammen. Blieben noch sechs. Ich hörte Leam hinter mir keuchen.
„Leam!“ Er schaute kurz zu mir. Panik lag in seinen Augen. Ich warf ihm das Schwert des Toten zu, er fing es geschickt auf.
„Kannst du damit umgehen?“, fragte ich, während ich herumwirbelte und einem der Angreifer das Schwert in den Brustkorb stieß.
„Nein…?“
Ich duckte mich, um einem Schwerthieb auszuweichen, im nächsten Moment sprang ich über eine Klinge hinweg. Ich rollte mich zur Seite ab, packte währenddessen ein weiteres Schwert, welches einer der Dimashquai fallen gelassen hatte, und hielt nun in jeder Hand eine Waffe.
Mit der Linken stieß ich das Schwert nach hinten – es durchbohrte etwas Weiches – und mit der Rechten schwang ich die Waffe herum und köpfte einen der Jäger. Dann überbrückte ich schnell die Entfernung zwischen mir und dem Jungen.
„Was zum Teufel treibst du da?“, fragte ich verwirrt und beobachtete einen Moment lang fassungslos, was Leam mit dem Schwert veranstaltete: Er ließ es soeben auf eine Art und Weise, die ich in meinem gesamten Leben noch an niemandem beobachtet hatte, auf den Kopf eines Dimashquai krachen, der mit einem dümmlichen Grunzen die Augen überdrehte und schließlich bewusstlos zu Boden sackte.
„Ich sagte doch, ich kann das nicht!“
Die zwei restlichen Gestalten teilten sich nun auf. Einer wandte sich Leam zu, der andere kam mir entgegen gestürmt. Mit einem lauten, metallischen Geräusch prallten unsere Schwerter aufeinander. Wir lieferten uns einen erbitterten Kampf, doch plötzlich hörte ich hinter mir ein ersticktes Japsen, eine halbe Sekunde darauf das Klirren eines zu Boden fallenden Schwertes. Das kalte Lachen eines Dimashquai. Ich fuhr herum.
Leam lag am Boden, das Schwert etwa drei Meter von ihm entfernt, der Kopfgeldjäger direkt über ihn gebeugt. Im nächsten Moment durchzuckte mich ein kalter, brennender Schmerz. Ich keuchte überrascht. Das Schwert meines Gegners hatte in einem Moment der Unachtsamkeit meine Rippen durchbohrt. Mit einem Aufschrei schwang ich herum und tötete den Angreifer.
Leam war inzwischen so weit wie möglich zurückgewichen, den Rücken an einen Baum gepresst. Das Schwert sauste auf ihn nieder und in letzter Sekunde warf er sich zur Seite.
Der Angreifer zögerte nicht lange, zog mit einem Fluchen das Metall aus dem Holz und schlug abermals nach seinem Opfer. Der Junge riss erschrocken die Augen auf, denn nun konnte er nicht mehr ausweichen. Er schloss die Augen, um den Todesstoß zu empfangen.

Im Kindle-Shop: Schatten (Das Schicksal der Südlichen Lande 1)

Mehr über und von M.D. Grand auf ihrer Website.

11. März 2016

'Rosalie' von Heike Handschuhmacher

Hauptkommissar Jörg Weber wird auf die Insel Fehmarn strafversetzt. Seine junge Kollegin Inga Hofmacher, die sich von seiner Versetzung beruflich viel verspricht, ist von ihm begeistert. Weber hat seinen Dienst noch nicht einmal angetreten, da taucht schon die erste Leiche am Strand auf.

Nichtsahnend, dass die beiden einem grausamen Geheimnis auf der Spur sind, versuchen sie, die Hintergründe zu erforschen. Noch bevor sie sich richtig kennenlernen können, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und sie geraten in höchste Gefahr.

Gleich lesen: Rosalie





Leseprobe:
Sie hatte es immer und immer wieder gesagt.
Doch Johanna belächelte die Übervorsicht ihrer besten Freundin. „Wenn du nicht mit deiner leichtgläubigen Art, Männer abzuschleppen, aufhörst, werde ich dich eines Tages in der Pathologie besuchen, um deine Überreste zu identifizieren“, waren ihre Worte, die in Johannas Kopf deutlich widerhallten, als sie mit nackten Füßen auf einem schmalen Pfad vor einem Mann flüchtete, der erst kurze Zeit zuvor in ihr Leben getreten war.
Sie hatte nicht die geringste Ahnung, was er für ein Mensch war. Ihre Entscheidung, nicht den letzten Bus zu nehmen, hatte sie längst bereut.
Es war eine kalte Nacht.
Die Hand, mit der Johanna den Mantelkragen festhielt, begann bereits taub zu werden.
Er war nett. Wie konnte sie nur die Gefahr, die von ihm ausging, übersehen?
Sie unterdrückte den Brechreiz, der sie überkam, wenn sie an die letzten Stunden dachte, die friedlich begonnen hatten und so gewaltsam endeten.
Warum hatte sie keinerlei Anhaltspunkte wahrgenommen, die sie hätten stutzig machen müssen?
Das Einzige, was sie in ihrer Panik hatte greifen können, war ein schwarzer Mantel gewesen, der einsam an der Garderobe gehangen hatte.
Johannas Unterlippe, die doppelt so dick war, drohte aufzuplatzen. Ihr rechter Arm hing verdreht an ihr herunter, als gehörte er nicht zu ihr.
Sie spürte nichts, obwohl sie an nahezu jeder Stelle ihres Körpers verletzt war.
Sie stolperte durch die Dunkelheit über den unebenen Boden des Weges.
Kein Ziel, keine Lösung.
Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Panik hatte sie überrollt.
Sie schloss ihre Augen und sah ein freundliches Gesicht, seine Zuvorkommenheit, als er ihr die Jacke gereicht hatte.
Der Wind pfiff um ihre Ohren, sodass sie das Motorengeräusch nicht bemerkte, das sich ihr näherte.
Durch ihre naive, unkomplizierte Art war sie ein Magnet für Männer.
Sie machte sich mit kleinen Lügengeschichten interessant und wirkte dadurch abenteuerlich, holte manche Männer aus dem Alltag heraus und schenkte ihnen ein paar gemeinsame Stunden zu zweit. Wenn sie begriffen, dass ihr Wesen nur eine Fassade war und sie bei längerem Hinsehen ihren wahren Charakter entdeckten, dann blieb nur ein einsames Mädchen zurück, das nach Liebe schrie, und die Männer nahmen Reißaus.
Dieser Mann war für Johanna der Jackpot gewesen.
Alle Männer, mit denen sie zuvor ausgegangen war – und es waren nicht wenige gewesen -, waren mit ihm nicht zu vergleichen.
Er war intelligent, gepflegt und trug stilvolle Kleidung.
Er hatte alle Drinks bezahlt.
Sie schlurfte, ein Bein nachziehend, ziellos durch die Kälte, die sie nicht empfand.
Ihre Füße traten auf Steine, die sich in ihre blanken Sohlen bohrten.
Sie fühlte nichts davon.
Sie sah sein besorgtes Gesicht vor sich, als er sie aufrichtig bat, sie nach Hause fahren zu dürfen, weil er nicht zulassen könne, eine so hübsche Frau schutzlos durch die Nacht ziehen zu lassen.
Sie hob den rechten Fuß nicht rechtzeitig und er verkeilte sich in einer Wurzel, die auf dem Weg von den Regenmassen, die in den letzten Tagen vom Himmel gefallen waren, freigelegt worden war. Johanna stürzte auf den aufgeweichten Boden.
Während sie fiel, hörte sie das Knacken in ihrem Knöchel.
Sie stöhnte auf. Er war gebrochen.
Ihre Kräfte schwanden bei dem Versuch, sich aufzurichten.
Seine Lippen hatten sanft ihre berührt und er hatte abgewartet, bis sie seinen Kuss erwiderte. Ein Mann mit Benehmen, hatte sie geglaubt und sich in seine Arme fallen lassen.
Plötzlich fluteten die Scheinwerfer eines Autos den dunklen Pfad und rissen sie aus ihren Gedanken.
Sie stützte sich auf den gesunden Arm und neigte ihren Kopf ins Licht.
Der Wagen kam direkt vor ihr zum Stillstand.
Johanna sah in die andere Richtung des Weges und kroch los, obwohl sie es wusste: Sie hatte keine Chance.
Sie hätte alles dafür gegeben, die Zeit zurückzudrehen.
Denn dann hätte sie auf ihre beste Freundin gehört und den letzten Bus nach Hause genommen.
Ein Weinkrampf übermannte sie. Ihr wurde klar, es würde keine Rettung für sie geben.
Sie hörte, wie er die Tür öffnete und ausstieg.
Als sie zu ihm hochsah, lächelte er.
Es war nur eine einzige Frage, die in ihrem Kopf umherschwirrte: Warum hatte sie die Gefahr nicht erkannt, die von ihm ausging?

Im Kindle-Shop: Rosalie

Mehr über und von Heike Handschuhmacher auf auf ihrem Blog .

10. März 2016

"Die unsichtbare Heldin" von J. Vellguth

Was wäre, wenn du die Fähigkeit hättest, dich unsichtbar zu machen?

Erfolglos bei ihrer Doktorarbeit. In den Augen ihres Vaters eine Niete. Und jetzt soll auch noch das Haus ihrer Eltern zwangsversteigert werden. Anja ist am Boden zerstört und weiß nicht mehr, was sie machen soll – bis ein Schild im Schaufenster eines Teeladens die Lösung all ihrer Probleme verspricht. Aber sind die Dinge tatsächlich so einfach, wie sie scheinen? Und wofür darf sie ihre neuen Fähigkeiten überhaupt einsetzen?

Anja schlittert von einem moralischen Dilemma ins nächste, während sie versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Gleich lesen: Die unsichtbare Heldin


Leseprobe:
Absichten
Sie wollte unsichtbar werden. Anja starrte in den Badezimmerspiegel und versuchte sich vorzustellen, nicht zu existieren. In ihrer Fantasie huschte die Zahnbürste durch die Luft und eine kleine Schaumwolke schwebte über ihrem schwarzen T‐Shirt mit dem fluffigen, blauen Monster.
Es wäre so genial, wenn sie es tatsächlich schaffen würde, Dinge verschwinden zu lassen. Letzte Nacht hatte sie einen Geistesblitz gehabt, vielleicht endlich der Durchbruch für ihre Doktorarbeit.
Sie spuckte ins Waschbecken, wusch sich das Gesicht und band ihr langes, schwarzes Haar zu einem unordentlichen Knoten.
Natürlich war es nicht immer gut, unsichtbar zu sein. Für ihren Vater war sie das nämlich schon ihr Leben lang gewesen. Natürlich hauptsächlich, weil sie ein Mädchen war. Und weil sie nicht Medizin, sondern lieber Physik studiert hatte.
Sie suchte im Bett nach ihrem Handy und fand es unter dem Kopfkissen.
Ja, sie war für ihn unsichtbar. Vor allem, weil sie in seinen Augen noch nie etwas Richtiges zustande gebracht hatte. Doch mit ein bisschen Glück taugte ihre Idee mehr als die letzten und dieser Zustand würde sich bald ändern. Jumping Jack sprang auf ihre Bettdecke und maunzte. Sein dunkles Fell glänzte weich und einladend im Licht, das durch das Fenster fiel. Anja kraulte kurz seinen Kopf.
»Sorry, keine Schmusestunde heute.«
Er miaute wieder. »Tut mir leid.« Sie ging in die Küche, öffnete eine Dose Katzenfutter und kippte den Inhalt auf eine Untertasse. »Ich war letzte Nacht zu lange auf, ich muss mich beeilen, um in die Uni zu kommen.« Damit stellte sie ihm den Teller vor die Nase und warf die Verpackung ins Waschbecken.
Sie schnappte sich Schlüssel, Handy und Rucksack und ging nach draußen. Während sie die Treppe hinunterlief, setzte sie sich die Kopfhörer auf und klickte durch die verschiedenen Playlists. Heute brauchte sie ihre »Power‐ Liste«. Ganz weit oben fand sie eines ihrer Lieblingslieder, The Power and Fury. Perfekt. Rasende Bässe, jede Menge Kraft, genau richtig, um wach zu werden und zu rennen. Draußen war es jetzt schon warm. Das würde ein heißer Tag werden und ein guter Tag, sie konnte es spüren. Sie ließ sich in den Rhythmus der Musik fallen und lief zur Bahn.
Natürlich gab es keinen freien Sitzplatz. Schwitzende Körper drängten sich aneinander. Sie suchte auf der Liste etwas ruhigere Musik. In Gedanken ging sie noch einmal ihre Berechnungen durch. Das Paper aus China war einfach zu vielversprechend. Mit einer winzigen Anpassung musste es möglich sein, Dinge unsichtbar zu machen. Völlig in Gedanken verpasste sie fast die richtige Station.
Beim Aussteigen sah sie Bob neben dem Papierkorb am Geländer des Bahnsteigs sitzen. Natürlich hatte sie keine Ahnung, ob er wirklich so hieß. Aber sie hatte schon vor langer Zeit das Bedürfnis gehabt, ihm einen Namen zu geben. Und für sie sah der faltige Mann mit den traurigen braunen Augen in seinem fleckigen Trenchcoat eben aus wie Bob.
Er strich sich mit der Hand durch den weißen Rauschebart und zog seine blaue Baseballmütze vom Kopf, als er sie entdeckte. Genau in dem Moment, als sie die Hand zum Gruß hob, fiel ihr auf, dass sie ihr Portemonnaie zu Hause liegengelassen hatte.
So ein Mist.
Sie griff in ihre Taschen. Neben einem gebrauchten Taschentuch, ihrem Wohnungsschlüssel und einem zerknüllten Kassenbon fand sie tatsächlich noch drei kleine Münzen. Bob sah sie erwartungsvoll an.
Er sprach nie. Sie starrte auf das Geld in ihren Fingern. Davon konnte sie sich sowieso kein vernünftiges Mittagessen kaufen. Sie blickte auf und sah, wie er an seiner verschlissenen Mütze herumfummelte. Seine Finger waren schmutzig und die gelblichen Nägel viel zu lang.
Sie seufzte und legte ihm die Münzen in die Hand. Er lächelte sein kleines Weihnachtsmannlächeln, und Anja fragte sich zum hundertsten Mal, warum er hier jeden Tag saß. Was war in seinem Leben so schiefgelaufen, dass das hier die beste Alternative war?
Vielleicht hatte auch er versucht, Dinge unsichtbar zu machen und war kläglich gescheitert?
Nein, so würde sie nicht enden. Sie nickte ihm zu und ging zügig weiter zur Uni. Sie hatte heute Großes zu vollbringen.

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8. März 2016

"Erbe des Imperiums: MARKAN Saga - Band 1" von Cliff Allister

Im Kendorianischen Imperium herrscht seit vielen Jahren ein brutaler Tyrann. Kann ein junger Mann gemeinsam mit seinen Freunden das Imperium retten und Recht und Gesetz wieder herstellen?

Markan von Hillnar wird als Sohn des Imperators eines Sternenreiches in der Saggitarius-Zwerggalaxis geboren. Nachdem sein Vater bei einem Umsturz ermordet wird, kann der sechs Monate alte Säugling vom überlebenden jüngsten Bruder des Ermordeten gerade noch in Sicherheit gebracht werden. Kurz vor seinem siebzehnten Geburtstag finden die Häscher des Usurpators nach jahrelanger Suche das Versteck. Markan und sein Onkel müssen erneut fliehen.

Sie erreichen Monate später die ehemalige Heimat, wo der Tyrann immer noch mit eiserner Faust herrscht. Dort erfahren sie, dass eine Rebellentruppe seit vielen Jahren den Kampf gegen die Unterdrückung führt. Markan galt all die Jahre als Symbol der Hoffnung, und man glaubte an seine Heimkehr. Es muss Markan und seinem Onkel gelingen, mit den Rebellen Kontakt aufzunehmen, während sie erbarmungslos gejagt werden ...

Gleich lesen: Erbe des Imperiums: MARKAN Saga - Band 1

Leseprobe:
Der Gedanke, dass er noch in dieser Nacht sterben würde, erschien ihm fast surreal. Er verspürte merkwürdigerweise keinerlei Angst; nur ein Gefühl ungläubigen Erstaunens, frustrierender Ohnmacht und gewaltiger Verärgerung.
Mit auf dem Rücken verschränkten Armen stand er vor dem großen Panoramafenster seines Arbeitszimmers im kaiserlichen Palast und blickte auf den tief verschneiten imperialen Park. Die beiden Vollmonde standen dicht nebeneinander knapp über den kahlen, schneebedeckten Wipfeln der Bäume am wolkenlosen Nachthimmel. Der riesige, weiter entfernte Eismond Alkira und der kleinere, auf einer engeren Bahn kreisende Wüstenmond Erxes schufen mit ihrem blauen und roten Licht bizarre farbige Schattenspiele im jungfräulichen Schnee. Durch eine Laune der Natur erschienen sie von der Planetenoberfläche exakt gleich groß. In wenigen Stunden würde es zur seltenen, vollständigen Überdeckung Alkiras durch den kleineren Mond kommen. Er fragte sich, welches der beiden Ereignisse wohl früher eintreten würde - sein Tod oder die aufgrund der unterschiedlichen Umlaufbahnen nur alle 283 Jahre auftretende 'Blutnacht', wenn Alkiras blaues Leuchten erlosch, und alles nur noch in den blutroten Schimmer des Wüstenmondes getaucht war. Es ist eine passende Nacht zum Sterben, dachte er.

Im Kindle-Shop: Erbe des Imperiums: MARKAN Saga - Band 1

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7. März 2016

'Jamil - Zerrissene Seele' von Farina de Waard

Jamil und sein Bruder Balor sind die Herrschersöhne Kas'Tiels. Als die Handelsstadt im Krieg zerstört wird, gelingt nur wenigen die Flucht. Sie segeln aus dem brennenden Hafen und landen an einer fremden Küste. Jamil entdeckt, dass sie nicht allein in dieser Wildnis sind, doch als er ein erstes Treffen erwirken will, passiert das Unfassbare und er stürzt von der Klippe ins Meer. Als sein Körper angespült wird, stellen die Flüchtlinge mit Schrecken fest, dass er noch atmet. Jamil wird als Dämon verbannt und nur die wilde Jägerin Ashanee hat Mitleid mit dem schwerverletzten Fremden.

Sie schleppt ihn zur heiligen Stätte ihres Volkes und versorgt seine Wunden. Doch während er im Fieber liegt, beginnen seine Augen und Hände wie das Feuer eines Dämons zu glühen …

„Es heißt, vor vielen hundert Wintern erleuchteten unzählige Sterne den Nachthimmel taghell“, begann Ashanee und deutete hinauf in die Dunkelheit. „Doch etliche Sterne sehnten sich danach, der Welt Wärme und Wandel zu schenken und lösten sich daher vom Himmel. Begierig nach Macht, wollten manche so viel Einfluss wie die strahlende Sonne und vergaßen sich darüber selbst. Sie verglühten als Feuerregen und entstiegen den Flammen als Dämonen. Erfüllt von Hass, brachten sie Krieg und Mord über die Menschen. Die ruhigeren Sterne aber hüllten sich bei ihrer Ankunft in Wasser und Nebel. Sie verglühten nicht, sondern kühlten ab und wurden so zu Geistern des Mondes, die uns Schutz und Heilung gewähren, wenn wir ihrer würdig sind.“ Jamil starrte hinaus aufs Meer, während er der Legende lauschte. Er spürte die prickelnde Kraft des Mondes auf seiner Haut … doch in seinem Inneren tobte ein fremdes, brodelndes Feuer.

Der neue Fantasyroman von Farina de Waard, in dem ein junger Mann um sein Überleben - und um Frieden zwischen zwei Kulturen kämpft.

Gleich lesen: "Jamil - Zerrissene Seele" bei Amazon

Leseprobe:
Niemals hatte Jamil damit gerechnet, dass seine Verlobung mit Lezana ein Inferno solchen Ausmaßes auslösen würde.
Jetzt zerrte er seine Mutter aus dem beißenden Rauch und stolperte hustend mit ihr die Treppe hinunter. Sie verließen ihr brennendes Haus durch den Seiteneingang und stießen dort auf Jamils Bruder, den eine wild zusammengewürfelte Gruppe verängstigter Menschen umringte.
Als Balor einige der Männer anwies, wie sie ihre Armbrüste einsetzen sollten, wurde Jamil mit Schrecken klar, dass nicht einer von ihnen der Stadtwache angehörte. Balor war von der Mauer zurückgekehrt, ohne ernsthafte Verstärkung mitzubringen.
Schmerzensschreie und verzweifelte Rufe schallten über die Gebäude, hinter denen schwarze Rauchsäulen in den sternenklaren Nachthimmel aufstiegen.
Das Brüllen des angreifenden Heeres erfüllte die Luft und wurde mit dessen Nahen immer lauter. Weinende Frauen umklammerten ihre Kinder, flohen aus den Häusern, ohne zu wissen, wo sie vor der Verheerung Schutz finden sollten.
Die ganze Stadt versank vor ihren Augen in Chaos und Feuer.
Navenne strauchelte, vom Anblick der Zerstörung völlig übermannt, doch Jamil fing ihren Blick und holte sie ins Hier und Jetzt zurück.
Der funkenstiebende Himmel spiegelte sich in ihren glänzenden Augen, als sie ihm endlich wieder zuhörte.
»Mutter, du musst diesen Leuten helfen! Flieht zum Hafen und versteckt euch dort am Wasser! Notfalls klettert unter die Piers und seid ganz still. Wir versuchen, sie aufzuhalten!«
Navenne nickte zitternd, als er ihr ein Messer in die Hand drückte. Jamil wusste, dass sie als Schreiberin bisher noch nie eine Waffe eingesetzt hatte. »Ich werde Vater suchen. Du bist die Frau des Rätors, also führe diese Leute! Wir treffen uns am Hafen, hast du verstanden?«
Als sie nicht sofort reagierte, schloss er ihre Finger um den Messergriff. »Alles wird gut. Jetzt geht!«
Seine Mutter versteifte sich, dann rannte sie mit den anderen Frauen und Kindern die dunkle Allee entlang und verschwand über den Hügel, hinter dem der Hafen lag. Jamil wandte sich an seinen Bruder, der den zurückgebliebenen Männern weitere Anweisungen gab.
Ein Junge kam durch die rauchverhangene Straße auf sie zugestolpert, das Gesicht rußverschmiert und voller Schrammen. Er blieb keuchend vor ihnen stehen und deutete die Straße hinab. »Die Verteidigung ist gefallen. Die Grauen stürmen die Stadt und erschießen jeden mit ihren Gewehren!«
Tränen traten dem Jungen in die Augen. »Ich muss meine Eltern finden!«, flehte er und rannte Hals über Kopf in Richtung des Lärms.
»Warte!«, brüllte Jamil ihm hinterher, doch da verschwand der Junge schon um die Straßenecke – und Schüsse krachten durch die dunklen Gassen.
Jamil widerstand mühsam dem Impuls, dem Unglücklichen nachzueilen und half stattdessen seinem Bruder. Balor scharte die wenigen Bewaffneten um sich. »Wir brauchen Barrikaden! Die Karren da! Werft sie um!«
Im Augenwinkel sahen sie, dass am unteren Ende der Straße die ersten Feinde auftauchten. In ihren grauen Uniformen und mit den dunklen Metallplatten und Helmen glichen sie eher Geschöpfen aus Schreckensgeschichten als Menschen, denen man etwas entgegensetzen könnte.
Zum ersten Mal bereute Jamil es, dass ihre Handelsstadt sich nie auf die Weiterentwicklung von Schusswaffen spezialisiert hatte. Bisher hatten sie nur Armbrüste für die Jagd oder auf der Stadtmauer zur Abschreckung eingesetzt.
Er packte mit an und in ihrer Verzweiflung fanden sie gemeinsam die Kraft, die Wagen umzustürzen. Darauf geladene Fässer polterten die abschüssige Pflasterstraße hinab und prallten splitternd gegen die Soldaten, die gerade ihre Gewehre angelegt hatten.
Tausend Gedanken schossen Jamil durch den Kopf, während sie sich hinter den dicken Bohlen und Streben des Karrenbodens in Sicherheit brachten.
»Wo sind Lezana und ihre Familie?«, fragte er seinen Bruder, doch der bittere Ausdruck auf dessen Gesicht sprach Bände. Balor biss sich auf die Lippe und wirkte einen Moment so, als leide er mehr, als Jamil es jemals könnte.
»Sie … sie haben es nicht geschafft«, stammelte Balor und wurde dabei ganz blass. »Es tut mir leid! Die Soldaten waren auf einmal überall auf dem Handelsplatz beim Stadttor und überfielen die Wachen und …«
Jamil spürte eine eisige Kälte in seiner Brust, die rasch zu einem schmerzhaften Knoten wurde. Er hatte seine Verlobte zwar nicht geliebt, aber einer ausgehandelten Heirat so zu entgehen, hätte er sich niemals gewünscht. Er wollte immer alles tun, um seiner Familie und ihrem Stadtstaat zu dienen. Die Verlobung mit der Königstochter war eine Abmachung gewesen, die ihre Handelsbeziehung stärken sollte … und von ihren jetzigen Angreifern als folgenschwerer Bündnisbruch aufgefasst wurde.
Es wollte nicht zu ihm durchdringen, dass Lezana jetzt tot sein sollte. Einfach so? Ihr unschuldiges, sanftes Gesicht tauchte vor seinem inneren Auge auf, ihr Anblick, als sie mit ihren Eltern aus dem zerschlagenen Königreich zu ihnen floh und um Schutz bat. Die Grauen Soldaten hätten sie damals ohne zu zögern getötet. Die Flucht zu ihnen nach Kas’Tiel war ihr letzter Ausweg gewesen … und besiegelte ihr Schicksal ebenso wie das der Handelsstadt.
Als er sich endlich von den Erinnerungen losreißen konnte, war Balor schon nicht mehr neben ihm, sondern kommandierte die Verteidigung.
»Schießt!«, brüllte er über den Lärm des Schlachtengetümmels hinweg und schickte damit einen kleinen Schauer aus Bolzen auf die Angreifer. Rufe bellten durch die Straßen, die Grauen Soldaten hoben wie ein Mann ihre Schilde. Dennoch fielen einige getroffen zu Boden.

Im Kindle-Shop: Jamil - Zerrissene Seele

Mehr über und von Farina de Waard auf ihrer Website.

'Ab auf die Insel mit Sack und Pack' von Ellen Rot

Ich erzähle hier, was beim Umzug in ein anderes Land alles vorkommen kann, aber nicht muss. Es beschreibt, was beim Auswandern alles schief gehen kann. Haus verkaufen - Hunde an die Boxen gewöhnen - Flugangst bekämpfen. Mal treiben es in der neuen Heimat die Frösche viel zu bunt, oder es brennt eine Palme, oder es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Nur die Geduld darf man(n)/Frau nie verlieren, denn hier auf der Insel ticken die Uhren etwas anders. Alles hat Zeit, sehr viel Zeit.

Gleich lesen: Ab auf die Insel mit Sack und Pack: Auswandern, Karibik, Humor, Hunde

Leseprobe:
Flug in die neue Heimat

Und wieder banges Warten. Wobei der Arm von meinem Mann sich sehr gut dazu eignet, um mich festzukrallen. Jetzt darf es nur nicht rumpeln, nein, das darf es nicht, sonst hat mein Göttergatte keinen Arm mehr, wenn wir auf der Insel ankommen. Blutüberströmt wird er dann aus dem Flieger steigen, alle werden ihn mitleidig anschauen und mich verachten, stell ich mir vor.
Jederzeit kämpfte ich bei all diesen vielen Flügen gegen die Flugangst. Alles versucht: Atemtechnik, auf die Brust tippen, Meditieren, Musik hören und vieles mehr. Nichts hilft. Ein Mittel hingegen funktioniert wunderbar: Schlaftablette reinschieben, mit Wasser nachschütten und bitte nicht wecken. Auch nicht zum Essen!
Man kann sich beim Essen sowieso kaum bewegen. Der Nachbar schiebt seinen Ellenbogen in meinen Teller. Der Vordermann klappt seinen Stuhl nach hinten, mein Rotwein kippt auf meine weiße Hose.
»Zappelphilipp«, denke ich.
Die Flugbegleiterin säuselt: »Möchten Sie noch ein Glas Rotwein?«
Weißwein gibt keine Flecken. Doch ich trinke Merlot, der hingegen sieht scheußlich aus, wenn er auf meiner Hose ankommt. Was denken die Passagiere, wenn ich einmal muss? Nein, ich habe nicht meine Tage, es ist ROTWEIN.
Will jetzt nur meine Ruhe. Kopfhörer aufsetzen, leise Traummusik hören und ganz langsam entschlummern.
Nach vier Stunden narkoseähnlichem Schlafen bin ich unerwartet hellwach und immer noch hoch oben in der Luft. Schrecklich. Mensch, das dauert.
Eine Flugbegleiterin wandelt durch den engen Korridor in ihrer ganz eigenen Art und fragt: »Haben Sie einen Wunsch?«
Ich bin wohl aus Panik an den falschen Knopf am Sitz geraten.
»Nein, danke. Ich will nur wissen, wie es den Hunden unten im Frachtraum ergeht. War schon jemand unten nachschauen?« Bonita, unsere Berner Sennen-Hündin, ist sehr sensibel und ängstlich. Wenn wir nicht in der Nähe sind, kann es gut sein, dass sie durchdreht!
»Nein, niemand kann da während des Fluges runter in den Frachtraum«, lautet die Antwort.
Mist, hat man uns doch zugesichert, dass nach den Hunden geschaut wird! Dass da jemand runter geht und nachschaut. Pustekuchen! Jetzt kommt zur Panik noch die Wut dazu und die Panik steigert sich. Armer Mann, sein Arm muss ein weiteres Mal dran glauben. Mit den Tränen muss ich nun kämpfen. Wir lieben unsere Vierbeiner. Wie kann man die einfach so einsperren? Sie kennen weder das Geräusch der Motoren noch die Turbulenzen. Bonita, die schon beim kleinsten Gewitter zu jammern und zittern beginnt. Sich bei solchen Gelegenheiten auf meine Knie setzen und kuscheln möchte, bei fünfund-dreißig Kilogramm Kampfgewicht. Wie verhält sich Bonita jetzt wohl da unten? Klar, der Tierarzt hat uns versichert, dass Hunde ab einer bestimmten Flug-höhe wegdösen. In eine Art Halbschlaf fallen. Wie beruhigend, wenn wir uns nicht davon überzeugen können … Möchte auch wieder in den Halbschlaf fallen, geht es mir durch den Kopf.
Es dauert nur noch vier Stunden, bis wir in der Dominikanischen Republik landen. Mein Mann unterhält sich mit seinem Sohn. Dann wird wieder gezockt oder in den Fernseher geguckt. Ich fahre meine Krallen aus, lass sie langsam in den Arm meines Liebsten bohren, bis ich langsam weiter vor mich hindöse. Dann, eine halbe Stunde vor der Landung, werde ich sehr sanft, mit Kuss und einer Cola geweckt. Typisch meine bessere Hälfte, ich bedanke mich - immer noch nervös - dafür. Vor allem, als ich den Arm meines Gatten genau ansehe. Hoppla, ist das etwa von mir? Von wem kann das denn sonst sein? Solche Kratzspuren! Ist da was, was ich nicht weiß? Hat sich mein Mann ab und zu auf einem anderen Sitz niedergelassen? Mein Gatte hält eine ganze Menge aus, wenn es um mich geht. Ich bin mir dessen nicht immer so bewusst. All die Jahre, die wir zusammengearbeitet und gelebt haben. Immer vierundzwanzig Stunden zusammen, mit allen Hochs und Tiefs. Die Beziehung hat sehr darunter gelitten. Und genau das soll sich jetzt hoffentlich bessern - durch die Auswanderung.
Sitz gerade stellen, Snacks werden verteilt, frisch machen. Das mit dem Auffrischen der Fassade ist immer so eine Sache:
1. Gibt es doch im Verhältnis zur Anzahl der Passagiere mordsmäßig wenige Toiletten. Vier für circa dreihundert Männlein und Weiblein!
2. Es gibt Weiblein, die Ihr Make-up stundenlang auftragen müssen, damit die Maskerade auch hält. Aber dann bitte nicht lachen, sonst splittert die Fassade ab. Ob die in Wirklichkeit daran denken, dass auf der Insel ungefähr dreißig Grad herrschen?
3. Dann sind noch jene, die sich rasieren, Zähne putzen, die Toilette benutzen und Spuren von allem hinterlassen. Gerüche. Miese Gerüche. Spuren, die in der Schüssel kleben und von denen man lieber nichts erzählt.
Vor mir hat wohl genauso jemand, der mit größter Wahrscheinlichkeit einige Biere zu viel intus hat, die Toilette benutzt. Geschwitzt hat er auch ganz enorm. Sodass man die diversen Parfums der vorherigen Benutzer nicht mehr unterscheiden kann. Unerträglich. Papier? Gibt es da nicht einmal mehr Toilettenpapier? Haarstoppeln im Waschbecken, die Toilette mit Spuren. Ach nein, muss das sein? Keiner sagt etwas. Soll der Nächste schauen, wie er klarkommt. Na super, zum Rotwein auf der weißen Hose, noch so etwas. Was nun? Zurück durch die glotzende Menge latschen. Papiertaschentuch holen, wieder anstehen. Beine zusammen und verklemmen, hüpfen, von einem Bein auf das andere treten. Vor allem kein Aufsehen erregen. So verrichte ich nur das Nötigste, um die beengte Kabine dann sofort wieder zu verlassen. Immer noch stehen Schlangen davor. Die nachfolgende Benutzerin hingegen guckt zu mir herüber mit verächtlichem Blick, als sie die Toilettenkabine wieder verlässt. Nein. Hilfe das war ICH nicht. Hinterlasse ich solche Spuren?
»Bitte kehren Sie alle auf Ihre Plätze zurück. Stellen Sie Ihre Sitze in die gerade Position. Schnallen Sie sich an und stehen Sie erst wieder auf, wenn der Flieger zum Stehen gekommen ist«, säuselt eine Stimme im Bordlautsprecher. »Wir landen in wenigen Minuten in Puerto Plata. Die Außentemperatur liegt bei dreißig Grad.«

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4. März 2016

'Kreuzfahrt in Gefahr: Mehr als ein Ostfrieslandkrimi' von Harald H. Risius

Mehr als ein Ostfrieslandkrimi - geht das überhaupt? Ja, es geht! Der neue Roman von Harald Risius ist ein spannender Thriller, der die Debatte um religiösen Hass und Salafismus aufgreift.

Es geht um brutalen Terror und zwei ungewöhnliche Morde mitten im beschaulichen Ostfriesland. Hatten die Opfer etwas mit dem Islamismus zu tun? Geht es um eine erotische Beziehung, die aus dem Ruder gelaufen ist? Woher kam das Geld, das bei einem der Opfer gefunden wurde? Oder sind tatsächlich religiöse Fanatiker am Werk? Hauptkommissar Helmut Brunner, ein gebürtiger Franke der Wasser und alles was darauf treibt nicht mag, und seine ostfriesische Assistentin Susi Wildtfang stehen erneut vor einem schwierigen Fall.

Die beiden Segler Hinni und Renate werden bei einem Törn auf der Ems von einem Gewitter überrascht, Renate geht über Bord und dann schlägt auch noch ein Blitz in den Mast. Sie suchen Hilfe in einer Marina und werden unfreiwillig in die Ereignisse um einen geplanten, terroristischen Bombenanschlag auf ein Kreuzfahrtschiff bei der Überführung auf der Ems verwickelt und geraten dabei in Lebensgefahr. Gelingt es ihnen rechtzeitig den Täter zu stoppen und Schlimmeres zu vermeiden?

Durch die Ereignisse in der Pariser Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015 hat dieses Buch eine nicht beabsichtigte Aktualität erfahren. Es geht um vermeintlich religiös motivierte Anschläge auf unser freiheitlich und liberal ausgerichtetes System. Harald Risius gelingt es jedoch, deutlich zu machen, dass Religion nichts mit Gewalt zu tun hat und die eigentlichen Ziele der sogenannten Islamisten lediglich Machtgewinn und Rache sind. Die großen globalen Herausforderungen der Gegenwart sind der Extremismus und der Salafismus und nicht bestimmte Religionen oder gewisse Weltanschauungen.

Mehr als ein Ostfrieslandkrimi – ein Thriller, der ein heißes Thema aufgreift und Ostfriesland in das Visier von terroristischen Anschlägen und Morden rückt, die eigentlich immer nur woanders passieren.

Gleich lesen: Kreuzfahrt in Gefahr: Mehr als ein Ostfrieslandkrimi

Leseprobe:
... Einen Moment überlegt Ingo alias Sinan K., ob er den Wohnsitz von Hinni aufspüren soll, um ihn von dieser Ehebrecherin zu befreien. Das wäre er einem alten Freund schuldig, wenn der selber nicht den Willen und die Kraft dazu hat. Aber auch Hinni selbst hat den Tod verdient, wenn er solch eine Frau in seinem Haus duldet. Er entscheidet sich aber dagegen, das muss warten, denn viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Seine andere Aufgabe ist wichtiger und dringender, darauf muss er sich konzentrieren. Er meldet sich auf dem Campingplatz ab, zahlt den restlichen, noch ausstehenden Betrag mit dem Geld, das er Erich Lübben wieder abgenommen hat und fährt zum Freitagsgebet nach Papenburg, in die kleine, behelfsmäßige Moschee. Imam Alim zieht ihn nach dem Gebet in den kleinen Nebenraum, den nur ausgewählte Mitglieder der kleinen muslimischen Gemeinde betreten dürfen. Hier in diesem Raum hat Allah vor einigen Wochen seinem Diener Alim, dem Weisen, den Gedanken eingegeben, … und Alim hat die Idee mit einigen der getreuesten Brüder aufgenommen. Sie haben recherchiert, konkrete Informationen besorgt und einen zunächst groben Plan ausgearbeitet. Kreuzfahrtschiffe und besonders diese Luxusliner, über die so viel in den Zeitungen und dem Fernsehen berichtet wird, sind ein Symbol der Dekadenz des Abendlandes. An Bord dieser Schiffe geben sich die Menschen den schlimmsten Sünden hin: Dem Glücksspiel, der Trunksucht und der Hurerei. All dies ist Allah und den Gläubigen ein Gräuel und muss vernichtet werden. Sie fanden deshalb, dass es ein kluger Plan sei um den amerikanischen Hunden größtmöglichen Schaden zuzufügen …

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"Der Leviathan: Ek´Thal Zyklus - Band 1" von Cliff Allister

Die Galaxis mit Hunderten von intelligenten Lebensformen lebt seit langem unter der strengen Aufsicht des galaktischen Rates in Frieden. Kriegerische Handlungen werden nicht geduldet und von der Sanktionsflotte hart bestraft. Alle Spezies, die interstellare Raumfahrt betreiben wollen, haben sich den Regeln unterzuordnen oder sie werden in ihrem System gewaltsam isoliert. Ein Volk hat sich entschlossen, diese Isolation freiwillig auf sich zu nehmen - ausgerechnet die älteste und technologisch fortgeschrittenste Zivilisation will sich nicht unter die Aufsicht des Rates stellen.

Als eines Tages ein gewaltiges Raumschiff aus dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße hervorbricht und auf einen erbarmungslosen Vernichtungsfeldzug geht, versagen sämtliche Mittel der Sanktionsflotte. Niemand kann den Leviathan aufhalten, der auf keine Kommunikationsversuche reagiert und Tod und Verderben in der Galaxis sät. In dieser Situation gibt es nur eine Lösung - man braucht die Hilfe ausgerechnet derjenigen, die sich bisher dem galaktischen Rat verweigert haben ...

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Leseprobe:
Nichts kann dem unerbittlichen Griff eines Black Hole entrinnen. Die enorme Gravitation jenseits des Ereignishorizontes macht es selbst dem Licht unmöglich, aus der Singularität emporzusteigen und in den Einstein-Raum zu entkommen. Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße gehört mit 4,3 Millionen irdischen Sonnenmassen zu den massereichsten, so wie alle der supermassiven Schwarzen Löcher, die man üblicherweise im Zentrum einer Galaxis vorfindet. Nichts kann ihm entkommen. Kein Licht, keine Welle, kein einziges Atom. Jedes materielle Objekt, einem Black Hole zu nahe kommt, wird von den unvorstellbaren Kräften zermalmt, zerrissen, zerfetzt – unwiederbringlich zerstört.
Deshalb war es umso erstaunlicher, dass aus der Mitte des Schwerkraftstrudels etwas auftauchte. Zunächst ein kleiner Punkt, der in der gigantischen Ausdehnung des Black Hole nicht sofort auffiel. Aus dem Punkt wurde schnell etwas Größeres, Gewaltigeres. Ein Raumschiff monströsen Ausmaßes schob sich aus den Tiefen der Gravitationssenke in den Normalraum. Die gierigen Finger der Schwerkraft schienen es zu umschlingen, festzuhalten und zurück in die Tiefe zerren zu wollen. Es kämpfte um jeden Meter, wie ein lebendiges Tier, das seine Ketten abzustreifen suchte, während energetische Entladungen und feurige Blitze, deren Energien leicht ausgereicht hätten, einen kleinen Mond zu Staub zu zerblasen, den Rumpf umzuckten.
Ganz allmählich schob es sich in den Raum und ließ den Ereignishorizont hinter sich zurück. Die Entladungen rings um den gewaltigen Schiffskörper verblassten und es war erstmals möglich, den Koloss in seiner ganzen unvorstellbaren Ausdehnung zu überblicken. Es schien, als habe eine riesige Schrottpresse den größten Metallklumpen des Universums erschaffen. Wenn man dem Giganten überhaupt eine Form zuordnen konnte, dann die eines grotesk verformten Rotationsellipsoids. Allerdings war die Oberfläche nicht glatt und sanft gerundet, sondern bestand aus einer unzähligen Anzahl von Türmen, Vorsprüngen, Erkern, Ausbuchtungen, Nadeln, bizarren Strukturen und verwirrenden Mustern. Es schienen kleine Unebenheiten zu sein, aber die enorme Größe des Objekts täuschte darüber hinweg, dass es sich um teilweise kilometergroße Gebilde handelte, deren Zweck nicht ersichtlich war. Der Gigant maß in seiner größten Länge weit über einhundert Kilometer und seine größte Breite betrug immer noch fast achtzig Kilometer. Es war weder erkennbar, über welchen Antrieb das Schiff verfügte, noch sah man irgendwelche Lichter, sonstige Beleuchtungen oder entzifferbare Markierungen. Die gesamte Oberfläche war mattschwarz und selbst im hellen Licht der in der Akkretionsscheibe verglühenden Massen und der im galaktischen Zentrum dicht stehenden Sonnen schien sie jedes einzelne Photon aufzusaugen. Nichts glänzte, nichts strahlte, nichts reflektierte. Wie ein dunkler Schatten schob sich das Raumschiff vor die umgebenden Sterne und wirkte seinerseits fast wie ein schwarzes Loch.

Im Kindle-Shop: Der Leviathan: Ek´Thal Zyklus - Band 1

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