31. Oktober 2014

'Sex, Drugs & Tod: Jake Sloburns erster Fall' von L.C. Frey

Ist doch nur Spaß ... oder? Ein furchteinflößender Horror-Thriller von Bestseller-Autor L.C. Frey.

Dämonenjäger Jake Sloburn begibt sich auf die Spur einiger junger Männer, die es ein letztes Mal so richtig krachen lassen wollen. Sie konnten ja nicht ahnen, dass die leicht bekleideten Mädels im Club "Angel Hearts" viel mehr zu bieten haben als die fleischliche Befriedigung sinnlicher Genüsse.

Das böse Erwachen folgt nach der berauschten Liebesnacht voller erotischer Exzesse: Das Haus am Stadtrand besitzt plötzlich ein monströses Eigenleben - einer nach dem anderen verschwindet, während die Schönheiten der Nacht ihre wahren Gesichter zeigen.

Kann Jake Sloburn die liebestollen Jungs vor dem entfesselten Grauen retten? Und wenn ja, wie viel wird dann noch von ihnen übrig sein?

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Leseprobe:
Die Gesichter der vier Jungs waren fast nicht zu erkennen. Lediglich die flackernde rot-grüne Leuchtreklame über dem Eingang des Hauses riss hin und wieder und nur für Sekunden ihre Konturen aus dem Dunkel im Wageninneren. Erwartungsvolle Spannung beherrschte ihre Züge, und eine Art zaghafter Furcht.
Genau die Mischung gegensätzlicher Gefühle, die in den Gesichtern kleiner Jungs geschrieben steht, die sich anschicken, einen ganz vorzüglichen Streich durchzuführen, den sie gemeinsam ausgeheckt haben.
»Also, na ja, hier ist es«, sagte Jakob und strich sich nervös über das glattrasierte Kinn. Er war Lehrer, der Jüngste in der Truppe und hatte die kleine Versammlung hierher kutschiert.
Jetzt saßen sie in seinem Wagen, immer noch unschlüssig, ob sie aussteigen oder doch wieder heimfahren sollten, während über ihnen die Leuchtreklame mit dem großen Pfeil »Angel arts« verkündete. Eigentlich hätte es »Angel Hearts« heißen sollen, aber das große ‘H’ und das kleine ‘e’ hatten irgendwann das Zeitliche gesegnet und es war nur diese etwas kryptische Inschrift übrig geblieben. Aus den Herzen der Engel waren ihre Künste geworden. Auch gut.
»Jo«, sagte Bert und grinste. Was niemanden sonderlich überraschte, da Bert stets und ständig ‘Jo’ zu sagen und dann zu grinsen pflegte. Insbesondere Letzteres war wahrscheinlich zu einem gewissen Teil auf seine innige Beziehung zum »Kraut der Halblinge« zurückzuführen, wie es Gandalf im Herrn der Ringe genannt hätte. Und genau wie Gandalf hatte Bert einen riesigen Bart. Das struppige Ding reichte ihm fast bis auf den Bauch.
Aber von Gras verstand er was, ohne Frage. Und von Musik. Keine Ahnung, dachte Jakob beiläufig, wo er das Geld für seine beeindruckende Plattensammlung hernahm. Auf den Gedanken, dass man das »Kraut der Halblinge« nicht nur rauchen, sondern damit auch ein hübsches Sümmchen nebenher verdienen konnte, kam Jakob nicht. Und schließlich ging ihn das auch gar nichts an. Jakob war Lehrer am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und es gab eine Menge Dinge, für die er sich nicht mehr interessierte, seit er sein Referendariat bestanden und diesen Job bekommen hatte.
Seitdem verlief sein Leben in recht geordneten Bahnen, sah man von den gelegentlichen Touren mit den Jungs ab, und auch die waren seltener geworden. Sie hatten sich verändert, seit sie damals – selbstverständlich ziemlich betrunken – ihre Unterarme aufgeritzt und im knöchelhohen Schlamm eines Zeltplatzes Blutsbrüderschaft gefeiert hatten.
Das war auf dem Skyscraper-Festival gewesen, vor nahezu zehn Jahren. Nein, das stimmte nicht, korrigierte Jakob den Gedanken. Es war genau zehn Jahre her und auch wenn die Jungs in diesen Jahren öfter betrunken gewesen waren und manchen Blödsinn angestellt hatten, einen Puff hatten sie bisher noch nicht gemeinsam besucht.
Und, so ließ zumindest die spürbare Anspannung der Insassen des kleinen Wagens vermuten, auch einzeln noch nicht.
Ein bisschen ahnte Jakob, dass diese letzte große Aktion der Skyscraper-Blutsbrüder das Ende ihrer gemeinsamen Zeit als ‘die Jungs’ sein würde, der krönende Abschluss der gemeinsamen Abenteuer einer Dekade.
Jan würde ab dem nächsten Monat für ein halbes Jahr nach Berlin versetzt werden und danach mit Jenny zusammenziehen. Alle hatten inzwischen eine feste Freundin, es ging straff auf das Familienleben zu, sozusagen. Außer Olli natürlich.
Und außer Bert, der gleich mit beiden Mädchen seiner Wohngemeinschaft regelmäßig schlief, manchmal auch gleichzeitig, und dann frühstückten sie zu dritt und rauchten wahrscheinlich noch einen Joint dabei.
Jakob und die anderen waren ziemlich neidisch auf diese freizügige Lebensweise gewesen, sogar Olli, und der bekam nun wirklich genug Weiber ab. Na ja, zumindest waren sie neidisch gewesen, bis ihnen Bert die Mädels vorgestellt hatte.
Pummelige, schmucklose Wesen mit langen verfilzten Rastazöpfen und bis zu den Fußknöcheln reichenden Wollkleidern, die auf die unheimlich erregenden Namen Bärbel und Annegret hörten. Selbstverständlich ernährten sie sich rein vegan und ließen auch keine Gelegenheit aus, jeden, der ihnen über den Weg lief, zur fleischlosen Lebensweise zu bekehren.
Olli hatte daraufhin bei seinem nächsten Besuch bei Bert ein Schweinesteak mitgebracht und vor den entsetzten Augen der Mädchen in das rohe Stück Fleisch gebissen, das noch blutig war. Überflüssig zu erwähnen, dass dies sein letzter Besuch bei Bert gewesen war, aber sie hatten alle köstlich gelacht, als die fetten Weiber ihre Wollkleider gerafft und entrüstet kreischend aus dem Zimmer gestürmt waren wie die Walküren in einer Wagner-Oper.
Olli – ja, für solche Zoten war der gut! Sogar Bert hatte ein wenig über den Abgang der Landpomeranzen schmunzeln müssen. Und sie am Abend wahrscheinlich trotzdem wieder mit Tofustäbchen bekocht und anschließend gevögelt.
Die Idee zum Bordellbesuch war von Jan gekommen. Von dem hatten sie einen solchen Vorschlag wohl am allerwenigsten erwartet, immerhin war Jan Polizist und Puffs waren doch irgendwie illegal. Oder zumindest etwas in der Art.
Jan trank selten und sprach nicht besonders viel, aber wenn er es tat, kamen mitunter recht interessante Dinge aus seinem Mund. Wie zum Beispiel, dass es da diesen Laden am Stadtrand gäbe (den Tipp hatte er allen Ernstes von seinem Vorgesetzten erhalten!), wo die Mädchen garantiert sauber seien und auch ziemlich hübsch, für jeden Geschmack etwas dabei.
Und das traf wohl nicht nur auf die Mädchen zu.
Zunächst hatten sie den Vorschlag abgetan, hatten gelacht und sogar ein wenig Entrüstung geheuchelt. Aber nach ein paar Bier war das Thema wieder beim Bordell angelangt – und die Jungs schienen interessierter denn je. Und auf einmal hatte die Idee ziemlich vielversprechend geklungen.
Klar, hatte Jan gesagt, er liebe seine Freundin. Jan und Jenny waren seit Ewigkeiten ein Paar und seit dem Januar sogar stolze Eltern eines entzückenden kleinen Mädchens, welches auf den reizenden Namen Jay-Jay hörte. Aber die Girls hier, sinnierte Jan, wussten Dinge anzustellen, die keiner von ihnen zu Hause geboten bekäme.

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30. Oktober 2014

"Suicide: Drei Monate und ein Tag" von Stefan Lange

»Ich spürte Wärme. Langsam erwachte ich aus diesem Traum, der mir seltsam bekannt vorkam und öffnete die Augen …«

Sevilla in den 1990ern. Stefan widerstreben Karrieretreppen, er sieht seine nächste Station in Spanien. Leichtigkeit, Sonne in seinem Leben, Streifzüge durch die Stadt. Und ganz nah bei sich, in der Residenz entdeckt er eine ganz besondere Sehenswürdigkeit: Susanne. Ist sie genau die Eine? Es beginnt eine Sevillana der besonderen Art: Leidenschaft, Gleichklang und Gegentakt. Aus sinnlichem Tanz wird bitterer Ernst. Ein altes Trauma reißt einen Abgrund auf.

In einer tagebuchartigen Rückblende erzählt Stefan Lange die Geschichte einer passionierten Liebe, eines Lebens zwischen Manie und Depression. Die Sprache besticht durch Klarheit; schonungslos offen, zynisch-brutal und sehnsüchtig-hoffnungsvoll zugleich rührt der Autor mit Suicide an ein Tabuthema. Nicht nur in TV- und Radiointerviews, sondern darüber hinaus auch mit Lesungen in Fachkreisen engagiert sich der Deutsch-Schweizer Stefan Lange in der Suizidprävention.

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Leseprobe:
Ich spürte Kälte. Als ich meine Augen aufschlug, befand ich mich in einem düsteren, grenzenlosen Raum. Ich war allein. Eine innere Stimme befahl mir aufzustehen und vorwärtszugehen, mich auf die Suche nach etwas zu begeben, das mir Wärme und innere Ruhe geben sollte.
Nachdem sich meine Augen ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte ich Gänge, die von diesem Ort wegführten. Ich machte mich auf den Weg und stapfte in das Dunkel hinein. Ich hatte Angst. In diesem Labyrinth aus Korridoren und Öffnungen, die in andere Räume führten, begegnete ich niemandem. Ich hatte keine rechte Vorstellung, wonach ich eigentlich suchen sollte. Ich wußte nur, daß es etwas Großes und Tiefes sein mußte. Ich passierte Kreuzungen, von denen sich weitere Gänge verzweigten. Welchen Weg sollte ich nehmen? Ich ließ mich von meinem Gefühl leiten.
Nach einer Weile des Umherirrens in einem Gang gelangte ich an eine Öffnung. Ich blieb stehen und schaute in einen dunklen Raum. Ein Sog, genährt aus einem süßen Verlangen, saugte mich in die Finsternis. Die anfängliche Gelassenheit wich einem aufsteigenden Gefühl der Beklemmung.
Ich wollte fliehen. Es gelang mir nicht, den Ausgang zu erreichen, so sehr ich mich auch bemühte; es war so, als würde ich unter Wasser laufen. Verzweifelt strampelte ich und wurde fast ohnmächtig vor Angst. Mit letzter Kraft erreichte ich den rettenden Gang und konnte dem Strudel entkommen.
Auf der Suche nach Wärme betrat ich weitere Räume, in denen ich jedoch nicht das fand, wonach ich mich sehnte. Ich wurde von verschiedenen Emotionen übermannt. Manchmal fühlte ich mich gedemütigt, dann war ich starr vor Schreck, empfand Schuld oder verfiel in Selbstzweifel.
Nach einiger Zeit begegnete ich anderen Menschen. Sie schienen nervös, unruhig und liefen seltsam gehetzt. Waren auch sie auf der Suche? Ich wollte sie fragen, doch niemand schenkte mir Beachtung, so sehr ich auch versuchte, mich bemerkbar zu machen. Ich konnte nicht glauben, daß Menschen, die mir so nah waren, mich nicht sahen.
Sie kamen mir irgendwie bekannt vor, wie Bezugspersonen aus meiner Vorzeit. Sie würdigten mich nicht eines Blickes, so als wollten sie mit ihrer Gleichgültigkeit zum Ausdruck bringen, daß ich nichts zählte und wertlos war.
Später entdeckte ich eine Frau, die eine Zuneigung in mir weckte, doch auch sie schaute mich nur stumpf und starr an. Aus ihren Augen sprach tiefe Verachtung. Mir wurde bewußt, daß mich niemand liebte. Von allen Menschen war ich unweigerlich getrennt. Ein zerstörerischer Schmerz über längst Vergangenes nagte an mir. Mein Verlangen, an das imaginäre Ziel zu kommen, wurde immer verzweifelter. Gefühle von Scham und Wut stiegen in mir auf, die mich vorwärts trieben.
Nach einer Spanne, die ich nicht in Stunden oder Tagen ausdrücken konnte, da ich keinerlei Zeitgefühl hatte, nach langem Gehen in dunklen Gängen, kam ich an eine Öffnung, aus der ein starkes Licht drang. Es war ein glühender Schein, der in mir eine verlangende Neugierde weckte. Interessiert näherte ich mich diesem Gluthaufen. Wohlbehagen stieg in mir auf, und ich glaubte, gefunden zu haben, wonach ich suchte.
Die Glut hatte menschliche Züge, und ich konnte auf unerklärliche Weise mit ihr kommunizieren. Von dieser sonderbaren Erscheinung ging ein Gefühl des Vertrauens aus. Sie lächelte und verlegen lächelte ich zurück. In mir regte sich der Wunsch, mich niederzulassen. Von der langen Suche war ich müde und erschöpft, zweifelte aber. Die Glut lud dazu ein, mich ihr hinzugeben. So, als habe sie meine Zweifel erraten, fragte sie mich, wovor ich Angst hätte. Gerade als ich mich abwenden wollte, sagte die Glut: »Vertrau mir, ich werde dich nicht enttäuschen.« Immer wieder sprach sie weich und freundlich diesen Satz. Ich entschloß mich zu bleiben. Die Gefühle des Wohlbefindens und der Ruhe gewannen an Kraft und Raum, und ich war erleichtert, eine Quelle des Glücks gefunden zu haben. Erschöpft aber selig fiel ich in einen lang ersehnten tiefen Schlaf.
Als ich wieder erwachte, war die Glut verschwunden. Nur ein Häufchen verbrannter Asche lag an der Stelle. Erschreckt fuhr ich hoch. Ich drehte mich um, doch wohin ich auch blickte, nirgends war die Glut auszumachen. Ich rief nach ihr, doch meine Stimme verhallte ungehört. Was war geschehen? Warum hatte sich dieser Schein verflüchtigt? Ich schrie immer verzweifelter, doch nichts geschah.
Ich war von Mauern umgeben, in denen es keine Öffnungen gab. Ein unsichtbarer Ring legte sich um meine Brust. Das Atmen bereitete mir zunehmend Mühe, und meine Angst wurde immer stärker. Die Raumtemperatur fiel rapide ab. Ein Zittern durchzog meinen ganzen Körper. Ich ließ mich auf den Boden fallen, strampelte und schrie. Es half nichts.
Die Kälte breitete sich immer stärker aus, bis der Kälteschmerz meinen ganzen Körper durchdrungen hatte. Meine Kräfte schwanden. Ich erfror.

Im Kindle-Shop: Suicide: Drei Monate und ein Tag

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26. Oktober 2014

"Anonymus" von Christian Jaschinski

Die erfolgreiche Polizeipsychologin Miriam Bleyk wird zu einem Banküberfall mit Geiselnahme gerufen. Als SEK-Einsatzleiter wartet dort schon ihr Ex-Freund, der sie vor zwei Jahren mit einer Kollegin betrogen hatte.

In der Bank agiert ein intelligenter und technisch hoch versierter Geiselnehmer, der mit den Ermittlern Rätselspielchen treibt.

Was will er? Und wer wird das Katz-und-Maus-Spiel gewinnen?

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Leseprobe:
»Bist Du nicht befangen?« Die Polizeipsychologin Miriam Bleyk ist gerade aus dem olivgrünen Eurocopter Dauphin geklettert, der mitten auf der Kreuzung Martin-Luther- und Damm-Straße gelandet ist. Das SEK hat den Block um das Bankhaus Dinkelsbühler weiträumig abgeriegelt. Die warmen Strahlen der Nachmittagssonne spiegeln sich in den staubigen Scheiben der verlassenen Kebap-Bude an der Ecke, auf einem der Stehtische lässt der leichte Wind einen umgekippten Cola-Becher hin- und herrollen. Dann wohl keinen Lamacun, wenn´s hier länger dauert.
Kommandoführer Kilian Schönberger hat Miriam erwartet. Er lehnt an dem unscheinbaren weißen Sprinter und schüttelt lächelnd den Kopf. »Komm schon. Nur weil ich hier in Rawetz aufgewachsen bin?«
»Na ja ...« Sie will nicht unnötig Stress mit ihm und unterdrückt die Kritik. Wenn ein Familienangehöriger oder Freund in den Fall involviert ist oder sein könnte, fehlt oft der professionelle Abstand und es kann problematisch werden. Kilian ist zwar schon ein halbes Leben aus Marktredwitz weg, das von den Einheimischen liebevoll Rawetz genannt wird. Aber seine Eltern und seine kleine Schwester wohnen immer noch hier in der fränkischen Kleinstadt. Zumindest war das vor gut zwei Jahren noch so. »Dann lass mal hören: Wieviel Leute sind drin?«
»Wissen wir noch nicht. Dafür hat der Oberbürgermeister schon angerufen.«
»Ihr habt einen Oberbürgermeister? Wieviel Millionen Menschen leben denn hier?«
»Ironie ist an dieser Stelle wohl kaum angebracht. Er möchte in einer halben Stunde einen Statusbericht.«
Miriam atmet tief aus und nickt gleichzeitig, geht aber nicht weiter auf Kilians letzte Äußerungen ein. Politiker, Presse und ein emotional involvierter Kommandoführer. Na dann!
»Haben sie sich schon gemeldet?«
»Hör´s Dir an!«
Kilian macht die Tür zum Sprinter auf. Er lässt Miriam den Vortritt, steigt hinter ihr ein und nickt Anna Dollinger zu. Die Elektronikspezialistin von der Technischen Einsatzgruppe startet die Aufnahme und eine verzerrte Stimme kommt metallisch, mit ständig wechselnder Tonlage aus den Lautsprechern:
»Tiger, Tiger, grelle Pracht
in den Dickichten der Nacht.
Wes unsterblich Aug und Hand
wohl Dein furchtbar Gleichmaß band?«
Ein kurzes Rauschen. Dann: »Holen Sie Miriam Bleyk!«
Miriam wiegt den Kopf im Takt des Gedichtes.
»Und?« Kilian trägt seinen schwarzen Overall mit Schutzweste und erwartet von der Analystin eine erste Einschätzung. Die Sturmmaske hat er zur Seite gelegt.
Er ist immer noch sehr attraktiv. Die kurzen schwarzen Haare, durch die sie so gerne ihre Finger gleiten ließ, der dunkle Dreitagebart, die vollen Lippen, die strahlend grünen Augen. Konzentrier Dich! Miriam erwischte ihn vor zwei Jahren mit einer Kollegin in ihrer gemeinsamen Wohnung. Kurz vorher hatten sie hier noch Weihnachten mit seiner Familie gefeiert. Und bei der großen Silvesterparty in Nürnberg hatte sie gar mit einem Heiratsantrag gerechnet. Ihn sich gewünscht. Wie der Neujahrskuss bei Harry & Sally. Wie lächerlich! Seitdem gehen sie sich möglichst aus dem Weg. Sie hat keine große Szene gemacht. Contenance! War unendlich traurig und verletzt. Es stimmt also: von einem schönen Teller isst man nicht allein. Jetzt reden sie nur noch, wenn es sich beruflich nicht vermeiden lässt.

Im Kindle-Shop: Anonymus: - Krimikurzgeschichte -

Mehr über und von Christian Jaschinski auf seiner Website.

25. Oktober 2014

"Praxishandbuch Assessment Center: Tipps, Aufgaben, Lösungen" von Christoph Störkle

Assessment Center haben in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung für die Personalauswahl erfahren. Es handelt sich hierbei um umfangreiche Tests für Führungskräfte und solche, die es werden wollen. Die wenigsten Trainee- oder Führungspositionen werden noch ohne einen Durchlauf durch ein solches Verfahren besetzt. Dieses Buch soll helfen einen Überblick über die häufigsten möglichen Aufgaben zu bekommen.

Der Fokus liegt auf den verschiedenen Aufgaben und deren Bewältigung, deshalb richtet sich dieses Buch vor allem an AC-Kandidaten, welche sich in kurzer Zeit möglichst effektiv auf einen Assessment Center vorbereiten wollen.

Gleich lesen: Praxishandbuch Assessment Center: Tipps, Aufgaben, Lösungen

Leseprobe:
1 Überblick
Was sind Assessment Center?
Assessment Center (engl. assessment „Beurteilung“) sind Personalauswahlverfahren, bei denen verschiedene Aufgaben durchgeführt werden müssen (meist 4-5 Stück). Man steht dabei in Konkurrenz zu anderen Bewerbern. Diejenigen, die die Beobachter über die Gesamtdauer am besten überzeugen, bekommen ein entsprechendes Jobangebot.
Bei dynamischen ACs bekommt die Kandidatengruppe einen globalen Auftrag, bei dem diverse Einzelübungen berücksichtigt werden. Der Fokus dieses Buches liegt auf Einzelaufgaben in einem traditionellen Assessment Center.

2 Vorbereitung auf einen Assessment Center
2.1 Allgemeine Vorbereitung
Diverse Institute bieten Vorbereitungskurse an, beispielsweise der TÜV, Universitäten, Volkshochschulen, Arbeitsagenturen, psychologische Bildungsinstitutionen und Krankenkassen. Internetsuchmaschinen oder die Gelben Seiten helfen entsprechende Trainingskurse in der Region zu finden. Die Kosten können je nach Intensität sehr unterschiedlich sein: Grundkurse von 100-200€, spezialisierte Kurse bis zu 1000€ und ein individuelles Coaching auch mehrere tausend Euro. Diese Kosten können aber oftmals von der Steuer abgesetzt werden!
Folgende Internetseiten könnten interessant sein:
• www.arbeitskreis-ac.de Forum für Personalauswahl und -entwicklung
• www.dgp.de DCP (Deutsche Gesellschaft für Personalwesen)
• www.intertrainment.de Seminare für ACs
• www.obermann-consulting.de Online-Shop AC-Übungen

Mitnehmen
Da man teilweise Aufgaben für den nächsten Tag nach Hause bzw. ins Hotel mitbekommt, sollten folgende Dinge mitgenommen werden:
• Material, um einen Vortrag/Präsentation vorbereiten zu können (Moderationskarten, Permanentmarker, Textmarker, …).
• Laptop
• USB-Stick
• Taschenrechner

Im Kindle-Shop: Praxishandbuch Assessment Center: Tipps, Aufgaben, Lösungen

Mehr über und von Christoph Störkle auf seiner Amazon-Autorenseite.

24. Oktober 2014

'Fritz Lang auf der Venus' von Emanuel Auracher

Der erste Flug zur Venus fand 1929 statt. Die Expedition ins finsterste Afrika hat sie beinahe den Kopf gekostet. Zuhause im Königreich Bayern bleibt der selbstbewussten Rebecca Rabenhorst keine Zeit zum Ausruhen. Seltsame Ereignisse verstören die Isarmetropole. Steckt Rebeccas Erzfeind, der Satanist Aleister Crowley dahinter? Außerdem bedroht ein geheimnisvoller Unbekannter die ganze Welt. Dann erhält sie die Einladung zu einer phantastischen Reise, nach der nichts mehr so wie früher sein wird ...

Aufregende Abenteuer in einer Alternativwelt der wilden Zwanziger, gewürzt mit einer Prise schwarzem Humor. Ein bekannter Stummfilmregisseur, Maschinenmenschen, Satanisten und ein rätselhafter Millionär garantieren Spannung bis zur letzten Seite.

Gleich lesen: Fritz Lang auf der Venus: Ein Rebecca Rabenhorst Roman

Leseprobe:
Paul von Rachow glaubte immer noch zu träumen. Schon als er in seiner Kabine aus dem künstlichen Schlaf erwacht war und sein Blick auf die grüne Lampe fiel, hatte er nicht glauben können, dass das Weltraumschiff wirklich die Venus erreicht hatte. Als die Betäubung nachgelassen hatte und er wieder auf den Beinen war, wusch er sich an dem kleinen Waschbecken, zog sich um und rasierte sich. Nach einigem Zögern stieg er die Leiter empor, die zur Messe führte. Von oben hörte er leise Stimmen. Vor Aufregung zitterten seine Hände. Er wurde bereits erwartet. Bis auf Rebecca Rabenhorst hatten sich die Mitreisenden bereits in dem runden Raum eingefunden.
Obwohl Paul den etwa fünf Meter durchmessenden Aufenthaltsbereich vor dem Abflug gesehen hatte, wurde ihm erst jetzt die Beengtheit deutlich. Um einen runden, fest am Boden verschraubten Tisch, der das Zentrum der Messe bildete, waren fünf drehbare Ruhesessel, ebenfalls sicher befestigt, angeordnet. Links führte eine zweite Eisenleiter durch einen engen Schacht hinauf in die Raketenspitze, wo Caliban, im Augenblick mehr Maschine als Mensch, die Kontrolle über das Schiff hatte.
Ringsum an den Wänden waren komplizierte Anzeigen mit bunten Lämpchen und bisweilen heftig ausschlagenden Zeigern angeordnet, deren Sinn er nicht einmal ansatzweise zu durchschauen vermochte. Und das, obwohl er selbst Physiker war. Das Weltraumschiff war ein weiteres von Professor Velatus Wunderwerken. Vanderbilts Sohn war neben dem Maschinenmenschen der einzige, der die hochkomplizierte Apparatur zu begreifen schien. Insgeheim bewunderte Paul Vanderbilt. Durch sein attraktives Äußeres und seinen Siegerwillen zog der Amerikaner alle in den Bann. Schüchtern musterte er die Männer um sich. Hanns Heinz Ewers bot einen grotesken Anblick. Der Schriftsteller lümmelte in einem der Sessel, vor sich einen Champagnerkübel und prostete ihm mit einem Sektglas zu. Mit einem taubenblauen Seidenanzug und Gamaschen über den Lackschuhen war er völlig unpassend gekleidet. Fritz Lang, der wie Paul und Vanderbilt Knickerbockers aus braunem Manchester und eine weiße Hemdbluse aus leichter Baumwolle trug, stand in der Ecke und richtete seine Handkamera abwechselnd auf die Mitreisenden. Noch fehlte Rebecca Rabenhorst. Paul bekam Herzklopfen, als er an sie dachte. Nur wegen ihr hatte er das Wagnis der Weltraumfahrt auf sich genommen.
Colin Vanderbilt, der gerade dabei war, die Instrumente zu überprüfen, begrüßte Paul mit einem knappen Lächeln. »Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise. Im Namen der Vanderbilt-Werke begrüße ich Sie auf der Venus!«
War das alles? Paul konnte es nicht glauben. Er hatte mindestens eine feierliche Rede erwartet. Sie waren schließlich die ersten Menschen, die einen fremden Planeten erkunden würden. So pathetisch es klang: Ein Menschheitstraum war wahr geworden. Mit offenem Mund starrte er Vanderbilt an.
»Fast alle Ihre Berechnungen waren übrigens korrekt«, meinte dieser. »Caliban hat nach der Landung alle Werte abgeglichen.«
»Ist die Atmosphäre wirklich für Menschen atembar?«
»Unser Caliban hat Werte ermittelt, die dem Amazonasdschungel oder dem Landesinneren von Borneo entsprechen.«
»Und die Temperatur?«, fragte Paul ängstlich.« Er befürchtete, sich verrechnet zu haben. Bei einer Dauertemperatur von über 60 Grad Celsius könnte man sich allenfalls minutenweise draußen aufhalten.
»Derzeit beträgt die Außentemperatur lediglich rund 15 Grad Celsius. Allerdings…«
Ewers unterbrach Vanderbilt.
»… haben Sie sich verrechnet, junger Freund. Die Entfernung zu Mutter Erde beträgt nämlich ein paar hunderttausend Kilometer weniger als angenommen. Wir sind etliche Stunden zu früh dran. Draußen ist es stockdunkel und wir müssen die Zeit totschlagen!«
Ewers grinste breit und etwas dümmlich. Der angetrunkene Künstler hatte gewiss schon bessere Zeiten gesehen. Paul schwieg verlegen. Langs surrende Kamera richtete sich auf ihn, was die Situation noch unangenehmer machte.
In diesem Augenblick kletterte Rebecca Rabenhorst behände die Leiter zur Messe hinauf. Pauls Herzschlag beschleunigte sich augenblicklich. Voller Scham spürte er, dass ihm die Röte ins Gesicht stieg. Rebeccas pechschwarz glänzendes Haar war frisch onduliert und im Nacken kurz geschnitten. Ihr milchweißer Teint war makellos. Das knielange Tropenkostüm aus Khakistoff saß eng und verlieh ihr eine feminine Silhouette. Die festen schwarzen Stiefel mochte sie auch am Kongo getragen haben. Paul fand diese Dschungelkleidung sehr adrett. Der Filmemacher Lang schien anderer Ansicht zu sein, denn er verdrehte bei dem Anblick die Augen.
Paul bemerkte, dass Rebeccas Blick als erstes auf den attraktiven Colin Vanderbilt fiel. Dieser begrüßte sie mit einem formvollendeten Handkuss. Paul, tiefrot im Gesicht, brachte wie so oft kein Wort heraus. Schüchtern wich er ein weiteres Mal den kalten blauen Augen aus. Selbst hier, auf der Venus, erschien ihm diese Frau unwiderstehlich. Hanns Heinz Ewers schien von Rebeccas Reizen viel weniger beeindruckt. Er blieb behäbig in seinem Polstersessel sitzen und streckte auch ihr sein Champagnerglas zum Prosit entgegen. Lang, die Kamera auf der rechten Schulter, hob lässig die Linke zur Begrüßung. Mit einer eleganten Bewegung strich Rebecca Rabenhorst die Röcke glatt, setzte sich sehr aufrecht an den Tisch und wandte den Männern wortlos ihr Profil zu.
Die arrogante Geste genügte, um Fritz Lang aus der Fassung zu bringen. Der Regisseur schnaubte hörbar und starrte demonstrativ zur Decke. Eine Zeit lang herrschte Schweigen, dann richtete sich Hanns Heinz Ewers ächzend in seinem Sessel auf und richtete den Finger auf Paul.
»Unser kleiner Physiker hat sich leider verrechnet. Noch ist es Nacht auf der Venus. So ein Mist.« Rebecca zog die Augenbraue hoch und ignorierte seine süffisante Bemerkung. Langs motorbetriebene Filmkamera surrte leise vor sich hin. Der Amerikaner beschwichtigte.
»Herr von Rachows Berechnungen waren sonst vollkommen richtig. Wir werden hier eine atembare Atmosphäre und erträgliche Temperaturen vorfinden. Caliban hat das Schiff außerdem planmäßig auf dem dreißigsten Breitengrad aufgesetzt. Wir warten nur noch etwas. Machen Sie es sich bis dahin gemütlich.«
»Wie lange müssen wir hier drin bleiben?«, fragte Rebecca Rabenhorst.
Paul merkte, wie ihr Blick ruhelos über die fensterlosen Bordwände glitt. Auf ihrem schmalen Hals hatten sich rote Nervositätsflecken gebildet. Etwas schien sie zu beunruhigen.
»Der Sonnenaufgang steht unmittelbar bevor. Durch die langsame Drehgeschwindigkeit der Venus wird es allerdings noch knappe sechs Stunden dauern«, klärte Vanderbilt sie auf. Fritz Lang, der bisher nur schweigend gefilmt hatte, schaltete die Kamera einen Augenblick ab und sah Rebecca missbilligend an.
»Sollte Ihnen in unserer Gesellschaft fade sein, können wir schon mal die Luke öffnen, Frau Rabenhorst. Wir haben einen starken Suchscheinwerfer an Bord. Vielleicht gelingt es uns, ein paar erste Eindrücke der Venusnacht festzuhalten.«
Vanderbilt nickte zustimmend. Er öffnete eine an der Seitenwand angebrachte Klappe und entnahm ihr etwas, das wie eine Mischung aus einer Pistole und einer Taschenlampe aussah. An der rechten Seite der Messe befand sich die Ausstiegsluke, zu der eine kurze metallene Trittleiter empor führte. Vanderbilt wartete, bis Fritz Lang seine Kamera wieder eingeschaltet hatte, dann drehte er das große Rad an der Tür, die an den Ausstieg eines Unterseebootes erinnerte. Die massive Stahltür öffnete sich lautlos nach innen. Draußen war absolute Dunkelheit. Die Venus hatte keinen Mond, auch das schwache Licht der Sterne konnte die dichte Wolkendecke des Planeten nicht durchdringen. Die kühle Luft, die von draußen eindrang, trug einen seltsamen, fremden Duft mit sich.
Nachdem Vanderbilt Rebecca Rabenhorst die Lampe gereicht hatte, stieg sie die Leitersprossen hinauf und beugte sich hinaus. Als sich der enge Rock um ihre Formen spannte, vergaß Paul für einen Augenblick fast, wo er sich befand. Vanderbilt drängte an die Luke. Paul folgte ihm zögernd.
»Können Sie etwas erkennen?«, fragte Lang, der mit laufender Kamera hinter ihnen stand. Paul blickte über die Schultern der anderen hinaus in die Dunkelheit. Der Lichtkegel drang tief in die Nacht, erfasste aber kein Ziel.
»Nichts zu sehen, alles stockdunkel!« Rebecca leuchtete auf den Boden hinunter, der knappe zehn Meter unter ihnen lag. Auch Paul beugte sich neben ihr aus der Luke. Unten war nackter Felsboden, der mit buntfarbigem Moos bewachsen zu sein schien. Wieder drang das Licht der Lampe in die Venusnacht hinaus.
»Wecken Sie mich, wenn es da draußen was zu sehen gibt«, meldete sich Ewers gelangweilt aus seinem Sessel. Niemand achtete auf ihn. Plötzlich erklang weit draußen in der Nacht ein seltsamer, klagender Ton.
»Was war das?«, fragte Lang verblüfft. »Das hörte sich an wie eine Heulboje.«
»Zweifellos ein Lebewesen! Obwohl es ziemlich weit entfernt war, klang das Geräusch ziemlich laut!«, meinte Rebecca Rabenhorst aufgeregt. Sie schwiegen und lauschten in die Dunkelheit. Wieder ertönte der unheimliche Ton, der deutlich von der rechten Seite kam. Paul fühlte sich unbehaglich. Was mochte das für ein Geschöpf sein, das da in die Dunkelheit hinausrief? Dann schien eine weitere Stimme, diesmal von links kommend und deutlich näher, zu antworten. Alle stutzen. Selbst Ewers erhob sich ächzend aus seinem Sessel. Da draußen mochten mehrere Wesen sein, die miteinander kommunizierten. Kurz darauf ertönte der Laut durchdringend aus unmittelbarer Nähe. Rebecca Rabenhorst schaltete den Strahler ab.
»Das Licht lockt sie an! Schließen Sie sofort die Luke!« Paul sprang zur Seite, Vanderbilt schlug die Luke zu, als im selben Augenblick eine gewaltige Erschütterung den Schiffsrumpf erzittern ließ. Der Lärm war noch nicht verklungen, als ein zweiter mächtiger Schlag das Schiff traf. Ewers schien augenblicklich zu ernüchtern. »Großer Gott, was ist das? Als ob Torpedos ein Unterseeboot treffen!«
Irgendetwas hämmerte mit aller Gewalt auf den unteren Teil des Schiffes ein. In Pauls Ohren dröhnte es. Colin Vanderbilt griff nach dem Funkgerät und rief hinauf ins Cockpit zu Caliban.
Sogar der kühlen Rebecca Rabenhorst gelang es nur mühsam, die Ruhe zu bewahren.
»Was auch immer, es will zu uns herein!«, rief sie. Selbst Lang hatte vergessen zu filmen.

Im Kindle-Shop: Fritz Lang auf der Venus: Ein Rebecca Rabenhorst Roman

21. Oktober 2014

"Die Jägerin (Vergangenheit und Gegenwart 3)" von Nadja Losbohm

Der dritte Band einer Fantasy-Romance-Reihe.

Vor der eigenen Vergangenheit kann man nicht fliehen. Das muss auch die Jägerin erkennen, und als sie am wenigsten damit rechnet, begegnet sie einem einst geliebten Menschen, der ihr viel Schmerz zugefügt hat. Doch auch mit der Gegenwart muss Ada sich befassen, denn eine neue Gefahr bedroht ihre Heimatstadt…

Gleich lesen: Die Jägerin (Vergangenheit und Gegenwart 3)








Leseprobe:
„Und wo ist sie?”, fragte ich Pater Michael und drehte mich um die eigene Achse, immer noch auf der Suche nach der neuen Waffe.
„Sie steht direkt vor dir”, erwiderte er und sah zum Labortisch, der immer noch aussah wie eine Rumpelkammer.
Ich folgte seinem Blick und suchte in dem Chaos nach etwas, das aussah, als könne es mir helfen. Für mich war es aber nur ein einziges Durcheinander, bestehend aus Bunsenbrenner, Spateln, Pipetten, Handschuhen, Schutzbrille und weißem Pulver. „Ich weiß nicht, was du meinst”, sagte ich und sah fragend zu Pater Michael.
„Kommt ein Stück näher, und ich zeige es euch”, winkte er uns zu sich. Alex und ich wechselten verwirrte Blicke. Nach kurzem Zögern wagten wir uns weiter vor. Sofort fiel mir der schwere Geruch von Schwefel und anderen Chemikalien auf. Was zur Hölle hatte der Pater hier getrieben? Während wir uns an den Labortisch stellten, ließ ich ihn nicht aus den Augen, als könnte ich von seinem Gesicht ablesen, was das große Geheimnis war. Pater Michael starrte nur zurück und zwinkerte nicht einmal. Er hatte das perfekte Pokerface. Der Padre gab jedem eine Schutzbrille, die wir misstrauisch beäugten. „Die werdet ihr brauchen, und es wäre sicherer, wenn ihr noch einen Schritt zurücktretet”, meinte er und wartete darauf, dass wir seinen Befehl befolgten.
Ich war mir nicht sicher, was ich von alledem halten sollte, vertraute aber Pater Michaels Urteilsvermögen und trat nach hinten. Alex hingegen rührte sich nicht, und ich musste ihn am Arm packen und zurückziehen. Er war schon völlig weggetreten von den Dämpfen, die in der Luft hingen. Ich sah zu, wie Pater Michael sich ebenfalls eine Schutzbrille auf die Nase setzte. Trotz der fettigen Haare und dem ungepflegten Stoppelgesicht stand sie ihm wesentlich besser als mir. Tja, einen schönen Mann konnte eben nichts entstellen. Ich dagegen sah wohl eher wie Puck die Stubenfliege aus. Zu allem Überfluss zog er sich auch noch Schutzhandschuhe an. Sie waren aus einem dicken, festen Stoff und hatten eine hübsche goldgelbe Farbe. Es waren feuerfeste Handschuhe. Mir wurde langsam mulmig zumute, und das lag nicht an den Gerüchen in dem Labor.
„Das hier”, er hielt die Schale mit dem weißen Pulver vor unsere Nasen, „ist Kaliumchlorat.” Jetzt erst sah ich, dass es kein richtiges Pulver war. Es war grobkörniger und ähnelte eher Salz. „Es wird auch bei der Herstellung von Streichhölzern verwendet und ist in Verbindung mit Schwefel oder auch rotem Phosphor hochexplosiv. Ein wenig Reibung, ein kleiner Schlag genügen und es gibt ein gewaltiges Feuerwerk”, erklärte er. Mit großen Augen starrte ich das weiße Salz an. Dann suchte ich in dem Chaos auf dem Tisch nach dem allseits bekannten gelben Schwefel und rotem Phosphor. Wie auch immer roter Phosphor aussah. In Chemie war ich noch nie wirklich gut gewesen. Zum Glück konnte ich weder das eine noch das andere entdecken. Erleichtert atmete ich aus. Ich wollte zwar eine effektive Waffe haben, aber bitte nicht schon bei der Demonstration zu Asche zerfallen. „Statt Schwefel oder Phosphor, welches ich hier nicht habe, nahm ich Holzmehl. Ich habe einige Versuche durchführen müssen, bis ich die richtige Mischung gefunden habe. Aber jetzt dürfte es richtig sein”, verkündete er und lächelte zufrieden.
„Dürfte richtig sein?”, wiederholte ich seine Worte ungläubig. „Das heißt, du bist dir nicht sicher. Jedenfalls nicht zu einhundert Prozent.” Wenn jemand mit seinem Chemiebaukasten spielte, sollte er sich wirklich, wirklich, WIRKLICH sicher sein, was dabei herauskommt. Zumindest ist das meine Meinung.
Pater Michael rieb sich mit einer Hand den Nacken und sah zu Boden. „Nun ja, ich bin natürlich kein Chemieprofessor. Aber die letzten Experimente sind sehr vielversprechend verlaufen”, gab er zurück.
„Okay, das reicht!”, rief ich empört aus und nahm die dämliche Schutzbrille ab. „Deine Worte überzeugen mich nicht, Michael! Ich habe keine Lust, hier in die Luft zu gehen. Ich würde gern noch etwas weiterleben.” Damit warf ich die Brille vor ihn auf den Labortisch und steuerte die Tür an.
Plötzlich knallte es hinter mir. Ich fuhr erschrocken zusammen und wirbelte herum. Mir war fast das Herz stehen geblieben, und ich musste mich selbst kneifen, um zu wissen, ob ich noch lebte. Nur war ich die Einzige in dem Raum, die kreidebleich bei der unerwarteten Explosion geworden war. Pater Michael und Alex grinsten wie blöde und freuten sich wie kleine Jungen darüber, dass ein Gemisch aus Salz und Mehl laut gerumst hatte. „Ihr beide seid doch total bekloppt!”, schrie ich sie hysterisch an.
„Ada, es hat funktioniert!”, rief mir Alex zu und sprang vor Euphorie fast in die Luft. Dann klopfte er dem Padre anerkennend auf die Schulter. „Da haben sich die Ohrenschmerzen der letzten Tage ja ausgezahlt”, meinte mein Bruder lachend.
„Wie bitte? Soll das heißen, du wusstest, was er hier treibt?”, fragte ich Alex aufgebracht.
„Na ja, das ständige Puffen und Knallen war kaum zu überhören”, antwortete er mir mit einem Schulterzucken.
Merkwürdig! Ich hatte derartige Geräusche nie gehört, während ich hier gewesen war. Was nur bedeuten konnte, dass Pater Michael seine Experimente stets dann durchgeführt hatte, wenn ich auf der Jagd gewesen war. Die beiden hatten mich erfolgreich vergackeiert! Schnaubend vor Wut rannte ich zu Alex zurück und boxte ihn in die Schulter.
„Hey! Was soll denn das?”, wollte er wissen und versuchte einem weiteren Schlag zu entkommen. Es gelang ihm nicht, und ich traf seinen Schulterknochen so fest, sodass sogar mir die Finger wehtaten. Aber das war es wert. „Du hättest es mir sagen müssen!”, blaffte ich ihn an.
„Wir wollten dich überraschen”, erklärte mir Alex und sprang meiner Faust gerade noch rechtzeitig aus dem Weg.
„Tolle Überraschung! Echt! Ihr seid beide wahnsinnig! Bescheuert! Einfach nur bescheuert!”, schrie ich meinen Bruder an und warf Pater Michael einen wütenden Blick zu.
„Aber”, sagte dieser mit erhobenem Zeigefinger, „es hat funktioniert.” Schon wieder grinste er selbstzufrieden, was mich beinahe zum Kotzen brachte.
„Wenn dir nun was passiert wäre? Wenn du die ganze Kirche in die Luft gejagt hättest? Das da”, ich deutete auf die Chemikalien auf dem Tisch, „ist kein Spielzeug!”

Im Kindle-Shop: Die Jägerin (Vergangenheit und Gegenwart 3)

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20. Oktober 2014

"Das letzte Spiel" von Leonore Pothast

Serdid lebt in drei Welten: Tagsüber arbeitet er als Tagelöhner, sammelt Abfall, schleppt Wasser oder jagt Heuschrecken. In der Dämmerung ist er Vater einer Familie, von der niemand wissen darf. Nachts bricht er ein bei den Reichen und Mächtigen und verkauft ihre Geheimnisse.

Als seine Familie zu verhungern droht, nimmt Serdid einen aussichtslosen Auftrag an: Innerhalb einer einzigen Nacht soll er einen Ring aus dem Haus des Großwesirs stehlen, ohne zu wissen, wo er sich befindet. Doch der Einbruch endet in einem Desaster.

Serdid wird entdeckt und erpresst. Trotz aller Versuche zu entkommen landet er mitten in den Rachefeldzügen betrogener Sultane und den politischen Machtkämpfen um den Thron – Seite an Seite mit einem ausgedienten Folterknecht, der nur vordergründig nett erscheint.

„Das letzte Spiel“ erzählt die Geschichte eines Verbrechers in einer verruchten Gesellschaft. Das Buch ist liebevoll illustriert mit Karten und Grundrissen, die sich mit der Geschichte mit entwickeln: Details werden erst sichtbar, nachdem Serdid einen Ort besucht hat.

Gleich lesen: Das letzte Spiel

Leseprobe:
»Willkommen in meinem kleinen Reich der Dunkelheit!« Noanin zeigte um sich. »Hier wohne ich und schlafe ich und arbeite ich in einem.«
Serdid blickte sich flüchtig um. Sein Haus passte bestimmt fünfmal in diesen Raum. »Wir sollten uns beeilen.« Er legte die Jacke auf den Boden und zog das Messer. »Also, was für einen Bart hat Gulul?«
»Viel kürzer. Und weniger struppig. Und schwärzer.« Sie reichte ihm eine schmale Klinge. »Nimm das da.«
Serdid setzte sich auf die Jacke, nahm die Klinge und fuhr damit grob durch seinen Bart. Obwohl er wusste, dass er keine Nerven in den Haaren hatte, tat es weh. Als ob jeder Fingerbreit fehlender Haare ihn verletzlicher machte.
»Soll ich dir helfen?«, fragte Noanin besorgt.
Er fuhrwerkte ungeschickt mit der Linken in seinem Bart und versuchte, mit der Rechten die Haare von unten festzuhalten. Er verstand nicht, warum er die Wunde im Arm kaum spürte, wenn er verfolgt wurde, aber so heftig, wenn er sich in Sicherheit befand. Doch es war, wie es war, und jede Bewegung mit dem rechten Arm tat weh. Zuletzt versuchte er, seine Haare mit den Knien festzuhelten, um sie zu spannen.
»Willst du nicht in den Spiegel schauen?«
»… Gleich.« Eigentlich wollte er nicht. Er hatte sich seit Jahren nicht gesehen und seit Jahren nichts für sein Aussehen getan – mit voller Absicht. Er wollte nicht wissen, was aus seinem Körper geworden war. Und er wollte nicht wissen, was er Dshenya antat.
Nachdem er den groben Teil abgesägt hatte, versuchte er einen Feinschnitt, erreichte aber nicht viel mehr, als sich in den Finger zu schneiden. Beim zweiten Mal gab er auf: Er würde es nicht besser schaffen und Noanin auch nicht. Er klopfte sich die Haare vom Körper und stand auf. »Reicht das?«
Noanin antwortete nicht. Sie lag auf dem Divan und starrte ihn an, als wäre er von den Toten auferstanden. Ruckartig drehte er sich zum Spiegel, um zu sehen, was sie sah.
Es war, als stände eine dritte Person im Raum. Er suchte nach Zügen, die er erinnerte, mühselig wie nach einer Made im Reis, und fand nichts. Und irgendwann merkte er, dass es nicht die bekannten Züge waren, die fehlten, sondern die Erinnerung selbst: Er wusste nicht mehr, wie er einst ausgesehen hatte. Nur die Augen erkannte er, doch nicht von früher, sondern von der Statue. Hohl und gehetzt starrten sie ihn an, als würde sein Spiegelbild gleich hervorbrechen und ihn anfallen. Der Rest war ein verwahrloster Bettler, dürr wie ein Fledermausflügel, mit fransigen Haaren und verschnittenem Bart, über dessen Brustkorb mehrere Striemen liefen, einige violett geschwollen, andere aufgerissen.

Im Kindle-Shop: Das letzte Spiel

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19. Oktober 2014

'Draakk: Etwas ist erwacht' von L.C. Frey

In der Tiefe lauert das Böse …

In einem Tunnelsystem unter den Schweizer Alpen entdeckt ein Höhlenforscher die Überreste einer uralten Zivilisation - und den Wahnsinn.

Geldgierige Forschungskonzerne stoßen in Bereiche der Wissenschaft vor, die besser für alle Zeiten unangetastet geblieben wären.

Der Biologe Peter Singer und seine Tochter werden von schrecklichen Visionen geplagt, in denen die Welt unaufhaltsam auf den Abgrund zurast. Können Sie die Dämonen ihrer gemeinsamen Vergangenheit besiegen, während sie von den Schergen eines mächtigen Forschungskonsortiums gejagt werden?

Etwas Uraltes ist erwacht, und es hat nur ein Ziel: Die Auslöschung der gesamten Menschheit. Es gibt nur einen Menschen, der das Ende jetzt noch verhindern kann. Wenn er lange genug überlebt.

Gleich lesen: Draakk: Etwas ist erwacht

Leseprobe:
Der Alte blieb stehen und wartete ein paar Minuten. Er sah ein weiteres Mal hinauf zum Himmel, den das Geäst der Baumkronen nun größtenteils vor seinen Blicken verbarg. Das wenige, das er erkennen konnte, war schmutzig-grau und sah nach Regen aus.
Er stieß ein paar schrille Pfiffe aus, aber der Bernhardiner blieb verschwunden. Kein Rascheln im Gebüsch, kein reumütig zerknautschtes Hundegesicht, das beschämt aus dem dichten Unterholz hervorlugte. Nur das ewige Rauschen des Windes in den Wipfeln weit über ihm. Der Alte stand still und lauschte in den Wald hinein.
Da – ein kurzes Bellen! Leise, fast schon schüchtern. Es schien tief aus dem Inneren des Waldes zu seiner Linken zu kommen, gedämpft durch den dichten Bewuchs der Kiefern am Wegesrand.
Der Alte seufzte und begann widerstrebend, sich einen Weg durch das Unterholz in den dahinter liegenden Nadelwald zu bahnen. Das sah dem alten Hund ähnlich, sich im Übereifer seines spontan erwachten Jagdtriebs im Wald zu verlaufen! Der Baumbewuchs wurde bereits nach wenigen Metern so dicht, dass er nur ausgesprochen mühsam vorankam. Immer wieder musste er verrottenden Baumresten ausweichen, blieb an Büschen und Gestrüpp hängen. Die biegsamen Äste der Bäume schienen nach ihm zu greifen wie die Hände von hölzernen Wachposten. Störe unsere Ruhe nicht!
Als er schließlich das Ende des Baumbestandes erreicht hatte, bemerkte er, dass er eine Sackgasse erreicht hatte - vor ihm ragte ein steiler Felshang in die Höhe, der sich in beide Richtungen entlang des Waldrands erstreckte, soweit er sehen konnte. Zu beiden Seiten gab es nichts als dichter Nadelwald. Der Alte stieß ein paar schrille Pfiffe aus, rief erneut den Namen des Hundes. Horchte.
»Wuff?!«
Diesmal schien der Ursprung des Bellens näher zu sein, ja sogar aus seiner unmittelbaren Umgebung zu kommen. Allerdings klang der klägliche Laut nur gedämpft herüber – und schien direkt in dem Felsen vor ihm seinen Ursprung zu haben.
Der alte Mann betrachtete die Gesteinsformation, welche vor ihm in die Höhe ragte. Er hob einen Ast auf und klopfte damit gegen die raue Oberfläche. Massiver Stein, wie er vermutet hatte. Und doch war die Stimme seines Hundes von da drinnen gekommen, er war ganz sicher.
Er beugte sich hinab, um den Fels genauer in Augenschein zu nehmen. Eine Birke hatte sich mutig ihren Weg durch den Stein gebahnt – und war dabei in eine Lücke zwischen zwei Gesteinsplatten geraten. Irgendwann hatte die beharrliche Lebenskraft des emporwachsenden Bäumchens den Fels zum Bersten gebracht und dem jungen Leben einen Weg nach oben freigesprengt. Der Stamm der Birke hatte den Spalt im Laufe der Jahre immer weiter aufgedrückt, und irgendwann war der Fels in einen breiten Riss geborsten – breit genug, um einen gefräßigen alten Streuner hindurchzulassen, den der spontane Jagdtrieb überkommen hatte. Wahrscheinlich sogar breit genug für einen Menschen.
Der Alte beugte sich tiefer in den finsteren Spalt hinab. Dort unten gab es nichts als Schwärze. Schließlich, ganz leise – nahm er ein Hecheln wahr, und dann ein Bellen, noch immer schüchtern und furchtsam. Der Mann rief den Namen seines Hundes in die Dunkelheit, woraufhin dieser herbeitrottete und leise winselnd zu dem Alten hinaufstarrte. Offenbar war Tobi im Eifer der Verfolgungsjagd seiner Beute durch den Spalt hinterhergesprungen – und in die Falle gegangen. Für den alten Mann würde es keine leichte Aufgabe sein, den gut achtzig Kilo schweren Hund von dort unten hochzuhieven, aber er konnte Tobi schließlich kaum dort unten seinem Schicksal überlassen. Er würde sich in den Spalt zwängen und ihn irgendwie herausbugsieren müssen.
Er förderte ein kurzes Kletterseil aus seinem Rucksack zu Tage und befestigte es am Stamm der jungen Birke. Dann warf er das andere Ende in die Höhle hinab – kommentiert von Tobis erwartungsvollem »Wuff!«.
Anschließend entledigte er sich seines Rucksacks und quetschte ihn mitsamt des darin befindlichen zweiten Langseils durch den Spalt. Mit einem dumpfen Geräusch schlug es irgendwo unten im Inneren der Höhle auf. Der Alte zog prüfend an dem Seil und zwängte sich dann selbst durch den Riss. Zentimeterweise ließ er sich nach unten gleiten, hinab in die unbekannte Dunkelheit.
Als er den Grund der Höhle erreicht hatte, stellte er fest, dass er bequem darin stehen konnte. Sie musste gut drei Meter tief sein – ein Wunder, dass sich Tobi nicht wenigstens ein paar Knochen gebrochen hatte.
Kaum war er unten angekommen, wurde er von dem wild umherspringenden Tobi begrüßt, der den alten Mann im Überschwung seiner Freude beinahe von den Füßen fegte.
»Hey, langsam, mein Junge!«, sagte der Alte, während der Hund dazu überging, ihm ausgiebig die Hände abzulecken. »Wo bist du hier nur wieder hineingeraten, du alter Räuber?«, sinnierte der alte Mann, während er den Hund gedankenverloren hinter den Ohren kraulte. Das Echo seiner Worte klang seltsam hohl und verzerrt durch die Dunkelheit.

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17. Oktober 2014

"Das Geheimnis von Sunderley" von Isa Piccola

Sommer 2011: Eine junge Frau entdeckt während ihres Urlaubs in England ein geheimnisvolles Porträt, das ihr selbst unheimlich ähnlich sieht. Sie beschließt, dem Mysterium auf den Grund zu gehen und entdeckt dabei die Geschichte einer Familie aus dem 19. Jahrhundert - und nicht zuletzt auch ganz neue Seiten ihrer eigenen Familie.

1860: Die nicht mehr ganz junge Elizabeth Devane heiratet aus der Not der Situation heraus einen reichen Mann, den sie nicht liebt. Doch während der Ehe entdeckt sie nicht nur die grausamen Seiten ihres deutlich älteren Mannes Edward. Sie stößt auch auf einige Geheimnisse dieses Familienclans, der mit dem ihren eigentlich seit Jahrhunderten verfeindet ist. Worauf beruht diese Fehde? Und warum hat Edward vor Jahrzehnten seinen kleinen Sohn als Säugling ausgesetzt? Die Wahrheit, auf die sie hier stößt, ist schrecklicher als vermutet - und geeignet, ihre wirkliche Liebe zu diesem ausgesetzten Sohn zu zerstören.

Gleich lesen: Das Geheimnis von Sunderley

Leseprobe:
Unglücklicherweise kam eines Abends ein nicht erwarteter Umstand dazwischen, der mich etwas aus der Bahn werfen sollte. Aber nur zeitweilig. Letztendlich blieb ich Sieger. […]
Ich bemerkte sofort, daß ich nicht allein im Raum war. Das Fenster stand weit offen und die Vorhänge waren aufgezogen. Wenn der Eindringling gewollt hätte, daß ich nichts von seiner Anwesenheit wußte, hätte er diesen Umstand sicher vermieden. So aber wußte ich, wer es war.
„François! Du hast lange gebraucht, um mich zu finden.“
Der Angesprochene trat aus dem Dunkel neben dem Fenster in den hellen Mondschein, so daß ich seine Silhouette sehen konnte. Trocken erwiderte er:
„Aber ich habe dich gefunden. Zugegeben, es hat länger gedauert, aber was soll man tun, wenn man nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel zur schnellen Fortbewegung verfügt…“
Ich haßte den süffisanten Unterton, den er in seine Worte legte. Plötzlich fragte ich mich, wie dieser Mann je mein Freund gewesen sein konnte. Sein versteckter Sarkasmus hatte mich schon immer gestört. Manchmal hatte ich den Eindruck, daß er mir mit jedem Wort seine überragende Intelligenz zeigen wollte. Ich war schließlich nur ein einfacher Bürgerlicher, während in ihm, obwohl er nie über seine Herkunft gesprochen hatte, jede Faser den alten englischen Adel widerzuspiegeln schien… Zumindest hatte er sich in Paris so benommen. Und nun spielte er hier den Mittellosen, obwohl er sicher über mehr Geld verfügte, als ich in meinem ganzen Leben je durch Arbeit verdienen könnte. Ich beschloß, es kurz und bündig anzugehen.
„Was willst du?“
Er trat einen Schritt auf mich zu.
„Du weißt es. Gib mir das Rezept für das Gegengift.“
Ich lächelte in die Dunkelheit hinein. Das gefiel mir.
„Ah, der kluge Gelehrte hat es also nicht herausfinden können und kommt nun zu seinem minderbemittelten ehemaligen Freund, um ihn um Hilfe zu bitten… Was zahlst du denn dafür?“
Mit einem weiteren raschen Schritt war er bei mir und stellte sich dicht vor mich hin.
„Du weißt genau, daß ich dich an die Behörden übergeben könnte - wegen versuchten Mordes. Also lassen wir die Spielchen. Gib mir das Rezept, und ich bin wieder fort und lasse dich in Ruhe.“
Er hatte ganz recht – es war ein Spiel, und zwar ein ungemein amüsantes. Und diesmal hatte ich endlich einmal alle Trümpfe in der Hand. Ich schob ihn von mir weg.
„François, mein Freund, nicht so hastig. Erstens hast du nichts gegen mich in der Hand. Absolut gar nichts. Und zweitens wird es dir nicht entgangen sein, daß die Polizei nach dir sucht, daß sie also dich viel eher als mich verhaften würden – schließlich bist du für all die bösen, bösen Anschläge auf den armen Mr LeFroy verantwortlich.“
Ich ließ meine Worte wirken. Er gab noch nicht auf.
„Du weißt genau, daß ich das nicht getan habe. Im Zweifel stünde deine Aussage gegen meine.“
Sein plötzliches Schweigen verriet mir, daß ihm genau der Gedanke gekommen war, den ich jetzt aussprach:
„Und was meinst du, wem die Polizei mehr glauben wird?“ Touché. Er wußte nichts zu erwidern. Genüßlich fuhr ich fort: „Nun, mein Freund, du siehst sicher ein, daß es nicht an dir ist, hier irgendwelche Forderungen zu stellen.“
Er stand unbeweglich da, aber ich fühlte, wie seine Augen mich im Dunkeln verfolgten, als ich zur Bar ging und mir einen Cognac eingoß. Ich genoß meinen Triumph in vollen Zügen.
„Auch einen?“
Plötzlich stand er neben mir und schlug mir das Glas aus der Hand. Ich hatte seine Geduld bis aufs Messer gereizt. Wenn er doch nur nicht immer so aufbrausend wäre! Das hatte mir schon in Paris mißfallen. Genau wie Edward LeFroy war er mit einer Nichtigkeit aus der Fasson zu bringen. Hart umfaßte er mein Handgelenk und zischte mir zu:
„Armand, ich warne dich: reize mich nicht noch weiter. Zur Not lasse ich mich wirklich verhaften, wenn ich dadurch an das Rezept gelange. Du weißt, daß Mr Devane ein unschuldiges Opfer deiner Ränke geworden ist, und du bist es ihm verdammt noch einmal schuldig, daß er seine Sehkraft wiedererlangt. Und du weißt, daß dafür nicht mehr viel Zeit ist.“
Allerdings wußte ich das. Es war Zeit, meine Forderung zu stellen.
„Gut, mein Freund. Ich gebe dir das Rezept.
Aber nur unter einer Bedingung.“

Im Kindle-Shop: Das Geheimnis von Sunderley

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16. Oktober 2014

"poetix - ein Pseudodichter" von Christoph-Maria Liegener

Wer ist dieser “poetix” aus der Neuerscheinung von Christoph-Maria Liegener und warum wird er klein geschrieben? Warum soll er ein Pseudodichter sein? Was hat das alles mit zeitgenössischer Lyrik zu tun? Und was, bitteschön, ist ein Blasophem? Fragen über Fragen, denen der Autor nachgeht.

In seinem Buch geht er mit dem Leser auf Spurensuche und auf einen ironischen Streifzug durch verschiedene Gattungen der Dichtung. Nur ein Vorwand, die Werke jenes Pseudodichters zu verreißen? Teilweise schon: Mit sichtlichem Vergnügen zerpflückt der Autor die Werke seines Opfers. Er geht aber auch darüber hinaus und kommt dabei zu den merkwürdigsten Schlussfolgerungen. Angesichts des tragikomischen Protagonisten geht das nicht ohne eine Prise Galgenhumor und Nachdenklichkeit.

Die literarischen Formen in “poetix – ein Pseudodichter” reichen von Lyrik bis Prosa, vom Philosophischen bis zur Komik, von Sonetten bis zu experimentellen Texten. Selbst Graffiti werden nicht ausgelassen und auch ein sexy Kalligramm darf nicht fehlen. Für die ganz Anspruchsvollen wird in einem Essay eine Brücke von der Lyrik zur modernen Physik geschlagen. Bringt das Ganze etwas? Die Antwort in poetix’ Worten: Es hilft – nur jetzt noch nicht. Eine humorvolle Annäherung an einen Pseudodichter und die Dichtung selbst.

Gleich lesen: poetix - ein Pseudodichter

Leseprobe:

Schatten

Die Schatten der Waldstraße ziehen
zum flackernden Schein der Laternen.
Verloren: Sie möchten noch fliehen
und können sich nicht mehr entfernen.

Wenn Schatten die Blicke berühren,
ergreift dich die Angst eines Kindes.
Den nächtlichen Schauer zu spüren,
vertrau nur der Fremdheit des Windes.

Du sehnst dich den Wolken entgegen,
den Wettern ein Opfer des Raubes.
Was bleibt, ist nur strömender Regen
im Rauschen sich neigenden Laubes.

Es stellen die Schatten die Frage,
die Nacht hilft, die Antwort zu finden:
Allein bist du, träum nicht vom Tage,
doch sieh, die Gewitter entschwinden.


Im Kindle-Shop: poetix - ein Pseudodichter

14. Oktober 2014

"Wenn das alles ist" von Lisa Kammermeier

Seit ihrer Kindheit sind Toni und Martin gute Freunde. Durch die gemeinsame Leidenschaft fürs Bergsteigen und ihre Arbeit als Wissenschaftler sind sie eng verbunden. Als sie während einer Klettertour im Mont-Blanc-Massiv wegen eines Unwetters in einer engen Felsspalte Schutz suchen und ausharren müssen, liegen die Nerven bald blank und die Männer geraten in Streit. In der dramatischen Gewitternacht brechen Konflikte auf, die schon auf festem Boden im Tal zu schwelen begannen …

Gleich lesen: Wenn das alles ist (Kindle Single)







Leseprobe:
Ich glaube an mich. Selbst in den Felswänden der höchsten Berge Europas habe ich das Vertrauen in mich nie verloren. Ich kann mich auf meinen Körper verlassen, meine Arme, Beine, Füße und Hände führen zuverlässig und kraftvoll aus, was ich ihnen anbefehle. Ich trainiere vier Mal die Woche. Ausdauer, Kondition, Kraft. Ich meditiere. Ich habe gelernt, dass alle Stärke aus der Mitte kommt, physisch wie mental. Mein Körper versagt nicht. Mein Geist lässt mich nicht im Stich. Ich denke mir den Weg hinauf zum Gipfel und plane meine Schritte sorgfältig. Ich bin kein Draufgänger. Ich bin erfahren genug, um die jeweils angemessene Technik einzusetzen. Ich bin geduldig, kein Gipfel läuft mir davon. Ja, ich kann umkehren! Ich habe es bewiesen – am Mont Blanc habe ich meine Geduld sogar wiederholt bewiesen. Der Mont Blanc ist ein besonderer Berg – darum hänge ich jetzt auch hier in der Felswand und kann nicht weiter. Der Mont Blanc ist der höchste in den Alpen, in Europa, der nächsthöhere Gipfel liegt vier Flugstunden entfernt östlich, den Namen weiß ich nicht mehr, auch Martin erinnert sich nicht. Martin kauert neben mir in einer Felsspalte, die Platz für eineinhalb Personen bietet. Jede Lageveränderung unserer Gliedmaßen muss abgesprochen werden. Will ich zum Beispiel mein rechtes Bein ausstrecken, muss Martin eine Seite seines Hinterns lupfen, damit ich den Fuß unten durchstecken und an die Felswand schmiegen kann. Das heißt, mein linkes Bein hängt aus dem Unterschlupf, und draußen umkreist seit Stunden ein Gewitter das Massiv wie ein Raubvogel seine Beute.
Ich rieche Martin.
Mein linkes Bein hängt gefährlich aus der Spalte, und obwohl der Rest meines Körpers in unserem Unterschlupf nicht wesentlich besser geschützt ist, will ich das Bein lieber an mich und unter die Überdachung bringen. Martin stöhnt Unverständliches. Als ich ihn erneut bemühe, Unfreundliches. Ich verzeihe ihm.
Wir drücken unsere Köpfe so tief wie möglich unter das klamme Felsendach. Wenn die Köpfe geschützt sind, sind wir sicher.
Bullshit.
Über der Wand ist die Nacht hereingebrochen und liefert den Blitzen eine alle Farben verschluckende Bühne. Dort draußen liegt unermesslicher Raum unbelichtet, Raum, der nicht für uns ist, die Vertikale der Felswand ist nicht für Menschenfüße gedacht. Darum schlagen wir Haken in den Granit und spannen Seile und sichern uns gegenseitig und lernen uns zu vertrauen, weil ein Leben am Seil des anderen hängt. Überall müssen wir hin! Seit Jahrhunderten in die menschenverachtende Wildnis. Auf die Meere der Welt hinaus, in die Eiswüsten und Sandwüsten, auf die Gipfel der Gebirge hinauf und in die Tiefen der Ozeane hinunter. Martin und ich können uns noch nicht einmal darauf berufen, Entdecker sein zu wollen. Alles Gefährliche ist längst bekannt. Die tödlichsten Waffen, die bissigsten Tiere. Die Kälte. Die Hitze. Die Anstrengung, die Einsamkeit.
Wir haben uns immer sicher gefühlt, Martin und ich, er noch sicherer als ich selbst, weil er sich auf mich verlässt, der ihn zurückpfeift, wenn es zu gefährlich wird. Wir sind nicht zum ersten Mal gemeinsam hier und auch warten wir nicht unsere erste Schlechtwetterfront gemeinsam ab. Doch so wenig Distanz zwischen unseren Körpern und den um den Berg schießenden Blitzen war noch nie.
Martin stöhnt leise vor sich hin. Er geht in die Berge, weil er sich überall sonst eingeschlossen fühlt. Wenn Martin nicht im Abstand von zwei Wochen auf einen Berg hinaufklettern kann, bekommt er diesen scharfen Blick, vor dem die Menschen fliehen. Martins Frau fürchtet die Gefahren der Berge, aber noch mehr fürchtet sie die Blicke ihres Mannes, wenn er zu lange bei ihr und den Töchtern ausharren muss. Es liegt nicht an ihnen, sie weiß das, aber es hilft ihr nicht. Sie drängt ihren Mann in die Berge und in die Gefahr, in die Naturgewalt eines sich aus dem Nichts zusammenbrauenden Wetterumschwunges und weint jedes Mal Abschiedstränen.

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9. Oktober 2014

"Die Tage des Chamäleons" von Porter Thomson

Ein fesselnder Kriminalthriller, der die Hintergründe eines schrecklichen Papst-Attentates enthüllt. Der junge römische Polizist Felipe Ventucelli erlebt den Fall seines Lebens, der diesmal sein letzter sein könnte. Völlig überraschend wird ihm die Leitung der Ermittlungen gegen die Papstattentäter angeboten. Felipe willigt ein und sieht sich Stück für Stück in ein perfides Intrigenspiel verstrickt, nicht ahnend, dass er nur ein Bauernopfer in den Händen einflussreicher Strippenzieher ist. Felipe njmmt die Ermittlungen auf und bemerkt zu spät, dass er dabei seinen liebsten Vertrauten in den Abgrund reißt.

Während sich die Ereignisse überschlagen, ist ihm ein erbarmungsloser Killer, der kein Gesicht zu haben scheint, stets einen Schritt voraus. Im folgenden Duell auf Leben und Tod, das sich zu einer halsbrecherischen Jagd, quer durch Europa entwickelt, hinterlässt der Killer eine blutige Spur aus Leid und Verderbnis.

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Leseprobe:
Er schaute aus seinem Gebüsch, hinab ins Tal, wo sich ihm die, eines Königs würdige, Palastanlage mit weitläufigem Park, Orangerie und einem historischen Reitstall im Hintergrund offenbarte. Quer durch den Park verlief eine breite Allee, gesäumt von gewaltigen Platanen, welche direkt zum Rondell vor dem Palast führte. In dieses Rondell mündete ein großes ausladendes Portal in Form einer roten Sandsteintreppe. Vor dieser 22 Stufen umfassenden Treppe, die Stufen hatte der Mann im Gebüsch vorab während der Planungen zu seinem Job gezählt, stand eine schwarze, gepanzerte Limousine, in die hoffentlich gleich das Objekt würde einsteigen wollen.
Der Mann, komplett in schwarz gekleidet und mit einer schwarzen Sturmhaube auf dem Kopf, schaute, sein Präzisionsgewehr im Anschlag, von der Seite auf seine Uhr am Handgelenk. Die fluoreszierenden Zeiger und Punkte auf dem Zifferblatt zeigten ihm, dass es bereits 22.40Uhr war. Jeden Moment musste das „Objekt“ den Palast verlassen. Laut Protokoll sollte der Empfang beim Staatspräsidenten jeden Moment beendet sein. Dann würde das „Objekt“, so sah es das Protokoll vor, als erster den Empfang verlassen.
Der Mann, jeder wird es inzwischen ahnen, seines Zeichens ein Attentäter, Auftragskiller oder Scharfschütze, schaute durch die hochmoderne Infrarotzielerfassungsoptik, welche auf seinem Gewehr angebracht war, und checkte noch einmal seinen Zielbereich.
Zwischen der siebenten und der fünfzehnten Stufe lag die Todeszone. In diesem Bereich hatte das „Objekt“ keine Möglichkeit sich weder zurück in den Palast, noch vor in den rettenden Panzerwagen zu flüchten, ohne das ihm der Schütze einen tödlichen Schuss hätte versetzen können. Gut, der Killer könnte ihn auch direkt an der Palasttür liquidieren! Jedoch war noch immer die Möglichkeit gegeben, gleich wohl sie verschwindend gering war, dass sein erster Schuss das Ziel verfehlte. In der Todeszone hätte der Killer die Möglichkeit mehrere male zu schießen.
Das Portal bot ein freies Sichtfeld und die helle Vollmondnacht arbeitete für unseren Schützen. Das Mondlicht ermöglichte es ihm jede Einzelheit im Zielbereich deutlich zu erkennen.
Die Tatsache, dass sich das Portal vom Standort unseres Killers knappe 800 Meter entfernt befand, bereitete unserem Schützen keine Sorgen. Sein Präzisionsgewehr mit seiner Zielerfassungsoptik war extra für derartige Distanzschüsse von einem exzellenten Waffenbauer aus Polen angefertigt worden.
Um auf Nummer sicher zu gehen, hat unser Killer ein wenig die Munition modifiziert und die Spitzen der Projektile, vom Kaliber 12,7 mm, mit einer feinen Schlüsselfeile ein wenig angefeilt. Diese feinen Grate und Kanten an den Projektilen würden die Effizienz der Geschosse bei weitem erhöhen!
Dass diese sogenannten Dum-Dum-Geschosse laut Genfer Konvention geächtet worden sind, interessierte den Killer nicht. Er lebt und wirkt außerhalb aller Gesetze.
Der einzige Wermutstropfen war, dass er über diese Distanz ohne Schalldämpfer schießen musste, da dieser der Waffe Reichweite und Genauigkeit raubte. Beides jedoch benötigte der Scharfschütze unbedingt!
Es war inzwischen 22.45Uhr, wie ihm ein erneuter Blick auf die Uhr verriet.
Jetzt war es soweit! Er atmete tief durch und legte ruhig ausatmend das Gewehr an. Lautlos entsicherte er die Waffe und visierte die Palasttür an. Absolut ruhig und mit eiskalter Präzision lag die Waffe in seinen Händen und an seiner Schulter. Die Palasttür ging auf! In Begleitung des Staatspräsidenten und einer Schar von sechs Leibwächtern, die alle Richtungen absicherten, trat ein alter Mann mit weißem Haar ins Freie. Das „Objekt“ war mit einem, bis zu den Fußknöcheln reichendem, weißen Gewand bekleidet und trug auf seinem Haupt ein weißes Zucchetto. Um seinem Hals hing eine goldene Kette mit einem reichlich verzierten, goldenen Kruzifix. An der Tür unterhielten sich die beiden noch immer angeregt und zeigten in den Nachthimmel hinaus.
Ja bewundere nur diese schöne Vollmondnacht! Es wird deine letzte sein! , dachte sich der Killer und erfasste mit dem Fadenkreuz den Kopf des „Objekts“.

Im Kindle-Shop: Die Tage des Chamäleons

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8. Oktober 2014

"Gekommen um zu gehen" von Lana N. May

Die Liebesgeschichte von Johanna und Thomas. Er gebunden, sie frei, aber nicht frei von ihrer Vergangenheit, treffen aufeinander und verlieben sich. Amor hat seine Pfeile abgeschossen, er hat nach Plan getroffen - mit folgenreichen Konsequenzen. Sie lieben sich, lachen, leiden gemeinsam und einsam, er muss nach New York, sie bleibt in Wien. Die beiden sind getrennt aber es verbindet die beiden Leidenschaft und die ganz große Liebe. Die Trennung auf Zeit verbringen sie mit E-Mails und Telefonanrufen und finden in der Distanz noch inniger zueinander.

In jeder E-Mail liegt die Geschichte eines - scheinbaren - gemeinsamen Tages. Doch meint es das Schicksal gut mit den beiden? Was, wenn man gemeinsam die schönste Zeit erlebt? Was, wenn alles plötzlich endet? Was wenn man am Morgen noch gemeinsam aufgestanden ist und am Abend alleine schlafen gehen muss?

Eine Geschichte über zwei Liebende, erzählt auf eine humorvolle Art und Weise, über Begegnungen die verändern, über das Zusammenkommen, über Vertrauen, über Trennung und über die Nachhaltigkeit einer großen Liebe.

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Leseprobe:
Der Nebel bedeckte die Straße. Es war mittlerweile Herbst geworden und Johanna besuchte ihre Großmutter im Altenheim. Es war noch kein kalter Herbst, mehr so einer der andeutete, dass der Sommer vorüber war, dass es Zeit war, die Sommersachen wegzupacken, sich von seinen geliebten Flip Flops zu trennen, die ohnehin schon leicht ausgefranzt waren, die lauen Sommernächte zu vergessen, den guten Aperollikör im Spirituosenschrank zu verstauen, denn für sommerliche Spritzer fehlten eindeutig die warmen Juli- und Augustnächte. Es war die Zeit gekommen, um die Fotos vom Sommerurlaub auf Capri am Computer in Ordner zu verpacken und sie vielleicht mit dem Titel „letzter Sommerurlaub“ zu versehen, oder auf eine ganz altmodische Art sie ausarbeiten zu lassen, damit man sich am Anblick des türkisfarbenen Salzwassers an kühlen Wintertagen wärmen konnte. Ja, es hieß, Adieu zu heißen und schwülen Sommertagen zu sagen, aber sich auch gleichzeitig auf Kaminfeuer, wunderschöne rot-, gelb- und goldfarbene Herbsttage einzustimmen und sich mit dem Gedanken anzufreunden, die Wollpullover aus den hintersten Ecken des Schrankes herauszusuchen, zu checken, ob sie mode- und größentechnisch auch in dieser Saison noch passten.
Jeden zweiten Tag besuchte Johanna ihre Großmutter, es war Routine für sie. Die Großmutter würde so oder so nicht mehr lange leben und die Besuche nicht nur eine gewisse Nettigkeit der Enkelin, sondern für Johanna so wichtig wie die Luft zum Atmen. Sie brauchte die Nähe zu ihrer Oma, immerhin hatten sie auch in den letzten Jahren zusammen gewohnt. Johannas Eltern lebten nicht mehr, sie hatten einen Autounfall nicht überlebt. Als das passierte, war Johanna sturzbetrunken mit Freunden in einer Disco unterwegs. Die Disco mochte sie nie, doch was das Landleben als Alternativen bot, war noch viel schlechter. Sie sprach seit dem Tod ihrer Eltern nie mehr über sie. Sie wurde anders, als hätte man ihr Herz und den Verstand ausgetauscht, Johanna merkte es, aber konnte aus dem schwarzen Loch nicht entkommen, sie konnte sich einfach nicht dagegen wehren. Jeden Tag, seit dem tragischen Unfall, riss es sie immer weiter in die Tiefe. Unaufhaltsam.
An diesem Herbsttag, saß sie einfach so da und starrte ihre Großmutter an, die sich kaum rührte. Stunden verstrichen. Manchmal schnaubte die Alte und ihr Bauch wölbte sich dabei stark nach außen, dann keuchte sie und murmelte Unverständliches vor sich hin. „Die Alte“, ein Begriff den Johanna benutzte um sich von ihrer Großmutter und ihrem bevorstehenden Tod zu distanzieren, geprägt vor einigen Monaten, denn früher wurde sie von ihr liebevoll „Oma“ genannt. Johanna las in einem Buch, blickte kurz zur Großmutter und senkte wieder ihren Kopf. Sie kannte das Schnauben, das Murmeln und das schwere Atmen schon, es besorgte sie nicht. Am Anfang tat es das, aber mittlerweile nicht mehr. Bevor sie ging, richtete sie den Kopfpolster der alten Frau, drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und ging ohne noch weitere, liebevolle Worte der Verabschiedung zu sagen. Langsam stieg sie die Treppen zum Foyer hinunter. Immer wenn Johanna den großen Aufenthaltsraum betrat, blickten die Senioren von ihren Büchern, Brettspielen, Klatschzeitschriften auf und schauten sie einen Moment lang an. Die Bewohner des Altenheims setzten die Kaffeetassen ab, legten die Kuchengabeln weg und begutachteten Johanna, manche taten es mit offenem Mund und Bröseln drum herum, manche setzten sich ihre alten Kassenbrillen auf, um Johanna besser zu sehen. Sie starrten so lange, bis sie durch die Tür verschwunden war. Es interessierte sie nicht, wer die Alten waren, welche Geschichten sie wohl zu erzählen vermochten. Viele von ihnen hätten aber gerne mehr über Johanna gewusst, denn sie war seit langem ein Stammgast, mehr ein Stammbesucher, gab aber nichts über sich preis. Jeden zweiten Tag kam sie, eilte die Treppen hinauf zur Großmutter und blieb dort eine Zeit lang. So zügig wie sie hinaufgelaufen war, verschwand sie auch wieder. Niemand hatte Gelegenheit mit ihr zu reden. Niemals.
Johanna sperrte die Türe auf. Ihre Wohnung war zweckmäßig eingerichtet und ließ keine Spielereien erspähen. Nirgendwo konnte man Fotos sehen, keine Teppiche wärmten die kalten Füße im Winter und kein lieblicher Geruch stieg einem beim Betreten der kleinen Wohnung in die Nase. Nüchtern und kühl, sowie Johanna es war. Sie ging zum Kühlschrank, öffnete ihn und nahm sich eine Packung Orangensaft heraus, heute war ihr Glückstag, denn immerhin hatte sie eine Packung Saft vom Diskonter darin gefunden. Mehr war nicht gekühlt. Irgendwann würde sie einkaufen gehen. Irgendwann, wenn es wieder geht. Oft war ihr kalt. Wenn das der Fall war, dann legte sie sich mit einer dicken braunen Decke auf die Coach, ein Relikt aus früheren Kindheitstagen. Mittlerweile spürte man unangenehm die Metallfedern der Billigcouch, die sich ins Gesäß bohrten, wenn man darauf saß. Manchmal schaltete Johanna den Fernseher ein, sie besaß keinen XL-Flat Screen, sondern einen Röhrenfernseher aus dem letzten Jahrzehnt, 61x50x46 cm, voll funktionsfähig, ohne HD, 3D und dem ganzen Schnickschnack. Manchmal las sie ein Buch und wieder manchmal blätterte sie in Zeitschriften. Sie schien lustlos zu sein, hin und wieder auch hektisch, so, also würde sie nicht wissen, was zu tun war, oder vielmehr was sie gerne tun würde. Sie hatte sich lange schon keine große Bedeutung mehr zugemessen. Aber auch den anderen nicht. Nicht den Busfahrern, nicht den Verkäuferinnen, nicht dem Postboten und noch nicht einmal ihrer Großmutter.

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7. Oktober 2014

"Begegnungen: irgendwie ... - irgendwo ..." von Karin Büchel

"Begegnungen", irgendwie und irgendwo: Ein Mix von 25 Kurzgeschichten, in denen es um Begegnungen zwischen Freunden/innen, Fremden oder Zufallsbekanntschaften geht. Es sind Begegnungen zwischen Menschen wie DU und ICH, die häufig einen seltsam schaurigen, cleveren aber auch heiteren Inhalt haben.

Kurzgeschichten aus dem Leben: Gefährlich, tödlich, amüsant. Kurz und eigenwillig.

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Leseprobe "Gundula":
Man bedenke bei dieser Geschichte, dass es sich um das Jahr 1976 handelt und besagte weibliche Person gerade einmal siebzehn Jahre jung war.
Ich nenne diese Person jetzt einfach: Gundula.
Gundula war hoch gewachsen, dünn, Arme und Beine passten im Verhältnis zum Oberkörper noch nicht zueinander, hatte samtbraune Augen, braune, zu einer Innenrolle geföhnte Haare, so ähnlich wie Mireille Mathieu und wenig Selbstbewusstsein.
Gundula ging gerne in das dorfansässige Freibad, denn dort konnte man, auch damals schon, wunderbar die Jungs beobachten und wurde selber gesehen.
An jenem Tag im Sommer 1976 zog sie sich besonders auffällig an:
Sie entschied sich für ihren orangefarbenen Pullover. Ärmellos war er, aber mit Rollkragen, man bedenke dass es Sommer war. Sie liebte diesen Pullover über alles. Er war aus 100 Prozent Polyester, gerippt und drei schwarze Knöpfe zierten den Umschlag des Rollkragens. Dazu trug sie eine beige Stoffhose. Nein, um genau zu sagen, es war eine hellbeige Stoffhose, fast farblos. Auf jeden Fall trist und langweilig, aber Gundula trug sie gerne. Vor allem weil sie hauteng war. So eng, dass das Fleisch ihrer Oberschenkel durch den Stoff quoll. Ähnlich wie eine Ziehharmonika. So faltig sah es aus. Aber so musste es sein. Sie fühlte sich wohl und unter alldem hatte sie ihren Badeanzug an. Türkisfarben mit bunten Muscheln.
Im Freibad legte sie ihr Badehandtuch auf die Wiese , zog sich dann den Pullover und die Hose aus und setzte sich in ihrem Badeanzug so auf das Handtuch, dass sie alles gut beobachten konnte.
Da war er: Frank!
Ein klasse Typ. Schwarze Haare, sportliche Figur, liebes Gesicht mit zwei Grübchen , die sich beim Lachen immer abwechselnd zeigten und ein intelligentes Kinn. Für Gundula war ein Kinn dann intelligent, wenn es markant, eckig und ausgeprägt war, so wie das Kinn von Frank.
Hinzu kam, dass Frank, ein paar Jahre älter als sie, in direkter Nachbarschaft von ihrem zu Hause wohnte, sie aber leider überhaupt nicht beachtete. Hingegen verspottete er sie, machte sie lächerlich mit albernen Begrüßungsworten. „Nepomuk“, nannte er sie, ein böhmischer Name und hieß so viel wie „Mann aus Pomuk“. Gundula war kein Mann nur unsterblich in ihn verknallt und von ihrem Platz auf dem Handtuch hatte sie ihn genau im Blick.
Aber Frank bemerkte sie nicht einmal, war umlagert von Gisela, Renate und Angelika.
„Na, bist wohl Luft für deinen Frank, was?“
Doris hatte sich neben sie gesetzt.
Mein Gott, ausgerechnet Doris. Sie wohnte auch in ihrer Nachbarschaft, war klein, äußerst pummelig, fast dick, hatte die Haare immer zu einem ganz strengen Zopf nach hinten gebunden, sollte angeblich das Gesicht schmaler wirken lassen und hatte abgekaute Fingernägel. Nur Doris war nicht dumm. Sie hatte direkt bemerkt, welche Gedanken in Gundulas Kopf kreisten.
„Heute hast du keine Chance bei Frank.“ Wieder so ein Satz. Gundula sprang von ihrem Handtuch auf. „Ich will auch gar nichts von dem!“ Zog sich ihren orangefarbenen Pullover an und dann?
Genau in dem Moment, wo sie ihn über den Kopf zog, ihre Augen wohl dabei geschlossen aber ihren Mund geöffnet hatte, geschah es.
Ein Schrei, ganz wild herumfuchtelnde Arme, ein Pullover, an dem gerissen und gezerrrt wurde. Gundula, schnappte nach Luft, röchelte, schrie mit den Augen um Hilfe.
Aber es war zu spät. Es ging so schnell, dass selbst Doris, die direkt neben ihr war, nichts machen konnte.
Frank, der mit seinen Mädchen beschäftigt war, sah zufällig das Drama, kam angerannt, schließlich studierte er im dritten Semester Medizin, leistete erste Hilfe, so gut es ging, jeder Handgriff saß, aber jene Wespe, die sich in Gundulas orangefarbenen Pullover versteckt hatte und dann in den Mund von dieser geflogen war, hatte ganze Arbeit geleistet. Grausame Arbeit.
Ein Stich in die Luftröhre.
Jede Hilfe kam zu spät.
Gundula konnte an diesem Nachmittag im Freibad die ganze Aufmerksamkeit von Frank auf sich ziehen.
Das erste und letzte Mal in ihrem Leben.

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