30. November 2021

'Kreativer Gesellschaftsumbruch: Integration und Generationenschuld' von Daniela Muthreich

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Daniela Muthreich
Eigene Lebenserfahrung – in Poesie und Prosa, Satire und Drama verpackt

Migration einmal anders: Daniela Muthreich machte sich auf in die Schweiz. In einem Mix aus Prosa, Poesie, etwas Satire und Theaterszenen verarbeitet die gebürtige Deutsche ihre Erfahrungen bei der Integration in den Alpenstaat. Die ungewöhnliche Textform beleuchtet auf amüsante Weise Aspekte zwischenmenschlichen Zusammenlebens und reflektiert diese mit scharfem Blick und Humor. Dabei schreckt Daniela Muthreich auch vor heiklen Themen wie der Generationenschuld nicht zurück und hält sich und ihrer Umwelt einen durchaus kritischen Spiegel vor.

Gesellschaftsbeobachtungen mit Intelligenz und einem Augenzwinkern.

Achtung: Finger weg, wenn Sie Mainstream-Literatur suchen! Nur für Leser, die zwischendurch ihr Kopfkino aktivieren möchten und etwas Poesie zu schätzen wissen.

Anleser:
Sprache und Schicksal – Rückschau in die Vergangenheit
Da die Themen Sprache und Integration in eine Gesellschaft mich nicht losließen, erinnerte ich mich irgendwann an ein Ereignis aus meiner Vergangenheit: Es hatte mich ungefähr mit Mitte 20 aus beruflichen Gründen schon einmal in die Schweiz verschlagen. Damals arbeitete ich als Eventmanagerin und organisierte Tagungen, Motivations- und Belohnungsreisen für diverse Unternehmen. Bei einer Veranstaltung in der Schweiz sollte nach einer Tagung der Teamgedanke hervorgehoben werden: Motivation einer Gruppe, Intensivierung des »Wir-als-Team-Gefühls« in Form eines abschließenden Aktivprogramms – Rafting, weitere sportliche Teamspiele und Floßbau in kleineren Gruppen. Einhundert Menschen sollten hier ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen.
Letzte Vorbereitungen waren im Gange, als sich auf einer Wiese eine kleine, aber schicksalhafte Szene ereignete: Eine Frau bäuerlichen Standes und mittleren Alters stritt sich lautstark mit einem sehr viel älteren Herrn. Brüllend verließ sie das grüne Terrain – ich spurtete hinterher und fragte, was mit ihr los sei. Sie hob abwehrend die Hände und ließ mich ärgerlichresigniert wissen: »Der hat seinen Dickkopf. Den Mann kann man einfach nicht mehr ändern – und ich kann nun auch nichts mehr tun.«
Danach stob sie von dannen und ich starrte entsetzt auf das, was der sehr viel ältere Herr nun tat: Er riss wutentbrannt Begrenzungspfähle aus dem Grün der Wiese und warf sie achtlos zu Boden. Nein«, dachte ich, »das geht doch nicht! Die brauchen wir doch dort, sonst ist unser Feld für weitere Sportaktivitäten nicht mehr sichtbar!«
Inzwischen waren bereits Bistrotische aufgebaut worden und ganze Tischbahnen wölbten sich unter der Last von unzähligen landestypischen Leckereien, nett angeordnet im Wechsel mit kleinen Getränke-Inseln. Sonnenschirme waren hier ebenfalls schon aufgespannt und ein Mann im Kochkostüm hantierte geschäftig an einer Grillstelle.
Ein größerer Mann, den ich erst im letzten Moment als meinen damaligen Chef wahrnahm, steuerte blitzartig auf mich zu und teilte mir sehr gestresst mit: »Wir haben ein Problem. Hier kommen gleich hundert Leute und der Aufbau stockt! Gibt es eine Vereinbarung mit dem Eigentümer der Wiese?«
»Ja«, sagte ich. »Ich habe hier eine schriftliche Bestätigung inklusive Mietpreis für die Weide – und es wurde alles schon bezahlt! Außerdem habe ich eine Unterschrift.«
»Es ist immer das Gleiche in diesem Job«, sagte er, »man kann planen so gut und so viel man will, es kommt dennoch immer anders. Du musst das jetzt regeln – die Wiese ist dein Verantwortlichkeitsbereich.«
Meine letzten Worte an ihn in diesem Moment waren: »Unterschrift, Plan, Bestätigung oder Ähnliches – ich weiß es auch nicht mehr so genau …«
Zerknirscht blickte ich auf meinen Zettel – aber was nützte diese Unterschrift nun in dieser Situation? Sie war nichts mehr wert – und war sie überhaupt jemals etwas wert gewesen? »Wem ist denn hier überhaupt etwas wert?«, fragte ich mich.
Der eigentliche Besitzer der Wiese, der ältere Herr, hatte jedenfalls andere Wertvorstellungen: Weiterhin riss er kräftig einen Pfahl nach dem anderen aus seiner Wiese. Um seiner Laune Ausdruck zu verleihen, fuchtelte er dabei zwischendurch sehr unangenehm mit einem Stock herum, und ich dachte: »Sehr schön, nun bekommst du eine wertvolle Tracht Prügel für eine wertlose Unterschrift.«
Ich strebte dem uniformierten Koch an der Grillstelle entgegen und hatte das Wort Deeskalation im Kopf. Nach einem kurzen Gespräch, bei dem ich ihn um eine kühle Erfrischung in flüssiger Form und einige landestypische Leckereien bat, teilte er mir mit: »Die Schwiegertochter und der Sohn haben den Alten nicht gefragt und einfach das Geld für die Miete eingestrichen. Ihre Unterschrift ist aber nichts wert, weil der Alte der Eigentümer ist.«
»Und was kann ich da jetzt machen?«, fragte ich ihn. Kann ich mit diesem älteren Herrn nicht reden?«
»Reden?«, fragte er mich ungläubig. »Mit dem kann man nicht reden. Der spricht nur Rätoromanisch und er hat auch nur seine Kühe im Kopf. Die Pfähle machen seine Wiese kaputt: Da sind dann Löcher drin.«
»Schön«, dachte ich, »ein Mann, der seine Tiere liebt und auch die Natur – wir haben etwas gemeinsam!« Und langsam steuerte ich mit meinen Erfrischungen und Stärkungen auf ihn zu.
Sein Stock kam mir gefährlich nahe, aber ich wich nicht zurück, sondern bot ihm ein Glas Wasser an und deutete dabei mit meinem Arm auf eine Bank. Der Alte fixierte mich böse, aber dann ließ er sich doch mit mir auf dieser Bank nieder. Vorsichtig reichte ich ihm köstliche Gebäckstückchen und erkundigte mich nach seinen Kühen, die etwas höher auf einer anderen Wiese friedlich weideten. Es passierte eine ganze Weile gar nichts und ich reichte ihm weitere Gebäckstücke. Dann lobte ich die Schweizer Bergwelt und die eindrucksvollen Gipfel im Hintergrund des Tals, in dem wir saßen. Er betrachtete mich wieder eine Weile, dann sprachen wir lange über Berge und Natur, und er informierte mich über die Namen der Gebirgsspitzen im Hintergrund. Genussvoll schlürfte er dabei sein Wasser und ich reichte ihm weitere Gebäckstücke. Er sprach Rätoromanisch und ich Hochdeutsch.
Irgendwann während des Gesprächs stand ich auf und trat ein lieblos herausgerissenes Grasbüschel wieder fest, welches durch die Pfahlbegrenzung entwurzelt worden war. Dabei machte ich ein zweifelndes Gesicht und deutete auf die weiter stattfindenden Aufbauten auf seiner Wiese. Ich zeigte ihm den Zettel mit der Unterschrift, aber er sah ihn sich gar nicht an, sondern informierte mich weiter über die Umgebung. Ehrlich gesagt verstand ich nicht wirklich viel, denn ich kann kein Rätoromanisch, aber ich konnte mir aus seiner Gestik und Mimik erschließen, was er mir mitteilen wollte, und so deutete ich immer wieder auf andere Bergspitzen und erkundigte mich nach weiteren Namen. Ich wollte diese Namen wirklich wissen, weil mich das Gespräch faszinierte und die Natur sowieso.
Die Zeit, die ich ihm schenkte, war wertvoller als die Unterschrift auf diesem Zettel, und am Ende nahm er zum Abschied meine Hand in seine beiden Hände und hielt sie länger als üblich fest. Ein warmes Gefühl umschlang mein Herz, und winkend verschwand er zu seinen Kühen.
Es wurde kein Pfahl mehr herausgerissen und ich dachte eine Weile nach. Dann kam ich zu dem Schluss: »Sprache funktioniert offensichtlich auch, wenn man nicht jedes Wort versteht – man muss nur eine Basis finden. Also, mit anderen Worten: Wenn man wirklich will, dann klappt Verständigung – Kommunikation funktioniert auch ohne Worte.«

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'Das Spiel der Wächter: Revenge' von Sabine Buxbaum

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Zwei Jahre sind vergangen, seit der Frieden zwischen den Menschen und Vampiren auf eine harte Probe gestellt wurde. Doch nun gibt es erneut Unruhen und den Verdacht, dass sich das Netzwerk um das Spiel der Wächter wieder zusammengefunden haben könnte.

Daniel, der Bruder der Wächter Amy und Michael, ist als Abtrünniger nach der Zerschlagung des Netzwerkes geflohen. Nun wird er erneut verdächtigt, an den Anschlägen beteiligt zu sein. Um einen weiteren Krieg zu verhindern, machen sich Wächter und Vampire aus Louisiana gemeinsam auf den Weg nach Texas, um den Gerüchten auf den Grund zu gehen. Als Amy und Michael heimlich eigene Recherchen anstellen, ahnen sie noch nicht, in welche Gefahr sie sich begeben. Bald finden sie sich inmitten eines Komplotts wieder. Auch Jakob, Amys Freund und Oberhaupt der Vampire, wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muss eine Entscheidung treffen: Will er Amys Bruder töten, um den Frieden zu wahren, oder riskiert er damit, sie am Ende zu verlieren?

Für kurze Zeit zum E-Book-Aktionspreis von nur 99 Cent erhältlich (statt 2,99 Euro).

Anleser:
Prolog
Das Zusammenleben zwischen Menschen und Vampiren war seit jeher von Konflikten geprägt und zwei verheerende Kriege führten zu großen Verlusten auf beiden Seiten. Mit einem Friedensvertrag sollte das Zusammenleben geregelt werden. Um die Menschen zu schützen, wurde eine Spezialeinheit ausgebildet: die Wächter. Sie sollten die Einhaltung des Vertrags sichern. Auch die Vampire bestimmten Oberhäupter, die das Verhältnis zwischen Menschen und Vampiren überwachten.
Eine Zeit lang hielt die Vereinbarung.
2020 drohte der Friede jedoch erneut zu zerbrechen. Eine Gruppe abtrünniger Wächter hatte sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, um Vampire zu vernichten.
Ihre Vernichtungspläne tauschten sie unter dem Deckmantel eines Online-Computerspiels aus. Sie nannten es das Spiel der Wächter.
Dem Oberhaupt der Vampire, Jakob, und dem Oberhaupt der Wächter, George aus Dethmut Valley in Louisiana, gelang es, das Netzwerk in New Orleans auszuheben.
Eine wichtige Rolle dabei spielte die junge Wächterin Amy. Sie geriet dabei zwischen die Fronten, als sich ihr Bruder Daniel den Abtrünnigen anschloss. Da sie und ihr anderer Bruder Michael verdächtigt wurden, ebenfalls Mitglieder der Gruppierung zu sein, war Amy gezwungen, sich Jakob zu stellen, um ihre Unschuld zu beweisen. Dabei entwickelte sie gefährliche Gefühle für ihn, denen auch er sich nicht entziehen konnte.
Schließlich gelang es Amy mit Michaels Hilfe, eine Verbindung zu den Gründern des Spiels aufzubauen. Sie konnten von den Vampiren überwältigt und getötet werden. Amys Bruder Daniel entkam dank ihrer Hilfe dem Inferno.
Zwei Jahre waren zwischenzeitlich vergangen. Zwei Jahre, in denen sich Menschen und Vampire in trügerischer Sicherheit wähnten.

Kapitel 1
Amys Haus in Dethmut Valley, Louisiana
Amy holte sich gerade ein Glas Marmelade aus dem Kühlschrank, als ihr Blick die Blutkonserven streifte, die sie dort für Jakob eingelagert hatte. Ihr fiel auf, dass der Vorrat in den letzten Tagen deutlich geschrumpft ist. Jakob schien aktuell mehr Blut zu benötigen als sonst. Aber er war auch in letzter Zeit Tag und Nacht unterwegs und ruhte nicht. Amy hatte ihn in den vergangenen zwei Tagen kaum angetroffen, obwohl er normalerweise immer ein paar Stunden der Nacht oder des Tages bei ihr verbrachte. Sie waren jetzt fast zwei Jahre zusammen, aber ein gemeinsames Zuhause war in Anbetracht dessen, dass sie ein Mensch war und er ein Vampir, kaum möglich. Amy hoffte, dass er sich doch eines Tages entschließen würde, sich zu einem Menschen zurückverwandeln zu lassen. Dass das möglich war, hatte sie bei ihrem Bruder Michael erlebt. Sie warf einen Blick auf ihn. Michael saß am Küchentisch und leistete ihr wie jeden Tag Gesellschaft beim Frühstück. Immerhin wohnte er nur ein Stockwerk über ihr. Sie war dankbar, dass er am Leben war. Mit Schaudern erinnerte sie sich daran zurück, wie er beinahe sein Leben bei einem Anschlag verloren hätte. Nur eine sofortige Verwandlung in einen Vampir hatte ihn retten können. Doch Michael war so unglücklich darüber, dass Amy einen Weg finden musste, ihn zurückzuverwandeln. Glücklicherweise gab es in Dethmut Valley ein Forschungslabor, das von dem uralten Vampir Roger betrieben wurde. Er hatte schon vor einigen Jahren einen Weg gefunden, Vampire wieder in Menschen zurückzuverwandeln. Viele Vampire machten von seinen Fähigkeiten Gebrauch. Aber es war riskant. Je älter ein Vampir war, desto schwieriger war es. Zwar hatte Jakob laut Roger noch Zeit, doch Amy hatte das Gefühl, dass es Jakob gefiel, ein Vampir zu sein. Immerhin war er das Oberhaupt der Vampire von ganz Louisiana.
Amy stellte das Marmeladenglas auf den Tisch und beobachtete, wie ihr Bruder die Zeitung las.
„Gibt es interessante Neuigkeiten?“, begann sie ein Gespräch.
Michael schüttelte den Kopf. „Nichts Besorgniserregendes“, antwortete Michael. Er legte die Zeitung beiseite und bestrich ein Stück Brot mit Amys Marmelade. „Ich bin gespannt, worum es heute in der Ratssitzung geht. Es gab dieses Mal kein Programm im Vorfeld“, meinte er.
Amy war sehr stolz, dass auch sie nun wie ihr Bruder zum Wächterrat gehörte. Sie war die erste Frau, die dieses Amt bekleiden durfte.
„Es muss wichtig sein“, stellte Amy fest. „Immerhin sind auch die Vampire dazu eingeladen.“
Amy freute sich, dass Jakob den Vampir Richard zu der Sitzung mitbringen würde. Amy hatte mit Richard vor zwei Jahren eine tiefe Freundschaft geschlossen. Er war einer der ältesten Vampire der Gegend und doch hatte er seine menschliche Seite nie verloren. Amy mochte seine Weisheit und Ruhe, die er auch in schwierigen Zeiten bewahrte. Er war der Burgherr von Burg Steinfels, dem Sitz der Vampire in Dethmut Valley. Jakob hielt sich dort die meiste Zeit auf, wenn er nicht bei Amy war. Sie mied die Burg jedoch, weil sich dort zu viele Vampire aufhielten, die sie in schlechter Erinnerung hatte. So war sie froh, dass das Treffen in der Wächterzentrale von Dethmut Valley stattfand. Wie die Burg lag sie auf einer Anhöhe oberhalb der Kleinstadt.
„Wir sollten langsam aufbrechen“, meinte Michael. Er trank noch den letzten Schluck Kaffee und räumte sein Geschirr in den Geschirrspüler. Amy raffte sich auch auf. Sie war in letzter Zeit sehr müde. Durch Jakob war ihr Tag-Nacht-Rhythmus völlig durcheinander. Jakob war lieber in der Nacht aktiv, obwohl er durch die präparierten Blutkonserven keine Probleme mit dem Tageslicht hatte. Amy blieb wegen ihm oft viel länger wach, als ihr gut tat.
Gerade als sie mit Michael das Haus verlassen wollte, klingelte sein Handy.
„Abgesagt?“, hörte sie ihn fragen. Als Michael nach kurzer Zeit auflegte, erklärte er Amy besorgt: „Die Sitzung findet heute nicht statt. Wir müssen heute nicht in die Zentrale kommen. Wir sollen uns frei nehmen.“
Amy war verwundert. Sie zog ihr Handy aus der Tasche und versuchte Jakob zu erreichen. Er hob nicht ab. Amy hatte ein komisches Gefühl. Vielleicht auch, weil ihr Bruder so besorgt wirkte. Sie setzten sich noch einmal an den Küchentisch.
„Was hast du?“, fragte sie Michael. „Du wirkst so angespannt.“
„Ich weiß auch nicht, aber irgendetwas stimmt nicht.“
Amy verstand nicht. „Was stimmt nicht?“
„Findest du nicht auch, dass sich George in den letzten Tagen seltsam benommen hat?“, fragte Michael. George war das Oberhaupt der Wächter von Louisiana und damit Amys Boss. Aber sie liebte ihn wie ihren Vater. Er hatte sich nach dem Verlust ihrer Eltern ihrer angenommen und sie zu einer Wächterin ausbilden lassen.
Amy überlegte. Sie hatte George in den letzten Tagen kaum gesehen.
„Inwiefern benimmt sich George seltsam?“, bohrte sie nach.
Michael verschränkte nachdenklich seine Arme. „Ich habe das Gefühl, dass er mir aus dem Weg geht. Wann immer ich in den letzten Tagen ein paar Worte mit ihm wechseln wollte, ist er mir ausgewichen. Ich habe ihm angeboten, das Programm für die Sitzung aufzustellen, aber er wollte mir keine Punkte nennen. Er benahm sich einfach sonderbar. Als wollte er mir etwas verschweigen. Und dann wird heute die Sitzung abgesagt und wir bekommen frei.“
Michael hatte ein gutes Gespür für Menschen. Das wusste Amy. Vor zwei Jahren hatte das Vertrauensverhältnis zwischen Michael und George starke Risse bekommen, als George vermutet hatte, dass Michael ebenfalls mit dem Netzwerk der Abtrünnigen zu tun hat. Immerhin war ihr Bruder Daniel darin verwickelt gewesen. Michael konnte sich zwar rehabilitieren, aber Amy wusste, dass das Spiel der Wächter in George und Michael Spuren hinterlassen hatte. Auch in ihr. Sie wachte noch heute manchmal schweißgebadet auf, weil die Bilder der Hinrichtung der Abtrünnigen ihr Albträume bescherten. Sie musste damals lernen, dass die Monster sowohl unter den Vampiren als auch unter den Menschen zu finden waren.
Seit Daniel verschwunden war, lebten sie und Michael mit der Angst, ihr Bruder könnte sich wieder in Schwierigkeiten bringen.
Jakob hatte Amy versprochen, Daniel nicht zu jagen, aber konnte er verhindern, dass es andere taten?
Ihr Bruder hatte Fehler gemacht, aber Amy hatte ihn geliebt. Sie und Michael lebten immer in der Angst, jemand würde ihnen über Daniels Tod berichten. Amy hatte aber noch mehr Angst, dass man ihr Daniels Tod verschweigen könnte. Vor allem, wenn er in die Fänge der Vampire geraten würde.
„Ich werde versuchen, Jakob zu erreichen. Vielleicht weiß er was.“ Amy wählte erneut seine Nummer. Wieder nichts.
Es kam eher selten vor, dass Jakob nicht auf ihre Anrufe reagierte. Das beunruhigte sie. „Ich werde auf die Burg fahren“, erklärte Amy daher.
„Ich komme mit dir mit“, bot Michael an. „Ich weiß, dass du da nicht gerne hinfährst.“
Amy wusste, dass es Michael noch immer schwer belastete, dass er sie als Vampir auf der Burg töten wollte. Er hatte keine Kontrolle über sich. Amy hatte ihm das nie nachgetragen. Sie war froh, dass er sie nach Burg Steinfels begleiten wollte.

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26. November 2021

'The Vandraren Stories - Geisterjäger' von Michelle Mittag

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website zum Buch
Die vierzehnjährige Tamina lebt mit ihrer Familie im Herzen des Erzgebirges. Sie geht in die achte Klasse des örtlichen Gymnasiums und verbringt ihr Leben hauptsächlich damit, Bücher zu lesen oder sich mit Freunden zu treffen.

Da platzt eines Tages ebenso plötzlich, wie unerklärlich, Alex in ihr Leben. Als Tamina sich auf dem Konzert ihrer Lieblingsband unversehens Auge in Auge mit dem Bassisten gegenübersieht, der ihr dann noch eine mysteriöse, rubinrote Kugel in die Hand drückt, beginnt die wohl abenteuerlichste Reise ihres Lebens ...

Anleser:
Es ist Nacht. Zwei Gestalten stehen auf einem Hügel und blicken hinab auf ein wütend tosendes Inferno, das den Himmel weithin rot und drohend erleuchtet und die nä¬here Umgebung in ein beinahe taghelles Licht taucht. Die Hitze der Flammen ist bis zu den schweigenden Beobachtern spürbar, obwohl diese bereits weitab der Szenerie stehen.
Schließlich hebt der Größere der beiden zu sprechen an und seine markante Stimme durchbricht den Augenblick. „Sie haben es tatsächlich getan. Ich hatte es nicht für möglich gehalten. Die armen Menschen. Auch wenn sie zum Feind gehören. So viele unschuldige Seelen.“
Sein Begleiter starrt ihn für einen Moment an, dann wendet er den Blick zurück auf die flammende Hölle unter ihm. Als er schließlich antwortet, ist seine Stimme zornig: „Du hast es ihnen wahrlich nicht zugetraut, Sadwyn? Ich habe dir doch prophezeit, dass es so geschehen würde. Ich habe es schon so oft erlebt, wie sich Menschen gegenseitig abschlachten wegen eingebildeter Differenzen und einer Handvoll Wahnsinniger, die sich wie die Könige der Welt aufführen müssen … Ich glaube, ich gebe auf. Ich verkünde hiermit offiziell, meinen Glauben an die Menschheit verloren zu haben.“
„Ach Arwan, das kann ich dir nicht abnehmen. Du hast nur leider in deinem Leben viel zu viele von solchen Leuten kennengelernt und was mit deiner Familie damals passiert ist …“
„Lass meine Familie da raus!“, schnappt die zweite Gestalt bissig, als in der Ferne plötzlich Flugzeugmotorengeräusche laut werden. „Wir sollten von hier verschwinden“, schließt er seinen Satz abrupt und seufzt genervt.
Mit einem letzten Blick auf das brennende Dresden wenden sich beide ruckartig ab und sind verschwunden.

65 Jahre später …

Der Wecker reißt mich mit einem lauten, für meinen Geschmack übermotivierten und daher unangebrachten „Piep–Piep–Piep“ aus dem Schlaf. Ich drücke mit mehr Wucht, als eigentlich notwendig gewesen wäre, auf die Ausschalttaste und setze mich auf. Es ist Montagmorgen. Bah. Ganz präzise gesprochen ist es Montagmorgen um Viertel nach sechs. Zeit zum Aufstehen, um den morgendlichen Spurt aus Anziehen–Frühstücken–zum–Bus–Rennen hoffentlich rechtzeitig vor der Abfahrt von Letzterem zu bewerkstelligen. Doch kurz kuschele ich mich noch einmal in die Laken. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und schaue mich in meinem Zimmer um. Die orange Tapete an der Wand, die vertrauten Borten mit den verschlungenen Blütenblättern und darüber an der Decke die Holztäfelung. Al¬les scheint wie immer. Außer, dass es sich seit einigen Nächten definitiv nicht mehr so anfühlt. Ich werde seit Tagen von Alpträumen geplagt – richtig miesen Alpträumen mit fiesen Typen, Monstern, meinem eigenen Beinahe–Ableben … dem gan¬zen Programm also. Jedoch fühlen sich diese Träume so real an, als würden sie mir ins Ohr flüstern: „Wir sind wahr, wir sind so geschehen!“ Doch das wäre einfach zu absurd gewesen.

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'Geni(t)aler Mord auf Ibiza: Kriminalroman' von Harry Robson

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website Harry Robson
Das Zimmermädchen erschreckt sich fürchterlich, denn es findet am frühen Morgen einen toten Mann im Bett des Hotelzimmers. Ihm wurde mit einem scharfen Messer das Geschlechtsteil abgetrennt und in den Mund gesteckt. Der Tote und das Bett: Alles ist voller Blut, ein Schlachtfeld. Carlos Delgado, Chef der Mordkommission Ibiza, ermittelt und bittet seinen alten Freund Harry Robson um Mitarbeit.

Was ist passiert? Wer war der Tote? Wo liegt das Motiv? Es gibt keinerlei Spuren am Tatort! Ein spannender Ausflug in die Abgründe von SadoMaso.

Anleser:
Ich war wirklich froh darüber, dass ich vor einigen Jahren meine Zelte in Deutschland abgebrochen hatte, um hier auf Formentera meinen Ruhestand zu verbringen.

Mitten in diese Stille und Ruhe hinein meldete sich mein Smartphone mit der Melodie "Sound of Silence", gespielt von Hank Marvin. Ein Quell ewiger Freude.
»Hallo Harry, mein Freund, wo bist du gerade?«
Es war noch früher Morgen, und Carlos erreichte mich in bester Fahrradstimmung.
»Ich bin auf der Fähre nach Ibiza.«
»Ja was machst du denn da?«
»Ich hab dir doch erzählt, dass ich mir ein E-Bike angeschafft habe. Das wollte ich heute mal in den Bergen Ibizas ausprobieren.«
»Das trifft sich gut. Kannst du hier im Hotel "Sunny Beach" vorbeikommen? Das liegt doch auf dem Weg. Ich habe da eine Sache, die dich mächtig interessieren wird. Außerdem könnte ich dich hier sehr gut gebrauchen.«
»Und was ist das?«
»Bisschen schwierig am Telefon. Komm einfach her, dann zeig ich es dir. Zimmer 321. Ich sag meinen Leuten Bescheid, dann kannst du problemlos zum Tatort vordringen.«

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'Ein Dorf in Angst und Schrecken: und andere unheimliche Geschichten' von Bernd Töpfer

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Autorenseite bei Amazon
In der Titelgeschichte ist ein ganzes Dorf den Mordgelüsten eines Geistes ausgesetzt, ein Entkommen ist unmöglich.

In weiteren Geschichten lesen Sie von einem sprechenden Schatten, von einem Clown, der Luftballons verschenkt, auf denen man lesen kann: Sei lustig oder stirb. Dann verschwindet mal ein ganzes Dorf, ein gutmütiger Mensch rastet aus, und auf einem Stoppelfeld machen Sie Bekanntschaft mit dem blanken Horror.

Oft enden die Geschichten nicht so, wie man vermuten könnte; der Autor versteht es, seine Leser zu überraschen.

Anleser:
Aus: Ein Dorf in Angst und Schrecken

Eines Freitagabends, es war ein kalter Novembertag, saßen sie in der Küche und aßen zu Abend. Der Kater hockte neben Helmut auf der Eckbank. Plötzlich, als ob das Tier etwas gestochen hätte, sprang er von der Bank und verschwand unter ihr. Das hatte er noch nie gemacht. Und so plötzlich? So, als hätte er vor irgendetwas Angst bekommen. Aber vor was sollte der Kater denn Angst haben? Und dann hörte das Ehepaar draußen an der Hauswand etwas vorbeirauschen. Es war wie ein Zischen, zwei oder drei Sekunden lang. Dann war wieder alles ruhig. Außer dem Radio, da spielte Musik.
Wegen des Katers und dieses Zischens machten sich die Kowalskis zunächst keine Sorgen … wer wusste schon, was das war.
Aber plötzlich verstummte die Musik, der ganze Sender war weg … ein Rauschen, dann eine weibliche Stimme: »Achtung, Achtung. Ich spreche zu Helmut Kowalski. Bitte verlassen Sie heute nicht mehr Ihre Wohnung. Ich wiederhole, egal was passiert, verlassen Sie nicht Ihre Wohnung.«
Das verschlug den beiden für einen Moment die Sprache. Sie sahen sich an, sprachlos, mit verwunderten Blicken. Was war das denn? Und dann folgte sofort die nächste Überraschung. Drüben, im Sägewerk, da hatte jemand die Sägemaschine angestellt.
»Das darf doch nicht wahr sein.« Helmut haute mit der Faust auf den Tisch und erhob sich von seinem Platz.
»Du willst doch nicht rüber gehen, oder? Denk an die Warnung aus dem Radio.«
Aber Helmut ließ sich nicht zurückhalten. »Papperlapapp, da will mir einer einen Streich spielen.«
Martha war das nicht recht, sie hatte Angst um ihren Helmut. »Denk an die Warnung.«
Helmut nahm das nicht ernst. »Die mit ihrer verdammten Technik heutzutage können so vieles, vielleicht können die sogar den Sender tot legen und sich in die Radiofrequenz einschalten … ach, was weiß ich. Da macht sich jemand einen Jux mit mir. Wenn ich die verdammte Säge nicht ausschalte, Martha, dann finden wir in der Nacht keine Ruhe. Ich muss rüber ins Werk.« Sprach es und verließ das Haus.

Martha blieb am Tisch sitzen, voller Zweifel und Bedenken. Die Angst saß ihr im Nacken. Mit dem Radio, dies ging nicht mit rechten Dingen zu. Überhaupt nicht. Und Helmut wurde direkt angesprochen. Sie wusste nicht, was sie von all dem halten sollte. Dinge gab es, die gab es eigentlich nicht. Vielleicht hätte sie Helmut begleiten sollen? Aber nun war es eh zu spät. Bis rüber zur Säge … zwei Minuten, länger nicht, dachte sie. Und plötzlich klang die Säge anders. Es wurde gesägt … irgendetwas. Das dauerte ganz kurz, vielleicht dreißig Sekunden. Und dann war Stille.
Also müsste Helmut gleich wieder bei ihr sein. Dann hätte der ganze Spuk ein Ende. Aber nach fünf Minuten war Helmut immer noch nicht zurück. Wer wusste, was da draußen los war? Vielleicht unterhielt sich Helmut mit dem Eindringling. Vielleicht war es einer aus dem Dorf gewesen. Nach fünfzehn Minuten war Helmut immer noch nicht zurück. Der müsste sich doch denken, dass sie sich Sorgen machte. Martha fasste den Entschluss, selbst nachzusehen. Sie machte sich auf den Weg.
Sie sah das offene Sägewerktor, Licht brannte. Zwei Minuten Weg, dann sah sie Helmut. Aber er war nicht wiederzuerkennen ...

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25. November 2021

'Magischer Winterflirt (Schwedische Träume 1)' von Sylvia Filz und Sigrid Konopatzki

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Ein gemütliches Holzhaus am See in einem hübschen Dorf in Schweden – herrlich unbeschwerte Sommer, malerisch schneereiche Winter – das ist der Traum vieler Skandinavien-Fans. Schuld daran, dass so ein Sehnsuchts-Haus Knall auf Glücksfall Übersetzerin Diane gehört, ist ihre schwedische Freundin Kajsa.

Dianes neuer Lebensmittelpunkt wird ein ganz besonderes Winterdorf, das sich, märchengleich, zwei Wochen im Advent weihnachtlich geschmückt für Touristen aus aller Welt öffnet und ein nahezu magisches Erlebnis bietet. Kurz vor Adventsbeginn zieht Diane ein und wird gleich von dem attraktiven Sonnyboy Krister umworben. Zudem lernt sie Tischler Fynn kennen. Er ist für sie ein unnahbarer Brummbär. Durch den Fund eines hilflosen Welpen blickt sie hinter seine harte Fassade. Zu Dianes Schrecken kündigt sich auch noch ihr Chef als Besuch an – und bleibt.

Alter Schwede! Was für eine turbulente Weihnachtszeit!

Anleser:
Sie hörte einen Wagen vorfahren und schaute neugierig aus dem Fenster. Ein schwarzer SUV mit Ladefläche hielt vor dem Haus. Sie stob in die Gästetoilette, blickte in den Spiegel und wuschelte in ihrem Haar. Yes, so ging es.
Schon klingelte es, sie lief zur Haustür und zog sie erwartungsvoll auf. Erschreckt trat sie einen Schritt zurück. Vor der Tür stand – wie konnte man diesen Menschen am besten beschreiben – das Abbild eines Wikingers! Dieser Mann war groß und breit, er trug einen dunkelblonden Vollbart und sein Haar war auf dem Oberkopf zu einem Dutt geknotet. Seine auffallend tiefblauen Augen wirkten aber genauso grimmig wie der Rest seines verschlossenen Gesichtes. Hätte man ihm eine Axt in die Hand gedrückt und ihn loslaufen lassen, man hätte ihn in einen Historienfilm packen oder auch Angst bekommen können.

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'Der unheimliche Weihnachtszirkus' von Tina Singh

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Alle halten Maxis Opa für verrückt weil er wirres Zeug redet und überall im Garten Knoblauch vergräbt. Je näher Weihnachten rückt, umso schlimmer scheint Opas Zustand zu werden und selbst Maxi beginnt allmählich an Opas Verstand zu zweifeln.

Doch eines Nachts vertraut sein Opa ihm ein uraltes Familiengeheimnis an das bis ins finstere Mittelalter zurückgeht: Demnach soll es sich um einen generationsübergreifenden Fluch handeln der die Familie alle 100 Jahre einholt, nämlich immer an Weihnachten und es sollen bereits schon etliche Vorfahren im Laufe der Geschichte auf mysteriöse Weise spurlos verschwunden sein! Laut Maxis Opa sind nun wieder die 100 Jahre vorbei und bald schon ist es Weihnachten ...

Wird es Maxi gelingen den Jahrhundertfluch diesmal noch rechtzeitig aufzuhalten?

Ein Buch in 24 Kapiteln. So spannend, dass man es nicht mehr weglegen kann!
Das ideale Weihnachtsgeschenk für Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren.


Anleser:
Gott sei Dank war bald Weihnachten und dann hätte ich endlich mal wieder Ferien!
Allmählich wurde es echt total Zeit dafür.
Mir rauchte nämlich schon der Kopf von den vielen Schulaufgaben der letzten Wochen. Dieses Jahr war ich dreizehn geworden und erst seit kurzem besuchte ich die siebte Klasse, die im Vergleich zu meinen früheren Klassen alles andere als easy war! Mich wunderte es daher auch nicht großartig, dass ausgerechnet in der siebten Klasse immer wieder die meisten Leute sitzenbleiben. Auch ich war heute mal wieder ganz woanders mit meinem Kopf und hatte mich seit der vierten Schulstunde schon hirnmäßig ausgeklinkt. Verträumt gaffte ich lieber aus dem Klassenzimmerfenster. Dabei bemerkte ich, dass es gerade wieder zu schneien angefangen hatte. Mir kamen die vielen kleinen Schneeflocken vor wie Millionen von weißen Federn die wild in der Luft herumwirbelten. Neben mir saß Alex. Aber das war ja nichts Neues. Seit der ersten Klasse waren wir Banknachbarn geblieben und er war ja auch mein bester Freund. Genauso wie Opa.
Manche Dinge ändern sich eben nie.
Auch dass ich mir jedes Schuljahr immer einen Fensterplatz aussuche der möglichst weit hinten im Klassenzimmer ist. Da wird man nämlich nicht so schnell von den Lehrern beim Abschreiben oder Schwätzen erwischt …
Ja, manche Dinge ändern sich eben nie.
Andere Dinge leider eben schon: wir sind nämlich dieses Jahr umgezogen. Wir, das sind außer mir noch meine Eltern und meine kleine Schwester Mia. Wir wohnten jetzt mit unserem Opa zusammen in seinem großen Haus. Darum musste ich jetzt neuerdings auch mit dem Bus zur Schule fahren, was mich ziemlich nervte. Es regte mich wirklich auf, dass ich jetzt täglich eine Stunde früher aufstehen durfte um den blöden Bus zur Schule zu erwischen! Der kam nämlich nur stündlich und weil er so selten fuhr war er in der Früh ständig so dermaßen grottenvoll, dass ich nur selten einen Sitzplatz bekam und meist die ganze Fahrt lang stehen und mich von anderen Leuten herumschubsen lassen musste. Das kann einem wirklich ganz schön auf die Nerven gehen! Und dass alles nur weil Opas Haus sehr viel weiter von der Schule entfernt war als unsere frühere Mietwohnung. Trotzdem fand ich es eigentlich ja auch nicht schlecht, dass wir jetzt bei Opa wohnten.
Es war wirklich super Opa nun täglich zu sehen und immerhin musste ich mit meiner kleinen Schwester Mia nicht mehr ein gemeinsames Zimmer teilen. Denn das Haus meines Opas war groß genug, so dass jetzt jeder von uns ein eigenes Zimmer hatte. Ich schaute wieder aus dem Fenster. Mittlerweile hatte es aufgehört zu schneien. „Dein Opa ist aber schon etwas verrückt, oder?“ riss mein Freund Alex mich plötzlich aus den Gedanken und sah mich dabei etwas komisch von der Seite an.
„Wie kommst du denn darauf?“ entgegnete ich etwas beleidigt. Klar, mein Opa war in den letzten Jahren schon ziemlich alt geworden und sicherlich war er auch nicht mehr ganz der Hellste unter uns. Das war ja auch einer der Gründe gewesen warum wir zu ihm gezogen sind. Opa konnte sich also schon länger nicht mehr selbst um das riesige Haus und seinen Garten kümmern und musste neuerdings ziemlich oft zum Arzt. Darum kümmerte sich jetzt meine Mutter um ihn und da meine Eltern nun bei Opa ja auch keine Miete mehr bezahlen mussten hatten wir nun viel mehr Geld übrig und mussten nicht mehr so sparsam leben wie vor kurzem noch. Mittlerweile gab es auch zum Frühstück wieder die echten Kellog`s und nicht mehr diese Fake-Marke, die meine Mama sonst gekauft hatte. Daher kam es meinen Eltern sehr gelegen, dass Opa vorgeschlagen hatte doch zu ihm zu ziehen. Alex guckte mich immer noch ernst an. „Naja, du weißt schon wie ich das meine, Maxi!“ Ich sagte nichts darauf und zuckte nur mit den Schultern. Ja, ich ahnte schon was Alex damit meinte. Dass mein Opa langsam verrückt zu werden schien hörte ich von meinen Eltern mittlerweile ja oft genug.
Mich wunderte nur, dass Alex jetzt auch schon damit anfing meinen Opa für verrückt zu halten. Alex hatte mich nämlich mal am Wochenende besucht und blöderweise ausgerechnet genau dann bei uns geklingelt als mein Opa gerade mal wieder etwas wirr im Kopf zu sein schien. „Wir sind in Gefahr! Wir brauchen Knoblauch, viel mehr Knoblauch!“ hatte Opa immer wieder aufgeregt aus dem Fenster gerufen. „Aber Vater, du hast doch schon genug Knoblauch.“ hatte meine Mutter genervt zurückgerufen nachdem sie Alex die Tür geöffnet hatte. Doch Opa hatte nur energisch den Kopf geschüttelt. „Nein! Ihr versteht mich nicht! Wir brauchen noch mehr Knoblauch, viel mehr! Bald ist Weihnachten und sie kommen! Sie werden kommen und uns entführen!“ schrie mein Opa aus Leibeskräften als sei er völlig irre geworden. Da hatte meine Mutter seufzend die Augen verdreht und uns zugeflüstert, dass wir unseren Opa um Gottes Willen ja nicht ernst nehmen sollten. Alex hatte nur verwundert dabei zugeschaut wie mein Opa daraufhin beleidigt sein Fenster zugeschlagen hatte, aber er hatte mich wenigstens nicht darauf angesprochen. Ich weiß wirklich nicht genau seit wann Opa damit angefangen hatte auf einmal massenweisen Knoblauch in seinem Zimmer zu horten und ständig daran zu glauben, dass wir alle in Gefahr sein könnten. Aber ich dachte mir einfach, dass es eben damit zu tun hatte, dass Opa mittlerweile schon ziemlich alt war …

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24. November 2021

'Diana & Julius und das Buch der Katastrophen - Die Wasserhexe' von Daniela Muthreich

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Daniela Muthreich
Diana konnte nicht ahnen, dass sie die Geschichte, die sie heimlich im Buch ihrer Freundin gelesen hatte, selbst erleben würde. Auch war ihr nicht klar, dass sie in diesem Moment den Zugang zu einer geheimen Verbindung in die Zwischenwelt öffnete und damit die Geister der Katastrophen weckte. Ihr bisheriges Leben veränderte sich vollkommen.

Bei der Suche nach den Ursachen für ein Unglück, welches ihr Dorf heimsuchte, erlebt sie mit ihrem Freund Julius eine unglaubliche Geschichte, welche die beiden ins Mittelalter zurückführt. Sie treffen auf magische Wesen, kämpfen gegen Verbündete des Bösen und schließen Freundschaften mit fabelhaften Geistern. Ihre Aufgabe ist es, mithilfe von Zauber-Rätseln eine längst vergangene Katastrophe zu verhindern, um das gegenwärtige Schicksal ihres Dorfes umzukehren. Doch können sie es schaffen, sich und ihre Freunde und Verwandten zu retten?

Ein Jugendbuch für Leser ab 10 Jahren – spannend und gruselig ohne grausam zu sein.

Anleser:
Eine Nacht im Kloster
[…] »Nebelsee. Was soll das sein?« Als die Klosteruhr zehnmal schlug, öffnete Diana vorsichtig ihre Tür und schlich die Treppe hinunter. Der Weg in den Garten war ihr inzwischen bekannt. Sie atmete auf, als sie vor den Kräuterbeeten stand, die vom Mondlicht schwach angestrahlt wurden. Wo war denn jetzt Julius? Suchend blickte sich Diana um und vernahm schon in einiger Entfernung Schritte. Bevor sie ihren Freund beim Namen rufen konnte, zischte jemand von hinten: »Du bist nicht allein! Sei leise!«
»Wer ist denn bei mir?«, fragte das Mädchen und zitterte am ganzen Körper.
»Die haben hier Wachen! Du musst aufpassen!« Diana drehte sich mit einem Ruck um, aber das Einzige, was sie im Mondschein sehen konnte, waren die Umrisse eines Besens […] schnell versteckte sie sich hinter einem Gebüsch, als auch schon zwei Personen in Umhängen durch den Kräutergarten liefen. Sie verschwanden beim verborgenen Eingang in der Klostermauer.

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23. November 2021

10 Jahre Buch-Sonar

Link zum ersten Blogbeitrag
vom 29. November 2011
Zum 10. Geburtstag des Buch-Sonars möchte ich euch den ersten Beitrag dieses Blogs, der damals noch eBook-Sonar hieß, erneut auf die Startseite holen. Unter der Überschrift "Wohin soll denn die Reise gehen" ruft er in Erinnerung, mit welchen Intentionen ich mich damals ans Werk gemacht habe.

Selbstverständlich hat sich der Blog seitdem verändert und weiterentwickelt. Erfahrungen, gute wie schmerzliche, haben letztlich aber immer zu Wachstumsschüben geführt. Im Ergebnis zeigt sich das Buch-Sonar heute als lebendiger Treffpunkt für Bücherfreunde, der in den Sozialen Netzwerken eine große Aufmerksamkeit genießt und von vielen Autoren, teilweise von Anfang an, regelmäßig für ihre Buchwerbung genutzt wird.

Mehrere tausend Buchvorstellungen von einigen hundert Autoren gibt es inzwischen im Buch-Sonar zu entdecken und wöchentlich werden es mehr. Vielleicht ist der Blog-Geburtstag ein Grund für euch, ein wenig im Archiv zu stöbern? Denn auch die Bücher aus der Anfangszeit sind noch da. Zunächst aber schaut euch an, wie alles angefangen hat:

Der erste Beitrag im Buch-Sonar vom 24.11.2011:
Wohin soll denn die Reise gehen?

Hier ist er also, mein neuer Blog. Seit einem Klick kann er gefunden, besucht und begleitet werden. Und weil ich ein höflicher Mensch bin, sage ich zunächst einmal: Herzlich Willkommen, schaut euch um und kommt recht bald wieder. Denn dieser Blog wird sich füllen, mit Funden aus den Weiten des Internets, mit Empfehlungen für die digitale Lektüre und dem, was ich zum Thema eBook für erzählenswert halte. In dieser ersten Wortmeldung will ich euch erläutern, was mich zu diesem Blog-Projekt bewogen hat und was ihr davon erwarten dürft. Auf denn, zum Editorial.

Die eBooks machen gegenwärtig in einer Breite Furore, dass es schwerfällt, dabei den Überblick zu behalten. Täglich kommen unzählige neue Titel auf den Markt, überall im Web wird das Für und Wider debattiert, Plattformen werben für ihre Angebote. In den sozialen Netzwerken wird getwittert, gebloggt und gepostet was das Zeug hält. Eine Flut von Meldungen brandet auf alle ein, die sich für das Thema interessieren. Kaum ist eine Nachricht in der Welt, wird sie auch schon von der Nachfolgenden überlagert und verschwindet, ohne wahrgenommen worden zu sein. Was allein bei Twitter und Facebook binnen Stunden an ganz gewiss Spannendem vorbeiscrollt, lässt mich oft genug frustriert zurück - und stetig wächst der Vorrat an nie geöffneten Links, die ich für irgendwann später vorgemerkt habe. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, einen Blog aufzusetzen, der relevante Neuigkeiten über eBooks einfängt und bewahrt.

Ein zweites Motiv für diesen Blog sind die Akteure, die mit ihren eBooks den etablierten Buchmarkt in Bewegung versetzen. Die Zahl der Autoren, die ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen - und ich zähle mich auch dazu - wächst sprunghaft. Wer seine Werke selbst verlegt und vermarktet, hat es jedoch sehr schwer, sich auf dem Markt zu etablieren. Unabhängige Autoren machen das Lesen vielseitiger, lebendiger, persönlicher und sympathischer - doch es ist ein mühsamer Weg, dies zu vermitteln. Deshalb werde ich, als Form der gegenseitigen Unterstützung, in diesem Blog die eBooks befreundeter Autoren empfehlen. In der ersten Zeit können diese Vorschläge sehr zahlreich sein, denn in den vergangenen Monaten sind bereits viele Titel erschienen, die das Lesen lohnen. Über die Kommentarfunktion darf jeder Besucher meines Blogs bekannt geben, ob er diese Meinung teilt.

Ich nenne meinen Blog eBook-Sonar, weil ich das damit verbundene Bild für äußerst treffend halte: In einem Ozean aus Meldungen orte ich, was mit dem Stichwort eBook unterwegs ist, fische heraus, was ich für beachtenswert erachte und halte es sichtbar. Mein Ziel ist es, so einen regelmäßig aktualisierten und schnellen Überblick über angesagte Trends und lesenswerte eBooks zu bieten. Wer mag, kann diesen Service für sich nutzen - und seinen Freunden davon erzählen.


19. November 2021

'Der Tote von Südwesthörn' von Hermann Markau

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website Hermann Markau
Broder Jensen ist ein Filou, der nichts auf die Reihe kriegt. Als sich auch noch seine große Liebe von ihm trennt, droht sein Leben ganz aus den Fugen zu geraten. Er flüchtet sich in sein Stammlokal, wo ihm kurze Zeit später die Chance seines Lebens geboten wird. Er greift zu, um endlich einmal das Glück beim Schopfe zu packen. Damit nimmt das Schicksal seinen Lauf …

Kellers 3. Fall - ein Nordfriesland-Krimi

Anleser:
Der Kapitän kaute mit stoischer Ruhe sein Kaugummi und antwortete nicht auf die Frage seines Freundes, als wenn er sie nicht gehört hätte. Womöglich verlangte auch der rege Betrieb auf dem Wasser, der um sein Boot wuselte, erhöhte Aufmerksamkeit.
Die Malaga befand sich auf Höhe des Airbus-Flughafens, dessen Start- und Landebahn auf der Backbordseite des Kutters von der Finkenwerder Insel in den Fluss hineinragte. An Steuerbord passierte sie gerade den Fähranleger Teufelsbrück. Elbfähren und Elbschlepper kreuzten ihren Weg. Einige Lastkähne schipperten an ihr vorbei. Und recht voraus kam ihr ein gigantischer Pott entgegen. Knallrot mit weißen Aufbauten: Einer von den Frachtern, die fünfzehntausend oder mehr Container befördern können.
»Sind ja übermorgen noch nicht da, hab ich gesagt«, wiederholte Beule und sah zu seinem Kapitän hinüber.

Als die außergewöhnlich hohe Bugwelle eines entgegenkommenden Tankers gegen die seitliche Bordwand der Malaga klatschte, verloren Schipper und Maschinist für einen Augenblick ihr Gleichgewicht und schwankten zuerst nach Backbord- und unmittelbar darauf Richtung Steuerbordseite des Ruderhauses. Beule traf der Schlag so hart und unvorbereitet, dass er kurz in die Knie ging und einen Ausfallschritt machen musste.

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'Wo Schnee nach Liebe riecht' von Lisa Torberg

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Stephen Winter muss dringend etwas gegen die aberwitzigen Versuche seiner achtjährigen Nichte Maisie unternehmen, ihn zu verheiraten. Sein Leben ist gut, so wie es ist. Er ist Arzt aus Leidenschaft, lebt für seine Patienten und seine Tochter July. Seine todgeweihte Frau hat er damals geheiratet, weil er sie liebte. Eine andere braucht er nicht.

Delaney Beaumont liebt ihre Heimatstadt Montreal und alles, was glitzert und funkelt. Als nach dem Tod eines Eigenbrötlers in einem Banksafe in Mount Pearl jahrhundertealter Schmuck gefunden wird, überwindet sie dafür sogar ihre Flugangst.

Aber warum hat ihr niemand gesagt, dass Neufundland so rückständig ist? Auf einer vereisten Straße ausgerechnet vor diesem Arzt zu stürzen, dessen Nähe trotz der Eiseskälte Hitzeschauer durch ihren Körper jagt, war nicht ihr Plan.

Ein bezaubernder Liebesroman mit Happy-End-Garantie aus dem verschneiten Kanada.

Anleser:
»Miss Woodman ist nicht nur nett, sie ist auch wirklich hübsch, Onkel Stephen.«
Maisie schaut in seine Richtung, während sie ein Stück Kartoffel in den Mund schiebt und zu kauen beginnt. Stephen umklammert Gabel und Messer fester, senkt den Blick und konzentriert sich auf das Fleisch auf seinem Teller. Er darf seine Nichte nicht ansehen, um ihr nicht unwirsch zu antworten. Sosehr er die Siebenjährige mit ihren weizenblonden Locken und den haselnussbraunen Augen liebt, sie nervt.
Hätte ihm vor zwei Jahren, bevor Liam nach Mount Pearl zurückkam, gesagt, dass er Scarlett doch noch heiraten würde, er hätte denjenigen wüst beschimpft. Obwohl Ausfälligkeiten ganz und gar nicht seine Art sind. In diesem Fall hätte er sich jedoch vergessen, denn Liam Cranford hatte ihre Heimatstadt im wahrsten Sinne des Wortes bei Nacht und Nebel dreizehn Jahre zuvor verlassen – ohne Erklärung. Wobei diese wiederum eigentlich auf der Hand lag. Doch Stephen hatte dem Jüngeren nie verziehen, dass er mit seinem Verschwinden das Leben seiner Schwester zerstört hatte.
Die beiden waren jahrelang das Traumpaar schlechthin gewesen. Sie siebzehn, er einundzwanzig und so verliebt, dass niemand daran zweifelte, dass sie spätestens nach dem Abschluss ihrer Studien heiraten würden. Doch dann war alles anders gekommen, und Stephen hatte versucht, damit fertigzuwerden, dass sich seine Schwester von einem glücklichen Teenager in eine melancholische junge Frau verwandelt hatte. Dabei hatte er zwar nie vergessen, dass an all dem einzig Liams Mutter schuld war, die eine große Zahl an Menschen um viel Geld betrogen hatte, sein Groll hatte sich jedoch gegen seinen Freund gerichtet. Bis dieser mit der kleinen Maisie zurückgekommen war und Stephen begriff, wie sehr Liam gelitten und wie umfassend das Verbrechen seiner Mutter sein Leben verändert hatte. Aber all das ist mittlerweile Vergangenheit – und seine Schwester mit ihrem Mann und den drei gemeinsamen Kindern so glücklich, wie Menschen nur sein können.
»Wieso ist es für dich wichtig, dass Miss Woodman hübsch ist, Maisie?« Scarlett wirft ihrer Tochter einen fragenden Blick zu. »Es ist doch egal, wie eine Klassenlehrerin aussieht. Das Entscheidende ist, dass sie euch so viel wie möglich beibringt und ihr gut mit ihr auskommt.«
Stephen schiebt sich ein Stück Fleisch in den Mund und mustert seine Nichte. Maisies Wangen röten sich.
July, seine vierzehnjährige Tochter, rammt ihrer Cousine den Ellenbogen in die Seite. »Jetzt sag es schon!«
Maisies Kopf ruckt herum. »Was denn? Es gibt nichts zu sagen.« Sie presst ihre Lippen aufeinander.
»Das denke ich auch«, murmelt Liam und wirft dabei einen Blick zu der Wippe auf der Bank, in der Noah mit weit aufgerissenen Augen das Gespräch zu verfolgen scheint. Der jüngste Cranford ist zwar erst fünf Monate alt, aber im Gegensatz zu dem knapp ein Jahr älteren Luke, der längst oben in seinem Bettchen liegt, schläft er nur selten, wenn die Familie um den Esstisch versammelt ist. Was wiederum so gut wie jeden Abend im Haus der Cranfords der Fall ist und nicht nur ihn und seine Tochter July, sondern auch die Hunde miteinbezieht. Orlando, der Neufundländer, den er vor drei Jahren für July gekauft hat, und sein jüngerer Bruder Phönix aus derselben Zucht, den Liam und Scarlett Maisie geschenkt haben. Die beiden riesigen schwarzen Wollknäuel liegen wie immer so eng nebeneinander vor dem Kamin, dass man nicht unterscheiden kann, wo der eine beginnt und der andere aufhört. Sie alle wundern sich jeden Abend, dass die beiden sich problemlos voneinander trennen, sobald er mit July und Phönix heimfährt.
»Das beantwortet nicht die Frage, Maisie.« Scarletts Stimme lässt keinen Zweifel daran, dass sie verärgert ist. Nicht weniger als er selbst, um ehrlich zu sein. Nur will er nicht der Grund für Missstimmigkeiten sein. Andererseits ...
»Schau mich bitte an«, fordert seine Schwester ihre Tochter im Befehlston auf. »Erkläre mir, weshalb das Aussehen deiner Klassenlehrerin von Bedeutung ist und warum du das ausgerechnet deinem Onkel sagst.«
Stephen senkt den Blick und verbeißt sich ein Grinsen. Es ist zwar überhaupt nicht lustig, dass seine Nichte ihn mindestens einmal pro Woche mit dem Namen irgendeiner Frau konfrontiert, aber der Grund dafür so offensichtlich, dass er sich fragt, wie Scarlett diesen ausdruckslosen Gesichtsausdruck beibehalten kann. Der ist es nämlich, der ihn zum Lachen reizt.
»Ich will ja nur ... ich meine ... also eigentlich ...« Nicht nur Maisies Wangen sind dunkelrot, mittlerweile zeichnen sich ebensolche Flecken auf ihrem Hals ab. Die Gabel rutscht aus ihrer Hand und schlägt klirrend auf den Rand des Tellers. Sie greift sich an den Rundausschnitt ihres Pullovers und zerrt daran, als ob sie keine Luft bekommen würde. Der Arzt in ihm will aufspringen, um sich zu versichern, dass es dem kleinen Mädchen gut geht. Wäre sie irgendein Kind, würde er das auch tun. Aber sie ist seit der Adoption vor knapp zwei Jahren seine Nichte – und er ist nicht der Einzige im Raum, der weiß, was sie im Schilde führt.
»Zieh den Pullover aus, falls dir heiß ist, Maisie.« Liam kommt seiner Frau zu Hilfe, die offenbar einen inneren Kampf ausficht, der Stephens nicht unähnlich ist. »Und dann beantworte die Frage.«
Maisie erstarrt, reißt ihre Augen weit auf und starrt ihren geliebten Daddy an. Stephen spießt ein Stück Fleisch auf die Gabel und schiebt es sich in den Mund, auf die Gefahr hin, dass er daran ersticken könnte. Denn es ist das erste Mal, dass Liam nicht beschwichtigend eingreift, wenn es um Maisie geht. Seit dem Tod seines Freundes Robert war er lange Zeit der einzige Rückhalt für das kleine Mädchen, dessen Mutter bei ihrer Geburt gestorben war – und sie für ihn. Doch offenbar hat Maisie mit ihren Versuchen, Stephen an die Frau zu bringen, auch bei Liam die Grenze des Erträglichen erreicht.
Maisie zerrt an ihrem Ärmel, prustet, schiebt den Pullover über ihren Kopf und schüttelt ihn von ihrem zweiten Arm. Er fällt von der Bank und sie hebt in einer theatralischen Geste beide Hände hoch, als ob sie jemand mit einer Waffe bedrohen würde.
»Ich will doch nur, dass Onkel Stephen auch endlich eine Frau und eine richtige Familie hat!« Große dicke Tränen rinnen über ihre Wangen.
Stephens Herz ballt sich zusammen und seine Kehle wird eng. Mühsam kämpft er gegen den Bissen an, der in seiner Speiseröhre steckt, greift nach dem Wasserglas, trinkt einen großen Schluck, räuspert sich.
»Maisie, ich habe doch euch alle. Eine bessere Familie könnte ich mir nicht wünschen!«
»Aber du brauchst eine Frau zum Küssen und Kuscheln und Liebhaben. Eine, mit der du ein Baby bekommst, damit July endlich auch ein Brüderchen oder ein Schwesterchen hat. Das wünscht sie sich nämlich!«

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18. November 2021

'Schicksalspfad des Tempelritters 3 - Flammende Himmel' von Olivièr Declear

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Buchreihe | Autorenseite
Im Spätherbst 1290 verzehren lodernde Flammen das Marktviertel von Accon. Unzufriedene Söldner verwüsten die Stadt. Brände bedrohen das Marktviertel. Erst das beherzte Eingreifen der Ritterorden beendet das Massaker unter der Bevölkerung.

Der Tempelritter Gernòd de Loen gerät mit seinen Freunden in Gefangenschaft. Auf einem Sklavenmarkt werden sie an den mächtigen Schriftgelehrten des Sultans, Abu I-Fada, verkauft und nur ihr unbeugsamer Wille, die Stadt Accon vor der erneut drohenden Gefahr zu warnen, lässt sie überleben. Als sie endlich die Mauern von Accon erreichen, bereiten sie sich mit den Bewohnern der Stadt auf den herannahenden Krieg vor.

Lesermeinung: "Ein sehr gelungenes Buch. Der Autor lässt einen an der Gefühlswelt der Menschen jener Zeit, ihrer Lebensweise, Gebräuche, Urteile und Vorurteile teilhaben."

Anleser:
Neugierig spähte Gernòd über die Dächer des Marktviertels der Stadt. Er betrachtete die Rauchsäulen, welche sich dunkel in den klaren Himmel erhoben. Die Glocken der Stadt sandten ihren mahnenden Klang bis zu ihm auf dem äußersten Winkel des Wehrwalls. Eine Gruppe Wachsoldaten eilte über das grobe Steinpflaster der Straße und warf ihm fragende Blicke zu. Gernòds Augen streiften sie, während sich sein linker Arm in Richtung Rauchsäulen erhob. »Im Marktviertel!«, rief er hinunter. Ohne ihn weiter zu beachten, hasteten sie durch die enge Gasse. Der Klang ihrer Schilde auf der schweren Rüstung, der bei jedem ihrer Schritte ertönte, verlor sich mit ihnen hinter der nächsten Wegbiegung. Sorgenvoll richteten sich seine Augen erneut auf die Rauchsäulen.
Das Marktviertel mit seinen zahlreichen Holzverschlägen bot einer Feuersbrunst ein fruchtbares Ziel. Erste Flammen stiegen bereits züngelnd an einem Dach empor, als dienten ihnen die Lehmziegel als Nahrung. Accon, die letzte befestigte Stadt des einstmals mächtigen Kreuzfahrerheeres, war in größter Gefahr. Gernòds Herz schlug heftig in seiner Brust. Nicht durch die Hand der verhassten Sarazenen, sondern durch die Unachtsamkeit eines Händlers, vermutete er, sei dieser Brand entstanden.
Erneut kam ein Trupp Männer in seine Sicht. Schon von weitem erkannte er die weißen und braunen Mäntel seiner Brüder mit dem blutroten Kreuz des Templerordens über den Herzen. Ihr Anführer, Bruder Durmonte, wies mit wenigen, herrischen Armbewegungen drei dienende Brüder auf den Wehrwall hinauf und Gernòd zu sich herab. »Aufruhr im Marktviertel!«, rief er ihm entgegen und eilte mit wehendem Mantel an der Spitze seiner Männer in Richtung des Marktes. Gernòd hastete über den schmalen Stieg des Walls hinunter und eilte seinen Brüdern nach. »Aufruhr«, dachte er. Vermutlich waren es wieder einmal Söldner, denen der hohe Preis der Händler nicht gefiel, oder die keinen weiteren Kredit erhielten.
Gernòd spürte das unebene Pflaster der Straße unter den dünnen Ledersohlen, während er seinem Trupp hinterherhetzte. Einige Türen der Häuser öffneten sich einen Spalt breit, um neugierigen Augenpaaren den Blick auf die lärmenden Brüder zu bieten. Kaum hatte Gernòd seine Kameraden eingeholt, bog der Trupp in einen der Hauptwege ein. Vor ihnen strömten Soldaten der anderen Wachen aus den Seitengassen. Hospitaliter, Deutschritter und Söldnertruppen stürmten auf die Straße. Die Glocken aller Kirchen und Wachen erhoben sich über dem Lärm, drangen von allen Seiten auf die Soldaten ein und mahnten sie zur Eile. Verständigende Blicke trafen sich auf ihrem Weg, ernste Gesichter nickten sich grüßend zu. In jedem Antlitz las man die Spannung auf die vor ihnen liegende Bedrohung.
Ohne den hastigen Schritt aufzugeben, löste Gernòd den Schildgurt und führte seine Faust durch die Armriemen. Mit der freien Hand tastete er sich am Waffengurt entlang, bis er den Kopf seiner Axt spürte. Er schob die Schlaufe über dem Axtkopf mit dem Daumen beiseite und zog die Waffe aus dem Gurt. Mit einer Aufwärtsbewegung ließ er den Griff in seine Hand gleiten. Er war für den Kampf bereit.
Vor ihnen erhob sich das Holztor des Marktviertels. Es stand weit geöffnet und die Wachen wiesen mit ausladenden Bewegungen den Weg. »Die Lombarden und Toskaner!«, scholl es ihnen entgegen. Brandgeruch lag in den engen Gassen und Rauchschwaden minderten die Sicht. Gellende Schreie und Kampfeslärm drang aus den Seitenwegen. Um sie herum lagen die Leichen einheimischer Händler auf dem Weg – zwischen ihnen ihre Frauen und Kinder. Gernòds Weg führte durch breite Blutlachen. Er war gezwungen über umherliegende Körper zu springen. Laut klagende Menschen hockten bei den reglosen Körpern und hoben ihre verzweifelten, tränenüberströmten Gesichter den herbeieilenden Truppen entgegen.

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'The Vandraren Stories: Buch I - Geisterjäger' von Michelle Mittag

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website zum Buch
Die vierzehnjährige Tamina lebt mit ihrer Familie im Herzen des Erzgebirges. Sie geht in die achte Klasse des örtlichen Gymnasiums und verbringt ihr Leben hauptsächlich damit, Bücher zu lesen oder sich mit Freunden zu treffen.

Da platzt eines Tages ebenso plötzlich, wie unerklärlich, Alex in ihr Leben. Als Tamina sich auf dem Konzert ihrer Lieblingsband unversehens Auge in Auge mit dem Bassisten gegenübersieht, der ihr dann noch eine mysteriöse, rubinrote Kugel in die Hand drückt, beginnt die wohl abenteuerlichste Reise ihres Lebens ...

Anleser:
Es ist Nacht. Zwei Gestalten stehen auf einem Hügel und blicken hinab auf ein wütend tosendes Inferno, das den Himmel weithin rot und drohend erleuchtet und die nä¬here Umgebung in ein beinahe taghelles Licht taucht. Die Hitze der Flammen ist bis zu den schweigenden Beobachtern spürbar, obwohl diese bereits weitab der Szenerie stehen.
Schließlich hebt der Größere der beiden zu sprechen an und seine markante Stimme durchbricht den Augenblick. „Sie haben es tatsächlich getan. Ich hatte es nicht für möglich gehalten. Die armen Menschen. Auch wenn sie zum Feind gehören. So viele unschuldige Seelen.“
Sein Begleiter starrt ihn für einen Moment an, dann wendet er den Blick zurück auf die flammende Hölle unter ihm. Als er schließlich antwortet, ist seine Stimme zornig: „Du hast es ihnen wahrlich nicht zugetraut, Sadwyn? Ich habe dir doch prophezeit, dass es so geschehen würde. Ich habe es schon so oft erlebt, wie sich Menschen gegenseitig abschlachten wegen eingebildeter Differenzen und einer Handvoll Wahnsinniger, die sich wie die Könige der Welt aufführen müssen … Ich glaube, ich gebe auf. Ich verkünde hiermit offiziell, meinen Glauben an die Menschheit verloren zu haben.“
„Ach Arwan, das kann ich dir nicht abnehmen. Du hast nur leider in deinem Leben viel zu viele von solchen Leuten kennengelernt und was mit deiner Familie damals passiert ist …“
„Lass meine Familie da raus!“, schnappt die zweite Gestalt bissig, als in der Ferne plötzlich Flugzeugmotorengeräusche laut werden. „Wir sollten von hier verschwinden“, schließt er seinen Satz abrupt und seufzt genervt.
Mit einem letzten Blick auf das brennende Dresden wenden sich beide ruckartig ab und sind verschwunden.

65 Jahre später …

Der Wecker reißt mich mit einem lauten, für meinen Geschmack übermotivierten und daher unangebrachten „Piep–Piep–Piep“ aus dem Schlaf. Ich drücke mit mehr Wucht, als eigentlich notwendig gewesen wäre, auf die Ausschalttaste und setze mich auf. Es ist Montagmorgen. Bah. Ganz präzise gesprochen ist es Montagmorgen um Viertel nach sechs. Zeit zum Aufstehen, um den morgendlichen Spurt aus Anziehen–Frühstücken–zum–Bus–Rennen hoffentlich rechtzeitig vor der Abfahrt von Letzterem zu bewerkstelligen. Doch kurz kuschele ich mich noch einmal in die Laken. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und schaue mich in meinem Zimmer um. Die orange Tapete an der Wand, die vertrauten Borten mit den verschlungenen Blütenblättern und darüber an der Decke die Holztäfelung. Al¬les scheint wie immer. Außer, dass es sich seit einigen Nächten definitiv nicht mehr so anfühlt. Ich werde seit Tagen von Alpträumen geplagt – richtig miesen Alpträumen mit fiesen Typen, Monstern, meinem eigenen Beinahe–Ableben … dem gan¬zen Programm also. Jedoch fühlen sich diese Träume so real an, als würden sie mir ins Ohr flüstern: „Wir sind wahr, wir sind so geschehen!“ Doch das wäre einfach zu absurd gewesen.

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17. November 2021

'Call on You - Katie & Leon' von Helen Paris

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Dauersingle Katie wird die Pistole auf die Brust gesetzt: Beim "Wahrheit oder Pflicht"-Spiel mit ihren Freunden bekommt sie ausgerechnet die Aufgabe, ihre Enthaltsamkeit innerhalb der nächsten drei Monate zu beenden. Doch Katie ist so gar nicht der Typ für eine kurze Affäre oder einen One-Night-Stand. Und für eine Beziehung fehlt der engagierten Ärztin einfach die Zeit. Der Vorschlag ihrer Freundin Janet, es mit einem Callboy zu versuchen, weckt zuerst Entsetzen - und dann Neugier. Katie überwindet sich und vereinbart ein "Date". Die Nacht mit Leon wird unvergesslich und verlangt nach einer Wiederholung. Doch er scheint nicht der zu sein, für den er sich ausgibt.

Feurige Küsse, leidenschaftliche Dates und ein Hauch Romantik - der heiße Auftakt zur neuen Callboy-Romance-Reihe von Helen Paris.

Anleser:
Katie
Die Flasche eierte im Kreis, als hätte ihr Inhalt sie beschwipst gemacht, bevor sie vor ihrer Freundin Janet verlangsamte und schließlich direkt vor ihren eigenen verschränkten Füßen haltmachte.
Katie unterdrückte ein Seufzen.
Sie liebte die Feiern mit ihrer Clique bei den Carlyles - ihrer Freundin Erin und deren Ehemann Rob –, bei denen es immer lustig zuging. Auch dieses Spiel brachte viel Gelächter mit sich, aber es gab die eine oder den anderen in dieser bunt gemischten Runde, der den Bogen mit den Fragen oder Aufgaben manchmal überspannte.
Johns Grinsen wirkte verschlagen. „Wahrheit oder Pflicht?“
Katie nippte zögernd an ihrem Strawberry Punch und ließ die Blicke durch das geräumige, in Anthrazit und Weiß modern eingerichtete Wohnzimmer schweifen, das für die Erins Geburtstagsparty mit bunten Girlanden und Lampions dekoriert war.
John fielen immer unangenehme Aufgaben ein – letztes Mal hatte Katie ihre Brüste vor der offenen Fensterfront, die zur Straße ausgerichtet war, entblößen sollen. Und ausgerechnet dann war ein Cabrio voller Studenten des nahegelegenen South California Colleges in Partystimmung in dem sonst eher ruhigen Wohnviertel vorbeigedüst, die natürlich dementsprechend gehupt hatten.
So sagte sie besser: „Wahrheit.“
Johns grinste noch breiter. „Wie lange hattest du keinen Sex mehr?“
Es war ja klar gewesen, dass „der schöne John“, wie sie ihn nannten, sich etwas Anzügliches aussuchte. Er sah mit den sorgfältig frisierten braunen Haaren und stahlblauen Augen aus wie ein Calvin-Klein-Unterwäsche-Model und hatte nur Sex im Sinn.
Acht neugierige Augenpaare ruhten auf ihr.
Obwohl ihr nichts peinlich sein musste, spürte Katie, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg, als sie zurückrechnete. Sie musste ein Weilchen überlegen – ihr letztes Mal lag doch schon länger zurück, als es ihr immer vorgekommen war. Für einen Augenblick erwog sie zu lügen, doch ihr Ehrgefühl ließ es nicht zu, und mit ziemlicher Sicherheit wussten die anderen, dass sie schon länger allein und nicht der Typ für kurze Vergnügen war.
„Knapp zwanzig Monate“, murmelte sie und ließ die gut schulterlangen braunen Haare wie einen Vorhang vors Gesicht fallen. Lieber Himmel, wo war die Zeit geblieben?
„Fast zwei Jahre?“ Shirleys Entsetzen und die schrill hervorgestoßenen Worte konnte man als taktlos bezeichnen. „O mein Gott, ich wäre gestorben!“
Janet kam Katie zu Hilfe: „Das glaube ich dir gleich. Du hüpfst ja von einem Bett zum nächsten.
Katie warf ihrer Freundin ein dankbares Lächeln zu, während Shirley den Kopf in den Nacken warf, sodass ihre blonde Mähne nur so flog, und kokett lachte, ohne auf die Spitze einzugehen. Sie klimperte mit den künstlich verlängerten Wimpern. Es sah aus, als wäre sie stolz darauf, so begehrt zu sein.
Bevor noch jemand auf ihrem nichtexistenten Liebesleben herumritt, ergriff Katie schnell die Flasche und drehte sie.
Sie kam vor Erin zum Halt.
„Wahrheit oder Pflicht?“
Erin lächelte ihr zu. „Ich nehme auch Wahrheit.“
Katie musterte ihre Freundin, deren Wangen – vielleicht von der Aufregung um ihre Partygäste oder auch von dem Strawberry Punch – gerötet waren, was die Sommersprossen hervorhob und sich farblich etwas mit den kinnlangen rotblonden Haaren biss, ohne der sympathischen Ausstrahlung zu schaden.
„Welcher geheime Geburtstagswunsch wurde dir nicht erfüllt?“, fragte Katie, ebenfalls lächelnd, mit einem Seitenblick zu Erins Ehemann.
Rob, der sich selbst als Vin-Diesel-Double bezeichnete, seit er seine schon früh schütter gewordenen blonden Haare komplett rasierte – was ihm ausnehmend gut stand –, war zwar großartig, er besaß viel Herz und Humor und war nahezu der perfekte Ehemann, doch mit der Wahl von Geschenken hatte er es nicht so. Auch nicht nach den sieben Jahren, in denen die beiden zusammen waren.
Meist erhielt Erin einen Gutschein eines Versandhandels, mit dem sie sich etwas Nettes kaufen sollte. Wie auch in diesem Jahr, zu ihrem zweiunddreißigsten Geburtstag. Vielleicht bekam er so eine Anregung, welchen Wunsch er seiner Frau erfüllen konnte.
Zu Katies Überraschung verdunkelten sich die Gesichtszüge ihrer Freundin, und sie ergriff mit einem lauten Seufzer Robs Hand. „Unser beider sehnlichster Wunsch hat sich immer noch nicht erfüllt.“
„Oh, Honey“, sagte Katie bestürzt. „Warst du denn noch mal bei einer Untersuchung?“
„Anscheinend ist alles okay. Mit uns beiden.“ Erin schluckte hörbar und spielte mit einer rotblonden Strähne.
„Ihr probiert es doch erst ein dreiviertel Jahr. Du hast vorher fast sechzehn Jahre die Pille genommen, das kann so lange dauern, ohne dass etwas nicht in Ordnung sein muss. Versuch nur, dich nicht hineinzusteigern. Ihr werdet euer Baby bald bekommen.“
Erin sah Katie an und seufzte. „Dein Wort in Gottes Ohr, Frau Doktor Bennett.“
„Wenn du möchtest, kontaktiere ich einen Kollegen, den du für eine Alternativmeinung konsultieren kannst.“ Sie selbst war als pädiatrische Onkologin keine Fachfrau, aber sie hatte einen Lehrgang zur Operation von Tumoren am Fötus belegt und dabei einige Gynäkologen kennengelernt.
„Danke dir, vielleicht komme ich darauf zurück.“ Erin griff zur Flasche.
Als sie Colins Lebenspartner Herb in der folgenden Runde auf einem Bein durch den Raum hüpfen ließ – was trotz seines sehnigen Körpers nicht wirklich elegant wirkte –, wich das Trübsal schnell der Heiterkeit.
Je später der Abend, desto ausgelassener wurde die Stimmung.
So langsam schaffte es auch Katie, sich von ihrer Arbeit, die sie momentan geradezu auffraß, zu lösen, und ertappte sich selbst häufig beim Lachen. Die Albernheiten taten ihr gut.
Es gab noch die ein oder andere sexuelle Anspielung, auch auf ihr mangelndes Liebesleben, aber ebenso viele urkomische Aufgaben. Katie versuchte sich an einem Rad, was sie früher ganz gut beherrscht hatte. Doch sie musste anhand der schrägen Figur, die sie wohl dabei abgab, wenn sie den gutmütigen Spötteleien ihrer Freunde Glauben schenken durfte, selbst lachen.
Rob sollte kurz darauf schätzen, wer den größten Brustumfang hatte. Katie lehnte sich entspannt zurück. Sie war zwar nicht schlecht gebaut, aber Shirley hatte mit ihren künstlichen Brüsten wesentlich mehr zu bieten. Stolz reckte diese das Silikon in Körbchengröße Doppel-D nach vorn, über dem das pinkfarbene Top spannte. Doch unter ausgelassenem Gelächter stellte sich beim Messen heraus, dass der große, breitschultrige Colin vier Zentimeter mehr zu bieten hatte.
„Ha! Mein Schatz“, rief sein Freund Herb mit stolzgeschwellter Brust.
Die Reihe kam wieder an Shirley, die einen aufreizenden Poledance an der verchromten Stehlampe hinlegte. Sie nahm die Flasche in die Hand und drehte. Als der Flaschenhals vor Katie anhielt, trat ein Funkeln in Shirleys Augen, das man beinahe als gehässig bezeichnen konnte.
Ein Unwohlsein überkam Katie, und sie hätte am liebsten der Flasche noch einen Schubs gegeben, damit sie sich weiterdrehte.
„Wahrheit oder Pflicht?“
Sie zögerte. Shirley würde bei „Wahrheit“ bestimmt wieder auf ihrem Liebesleben herumreiten. Was konnte sie ihr schon für eine unangenehme Aufgabe geben? Shirley würde bestimmt nicht erwarten, dass sie sich entblößte, das würde die Blicke der Jungs auf sie richten, und die Aufmerksamkeit behielt die aufgetakelte Shirley gern bei sich selbst. So entschied sich Katie für Pflicht.
Shirleys Wangen waren gerötet, ihre Stimme klang noch schriller als sonst. Sie hatte Erins Strawberry Punch sowie diversen anderen Spirituosen schon gut zugesprochen. „Dann verpflichtest du dich, vor Ablauf der zwei Jahre Enthaltsamkeit Sex zu haben.“ Ihr Kichern klang wie das Kreischen einer Säge.
So viele Bemerkungen lagen Katie gleichzeitig auf der Zunge. Was Shirley eigentlich ihr Liebesleben anging? Dass sie nicht auf One-Night-Stands stand. Aber das hätte vermutlich prüde geklungen. Dass ihr Beruf sie so in Anspruch nahm, dass ihr keine Zeit blieb, Bekanntschaften zu schließen. Shirley hatte als Bürogehilfin mit geregelten Arbeitszeiten in dem Nine-to-five-Job vermutlich wesentlich mehr Freizeit.
Bevor sie einen Gedanken ausformuliert hatte, kamen die anderen ihr schon zu Hilfe.
„Du musst eine Pflicht benennen, die sofort erledigt werden kann“, sagte die stets vernünftige Janet. In ihren jadegrünen Augen funkelte Wut.
„Du kannst Katie doch nicht zum Sex zwingen“, echauffierte sich Erin, die Empörung stand in ihrer Miene.
„Du spinnst“, kommentierte Rob trocken.
Und von John kam natürlich: „Ich würde dir dafür zur Verfügung stehen.“ Er wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.
„Danke, das ist lieb von dir, aber ich möchte unsere Freundschaft doch durch so etwas nicht kaputtmachen“, säuselte Katie.
Sie war sich immer noch nicht sicher, wie sie auf die Pflicht reagieren sollte.
„Wenn du natürlich denkst, dass du es nicht schaffst …“ Shirleys herausfordernder Blick traf sie.
„Was heißt hier ‚nicht schaffen‘?“ Katie konnte die Empörung nicht unterdrücken. Sie erhielt genügend Angebote, daran lag es nicht.
„Das heißt, du nimmst die Pflicht an?“, hakte Shirley mit hämischen Grinsen nach.
„Wie willst du es denn nachprüfen, ob ich die Aufgabe erfülle? Möchtest du danebenliegen? Soll ich ein Video posten?“ Katie schürzte die Lippen.
„Wir vertrauen auf dein Wort.“ Shirley reckte das Kinn.
„Du hast sie doch nicht mehr alle!“ Janet schüttelte den Kopf.
Shirley schnaubte verächtlich. „Es ist doch widernatürlich, dass jemand im besten Alter Anfang dreißig so lange seine Bedürfnisse ignoriert. Ich meine es nur gut mit ihr, offenbar braucht sie mal einen Anstoß. Vielleicht solltest du dich ein bisschen herrichten, mehr schminken und herausputzen“, setzte sie unverschämterweise hinzu.
Mehr schminken? Damit sie aussah wie ein Paradiesvogel wie Shirley? Mit ihrem leuchtend blauen Lidschatten, dem pinkfarbenen Top und der knappen weißen Jeanshotpants, unter der sich jede Linie abzeichnete. Da fühlte sich Katie in ihren bequemen Stretch-Jeans und dem schlichten T-Shirt und nur mit Eyeliner und Wimperntusche wesentlich wohler.
„Wie nett, dass du dich so um mich sorgst.“
Der Sarkasmus prallte an Shirley ab – oder sie verstand ihn nicht. Sie lächelte geschmeichelt.
„Komm, jetzt stell ihr schon eine neue Aufgabe, und dann machen wir weiter“, drängte Colin sichtlich ungehalten.
„Dann mach halt einen Kopfstand!“ Shirleys Tonfall hätte abfälliger nicht sein können.
Katie wusste selbst nicht, was sie ritt, als sie sich sagen hörte: „Nein, ich nehme die Herausforderung an.“ Vermutlich sprach der Strawberry Punch aus ihr, von dem sie selbst einigen intus hatte. Am liebsten hätte sie sich auf die Zunge gebissen. Doch jetzt war es raus. Zu spät.
Ein Raunen ging durchs Zimmer.
„Jawohl, das ist meine Katie.“ John suchte ihren Blick.
Und selbst Rob sagte: „Sie kehrt wieder ins Leben zurück“, was ihm einen empörten Stoß in die Rippen von seiner Frau einbrachte.
Janet drückte nur stumm ihre Hand.
„Du hast Zeit bis zu Robs Geburtstag im Juni, dann wollen wir einen Bericht“, forderte Shirley, und Katie ergriff lustlos die Flasche.

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'Tod eines Haderlumpen' von Ruth M. Fuchs

Kindle | Tolino | Taschenbuch
Website | Autorenseite
Die staade Zeit … hat’s in sich

Quirin Kammermeier, Hauptkommissar aus Straubing, freut sich auf sein erstes gemeinsames Weihnachten mit seinem Freund Kurt im schwäbischen Tuttlingen. Da schreckt ihn ein Anruf seines Kollegen Rolf auf: Sabine, Quirins langjährige Kollegin und gute Freundin, steht unter Mordverdacht. Und es sieht gar nicht gut für sie aus.

Sofort lässt Quirin alles stehen und liegen, um ihr zu Hilfe zu eilen. Aber das ist gar nicht so einfach, denn offiziell darf er nicht ermitteln. So muss er auf recht unkonventionelle Methoden zurückgreifen, um vielleicht doch noch herauszufinden, wer der wahre Mörder ist. Und das bedeutet, dass er auch bereit sein muss, ein großes Risiko eingehen.

Quirins Mordsfälle 3 - ein Niederbayernkrimi.

Anleser:
Fünf Stunden später saß Quirin bei Rolf im Wohnzimmer. Er war von Tuttlingen nach Straubing ohne Stopp durchgefahren und hatte sich noch nicht einmal damit aufgehalten, bei sich daheim vorbeizuschauen.
„Also, dann erzähl mal“, forderte er Rolf auf.
Rolfs Frau Resi hatte den beiden Männern Kaffee und einen selbstgebackenen Gugelhupf hingestellt und war dann diskret aus dem Zimmer gegangen. Rolf und Quirin waren allein.
„Sagt dir der Name Wolfgang Tressler ebbs?“ Rolf nahm einen Bissen Gugelhupf.
„Hm. Gehört hab ich von ihm. Hat seine Finger angeblich in so einigen zwielichtigen Geschäften.“
„Genau der. Ein echter Haderlump, dem man ois zutrauen kann. Erpressung, Einbruch, Drogen … such dir ebbs aus, der Tressler ist bestimmt dabei. Leider hamm wir eahm immer nur kloane Sach‘n nachweis‘n können. Aber dann haben wir Hinweise ‘kriagt, dass er was mit der Entführung von an‘m kloana Buam zu tun g‘habt hat.“
„Das habe ich mitbekommen. Sabine und du bekamen die Sache zugeteilt, weil der Schröder mir den Urlaub nicht verderben wollte. Deswegen weiß ich jetzt auch nichts Genaueres.“
„Genau, der Leon Fischer ist von seinen Eltern vermisst g‘meldt worden. Was du aber ned weißt, weil du da schon weg warst: Nach a paar Tag‘ hamm‘s den armen Wurm aus der Donau ‘zog‘n. Is erwürgt word‘n – und vorher missbraucht. Sabine war ganz fertig desweg‘n. Jetzt, wo sie selber a Kind kriegt, geht ihr des halt b‘sonders nah. Na ja, mir war‘s aa recht schlecht, als ich den Kloana g‘sehn hab.“ Rolf schluckte.
„An sowas gewöhnt man sich nie“, versicherte Quirin, der eine gewisse Erleichterung spürte, dass ihm derlei bisher erspart geblieben war.
„B‘sondere Spuren hamm wir nicht g‘habt. Das Wasser hat alles abg‘wasch‘n. Sperma wurde aa koans g‘fund‘n. Sabine und ich hab‘n schwarz g‘sehn, dass mir den Mistkerl derwisch‘n. Und dann hab‘n wir anonym Fotos zug‘schickt kriegt, auf dem der Tressler und eben der Bub … also … der Tressler hat den Buben ...“ Rolf brach ab. Auch nach Jahren bei der Polizei fiel es ihm schwer, so ein Verbrechen beim Namen zu nennen.
„Dann habt ihr den Tressler einkassiert?“
„Ja, aber wir mussten ihn wieder laufenlass‘n, weil sein Anwalt durchg‘setzt hat, dass die Buidl nicht als Beweismittel zug‘lassn werden. Frag mich nicht, wie er das g‘schafft hat …“ Rolf stand auf. „Entschuldige, aber ich brauch jetzt einen Schnaps. Für dich auch a Stamperl?“
Quirin bejahte. Er hatte ein ganz flaues Gefühl im Magen. Rolf ging zum Wohnzimmerschrank und kam mit einer Flasche Obstler und zwei Schnapsgläsern zurück, die er großzügig füllte.
„Prost.“ Er stürzte den Schnaps in einem Zug hinunter.
„Prost.“ Quirin nahm einen Schluck und stellte das Glas vor sich ab. „Wie ging es weiter? Hausdurchsuchung?“
„Freilich. Aber es war nix zum Finden. Und dann ist d‘ Sabine ausg‘rastet. Hat den Tressler o‘g‘schrien, dass sie ihn schon noch kriegen wird, und wenn nicht so, dann eben anders. Aber bevor i dazwisch‘n hätt gehn können, hat sie sich schon wieder beruhigt g‘habt ...“
„Der Tressler hat also noch gelebt, als ihr gegangen seid?“
„Logisch. Putzmunter wie a Fisch im Wasser und rotzfrech. Und bleed g‘grinst hat er aa. Sie ist halt kurz mal durchdreht, d‘Sabine. ‘S war ja aa zum Haarausrauf‘n ...“ Rolf hob die Schultern. „Na, jedenfalls, zwei Tag später kriegt sie eine Mail von der Freundin vom Tressler. Die hätt‘ Beweise, stand da, und die Sabine soll sie an der Wundermühle treff‘n.“
„Sag mir jetzt nicht, dass Sabine so dumm war, alleine hinzugehen!“
„Doch.“
„Oh Mann! Und dann?“
„Sie kommt hin und da liegt die Leiche vom Tressler. Und weit und breit keine Freundin oder sonstwer, der in Frage kommt!“
„Eine Falle.“
„Genau. Die Lydia Feldmann – das is die Freundin – behauptet steif und fest, dass sie koa Mail ned g‘schickt hat, und außerdem hat sie ein Alibi für die Zeit, wo‘s passiert sein muss.“
„Aber der Tressler hat doch bestimmt jede Menge Feinde.“
„Das kannst laut sag‘n. Aber Sabine ist halt ausg‘rast‘ bei der Hausdurchsuchung. Und dann hat sie die Leiche g‘funden und eben koa Alibi ...“
„Schöner Schlamassel.“
Rolf schenkte sich noch einmal nach und hielt dann fragend die Flasche über Quirins Glas. Doch Quirin schüttelte den Kopf.
„Wann war das?“, wollte er wissen.
„Vor ned ganz zwei Wochen.“
„Und da rufst du mich jetzt erst an?“
„Na ja, es hat nicht so schlimm für Sabine ausg’schaut. Keiner hat sie wirklich verdächtigt.“ Rolf blickte etwas betreten drein. „Außerdem hat mir die Sabine verboten, dir Bescheid zum sagen. Aber jetzt muss was passiert sein, was die Sabine arg in die Zwickmühl bringt.“
„Und was?“
„Woaß i ned. Sie müss’n ebbs g’funden haben, das d‘ Sabine belastet. Jedenfalls ist sie jetzt die Hauptverdächtige. Außerdem nimmt sie sich das alles furchtbar zu Herz’n“, fuhr Rolf fort. „Macht sich zum einen Vorwürf und wartet zum ander’n drauf, dass sie einer schief anschaut. Zum Glück hat die Presse noch nix von dem Verdacht mit’kriegt. Aber des is bloß a Frage der Zeit.“
Quirin gab ihm recht. Irgendwann sickerte der Verdacht durch, und dann begann für Sabine ein Spießrutenlaufen. Ob wirklich was dran war, war egal. Dass Tressler womöglich ein pädophiler Mörder war, war dabei ganz unerheblich. Argwohn war immer parteiisch.
„Wer ermittelt denn in dem Fall?“, wollte er wissen.
„Ich ned. Bin ja mit ihr befreundet und damit befangen. Sie hab‘n extra einen aus Regensburg kommen lassen. So ein aalglatter Besserwisser. Fritz Ellwenger heißt der. Die Christel assistiert ihm. Des geht, weil sie die Sabine praktisch nicht privat kennt.“
„Und was sagt Christel dazu?“
„Die druckst rum. Wenn du mich fragst, weiß sie ned so recht, wie sie damit umgeh‘n soll. Am liabsten hätt‘ sie abg‘lehnt. Aber der Schröder hat ihr zug‘redt. Der ist ja auch recht in der Zwickmühl‘. Er weiß, dass es die Sabine ned g‘wesen ist, aber er ist der Chef, und Vorschrift ist Vorschrift.“
„Blöde Sache, klar.“ Quirin drehte sein nun leeres Schnapsglas zwischen den Fingern.
„Mir können doch ned rumsitz‘n und zuschau‘n.“ Rolf schaute seinen Freund und Kollegen an, als erwarte er eine zündende Idee von ihm.
„Natürlich können wir das nicht.“ Quirin stellte das Glas entschieden auf den Tisch. „Ich werde mich mal mit Sabine unterhalten. Und wir müssen mit Christel reden. Dann sehen wir weiter.“
„Denkst du, die Christel macht da mit?“, fragte Rolf skeptisch. „Mir wollte sie jedenfalls nichts sagen. Und wenn sie dem Ellwenger was steckt ...“
„Wird sie nicht. Da bin ich ganz sicher. Außerdem ist sie uns was schuldig.“
„Hm. Na ja, stimmt schon. Vielleicht hätt ich sie dran erinnern sollen … ich war ja schließlich auch dabei.“
Quirin grinste. Er hatte vor ein paar Monaten mit Christel zusammengearbeitet. Damals hatten Rolf und er ihr so nebenbei auch aus einer ziemlich unangenehmen Situation geholfen und nie etwas darüber verlauten lassen. Aber auch ohne diesen Hintergrund war Quirin sicher, dass sie behilflich sein würde. Er hatte sie als ein wenig übereifrig kennengelernt, aber auch als zuverlässig und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie würde helfen – vielleicht mit einem flauen Gefühl im Magen, aber trotzdem.
„Kannst du mit Christel was ausmachen – ohne dass der … wie heißt er gleich wieder?“
„Ellwenger.“
„Ohne dass der Ellwenger was davon mitbekommt? Sag ihr, ich möchte sie sehen. Wir müssen uns so treffen, dass es nicht auffällt. Offiziell bin ich ja noch in Tuttlingen, und vielleicht sollte das für’s Erste so bleiben.“
„Versuchen kann ich‘s ja mal.“
„Gut. Ruf mich an, wenn es geklappt hat. Ich werde mich derweil mit Sabine unterhalten. Die ist vermutlich freigestellt?“
„Logo.“
„Gut.“ Quirin nahm einen Schluck Kaffee und probierte den Kuchen. Zu seinem eigenen Erstaunen stellte er fest, dass er Hunger hatte. Und der Gugelhupf war ausgezeichnet.

Blick ins Buch (Leseprobe)

16. November 2021

'Dein letzter Advent' von Lex Veith

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
1. Dezember: Maximilian Seidel geht in die Küche, schaltet die Kaffeemaschine an und öffnet das erste Türchen seines Adventskalenders. Dahinter verbirgt sich ein Foto – von ihm selbst. Eine Stunde später ist er tot.

Ein Mörder, der personalisierte Adventskalender verschickt? Die junge Ermittlerin Laura Dieke steht vor einem Rätsel. Schon bald schlägt der Täter erneut zu, doch die Opfer scheinen in keinerlei Zusammenhang zu stehen. Als Laura das Ziel des perfiden Plans erkennt, ist es schon fast zu spät.

Anleser:
Blick ins Buch (Leseprobe)

15. November 2021

'Das Reich der Sieren' von Katrin Lachmann

Kindle | E-Book (ePub) | Taschenbuch
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Das Schuljahr geht zu Ende und Agathe befürchtet, dass ihr wieder unendlich langweilige Ferien bevorstehen.

Das Blatt wendet sich für Agathe, als sie auf Ral trifft. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich bedeutend und geliebt. Allerdings umgibt Rals Familie ein großes Geheimnis und mittendrin findet sich Agathe wieder. Zusammen mit Ral versucht sie das Geheimnis zu lüften und geht damit ein großes Wagnis ein. Wird ihre Suche von Erfolg gekrönt sein? Mit welchen Widrigkeiten müssen sie kämpfen?

Begleite die beiden auf ihrem Abenteuer.

Anleser:
„Kann ich dir wirklich nicht helfen?“, fragte Agathe noch einmal eindringlich entgegen ihrer eigenen Schüchternheit.
„Wenn du Salbe von der Pflandele dabei hast, dann vielleicht.“ Sein Gesicht verzog sich schmerzhaft.
„Wozu brauchst du die?“, fragte Agathe, ohne zu wissen, um was für eine Salbe es sich handelt.
„Ich hab mir den Fuß verstaucht. So kann ich nicht weiter gehen. Jedenfalls nicht sehr lange.“
Mit einer kreisenden Handbewegung massierte er seinen Knöchel. Bei den Schuhen und dem unebenen Waldboden wunderte es Agathe nicht, dass er umgeknickt war.
„Salben sind nicht deine Stärke, oder?“, fragte er mit einem leichten Unterton.
„Die Fadelesalbe kenn ich nicht, aber wenn du willst, dann bringe ich dich zum Arzt.“
Der Junge verdrehte die Augen und stöhnte laut auf. „Das heißt nicht Fadelesalbe, sondern PFLANDELESALBE. Pflanze des Lebens, um genau zu sein.“
„Auch die kenne ich nicht. … Du willst nicht, dass ich dir helfe, oder?“ Wie konnte sie nur glauben, dass ein Junge, der auch noch so verdammt gut aussah, in seiner Not ihre Hilfe annehmen würde?
„Es ist wirklich besser, wenn du gehst“, quetschte er zwischen seinen Zähnen hervor.
Verlegen fingerte sie an dem Pilzkorb, nur um ihn nicht anschauen zu müssen.
„Verstehe!“, sagte sie kurz.
In der Ferne hörte Agathe, wie ihr Namen gerufen wurde.
„Das ist meine Familie. Sie suchen mich. Ich muss ihnen antworten, sonst gibt es Ärger.“
Der Junge griff nach seinen Schuhen, drehte sich abrupt um und humpelte in Richtung Schlucht.
„Warte, da geht’s zur Schlucht“, rief Agathe.
„Ich weiß! Vergiss das alles hier einfach!“
„Wieso? Wer bist du?“
Der Junge blieb stehen und drehte sich um. Ihre Blicke verschmolzen für einen winzigen Moment. Über seine Lippen huschte ein Lächeln.
„Ich bin Ral. Mehr musst du nicht wissen. Geh zu deiner Familie und verschweige einfach, dass du mich gesehen hast, ja?“, sagte er sanfter.
Mit einem Auge zwinkerte er. Agathe merkte, wie ihre Wangen heiß wurden.
„Sehen wir uns wieder?“, fragte sie hastig und im selben Moment sah sie, wie er sich eine kleine Fliege aus dem Auge wischte. Er hatte ihr gar nicht zugezwinkert. Es war bloß eine blöde Fliege.

Blick ins Buch (Leseprobe)